Krieg

im Paradies

 

 

Der Kampf um unsere Erde

 

 

Armin Held

Geboren 1961 in Garmisch

verheiratet, vier Kinder

Hebraicum und Graecum an der Universität München.

Kontakt:

Armin Held

Oberreit 1

D - 83620 Feldkirchen-Westerham

Telefon: 08063-972 301

Diese Schrift, Stand Februar 2008, darf in jeder Form vervielfältigt werden. Sie kann, ebenso wie etliche weitere Schriften, von mir bezogen oder von der folgenden Homepage in der jeweils neuesten Fassung gratis heruntergeladen werden:

www.urzeitundendzeit.de

Die Lage in Eden

Wie alles anfing

Der Bibeltext von Genesis 2

Die Weichenstellung

Wo lag der Garten Eden?

Wann lebte Adam?

Hatte Adam eine Mutter?

Wer ist der zweite Mensch?

Adams Berufung: Gärtner und Soldat

Eva: Braut in Kampfstiefeln

Kann man aus einem Mann eine Frau machen?

Der Feind

Wer sprach mit Eva?

Die Methoden des Bösen

Wie die Sünde in die Welt kam

Die Menschheit auf der Flucht

Das Urteil

Die Kriegserklärung Gottes

Kain und Abel: Wenn Brüder Feinde werden

Die Kämpfe der Endzeit

Der Krieg der Schlange gegen den Messias

Der Kampf der Christen

Der Drache und die Frau

Der Antichrist

Die Hure und die Braut

Happy End!

Krieg im Paradies?

Wie stellen wir uns das Paradies vor? Als einen gemütlichen Ort, wo einem nichts Böses passieren kann, nicht wahr? So, wie damals Adam und Eva bestimmt total entspannt durch einen herrlichen Garten spazierten, von all den leckeren Früchten aßen, mit den verschiedensten Tieren spielten und bei alledem keinen Grund zur Beunruhigung hatten ... Wirklich nicht?

Das Wort "Paradies" kommt vom persischen "pardes = Einzäunung" und bezeichnet einen Garten, der durch eine Art Zaun beschützt wird. Und wenn wir uns genauer an die Geschichte erinnern, fällt uns ein, dass damals doch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war, denn irgendwoher tauchte ja die böse Schlange auf, und am Schluss mussten die beiden Menschen das Paradies verlassen. Ja, wirklich, wenn wir es recht bedenken, ist ausgerechnet in den Kapiteln, die über das Paradies berichten, sehr viel von Dingen die Rede, die gar nicht schön sind:

Da wird Adam vor einer absolut tödlichen Gefahr gewarnt.

Menschen verstecken sich vor lauter Angst im Wald.

Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung - mit Todesurteil!

Es wird ein Krieg gegen einen heimtückischen, gnadenlosen und tödlichen Gegner angekündigt, der über viele Generationen andauern soll.

"Außerirdische" mit gewaltigen Schwertern versperren den Zugang zum Paradies.

Und danach geht es nicht gut weiter: Brudermord, Blutrache und der Untergang ganzer Kulturen folgen Schlag auf Schlag.

Das hört sich alles schon gar nicht mehr so friedlich an. Kann es sein, dass wir ein paar entscheidende Dinge überlesen haben? Es scheint so. Der Text ist viel tiefer - und viel spannender - als es auf den ersten Blick aussieht:

Der Bericht vom Garten Eden ist nicht eine märchenhafte Episode aus einem fernen Land und ferner Zeit, sondern er beschreibt die Realität, in der wir heute weiter-leben: Adam heißt "Mensch", und wie er war, so sind wir. Eva heißt "Leben", und wie sie war, so ist unser Leben. Was die beiden durchgemacht haben, ist real, und es ist für uns aufgeschrieben, weil wir bis heute dieselben Kämpfe haben wie die beiden: Diese Erde sollte eigentlich ein Paradies sein, doch mitten unter uns tobt ein Krieg!

Ist es nicht so: Es gibt Momente in unserem Leben, da fühlen wir uns tatsächlich wie im siebten Himmel. Doch schon kurze Zeit später kann es um Leben und Tod gehen, plötzlich haben wir sozusagen die Hölle auf Erden. Wie ist das möglich? Was, wenn in dem unerbittlichen Kampf, der um das Paradies gekämpft wurde und der bis heute andauert, die entscheidenden, diesmal weltweiten Schlachten womöglich unmittelbar vor uns liegen?

Die erste Schlacht ging durch Adam’s Versagen verloren. Nicht aber der Krieg, denn der fängt mit der Kriegserklärung Gottes im Garten Eden erst richtig an. Die Kapitel, die wir im folgenden betrachten, berichten von der Lage auf dem Schlachtfeld, von der Kampftechnik des Feindes und von der Strategie Gottes. Diese Informationen sind lebenswichtig für unser Dasein in einer Welt, in der Leben absolut lebensgefährlich ist. Wenn wir nicht aus den Fehlern der Geschichte lernen, dann sind wir dazu verdammt, sie zu wiederholen - allerdings mit noch schlimmeren Folgen.

Wenn wir jedoch aus ihnen lernen, haben wir die besten Chancen. Denn der Ausgang dieses Krieges steht längst fest, die große Frage für jeden Menschen auf dieser Erde ist nur: Auf welcher Seite werde ich am Ende stehen? Die Entscheidung scheint leicht, denn wer möchte schon bewusst für das Böse kämpfen? Das Problem ist nur, dass eine der Hauptmethoden des Feindes gerade darin besteht, die Grenzen von Gut und Böse zu verwischen. Mit Halbwahrheiten und raffinierten Täuschungen soll die Wahrheit vernebelt werden. Irrlichter sollen die Menschen verblenden, damit sie am Schluss im Dienst des Bösen stehen, während sie gleichzeitig davon überzeugt sind, das Richtige und Gute zu tun.

Dies ist kein Spiel, das wir beliebig wieder von vorne beginnen können, sondern es geht um unser eigenes und einziges Leben - und zwar nicht nur um unser jetziges, sondern auch um unser ewiges Leben! Darüber hinaus geht es auch noch um unsere Erde und all die Menschen, die mit uns auf ihr leben. Denn wir können anderen nur dann eine helfende Hand entgegenstrecken, wenn wir selber aus dem Sumpf dieser Welt gerettet worden sind.

Dieser Planet ist von Gott dazu bestimmt, ein Paradies zu sein, doch in der jetzigen Zeit führt kein Weg an dem Kampf vorbei, der dafür gekämpft werden muss. Dieser Kampf wurde der Erde und ihren Bewohnern aufgezwungen, aber wir müssen uns ihm stellen und zurückerobern, was verloren ging. Es kann keinen Frieden geben, solange feindliche Mächte heimtückisch und skrupellos die Macht an sich reißen und eine rücksichtslose Herrschaft ausüben wollen. Echter und dauerhafter Friede kann erst nach einem vollständigen und endgültigen Sieg beginnen.

Geführt wird dieser Kampf mit den stärksten Waffen, die es überhaupt auf dieser Erde gibt - nicht mit Schwertern aus Stahl, auch nicht mit Bomben oder Raketen, sondern mit Worten. Darum ist es so wichtig, dass die Bibel nicht nur die vergangenen Schlachten von Anfang an beschreibt, sondern darüber hinaus auch die kommenden. Damit wird sie für uns zu einer unschätzbar wertvollen Hilfe, als Überwinder durch die Wirren der vor uns liegenden Zeiten zu kommen:

Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht. 2.Petrus 1:18

Wie alles anfing

Wenn wir das zweite Kapitel der Bibel richtig verstehen wollen, dann müssen wir berücksichtigen, was im ersten geschah. Darum hier ein kurzer Rückblick auf den Schöpfungsbericht, wie wir ihn in "Der Stammbaum des Lebens - Das erste Kapitel der Bibel und die Naturwissenschaft" untersucht haben:

Ganz "im Anfang" schuf Gott das Universum, "die Himmel und die Erde". Wie das Wort "Anfang" deutlich macht, waren diese jedoch nicht fix und fertig, sondern entwickelten sich erst im Laufe der Zeit zu dem, was sie heute sind. Im zweiten Satz verengt sich das Blickfeld auf die Erde, ihr Zustand wird als "Tohuwabohu" beschrieben. Zum einen war sie durch eine undurchdringliche Wolkendecke in Finsternis gehüllt, zum anderen war sie von Wasser bedeckt. Zwei äußerst wichtige Informationen stecken in diesem Satz, die wir nicht übersehen und nicht vergessen dürfen:

Ein Tohuwabohu ist im Hebräischen der Inbegriff von Zerstörung, Gottesferne und Mangel. Irgendetwas stimmt nicht mehr mit der Erde, es geschehen nun auch Dinge, die nicht Gottes Absichten entsprechen. Der ganze Planet steht von nun an unter zwei gegensätzlichen Vorzeichen: Einerseits handelt Gott, aber andererseits bewirken irgendwelche antigöttlichen Kräfte Zerstörung und Mangel.

Zum zweiten wird gesagt, dass Gottes Geist über den Wassern der angeschlagenen Erde "schützend brütete". Das hier verwendete Wort "richeph" bezeichnet das Flattern von Greifvögeln über ihren Jungen, ist also ein Inbegriff für die Förderung jungen, sich entwickelnden Lebens. Demnach gab es in den Gewässern der Tohuwabohu-Erde Lebensformen, deren Weiterentwicklung Gott anregte.

Dann wird die stufenweise Entfaltung dieses Lebens auf der Erde beschrieben: Nach dem Auftauchen des Festlandes erscheinen Landpflanzen, dann Meerestiere, Landtiere und schließlich die Menschheit. Im letzten Satz wird das gesamte Geschehen schließlich mit den folgenden Worten zusammengefasst:

Dies sind die Geschlechterfolgen (Toledot) der Himmel und der Erde in ihrem Erschaffenwerden ... Genesis 2:4

Das hebräische Wort Toledot ist ein Spezialausdruck für Geschlechtsregister, und tatsächlich ist der Schöpfungsbericht ein Familienstammbaum, ähnlich den anderen ToledotVölkertafeln der Schrift, voll von Ausdrücken wie Fruchtbarkeit und Vermehrung. Die Höherentwicklung des Erdenlebens beruht also einerseits auf ganz natürlicher Abstammung, andererseits zugleich auf übernatürlichen Eingriffen, zum Beispiel den drei Schöpfungsakten Gottes, der Erschaffung der Materie im Anfang ("Urknall", Genesis 1:1), der Erschaffung seelischen Lebens (Kambrische Explosion, Genesis 1:21) und der Erschaffung des Menschen als geistiges Wesen (Kultur, Genesis 1:27).

Und noch ein drittes ist für das Verständnis des folgenden Textes unentbehrlich: Obwohl all das, was GOTT in dieser gefallenen Welt tut, "sehr gut" ist, Genesis 1:31, findet auf ihr seit dem Tohuwabohu ein Kampf zwischen Licht und Finsternis statt. Der Bericht betont ganz am Ende sogar, dass nun die Vorbereitungen für einen gewaltigen Krieg fertig sind:

Und so wurden vollendet die Himmel und die Erde und all ihr Heer. Genesis 2:1

Das hier verwendete Wort "tsaba = Armee, Heer" bezeichnet kriegerische Heerscharen, und so müssen wir erwarten, dass es im nächsten Kapitel zu ersten Kampfhandlungen des "Heers von Himmel und Erde" kommt. Und genau das geschieht auch tatsächlich, denn an einem idyllischen Plätzchen auf dieser Erde wird ein außerirdischer Angriff auf die Menschheit gestartet und ein Krieg begonnen, in dem es keine Neutralität gibt. Alles fängt ganz unscheinbar an ...

Der Bibeltext von Genesis 2

Die Lage im Gebiet von Eden

5 Jegliches Gesträuch des Feldes aber war noch nicht im Lande äräts, und jegliches Kraut des Feldes sprosste noch nicht, denn der HERR, Gott, hatte es nicht auf das Land äräts regnen lassen, und Mensch adam war keiner da, um den Erdboden adamah zu bebauen.

6 Ein (unterirdischer) Strom ed aber stieg von der Erde auf und befeuchtete das ganze Angesicht des fruchtbaren Erdbodens adamah.

Die Bildung des einen Menschen Adam

7 Da bildete jatsar der HERR, Gott, den Adam adam: Staub von dem Erdboden adamah (war er).

Danach blies er in seine Nase Erkenntnisgeist neschamah des Lebens. Da wurde Adam zu einer lebenden Seele näphäsch.

Der Garten in Eden

8 Dann pflanzte der HERR, Gott, eine Einfriedung gan in Eden, von Osten her, und er bestimmte sim für dort den Adam adam, den er gebildet jatsar hatte.

9 Dann ließ der HERR, Gott, von dem Erdboden allerlei Gebäum sprießen, begehrenswert anzusehen und gut zu essen, den Baum des Lebens aber in der Mitte der Einfriedung, und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Die von Eden ausgehenden Flüsse

10 Ein Fluss aber ging von Eden aus, um die Einfriedung zu bewässern. Von dort aber teilte er sich, und so wurde er zu vier Anfängen rosch.

11 Der Name des einen: Pischon - er ist es, der das ganze Land Chawila umzieht, wo das Gold ist.

12 Das Gold jenes Landes aber ist gut. Dort ist das Bedolach und der Schoham-Stein.

13 Der Name aber des zweiten Flusses ist: Gichon. Er ist es, der das ganze Land Kusch umzieht.

14 Der Name aber des dritten Flusses ist: Chiddeqel. Er ist es, der östlich von Assur geht.

Der vierte Fluss aber, der ist der Phrat (Euphrat).

Adam’s Auftrag in der Einfriedung

15 Dann nahm laqach der HERR, Gott, den Adam und machte, dass er sich niederließ nuach in der Einfriedung von Eden, sie zu bearbeiten abad und sie zu bewachen schamar.

Die verschiedenen Bäume und die Warnung

16 Dann befahl der HERR, Gott, über den Adam, indem er sagte: Von allen Bäumen der Einfriedung sollst du essen, ja, essen.

17 Aber von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse - nicht sollst du von ihm essen! Denn an dem Tag jom, an dem du von ihm isst, wirst du sterben, ja, sterben.

 

Adam wird auf seine Frau vorbereitet

18 Und der HERR, Gott, sprach: Es ist nicht gut, dass der Adam allein lebaddo sei! Ich will ihm einen Kampfbeistand ezär zubereiten asah, der ihm entspricht nägäd.

19 Und der HERR, Gott, bildete jatsar von dem Erdboden adamah alle kol Lebewesen des freien Feldes sadäh und alle kol Flugtiere der Himmel. Und er verursachte, dass sie zu Adam hineingingen bo, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Und genau so, wie Adam sie, die lebenden Seelen näphäsch nennen würde, das war ihr Name.

20 Und Adam gab Namen allen kol großen, vierfüßigen Tieren böhema und den Flugtieren der Himmel und allen Lebewesen des freien Feldes. Aber für Adam fand er keinen Kampfbeistand ezär, der ein ihm entsprechendes Gegenüber nägäd war.

Die Operation

21 Da verursachte der HERR, Gott, dass ein Tiefschlaf tardemah auf den Adam fiel, und er (ent-)schlief. Und er nahm eine von seinen Rippen, und dann verschloss er an ihrer Stelle mit Fleisch.

22 Dann baute banah der HERR, Gott, die Rippe, die er von dem Adam genommen hatte, zu einer Frau ischschah. Und er verursachte, dass sie zu dem Adam hineinging.

Adam und Eva

23 Da sagte der Adam: Diese ist diesmal Gebein ätsäm von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch. Diese wird "Männin" ischschah genannt werden, denn vom Manne isch ist diese genommen.

24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen dabaq, und sie werden zu einem Fleisch werden.

25 Und sie waren beide nackt arum, Adam und seine Frau ischschah, aber sie schämten sich nicht.

 

Die Weichenstellung

Die fünfzig Kapitel des ersten Buches Mose beschreiben eine logisch aufgebaute Entwicklung, die vom Anfang des Alls bis zur Entstehung des Volkes Israel reicht. Das zweite Kapitel stellt eine logische und chronologische Fortsetzung des ersten dar. Doch heute ist es weit verbreitet, darin einen "zweiten Schöpfungsbericht" zu sehen, der angeblich dasselbe Geschehen beschreibt wie das erste Kapitel - und das, obwohl das Wort "bara = erschaffen" im Grundtext nicht ein einziges Mal vorkommt - ein Unding für einen "Schöpfungsbericht"! Doch hat man erst einmal diese Denkrichtung eingeschlagen, finden sich reihenweise angebliche Widersprüche zwischen den beiden Kapiteln:

Genesis 1:2-4 Genesis 2:5-25

Reihenfolge:

Pflanzen, Tiere, Menschen Adam - Pflanzen - Tiere - Eva

1. Pflanzen auf dem Festland Vor Pflanzen im Land: Adam

2. Meeres- und Landtiere ... dann Pflanzen in ...

3. Erschaffung der Menschheit ... danach Tiere in Eden ...

4. - - - Zuletzt: Eva

Personen:

Menschheit Adam und seine Frau

männlich und weiblich Mann und seine Frau

(hebr. zakar + neqebah) (hebr. 'isch + 'ischschah)

Zeitraum:

"Tage" eins bis sechs siebter "Tag"

Lebensraum:

ganzes Festland Naher Osten, Eden

Auftrag:

Untertan machen, herrschen arbeiten, bewachen, benennen

Die Nahrung:

Kein Verbot! Verbot!

Wortschatz:

'älohim = Gott (Schöpfer) Jahwe 'älohim (Bundesgott)

bara' = erschaffen (7 Mal) jatsar = bilden, banah = bauen

Dabei ist es nur logisch, dass jeder Versuch, zwei aufeinanderfolgende Ereignisse zur Deckung zu bringen, scheitern muss. Doch wo in den fünfzig Kapiteln des ersten Buches Mose, ja, in der ganzen Bibel kommt es vor, dass zwei aufeinanderfolgende Kapitel dasselbe beschreiben? Durch die Hypothese, Genesis 2 sei ein zweiter Schöpfungsbericht, wird der Anfang der Bibel und damit letztlich das ganze Buch unglaubwürdig gemacht. Deshalb wollen wir Genesis 2 konsequent als Fortsetzung von Genesis 1 verstehen.

Dieser einfache Schritt ist eine wesentliche Weichenstellung. Er öffnet uns den Zugang zum richtigen Verständnis des folgenden Textes und führt zu weitreichenden Konsequenzen:

Adam lebte in einem klar beschriebenen Gebiet im Nahen Osten, in dem zugleich die Wiege der menschlichen Kultur lag.

Er war ein Nachfahre der Menschheit des sechsten "Tages", die innerhalb dieses Zeitraumes bereits die Erde besiedelt hatte., und lebte während des siebten "Tages" - der bis heute andauert!

Adam war der erste Auserwählte, mit dem Gott ein persönliches Bundesverhältnis einging.

Wo lag der Garten Eden?

Jegliches Gesträuch des Feldes aber war noch nicht im Lande, und jegliches Kraut des Feldes spross noch nicht, denn der HERR, Gott, hatte es nicht auf das Land regnen lassen, und Mensch war keiner da, um den Erdboden zu bearbeiten. Genesis 2:5

Viele Übersetzungen lenken den Leser an dieser Stelle in die Bahnen einer bestimmten Auslegungstradition, indem sie den Eindruck erwecken, es sei in Genesis 2 von der Erde als ganzer die Rede. Doch der hebräische Grundtext gebraucht hier das Wort 'äräts, mit 2.504 Vorkommen das vierthäufigste Hauptwort des Alten Testamentes. Es bezeichnet ...

... die Erde im Gegensatz zum Himmel
das Festland im Gegensatz zum Wasser,
den Boden, auf dem der Mensch steht,
einzelne Gebiete und Landstriche,
bestimmte Herrschaftsgebiete und Länder.
(Jenni, Westermann, Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament; 229)

'äräts kann also die Erde als Planeten, das Festland oder - das ist der allerhäufigste Fall - Länder bezeichnen. Allein der Textzusammenhang macht klar, worum es sich handelt.

Das Blickfeld der Bibel verengt sich "von Anfang an" immer mehr:

1. Genesis 1: 1 Das Weltall, "Himmel und Erde"

2. Genesis 1: 2 Der Planet Erde

3. Genesis 1:24 Das Festland

4. Genesis 2: 5 Naher Osten, Mesopotamien

5. Genesis 2: 8 Eden

6. Genesis 2: 9 Der Garten im östlichen Teil von Eden

Alle Genesiskapitel von zwei bis zwölf haben nicht den Erdkörper als ganzen zum Gegenstand, sondern den Nahen Osten. Das Gebiet, um das es geht, wird so genau abgegrenzt, dass man unmöglich von der Erde als ganzer sprechen kann: Das Land Nod, nördlich von Eden, das Araratgebirge (nordwestlich des Irak), die Stadt und das Gebiet Babel, die Städte Erek und Akkad im Lande Sinear, das ist Sumer, weiterhin Assur, also Assyrien mit den Städen Ninive, Rechoboth, Kalach und Resen. All dies beweist eindeutig, dass in Genesis 2 mit 'äräts' nicht die Erde, sondern ein spezifisches Gebiet, ein bestimtes "Land" gemeint ist!

Nicht "auf der Erde", sondern "im Lande"!

Es geht also im Zusammenhang mit Adam nicht um die ganze Erde, sondern um ein spezielles Gebiet im Nahen Osten. Eine angemessenere Übersetzung von Genesis 2:5 wäre demnach:

Jegliches Gesträuch des Feldes aber war noch nicht im Lande (ba'aräts), und jegliches Kraut des Feldes spross noch nicht, denn der HERR, Gott, hatte es nicht auf das Land (al-ha’aräts) regnen lassen ... Genesis 2:5

Der Text verwendet hier 'äräts mit dem Verhältniswort "be = in", und nicht, wie manche Übersetzungen glauben machen, mit "al = auf". Die genau gleiche Formulierung "ba'aräts = im Lande" finden wir zum Beispiel in Genesis 19:31 ... und kein Mann ist im Lande ... und in 2.Mose 9:22 ... alles Kraut im Lande Ägypten ... In Genesis 1:12,15,17,20,26,28,30 dagegen finden wir tatsächlich die Formulierung "al ha'aräts", wo es zutreffend mit "auf dem Festland" bzw. "auf der Erde" übersetzt wird.

Die genaue Lage von Eden

Die Lage des Garten Eden wird ziemlich ausführlich beschrieben:

Dann pflanzte Gott, der Herr, einen Garten in Eden, von Osten her ...
Ein Fluss aber ging von Eden aus, um die Einfriedung zu befeuchten. Von dort aber teilte er sich, und so wurde er zu vier Anfängen. Der Name des einen: Pischon - er ist es, der das ganze Land ('äräts) Chawila umzieht, wo das Gold ist. Das Gold jenes Landes ('äräts) aber ist gut. Dort ist das Bedolach und der Schoham-Stein. Der Name aber des zweiten Flusses ist: Gichon. Er ist es, der das ganze Land ('äräts) Kusch umzieht. Der Name aber des dritten Flusses ist: Chiddeqel. Er ist es, der östlich von Assur geht. Der vierte Fluss aber, der ist der Phrat. Genesis 2:8-14

Es ist von vier Flüssen die Rede, wobei die Namen Chiddeqel und Phrat auf Tigris und Euphrat hinweisen. Verschiedene Nachbarländer und besondere Bodenschätze werden genannt, z.B. Kusch und Assur. Demnach handelt es sich um ein begrenztes, sehr wohl lokalisierbares Gebiet, nämlich um Mesopotamien, also jene Region, die zwischen dem Persischen Golf und dem Araratgebirge liegt, genauer gesagt wahrscheinlich in dem durch Ströme angeschwemmten sogenannten Alluvialland des Südirak. Die Erwähnung von anderen Ländern weist auf deren Besiedlung mit anderen Menschen hin, die somit gleichzeitig mit Adam lebten! Denn bis heute werden Länder durch ihre Bewohner charakterisiert.

Warum gab es damals keine Pflanzen?

Sicher gab es zur damaligen Zeit in der mesopotamischen Tiefebene durchaus Gebiete, die von der Bodenbeschaffenheit her fruchtbar waren. Der Text deutet dies durch die Verwendung des Wortes 'adamah = fruchtbarer Erdboden an und begründet das Fehlen von Pflanzen in diesem bestimmten Gebiet mit Wassermangel:

... denn der HERR, Gott, hatte es nicht auf das Land regnen lassen ...

Der Hinweis auf Wasserarmut setzt geradezu voraus, dass es Pflanzen gab, denen lediglich die ausreichende Feuchtigkeit fehlte. Es geht im Text also um ein regenarmes Gebiet, wie es sie auch heute noch im Nahen Osten gibt.

Der zweite Grund, den der Text für die Abwesenheit von Vegetation angibt, ist das Fehlen von Menschen, die in diesem Gebiet Bewässerungslandbau betrieben hätten:

... und Mensch war keiner da, um den Erdboden zu bearbeiten ...

Um Ackerbau betreiben und den fruchtbaren Boden nützen zu können, wären Menschen nötig gewesen, die systematisch Bewässerung betreiben konnten. Zur damaligen Zeit wurde jedoch nicht Bewässerungslandbau betrieben, sondern lediglich Regenlandbau, der in den dafür günstigen Randgebieten Mesopotamiens üblich war, die an die iranischen Hochebenen angrenzen. Die Lage änderte sich erst, als ein unterirdischer Wasserstrom aufstieg und den fruchtbaren Boden bewässerte:

Ein unterirdischer Strom (hebräisch ed) stieg aus der Erde empor und tränkte die ganze Fläche des fruchtbaren Erdbodens. Genesis 2:6

Auch hier geht es nicht um die gesamte Erdoberfläche, sondern ein ganz bestimmtes Gebiet, das durch aufsteigendes Grundwasser befeuchtet wurde. Das hebräische ed, in älteren Übersetzungen teilweise mit "Nebel" oder "Dunst" wiedergegeben, wird in neueren Übersetzungen richtig mit "Quellstrom" oder "Grundwasser" übersetzt. Es wäre auch nicht logisch, dass von einer ausdrücklich als trocken bezeichneten Erdoberfläche ein "Dunst" aufsteigen sollte, der dann eben dieselbe wieder bewässert!

Wann lebte Adam?

Der Textzusammenhang macht deutlich, dass Adam am Anfang des siebten Tages lebte, der "gerade" begonnen hat und von Gott gesegnet und geheiligt worden ist. In den Geschlechtsregistern von Genesis 5 und 11 finden wir den lückenlosen Stammbaum von Adam bis Abraham mit genauen Altersangaben, und von Abraham bis heute zu rechnen, ist keine so große Schwierigkeit:

Masoretischer Text Septuaginta

Zeug.- Lebens- Geburt Zeug.- Lebens- Geburt

alter alter v.Chr. alter alter v.Chr.

Abram --- --- 1948 --- --- 1948

Terah 130 205 2078 130 205 2078

Nahor 29 148 2107 179 304 2257

Serug 30 230 2137 130 330 2387

Rehu 32 239 2169 132 339 2519

Peleg 30 239 2199 130 339 2649

Heber 34 464 2233 134 504 2783

Selah 30 433 2263 130 460 2913

Kenan --- --- --- 130 460 3043

Arpaksad 35 438 2298 135 465 3178

Flut: 2300 3180

Sem 100 600 2400 100 600 3280

Noah 500 950 2900 500 950 3780

Lamech 182 777 3082 188 753 3968

Methusalem 187 969 3269 187 969 4155

Henoch 65 365 3334 165 365 4320

Jered 62 962 3396 162 962 4482

Mahalelel 65 895 3461 165 895 4647

Kenan 70 910 3531 170 910 4817

Enosch 90 905 3621 190 905 5007

Seth 105 912 3726 105 912 5212

Adam: 130 930 3856 230 912 5442

Wir haben für Abraham die Datierung von S. Van Mierlo zugrunde gelegt: 1948 v.Chr. Zum Vergleich: F.Rienecker (Lexikon zur Bibel) Spätdatierung 1990 v.Chr., Frühdatierung 2130 v.Chr. Bullinger (Compagnion Bible) 1874 v.Chr. Abraham war 75 Jahre alt, als sein Vater Terah im Alter von 205 Jahren starb, Genesis 11:32 und 12:4. Daraus ergibt sich Terahs Zeugungsalter zu 130 Jahren. Beachte: Genesis 12:1 folgt dem hebräischen Grundtext zufolge zeitlich auf Genesis 11:32.

Zwei verschiedene Zählungen

Der Masoretische Text (hebräisch) und die Septuaginta (abgekürzt "LXX" für die "70" angeblich beteiligten Übersetzer ins Griechische, im zweiten Jahrhundert vor Christus) unterscheiden sich teilweise in der Angabe der Jahreszahlen. Es ist schwer, eine endgültige Entscheidung vorzunehmen, welcher der beiden Texte zu bevorzugen ist: Einerseits ist der Text der Septuaginta ungefähr 1.000 Jahre älter als der der Masoreten, aber andererseits haben die Masoreten die Heilige Schrift sehr gewissenhaft überliefert. Doch auch ohne eine abschließende Entscheidung zu treffen, haben wir einen ungefähren zeitlichen Rahmen vorgegeben ...

Der Jüdische Kalender und Adam’s "Geburtstag"

Die Juden hatten auf Grund der verschiedenen Zeitangaben des Alten Testamentes errechnet, dass die Welt erst ein paar tausend Jahre bestehe und führen in ihrem Kalender bis heute das Jahr 3761 v.Chr. als den Beginn der Zeitrechnung, weil Gott in jenem Jahr die Welt erschaffen habe ... (URS 17,18)

Diese Berechnungen sind insofern interessant, als sie uns eine ungefähre Vorstellung geben, um welche Zeit herum Adam gelebt haben dürfte. Tatsächlich stehen sie nämlich nicht für das Alter der Erde, sondern für den "Geburtstag Adams", zu dem man dann lediglich fünf Erdentage als "Schöpfungstage" hinzugezählt hat.

Das hohe Lebensalter der Adamiten

Wahrscheinlich hängt unser Lebensalter größtenteils von der Erbmasse ab, die uns mitgegeben ist. Da Adam von Gott besonders gebildet worden war, konnte nicht auch zugleich sein Lebensalter sehr hoch bestimmt worden sein? Auch seine Nachkommen wurden sehr alt, wobei ein stetiger Rückgang des Lebensalters zu beobachten ist. Als Gegenstück zu dem hohen Lebensalter der Adamiten berichtet die Bibel, dass in der Zukunft das Lebensalter der Menschen auch sehr hoch sein wird, vergleichbar dem Lebensalter von Bäumen:

Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde ... Und es wird dort keinen Säugling mehr geben, der nur wenige Tage alt wird, und keinen Greis, der seine Tage nicht erfüllte. Denn der Jüngste wird im Alter von hundert Jahren sterben, und wer das Alter von hundert Jahren nicht erreicht, wird als verflucht gelten ... Denn wie die Lebenszeit der Bäume wird die Lebenszeit meines Volkes sein. Jesaja 65:17-22

Adam am Übergang von der Stein- zur Bronzezeit

Von Kain wird gesagt, dass er "ein Städtebauer wurde". Es heißt nicht: "Er baute eine Stadt", sondern: "Er wurde ein Städtebauer". Damit wird das Besondere und Neue an Kains Handeln hervorgehoben. Man beachte den Zusammenhang zwischen Ackerbau, Genesis 4:2, Sesshaftigkeit und Städtebau, Genesis 4:17! Kurze Zeit darauf müssen die Menschen begonnen haben, Metallbearbeitung durch Hämmern zu betreiben, denn von Tubal-Kain wird gesagt, dass er ein "Hämmerer von allerlei Schneidwerkzeugen aus Erz und Eisen" wurde, mit anderen Worten: In seiner Zeit begann die Metallbearbeitung durch Hämmern, Genesis 4:22.

Tubalkain war das sechste Geschlecht nach Kain und lebte ca. 4800 v.Christus. Das ist kurz vor der Zeit, aus der man die frühesten gehämmerten Kupfergegenstände gerade in diesem Land gefunden hat! Falls er nicht der Urheber der Metallbearbeitung war, so doch einer der ersten, die dieses Handwerk ausübten - durch Hämmern, und nicht durch Schmelzen und Gießen, wie es später der Fall war.

Demnach befinden wir uns am Übergang von der Stein- zur Bronzezeit. Bis zur Zeit von ungefähr 10.000 Jahren v.Chr. lebte die Menschheit in der Stufe der Altsteinzeit, als nicht sesshafte Jäger und Sammler, die einfache Steinwerkzeuge gebrauchten. Um diese Zeit herum begann eine Wende, auch neolithische, das heißt neusteinzeitliche Revolution genannt, nämlich der Übergang vom Nahrungssammeln hin zur Nahrungserzeugung: Aus Jägern wurden Tierhalter und -züchter, aus Sammlern wurden Bauern. Damit einher ging der Bau von Häusern und die Gründung von Dorfgemeinschaften. Die Menschen wurden sesshaft und fingen an, Haustiere und Kulturpflanzen zu züchten. Man geht davon aus, dass dieser Vorgang im sogenannten "Fruchtbaren Halbmond" begonnen hat, genau dort, wo später Adam lebte. Des weiteren sind erste gehämmerte Metallgegenstände für die Neusteinzeit des Irak kennzeichnend. Es ist sicher kein Zufall, dass sich hier die Wiege der menschlichen Kultur befand:

Im Zweistromland, der Flussniederung von Euphrat und Tigris, wo sich die ältesten Zeugnisse von menschlichen Kulturen, von Ackerbau und Siedlungen, finden! (Reichholf "Das Rätsel der Menschwerdung" Seite 253)

Die Forschungsergebnisse der Archäologie decken sich also chronologisch und inhaltlich bis in die Details mit dem Bibeltext.

Hatte Adam eine Mutter?

Und dann bildete Gott, der HERR, den Menschen (aus) Staub vom Erdboden ... Genesis 2:7 (Elberfelder)

Viele Übersetzungen erwecken hier den Eindruck, dass Adam von Gott aus einem Lehmkloß geknetet wurde:

Und Gott der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß. Luther

Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden. Einheitsübersetzung

Doch das entscheidende Wort, das für eine Entstehung Adams direkt aus Lehm zu sprechen scheint, nämlich das hebräische jatsar = bilden, entpuppt sich schon beim genauen Hinsehen als ein Hinweis in eine ganz andere Richtung:

Das Hebräische jatsar ist immer, wenn es im Zusammenhang mit Lebewesen gebraucht wird, ein Ausdruck für deren Gestaltung durch Gott während ihrer frühesten Entstehungphase, für die Festlegung der Eigenschaften von Lebewesen zum Zeitpunkt ihrer Zeugung und kurz danach, bei Menschen also im Mutterleib. Ein klassisches Beispiel ist der Prophet Jeremia, zu dem Gott spricht:

Ehe ich dich im Mutterschoß bildete (jatsar), habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterleib hervorkamst, habe ich dich geheiligt: zum Propheten für die Nationen habe ich dich eingesetzt. Jeremia 1:5

Im Grunde wird jeder Mensch von Gott, und zwar im Mutterleib, "gebildet", doch bei einigen Personen oder Gruppen wird dies besonders betont. So wurde Jeremia beispielsweise "zum Propheten an die Nationen" gebildet, Jeremia 1:5, andere "mir zum Knecht ...", Jesaja 44:2,21, Gott zu verherrlichen, Jesaja 43:7,21, die Erde, "um bewohnt zu sein", Jesaja 45:11,18. Auch der Messias wird bereits im Mutterleib dafür gebildet, das zerstreute Israel wieder zu sammeln und zur Umkehr zu bringen, Jesaja 49:5:

Der Herr hat mich von Mutterleib an für sich zum Knecht gebildet (jatsar), um Israel zu ihm zurückzubringen.

Adam, gemacht aus "Staub" - wie wir alle!

Und dann bildete Gott, der Herr, den Adam (aus) Staub vom Ackerboden.

Adam ist das hebräische Wort für Mensch, und das ist kein Zufall, sondern soll sagen, dass Adam ein klassischer Vertreter unserer Art ist - er war "typisch Mensch". Darum können wir aus seinem Leben viel lernen. Das beginnt schon bei seinem Namen und seiner Entstehung. "Adam" ist nämlich mit 'adamah = fruchtbarer Erdboden, Acker verwandt" und bedeutet so viel wie "Erdling". Das biblische Wortspiel ist ein Hinweis auf unseren irdischen Ursprung und unsere irdische Begrenztheit:

Und dann bildete Gott, der Herr, den Adam (aus) Staub von der Adamah.

Auf der Seite der Naturwissenschaften hat der Mensch die lateinische Bezeichnung "homo" erhalten, was mit humus = Erde, Erdboden verwandt ist und demnach die Grundbedeutung "Irdischer" hat. Tatsächlich ist unser Körper aus "Erde" aufgebaut, aus organischen Substanzen, die aus dem fruchtbaren Erdboden stammen, an den wir immer noch gebunden sind:

Die Menschen drängen sich dort, wo entweder Gebirge und Vulkane nährstoffreiche Böden bedingen oder wo die Eiszeit große Mengen von Lößeinwehungen hinterlassen hat ... So zeigt selbst das heutige Verbreitungsbild der Menschen die engen Verbindungen zum Boden und seinen Nährstoffen. ...
Reichholf: "Rätsel der Menschwerdung" Seite 261-263

Alle Vorkommen von "jatsar = bilden"

Wird jatsar für die Tätigkeit von Menschen gebraucht, bezieht es sich immer auf unbelebte Dinge, wenn auch bei weitem nicht immer auf Ton:

geschnitzte oder gehämmerte Götzenbilder, Jesaja 44:9,10,12; Habakuk 2:18

Ton, Jesaja 29:16; 45:9, Jeremia 18

eine Waffe, Jeremia 54:17

Bosheit, Psalm 94:20

ein Gott, Jesaja 43:10

Als Partizip für Menschen gebraucht, ist es tatsächlich mit "Töpfer" zu übersetzen. Besonders bekannt ist Jeremia 18, wo der Prophet zum Töpfer geschickt wird, um ihm zuzusehen und etwas über Gottes Wirken zu lernen:

Und das Wort des Herrn geschah zu mir: Kann ich mit euch nicht ebenso verfahren WIE dieser Töpfer, Haus Israel? Siehe, WIE der Ton in der Hand des Töpfers so seid ihr in meiner Hand. Jeremia 18:6

Es handelt sich hier um ein Gleichnis, das sich durch die gezielte Verwendung des Wortes "wie" klar zu erkennen gibt. Der Zweck eines Gleichnisses ist, Inhalte von einer höheren Ebene anschaulich zu machen:

Typisch für das Töpfern ist, dass am Anfang eine Zielvorstellung steht, ein geplanter Zweck für das Gefäß.

Um ihn zu erreichen, wird bereits vorhandenes, aber ausgewähltes Material in einem fortlaufenden Prozess gestaltet.

Dabei geht es um eine frühe Entwicklungsphase, in der das Material besonders gut formbar ist. Erst danach wird der Gegenstand "gebrannt", haltbar, stabil gemacht.

Doch dürfen wir nicht den Fehler begehen, von menschlichem Handeln auf Gott zu schließen, sondern wir müssen umgekehrt vorgehen. Das Wort bara zum Beispiel, das wir immer mit erschaffen übersetzen, wenn Gott der Handelnde ist, wird im Zusammenhang mit Menschen mit hacken, hauen, behauen, schnitzen übersetzt, zum Beispiel in Josua 17:15,18; Hesekiel 21:24-25; 23:47, (vergleiche auch Koehler-Baumgartner Seite 147). Würde man in diesem Fall von Menschen auf Gott schließen, müsste man Genesis 1:27 so deuten, dass Gott die Menschheit "schnitzte"!

Gott bildet (jatsar) unbelebte Dinge ...

das All, Jeremia 10:16; 51:19

die Erde, Jesaja 45:18,18

das Festland, Psalm 95:5

Berge, Amos 4:13

das Licht, Jesaja 45:7

Die Vorstellung, Gott könnte all diese Dinge nach Töpfermanier hervorgebracht haben, wird spätestens beim Licht absurd. Erst recht gilt das für die folgenden "Dinge", die ebenfalls von Gott gebildet werden:

Jahreszeiten, Psalm 71:17

ein Ereignis, Jeremia 18:11

Zukünftiges, Jeremia 33:2; Jesaja 22:11; 37:26; 46:11; 2.Könige 19:25

... und Lebewesen

Lebewesen des Feldes, Genesis 2:19

Heuschrecken, Amos 7:1

Menschen überhaupt, Jesaja 45:9

allen Menschen:
den Geist, Sacharja 12:1, das Herz, Psalm 33:15, das Auge, Psalm 94:9

ein Volk, Jesaja 27:11; 43:21

Israel, Jesaja 45:11; 64:8

Jakob und Israel als Volk, Jesaja 44:2,21; 45:11

Söhne und Töchter, Jesaja 43:7

Adam, Genesis 2:7,8

Jeremia, Jeremia 1:5

David bzw. jeden Menschen, Psalm 139:16

den "Israel", das ist der Messias, Jesaja 49:5

 

Jatsar und die von ihm abgeleiteten Worte bezeichnen ausschließlich dann ein Töpfern, wenn es im Zusammenhang mit menschlichem Handeln gebraucht wird, und auch da nur in speziellen Fällen.

Wenn jatsar im Zusammenhang mit Lebewesen gebraucht wird, ist es immer ein Ausdruck für deren Gestaltung während ihrer frühesten Entstehungphase durch Gott, im Mutterleib.

Das Vorkommen von jatsar in Genesis 2:7 ist demnach kein Beweis dafür, dass Adam aus Lehm "getöpfert" worden wäre, sondern vielmehr ein Hinweis darauf, dass Gott ihm bei seiner Zeugung besondere Eigenschaften mitgab, die ihm helfen sollten, seine Berufung und seinen Auftrag zu erfüllen.

 

Exkurs: Genetik in der Bibel

Erstaunlich sind die Erkenntnisse, die in folgenden Psalmworten stecken, wobei wiederum das Wort "jatsar = (im Mutterleib) bilden" verwendet wird:

Du wobst mich in meiner Mutter Leib ...
Deine Augen sahen mein zusammengerolltes Knäuel (goläm), und in deine Buchrolle waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden (jatsar), als noch keiner von ihnen da war. Psalm 139:13,16

Das Nomen "goläm" kommt nur an dieser Stelle vor. Es leitet sich von dem Verbum "galam" ab, das nur in 2.Könige 2:8 vorkommt:

Elisa nahm seinen Mantel und wickelte ihn zusammen (galam) ...

Das davon abgeleitete Nomen "gölom" kommt ebenfalls nur ein Mal in der Bibel vor:

Sie handelten mit dir in Prachtgewändern, in herumgeschlagenen Mänteln (gölom) von blauem Purpur und Buntstickerei ... Hesekiel 27:24

Ein solcher Mantel wurde von unten nach oben, also spiralförmig, um den Körper gewickelt und endete in einer Art Umhang über der Schulter.

Psalm 139 sagt also aus, dass die Urform eines Menschen im Mutterleib in ein spiralförmig aufgerolltes Knäuel geschrieben ist, bevor die Entfaltung der Entwicklung begonnen hat.

Dies entspricht den Erkenntnissen der modernen Genetik, die herausgefunden hat, dass das Erbmaterial des Menschen in der DNS festgelegt ist. Diese ist winzig klein und besteht aus spiralförmig aufgewickelten Molekülen, die eine regelrechte "Schrift" mit verschiedenen "Buchstaben" bilden. Auf ihr sind die zukünftigen Eigenschaften und biologischen Entwicklungsschritte jedes Menschen aufgezeichnet. Die DNS gleicht demnach einer Buchrolle!

DNA - die lebende Bibliothek

Das Erbmaterial des Menschen besteht aus ungefähr fünf Milliarden Basenpaaren ("Buchstaben"), das entspricht einer Bibliothek von fünftausend Büchern mit jeweils fünfhundert Seiten.

Diese Informationsmenge befindet sich im Zellkern jeder Körperzelle (außer in den roten Blutkörperchen), im menschlichen Körper also ungefähr siebzig Billionen Mal (das sind tausend mal siebzig Milliarden).

Würde man nun das gesamte Erbmaterial aller Menschen auf dieser Erde (zur Zeit ungefähr sechs Milliarden) in ein Gefäß füllen, so würde ein Fingerhut ausreichen, so extrem ist die Datenmenge in der DNA konzentriert - unvorstellbar für uns und unerreicht selbst von den modernsten Datenträgern des Computerzeitalters.

 

Alle Lebewesen sind "Staub"!

Dann bildete Gott, der Herr, den Adam (aus) Staub vom Erdboden.

Da "aus" nicht im Grundtext steht, könnte man sinngemäßer übersetzen:

Dann bildete Gott, der Herr, den Adam: (Er war) Staub vom Erdboden.

Und Adam blieb "Staub", denn Gott sagte zu ihm:

Staub bist du (Gegenwart!), und zum Staub wirst du (Zukunft) zurückkehren (Vergangenheit). Genesis 3:19

"Staub" meint also nicht "staubige Substanz", sondern ist eine Bezeichnung für Adams materielle Beschaffenheit: Alle Menschen und Tiere sind aus "Staub" geworden, bestehen aus "Staub" und kehren zu ihm zurück:

Denn Gott kennt unser Gebilde (hebräisch jatsar),
denkt daran, dass wir Staub (aphar) sind. Psalm 103:14

Menschen und Tiere ... sind aus dem Staub (aphar) geworden, und alles kehrt zum Staub (aphar) zurück. Prediger 3:19-20

Andere Menschen der Bibel, die "aus Erde geformt" wurden

Adam also gar nicht eine einmalige Ausnahme, sondern im Gegenteil, ein "typos", ein Vorbild, ein klassischer Vertreter seiner Art. Im Zusammenhang mit seiner Bildung wird nur betont, was für alle Menschen gilt:

Du, HERR, bist unser Vater! Wir sind der Ton, und du bist unser Bildner (jatsar), und wir alle sind das Werk deiner Hand. Jesaja 64:7

Wenn die folgenden Worte der Bibel sich auf Adam beziehen würden, würde wohl niemand an seiner Bildung aus einem Lehmkloß zweifeln:

Gott, deine Hände haben mich ganz gebildet und um und um zubereitet. Denke doch daran, dass du mich wie Ton zubereitet hast, und nun willst du mich zum Staub (aphar) zurückkehren lassen?
Siehe, vom Tone abgekniffen bin auch ich ...
Hiob 10:8,9; 33:6

Doch diese Worte beziehen sich nicht auf Adam, sondern auf Hiob, der ausdrücklich betont, dass er eine Mutter hatte:

Hat nicht Gott mich im Mutterleib zubereitet,
hat nicht einer uns im Schoße gebildet? Hiob 31:15

So ändert sich nichts an dem was wir aus dem Textzusammenhang erkennen: Adam in Kapitel zwei lebte während des siebten Tages und stammte von den Menschen von Kapitel eins ab, die bereits im Verlauf des sechsten Tages die Erde besiedelt hatten: "Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde ... und es geschah so!" (Genesis 1:28,31)

Unterschiede zwischen Adam und der Menschheit

Etwas Verwirrung kann durch die Tatsache entstehen, dass der erste Auserwählte den Namen "Adam" bekommt, was zugleich "Mensch" bedeutet. Doch im hebräischen Originaltext ist die Menschheit des sechsten Tages vom Adam des siebten Tages deutlich zu unterscheiden:

"Adam" in Genesis 1:26ff ist ein Kollektivbegriff. Er bezeichnet die gesamte Menschheit, die innerhalb des sechsten Zeitraumes das ganze Festland besiedelte und sich die Lebewelt untertan machte. Auch die vorher erscheinenden Pflanzen und Tiere werden als Kollektivbegriffe genannt. "Adam" in Genesis 2 ist dagegen ganz klar eine Einzelperson, die in einem eng umgrenzten Gebiet lebte.

Genesis 1 betont die Erschaffung der Menschheit in ihren zwei Geschlechtern: "männlich und weiblich schuf er sie (Mehrzahl!) ..." und verwendet dabei die hebräischen Begriffe "zakar" und "neqebah" - dieselben Begriffe, die auch für Tiere gebraucht werden. Dagegen ist in Genesis 2 ausdrücklich von dem einen Mann = isch Adam und seiner Ehefrau = ischschah die Rede.

Irgend eine Person musste zwangsläufig der erste namentlich genannte Mensch sein, mit dem die Zeugungsfolgen der Himmel und der Erde nach Genesis 2:4 weitergehen. Welcher Name bietet sich für ihn mehr an als "Adam = Mensch"? Genesis 5:1-3 verbindet somit die Menschheit des sechsten Tages mit dem ersten namentlich genannten Nachfahren, Adam.

Wer war der zweite Mensch?

Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebenden Seele. 1.Korinther 15:45

Möchte Paulus hier sagen, dass Adam biologisch gesehen der erste Mensch auf Erden war? Sicher nicht, denn dann wäre ja Eva der zweite Mensch. Doch Paulus macht unmissverständlich klar, wer "der zweite Mensch" ist:

Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele, der letzte Adamzu einem lebendig machenden Geist. 1.Korinther 15:45

Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch;
der zweite Mensch vom Himmel. 1.Korinther 15:47

Der "zweite Mensch", von dem hier die Rede ist, ist Jesus Christus! Und Jesus war außerdem auch noch der letzte "Adam":

Erster Mensch Zweiter Mensch - letzter Adam
Adam
Christus

Damit ist ganz klar, dass hier mit Sicherheit nicht gesagt werden soll, Adam und Christus seien im rein biologischen Sinne der erste und der zweite Mensch gewesen. Denn in der Zeit zwischen dem "ersten" und dem "zweiten" Menschen, also zwischen Adam und Jesus, lebten sehr viele Menschen. Und auch mit dem "letzten Adam", Jesus, starb die menschliche Rasse nicht aus.

Erster Mensch letzter Adam
Adam ... viele Menschen ...... Jesus ........ viele Menschen

Wenn Jesus von Maria abstammte und somit viele menschliche Vorfahren hatte und doch "zweiter Mensch" genannt wird, dann kann auch Adam "erster Mensch" genannt werden und ebenso viele Vorfahren gehabt haben! Warum aber wird er dann "erster Mensch" genannt?

Der besondere Geist, den Adam bekam

Die biologische Evolution erreichte im Verlauf des sechsten "Tages" ein Niveau, das bis heute gleichgeblieben ist. Seit dem Erscheinen des Menschen ist, biologisch gesehen, "nichts Neues" mehr passiert. Doch mit Adam trat der Stammbaum des Lebens in eine neue Dimension ein:

Und Gott, der HERR, blies in seine Nase ('appajim) Erkenntnisgeist (neschamah) des Lebens. So wurde Adam eine lebende Seele. Genesis 2:7

Das hört sich so an, als würde Gott einem Lehmkloß durch seine (Lehm-?) Nase Leben einhauchen. Doch im Hebräischen sind mit "Nase" und "Atem" Dinge gemeint, die eine viel weitere Bedeutung haben als ihr materielles Gegenstück. Selbst im Deutschen kennen wir diese Redeweise, wenn man die Nase als Sinnbild für prüfende Wahrnehmung verwendet: "Das finde ich dufte!" - "Die Sache stinkt!" - "Ich kann ihn nicht riechen!" "Seine Nase in fremde Angelegenheiten hineinstecken." Es geht hier nicht um den Geruchssinn, sondern um ein gewisses Wahrnehmungsvermögen.

Was war also der "Lebensodem", den Gott dem Adam "einblies"? Es gibt im Hebräischen zwei Wörter für "Geist":

"Ruach" hat zwei Bedeutungen "Wind" und "Geist", und beide haben etwas Wesentliches gemeinsam: Sie sind unsichtbar, können aber mächtige Auswirkungen auf die sichtbare Welt haben. "Ruach" kommt im Alten Testament 389 Mal vor.

Doch im Falle Adams wird das viel seltenere "neschamah" verwendet, das nur 24 Mal im AT vorkommt. Dieses bezeichnet zwar auch eine Form von Geist, aber mehr speziell im Sinne von "Erkenntnisgeist":

Der Erkenntnisgeist (neschamah) des Allmächtigen ist es, der verständig macht. Hiob 32:8

Jeder Mensch hat wahrscheinlich von Natur aus einen menschlichen Erkenntnisgeist, Sprüche 20:27, ist aber darauf angelegt, darüber hinaus den Geist Gottes zu empfangen, wodurch er in eine neue Dimension von Leben eintritt. Schon das Alte Testament beschreibt diesen Vorgang, zum Beispiel hier:

Glückselig der Mensch, der auf mich (die Weisheit Gottes) hört ... denn wer mich findet, hat das Leben gefunden. Sprüche 8:34-35

Die Bibel vergleicht diesen Vorgang mit einer Geburt, bei der ja auch ein Mensch zum Leben kommt. Bei der Neu-Geburt bekommt man von Gott geistiges Leben.

Der Geist (ruach) Gottes hat mich gemacht, und der Erkenntnisgeist (neschamah) des Allmächtigen hat mich belebt. Hiob 33:4

Elihu berichtet hier, dass er von Gottes ruach gemacht worden war, dass ihn aber erst der neschamah Gottes zum Leben gebracht hatte. Hier kann aber sicher nicht die Belebung eines Lehmkloßes gemeint sein, denn Elihu hatte zweifelsohne Eltern. Gemeint ist vielmehr der Zugang zu einer ganz neuen Ebene geistigen Lebens.

Adam stammte also von Menschen des sechsten Tages ab, doch durch das Empfangen des Erkenntnisgeistes Gottes kam Adam zu einer neuen Art von Leben, erlebte eine geistige Neugeburt. Darum wird Adam auch in Lukas 3:23,38 als Sohn Gottes bezeichnet.

Es gibt bis heute nur zwei Menschen auf der Erde!

Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch, der zweite Mensch vom Himmel. Wie der Irdische, so sind auch die Irdischen; und wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. 1.Korinther 15:47-49

Stammen alle Menschen von Adam ab?

In Apostelgeschichte 17:26 finden wir eine Aussage, die Paulus in Athen auf dem Aeropag gemacht hat, und die manche Übersetzungen so wiedergeben:

Und er hat aus einem Blute jede Nation der Menschen gemacht ...

Und er hat von einem Menschen alle Völker abstammen und sie auf dem ganzen Erdboden wohnen lassen ...

Das hört sich an, als würden alle Menschen von Adam abstammen. Die Worte "Blut" oder "Mensch" stehen aber nicht im Grundtext, sondern sind von Überlieferern oder Übersetzern hinzugefügt worden. Wörtlich heißt es:

Und er hat aus Einem jede Nation der Menschen gemacht.

Und der Textzusammenhang macht eindeutig klar, wer dieser "Eine" ist, von dem Paulus sprach: In Athen hatte er inmitten des Götzenkultes einen Altar gefunden, der "dem unbekannten Gott" gebaut worden war. An diese Tatsache knüpfte er seine Rede auf dem Aereopag an. Er sprach über den Gott, der Himmel und Erde erschaffen hatte, der den Athenern aber unbekannt war, Apostelgeschichte 17:24. Ihn und nur ihn wollte Paulus den Athenern verkündigen. Von Adam ist nicht ein einziges Mal die Rede, sondern jeder Satz der Predigt zielt auf den "Einen", auf Gott hin, der das Weltall erschuf. Auch die Aussage: "Er hat aus Einem alle Nationen der Menschen gemacht" meint Gott selbst. Das bestätigt der übernächste Vers, der lautet:

Denn wir sind auch sein (gemeint ist Gottes!) Geschlecht! Apostelgeschichte 17:28

Paulus erklärt dieses Zitat selbst:

Denn in ihm leben und weben und sind wir! Apostelgeschichte 17:28

Weil wir in ihm leben und sind, verdanken wir unsere Existenz nur ihm allein, wir sind "aus" ihm, vergleiche 1.Korinther 8:6. Wenn wir alle einen gemeinsamen Vater haben, dann ist es Gott:

Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns geschaffen? Maleachi 2:10

Aus dieser Gesamtschau heraus ist der 26.Vers zu verstehen: Der "Eine", aus dem alle Nationen sind, kann nur der "unbekannte Gott" sein, "aus dem und durch den und bis in den hinein alle Dinge sind", Römer 11:36.

Denn sowohl der, welcher heiligt (Jesus Christus), als auch die, welche geheiligt werden (die Gläubigen), sind alle von einem (nämlich Gott, dem Vater). Aus diesem Grunde schämt er sich nicht, sie "Brüder" zu nennen. Hebräer 2:11

Für uns ist nur einer Gott, der Vater, aus dem alle Dinge sind ... 1.Korinther 8:6

Der Name Gottes "JHWH" als Signal

Die Bibel verwendet mindestens 700 Namen für Gott, die verschiedene Aspekte seines Wesens beleuchten. Im Schöpfungsbericht ist immer von Gott, hebräisch 'älohim, die Rede. Ab Genesis 2:4 wird Gott dann auf einmal Jahweh älohim, also Gott, der HERR, genannt. Dies hat jedoch gute Gründe:

Elohim (etymologisch gesehen offensichtlich aus einer Wurzel entstanden, die die Bedeutung stark, mächtig ... trug) wird von Gott als dem allmächtigen Schöpfer des Universums und dem Herrn der Natur und der Menschheit schlechthin gebraucht. Folglich passt zu Genesis 1 nur Elohim, berichtet dieses Kapitel doch von der Schöpfung.

Der Name Jahwe bezeichnet Gott als den Seienden, als den Bündnispartner, dessen unveränderliches Wesen Treue garantiert: "Jahwe ist der Bundesname Gottes, der für solche Gelegenheiten aufgespart wird, in denen Gott irgendeinen Bund eingeht. Demzufolge erscheint dieser Name gerade in Genesis 2 sehr häufig ..."
Gleason Archer "Einleitung in das AT" Seite 153

Der besondere Segen Gottes für den siebten Tag bereitet eine neue Phase im Stammbaum des Lebens vor, die sich in der Verwendung des Gottesnamens Jahwe zeichenhaft widerspiegelt: Gott will in eine persönliche Beziehung zum Menschen treten.

Exkurs: Die richtige Aussprache von "JHWH"

Die Aussprache des Gottesnamens als "Jehova" ist auf ein Missverständnis zurückzuführen und wurde durch christliche Theologen erst Ende des 15.Jahrhunderts aufgebracht: Die alten hebräischen Bibeltexte bestanden nur aus Konsonanten (Mitlaute). Auf Deutsch übertragen standen für "geben" nur die Mitlaute "g-b-n". Um das Lesen der Texte in der späteren Zeit zu erleichtern, wurden die Selbstlaute in Form von Punkten und Strichen unter die Mitlaute geschrieben, der Kononantentext wurde "punktiert". Da man aber den Gottesnamen Jahwe nicht auszusprechen wagte, las man statt dessen "aDoNaJ = Herr" und setze die entsprechenden Mitlaute unter J-H-W-H. Das A am Anfang wurde zu einem E verdünnt. Aus Unkenntnis las man dann im Mittelalter "Jehova".

Der Beweis dafür findet sich in Bibelstellen, bei denen der Name JHWH (6828 Mal im AT) unmittelbar zusammen mit Adonaj vorkommt (304 Mal). Hier gerieten die Masoreten, die den Text mit Vokalzeichen versahen, nämlich in Verlegenheit, weil sie nicht zweimal hintereinander Adonaj verwenden wollten (nur in drei Fällen vokalisierten sie wie sonst: Nehemia 10:30; Psalm 8:2,10). Sie behalfen sich, indem sie durch die Hinzufügung der Vokale ä-o-i andeuteten, dass man anstelle von JHWH "äLoHiM = Gott" lesen sollte. Diese Punktation wurde in vielen Fällen verkürzt zu e-o-i oder ä-i oder e-i. Dementsprechend findet man folgende Vokalisationen:

'aDoNaJ JeHWiH 268 Mal: Deuteronomium 3:24; 9:26, Josua 7:7; Richter 6:22; 2.Samuel 7;18,19,20,22,28,29; 1.Könige 8:53; Psalm 69:7; 71:5,16; Jesaja 3:15; 7:7; Jeremia 2:19,22; 4:10,13; 32:17,25 u.v.a. Hesekiel 4:14; 5:7,8,11; 6:3 u.v.a.; Amos 1:8; 3:7,8,11,13; 4:2,5; 5:3; 6:8; 7:1,2,4,5,6; 8:1,3.9,11; 9:5,8; Obadja 1:1; Micha 1:2; Zephanja 1:7.

'aDoNaJ JeHoWiH 31 Mal: 1.Könige 2:26; Psalm 73:28; 140:8; Jesaja 50:4; Jeremia 1:6; 7:20, Hesekiel 2:4, 3:11, 27, 5:5, 8:1, 12:10, 13:16, 14:21, 23, 16:36, 17:9, 20:39, 21:33, 22:31, 23:32, 24:6, 14, 26:21, 28:2, 30:22, 33:25, 39:17, 43:27, 46:16; Sacharja 9:14

'aDoNaJ JäHWiH nur in Genesis 15:2,8
'aDoNaJ JäHoWiH
nur in Richter 16:28
JeHWiH aDoNaJ
drei Mal: Psalm 109:21; 141:8; Habakuk 3:19

Die dem Namen Jehova zugrunde liegende Vokalisation mit e-o-a findet sich nur in wenigen Fällen, meist (5683 Mal) wird einfach Jehwah vokalisiert:

JeHoWaH 44 Mal: Genesis 3:14; 9:26, Exodus 3:2; 13:3,9,15; 14:1,8; Leviticus 25:17; Deuteronomium 31:27; 32:9; 33:12,13; 1.Könige 3:5; 16:33, Psalm 15:1; 40:5; 47:6; 100:5; 116:5,6; Sprüche 1:29; Jeremia 2:37; 3:1,13,21,22,25; 4:3,8; 5:2,3,9,15,18,19,22,29; 6:9; 8:13; 30:10; 36:8; Hesekiel 44:5; Nahum 1:3

Wie der Name Gottes tatsächlich ausgesprochen wurde, ist scheinbar nicht mehr sicher herauszufinden. Doch nicht die richtige Aussprache von Gottes Namen ist ausschlaggebend, sondern die richtige Herzenshaltung: Gott völlig zu vertrauen und sich seiner nicht zu schämen, Römer 10:11ff.

Adam’s Berufung: Gärtner und Soldat

Dass Adam von Gott gebildet = jatsar wurde, weist auf ein besonderes Ziel hin. Denn dieses Bilden geschieht, wie wir gesehen haben, immer zu einem speziellen Zweck oder Auftrag. Adam's Auftrag muss etwas mit dem Garten Eden zu tun gehabt haben, denn sofort nach der Bildung und Geisterfüllung Adam's wird berichtet, dass Gott das "Paradies" anlegte:

Und Gott, der HERR, pflanzte einen Garten in Eden im Osten, und er bestimmte für dort den Menschen, den er gebildet hatte. Genesis 2:8

Viele Übersetzungen sagen an dieser Stelle, Gott habe den Adam in den Garten gesetzt, doch hier steht, dass Gott Adam vielmehr für diesen Garten bestimmt hatte, so die treffendere Übersetzung des hebräischen Wortes sim, das in Genesis 2:8 gebraucht wird.sim Adams Bestimmung stand also von Anfang an fest, auch wenn er erst später von Gott in sie hineingeführt wurde. Erst als die Bäume ihr richtiges Wachstum erreicht hatten, verursachte Gott, dass Adam sich dort niederließ:

Und Gott, der HERR, nahm Adam und machte, dass er sich im Garten Eden niederließ (hebräisch: Verursachungsform von nuach = ruhen, sich niederlassennuach), ihn zu bearbeiten und zu bewahren. Genesis 2:15

Arbeit ist kein Fluch!

Der erste Teil von Adam's Auftrag bestand darin, den Garten zu bearbeiten (Genesis 2:15). Das hebräische abad = (als Sklave) arbeiten lässt keinen Zweifel daran, dass Adam's Tageslauf nicht von Faulenzen, sondern von Werktätigkeit geprägt war. Keine Frage: Der Mensch ist "geschaffen zu guten Werken, die Gott vorbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln", Epheser 2:10:

Nicht die Arbeit ist der Fluch, sondern der Fluch fügt der Arbeit die Mühsal und die Enttäuschung hinzu. Die Arbeit selbst gehört vielmehr zur Paradiesesordnung der Menschheit. Der Mensch sollte den Garten "bebauen" (Genesis 2:15), das heißt er sollte arbeiten!
(Sauer "Vom Adel des Menschen" Seite 105)

Die "Umgebung" des Paradieses: Keine heile Welt!

Um den Auftrag Adams richtig zu verstehen, müssen wir uns auch die Beschaffenheit des Gartens Eden und die Lage seiner Umgebung vergegenwärtigen. Trotz seiner "paradiesischen" Umgebung lebte Adam durchaus nicht im Himmel, sondern auf einer ramponierten Erde, denn spätestens seit dem Tohuwabohu waren Tod und Verderben in die Schöpfung eingedrungen. Das Paradies war sozusagen ein von Gott geschaffener Mini-Kosmos in einer gefallenen Umgebung. Seine Worte lassen keinen Zweifel daran, dass es zu dieser Zeit schon die Gegensätze von Gut und Böse in der Welt gab.

Und Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung, und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Genesis 2:9

Das legt nahe, dass Adam auch den Tod schon in irgendeiner Form gekannt haben muss. Denn die Drohung mit dem Tod als Folge von Ungehorsam macht nur Sinn, wenn Adam eine gewisse Vorstellung von Tod hatte, Genesis 2:16-17.

"Wache schieben" im Garten Eden

Vor diesem Hintergrund bekommen einige Ausdrücke im Text eine neue Leuchtkraft. Das im hebräischen Grundtext gebrauchte Wort gan = Einfriedung (Koehler 189) weist darauf hin, dass der Garten nicht in einer "paradiesischen" Umgebung lag und nach allen Seiten hin offen war. "gan" ist aus der Wurzel "ganan" gebildet, die "einfrieden, umhegen, bedecken, beschützen" bedeutet (Gesenius 145). Das ebenso davon abgeleitete "ma-gen" bezeichnet einen "Schutz-Schild" (Gesenius 397). Die Septuaginta, eine griechische Übersetzung gibt "gan" mit "parádeisos = Tiergarten, Park" wieder, vergleiche Offenbarung 2:7. Das Griechische hat es wiederum von dem Persischen "pardez = Einzäunung", entliehen. Ein Teil der israelischen Streitkräfte während des zweiten Weltkrieges wurde "Hagannah" genannt ...

Bemerkenswert ist auch Gottes Auftrag an Adam, die Einfriedung zu bewachen, hebräisch schamar = bewachen, behüten, bewahren, beschützen (Genesis 2:15). Von dem verwandten "schemirah = Wache" ist das deutsche "Schmiere stehen" abgeleitet. Das Hauptwort "schomer" bedeutet "Wächter" (lkat 1476, Gesenius 847). Die beiden nächsten Vorkommen in der Bibel sind: Genesis 3:24: Der Zugang zum Garten wird von bewaffneten Engeln bewacht. Genesis 4:9 "Bin ich meines Bruders Hüter?" In einer völlig intakten Umgebung wäre eine Bewachung gar nicht nötig gewesen:

Wenn die Erde eine Stätte des Lebens gewesen wäre,
so hätte es keines Paradieses bedurft!
Keerl in Sauer "Vom Adel des Menschen" Seite 84

Eva: Braut in Kampfstiefeln

Dann sprach der HERR, Gott: Es ist nicht gut, dass der Adam allein (wörtlich: für sich) sei! Ich werde ihm einen Beistand (ezär) zubereiten, wie es ihm entspricht (wörtlich: wie ihm gegenüber). Genesis 2:18

Im Alten Testament bezeichnet ezär (das z wird weich gesprochen, wie im Englischen "zero") einen Kampf-Beistand, der jemand anderem zur Hilfe kommt, wenn er in irgendeiner Form angefeindet wird und in Bedrängnis gerät. Die häufigsten Situationen sind:

Krieg, bewaffnete Auseinandersetzungen

Anklagen vor Gericht, juristische Auseinandersetzungen

Anfeindung mit Worten

Praktisch immer, wenn diese Wortwurzel vorkommt, geht es im Textzusammenhang um feindliche Mächte oder bedrohliche Einflüsse, die fernzuhalten der Kampfbeistand hilft. Als zwei typische Beispiele seien hier die beiden nächsten Vorkommen dieses Wortes in der Bibel angeführt:

Und es reizen ihn die Bogenschützen und schießen und feinden ihn an, aber sein Bogen bleibt fest ... und der Gott deines Vaters - der helfe (azar) dir. Genesis 49:23-25

Der andere aber hieß Elieser, denn er hatte gesagt: Der Gott meines Vaters ist meine Hilfe (ezär) gewesen und hat mich vom Schwert des Pharao errettet. 2.Mose 18:4

Das Paradies befand sich inmitten einer gefallenen Schöpfung, von der feindliche Einflüsse ausgehen konnten. Deshalb hatte Gott den Garten zu einer Einfriedung gemacht, die Adam bewachen musste. Adam lebte zwar an einem paradiesischen Platz, dennoch oder erst recht musste er wachsam sein. Hierbei sollte Eva ihm als Kampfbeistand, ezär, beistehen.

Das alles gibt uns natürlich ein ganz anderes Bild von Eva. Während das oft verwendete Wort "Hilfe" oder "Gehilfin" die Vorstellung von einer Art Küchenhilfe wecken könnte, die dem Chefkoch die Kleinarbeit abnimmt, müssen wir uns unter einem Kampf-Beistand jemanden vorstellen, der über entsprechende Fähigkeiten, Stärke und Mut verfügt, um Seite an Seite mit seinem Partner zu kämpfen. Wer jemandem im Kampf "bei-steht", ist denselben Gefahren und Herausforderungen ausgesetzt.

Das unterstreicht der Grundtext, indem er Eva als jemanden beschreibt, der Adam "entspricht", ihm ein "Gegenüber" ist. Eva sollte für Adam also ein ebenbürtiges Gegenüber sein, eine wesensgleiche Entsprechung und Ergänzung. Ohne sie war Adam sozusagen nicht "komplett", nicht gerüstet für die Mission, die vor ihm lag. Eva sollte Adam nicht hinterher trotten, sondern eine Partnerin sein, die Seite an Seite mit ihm vorangeht!

Adam wird auf Eva vorbereitet

Dann bildete (jatsar) der HERR, Gott, von dem Erdboden allerlei Lebewesen des Feldes, und allerlei Flugtier der Himmel und machte, dass es zu Adam hineinkam, um zu sehen, wie er es nennen würde. Und wie immer der Adam eine lebende Seele nennen würde, das war ihr Name. Dann nannte der Adam Namen für all (diese) vierfüßigen Tiere und für das Fluggetier der Himmel und für jegliches Lebewesen des Feldes. Aber für den Adam fand er keinen Beistand (ezär), wie es ihm entsprach.
Genesis 2:19-20

Schon früh spricht Gott von einem Beistand für Adam, aber nicht gleich die nächste Handlung führt zu diesem Ziel, sondern bereitet sie erst vor. Nicht nur musste Eva von Gott gebildet werden, auch Adam musste auf sie vorbereitet werden. Er musste erkennen, dass es nicht gut war, "allein", wörtlich "für sich" zu sein. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, sich um sein eigenes Ego zu drehen, sondern sich einem Gegenüber zuzuwenden.

Dass Adam den "Erkenntnisgeist des Lebens" erhielt, scheint eine zweifache Wirkung gehabt zu haben:

zum einen bekam er Erkenntnis über die anderen Lebewesen

zum anderen kam er selber zu einer neuen Art von Leben

Es scheint verschiedene Arten von Erkenntnis zu geben, denn an anderer Stelle ist von der "Erkenntnis von gut und böse" die Rede. Adam bekam besonderen Einblick in die Zusammenhänge des Lebens, er hatte den "Erkenntnisgeist des Lebens". Dafür spricht, dass er die Lebewesen des Gartens benennen konnte, ihre Wesensart also aufgrund eines geistigen Durchblicks durchschaute. Diese Erkenntnis befähigte ihn auch, seine Aufgabe der Pflege und Bearbeitung des Gartens zu erfüllen.

Indem Adam den Garten bearbeitete, lernte er die Weltstufe der Pflanzen kennen, außerdem Lebewesen, die wie er eine Seele besaßen, also Tiere. Gleichzeitig erkannte er jedoch, dass keines der Tiere ein ihm entsprechender Beistand sein konnte. Nur ein Wesen, das eine Einheit von Leib, Seele und Geist darstellte, konnte ihm Helfer und Partner in seiner Mission werden ...

Kann man aus einem Mann eine Frau machen?

Die Bibel berichtet ziemlich eindeutig davon, dass schließlich eine Operation unter Vollnarkose stattgefunden haben muss. Wie bei einer heutigen Operation wurde etwas aus Adam herausoperiert und die entstandene Wunde hinterher wieder verschlossen:

Dann machte der HERR, Gott, dass ein Tiefschlaf auf den Adam fiel, und er schlief ein. Dann nahm er eines von seinen Seitenteilen und verschloss (es mit) Fleisch an seiner Stelle. Genesis 2:21

Diese Worte müssen in den Ohren der vor uns lebenden Menschen unglaublich geklungen haben: "Kann man ein Teil aus einem Mann herausoperieren und daraus eine Frau machen?" Doch jetzt, am Anfang des dritten Jahrtausends, klingt das schon lange nicht mehr so unglaublich: Inzwischen sind wir selbst dazu übergegangen, zum Beispiel aus einem Tier ein zweites zu klonen. Das soll nicht heißen, dass Gott damals das Gleiche tat, nur macht es deutlich, dass so manches, was vor wenigen Jahren als schier unmöglich gegolten haben muss, sogar für Menschen durchaus machbar sein kann. Wieviel mehr für Gott!

Genetisch betrachtet, ...

... ist es einfacher, aus einem Mann eine Frau zu machen als umgekehrt. Der Mann unterscheidet sich von einer Frau nämlich dadurch, dass er ein x- und ein y-Chromosom besitzt, die Frau dagegen zwei x-Chromosomen. Für die Bildung einer Frau müsste man also lediglich das x-Chromosom verdoppeln, während man für den umgekehrten Schritt, die Bildung eines Mannes aus einer Frau, ein y-Chromosom komplett neu schaffen müsste.

Was war das "Seitenteil", aus dem Eva "gebaut" wurde?

Dann baute der HERR, Gott, das Seitenteil, das er von dem Adam genommen hatte, zu einer Frau ... Genesis 2:22

Das Wort, das wir mit Seitenteil wiedergegeben haben, lautet auf Hebräisch tselah und bezeichnet ganz allgemein das Seitenteil irgendeines Gegenstandes, zum Beispiel eines Menschen, eines Berges, einer Tür, des Tempels. Es sind mehrere Möglichkeiten diskutiert worden, was genau das Seitenteil Adams war und wie es von Gott gebaut wurde. Weil aber bis jetzt keine der uns bekannten Hypothesen aus der Bibel eindeutig und ohne Schwierigkeiten zu belegen ist, wollen wir darauf verzichten, sie hier näher zu erörtern. Aber ein paar sichere Informationen können wir dem Text entnehmen:

Dann baute der HERR, Gott, das Seitenteil ... Genesis 2:22

Im Grundtext steht tatsächlich das Wort, das sonst für den Bau von Häusern gebraucht wird, nämlich banah. Und ein biologisches Lebewesen ist wirklich ein aus vielen lebenden Bausteinen zusammengesetztes Bauwerk, in dem Zellen die Bausteine sind. Sie lagern sich neben- und übereinander, vergleichbar den Steinen in einem Gebäude. Der Text weist also darauf hin, dass es sich bei der Entstehung Evas um einen biologischen Wachstumsvorgang gehandelt haben dürfte.

Die Frau wurde zu Adam hineingebracht

Dann machte der HERR, Gott ... dass die Frau zu dem Adam hineinging. Genesis 2:22

Es ist anzunehmen, dass Eva außerhalb des Gartens aufwuchs, denn sonst hätte sie als erwachsene Frau nicht von Gott in den Garten "hineingebracht" (Verursachungsform von hebräisch bo’ = hineingehen) werden müssen. Trotzdem durchschaute Adam den Ursprung der Frau und die genetisch bedingte Gleichheit und sagte:

Diese ist einmal Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Diese wird man ischschah = Männin nennen, denn von dem isch = Mann ist sie genommen worden. Genesis 2:23

"Gebein und Fleisch" bezeichnet die leibliche Abstammung, Richter 9:2; 2.Samuel 5:1; 19:13,14; 1.Chronik 11:1. Das isch in beiden Worten drückt den gemeinsamen Ursprung und die Wesensgleichheit beider Geschlechter aus. Dass die Bibel die Frau von Anfang an "Männin" nennt, stellt im Vergleich mit den bis heute oft gängigen Menschenbildern sicherlich eine Aufwertung der Frau dar. Gleichzeitig lässt sich der "kleine Unterschied" natürlich bis zum heutigen Tage nicht verleugnen ...

Voraussetzungen für eine gute Ehe

Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird seiner Frau anhängen (anhaften), und dann werden sie zu einem (einzigen) Fleisch werden. Genesis 2:24

Adam und Eva sind sozusagen die Prototypen einer Ehe: Gottes Plan war von Anfang an, dass nur ein Mann mit nur einer Frau eine lebenslange Verbindung eingeht. Polygamie (Vielweiberei) oder Scheidung sind nicht Teil von Gottes ursprünglichem Plan, Matthäus 19:4-9; 1.Timotheus 3:2,12; Titus 1:6. Die Bindung an den Partner soll dabei sogar stärker sein als die an die eigenen Eltern - und Kinder!

Für eine Ehe ist es wesentlich, dass beide Partner sich von ihren Eltern abnabeln, um sich wirklich auf ihren Partner einlassen zu können. Der Ehebund soll stärker sein als die Beziehung zu den eigenen Eltern! Bis auf den heutigen Tag kämpfen jedoch viele Ehepaare damit, dass ihre Eltern oder Schwiegereltern in die Beziehung hineinfunken, weil ein Partner sich nicht aus der Kind-Rolle gegenüber seinen Eltern gelöst hat.

Ein zweites Problem ist, dass Eltern sich im Laufe der Ehe manchmal so stark auf ihre Kinder fixieren, dass ihre Partnerschaft darunter leidet und sie sich nichts mehr zu sagen haben, wenn die Kinder das Haus verlassen. Dabei ist es ganz normal und gottgewollt, dass die Kinder ihre Eltern verlassen, während die Eltern ein Leben lang zusammen bleiben sollen.

Es war außerdem nie geplant, dass Kinder zur Grundlage einer Ehebeziehung werden - sie können diese Last auch gar nicht tragen! Vielmehr muss umgekehrt die Ehe der Eltern das Fundament sein, auf das die Famile gebaut wird. Es ist viel schöner für Kinder zu hören, dass die Eltern geheiratet haben, um dann Kinder zu bekommen, als dass die Eltern geheiratet haben, weil ein Kind unterwegs war. Die Kinder müssen dann ja fast den Eindruck bekommen, dass ihre Zeugung ein Missgeschick, ein Unglück war, dass als Folge die Ehe der Eltern nach sich zog, dass ihre Eltern also letztlich nur ihretwegen geheiratet haben. Geht dann die Ehe auch noch in die Brüche, fühlen die Kinder sich doppelt schuldig.

Und noch eines: Die Ehe ist eine Erfindung Gottes!

Deshalb kann sie auch nicht wirklich aus rein menschlicher Kraft gelebt werden: Das beste Auto kann nicht fahren ohne zu tanken. Und wir Menschen brauchen Gottes Liebe als Kraftquelle, damit uns die Liebe zu unserem Nächsten nicht ausgeht. Und wer ist uns näher als unser Ehepartner? Sonst kommen wir nur eine Tankfüllung weit und bleiben irgendwo mittendrin auf der Strecke, wie leider so viele. Darum ist das größte Gebot: "Liebe Gott von ganzem Herzen" zugleich auch das wichtigste. Denn nur, wenn wir Gott lieben, können wir auch unseren Nächsten lieben - bis ans Ende unseres Lebens.

 

Der Feind

 

Die Schlange aber war klüger (oder: listiger) als alle anderen Lebewesen außerhalb (der Einfriedung), die der HERR, Gott, gemacht hatte. Und sie sprach zu der Frau: Ist es wirklich so, dass Gott gesagt hat: "Ihr dürft nicht essen von allen Bäumen der Einfriedung!?" Genesis 3:1

Wer oder was ist die "Schlange", von der hier die Rede ist? Entweder, sie war eine Art Reptil, ein Tier, das sprechen konnte, oder sie war ein andersartiges, intelligentes Lebewesen. Nun, wenn wir die Bibel durch die Bibel auslegen, dann wird schnell deutlich, welche der beiden Möglichkeiten zutrifft: Die Offenbarung stellt als das letzte Buch der Bibel eine Entsprechung der Genesis, des ersten Buches der Bibel, dar und greift viele von dessen Themen wieder auf. Sie nimmt auch Bezug auf die "alte Schlange" und klärt deren Identität:

Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. Offenbarung 12:9

Die Schlange ist also der Teufel, auch "Satan" genannt. Dieser hat in der Bibel mehrere Namen, aber der Text der Genesis verwendet gerade den Ausdruck "Schlange", weil er Wesenszüge Satan’s beschreibt, die in dieser Situation besonders zum Tragen kamen.

Im Tierreich ist die Schlange dafür bekannt, das sie ihr Gift nicht wie Insekten mit einem Stachel, sondern mit ihrem Mund verbreitet. Die Verbindung, die immer wieder zwischen dem Schlangengift und der Zunge hergestellt wird, Psalm 140:4, weist in dieselbe Richtung: Satan verbreitet sein Gift mit dem Mund und der Zunge, also in Form von Worten, die Verderben bringen.

Im Hebräischen heißt Schlange "nachasch", genau dasselbe Wort, das auch mit der Bedutung "wahrsagen, hellsehen" verwendet wird, Genesis 30:27; 44:5,15. Seine ursprüngliche Bedeutung scheint "flüstern, murmeln" zu sein (Fürst II/30, parallel zu lachasch), also "beschwörende Einflüsterung", vergleiche das "Züngeln" der Schlange und das zischende Geräusch, wenn sie kriecht, Jeremia 46:22. Man könnte "ha-nachasch" in Genesis 3 also auch mit "der Wahrsager" übersetzen, was gut dazu passt, dass Satan oftmals mit dem Anspruch auftritt, neue Wahrheiten aus der jenseitigen Welt zu bringen. Wahrsagerei und Hellseherei stehen für den Zugang zum Okkulten, also zu verborgenem Wissen und geheimen Mächten der unsichtbaren Welten. Angst, Neugier und Machtgier treibt Menschen dazu, verborgene oder zukünftige Dinge wissen zu wollen. Eine große Rolle spielt dabei das Streben nach Unabhängigkeit von Gott. Man möchte sein Schicksal selber kontrollieren können, ohne auf Gott angewiesen zu sein. Wahrsagerei und ein Leben mit Gott stehen im Widerspruch zueinander:

Und wenn sie zu euch sagen: Befragt die Totengeister und die Wahrsagegeister, die da flüstern und murmeln!, so antwortet: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Soll es etwa für die Lebenden die Toten befragen? Jesaja 8:19

Hellseherei und Wahrsagerei können durchaus für Menschen sonst nicht zugängliche Wahrheiten ans Licht bringen, doch ist die Quelle nicht göttlicher Natur und bringt denjenigen, die aus ihr trinken, den Tod.

Der "glänzende" Verführer

Eng verwandt mit nachasch = Schlange ist das hebräische nechoschät = Kupfer, (vergleiche das Wortspiel in Numeri 21:9), vor allem aber dessen Zinnlegierung, Bronze, die glänzen kann wie Gold, Esra 8:27; Hesekiel 1:7, jedoch als minderwertig einzuschätzen ist, Daniel 2:39. Wenn Satan als "Schlange" erscheint, dann verstellt er sich als der glänzende Lichtbringer, lateinisch Luzifer, bringt in Wahrheit jedoch - wie ein Schlangenbiss, kaum spürbar und heimtückisch - den Tod.

"Schlange" bezeichnet Satan also in seiner Eigenschaft als Verführer, der den Menschen "wahre Erleuchtung" verspricht. Doch während Gottes Wahrheit frei macht und den Verstand ernüchtert, wirkt die Weisheit der Schlange berauschend:

Sieh den Wein nicht an, wenn er so rötlich schimmert, wenn er im Becher funkelt und leicht hinuntergleitet. Zuletzt beißt er wie eine Schlange und speit Gift wie eine Viper. Deine Augen sehen Seltsames, und dein Herz redet Verworrenes ... Sprüche 23:31-33

Alkoholmissbrauch und das falsche Licht Satans haben also einiges gemeinsam: Zuerst ist man wie berauscht von erhebenden Gefühlen, das Gift ist leicht zu schlucken. Doch man verliert die Kontrolle über sich selbst, und danach kommt die Ernüchterung, ein Erwachen mit Schmerzen und oft unerklärlichen Schäden. Und hier schließt sich der Kreis, führt uns zurück zu den Ereignissen der Genesis, die im Neuen Testament aufgegriffen werden. Hier erklärt Paulus, dass Satan sich als Engel des Lichts verstellt und versucht, Gläubige vom kindlichen Gehorsam und Vertrauen gegenüber Gott abzubringen, indem er angeblich "höhere Wahrheiten" verkündigt:

Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, so vielleicht euer Sinn von der Einfalt Christus gegenüber abgewandt und verdorben wird ... denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen. 2.Korinther 11:3,14-15

Erst spricht Paulus von der Verführung Eva’s, dann betont er, dass Satan sich als Engel des Lichts verstellt. Es dürften also kaum noch Zweifel daran bestehen, dass es sich bei der Schlange in Genesis 3 um Satan gehandelt hat, der in der Gestalt eines Wahrheitsbringers die Frau täuschte und ihr mit seinen Einflüsterungen das tödliche Gift des Ungehorsams einspritzte.

War die Schlange nicht doch ein Tier?

Verwirrung stiftet unter Umständen die Übersetzung, die Schlange sei klüger gewesen als "alle Tiere des Feldes". Doch das Wort "sadäh = Feld" bezeichnet ganz allgemein die Gebiete, die außerhalb einer umgrenzten, bewohnten Fläche liegen und meint hier einfach das gesamte, außerhalb der Einfriedung Eden liegende Gebiet.

Und das hebräische "chajjah = Lebewesen", abgeleitet von "chajah = leben", wird ausdrücklich auch für Geistwesen wie zum Beispiel die Cherubim in Hesekiel 1:5-15 gebraucht. Interessant ist, dass auch in der Offenbarung "das Tier" eine große Rolle spielt, das auch kein biologisches Lebewesen, sondern eine Geistesmacht verkörpert. "Das Tier"

Betrachten wir Genesis 3, so wird deutlich, dass die Schlange ein Geistwesen gewesen sein muss: Sie besaß die Fähigkeit, mit Eva zu sprechen, ja, sie sogar zu verführen. Sie war arum = schlau, ein Wort, das in der Bibel nie für ein Tier gebraucht wird. Der Text sagt auch nicht, dass irgend jemand durch die Schlange sprach, sondern die Schlange selber betrog die Frau und wurde hinterher auch dafür bestraft. Ähnlich also, wie Jesus in Johannes 1:36 und Offenbarung 5:5 das Lamm und der Löwe genannt wird, ist also einer der Namen Satans "die Schlange".

Die Herkunft und das Wesen Satan's

Schon lange vor den irdischen Lebewesen erschuf Gott eine große Zahl von Geisteswesen, zu denen zum Beispiel Engel, Herrschaften, Mächte und Gewalten gehören, Kolosser 1:15; Römer 8:38; Epheser 6:12. Ihr Lebensraum sind die unsichtbaren Welten, von denen aus sie grundsätzlich die Möglichkeit haben, in die sichtbare Schöpfung hineinzuwirken. Wie der Mensch haben sie die Entscheidungsfreiheit, Gott zu dienen oder nicht.

Schon sehr früh sagte sich ein hochrangiges dieser Geisteswesen von Gott los und wurde sein Widersacher, so die Bedeutung des hebräischen satan = Widersacher, Verkläger, Verleumder. Er wird im Neuen Testament diábolos genannt, was soviel heißt wie Durcheinanderwerfer, Verleumder. Davon leitet sich seine deutsche Bezeichnung Teufel ab. Seine Hauptwaffe im Kampf gegen Gott ist die Lüge:

Der Teufel war von Anfang an (wieder ein Hinweis auf Genesis, den Anfang der Bibel) ein Menschenmörder und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner, und der Vater derselben. Johannes 8:44

Dieses mächtige Geistwesen verfiel in den Wahn, so sein zu wollen wie Gott (offensichtlich kann man größer werden als ER):

Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! ... Und du, du sagtest in deinem Herzen: Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten ... Ich will hinaufsteigen, dem Höchsten mich gleich machen ... Jesaja 14:12-14

Durch Hochmut geriet der "Glanzstern, Sohn der Morgenröte" (davon kommt die lateinische Übersetzung "Luzifer = Lichtträger") in Rebellion und kämpft seitdem gegen Gott:

Du warst ein Siegel des vollendeten Urmaßes, voll von Weisheit und vollendeter Schönheit ... Du warst ein gesalbter Cherub, der Absperrende, und dazu habe ich dich eingesetzt ... Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, da du geschaffen wurdest (hebräisch: bara - Satan ist ein Geschöpf!), bis sich Unrecht in dir hat finden lassen. Durch dein vieles Handeln wurde dein Inneres mit Gewalttat erfüllt, und so hast du gesündigt ... In deiner Schönheit wollte dein Herz hoch hinaus. Du hast deine Weisheit verdorben um deines strahlenden Glanzes willen.
Hesekiel 28:12-17

Hier wird der Widersacher Gottes ausdrücklich als gefallener Cherub bezeichnet. Cherubim sind in der Bibel sehr hochstehende Geistwesen, die sich im Thronbereich, also in der unmittelbaren Gegenwart Gottes aufhalten: Hesekiel die Kapitel 1,9 und 10, vergleiche auch Psalm 99:1, Jesaja 37:16. Dass "die Schlange" ein Cherub war, passt auch zum Aufbau des ganzen dritten Kapitels der Genesis:

A 1-5 Die Schlange

B 6 Baum der Erkenntnis von Gut und Böse

C 7 Auswirkung auf Mann und Frau

Menschliches Handeln: Kleider aus Blättern

D 8-12 Gottes Frage an den Mann

E 13 Gottes Frage an die Frau

F 14 Urteil über die Schlange

F 15 Der Nachkomme der Frau

E 16 Gottes Urteil über die Frau

D 17-19 Gottes Urteil über den Mann

C 20-21 Auswirkung auf Mann und Frau

Gottes Handeln: Kleider aus Fell

B 22-24 Der Baum des Lebens

A 24 Die Cherubim

Das Böse war also nicht von Anfang an Bestandteil von Gottes Schöpfung, sondern entstand durch den Abfall Satans, des "Vaters der Lüge":

Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel,
denn der Teufel sündigt von Anfang an! 1.Johannes 3:8

Das Böse ist nicht etwas Erschaffenes, sondern - so wie Finsternis die Abwesenheit von Licht ist - die Abwesenheit von Gerechtigkeit, die Abwendung von Gottes Güte. Durch den Abfall Satans war es schon vor der Zeit Adams zu einer Katastrophe gekommen, die auch das "Tohuwabohu" für die Erde zur Folge hatte, Genesis 1:2. Nicht Adam war es, durch den die Sünde und das Böse entstand, sondern Satan!

Die Methoden des Bösen

Es wäre gefährliches Wunschdenken, die Existenz Satans zu leugnen, nur weil man das Böse als Person nicht wahrhaben will, oder weil man es mit seinem materialistischen Denken nicht in Einklang bringen kann. Hier trifft das Sprichwort zu: "Gefahr erkannt - Gefahr gebannt!" Denn was ist gefährlicher als ein Feind, den man weder sieht noch kennt!?

Punkt Nummer eins, den wir verstehen müssen, ist deshalb: Wir kämpfen nicht gegen andere Menschen, sondern gegen eine Allianz von Finsternismächten in der unsichtbaren Welt!

Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt. Epheser 6:12

So böse und mächtig Menschen auch sein mögen, sie sind niemals unsere Gegner! Wir kämpfen weder gegen die Ausbeuter noch gegen die Unterdrücker, weder gegen Ausländer noch gegen Angehörige anderer Religionen, weder gegen Verbrecher noch gegen Andersdenkende. Das ist eine erlösende Wahrheit: Wir müssen nicht mehr unterscheiden zwischen Menschen, die wir lieben, und solchen, die wir hassen! Wir können uns mit aller Kraft und ganzem Willen darauf konzentrieren, jeden einzelnen Menschen zu lieben. Wir kämpfen nicht mehr gegen Menschen, sondern um Menschen:

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Matthäus 5:43-45

Unser Ziel ist somit klar: Wir kämpfen für die anderen Menschen und die ganze Schöpfung, gegen einen bösen, unsichtbaren, aber absolut realen Gegner. Die Erde befindet sich spätestens seit dem Tohuwabohu von Genesis 1:2 im Belagerungszustand. In Genesis 2 bekommt Adam von Gott den Auftrag, den Garten Eden zu bewachen, und in Genesis 3 wird uns der Gegner beschrieben, mit dem wir alle es zu tun haben.

Unser Gegner: Superintelligent

Die Schlange aber war listiger (hebräisch: arum) als alle anderen Lebewesen außerhalb (der Einfriedung), die der HERR, Gott, gemacht hatte. Genesis 3:1

Der Gegner wird hier durch ein einziges Eigenschaftswort charakterisiert: Er ist schlau, listig. arum Mit anderen Worten: Nicht Gewalt, sondern Intelligenz ist seine gefährlichste Waffe. Und dieses Eigenschaftswort wird noch gesteigert: Er ist listiger als alle anderen Geschöpfe außerhalb der Einfriedung. Allein schon diese eine Tatsache sollte uns ernüchtern und in höchste Alarmbereitschaft versetzen. Satans gefährlichste Angriffe werden nicht mit brutaler Gewalt vorgetragen, sondern mit Schläue, und zwar einer extremen Hinterlist, die durch ewige Zeiten hindurch zur Perfektion gesteigert wurde. Mit unserer menschlichen Intelligenz und ein paar wenigen Jahren Erfahrung haben wir keine Chance gegen diesen alten Feind. Wir können nur, wie ein Kind an der Hand des Vaters, in Gottvertrauen und Gehorsam bestehen.

Offensichtlich hatte Satan nicht die Macht dazu, Adam mit Gewalt zu vernichten, ihn einfach zu töten, sonst hätte er diesen einfachen Weg sicherlich gewählt. Aber der Garten war ja eine "Einfriedung", es muss eine geistige Schutzmauer gegeben haben, die Satan nicht einfach durchbrechen konnte. Folglich blieb ihm nichts anderes übrig, als mit List vorzugehen.

Satan konnte Adam nicht einfach töten, er musste versuchen, ihn zu einer Art geistigem Selbstmord zu verleiten. Der Schlüssel war die Warnung Gottes vor den tödlichen Folgen, die das Essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse haben würde. Satan musste Adam dazu bringen, trotzdem und gerade von diesem Baum zu essen, dann wäre es um ihn geschehen.

Daran hat sich bis heute im Prinzip nichts geändert: Satan kann keinen Menschen einfach so ins Verderben stürzen. Gott hat uns alle in seinem Bilde erschaffen und uns einen dementsprechenden Schutz verliehen. Aber wir haben echte Freiheit und können uns selber ins Unglück stürzen. Genau dazu will Satan uns verführen. Da ein Mensch, der alle seine Sinne beisammen hat, sich nicht selber ins Verderben stürzen wird, muss er zuerst benebelt werden.

Hinterlist bedeutet: Man verfolgt ganz entschieden ein böses Ziel, aber man verbirgt dies vor seinem Gegenüber. Man tut so, als würde man das Beste des anderen wollen, als wäre man ein ganz anderer, vergleiche Exodus 21:14; Josua 9:4. Satan ist ein Meister der Verstellung und der Täuschung, er ist der Vater der Lüge, Johannes 8:44. Es wäre demnach höchst naiv, irgend jemandem zu vertrauen, nur weil er vorgibt, das Gute zu wollen. Doch gerade gutmütige Menschen laufen leicht in diese Falle, weil sie sich einfach nicht vorstellen können, dass jemand, der sich als hilfsbereit und gütig ausgibt, in Wirklichkeit eiskalt und bösartig den Untergang eines anderen suchen kann.

Satans Ziel ist bis heute gleich geblieben: Er will alle Menschen versklaven oder vernichten. Und wir müssen uns darauf gefasst machen, dass er dies mit absoluter Genialität anstrebt, indem er uns dazu verleitet, uns selbst und andere zu zerstören. Wir müssen uns fragen: Wie können wir so einen Gegner überwinden, der mit übermenschlicher Intelligenz vorgeht? Was haben wir dem entgegenzusetzen? Das Wort Gottes legt das Vorgehen des Feindes offen und gibt uns die entscheindende Hilfe, seinen Listen zu widerstehen:

Denn Satans Gedanken sind uns nicht unbekannt. 2.Korinther 2:11

Aus dem Fall von Adam und Eva können - und müssen! - wir Entscheidendes lernen, denn die Methoden, mit denen Satan Menschen angreift, sind bis heute dieselben. Und es gibt ganz praktische Möglichkeiten, wie wir uns für diesen Kampf rüsten können:

Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen (griechisch: methodeja) des Teufels bestehen könnt. Epheser 6:11

1. Methode: Benützung von "Medien"

Die Schlange aber ... sprach zu der Frau ... Genesis 3:1

Wir wissen, dass Satans eigentliches Ziel war, Adam zu Fall zu bringen, denn er war von Gott mit der Autorität betraut worden, den Garten zu bewachen. Erstaunlicherweise attackierte Satan ihn aber nicht direkt, sondern indirekt, über seine Frau. Dabei setzte er seine gefährlichste Waffe ein: Worte des Betrugs. Hier sehen wir Satans Hinter-List, mit der bis heute seine Opfer hinters Licht führt: Er sucht sich Menschen aus, die ihn überhaupt nicht durchschauen, und pflanzt ihnen seine Gedanken ein, die sich gut anhören, aber ins Verderben führen. Er macht sie so zu eifrigen Verbreitern seiner tödlichen Lügen. Diese Menschen merken oft selber gar nicht, dass sie verführt werden, und irregeführt von Satan werden sie dann von Verführten zu Verführern, zu Ver-Leitern:

Böse Menschen und Betrüger aber werden zu Schlimmerem fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden. 2.Timotheus 3:13

Genau das ist bis heute typisch für Satan: Er versucht, wie eine Schlange im Gras, im Verborgenen zu bleiben, bis zum Schluss gar nicht in Erscheinung zu treten - so als gäbe es ihn gar nicht. Am liebsten wirkt er durch Menschen, denen man nichts Böses zutrauen würde. Eva's Arglosigkeit ist eine eindrückliche Warnung, wie leicht jeder Mensch zu einem "Medium", zu einem Sprachrohr des Feindes werden kann, hinter dem der eigentliche Drahtzieher sich versteckt.

Und Adam ist ein Beispiel dafür, wie leicht man durch diese List hinters Licht geführt werden kann. "Attraktive", also anziehende Menschen, die wir vielleicht schätzen und lieben, werden von Satan als Köder verwendet. Menschen, die es oftmals sogar gut meinen. Denen man von Haus aus einen Vertrauensvorschuss entgegenbringt. Wir müssen bedenken, dass Eva dem Adam eigentlich als Kampfbeistand gegeben war, als Hilfe und Beistand, und jetzt kam ausgerechnet durch sie der Angriff Satans gegen Adam! Genau die von Gott gewollte Einheit benutzte Satan für seine Zwecke! Ein argloser Mensch kann sich kaum vorstellen, dass jemand so böse sein kann, dass er derartig gemeine Pläne ausheckt, um Menschen ins Verderben zu reißen.

Das wahre Gesicht des Karl Marx

Ein furchtbares Beispiel hierfür ist Karl Marx, der den sogenannten Kommunismus in menschenfreundlichem Gewande auftreten lässt. Doch dahinter stecken ganz andere Absichten. Das kommt in seinem eigenen Gedicht "Oulanem" ganz klar zum Vorschein, dessen Titel eine für Satanisten typische Verdrehung von "Immanuel = Gott ist mit uns" darstellt:

Doch dich, dich personifizierte Menschheit
fassen meine Jugendarme,
sie klammern krampfhaft sich um deine Brust,
der Abgrund gähnt uns beiden Nacht herauf,
und sinkst du unter, lächelnd folg’ ich nach,
und raun’ dir zu, hinab! Kommt mit, Genosse!"
Richard Wurmbrand "Das wahre Gesicht des Karl Marx", Seite 16)

Umso wichtiger ist es, dass wir die Warnungen der Bibel sehr ernst nehmen und die Taktiken des Feindes durchschauen lernen. Jesus war darauf gefasst, dass einer seiner engsten Freunde, Petrus, einerseits gerade eine direkte Offenbarung von Gott bekommen hatte ("Du bist der Christus!"), doch schon kurz darauf ein Sprachrohr des Feindes wurde, als er, ganz menschlich, Jesus davon abriet, den Weg des Kreuzes zu gehen. Jesus reagierte dementsprechend schroff und antwortete Petrus:

Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist. Matthäus 16:23

Wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen Geistesmächte - die Fleisch und Blut vor ihren Karren spannen wollen! Ihr willigstes Werkzeug sind die sogenannten Demagogen, die Volksverführer. Sie selber tun vielleicht nichts Böses, aber sie stacheln andere dazu an. Sie belegen damit, dass Worte weitaus stärkere Waffen sein können als Kriegsgeräte aus Eisen und Stahl.

Nehmen wir Hitler und seinen Propaganda-Experten Goebbels: Sie selber haben vielleicht in ihrem ganzen Leben nicht einen einzigen Menschen mit eigenen Händen getötet. Aber mit ihren Worten haben sie die ganze Welt in den Krieg und viele Millionen von Menschen in den Untergang getrieben. Wobei auch sie selber wiederum nur als Medien für die finsteren Mächte dienten, die hinter ihnen standen oder in sie gefahren waren: Von Hitler ist bekannt, dass er nicht nur am Ende seines Lebens, sondern schon vor dem Höhepunkt seiner Karriere spiritistische Sitzungen abhielt, um Weisungen für seine Kriegsführung zu empfangen.

2. Methode: Gottes Wort zitieren

Und die Schlange sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt ... Genesis 3:1

Satan's gefährlichste Methode ist nicht die blanke Leugnung Gottes, also der Atheismus, sondern der versteckte Angriff gegen Gott. Denn weder Satan noch seine Engel zweifeln an der Existenz Gottes:

Auch die Dämonen glauben - und zittern! Jakobus 2:19

Gläubigen gegenüber beruft Satan sich sogar ausdrücklich auf Gott. So auch bei Eva. Im hebräischen Grundtext kommt dies noch deutlicher heraus, denn dort ist es nicht als Frage formuliert, sondern als betonte Aussage:

Es ist doch wirklich so, dass Gott gesagt hat ...! Genesis 3:1

Satan scheut also keinesfalls davor zurück, Gottes Wort zu zitieren. Aber er verdreht dabei seinen Sinn kaum merklich und versucht uns so vom richtigen Weg abzubringen. Darum ist es so wichtig, dass wir Bibelstellen nicht aus dem Zusammenhang reißen oder verstümmelt zitieren, sondern den Textzusammenhang berücksichtigen und nichts vom Text wegnehmen oder hinzufügen. Am gefährlichsten auf dieser Erde sind bei weitem nicht die offenen Gottesleugner, sondern Menschen, die Gottes Wort im Munde führen, es aber dabei verfälschen!

3. Gott als hart hinstellen

Gott hat doch gesagt: "Ihr sollt nicht von allen Bäumen der Einfriedung essen!?" Genesis 3:1

Während Gott betont hatte, dass sie von allen Bäumen essen dürfen, Genesis 2:16, nur eben nicht von diesem einen Baum, betont Satan den Umstand, dass Gott ihnen etwas vorenthält: Von ALLEN Bäumen dürfen sie also doch nicht essen! Die Zielrichtung Satan's ist klar:

Er will Gott als hart und lieblos hinstellen. Es soll der Eindruck entstehen, Gott sei perfektionistisch, pedantisch und unmenschlich, seine Gebote kleinlich und letztlich überzogen. Glaubt man den Worten Satan's, wie er sie hier an Eva richtet, dann muss man wirklich zu dem Schluss kommen, Gott würde den Menschen nichts gönnen und hätte Angst, es könnte ihnen zu gut gehen. Ist dieser Gott nicht hartherzig und egoistisch? Gelingt es Satan, jemandem dieses Gift des Misstrauens einzuspritzen, ist es auch schon um ihn geschehen. Nicht umsonst wird der Verleumder in der Bibel als Schlange bezeichnet: Ein Schlangenbiss hinterlässt kaum sichtbare Spuren, aber bereits wenige Tropfen des zersetzenden Giftes genügen, um den Tod zu bringen. Geschickt schafft Satan es, dass Eva's Gedanken anfangen, um das Verbotene zu kreisen:

Da sprach die Frau zu der Schlange: Von den Früchten der Bäume des Gartens essen wir. Aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: "Nicht sollt ihr von ihm essen und nicht sollt ihr ihn berühren, damit ihr nicht sterbt!"

4. Die Folgen von Ungehorsam verharmlosen

Nun setzt Satan zum entscheidenden Schritt an, nämlich die schützenden Grenzen, die Gott gesetzt hat, niederzureißen. Es gelingt ihm durch drei Argumente. Das erste lautet:

Da sprach die Schlange zu der Frau: Mit Sicherheit werdet ihr nicht sterben! Genesis 3:4

Als erstes leugnet Satan die negativen Folgen des Ungehorsams. Dies ist ein offener Angriff auf die Wahrheit und Autorität von Gottes Wort. Dabei sind die von Gott gesetzten Grenzen nicht Gefängnisgitter, sondern Schutzzäune und Leitplanken, hinter denen teilweise tödliche Gefahren lauern. Doch bis heute ist es die Hauptmasche des Zeitgeistes, die Folgen der Gesetzlosigkeit zu verleugnen oder zu verniedlichen.

5. Die Sünde attraktiv machen

Als Drittes verspricht Satan Eva einen gewaltigen Gewinn für den Fall ihres Ungehorsams, in diesem Fall eine Art Bewusstseinserweiterung:

Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, an dem ihr von ihm essen werdet, eure Augen geöffnet werden, und dann werdet ihr sein wie Gott - Erkennende von Gut und Böse! Genesis 3:5

Wir sehen, dass die Schlange das positive Ziel, Gott ähnlich zu werden, wie es ja auch Gottes Schöpfungsabsicht für die Menschen ist, mit ihrer eigenen Ursünde vermischte: Satan war der erste, der sich dem Höchsten gleich machen wollte, Jesaja 14:14. Das ist typisch für teuflische Fälschungen: Sie ähneln oft Gottes Originalen.

Alle diese klug ausgedachten Argumente Satans haben letztlich nur ein Ziel: Die menschliche Begierde, also eigentlich die tierische Seite in ihm, soll durch Gesetzlosigkeit enthemmt werden und sich ungezügelt Bahn brechen. Wie ein gezischtes Orakel, eine Prophezeiung von der anderen Seite klingen die Worte der Schlange. "Legalize it!" Sünde soll straffrei sein! Das ist die auch heute geforderte Abschaffung aller Schranken, die scheinbar die Freiheit behindern.

7. Gesetzeswerke statt Glauben

Es ist wichtig, dass es im Garten Eden nicht um den "Baum der Erkenntnis" ging, sondern ganz speziell um die Erkenntnis von Gut und Böse. Gott hielt den Menschen nicht in Unwissenheit, schließlich hatte er Adam den "Erkenntnisgeist des Lebens" gegeben, Genesis 2:7. Aber wenn es darum ging, zu erkennen, was genau gut und böse ist, waren Adam und Eva bis dahin offensichtlich auf Gott angewiesen gewesen. Scheinbar vermittelte Satan Eva das Gefühl, dies sei eine Unzulänglichkeit, die sie überwinden könnte, wenn sie die Sache selber in die Hand nahm. Das Ziel muss ihr dabei durchaus gut erschienen sein. Sie entschied sich nicht bewusst für das Böse, sondern wollte letztlich werden "wie Gott" und selber Gut und Böse unterscheiden können.

Es geht hier um die zwei großen Gegensätze und Wahlmöglichkeiten in jedem Menschenleben und in der ganzen Menschheitsgeschichte: Wollen wir ein Leben in einer persönlichen Beziehung zu Gott, verbunden mit einer gewissen Abhängigkeit, oder wollen wir auch ohne Gott das Richtige erkennen und unser Leben selber "meistern"? Das erste ist ein Leben in Kindschaft und aus der Gnade Gottes. Das zweite ist die Entscheidung für die Gesetzlichkeit, den Versuch, aus eigener Kraft das Gute zu erkennen und auch zu vollbringen. Diesen Weg können auch tiefgläubige Menschen einschlagen. Alle Gebote Gottes sind gut und befähigen uns, Gut und Böse zu unterscheiden. Doch benützen wir sie, um dadurch Unabhängigkeit von Gott zu gewinnen, dann haben wir uns letztlich gegen Gott entschieden - auch wenn wir weiterhin versuchen, ein "gutes Leben" zu führen.

Gesetzlichkeit - nur eine andere Form der Gesetzlosigkeit!

So paradox es scheint, indem wir uns für die Gesetzlichkeit entscheiden, werden wir zu Gesetzlosen. Wie Eva: In dem Moment, wo sie sich entschied, selber zu erkennen, was richtig ist, übertrat sie das einzige Verbot Gottes! Langsam spüren wir, wie "listig", wie extrem intelligent und hinterlistig unser Feind ist. Sein tödliches Gift kann selbst in den Augen eines gläubigen Menschen aussehen wie ein Lebenselixier. Er ist Meister darin, sogar das an sich Gute als tödliche Waffe gegen andere zu gebrauchen.

Materialistische Religiosität

Jetzt, wo das Vertrauen Eva's auf Gott und sein Wort angeschlagen war, richtete sich ihre Aufmerksamkeit fast automatisch auf das Sichtbare und Greifbare. Warum auch auf einen unsichtbaren Gott vertrauen und warten, wenn die Verwirklichung der Wünsche doch greifbar nahe und offen-sichtlich vor einem liegt?

Und die Frau sah, dass der Baum gut war zur Speise und eine Lust für die Augen, und dass der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben. Genesis 3:6

Ganz handfeste materielle Bedürfnisse und Begierden werden geweckt: "Speise" und "Lust für die Augen". Und geistige und fleischlich-egoistische Interessen fließen ineinander. Doch erstaunlicherweise ist die Zielrichtung immer noch religiös: "Sein wie Gott" und "Einsicht"! Und so wird Satan's Verführung nie beim Atheismus stehenbleiben, sondern letztlich immer zu Aber-Glauben oder verirrter Religiosität führen.

Bewusstseinserweiterung durch Drogen?

Der Ansatz im Falle Eva's besteht darin, dass eine materielle Substanz, in diesem Fall eine Frucht, eine schnelle und relativ mühelose Bewusstseinserweiterung verschaffen und gleichzeitig "gute Gefühle" garantieren soll. Wir leben in einer Zeit, in der viele Millionen von Menschen durch Drogenmissbrauch Bewusstseinserweiterung und gute Gefühle suchen. Und die Pharmaindustrie (von griechisch pharmakon = Zaubermittel), produziert Tonnen von Anti-Depressiva, Appetitzüglern, Stimmungs-Aufhellern, Beruhigungsmitteln usw., die auf materieller Grundlage die Psyche des Menschen beeinflussen. Die Zahl der Drogenabhängigen nimmt mächtig zu, während überall die Parole erklingt: "Legalize it!" Nichts Neues unter der Sonne ... Schon die ersten Menschen, konnten der Verlockung nicht verstehen, und so nahm das Unglück seinen Lauf:

"Und sie nahm von der Frucht des Baumes und aß. Und sie gab auch ihrem Mann mit ihr, und er aß." Genesis 3:6

Der Grundtext betont diesen Umstand:

Und sie nahm von der Frucht des Baumes und aß.
Und sie gab auch ihrem Mann mit ihr, und er aß. Genesis 3:6

Das hebräische im = mit ihr bedeutet in Gemeinschaft mit und betont die enge Verbundenheit der beiden. Hatte Gott doch von Anfang an betont, dass die beiden aneinander hängen würden.

Wie die Sünde in die Welt kam

Gott hatte inmitten der gefallenen Welt einen neuen Kosmos, so das griechische Wort für "Welt", aufgerichtet, der zuerst einmal auf die Einfriedung, hebräisch "gan", in Eden begrenzt war. Adam hatte von Gott den Erkenntnisgeist des Lebens eingehaucht bekommen und befand sich damit auf einer weit höheren Stufe als alle anderen Menschen. Durch die zwischen Gott und Mensch entstandene Geistesgemeinschaft war die Keimzelle der Gottesherrschaft auf der Erde durch den Menschen angebrochen. Hier sollte die Heilswelt ihren Ausgang nehmen, hier entstand der Anfang des Königreiches Gottes auf Erden. Das Ziel dieses Königreiches bestand darin, sich zunächst über alle Menschen auzubreiten, um dann über diese aus Gott wiedergeborene Menschheit die Schöpfung von der Vergänglichkeit und dem Verderben zu befreien:

Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat - auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Römer 8:19-21

Das "Hineinkommen" der Sünde

Doch durch Adam's bewussten Ungehorsam kam die Sünde in den bis dahin unversehrten Kosmos hinein und störte Gottes Rettungsplan:

Durch einen Menschen kam die Sünde in die Welt hinein ... Römer 5:12

Das hier verwendete griechische Tätigkeitswort ejs-erchomai ist zusammengesetzt aus der Präposition ejs = bis hinein und dem Tätigkeitswort erchomai = kommen, gehen und bedeutet auch in allen anderen Vorkommen des Neuen Testamentes, dass etwas bereits Vorhandenes irgendwo hineinkommt. Die Sünde entstand also nicht durch Adam, sondern sie kam von außen in den Kosmos hinein. Durch den Fall Satans war sie in der unsichtbaren Welt bereits vorhanden und kam nun in die sichtbare hinein: Nicht Adam, sondern Satan sündigte "von Anfang an", 1.Johannes 3:8, er ist "der Vater der Lüge" und der "Menschenmörder von Anfang an", Johannes 8:44!

Schon vor Adam sündigten Menschen!

Dass schon vor Adam's Fall Sünde in der Welt war, lässt sich ganz einfach beweisen, denn die Bibel lehrt, dass Eva als erste in Übertretung fiel, also sündigte:

Die Frau aber wurde betrogen und fiel in Übertretung! 1.Timotheus 2:14

Weil aber Adam die Autorität über die Einfriedung gegeben war, kam erst durch seinen bewussten Ungehorsam DIE Sünde in die Welt hinein:

Durch einen Menschen (nämlich Adam) ist DIE Sünde in die Welt hinein gekommen! Römer 5:12

Der große Unterschied: "Sünde" und "DIE Sünde"

Das hebräische Wort chata', sowie das griechische hamartia bezeichnen wörtlich eine Zielverfehlung, wir sagen heute Verfehlung (Fehler), oder Sünde. Jede Verfehlung der Ziele Gottes ist demnach Sünde. Wir müssen jedoch unterscheiden zwischen unbewussten Verfehlungen, Sünde, und bewusster, willentlicher und entschiedener Verfehlung, welche hier mit dem bestimmten Artikel bezeichnet wird: die Sünde.

Denn bis zum Gesetz war Sünde in der Welt. Sünde (hamartia) wird aber nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist. Römer 5:13

Hier steht hamartia ohne Artikel und bezeichnet die unbewusste Sünde, weil noch kein Gesetz da ist, um sie bewusst zu machen. In diesem Zustand muss sich die vor-adamitische Menschheit des sechsten Tages befunden haben. Sie hatte bis dahin von Gott lediglich den Auftrag erhalten, fruchtbar zu sein, sich zu vermehren, die Erde zu besiedeln und sich die Elemente zu unterwerfen - was sie in der Kraft des Segens auch tat. Gemessen am Gesetz Mose oder an der Bergpredigt wären diese Präadamiten sicher als Sünder zu bezeichnen, doch Gott rechnete es ihnen nicht zu:

Wo aber kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung. Römer 4:15

Denn bis zu (dem) Gesetz (nomos) war Sünde (hamartia) in (der) Welt (kosmos). Sünde wird aber nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz da ist. Römer 5:13

(Die drei Substantive nomos, hamartia und kosmos haben hier keinen Artikel. Stünde vor nomos der Artikel, so würde er das Gesetz bezeichnen, nämlich das Gesetz, das Gott Israel durch Mose gab. Ohne den Artikel bezeichnet es allgemein ein Gesetz Gottes (was das Mosaische Gesetz mit einschließen kann) bzw. das Gesetz eines Menschen.) Erst als Gott dem Adam Ge- und Verbote gab, kam eine Gesetzgebung Gottes zu den Menschen. Zum ersten Mal seit der Erschaffung der Menschheit kam hier ein Gesetz Gottes in den Kosmos, wurde Sünde zugerechnet. Wenn Paulus also über eine Zeit schreibt, in der keinerlei Gesetz vorhanden war, trifft dies vor allem auf die Zeit vor Adam zu, in der die Präadamiten lebten.

Weil in Römer 5:13 hamartia ohne den Artikel verwendet wird, kann nicht die Zielverfehlung Adams gemeint sein, sondern nur die der Menschen vor Adam bzw. die seiner Zeitgenossen. Weil die Präadamiten ebenso wie die Zeitgenossen Adams Gottes Gesetz nicht einmal kannten, war nach Römer 7:8 (die) Sünde tot. Die feindliche Gesinnung wurde bei ihnen noch nicht durch Ge- und Verbote hervorgerufen. Bei der Sünde Adams handelte es sich jedoch um eine bewusste Auflehnung gegen Gott, für die er voll verantwortlich war. Deshalb verwendet Römer 5:12 das Wort hamartia mit dem bestimmten Artikel: die Sünde. Adam beging die erste Sünde, die je einem Menschen zugerechnet wurde, weil er das erste von Gott gegebene Gesetz bewusst übertrat.

Brachte Adam’s Sünde den Tieren den Tod?

Und so ist der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen ... von Adam bis auf Mose ... Römer 5:12-14

Genesis 3 und Römer 5 sprechen nur von Menschen. Dennoch wird immer wieder in die Bibel hineingelesen, dass durch die Übertretung Adams auf einmal die ganze Tierwelt dem Tod unterworfen wurde, und dass der Löwe vom Pflanzen- zum Fleischfresser mutierte und so weiter. Doch das ist unhaltbar:

Das Fluchwort über den vom Menschen bebauten Acker (Genesis 3:17-19) besagt nicht, dass erst damals die ganze Natur ... mit der Knechtschaft des Todes und Verderbnisses erstmalig belastet worden sei. Von der allgemeinen Tierwelt ist - abgesehen von dem einen (!) Tier, der Schlange - überhaupt nicht die Rede, und der Fluch über den Acker wird vom Text selbst genau dahin fest bestimmt, dass der Acker "Dornen und Disteln" tragen soll ...
Nicht einmal die Erschaffung von Dornen und Disteln ist in diesen Worten ausgesagt. Denn die Schöpfung ist mit der Bildung des Menschen völlig abgeschlossen. Vielmehr besagt der Text nicht mehr und nicht weniger, als dass in den vom Menschen bebauten Acker die sonst schon auf der Erde vorhandenen Dornen und Disteln eindringen und seine Arbeit ungemein erschweren sollten.
Sauer "Vom Adel des Menschen" Seite 85

Im Textzusammenhang befiehlt Gott der Schlange (Satan) den Verzehr von "Staub", das könnte man vielleicht am besten als Bindung an den "Materialismus" deuten, Genesis 3:14. Biologisch müsste man es als Verwandlung eines heute fleischfressenden Tieres in einen "Vegetarier" deuten! Und es würde sich die Frage stellen: Warum wurden nicht auch die Kühe und Schafe in Raubtiere verwandelt? Hier die weltweite Umwandlung einer bis dahin makellosen Tierwelt in Fleischfresser hineinlesen zu wollen, geht weit, weit über den Text hinaus. Und das ist etwas, vor dem Gott uns eindringlich warnt:

Ihr sollt lernen: Nicht über das hinaus, was geschrieben steht! 1.Korinther 4:6, vergleiche Sprüche 30:6

Zuerst geistiger, dann körperlicher Tod!

Der Textzusammenhang von Genesis 3 beweist eindeutig, dass es nicht in erster Linie um körperlichen, sondern um geistigen Tod ging. Denn der HERR hatte Adam gewarnt:

An dem Tag, an dem du vom Bau der Erkenntnis von Gut und Böse isst, wirst du gewiss sterben! Genesis 2:17

Adam lebte nach seinem Fall jedoch noch hunderte Jahre. Der geistige Tod, die Zerstörung der Gemeinschaft mit Gott, trat sofort ein, der körperliche Tod war eine spätere Folge davon.

Wie verbreiteten sich DIE Sünde und der Tod?

Geschah dies durch Vererbung der Schuld, durch "Erbsünde"? Die Bibel selber verneint die Vererbung von Schuld, Hesekiel 18:2,20; 5.Mose 24:16; Jeremia 31:29-30. Der Text des Römerbriefes gibt uns einen entscheidenden Hinweis: Die Verbreitung des Todes geschah ähnlich, wie bis heute durch Jesus Christus das Leben zu den Menschen kommt!

12 Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt hineingekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen ist, woraufhin sie alle gesündigt haben ...
18 Wie nun durch eine Übertretung die Verurteilung bis in (griech. ejs) alle Menschen (reicht), so (reicht) auch durch eine gerechte Tat (diese) bis in alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.
19 Denn gleich wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden.
21 Gleich wie die Sünde geherrscht hat im Tod, also soll auch die Gnade herrschen durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn. Römer 5:12-21

Rechtfertigung und ewiges Leben sind ja nicht auf unsere biologische Abstammung von Jesus zurückzuführen, sondern vielmehr eine Folge des Glaubens, der wiederum aus der Verkündigung kommt, Johannes 3:16; Römer 4:3,5,11,13,23-25; 10:17. Und "so wie" das ewige Leben nicht durch biologische Abstammung erlangt werden kann, so ist auch das Hindurchgehen des geistlichen Todes von Adam nicht durch Vererbung geschehen.

Auch Paulus wurde durch das Gebot getötet!

Wenn Paulus sagt, dass eine gerechte Tat für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens gereicht, so können mit "alle" nur jene Menschen gemeint sein, die die Botschaft von der Rechtfertigung durch Glauben sowohl gehört als auch angenommen haben. Man könnte also sagen, dass durch den Gehorsam Jesu eine neue Heilswelt, das Reich Gottes, inmitten der gefallenen Welt entstand, die in dem Maße wächst, wie die Verkündigung ausgebreitet und angenommen wird.

Von Adam an begegnen wir schon sehr früh einer Verkündigung, denn es heißt, dass man zur Zeit Enoschs anfing, den Namen des HERRN auszurufen (qarah be'schem), Genesis 4:26. Die gleiche Formulierung wird in 2.Mose 33:19 und 34:5-7 verwendet, wo es darum geht, das Wesen des HERRN zu verkündigen: Er ist barmherzig und gnädig, aber zugleich ist er auch vollkommen gerecht, so dass er keineswegs einen Schuldigen ungestraft lassen wird.

So können wir uns vorstellen, wie mit der Verkündigung des Namens des HERRN zugleich auch der Tod zu den Menschen hindurchdrang: Sie erlangten dadurch eine gewisse Gotteserkenntnis und die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Da sie jedoch nicht die vollkommene geistige Gemeinschaft mit Gott hatten, wie Adam sie besaß, führte die Erkenntnis des Willens Gottes aufgrund ihrer fleischlichen Schwachheit zum geistigen Tod. Genau das ist die Wirkung des Gesetzes, wie Paulus ausführlich erklärt:

Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt, als nur durch Gesetz. Denn auch von der Lust hätte ich nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: "Lass dich nicht gelüsten!" Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte einst ohne Gesetz. Als aber das Gebot kam (durch Verkündigung!), lebte die Sünde auf - ICH ABER STARB!
Und das Gebot, das zum Leben (gegeben), gerade das erwies sich mir zum Tod. Denn die Sünde ergriff durch das Gebot die Gelegenheit, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe. Römer 7:7-11

Paulus beschreibt hier, wie das Gebot ihn erreichte, während ihm die zu seiner Erfüllung nötige Geistesgemeinschaft fehlte. So bewirkte die Kenntnis des Gebotes seinen Tod - womit nur der geistige Tod gemeint sein kann, denn er lebte danach ja weiter und schrieb seinen Brief. Die Parallelen sind eindeutig: Römer 7 erklärt Römer 5 - und Genesis 3!

Der Teufelskreis: Sünde - Tod - Sünde ...

Sehr wichtig für das Verständnis des gesamten Textes von Römer 5:12 ist der griechische Begriff eph ho = woraufhin, infolgedessen:

Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt hineingekommen und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen, woraufhin sie alle gesündigt haben ...

Da viele Bibelübersetzer unter "Tod" den physischen Tod verstehen, übersetzen sie eph ho fälschlich mit weil:

Luthers Wiedergabe "dieweil alle gesündigt haben" ist von vielen Auslegern übernommen worden. Wenn wir aber "dieweil" oder "weil" aus dem Text lesen wollten, müsste im Griechischen eine andere Ausdrucksform vorliegen. Der Ausdruck eph'ho bedeutet buchstäblich nicht mehr als auf welchem oder auf Grund wovon. Der geschilderte Todeszustand ist die Basis, auf der alle sündigen müssen ... Erich Leutbecher, Gedanken zum Römerbrief, Kierchlengern

Durch die eine Sünde, Adam's bewusste Übertretung, kam die Sünde in den Kosmos hinein (griechisch: ejserchomai) und durch sie der geistige Tod. Es war nun nicht so wie geplant, dass das Leben der geistigen Gemeinschaft mit Gott sich von Adam aus verbreitete, sondern der geistige Tod drang zu den anderen Menschen durch. Der Text von Römer 5:12 betont, dass die Folge dieses geistigen Todes war, dass die Menschen, die ohne die Gemeinschaft mit Gott unfähig waren, seine Gebote zu halten, als Konsequenz davon sündigten:

... aufgrund dessen (griechisch eph ho) sie alle sündigten..

Der Text sagt also: Zuerst drang der Tod zu den Menschen hindurch, und aufgrund dessen sündigten sie. Dies ist auch eine weitere Bestätigung, dass mit "Tod" niemals der körperliche Tod gemeint sein kann, denn ein physisch toter Mensch kann weder sündigen, noch Gutes oder Böses tun. Ist ein Mensch jedoch geistig tot, also getrennt von Gott, dann fehlt ihm die Kraftauswirkung Gottes, der allein in ihm das Gute vollbringen kann. Im Menschen selber ist diese Fähigkeit nicht vorhanden, so dass er ohne Gemeinschaft mit Gott infolgedessen zwangsläufig sündigt. Dass wir sündigen, ist also eine Folge des geistigen Todes, denn getrennt von Gott können wir "nichts tun", Johannes 15. Mit anderen Worten:

Wir sind nicht Sünder, weil wir sündigen,
sondern wir sündigen, weil wir Sünder sind!

Oder, um ein Bild aus der Tierwelt zu gebrauchen: Ein Schwein ist nicht ein Schwein, weil es sich im Schlamm wälzt, sondern es wälzt sich im Schlamm, weil es ein Schwein ist ...

Gibt es die "Erbsünde"?

Wie wir gesehen haben, ist die Vererbung von Schuld ein Konzept, das der Bibel fremd ist. Besonders deutlich finden wir dies zum Beispiel ausgedrückt in Hesekiel 18:

Ein Sohn soll nicht die Ungerechtigkeit des Vaters mittragen, und ein Vater nicht die Ungerechtigkeit des Sohnes mittragen; die Gerechtigkeit des Gerechten soll auf ihm sein, und die Gesetzlosigkeit des Gesetzlosen soll auf ihm sein.
Wenn aber der Gesetzlose umkehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und alle meine Satzungen hält und Recht und Gerechtigkeit übt, so soll er gewisslich leben, er soll nicht sterben. Aller seiner Übertretungen, die er begangen hat, soll ihm nicht gedacht werden; wegen seiner Gerechtigkeit, die er geübt hat, soll er leben. Habe ich irgendwie Gefallen an dem Tode des Gesetzlosen, spricht der Herr, Jahwe? Nicht vielmehr daran, dass er von seinen Wegen umkehre und lebe? Hesekiel 18:2-3,20-23

In gewissem Sinne können wir jedoch von "Erbsünde" sprechen, und zwar wenn es um unsere (niederen) seelisch-körperlich bedingten Triebe geht, aufgrund derer wir eine sündige Grundeinstellung haben: Seit dem Tohuwabohu befindet sich die irdische Schöpfung in einem Zustand der Gottesferne, einer teilweisen Trennung von Gott und seiner Kraft, was automatisch Mangel zur Folge hat, zum Beispiel Mangel an Nahrung, an Lebensraum usw. Das bewirkt wiederum einen Kampf ums Überleben, bei dem egoistische Triebe und rücksichtloses Durchsetzen einen Überlebensvorteil bedeuten können. Diese Eigenschaften sind teilweise ins Erbgut der Lebewesen eingeschrieben und machen uns bis heute zu schaffen, sind auch uns "in Fleisch und Blut übergegangen". In unserem "Fleisch" wohnt nichts Gutes ...

Wenn wir nicht "aus dem Geist" leben, werden wir automatisch von dieser Ebene der tierischen Triebe bestimmt, deren Hauptziel ist: Überleben, Sex und Macht. Diese Dinge ziehen sich wie ein roter Faden durch das Tier- und Menschenreich. Und es ist bekannt, dass kaum etwas den menschlichen Charakter so sehr gefährdet wie die drei Dinge: Geld - Sex - Macht. Und es ist auch kein Zufall, dass in der Bibel die dekadenten Reiche von Menschen mit Tieren verglichen werden, Daniel 7:2ff, und dass der Inbegriff des von Gott abgefallenen Menschen "das Tier" genannt wird:

Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß (Jesus), und mit seinem Heer Krieg zu führen. Offenbarung 19:19

Was war mit den Menschen vor Adam?

Wenn es tatsächlich Menschen vor Adam gab, waren diese dann sündlos, wenn doch erst durch Adam die Sünde in die Welt kam? Mussten diese Menschen auch schon vor Adam an Krankheiten und Alterung sterben, und wenn ja, warum?

Nun, wir sahen bereits, dass Adam nicht im biologischen, sondern im geistlichen Sinn der erste Mensch war - nämlich der erste vollkommene Mensch, der den Geist Gottes erhielt und so in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott war. Gleichzeitig mit ihm und sogar schon vor ihm gab es jedoch Menschen, die mit menschlichem Geist begabt waren - nämlich die Menschen, die schon während des sechsten Tages erschaffen worden waren und die ganze Erde füllten (wogegen Adam erst am siebten Tag von Gott gebildet wurde). Obwohl diese Menschen Gott noch nicht kannten und damit auch nicht in der Weise Adams gegen ihn sündigen konnten, mussten sie sterben - wie auch alle anderen irdischen Lebewesen. Den Grund für den körperlichen Tod aller Tiere und Menschen erklärt Paulus uns in Römer 8:

Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat (wahrscheinlich ist hier Satan gemeint, vergleiche Hebräer 2:14) - auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird ...
Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt ... Römer 8:20-23

Wie wir gesehen haben, ist nicht der Fall Adams, sondern der viel früher geschehene Fall Satans, Johannes 8:44; 1.Johannes 3:8; Jesaja 14; Hesekiel 28, die Ursache für Sünde, Tod und Verderben in der Schöpfung. Es ist sehr bemerkenswert, dass Römer 8:20 für "Nichtigkeit" das griechische "mataiótäs" verwendet, dasselbe Wort, mit dem die Septuaginta im Alten Testament einige Male das Wort "tohu" übersetzt, Jesaja 44:9; 45:19; 49:4; 59:4, das in Genesis 1:2 für die Beschreibung des allerersten Falles gebraucht wird. Ganz unabhängig von Adams Sünde, Fall und Bestrafung litt deswegen schon damals die ganze Schöpfung einschließlich der Menschen unter Krankheit und Tod. Nur hätte Adams Gehorsam eine Wende zum Guten bringen können, während sein Ungehorsam die Lage noch verschlimmerte:

Dennoch ist der Mensch an dem j e t z i g e n Naturleid schuld. Weil der König gestürzt ist, hat er seinen Herrscherdienst nicht ausüben können, und die Natur blieb unerlöst. Und nun geht um des Menschen willen das Elend durch die Welt. Um des Menschen willen seufzt jetzt die Kreatur. Um des Menschen willen bleibt sie noch heute der Nichtigkeit unterworfen.
Sauer "Vom Adel des Menschen" Seite 86

Nach dem Prinzip des Senfkornes und Sauerteiges, Markus 4:30-32; Matthäus 13:33, sollte das Reich Gottes klein beginnen und schließlich die ganze Erde umfassen. Durch Adam's Versagen wurden Gottes Pläne jedoch keineswegs vereitelt, sondern höchstens verzögert.

Die Menschheit auf der Flucht

Da wurden die Augen der beiden geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Da hefteten sie Blätter eines Feigenbaumes zusammen und sie machten sich Schurze. Genesis 3:7

Drogen werden heute als Sucht-Mittel bezeichnet, doch sie sind auch Flucht-Mittel, um vor der Realität zu fliehen. Und so stehen wir vor einer weiteren Parallele zum Garten Eden: Auch dort begann nach dem Griff zur bewusstseinserweiternden Frucht sogleich die große Flucht, hinein in Verstecke, die bis zum heutigen Tag den Menschen in Wirklichkeit nicht wirklich Schutz bieten, sondern in Wahrheit Gefängnismauern sind:

Erstes Versteck: "Gute Werke" - "ein gutes Leben"

Nackt waren Adam und Eva ja die ganze Zeit über gewesen, ohne sich zu schämen (Genesis 2:25), aber jetzt lernten sie Scham kennen. Die erste Folge: Sie machten sich so schnell wie möglich eine Bedeckung. Die Feigenblätter waren das erste Versteck, in das sie sich flüchteten. Kleider sind in der Bibel ein Bild für unsere Werke:

Denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen. Offenbarung 19:8

In diesem Fall sind die hastig zusammengehefteten Feigenblätter ein Bild für unsere oftmals in Hektik entstandenen, "selbergestrickten" guten Werke, die jedoch bald verwelken. Wie oft verschanzen auch wir uns vor anderen, indem wir darauf beharren, ein "anständiges Leben" zu führen. Nun, Menschen können wir mit diesen Fleischeswerken manchmal beeindrucken, doch Gott lässt sich nicht täuschen:

Und sie hörten das Geräusch (hebräisch qol = Geräusch, Stimme), wie der HERR, Gott, sich in der Einfriedung fortbewegte durch den Geist (oder: beim Wind) des Tages. Genesis 3:8

Manche deuten den "Wind des Tages" als den abendlichen Wind und übersetzen "Tag" deswegen mit "abends". Doch hier ist gerade jener Aspekt des Geistes Gottes gemeint, der Licht in alle Angelegenheiten bringt, der "Geist des Tages". "Tag", nämlich hebräisch JOM steht ja für LICHT, Genesis 1:5. Gerade diesem Geist gegenüber fühlten sie sich nackt, ihm schutzlos ausgesetzt. Vor Menschen können wir unsere Blößen bedecken, aber Gott können wir nicht über unseren wahren Zustand täuschen.

Zweites Versteck: Im Garten Gottes

Da versteckte sich der Adam und seine Frau vor dem Angesicht des HERRN, Gottes, inmitten der Bäume des Gartens. Genesis 3:9

Angst und Scham waren die Motive für diese Flucht. Das "Angesicht des HERRN" steht für die unmittelbare Gegenwart Gottes. Um ihr zu entkommen, sollen als zweites Versteck die Bäume des Gartens dienen, den Gott selber gepflanzt hat. Der Garten steht zum einen für den Segen und die Versorgung Gottes. Wenn die Beziehung zu Gott selber nicht mehr "stimmt", müssen oft die Segnungen Gottes als Ersatz erhalten. Oder wir nehmen sie als Alibi dafür, jegliches Eingeständnis unserer Fehler und Mängel abzublocken, weil sie "beweisen", dass wir "richtig" liegen.

Der Garten steht aber auch für die Welt als göttliches Arbeitsfeld, denn Adams Berufung bezog sich darauf, den Garten zu bearbeiten. Bildlich bedeutet das: Es gibt eine Art von "Gottes-Dienst", die eigentlich Flucht vor Gott ist. Man kann sich in göttliche Aufgaben stürzen und versucht in Wirklichkeit, die Gegenwart Gottes zu vermeiden.

Gottes Heim-Suchung

Da rief der HERR, Gott, den Adam.
Und er sprach zu ihm: Wo bist du? Genesis 3:9

Gott musste Adam nicht etwa suchen, weil er ihn nicht mehr finden konnte! Gott ist allwissend, und wenn er uns eine Frage stellt, dann soll sie dazu dienen, dass wir selber uns bewusst werden, was los ist. So fragte Gott später den Kain, wo denn sein Bruder sei. Als Kain sich hartnäckig unwissend stellte, hielt Gott ihm die Wahrheit vor. Damit hatte Kain eine Gelegenheit zum Eingestehen der eigenen Schuld und eine Chance zur freiwilligen Umkehr verpasst. Es fällt auch auf, dass Gott nicht Adam und Eva rief und fragte, sondern nur Adam. Er hatte die Verantwortung für den Garten übertragen bekommen. Gott rief nicht planlos in den Garten hinein, sondern sprach gezielt zu Adam, so, wie wir heute vielleicht zu jemandem sagen würden: "Schau dich an - was machst du da?" Oder: "Mensch - wo bist du gelandet?!":

Und er sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Deine Stimme (hebräisch qol = Stimme, Geräusch) hörte ich in der Einfriedung. Da fürchtete ich mich, denn nackt bin ich, und so versteckte ich mich. Genesis 3:9-10

Aus Scham und Angst nennt Adam nicht den wahren Grund für sein Verstecken, nämlich seinen Ungehorsam. Scheibchenweise muss Gott ihm die Wahrheit entlocken. Dabei wird offenbar, dass nicht die körperliche Nacktheit das eigentliche Problem ist, denn inzwischen waren Adam und Eva ja "angezogen". Sie hatten also lediglich oberflächlich an den Symptomen herumgedoktert, der tiefere Grund war ihre Schuld. Darum waren sie jetzt erfüllt mit Angst, demjenigen gegenüberzutreten, der sie durchschaute:

Denn das Wort Gottes ist durchdringend ... und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles ist nackt (griech. gymnos) und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben. Hebräer 4:12-13

Vor Gott waren sie auch vorher schon nackt gewesen, doch nun wird ihnen dies schmerzlich bewusst - weil sie etwas zu verbergen hatten! Auf einmal ist es nicht mehr erstrebenswert, sondern furchterregend, Gottes Stimme zu hören. Und so geht es uns allen doch manchmal: Einerseits möchten wir gerne Gott erleben, aber andererseits haben wir unbewusst eine tiefe Angst vor dem, was Gott zu uns sagen könnte:

Und er sprach: Wer hat es dir kundgetan, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum, von dem ich dir geboten hatte, nicht davon zu essen, gegessen? Genesis 3:11

Drittes Versteck: Hinter den Mitmenschen

Adam steht mit dem Rücken zur Wand. Aber er gibt sich immer noch nicht geschlagen, sondern flüchtet ein weiteres Mal ...

Und der Adam sprach: Die Frau ..., sie gab mir von dem Baum, und so aß ich. Genesis 3:12

Wenn es eng wird und wir Verantwortung übernehmen sollen, dann fallen uns plötzlich unsere lieben Mitmenschen ein. Sind sie nicht in hohem Maße schuld an dem ganzen Schlamassel, in dem wir stecken? Und wer Fehler sucht, der findet sie auch in Hülle und Fülle - weniger bei sich selber, versteht sich, sondern vor allem bei den anderen, die da heißen: Vorgesetzte, Arbeitskollegen, Nachbarn, Verwandte, andere Gläubige usw. Aber irgendwie musste Adam geahnt haben, dass er so nicht davonkommen würde, und deshalb ging er gleich noch einen Schritt weiter und "setze noch einen obendrauf" ...

Viertes Versteck: Hinter Gott

Die Frau, die DU mir zur Gemeinschaft gegeben hast ... Genesis 3:12

War es nicht Gott gewesen, der ihm die Frau zur Seite gestellt hatte? Wenn man es von dieser Seite sah, dann war es doch letztlich Gott selber, der ihm all diese Schwierigkeiten eingebrockt hatte! Warum hatte er die ganze Sache auch so kompliziert gemacht!? Und ist der allmächtige Gott nicht auch verantwortlich für unser Versagen?

Das letzte Wort: "ich"

Doch alles Klagen und Anklagen kann nicht das Schuldeingeständnis ersetzen, das am Ende von Adams Verteidungsrede wie ein harmloses Anhängsel erscheint:

... und so aß ich. Genesis 3:12

Sicher, da sind unsere Mitmenschen, und da ist Gott, aber die ganze Welt kann nicht als Entschuldigung für das "ich" dienen: Wir müssen die Verantwortung für unseren Anteil an allem nehmen, zu dem stehen, was unserem eigenen Herzen entsprungen ist! Als nächstes wendet Gott sich an Eva - und auch sie flüchtet in ein Versteck:

Da sprach der HERR, Gott, zu der Frau: Warum hast du dies getan? Da sprach die Frau: Die Schlange hat mich betrogen, und so aß ich. Genesis 3:13

Wieder fragt Gott nicht ahnungslos oder erstaunt. Vielmehr will er nicht, dass die wahren Ursachen für das angerichtete Leid übersehen oder vergessen werden. Er möchte, dass die Kausalkette offenbar wird. Und die Wurzel des Übels kommt heraus: Verführung durch Satan in der Gestalt eines Engels des Lichts! Noch eines wird deutlich:

Nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot. 1.Timotheus 2:14

Aus dem schöpfungsmäßigen Unterschied von Mann und Frau ergibt sich, dass sie nicht gleich anfällig für die verschiedenen Sünden sind. So scheinen Frauen von Natur aus für "Aberglauben" eher anfällig zu sein als Männer. Diese scheinen allerdings auch dem wahren Glauben gegenüber verschlossener und für Zweifel anfälliger zu sein. Nicht ohne Grund hatte sich Satan an die Frau herangemacht: Es gelang ihm, Eva zu täuschen. Adam dagegen entschied sich bewusst zur Solidarität mit seiner Frau, obwohl er wusste, dass sie einen Fehler begangen hatte. Ganz bewusst verwarf er Gottes Wort. Jetzt sind die Wurzeln offengelegt, und Gott spricht als nächstes den Urheber des ganzen Leides an. Die "Beweisaufnahme" ist abgeschlossen, nun folgt der Richterspruch Gottes.

Das Urteil Gottes

Wenn wir die Worte "Gericht" oder "richten" hören, denken wir wahrscheinlich als erstes an eine Verurteilung, eine Bestrafung oder gar eine Hin-Richtung, alles Dinge, die Angst und Schrecken bei uns erzeugen. Das geht so weit, dass aus dem hebräischen "schaphat = richten" unsere Bezeichnung für die "Richtstätte", Schafott, wurde. Doch in der Bibel ist das Hauptziel von Gericht, Zerstörtes wieder zu "richten", falsche Orientierungen wieder auszu-richten, Verkehrtes wieder "richtig" zu stellen. Dazu können auch empfindliche Strafen gehören, doch sind diese niemals ein Selbstzweck, sondern sollen dazu beitragen, dass es der Schöpfung und den Menschen wieder gut geht. Wenn Gott richtet, kommen die Dinge wieder in die richtige Ordnung.

Die Erniedrigung der Schlange

Da sprach der HERR, Gott, zu der Schlange: Weil du dies getan hast, bist du verflucht ... Genesis 3:14

Als erstes fällt auf, dass Gott die Schlange nicht erst herbeirufen muss. Satan gehört als Geistwesen der unsichtbaren Welt an, und so kann er unmittelbar angesprochen werden. Weiterhin fällt auf, dass Gott ihn nicht erst nach Ursachen oder Motiven fragt, wie er das bei Eva und Adam tat. Während die Menschen in der begrenzten Erkenntnis der irdischen Sphäre gehandelt hatten und außerdem getäuscht worden waren, war Satan sich seines Handelns nämlich vollkommen bewusst und ohne Einschränkung verantwortlich. Es gab niemanden mehr "hinter" ihm, der ihn verführt hätte. Darum fällt Gott in seinem Fall sogleich die Entscheidung:

Weil du dies getan hast, bist du verflucht, mehr als alle vierfüßigen Lebewesen und als alle Lebewesen des Feldes. Auf deinem Bauch wirst du gehen und Staub wirst du essen alle Tage deines Lebens. Genesis 3:14

Zuerst einmal klingt es tatsächlich so, als ginge es um ein irdisches Reptil - obwohl es bis heute keine Schlangen gibt, die tatsächlich Erde fressen - dies wird erst in der Zukunft der Fall sein (Jesaja 65:25). Da es dem Textzusammenhang nach um Satan selber geht, könnte man das "Staub Essen" so deuten, dass irdisch-stoffliche Dinge ("Staub") zum "täglichen Brot" werden - Satan ist Materialist, er ist "irdisch" gesonnen. Das Gehen auf dem Bauch steht für die Erniedrigung. Die Schlange ist aus der Sicht des Menschen ein Tier, das tiefstmöglich am Boden lebt:

Dann bist du erniedrigt und wirst aus der Erde reden, und aus dem Staub wird deine Rede dumpf ertönen und aus dem Staub wird deine Rede flüstern. Jesaja 29:4

Die Nationen sollen beschämt werden trotz all ihrer Macht, sie werden Staub lecken wie die Schlange, wie die kriechenden Tiere der Erde. Micha 7:16-17

Hierauf folgt eine ebenso folgenschwere wie zuerst einmal rätselhafte Aussage Gottes, die wir uns genauer ansehen müssen.

Die Kriegserklärung Gottes

Und Feindschaft werde ich setzen: Zwischen dir und zwischen der Frau, und zwischen deinem Samen und zwischen ihrem Samen. Er, er wird dich am Kopf packen, du aber, du wirst ihn an der Ferse packen. Genesis 3:15

Wegweiser in die Zukunft

Dieser Teil des Richterspruches Gottes über Satan ist von enormer Bedeutung für das Verständnis der ganzen Bibel. Hier offenbart Gott in wenigen Worten sein Programm für seinen Umgang mit dem Bösen. Hier öffnet sich ein Fenster in die Zukunft des Erdenlebens, durch das wir unbedingt einen Blick erhaschen müssen, wenn wir die Ereignisse der Geschichte und der Gegenwart verstehen wollen. Doch gleichzeitig ähneln diese Worte einem Rätsel, das erst gelöst werden will, bevor man das Geheimnis verstehen kann. Wer ist der "Same der Schlange", wer ist der "Same der Frau"? Was bedeutet "am Kopf packen" beziehungsweise "an der Ferse packen"? Wir können diese Fragen am besten beantworten, wenn wir den Text genau untersuchen.

Der "Same der Schlange"

Das hebräische Wort für "Same", nämlich "zära" (weiches "z" wie engl. zero), bezeichnet zum einen die Fortpflanzungskörper von Pflanzen oder den Samen von Tieren und Menschen, und in diesem Sinne deren körperliche Nachkommen. Weiter bezeichnet es das Prinzip von Saat und Ernte und wird auch auf geistliche Dinge angewendet:

1. Gleichartigkeit: Das, was gesät wird, entspricht dem, was daraus "erwächst".

2. Vermehrung: Es wird wenig gesät, es wird viel geerntet

3. Reife: Es wird ein Keim gelegt, eine ausgewachsene Frucht entsteht

Die biologischen Samen sind in der Bibel auch ein Bild für geistige Samen. So können Menschen zum Beispiel Mühsal und Unheil säen, Hiob 4:8, oder aber Gerechtigkeit, Sprüche 11:18, und sie werden auch dementsprechend "ernten". Der "Same der Gerechten", Sprüche 11:21, oder der "Same der Aufrichtigen", Psalm 112:2, sind nicht deren körperliche Nachkommen, sondern Menschen, die in derselben Gerechtigkeit leben.

Genauso ist der "Same der Übeltäter", Jesaja 14:20, oder der "Same des Ehebrechers und der Hure", Jesaja 57:3, nicht deren körperlicher Nachwuchs, sondern Menschen, die in derselben Einstellung leben. Der "Same der Lüge", Jesaja 57:4, sind Menschen, die in der Lüge leben, der "Same der Gottlosen", Psalm 37:28, sind wiederum Gottlose. Niemand ist also durch seine körperliche Herkunft gut oder böse, sondern durch die Entscheidung, welchen Vorbildern er folgt.

Somit ist klar, dass mit dem "Samen der Schlange" Satans geistige Kinder gemeint sind, Menschen, die dieselbe Gesinnung angenommen haben wie er. So bezeichnet Jesus im Neuen Testament die Pharisäer und Schriftgelehrten als "Schlangen", "Otternbrut" und nennt ausdrücklich Satan als ihren Vater: Matthäus 23:33 und Johannes 8:44, vergleiche auch 1.Johannes 3:8-12! Diese Menschen haben die "Schlangennatur" angenommen:

Positiv-religiös erscheinen, aber Tod und Verderben bringen

Eine materialistische, total auf das diesseitige Leben ausgerichtete Gesinnung: Machthunger und Geldliebe

Der "Same der Frau"

Als erstes ist diese Aussage einmal körperlich zu verstehen: Nach Gottes Aussage würde eines Tages ein körperlicher Nachfahre Eva's Satan besiegen. Es ist bemerkenswert, dass hier wieder die Sprache des Stammbaumes verwendet wird, die uns bereits aus Genesis 1 so vertraut ist. Gott kündigt mit diesem Satz neue Zeugungsfolgen an, die nötig waren, bis die Mächte der Finsternis besiegt würden. Der Ausdruck "Same der Frau" betont also die irdische Herkunft des verheißenen Retters, mit der unweigerlich eine niedrige Stellung verbunden ist. Andererseits verwundert es nicht, dass es bei dem weiteren Verlauf des Stammbaumes nicht mehr nur um rein biologische Dimensionen geht wie bei dem von Genesis 1, sondern auch und sogar ganz besonders um die geistige: Satan ist ein Geistwesen, und der Kampf gegen ihn findet im Wesentlichen auf der geistigen Ebene statt, wobei diese die körperlich-irdische mit einschließt. Dies äußert sich in dem auffälligen Umstand, dass der verheißene Nachkomme in diesem Zusammenhang nicht als "Sohn Adams" sondern als "Same der Frau" bezeichnet wird. In Israel war es unüblich, einen Menschen nach seiner Mutter zu benennen. Bei körperlicher Abstammung wurde vielmehr immer der Bezug zum Vater hergestellt.

Der Ausdruck "Same der Frau" weist darauf hin,
dass jemand keinen irdischen Vater hat!

Mit anderen Worten: Der Same der Frau sind nicht nur Nachkommen Evas, sondern zugleich auch "Kinder Gottes". So, wie der "Same der Schlange" Menschen sind, die Satans Wesen verkörpern, weil er ihr "geistiger Vater" ist, so ist der "Same der Frau" derjenige Teil der Menschheit, der sich von Gottes Wesen prägen lässt, wie es analog von Abraham's und Israel's "Samen" gesagt wird:

Denn nicht alle, die aus Israel sind, diese sind Israel, auch nicht, weil sie Abrahams Same sind, sind alle Kinder, sondern "in Isaak wird dir ein Same genannt werden". Das ist: Nicht die Kinder des Fleisches, diese sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet. Römer 9:6-8

Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch ist die äußerliche Beschneidung im Fleische Beschneidung, sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung ist die des Herzens, im Geiste, nicht im Buchstaben. Römer 2:28-29

Indem Menschen ihr Leben für Gott öffnen, werden sie "wiedergeboren zu Kindern Gottes" - eine Kindschaft ohne irdischen Vater:

So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Johannes 1:12-13

In diesem Sinne sind also alle wiedergeborenen Gläubigen der "Same der Frau". Aber im absoluten und vollen Wortsinn ist natürlich nur Jesus, der Sohn Gottes, die Erfüllung der Prophetie. Sein körperlicher Stammbaum reicht einerseits bis zu Adam und Eva zurück. Und Jesus hatte tatsächlich keinen körperlichen Vater, nur eine Mutter! Jesus ist buchstäblich der Same der Frau, geboren von einer Jungfrau, und im doppelten Sinn des Wortes "Sohn Gottes":

Da erschien dem Josef ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist.
Alles geschah aber, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht:
Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen' (Jesaja 7:14), was übersetzt ist: Gott mit uns. Matthäus 1:20-23

Die Frau

Als erstes fällt auf, dass Gott nicht sagt, die Feindschaft würde zwischen Adam und der Schlange bestehen, sondern zwischen der Schlange und der Frau. Sicher geht es dabei nicht um eine Feindschaft zwischen irdischen Reptilien und menschlichen Frauen. Nein, so wie mit "Schlange" kein Reptil gemeint ist, bezeichnet auch "Frau" keine einzelne Menschenfrau. Hier handelt es sich um eine göttliche Prophezeiung für die ferne Zukunft, die immer noch gilt, selbst wenn Eva schon lange nicht mehr lebt!

Warum stellt Gott ausdrücklich die Frau der Schlange gegenüber? Während die Schlange ein Bild für eigenmächtige Religiosität ist, steht "die Frau" für eine persönliche Beziehung. Das Verhältnis von Mann und Frau ist die tiefstmögliche Beziehung zwischen Menschen auf der Erde! "Die Frau", das sind in diesem Fall also Menschen, die eine tiefe, persönliche Beziehung zu Gott haben. Paulus bestätigt diese Schlussfolgerungen, denn er bezieht sich ausdrücklich auf "die Frau" der Genesis und erklärt, wer sie ist:

Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein." Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde. Epheser 5:31-32

Wenn Gott der Vater des "Samens der Frau" ist, wer ist dann die "Mutter" dieses "Samens"? Antwort: Die "Frau" Gottes, mit anderen Worten seine Braut, die Gemeinde! Und tatsächlich ist es so, dass die bereits gläubigen Menschen es sind, die Gott gebraucht, neue Kinder Gottes "zur Welt zu bringen" und zu betreuen. Die Gemeinde der Gläubigen ist die Geburtsstätte und der Kinderhort von Gottes Familie:

Das Jerusalem droben aber ist frei, und das ist unsere Mutter. Galater 4:26

Im Hebräerbrief wird näher erklärt, worum es sich dabei handelt:

Ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung, und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten, und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zum Blut der Besprengung. Hebräer 12:22-24

Die Braut - Gottes Verlobte!

Dieser Gedanke mag überraschen: Sollte Gott eine "Frau" haben? Wir haben es hier mit einem Bild zu tun, das ein Geheimnis betrifft, also eine Sache, die vielen Menschen verborgen ist. Gott hat den Menschen in seinem Bilde erschaffen, also ihm ähnlich und zur "Partnerschaft" fähig, als ein Gegenüber, das ihm "ebenbürtig" ist und seine Liebe freiwillig erwidern kann. Auf irdische Verhältnisse übertragen gibt es kein besseres Bild dafür als die Beziehung zwischen Mann und Frau. Gott sehnt sich nach unserer Liebe:

Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen. 2.Korinther 11:2

Jesus hat eine Verlobte! Der Sohn Gottes, der Christus, ist der "Bräutigam", die Gläubigen sollen seine "Braut" sein. "Braut" steht dafür, dass jemand sein eigenes Leben ganz und ohne Vorbehalte einem anderen hingibt, weil er ihn von Herzen liebt. Dies ist ein Bund, bei dem die beiden vollkommen eins werden, bei dem jeder alle seine Rechte vollständig dem anderen überträgt, und der das ganze Leben lang währt. Bereits in den hebräischen Schriften der Bibel ist das Verhältnis "Mann/Frau" beziehungsweise "Braut/Bräutigam" ein häufig gebrauchtes Bild:

Und wie der Bräutigam sich an der Braut freut, so wird dein Gott sich an dir freuen. Jesaja 62:5

Die "Braut" sind diejenigen Menschen, mit denen Gott einen Bund eingegangen ist. Erstaunlich die Worte, mit denen dies beschrieben wird:

Und du (Israel) wuchsest heran und wurdest groß, und du gelangtest zu höchster Anmut; die Brüste rundeten sich, und dein Haar wuchs reichlich ... und siehe, deine Zeit war da, die Zeit der Liebe; und ich breitete meinen Mantel über dich aus und bedeckte deine Blöße. Und ich schwor dir und trat in einen Bund mit dir, spricht der Herr, HERR, und du wurdest mein. Hesekiel 16:7-8

Weil Menschen die Stärke der Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau kennen, hat Gott ganz bewusst dieses Bild gewählt, um die Stärke seines Verlangens nach Gemeinschaft mit uns zu beschreiben. Nur wird unsere Gemeinschaft mit ihm eine noch viel tiefere Erfüllung bringen, auch wenn die Liebe zwischen Mann und Frau dies auf der Erde vorschattet:

Und wie der Bräutigam sich an der Braut freut, so wird dein Gott sich an dir freuen. Jesaja 62:5

Das Urteil über den Mann

Der Mann, der "über die Frau herrschen" soll, Genesis 3:16, ist auch ein Bild für die Leiterschaft der Gemeinde (in Vollendung ist das natürlich Jesus selber, das Haupt). Diesem Mann wird angekündigt, dass er mit Misserfolg und Mühsal zu kämpfen haben wird:

Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen! - so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens, und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen!
Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren! Genesis 3:17-19

Der Acker bringt ihm trotz Mühsal Disteln und Dornen hervorbringen, das bedeutet äußeren Widerstand und Misserfolg trotz vieler Bemühungen. Er muss das Kraut des Feldes essen, das eigentlich den Tieren zugedacht ist, Genesis 1:29-30, das ist eine Demütigung, Daniel 4:30. Am Ende steht der Tod: Die von Gott berufenen Anführer müssen dieser Welt sterben, Galater 2:19-20. Das ist, was die Bibel unter Männlichkeit versteht. Viele Leiter der Bibel mussten während ihres Lebens herbe Rückschlage und tiefe Demütigungen hinnehmen und sahen oft am Ende ihres Lebens aus, als wären sie gescheitert. Jesus war von seinen Freunden verlassen, auch Paulus war am Schluss sehr einsam und musste den Abfall vieler Gemeinden mit ansehen, 2.Timotheus 1:15.

Adam als Vorbild auf den kommenden Retter

Es gibt in der Bibel nur zwei Menschen, die ausdrücklich "der Mensch" genannt werden: Adam und Jesus Christus. In 1.Korinther 15 werden die beiden einander gegenübergestellt als die einzigen Menschen, die im Vollsinne von Gottes Verständnis Menschen waren - in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott:

Adam war der erste Mensch, der den Erkenntnisgeist Gottes bekam und unmittelbare Gemeinschaft mit Gott hatte.

Jesus Christus war nach einer langen Kette sündiger Menschen der zweite Mensch, der in vollkommener Geistesgemeinschaft mit Gott lebte.

Die Übereinstimmungen zwischen Adam, "der ein Typos, ein Vorbild des Kommenden ist" (Römer 5:14), und Christus sind auffallend:

Beide wurden von Gott speziell gebildet (hebräisch jatsar, Genesis 2:7; Jesaja 49:5)

Beide wurden durch Gottes Geist speziell bevollmächtigt (Genesis 2:7; Matthäus 3:13,16)

So wie Adam vor der Entstehung Evas in der Einsamkeit des Gartens auf sie vorbereitet und später von der Schlange versucht wurde, musste auch Jesus vor Beginn seines Dienstes in der Einsamkeit der Wildnis von der Schlange versucht werden, Matthäus 4.

Beide mussten "entschlafen", damit ihre Braut gebaut werden konnte - Adam nur bildlich, in einen Tiefschlaf, Christus tatsächlich, bei seinem Tod am Kreuz, Johannes 12:24.

Beide erlitten eine Seitenwunde - Adam bei der Operation, Christus durch einen Speer, als er am Kreuz hing (Sacharja 12:10; Johannes 19:33-37)

Beide mussten warten, bis ihre Braut "aufgebaut" war, denn auch die Brautgemeinde braucht Zeit, bis sie "erwachsen" (Epheser 4:16) und "aufgebaut" ist, 1.Petrus 2:5.

Eva und die Gemeinde waren eigentlich als Gehilfin gedacht, kosteten aber durch ihnren Ungehorsam ihre Männer das Leben.

Eva wurde nach dem hebräischen "isch = Mann" ganz ähnlich "ischschah = Männin" genannt, die Nachfolger des Christus bekamen den davon abgeleiteten Namen "Christen".

Der große Kampf

Gottes Gerichtsspruch ist eigentlich eine Verheißung für die Menschheit, die zugleich eine Gerichtsandrohung für Satan ist:

Er, er wird dich (Satan) am Kopf packen (hebr. schuph) ... Genesis 3:15

Wenn man eine Schlange fangen will, insbesondere eine Giftschlange, dann muss man sie beim Kopf packen, um sie wirklich unschädlich zu machen. Es wäre falsch, sie beim Schwanz zu ergreifen, weil sie einen dann immer noch beißen kann. Hat man sie jedoch beim Kopf gepackt, kann sie nichts mehr ausrichten. Diese Worte machen somit klar, dass eines Tages die körperlich-geistige Nachkommenschaft der Frau die Schlange zu fassen bekommen und endgültig überwinden würde. Dieses Bild gilt sowohl für die "Kinder" als auch den einen "Sohn" Gottes.

Auch über die Kampftechnik sagt dieses Bild eine Menge aus. Der Same der Frau, also die mit Gott Verbündeten, würden nicht so töricht sein, den Leib der Schlange "anzu-greifen", also die Menschen, die ihm als Werkzeug dienen, sondern würden stets darauf bedacht sein, den Kopf selber, Satan, anzugreifen:

Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt! Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt. Epheser 6:11-12

Solange wir gegen Menschen kämpfen, sind wir selber verführt und haben nicht begriffen, worum es in diesem Kampf eigentlich geht - Menschen zu retten und den wahren Anführer der Ungerechtigkeit und den eigentlichen Urheber allen Leides endlich unschädlich zu machen, wie Gott selber es uns vormacht:

Du bist ausgezogen zur Rettung deines Volkes, zur Rettung deines Gesalbten. Du hast das Haupt herabgeschmettert vom Haus des Gottlosen, den Grund bis auf den Felsen bloßgelegt ... Du hast ihm mit seinen eigenen Pfeilen den Kopf durchbohrt, seine Anführer sind davongerannt ... Habakkuk 3:13-14

Die Kampftechnik der Schlange

Du aber, du wirst ihn an der Ferse (aqeb) packen (schuph). Genesis 3:15

Die Schlange ist ja an den Boden gefesselt, und so liegt es nahe, dass sie Körperteile "an-greift", die nahe am Boden sind:

(Für) Dan ist eine Schlange am Weg, eine Hornotter (hebräisch schephiphon, verwandt mit schuph) am Pfad, die in die Fersen (hebräisch aqeb) des Pferdes beißt, und rücklings fällt sein Reiter. Genesis 49:17

Die Ferse ist derjenige Körperteil, der beim Laufen als erstes den Boden berührt, und Satan greift immer da an, wo wir "irdisch" sind, wo wir zum Beispiel durch die irdische Begrenztheit unseres Menschseins eine natürliche Schwäche haben oder wo wir "irdisch gesonnen" sind. Das sprichwörtliche Beispiel hierfür ist Jakob (hebräisch: ja^aqob), dessen Name von "aqeb = Ferse" abgeleitet ist, wörtlich "Fersenhalter" heißt und sinngemäß soviel wie "Betrüger, Trickser" bedeutet. Als Zwillingsbruder von Esau wurde er unmittelbar nach ihm geboren, und ungewöhnlicher Weise hielt er dabei mit seiner kleinen Hand die Ferse seines Bruder - daher bekam er auch seinen Namen, Genesis 25:26. Dieser wurde für ihn (leider) zum Programm: Erst "packte" Jakob seinen Bruder Esau bei seiner menschlichen Schwäche für gutes Essen und kaufte ihm für ein rotes Bohnengericht seine Erstgeburt ab, was seinem Bruder wiederum den Namen "Edom = Roter" eintrug, Genesis 25:30. Dann luchste er seinem Vater, wieder mit Hilfe eines guten Essens, den Segen des Erstgeborenen ab, indem er ihn bei seiner Seh-Schwäche "packte", Genesis 27:1. Kein Wunder, dass Edom empört auf seinen Namen anspielte:

Heißt er nicht zu recht Jakob, weil er mich nun schon zweimal betrogen (hebräisch aqab) hat? Mein Erstgeburtsrecht hat er genommen, und siehe, jetzt hat er auch meinen Segen genommen! Genesis 27:36

Die "Ferse packen" bedeutet also, jemanden mit Hinter-List attackieren, ihn an einer Schwachstelle "packen":

Hütet euch, ein jeder vor seinem Freund, und setzt auf keinen Bruder Vertrauen! Denn jeder Bruder treibt Hinterlist (hebräisch aqab), und jeder Freund geht als Verleumder umher. Jeremia 9:3

Der Angriff auf die "Ferse" eines Menschen bedeutet das hinterhältige Auflauern auf das Vertrauen, die Wehrlosigkeit oder die Schwächen einer Person. Das Ziel ist, jemanden seiner Rechte oder gar seines Lebens zu berauben:

Sie greifen an, verstecken sich, sie beobachten meine Fersen, weil sie meiner Seele auflauern. Psalm 56:7

Im Falle der Schlange aber ist eines klar: Sie kann nur mit ihren Giftzähnen "zupacken", deshalb bedeutet es den sicheren Tod, von ihr gebissen zu werden. Demnach sagt die Prophetie von Genesis 3, dass der "Same der Frau" jedenfalls sterben muss. Ein zentrales Kennzeichen des wahren "Samens der Frau" ist demnach die Bereitschaft, sein irdisches Leben zu lassen. Da die Schlange, ist sie erst einmal am Kopf gepackt, nicht mehr in die Ferse beißen kann, ist folgender Ablauf des Geschehens zu erwarten:

Die Schlange lauert dem Samen der Frau auf und beißt ihn in die Ferse. Dem Beigeschmack des Wortes "Ferse" nach ist zu erwarten, dass dabei Hinterlist eine Rolle spielen wird.

Daraufhin packt der Same der Frau die Schlange am Kopf und überwältigt sie.

Der "Stammbaum der Himmel und der Erde"

Noch eines wird klar durch die Verheißung des "Samens der Frau": Neue Zeugungsfolgen, neue Toledot, würden folgen, aus denen derjenige kommen würde, der schließlich die Schlange am Kopf packen sollte. Da der Ausspruch Gottes sich an Satan selber richtete, war klar, dass dieser alles tun würde, um das Kommen des verheißenen Nachkommen zu verhindern, sei es, die Keimbahn zu vernichten, zu unterbrechen oder zu verderben.

Es handelt sich bei dem Bericht vom Garten Eden nicht um eine Episode, sondern um einen Meilenstein in der Weltgeschichte und einen Wegweiser für die weitere Entwicklung! Die ganze Bibel beschreibt den hier vorhergesagten Entscheidungskampf, der zum Untergang Satans und zum endgültigen Sieg des "Samens der Frau" führen wird! Der mit der Schöpfung begonnene "Stammbaum" wird zum Roten Faden, der sich durch die ganze Bibel zieht. Da sind zum einen die körperlichen Zeugungsfolgen, die zum verheißenen Messias führen werden, der Satan besiegt. Und parallel dazu verlaufen die geistigen Zeugungsfolgen, bei denen Menschen durch die Wiedergeburt Teil des himmlischen Stammbaumes werden.

Die "Mutter aller Lebenden"

Und der Adam nannte den Namen seiner Frau: "Chawwah" (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebenden. Genesis 3:20

Natürlich ist hier nicht gemeint, dass sie damit auch die Mutter aller Tiere wäre! Eva war ein "Typos", ein Bild für die "Braut". Damit haben die Aussagen über sie einen doppelten Charakter. Zum einen beziehen sie sich auf die irdische Ebene und gehen "buchstäblich" in Erfüllung, zum anderen beziehen sie sich auf die geistliche Ebene und weisen auf unsichtbare Realitäten hin.

Auf der irdischen Ebene würde Eva die körperliche Mutter, also Vorfahrin des einen "Samen der Frau" werden, der den Satan und den Tod endgültig besiegen sollte. Da die ganze Schöpfung ihr vergängliches und ewiges Leben von eben diesem Messias bezieht, ist sie in gewisser Weise tatsächlich die "Mutter aller Lebenden". Darin kommt zum Ausdruck, dass Gott sich und sein Handeln in eigentlich unglaublichem Maße an die irdische Ebene bindet. Am stärksten kommt dies natürlich in der Geburt des Sohnes Gottes als sterblicher Mensch, Sohn einer Frau, zum Ausdruck.

Auf der geistlichen Ebene steht Eva für die "Braut", also die Gemeinschaft aller bekennenden Gläubigen. Sie ist Gottes Werkzeug, Menschen zur Wiedergeburt zu bringen und dann diese "Neugeborenen" in ihrem geistlichen Wachstum zu betreuen, bis sie vom unmündigen Kleinkind über die "Sohnschaft" bis hin zum "erwachsenen Manne" herangereift sind:

... für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein ... Epheser 4:12-14

Das Bild von Eva, "der Frau", als "Mutter aller Lebenden" betont, dass jeder Mensch zum "Kind Gottes wiedergeboren" werden muss, wenn er Satan überwinden und das wahre Leben erhalten möchte. "Frau" steht für eine persönliche Beziehung zwischen Gott und Mensch. Es gibt wohl kaum ein stärkeres irdisches Bild für den Vorgang, wie neues geistiges Leben entsteht: Durch unmittelbare, persönliche Gemeinschaft mit Gott.

Eva’s Kinder und Abraham's Söhne

Die Bibel gebraucht noch ein weiteres, sehr ähnliches Bild, um den Sachverhalt der menschlich-geistigen Elternschaft zu beschreiben

Wenn ihr des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft (griechisch: Same) und nach Verheißung Erben. Galater 3:29

Abraham als "Vater aller Gläubigen" ist ein Bild, das besonders das Gottvertrauen als Voraussetzung hervorhebt, wie ein Mensch überhaupt zur "Wiedergeburt" gelangen kann. Der Mensch setzt sein Vertrauen nicht mehr auf die sichtbaren Dinge, sondern richtet sich auf Gott und die unsichtbare Welt aus und wird so deren neuer Bürger:

Erkennt daraus: die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne! Galater 3:7

Abraham ist Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die aus der Beschneidung sind, sondern auch derer, die in den Fußspuren des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte ... Römer 4:11-12

Dieses Bild betont, dass wir keine menschlichen Werke tun können, um Kinder Gottes zu werden, sondern dass wir nur das annehmen können, was Gott längst vollbracht hat und nun uns anbietet. Die Schlüsselworte sind "Glaube" (nicht Werke und Gesetze) und "Gnade" (nicht Leistung und Verdienst):

Darum ist es aus Glauben, dass es nach Gnade gehe, damit die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft (griech. dem ganzen Samen) sicher sei, nicht allein der vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist. Römer 4:16

Nicht wir suchen Gott als erstes, sondern von Gott geht die Inititative aus. Welches Kind hat jemals die Initiative dazu ergriffen, gezeugt und geboren zu werden?! Wenn es um das wahre Leben geht, muss jeder Ansatz, der von der Seite des Menschen ausgeht, scheitern. Das heißt jedoch nicht, dass unser Verhalten bedeutungslos wäre. Im Gegenteil, unsere Reaktion ist entscheidend. Es liegt an uns, ob wir im Vertrauen annehmen, was Gott uns geben will, oder ob wir uns verweigern.

Das erste Opfer

Und der HERR, Gott, machte dem Adam und seiner Frau Leibröcke von Fell und bekleidete sie. Genesis 3:21

Die Menschen hatten versucht, sich mit verwelkenden Blättern schnell ein Gewand "selber zu stricken". Das ist ein Bild für unsere Versuche, durch eigene "gute Werke" unser Gewissen zu beruhigen und vor Gott gut dazustehen. Doch dies kann vor Gott niemals Bestand haben. Die Initiative muss von ihm ausgehen. In diesem Fall müssen unschuldige Tiere sterben, um die Blöße von Adam und Eva zu bedecken. Dies ist - wie übrigens alle Tieropfer im Alten Testament - ein Vorschatten auf den unschuldigen Opfertod des "Lammes Gottes":

Jesus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Johannes 1:29

Es gibt keine Vergebung ohne Blutvergießen, Hebräer 9:22. Trotz ihres Versagens nimmt Gott sich Adam und Eva und ihrer Not an. Selbst wenn wir untreu sind - Gott bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen, 2.Timotheus 2:13!

Die Vertreibung

Und der HERR, Gott, schickte Adam von der Einfriedung Eden weg, um den Erdboden zu bearbeiten, von dem er genommen war. Und dann vertrieb er den Adam und ließ östlich von der Einfriedung Eden die Cherubim und die Flamme des sich wendenden Schwertes lagern ... Genesis 3:23-24

Wir begegnen hier einer Parallele zwischen der Art, wie Adam in den Garten Eden hineinkam und wie er ihn verließ: Gott hatte Adam zuerst für den Garten Eden bestimmt (hebräisch "sim", Genesis 2:8). Später nahm er ihn dann und brachte ihn dort zur Ruhe ("laqach" und "nuach", Genesis 2:15). Nun sandte Gott den Adam fort, gab ihm also den Auftrag, den Garten zu verlassen und das Land außerhalb des Gartens zu bebauen (hebräisch "schalach", Genesis 3:23). Danach vertrieb er ihn tatsächlich (garasch, Genesis 3:24), das ist das Gegenteil von "nuach = zur Ruhe bringen", also Rastlosigkeit - in Genesis 4:14 wird dasselbe Wort für die Vertreibung Kains gebraucht.

In beiden Fällen können wir also davon ausgehen, dass Gott dem Adam seinen Willen zuerst offenbarte und ihm eine gewisse Zeit zur Vorbereitung auf das Neue gab, bevor er ihn dann tatsächlich in seine neue Berufung führte - wobei er sich im zweiten Fall jedoch gesträubt haben dürfte: Das Wort "vertreiben" lässt einen gewissen Druck erahnen, der nötig war, um Adam zum Verlassen des Gartens Eden zu bewegen.

Kain und Abel: Wenn Brüder Feinde werden

Wir können den ganzen folgenden Text nur verstehen, wenn wir die Verheißung in Erinnerung behalten, die Gott Adam und Eva gegeben hatte, als er sein Gerichtswort über Satan sprach:

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dich beim Kopf packen, und du, du wirst ihn an der Ferse packen. Genesis 3:15

Von diesem Zeitpunkt an war klar, dass der endgültige Sieg über Satan durch einen Menschen verwirklicht werden würde, der von Adam und Eva abstammt. Von nun an erwarteten die Gläubigen einen Menschen als Retter, oder auch als "Messias", was auf Griechisch "Christus" heißt.

Es war zu erwarten, dass Satan, der Widersacher Gottes, dem nicht tatenlos zusehen würde. Auch er würde sich auf die Nachkommen Eva's konzentrieren und versuchen, Gottes Vorhersage mit allen Mitteln zu vereiteln. Dies ist seit dem ersten Vers der Bibel der Ablauf: Gott wirkt (... schuf die Himmel und die Erde), Satan kämpft dagegen (... die Erde aber wurde verwüstet und entleert). Wie ging es also weiter?

Wahre Erkenntnis

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie wurde schwanger.

Diese Aussage in Genesis 4:1 macht deutlich, dass in der Bibel "Erkenntnis" etwas viel Tieferes ist als das intellektuelle Verstehen eines Sachverhaltes. Es geht um eine tiefe persönliche Gemeinschaft, eine Intimität mit dem Erkannten, die zu einer innigen Verbindung führt. Gott erkennen bedeutet nicht, Fakten über ihn im Kopf zu sammeln, sondern sich ihm ganz hinzugeben, das Leben in Gemeinschaft mit ihm zu leben, ihn zu lieben:

Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut. Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er noch nicht erkannt, wie man erkennen soll. Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt. 1.Korinther 8:1-3

Während reine Kopferkenntnis also lediglich "Blähungen" verursacht, führt Herzenserkenntnis mit Hingabe zu echter Fruchtbarkeit:

... und sie wurde schwanger und gebar Kain. Und sie sagte: Ich habe einen Mann hervorgebracht mit dem HERRN. Genesis 4:1-2

Es fällt auf, dass Eva nach der Geburt Kains eine große Betonung auf ihre eigene Leistung legt. Sie nennt ihren ersten Sohn "Kain = Erwerb, Gewinn" und sagt nicht: "Der HERR hat mir einen Sohn GESCHENKT", sondern: "ICH habe ... ERWORBEN". Dass sie noch hinzufügt "... mit dem HERRN" gibt diesem zwar eine gewisse Ehre, aber es bleibt ein seltsames Gefühl, dass Gott erst an zweiter Stelle erwähnt wird.

Abel: Das Wesen der Auserwählten

Und sie gebar noch einmal, und zwar seinen Bruder, den Abel. Und Abel wurde ein Schafhirt, Kain aber wurde ein Ackerbauer. Genesis 4:2

Es wird nicht erwähnt, dass Adam Eva ein zweites Mal "erkannte", und so kann es sein, dass die Formfulierung "und sie fuhr fort zu gebären" darauf hinweist, dass Abel ein Zwillingsbruder von Kain war. Trotzdem war er wohl ein eher unscheinbarer Mensch, denn sein Name hieß "Abel = Hauch", was auf Schwäche und Vergänglichkeit hinweist. Neben Kain's stattlicher Erscheinung mag er zerbrechlich gewirkt haben. Hier begegnen wir einem weiteren, sehr wichtigen Prinzip göttlicher Auserwählung:

Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums; sondern wer sich rühmt, rühme sich dessen: Einsicht zu haben und mich zu erkennen, dass ich der HERR bin, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf der Erde. Jeremia 9:22

Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind, sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.
Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung, damit, wie geschrieben steht: «Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!» 1.Korinther 1:26-31

Während wir Menschen dem die größten Chancen einräumen, was körperlich oder intellektuell überlegen ist, pickt Gott sich gerade umgekehrt das in der Welt Unterlegene heraus. Er braucht für seine Kraft Gefäße, die den Blick auf Gott nicht verstellen:

Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit das Übermaß der Kraft von Gott sei und nicht aus uns. 2.Korinther 4:7

Die Auserwählten sollen vor allen anderen Dingen der Welt den Weg zu Gott weisen. Sie sind niemals selber die Quelle des Lebens, sondern nur ein Wegweiser dorthin. Jeder soll sehen und erkennen: Was hier Gutes geschieht, kommt nicht aus den Auserwählten selber, weil sie so moralisch gut, körperlich stark, intellektuell überlegen oder besonders religiös wären, sondern weil sie Gott in ihrem Leben Raum gegeben haben. Bei schwachen Menschen ist dies viel offensichtlicher als bei starken. Das heißt aber nicht, dass Gott nicht auch Starke auserwählen kann, doch müssen diese zuerst zerbrochen werden:

Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen. Jesaja 57:15

Warum lehnte Gott Kain's Opfer ab?

Und es geschah nach einiger Zeit, da brachte Kain von den Früchten des Ackerbodens dem HERRN eine Opfergabe. Und Abel, auch er brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR blickte auf Abel und auf seine Opfergabe, aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht. Genesis 4:3-4

Der Text erklärt nicht, wie die beiden erkannten, dass Gott das eine Opfer annahm und das andere ablehnte. Viel wichtiger ist auch die Frage, warum dies der Fall war. Dies wird an anderer Stelle der Bibel erklärt:

Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain, durch welchen Glauben er das Zeugnis erhielt, gerecht zu sein, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben; und durch diesen Glauben redet er noch, obgleich er gestorben ist. Hebräer 11:4

Der Unterschied bestand in der Herzenshaltung, die sich in der Art der Opfer ausdrückt: Abel opferte ein Tier. Das Opfer eines schuldlosen Tieres ist immer auch zugleich ein Sinnbild für den Tod des Messias und zugleich ein Schuldanerkenntnis dessen, der das Opfer darbringt:

Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung. Hebräer 9:22

Kain anerkannte somit sein Versagen und seine Hilfsbedürftigkeit vor Gott. Er hatte verstanden, dass wir Gott nichts Selbergemachtes bringen können. Das Opfern eines unschuldigen Tieres ist für denjenigen, der es tut, eine herzergreifende Offenbarung, dass nicht wir Gott ein Opfer bringen, sondern er uns! Der Tod des Opfertieres soll uns vor Augen führen: Nicht wir selber sollen oder müssen leiden, sondern Gott hat jemand anderen dazu bestimmt, für uns zu bezahlen. Gott wünscht sich keine Opfer unsererseits, denn er hat im Himmel weder Appetit auf Lammbraten noch leidet er unter Geldmangel. Er sehnt sich vielmehr danach, uns zu beschenken. Doch dies ist erst möglich, wenn wir unsere Hilfsbedürftigkeit anerkennen und mit leeren Händen vor ihm erscheinen.

Wahrscheinlich hat Kain sein Opfer in einer Haltung des Stolzes dargebracht, wenn auch vielleicht unbewusst. Sein Opfer symbolisierte: Ich brauche keine Vergebung, ich bin in Ordnung wie ich bin, und die Werke meiner Hände sind bei Gott wohlgefällig. Ich brauche kein blutiges Opfer, ich brauche keine Gnade. Dies ist der Weg der Werksgerechtigkeit, die Überzeugung, man könnte Gott durch eigene Leistungen beeindrucken oder sich bei ihm "einkaufen". Dies ist eine Haltung des Stolzes, letztlich sogar der Feindschaft gegen Gott. Doch der lässt sich nicht durch äußeren Glanz blenden. Und als er Kain die Zustimmung verweigert, kommt dessen wahres Gesicht zum Vorschein:

Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich. Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt? Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich ? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen. Genesis 4:5-7

Gott geht eigentlich recht freundlich auf Kain ein. Er weist ihn auf einen Weg aus dem Beleidigtsein hin und ermutigt ihn, über die Sünde in seinem eigenen Leben Herr zu werden. Doch leider nimmt Kain diesen Zuspruch nicht an. Die Folgen sind katastrophal.

Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. Genesis 4:8

Die hier beschriebene Tragödie hat ungeheure Tragweite und ist ein prophetischer Hinweis ersten Ranges. Kain und Abel sind ein Präzedenzfall, sozusagen ein "Prototyp" des sich anbahnenden Kampfes zwischen dem Samen der Frau und dem Samen der Schlange, der die ganze Weltgeschichte prägt. Hier wird uns eine zutiefst erschreckende und zugleich befreiende Erkenntnis vermittelt: Der schlimmste Feind kommt oftmals aus den eigenen Reihen!

Sowohl Kain als auch Abel waren körperlich gesehen "Same der Frau", und so richteten sich hohe Erwartungen gerade auf Kain, den Erstgeborenen. Doch die Feindschaft zwischen Kain und Abel macht deutlich, dass es nicht um körperliche Abstammung geht, sondern darum, "wes Geistes Kind" jemand ist. Die Feindschaft besteht nicht zwischen verschiedenen Rassen oder Völkern, sondern zwischen denen, die wirklich Gott Raum geben und denen, die ihm nur äußerlich dienen. Während Abel aus Glauben lebte, also ein Kind Gottes war, hatte über Kain's Leben Satan die Herrschaft gewonnen:

Nicht wie Kain sollen wir sein, der aus dem Bösen war und seinen Bruder ermordete. Und weshalb ermordete er ihn? Weil seine Werke böse waren, die seines Bruders aber gerecht. 1.Johannes 3:12

Es ist sehr bemerkenswert, dass Kain nicht etwa ein "Atheist", ein offener Gottes-Leugner war. Im Gegenteil, er war höchst religiös, aber trotzdem ein erbitterter Feind seines wahrhaft gläubigen Bruders. Rein äußerlich gesehen waren die beiden Brüder "fromm", aber im Herzen lagen Abgründe zwischen ihnen beiden. Und das ganze war nicht ein privater Bruderzwist, sondern die Folge eines Kampfes zwischen zwei Gewalten, der sich bis heute fortsetzt und in Zukunft die ganze Welt in zwei Lager spalten wird.

Vom Überleben und vom Über-Leben

Auf der Ebene der biologischen Evolution versteht man unter "Survival of the fittest" das Überleben der am besten Angepassten und meint damit, dass die jeweils fähigsten Exemplare oder Arten den Kampf ums Überleben bestehen. In der Regel stellt man sich darunter die stärksten, am besten mit Waffen oder Werkzeugen versehenen oder intelligentesten Exemplare vor. Eines ist dabei klar: Höchstes Ziel dieses Existenzkampfes ist das Überleben. Allerdings, so schön sich das Wort vom "survival of the fittest" auch anhört, hat es doch einen Makel: In Wirklichkeit hat selbst das "Fitteste" der irdischen Lebewesen nicht überlebt - sie sind alle gestorben!

Andererseits kann kein Zweifel daran bestehen, dass alle Dinge, die Gott tut, dazu dienen sollen, dass wir Leben haben:

Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben. Johannes 10:10

Dies alles aber ist geschrieben, damit ... ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. Johannes 20:31

Der Wunsch zu leben ist nicht nur einer der stärksten Instinkte aller Lebewesen, sondern es ist auch Gottes Absicht für uns Menschen:

Das Leben und den Tod habe ich dir vorgelegt, den Segen und den Fluch! So wähle das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. 5. Mose 30:19

Mit dem Menschen hat die Evolution jedoch eine Ebene erreicht, wo Gott nicht nur irdische Gesundheit und Überleben anbietet, sondern "ewiges Leben". Was im Alten Testament noch mehr oder weniger verhüllt zwischen den Zeilen steht, wird im Neuen Testament zum Mittelpunkt der Verkündigung: Gott bietet allen, die es annehmen möchten, das ewige Leben mit einem unsterblichen Körper an, ohne Leid, Schmerz und Trauer. Somit beschreibt die Bibel, wie der Schritt vom rein biologischen Überleben hin zum wahren Über-Leben gemacht werden kann - dem nie endenden Leben aus der Kraft Gottes, dem ewigen Leben.

Die Überwinder

Doch wer ist dafür "fit", das heißt "passend", "geeignet"? In der Welt scheinen es die Stärksten, die Schlauesten, oft auch die Rücksichtslosesten zu sein, die sich durchsetzen, die überleben können. Aber am Beispiel von Kain und Abel wird deutlich, dass für das Über-Leben nicht die Kriterien gelten, die im irdischen Leben oftmals die Oberhand behalten: Kain war offensichtlich im Kampf überlegen, Abel, was auf hebräisch "Hauch, Vergänglichkeit" heißt, war wohl nicht gerade ein furchteinflößender Bodybuilder oder raffinierter Überlebens-Künstler. Doch nach allem, was die Bibel über ihn sagt, können wir davon ausgehen, dass er den Sprung in das Leben geschafft hat, das ihm nie mehr genommen werden kann. Bei Gott sind eben nicht die körperlichen, auch nicht die intellektuellen Fähigkeiten ausschlaggebend, sondern das Herz:

Sieh nicht auf Aussehen und auf hohen Wuchs! Denn der HERR sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz. 1. Samuel 16:7

Ferner sah ich unter der Sonne, dass nicht die Schnellen den Lauf gewinnen und nicht die Helden den Krieg und auch nicht die Weisen das Brot und auch nicht die Verständigen den Reichtum und auch nicht die Kenntnisreichen die Beliebtheit ... Prediger 9:11

Abel hatte sein Herz für Gott geöffnet. Er vertraute ihm, und das ist der Schlüssel zum Leben, denn:

Der Gerechte wird aus Glauben leben! Habakuk 2:4

Der Gipfel dieses Glaubens wird erreicht, wenn jemand bereit ist, eine sichtbare, scheinbare Niederlage zu ertragen, weil er davon überzeugt ist, dass sie in Wirklichkeit den Sieg bedeutet. Abel, dem Kain "den Mund stopfte", redet in Wirklichkeit bis heute. Er hat durch sein Vorbild bereits Jesus ermutigt, lieber zu sterben, als andere zu töten. Und er ruft auch uns, die wir heute leben, zu:

Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um Jesu willen und um des Evangeliums willen, der wird es retten! Markus 8:35

Gottes Gericht über Kain

Und der HERR sprach zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Und er sagte: Ich weiß nicht. Bin ich meines Bruders Hüter? Genesis 4:9

Gott stellt Kain, ganz ähnlich wie Adam, eine Frage. Allerdings nicht, weil er nicht wusste, wo Abel war, sondern weil er Kain dazu bringen wollte, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen: Abel war sein eigener Bruder gewesen, und er hatte ihn getötet. Während Adam und Eva ihre Schuld letztendlich eingestanden, ging es mit Kain noch eine weitere Stufe bergab - er leugnete komplett. Damit konnte er jedoch nicht verhindern, dass die Gerechtigkeit ihren Lauf nahm:

Und er sprach: Was hast du getan! Horch! Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden her. Und nun, verflucht seist du von dem Ackerboden hinweg ... Wenn du den Ackerboden bebaust, soll er dir nicht länger seine Kraft geben; unstet und flüchtig sollst du sein auf der Erde (hebräisch ba'aräts = im Lande)! Genesis 4:10-12

Wenn man bedenkt, wie hart die Tötung eines Menschen im weiteren Verlauf des Alten Testamentes geahndet wurde, ist die Milde dieses Urteils erstaunlich. Wahrscheinlich hatte es sich nicht um einen geplanten Mord gehandelt, sondern um eine Tat im Affekt. Während die beiden Brüder auf dem Feld miteinander redeten, entbrannte wahrscheinlich Kain's Zorn und er erschlug seinen Bruder.

Kain's Angst vor den anderen Menschen

Wie dem auch sei, in jedem Fall ernüchterte Gottes Urteil Kain, und es graute ihm vor den Konsequenzen:

Da sagte Kain zu dem HERRN: Zu groß ist meine Strafe, als dass ich sie tragen könnte. Siehe, du hast mich heute von der Fläche des Ackerbodens vertrieben, und vor deinem Angesicht muß ich mich verbergen und werde unstet und flüchtig sein im Lande; und es wird geschehen: jeder, der mich findet, wird mich erschlagen. Genesis 4:13-14

Kain hielt es für naheliegend, dass er als Fremder im "Ausland" erschlagen werden könnte. Er ging also davon aus, dass fremde Länder bevölkert waren und dass Totschlag dort nichts Ungewöhnliches war. Seine Aussage macht deutlich, dass zur damaligen Zeit weitere Menschen im Nahen Osten gelebt haben müssen.

Die anderen Menschen, vor denen Kain sich fürchtete, sind wahrscheinlich ebenso wie die Frau, die er später nahm, Nicht-Adamiten gewesen. Denn sein Bruder Seth wurde ausdrücklich erst nach der Ermordung Abels und somit der Vertreibung Kains geboren. Demnach ist es ausgeschlossen, dass zum Zeitpunkt seiner Vertreibung in einem entfernt gelegenen Land Adamiten wohnen konnten, die ihn hätten töten können (dennoch können sie mit Adam nah verwandt gewesen sein, denn von irgendwelchen dieser Menschen muss Adam ja wiederum abgestammt haben).

Alle künstlichen Konstruktionen sind überflüssig, wenn wir den Genesis-Text chronologisch lesen: Genesis 1 berichtet von der Erschaffung der ganzen Menschheit, die im Verlaufe des sechsten "Tages" die Erde besiedelte. Adam dagegen erscheint erst in Genesis 2 und lebte in der Zeit danach, also am siebten "Tag", in einem begrenzten Gebiet des Nahen Ostens. Auch 1.Korinther 15:40ff macht klar, dass Adam nicht im biologischen, sondern im geistigen Sinne der erste Mensch war. Demnach gab es außerhalb des Gartens Eden selbstverständlich Menschen.

Das Zeichen, das Kain gegeben wurde

Der HERR aber sprach: Jeder, der Kain erschlägt - siebenfach soll er gerächt werden! Und der HERR bestimmte (hebräisch sim = festsetzen, bestimmen, nicht asah = machen!) dem Kain ein Zeichen (hebräisch 'ot), dass ihn nicht jeder erschlüge, der ihn fände. Genesis 4:9-16

Es ist unwahrscheinlich, dass Gott dem Kain ein sogenanntes "Kainsmal" auf die Stirn prägte, um ihn so vor der Willkür der anderen Menschen zu schützen. Wenn man überblickt, wie das Wort "ot = Zeichen" an den sonstigen Stellen verwendet wird'ot, liegt es näher, dass Gott dem Kain ein "Zeichen gab", dass er keine Angst zu haben brauchte, erschlagen zu werden, also sozusagen eine Sicherheitsgarantie, die ihm innere Gewissheit gab. Eine ähnliche Situation begegnet uns, als Rahab ein Zeichen von den israelischen Kundschaftern verlangte:

Gebt mir ein zuverlässiges ZEICHEN (hebräisch 'ot), dass ihr meine Familie am Leben lassen werdet! Da sagten die Männer zu ihr: Unsere Seele soll an eurer Statt sterben, wenn ihr unsere Sache nicht verratet. Josua 2:12-15

Das Zeichen, dass Rahab verlangte, muss der Eid gewesen sein, den sie schworen, indem sie beteuerten: "Seele für Seele". Denn sogleich nachdem sie das getan hatten, war Rahab zufrieden und ließ sie gehen. Dies entspricht der Zusage Gottes, er werde Kain siebenfach rächen. Außerdem heißt es nicht, dass Gott das Zeichen "an" (hebräisch be oder al, Exodus 12:13) Kain machte, sondern "für" ihn, hebräisch le, wie zum Beispiel das Verhalten des Propheten in Hesekiel 4:3 ein Zeichen für = le Israel war. Was für ein "Mal" hätte es auch sein können, dass ihn vor der Gewalttätigkeit der anderen Menschen geschützt hätte? Vielmehr war es Gottes Zusage, die ihm den Mut gab, sich unter die umliegenden Menschen zu begeben.

Woher hatte Kain seine Frau?

So ging Kain weg vom Angesicht des HERRN und wohnte im Land Nod, östlich von Eden. Und Kain erkannte seine Frau, und sie wurde schwanger und gebar Henoch. Und er wurde der Erbauer einer Stadt und benannte die Stadt nach dem Namen seines Sohnes Henoch. Genesis 4:16-17

Wie wir gesehen haben, stammte Adam von den Menschen ab, die während des sechsten Tages die Erde besiedelt hatten, Genesis 1:28-31. Darum wird im Text ganz selbstverständlich festgestellt, dass Kain "ins Ausland" (das Land Nod) ging und dort eine Familie gründete. Wenn man Genesis 2 als Fortsetzung von Genesis 1 liest, gibt es keine Probleme. Bemerkenswert ist auch, dass Kain's Sohn Henoch ein "Städtebauer" wurde, denn genau in der damaligen Zeit begann die Menschheit, inzwischen aufgrund ihrer Viehzucht und Ackerbau sesshaft werdend, die ersten Städte überhaupt zu bauen.

Weiterer Niedergang der Adamiten

Dem Henoch aber wurde Irad geboren; und Irad zeugte Mehujael, und Mehujael zeugte Metuschael, und Metuschael zeugte Lamech ... Lamech aber nahm sich zwei Frauen; der Name der einen war Ada und der Name der andern Zilla ... Und Lamech sprach zu seinen Frauen: Ada und Zilla, hört meine Stimme! Frauen Lamechs, horcht auf meine Rede! Fürwahr, einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Knaben für meine Strieme. Wenn Kain siebenfach gerächt wird, so Lamech siebenundsiebzigfach. Genesis 4:18ff

Zweifach wird hier der weitere Niedergang der Adamiten bezeugt: Lamech hatte nicht mehr, wie es bei Adam als Gottes Absicht erklärt worden war, eine Frau, sondern führte eine Vielehe. Und außerdem kam es zu einer Eskalation der Gewalt, denn Lamech rühmte sich, dass in seiner Familie die 77-fache Rache Gesetz sei. So ging die Saat der Ungerechtigkeit auf. Doch auch das Gute entfaltete sich ...

Erste "Evangelisationen"

Und Adam erkannte noch einmal seine Frau, und sie gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Set (Ersatz): Denn Gott hat mir einen anderen Nachkommen gesetzt an Stelle Abels, weil Kain ihn erschlagen hat. Und dem Set, auch ihm wurde ein Sohn geboren, und er gab ihm den Namen Enosch. Damals fing man an, den Namen des HERRN anzurufen. Genesis 4:25-26

Wie aus den anderen Stellen hervorgeht, wo die Formulierung "den Namen des HERRN anrufen" vorkommt (hebr. qara' be-schem, z.B. Genesis 12:8; 13:4; Exodus 34:5 u.a.), ist diese Anrufung des HERRN oftmals zugleich eine Verkündigung seines Namens / Wesens gegenüber den anderen Menschen, die dies mitbekommen, z.B. der Altarbau Abrahams. Scheinbar begannen damals die Adamiten damit, die um sie herum lebenden Nicht-Adamiten zu "evangelisieren", zumindestens gaben sie ein offenes Zeugnis ihres Glaubens, indem sie Gott öffentlich anriefen. So nahm beides gleichzeitig zu: Der moralische Niedergang einerseits und der Glaube an Gott andererseits. Beides wächst und vermehrt sich: Der Same der Schlange und der Same der Frau.

Der große Kampf

 

Krieg von Anfang an

Das Neue Testament beginnt im Kriegszustand: Jesus ist kaum geboren, da toben auch schon blutige Schlachten um ihn und seine Familie, denn der Same der Schlange schaut der Ankunft des Samens der Frau nicht untätig zu: Als die Magier aus dem Osten kommen und in Jerusalem nach dem König der Juden fragen, geraten die weltlichen und religiösen Herrscher in Panik und wollen alles tun, um diesen Konkurrenten so früh wie möglich zu vernichten, Matthäus 2:1-4. Ihre Schlangennatur wird dabei gleich deutlich: Die Schriftgelehrten benützen ihr Bibelwissen, um den Geburtsort des Messias an seinen Todfeind Herodes zu verraten, und dieser verstellt sich heuchlerisch als Gläubiger, um den genauen Aufenthaltsort herauszufinden und seinen Rivalen im Verborgenen zu ermorden:

Dann berief Herodes die Weisen heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung des Sternes. Und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem Kind! Wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldige. Matthäus 2:7-8

Das ist das Wesen der Schlangenkinder: Unstillbare Machtgier und skrupellose Bereitschaft zu Meuchelmord, eingehüllt in ein frommes Gewand und geplante, hinterhältige Täuschung. Doch durch übernatürliches Eingreifen misslingt Herodes Plan und in Raserei vor Wut lässt er in ganz Betlehem und den umliegenden Orten alle Jungen unter zwei Jahren umbringen, Matthäus 2:16. Josef und Maria müssen deshalb mit ihrem Sohn nach Ägypten fliehen.

Die Schlange persönlich greift an

Wir hören dann wenig von Jesus, bis Gott ihn beauftragt, seinen öffentlichen Dienst zu beginnen. Nach seiner Taufe führt der Heilige Geist Jesus in die Wüste, um von Satan selber auf die Probe gestellt zu werden. Jetzt kommt es zu einer direkten Konfrontation mit der Schlange, und wir sehen starke Ähnlichkeiten mit den Versuchungen im Garten Eden. Satans Ziel ist es wieder, den Menschensohn Jesus zum Übertreten von Gottes Geboten zu bringen. Offensichtlich gehörte es zum Gehorsam und der Kampftaktik Jesu, diesen Kampf in Schwäche zu führen und zu fasten. So versuchte Satan ihn, sich selber körperliche Speise zu verschaffen, indem er Steine in Brot verwandeln sollte. Er hätte dies leicht tun können, doch damit hätte er sich aus der Abhängigkeit von Gottes Kraft herausbegeben. Aber es gelang Satan nicht, einen Keil zwischen den Vater und den Sohn zu treiben, denn der durchschaute die Falle und antwortete:

Es steht geschrieben: «Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.» Matthäus 4:4

Während Adam und Eva sich von dem gegebenen Gebot abbringen ließen, beruft Jesus sich hier ausdrücklich auf ein Gebot Gottes, 5.Mose 8:3. Und dieses geschriebene Gebot wiederum betont, dass wir nicht nur vom geschriebenen Wort leben, sondern auch von dem aktuellen, lebendigen Wort, das sozusagen frisch aus dem Munde Gottes hervorgeht: Gott ist ein lebendiger Gott, der bis heute redet, und seine Schafe hören seine Stimme, Johannes 10:4,27. Es ist wichtig, dass wir auf beides hören, auf seine geschriebenen Worte ebenso wie auf sein aktuelles Reden. Wir dürfen keines von beiden verachten, weil sonst unweigerlich unser Verständnis des anderen leidet. Wer einen Menschen liebt, wird weder dessen Telefonanrufe noch seine Briefe gering achten, sondern sich über beides freuen!

Der Teufel zitiert die Bibel

Satan stellt sofort seine Taktik auf die Treue Jesu zu Gottes Wort ein und zögert nicht, selber die Bibel zu zitieren, allerdings mit der Absicht, Jesus durch eine Verdrehung von Gottes Wort in den Tod zu treiben:

Darauf nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab! Denn es steht geschrieben: «Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.» Matthäus 4:5-6, zitiert aus Psalm 91:11-12

Wir sehen, dass die Schlange selbst dem fleischgewordenen Wort Gottes gegenüber versucht, das Wort Gottes als Waffe zu verwenden, um Verwirrung und Schaden anzurichten - wieviel mehr müssen wir uns darauf gefasst machen, dass Satan versuchen wird, uns mit Bibelstellen in die Irre und ins Verderben zu schicken! Und es ist ein lebenswichtiges Vorbild, wie Jesus auf diesen Angriff reagiert:

Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.» Matthäus 4:7, zitiert aus 5.Mose 6:16

Jesus wehrt den Angriff mit dem Wort Gottes mit einem Gegenschlag ab, indem er sagt: "WIEDERUM steht geschrieben!" Wir sehen, wie tödlich es sein kann, einzelne Bibelstellen aus dem Zusammenhang zu reißen. Es ist wichtig, dass wir die Schrift als ganzes kennen und ernst nehmen. Durch das "Wiederum steht geschrieben!" kommt eine lebenswichtige Ausgewogenheit.

Der Gipfel der Versuchung

Auch die letzte hier erwähnte Versuchung hat etwas mit der Vorgehensweise Satans in Eden gemeinsam. Er verspricht Jesus einen geistlichen Gewinn, allerdings zum Preise des Abfalls von Gott. So wie Eva "werden sollte wie Gott, erkennend Gut und Böse", bietet Satan Jesus Vollmacht über die Nationen an:

Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfallen und mich anbeten willst.
Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.»
Dann verläßt ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen herbei und dienten ihm. Als er aber gehört hatte, dass Johannes überliefert worden war, entwich er nach Galiläa. Matthäus 4:8-12

Einerseits will der Teufel Jesus einfach körperlich töten, wie durch Herodes nach der Geburt, oder durch einen Sturz vom Tempel. Die noch raffiniertere Alternative ist erschreckend: Er versucht den Christus dazu zu bewegen, zum Antichristen zu werden. Er soll eine Heilsherrschaft auf Erden aufrichten unter der Bedingung, dass dabei Satan als Gott verehrt wird. Wie genial und bösartig dieser Plan ist! In Jesus erfüllten sich ja tatsächlich alle Prophetien und er konnte mit Recht darauf verweisen, dass er der in der Bibel angekündigte Messias war. Welcher Mensch hätte diesen Betrug noch durchschauen können? Doch im Hintergrund sollte der Abfall von Gott stattfinden und in offener Anbetung Satans gipfeln.

Auch wir müssen damit rechnen, dass Satan uns entweder töten will oder aber vor seinen Karren spannen! Wir dürfen dann durchaus christlich aussehen, Erfolg haben und Gutes zum Wohle der Menschheit tun - solange wir nicht wirklich Gott dabei die Ehre geben. Jesus jedoch lässt sich auf dieses verlockende Angebot nicht ein, er wählt nicht den leichten Weg zur Macht, sondern die Fortsetzung des Kampfes gegen die Schlange. Er muss gewusst haben, dass ihn dies das Leben kosten würde. Gleichzeitig ist dies der kindliche Weg des wahren Sohnes Gottes: Er verlässt sich weder auf seine eigene Kraft noch auf seine eigene Weisheit, sondern unterstellt sich dem Willen Gottes vertrauensvoll, wie ein Kind den Weg an der Hand seines Vaters geht.

Ein anderer Name für den Samen der Schlange: Otternbrut!

Nachdem Jesus die Versuchungen durch die Schlange überwunden hat, beginnt sein öffentlicher Dienst, und nun belauert ihn auf Schritt und Tritt der Same der Schlange, der sich nämlich zum Wächter des Glaubens in Israel ernannt hat: Die Schriftgelehrten und Hohenpriester, die Pharisäer und Sadduzäer! Schon Johannes der Täufer, der Jesus im Dienst vorausging, war auf diese Nachfolger Satans gestoßen, hatte ihr fromm scheinendes Wesen durchschaut und sie aufgefordert, nicht ihren äußeren Schein aufzupolieren, sondern von Herzen umzukehren. Wenn sie ihr Verhalten nicht grundlegend änderten, würde die furchtbarste Zukunft auf sie warten:

Als Johannes aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? Bringt nun der Buße würdige Frucht, und meint nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater! Denn ich sage euch, dass Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag.
Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen ... Jesus wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. Matthäus 3:7-12

Auch Jesus gegenüber versteiften sich die Feinde Jesu auf ihr Glaubensbekenntnis, sie seien die Nachfahren der Glaubensväter, ja, Söhne Gottes, doch Jesus widersprach ihnen ganz schroff und nannte sie, ganz im Gegenteil, Söhne des Teufels:

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Jesus spricht zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so würdet ihr die Werke Abrahams tun. Jetzt aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe; das hat Abraham nicht getan. Ihr tut die Werke eures Vaters. Sie sprachen nun zu ihm: Wir sind nicht durch Hurerei geboren. Wir haben einen Vater, Gott.
Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen ...
Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Johannes 8:39-44

Lüge und Mord sind zentrale Kennzeichen der Schlange und ihres Samens! Und so scheut Jesus sich auch nicht, diese Leute ebenfalls als "Otternbrut" zu bezeichnen und sie vor vollständiger Dämonisierung durch böse Geistern zu warnen, nachdem sie seine Wunder als Teufelswerk verleumdeten:

Otternbrut!
Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? ...
Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte, sucht Ruhe und findet sie nicht. Dann spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich herausgegangen bin; und wenn er kommt, findet er es leer, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, böser als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen dort; und das Ende jenes Menschen wird schlimmer als der Anfang.
So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.
Matthäus 12:34-45

Und einer von euch ist ein Teufel!

Gott hatte in Genesis 3 vorhergesagt, dass die Schlange den Samen der Frau an der Ferse packen würde, was für hinterlistigen Verrat steht. Und so sollte es auch kommen: Einer der engsten Vertrauten Jesu, einer der zwölf Apostel, verriet Jesus an die Obrigkeit und lieferte ihn so dem Tod aus. Damit tat er das Werk des Teufels, denn der hatte es dem Judas "ins Herz gegeben, Jesus zu überliefern", Johannes 13:2. Judas war ein Same der Schlange!

Jesus sprach: Habe nicht ich euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel! Er sprach aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, denn dieser sollte ihn überliefern, einer von den Zwölfen. Johannes 6:70-71

Später fragte ein Jünger Jesus beim letzten Passahmahl, wer es sein würde, und Jesus antwortete:

Der ist es, für den ich den Bissen eintauchen und ihm geben werde. Und als er den Bissen eingetaucht hatte, nimmt er ihn und gibt ihn dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr dann der Satan in ihn. Johannes 13:26-27

So benutzte Satan den Judas, um Jesus an der Ferse anzugreifen, und es ist typisch, dass dies wiederum in der Maske der Heuchelei geschieht, nämlich indem Judas sich als Freund Jesu verstellt:

Jesus sprach zu ihm: Judas, überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuss? Lukas 22:48

Die Schlange wird gepackt

Jesus jedoch vergriff sich nicht am Leib der Schlange, also den Menschen, die sie benützte, selbst als Petrus anfing mit dem Schwert für Jesus zu kämpfen:

Als aber die, welche um ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Und einer von ihnen schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber antwortete und sprach: Lasst es so weit! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn. Lukas 22:49-51

Jesus packte vielmehr den Kopf selber und überwand dadurch die Macht Satans für alle Zeiten:

Der Fürst der Welt kommt; und in mir hat er gar nichts. Johannes 14:30

Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. Johannes 12:31

Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil gehabt, um durch den Tod den zunichte zu machen, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und um alle die zu befreien, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren. Hebräer 2:14-15

Jesus hat den Schuldschein gegen uns gelöscht ..., indem er ihn ans Kreuz nagelte. Er hat die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt. In ihm (dem Kreuz) hat er den Triumph über sie gehalten. Kolosser 2:14-15

Im Tod schien Jesus von Gott verlassen und völlig unbeachtet. Doch in Wirklichkeit ist der Kreuzestod und die Auferstehung von Jesus das zentrale Ereignis für Himmel und Erde, das Zentrum der christlichen Verkündigung. Gott, der es nicht zu beachten schien, als Jesus litt, gibt ihm genau wegen seiner Leiden für alle Zeit den Ehrenplatz über allen anderen Mächten des Universums:

Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.
Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2:5-11

Auch die Christen müssen kämpfen und leiden

Jesus betont, dass es seinen Schülern nicht besser ergehen wird als ihrem Lehrer und Meister, Matthäus 10:24-25, und so ist klar, dass auch sie harte Kämpfe mit dem Samen der Schlange ausfechten werden und dabei einiges erleiden müssen:

Da nun Christus um Fleisch gelitten hat, so bewaffnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung. 1.Petrus 4:1

Der Same der Schlange waren zum Teil die religiös gebildetsten und eifrigsten Leute der damaligen Zeit! Sie galten im Volk als besonders fromm und gesetzestreu. Sie hielten an einer wörtlichen Auslegung der Bibel fest und achteten penibel darauf, die Gebote einzuhalten. Sie beteten fleißig und gaben regelmäßig ihren Zehnten. Und dennoch - in ihren Herzen regierten Stolz, Neid, Angst und Machtstreben. So bekannten sie zwar Gott als ihren Herrn, doch gleichzeitig verfolgten sie die wahren Propheten und Gesandten Gottes bis aufs Blut:

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit. Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde.
Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind. So scheint auch ihr von außen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.
Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten und schmückt die Grabmäler der Gerechten und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben. So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben. Und ihr, macht nur das Maß eurer Väter voll!
Schlangen! Otternbrut!
Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?
Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, damit über euch komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis zu dem Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt. Matthäus 23:25-36

Abel ist der erste, von dem die Bibel berichtet, dass er für seinen Glauben getötet wurde, Berechja der letzte, 2.Chronik 24:21, weil das 2. Buch der Chroniken in der hebräischen Anordnung der Bibel das letzte Buch ist.

Abel - der erste Märtyrer

Das aus dem Lateinischen stammende Wort bedeutet wörtlich Zeuge. Und Abel war ein Zeugnis für die Sanftmut derer, die Gott folgen. Er ist ein Vorbild auf DEN Samen der Frau, den Christus, der die Wahrheit nicht nur bezeugte, sondern war, und der nicht nur sein menschliches, sondern sein göttliches Leben opferte, um die Schlange zu besiegen. Sein Leben bezeugt: Die ganze Weltgeschichte hindurch wird es zur Verfolgung von Gläubigen durch andere Gläubige kommen. Dies alles wird sich immer mehr steigern und kurz vor dem Anbruch des Reiches Gottes einen religiös-wahnartigen Höhepunkt erreichen:

Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu tun. Johannes 16:2

Abel als Vorbild für die endzeitliche Auseinandersetzung scheint damals den Kürzeren gezogen zu haben und wirkt auf den ersten Blick nicht gerade als Ermutigung für uns. Angesichts seines Schicksales könnte man daran zweifeln, ob es es wirklich so erstrebenswert, zum Samen der Frau zu gehören. Alles entscheidet sich an der Perspektive, aus der wir die Dinge betrachten:

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig. 2.Korinther 4:16-18

Sieger über die Schlange!

Die Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Siehe, ich habe euch die Macht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch schaden.
Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind! Lukas 10:17-19

Saat und Ernte

 

Weder die Entwicklung des Universums noch die Geschichte der Menschheit verläuft zufällig, sondern beide folgen natürlichen und geistigen Gesetzen. Man kann sie mit der Entwicklung von Samenkörnern vergleichen: Wenn man weiß, welche Art von Same gepflanzt wurde, kann man vorhersagen, welche Pflanze und welche Frucht im Laufe der Zeit entstehen wird. Aus diesem Grund sind die ersten Seiten der Bibel von höchstem Interesse, denn sie beschreiben die Wurzeln, aus denen die heutige Geschichte samt unserer eigenen Zukunft erwächst - die Genesis = Entstehung ist das spannende Buch der Anfänge. Hier begegnen uns keimhaft genau die Dinge, mit denen wir heute konfrontiert werden, nur sind sie in der Zwischenzeit gewachsen:

Alle diese Dinge sind den damaligen Menschen als Vorbild widerfahren, aufgeschrieben wurden sie aber als Ermahnung für uns, die auf das Ziel aller Zeitalter zugehen.
Nach 1.Korinther 10:11; vergleiche auch Römer 15:4

Die Bibel beschreibt von Anfang bis Ende eine gigantische Höherentwicklung, aber auch einen unerbittlichen Kampf, der zwischen Gut und Böse tobt. Die Genesis, auch das erste Buch Mose genannt, ist das Buch der Samen, das letzte Buch, die Apokalypse = Offenbarung ist das Buch der Ernte.

Das Geschehen um Adam und Eva war weit mehr als ein persönliches Unglück für zwei Menschen. Es war eine Weichenstellung und der Anfang einer Entwicklung, die bis in unsere Zeit fortschreitet und zunehmend ihre Früchte zeigt. Es mag uns paradox erscheinen, aber Gesetzlichkeit und Gesetzlosigkeit werden auch in unseren Tagen Hand in Hand zunehmen, ebenso wie Gutes und Böses.

Gemeinsame Themen
der ersten und letzten Kapitel der Bibel

Der Anfang

Im Anfang schuf Gott die Himmel ... Genesis 1:1

Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Offenbarung 21:6; 22:13

Die Schöpfung

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.
Genesis 1:1

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Offenbarung 21:1

Der Zustand der Schöpfung

Und die Erde wurde verwüstet und entleert ... Genesis 1:2

Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen. Offenbarung 21:4

Licht und Finsternis

... und Finsternis war über der Wirbelflut ...
Und Gott nannte die Finsternis Nacht. Genesis 1:2,5

Nacht wird dort nicht sein. Offenbarung 21:25

Der Geist Gottes

Und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser. Genesis 1:2

Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Offenbarung 22:17

Lichter

Und Gott machte die beiden großen Lichter: das größere Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht und die Sterne. Genesis 1:16

Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm. Offenbarung 21:23

Meere

Die Ansammlung der Wasser nannte er "Meere". Genesis 1:10

Und ich sah etwas wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und sah die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer stehen, und sie hatten Harfen Gottes. Offenbarung 15:2

Und das Meer ist nicht mehr. Offenbarung 21:1

Ungeheuer im Meer

Und Gott schuf die großen Seeungeheuer und alle sich regenden lebenden Wesen, von denen die Wasser wimmeln, nach ihrer Art, und alle geflügelten Vögel nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war. Genesis 1:21

Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. Offenbarung 13:1

Wilde Landtiere

Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Wesen hervor nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und wilde Tiere der Erde nach ihrer Art! Genesis 1:24

Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen: und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. Offenbarung 13:11

Flugtiere am Himmel

Und Gott sprach: Es sollen die Wasser vom Gewimmel lebender Wesen wimmeln, und Vögel sollen über der Erde fliegen unter der Wölbung des Himmels! Genesis 1:20

Und ich sah: und ich hörte einen Adler hoch oben am Himmel fliegen. Offenbarung 8:13

Bäume und Früchte als Nahrung

Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch alles samentragende Kraut gegeben, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an dem samentragende Baumfrucht ist: es soll euch zur Nahrung dienen. Genesis 1:29

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist. Offenbarung 2:7

In der Mitte ihrer Straße und des Stromes, diesseits und jenseits, war der Baum des Lebens, der zwölf mal Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt; und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen. Offenbarung 22:2

Herrschaft

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über ... die ganze Erde! Genesis 1:26

Und du hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen! Offenbarung 5:10

Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offenbarung 11:15

Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre. Offenbarung 20:6

Der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offenbarung 22:5

Die Ruhe

Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Genesis 2:2

Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbeten, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens annimmt. Offenbarung 14:11

Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Schreibe: Glückselig die Toten, die von jetzt an im Herrn sterben! Ja, spricht der Geist, damit sie ruhen von ihren Mühen, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Offenbarung 14:13

Kriegsheere

So wurden die Himmel und die Erde und all ihr Heer (tsaba = Armee, Kriegsheer) vollendet. Genesis 2:1

Und es entstand ein Kamf im Himmel. Offenbarung 12:7

Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit. Offenbarung 19:11

Und die Kriegsheere, die im Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden, bekleidet mit weißer, reiner Leinwand. Offenbarung 19:4

Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer Krieg zu führen. Offenbarung 19:19

Der Strom des Lebens

Und ein Strom geht von Eden aus, den Garten zu bewässern. Genesis 2:10

Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes. Offenbarung 22:1

Gold und Edelsteine

Der Name des ersten ist Pischon; der fließt um das ganze Land Hawila, wo das Gold ist. Und das Gold dieses Landes ist gut; dort gibt es Bedolach-Harz und den Schoham-Stein. Genesis 2:11-12

Und der Baustoff ihrer Mauer war Jaspis und die Stadt reines Gold, gleich reinem Glas. Die Grundsteine der Mauer der Stadt waren mit jeder Art Edelstein geschmückt. Offenbarung 21:18-19

Die Braut für Adam und Gott

Und er baute das Seitenteil zu einer Frau, und er brachte sie zu dem Menschen ... Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden. Genesis 2:22-24

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Offenbarung 21:2

Ich will dir die Braut, die Frau des Lammes, zeigen. Und er führte mich im Geist hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie aus dem Himmel von Gott herabkam. Offenbarung 21:9-10

Die Schlange verführt Eva und die ganze Menschheit

Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte Genesis 3:1

Und die Frau sagte: Die Schlange hat mich getäuscht, da aß ich. Genesis 3:13

Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. Offenbarung 12:9

Nacktheit

Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Genesis 3:7

Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weißt, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und nackt bist, rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weiße Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst. Offenbarung 3:17-18

Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt umhergehe und man nicht seine Schande sehe! Offenbarung 16:15

Menschen verstecken sich

Und sie hörten die Stimme Gottes, des HERRN ...
Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Angesicht Gottes, des HERRN, mitten zwischen den Bäumen des Gartens. Genesis 3:8

Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge, 16 und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Offenbarung 6:15-16

Kleider

Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Genesis 3:7

Und Gott, der HERR, machte Adam und seiner Frau Leibröcke aus Fell und bekleidete sie. Genesis 3:21

Und der Braut des Lammes wurde gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen. Offenbarung 19:8

Kein Zugang zum Baum des Lebens

Und Gott, der HERR, sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses. Und nun, dass er nicht etwa seine Hand ausstrecke und auch noch von dem Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe! ... Und er trieb den Menschen aus und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim sich lagern und die Flamme des zuckenden Schwertes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen. Genesis 3:22-24

Und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist. Offenbarung 22:19

Die Feindschaft zwischen Schlange und Frau

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir (der Schlange) und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. Genesis 3:15

Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war, zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen. Offenbarung 12:4

Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die das männliche Kind geboren hatte. Und es wurden der Frau die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliege, an ihre Stätte, wo sie ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, fern vom Angesicht der Schlange. Offenbarung 12:13-14

Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Nachkommenschaft, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben. Offenbarung 12:17

Schwangerschaft und Schmerzen

Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Genesis 3:16

Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen und soll gebären. Offenbarung 12:1-2

Das Blut der Märtyrer schreit

Und er sprach: Was hast du getan! Horch! Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden her. Genesis 4:10

Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten.Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen ? Offenbarung 6:9-10

Babel

In Genesis 11 wird ausführlich geschildert, wie die Menschen eine Einheitsreligion schufen, die in der Stadt Babel und ihrem Turm verkörpert wurde. Diese Stadt ist die ganze Bibel hindurch die mächtigste Widersacherin Jerusalems und spielt in der Offenbarung als "Hure Babylon" eine zentrale Rolle. Das irdisch gesonnene Babel ist der Gegenspieler des himmlischen Jerusalems. Die Hure Babylon ist die blutige Verfolgerin der Gemeinde und wird in Gottes Gericht für alle Zeiten untergehen:

Darum werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer und Hunger. Und mit Feuer wird sie verbrannt werden, denn stark ist der Herr, Gott, der sie gerichtet hat. Offenbarung 18:8

Die Gliederung

Besonders auffällig ist die Gliederung in Abschnitte von jeweils sieben, die im Schöpfungsbericht in Form der sieben Gottestage vorgegeben ist und in der Offenbarung immer wieder aufgenommen wird:

Sieben Sendschreiben an sieben Gemeinden.

Sieben Siegel.

Sieben Posaunen (vergleiche Josua: Jericho siebenmal umrundet, dabei mit Widderhörnern geblasen).

Sieben Plagen (vergleiche Exodus 7ff: die Plagen Ägyptens).

 

Die Kämpfe der Endzeit

 

Was ist die "Endzeit"?

Die Bibel teilt die Erdgeschichte in Zeitalter ein, von denen bereits mehrere vergangen sind und noch mehrere vor uns liegen. Im Hebräischen werden sie olam genannt, was von alam = verbergen kommt und Weltzeiten bezeichnet (Gesenius 571), die so lang sind, dass ihr Inhalt uns großteils verborgen ist, weil sie entweder so weit zurück oder noch vor uns liegen, dass wir uns ihren Charakter nicht einmal vorstellen können.

Im Griechischen heißen sie ajón, was Zeit, Zeitdauer bedeutet, insbesondere: Zeitraum, Zeitalter, Weltperiode (Menge-Güthling, Seite 25). Das gegenwärtige Zeitalter ist laut Bibel dadurch charakterisiert, dass Satan der "Gott", also der beherrschende Machthaber dieses Zeitalters ist:

Den Ungläubigen hat der Gott dieser Weltzeit (ajón) den Sinn verblendet, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen.2.Korinther 4:4, vergleiche Johannes 12:31

Die sogenannte Endzeit ist die letzte Phase dieses Zeitalters, in der Satans Herrschaft zu Ende geht und Gottes Herrschaft zum Durchbruch kommt.

Dabei geht es ganz ähnlich zu wie am Ende der jeweiligen Tage des Schöpfungsberichtes: Es gibt eine Zeit des Übergangs und der Vermischung, in der Altes und Neues gleichzeitig existiert, bis das Neue die Oberhand bekommt. Das Bild der Morgendämmerung beschreibt dies sehr treffend, denn in diesen Zeiten scheint alles grau in grau, es ist nicht einfach, dann zwischen hell und dunkel, weiß und schwarz, gut und böse zu unterscheiden. Doch das Licht wird siegen, der neue Tag wird zum Durchbruch kommen.

Die Endzeit ist also nicht das Ende der Erde oder der Welt, sondern das Ende dieses bösen Zeitalters, das Ende der korrupten Herrscher, das Ende des materialistischen Weltsystems, aber gleichzeitig der Durchbruch zum Reich Gottes! Darum sollen wir in der Endzeit nicht apathisch auf das neue Zeitalter warten, sondern seinen Beginn aktiv beschleunigen, 2.Petrus 3:12, indem wir beten "Dein Reich komme!" und schon jetzt gemäß den Maßstäben Gottes in seiner Gegenwart leben, denn er hat gesagt:

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung (syntéleja = Vollendung) des Zeitalters (ajón)! Matthäus 28:20

Die letzten sind die größten Tage: Die Vollendung (syntéleja), das Endziel (télos) des gegenwärtigen Zeitalters (ajón). So wie der letzte Tag des Festes der größte war, Johannes 7:37, wird in der Endzeit das Größte stattfinden, die Auferstehung aller Gerechten, Johannes 6:39,40,44,54. Es ist die Zeit der Geburtswehen, Matthäus 24:8 - also der Beginn eines neuen Lebens - des äonischen Lebens, des Lebens aus Gott, das das kommende Zeitalter kennzeichnen wird.

Das Gleichnis von den zwei Samen

Es ist nicht leicht zu bestimmen, wann genau die Endzeit anfängt oder angefangen hat, ähnlich wie bei den Geburtswehen einer Frau. Aber es ist bestimmt nicht ganz falsch, wenn wir sagen, dass die Endzeit in gewisser Weise spätestens seit der Menschwerdung Gottes begonnen hat: In Jesus und der Wirkung seines Geistes war das Reich Gottes schon am Durchbrechen, Matthäus 3:2; 12:28.

Jesus hat in verschiedenen Gleichnissen das Wesen dieses Reiches in Bildern verdeutlicht. In einem von ihnen beschreibt er den Verlauf der Endzeit und geht auf den Kern des ganzen Geschehens ein. Dabei greift er auf das uralte Bild zurück, das Gott schon in seinem Richterspruch im Garten Eden gebraucht hat: Die Ankündigung, dass es zwei Arten von Samen geben wird, die in einem unerbittlichen Kampf stehen werden. Oft wird es das "Gleichnis vom Unkraut des Ackers" genannt, man könnte es auch das Gleichnis vom Weizen und vom Giftzweizen nennen:

Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Giftweizen mitten unter den Weizen und ging weg.
Als aber die Saat aufsprosste und Frucht brachte, da erschien (griechisch phaino = als "Phänomen" sichtbar werden) auch der Giftweizen.
Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Giftweizen? Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Matthäus 13:24-28

Jesus erklärt in selben Kapitel, um was es sich bei den beiden Arten von Samen handelt:

Der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, der Acker aber ist die Welt (griechisch kosmos = die Weltordnung der Menschen dieses Zeitalters). Der gute Same aber sind die Söhne des Reiches, der Giftweizen aber sind die Söhne des Bösen.
Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind Engel. Matthäus 13:37-39

Aus dem Text geht hervor, dass die beiden Samen sich anfänglich so stark ähneln, dass kein Mensch unterscheiden kann, ob sie nun von Gott oder vom Feind gesät sind. Im Grundtext wird dies noch deutlicher, denn in ihm ist nicht von "Unkraut", sondern von "Giftweizen" (griechisch zizánion) die Rede. Dies ist nicht etwa ein Gewächs wie unsere Disteln oder Brennnesseln, sondern ein dem Weizen anfangs total ähnliches Gewächs, das allerdings giftige Frucht bringt. Darum wird auch der Unterschied erst offenbar, wenn beide so weit ausreifen, dass ihre Frucht sichtbar wird.

Da dies ausdrücklich ein Endzeitgleichnis ist, müssen wir für die Gegenwart und Zukunft erwarten, dass Satan seinen Kampf gegen die Kinder Gottes in erster Linie nicht durch Atheismus und offenen Unglauben führen wird, sondern durch eine täuschend echt erscheinende Nachahmung des göttlichen Glaubens. Dieser Konflikt ist, das machen die Worte von Jesus deutlich, nicht eine Randerscheinung der Weltgeschichte, sondern ihr Kern!

Der größte Feind der Christenheit und der ganzen Menschheit ist demnach Satan und das von ihm gesäte Scheinchristentum. Dies erklärt die Verwirrung, die Zerrissenheit und die Spaltungen, die bis heute unter den Christen herrschen. Immer wieder streut Satan seine Fälschungen des Christentums in der Welt aus, und nur, wer sich wirklich aufmacht, Gott selber zu suchen, kann mit Gottes Hilfe lernen, den Unterschied zwischen dem Echten und dem Falschen, zwischen Weizen und Giftweizen zu erkennen.

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!

Nicht das öffentliche Bekenntis zu Gott ist es, das die wahren Kinder Gottes von dem Samen der Schlange unterscheidet, sondern ihre Frucht, ihr Lebenswandel:

Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen! Inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?
So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen.
Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Matthäus 7:16-19

Es ist extrem wichtig, dass wir uns dessen bewusst werden, was für einen Kampf wir kämpfen. Wir müssen lernen, das Echte vom Unechten zu unterscheiden. Das sicherste Erkennungszeichen ist die Frucht, und darum wollen wir uns kurz vor Augen führen, was die Bibel damit meint. Zuerst einmal stellt Jesus gleich nach diesen Worten klar, was in Gottes Augen keine Frucht ist - obwohl wir es vielleicht für untrügliche Kennzeichen wahrer Diener Gottes halten würden:

Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.
Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?
Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter! Matthäus 7:20-23

Ein öffentliches Bekenntnis zum Christentum (Herr, Herr!) allein sagt gar nichts, und selbst das Vollbringen von Zeichen und Wundern ist kein Erkennungsmerkmal von wahren Christen! Gott schaut vielmehr auf das Herz und ob wir ihm wirklich gehorchen, "seinen Willen tun". Das, was wir Charakter nennen, kommt dem wohl am nächsten, was Jesus hier mit Früchten meint:

Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Hurerei (pornéja = käuflicher Sex), Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen.
Von diesen sage ich euch im voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.
Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. 5:19-23

Es fällt auf, dass zu den Werken des Fleisches nicht nur Sünden wie Fressen (Völlerei), Saufen (Alkoholmissbrauch) und Götzendienst gehören, sondern wesentlich auch Charaktereigenschaften wie Streitsucht und Feindschaft.

Die Endzeit wird sehr christlich!

Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere (chalepós) Zeiten sein werden. Denn die Menschen werden ... eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen - und von diesen wende dich weg. 2.Timotheus 3:1,5

Die Menschen werden also gottesfürchtig und christlich erscheinen und großen Wert auf diese Form legen, gleichzeitig aber ein gottfernes Leben führen, das letztlich total von Dämonen kontroliert wird: Das Wort chalepos, das Paulus hier verwendet, kommt nur noch einmal in der Bibel vor, und da bezeichnet es Menschen, die total unter der Kontrolle von bösen Geistern stehen und denen man nur aus dem Weg gehen kann:

Und als Jesus an das jenseitige Ufer gekommen war, in das Land der Gadarener, begegneten ihm zwei Dämonisierte, die aus den Grüften hervorkamen. Sie waren sehr bösartig (chalepós), so dass niemand auf jenem Weg vorbeigehen konnte. Matthäus 8:28

Und so ist die Liste der Eigenschaften, die Paulus von den Frommen der Endzeit aufzählt, recht grausig:

Die Menschen werden selbstsüchtig sein (egoistisch), geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam (antiautoritär), undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott - die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen - und von diesen wende dich weg." 2.Timotheus 3:2-5

In der Endzeit werden also beide Arten von Samen ausreifen: Der christliche und der schein-, der antichristliche. Am Anfang sehen beide gleich aus, erst wenn die Frucht zu erkennen ist, wird offenbar werden, zu welcher Art von Samen der jeweilige Mensch gehört! Die Bibel macht klar, wie böse der verkehrte Same ist, wenngleich er der Form und den Kraftwirkungen nach dem göttlichen extrem ähnelt:

Auf die Weise aber, wie Jannes und Jambres (= die Zauberer, die die Wunder Moses nachahmten) Mose widerstanden, so widerstehen auch sie der Wahrheit. Menschen, verdorben in der Gesinnung, im Blick auf den Glauben unbewährt. 2.Timotheus 3:8

Jannes und Jambres widerstanden Mose nicht nur durch Worte, sondern indem sie die gleichen Wunder taten wie er, Exodus 7:11,22; 8:3! Während Gott seine Gemeinde auf der Grundlage aufbauen will, die von den Aposteln und Propheten gelegt wird, wobei Christus der Eckstein ist, Epheser 2:20, sendet Satan falsche Apostel, falsche Propheten und sogar falsche Christusse, um die Gemeinde zu zerstören:

Und viele falsche Propheten (pseudo-prophätäs) werden aufstehen und werden viele verführen. Matthäus 24:11

Denn es werden falsche Christusse (pseudó-christos) und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Matthäus 24:24

So wie die Schlange Eva als Engel des Lichts erschien, nimmt auch ihr "Same" die Gestalt von Aposteln Jesu Christi an:

Denn solche sind falsche Apostel (pseud-apóstolos), betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen.
2. Korinther 11:13-15

Alle Christen, die wirklich Jesus nachfolgen wollen, werden Verfolgungen ertragen müssen. Noch gefährlicher sind Paulus zufolge jedoch die Verführungen, die kommen werden.

Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden! Böse Menschen und Betrüger aber werden zu Schlimmerem fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden.

Man kann grundsätzlich sagen, dass jeder Verführer zugleich auch selber verführt ist. Wahrscheinlich sind sogar die meisten falschen Apostel und Propheten davon überzeugt, Gott zu dienen! Darum warnt Jesus sogar seine eigenen Apostel, als sie ihn nach der Endzeit fragen, als allererstes vor der Gefahr, verführt zu werden:

Seht zu, dass euch (die zwölf Apostel!) niemand verführe! Denn viele werden unter meinem Namen kommen ... und werden viele verführen. Matthäus 24:4-5

Ein ganz wichtiges Hilfsmittel, um diesen Verführungen zu entgehen, ist die Bibel, Gottes geschriebenes Wort für uns Menschen. Darum ermahnt und ermutigt Paulus seinen Schüler Timotheus gleich im Anschluss an seine Warnungen eindringlich:

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig zugerüstet. 2.Timotheus 10-17

Die Braut und die Hure

Der gute und der schlechte Same erscheinen äußerlich beide christlich, und so ist es kein Wunder, dass die wahre Gemeinde, die in der Bibel als die Braut bezeichnet wird, auch ein scheinchristliches Gegenstück hat, nämlich die Hure. Rein äußerlich gesehen ähneln sie sich, denn beide sind schöne, begehrenswerte Frauen. Doch in ihrem Wesen unterscheiden sie sich gewaltig:

Die Braut ist weiß gekleidet, denn sie ist einem bestimmten Mann verlobt und sie bewahrt ihre "Unschuld", sie ist rein, unbefleckt von der Welt. Die Hure dagegen ist in Prunk und scharlachrote Gewänder gekleidet, denn sie versucht, jedermann zu gefallen und verkauft sich selbst den irdischen Mächten. Skrupellos sucht sie nur nach ihrem eigenen Vorteil und besudelt sich dabei mit dem Blut Unschuldiger.

Die Braut ist das himmlische Jerusalem, die Stadt, nach der Abraham suchte, der bereit war, alles auf dieser Welt aufzugeben, um seine himmlische Heimat zu gewinnen:

Durch Glauben war Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme. Durch Glauben siedelte er sich im Land der Verheißung an wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Hebräer 11:8-10

Ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung. Hebräer 12:22

Die Hure ist das geistige Babylon, die Stadt, deren Bürger ihr Schicksal selber in die Hand nehmen wollen, im Namen von Einheit, Fortschritt und einer humanistischen Religion. Dieses Thema ist so wichtig, dass die Offenbarung sich gegen Ende hin mehrere Kapitel lang mit ihm beschäftigt:

Offenbarung 17

Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm her! Ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt, mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben; und die Bewohner der Erde sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht.

Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte.

Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voller Greuel und Unreinheit ihrer Unzucht;

Und sie hatte an ihrer Stirn einen Namen geschrieben, ein Geheimnis: Babylon, die große, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde.

Und ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu. Und ich wunderte mich, als ich sie sah, mit großer Verwunderung ...

Und er spricht zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, wo die Hure sitzt, sind Völker und Völkerscharen und Nationen und Sprachen. Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie verwüsten und nackt machen und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen.

Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, seinen Sinn zu tun und in einem Sinn zu handeln und ihr Königreich dem Tier zu geben, bis die Worte Gottes vollendet sein werden.

Und die Frau, die du gesehen hast, ist die große Stadt, welche die Königsherrschaft über die Könige der Erde hat ...

Offenbarung 18

Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!

Denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht. Vergeltet ihr, wie auch sie vergolten hat, und verdoppelt es ihr doppelt nach ihren Werken; mischt ihr den Kelch, den sie gemischt hat, doppelt!

Wieviel sie sich verherrlicht hat und üppig gewesen ist, soviel Qual und Trauer gebt ihr! Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich sitze als Königin, und Witwe bin ich nicht, und Traurigkeit werde ich nicht sehen. Darum werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, Gott, der sie gerichtet hat.

Und es werden um sie weinen und wehklagen die Könige der Erde, die mit ihr Unzucht getrieben haben und üppig gewesen sind, wenn sie den Rauch ihres Brandes sehen. Und sie werden aus Furcht vor ihrer Qual weitab stehen und sagen: Wehe, wehe! Die große Stadt, Babylon, die starke Stadt! Denn in einer Stunde ist dein Gericht gekommen. Und die Kaufleute der Erde weinen und trauern um sie, weil niemand mehr ihre Ware kauft ...

Sei fröhlich über sie, du Himmel, und ihr Heiligen und Apostel und Propheten! Denn Gott hat für euch das Urteil an ihr vollzogen.

Und ein starker Engel hob einen Stein auf wie einen großen Mühlstein und warf ihn ins Meer und sprach: So wird Babylon, die große Stadt, mit Gewalt niedergeworfen und nie mehr gefunden werden ...

Und das Licht einer Lampe wird nie mehr in dir scheinen und die Stimme von Bräutigam und Braut nie mehr in dir gehört werden; denn deine Kaufleute waren die Großen der Erde; denn durch deine Zauberei sind alle Nationen verführt worden.

Und in ihr wurde das Blut von Propheten und Heiligen gefunden und von allen denen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind.

Offenbarung 19

Nach diesem hörte ich etwas wie eine laute Stimme einer großen Volksmenge im Himmel, die sprachen: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht sind unseres Gottes! Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte. Denn er hat die große Hure gerichtet, welche die Erde mit ihrer Unzucht verdarb, und er hat das Blut seiner Knechte an ihr gerächt ...

Erst nachdem die irdische Hure gerichtet ist, wird die himmlische Braut in ihrer Herrlichkeit offenbar:

Offenbarung 21

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, voll der sieben letzten Plagen, und redete mit mir und sprach: Komm her! Ich will dir die Braut, das Weib des Lammes, zeigen.

Und er führte mich im Geist hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie aus dem Himmel von Gott herabkam, und sie hatte die Herrlichkeit Gottes. Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein ...

Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitgemacht.

Und ihr wurde gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen.

Und er spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die eingeladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.

Der Drache und die Frau

In Offenbarung 12 wird die Prophetie von Genesis 3 wieder aufgegriffen und kommt zur Erfüllung, nämlich das Urteil, das Gott über die Schlange gesprochen hat:

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. Genesis 3:15

Und ein großes Zeichen erschien im Himmel:
Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen und soll gebären. Offenbarung 12:1-2

Die Anspielung auf Genesis 3:16 ist offensichtlich:

Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Genesis 3:16

Eva steht, wie Paulus in Epheser 5 erklärt, auch für die Gemeinde, deren Schicksal in dieser Welt ja auch darin besteht, "unter Schmerzen geistliche Kinder zu gebären.

Ebenso muss man unwillkürlich an Genesis 37:9 denken, wo Sonne, Mond und 12 Sterne für Israel stehen:

Und Joseph hatte noch einen anderen Traum, auch den erzählte er seinen Brüdern und sagte: Siehe, noch einen Traum hatte ich, und siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne beugten sich vor mir nieder. Genesis 37:9

Die Schlange kämpft in Gestalt eines Drachens gegen die Frau, was auf offene Gewaltanwendung hinweist:

Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel:
Und siehe, ein großer, feuriger Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte. Und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort; und er warf sie auf die Erde. Offenbarung 12:3-4

Die Hörner und Diademe symbolisieren irdische Macht und Autorität, die Köpfe stehen für menschliche Herrscher. Das Niederwerfen eines Drittels der Sterne wird allgemein so gedeutet, dass Satan bei seinem Sturz ein Drittel der Engel seines Herrschaftsbereichs mit sich riss.

Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war, zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen. Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Offenbarung 12:4-5

Die Frau, die für geistliche Mutterschaft steht, gebiert nicht nur ein Kind, sondern ausdrücklich einen männlichen Sohn, was für geistliche Reife und Autorität steht. Hier ist nicht einfach von Wiedergeborenen die Rede, sondern von Überwindern, die mit Christus die Herrschaft über die übrigen Menschen ausüben werden, Offenbarung 3:21.

Es ist ferner bemerkenswert, dass genau an dieser Stelle, nach dem Erklingen der siebten, letzten Posaune, Offenbarung 11:15, das Wort "entrückt = harpázo" gebraucht wird, das auch bei Paulus’ Beschreibung der Entrückung vorkommt:

Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 1.Thessalonicher 4:16-17

Das würde in die Richtung weisen, dass nicht alle Wiedergeborenen entrückt werden, sondern nur diejenigen, die zur Sohnschaft gekommen und als Überwinder bestimmt sind, mit Christus auf dem Thron zu sitzen:

Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Offenbarung 12:5

Es wird jedenfalls nicht falsch sein, sich ganz nach Gott und seinem Reich auszustrecken, denn das ist sicher die beste Voraussetzung, um im Ernstfall dann dabei zu sein:

Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen und jener Tag plötzlich über euch hereinbricht wie ein Fallstrick! Denn er wird über alle kommen, die auf dem ganzen Erdboden ansässig sind.
Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr imstande seid, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen! Lukas 21:34-36

Jedenfalls wird die Frau nicht entrückt, sondern bleibt auf der Erde:

Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage. Offenbarung 12:6

Dann kommt einer der spannendsten Augenblicke der Weltgeschichte, denn nun kommt es zum offenen Kampf im Himmel, und es naht der Zeitpunkt, wo Satan endgültig von dort vertrieben wird. Welch eine Wende!

Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel. Und sie bekamen nicht die Übermacht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden.
Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. Offenbarung 12:7-9

Wir sehen, dass bis dahin der Satan durchaus noch Zugang zum Himmel hatte! Auch nach dem Tod und der Auferstehung hatte der Teufel hier Zutritt und Macht, betont Paulus doch ausdrücklich:

Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt (en tois ep-uraníois = in den Überhimmlischen, dasselbe Wort wie in Epheser 1:3). Epheser 6:12

Erst jetzt jedoch tritt Christus die Macht an, die er sich rechtmäßig erworben hat, weil zuvor auch noch seine Brüder den Teufel überwinden und würdig zur Mitherrschaft werden sollten:

Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte.
Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod! Offenbarung 12:10-11

Hier werden drei Dinge genannt, die ausschlaggebend für den Sieg der Überwinder sind: Hauptsache ist das Blut Jesu, das er für unsere Sünden vergossen hat. Der Glaube nimmt dieses Geschenk der Gerechtigkeit Gottes an und überwindet so den Verkläger - in der Haltung des Lammes, wie hier ausdrücklich betont wird. Dazu gehört als zweites und logische Folge, dass man diesen Glauben auch vor den Menschen bezeugt - "um des Wortes ihres Zeugnisses (martyría) willen":

Jeder nun, der sich vor den Menschen zu mir bekennen wird, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.
Wer aber mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. Matthäus 10:32-33

Das Dritte ist die Übereinstimmung dieses Bekenntnisses mit dem realen, persönlichen Leben, das sich auf einen Nenner bringen lässt:

Sie haben ihr Leben (psychä = Seele) nicht geliebt bis hin zum Tod. Offenbarung 12:11

Das kann man zweifach deuten: Sie sind Jesus so entschieden nachgefolgt, dass sie sogar bereit waren, für ihn zu sterben. Und: Sie haben ihr ganzes Leben lang konsequent an Jesus festgehalten und darin bis zu ihrem Lebensende ausgeharrt, Matthäus 10:22.

Im Himmel hat nun die Herrschaft Satans ein Ende und es hat dort schon das Reich Gottes begonnen, wie es ja auch heißt: Dein Reich komme, wie im Himmel, so auch auf Erden", Matthäus 6:10! Auf der Erde ist jedoch von diesem Zeitpunkt an im wahrsten Sinne des Wortes "die Hölle los":

Darum seid fröhlich, ihr Himmel, und die ihr in ihnen wohnt! Wehe der Erde und dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen und hat große Wut, da er weiß, dass er nur eine kurze Zeit hat.
Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die das männliche Kind geboren hatte. Und es wurden der Frau die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliege, an ihre Stätte, wo sie ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, fern vom Angesicht der Schlange.
Und die Schlange warf aus ihrem Mund Wasser wie einen Strom hinter der Frau her, um sie mit dem Strom fortzureißen. Und die Erde half der Frau, und die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Mund warf.
Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Nachkommenschaft, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben. Offenbarung 12:12-17

Wir sehen also wieder, dass auch nach der Entrückung des männlichen Sohnes noch immer Christen auf der Erde sein werden, die weiterhin im Kampf gegen Satan stehen werden.

Nun, da Satan im Himmel absolut keine Macht mehr hat, bleibt ihm nur noch die Erde als Betätigungsfeld. Da "die Himmel regieren", Daniel 4:26, hat Satan seine Macht natürlich schwerpunktmäßig dort ausgeübt, doch jetzt hält ihn nichts mehr zurück, dem Antichristen auf der Erde seine Macht zu übertragen, um hier so viel wie möglich Einfluss ausüben zu können.

Bevor wir jedoch in Offenbarung 13 lesen, wie es weitergeht, noch ein paar grundlegende Aussagen der Bibel zum Wesen des Antichristen.

Der Antichrist

Die Schlange versucht immer täuschend ähnlich nachzumachen, zu fälschen. Wenn die Frau das "Volk des Bundes" ist, dann ist deren Fälschung die "Hure". Wenn der "Same der Frau" die Menge der Gläubigen (Christen) ist, beziehungsweise der Sohn Gottes (Christus), so ist der Same der Schlange dessen Nachahmung, die Scheinchristenheit, beziehungsweise der Sohn der Gesetzlosigkeit, der Schein-Christus, Antichrist, der die Stelle des Christus einnehmen will: Griechisch "antí" bedeutet zuerst einmal "anstelle von", erst in zweiter Linie dann "gegen". Griechisch "christós" ist die Übersetzung des hebräischen "maschiach = Gesalbter", das den Priester-König bezeichnet und mit "Messias" verdeutscht wird. Jesus hat angekündigt, dass Israel den wahren Messias verwerfen, dafür aber eines Tages den gefälschten Messias annehmen würde:

Ich (Jesus) bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr (die Juden) nehmt mich nicht auf.
Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen. Johannes 5:43

Dieser muss natürlich seinen Vorgänger, den wahren Messias, verleugnen:

Jeder Geist, der nicht Jesus bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er komme, und jetzt ist er schon in der Welt. 1.Johannes 4:3

Konkret leugnet der Antichrist und der antichristliche Geist, dass Jesus der im Fleisch gekommene Sohn Gottes, also Gott selbst ist:

Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennen - dies ist der Verführer und der Antichrist. 2.Johannes 1:7

Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Der ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. 1.Johannes 2:22

Viele zentrale Aussagen über den Antichristen und die Endzeit finden sich im zweiten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher. Er erklärt darin die Voraussetzungen für sein Kommen und das Wesen seines Wirkens:

Der Tag des Herrn ... kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist ... 2.Thessalonicher 2:3

Abfall bedeutet, dass die Gläubigen von ihrem Stand abkommen, Gesetzlosigkeit bedeutet die Auflösung von Gottes Wort, das nicht mehr Einhalten von seinen Geboten. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass die Endzeit nicht religiös wäre, denn im Gegenteil, der Antichrist tobt zwar gegen alle Religionen, aber alles nur mit dem Ziel, am Ende selber angebetet zu werden:

Der Sohn des Verderbens; der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei. ... 2.Thessalonicher 2:4

Hier steht, dass der Antichrist nicht nur behaupten wird, Gott zu sein, sondern sich auch als Gott erweisen = apodéjknymi wird, indem er übermenschliche Taten als Zeichen vollbringt - in Apostelgeschichte 2:22 wird dasselbe Wort für die Zeichen und Wunder des Messias gebraucht.

Paulus betont, was ja auch Johannes lehrt, dass das Kommen des Antichristen durch den antichristlichen Geist von langer Hand vorbereitet ist. Dieser ist schon längst in der Welt und wirkt:

Und jetzt wisst ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit geoffenbart wird. Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist. 2.Thessalonicher 2:6-7

Es gibt hauptsächlich zwei Meinungen, was dieses Zurückhaltende sein könnte:

Die eine ist, dass die Gläubigen gemeint sind, die entrückt werden. Durch ihre Abwesenheit könnte dann der Antichrist ungehindert wirken. Diese Auslegung scheint mir jedoch eher unwahrscheinlich, da ja auch nach dem Erscheinen des Antichristen noch Gläubige auf der Erde sein werden.

Mir scheint eher, dass Satan selber es ist, der die Erscheinung des Antichristen zurückhält, zum einen, weil er im Himmel viel mehr Macht hat, als wenn er sich auf die Erde konzentriert, und zum anderen, weil er weiß, dass er nur noch ganz kurze Zeit hat, sobald der Antichrist einmal geoffenbar worden ist, siehe Offenbarung 12:12. Für diese Deutung spricht, dass in Offenbarung 12:9 und 13 der Satan aus dem Himmel vertrieben wird, und dass unmittelbar danach, Offenbarung 13:1ff, der Antichrist erscheint:

Und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft. 2.Thessalonicher 2:8

So beeindruckend und mächtig der Antichrist auf Erden auch sein mag, für den wahren Messias wird es ein Leichtes sein, ihn zu beseitigen: Er gebraucht nicht einmal seine Hände, ja, er muss nicht einmal fest pusten, es genügt ein zarter Hauch, allein schon das Erscheinen seiner Gegenwart! Das liegt daran, dass alle Macht des Antichristen und des Teufels, der sie ihm gibt, auf Lüge beruht und daher bei dem leisesten Kontakt mit der Wahrheit zerreißt wie Spinnweben:

(Christus wird den Antichristen vernichten), ... ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt, mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, dass sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2.Thessalonicher 2:8-10

Selbst die Herrschaft des Antichristen ist also nicht eine Entgleisung aus Gottes Herrschaft, sondern ein fester Bestandteil von Gottes Fahrplan für die Menschheit. Sie ist letztlich Gottes Gericht und Strafe für diejenigen, die die Lüge und Ungerechtigkeit lieben:

Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 2.Thessalonicher 2:11-12

Während der Same der Frau immer gottähnlich und damit zugleich auch menschlicher wird, entwickelt sich der Same der Schlange immer mehr in Richtung seines tierisch-satanischen Charakters. Wenn Gott Fleisch wird, wird er Mensch. Der Same Satans dagegen erscheint als "Tier":

Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung.
Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie die eines Bären und sein Maul wie eines Löwen Maul. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. Offenbarung 13:1-2

Das Meer steht für das Völker-Meer der nichtjüdischen Nationen. Das Tier, das hier aufsteigt, ist das vierte Tier und Reich, das schon Daniel in seinen Visionen ausführlich beschrieben hat, Daniel 7:7ff. Bei aller Grausamkeit dieses Reiches wird es eine Nachahmung des Christentums darstellen. Das geht so weit, dass sogar der Tod und die Auferstehung Christi gefälscht werden:

Und ich sah einen seiner Köpfe wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde staunte hinter dem Tier her.
Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich? Und wer kann mit ihm kämpfen? Offenbarung 13:3-4

Was immer wieder als besonderes Kennzeichen dieses Geistes genannt wird, ist eine Haltung des Spottes und der Anklage gegen Gott und seine Nachfolger. Auch dies ist von Gott zugelassen, wie die Formulierung "es wurde ihm gegeben" (vergleiche Johannes 19:11), bestätigt:

nd es wurde ihm ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und es wurde ihm Macht gegeben, 42 Monate zu wirken. Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, um seinen Namen und sein Zelt und die, welche im Himmel wohnen, zu lästern. Offenbarung 13:5-6

Den Anklagen und Verspottungen folgt dann eine Welle der Verfolgung im Rahmen einer weltweiten Herrschaft:

Und es wurde ihm gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden; und es wurde ihm Macht gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation.
Und alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an. Wenn jemand ein Ohr hat, so höre er! Offenbarung 13:7-9

Wie schon im Dritten Reich wird dann wieder die Frage auftauchen, welche Haltung Christen in dem allen einnehmen sollen. Auch daran lässt Gottes Wort keinen Zweifel - die Überwinder werden mit der Lammesnatur siegen:

Wenn jemand in Gefangenschaft geht, so geht er in Gefangenschaft; wenn jemand mit dem Schwert getötet wird, so muss er mit dem Schwert getötet werden. Hier ist das Ausharren und der Glaube der Heiligen. Offenbarung 13:10

Nun kommt der falsche Prophet, der aus der Erde, also aus dem Land Israel aufsteigt und die Weltbevölkerung dazu bewegt, den "auferstandenen" Antichristen tatsächlich anzubeten:

Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen: und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. Und die ganze Macht des ersten Tieres übt es vor ihm aus, und es veranlasst die Erde und die auf ihr wohnen, dass sie das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. Offenbarung 13:11-12

Diese Manipulation geschieht nicht nur durch Worte, sondern ganz wesentlich auch durch gewaltige Zeichen und Wunder. Es ist ein Irrglaube zu meinen, übernatürliche Wunder wären ein Beweis für die Wahrheit einer Sache. Das stimmt absolut nicht, denn Satan ist übernatürlich und kann seine Diener durchaus mit der Kraft ausstatten, ebenfalls Zeichen und Wunder zu tun:

Und es tut große Zeichen, dass es selbst Feuer vom Himmel vor den Menschen auf die Erde herabkommen lässt. Und es verführt die, welche auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde ... Offenbarung 13:13-14

Immer wieder wird von Gläubigen gesagt, dass die Menschheit nie fähig sein wird, irgend etwas Lebendiges zu "erschaffen", das sei allein Gott vorbehalten. Aber die Tatsache, dass der falsche Prophet dem Bild des Tieres "Geist" einhauchen kann, lässt doch vermuten, dass hier etwas sehr Beeindruckendes geschehen wird, dass nur mit der Erschaffung eines Lebewesens verglichen werden kann:

Und es sagt denen, die auf der Erde wohnen, dem Tier, das die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig geworden ist, ein Bild zu machen. 15 Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres Geist (pnéuma) zu geben, so dass das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten. Offenbarung 13:14-15

Zugegeben, das Fernsehen mit seinen bewegten und bewegenden Bildern mag ein Vorschatten dieser Ereignisse sein, aber ich vermute dennoch, dass das, was hier beschrieben wird, noch eine ganz andere Dimension annehmen wird.

Der religiösen Legitimation des Antichristen folgt die Umsetzung seines Machtanspruches in irdische Münze. Es wird nicht bei Appellen an die Menschlichkeit und Vernunft der Weltbevölkerung bleiben, sondern die Herrschaft des Antichristen wird mit Hilfe des Mammon rigoros durchgesetzt werden:

Und es bringt alle dahin, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Sklaven, dass man ihnen ein Malzeichen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn gibt, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, als nur der, welcher das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.. Offenbarung 13:16-17

Wie auch immer dieses Malzeichen aussehen mag, jedenfalls kann kein Zweifel daran bestehen, dass hier die Ergebenheit gegenüber dem Antichristen verknüpft wird mit der Annahme irgendeines Zeichens an gut sichtbarer Stelle, an Hand oder Stirn. Ohne dieses Zeichen wird jeder aus dem antichristlichen Wirtschaftssystem absolut ausgegrenzt werden. Die technischen Möglichkeiten, so etwas vollautomatisch umzusetzen, sind bereits jetzt (2008) mehr oder weniger vorhanden, es fehlt nur noch die Ausweitung auf die ganze Menschheit. Bestimmt wird dieses System als Schutz vor Kriminalität und vor Währungsschwankungen angepriesen werden, doch letztlich wird es totale Kontrolle und totale Machtausübung bedeuten.

Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres! Denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist 666. Offenbarung 13:18

Da im Hebräischen und Griechischen die Buchstaben des Alphabetes alle zugleich auch einen Zahlenwert haben (aleph bzw. alpha = 1; beth bzw. beta = 2 usw.), kann man jeden Namen in einen Zahlenwert umrechnen. Allgemein wird diese Bibelstelle so ausgelegt, dass der Name des Antichristen, wenn man seinen Zahlenwert auf diese Weise berechnet, 666 ergibt.

Sechs ist die Zahl des Menschen, der am sechsten Tag erschaffen wurde. Es wird auch als die Zahl des Menschen ohne Gott angesehen, und drei Mal die Sechs könnte sozusagen für die vollkommene Offenbarung dieses gottlosen Menschen stehen.

Die Zahl 666 kommt nur noch einmal in der Bibel vor: Es ist die Zahl der Talente Gold, die Salomo in einem Jahr einnahm, 1.Könige 10:14. Das passt zu der Tatsache, dass die Zahl des Tieres in engem Zusammenhang steht mit der totalen Kontrolle des Geldverkehrs.

Das Ende des Antichristen und der Schlange

Das Urteil, die Prophezeiung von Genesis 3 wird sich wörtlich erfüllen. Als erstes wird der "Same der Schlange", nämlich der Antichrist, tatsächlich von Gott gepackt werden. Hier steht das Wort "piazo = greifen, ergreifen, fest-nehmen, packen, gefangen nehmen, (Tiere) fangen", das auch verwendet wird, wenn es darum geht, dass der Same der Schlange, die Pharisäer, versuchen, Jesus zu ergreifen, Johannes 7:30,23,44; 8:20; 10:39; 11:57:

Und das Tier wurde ergriffen und der falsche Prophet - der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten - lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Offenbarung 19:20

Später ereilt Satans das gleiche Schicksal wie seine Diener:

Und Michael griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloss zu und versiegelte über ihm, damit er nicht mehr die Nationen verführe, bis die tausend Jahre vollendet sind. Nach diesem muss er für kurze Zeit losgelassen werden. Offenbarung 20:2

Danach wird dann auch der Satan endgültig gerichtet:

Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offenbarung 20:10

So schrecklich dieses Ende auch sein wird, so ist es doch gerecht und die einzige Möglichkeit, dauerhaften Frieden im Himmel und auf der Erde zu schaffen.

"Happy End"

Die wichtigsten Seiten jeder Schrift sind ihr Anfang und ihr Ende, weil sie den Ausgangspunkt und das Ziel der Entwicklung beschreiben:

Ganz am Anfang, im Schöpfungsbericht der Bibel, werden Suchende von Gott bei der Erkenntnis abgeholt, zu jeder ernsthaft Forschende durch die Ergebnisse der Naturwissenschaften hingeführt wird: Die Welt kann kein Produkt des Zufalls sein - es gibt einen Gott, der sie geschaffen hat! Die Genesis, das erste Buch der Bibel, zeigt die Grundlinien auf, wie Gottes Pläne sich entfalten und wie die Kämpfe verlaufen, die seit dem Tohuwabohu auf der Erde stattfinden.

Ganz am Schluss der Bibel offenbart Gott dann ausführlich, wohin die Reise gehen wird. Darum sind die letzten Kapitel der Offenbarung atemberaubend spannend, denn in ihnen entscheidet sich vor unseren Augen das Schicksal der Menschheit und das von Himmel und Erde - und unseres! Nur wenn wir das wissen, können wir verstehen, wozu all das Vorhergehende sein musste.

Wer dieses Ende nicht im Auge und im Herzen hat, der geht mehr oder weniger im Nebel durch das Leben und kann sich angesichts dessen, was in dieser Welt vorgeht, nicht anders fühlen als verwirrt und niedergeschlagen. Wenn wir aber dieses Ziel klar vor Augen haben, können wir selbst durch die finstersten Zeiten gehen, ohne die Hoffnung zu verlieren - und die Freude am Herrn, die ja bekanntlich die Kraft ist, die uns überhaupt befähigt, unseren Lebensweg zu gehen:

Seid nicht bekümmert, denn die Freude am HERRN, sie ist eure Stärke (ma’oz)! Nehemia 8:10

Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein niedergeschlagener Geist dörrt die Knochen aus. Sprüche 17:22

Aus der Hoffnung auf Gott und seine Zukunft entspringt unser ganzer Lebensmut. Darum betont die Bibel auch so, dass die Hoffnung zusammen mit Glaube und Liebe die größte Kraft im Himmel und auf Erden ist, die ewig bleibt, 1.Korinther 13. Wir dürfen dem Zweifel und der Entmutigung keinen Raum geben, sondern sollen uns vor Augen malen und ins Herz schreiben lassen, was Gott für uns geplant hat. Darum sind die folgenden Worte so wichtig, in denen Paulus die alles Leid weit überragende Hoffnung beschreibt, die uns gegeben ist:

Römer 8: Unsere Hoffnung auf die Herrlichkeit

Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.

Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.

(Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit. 2.Korinther 4:17)

Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat - auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.

Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes.

Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht? Wenn wir aber das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren.

Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern ..., denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäß.

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern ...

Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: Wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?

Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.

Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi ? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: «Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.»
Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.

Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

So möchte ich an dieser Stelle nun einfach die letzten Sätze der Bibel für sich selber sprechen lassen, die mit menschlichen Worten beschreiben, was wir uns nur ansatzweise vorstellen können: Eine Herrlichkeit, die alles bis dahin geschehene Leid weit überstrahlt! Kein Wunder, dass Gott von diesen Worten ganz am Anfang und am Ende der Offenbarung sagt:

Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist! Denn die Zeit ist nahe. Offenbarung 1:3

Und siehe, ich komme bald. Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt! Offenbarung 22:7

 

Letzter Aufstand und letztes Gericht

Offenbarung 20

Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabkommen, der den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand hatte. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloss zu und versiegelte über ihm, damit er nicht mehr die Nationen verführe, bis die tausend Jahre vollendet sind. Nach diesem muss er für kurze Zeit losgelassen werden.

Dies ist also noch nicht das endgültige Gericht über Satan, sondern sozusagen nur eine "Gefängnisstrafe" - aber auch sie wird nicht zu einer Besserung führen, wie sich danach zeigen wird.

Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.

Welch ein Trost und welche eine Belohnung für alle, die ein paar Jahre ihres irdischen Lebens verloren haben, weil sie für Gott starben: Sie dürfen vor all den anderen Menschen auferstehen, bekommen also tausend Lebensjahre geschenkt - allein das würde sich schon mehr als lohnen!

Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre.

Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden und wird hinausgehen, die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, um sie zum Krieg zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand des Meeres.

Man sieht, dass das tausendjährige Reich noch nicht der absolute Himmel auf Erden ist, sondern nur eine Vorstufe dazu. Die Völker der Erde leben immer noch in Eigenregie und werden sich tatsächlich noch einmal von Satan verführen lassen. Das zeigt zum einen die unglaubliche Raffinesse Satans, sein Geschick zum Verführen, und zum anderen die Anfälligkeit des menschlichen Fleisches für die Sünde.

Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umzingelten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt; und Feuer kam aus dem Himmel herab und verschlang sie.
Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Jetzt erst wird der Satan endgültig gerichtet, erstaunlicherweise sind ihm der Antichrist und der falsche Prophet vorausgegangen! Und dann geschehen Dinge, die Raum und Zeit unserer sichtbaren Welt übersteigen:

Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.

Nun kommt das Gericht über alle Menschen, die in allen Zeiten gestorben sind:

Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet. Und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.

"Bücher" sind in der Bibel eigentlich "Buchrollen". Chronologisch sind darin die Taten und auch die Worte aller Menschen aufgezeichnet. Vielleicht können wir uns das in unserer Zeit am besten wie "Filmrollen" vorstellen, die im Gericht den "Film" unseres Lebens zeigen - nur, dass dabei sogar die Gedanken und Motive mit sichtbar sein werden!

Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken.

Hier werden drei Bereiche genannt, in die Menschen nach ihrem Tod kommen können: Meer, Tod und Hades. Also sind die Schicksale der Menschen nach ihrem Tod verschieden. Am Schluss werden Tod und Hades selber in den Feuersee geworfen:

Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.

Neuer Himmel und neue Erde

Offenbarung 21

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.

Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen.

Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig.

Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.

Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst.

Wer überwindet, wird dies erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.

Aber den Feigen und Ungläubigen und mit Greueln Befleckten und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, das ist der zweite Tod.

Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten ... und redete mit mir und sprach:
Komm her! Ich will dir die Braut, das Weib des Lammes, zeigen. Und er führte mich im Geist hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie aus dem Himmel von Gott herabkam, und sie hatte die Herrlichkeit Gottes.

Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein.

Und sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und an den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben, welche die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels sind :Nach Osten drei Tore und nach Norden drei Tore und nach Süden drei Tore und nach Westen drei Tore. Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes ...

Und der Baustoff ihrer Mauer war Jaspis und die Stadt reines Gold, gleich reinem Glas. Die Grundsteine der Mauer der Stadt waren mit jeder Art Edelstein geschmückt: der erste Grundstein ein Jaspis; der zweite ein Saphir; der dritte ein Chalzedon ...

Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, je eines der Tore war aus einer Perle, und die Straße der Stadt reines Gold, wie durchsichtiges Glas.

Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm.

Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm.

Und die Nationen werden in ihrem Licht wandeln, und die Könige der Erde bringen ihre Herrlichkeit zu ihr.

Und ihre Tore werden bei Tag nicht geschlossen werden, denn Nacht wird dort nicht sein. Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Nationen zu ihr bringen.

Und alles Unreine wird nicht in sie hineinkommen, noch derjenige, der Greuel und Lüge tut, sondern nur die, welche geschrieben sind im Buch des Lebens des Lammes.

22:1 Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes.

In der Mitte ihrer Straße und des Stromes, diesseits und jenseits, war der Baum des Lebens, der zwölf mal Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt; und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen.

Und keinerlei Fluch wird mehr sein; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein; und seine Knechte werden ihm dienen, und sie werden sein Angesicht sehen; und sein Name wird an ihren Stirnen sein.

Und Nacht wird nicht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichtes einer Lampe und des Lichtes der Sonne, denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig, und der Herr, der Gott der Geister der Propheten, hat seinen Engel gesandt, seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss.

Und siehe, ich komme bald. Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt! ...

Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches! Denn die Zeit ist nahe.
Wer unrecht tut, tue noch unrecht, und der Unreine verunreinige sich noch, und der Gerechte übe noch Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich noch!

Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist.

Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

Glückselig, die ihre Kleider waschen, damit sie ein Anrecht am Baum des Lebens haben und durch die Tore in die Stadt hineingehen!

Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.

Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch diese Dinge für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern.

Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst!

Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind. Und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist.

Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen, komm, Herr Jesus!

Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!

Urzeit und Endzeit

Die Genesis ist das spannende Buch der Anfänge. Die Geschichte der Menschheit folgt nämlich geistigen Gesetzen, die man mit der Entwicklung von Samenkörnern vergleichen kann: Wenn man weiß, welche Art von Same gepflanzt wurde, kann man vorhersagen, welche Pflanze und welche Frucht im Laufe der Zeit entstehen wird. Aus diesem Grund ist das erste Buch der Bibel brandaktuell, denn es beschreibt die Samen, aus denen die heutige Menscheitsgeschichte erwächst. Hier begegnen uns keimhaft genau die Dinge, mit denen wir jetzt konfrontiert werden - nur sind sie in der Zwischenzeit gewaltig "gewachsen", und sie werden es weiterhin tun, bis zum Tag der Ernte:

Der Garten, den Adam bebauen und bewachen musste, war bedroht vom "Bösen in der Gestalt des Guten" - wie unsere Welt. Wenn wir nicht aus Adams und Evas Fehler lernen, wird es kritisch werden für unsere "Umwelt", die globale, aber auch unsere persönliche. Um die Erde tobt ein Kamf, dem auch wir uns stellen müssen, wenn wir Teil des "Happy End" sein wollen.

Kain und Abel waren Brüder, und sie stehen für die zwei Arten von Religion, die es auf dieser Welt gibt. Mit ihnen begann ein Drama, und es wird uns etwas kosten, wenn wir uns für die richtige Seite entscheiden wollen - überleben oder Über-Leben?

Zur Zeit Noahs versank die Gesellschaft in Götzendienst und Gewalt - lange bevor die Flut kam. Wenn wir Noahs Beispiel folgen, werden auch wir selbst mitten im Chaos nicht untergehen.

Babel steht für religiöse Einheit um jeden Preis, Kommunikation mit allen Mitteln und Fortschritt ohne Grenzen. Aber auch für ein Wirrwarr von Ideologien, totale Kontrolle und den Missbrauch der grenzenlosen Möglichkeiten der Technik. Die Alternative? Abraham verließ das Land der Chaldäer und machte sich auf den Weg zur Stadt Gottes. Sie ist unsere Heimat, und unser Leben gehört zu der Baustelle, auf der sie immer noch gebaut wird.