Bibelauslegung

Den Glauben behalten,
ohne den Verstand zu verlieren
Theologie, Bibelkritik,
wissenschaftliche Bibelauslegung
und die Glaubwürdigkeit von Gottes Wort
Diese Schrift, Stand November
2010,
darf in jeder Form vervielfältigt und weiterverbreitet werden.
Sie kann, ebenso wie die am
Ende aufgeführten Schriften,
kostenlos heruntergeladen oder online gelesen werden auf:
www.urzeitundendzeit.de
... oder als Buch gratis bei
mir bestellt werden:

Armin
Held (* 1961)
Oberreit 1
D - 83620 Feldkirchen-Westerham
Telefon 08063-972 301
arminheldätgmxpunktnet
Den Glauben behalten, ohne den
Verstand zu verlieren
Ein Vorwort, das alles sagt 7
Die
Bibel
Ein paar interessante Fakten und Aussagen 8
Die
Zuverlässigkeit des Bibeltextes
Ein wirklicher Experte äußert sich 11
Was
können wir von den Naturwissenschaften lernen?
Vertrauen und Prüfen als Grundlage von
Wissenschaft 16
Wissenschaftliche
Bibelauslegung
Objektive und nachprüfbare Methoden der Auslegung 27
Was die
Konkordanz lehrt
héteros = andersartig und állos = anders, von
gleicher Art 35
Tohuwabohu
Ein Schlüssel zum besseren Verständnis der ganzen
Bibel 46
Das Tohuwabohu und Römer 8 50
Darf
die Naturwissenschaft die Bibelauslegung beeinflussen?
Die zwei Bücher Gottes 50
Die
zwei Stammbäume Jesu im Neuen Testament
Ein scheinbarer Widerspruch als Erfüllung von
Prophetie 59
Jesus
und die Bibel
Mensch(enwort) oder Gott(eswort)? 63
Die
Inspiration der Bibel
Gottes natürliche Art zu reden 71
Der
Hase -(k)ein Wiederkäuer?
Was Theologen und Biologen dazu sagen 76
Die
historisch-kritische Theologie und das Alte Testament
Literarkritik und "Quellenscheidung" 86
Die Kritik an den Mosebüchern 88
Die Schwächen der Pentateuch- und Literarkritik 90
Wurzeln und Früchte der Kritik 95
War
Jona ein falscher Prophet
Was ein Wort ausmachen kann! 98
Der
Gottesname "JaHWäH" und die Bibelkritik
Vorurteile und mangelnde
Sorgfalt 105
Gottesnamen und
"Quellenscheidung" 117
Die Aussprache des Gottesnamens 122
Stammt
die Bibel aus Babel?
Die "Ur"-Schrift der
Bibel ist älter! 124
Biblische
"Quellenscheidung"
Mose als Redaktor 129
Meine
Erfahrungen mit der Universitäts-Theologie
Den "kindlichen Glauben
zerstören"! 139
Professor
Eta Linnemann und das Neue Testament
Die kritische Theologie aus der
Sicht eines Insiders 147
Der
"Bibel-Code"
Eine Ent-Täuschung 155
Die
Glaubwürdigkeit der Bibel
Eine ernsthafte Prüfung
"von Anfang an" 166
Der Text des ersten Kapitels
der Bibel 167
Der Schlüssel zum Verständnis
des "Schöpfungsberichtes" 173
Eingetroffene
Prophetien der Bibel
Das Schicksal Israels und das
Leben Jesu 180
Vorhersagen der Bibel für die
heutige Zeit und die Zukunft 189
Das
Weltbild der Propheten
Boten können mehr sagen, als
sie wissen 195
Hat sich das das babylonische
Weltbild
in die Bibel eingeschlichen? 204
Wenn
Gläubige nicht glauben
Fortschritt ist notwendig und
möglich - auch bei Gläubigen! 206
Die
Einteilung der Bibel in Verse und Kapitel
Menschliche Hilfen, Hindernisse
und Spielereien 220
Bibel
oder / und Naturwissenschaft
Schatzsuche auf biblischem
Boden 224
Weiterführende
Literatur (gratis)
Glaube und Naturwissenschaft,
Bibelauslegung usw. 227
Den Glauben behalten
ohne den Verstand zu verlieren
Brüder, seid nicht Kinder am Verstand,
sondern an der Bosheit seid Unmündige,
am Verstand aber seid Erwachsene!
1.Korinther
14:20
... hat
über tausend Seiten,
ungefähr
3 Millionen Buchstaben,
etwa
774.000 Worte,
31.102
Verse und 1.189 Kapitel.
Man
benötigt etwa 38 Stunden, um das Alte Testament,
und
ungefähr elf Stunden, um das Neue Testament durchzulesen.
Das
sind also insgesamt 49 Stunden für die ganze Bibel.
Wenn
man die Bibel in gewöhnlicher Sprechgeschwindigkeit vorlesen will, benötigt man
etwa 70 Stunden.
Liest
man täglich vier Kapitel, so kommt man in einem Jahr (365 Tage) gut durch
die ganze Bibel.
Echtes Gold ...
...
wird nicht vergoldet, Diamanten werden nicht angemalt -
ebenso kann man die Bibel nicht verbessern.
Es ist
nicht nötig, eine Lampe anzumachen,
um die
Sonne zu sehen.
So ist
es auch mit der Bibel: Sie trägt das Siegel Gottes.
Jeder,
der sich ihr aufrichtig nähert,
empfindet
die in ihr enthaltene Macht und Majestät.
Die Bibel selber erleuchtet -
alle, die sich von ihr die Augen öffnen lassen!
Die angespülte Bibel
In
einem heftigen Sturm ging ein deutscher Dampfer in der Nähe der spanischen
Küste unter. Ein paar Tage später wurden einige Wrackteile und Kleidungsstücke
der Matrosen angespült. In einer Tasche steckte ein Neues Testament, auf dessen
Umschlag zu lesen war:
Markus
Rotmann, Kolkwiese 12, Hamburg.
Das
erste Mal gelesen auf Bitten meiner Schwester Lotte.
Das
zweite Mal gelesen aus Angst vor dem Gericht Gottes.
Das dritte und alle anderen Male gelesen aus Liebe zu meinem Heiland Jesus
Christus.
Wir brauchen die Bibel nicht zu verteidigen.
Eine
Löwe verteidigt sich selbst.
Es ist
eher umgekehrt: Die Bibel greift die Menschen an!
Sie
sagt ihnen genau, was mit ihnen los ist.
Darum
fürchten sich so viele vor ihr.
Gottes
Wort ist die reine Wahrheit, die den Menschen tief in seinem Gewissen anspricht
und ihm keine Ruhe lässt.
Deshalb
versuchen viele, die Bibel los zu werden -
so wie
ein Verwahrloster den Spiegel zerschlagen will,
der ihm
zeigt, wie ungepflegt und schmutzig er ist.
Lege
alle Bücher, die schon gegen die Bibel geschrieben wurden, aufeinander, und du
hast einen Stapel, höher als der Kölner Dom.
Lege
dann die Bibel daneben.
Sie ist
unversehrt.
Sie ist
Sieger und überlebt alle ihre Feinde.
Die kleinste gedruckte Bibel ...
Ist so
lang wie ein Streichholz:
Sie
misst 4 1/2 cm Länge, 3 cm Breite und ist 2 cm dick.
Das
Büchlein wurde in England gedruckt und hat 878 Seiten.
Mit
einer Lupe kann man alles gut lesen.
Diese
Bibel wiegt nur 20 Gramm.
Die größte Bibel der Welt
Ein
Tischler aus Los Angeles hat zwei Jahre lang täglich bis in die Nacht hinein
gearbeitet, um eine Bibel ganz aus Holz herzustellen.
Jedes
Blatt ist ein dünnes Holzbrett, in das die Buchstaben eingeprägt sind.
Das
Buch enthält 8.048 Seiten, hat ein Gewicht von 547 kg, und eine Dicke von 2,5
Metern.
Copyright
by
Verbreitung
der Heiligen Schrift
D-35713
Eschenburg
Ein
falscher Skeptizismus gegenüber der Bibel
Immer wieder waren es die Nicht-Theologen, in
diesem Fall die Archäologen, die die stärksten Argumente für die
Zuverlässigkeit des Bibeltextes lieferten, während die Theologen ständig
herummäkelten:
Zum Beispiel wurde angenommen, dass die Schreibkunst im Palästina der
mosaischen Zeit unbekannt war und dass der Pentateuch demzufolge erst im
zehnten oder neunten Jahrhundert v. Chr. geschrieben worden sein konnte. Hinweise
auf Hetiter wurden ungläubig zur Seite geschoben und als reine Erfindung
seitens der späten Verfasser der Tora verurteilt; das gleiche galt für die
Horiter und selbst für die Historizität Sargons II. (722-705 v. Chr.), da bis
dahin noch keine außerbiblischen Bezugnahmen auf ihn vorlagen. Die Echtheit
eines Königs wie Belsazar (im Daniel-Buch) wurde für unmöglich gehalten, weil
kein griechischer Autor ihn erwähnte und so erklärte man den biblischen Bericht
als falsch.
Doch:
Seit den Tagen Hupfelds, Grafs und Kuenens haben archäologische
Entdeckungen den Gebrauch einer alphabetischen Schrift in den
kanaanitisch-sprechenden Kulturen vor 1.500 v. Chr. bestätigt und zahlreiche
Urkunden zu Tage gefördert, die das Vorhandensein und die große Bedeutung
sowohl der Hetiter und Horiter (oder Hurier, wie sie häufig genannt werden)
bestätigten, sowie Keilschrift-Tafeln, die den Namen Belsazars enthielten. Immer
wieder wurde in solchen Fällen, in denen angebliche historische Ungenauigkeiten
vorlagen, die dann als Beweis für die späte und gefälschte Verfasserschaft der
biblischen Urkunden dienten, der hebräische Bericht durch Ergebnisse jüngst
erfolgter Ausgrabungen als richtig bestätigt und die zynischen Urteile der
Urkundenhypothese als unbegründet entlarvt. (Gleason L.Archer, jr.,
EINLEITUNG IN DAS ALTE TESTAMENT Band 1, Bad Liebenzell, Verlag der
Liebenzeller Mission, 1987, ISBN 3-88002-300-X, Abkürzung: aeat, Seite 211,212)
"Zudem hatte er (Mose) gerade eine Kultur verlassen, in der die
Schreibkunst eine derartige Verbreitung gefunden hatte, dass sogar
Toilettenartikel, die von Frauen im Haushalt verwandt wurden, mit
entsprechenden Vermerken versehen wurden. Das Schreiben sowohl in hieroglyphischer
als auch in hieratischer Schrift war so vorherrschend im Ägypten Moses, dass es
absolut unwahrscheinlich anmutet, wenn er keine seiner Beobachtungen
schriftlich niedergelegt hätte (wie selbst die Kritiker im zwanzigsten
Jahrhundert behaupten), wo er doch die großartigsten und wichtigsten
Begebenheiten aufzuzeichnen gehabt hatte, die in der Gesamtheit der
menschlichen Literatur ihresgleichen suchen. Zu einer Zeit, da selbst die
ungelernten semitischen Sklaven, die in den ägyptischen Türkis-Minen in Serabit
el-Khadim arbeiteten, ihre Gedanken in die Tunnelwände einritzten, wäre es
ziemlich unvernünftig anzunehmen, dass ein Führer mit dem Hintergrund und der
Erziehung eines Mose ein Analphabet gewesen sein soll, der nicht einmal in der
Lage war, auch nur ein einziges Wort zu schreiben." (aeat 148-149)
Wahre
"Experten"
Es wäre aber unfair, alle Theologen über einen
Kamm zu scheren. Es gab auch unter ihnen viele, die sich gegen eine
voreingenommene Kritik wandten. Und sie waren bei weitem nicht leichtgläubige
oder halbinformierte Wunschdenker, sondern gerade sie waren oft wirkliche
Experten. Prof. Robert D.Wilson (1856-1930) z.B. war ein so gründlicher Kenner
der semitischen Sprachen, dass er - so unglaublich es klingen mag - über
vierzig von ihnen beherrschte. Er berichtet:
Als ich noch Theologie studierte, pflegte ich mein Neues Testament in neun
verschiedenen Sprachen zu lesen. Ich lernte es auf Hebräisch auswendig, so dass
ich es ohne Auslassung einer einzigen Silbe aufsagen konnte; das gleiche galt
für die Psalmen Davids, Jesaja und andere Teile der Schrift ... und ich
entschloss mich, sämtliche Sprachen zu lernen, die Licht auf das Hebräische
werfen, alle damit verwandten Sprachen, sowie schließlich auch alle Sprachen,
in welche die Bibel bis 600n.Chr. übersetzt wurde, so dass ich in jedem Fall
den Text jeweils selbst würde untersuchen können. ...
Nachdem ich die notwendigen Sprachen gelernt hatte, machte ich mich an die
Untersuchung jedes einzelnen Konsonanten des Hebräischen Alten Testamentes. Es
gibt davon etwa eineinviertel Millionen, und ich benötigte viele Jahre für
diese Aufgabe. ... Das Ergebnis dieser dreißigjährigen Studien, die ich auf den
Text verwandt habe, ist folgendes: Ich kann gesichtert behaupten, dass es keine
Seite im Alten Testament gibt, bezüglich der wir auch den geringsten Zweifel
haben müssten. Wir können absolut sicher sein, dass wir substantiell den Text
des Alten Testamentes haben, den Christus und seine Apostel hatten, und der von
Anfang an in dieser Form existiert hat. (Aus: Alois Wagner "Die
Zukunft hat begonnen - An der Schwelle einer neuen Weltordnung? Christliche
Literaturverbreitung e.V., Postfach 11 01 35, 4800 Bielefeld 11, 1991. Abkürzung:
wzhb, Seite 32-37)
Aus Platzgründen sei nur ein Beispiel aufgeführt,
das die Zuverlässigkeit des hebräischen Bibeltextes dokumentiert:
Wenn jemand etwas gegen die Bibel sagt, fragen Sie ihn nach den darin
erwähnten Königen. Dort werden 29 Könige von Ägypten, Israel, Moab, Damaskus,
Tyrus, Babylon, Assyrien und Persien erwähnt und zwar aus zehn verschiedenen
Ländern. Diese alle werden sowohl in der Bibel als auch auf zeitgenössischen
Monumenten der betreffenden Länder genannt ... Diese 29 Eigennamen enthalten
insgesamt 195 Konsonanten. Aber wir finden in den Dokumenten des Alten
Testaments nur zwei oder drei aus den ganzen 195, bei denen es überhaupt
fraglich ist, ob sie in genau der gleichen Weise geschrieben sind wie auf ihren
eigenen Monumenten. Einige von ihnen gehen 2000 Jahre zurück, andere 4000 - und
doch sind sie so geschrieben, dass jeder einzelne Buchstabe klar und korrekt
ist. ... Jeder einzelne hat in der Bibel seinen richtigen Namen, wird seinem
richtigen Land zugeordnet, und in der korrekten chronologischen Abfolge
genannt! Denken Sie einmal nach, was das bedeutet! ... Das ist ohne Zweifel ein
gewaltiges Wunder.
Nehmen wir die von dem größten Gelehrten seines Zeitalters, dem
Bibliothekar von Alexandria im Jahr 200 v.Chr. verfasste Liste. Er stellte
einen Katalog der Könige von Ägypten zusammen, insgesamt 38; und von diesen 38
sind nur drei oder vier identifizierbar! Er machte auch eine Königsliste von
Assyrien; hier können wir nur bei einem Namen feststellen, wer gemeint ist, und
selbst der ist nicht richtig buchstabiert! Oder nehmen wir Ptolemäus, der ein
Register von 18 babylonischen Königen zusammengestellt hat... Kein einziger ist
richtig buchstabiert, und man könnte keinen identifizieren, wüssten wir nicht
aus anderen Quellen, auf wen oder was er sich bezieht. (Aus:
Alois Wagner "Die Zukunft hat begonnen - An der Schwelle einer neuen
Weltordnung? Christliche Literaturverbreitung e.V., Postfach 11 01 35, 4800
Bielefeld 11, 1991. Abkürzung: wzhb, Seite 37-38)
Die
"kritische" Theologie
So weit, so gut. Doch wie kommt es, dass
ausgerechnet die Hochschultheologie zu so anderen Ergebnissen kommt und
letztlich dem Zweifel an der Bibel Vorschub leistet? Verwendet sie nicht auch
wissenschaftliche Methoden? Kann es sein, dass die Gelehrten an den
Universitäten sich derartig irren, obwohl sie doch auf Kenntnisse des
Grundtextes und oftmals jahrelange Ausbildung zurückgreifen können?
Da der Einfluss der historisch-kritischen
Theologie in den westlichen Ländern fast allgegenwärtig ist und dabei mehr oder
weniger offen den Anspruch erhebt, den einzig gültigen Ansatz zu einem
objektiven Umgang mit dem Bibeltext zu repräsentieren, gehe ich weiter hinten
ausführlicher auf das Thema Theologie ein.
Was können wir
von den Naturwissenschaften lernen?
Der
große Unterschied
Wenn ich Physik studieren möchte, gibt es dafür an
der Universität nur eine Möglichkeit, denn es gibt nur eine Physik! Der Grund
ist, dass in der Physik wissenschaftliche Methoden angewendet werden, aufgrund
derer es zu einer Verständigung und Einheit unter den Forschern kommt. Die
wissenschaftlichen Methoden führen zu übereinstimmenden Erkenntnissen.
Nicht so in der Theologie: Hier muss ich von vorne
herein eine Entscheidung treffen, ob ich katholische oder evangelische
Theologie studieren möchte. Und durch all das Studieren und Forschen kommt doch
keine Einheit zustande, es bleiben die unterschiedlichen Lehrmeinungen. Diese
kann man mit verschiedenen philosophischen Denkrichtungen vergleichen, die auf
persönlichen Vorlieben und Vorurteilen beruhen. So gibt es weltweit nicht nur
katholische und evangelische Fakultäten, sondern auch anglikanische,
methodistische, baptistische usw.
Welche Methode können wir anwenden?
In den Naturwissenschaften konnten im Laufe der
Vergangenheit gewaltige Erfolge erzielt werden, die Natur besser zu verstehen
und diese Erkenntnisse auch anzuwenden. In der Theologie dagegen sehen wir uns
heute mehr denn je einem chaotischen Wirrwar von widerstreitenden Meinungen
gegenüber, die außerdem größtenteils in der Praxis scheitern. Warum lernen wir
also nicht von den Naturwissenschaften und versuchen, dieselben Methoden, die
sich dort bewährt haben, sinngemäß auf die Bibel anzuwenden?
Vertrauen und Prüfen
als Grundlage von Wissenschaft
Forschungsmethoden
in den Naturwissenschaften
und den sogenannten "Geisteswissenschaften"
Es fällt auf, welche Fortschritte die Naturwissenschaften
gemacht haben, mit gewaltigen Auswirkungen auf die Technik und alle materiellen
Dinge des Lebens. Man konnte durch die Zusammenarbeit aller Wissenschaftler ein
harmonisches System errichten, auf das man bauen kann und das eine immer
fortschreitende Vervollkommnung erlaubt. Man folgt dabei lediglich einem
einzigen Weg, der zur Wahrheit zu führen scheint.
Dagegen ist in Philosophie und Theologie
kaum ein Fortschritt zu beobachten, und es bestehen krasse Gegensätze zwischen
den verschiedenen Systemen, so dass diese die Denker und Gläubigen
untereinander trennen. Man folgt getrennten Wegen, die deshalb in der Regel von
der Wahrheit abweichen. Woher kommen diese Unterschiede?
Die Antwort ist, dass die Naturwissenschaft die
natürliche Methode beibehalten hat, die es einem jungen Kind erlaubt, sich im
Beginn seines Lebens schnell zu entwickeln, um sich der Wirklichkeit bewusst zu
werden, von der es selbst einen Teil ausmacht. Bei näherer Untersuchung stellt
sich heraus, dass diese natürliche Methode, aus der die Gelehrten eine
"wissenschaftliche" gemacht haben, mehr oder weniger bewusst auf
folgenden Grundsätzen beruht:
1. Durch
einen vorangehenden Glauben gibt man das Bestehen eines realen Weltalls zu, das
ohne innere Widersprüche und für uns mehr oder weniger begreifbar ist. Man
schließt nichts von vorne herein aus.
2. Man
nimmt ohne Vorurteile und ohne die Einmischung von parteiischen Gefühlen
Kenntnis von den Einzelbereichen des Weltalls. Ausgehend von diesen
Einzelbereichen versucht man, zu einer Synthese zu kommen, das Weltall zu
rekonstruieren. Begegnet man Schwierigkeiten, Gegensätzen oder sogar
scheinbaren Unmöglichkeiten, so geht man demütig davon aus, dass diese
Hindernisse der eigenen Unvollkommenheit oder einer vorläufigen Hypothese
(Vorunterstellung) zuzuschreiben sind, die von der Wahrheit abweicht. Niemals
würde man deswegen den Glauben an die Harmonie des Weltalls im Stich lassen. Sowohl
das "Kind", als auch der "Mann" der Wissenschaft opfern
also dergleichen Vorstellungen, sie "bekehren" sich, sie geben ihre
menschliche Schwachheit zu und kommen so zu einer besseren Lösung.
3. Dies
setzt eine gewisse Demut und unüberwindliche Liebe zur Wahrheit voraus, die
dazu ermutigt, sich selbst aufzugeben, sich selbst nicht als Mittelpunkt des
Weltalls zu betrachten und nicht alles an der eigenen Mittelmäßigkeit zu
messen.
4. Man
folgt also der Methode von Glaube und Liebe, aber einem vernünftigen
Glauben, der alle Fähigkeiten des Geistes zu ihrem Recht kommen lässt.
Die Naturwissenschaft konnte solch gute Ergebnisse
erzielen, weil sie auf ihrem beschränkten Gebiet der natürlichen Dinge, der
Methode von Glaube und Liebe gefolgt ist. Warum konnte ein derartiger
Fortschritt nicht auch in den anderen Wissenschaften erreicht werden, vor allem
in der Philosophie und der Theologie?
Weil sich hier zwei Einflüsse in viel stärkerem
Maße geltend machen: der von äußerem Ursprung, das Böse in der Welt, und der
von inwendigem Ursprung, das Böse im "Ich", in mir. Gerechterweise
muss man jedoch zugeben, dass das Gebiet der Natur für den Menschen besser
zugänglich ist - zumal sein Geist "dem Staub zugewandt" ist - als das
Gebiet, mit dem Philosophie und Theologie sich befassen.
Wissenschaftlicher
Umgang mit der Bibel
Da wir erkannt haben, zu welch schnellen
Fortschritten die natürliche oder wissenschaftliche Methode führt, wollen wir
versuchen, sie auf das Studium der Bibel anzuwenden. Wir wollen offen dafür
sein, dass die Bibel sich von allem unterscheidet, was Menschen hervorgebracht
haben. Wir glauben also erst einmal ihrem Selbstzeugnis und sehen dann, was
sich daraus ergibt. Allerdings wirken gleichzeitig andere Kräfte in
entgegengesetzter Richtung, zum Beispiel manche Weltanschauungen unserer
Gesellschaft, eventuell unsere Erziehung und nicht zuletzt die angeborene
Selbstsucht. Zu einer objektiven Haltung gehört auch, dass man es für möglich
hält, dass die Zweifel an der Bibel oft lediglich Auslegungen der
Schrift betreffen, aber nicht notwendigerweise die Schrift selbst. Will man die
wissenschaftliche Methode auf die Untersuchung der Bibel anwenden, muss man
also:
1. Den
Glauben an die Einheit und die Glaubwürdigkeit der Bibel haben, oder
zumindestens einen "vorläufigen Glauben", also das, was man in der
Wissenschaft eine "Arbeitshypothese" nennt.
2. Die Liebe zur Wahrheit, zur ganzen Wahrheit
haben; man muss also bereit sein, nötigenfalls auch seine eigenen Überzeugungen
und alle Überlieferungen menschlichen Ursprungs aufzugeben.
Unserer Meinung nach hat die moderne Bibelkritik
einen grundlegenden Fehler begangen: Nicht etwa, indem sie
"kritisierte", also die Gegebenheiten mit Hilfe des aufrichtigen
Verstandes untersuchte, oder indem sie verkehrte Auslegungen abschaffte,
sondern vielmehr, indem sie voraussetzte, die Wissenschaft gründe sich auf die
Methode: erst Studium - dann Glaube, und indem sie diese Methode dann auf die
Untersuchung der Bibel anwandte. Die wissenschaftliche Methode kann man jedoch
wie folgt zusammenfassen:
1. Ein allgemeiner Glaube in die Einheit und Begreifbarkeit des
Studienobjektes.
2. Eine Untersuchung, die von der Liebe zur Wahrheit geleitet wird.
3. Glaube auch in
Bezug auf die Teilbereiche.
Die moderne Kritik hat den ersten Punkt aus dem
Auge verloren und bestreitet heftig den vorangehenden Glauben an die Einheit
und Glaubwürdigkeit der Bibel.
Zu diesem wichtigen Ergebnis gekommen, wird man in
der Folge versuchen, die Schrift gewissenhaft zu studieren und die Schrift
durch die Schrift zu erklären, wie auch der Wissenschaftler die
Gegebenheiten in der Natur "naturwissenschaftlich" erforscht
und zu erklären versucht. Durch die konsequente Anwendung der
wissenschaftlichen Methode kann man eine "Bibel - Wissenschaft"
betreiben, die der Wahrheit stets näher kommt. Auch verschiedene Forscher
könnten zu annähernder Übereinstimmung kommen, wenn sie - nötigenfalls unter
Preisgabe eigener, liebgewonnener Vorstellungen - dieser Methode folgten und
sich stets durch die Wahrheit korrigieren ließen.
Vorurteile
und liebgewonnene Überzeugungen aufgeben
Da wir versucht haben, diese Methode anzuwenden,
darf der Leser sich nicht verwundern, wenn wir bestimmte überlieferte
Ideologien und menschliche Auslegungen aufgeben. Wir können uns in seine Lage
versetzen, wenn von ihm verlangt wird, eine Anschauung aufzugeben, die ihm lieb
und während etlicher Jahre segensreich war, denn auch wir mussten des öfteren
eigene Vorstellungen opfern. Aber ist die Wahrheit diesen Preis nicht wert? Anfangs
glaubt man oft, wertvolle Dinge zu verlieren, doch später erkennt man den
gewaltigen Gewinn, den man gemacht hat, indem man aufgab, was lediglich zum
Teil Wahrheit ist, und vielleicht ein ernstes Hindernis für das geistliche
Leben darstellt:
Ich war ... der Gerechtigkeit nach, die im
Gesetz ist, untadelig geworden. Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe
ich um Christi willen für Verlust gehalten. Ja wirklich, ich halte auch
alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu,
meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für
Dreck halte, damit ich Christus gewinne. Philipper 3:6-8
Diese Methode zeigt gute Ergebnisse, sobald wir
ihr bei der Untersuchung der Bibel folgten. Sie kann einen Großteil der
theologischen Schwierigkeiten beseitigen, die die Gläubigen entzweien, und
ermöglicht die Synthese eines "Systems", das umfassender ist als die
bisherigen, das nicht nur dem Verstand, sondern auch unserem "Herzen"
Rechnung trägt und es befriedigt. Man hat auf diese Weise Zugang zu einem
starken und genau der Schrift entsprechenden Glauben. Man kann rasch
voranschreiten auf dem Heilsweg, wodurch eine innerliche, geistliche
Gemeinschaft mit Gott ermöglicht wird.
Ein
Wort an Theologen
Zuerst ein Wort an die Adresse einiger moderner
Theologen, die denken, der Glaube an die Schrift als oberste Autorität stehe im
Widerstreit mit den Forderungen des Geistes. Sie stellen den
"Buchstaben" dem "Geist" der Schrift gegenüber.
Wenn aber Gott der Autor der Bibel ist, warum
nehmen wir dann nicht das als oberste Autorität an, was Gott als richtig
erachtet, und uns deshalb wissen lässt?! Ist es dann nicht nur vernünftig, wenn
wir uns diesem Worte beugen?! Die Forderung des Geistes kann doch nicht darin
bestehen, die Wahrheit zu verwerfen! Der "Buchstabe" richtet sich an
unseren Verstand, er dient als Zwischenglied, als Übermittler. Wenn man von
geistlichen Dingen spricht, so müssen sie mit der erlebten Wirklichkeit, mit
der Erfahrung und dem Verstand in Einklang gebracht werden können, bevor man
sie begreifen kann. Dass manche Menschen hierbei möglicherweise zu eng am
einzelnen "Buchstaben" haften geblieben sind, lässt sich nicht
bestreiten. Doch ist dies kein Grund, deshalb den "Buchstaben"
preiszugeben und nur noch den "Geist" übrigbehalten zu wollen.
Der "Buchstabe" ist an unseren Verstand
angepasst, der nicht in der Lage ist, die Wahrheit unmittelbar zu erfassen,
weil der Mensch gefallen und sein Verstand verfinstert ist. Gott wirkt in uns,
aber er offenbart uns nicht alles auf einmal. Dieser Zustand entspricht ganz
der natürlichen Welt, in der unser Geist, unsere Sinne zum Beispiel hören, sehen
usw. als Werkzeuge benützen muss. Wir sind nicht fähig, uns mit unserem eigenen
Bewusstsein ein mehr als sehr verschwommenes Bild von der Wahrheit zu machen. Der
Geist Gottes erleuchtet unseren Geist - nicht, damit wir eine nur uns
betreffende Offenbarung verstehen, sondern all das, was er ein für
allemal einigen auserwählten Menschen und darauf durch sein geschriebenes Wort
genau geoffenbart hat.
Die rein "verstandesmäßige" Kenntnis des
"Buchstabens" kann alleine natürlich nicht befriedigend sein, aber andererseits
ist es eine unentbehrliche Voraussetzung, dass man den "Buchstaben"
verstandesmäßig annimmt, um erfahren zu können, was Gott geoffenbart hat, und
um den Herrn mehr als auf eine sehr vage Art und Weise zu lieben:
Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht
versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war. Dieser
ist es, bei dem an den Weg gesät ist. Matthäus 13:19
Unsere Liebe hängt davon ab, wie gut wir die
geliebte Person kennen, und selbst der Apostel Paulus strebte danach, den Herrn
besser kennenzulernen. Die Schrift ist also nicht das Endziel, sondern ein
Mittel - und zwar ein unentbehrliches Mittel. Da Gott selbst zu uns spricht,
mit vollkommen genauen Worten, können wir einen erleuchteten Glauben haben und
uns vieler Besonderheiten sicher sein. Wäre die Bibel dagegen eine Sammlung
fehlbarer Zeugnisse oder noch nicht ganz ausgereifter Lehrsätze, die Menschen
mit Hilfe ihres "religiösen Bewusstseins" aufgestellt haben, so
könnten wir niemals wissen, ob und wann über bestimmte Fragen wahre Aussagen
gemacht werden. Wenn man konsequent ist, bleibt dann nur noch eine
verschwommene, mehr oder weniger "christliche" Frömmigkeit übrig.
Da man gleichzeitig weit davon entfernt ist, das
Autoritätsprinzip abzuschaffen, wird der Berufstheologe die Neigung entwickeln,
seine menschliche Autorität an die Stelle der höchsten Autorität, nämlich der
des Wortes Gottes, zu setzen. Die Gläubigen unterstellen sich dann der Leitung
bestimmter Autoritätsträger, seien es Einzelpersonen oder Gemeinschaften, und
das "Glaubensbekenntnis" einer Kirche oder Sekte soll dann den Platz
der Schrift einnehmen.
Ein
Wort an die "einfachen Gläubigen"
Warum all diese Komplikationen, diese Hinweise auf
die Wissenschaft, die Philosophie und die Theologie? Warum nehmen wir nicht
"einfach" an, was die Bibel lehrt? Lasst uns Missverständnisse
vermeiden. Es gibt auf der einen Seite eine Einfachheit, die sich darin zeigt,
dass man der Wahrheit nicht dadurch widersteht, dass man ihr seine eigenen
Ideen und Vorstellungen gegenüberstellt. Diese Einfachheit schließt das Denken,
die Vernunft und eine gewisse Kritik keinesfalls aus. Ist doch auch der Bereich
des Göttlichen auf Vernunft gegründet und muss selbst der kritischsten
Untersuchung standhalten können. Wenn Gott durch seinen Geist in uns wirkt,
dient dies nicht dazu, uns dumm zu machen, sondern, im Gegenteil, unseren
Verstand und unsere Vernunft zu erleuchten.
Wir müssen aber Auslegungen dem Worte
gegenüber eine sehr kritische Haltung einnehmen, auch wenn sie von
"Autoritäten" stammen. Es gibt also eine "Einfachheit", die
die Wahrheit annimmt, wenn sie offenbar wird, die alle Fähigkeiten des Geistes
berücksichtigt und ausnützt. Zwar verlangt die Schrift von uns, so einfältig zu
sein wie die Kinder, aber es geht dabei nur um die Eigenschaften, von denen wir
soeben sprachen, und die dafür sorgen, dass wir für die Wahrheit empfänglich
bleiben. Es wird also nicht verlangt, jegliche Vernunft und jeglichen Verstand
abzulegen. Der Apostel Paulus sagt dies ganz deutlich:
Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an
der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene. 1.Korinther 14:20
Auf der anderen Seite gibt es eine Schlichtheit,
die eigentlich Leichtgläubigkeit ist, die allzuleicht Irrtümer übernimmt, die
keine ausreichenden Anstrengungen unternimmt, um vollkommen zu begreifen, was
Gott uns erkennen lassen will. Dabei fordert die Bibel selbst uns immer wieder
auf, zu prüfen und nachzudenken; hier einige Schriftstellen dieser Art:
Ich rede als zu Verständigen; beurteilt ihr, was
ich sage. l.Korinther 10:15
Prüft aber alles, das Gute haltet fest! Thessalonicher
5:21,22
Befleißige dich, dich Gott bewährt darzustellen
als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit in
gerader Richtung schneidet. 2.Timotheus 2:15
Sie untersuchten täglich die Schriften, ob es sich
also verhielte. Apostelgeschichte 17:11
Ohne Zweifel spricht die Schrift in vielen Fällen,
wenn es um sehr wichtige und grundlegende Dinge geht, so deutlich, dass jeder
Bereitwillige es ohne weiteres verstehen kann. Jeder Mensch kann auf diese
Weise lernen und die ersten Schritte auf dem Heilsweg gehen. Es wird jedoch
schwieriger, wenn es darum geht, die weiterführende Lehre gut zu begreifen,
wenn von Institutionen, Vorschriften, Gebräuchen und dem gesellschaftlichen
Leben die Rede ist. Es genügt nicht, zu sagen, dass dieses oder jenes in der
Bibel steht. Man muss sehr genau unterscheiden, an wen bestimmte Worte
gerichtet wurden, und um welche "Heilszeit" es sich handelt. Gott
selbst verändert sich zwar nie, aber die Umstände auf der Erde verändern sich;
dementsprechend führt Gott auch auf verschiedene Art und Weise.
Er spricht auch zu dem geistlichen Kind nicht so
wie zu dem vollerwachsenen Mann. Seine Vorschriften wurden nicht immer und
einem jeden gegeben. So muss das Volk Israel Gesetze und Vorschriften beachten,
die in dieser Absolutheit für die Nationen nicht gelten. Es gab eine Zeit, in
der die Jünger des Herrn nichts mit sich nehmen durften, wenn sie auf Reise
gingen - nicht einmal Geld und vor allem keine Waffen. Zu einem anderen
Zeitpunkt änderte jedoch der HERR selbst diese Anweisung, vergleiche Lukas
22:35-36 mit Lukas 9:3. Es ist also nicht genügend, den einen oder anderen Text
auszusuchen und anzuwenden, egal auf wen und welche Zeit. Man muss die Bibel
als eine Gesamtheit sehen, in der jedes Teil seinen richtigen Platz hat. Man
muss also die Schrift studieren und Studierender bleiben.
Aber dieses Problem hat noch eine andere Seite. Die
Bibel drückt in normaler, menschlicher Sprache aus, was Gott uns sagen will. Deswegen
wurden die Naturerscheinungen so beschrieben, wie sie sich dem Menschen
darstellen: "Die Sonne geht auf". Es ist keineswegs ein Fehler oder
Irrtum, sich auf diese Art und Weise auszudrücken, solange man nicht behauptet,
die Erscheinung objektiv zu beschreiben, wie sie in der Wirklichkeit abläuft. Es
ist verständlich, dass Gott sich der gängigen Sprache bedienen
"musste", um verstanden zu werden. Diese Sprache kennt auch viele
Stilfiguren und Redewendungen.
Nun wir müssen die Schrift zwar buchstäblich
auffassen, doch es besteht auch eine Gefahr, wenn man gewisse subjektive
Ausdrücke und Sprachfiguren zu buchstäblich auffassen. Man erinnere sich an das
Drama, als es um die Frage ging, ob die Erde unbeweglich ist oder nicht: Weil
man an einer zu buchstäblichen Auslegung der Schrift festhielt, meinte man, die
Erde sei unbeweglich und verurteilte den Mann, der das Gegenteil behauptete. Auf
diese Weise läuft der unverständige Gläubige Gefahr, einen Irrtum zu
verteidigen!
Wichtig ist, dass wir jegliche philosophische oder
kirchliche Norm zurückstellen und die Schrift durch die Schrift auslegen. Die
wissenschaftliche Methode führt dazu, alles so buchstäblich wie möglich zu
verstehen und nur dann Bildersprache oder subjektive Ausdrucksweise
anzunehmen, wenn die Schrift selbst uns dazu Anlass gibt.
Wir müssen also "erwachsen" werden,
nicht allein in der Liebe, sondern auch im Verstand, denn Gott ist nicht nur
Liebe, sondern auch Wahrheit. Lasst uns also ganz die Wahrheit liebhaben. Die
Wahrheit ist auch ein Objekt unseres Verstandes. Man muss weder die
Liebe dem Verstand opfern, noch den Verstand der Liebe, diese beiden können
sich vielmehr nur dann entfalten, wenn sie sich gegenseitig stützen und
ergänzen.
Wissenschaftliche Bibelauslegung
1. Den
Originaltext der Bibel untersuchen
·
Es ist ein Grundsatz jeder Wissenschaft, dass ihre
Untersuchungs methoden dem Gegenstand angepasst sein müssen, dem sie sich
zuwendet: Ich kann den Mond nicht mit einer Lupe beobachten, und Bücher nicht
mit der Küchenwaage erforschen!
·
Zeitens sollen die Untersuchungsmethoden und ihre
Ergebnisse für jedermann nachvollziehbar und kontrollierbar, wiederholbar sein.
Da wir es bei der Bibel mit einem fremdsprachigen
Text zu tun haben, ist es eigentlich selbstverständlich, dass wir von der
Originalsprache ausgehen, also im Falle des Alten Testamentes den Hebräischen
Text untersuchen, im Falle des Neuen Testamentes den Griechischen.
·
Für das Alte Testament legen wir die "Biblia
Hebraica Stuttgartensia" zugrunde, die sowohl in Deutschland, an den
Universitäten, als auch weltweit als hervorragender, repräsentativer Text
anerkannt ist und sich praktisch mit demjenigen deckt, der auch vom jüdischen
Volk verwendet wird.
·
Für das Neue Testament verwenden wir den Text von
Nestle-Aland, für den sinngemäß dasselbe gilt.
2. Die
anerkannten Wörterbücher
Was liegt, wenn man einen fremdsprachlichen Text
untersucht, näher, als die anerkannten Wörterbücher zu Rate zu ziehen? Bei
aller Vorsicht, die bei ihrer Benutzung geboten ist - denn in Wörterbücher
fließen schon menschliche Lehrmeinungen und Deutungen mit ein - ist es
doch sinnvoll, den Sprachexperten, die sie verfasst haben, ein gewisses
Grundvertrauen entgegenzubringen. Jedenfalls haben sie sich jahrelang mit den
Originalsprachen befasst und dabei einiges an Wissen und Erfahrung gesammelt. Die
hier hauptsächlich verwendeten und allgemein als Standardwerke anerkannten
Lexika sind:
Altes
Testament (hebräische und aramäische Schriften)
·
Wilhelm Gesenius
HEBRÄISCHES UND ARAMÄISCHES
HANDWÖRTERBUCH ÜBER DAS ALTE TESTAMENT. Springer-Verlag,
Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962.
·
Ludwig Koehler und Walter Baumgartner
LEXICON IN VETERIS TESTAMENTI LIBROS
E.J.Brill, Leiden 1958. ISBN 9004 03522 2.
Für das
Neue Testament (Griechisch)
·
Menge und Güthling
Langenscheidts Großwörterbuch
Griechisch-Deutsch
mit Eymologie
Berlin, München, 24.Auflage 1981. ISBN 3-468-02030-9.
Wir müssen die Ausführungen der
"Experten" jedoch nicht ungeprüft schlucken, sondern wir haben
mehrere Möglichkeiten, ihre Gedanken nachzuvollziehen:
3.)
Etymologie = die Herkunft der Wörter
a.) Aus welcher Wurzel ein Wort gebildet ist,
wirft natürlich viel Licht auf die Bedeutung des betreffenden Wortes: Zum
Beispiel kommt "Gebäck" von "backen" oder xxx. So, wie man
mit einem etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache tieferen Einblick in
unseren Wortschatz bekommen kann, gilt dies auch für die Sprachen der Bibel.
b.)
Verwandte Wörter derselben Sprache
Dazu gehört auch, verwandte Wörter derselben
Sprache zu finden. In diesem Fall kann man verwandte Wörter in der Bibel suchen
und vergleichen, was sie für eine Bedeutung haben.
c.)
Verwandte Wörter in anderen, verwandten Sprachen
Schließlich kann man verwandte Wurzeln oder Wörter
anderer Sprachen heranziehen, wobei die einschlägigen Wörterbücher eine Hilfe
sind. Dabei muss man natürlich eine gewisse Vorsicht walten lassen, da hier die
Grenze zu anderen Texten und Kulturen als dem Umfeld der Bibel überschritten
wird und leicht fremdes Gedankengut in den Bibeltext hineingetragen werden
kann, das dort original gar nicht vorliegt.
3. Die
Verwendung der Wörter in der Bibel: Konkordanz
Die
natürliche Methode, mit der jedes Kind seine Muttersprache erlernt, besteht
darin, die Bedeutung einzelner Worte in immer neuen Zusammenhängen zu erfassen:
Immer wieder hören wir Wörter in verschiedenen Zusammenhängen, und so lernen
wir verstehen, was ein "Fuß-Ball" mit dem "Feuer-Ball" der
untergehenden Sonne gemeinsam hat, oder dass es sowohl den
"Frühstücks-Teller" als auch den "Hand-Teller" gibt.
Auf die Bibel angewandt bedeutet dies, dass man
alle Vorkommen eines Wortes anhand der "Konkordanz" untersucht. Dies
ist ein Buch, (heute oft auch ein Computerprogramm) das alle Stellen
wiedergibt, in denen ein Wort in der Bibel vorkommt. Es gibt sehr hilfreiche
Konkordanzen für deutsche Bibeln, aber wenn man "wissenschaftlich"
vorgehen will, muss man natürlich auf die Originalsprachen der Bibel
zurückgreifen. Hierfür gibt es sehr gute Hilfen, die es auch Menschen ohne
Hebräisch- oder Griechischkenntnisse ermöglichen, mit der Konkordanz zu
arbeiten.
Wer
einigermaßen Englisch kann:
·
Englishman’s Greek Concordance of the New Testament
·
Englishman’s Hebrew Concordance of the Old Testament
Wer
Geld hat und mit dem Computer umgehen kann:
·
Bible Works (www.bibleworks.com) - einfach super!
Um meine Auslegungen - besonders, wenn sie
von den gängigen Lehrmeinungen abweichen - für jedermann überprüfbar zu
machen, gebe ich bei zentralen Wörtern entweder alle Bibelstellen an, in denen
sie vorkommen oder verweise auf die Wörterbücher, die ja meist eine Mischung
von Etymologie und Konkordanz darstellen.
4. Der
Textzusammenhang!
Haben
wir die einzelnen Wörter so analysiert, halten wir sozusagen die einzelnen
Bausteine in Händen, die im Text jedoch in einem Gefüge eingebaut sind. Wir
dürfen sie nicht aus dem Zusammenhang reißen, sonst zerstören wir die ganze
Struktur. Vielmehr müssen wir, wie ein Archäologe bei einer Ausgrabung, die
Lage der einzelnen Fundstücke genau berücksichtigen. Es ist naheliegend, dass
wir dabei in immer weiter werdenden Kreisen arbeiten:
·
Wir beginnen mit dem unmittelbaren Satz,
·
dann betrachten wir den Abschnitt, in dem er liegt,
·
dann das größere Umfeld, z.B das Kapitel,
·
dann das ganze Buch (zum Beispiel Genesis/1.Mose bzw.
Fünf Bücher Mose), zu dem er gehört.
·
Schließlich müssen wir ihn in den Gesamtrahmen des
jeweiligen Testamentes (Altes bzw. Neues) stellen, bzw. ihn im Licht der ganzen
Bibel sehen, die ja als historisches Dokument eine Einheit darstellt und in
ihrer seit Jahrtausenden vorliegenden Fassung der Gegenstand unserer Forschung
ist.
5.
Naturwissenschaftliche Fakten, Geschichtswissenschaft
Gerade an der Übergangsstelle von der reinen
Textbetrachtung hin zur Anwendung in unserem eigenen Leben stellt sich die
Frage nach der Glaubwürdigkeit:
·
Decken sich die Aussagen der Bibel auch mit der Realität,
wie sie sich uns selber persönlich und in den gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaften
präsentiert?
·
Ist der Text der Bibel historisch richtig und
zuverlässig, stimmen seine Aussagen mit den Ergebnissen der Geschichtswissenschaften
überein?
Genau an dieser Stelle entscheidet sich oftmals,
ob wir das Wort Gottes wirklich annehmen werden oder nicht. Denn was man nicht
für wahr hält, wird man weder glauben noch in die Tat umsetzen wollen. Der
"Abgleich" mit der Realität ist auch eine wichtige Hilfe um
festzustellen, ob wir den Text richtig verstanden haben. Wenn dieser
"Test" nicht positiv verläuft, müssen wir beides überprüfen: Unser
Verständnis der Bibel und unsere Sicht der Wirklichkeit.
Gott
will nicht, dass wir leichtfertig glauben!
Jedenfalls entspricht es keinesfalls Gottes Wesen,
"blinden Gehorsam" zu fordern. Er hat uns in seinem Bilde erschaffen,
als vernunftbegabte Wesen, und er erwartet nicht, dass wir unseren Verstand
"an der Garderobe abgeben", sondern dass wir von ihm Gebrauch machen,
Markus 12:30. Im Gegenteil, Gott will nicht, dass wir Dinge leichtfertig
glauben, nur weil sie unseren Bedürfnissen zu entsprechen scheinen oder sich
gut anhören:
Prüft alles, das Gute haltet fest! 1.Thessalonicher
5:21
Glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die
Geister, ob sie aus Gott sind. Denn viele falsche Propheten sind in die Welt
hinausgegangen. 1.Johannes 4:1
Es ist bei weitem nicht alles Gold, was glänzt,
schon gar nicht auf dem Gebiet der Religion. Haben wir darum keine Scheu, an
der Fassade zu kratzen - das Echte braucht keinen Test zu scheuen:
Die Worte des HERRN sind reine Worte, Silber,
am Eingang zur Erde geläutert, sieben Mal gereinigt. Psalm 12:7
So mancher, der das Wort Gottes recht schnell und
problemlos aufnimmt, steht in der Gefahr, letztlich einen zu oberflächlichen
Glauben zu haben, der den Realitätstest nicht besteht:
Bei dem aber auf das Steinige gesät ist, dieser
ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt. Er hat aber
keine Wurzel in sich, sondern ist nur ein Mensch des Augenblicks. Sobald
Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich
Anstoß. Matthäus 13:20-21
6.
Konsequente Anwendung in der Praxis
Auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit des
Bibeltextes folgt die zweite Frage: Wie werden sich die Lehren der Bibel auf
mein Leben und letztlich die ganze Gesellschaft auswirken, wenn ich sie
umsetze?
Das Reich Gottes gleicht einem Sauerteig, den eine
Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war. Lukas
13:21
Es ist nur vernünftig, sich Gedanken zu machen,
welche Folgen unser Tun haben wird:
Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will,
setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur
Ausführung habe? Lukas 14:28
In jedem Fall ist eine gefährliche Sache, sich
theoretisch mit Gottes Wort zu befassen, ohne es im eigenen Leben auch
praktisch anzuwenden:
Seid aber Täter des Wortes, und nicht
allein Hörer, die sich selbst betrügen! ...
Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineingeschaut hat
und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des
Werkes ist, dieser wird glückselig sein in seinem Tun. Jakobus 1:22, vergleiche
Matthäus 23:3
Wissen
ist wichtig - Gewissen auch!
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich gezeigt, dass
das größte Hindernis für wissenschaftlichen Fortschritt nicht so sehr mangelnde
Bildung war, sondern der Charakter der Forscher, Lehrer und Machthaber:
Sturheit, Angst vor Veränderungen, der Stolz, Bequemlichkeit, Ansehen bei den
Menschen. Damit ist klar, dass die größten Hindernisse für das richtige
Verständnis der Bibel nicht in der Güte des Textes oder der Wörterbücher
liegen, sondern in uns selbst: Unsere eigenen Vorurteile und inneren
Festlegungen, wie können wir sie überwinden?
Lernen wir von den Naturwissenschaftlern: Sie
haben sich immer und immer wieder mit der Natur beschäftigt, und sie waren aus
Liebe zur Wahrheit bereit, dazuzulernen, und zwar sowohl von ihren
Forscherkollegen als auch von der Natur selber. Wenn wir uns beharrlich mit dem
Wort Gottes beschäftigen und ebenfalls bereit sind, uns "etwas sagen zu
lassen", und zwar sowohl von Gott als auch von anderen Gläubigen, dann
werden wir neue Erkenntnisse machen, mit befreienden Folgen für unser ganzes
Leben:
Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr
wirklich meine "Lehrlinge" (= Lernen und Tun).
Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! Johannes
8:31-32
Die Worte des HERRN sind reine Worte - Silber, am
Eingang zur Erde geläutert, siebenmal gereinigt. Psalm 12:7
In der
Regel sind genaue Übersetzungen wie die deutsche Elberfelder Bibel ein
hervorragendes Mittel, um die Bibel zu verstehen. Aber der Originaltext der
Bibel enthält immer wieder Feinheiten, die schwer direkt zu übertragen sind
oder aber auch einfach aus menschlicher Begrenztheit beim Übersetzen verloren
gegangen sind. Und sehr oft weisen die Wörter des Grundtextes eine
Bedeutungsbreite auf, die sich nicht mit den deutschen Entsprechungen deckt. Eine
gute Möglichkeit, dem Grundtext näher zu kommen, ist deshalb die Verwendung
einer Konkordanz:
Eine Konkordanz listet der Reihe nach alle Stellen
auf,
in denen bestimmte Wörter in der Bibel vorkommen.
Mit Hilfe
der Konkordanz können wir herausfinden, wie ein spezielles Wort in der Bibel
verwendet wird. Diese Methode entspricht dem Grundsatz, den Text für sich
selber sprechen und die Bibel durch sich selber auslegen zu lassen:
Wir aber haben nicht den Geist
der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge
kennen, die uns von Gott geschenkt sind.
Davon reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit,
sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches durch Geistliches deuten. 1.Korinther
2:12-13
Übrigens
ähnelt diese "konkordante Methode" der Art und Weise, wie jeder
Mensch seine Muttersprache erlernt: Er hört bestimmte Wörter immer wieder in
verschiedenen Zusammenhängen und lernt dabei ihren Bedeutungsgehalt kennen. So
versteht ein Kind sehr schnell die Grundbedeutung von "Ball", wenn es
im Laufe der Zeit einen Fußball, Handball, Tennisball kennenlernt, so dass ihm
später auch Begriffe wie "Fleischbällchen" oder "Feuerball"
keine Probleme bereiten.
Der Vorteil der Konkordanz ist, dass man sich
ziemlich unmittelbar aus dem Bibeltext heraus einen Eindruck verschaffen kann,
was die einzelnen Wörter bedeuten und wie sie verwendet werden. Man bekommt
einen Überblick über ihr biblisches Bedeutungsspektrum, das im deutschen Text
übersetzungsbedingt häufig nicht so klar herauskommt. Je genauer wir auf die
Worte achten, die der heilige Geist eingegeben hat, desto lebendiger wird die
Schrift. Doch beginnen wir am einfachsten mit einem Beispiel:
állos = anders - im
Sinne von:
nicht dasselbe, eigene, aber
von derselben Art
héteros = anders - im Sinne von:
andersartig, wesensverschieden
In der
Schrift "Was die Konkordanz lehrt" sind alle Vorkommen dieser beiden
griechischen Worte im Neuen Testament nach dem Text der Elberfelder Übersetzung
aufgelistet, állos fettgedruckt, héteros unterstrichen.
Beide Worte werden in den meisten Fällen mit "anders" übersetzt,
wodurch manchmal doch etwas verlorengeht:
Ich aber sage euch: Widerstehet
nicht dem Bösen, sondern wer irgend dich auf deinen rechten Backen schlagen
wird, dem biete auch den anderen dar. Matthäus 5:39
Die rechte Backe ist von anderer Art als die
linke. Denn um einen auf die rechte Backe zu schlagen, muss man (als
Rechtshänder) mit dem Handrücken zuschlagen. Es handelt sich bei dem Schlag auf
die rechte Backe also weniger um einen körperlichen Angriff, sondern mehr um
eine Beleidigung, um eine Demütigung. Bietet man danach auch noch die andere,
die linke Backe dar, muss man schon mit einem heftigeren Schlag rechnen.
Nun ein Beispiel für die Verwendung von
"állos = nicht dasselbe, aber von derselben Art":
Und als sie im Traum eine
göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren,
zogen sie auf einem anderen (állos =
nicht derselbe) Weg hin in ihr Land. Matthäus 2:12
Sie
gingen einfach nicht auf demselben Weg zurück, das genügte, um Herodes zu
umgehen.
Ist aber nicht ebenso auch
Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und
auf einem anderen (héteros = andersartigen) Weg hinausließ? Jakobus 2:25
Während
die Kundschafter ganz normal durch Rahabs Haustür zu ihr hineingekommen waren,
gingen sie auf einem ganz andersartigen, ungewöhnlichen Weg wieder hinaus,
nämlich durch das Fenster, Josua 2:15; vergleiche Johannes 10:1.
Und Levi machte ihm ein großes
Mahl in seinem Hause; und daselbst war eine große Menge Zöllner und anderer (állos = gleichartiger),
die mit ihnen zu Tische lagen. Lukas 5:29
Die "anderen" waren demnach von derselben Art
wie die Zöllner, also auch Sünder. In Vers 30 fragen dann auch die Pharisäer:
"Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern?"
Ein Anderer (állos = gleichartiger) ist es, der von mir zeugt, und ich
weiß, dass das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. Johannes 5:32
Nach Vers 37 ist der "Andere" der Vater. Man
sieht also, wie wichtig es ist, die richtigen Worte zu gebrauchen: er ist wohl ein anderer, aber sein Wesen ist
dasselbe, er ist Gott.
Und als sie (die Pächter) ihn
(den Sohn des Herrn) aus dem Weinberg hinausgeworfen hatten, töteten sie Ihn. Was
wird nun der Herr des Weinberges ihnen tun? Er wird kommen und diese
Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen
(állos = gleichartigen) geben." Lukas 20:15-16
Diese Stelle zeigt deutlich, dass Gott trotz der Untreue
der "Weingärtner" nicht ganz Israel verwirft, sondern Menschen von
derselben Art, also wieder Juden, über seinen "Weinberg" Israel
setzten wird, vergleiche Jesaja 5:7.
Und ich werde den Vater bitten,
und er wird euch einen anderen
(állos = gleichartigen) Sachwalter geben, dass er bei euch sei bis in den
Äon hinein. Johannes 14:16
Dieser Sachwalter ist also von demselben
göttlichen Wesen wie Jesus, nämlich der heilige Geist. Auch wird ganz deutlich,
dass der heilige Geist persönlich ist, denn wenn Christus eine Person ist, so
muss dies auch für den "anderen" Sachwalter gelten.
Wir meinen, dass diese Beispiele uns zeigen, wie wichtig
es ist, die genaue Bedeutung der Worte zu berücksichtigen, und wie einfach
eine derartige Untersuchung ist, bei der Gottes Wort unsere Autorität
darstellt. Betrachten wir nun einige Fälle, in denen das Wort
"héteros" gebraucht wird. Oftmals wird deutlich, dass die Bedeutung
ist: "andersartig".
Niemand kann zwei Herren
dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben,
oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnet nicht Gott
dienen und dem Mammon." Matthäus 6:24
Es geht um zwei ganz verschiedenartige Herren: Gott und
den Mammon.
Und ein Schriftgelehrter kam
herzu und sprach zu ihm: Lehrer, ich will Dir nachfolgen, wohin irgend du
gehst ... Ein anderer aber von seinen Jüngern sprach zu Ihm:
"Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben." ·Matthäus
8:19-21
Der Unterschied in der Entschlossenheit, dem
Lehrer zu folgen, also in der geistigen Einstellung, ist deutlich zu erkennen.
(Johannes der Täufer): Bist du
der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen (héteros =
andersartigen) warten?" Matthäus 11:3
Johannes war sich nicht mehr sicher, ob Jesus der
Christus war. War er nicht der Gesalbte, so wäre er nur ein gewöhnlicher
Mensch, so dass sie auf jemanden warten müssten, der nicht "állos"
war, also wieder ein Mensch, sondern "héteros", nicht von derselben
Art, nämlich Gottes Sohn.
Ich sage euch: In jener Nacht
werden zwei auf einem Bett sein; einer wird genommen und der andere
gelassen werden. Lukas 17:34
Dass es
ganz verschiedene Arten von Menschen sind, nämlich solche, die die Welt lieben,
und andere, die Gott mehr lieben als ihr eigenes Leben, ist der Grund, warum
der eine genommen und der andere gelassen wird.
Der andere aber
antwortete und strafte ihn und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du in
demselben Gericht bist?" Lukas 23:40
Dieser Übeltäter erkannte Christus, der andere nicht.
Denn dies geschah, auf dass die
Schrift erfüllt würde: "Kein Bein von ihm wird zerbrochen werden"
(Psalm 34:20; Exodus 12:46). Und wiederum sagt eine andere Schrift:
"Sie werden den anschauen, welchen sie durchstochen haben" Sacharja
12:10, Johannes 19:36-37
Die erste Schrift war bereits erfüllt, die zweite noch
nicht.
Denn es steht im Buch der
Psalmen geschrieben: «Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin
wohne»! und: «Sein Aufseheramt empfange ein anderer.» Apostelgeschichte
1:20
Ein andersartiger, nämlich einer, der Jesus nicht
verraten hatte, musste Judas ersetzen, Matthias.
Als aber die Zeit der
Verheißung nahte, welche Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk und
vermehrte sich in Ägypten, bis ein anderer König über Ägypten aufstand,
der Joseph nicht kannte. Dieser handelte mit List gegen unser Geschlecht und
misshandelte die Väter, sodass sie ihre Säuglinge aussetzen mussten, damit sie
nicht am Leben b1ieben. Apostelgeschichte 7:17-19
Dieser König kannte nicht nur Joseph nicht, sondern er
war auch von einer anderen Art als die vorherigen. Die Hyksos verloren ihre
Macht und ein echter Ägypter kam an die Regierung, der den Israeliten nicht
mehr wohlgesonnen war.
Denn ich habe Wohlgefallen an
dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; aber ich sehe ein anderes
Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich
in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern
ist. Römer 7:22-23
Deutlich betont das wort "héteros" die
Andersartigkeit des zweiten Gesetzes, das dem ersten entgegengesetzt ist.
Besonders
interessant ist der folgende Text, in dem beide Worte direkt nebeneinander
gebraucht werden, wodurch ihre Bedeutungsunterschiede deutlich werden und einen
Unterschied für das Verständnis des Textes ausmachen, der in der deutschen
Übersetzung leider nicht so klar herauskommt:
Ich wundere mich, dass ihr euch
so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu
einem anderen (griechisch: héteros = andersartig) Evangelium, wo es
doch kein anderes (állos = anders, gleichartig) ist; einige verwirren euch nur
und wollen das Evangelium des Christus umkehren. Galater 1:6-7
In der
Schrift gibt es viele "Frohe Botschaften" (griechisch euangélion),
doch sind alle von derselben, göttlichen Art. Doch im Galaterbrief kämpft der
Apostel Paulus darum, dass die Christen der Gemeinden von Galatien erkennen
sollten, dass das Evangelium, das einige unter ihnen verkündigten
"andersartig" war, nämlich menschlichen Ursprungs, verdreht und
wesensverschieden vom ursprünglichen Evangelium, indem es nämlich die Errettung
aufgrund von Werken, nicht durch Gnade lehrte.
Auch in
Korinth traten Prediger mit dem Anspruch auf, (denselben) Jesus zu verkündigen
wie die richtigen Apostel, taten es jedoch in Wahrheit nicht, sondern predigten
ein andersartiges (héteros) Evangelium. Wer sich dem öffnete - und
scheinbar taten dies sehr viele -, empfing einen andersartigen Geist, der
nicht von Gott war, wahrscheinlich einen "religiösen",
scheinchristlichen (anti-christlichen) Geist, 1.Johannes 2;18,22; 4:3; 2.Johannes
1:7:
Denn wenn der, welcher kommt,
einen anderen (állos = nicht
denselben) Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen
(héteros) Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes
(héteros) Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht
gut. 2.Korinther 11:4
Darum gab Paulus seinem Schüler Timotheus den Auftrag,
alle Menschen, die andersartige Lehren in Gottes Wort hineinlesen wollten,
zurechtzuweisen:
So bat ich dich, als ich nach
Mazedonien abreiste, in Ephesus zu bleiben, damit du einigen Weisung erteilen
solltest, nichts anderes zu lehren (hetero-didaskaléo). 1.Timotheus 1:3
Wenn jemand anders lehrt
(hetero-didaskaléo) und sich nicht zuwendet den gesunden Worten unseres Herrn
Jesus Christus und der Lehre, die gemäß der Gottseligkeit ist, so ist er
aufgeblasen und weiß nichts ... 1.Timotheus 6:3
Nun
noch Beispiele, in denen "állos" verwendet wird, dass man in vielen
Stellen am besten mit "anderes, von
derselben Art" übersetzen könnte:
Vom Markt kommend, essen sie
nicht, wenn sie sich nicht gewaschen haben; und vieles andere (gleichartige Dinge, nämlich äußerliche Riten) gibt es, was
sie zu halten übernommen haben: Waschungen der Becher und Krüge und
Kupfergefäße ... Markus 7:4
Und Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem
Haus; und da war eine große Menge von Zöllnern und anderen (gleichartigen, nämlich allgemein als sündig angesehenen
Menschen), die mit ihnen zu Tisch lagen. Lukas 5:29
Von den Propheten aber sollen zwei oder drei
reden, und die anderen
(gleichartigen, die nämlich auch prophetisch begabt sind) sollen urteilen. Wenn
aber einem anderen (gleicher Art),
der dasitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so schweige der erste. 1.Korinther
14:29-30
Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch
einen anderen (gleichartigen wie
mich) Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit ... Johannes 14:16
Wir
wissen, dass der Heilige Geist eine andere "Person" ist als Jesus,
aber er ist "von derselben Art", nämlich Gott.
Ein anderer (állos) ist es, der von mir zeugt, und ich weiß, dass das
Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. Johannes 5:32
Der Textzusammenhang macht klar, dass dieser
andere nicht menschlicher Natur ist, Johannes 5:34, es handelt sich um den
Vater selbst, Johannes 5:37. Er ist "állos = nicht derselbe" wie
Jesus, sonst könnte er auch nicht Zeuge für ihn sein, aber "von derselben
Art", nämlich Gott.
Nun
noch einige andere Stellen, in denen das griechische "héteros =
andersartig" verwendet wird und dort einen besonderen Sinn ergibt:
Wenn sie euch aber verfolgen in
dieser Stadt, so flieht in die andere! Denn wahrlich, ich sage euch, ihr
werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Sohn des Menschen
gekommen sein wird. Matthäus 10:23
Es ist
sinnvoll, nicht in die nächste andere Stadt gleicher Art zu fliehen, wo man
wieder verfolgt würde, sondern in eine andersartige Stadt zu fliehen, wo man
Aussicht darauf hat, in Frieden aufgenommen zu werden.
Zwei Menschen gingen hinauf in
den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein
Zöllner. Lukas 18:10
Dies
waren nicht nur äußerlich ganz andersartige Menschen, sondern auch im zentralen
Wesenszug: Der eine war selbstgerecht, der andere berief sich auf Gottes
Barmherzigkeit.
Und er trat hin zu dem zweiten
(wörtlich: anderen) und sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach:
Ich gehe, Herr; und er ging nicht. Matthäus 21:30
Die
beiden Söhne im Gleichnis waren wirklich wesensverschieden: Der eine
verweigerte zuerst den Gehorsam, besann sich dann jedoch eines besseren und
tat, um was er gebeten worden war. Der zweite gab sich gefügig, tat aber
letztendlich doch nicht, worauf es ankam.
Frauen erhielten ihre Toten
durch Auferstehung wieder; andere
(állos) aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, um eine
bessere Auferstehung zu erlangen. Hebräer 11:35
Hebräer 11 listet unter den Glaubenshelden nicht
nur jene auf, die alle Feinde besiegten und auf wundersame Weise gerettet
wurden, sondern auch solche, die von ihren Feinden getötet wurden und
unsägliches litten. Äußerlich waren sie ganz verschieden, aber im Kern ihres
Wesens waren sie von "derselben Art", sie waren alle Glaubenshelden. Das
kann ein Trost sein für die unter uns, deren Leben nicht so
"erfolgreich" verläuft, wie wir es vielleicht gerne hätten.
Man sieht also, dass der griechische, inspirierte
Text an allen Stellen das richtige Wort gebraucht. Wie lohnend ist es doch, den
Originaltext zu untersuchen und die ursprüngliche Leuchtkraft seiner Worte
wieder zu entdecken!
Bei
allen Unterschieden zwischen den beiden Worten "állos" und
"héteros" ist doch klar, dass es Fälle gibt, in denen sich ihre
Bedeutungen überlappen. Darum kommt es, wenn auch selten, vor, dass ein
Evangelium im selben Zusammenhang ein anderes Wort verwendet als das parallele.
Zum Beispiel:
Und anderes (héteros)
fiel auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine
Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und indem
die Dornen mit aufwuchsen, erstickten sie es. Und anderes fiel in die
gute Erde und ging auf und brachte hundertfache Frucht. Als er dies sagte, rief
er aus: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Lukas 8:6-8
Anderes (állos) aber fiel auf das Steinige, wo es nicht
viel Erde hatte; und sogleich ging es auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. Als
aber die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte,
verdorrte es.
Anderes (állos) aber fiel unter die
Dornen; und die Dornen sprossen auf und erstickten es.
Anderes (állos) aber fiel auf die
gute Erde und gab Frucht: das eine hundert-, das andere sechzig-, das andere
dreißigfach. Matthäus 13:5-8
Ein
Schlüssel zum Verständnis der ganzen Bibel
Gleich im zweiten Satz der Bibel wird eine
wichtige Aussage über die Erde gemacht, die von entscheidender Bedeutung ist:
Und die Erde wurde tohu-wa-bohu
... Genesis 1:2
Im
Deutschen gebrauchen wir diesen Ausdruck, um ein totales Durcheinander, ein
Chaos, zu beschreiben. Die entscheidende Frage an dieser Stelle ist folgende:
Bezeichnet "tohuwabohu" einen guten "Rohzustand" der gerade
erst erschaffenen Erde, oder bezeichnet er eine Zerstörung durch Sünde? Wir
können natürlich nicht vom deutschen Sprachgebrauch ausgehen, wenn wir diese
wichtige Frage klären wollen. Entscheidend ist vielmehr, was diese Worte im
Hebräischen bedeuten. Und hier kommt uns wieder die Konkordanz zur Hilfe:
Das
Wort tohu kommt 20 Mal im Alten
Testament vor und wird übersetzt mit: Wüste,
Einöde, vergeblich, Eitelkeit, Leere, Nichtigkeit, Verwüstung. Das Wort bohu kommt nur noch an zwei weiteren
Stellen vor, beide Male zusammen mit tohu,
so wie in Genesis 1:2:
Und Edoms Bäche verwandeln sich
in Pech und sein Boden in Schwefel, und sein Land wird zu brennendem
Pech ... Trümmern ... Und er spannt darüber die Messschnur der Öde (tohu) und das Senkblei der Leere (bohu). Jesaja 34:11
Ich schaue die Erde an, und siehe, sie ist wüst und leer (tohu wabohu), und zum
Himmel, und sein Licht ist nicht da. Die Berge beben, und alle Hügel schwanken.
Kein Mensch ist da, und alle Vögel des Himmels sind entflohen. Ich schaue, und
siehe, das Fruchtland ist eine Wüste, und alle seine Städte sind niedergerissen
vor der Glut seines Zornes ... Darum wird die Erde trauern, und der Himmel
oben schwarz werden. Jeremia 4:23
Beide
Male ist im Textzusammenhang von verheerenden Katastrophen die Rede, die
Verwüstung über ein Land bringen. Tohu und
bohu sind dabei "Messschnur und
Senkblei", also der Inbegriff von Zerstörung und Verwüstung:
Der Ausdruck "wüst" (tohu) und das
Beiwort "leer"
(bohu) bezeichnen
nicht nur etwas Formloses oder Gestaltloses. Vielmehr dient tohu zur Beschreibung einer grauenhaften, unheimlichen, verderbenbringenden
Wüste, einer angerichteten Verwüstung oder einer Nichtigkeit." (Westermann
in seinem Genesis-Kommentar). F.Delitzsch
kommt zu dem Ergebnis: "Klang und Bedeutung dieses Wortpaares ist
grausig" Schneider "Urknall und Schöpfergott" S. 94
tohu - der Inbegriff von Gottesferne, Zerstörung
und Mangel
Untersuchen wir die 17 übrigen Stellen, in denen tohu vorkommt (alle Bibelstellen im
Anhang dieses Kapitels), dann stellen wir fest:
·
Tohu ist ein
Name für den Abfall von Gott, für die Nichtigkeit aller Geisteshaltungen, die
sich von Gott ab- und dafür Geschöpfen oder Ideologien zuwenden.
·
In zweiter Linie steht Tohu für die Verwüstung, die auf den Abfall folgt. Denn die
Abwendung von der Quelle des Lebens und des Friedens führt logisch zu Unordnung
und Zerstörung.
·
Tohu steht
in allen Vorkommen immer in engem Zusammenhang mit Ungerechtigkeit, Verirrung,
Götzendienst, Finsternis und lebensfeindlicher Umgebung. Es ist ein Inbegriff
für Untreue, Verrat und Götzendienst mit allen seinen Begleiterscheinungen:
Täuschung, Verwirrung, Durcheinander, Orientierungslosigkeit, Ausweglosigkeit,
Gottesferne, Gottesfeindschaft, Verehrung von dämonischen Mächten, Mangel,
Leere, lebensfeindliche Umstände, Zerstörung und Vernichtung.
·
Nirgends wird ein tohu von Gott gewünscht, sondern stellt
vielmehr immer eine Folge der Trennung von ihm dar und hat eindeutig einen
negativen Beigeschmack!
·
Im Textzusammenhang wird dem Tohu oft die Bundestreue Gottes gegenübergestellt und die Rettung
eines Überrestes versprochen, dem die Zukunft gehört.
·
Es gibt in der ganzen Bibel keine einzige Stelle, in der Tohu etwas Positives wäre. Im Gegenteil,
es wird ausdrücklich betont, dass es von Gott nicht geschaffen wurde und auch
niemals gewünscht war:
Der HERR hat die Himmel
erschaffen (bara') ... Er hat die Erde gegründet - nicht tohu hat er
sie (die Erde) erschaffen (bara') ... Jesaja 45:18
Wir müssen also davon ausgehen, dass im zweiten
Satz der Genesis etwas Schreckliches geschehen ist, das die Erde in eine
Gottesferne gerückt hat. Was, wird an dieser Stelle nicht erklärt. Aber die
ganze Bibel berichtet, wie Gott eine gefallene Schöpfung wiederherstellt. Bereits
ab dem zweiten Satz stimmt irgend etwas nicht, das müssen wir beim Weiterlesen
die ganze Bibel hindurch berücksichtigen!
Die Finsternis des Tohuwabohu
Und die Erde wurde
tohu-wa-bohu, und Finsternis war über der Fläche der Wirbelflut ... Genesis 1:2
Zu dem Tohu-wa-bohu der Erde von Genesis 1:2
gehörte eine Finsternis, die scheinbar einen negativen Charakter hatte, denn
Gottes erstes Handeln wirkte ihr entgegen: "Es werde Licht"! Nur die
Helligkeit beurteilt Gott als gut, die Finsternis wird von dieser Wertung
ausgenommen. Das lässt an eine andere Tohuwabohu-Stelle denken:
Ich schaue die Erde an, und siehe, sie ist tohu wa-bohu, - und zum Himmel, und sein
Licht ist nicht da ... und der Himmel oben schwarz ... Jeremia 4:23
Die Wolken, die das Sonnenlicht von der Erde
abhalten, sind ein Symbol dafür, dass die Auswirkungen von Gottes Kraft die
Erde in einem Tohuwabohu nicht erreichen können.
Die Urerde aus naturwissenschaftlicher Sicht
Wahrscheinlich wurde die Erde durch dieselbe
Katastrophe verwüstet, deren Einschläge und Krater man bis heute auf dem Mond
sehen kann. Auf jeden Fall geht man heute davon aus, dass die Erde in der
Frühzeit ihrer Entstehung tatsächlich eine Phase durchlaufen hat, in der sie
komplett von Wasser bedeckt war, und dass die in jener Zeit vorhandene Gashülle
der Erde eine von der heutigen Atmosphäre sehr verschiedene Zusammensetzung
aufwies. So beschreibt Hoimar von Ditfurth den früheren Zustand der
Erdoberfläche folgendermaßen:
Eine unglaublich dichte Atmosphäre, deren hoher Wasserdampfgehalt nicht
einen Schimmer Sonnenlicht durchdringen ließ. Jahrtausendelang
ununterbrochen anhaltende Wolkenbrüche, deren Gewalt wir uns nicht mehr
vorstellen können. Dazu Temperaturen von mehr als 100 Grad Celsius und eine
ununterbrochen in kochenden Wasserdampf eingehüllte Erdoberfläche. Heinz
Schumacher "Urknall und Schöpfergott" Seite 103
Tohuwabohu, Finsternis und turbulente Wassermassen, die die ganze Erde
bedecken - treffender könnte man einen derartigen Zustand nicht in Worte
fassen.
Das Tohuwabohu und Römer 8
Wenn wir aber Kinder sind, so auch Erben, Erben
Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mitleiden, auf dass wir auch
mitverherrlicht werden. Denn ich halte dafür, dass die Leiden der Jetztzeit
nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an
uns geoffenbart werden soll.
Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne
Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit (griechisch mataiótäs)
unterworfen worden (nicht mit Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen
hat), auf Hoffnung, dass auch selbst die Schöpfung freigemacht werden wird von
der Knechtschaft des Verderbnisses zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder
Gottes.
Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in
Geburtswehen liegt bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst,
die wir die Erstlinge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst,
erwartend die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes. Römer 8:17-23
Für Nichtigkeit
in Römer 8:10 steht mataiótäs. Mit
genau diesem Wort gibt die Septuaginta (LXX), die alte griechische Übersetzung,
tohu in Jesaja 44:9,19; 49:4 und 59:4
wieder. Und Nichtigkeit ist genau
das, womit auch die meisten deutschen Übersetzer und Wörterbücher 'tohu'
wiedergeben! Von daher gibt es keine Probleme, die Unterwerfung der Schöpfung
unter die Nichtigkeit mit dem Tohuwabohu von Genesis 1:2 zu identifizieren. In
diesem Licht gesehen gibt der Textzusammenhang von Römer 8 tieferen Sinn.
Alle 20 Vorkommen von tohu
in der Bibel
Genesis 1:2 Und
die Erde war (oder: wurde) wüst und leer (tohuwabohu), und Finsternis
war über der Urflut, und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser.
5.Mose
32:10 Gott fand Jakob
(das Volk Israel) in der Wüste und in der Öde,
im Geheul der Wildnis. Er umgab ihn, gab acht auf ihn, er behütete ihn wie
seinen Augapfel. Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt,
seine Flügel ausbreitet ...
1.Samuel
12:21 (2x) Und weicht
nicht ab und folgt nicht den nichtigen
(Götzen) nach, die nichts nützen und nicht erretten können, weil sie nichtig sind!
Hiob
6:18 Zur Zeit, wenn
sie (die trügerischen Bäche) wasserarm werden, versiegen sie ... Es werden
Karawanen abgelenkt von ihrem Weg, ziehen hinauf in die Öde und kommen um.
Hiob
12:24 Den Häuptern
des Volkes nimmt er den Mut, in wegloser Einöde lässt er sie umherirren.
Hiob
26:7 Der Scheol ist
nackt vor ihm, und keine Hülle hat der Abgrund. Die Schatten beben unter den
Wassern und ihren Bewohnern. Gott spannt den Norden aus über der Leere, hängt die Erde auf über dem
Nichts ... Durch seine Kraft erregt er das Meer, und durch seine Einsicht
zerschellt er Rahab.
Psalm
107:40 Und sie wurden
wenig und beugten sich unter der Last von Unglück und Jammer. Er schüttete
Verachtung auf Edle, er ließ sie umherirren in wegloser Einöde.
Jesaja
24:10 Darum hat der
Fluch die Erde verzehrt, und es büßen, die auf ihr wohnen. Darum sind die
Bewohner der Erde dahingeschwunden, und wenig Menschen bleiben übrig. ... Zertrümmert
ist die öde Stadt, verschlossen
jedes Haus, so dass niemand hineinkommt.
Jesaja
29:21 Und ausgerottet
werden alle, die auf Unheil bedacht sind, die den Menschen in einer Rechtssache
schuldig sprechen ... und mit nichtigen (Beweisgründen)
den Gerechten aus seinem Recht verdrängen.
Jesaja 34:11 Denn einen Tag der Rache hat
der HERR, ein Jahr der Vergeltungen für die Rechtssache Zions. Und Edoms Bäche
verwandeln sich in Pech und sein Boden in Schwefel, und sein Land wird zu
brennendem Pech ... Von Generation zu Generation liegt es in
Trümmern ... Und er spannt darüber
die Messschnur der Öde (tohu)
und das Senkblei der Leere (bohu) ... und alle seine Obersten nehmen ein Ende.
Jesaja
40:17,23 Alle Nationen
sind wie nichts vor ihm und gelten ihm als nichtig und leer. Gott ist es, der ... die Fürsten dem Nichts anheimgibt, die
Richter der Erde der Nichtigkeit gleichmacht.
Jesaja
41:29 Siehe, sie alle
sind Betrug. Nichtigkeit sind ihre Machwerke, Wind und Leere ihre gegossenen Bilder.
Jesaja
44:9 Die Bildner von
Götterbildern sind allesamt nichtig,
und ihre Lieblinge nützen nichts.
Jesaja
45:18,19 Denn so spricht
der HERR, der die Himmel geschaffen hat - er ist Gott, der die Erde gebildet
und sie gemacht hat - er hat sie gegründet, nicht als eine Öde hat er sie geschaffen, sondern zum Bewohnen hat er sie
gebildet. Ich sprach zu den Nachkommen Jakobs nicht: Sucht mich vergeblich.
Jesaja
49:4 Ich aber sagte:
Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts mein Kraft verbraucht. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und
mein Lohn bei meinem Gott.
Jesaja
59:4 Niemand lädt
vor in Gerechtigkeit, und niemand tritt vor Gericht in Wahrhaftigkeit: Auf Leeres vertrauen, Gehaltloses
reden, müt Mühsal schwanger gehen, Unrecht zeugen.
Jeremia 4:23 Denn mein Volk ist närrisch,
mich kennen sie nicht ... Weise sind sie, Böses zu tun, aber Gutes zu tun
verstehen sie nicht. Ich schaue die
Erde, und siehe, sie ist wüst und leer (tohuwabohu), - und zum Himmel,
und sein Licht ist nicht da. Ich schaue die Berge, und sieh, sie beben, und
alle Hügel schwanken. Ich schaue, und siehe, kein Mensch ist da, und alle Vögel
des Himmels sind entflohen. ... Öde soll das ganze Land werden, doch will ich
nicht ein Ende mit ihm machen. Darum wird die Erde trauern, und der Himmel oben
schwarz werden.
Die Menschheit hat den Auftrag, sowohl das Wort,
als auch die Schöpfung Gottes zu erforschen:
Forscht im Buch des HERRN nach und lest! (Jesaja 34:16)
Groß sind die Werke des HERRN - zu
erforschen von allen, die Lust an ihnen haben. (Psalm 111:2)
Da die beiden Wissensgebiete niemals vollständig
voneinander zu trennen sind, stellt sich die Frage: Ist es zulässig, dass
naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse Auswirkungen auf unsere
Bibelauslegung haben? Können wir unsere Deutung der Bibel durch
naturwissenschaftliche Beobachtungen überprüfen oder sie gar beeinflussen? Das
sind Fragen, die wir am besten der Bibel selber stellen.
Tragische
Irrtümer bei "Theologen" und "Frommen"
Die Auslegung des Wortes Gottes war schon immer
ein heiß umkämpftes Gebiet. Im Laufe der Zeit bildete sich in Israel eine
Führungsschicht von Priestern und professionellen Theologen heraus, die mehr
oder weniger ein Monopol der Bibelauslegung für sich beanspruchten:
Auf Moses Lehrstuhl haben sich die
Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. Matthäus 23:1ff
Leider lagen sie in zentralen Lehraussagen falsch,
auch wenn sie dies mit reichlich Bibelzitaten untermauerten, oder besser
gesagt: übertünchten. Zur Zeit des Neuen Testamentes war ihr Bild von Gott
genauso verzerrt wie ihre Erwartungen an den Messias. Insofern war es kein
Wunder, sondern regelrecht vorprogrammiert, dass sie Jesus nicht erkannten. Ihre
Lehre, die auf Macht und Ansehen abzielte, war selbst bis in die Kreise der
Jünger Jesu eingedrungen, obwohl Jesus sie ausdrücklich davor gewarnt hatte:
Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der
Pharisäer und Sadduzäer ... (nämlich ihrer Lehre, Matthäus 16:6,12)
Auch sie trachteten nach Ministerposten und Ruhm,
während Jesus sie auf das kommende Reich Gottes vorbereiten wollte (Johannes
13:13, Lukas 9:44-46).
Zusammenprall
mit der Realität
Ganz weltliche, "natürliche" Fakten
ließen ihre Reichsgotteserwartung jedoch wie ein Kartenhaus zusammenbrechen:
Die Gefangennahme und der Tod Jesu trafen sie wie ein Schock, ihr ganzer Glaube
wurde erschüttert. Diese Geschehnisse liefern uns ein klassisches Beispiel für
einen Konflikt zwischen "Bibelauslegung" und
"Naturwissenschaft": Lehre und Fakten, Theorie und Praxis ließen sich
nicht vereinbaren. Doch die Macht der Fakten war so erdrückend, dass sie nicht
verdrängt werden konnte.
Zwar kapselten die Jünger sich ab, trafen sich nur
noch hinter verschlossenen Türen. Doch Berichte von einer weiteren, simplen
Tatsache brachten sie erneut aus der Fassung (Lukas 24:22): Das Grab Jesu war
leer, Jesus" Leichnam unauffindbar. Konnte man diese
"natürlichen" Fakten mit der eigenen Lehre irgendwie vereinbaren? Kamen
die Jünger jetzt zur Einsicht?
Weit gefehlt! Sie zweifelten lieber am Verstand
der "forschenden" Frauen, als ihre vorgefasste Meinung aufzugeben. Kaum
etwas kann Menschen so verblenden wie religiöse Irrmeinungen!
Sind
auch wir noch unverständig?
Nun wurde offenbar, dass nicht nur die Pharisäer,
sondern auch die Jünger in ihrer Bibelauslegung total daneben lagen, und das,
obwohl sie mehrere Jahre lang in die "beste Bibelschule der Welt"
gegangen waren! Jesus, der sie schon früher gefragt hatte: "Seid auch ihr noch unverständig?" (Matthäus 15:16),
musste ihnen nun alle Stellen, "die
ihn betrafen", ganz neu auslegen (Lukas 24:27). Er nannte ihre
Herzenshaltung "unverständig" und "träge, alles zu glauben, was die Profeten geredet haben".
Erkannten sie jetzt die Wahrheit?
Beinahe! Sie waren nämlich so "daneben",
dass selbst die neue Bibelauslegung, durch den Meister selbst vorgenommen,
immer noch nicht vermochte, ihre Herzensaugen ganz zu öffnen. Sie merkten immer
noch nicht, dass sie nicht über die Wahrheit sprachen, sondern mit der
Wahrheit! Erst die persönliche, greifbare Gemeinschaft, geschehen beim
gemeinsamen Abendessen, öffnete ihnen die Augen, und sie erkannten Jesus.
Experimental-Glaube
Einer der Jünger ging sogar noch weiter. Er
weigerte sich, den Berichten seiner Kollegen zu glauben, scheinbar weil er
davon ausging, sie seien alle Opfer einer Halluzination geworden. So bestand er
auf einer experimentell-wissenschaftlichen Demonstration: Er wollte diesen
auferstandenen Jesus nicht nur sehen, sondern ihn mit den eigenen Fingern und
Händen berühren. Wir wissen, dass dies keine sehr vorbildliche Glaubenseinstellung
war. Wir wissen aber auch, dass ihm dieser Beweis dennoch von Gott gewährt
wurde. Und dass es ihn restlos überzeugte! Gott gebraucht Fakten, um unseren
Glauben und unsere Erkenntnis zu beeinflussen. Immerhin war der
"Ungläubige Thomas" dann der erste, der Jesus als den ansprach, der
er tatsächlich ist, nämlich als: "Mein
Gott!" (Johannes 20:25-29)
Nicht
traurige Ausnahme, sondern Paradebeispiel!
Die ganze Sache mit der Auferstehung ist bei
weitem keine seltene Ausnahme. Als Jesus kam, mussten viele und zentrale Lehren
neu definiert werden:
·
Das Gottes-Bild, das die Gläubigen hatten, erwies sich
als überholt: Auf einmal stand ein etwa dreissigjähriger Zimmermann mit
aramäischem Akzent vor den Menschen und sagte: Wer mich sieht, sieht Gott! (Johannes
12:45) Wer hätte das gedacht? Wer hätte das erwartet? Wer hätte das geglaubt? (Jesaja
53:1)
·
Auch das ganze Verständnis vom Reich Gottes wurde auf den
Kopf gestellt. Wer groß werden wollte, sollte sich nun erniedrigen und allen
anderen dienen usw. Jesus demonstrierte das handgreiflich: Nicht als Emperator
auf einem Pferd, sondern auf einem Esel ritt er in Jerusalem ein. Und statt
sich bedienen zu lassen, gab er sein Leben für die anderen ...
Wenn
Gott "mit Händen und Füßen redet"
Immer wieder versucht Gott, uns durch Fakten dazu
zu bewegen, unsere Lehre neu zu überdenken! Vieles, was wir persönlich erleben,
soll diesem Zweck dienen. In seinen Taten offenbart Gott sich, um unser Denken
in die richtigen Bahnen zu lenken! Als Johannes fragte, ob Jesus wirklich der
Messias sei, ließ Jesus ihm ausrichten:
Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen
und gehört habt: dass Blinde sehend werden, Lahme gehen ... Lukas 7:19-22
Fakten sollten Johannes überzeugen. Tatsächlich
sind Fakten ein zentrales Kriterium zur Beurteilung der Wahrhaftigkeit einer
Lehre oder eines Menschen:
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen! Matthäus 7:15-20;
vgl. 13:26
Die
zwei Bücher Gottes
Die Frage: "Muss die Bibel sich den Fakten
beugen oder umgekehrt?" stellt uns demnach vor falsche Alternativen. Es
geht nicht um "Bibel oder Fakten", sondern um "Bibelauslegung
und Naturwissenschaft". Beide sind menschliche Interpretationen: Einmal
werden die Worte, das andere Mal der Werke Gottes erforscht und gedeutet. Man
könnte die Bibel und die Natur mit einem Buch vergleichen, das auf einer Seite
den Text und auf der anderen Seite die Illustrationen enthält:
Die Schöpfung ist das
Bilderbuch,
die Bibel das Lesebuch Gottes.
Gott erwartet nicht von uns, dass wir eines von
beiden verleugnen. Die sichtbare Wirklichkeit ist immer wieder ein zentraler
Prüfstein für die Wahrhaftigkeit und Echtheit einer Lehre. Die Schrift wiederum
gibt uns eine geistliche Deutung der sichtbaren Phänomene, die wir ansonsten
oft nicht verstehen können.
Harmonisierungs-Versuche
und ihre Grenzen
Eines müssen wir jedoch immer berücksichtigen,
wenn wir Bibel und Naturwissenschaften miteinander vergleichen: Auf beiden
Seiten handelt es sich um menschliche Forschungen, die mit Fehlern und
Irrtümern behaftet sind.
·
So wird wohl niemand bestreiten, dass der Stand der
Naturwissenschaften vor zweihundert Jahren noch ein ganz anderer war als heute.
Die Erkenntnis nimmt zu - und das ist auch für die Auslegung der Bibel zu
erwarten:
·
Heute stehen uns bessere Bibeltexte zur Verfügung denn
je, und mit Hilfe hervorragender Computer-Programme sind Studien im Grundtext
um ein Vielfaches schneller, genauer und bequemer geworden.
Dennoch, "Irren ist menschlich", und
zwar auf allen Gebieten, darum ist nicht zu erwarten, ja, es ist eigentlich ausgeschlossen,
dass wir die zwei Realitäten "Wort Gottes" und "Schöpfung
Gottes" jemals vollkommen zur Deckung bringen können. Das betont auch der
Naturwissenschaftler Manfred Eigen:
Konflikte zwischen religiöser und wissenschaftlicher Weltsicht sind aufgrund
der Begrenzung menschlicher Einsichten geradezu vorgegeben. (Manfred
Eigen in "Stufen zum Leben", Seite 275)
Aus diesem Grund ist es nicht realistisch und auch
nicht legitim, von der Bibelauslegung zu erwarten, dass sie zu hundert Prozent
mit dem "derzeitigen Stand der Forschung" übereinstimmt! Es muss, im
Gegenteil, eher verdächtig erscheinen, wenn bei Harmonisierungsversuchen alles
"glatt" geht.
Es ist viel realistischer, abzuwägen, ob die Bibel
im Großen und Ganzen gesehen mit dem übereinstimmt, was heute als gesichert
angesehen wird. Und das ist zum Beispiel beim "Stammbaum der Himmel und
der Erde" (Genesis 2:4) absolut der Fall. Auch wenn Details nicht
"passen", so treffen doch die zentralen Aussagen ins Schwarze und das
Gesamtgeschehen deckt sich verblüffend miteinander. Und da viele dieser
Aussagen vor Jahrtausenden von keinem Menschen gewusst werden konnten, sind sie
ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott den Menschen Worte gab, die ihr
eigenes Verständnis weit überschritten
- zeitlose Wahrheiten eben.
Ein
Beispiel für Bibelkritik im Neuen Testament
Im Neuen Testament finden wir zwei Stammbäume von
Jesus, die sich nicht zur Deckung bringen lassen. Diese Tatsache wurde von
vielen Theologen zum Anlass genommen, der Bibel Fehlerhaftigkeit zu
unterstellen, da die beiden Stammbäume sich "widersprächen". Dies sei
ein Beleg dafür, dass der Bibeltext nicht wörtlich ernst zu nehmen, sondern nur
bildlich zu verstehen sei.
Dabei ist auch dieser "Widerspruch" so
leicht aufzulösen! Es ist doch eine simple Erkenntnis, dass jeder Mensch auf
Erden in Wirklichkeit nicht einen, sondern zwei "Stammbäume" hat,
nämlich den seiner Mutter und den seines Vaters! Und genau das ist auch bei
Jesus der Fall. In Matthäus 1:1-16 finden wir ganz zweifelsfrei die väterlichen
Vorfahren von Jesus:
Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes
Davids, des Sohnes Abrahams: 2 Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob,
Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder.
3 Juda aber zeugte Phares und Zara von der Thamar; Phares aber zeugte Esrom,
Esrom aber zeugte Aram. 4 Aram aber zeugte Aminadab, Aminadab aber zeugte
Nahasson, Nahasson aber zeugte Salmon. 5 Salmon aber zeugte Boas von der Rahab;
Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Isai. 6 Isai aber zeugte
David, den König. David aber zeugte Salomon von der, die Urias Weib gewesen. 7
Salomon aber zeugte Roboam, Roboam aber zeugte Abia, Abia aber zeugte Asa. 8
Asa aber zeugte Josaphat, Josaphat aber zeugte Joram, Joram aber zeugte Osia. 9
Osia aber zeugte Joatham, Joatham aber zeugte Achas, Achas aber zeugte Ezekia. 10
Ezekia aber zeugte Manasse, Manasse aber zeugte Amon, Amon aber zeugte Josia. 11
Josia aber zeugte Jechonia und seine Brüder um die Zeit der Wegführung nach
Babylon. 12 Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jechonia
Salathiel, Salathiel aber zeugte Zorobabel. 13 Zorobabel aber zeugte Abiud,
Abiud aber zeugte Eliakim, Eliakim aber zeugte Asor. 14 Asor aber zeugte Zadok,
Zadok aber zeugte Achim, Achim aber zeugte Eliud. 15 Eliud aber zeugte Eleasar,
Eleasar aber zeugte Matthan, Matthan aber zeugte Jakob. 16 Jakob aber
zeugte Joseph, den Mann der Maria, von welcher Jesus geboren wurde, der
Christus genannt wird. Matthäus 1:1-16; alte Elberfelder
Lukas 3:23-38 dagegen verfolgt die Linie der
Vorfahren der Mutter Jesu:
23 Und
er selbst, Jesus, begann ungefähr dreißig Jahre alt zu werden, und war, wie man
meinte, ein Sohn des Joseph, des Eli, 24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Janna, des Joseph, 25 des
Mattathias, des Amos, des Nahum, des Esli, des Naggai, 26 des Maath, des
Mattathias, des Semei, des Joseph, des Juda, 27 des Johanna, des Resa, des
Zorobabel, des Salathiel, des Neri, 28 des Melchi, des Addi, des Kosam, des
Elmodam, des Er, 29 des Joses, des Elieser, des Jorim, des Matthat, des Levi,
30 des Simeon, des Juda, des Joseph, des Jonan, des Eliakim, 31 des Melea, des
Menna, des Mattatha, des Nathan, des David, 32 des Isai, des Obed, des Boas,
des Salmon, des Nahasson, 33 des Aminadab, des Aram, des Esrom, des Phares, des
Juda, 34 des Jakob, des Isaak, des Abraham, des Thara, des Nachor, 35 des
Seruch, des Rhagau, des Phalek, des Eber, des Sala, 36 des Kainan, des
Arphaxad, des Sem, des Noah, des Lamech, 37 des Methusala, des Enoch, des
Jared, des Maleleel, des Kainan, 38 des Enos, des Seth, des Adam, des Gottes. (Lukas 3:23-38)
Jeder
Mensch hat zwei Stammbäume - auch Jesus!
Besonders der Anfang und das Ende dieses
Stammbaumes ist interessant:
Jesus war - wie man meinte, ein Sohn des Josef -
(ein Sohn) des Eli, (ein Sohn) des Matthat ... (ein Sohn) des Adam, (ein Sohn)
Gottes. Lukas 3:23
Lukas beginnt und endet mit einer geistigen Form
von Sohnschaft, denn Josef war in geistigem Sinne Jesus’ Vater, Gott war im
geistigen Sinne Adams Vater - darum werden sie auch in der Bibel als
einzige Menschen im Vollsinne des Wortes bezeichnet, 1.Korinther 15:45-47. Dazwischen
verfolgt Lukas die Linie der biologischen Abstammung Jesu, nämlich der Vorväter
seiner Mutter, von der er ja körperlich abstammt (hebräische Stammbäume ziehen
immer die Väter heran). So erklärt sich, warum die beiden Stammbäume von
Abraham bis König David übereinstimmen, sich von da an jedoch unterscheiden:
Matthäus gibt die dynastische Linie wider, also
die erbrechtliche Linie der Herrscher, beginnend mit König Salomo (Mattäus
1:6). Das ist wohl auch der Grund, warum er den Stammbaum Jesu nur bis zu
Abraham zurückverfolgt, denn mit ihm beginnt ja das Volk Israel, dessen König
Jesus ist. Abraham ist der erste, dem das Land Israel als Erbe zugesprochen
wurde.Dadurch, dass Jesus der Adoptivsohn von Josef ist, einem Nachfahren
David"s über die Linie Salomos, hat er ein Erbrecht auf den Thron Davids.
Lukas dagegen zeichnet die biologische Linie der
Vorfahren auf. Von daher verwundert es nicht, dass er über Abraham hinaus bis
auf Adam zurückgeht, die Person, die alle folgenden Vorfahren Jesu mit dem
"Stammbaum der Himmel und der Erde" und somit dem Ursprung des Lebens
verbindet.
Erfüllung
biblischer Profetie
Gott hatte David versprochen, dass einer seiner
leiblichen Nachfahren als König auf dem Thron sitzen würde. Damit war klar,
dass Jesus als der Messias Israels biologisch von David abstammen musste:
Der HERR hat David einen Treueid geschworen, er
wird nicht davon abweichen: Von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron
setzen. Psalm 132:11; vergleiche 2.Samuel 7:12-13; Jeremia 33:21; Lukas 1:32
Andererseits hatte Gott als Gericht über
abscheuliche Sünden der Nachkommen Salomos, speziell Konja’s, erklärt, dass
keiner seiner Nachkommen mehr als König von Israel in Frage komme:
So wahr ich lebe, spricht der HERR, wenn auch
Konja, der Sohn Jojakims, der König von Juda, ein Siegelring an meiner rechten
Hand wäre, würde ich dich doch von dort wegreißen ... Schreibt diesen Mann
auf als kinderlos ... Denn von seinen Nachkommen wird es nicht einem
gelingen, auf dem Thron Davids zu sitzen und weiterhin über Juda zu herrschen. Jeremia
22:24,30
Der einzige Ausweg aus dieser scheinbaren
Zwickmühle war, dass ein Nachkomme aus einer anderen Linie Davids Thronerbe
würde. Tatsächlich führt die biologische Linie von David zu Jesus über Nathan,
einen anderen Sohn Davids. Das Problem hierbei ist wiederum, dass dies nicht
die dynastische Linie ist, also die für den Thron erbberechtigte. Die einzige
Möglichkeit, beide Linien wieder zu vereinigen war, dass ein männlicher,
erbberechtigter Nachfahre Davids aus der Linie über Salomo einen biologischen
Nachfahren aus der Linie über Nathan als Erstgeborenen "adoptierte"
und ihm das Thronrecht vererbte. Jesus ist somit die einzig mögliche und
perfekte Erfüllung aller alttestamentlichen Profetien über die Herkunft des
Messias!
Gottes
Wort in menschlicher Gestalt
Das Neue Testament beginnt nicht mit zum Beispiel
spannenden Wunderberichten, sondern mit einem trockenen Stammbaum:
Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes
Davids, des Sohnes Abrahams: Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob,
Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder ... (Matthäus 1:1 nach
Schlachter-Übersetzung)
Jesus hatte eine lange, biologische Vergangenheit,
und er kam in eine ganz weltliche, geschichtliche Situation hinein. Er wurde in
einem Dorf im von den Römern besetzten Israel geboren, lebte eine zeitlang als
Flüchtling im ausländischen Ägypten, wuchs in den "Slums" von
Nazareth auf ("Kann aus Nazarath etwas Gutes kommen?", Johannes
1:46), wurde von jüdischen Eltern aufgezogen und sprach einen aramäischen
Dialekt.
Als Gott Mensch wurde, da wurde er es zu hundert
Prozent. Er beamte sich nicht einfach innerhalb einer Millisekunde irgendwo auf
die Erde, sondern wählte einen irdischen Stammbaum, der bis zu Adam und über
ihn bis zu den ersten Menschen und damit bis zu den ersten Lebewesen auf Erde
zurückreicht. Jesus hat eine genetische Vorgeschichte, einen Stammbaum, zu dem
letztlich Wassertiere und Landtiere, Könige und Bauern, Helden und Huren
gehören. Es ist unglaublich und unfassbar, aber wahr: Gott benützte eine
menschliche Eizelle, die das Resultat einer jahrtausende-, ja,
jahrmillionenlangen Abstammung war, um sich auf der Erde zu
"materialisieren"!
Das
Übernatürliche im Leben Jesu
Doch da ist zugleich die andere Seite, die
schöpferisch-neue: Gott griff bei der Entstehung Jesu übernatürlich ein. Gott
wählte zwar eine "ganz normale" Frau als Mutter für Jesus aus, doch
die Zeugung Jesu war ein Werk des Himmels:
Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft
des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren
werden wird, Sohn Gottes genannt werden. Lukas 1:35
So unglaublich es ist, dass der Sohn Gottes eine
menschliche Mutter hat, so unvorstellbar ist es auf der anderen Seite, dass der
Heilige Geist Maria befruchtet hat. Doch damit spiegelt sich nur Gottes Wesen
in seinem Sohn wider, das sich bis dahin immer wieder in seinem Handeln
manifestiert hatte. Gott schafft Neuanfänge aus dem Himmel, die sich auf Erden
weiter entwickeln, bis ein neuer Schöpfungakt sie auf eine neue Ebene hebt, wo
wiederum eine neue Entwicklung beginnt ... In Gottes Handeln sind schon
immer irdische Prozesse eng verwoben mit schöpferischen Impulsen:
Gott erschuf (völlig neue Dinge), um (sie danach
im Verlauf der Zeit in eine bestimmte Richtung hin ) zuzubereiten. Genesis 2:3
Dies sind die Geschlechterfolgen (Abstammung,
Entwicklung) der Himmel und der Erde in ihrem Erschaffenwerden (himmlische
Eingriffe als tragende Säulen) Genesis 2:4
Wunder
und Windeln
Jesus" Geburt wurde von einem Engel
angekündigt und er wurde vom Heiligen Geist gezeugt. Doch darauf folgten
irdische Entwicklungsprozesse: Jesus wuchs in Marias Bauch, wurde in einem
Stall geboren, in Windeln gewickelt und in einen Futtertrog gelegt. Am achten
Tag wurde er an der Vorhaut beschnitten, jüdisch erzogen, lernte von seinem
Vater den Beruf des Zimmermanns: "Jesus nahm zu an Weisheit und an Größe,
und an Gunst bei Gott und Menschen" (Lukas 2:52). Diese natürlichen
Entwicklungsprozesse im Leben Jesu sind eng verwoben mit göttlichen Eingriffen
und Fügungen, so dass beide oftmals gar nicht voneinander zu trennen oder zu
unterscheiden sind.
So ergab sich Jesus" Geburt in Bethlehem
scheinbar zufällig aus der gerade stattfindenden Volkszählung, die von den
Römern durchgeführt wurde. Das war der politische, "weltliche" Grund,
dass Josef sich in die Stadt seiner Vorväter begeben musste. Doch gleichzeitig
erfüllte sich damit eine uralte Profetie, dass der Messias in Bethlehem geboren
werden sollte:
Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den
Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher
über Israel sein soll. Seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der
Ewigkeit her. Micha 5:1
Die Flucht der Familie Jesu nach Ägypten ergab
sich ebenfalls aus einer politischen Notsituation, dem Kindermord des Herodes,
wurde aber von einem Engel durch einen Traum "angeregt" und schon im
Alten Testament profetisch angekündigt:
Und Jesus war dort bis zum Tod des Herodes, damit
erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Profeten, der spricht:
«Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.» Matthäus 2:15, vergleiche Hosea
11:1
Jesus ließ sich taufen wie alle anderen
Menschen - ein Umstand, der für Johannes den Täufer schwer zu akzeptieren
war. Dann kam der Heilige Geist auf Jesus und führte ihn in die Wüste, wo er,
ganz menschlich, Hunger und Durst und die Versuchungen Satans über sich ergehen
lassen musste. Natürliches und Übernatürliches waren in Jesus untrennbar
miteinander verbunden: Er hatte die Fähigkeit, Dämonen auszutreiben und
unheilbar erkrankte Menschen vollkommen wieder herzustellen, und gleichzeitig
lief er in Sandalen über die staubigen Straßen des von den Römern besetzten
Israels. Engel dienten ihm, und er hatte die Gabe, jedes Detail über seine
Geschöpfe zu wissen - dennoch ritt er auf einem Esel in Jerusalem ein.
Himmel
und Hölle begegnen sich auf der Erde
Wichtige Teile des Lebens Jesu sind durch die
Heilige Schrift vorhergesagt, und doch erfüllten sie sich scheinbar natürlich,
obwohl Himmel und Hölle ihre Finger im Spiel hatten: Aus nur allzu menschlichem
Neid trachteten die Obersten nach seinem Leben, aus simpler Habgier verriet ihn
einer seiner engsten Freunde. Die gerade herrschenden Römer vollstreckten auf
traditionelle Art und Weise das Todesurteil: Jesus wurde wie seine kriminiellen
Mitgefangenen mit Eisennägeln auf ein Holzkreuz genagelt, sein Gewand unter den
Henkern verlost.
So erfüllen sich schrittweise die uralten
Profetien, geht Natürliches Hand in Hand mit Übernatürlichem: Jesus nimmt die
Sünde der Welt auf sich, eine Sonnenfinsternis geschieht seltsamerweise genau
in dieser Zeit und erschreckt alle Bewohner Jerusalems. Jesus schreit
verzweifelt: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?!" Dann stirbt
er, jedoch nicht an den Folgen der Kreuzigung, sondern indem er seinen Geist
willentlich in die Hand seines Vaters befiehlt - ein übermenschlicher
Kraftakt, der den römischen Hauptmann zum Glauben kommen lässt. Der Vorhang des
Tempels zerreißt von oben nach unten. Der reiche Josef von Arimathia lässt
seine Beziehungen spielen, um den übel zugerichteten Leichnam Jesu ordentlich
zu begraben - und erfüllt damit wieder biblische Profetien (Jesaja 53:9;
Lukas 23:50). Die Frauen balsamieren ihn ein, ganz wie es für Juden üblich ist.
Gerüchte um seine Auferstehung bewegen die Römer dazu, das Grab zu
versiegeln - während die Jünger Jesu gar nichts mehr glauben können.
Dann geschieht das Wunder der Auferstehung,
römische Wachsoldaten fallen erst in Ohnmacht, laufen dann davon und lassen
sich anschließend bestechen, um das Ereignis zu vertuschen. Engel sprechen mit
den Frauen, schieben einen Stein zur Seite, damit seine Jünger ins Grab können.
Die Neue Schöpfung wird offenbar, Jesus erscheint mit seinem Auferstehungsleib,
spricht mit verängstigten Frauen und beauftragt sie als Überbringer der
revolutionierendsten Nachricht der ganzen Weltgeschichte: Das ehemalige Baby
von Bethlehem, der Zimmermann aus Nazareth, ist von den Toten auferstanden und
wird nie mehr sterben. Wer an ihn glaubt, kann dieselbe Art von Leben bekommen!
Ganz menschlich erscheint Jesus danach seinen
Freunden, fängt Fische und grillt mit ihnen am Ufer eines Sees (Johannes
21:4-9). Nachdem er durch Wände gelaufen ist, als wären sie aus Nebel, isst
Jesus vor den Augen seiner Jünger Fisch, um sie von der Körperlichkeit seiner
Auferstehung zu überzeugen (Lukas 24:41-43), lässt sich sogar von ihnen
anfassen (Johannes 20:27). Zu Fuß müssen seine Jünger sich an den Ort begeben,
wo Jesus dann auf Wolken überirdischer Kraft in den Himmel auffährt. Engel
geben den Jüngern Anweisungen, weiterhin zu Fuß die umwälzendste Botschaft der
Welt anderen Menschen zu bringen. Zehn Tage warten die Jünger und beten in
einem Dachgeschoß, bis der Heilige Geist mit feurigen Flammen vom Himmel auf
sie fällt, ihnen die Kraft gibt, Tote aufzuerwecken und - in den irdischen
Dialekten ihrer Zuhörer zu sprechen ... Und so geht es weiter und weiter ...
Das Leben Jesu ist also auch nach seiner
Auferstehung noch die Erfüllung, das Vollmaß dessen, was bis dahin bereits
Gottes Art zu handeln war: Als Retter (griechisch "jesus" kommt von
hebräisch "jeschua=der Herr rettet") lässt er das Bestehende nicht
einfach zugrunde gehen, um statt dessen etwas völlig Neues zu erschaffen,
sondern er lenkt die laufenden Entwicklungen und greift immer wieder
schöpferisch-übernatürlich in sie ein. Jesus selber ist das Endziel des
"Stammbaumes der Himmel und der Erde", denn er ist der Himmlische,
der auf die Erde kam, indem er Mensch wurde. Er überwand die Kluft, die bis
dahin Himmel und Erde trennte. Er ist DER WEG, niemand kommt zum Vater als nur
durch ihn (Johannes 14:6)! Er ist nicht nur DER MENSCH (Johannes 19:5,
1.Korinther 15:47), er ist auch DER WAHRE GOTT (Johannes 20:28).
Ist die
Bibel das Wort Gottes?
Nun, wie der Name sagt, ist die Bibel (griechisch
biblos = Buch) zuerst einmal das BUCH Gottes. DAS WORT GOTTES ist eine Person,
nämlich Jesus Christus selbst:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott ... Und das Wort wurde Fleisch ... Johannes 1:1,14;
vergleiche Offenbarung 19:13!
Worte Gottes sind naturgemäß alle Äußerungen, die
aus dem Munde Gottes kommen (Matthäus 4:4), auch wenn Menschen, sogar Feinde,
als Sprecher verwendet werden (2.Chronik 35:22; Johannes 11:51). Da Gott selber
das Wort ist, wächst sein Wort auf der Erde beständig (Apostelgeschichte 6:7;
12:24), er redet bis zum heutigen Tag, insbesondere durch Weissagung
(griechisch prophäteja; 1.Korinther 14), so dass Worte Gottes heute an vielen
Plätzen und in vielen Büchern zu finden sind. Das Wort Gottes ist also viel
mehr als die Bibel!
Die Bibel nimmt jedoch eine Sonderstellung in der
Literatur ein, weil sie das einzige Buch ist, das ausschließlich aus Worten
Gottes besteht. Sie allein ist unverfälscht durch menschliche Irrtümer oder
Fehler und darum der einzig unfehlbare Maßstab, an dem wir jede Lehre prüfen
können, ob sie dem Wort Gottes entspricht. Darum tun auch wir gut daran, den
Rat Paulus" zu befolgen, den er Timotheus gab:
Böse Menschen und Betrüger aber werden zu
Schlimmerem fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden. Du aber
bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt,
von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften
kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben,
der in Christus Jesus ist.
Alle Schrift (griechisch:
graphä = heilige Schrift) ist von
Gott eingegeben (griechisch: theópneustos = gottgehaucht) und nützlich zur
Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der
Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk
ausgerüstet. (2.Timotheus 3:13-17)
Jesus war ganz Mensch und damit wie wir von der
Sünde versuchbar, aber dennoch blieb er ohne Sünde, sagte nie eine Unwahrheit
(Hebräer 4:15; 7:26; Jesaja 53:9; 1.Petrus 2:22). Und darin gleicht die Bibel
Jesus, dem Mensch gewordenen Wort Gottes, denn sie ist ein ganz menschliches
Buch, und doch ist sie zugleich göttlichen Ursprungs und Wesens:
Und so besitzen wir das prophetische Wort umso
fester, auf welches zu achten ihr wohl tut, als auf eine Lampe, welche an einem
dunklen Orte leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in
euren Herzen; indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift
von eigener Auslegung ist. Denn die
Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern
heilige Männer Gottes redeten, getrieben (griechisch: phéro = tragen,
bringen, führen) vom Heiligen Geist.
2.Petrus 1:19-21
Jesus hatte fehlbare und fehlerhafte Vorfahren und
Eltern, dennoch war er selber fehlerlos. Die Schlussfolgerung, Jesus müsse doch
auch Fehler gemacht haben, er sei ja schließlich "nur ein Mensch"
gewesen, berücksichtigt nicht die Kraft und Weisheit Gottes in ihm. Genauso
wäre es falsch, der Bibel Fehler zu unterstellen, "weil sie ja schließlich
von Menschen gemacht wurde"! Wenn schon eine Volksschullehrerin es
schafft, kleinen Kindern innerhalb kürzester Zeit beizubringen, ein Diktat
richtig zu schreiben, wieviel mehr können wir Gott zutrauen, dass er
auserwählte Menschen befähigen kann, seine Worte korrekt wiederzugeben? Menschen
aus sich heraus können niemals Gottes Wort wissen oder weitergeben. Aber Gott
ist fähig, so zu Menschen zu sprechen, dass sie ihn verstehen und das Gehörte
weitersagen können. Darum ist es nur vernünftig, dass wir die Bibel "nicht als Menschenwort aufnehmen,
sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort", das in denen, die
daran glauben, auch wirkt, 1.Thessalonicher 2:13.
Wortmeldung
in einer Theologie-Internet-Newsgroup
Was verstehst du unter "von Gott inspiriert"? Auch ich glaube
das, jedoch nicht in dem Sinne, dass die Autoren dabei zu hirnlosen
Schreibgeräten mutieren, die durch die Hand Gottes geführt werden. Ich gehe
dagegen davon aus, dass sie Menschen ihrer Zeit waren, die sich nicht in Trance
oder Bewusstlosigkeit befanden, während sie das schrieben, sondern bei wachem
Verstand und mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität ...
Wenn man heute theologisch gebildeten Menschen zu
verstehen gibt, dass man die Bibel für Gottes Wort hält, werden einem manchmal
absurde Vorstellungen von Inspiration unterstellt, die lächerlich, naiv oder
fanatisch erscheinen. Man wird gefragt, ob man glaube, dass die Bibel als Buch
"vom Himmel gefallen" sei oder ähnliches. Darum möchte ich im
Folgenden darlegen, was die Bibel unter "Inspiration" versteht. Zwei
Bibelstellen machen hierzu grundlegende Aussagen:
2.Petrus 1:19-21
Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf
zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag
anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht, indem ihr dies zuerst
wißt, dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht. Denn
niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht,
sondern von Gott her redeten Menschen, geführt (griechisch phéro = tragen,
bringen, führen) vom Heiligen Geist.
Diese Stelle betont, dass die Schrift letztlich
nicht menschlichen Ursprungs ist, sondern göttlich, wenn es auch Menschen
waren, durch die Gott redete. Die zweite Schlüsselstelle ist:
2.Timotheus 3:14-17
Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du
weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften
kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben,
der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben (griechisch:
theópneustos) und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur
Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für
jedes gute Werk ausgerüstet.
Während Petrus sagt, dass die Autoren der Bibel
von Gott geführt wurden, betont Paulus, dass das Ergebnis, der Bibeltext,
"gottgehaucht", wörtlich "theó-pneu-stos = gott-gegeistet"
ist. Wahrscheinlich bezieht sich der Ausdruck "inspiriert" auf diese
Aussage. Der Hebräerbrief betont, dass dieses inspirierte Reden Gottes
"vielfältig und auf vielerlei Art und Weise" geschehen ist (Hebräer
1:1), also keineswegs eintönig in Form von "Diktaten"! Werfen wir
doch einen Blick in die Bibel selber, wie Gott redet ...
Tatsächlich hat Gott sogar schon einmal durch
einen Esel gesprochen, nämlich zu dem Propheten Bileam, als dieser nicht auf
Gottes Wort hören wollte. Schließlich erschien Bileam sogar noch ein Engel, der
ihm wiederum Gottes Wort überbrachte, und schlussendlich musste Bileam mehrfach
Gottes Wort verkünden, nämlich Segen für Israel, obwohl er wegen des
angebotenen Lohnes eigentlich darauf aus war, Israel zu verfluchen (4.Mose
22:5ff). Das sind Beispiele für sehr massive "Inspiration"!
Aber Gott spricht auch auf ganz unspektakuläre
Weise zu uns, wenn wir nur bereit sind zu hören, zum Beispiel durch Ameisen,
Heuschrecken und Eidechsen (Sprüche 6:6; 30:24ff), durch Sonne, Mond und Sterne
(Psalm 19:2ff).
Gott hat sehr wohl auch Bibeltexte wörtlich
diktiert (2.Mose 34:27; Jesaja 8:1; Jeremia 30:2; 36:28; Hesekiel 43:11;
Offenbarung 2:1; 14:13; 19:9).
Er hat jedoch auch die Angstgebete verzweifelter
Menschen in die Bibel aufgenommen (z.B. Psalm 22), ebenso wie die Erlässe
mächtiger, ausländischer Könige (Esra 1:2; Daniel 3:31ff). Hier finden wir die
Träume eines Pharao (Genesis 41:1) ebenso wie Liebeslieder (Hoheslied), die
Statistiken von Volkszählungen (Esra 2:1) oder ausführliche
Familienstammbäume (Matthäus 1:1ff). Diese Beispiele sollten einen kleinen
Eindruck davon geben, was die Bibel unter "Inspiration" versteht.
Das Weltbild der biblischen Autoren
Immer wieder wird von Theologen betont, man müsse
die Bibeltexte im Kontext ihrer Zeit deuten, und die Schreiber der Texte wären
auch den Vorstellungen ihrer Zeit verhaftet gewesen. Mit anderen Worten: Sie
wären auch nicht schlauer gewesen als ihre Zeitgenossen, wären denselben
Irrtümern erlegen und hätten in der Bibel ein Weltbild beschrieben, das heute
als überholt gelten muss.
Doch diese Sicht beruht auf der irrtümlichen
Annahme, die Autoren der Bibel hätten nur aus eigener Weisheit geschrieben. Die
"moderne" Theologie (= Lehre von Gott) geht stillschweigend davon
aus, dass die Schreiber der Bibel ihre Aufgabe ohne die Hilfe Gottes erledigen
mussten. Doch das bedeutet letztendlich, dass man jegliches Wunder und auch
jegliche Prophetie aus der Bibel "wegdeuten" müsste. Aber genau das
ist doch das Besondere der Bibel: Hier schrieben Menschen mehr nieder, als sie
rein menschlich wissen konnten! Was wären sonst all die Prophetien über den
Verlauf der Geschichte Israels, über das Kommen des Messias?
Wenn Gott die Menschen so führen konnte, dass sie
richtige Prophezeiungen über die Geburt Jesu in Bethlehem, sein Leiden am Kreuz
und seine Auferstehung machen konnten - oftmals ohne dass sie selber sich
dessen in dem Moment bewusst gewesen wären - konnte er sie dann nicht auch so
führen, dass ihre Aussagen über die natürlichen Gegebenheiten der Wahrheit
entsprachen? Wer also von vorneherein davon ausgeht, die Autoren der Bibel
hätten ein überholtes Weltbild in die Bibel projiziert, der muss auch die
Wunder und Prophezeiungen der Bibel ablehnen.
Das Beispiel des prophezeienden Hohenpriesters
Oftmals betonen Theologen, die Texte der Bibel
müssten "im Kontext ihrer Zeit verstanden", "im Kontext der
Literatur- und Religionsgeschichte betrachtet werden". Dagegen ist nichts
einzuwenden, denn selbstverständlich sollen wir Bibelstellen nicht aus dem
Textzusammenhang herausreißen, und selbstverständlich sollen wir den
Geschichtsverlauf, wie ihn uns die Bibel schildert, berücksichtigen. Aber die
entscheidende Frage ist, ob man in die obigen Sätze unausgesprochen das Wort
"NUR" einfügt: "NUR im Kontext ihrer Zeit" und "NUR im
Kontext der Literatur- und Religionsgeschichte." Das würde die Bibel
selber sicher verneinen, wie ich am folgenden Beispiel zeigen möchte:
Da versammelten die Hohenpriester und die
Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Denn dieser Mensch (Jesus)
tut viele Zeichen. Wenn wir ihn so lassen, werden alle an ihn glauben, und die
Römer werden kommen und unsere Stadt wie auch unsere Nation wegnehmen. Einer
aber von ihnen, Kaiphas, der jenes Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr
wisst nichts und überlegt auch nicht, dass es euch nützlich ist, dass ein
Mensch für das Volk sterbe und nicht die ganze Nation umkomme. Dies aber sagte
er nicht aus sich selbst, sondern da er jenes Jahr Hoherpriester war, weissagte
er, dass Jesus für die Nation sterben sollte; und nicht für die Nation allein,
sondern dass er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte. Von
jenem Tag an ratschlagten sie nun, um ihn zu töten. Johannes 11:47-53
Der zeitgeschichtliche Hintergrund war, dass Jesus
gerade Lazarus vom Tod auferweckt hatte, weshalb große Volksmengen ihm folgten
und die Hohenpriester Angst hatten, es könnten dadurch politische Unruhen
entstehen, die letztlich zum Untergang Israels führen könnten, das von den
mächtigen Römern bis dahin mehr oder weniger geduldet wurde. Würde man hier
stehen bleiben, dann wäre der Ausspruch des Hohenpriesters nichts weiter als
eine Aufforderung zum Polit-Mord. Doch letztlich wurde er von Gottes Geist
geführt, eine tiefe Wahrheit auszusprechen, die mit den bezeichnenden Worten
beginnt: "Ihr wisst nichts!" Diese Aussage traf sicher auch auf ihn
selber zu, und dennoch sprach er eine Prophetie von gewaltiger Tragweite aus:
Das stellvertretende Leiden und Sterben des Messias.
Bei aller Wissenschaftlichkeit bei der Auslegung
der Bibel werden wir also trotzdem unbedingt die Hilfe des Heiligen Geistes
brauchen, der zuerst einmal uns selber verändern muss, damit wir überhaupt
aufnahmebereit für geistliche Dinge werden, und nicht auf der seelischen Ebene
steckenbleiben (1.Korinther 2:12-14). Wenn wir nicht wiedergeboren werden, dann
wird tatsächlich der Buchstabe uns töten, denn nur der Geist macht lebendig
(2.Korinther 3:6). Und der Geist Gottes kann und möchte uns über die reine
Verstandesebene hinausführen (Philipper 4:6-7).
Was
Biologen und Theologen dazu sagen
Den
meisten Menschen bereitet es wahrscheinlich wenig Kopfzerbrechen, ob der Hase
oder auch der Klippschliefer Wiederkäuer sind oder nicht. Vor allem werden sie
es weder als "heilsentscheidend" sehen noch als Nagelprobe, ob man
sich auf die Bibel verlassen kann oder nicht. Ganz anders dagegen die
bibelkritische Theologie, die jede Gelegenheit nützt, um die Inspiration der
Bibel in Frage zu stellen. Sie behauptet ja, dass die Bibel nur ein
menschliches Machwerk sei, also niemals von Gott eingegeben, und dass sie
deswegen natürlich auch menschliche Irrtümer enthalte. Ein Paradebeispiel, das
mir an der Uni prompt unter die Nase gerieben wurde, ist dabei genau diese
Frage, ob Hase und Klippdachs nun Wiederkäuer seien oder nicht. Laut
Naturwissenschaften seien sie es jedenfalls nicht, in der Bibel stehe jedoch
fälschlicherweise das Gegenteil. Nun, lesen wir doch einfach einmal den
fraglichen Text, der in seiner Einleitung ausdrücklich behauptet, dass die
darauf folgenden Worte von Gott stammen:
Und der HERR redete zu Mose und zu Aaron und
sprach zu ihnen: Redet zu den Söhnen Israels und sprecht: Dies sind die
Lebewesen, die ihr essen sollt von allen vierfüßigen Tieren, die auf der Erde
sind: Alles, was gespaltene Hufe hat, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, und
was wiederkäut (hebräisch: ma^alat gerah = Gekautes hochbringt) unter den
Tieren, das dürft ihr essen. Nur diese von den Wiederkäuern (hebräisch: ma^aleh
haggerah = Hochbringern von Gekautem) und von denen, die gespaltene Hufe
haben, dürft ihr nicht essen:
das Kamel, denn es ist ein Wiederkäuer (hebräisch: ma^aleh gerah =
Hochbringer von Gekautem), aber gespaltene Hufe hat es nicht: unrein soll es
euch sein.
Und den Klippdachs (hebräisch: schaphan), denn er ist ein Wiederkäuer
(hebräisch: ma^aleh gerah = Hochbringer von Gekautem), aber er hat keine
gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein.
Und den Hasen (hebräisch: "arnäbät), denn er ist ein Wiederkäuer
(hebräisch: ma^alat gerah = Hochbringer von Gekautem), aber er hat keine
gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein.
Und das Schwein, denn es hat gespaltene Hufe, und zwar wirklich
aufgespaltene Hufe, aber es käut nicht wieder (hebräisch: gerah lo
jiggar = Gekautes kaut es nicht): unrein soll es euch sein.
Von ihrem Fleisch dürft ihr nicht essen und ihr Aas nicht berühren; unrein
sollen sie euch sein. Leviticus 11:1-8; ein Paralleltext befindet sich in
Deuteronomium 14:6-7
Um
welche Tiere handelt es sich?
·
Der "arnäbät kommt nur zweimal in der Bibel vor,
nämlich in Leviticus 11:6 und Deuteronomium 14:7. Man geht davon aus, dass es
sich von "anab = fruchtbar sein ableitet. Dass es sich hierbei um den
Hasen handelt, ist wahrscheinlich, aber nicht absolut sicher, zumal die
Bibelstellen keine weiteren Angaben über Körperbau und Lebensweise machen.
·
Der schaphan kommt nur viermal in der Bibel vor:, nämlich
in Leviticus 11:5, Deuteronomium 14:7, Psalm 104:18 und Sprüche 30:26. Lesen
wir die zwei noch unbekannten Stellen:
Die hohen Berge sind für die Steinböcke, die
Felsen eine Zuflucht für die Klippdachse. Psalm 104:18
Vier sind die Kleinen der Erde, und doch sind sie mit Weisheit wohl
versehen ... die Klippdachse, ein nicht kräftiges Volk, und doch
legen sie im Felsen ihre Wohnungen an. Sprüche 30:24,26
Wie wir noch sehen werden, kann es sich hier nur
um die "Klippdachse" oder "Klippschliefer" handeln.
Was ist
ein "Wiederkäuer"?
Der
immer wieder verwendete Ausdruck ma^alat
gerah besteht aus hebräisch ma^aläh
und gerah. ma^aläh ist ein Partizip der Hiphil-Form des Tätigkeitswortes ^alah = hinaufgehen, hinaufsteigen.
Die Hiphil-Form bedeutet, dass verursacht wird, dass etwas
"hinaufgeht" oder hinaufsteigt;
man übersetzt es also sinngemäß mit hinaufbringen,
hinaufführen. Unter den vielen Stellen, in denen ^alah im Hiphil vorkommt, sollen hier nur zwei typische zitiert
werden:
... da zogen sie und brachten Josef aus der Grube
herauf (^alah im Hiphil) ... Genesis 37:28
Rahab führte die Kundschafter auf das Dach hinauf ... (^alah im
Hiphil) Josua 2:6
^alah im Hiphil bezeichnet ein
Hinaufbringen von etwas, ohne jedoch zum Ausdruck zu bringen, auf welche Weise
das geschieht. Hier zwei Stellen, die das verdeutlichen, und in denen genau der
Ausdruck ma^aläh vorkommt, wie ihn
auch die Wiederkäuerstellen verwenden:
Denn der HERR, unser Gott, ist es, der uns und
unsere Väter aus dem Lande Ägypten, aus dem Hause der Knechtschaft,
heraufgeführt hat (ma^aläh). Josua 24:17
Es geschah nämlich, während Samuel das Brandopfer (^olah) opferte (ma^aläh)
... 1.Samuel 7:10
In der letzten Stelle wird für Brandopfer verwendet, weil diese durch
Verbrennen als Rauch "aufsteigen", daher auch ihr Name "^olah =
Aufsteigendes".
Der zweite Teil des obigen Ausdrucks, das
Hauptwort gerah, leitet sich von dem
Tätigkeitswort garar = ziehen,
fortreißen, zersägen ab und wird dem Textzusammenhang nach am besten mit Gekautes, Zermahlenes übersetzt
(L.Koehler und W.Baumgartner, Lexicon in veteris testamenti libros, Seite 193).
Der
Ausdruck "ma^alat gerah" besagt also,
dass
Hase und Klippschliefer Heraufbringer von Gekautem sind,
wobei
nichts über die Art und Weise des "Hinaufbringens" ausgesagt wird.
Zoologische
Aussagen über den Klippdachs
Nehmen
wir zuerst einmal die Aussagen der Theologen zur Kenntnis:
Er ist in Wirklichkeit kein Wiederkäuer;
anscheinend dachte man an die großen Ausbuchtungen des Dick- und des
Blinddarmes, die an den Magen der Wiederkäuer erinnerten.
(J.Feliks in "Biblisch-Historisches Handwörterbuch", Vandenoeck
& Ruprecht in Göttingen 1964; an dieser Stelle, Spalte 970, Verweis auf:
P.Benoit, "Revue Biblique", 1935, Seite 581f.)
Klippdachs, Klippschliefer - kein Wiederkäuer.
(Koehler-Baumgartner, "Lexicon in veteris testameti libros",
Seite 1005. Auch hier Querverweis auf P.Benoit, "Revue Biblique", 44,
582.)
In "Brehms Tierleben" (1925, Band 12,
Seite 591) wird nicht gesagt, ob der Klippdachs ein Wiederkäuer ist oder nicht,
sondern lediglich festgestellt:
Der Magen wird durch eine Scheidewand in zwei Abteilungen geschieden, deren
linke mehr zur Aufspeicherung, deren rechte der eigentlichen Verdauung dient.
In "Grzimeks Tierleben" (Band 12,Seite
515ff), das 1972 herausgegeben wurde, wird der Klippschliefer den Wiederkäuern
zugeordnet:
Wohl nur wenige Leute können sich unter der Bezeichnung
"Schliefer" etwas vorstellen. Sieht man diese murmeltierähnlichen,
etwas plump gebauten Tiere einmal in einem Zoo, so möchte man nicht glauben,
dass sie zur Huftierverwandtschaft gehören und hier in die gleiche Überordnung
gestellt werden wie die Elefanten und Seekühe.
Bibelkundigen Lesern wäre zumindest der Name vertraut, wenn Martin Luther bei
seiner Bibelübersetzung nicht fälschlich die im Hebräischen "shaphan"
genannten Tiere als "Kaninchen" bezeichnet hätte. Shaphan (auf
deutsch: "der sich Verbergende") ist in Wirklichkeit die in Palästina
und Syrien vorkommende Klippschlieferart.
Die Klippschliefer (Ordnung Hyracoidea, Familie Procaviidae) sind etwa
kaninchengroß und ohne äußerlich sichtbaren Schwanz. Gesamtlänge 40-50 cm,
Gewicht 2500-3500 Gramm. Körper gedrungen, Ohren klein und rundlich; Vorderfüße
vierzehig ... Pflanzenesser; obere Schneidezähne gebogen, ständig nachwachsend.
Wiederkäuer; Darm wie bei allen Pflanzenessern sehr lang, zusätzlicher
Blindsack ...
Einzigartig unter allen Säugetieren ist das Darmsystem, da die Schliefer zwei
Blindsäcke haben. Der erste Blindsack ist recht umfangreich und enthält
Bakterien, die Zellulose verarbeiten. Der zweite, etwas kleinere Blindsack hat
zwei ungefähr acht Zentimeter lange hornförmige Fortsätze; seine Aufgaben sind
noch nicht geklärt.
(Alle Zitate von U.Rahm, entnommen aus "Grzimeks Tierleben",
Enzyklopädie des Tierreiches, Kindler Verlag 1972 in Zürich, Zwölfter Band, Säugetiere
3.)
Demnach befindet sich F.J.Bruijel wissenschaftlich
auf der Höhe, wenn er in "Christelijke Encyclopädie", 1959, J.H.Kok
N.V.Kampen, Band 4, Seite 274f, schreibt:
Der Klippdachs ist überall in felsigen Gebirgen rund um das Jordantal und
den südlichen Wüstengebieten zu finden, ebenso in den Gebirgen rund um den See
Genezareth. Sein Verbreitungsgebiet umfasst des weiteren Syrien, Arabien, die
Nilländer, Ost-, West- und Südafrika ...
Er ist das kleinste und zierlichste der Huftiere, obwohl seine Lebensweise
mehr der der Nagetiere gleicht. Er hat die Größe eines Kaninchens und auch eine
gespaltene Oberlippe; der Kopf gleicht dem eines Murmeltieres ... Er lebt
in Kolonien und stellt gleich den Gemsen und Murmeltieren Wachposten auf, die
bei Gefahr durch einen gellenden Schrei warnen. Sie können nahezu senkrechte
Wände hinaufklettern und sind ausnehmend gute Springer (2-4 m). Der
Klippdachs wiederkäut mit Hilfe eines zweiteiligen Magens, wobei die Kiefer
sich ebenso wie bei allen Wiederkäuern von links nach rechts bewegen.
Ergebnis:
Da der
Klippdachs ein Wiederkäuer ist, sagt die Bibel zu Recht von ihm, dass er ein
"Hinaufbringer von Gekautem" ist, weil er die grob gekaute Nahrung
(durch den Schlund) in die Mundhöhle "hinaufbringt", um sie noch
einmal zu kauen und zu verdauen.
Interessanterweise verdanken wir diese Erkenntnis
nicht etwa Theologen, die sich darum bemüht hätten, den Wahrheitsgehalt der
Bibel zu beweisen, sondern Zoologen, die ohne Rücksicht auf weltanschauliche
Überzeugungen geforscht haben.
Zoologische
Aussagen über den Hasen
Bezüglich des Hasen besteht kein Zweifel: er ist
kein Wiederkäuer. Echte Wiederkäuer im Sinne der heutigen wissenschaftlichen
Systematik sind Pflanzenfresser, die sich an die schwerverdauliche Pflanzenkost
durch besondere Ausbildung ihres Magen-Darmtraktes angepasst haben. Sie
vermögen die aufgenommene Nahrung zunächst in einem als Gärkammer ausgebildeten
Magenteil, dem Pansen, vorzuverdauen. Dabei werden vor allem die pflanzlichen
Zellwände, die aus Zellulose bestehen und den Zutritt der Verdauungssäfte zum
nahrhaften Zellinhalt verhindern, durch Mikroorganismen aufgeschlossen. Nach
solcher Vorverdauung wird der Panseninhalt portionsweise in das Maul
zurückbefördert und danach wiedergekäut.
Hiervon unterscheidet sich jedoch der biblische
Begriff des "Hinaufbringers von Gekautem", denn er bezieht sich nicht
auf das nochmalige Kauen, sondern allein darauf, dass das bereits Gekaute noch
einem "hinaufgebracht" wird. Kann es sein, dass der Hase ein solcher
"Hinaufbringer von Gekautem" ist, ohne zugleich ein Wiederkäuer zu
sein? Gibt es noch eine andere Möglichkeit, "Gekautes (wieder in den Mund)
hinaufzubefördern"? Was sagt die Zoologie? Zitieren wir zuerst aus
"Grzimeks Tierleben", Band 12, Seite 421f, eine Passage aus der
Abhandlung von Dr.R.Angermann:
Im
Jahre 1882 veröffentliche Morot in einer französischen tierärtzlichen
Zeitschrift seine Beobachtungen über die schleimüberzogenen
"Magenpillen" der Kaninchen. Außer der normalen festen Losung
erzeugen diese Tiere nämlich eine
zweite Kotform - weiche, schwachgeformte Kügelchen, die sie nach Ablage
sofort aufnehmen und unzerkaut schlucken. Sie sammeln sich an einer
bestimmten Stelle des Magens (in der Cardiaregion) und werden nochmals verdaut.
Auf solche Weise geht ein Teil der Nahrung zweimal
durch den Darm und wird dadurch besser aufgeschlossen. Diese Doppelverdauung ähnelt in
gewisser Weise dem Wiederkäuen der meisten Paarhuferfamilien. Der weiche Kot
(Caecotrophe) wird im Blinddarm gebildet und dort stark mit Vitamin B1 angereichert;
nach den Untersuchungen von Scheunert und Zimmermann enthält er gegenüber dem
normalen Kot die vier- bis fünffache Menge an Vitaminen.
Für die Hasentiere ist der "Blinddarm-" oder "Vitaminkot" lebenswichtig; er erleichtert
ihnen vermutlich auch das Überstehen längerer Fastenzeiten bei ungünstiger
Witterung.
Nun
noch H.Wurmbach in "Lehrbuch der Zoologie", Band 2,Seite 764,
2.Auflage Stuttgart 1971:
Die
Nager, und zwar sowohl die Simplizidentaten wie die Kuplizidentaten haben eine
eigenartige Anpassung an die pflanzliche Ernährung erworben, das Fressen der
CAECOTROPHE (Harder), gewissermaßen anstelle
des Wiederkäuens. Tagsüber setzen sie normalen trockenen Kot in kleinen
Ballen ab, den sie nicht fressen. Zur Zeit der Ruhe bilden sie kleine feuchte,
in Schleim gehüllte weiche Kugeln, die Caecotrophen, die sie mit dem Mund vom After abnehmen und unzerkaut schlucken.
Das Material zur Bildung dieser Kugeln ist im oberen Teil des Blinddarmes
vergoren worden. Es wird dann im Enddarm zu den Kügelchen geformt. Diese
gelangen unzerstört in den vorderen Teil des Magens und mischen sich von dort
aus durch die Magenperistaltik mit dem Nahrungsinhalt des Magens, mit dem
zusammen sie verdaut werden. Auf
diese Weise passieren 80-100% der Nahrung zweimal den Darmkanal. Hindert
man durch ein Gestell, in das man den Kopf des Nagers steckt, die Tiere daran,
an den After zu gelangen, so findet man morgens die typischen weichen Ballen
der "CAECOTROPHE". Auch bei
genügender Fütterung gehen auf diese Weise am Kotfressen gehinderte Tiere
zugrunde. Die Kugeln sind bedeutend eiweiß- und bakterienreicher als
die trockenen echten Kotballen.

Ergebnis:
Der
Hase ist zwar kein "Wiederkäuer" im engeren, zoologischen Sinne,
jedoch ist die biblische Bezeichnung "Hochbringer von Gekautem"
absolut zutreffend:
Der Hase "bringt" die bereits einmal
gekaute und vorverdaute Blinddarmlosung in Form von schleimüberzogenen Pillen
wieder "hinauf" und frisst sie ein zweites Mal.
Die historisch-kritische Theologie im AT
(Pentateuch- und Literarkritik,
"Quellenscheidung")
Ausblick / Zusammenfassung:
Die
historisch-kritische Theologie stellte im 19. Jahrhundert die Theorie auf, der
Text der Genesis sei durch mündliche Überlieferung von verschiedenen Quellen
und Überarbeitung verschiedener Redakteure viel später entstanden, als im
Bibeltext selber angegeben und stamme jedenfalls nicht von Mose.
Dabei stützte man sich vor allem auf den
verschiedenen Gebrauch der Gottesnamen, angebliche innere Widersprüche und
Wiederholungen im Text (Doubletten), und war stark beeinflusst von der damals
gerade gängigen "Mythentheorie", in der die Geschichtlichkeit nicht
nur vieler biblischer Berichte grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Ein
wesentlicher Pfeiler dieser Theorien war auch die Annahme, die Schreibkunst sei
zur Zeit Moses noch gar nicht entwickelt gewesen.
Doch die Ausgrabungen, die ungefähr 75 Jahre
später umfangreiche Entdeckungen im Land der Genesis ans Licht brachten, haben
diesen Spekulationen vollständig den Boden entzogen: Nicht nur wurden viele
angeblich "mythische" Gestalten, Städte und Völker als geschichtlich
erwiesen, sondern es wurde auch offenbar, dass die Schreibkunst viel früher
bekannt war, als ursprünglich vermutet: Sie war bereits zu Abrahams Zeiten weit
verbreitet. Die zahlreichen Schriftenfunde geben Aufschluss über die damaligen
Schreibgewohnheiten. Sie bestätigen nicht nur das hohe Alter der Genesistexte,
sondern ermöglichen aufgrund bestimmter Angaben im Genesis-Text, die Quellen
aufzuspüren, die Mose für seinen Bericht verwendet hat.
Die
historisch-kritische Theologie hat also zwar teilweise richtige Beobachtungen
am Text gemacht, jedoch aufgrund weltanschaulicher Voreingenommenheit und
sachlicher Unkenntnis falsche Schlussfolgerungen daraus gezogen. Ihre Theorien
über die Herkunft und Zuverlässigkeit des Bibeltextes sind deswegen nicht
länger haltbar. Dieser geht tatsächlich auf uralte Quellen zurück, die aber mit
extremer Genauigkeit überliefert wurden und deren Herkunft aufgrund deutlicher
Hinweise im Text nachvollzogen werden kann:
Wie wir gesehen haben, ist die Genesis aus einer
Täfelchenserie zusammengesetzt ... Bei näherem Zusehen ist zu erkennen, dass
die Täfelchen, aus denen die Genesis besteht, an manchen Stellen mit den
Einteilungen der Quellenscheidung übereinstimmen. Das ist nicht verwunderlich:
Durch die Arbeit an der Genesis sind auch von der kritischen Forschung
Beobachtungen gemacht worden, z.B. über Stil, Wortgebrauch, Textzusammenhang
usw., die häufig richtig sind. Aber ihre Deutung der Beobachtung ist falsch,
weil sie von falschen Voraussetzungen ausgeht. (wedg
123-124)
Die meisten der nun folgenden Texte sind ein Zitat
aus:
P.J.Wiseman
C.B.E.
DIE ENTSTEHUNG DER GENESIS
"Das
erste Buch der Bibel im Licht der archäologischen Forschung" (Abkürzung: wedg)
R.Brockhaus
Verlag Wuppertal, 1989. ISBN 3-417-00323-7.
Dieses
Buch ist zur Zeit vergriffen. Zitate mit freundlicher Genehmigung von www.brockhaus-verlag.de
Weitere
Passagen sind bis auf weiteres unter www.urzeitundendzeit.de/Wiseman
abzurufen.
Die Bibelkritik an den Mosebüchern
P.J.Wiseman "Die
Entstehung der Genesis"
"Mit
"Pentateuchkritik" bezeichnet man den Zweig der theologischen
Forschung, der sich vor allem um den Aufbau, die Autorschaft und um die
Datierung der ersten fünf Bücher Moses bemüht. Unter dem übergeordneten Begriff
"Literarkritik" versteht man dieselbe Bemühung um alle Bücher der
Bibel ... Heute bezeichnen die genannten Ausdrücke eine theologische
Schulrichtung, nach deren Ansicht die Entstehung der biblischen Bücher völlig
anders zu sehen ist, als die Bibel es angibt. Von der "Literarkritik"
bzw. der "Pentateuchkritik" ist die "Textkritik" klar zu
unterscheiden, die sich mit Fragen des Textes, der Überlieferung und
Übersetzung beschäftigt." (wedg Seite 95)
Verschiedene Gottesnamen in der Genesis
"Das
Hauptargument für die Thesen der Quellenscheidung stützt sich nach Ansicht
ihrer Vertreter auf den verschiedenen Gebrauch der Titel und Namen Gottes in
der Genesis. Man setzt voraus, dass jeder Schreiber nur einen Namen oder Titel
für Gott verwendet hat. Jeder Abschnitt oder Vers, in dem die jeweilige
Gottesbezeichnung erscheint, kann auf Grund dieser Voraussetzung nur von dem
Schreiber stammen, der diesen Namen allein oder vorwiegend gebraucht. Mit
dieser Beobachtung begann überhaupt erst die Arbeit der Quellenscheidung.
Mit der
Zeit wurde das Ganze aber ein immer komplizierteres Zusammenspiel. Soweit es in
der hier gebotenen Kürze geht, wollen wir einmal dem Gedankengang dieser
Hypothese folgen.
Wie schon angedeutet, hat der französische Arzt Jean Astruc zum ersten Mal den
Gedanken ausgesprochen, dass in der Genesis verschiedene Quellen verarbeitet
seien, und dass man sie an dem verschiedenen Gebrauch der Gottesnamen
unterscheiden könne.
In den
ersten fünfunddreißig Versen der Genesis (Genesis 1:1 bis 2:4a) fand er für
Gott nur den Ausdruck Elohim (Gott). In den Kapiteln 2:4b bis 3:24 heißt Gott
nur Jahwe Elohim (Herr Gott), abgesehen von den Stellen, wo Satan das Wort
"Gott" verwendet. Diese Texte, meinte er, müssten von zwei
verschiedenen Schreibern stammen, da man nicht annehmen könne, dass Mose einmal
diesen, und in einem anderen Abschnitt unvermittelt den anderen Namen für Gott
verwendet habe.
Astruc
teilte dann das Buch in kleinere Abschnitte auf, die sich durch ihre
verschiedene Gottesbezeichnung voneinander unterschieden. Auf diese Weise kam
der uns unbekannte Schreiber der elohistischen Texte zu seinem Namen
"Elohist", und der Schreiber der Jahwe-Abschnitte wurde entsprechend
"Jahwist" genannt." (wedg Seite 114)
Die "Quellenscheidung"
"Nach
einem Jahrhundert emsiger Bemühungen hatte man folgendes ... herausgearbeitet,
mit dem man den Gebrauch der Gottesnamen in der Genesis zu erklären versuchte:
Die beiden Quellen J und E stammen von zwei verschiedenen Erzählern (oder auch
Schulen) aus der Zeit irgendwann nach Saul. Ein Redaktor RJE verarbeitete beide
Erzählungen so ineinander, wie es seinem Plan am besten entsprach, indem er
beiden Berichten die gewünschten Stellen entnahm, manchmal kleine Veränderungen
anbrachte oder Wörter und Sätze hinzufügte. Er verstand sein Handwerk so gut,
dass es heute schwierig ist - wie die Kritiker sagen -, die
ursprünglichen Texte voneinander zu unterscheiden. Spätere Redaktoren haben
dann sein Werk nochmals überarbeitet. Rund tausend Jahre nach Mose ist eine
weitere Quellenschrift entstanden, P (Priesterschrift) genannt. Ein Redaktor,
EP, fügte diese Schrift zu JE und machte hier und da noch einige erläuternde
Zusätze." (wedg Seite 114)
Die Schwächen der Pentateuch- und Literarkritik
(aus: P.J.Wiseman "Die
Entstehung der Genesis)
Unkenntnis
und blühende Phantasien
"Eines
ist gewiss: die kritischen Theorien über die Entstehung der Genesis wären nie
entwickelt worden, wenn man zur Zeit ihrer Entstehung die archäologischen
Kenntnisse gehabt hätte, die wir heute haben. Ihre hauptsächlichen
Fehlerquellen liegen ja gerade darin, dass man im letzten Jahrhundert über die
in der Genesis beschriebene Zeit völlig falsche Vorstellungen hatte. Zusammenfassend
sind für diese Fehlentwicklungen folgende Ursachen anzugeben:
Als die
genannten Theorien entstanden, wusste man noch nichts über den Stand der
Zivilisation in der Frühzeit. Man trieb die literarkritische Analyse ganz
unkritisch von modernen Gesichtspunkten aus, ohne Rücksicht zu nehmen auf die
(zu dieser Zeit allerdings noch unbekannten) alten Schreibgewohnheiten. Mit der
größten Selbstverständlichkeit nahm man ganz allgemein an, dass die Patriarchen
noch nicht schreiben konnten. ...
Selbstverständlich konnte damals niemand ahnen,
dass die Ausgrabungen im Euphrattal unsere Auffassungen über jene Zeit so
vollständig verändern würden. Sie begannen ja auch erste gegen die Mitte des
19. Jahrhunderts; und da noch sehr zögernd." (wedg Seite 102)
Schreibkunst
viel früher als vermutet
"Neben
den philosophisch belasteten Grundanschauungen der Forscher war vor allem
sachliche Unkenntnis eine der Ursachen für die falschen Voraussetzungen dieser
Arbeit. Nur so war es möglich anzunehmen, die Zivilisation sei am Anfang der
Geschichte unentwickelt und das Schreiben zur Zeit der Patriarchen noch
unbekannt gewesen. Wie wenig man darüber wusste, geht schon daraus hervor, dass
man die ersten nach Europa gebrachten Keilschriftzeichen für eine Art
Dekoration der orientalischen Keramik hielt. Wie seltsam kommt es einem heute
vor, wenn man ein Vorwort zu den Kommentaren über die Genesis aus dem
19.Jahrhundert in die Hand bekommt und liest, wie man sich dort genötigt
findet, die angefochtene Behauptung zu verteidigen, dass Mose wohl doch hätte schreiben
können!
Dabei haben wir Täfelchen ausgegraben, die 1000
Jahre vor Mose entstanden sind. Ich selbst habe einige davon in meiner
Sammlung. Und die großen Museen haben Tausende von Täfelchen, die schon alt
waren, als Mose lebte. 1000 Jahre vor dem großen Gesetzgeber der Israeliten hat
man schon so gewöhnliche Dinge schriftlich festgehalten wie
Geschichtsdarstellungen, Kaufverträge, Privatbriefe usw. Zu Moses Zeiten hatte
man offensichtlich bereits einen kulturellen Höhepunkt hinter sich und war
nicht erst dabei, sich langsam dahin zu entwickeln." (wedg Seite 104, 105)
"Keine
Entdeckung hat mehr Überraschung ausgelöst als die, dass die Zivilisation in
der Welt ganz plötzlich entstanden ist. Das war genau das Gegenteil dessen, was
man ursprünglich angenommen hatte. Der allgemeinen Ansicht nach erwartete man,
dass bei zunehmendem Alter der freigelegten Orte immer primitivere Kulturformen
erscheinen würden. Aber dies trifft weder auf Babylonien noch auf Ägypten zu,
wo doch die ältesten Kulturen der Welt festgestellt wurden. Dr.Hall schreibt
diesbezüglich in seiner "Ancient History of the Near East":
"Sooft wir auf alte Zivilisationen gestoßen sind, zeigten sich diese schon
als voll entwickelt.", und an anderer Stelle: "Soweit zurück man die
sumerische Kultur verfolgen kann, erscheint sie auf voller Höhe."
Die uns
bekannten Angaben über den Geburtsort der Menschheit - die Genesis, die
Archäologie und die geschichtlichen Überlieferungen - weisen alle auf die
Ebene in Mesopotamien hin. Keine Kultur der Welt, auch nicht die der Chinesen
und Inder, kann sich in ihrem Alter mit der Kultur der Bewohner Babyloniens
messen." (wedg Seite 31)
"Schon
um 2750 vor Christus waren für Vertragstexte und private Zwecke tönerne
"Briefumschläge" in Gebrauch. Es war auch üblich, den Inhalt eines
solchen Täfelchens auf dem Umschlag in einer Art Überschrift zu verzeichnen, um
ihn dann mit einem privaten Siegel zu verschließen. Der Eigentümer konnte nun
sicher sein, dass der Inhalt keine Veränderung erfahren hatte, wenn das Siegel
unbeschädigt war. Bei Unstimmigkeiten konnte der Umschlag aufgebrochen und der
Originaltext zu Rate gezogen werden. Die gewöhnliche Keilschrift war wohl schon
in sehr früher Zeit allgemein bekannt. Man hat Tausende von Täfelchen gefunden,
die vor der Zeit der Patriarchen entstanden sind." (wedg Seite 40)
"Es steht nun außer Frage, dass die Genesis
ursprünglich ebenfalls auf solche Täfelchen geschrieben war ... Aus der
Bedeutung des hebräischen Wortes für schreiben = "eingraben",
"einschneiden", lässt sich die alte Schreibmethode sogar noch
erkennen." (wedg Seite 47)
Die
"Mythentheorie" - ein Mythos
"Fünfzig
Jahre vor Beginn der archäologischen Forschungen war man allgemein sehr stark
von der sogenannten "Mythentheorie" eingenommen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts,
also sehr bald nach der Formulierung der ersten kritischen Hypothesen, war es
in ganz Europa Mode, alle auf uns gekommenen Darstellungen aus der Frühzeit der
Geschichte als "Mythen" zu erklären. 1795 veröffentlichte Wolf seine
berühmt gewordenen "Prologomena", in denen er zu zeigen versuchte,
dass alle Personen und Orte, die bei Homer auftreten, mythologischen Ursprungs
seien. Er bezeifelte sogar, dass Homer je gelebt habe.
Diese
merkwürdige Ansicht breitete sich wie eine Epidemie aus. Überall suchte man
dann nach weiteren historischen Dokumenten, um sie mythologisch zu deuten. Dass
diese Interpretationsmethode sofort von den Vertretern der kritischen Schule
aufgegriffen wurde, versteht sich von selbst. Jetzt hatte man, was man wollte:
Die geschichtlichen Darstellungen der Genesis waren in Wirklichkeit nur
verkleidete Aussagen der Mythologie.
Über
ein dreiviertel Jahrhundert war das die herrschende Schulmeinung, als ein
unerwarteter Gegenschlag alles umwarf: 1874 hatte Schliemann seine Ausgrabungen
begonnen und entdeckte am 16. November 1876 das Grab des Agamemnon.
Zuerst versuchte man, seine Ausgrabungen
lächerlich zu machen. Agamemnon, der König von Mykene, war doch - nach
Ansicht aller führenden Wissenschaftler - die mythische Schöpfung eines
unbekannten griechischen Schriftstellers. Allmählich sah man sich aber doch
genötigt einzulenken. Die archäologischen Gegenbeweise redeten eine zu
deutliche Sprache. Inzwischen hat man mehrere hundert Mumien von Personen
entdeckt, die man früher als "mythische Gestalten" angesehen hatte,
und viele Paläste ausgegraben, in denen sie gelebt haben." (wedg Seite
105, 106)
Die
"moderne Kritik" befindet sich in kritischem Zustand
"Darum
ist es unwissenschaftlich und ungerechtfertigt, von den "gesicherten
Ergebnissen der modernen Kritik" zu reden. Die Ergebnisse sind weder
gesichert noch modern. Sie stehen sogar auf recht unsicheren Füßen; und modern
sind sie schon gar nicht, weil sie aus einem Jahrhundert stammen, in dem man
sich noch völlig falsche Vorstellungen machte über die Zeit der Genesis. Sie
sind einfach überholt. Die Archäologie hat uns den kulturellen und
literarischen Hintergrund des patriarchalischen Zeitalters so deutlich gemacht,
dass wir einen verhältnismäßig guten Überblick über die Ausbreitung der
damaligen Zivilisation und der Schreibkenntnisse jener Zeit haben.
Damit
stehen wir vor einer ganz erstaunlichen Tatsache, die kein noch so
konservativer Forscher je zu hoffen gewagt hätte: Die archäologischen
Forschungen haben die kritischen Hypothesen über die Genesis und deren
Voraussetzungen völlig widerlegt, die Angaben der Bibel dagegen vollauf
bestätigt." (wedg Seite 106)
Wurzeln und Früchte der Literarkritik
(aus: P.J.Wiseman "Die
Entstehung der Genesis")
Die
Wurzeln: Deismus und Pantheismus
"Manchmal
wird die Ansicht vertreten, die kritische Forschung an der Bibel geschehe mit
der Absicht, den Glauben an Gott und an seine Offenbarungen in der Schrift von
falschen Stützen zu befreien und zu stärken. Ohne ungerecht sein zu wollen
glauben wir, eine solch positive Bewertung der Kritik ohne weiteres in Frage
stellen zu dürfen. Um hierüber eines Besseren belehrt zu werden, sehe man sich
nur einmal ihre Geschichte an. Die Anfänge geben ein besonders klares Bild. Da
aber am Anfang durch die Pioniere dieses Forschungszweiges die Prinzipien und
Arbeitsmethoden festgelegt wurden, die noch heute für die kritische Theologie
gültig sind, wird gerade hier deutlich werden, "wes Geistes Kind" die
ganze Arbeit ist.
Es ist gewiss nicht Zufall, dass unter den ersten
Vertretern der kritischen Forschung der englische Deist Hobbes und der
holländische Jude Spinoza zu nennen sind. Spinoza ist der Begründer des
philosophischen Pantheismus, einer philosophischen Richtung, die die Existenz
eines persönlichen Gottes radikal verneint (!). Diese Männer führten einen
offenen Kampf, nicht nur gegen die Bibel als Offenbarung Gottes - keiner von
ihnen glaubte, dass sie wirklich göttliche Offenbarung sei -, sondern auch
gegen die christliche Botschaft als solche. Von ihnen übernahm Eichhorn den
Begriff "Literarkritik"." (wedg Seite 125)
"De
Wette scheute sich darum auch nicht, noch weiter zu gehen und den historischen
Boden des Buches zu verlassen. Noch seiner Meinung ist die Genesis mehrere
Jahrhunderte nach Mose geschrieben worden; auch enthalte sie keine Tatsachen,
sondern nur Legenden. Relativ unbedeutende geschichtliche Ereignisse seien im
Lauf der Jahrhunderte durch die mündliche Tradition glorifiziert und mit einem
Legendenkranz umwoben worden. Als die Bibelkritik dieses Stadium der
Entwicklung erreicht hatte, trat ihr ein Hindernis in den Weg: die Autorität
Jesu Christi und seine Stellung zum Alten Testament und besonders zur Genesis.
Hier mache Semler, ein weiterer Pionier der
kritischen Forschung, den Weg frei und verkündete seine
"Akkomodationstheorie". Diese Theorie leugnet die Berechtigung, dass
Jesus Christus hier als Zeuge angeführt werden könne. Nach ihr hat Jesus zwar
von Mose als dem Verfasser einiger Bücher des Alten Testamentes gesprochen, er
schloss sich dabei aber nur der Meinung des Volkes an, um nicht anzustoßen (er
wusste es also besser, sagte es aber nicht!). Es ist für solche Theorien
kennzeichnend, dass sie den Wahrheitsbegriff aufweichen. Wie unmöglich sie
sind, kann jeder sehen. Wer wollte wirklich zu behaupten wagen, Jesus hätte
sich der Unkenntnis seiner Zeit angeglichen, um nicht anzustoßen, wo gerade er
doch sein Leben eingesetzt hat, die falschen Ansichten seiner Zeitgenossen zu
korrigieren." (wedg Seite 126)
Die
Früchte: Zweifel und Unglaube
"Der letzte und größte Pionier der kritischen
Forschung, der noch eigene und neue Gedanken hervorgebracht hat, war Julius
Wellhausen. Grundsätzlich Neues ist nach ihm nicht mehr gesagt worden; die
alten Gedanken sind nur hier und da modifiziert und durch neue Fragestellungen
bereichert worden. Wellhausen wurde ein reiner Rationalist. In demselben Maße,
wie seine Forderungen ihm Blatt um Blatt der Bibel aus der Hand nahmen, schwand
auch sein Glaube, bis von beiden nichts mehr übrig war. Er gab sogar öffentlich
zu, dass er seinen Glauben "zerstört" habe." (wedg Seite 128)
"Nach ihm kam Kuenen. In seinem Buch Religion of Israel beschreibt er die
Religion Israels im Vergleich mit den anderen Religionen und sagt (S.37):
<Für uns ist die Religion Israels eine der Religionen, nicht mehr und nicht
weniger.> Alle diese Männer gingen vom Glauben zum Zweifel und vom Zweifel
zum radikalen Unglauben. Die Sache, die sie trieben, hatte ihr eigenes Gefälle
und trieb sie zu den praktischen Folgerungen, wie sie Friedrich Delitzsch in
seiner Schrift: "Die große Enttäuschung" beschrieb." (wedg Seite
128)
Einseitige
Forschung
"Man muss leider noch immer feststellen, dass
die grundsätzliche Neigung der kritischen Forschung nach wie vor einseitig ist.
Man hat den Eindruck, dass die Bibel nur zu dem Zweck untersucht wird, Material
zu sammeln, das gegen ihre Echtheit und Glaubwürdigkeit spricht ... Sogar
die gemäßigten Forscher wie Driver u. a. zitieren nur solche Stellen, aus denen
man, im Gegensatz zu den biblischen Angaben, spätere Abfassungszeiten usw.
herauslesen könnte. Stellen, die in eine andere Richtung weisen, werden einfach
übergangen.
Sayce
sagt in seinem Buch Higher Criticism and
the Monuments auf Seite 21, dass man den Eindruck habe, "die Bibel sei
regelrecht gefoltert worden, um Aussagen gegen sich selbst aus ihr
herauszupressen. Nicht eine Stelle ist übersehen worden, die sich gegen sie
auslegen ließe, und nicht eine Deutung, die der Diskriminierung der Bibel
weiter Vorschub leisten könnte".
Diese
einseitige, negative Grundtendenz in der kritischen Forschung, die keiner
leugnen kann, der ihre Geschichte kennt, beweist eine philosophische
Voreingenommenheit, die sie zur Beurteilung so wichtiger Fragen wie die der
Entstehung biblischer Bücher untauglich macht." (wedg Seite 128,129)
Und das Wort des HERRN geschah zu Jona, dem Sohn
des Amittai: Mache dich auf, geh nach Ninive, der großen Stadt, und
verkündige gegen sie! Denn ihre Bosheit ist vor mich aufgestiegen. (Jona 1:1-2)
Jona,
der Sohn des Amittai (2.Könige 14:25), lebte ungefähr 800 vor Christus und war
ein Prophet, dessen Wort eintraf. Dennoch hört man immer wieder, Jona sei ein
Beispiel dafür, dass ein Prophet etwas im Namen Gottes vorhersagte, das dann
doch nicht geschah. Jona habe nämlich den Untergang Ninive"s, sogar mit
Angabe einer Frist, als sicher angekündigt, und sei dann enttäuscht und
beleidigt gewesen, als seine Vorhersage sich nicht erfüllte:
Da
machte Jona sich auf und ging nach Ninive, gemäß dem Wort des HERRN. Ninive
aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tage zu durchwandern. Und Jona begann,
in die Stadt hineinzugehen, eine Tagereise weit. Und er rief und sprach: Noch
vierzig Tage und Ninive ist zerstört!
(Jona 3:3-4)
Fast
alle Übersetzungen verwenden an dieser Stelle Worte wie "zerstört"
(zum Beispiel Elberfelder, Einheits-, Schlachter; Luther: untergehen; King James:
overthrown). Die zurecht als sehr genau bekannte Elberfelder Übersetzung merkt
in der Fußnote jedoch an, was hier wirklich steht: „wörtlich: umgewendet".
Im Hebräischen steht hier das Wort "haphak"[1], das
folgende Bedeutungen hat:
umwenden (wie
ein Mensch sich in seiner Laufrichtung umwendet, Richter 20:39,41 und viele
andere), total verwandeln, ins Gegenteil
umgekehren (zum Beispiel Ostwind in Westwind, Exodus 10:19; Fluch in Segen,
5.Mose 23:6; das Unterste zuoberst, Richter 7:13; Unglück in Glück, Esther
9:1,22), und wird in Bezug auf Menschen für zwei Arten von Verwandlung
verwendet (siehe Anhang):
· Die totale "Wende", die Bekehrung
und Veränderung eines Menschen oder einer Bevölkerung, sei es vom Guten zum
Schlechten: der Pharao verhärtet sich, Exodus 14:5, oder vom Schlechten zum
Guten: Saul, 1.Samuel 10:6,9; die Bekehrung ganzer Völker, Zephanja 3:9.
· Die totale Umkehrung und Vernichtung einer
Landschaft oder Bevölkerung: insbesondere Sodom und Gomorrha, Genesis
19:21,25 u.a.; Edom, Jesaja 34:9.
Ein klassisches Beispiel ist die Verwandlung von
König Saul durch Gottes Einwirken, die ihm vom Propheten Samuel angekündigt
wurde:
Und der Geist des HERRN wird über dich kommen, und
du wirst weissagen und wirst in einen anderen Menschen umgewandelt werden (hebr. haphak) (1.Samuel 10:6; eine
Herzen-Wandlung bei Gott: Hosea 11:8)
Gott stellte den Menschen von Ninive also das
Ultimatum, entweder innerhalb von vierzig Tagen "umgekehrt", total
vernichtet zu werden, oder sich von Gott total verändern zu lassen, sich selber
zu "bekehren" und verschont zu werden! Dies ist ein Wesenszug Gottes,
der in den hebräischen Schriften der Bibel immer wieder betont wird:
Einmal rede ich über ein Volk und über ein
Königreich, es ausreißen, niederbrechen und zugrunde richten zu wollen. Kehrt
aber jenes Volk, über das ich geredet habe, von seiner Bosheit um, lasse ich
mich des Unheils gereuen (hebr. nacham), das ich ihm zu tun gedachte.
Und ein anderes Mal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es bauen
und pflanzen zu wollen. Tut es aber, was in meinen Augen böse ist, indem es auf
meine Stimme nicht hört, so lasse ich mich des Guten gereuen (hebr. nacham),
das ich ihm zu erweisen zugesagt habe. (Jeremia 18:7-10 ELB)
Und zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider und
kehrt um zum HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum
Zorn und groß an Gnade, und lässt sich das Unheil gereuen (hebräisch: nacham). (Joel
2:13 ELB)
Gott ist zwar nicht wie ein Mensch, der aus einer
Laune heraus, ohne triftige Gründe, etwas bereut oder sich durch
Äußerlichkeiten, wie das Zerreißen von Kleidern oder das Darbringen von Opfern,
beeindrucken lässt (Numeri 23:19; 1.Samuel 15:28). Aber wenn sich die Sachlage
ändert, weil Menschen wirklich von ihren falschen Wegen umkehren, dann ändert
Gott auch seine Haltung. Im Gegensatz zur menschlichen ist die göttliche Reue
also quasi berechenbar, verlässlich. Genau diese Hoffnung ergriffen die
Menschen von Ninive:
Wer weiß, vielleicht wendet sich Gott und lässt es
sich gereuen (hebr. nacham) und
kehrt um von der Glut seines Zornes, so dass wir nicht umkommen.
Und Gott sah ihre Taten, dass sie von ihrem bösen Weg umkehrten. Und
Gott ließ sich das Unheil gereuen
(hebr. nacham), das er ihnen zu tun angesagt hatte, und er tat es nicht. (Jona
3:9-10 ELB)
Jona war nicht etwa enttäuscht, dass sein Wort
sich nicht erfüllt hatte, sondern dass die Option eingetreten war, die er von
Anfang an gefürchtet und seinen Feinden nicht gegönnt hatte. Die Assyrer, deren
Hauptstadt Ninive war, hatten Israel nämlich grausam bekriegt und waren deshalb
gefürchtete und gehasste Gegner. Jona war nicht überrascht von der Wende zum
Guten, sondern er hatte sie geradezu erwartet und mit ihr gerechnet. Genau das
war der Grund gewesen, warum er bei der ersten Aufforderung Gottes, nach Ninive
zu gehen, die Flucht angetreten hatte – er wollte die Bekehrung und
Rettung Ninives nicht!
Und er betete zum HERRN und sagte: Ach, HERR! War
das nicht meine Rede, als ich noch in meinem Land war? Deshalb floh ich
schnell nach Tarsis! Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und
barmherziger Gott bist, langsam zum Zorn und groß an Güte, und einer, der sich
das Unheil gereuen lässt! (Jona 4:2)
Noch
ein Problem: Drei Tage im Bauch eines Fisches?
Zwei
Dinge wurden am Buch Jona schon immer als unglaublich angesehen: Dass ein
"Walfisch" einen Menschen "im Stück" verschlucken kann, und
dass ein Mensch drei Tage im Bauch eines Fisches überleben kann. Das Buch Jona
ist jedoch keine Phantasie-Lehrerzählung oder ein "Gleichnis", denn
Jona wird ausdrücklich als "Sohn des Amittai" identifiziert, der an
anderer Stelle der Bibel erwähnt wird (2.Könige 14:25).
Luther
übersetzt in Mattäus 12:40 zwar mit "Walfisch, doch die anderen
Übersetzungen geben das griechische "kätos" als Entsprechung des
hebräischen "dag" besser mit "Fisch" wieder (wörtlich
scheint kätos = Verschlinger zu bedeuten). Heute ist bekannt, dass es Fische
gibt, die dazu in der Lage sind, Menschen ganz zu verschlucken, zum Beispiel
der Walhai.
Auf der anderen Seite wird nicht behauptet, dass
Jona drei Tage in dem Fisch überlebte, im Gegenteil, der Text deutet eher in
die Richtung, dass Jona "hinüber" war:
Aus dem Schoß des Totenreiches (hebr. sche^ol)
schrie ich um Hilfe … (Jona 2:3)
Demnach war die Wiederbelebung von Jona ein Wunder
– allerdings kein größeres als die Auferweckung des bereits verwesenden
Leichnams von Lazarus nach vier Tagen (Johannes 11)! Wer Jona"s
"Auferstehung" für unmöglich hält, muss folgerichtig auch die
Auferstehung Jesu in Frage stellen. Und die ist keine Nebensache, sondern das
Zentrum und die Grundlage des christlichen Glaubens:
Wenn Christus nicht auferweckt ist, so ist also
auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube … Wenn
aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig … also sind auch
die, welche in Christus entschlafen sind, verlorengegangen. Wenn wir allein in
diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen
Menschen. (1.Korinther 15:12-19)
Jesus selber setzt Jona"s dreitägigen
Aufenthalt im Bauch eines Fisches als tatsächlich geschehen voraus und
vergleicht ihn mit seinem eigenen Tod und seiner Auferstehung:
Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt
ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen
Jonas, des Propheten.
Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte
in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei
Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und
werden es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas; und siehe, mehr
als Jona ist hier. (Matthäus 12:39-41)
Die Menschen von Ninive bekamen also kein direktes
Zeichen von Gott, denn sie waren ja nicht Augenzeugen von Jona"s
Aufenthalt im Fisch. Das "Zeichen Jona's" war dessen gewaltige
Predigt-Gabe, also seine Fähigkeit, die Zuhörer ihrer Sünde zu überführen, was
ihm ja auch gut gelang. Gleich im nächsten Vers vergleicht Jesus diese Gabe
deshalb mit der Weisheit Salomos (Matthäus 12:39-41), die ebenso bis zur Zeit
Jesu nicht wieder erreicht wurde. Wer also nicht auf das "Zeichen
Jona's", die überführende Kraft der Predigt, hört und aus eigener Einsicht
"umkehrt", wird kein anderes Zeichen von Gott bekommen - und
entscheidet sich damit für die zweite Variante des Ultimatums Gottes, nämlich
"umgekehrt" zu werden.
Hebräisch haphak =
wenden, umdrehen, umkehren, umwandeln, verändern
Die
Grundbedeutung dieses Wortes ist laut den Standard-Wörterbüchern zum AT,
Gesenius (Seite 186) und Köhler-Baumgartner (Seite 240):
"wenden",
"umdrehen", zum Beispiel ein Brot beim Backen (Hosea 7:8),
eine Schüssel (2.Könige 21:13), sodann "ins
Gegenteil umkehren", "umstürzen".
Im
Niphal bedeutet es "sich wenden, drehen", "verwandelt
werden", im Hitpael "sich hin und her wenden" (Genesis 3:24).
Davon abgeleitete hebräische
Wörter
Hephäk
= Gegenteil, Verkehrtheit (Hesekiel 16:34)
Haphekah
= Umsturz (Genesis 19:29)
Mahpekah = Umsturz, Umkehrung,
"Zerstörung" (Deuteronomium 29:22; Jesaja 1:7; 13:19; Jeremia 49:18;
50:40)
Tahpukot = Verdrehungen, "Verkehrtheit",
"Perversion" (Deut. 32:20; Sprüche 2:12; ; 2:14; 6:14; 8:13; 10:31;
10:32; 16:28; 16:30; 23:33)
Mahpäkät = "Block", ein Holz, in dem der
Gefangene mit Händen und Füßen krumm geschlossen wird, um ihn zu
"bekehren" (2 Chronik 16:10; Jeremia 20:2,3; 29:26)
Haphakpak
= verkehrt, "gewunden" (Sprüche 21:8)
Verwandte Wörter anderer
Sprachen
Neuhebräisch,
jüdisch-aramäisch, syrisch: h-p-k = wenden, umkehren
Ugaritisch:
h-p-k = umstürzen
Ein
angeblicher Beweis für die Bibelkritik
"In dieser Verbindung müssen wir noch auf eine wichtige Stelle
besonders eingehen. Schon Astruc hat auf sie hingewiesen und sie zur
Unterstützung seiner Theorie herangezogen. Seine Nachfolger machten es ihm
natürlich nach und sahen in ihr einen starken Pfeiler für das Gebäude ihrer
Hypothesen. Es handelt sich um die Stelle in Exodus 6:3, wo es heißt:
"Da redete Gott mit Mose und sagte zu ihm:
"Ich bin der Herr (Jahwe). Ich bin dem Abraham, Isaak und Jakob als der
"allmächtige Gott" (El Schaddai") erschienen, aber mit meinem
Namen Herr (Jahwe) habe ich mich ihnen nicht geoffenbart."
Nach Ansicht der Vertreter der Literarkritik ist mit diesem Satz alles
gesagt. "Nicht eine einzige Stelle (der Genesis) kann aus der Hand des
Schreibers von Exodus 6:3 stammen; es sei denn, er widerspräche sich
selbst", schreibt Carpenter (Oxford Hexateuch Band 1, Seite
34)." (wedg 115,116)
Vorurteile
und mangelnde Sorgfalt
Doch
diese Schlussfolgerung ist schlichtweg falsch, weil sie weder dem Text, noch
dem Textzusammenhang gerecht wird. Es ist haarsträubend, auf welchen
Auslegungsmorast man hier ein ganzes Lehrgebäude gestellt hat. Nur eine
Mischung von Voreingenommenheit und mangelnder Sorgfalt bei der Forschung am
Bibeltext konnte das ermöglichen. Denn der Schlüssel zur Lösung des scheinbaren
Problems liegt im Text selber, zum Greifen nahe, und wird in vielen anderen
Bibelstellen bestätigt:
Ich bin
Abraham, Isaak und Jakob erschienen als Gott, der Allmächtige (hebräisch El
Schaddaj). Aber mit meinem Namen Jahwe habe ich mich ihnen nicht zu
erkennen gegeben (hebräisch jada^ in der Niphal-Form). (Exodus 6:2-4)
Die Verwendung von hebräisch jada^ = erkennen in
der Niphal-Form zusammen mit schem = Name macht offensichtlich, dass es hier
nicht um die Verwendung oder Aussprache eines Namens geht, sondern um etwas
ganz anderes. Es zeugt von einer mangelnden Vertrautheit mit den hebräischen
Sprachgewohnheiten und einer Unkenntnis zentraler Aussagen des Alten
Testamentes, wenn man diese Worte im Sinne von Astruc dahingehend deutet, Mose
habe bis dahin den Namen Jahwe noch nie gehört. Astruc hat gleich drei
Tatsachen übersehen:
1.
Wissen und Erkennen sind zweierlei
Es gibt tatsächlich einen Fall in der Bibel, wo
jemand den Namen einer Person nicht weiß und sie darum bittet, ihn doch
mitzuteilen:
Und Jakob fragte (die Gestalt, die mit ihm
gekämpft hatte) und sagte: Teile mir doch deinen Namen mit! (hebräisch
nagad im Hiphil) Er aber sagte: Warum fragst du denn nach meinem Namen? (Genesis
32:30)
Jakob verwendet an dieser Stelle ein Wort mit
einer ganz anderen Bedeutung, nämlich das hebräische nagad = mitteilen, welches
das Bekanntmachen eines bis dahin unbekannten Sachverhaltes meint, das
sachliche In-Kenntnis-Setzen. Meist wird es mit mitteilen, kundtun, berichten,
bezeugen übersetzt.nagad
In Exodus 6:3 steht jedoch jada^ = erkennen. Dieses
ist in der Bibel sehr häufig und bezeichnet viel mehr als ein rationales
Wissen, nämlich eine tiefe Gemeinschaft, in der man keine Geheimnisse mehr
voreinander hat. Immer wieder wird es gebraucht, um das Intim-Werden, also die
geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau, zu bezeichnen, so in Genesis
4:1:
Und Adam erkannte(jada^) seine Frau, Eva,
und sie wurde schwanger ...
Es geht also nicht um die oberflächliche Kenntnis
eines Namens, sondern um das "unverhüllte" Erkennen und Verstehen des
Wesens, das mit diesem Namen bezeichnet wird, eine unvergleichlich tiefere
Erkenntnis.
2.
Ungenauigkeit bei der Interpretation: jada^ im Niphal
Dazu kommt, dass das recht häufige jada^ =
erkennen (958 Vorkommen im AT) in Exodus 6:3 im Niphal-Stamm steht, das im
Alten Testament nur vierzehn Mal vorkommt.jada^
Dies ist eine Feinheit im Text, die aber im Hebräischen eindeutig ist und einen
wesentlichen Bedeutungsunterschied bewirkt. Wie die meisten Übersetzungen auch
richtig wiedergeben, sagt Gott nämlich keinesfalls: "Ich habe ihnen meinen
Namen nicht zu erkennen gegeben", sondern:
Ich habe MICH ihnen nicht zu erkennen
gegeben mit meinem Namen Jahwe.
Genau diese Aussage finden wir zum Beispiel in
Psalm 9:17, der wie ein klärender Kommentar wirkt. Auch hier steht jada^ =
erkennen im Niphal:
Der HERR hat sich zu erkennen gegeben
(jada^ im Niphal), er hat Gericht ausgeübt: der Gottlose hat sich verstrickt im
Werk seiner Hände ... Denn nicht für immer wird der Arme vergessen, noch geht
der Elenden Hoffnung für ewig verloren. Psalm 9:17-19
Auch hier geht es absolut nicht darum, Menschen
über eine Buchstabenfolge in Kenntnis zu setzen, sondern dass Gott sich als
"Richter" offenbart, als derjenige, der das Recht wieder herstellt. Typisch
dafür, wenn Jahwe "SICH" zu erkennen gibt, ist nämlich, dass den
Armen geholfen wird, während die Gewalttätigen gemäß ihren eigenen Werken
gerichtet werden. Dabei wird die Macht des HERRN offenbar, die Menschen müssen
ihre Ohnmacht einsehen:
Steh auf, HERR, dass nicht der Mensch Gewalt habe!
Mögen gerichtet werden die Nationen vor deinem Angesicht! Lege Furcht auf sie,
HERR! Mögen die Nationen erkennen, dass sie Menschen sind! Psalm 9:20-21
3. Wie
Jahwe seinen Namen im AT kundtut
Es ist fast schon peinlich, wie oberflächlich die
Kritik mit dem Text von Exodus 6:3 umgegangen ist. Es zeugt von einer starken
Voreingenommenheit, dass man den Text geradezu mit Begeisterung im Sinne eines
Widerspruchs gedeutet hat, anstatt sich einmal gründlich im Alten Testament
umzusehen. Denn das Thema des "Kundtuns des Namens Jahwes" ist dort
so zentral und die Zahl der Bibelstellen, die dies dokumentieren, so groß, dass
wir sie hier gar nicht alle behandeln können - wir beschränken uns auf die für
uns jetzt wichtigsten Vorkommen. Hätten die Kritiker ein wenig mehr Sorgfalt
angewandt, hätten sie sehr bald und zweifelsfrei festgestellt, dass Gott auch
viel später noch seinem eigenen Volk (!), das ihn damals schon lange "dem
Namen nach" kannte, seinen Namen "kundtun" musste (hebräisch
schem und jada^):
Darum siehe, ich werde sie zur Erkenntnis
(hebräisch jada^) bringen. Diesmal werde ich sie meine Hand und meine Macht
erkennen lassen; und sie werden erkennen (hebräisch jada^), dass mein Name
Jahwe ist. (Jeremia 16:21)
Und ihr werdet erkennen(hebräisch jada^),
dass ich Jahwe bin, wenn ich mit euch handle um meines Namens willen und
nicht nach euren bösen Wegen und nach euren verderbenbringenden Taten, Haus
Israel, spricht der Herr, HERR. (Hesekiel 20:44)
Niemand käme an diesen Stellen auf die Idee, das
Volk hätte noch nie von dem Namen Jahwe gehört! Nein, das Kundtun des Namens
Jahwe besteht nicht in dessen Aussprache oder Betonung einer Buchstabenfolge,
sondern im Handeln, im Erweisen der Macht Gottes an den betreffenden Menschen! Der
Textzusammenhang macht immer wieder klar, dass dabei der Charakter Jahwes
einerseits als Retter und andererseits als Richter im Vordergrund steht.
Der
Textzusammenhang von Exodus 6
Die Situation in Exodus 6:3 entspricht haargenau
dem, was wir bis jetzt über das "Erkennen des Namens Jahwes"
herausgefunden haben: Mose hatte ausdrücklich "im Namen Jahwes"
gefordert, der Pharao solle das unterdrückte Israel ziehen lassen. Das Resultat
war jedoch nicht die erhoffte, sofortige Befreiung vom Frondienst, sondern, im
Gegenteil, noch mehr Unterdrückung:
Da sahen sich die Aufseher der Söhne Israel in
einer üblen Lage, weil man sagte: Ihr sollt nichts an euren Ziegeln kürzen: die
Tagesleistung an ihrem Tag! Als sie nun vom Pharao herauskamen, trafen sie Mose
und Aaron; die traten ihnen entgegen. Und sie sagten zu ihnen: Der HERR sehe
auf euch und halte Gericht darüber, dass ihr unseren Geruch beim Pharao und bei
seinen Hofbeamten stinkend gemacht habt, indem ihr ihnen das Schwert in die
Hand gegeben habt, uns umzubringen. (Exodus 5:19-21)
Kein Wunder, dass Mose von diesem Verlauf total
enttäuscht war und Gott fragte: Wo ist die Offenbarung deines Charakters als
Jahwe, als Retter?
Da wandte sich Mose an den HERRN und sagte: Herr,
warum hast du so übel an diesem Volk gehandelt? Wozu hast du mich denn gesandt?
Seitdem ich nämlich zum Pharao hineingegangen bin, um in deinem Namen zu
reden, hat er an diesem Volk übel gehandelt, aber errettet hast du dein Volk
keineswegs. Exodus 5:22-23
Das ist der Wendepunkt in diesem Drama. Jetzt
kündigt Gott an, dass sich ab sofort etwas grundsätzlich ändern werde: Mit
"starker Hand" will Gott seine rettende Macht erweisen, das Ergebnis
wird sein, dass Pharao Israel nicht nur gehen lässt, sondern regelrecht
hinauskatapultieren wird:
Der HERR jedoch sprach zu Mose: Nun sollst du
sehen, was ich dem Pharao antun werde. Denn durch eine starke Hand gezwungen,
wird er sie ziehen lassen, ja, durch eine starke Hand gezwungen, wird er sie
aus seinem Land hinausjagen. Exodus 6:1
Nach dieser Ankündigung bezieht Gott sich
erklärend zurück auf die Geschichte: Abraham, Isaak und Jakob hat er das Land
zwar in einem Bund versprochen. Sie kannten Jahwe auch dem Namen nach. Aber
welches tiefere Wesen, welche Retter- und Richterkraft sich dahinter verbirgt,
hatten sie nie erlebt. Sie hatten das versprochene Land nie besessen, sondern
zogen als Fremdlinge darin umher, immer in Gefahr durch die dort herrschenden
Mächte:
Und Gott redete zu Mose: Ich bin Jahwe. Ich bin
Abraham, Isaak und Jakob erschienen als Gott, der Allmächtige (El Schaddaj). Aber
mit meinem Namen Jahwe habe ich mich ihnen nicht zu erkennen gegeben
(jada^ im Niphal). Auch habe ich meinen Bund mit ihnen aufgerichtet, ihnen das
Land Kanaan zu geben, das Land ihrer Fremdlingschaft, in dem sie sich als
Fremdlinge aufgehalten haben. (Exodus 6:2-4)
Mit anderen Worten: Gott ist nicht aktiv geworden
als Jahwe. Genau diese Zurückhaltung erzeugte zuletzt bei Mose eine tiefe
Verunsicherung, weil sein Wissen über Gott und dessen Verheißungen sich nicht
mit der Realität zu decken schienen. Doch Gott betont, dass er nicht nur ein
toter Name ist, sondern ein hörender Gott. Er hat den rechtlosen Zustand der
Nachfahren Abrahams, besonders die Unterdrückung der Israeliten durch Ägypten,
sehr wohl wahrgenommen und das Stöhnen der Israeliten gehört:
Und auch ich, ja, ich selbst habe das Ächzen der
Söhne Israel gehört, die die Ägypter zur Arbeit zwingen, und ich habe an meinen
Bund gedacht. (Exodus 6:5)
Dies ist die klassische Situation, die Jahwe in
seiner Eigenschaft als Retter und Richter auf den Plan ruft:
Darum sage zu den Söhnen Israel: Ich bin der HERR;
ich werde euch herausführen unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg, euch aus
ihrer Arbeit erretten und euch erlösen mit ausgestrecktem Arm und durch große
Gerichte. Und ich will euch mir zum Volk annehmen und will euer Gott sein. Und
ihr sollt erkennen(hebräisch jada^), dass ich Jahwe, euer Gott, bin, der
euch herausführt unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg. (Exodus 6:6-7)
Die Israeliten sollten den Gott, den sie bis jetzt
nur dem Namen nach kannten, erleben. Wieder weisen zentrale Worte auf das Wesen
Jahwes hin: "erretten mit ausgestrecktem Arm" und "große
Gerichte". Immer wieder scheint dieses Thema im Buch Exodus durch:
Dann werde ich meine Hand an Ägypten legen und
meine Heerscharen, mein Volk, die Söhne Israel, durch große Gerichte aus dem
Land Ägypten herausführen. Und die Ägypter sollen erkennen (hebräisch
jada^), dass ich Jahwe bin, wenn ich meine Hand über Ägypten ausstrecke und die
Söhne Israel aus ihrer Mitte herausführe. Exodus 7:4,5
Dabei wird auch der Bogen von dem Versprechen an
Abraham, Isaak und Jakob zu dessen Erfüllung gespannt: Abraham hatte Gott nur
als "El Schaddaj", den Allmächtigen und Versorger, erlebt. Aber er
besaß keinen Fußbreit Boden des versprochenen Landes (Apostelgeschichte 7:5). Das
sollte sich nun ändern - im Namen Jahwes:
Dann werde ich euch in das Land bringen, um
dessentwillen ich meine Hand zum Schwur erhoben habe, dass ich es Abraham,
Isaak und Jakob geben will, und ich werde es euch zum Besitz geben, ich, Jahwe!
Exodus 6:8
Es ist also offensichtlich und nicht zu leugnen:
In Exodus 6:3 geht es nicht um die Kenntnis der Aussprache des Namens Jahwes,
sondern darum, dass Gott sein innerstes Wesen als Retter und Richter für alle
sichtbar offenbaren wollte, indem er die versklavten Israeliten nach langer
Zeit geduldigen Wartens endlich und mit dem nötigen Nachdruck aus der Hand
ihrer Unterdrücker befreite.
Eine
klare Bestätigung!
Ein weiterer Beweis hierfür ist die folgende
Bibelstelle, die genau dieselbe Formulierung wie in Exodus 6:3 gebraucht:
Aber ich handelte gnädig um meines Namens
willen, damit er nicht entweiht würde vor den Augen der Nationen, in deren
Mitte sie waren und vor deren Augen ich mich ihnen zu erkennen gegeben hatte
(jada^ im Niphal), indem ich sie aus dem Land Ägypten herausführte. (Hesekiel
20:9)
Wieder wird der Zusammenhang zwischen dem Namen
Jahwe und dessen besonderer "Funktion" betont: Rettung aus Ägypten,
dem System der Unterdrückung. Das Sich zu erkennen Geben bestand eindeutig
nicht in der Aussprache dieses Namens, sondern in der Tat der Befreiung!
Als Letztes sei noch erwähnt, dass ein
Zusammenhang zwischen der Heiligkeit Gottes und seinem Jahwe-Namen besteht. Die
folgende Stelle, in der es auch um das Erkennen-Lassen (hebräisch jada^) des
Namens Jahwehs geht, ist eine Parallele zur Begegnung zwischen Gott und Mose am
Dornbusch, wo er über seinen Jahwe-Namen spricht:
Und ich werde meinen großen, unter den Nationen
entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt. Und
die Nationen werden erkennen (hebräisch jada^), dass ich Jahwe bin,
spricht der Herr, HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch als heilig
erweise. (Hesekiel 36:23)
Der
Name JHWH in dem Buch Exodus
Wir haben nun gesehen, was der unmittelbare
Textzusammenhang von Exodus 6 aussagt und haben es mit dem verglichen, was im
Rest des AT darüber gesagt wird. Es ist nun jedoch sicher kein Zufall, dass
gerade im Buch Exodus ein weiteres Mal das Erkennen von Namen (hebräisch jada^
schem), speziell des Namens JHWH im Mittelpunkt steht:
Mose nun sagte zum HERRN: Siehe, du sagst zu mir:
Führe dieses Volk hinauf! - aber du hast mich nicht erkennen lassen, wen
du mit mir senden willst, wo du doch selbst gesagt hast: Ich kenne dich
mit Namen, ja, du hast Gunst gefunden in meinen Augen ...
Er antwortete: Mein Angesicht wird mitgehen und dich zur Ruhe bringen ... Auch
diesen Wunsch, den du jetzt ausgesprochen hast, werde ich erfüllen; denn du hast Gunst gefunden in meinen Augen, und
ich kenne dich mit Namen.
Mose aber sagte: Laß mich doch deine Herrlichkeit sehen! Er antwortete: Ich
werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen
Jahwe vor dir ausrufen: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich
erbarmen, über wen ich mich erbarme.(Exodus 33:12-19)
Dies ist die konsequente Fortsetzung von Exodus 6!
Gott kannte Mose mit Namen. Damit ist nicht gemeint, dass er ihn beim Dornbusch
gleich beim Namen rief - das war nur das Symbol dafür! - sondern dass
er sein Wesen kannte und mit diesem Charakter einverstanden war. Mose war ein
Mann Gottes! (Deuteronomium 33:1; Psalm 90:1) Darum wollte Gott sich ihm in
noch größerem Maße zu erkennen geben. Es bereitete ihn nicht für das einfache
Ausrufen eines Namens vor, sondern er wollte ihm sein Wesen offenbaren. Diese
Bibelstellte erklärt einmal mehr, was es heißt, sich mit Namen zu kennen:
·
dem anderen unverhüllt, "von Angesicht zu
Angesicht" begegnen
·
ihn Gunst finden lassen, also wohlwollend sein
Und es wird schon einmal angedeutet, was mit dem
Namen JHWH zu verbinden ist: Güte, Gnade, Erbarmen, Souveränität. Dies ist
nicht nur ein kleines, persönliches Treffen zwischen zwei Personen, sondern bei
dieser Gelegenheit gab Gott dem Mose zum zweiten Mal die zehn Gebote. Es
handelt sich also um einen weiteren Meilenstein in der Geschichte Gottes mit
Israel:
Darauf sprach der HERR zu Mose: Haue dir zwei
steinerne Tafeln wie die ersten zurecht! Dann werde ich auf die Tafeln die
Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln standen, die du zerschmettert hast
...
Da stieg der HERR in der Wolke herab, und er trat dort neben ihn und rief den Namen
des HERRN aus.
Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Jahwe, Jahwe, Gott,
barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue, der Gnade
bewahrt an Tausenden von Generationen, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt,
aber keineswegs ungestraft läßt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den
Kindern und Kindeskindern, an der dritten und vierten Generation. ...
Er sprach: Siehe, ich schließe einen Bund: Vor deinem ganzen Volk will ich
Wunder tun, wie sie bisher nicht vollbracht worden sind auf der ganzen Erde und
unter allen Nationen. Und das ganze Volk, in dessen Mitte du lebst, soll das
Tun des HERRN sehen; denn furchterregend ist, was ich an dir tun werde. Exodus
34:1-10
Mit dem Namen JHWH verbinden sich also
Barmherzigkeit, Gnade, Geduld, Treue, Vergebungsbereitschaft, Objektivität,
Unnachsichtigkeit gegenüber Verharren in der Sünde, ehrfurchtgebietende Wunder-
und Gerichtstaten inmitten der Völker. Um die Offenbarung dieses Wesens geht
es, wenn davon die Rede ist, Menschen den Namen JHWH zu erkennen zu geben. Dies
geschieht nicht durch die Übermittlung einer Buchstabenfolge, sondern durch
konkrete Taten und Erlebnisse mit Gott persönlich!
Gottesnamen und "Quellenscheidung"
Ein ganz wesentliches Argument für die
Zerstückelung verschiedener Bibeltexte war, dass darin für Gott gleichzeitig
verschiedene Namen gebraucht wurden. Da man davon ausging, ein und derselbe
Verfasser könne Gott jeweils nur mit einem Namen bezeichnen, schloss man, hier
müssten verschiedene "Quellen" und Gottesvorstellungen durch einen
"Redaktor" in eins verschmolzen sein worden. Doch es ist das ganze
Alte und Neue Testament hindurch bis hin zu unserem modernen Sprachgebrauch
üblich, dass ein und derselbe Verfasser je nach Textzusammenhang verschiedene
Gottesnamen gebraucht:
Aus der Sicht der vergleichenden Religionsforschung erscheint es
zweifelhaft, dass irgendein heidnisches Nachbarvolk Israels je einen obersten
Gott mit nur einem Namen betitelte. In Babylonien erhielten die sumerischen
Entsprechungen akkadische Alternativ-Namen: Bel war auch Enlil und Nunamnir ...
Anum war Ilum, Sin war Nanna, Ea war Enki, Utu war Schamasch und Ischtar war
Inanna oder Telitum ... In Griechenland war der König-Gott Zeus als Kronion und
Olympios bekannt, Athene auch als Pallas, Apollo als Phoebus und Pythius-Titel,
die in den Homerischen Epen parallel nebeneinander erscheinen, ohne irgendeiner
Theorie diverser Quellen zu bedürfen.
Natürlich waren zur Zeit Astrucs und Eichhorns diese Tatsachen aus der
Ägyptologie und der semitischen Forschung so gut wie unbekannt; ansonsten wäre
eine Quellenscheidungstheorie, die sich auf die Gottesnamen stützte, nie
entstanden. (aeat 150)
Hebräisch Jahwe,
Herr, ist im Gegensatz zu "älohim
nicht eine Sachbezeichnung, sondern ein Eigenname. Und im biblischen
Zusammenhang bedeutet die Mitteilung eines Namens die Preisgabe und Offenbarung
der eigenen Person.
Der Ausdruck "dass ihr"s erfahren sollt, dass ich Jahwe bin"
kommt im Alten Testament mindestens sechsundzwanzigmal vor und verdeutlicht
jedesmal den gleichen Gedanken. Der hebräische Brauch vermittelt daher
unmißverständlich, dass Exodus 6:2-3:
Ich bin Jahwe. Und ich bin
Abraham, Isaak und Jakob erschienen als El Schaddai; aber mit meinem Namen Jahwe habe ich mich ihnen nicht
kundgetan ...
lehrt, Gott, der sich früheren
Generationen als El Schaddaj (Gott der Allmächtige) durch mächtige Taten und
Gnade offenbart hatte, wolle sich nun Moses Generation durch seine wundersame
Errettung des gesamten Volkes Israel als bundestreuer Jahwe selbst offenbaren. Wie
Orr gezeigt hat, verdeutlicht "Name" (hebräisch: schem) den
Offenbarungsaspekt des göttlichen Wesens ...
Sowohl aus Exodus 6:7: "Ihr sollt erfahren, dass ich der HERR (Jahwe) bin,
euer Gott, der euch wegführt von den Lasten, die euch die Ägypter
auferlegen", und aus 14:4 "Die Ägypter sollen innewerden, dass ich
Jahwe bin", geht offensichtlich hervor, dass sie Zeugen der Bundestreue
Gottes in der Erlösung seines Volkes und der Vernichtung oder Bestrafung seiner
Feinde sein würden. Somit würden sie ihn als Jahwe, den Gott des Bundes,
erleben und erkennen. (aeat 154-155)
Das
Rätsel des Namens Gottes
Es wäre ein Versäumnis, sich mit dem Namen JHWH
und seiner Bedeutung zu befassen, und dabei ein weitere Bibelstelle nicht zu
betrachten, die eine für das Alte Testament außerordentliche Aussage macht. Eingeleitet
wird sie durch die Worte eines Mannes, der von sich selber sagt:
Bemüht habe ich mich um Gott, bemüht habe ich mich
um Gott und bin vergangen. Denn ich bin zu dumm für einen Mann, und
Menschenverstand habe ich nicht. Und Weisheit habe ich nicht gelernt, dass ich
Erkenntnis (hebr. jada^) des Heiligen kennen (hebr. jada^) könnte. (Sprüche
30:1-3)
Man könnte meinen, dieser Mann sei außerordentlich
dumm gewesen. Doch das dürfte auszuschließen sein, weil seine Worte in die
Sammlung der Weisheitssprüche Salomos aufgenommen wurden. Wahrscheinlich sind
sie eher so zu verstehen, dass er sich zwar von Herzen bemüht hat, Gott zu
erkennen, aber feststellen musste, dass dessen Wesen schier unergründlich ist. Wahre
Erkenntnis führt zu Bescheidenheit, verbunden mit der Einsicht, wie wenig man
noch erkannt hat (1.Korinther 8:2). Dieser Mann nun offenbart im nächsten Satz
eine verblüffende Erkenntnis, die er in Form eines Rätsels weitergibt:
Wer ist hinaufgestiegen zum Himmel und
herabgefahren? Wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt? Wer hat die Wasser
in ein Tuch eingebunden? Wer hat aufgerichtet alle Enden der Erde? Was ist sein
Name und was der Name seines Sohnes, wenn du es weißt (hebr.
jada^)? (Sprüche 30:4)
Kein Zweifel, hier ist von Gott die Rede, denn nur
er hat "die Enden der Erde aufgerichtet". Aber die Frage: "Was
ist sein Name?" zielt offensichtlich nicht darauf ab, den JHWH-Namen zu
buchstabieren, sondern über sein tiefstes Wesen nachzudenken: Wie ist es
möglich, dass JHWH vom Himmel herabsteigt und zu ihm auffährt? Das geschah ja
schon im Alten Testament, zum Beispiel bei der Gesetzgebung am Berg Sinai. Es
muss also ein Gott sein, der sich erniedrigt, herabkommt in die Niederungen
menschlichen Lebens. Und zugleich ein Gott, der sich wieder aus diesen
Niederungen erhebt, "in den Himmel auffährt". Wie ist das möglich? Offensichtlich
muss es damit zusammenhängen, dass er einen Sohn hat!
"Wissen"
und "Erkennen" im Neuen Testament
Auch Jesus betont, dass es ein riesiger
Unterschied ist, den Jahweh-Namen Gottes, im Neuen Testament übersetzt mit
"HERR", zu wissen, oder aber Gott selber als Herrn zu kennen:
Nicht jeder, der zu mir sagt: HERR, HERR!
wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters
tut, der in den Himmeln ist.
Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: HERR, HERR! Haben wir nicht
durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und
durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?
Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von
mir, ihr Übeltäter! (Matthäus 7:21-23)
Hier geht es um Menschen, die Gott seinem Namen
nach kennen und ihn sogar als "HERRN" anrufen. Es fällt auf, dass es
in diesem Fall auch umgekehrt Gott betont, diese Menschen nie
"gekannt" zu haben. Somit ist offensichtlich, dass es mit
"erkennen" nicht um die rein sachliche Kenntnis ihrer Existenz geht,
oder dass Gott sie nicht dem Namen nach gekannt hätte! Nein, Gott ist
allwissend, kein Geschöpf ist ihm namentlich unbekannt.
Vielmehr meint Gott, dass sie ihn zwar mit dem
Munde bekannten, ihm aber nie wirklich Zugang zu ihrem Herzen gewährt hatten. Ein
"Erkennen", wie es die Bibel meint, eine ungehinderte, tiefe,
persönliche Gemeinschaft war ihm mit ihnen nie möglich gewesen.
Eine weitere Stelle im Neuen Testament behandelt
das Thema der Offenbarung des Namens Gottes sehr ausführlich. Auch hier geht es
nicht darum, den Menschen eine neue Buchstabenfolge als Namen Gottes zu
übermitteln, sondern sie in nie dagewesener Tiefe mit dem Wesen Gottes, mit
seiner Liebe und Vaterschaft, in Berührung zu bringen. Jesus sagt:
Ich habe deinen Namen den Menschen
offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast
du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
Und ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme
zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben
hast, dass sie eins seien wie wir!
Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir
gegeben hast; und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verloren als
nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde.25 Gerechter
Vater! - Und die Welt hat dich nicht erkannt; ich aber habe dich erkannt,
und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit
die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. Johannes
17:6,11-12,26
Die Aussprache des Namens J-H-W-H
Die Aussprache des Gottesnamens als "Jehova"
ist auf ein Missverständnis zurückzuführen und wurde durch christliche
Theologen Ende des 15.Jahrhunderts aufgebracht. Kein Jude hat diesen Namen
jemals so ausgesprochen:
Die alten hebräischen Bibeltexte waren
"unpunktiert", das heißt sie hatten nur Mitlaute. Für
"geben" standen folglich nur die Mitlaute "g-b-n" - um
ein deutsches Beispiel zu nehmen. Um das Lesen und Verstehen der Texte in der
späteren Zeit zu erleichtern, wurden die Selbstlaute in Form von Punkten und
Strichen unter die Mitlaute geschrieben.
Da man aber den Gottesnamen Jahwe nie aussprach, setzte man unter seine
Mitlaute J-H-W-H die Selbstlaute für das Wort Adonai (=Herr). Das A am Anfang
wurde zu einem E verdünnt. Das I am Schluss fiel fort. Aus dieser Form las man
dann im Mittelalter Jehova. (wedg S.115)
Der
Beweis für diese Darlegungen findet sich in Bibelstellen, bei denen der Name J-H-W-H (6828 Mal im AT) unmittelbar
zusammen mit "aDoNaJ vorkommt
(304 Mal). Hier gerieten die Masoreten, die den Text mit Vokalzeichen versahen,
nämlich in Verlegenheit, weil sie nicht zweimal hintereinander denselben Namen Adonaj verwenden wollten (nur in drei
Fällen vokalisierten sie wie sonst: Nehemia 10:30; Psalm 8:2,10). Sie behalfen
sich, indem sie durch die Hinzufügung der Vokale ä-o-i andeuteten, dass man statt JHWH ä L o H i M, also "Gott",
lesen sollte. Diese Ausführliche Punktation wurde in vielen Fällen verkürzt zu e-o-i oder ä-i oder e-i. Dementsprechend findet man folgende Vokalisationen
im Alten Testament:
"aDoNaJ
JeHWiH (268 Mal: Deuteronomium 3:24; 9:26, Josua 7:7; Richter
6:22; 2.Samuel 7;18,19,20,22,28,29; 1.Könige 8:53; Psalm 69:7; 71:5,16; Jesaja
3:15; 7:7; Jeremia 2:19,22; 4:10,13; 32:17,25 u.v.a. Hesekiel 4:14; 5:7,8,11;
6:3 u.v.a.; Amos 1:8; 3:7,8,11,13; 4:2,5; 5:3; 6:8; 7:1,2,4,5,6; 8:1,3.9,11;
9:5,8; Obadja 1:1; Micha 1:2; Zephanja 1:7.)
"aDoNaJ
JeHoWiH (31 Mal: 1.Könige 2:26; Psalm 73:28; 140:8; Jesaja
50:4; Jeremia 1:6; 7:20, Hesekiel 2:4, 3:11, 27, 5:5, 8:1, 12:10, 13:16, 14:21,
23, 16:36, 17:9, 20:39, 21:33, 22:31, 23:32, 24:6, 14, 26:21, 28:2, 30:22,
33:25, 39:17, 43:27, 46:16; Sacharja 9:14)
"aDoNaJ
JäHWiH (nur in Genesis 15:2,8) "aDoNaJ JäHoWiH (nur in Richter 16:28)
JeHWiH aDoNaJ (3 Mal: Psalm
109:21; 141:8; Habakuk 3:19)
Nebenbei
bemerkt: Die dem Namen Jehova zugrunde liegende Vokalisation mit e-o-a
findet sich nur in wenigen Fällen, meist wird einfach Jehwah
vokalisiert:
JeHWaH (5683 Mal)
JeHoWaH (44 Mal: Genesis 3:14; 9:26, Exodus 3:2; 13:3,9,15;
14:1,8; Leviticus 25:17; Deuteronomium 31:27; 32:9; 33:12,13; 1.Könige 3:5;
16:33, Psalm 15:1; 40:5; 47:6; 100:5; 116:5,6; Sprüche 1:29; Jeremia 2:37;
3:1,13,21,22,25; 4:3,8; 5:2,3,9,15,18,19,22,29; 6:9; 8:13; 30:10; 36:8;
Hesekiel 44:5; Nahum 1:3)
Damit
ist klar, dass die Aussprache des für die Juden "unausprechlichen"
Namens weder "Jehova" noch "Jehwi" noch "Jehwi"
noch "Jehowi" lauten dürfte. Wie er tatsächlich ausgesprochen wurde,
ist scheinbar nicht mehr sicher herauszufinden. Doch nicht die richtige
Aussprache des Namens J-H-W-H ist ausschlaggebend, sondern die richtige
Herzenshaltung: Gott zu lieben und ihn aus keinem Bereich des Lebens
auszugrenzen. Den Namen des HERRN kann man nur IM GLAUBEN richtig an- und
ausrufen!
Der
Beginn des Streites
"Im
Irak haben die Ausgrabungsarbeiten eine Reihe Täfelchen zutage gefördert, auf
denen man Berichte über die Schöpfung und die Flut fand. Ihre Entdeckung
erregte allgemein großes Aufsehen. Als man die Texte mit der Bibel verglich,
entstand unter den Forschern ein Streit, der unter dem Stichwort "Bibel
und Babel" bekannt wurde. In ihm ging es um die Frage, welche der beiden
Darstellungen von der anderen abhängig sei.
Die
aufgefundenen Berichte unterscheiden sich ganz erheblich von den Darstellungen
der Genesis. Sie stehen in demselben Verhältnis zueinander, wie sich eine
Lehmhütte zu einem Palast verhält: In beiden kann man leben; beide haben Türen
und Fenster; und doch sind sie völlig verschieden voneinander. Ebenso
verschieden sind die biblischen und babylonischen Berichte über Schöpfung und
Flut. Natürlich bestehen auch Ähnlichkeiten, und um sie zu erklären, sind zwei
sich widersprechende Hypothesen entwickelt worden:
1. Die Täfelchentexte aus Babylonien sind
vergröberte Nachahmungen der biblischen Berichte.
2. Die biblischen Berichte stammen von den
babylonischen Darstellungen ab. Die Schreiber der Bibel haben diese nur vorher
von allen phantastischen Verzerrungen des Polytheismus gereinigt.
Wie nicht anders zu erwarten, schlossen sich die
konservativen Forscher genauso selbstverständlich der ersten Erklärung an wie
die Vertreter der kritischen Schule der zweiten. Über den wichtigsten Punkt
waren sich alle einig: Die biblischen Berichte stehen unvergleichlich höher als
die babylonischen. Darüber gab es keinen Zweifel. Sie sind sachlich und einfach
und in ihrer Gottesanschauung völlig sauber. Die babylonischen Darstellungen
dagegen sind phantastisch, sensationell und von einem rohen Polytheismus
durchsetzt." (wedg 131)
"Man könnte den Unterschied zwischen den
beiden mit dem klaren Wasser der Themse an ihrer Quelle mit dem Schmutzwasser
der Londoner Docks vergleichen; an beiden Stellen ist es das Wasser desselben
Flusses. Genauso ist es hier. In der Genesis finden wir noch die reine Quelle;
die Texte der babylonischen Täfelchen dagegen sind durch das schmutzige Wasser
des Polytheismus gezogen worden und tragen folglich auch seine Spuren." (wedg)
Die Datierung des biblischen Textes
Die
Stammbäume, die dem ersten Buch Mose zugrundeliegen, ja, dessen Grundgerüst
bilden, reichen bis zu Adam, also ungefähr 3.900-5.400 Jahre vor Christus
zurück. Der Schöpfungsbericht könnte sogar von Adam selber stammen, denn er war
es ja, den Gott mit dem "Erkenntnisgeist des Lebens" begabt hatte, so
dass er zum Beispiel fähig war, alle Lebewesen mit dem zutreffenden Namen zu
benennen (Genesis 2:7,19). Von daher wäre es kein Wunder, wenn er auch über den
Verlauf der Entwicklung des Lebens informiert gewesen wäre.
Zumindest
ist der "Stammbaum der Himmel und der Erde" (Genesis 2:4) eingebettet
in den "Stammbaum Adams" (Genesis 2:4-5:32) der bis einschließlich
Noah reicht, zeitlich gesehen also bis ungefähr 2300 bis 3200 Jahre vor
Christus. Von daher ist zu erwarten, dass das erste Kapitel der Genesis aus der
Zeit mindestens 2.300, eher 5.400 Jahre vor Christus stammt.
Original
und Variationen
Die Stammbaumverzeichnisse von Genesis 1 bis 5 waren sicherlich ein
heiliger Familienbesitz der Adamiten, der von Generation zu Generation
möglichst originalgetreu weitergegeben wurde, sei es in schriftlicher oder
mündlicher Form. Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Menschen des Altertums
ein phänomenales Gedächtnis besaßen, so dass auch eine mündliche Überlieferung
von extremer Genauigkeit sein konnte. Sicher waren diese Familien-Stammbäume
auch im Besitz von Abraham. Es ist nun sehr bemerkenswert, dass er und sein
Vater ungefähr 2000 vor Christus ausgerechnet in der Stadt Ur lebten - die
gleich wie Babel eine Stadt "der Chaldäer" genannt wurde (Genesis
11:31; Jesaja 13:19)!
Bereits zu Zeiten Abrahams, wenn nicht sogar schon früher, muss der
biblische Bericht mit der chaldäischen und damit akkadischen Kultur in
Berührung gekommen sein, die später in die babylonische einmündete. Außerdem
ist zu bedenken, dass die Adamiten nicht nur von Adams Erkenntnis profitierten,
sondern auch durch ihr extremes Lebensalter für ihre Zeitgenossen
außergewöhnliche Autoritäten dargestellt haben dürften. Es wäre von daher nicht
verwunderlich, wenn die Chaldäer die biblischen Lehren über die Schöpfung
übernommen hätten, wenn sie auch im Laufe der Zeit mehr oder weniger der
chaldäischen Religion angepasst und so entstellt wurden. Das erklärt problemlos
die vielen Parallelen zwischen dem biblischen Schöpfungsbericht und dem
babylonischen Schöpfungsmythos "Enuma Elisch". Lange nach dem ersten
Kontakt mit der chaldäischen Kultur begegneten sich dann der israelitische,
sauber überlieferte Originaltext und seine abgewandelte, babylonische Version,
in der Zeit der Gefangenschaft der Israeliten in Babel.
Irrtum der historisch-kritischen Theologie
"Warum
aber übernahmen die Vertreter der Kritik so geschlossen die Meinung, dass die
Genesisberichte über Schöpfung und Flut gereinigte Nachschriften der
babylonischen Texte seinen? Die Antwort darauf ist nicht schwer zu finden: Man
ging von der Voraussetzung aus, dass die Genesis zu einer viel späteren Zeit
geschrieben ist als die babylonischen Täfelchen, woraus sich ergab, dass die
biblischen Darstellungen später als die Babylonischen entstanden und
infolgedessen auch von jenen abgeschrieben worden sind.
Dass
sie reiner waren und ohne die phantastischen Verzerrungen, entsprach außerdem
der allgemeinen Ansicht, nach der sich die Religionen erst langsam vom
Polytheismus zum Monotheismeus hin entwickelt hat (Evolutionstheorie). Danach
hat es am Anfang der Geschichte nur ganz niedrige polytheistische, animistische
Vorstellungen gegeben, die sich erst mit der Zeit geläutert und verfeinert
haben.
Gemeinsam ist beiden Darstellungen eigentlich nur
das allgemeine Thema. Die Einzelheiten der babylonischen Berichte sind in einer
solchen Unmenge mythologischer Vorstellungen eingebettet, dass sie fast
unkenntlich geworden sind. Ganze Herden grölender und eifersüchtiger Götter
werden in ihnen beschrieben und groteske Anschauungen über Natur und Welt
vertreten." (wedg 132)
"Die
folgenden Zeilen stammen aus dem vierten Täfelchen des babylonischen
Schöpfungsberichts. Es sind die Zeilen, die am deutlichsten auf die Schöpfung
selbst eingehen. Sie sagen besser als alle Erklärungen, wie wenig
Wahrscheinlichkeit die zweite Hypothese für sich hat:
Den Klumpen des Rumpfes betrachtete er lange,
er wog, wie er weise ihn teilen könnte,
in zwei gleiche Hälften teilte er ihn:
Zum Himmelsdach macht er die eine Hälfte,
zur Erde die andere.
Von Sternen zog er die weite Schranke,
vor Ungemach die Erde zu hüten.
Er schritt über den Himmel und sah seine Werke.
Er trat vor das Meer hin, das Ea bewohnt.
Marduk maß ab des Ozeans Grenzen,
er maß Escharra, das feste Land.
Da er herrlich und breit seinen Himmel gebauet,
schuf er dort Stätten für Ennil, Ea und Anu.
(Aus Francis Jordan: "In den Tagen des Tamuz", Seite 117)"
(wedg 133)
Der Sintflutbericht
"Im Flutbericht kommen die babylonischen
Täfelchen der biblischen Darstellung etwas näher:
1. Die Flut ist eine Strafe für die Sünden.
2. In beiden Berichten wird der Auftrag erteilt,
ein Schiff zu bauen, um das Leben zu retten.
3. Nach beiden Berichten wird Erdharz (Bitumen)
verwendet, um das Schiff wasserdicht zu machen.
4. Die Erwähnung der Taube.
5. In beiden Berichten setzt das Schiff nach der
Flut auf einen Berg auf.
6. Nach beiden Berichten werden nach der Flut Opfer
dargebracht.
Der
Rahmen der babylonischen Erzählungen stimmt also in seinen Hauptzügen mit dem
Flutbericht der Genesis überein. Aber polytheistisch durchsetzt und
phantastisch vergröbert ist auch er. Die "Götter verkriechen sich
ängstlich wie Hunde, sie fliehen in Schwärmen wie Fliegen" usw. Nur wenige
Sätze erinnern an die Genesis. Jede Einzelheit ist vom Polytheismus
verzerrt." (wedg 133)
Biblische "Quellenscheidung"
(Großteils aus: P.J.Wiseman "Die Entstehung
der Genesis")
Mose
als Redaktor?
Die Ereignisse
ab dem Buche Exodus hat Mose selber miterlebt. Folglich ist es kein Problem,
ihn als Verfasser der Bücher Exodus bis Deuteronomium zu akzeptieren. Das ganze
Buch Genesis liegt jedoch vor seiner Zeit. Da keine einzige Bibelstelle
behauptet, Gott hätte dem Mose dieses Buch in einem Stück diktiert, ist es
keine fernliegende Überlegung, Fragen nach der Herkunft des Inhaltes der
Genesis zu stellen:
"Obgleich Christus und die Apostel die
Genesis oft zitieren, sagen sie nie, dass Mose sie geschrieben hätte. Sobald
sich das Neue Testament aber auf Texte aus den Büchern Exodus bis Deuteronomium
bezieht, heißt es immer wieder: "Mose sagt ..." (wedg 85)
"Es gibt keine Stelle in der ganzen Bibel,
die davon spricht, dass Mose die Berichte oder Geschlechtsregister der Genesis
niedergeschrieben habe. Und nicht ein einziges Mal lesen wir in der Genesis die
in den Büchern Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium so oft vorkommende
Einleitungsformel: "Der Herr sprach zu Mose" oder: "Gott sprach
zu Mose und sagte ..."
Diese Beobachtung ist außerordentlich interessant.
Die Pentateuchkritik hat immer wieder betont, dass man bei der Frage nach dem
Autor des Textes diese Sätze ruhig unberücksichtigt lassen könne. Die späteren
Schreiber oder Herausgeber der Bücher hätten sie darum so häufig verwendet,
weil sie glaubhaft machen wollten, dass der von ihnen verfasste Text durch
Mose, der eine große Autorität im Volk besaß, direkt von Gott gekommen sei. Wenn
dies der Fall wäre, wie wollte man dann erklären, dass in der Genesis nicht die
geringsten Anspielungen auf Mose zu erkennen sind? Und gerade die Genesis wurde
doch der Autorität Mose unterstellt!
Daraus wird schon deutlich, dass der in der
Genesis fehlende Hinweis auf Mose die Existenz des sogenannten Redaktors und
der verschiedenen Herausgeber recht fragwürdig werden lässt. Umgekehrt heißt es
aber, dass die in den anderen Pentateuchbüchern verwendeten Einleitungsformeln:
"Gott sprach zu Mose und sagte ..." echt sind und mit zum
ursprünglichen Text gehören." (wedg 84)
Sicher, vom Standpunkt des Bibelgläubigen genügt
die Feststellung, dass die Genesis, als Teil des Gesetzes (der Torah) durch
Mose gegeben wurde (Johannes 7:19). Aber es wäre absolut kein Widerspruch zu
dieser Aussage, dass Mose Berichte, die ihm überliefert wurden, als Redaktor
zusammenstellte, ähnlich, wie auch Lukas das nach ihm benannte Lukas-Evangelium
verfasste:
Da es nun schon viele unternommen haben, einen
Bericht von den Ereignissen zu verfassen, die sich unter uns zugetragen haben,
wie sie uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des
Wortes gewesen sind, hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang
an genau gefolgt bin, es dir, hochedler Theophilus, der Reihe nach zu
schreiben, damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du
unterrichtet worden bist. Lukas 1:1-4
Alters-Hinweise
im Bibeltext
"Jeder Abschnitt der Genesis enhält Anzeichen
dafür, dass Mose das Buch in der uns bekannten Form anhand von Aufzeichnungen
zusammengestellt hat, die ihm aus alter Zeit überkommen sind. Man kann dafür
auf folgende Beobachtungen hinweisen:
1. In
den ersten 11 Kapiteln der Genesis finden sich babylonische Wörter.
2. In
den letzten 14 Kapiteln der Genesis finden sich ägyptische Wörter." (wedg
63)
"Es ist nicht zufällig, dass die Kritik oft
betont hat, der Heimatboden für die Entstehung der ersten Kapitel der Genesis
sei mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in Babylonien zu suchen. Gegen diese
Annahme ist nichts einzuwenden, zumal die Texte selbst den Anspruch erheben,
aus jenem Land zu kommen. Sie unterstreicht nur noch die Annahme, dass die
Angaben schon in sehr früher Zeit schriftlich fixiert worden sind. Wo sollen
die babylonischen Wörter auch sonst hergekommen sein, von denen doch sonst im
ganzen Pentateuch nichts festzustellen ist?
Dass
sie während der Exilszeit in Babylonien gerade in diese Kapitel eingeflossen
seien - warum nicht auch in die anderen? -, dürfte kaum anzunehmen
sein, wo doch selbst die theologisch-kritischen Theorien für die Entstehung
dieser Kapitel eine viel frühere Zeit angeben.
Sobald der Bericht in der Genesis den Punkt
erreicht, wo Joseph nach Ägypten kommt, ändert sich das Bild völlig. Beständig
treffen wir jetzt auf ägyptische Ausdrücke und Namen wie "Potiphar, der
Hauptmann der Leibwache" (37:36); "Zaphenath-Paneah" (das heißt
der das Leben Ernährende) und "Asnath" (41:45) ... Vom einfachen
Landleben der Patriarchen in Palästina fühlt man sich plötzlich in die heiße
Luft der Sitten und Gebräuche des ägyptischen Hofes versetzt." (63,64)
"Auf
unseren Täfelchen finden wir auch ganz primitive geographische Ausdrücke, wie
sie zur Zeit Abrahams üblich waren; zum Beispiel "Südland" (Genesis
20:1 und 24:62) oder das "Ostland" (Genesis 35:6). Diese alten Namen
für die Gebiete im Süden und Osten Palästinas werden später nie mehr gebraucht.
Nach der Zeit der Genesis gibt es dafür ganz klare und bestimmte Namen. Soche
Bezeichnungen sind mit ein Beweis für das Alter des Textes. Kein Schreiber nach
Mose hätte sich dieser archaischen Ausdrücke bedient.
Auf die gleiche Tatsache weist die Existenz der
kleinen "Stadtstaaten" und vielen Sippen hin, die beide
charakteristisch sind für eine frühe Entwicklungsstufe der Zivilisation. Zu
Salomos Zeit waren sie völlig verschwunden, und schon seit Abraham gab es in
Babylonien und Ägypten mächtige Monarchien, die von ihren Hauptstädten aus über
große Gebiete herrschten." (wedg 68)
"Im
ganzen zeigen die Schreiber ein so intimes Vertrautsein mit den Einzelheiten,
dass man vernünftigerweise gar nichts anderes sagen kann, als dass hier
wirklich "Mitbeteiligte" berichten. Dafür nur ein Beispiel:
Das Vorgehen Saras und Abrahams mit ihrer Magd
Hagar bei der Geburt Ismaels erfolgte nach Gesetzen, die in dem damals
landesüblichen Recht genau bezeichnet waren. Das beweisen die Gesetze Nr.
144-146 aus dem Kodex Hammurabi. Für die nachmosaische Zeit galten ganz andere
Ordnungen, wie das Deuteronomium beweist." (wedg 67)
Genesis-interne
Hinweise auf "Quellen"
"Wenn
man sich also auf den Weg macht, Überlegungen über die Herkunft von Moses
Wissen zu machen, ist es wichtig, die Gegebenheiten der Zeit zu
berücksichtigen, in der der Text verfasst wurde. Es ist ja gerade die
Hauptforderung der historisch-kritischen Theologie, die Texte im Lichte ihrer
Zeit und vergleichbarer Literatur zu sehen! Nur ist man leider im Falle der
Genesis dieser Forderung ganz und gar nicht nachgekommen. Denn sonst hätte man
zugeben müssen, dass die Schreibkunst schon lange vor Mose bestand, so dass
Mose durchaus auf geschriebene Berichte zurückgreifen konnte:
In Verbindung mit diesen Schreibgewohnheiten ist
noch ein wichtiger Punkt zu beachten. In Genesis 5:1, wo unser Satz zum zweiten
Mal vorkommt, lesen wir: "Dies ist das Buch von des Menschen
Geschlecht" (Luther). Das hier mit "Buch" übersetzte Wort
"Sepher" bedeutet "geschriebene Erzählung", oder, wie
Delitzsch übersetzt: "Geschriebenes". ... Die "Bücher"
jener Zeit waren die Täfelchen. Das Wort hier bedeutet einfach Schriftstück,
schriftliche Aufzeichnung (vergleiche Gesenius, Wörterbuch, Seite 551).
Die alten Berichte der Genesis erheben also den
Anspruch, schon in sehr früher Zeit schriftlich abgefasst worden zu sein, und
sind nicht, wie man weithin dachte, von Mund zu Mund auf Mose gekommen. Natürlich
wissen wir nicht, wer das Täfelchen mit dem Schöpfungsbericht niederschrieb;
jedoch in einem Punkt besteht gar kein Zweifel: Schon weit vor Abrahams Zeiten
ist alles, was nur erwähnenswert war, auf Tontäfelchen schriftlich festgehalten
worden." (wedg 56)
Stammbäume
als Grundgerüst
"Der
Schlüssel, der den literarischen Aufbau der Genesis sichtbar werden lässt,
liegt im rechten Verständnis des Satzes: "Dies ist das Geschlecht
von ..." (Luther). Bei richtiger Anwendung wird er alle literarischen
Probleme der Genesis lösen.
Alle
Forscher scheinen sich darin einig zu sein, dass dieser Satz für die
Einleitungsfragen der Genesis außerordentlich wichtig ist. Dr.Driver sagt z.B.
("Genesis", Seite 2): Die Erzählung der Genesis ist nach einem
Leitfaden aufgebaut, der in den immer wiederkehrenden Formulierungen:
"Dies ist das Geschlecht von ..." zu erkennen ist.
Professor Ryle meint, dass "dieser Satz die verschiedenen Stadien im Lauf
der Erzählung markiert". Ausleger aller Richtungen wie Spurrell,
Lenormant, Skinner, Carpenter, Harford-Battersby, Bullinger, Lange, Keil,
Wright u.a. teilen das Buch in Abschnitte auf, die jeweils mit diesem Satz
beginnen.
Elfmal ist diese Formel in der Genesis zu finden. Wie
wichtig sie ist, zeigt auch die Übersetzung der Septuaginta, die dem ganzen
Buch den Namen "Genesis" gab, das dem hebräischen Wort für
"Geschlecht" entspricht." (wedg 49)
"Auf
diese Weise gab Mose unmissverständlich die Quellen der im verfügbaren
Informationen an und nannte die Personen, von denen ihm der Inhalt seiner Text
überliefert wurde ...
An keiner Stelle wird etwas berichtet, was die genannten Personen nicht aus
ihrer eigenen Kenntnis der Dinge oder aus ganz nahen Quellen hätten selbst
schreiben können.
Es ist überaus bezeichnend, dass die einzelnen Textabschnitte der Genesis alle
vor Eintritt des Todes der jeweils genannten Person zu Ende gehen. In den
meisten Fällen umfasst der Bericht die Lebenszeit des Genannten bis zu seinem
Ende oder bis zu dem Datum, an dem die Niederschrift gemacht worden zu sein
scheint." (wedg 58)
"Man
hat auch nicht berücksichtigt, dass es gerade für diese Zeit charakteristisch
war, Geschlechtsregister, also Familienstammbäume, sehr gewissenhaft und
ausführlich zu überliefern und diese mit historischen Begleitereignissen zu
verweben:
Es scheint so, dass zu den wichtigsten
Aufzeichnungen in altbabylonischer Zeit Mitteilungen über die Vorfahren
gehörten. Meist finden sich solche Ahnentafeln als Einleitungen vor
irgendwelchen wichtigen Niederschriften. Die Anfänge des Buches Exodus und
Chronikbücher sind dafür ein eindrückliches Beispiel." (wedg
54)
Wenn
man also schon Spekulationen über die Herkunft von Moses Wissen anstellt, warum
in die Ferne schweifen, wenn doch die Lösung so nahe liegt und der Text immer
wieder auffällige Markierungen setzt, nämlich durch die unterteilenden
Erklärungen "dies ist der Stammbaum von" ...? So schließt Genesis 1-4
in Genesis 5 mit dem "Buch des Stammbaumes Adams":
Dies
ist das Buch der Geschlechterfolge Adams. (Gen 5:1)
Was
hindert uns daran, anzunehmen, dass tatsächlich Adam oder unmittelbare
Nachfahren von ihm den Familienstammbaum seiner Familie schriftlich festhielten
und überlieferten? Es wäre, im Gegenteil, fast verwunderlich, wenn sie es nicht
getan hätten, wo die Adamiten sich doch von der umliegenden Bevölkerung allein
schon durch ihr hohes Alter unterschieden, also etwas ganz Besonderes waren.
Dazu
kommt noch, dass gleich zu Beginn ihrer Familiengeschichte die gewaltige
Verheißung gemacht wurde, dass einer ihrer Nachfahren eines Tages Satan
besiegen würde (Genesis 3:15). Wäre es nicht vielmehr äußerst naheliegend,
diese Linie weiterzuverfolgen? Das Neue Testament jedenfalls tut es und
verfolgt mit seinen ersten Worten (!) sogleich die Herkunft Jesu bis zu Adam
zurück (Matthäus 1:1ff)!
·
Es folgen die Geschlechtsregister Noahs und seiner Söhne,
Sem, Ham und Japhet, die den Sintflutbericht (Genesis 6) mit einschließen und
mit Genesis 10:32 enden:
Das
sind die Sippen der Söhne Noahs nach ihrer Geschlechterfolge, in ihren
Nationen; und von diesen aus haben sich nach der Flut die Nationen auf der Erde
verzweigt. (Genesis 10:32)
·
Es folgt dann noch ein ausführliches Geschlechtsregister
von Sem, das die Ereignisse um Babel beschreibt und bis zu Abraham reicht
(Genesis 11).
·
Es folgt nun die ausführliche Beschreibung der Leben von
Abraham, Isaak und Jakob (Genesis 12-36), auch wieder versehen mit den
Stammbäumen von zum Beispiel Ismael (Genesis 25:12), Isaak (Genesis 25:19),
Esau (Genesis 36).
"Abraham war also ein Fürst, eine für die
damalige Zeit sehr hochgestellte Herrschergestalt. Von Isaak und Jakob hören
wir das gleiche. Wir dürfen uns diese Männer keineswegs als zurückgezogene
Einzelgänger vorstellen. Von daher muss man ihnen unter allen Umständen die
Fähigkeit zuerkennen, dass sie entweder selbst schreiben konnten, oder -
was noch wahrscheinlicher ist - Schreiber angestellt hatten, die die für
ihre zukünftige Familiengeschichte so unendlich wichtigen und einzigartigen
Verheißungen Gottes für sie niederschrieben. Es wäre wirklich nicht zu
verstehen, wenn sie es nicht getan hätten, wo doch um sie her so viele
unwichtige Dinge auf Tontäfelchen niedergeschrieben wurden." (wedg
82)
·
Genesis 37 bis 50: Der Bericht über Joseph, der
bekanntlich nach Ägypten verschleppt wurde.
Es
fällt auf, dass die jeweiligen Lebensberichte immer umfangreicher werden:
Umfasst der relativ lange Stammbaum Adams einschließlich der
Hintergrundberichte noch fünf Kapitel, wird das Leben Abrahams in dreizehn
Kapiteln beschrieben, das Leben Mose wird dann in vier ganzen Büchern
geschildert. Dies deckt sich mit dem, was vor dem Hintergrund der Entwicklung
der Schreibtechnik zu erwarten ist: Wahrscheinlich wurde zu Adams Zeiten noch
umständlich in Steintäfelchen gemeißelt, zu Abrahams Zeiten benützte man
bereits die leichter zu beschaffenden und beschriftenden Tontäfelchen, und Mose
konnte entweder Pergament oder Papyrus verwenden, das erlaubt, große Mengen
Geschriebenes in handlichem Format zu archivieren.
Die Josephsgeschichten stammen zweifellos von
Mose. Er war in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen und kannte damit die
gesamte ägyptische Literatur. Dass er schreiben konnte, bedarf keiner
Frage. ... Der ganze Abschnitt enthält zahlreiche ägyptische Ausdrücke und
zeigt eine genaue Kenntnis der Sitten und Gebräuche des Landes. ... Außerdem
sind noch "Bemerkungen" und "Erklärungen" in den Text
eingefügt worden mit der Absicht, ihn für "Fremde" verständlich zu
machen. Wie wir in Kapitel 6 schon gesehen haben, können sich diese Ergänzungen
nur auf Leser beziehen, die noch vor dem verheißenen Lande stehen. Schließlich
wäre noch auf den Anfang des Buches Exodus hinzuweisen, das gerade dort
fortfährt, wo die Genesis aufhört. (wedg 85)
Es ist auch bezeichnend, dass mit Ausnahme der
Josephsgeschichte jedes Täfelchen mit einer kurzen Wiederholung der Ereignisse
beginnt, die im vorhergehenden Abschnitt berichtet wurden. Wer mit den
Schreibmethoden des Altertums vertraut ist, wird gar nichts anderes erwarten
und kann darin nur einen Beweis für die Treue der Textüberlieferung sehen. (wedg
93)
Ergebnis
"Wie
wir gesehen haben, ist die Genesis aus einer Täfelchenserie zusammengesetzt. Die
einzelnen Täfelchenabschnitte ergeben auch den natürlichen Rahmen des Buches. Diese
natürliche Einteilung der Genesis wirft auch ein neues Licht auf den
verschiedenen Gebrauch der Gottesbezeichnungen.
Bei
unserem Überblick über das erste Täfelchen, den Schöpfungsbericht, stellten wir
fest, dass dort nur der Titel "Gott" vorkommt. Dieser Titel reichte
auch im Anfang der Geschichte völlig aus, den wahren Gott zu bezeichnen. Andere
"Götter" gab es noch nicht. Ein besonderer Name zur Kennzeichnung
Gottes, des Schöpfers von Himmel und Erde, war damals noch nicht nötig.
Das
zweite Täfelchen (Genesis 2:4b-4:26) wurde vor der Flut geschrieben und enthält
den Titel "Gott" und den Namen "Jahwe"; und zwar stehen
Titel und Name hier immer zusammen, ausgenommen in den Worten Evas und des
Versuchers. Die gemeinsame Verwendung beider Bezeichnungen ist für dieses
Täfelchen geradezu charakteristisch. Wir stehen hier in der Zeit der Enkel
Adams, in den Tagen Henochs, wo man anfing, "den Namen Jahwes
anzurufen". Hier wird der wahre Gott also schon mit einem besonderen Namen
bezeichnet. Warum das? Das kann doch nur der aufkommende Polytheismus nötig
gemacht haben. Es wurden immer mehr "Götter" verehrt, folglich musste
der wahre Gott durch einen Namen angerufen werden, mit dem er sich von den
anderen Göttern unterschied." (wedg 123)
"Die
Pentateuchkritik entstand auf Grund des verschiedenen Gebrauchs der Gottesnamen
in der Genesis. Heute zeigt sich, dass dieser Wechsel sich ganz anders erklärt,
als die Kritik meint. Wenn man sich die Entstehungsgeschichte der Genesis im
Lichte ihrer Umwelt ansieht, erscheint es sogar notwendig ... Diese
Kapitel beschreiben gerade die Zeit, in der der Polytheismus wuchs und überhand
nahm, ohne dass es schon eine feste Volksgemeinschaft gegeben hätte, in der der
Name des wahren Gottes hätte rein erhalten werden können.
Bei näherem Zusehen ist übrigens zu erkennen, dass
die Täfelchen, aus denen die Genesis besteht, an manchen Stellen mit den
Einteilungen der Quellenscheidung übereinstimmen. Das ist nicht verwunderlich. Durch
die Arbeit an der Genesis sind auch von der kritischen Forschung Beobachtungen
gemacht worden, z.B. über Stil, Wortgebrauch, Textzusammenhang usw., die häufig
richtig sind. Aber ihre Deutung der Beobachtung ist falsch, weil sie von
falschen Voraussetzungen ausgeht." (wedg 123,124)
Ich möchte vorausschicken, dass es mir in diesem
Kapitel nicht um die Argumente geht, die für oder gegen die bibelkritische
Theologie sprechen. Diese finden sich, was den Schöpfungsbericht angeht, zur
Genüge im vorderen Teil des Buches, und was die Theologie allgemein betrifft,
haben die von mir ausführlich zitierten Aussagen von Insidern wie Prof. Eta
Linnemann sicher mehr Gewicht. Nein, ich möchte im Folgenden schildern, welche
Erfahrungen ich persönlich während der acht Semester machte, in denen ich an
der Universität München als Theologiestudent eingeschrieben war, denn ich halte
sie für typisch für die historisch-kritische Theologie.
Den
"kindlichen Glauben" zerstören!
Mein erstes Erlebnis mit dem Universitätsbetrieb
hatte ich bereits vor meiner Studentenzeit. Ich stand mit einigen anderen
jungen Christen abends in München Schwabing an einem evangelistischen
Büchertisch. Da tauchte ein Mann auf, der sich als Dozent an der Uni München
vorstellte und voller Eifer darlegte, was er als seine Aufgabe dort sah: Als
erstes müsse einmal der "kindliche Glaube" der Studenten zerstört
werden, die an die Uni kommen, damit dann völlig neu ein "rationaler
Glaube" aufgebaut werden könne. Ich war entsetzt, dass jemand so überzeugt
sein konnte, dass die Zerstörung des "kindlichen Glaubens" das
Fundament sein sollte, auf dem die Universitätstheologie dann aufbauen kann. Und
ich sehe Jesus vor meinem geistigen Auge, wie er ein Kind in die Mitte seiner
Schüler stellt und sagt:
Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt
und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel
hineinkommen ...
Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde
gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er
in die Tiefe des Meeres versenkt würde.
Wehe der Welt der Verführungen wegen! Denn es ist notwendig, dass Verführungen
kommen. Doch wehe dem Menschen, durch den die Verführung kommt! Matthäus 18:3-7
Dieser Mensch war sich der Tragweite seiner
Aussagen jedoch scheinbar gar nicht bewusst, auch nicht der Gefahr, in der er
sich befand, sondern sprach im Brustton der Überzeugung, den Menschen etwas
Gutes zu tun, wenn er ihren Glauben systematisch zerstörte. Durch diese
Begegnung hat Gott mir bereits einen Vorgeschmack auf die Atmosphäre gegeben,
die mich an der Universität erwarteten sollte.
Kritik
- Kritik - Kritik ...
Tatsächlich wurde ich dort von Anfang an dem
Versuch einer systematischen Hirnwäsche unterzogen. In den Einführungskursen
wurden immer wieder ganze Salven auf die Glaubwürdigkeit der Bibel
abgeschossen. In Wirklichkeit sind es eigentlich nur zehn bis zwanzig
inzwischen altbekannte Argumente, die immer und immer wiederkehren, aber als
Neuankömmling meint man, von einer Flut von "wissenschaftlichen
Argumenten" überrollt zu werden. Zumeist sind es angebliche Widersprüche
im Bibeltext selber, die teils genüsslich, teils triumphierend ausgebreitet
werden, aber auch der Hase, der angeblich kein Wiederkäuer ist, darf als
"Beweis" nicht fehlen. Frommes Gerede über den Bibeltext wird
jederzeit toleriert, aber wehe, es kommt zur Wahrheitsfrage, dann wird kein
gutes Haar an ihm gelassen!
Es war mir in jener Zeit eine große Hilfe, dass
ich Unterstützung durch erfahrenere Christen und auch Bücher bekam, so dass es
den Dozenten nicht gelang, meinen Glauben zu torpedieren. Doch ist mir die
feindselige Einstellung gegen die Wahrhaftigkeit der Bibel noch in lebhafter
Erinnerung. Während der acht Semester lernte ich etliche Vertreter dieser
"modernen" Theologie kennen. Ihre persönliche Einstellung zum Glauben
reichte von "fromm" bis zu praktischem Atheismus. Ich erwähne nur
zwei Beispiele für die beiden Extreme:
Ein
"frommer" Professor hielt eine Andacht für den Studentenkreis, in der
er mit pathetischen Worten seine Ansichten zu Jesaja 40ff vortrug, wie ich sie
bereits aus seiner Vorlesung kannte: Die darin enthaltenen Profetien seien
natürlich gar keine, stammten auch nicht von Jesaja, sondern einem später
lebenden, sogenannten "Deuterojesaja", der sie Jesaja unterschob, um
damit seine eigene Theologie besser verkaufen zu können. Dies alles hörte ich
nun im "frommen Modus" noch einmal und sollte von der tiefen
Religiosität dieser Passage beeindruckt sein. Ich erlebte ein Paradebeispiel
dafür, wie es möglich ist, mit einigen wenigen schwülstigen Worten eine
Bibelstelle in ihr Gegenteil zu verkehren: Die behandelte Jesajastelle betonte,
dass es gerade die echten Profetien sind, die den wahren Gott von den Götzen
unterscheiden. Und das wurde nun zur Pseudo-Profetie erklärt - deren
"frommen" Inhalt wir aber trotzdem schlucken sollten! Es war
schrecklich für mich, mitzuerleben, wie eine ganze Reihe von gläubigen
Studenten sich dadurch Sand in die Augen streuen ließ und beeindruckt war von
der "Gläubigkeit" des Professors.
Der wohl eher atheistisch eingestellte Dozent
erklärte mir, die Dreieinigkeit sei für ihn lediglich ein logisches Denkmodell
für Gott. Er äußerte ganz offen Zweifel an meiner psychischen Gesundheit, weil
ich Gott als Person sah, mit der man sprechen kann.
"Wenn
hier einer irrt, dann ist es die Bibel!"
Eines
hatten alle Dozenten gemeinsam, egal wie "fromm" sie sich auch geben
mochten -sie streuten systematisch Zweifel an Gott und der Glaubwürdigkeit
der Bibel aus. So erlebte ich im Studium eine für die bibelkritische Theologie
wahrscheinlich typische Atmosphäre: Innerhalb verschiedener
"Hauptströmungen", die alle letztlich im Unglauben mündeten, verfolgte
jeder seine eigenen Theorien, und es galt die Gleichung:
Drei Dozenten = drei bis vier verschiedene
Meinungen.
Nur in
einem war man sich an der Uni meist einig: So, wie es in der Bibel geschrieben
steht, kann es nicht gewesen sein. So stellte ich einmal während einer Freizeit
für Theologiestudenten in Anwesenheit von etlichen Dozenten und Professoren die
Behauptung in den Raum:
Es gibt unter den deutschen Theologen keinen
Konsens,
keine einzige Lehre, in der sich alle einig wären -
außer der Überzeugung,
dass die Bibel nicht Gottes Wort ist!
Sie blieb unwidersprochen. Nur ein einziger
Einwand wurde von einem Assistenten vorgebracht: "Es geht allen um
Jesus!" Doch selbst angenommen, dies sei wahr, dann stellt sich immer noch
die Frage: Welchen Jesus? Es gibt Theologen, die keines der Wunder Jesu für
wahr halten, andere wiederum sind der Überzeugung, die Wunder Jesu seien so
ziemlich das einzige, was an ihm historisch zuverlässig sei. Jeder pflückt sich
andere Stellen aus der Bibel heraus und bastelt sich so seinen eigenen
"Jesus" zurecht. Für den Jesus der Bibel gilt unter diesen Umständen:
Kein Zutritt! Das ist die Wirkung der "modernen" Theologie!
Pseudo-Wissenschaft
Meine
Erfahrungen an der Universität haben bewirkt, dass ich den Respekt vor der
angeblich "wissenschaftlichen" Theologie vollkommen verloren habe. Sie
tritt mit einem geradezu monopolartigen Anspruch auf, die einzig objektive
Methode zu lehren, wie wir mit der Bibel umgehen müssen. Das alleine sollte
schon aufhorchen lassen, denn hier begegnet uns ein mittelalterlicher
Unfehlbarkeitsanspruch im modernen Gewande: Wer nicht historisch-kritisch
denkt, muss von Haus aus irren, kann von der "anerkannten Theologie"
nicht ernst genommen werden. Er wird mit dem Bann der Hochschultheologie belegt
und exkommuniziert aus der Gemeinde der angeblich wahrhaft wissenschaftlich
denkenden Theologen.
Dabei
habe ich hautnah erlebt, dass diese Theologie bis zu den Hüften in einem Sumpf
von weltanschaulicher Voreingenommenheit steckt, den sie sich aber nicht eingesteht,
sondern mit dem Anspruch von "Wissenschaftlichkeit" bemäntelt. Angeblich
objektiv wird an Texte herangegangen, aber in Wirklichkeit hat die meist
lupenrein materialistische Weltanschauung von vorneherein festgelegt, was der
Text sagen darf und was nicht.
Man