Armin Christian Held

(2005)

Bibelauslegung

"Den Glauben behalten,

ohne den Verstand zu verlieren"

Wissenschaftliche Textauslegung

&

Die Glaubwürdigkeit der Bibel

 

Armin Held

Geboren 1961 in Garmisch

verheiratet, vier Kinder

Hebraicum und Graecum an der Universität München.

Kontakt:

Armin Held

Oberreit 1

D - 83620 Feldkirchen-Westerham

Telefon: 08063-972 301

Diese Schrift, Stand Februar 2008, darf in jeder Form vervielfältigt werden. Sie kann, ebenso wie etliche weitere Schriften, von mir bezogen oder von der folgenden Homepage in der jeweils neuesten Fassung gratis heruntergeladen werden:

www.urzeitundendzeit.de

Aus dem Inhalt:

Warum Darwin nicht mehr glauben konnte

Wie kann eine wissenschaftliche Bibelauslegung aussehen?

Die Zuverlässigkeit der biblischen Textüberlieferung

Die zwei (widersprüchlichen?) Stammbäume Jesu

Der Hase - (k)ein Wiederkäuer?

Jona - ein falscher Prophet?

Wurzeln und Früchte der bibelkritischen Theologie im Alten Testament

Stammt die Bibel aus Babel?

Biblische "Quellenscheidung"

Der Autor: Meine Erfahrungen mit der Universitäts-Theologie

Eine historisch-kritische Theologie-Professorin kommt zum Glauben ...

Eine Ent-Täuschung: Der "Bibelcode"

 

Typische Zweifel:

Warum Darwin nicht mehr glauben konnte

An Bord der "Beagle" war ich ganz orthodox, und ich erinnere mich, von mehreren Offizieren (obgleich sie selbst orthodox waren) herzlich darüber ausgelacht worden zu sein, dass ich die Bibel als eine unwiderlegbare Quelle über irgendeinen Punkt der Moral zitierte ...
In der zweiten Hälfte meines Lebens ist nichts bemerkenswerter als die Ausbreitung des religiösen Unglaubens oder des Rationalismus.

(Charles Darwin, deeg 104,113)

Revolutionär wider Willen

Wer meint, Darwin sei ein überzeugter Atheist gewesen, der bewusst den christlichen Glauben angreifen wollte, der irrt! Darwin selber stellte rückblickend fest:

Ich könnte völlig wahrheitsgemäß sagen, dass ich nie den Wunsch verspürt habe, dieses oder jenes religiöse Dogma anzufechten. (deeg 72)

Eher das Gegenteil war der Fall! Selbst in der Zeit seines dreijährigen Theologiestudiums, als er sich schon eifrig als Naturforscher betätigte, hatte er ...

... nicht den geringsten Zweifel an der strikten und wörtlichen Wahrheit jedes Wortes in der Bibel. (deeg 71)

Mit dieser Überzeugung trat er seine Fahrt auf dem Forschungsschiff "Beagle" an, und wir können davonausgehen, dass er seinen Glauben nur sehr widerwillig über Bord warf:

Ich war aber sehr abgeneigt, meinen Glauben aufzugeben; - dessen bin ich ganz sicher ... (deeg 105,106)

Wie konnte es dann innerhalb weniger Jahre zu einer solchen Kehrtwendung in den Überzeugungen Darwins kommen, dass sein Buch "Über die Entstehung der Arten" eine regelrechte Revolution auslöste? Zentrale Lehren des Christentums kamen ins Wanken, und schließlich triumphierten die "Wissenschaften" über die "Religion". Das Fundament für ein neues Weltverständnis wurde gelegt, auf dem die gesamte Abendländische Kultur bis heute ruht. Wir gehen also zurück bis an die Wurzeln unserer heutigen Zivilisation, wenn wir einen Blick auf die Ereignisse werfen, die Darwin zu seiner radikalen Gesinnungsänderung veranlassten. Was war geschehen?

Spaltbares Material

Das abendländische Denken wurde lange Zeit vom Einfluss der kirchlichen Hierarchie beherrscht, die ihre Weltanschauung durchsetzte. Dieser Einfluss war jedoch nicht nur hinderlich. Der christliche Glaube an einen intelligenten Schöpfer spornte viele Wissenschaftler dazu an, die Gesetzmäßigkeiten der Schöpfung zu erforschen. Die Entgötterung der Naturgewalten eröffnete den Weg für das Studium der Natur. Deswegen kam es trotz des teilweise knebelnden Einflusses der Kirche im 16. und 17. Jahrhundert nicht zu einer Trennung oder gar Verfeindung von Wissenschaft und Glaube:

Sonderbarerweise brachte die sogenannte wissenschaftliche Revolution des 16. und 17. Jahrhunderts ... keinerlei Veränderung ihrer Einstellung gegenüber dem Schöpfungsglauben mit sich:

Alle führenden Physiker und Mathematiker, Descartes, Huyghens, Boyle und Newton, glaubten an einen persönlichen Gott und waren strenge Anhänger des Schöpfungsglaubens.
(Mayr, Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt, S.246)

Zwar wurde auf kirchlicher Seite über die Jahrhunderte hinweg betont, dass das Wort Gottes, die heilige Schrift, allein der Maßstab aller Dinge sei, doch in Wirklichkeit handelte es sich bei den theologischen Dogmen oftmals um eine Mischung aus biblischem Material und menschlichen Traditionen. Ein Beispiel für die Macht der kirchlichen Dogmen ist ein Bekannter Darwins, der entscheidenden Einfluss auf Darwin hatte:

Einen Umstand habe ich noch nicht erwähnt, der auf meine ganze Karriere mehr als irgendein anderer Einfluss gehabt hat. Das war meine Freundschaft mit Professor HENSLOW. ... Er war stark religiös und so orthodox, dass er mir eines Tages erzählte, es würde ihn schmerzen, wenn ein einziges Wort in den Neununddreißig Artikeln (des Glaubensbe- kenntnisses der anglikanischen Kirche) geändert würde. Seine moralischen Eigenschaften waren in jeder Hinsicht bewundernswert. (emg 80-81)

Zusammen mit religiösen Dogmen flossen auch Überzeugungen mit ein, die das Weltbild betrafen. Dazu gehörte z.B. die Ansicht, dass die Welt jung sei:

Die Kirche, die mehr oder weniger offiziell das Jahr 4000 v.Chr. als Schöpfungsdatum akzeptiert hatte, betrachtete jedes substantielle Abweichen von diesem Datum als Ketzerei. (E.Mayr mebg 252)

Diese und andere Doktrinen wurden kaum merklich in die Interpretation der Bibel eingeschleust. Sie bargen jede Menge Sprengstoff in sich, "spaltbares Material", das nur noch darauf wartete, die "kritische Masse" zu erreichen, um in einer gewaltigen Detonation die Glaubwürdigkeit der Bibel zu atomisieren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis irgend jemand gewollt oder ungewollt den letzten Anstoß dazu geben würde. Insbesondere auf den Fach- gebieten von Astronomie, Geologie, Biologie und Theologie hatte sich "spaltbares Material" angesammelt, dem nur noch die Initialzündung fehlte, um es zur Explosion zu bringen.

Astronomie - Der Fall Galilei

Die Stellung der Erde im Weltall war Gegenstand eines langen Gelehrtenstreites gewesen, in dem die Kirche über Jahrhunderte hinweg eine unhaltbare Position verteidigt hatte. Den Hintergrund bildeten die Lehren des Thomas von Aquin (1225-1274), der sie wiederum aus den Philosophien des Aristoteles (384 v.Chr.) abgeleitet hatte. Für letzteren stand die Erde im Zentrum, die Planeten umkreisten sie auf Sphären, die Fixsterne waren an der äußersten Sphäre angebracht.

Galilei, der das Fernrohr für wissenschaftliche Zwecke verwendete, kam zu anderen Ergebnissen und geriet deswegen in eine Auseinandersetzung mit den kirchlichen Autoritäten, die traurige Berühmtheit erlangt hat. Er wurde mit Folter bedroht und widerrief gezwungenermaßen. Der Widerstand der angeblich Bibeltreuen konnte nicht verhindern, dass die Wahrheit sich durchsetzte, aber er zögerte es hinaus und fügte dem Ansehen der Bibel unabsehbaren Schaden zu:

Erst mit Nikolaus Kopernikus (1473-1543), einem Domherrn aus Thron, änderte sich diese Situation. ... Kopernikus gab der Sonne eine ruhende Position und hob die Erde in den Himmel. ... Ein Jahrhundert später war in allen erwähnenswerten Modellen die Sonne an die Stelle der Erde als Zentrum getreten. (pdz 50-52)

Biologie - Die Entdeckungsreisen

Im 14. und 15. Jahrhundert begannen die großen Seereisen, die dann im 16., 17. und 18. Jahrhundert zu immer erstaunlicheren Entdeckungen führen sollten, und die Glaubwürdigkeit der biblischen Darstellung wurde durch die Beschreibung völlig neuer Faunen in Afrika, Ostindien, in beiden Teilen Amerikas und in Australien auf fatale Weise untergraben.
Wie konnten alle diese reichen Faunen in der Arche Platz gefunden haben? Wenn sich alle Tiere vom Berge Ararat (in Armenien) aus, dem angeblichen Landeplatz der Arche, über die Welt verbreitet hatten, warum war die Fauna der ganzen Welt nicht einheitlich? Wie wurden die isolierten Kontinente Amerika und Australien kolonisiert? Die Fakten der Biogeographie stellten die Anhänger des Schöpfungsglaubens vor einige unlösbare Dillemata, und wurden schließlich für Darwin die überzeugendsten Belege für eine Evolution. (mebg 253)

Geologie - Das Alter der Erde

Ein weiteres Thema war das Alter der Erde. Eine herausragende Rolle spielten dabei die Fossilienfunde der damaligen Zeit:

Neue Zweifel an der Glaubwürdigkeit der biblischen Darstellung wurden durch das ständig anwachsende Wissen über Fossilien geweckt. ... Als sich schließlich die Idee allgemein durchsetzte, dass die Fossilien Relikte von Lebewesen aus früheren Zeiten seien, blieb die vorherrschende Praxis dennoch eine wortgetreue Interpretation der Bibel; die Fossilien wurden als Reste der von Noahs Sintflut ausgelöschten Geschöpfe interpretiert ... (mebg 253,254)

Doch zu widersprüchlich waren die Fakten, um eine Harmonisierung auf Dauer zuzulassen:

Welches auch immer die verschiedenen geologischen Entdeckungen im einzelnen waren, sie alle hatten eins gemeinsam: sie verstärkten wechselseitig die Erkenntnis, dass die Erde ungeheuer alt sein musste. Damit war ein Zusammenstoß mit allen Verfechtern einer wortgetreuen Auslegung der Bibel unvermeidlich. (mebg 252)

Theologie - Die Blütezeit der Bibelkritik

Da die Beschreibung vieler Natur- und Himmelserscheinungen durch "Naturgesetze" möglich wurde, ging man zu einer Mechanisierung des Weltbildes über. Die Wunderberichte der Bibel schienen im Lichte dieser neuen Logik unglaubwürdig. Man fing an, Fehler und Widersprüche in der Bibel zu sehen, die "Bibelkritik" bekam neue Nahrung. Man ging so weit, den Bibeltexten jegliche historische Glaubwürdigkeit abzusprechen: Mose habe nicht schreiben können, da es zu seiner Zeit angeblich noch gar keine Schrift gab ... - das in der Bibel ausführlich erwähnte Babel habe in Wirklichkeit niemals existiert ... - alles Behauptungen, die sich inzwischen als unwahr erwiesen haben. Dennoch, was Wissenschaftler wie Galilei, Kopernikus und Newton weder bezweckt noch bewirkt hatten, das geschah durch die kritische Theologie: Die Glaubwürdigkeit der Bibel wurde bis in die Fundamente erschüttert. Letztlich erklärt diese Theologie die Bibel zu einem "Mythos", ganz gleich wie die anderen Sagen und Mythen anderer Völker. Kernsätze sind die folgenden Behauptungen:

Viele Texte seien ... erheblich später verfasst worden, als sie selber vorgeben. Echte Profetien habe es gar nicht gegeben, man habe nachträglich "Trosttexte" verfasst, die vorgaben, Zukunftsvorhersagen zu sein. ... angeblich von anderen Verfassern als den angegeben, weil zum Beispiel Mose gar nicht schreiben konnte. Man habe aber gewisse Texte berühmten Personen "untergeschoben", um deren Autorität für sich in Anspruch zu nehmen. ... aus einer Mehrzahl von unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und von späteren "Redaktoren" willkürlich verändert und zusammengekittet worden. Deswegen seien "Spannungen", "Risse" und Widersprüche im Text aufzuspüren. Überhaupt sei der Text nicht korrekt überliefert worden.

Darwin's Zweifel

Der Einfluss dieser Zweifel ist bei Darwin, besonders in den Jahren, die auf seine Weltreise folgten, sehr deutlich wiederzuerkennen und sorgte letztlich dafür, dass er seinen Glauben verlor. Er selber hält diese Entwicklung für das Bemerkenswerteste in der zweiten Hälfte seines Lebens! So schreibt er rückblickend von den Jahren, die auf seine Weltreise folgten:

Ich war aber in dieser Zeit [d.h. 1836 bis 1839] allmählich dahin gekommen, einzusehen, dass dem Alten Testamente - mit seiner offensichtlich falschen Weltgeschichte, mit seinem babylonischen Turm, mit dem Regenbogen als Zeichen usw. und seiner Art, Gott Gefühle eines rachedurstigen Tyrannen zuzuschreiben - nicht mehr Glauben zu schenken sei als den heiligen Schriften der Hindus oder dem Glauben irgendeines Wilden. Die Frage trat damals ständig vor meinen Geist und ließ sich nicht verbannen ...
Ich fand es aber trotz aller meiner Einbildungskraft gewährten Kraft immer schwieriger, Beweismittel zu erfinden, die ausreichten, mich zu überzeugen. So beschlich mich in sehr langsamer Weise der Unglaube, bis ich schließlich ganz ungläubig wurde.
(deeg 104-106)

Mit "ungläubig" meinte Darwin zwar keinesfalls, dass er Atheist geworden wäre, die Existenz Gottes also absolut verneint hätte:

In den äußersten Zuständen des Schwankens bin ich niemals ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte. (swza 81)

Was ihm jedoch verloren ging, war der Glaube an den persönlichen Gott, der sich Menschen durch Worte und Taten offenbart:

Was mich selbst angeht, so glaube ich nicht, dass es jemals irgendeine Offenbarung gegeben hat ... (swza 84)

Die Falle

Darwin ist ein typisches Beispiel dafür, was für verheerende Auswirkungen die bibelkritische Theologie auf den Glauben derjenigen Menschen hat, die ihr Glauben schenken. Suchende werden davon abgehalten, die Bibel zu verstehen, ja, sie werden systematisch vom Weg abgebracht. Es waren nicht etwa seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die Darwin von Gott abhielten, sondern in Wirklichkeit die erzkonservative Theologie auf der einen und die Bibelkritik auf der anderen Seite: Während die einen im Theologiestudium von ihm forderten, ihrer als "wörtlich" ausgegebenen Auslegung der Bibel bedingungslos zu gehorchen und zum Beispiel an eine "Instant-Schöpfung" und "junge Erde" zu glauben, boten die anderen ihm als Ausweg die Erklärung an, die Bibel sei nur eines der vielen menschlich-religiösen Bücher, ohne wirkliche Offenbarung Gottes, ohne ernstzunehmenden Anspruch auf Gültigkeit. So trieben die "Wortgetreuen" ihn in die Falle, die von den "Liberalen" aufgestellt worden war.

Das "Hiroshima" des christlichen Abendlandes

Darwin’s Evolutionstheorie, die vor diesem Hintergrund entstand, stellte die erste Synthese dar, in der die bis dahin getrennten Kritikpunkte zusammengefügt wurden: Das hohe Alter der Erde gab die nötige Zeit, die Größe von Erde und All den nötigen Raum, Mutation und Selektion den erklärenden Mechanismus für den Stammbaum des Lebens, und die Theologie räumte das Hindernis kirchlicher Bevormundung aus dem Weg. Ein umfassendes Erklärungsmodell war geschaffen, eine vollständige Alternative zum Schöpfungsmodell. Der wissenschaftliche Zweifel überschritt damit die "kritische Masse". Darwins Buch "Über die Entstehung der Arten" wurde zu einem geistlichen Hiroshima des christlichen Abendlandes, das die Glaubwürdigkeit der Bibel endgültig in Schutt und Asche legte. Bis zum heutigen Tag konnten die Schäden, die von den wissenschaftlich begründeten Zweifeln an der christlichen Geisteslandschaft angerichtet wurden, nicht behoben werden. Seitdem scheinen nur noch zwei Positionen möglich zu sein:

Entweder man akzeptiert die naturwissenschaftlichen Gegebenheiten und stuft folglich den Bibeltext als überwiegend menschliche und damit fehlerhafte "Geschichte" ein, die bestenfalls "erbaulichen" Zwecken dient, schüttet also das Kind mit dem Bade aus.

Oder man glaubt mit einem scheinbaren Fanatismus trotz allem "wörtlich an die Schrift" und nimmt die starken Spannungen, die sich daraus gegenüber den wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben, entweder in Kauf oder verteufelt gar die Naturwissenschaften.

Doch eines ist höchst auffällig und bedenklich: Ausgerechnet die Bibel selbst kam und kommt bei all den Diskussionen um ihre Glaubwürdigkeit so gut wie gar nicht zu Wort! Bis zum heutigen Tage wird kaum jemals der Bibeltext zitiert, wenn über "Schöpfung und Evolution" diskutiert wird. Und wenn, dann werden meist nur aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke aus einer alten Übersetzung hervorgekramt. Man kann es nicht anders sagen:

Ausgerechnet dem Kronzeugen hat man das Recht auf Aussage verweigert!

Schatz-Suche

Doch wenn wir nicht traditionelle Lehrmeinungen unbesehen übernehmen und so die uralten Irrtümer festschreiben wollen, dann müssen wir unbedingt die originalen Texte untersuchen! Dann bleibt uns kein anderer Weg als derjenige, den auch die Naturwissenschaften immer wieder neu eingeschlagen haben: Zurück zu den Fakten! Und wir werden sehen: Sobald wir anfangen, das Gebiet der Dogmen zu verlassen und uns der Erforschung der tatsächlichen Gegebenheiten zuzuwenden, können wir uns darauf gefasst machen, dass revolutionäre Entdeckungen uns zum Umdenken zwingen werden. Sie werden manches menschliche Gedankengebäude zum Einsturz bringen, aber dabei Schätze der Wahrheit ans Licht fördern.

Die Wahrheit ist keine Nebensache, es lohnt sich, nach ihr zu forschen. Darwin sagte:

Wenn ich mich richtig kenne, so arbeite ich aus einer Art Instinkt heraus, um zu versuchen, die Wahrheit zu ergründen. (swza 96)

Albert Einstein antwortete auf die Frage: Was war nach Ihrer Meinung Ihr Hauptziel in Ihrem Leben?

Ohne den geringsten Zweifel kann ich sagen: Die Suche nach Wahrheit. Das ist nicht leicht gewesen, doch es war befriedigend. Ich weiß von meiner eigenen schmerzhaften Suche mit ihren vielen Sackgassen, wie schwer es ist, einen sicheren Schritt, und sei er noch so klein, in Richtung auf das Verständnis dafür zu tun, was wirklich bedeutsam ist.(bpae 67)

Wenn dies auf dem Gebiet der Naturwissenschaften wahr ist, warum sollten wir nicht auch auf dem Gebiet geistiger Wahrheiten die nötige Mühe investieren, um die Wahrheit zu erfahren?

C.S.Lewis schließt deshalb, dass man sich auch bei der Suche nach Gott nicht durch Schwierigkeiten entmutigen lassen sollte:

Dennoch verhalten sich häufig gerade kluge Menschen so töricht ... dann klagen sie, ihnen schwirre der Kopf, alles sei zu schwierig, und wenn es wirklich einen Gott gäbe, er hätte gewiss eine einfache Religion "gemacht", denn Einfachheit sei schön usw. ... Aber die Realität ist nicht nur etwas sehr Schwieriges; nach meiner Erfahrung jedenfalls ist sie meist auch etwas sehr Eigenartiges. Sie ist weder fein säuberlich abmessbar noch klar durchschaubar. ... Die Wirklichkeit ist meistens so, dass wir aus eigener Überlegung nie darauf gekommen wären ... (libc 39,40)

Die Herausforderung: Ausgrabungen auf biblischem Boden

Man könnte unsere Aufgabe, die Wahrheit über die Bibel herauszufinden, mit einer Ausgrabung vergleichen, deren Ziel es ist, den ursprünglichen Text wieder ans Licht zu bringen: Unser "Grabungsbereich" wird durch den sehr gut dokumentierten Grundtext der Bibel abgesteckt. Die allgemein anerkannten Standard-Wörterbücher sind uns dabei als "Spaten" ein einfaches und dennoch äußerst wirkungsvolles Werkzeug. Mit ihrer Hilfe können wir zentrale Begriffe der Bibel ans Licht bringen, entscheidende Schlüsselaussagen quasi aus dem Trümmerschutt generationenlanger Auslegungsgeschichte bergen.

Wir dürfen die "Einzelfunde" natürlich nicht aus dem Textzusammenhang reißen, sondern wollen, im Gegenteil, die "Tonscherben" des teilweise entstellten Textes wieder zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen. Das restaurierte Dokument kann endlich wieder für sich selber sprechen! Exegetische "Tiefbohrungen" sind in der Regel gar nicht nötig, in den meisten Fällen genügt es, den Staub von lange nicht beachteten Aussagen zu blasen, so dass der Text wieder durchscheinen kann. Bei alldem achten wir darauf, dass die Argumente durchweg anhand der gängigen Übersetzungen nachvollziehbar bleiben.

Bei alledem versuchen wir, künstliche Harmonisierungsversuche zu vermeiden. Wenn Spannungen zwischen Bibeltext und aktuellem Forschungsstand der Naturwissenschaften auftreten, dürfen wir sie auch offen eingestehen. Schließlich sind weder Bibelausleger noch Naturwissenschaftler unfehlbar, und so mancher scheinbare Widerspruch kann im Laufe der Zeit geklärt werden. Grundsätzlich hat jeder "Stolperstein" das Potential, sich als wahrer Schatz zu entpuppen, wenn man ihn von der Kruste menschlicher Überlieferungen befreit. Und jeder scheinbare Anstoß kann zu einer Stufe werden, die den Zugang zu einer höheren Erkenntnis ermöglicht.

Die Bibel "beim Wort genommen"

Wie kann eine wissenschaftliche Bibelauslegung aussehen?

Es ist ein Grundsatz jeder Wissenschaft, dass ihre Untersuchungsmethoden dem Gegenstand angepasst sein müssen, dem sie sich widmen. Und die Untersuchungsergebnisse müssen für jedermann nachvollziehbar und kontrollierbar (wiederholbar) sein. Da wir es bei der Bibel mit einem fremdsprachigen Text zu tun haben, ist es selbstverständlich, dass wir von der Originalsprache ausgehen, also im Falle des Alten Testamentes den Hebräischen Text untersuchen, im Falle des Neuen Testamentes den Griechischen.

Für das AT legen wir die 'Biblia Hebraica Stuttgartensia' zugrunde, die sowohl in Deutschland, an den Universitäten, als auch weltweit als hervorragender, repräsentativer Text anerkannt ist und sich praktisch mit demjenigen deckt, der auch vom jüdischen Volk verwendet wird.

Für das Neue Testament verwenden wir den Text von Nestle-Aland, für den sinngemäß dasselbe gilt.

'Konkordanz'

Als nächstes geht es, wie bei jedem anderen Text auch, darum, zuerst einmal die Bedeutung der einzelnen Worte zu klären, um dann den Textzusammenhang zu verstehen. Die erste und naheliegendste Methode, die Bedeutung einzelner Worte zu erfassen, besteht darin, sie in immer neuen Zusammenhängen wahrzunehmen. So lernen Kleinkinder ihre Muttersprache: Sie hören immer wieder Wörter in verschiedenen Zusammenhängen, lernen so verstehen, was ein 'Fuß-Ball' mit dem 'Feuer-Ball' der untergehenden Sonne gemeinsam hat, oder dass es sowohl den 'Frühstücks-Teller' als auch den 'Hand-Teller' gibt. Auf die Bibel angewandt bedeutet dies, dass man alle Vorkommen eines Wortes anhand der 'Konkordanz' untersucht. Dies ist ein Buch, heute oft ein Computerprogramm, das alle Stellen wiedergibt, in denen ein Wort in der Ursprache vorkommt.

Ich verwende die allgemein gängigen Werke (Wörterbücher und Konkordanzen) und Programme (Bible Works 4.0). Um die Ergebnisse für jedermann überprüfbar zu machen, gebe ich von zentralen Wörtern entweder alle Bibelstellen an, in denen ein Wort vorkommt, zitiere alle Bibelstellen (Volltextversion) oder verweise auf die Wörterbücher.

'Etymologie'

Dies ist die Wissenschaft von der Herkunft der Wörter. Sie untersucht, aus welcher Wurzel ein Wort gebildet ist (z.B. backen - Gebäck ), was ein zusätzliches Licht auf die Bedeutung des betreffenden Wortes werfen kann.

Dazu gehört auch, verwandte Wörter derselben Sprache zu finden. In diesem Fall kann man verwandte Wörter in der Bibel suchen und vergleichen, was sie für eine Bedeutung haben.

Schließlich kann man verwandte Wurzeln oder Wörter anderer Sprachen heranziehen, wobei die einschlägigen Wörterbücher eine Hilfe sind. Dabei muss man natürlich eine gewisse Vorsicht walten lassen, da hier die Grenze zu anderen Texten und Kulturen als dem Umfeld der Bibel überschritten wird und leicht fremdes Gedankengut in den Bibeltext hineingetragen werden kann, das dort original gar nicht vorliegt. Die von mir hauptsächlich verwendeten und allgemein als Standardwerke anerkannten Lexika sind:

Für das Alte Testament:
Ludwig Koehler und Walter Baumgartner: LEXICON IN VETERIS TESTAMENTI LIBROS, E.J.Brill, Leiden 1958. ISBN 9004 03522 2.
Wilhelm Gesenius: HEBRÄISCHES UND ARAMÄISCHES HANDWÖRTERBUCH ÜBER DAS ALTE TESTAMENT. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962.

Für das Neue Testament:
Menge/Güthling: Langenscheidts Großwörterbuch Griechisch-Deutsch (mit Etymologie). Berlin, München, 24.Auflage 1981. ISBN 3-468-02030-9.

Der 'Kontext' = Textzusammenhang

Haben wir die einzelnen Wörter so analysiert, halten wir sozusagen die einzelnen Bausteine in Händen, die im Text jedoch in einem Gefüge vorliegen. Dieses müssen wir berücksichtigen wie ein Archäologie die Lage der einzelnen Fundstücke bei einer Grabung. Es ist naheliegend, dass wir dabei in immer weiter werdenden Kreisen arbeiten:

Wir beginnen mit dem unmittelbaren Satz,

dann betrachten wir den Abschnitt, in dem er liegt,

dann das größere Umfeld, z.B das Kapitel,

dann das ganze Buch (z.B. Genesis/1.Mose bzw. Penteteuch/Fünf Bücher Mose), zu dem er gehört.

Schließlich müssen wir ihn in den Gesamtrahmen des jeweiligen Testamentes (Altes bzw. Neues) stellen.

Letztlich bleibt noch, ihn im Licht der ganzen Bibel zu sehen, die ja als historisches Dokument eine Einheit darstellt und in ihrer seit Jahrtausenden vorliegenden Fassung der Gegenstand unserer Forschung ist.

Geschichtliche und naturwissenschaftliche Fakten

Man könnte meinen, mit den bisher genannten Schritten wäre die Auslegung der Bibel eigentlich abgeschlossen. Doch wir gehen davon aus, dass die Bibel nicht ein in sich abgekapseltes theologisches Werk ist, das sozusagen im luftleeren Raum schwebt. Sie wurde in speziellen geschichtlichen Situationen verfasst und redet bis heute zu Menschen in Raum und Zeit. Darum können wir unmöglich bei einer rein sprachlich-theoretischen Auslegung der Bibel stehenbleiben. Gerade an der Übergangsstelle von der reinen Textbetrachtung hin zur Anwendung in der Realität beginnen ja die brennenden Fragen, die jeden Menschen aus Fleisch und Blut beschäftigen müssen:

Ist der Text der Bibel historisch richtig und zuverlässig, stimmen seine Aussagen mit den Ergebnissen der Geschichtswissenschaften überein?

Decken sich die Aussagen der Bibel auch mit der Realität, wie sie sich in den Erkenntnissen der Naturwissenschaften präsentiert?

Dies ist mit anderen Worten die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Textes. An diese schließt sich sogleich die zweite, die Frage nach den Konsequenzen an:

Wie werden sich die Lehren der Bibel auf unser Leben, unser persönliches Umfeld und letztlich die ganze Gesellschaft auswirken, wenn wir sie umsetzen? Was sind also die psychologischen, sozialen und politischen Dimensionen des Bibeltextes?

Die Frage der Glaubwürdigkeit des Bibeltextes ist von größter Bedeutung. Was man nicht für wahr hält, wird man weder glauben noch in die Tat umsetzen wollen. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob man dem Wort Gottes wirklich annehmen wird oder nicht.

Dabei entspricht es keinesfalls Gottes Wesen, 'blinden Glauben' oder 'blinden Gehorsam' zu fordern. Er hat uns in seinem Bilde erschaffen, als vernunftbegabte Wesen, und er wird nicht von uns erwarten, dass wir unseren Verstand 'an der Garderobe abgeben'. Im Gegenteil, Gott will nicht, dass wir Dinge leichtfertig glauben, nur weil sie unseren Bedürfnissen zu entsprechen scheinen oder sich gut anhören:

Prüft alles, das Gute haltet fest! (1.Thessalonicher 5:21)

Glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind. Denn viele falsche Profeten sind in die Welt hinausgegangen.
(1.Johannes 4:1)

Es ist bei weitem nicht alles Gold, was glänzt, schon gar nicht auf dem Gebiet der Religion. Haben wir darum keine Scheu, an der Fassade zu kratzen - das Echte braucht keinen Test zu scheuen:

Die Worte des HERRN sind reine Worte, Silber,
am Eingang zur Erde geläutert, sieben Mal gereinigt. (Psalm 12:7)

So mancher, der das Wort Gottes recht schnell und problemlos aufnimmt, steht in der Gefahr, letztlich einen zu seichten, zu oberflächlichen Glauben zu haben, der den Realitätstest nicht übersteht:

Bei dem aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt. Er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur ein Mensch des Augenblicks. Sobald Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoß.
(Matthäus 13:20-21)

Als nächstes geht es um die Umsetzung der Theorie in die Praxis. Wiederum ist es nur vernünftig, sich Gedanken zu machen, welche Folgen mein Tun oder Unterlassen haben wird:

Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe?
(Lukas 14:28)

Es ist ein tragischer Selbstbetrug, sich theoretisch mit Gottes Wort zu befassen, ohne es im eigenen Leben auch praktisch anzuwenden:

Seid aber Täter des Wortes,
und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! ...
Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineingeschaut hat und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, dieser wird glückselig sein in seinem Tun.

(Jakobus 1:22, vergleiche Matthäus 23:3)

Die Lehren der Bibel sind darauf angelegt, Folgen für uns und unsere gesamte Umwelt zu haben:

Das Reich Gottes gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war. (Lukas 13:21)

Lassen wir uns wirklich von Fakten überzeugen?

Die Menschheit hat den Auftrag, sowohl das Wort, als auch die Schöpfung Gottes zu erforschen:

Forscht im Buch des HERRN nach und lest! (Jesaja 34:16)

Groß sind die Werke des HERRN, zu erforschen von allen, die Lust an ihnen haben. (Psalm 111:2)

Da die beiden Wissensgebiete niemals vollständig voneinander zu trennen sind, stellt sich die Frage: Ist es zulässig, dass naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse Auswirkungen auf unsere Bibelauslegung haben? Können wir unsere Deutung der Bibel durch naturwissenschaftliche Beobachtungen überprüfen oder sie gar beeinflussen? Das sind Fragen, die wir am besten der Bibel selber stellen.

Tragische Irrtümer bei 'Theologen' und 'Frommen'

Die Auslegung des Wortes Gottes war schon immer ein heiß umkämpftes Gebiet. Im Laufe der Zeit bildete sich in Israel eine Führungsschicht von Priestern und professionellen Theologen heraus, die mehr oder weniger ein Monopol der Bibelauslegung für sich beanspruchten:

Auf Moses Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. (Matthäus 23:1ff)

Leider lagen sie in zentralen Lehraussagen falsch, auch wenn sie dies mit reichlich Bibelzitaten untermauerten, oder besser gesagt: übertünchten. Zur Zeit des Neuen Testamentes war ihr Bild von Gott genauso verzerrt wie ihre Erwartungen an den Messias. Insofern war es kein Wunder, sondern regelrecht vorprogrammiert, dass sie Jesus nicht erkannten. Ihre Lehre, die auf Macht und Ansehen abzielte, war selbst bis in die Kreise der Jünger Jesu eingedrungen, obwohl Jesus sie ausdrücklich davor gewarnt hatte:

Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer ... (nämlich ihrer Lehre, Matthäus 16:6,12)

Auch sie trachteten nach Ministerposten und Ruhm, während Jesus sie auf das kommende Reich Gottes vorbereiten wollte (Johannes 13:13, Lukas 9:44-46).

Zusammenprall mit der Realität

Ganz weltliche, 'natürliche' Fakten ließen ihre Reichsgotteserwartung jedoch wie ein Kartenhaus zusammenbrechen: Die Gefangennahme und der Tod Jesu trafen sie wie ein Schock, ihr ganzer Glaube wurde erschüttert. Diese Geschehnisse liefern uns ein klassisches Beispiel für einen Konflikt zwischen 'Bibelauslegung' und 'Naturwissenschaft': Lehre und Fakten, Theorie und Praxis ließen sich nicht vereinbaren. Doch die Macht der Fakten war so erdrückend, dass sie nicht verdrängt werden konnte.

Zwar kapselten die Jünger sich ab, trafen sich nur noch hinter verschlossenen Türen. Doch Berichte von einer weiteren, simplen Tatsache brachten sie erneut aus der Fassung (Lukas 24:22): Das Grab Jesu war leer, Jesus' Leichnam unauffindbar. Konnte man diese 'natürlichen' Fakten mit der eigenen Lehre irgendwie vereinbaren? Kamen die Jünger jetzt zur Einsicht?

Weit gefehlt! Sie zweifelten lieber am Verstand der 'forschenden' Frauen, als ihre vorgefasste Meinung aufzugeben. Kaum etwas kann Menschen so verblenden wie religiöse Irrmeinungen!

Sind auch wir noch unverständig?

Nun wurde offenbar, dass nicht nur die Pharisäer, sondern auch die Jünger in ihrer Bibelauslegung total daneben lagen, und das, obwohl sie mehrere Jahre lang in die 'beste Bibelschule der Welt' gegangen waren! Jesus, der sie schon früher gefragt hatte: 'Seid auch ihr noch unverständig?' (Matthäus 15:16), musste ihnen nun alle Stellen, 'die ihn betrafen', ganz neu auslegen (Lukas 24:27). Er nannte ihre Herzenshaltung 'unverständig' und 'träge, alles zu glauben, was die Profeten geredet haben'. Erkannten sie jetzt die Wahrheit?

Beinahe! Sie waren nämlich so 'daneben', dass selbst die neue Bibelauslegung, durch den Meister selbst vorgenommen, immer noch nicht vermochte, ihre Herzensaugen ganz zu öffnen. Sie merkten immer noch nicht, dass sie nicht über die Wahrheit sprachen, sondern mit der Wahrheit! Erst die persönliche, greifbare Gemeinschaft, geschehen beim gemeinsamen Abendessen, öffnete ihnen die Augen, und sie erkannten Jesus.

Experimental-Glaube

Einer der Jünger ging sogar noch weiter. Er weigerte sich, den Berichten seiner Kollegen zu glauben, scheinbar weil er davon ausging, sie seien alle Opfer einer Halluzination geworden. So bestand er auf einer experimentell-wissenschaftlichen Demonstration: Er wollte diesen auferstandenen Jesus nicht nur sehen, sondern ihn mit den eigenen Fingern und Händen berühren. Wir wissen, dass dies keine sehr vorbildliche Glaubenseinstellung war. Wir wissen aber auch, dass ihm dieser Beweis dennoch von Gott gewährt wurde. Und dass es ihn restlos überzeugte! Gott gebraucht Fakten, um unseren Glauben und unsere Erkenntnis zu beeinflussen. Immerhin war der 'Ungläubige Thomas' dann der erste, der Jesus als den ansprach, der er tatsächlich ist, nämlich als: 'Mein Gott!' (Johannes 20:25-29)

Nicht traurige Ausnahme, sondern Paradebeispiel!

Die ganze Sache mit der Auferstehung ist bei weitem keine seltene Ausnahme. Als Jesus kam, mussten viele und zentrale Lehren neu definiert werden:

Das Gottes-Bild, das die Gläubigen hatten, erwies sich als überholt: Auf einmal stand ein etwa dreissigjähriger Zimmermann mit aramäischem Akzent vor den Menschen und sagte: Wer mich sieht, sieht Gott! (Johannes 12:45) Wer hätte das gedacht? Wer hätte das erwartet? Wer hätte das geglaubt? (Jesaja 53:1)

Auch das ganze Verständnis vom Reich Gottes wurde auf den Kopf gestellt. Wer groß werden wollte, sollte sich nun erniedrigen und allen anderen dienen usw. Jesus demonstrierte das handgreiflich: Nicht als Emperator auf einem Pferd, sondern auf einem Esel ritt er in Jerusalem ein. Und statt sich bedienen zu lassen, gab er sein Leben für die anderen ...

Wenn Gott 'mit Händen und Füßen redet'

Immer wieder versucht Gott, uns durch Fakten dazu zu bewegen, unsere Lehre neu zu überdenken! Vieles, was wir persönlich erleben, soll diesem Zweck dienen. In seinen Taten offenbart Gott sich, um unser Denken in die richtigen Bahnen zu lenken! Als Johannes fragte, ob Jesus wirklich der Messias sei, ließ Jesus ihm ausrichten:

Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: dass Blinde sehend werden, Lahme gehen ... (Lukas 7:19-22)

Fakten sollten Johannes überzeugen. Tatsächlich sind Fakten ein zentrales Kriterium zur Beurteilung der Wahrhaftigkeit einer Lehre oder eines Menschen:

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen! (Matthäus 7:15-20; vgl. 13:26)

Die zwei Bücher Gottes

Die Frage: 'Muss die Bibel sich den Fakten beugen oder umgekehrt?' stellt uns demnach vor falsche Alternativen. Es geht nicht um 'Bibel oder Fakten', sondern um 'Bibelauslegung und Naturwissenschaft'. Beide sind menschliche Interpretationen: Einmal werden die Worte, das andere Mal der Werke Gottes erforscht und gedeutet. Man könnte die Bibel und die Natur mit einem Buch vergleichen, das auf einer Seite den Text und auf der anderen Seite die Illustrationen enthält:

Die Schöpfung ist das Bilderbuch,

die Bibel das Lesebuch Gottes.

Gott erwartet nicht von uns, dass wir eines von beiden verleugnen. Die sichtbare Wirklichkeit ist immer wieder ein zentraler Prüfstein für die Wahrhaftigkeit und Echtheit einer Lehre. Die Schrift wiederum gibt uns eine geistliche Deutung der sichtbaren Phänomene, die wir ansonsten oft nicht verstehen können.

Harmonisierungs-Versuche und ihre Grenzen

Eines müssen wir jedoch immer berücksichtigen, wenn wir Bibel und Naturwissenschaften miteinander vergleichen: Auf beiden Seiten handelt es sich um menschliche Forschungen, die mit Fehlern und Irrtümern behaftet sind.

So wird wohl niemand bestreiten, dass der Stand der Naturwissenschaften vor zweihundert Jahren noch ein ganz anderer war als heute. Die Erkenntnis nimmt zu - und das ist auch für die Auslegung der Bibel zu erwarten:

Heute stehen uns bessere Bibeltexte zur Verfügung denn je, und mit Hilfe hervorragender Computer-Programme sind Studien im Grundtext um ein Vielfaches schneller, genauer und bequemer geworden.

Dennoch, 'Irren ist menschlich', und zwar auf allen Gebieten, darum ist nicht zu erwarten, ja, es ist eigentlich ausgeschlossen, dass wir die zwei Realitäten 'Wort Gottes' und 'Schöpfung Gottes' jemals vollkommen zur Deckung bringen können. Das betont auch der Naturwissenschaftler Manfred Eigen:

Konflikte zwischen religiöser und wissenschaftlicher Weltsicht sind
aufgrund der Begrenzung menschlicher Einsichten geradezu vorgegeben.
(Manfred Eigen in 'Stufen zum Leben', Seite 275)

Aus diesem Grund ist es nicht realistisch und auch nicht legitim, von der Bibelauslegung zu erwarten, dass sie zu hundert Prozent mit dem 'derzeitigen Stand der Forschung' übereinstimmt! Es muss, im Gegenteil, eher verdächtig erscheinen, wenn bei Harmonisierungsversuchen alles 'glatt' geht.

Es ist viel realistischer, abzuwägen, ob die Bibel im Großen und Ganzen gesehen mit dem übereinstimmt, was heute als gesichert angesehen wird. Und das ist zum Beispiel beim 'Stammbaum der Himmel und der Erde' (Genesis 2:4) absolut der Fall. Auch wenn Details nicht 'passen', so treffen doch die zentralen Aussagen ins Schwarze und das Gesamtgeschehen deckt sich verblüffend miteinander.

Und da viele dieser Aussagen vor Jahrtausenden von keinem Menschen gewusst werden konnten, sind sie ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott den Menschen Worte gab, die ihr eigenes Verständnis weit überschritten - zeitlose Wahrheiten eben.

Die Zuverlässigkeit des Bibeltextes

Die Fakten sprechen für die Bibel!

Immer wieder waren es die Nicht-Geistes-Wissenschaftler, in diesem Fall die Archäologen, die die stärksten Argumente gegen die kritischen Theologen und für den Text lieferten:

Es war selbstverständlich, dass sich Wellhausens Hypothese in ihrem Urteil über die Historizität des alttestamentlichen Berichtes an archäologischen Fakten orientierte, die derzeit im neunzehnten Jahrhundert verfügbar waren. Doch leider waren jene Fakten während der Entstehungszeit der Urkundenhypothese recht mager, und somit war es möglich, aufgrund der Unwissenheit, die damals herrschte, zahlreiche Aussagen der heiligen Schrift, die bis dahin keine archäologische Bestätigung gefunden hatten, als unwahr abzutun.

Zum Beispiel wurde angenommen, dass die Schreibkunst im Palästina der mosaischen Zeit unbekannt war und dass der Pentateuch demzufolge erst im zehnten oder neunten Jahrhundert v. Chr. geschrieben worden sein konnte. Hinweise auf Hetiter wurden ungläubig zur Seite geschoben und als reine Erfindung seitens der späten Verfasser der Tora verurteilt; das gleiche galt für die Horiter und selbst für die Historizität Sargons II. (722-705 v. Chr.), da bis dahin noch keine außerbiblischen Bezugnahmen auf ihn vorlagen. Die Echtheit eines Königs wie Belsazar (im Daniel-Buch) wurde für unmöglich gehalten, weil kein griechischer Autor ihn erwähnte und so erklärte man den biblischen Bericht als falsch.

Seit den Tagen Hupfelds, Grafs und Kuenens haben archäologische Entdeckungen den Gebrauch einer alphabetischen Schrift in den kanaanitisch-sprechenden Kulturen vor 1.500 v. Chr. bestätigt und zahlreiche Urkunden zu Tage gefördert, die das Vorhandensein und die große Bedeutung sowohl der Hetiter und Horiter (oder Hurier, wie sie häufig genannt werden) bestätigten, sowie Keilschrift-Tafeln, die den Namen Belsazars enthielten. Immer wieder wurde in solchen Fällen, in denen angebliche historische Ungenauigkeiten vorlagen, die dann als Beweis für die späte und gefälschte Verfasserschaft der biblischen Urkunden dienten, der hebräische Bericht durch Ergebnisse jüngst erfolgter Ausgrabungen als richtig bestätigt und die zynischen Urteile der Urkundenhypothese als unbegründet entlarvt. (Gleason L.Archer, jr., EINLEITUNG IN DAS ALTE TESTAMENT Band 1, Bad Liebenzell, Verlag der Liebenzeller Mission, 1987, ISBN 3-88002-300-X, Abkürzung: aeat, Seite 211,212)

'Zudem hatte er (Mose) gerade eine Kultur verlassen, in der die Schreibkunst eine derartige Verbreitung gefunden hatte, dass sogar Toilettenartikel, die von Frauen im Haushalt verwandt wurden, mit entsprechenden Vermerken versehen wurden. Das Schreiben sowohl in hieroglyphischer als auch in hieratischer Schrift war so vorherrschend im Ägypten Moses, dass es absolut unwahrscheinlich anmutet, wenn er keine seiner Beobachtungen schriftlich niedergelegt hätte (wie selbst die Kritiker im zwanzigsten Jahrhundert behaupten), wo er doch die großartigsten und wichtigsten Begebenheiten aufzuzeichnen gehabt hatte, die in der Gesamtheit der menschlichen Literatur ihresgleichen suchen. Zu einer Zeit, da selbst die ungelernten semitischen Sklaven, die in den ägyptischen Türkis-Minen in Serabit el-Khadim arbeiteten, ihre Gedanken in die Tunnelwände einritzten, wäre es ziemlich unvernünftig anzunehmen, dass ein Führer mit dem Hintergrund und der Erziehung eines Mose ein Analphabet gewesen sein soll, der nicht einmal in der Lage war, auch nur ein einziges Wort zu schreiben.' (aeat 148-149)

'Experten'

Es wäre aber unfair, alle Theologen über einen Kamm zu scheren. Es gab auch unter ihnen viele, die sich gegen eine voreingenommene Kritik wandten. Und sie waren bei weitem nicht leichtgläubige oder halbinformierte Wunschdenker, sondern gerade sie waren oft wirkliche Experten. Prof. Robert D.Wilson (1856-1930) z.B. war ein so gründlicher Kenner der semitischen Sprachen, dass er - so unglaublich es klingen mag - über vierzig von ihnen beherrschte. Er berichtet:

Als ich noch Theologie studierte, pflegte ich mein Neues Testament in neun verschiedenen Sprachen zu lesen. Ich lernte es auf Hebräisch auswendig, so dass ich es ohne Auslassung einer einzigen Silbe aufsagen konnte; das gleiche galt für die Psalmen Davids, Jesaja und andere Teile der Schrift ... und ich entschloss mich, sämtliche Sprachen zu lernen, die Licht auf das Hebräische werfen, alle damit verwandten Sprachen, sowie schließlich auch alle Sprachen, in welche die Bibel bis 600n.Chr. übersetzt wurde, so dass ich in jedem Fall den Text jeweils selbst würde untersuchen können. ...

Nachdem ich die notwendigen Sprachen gelernt hatte, machte ich mich an die Untersuchung jedes einzelnen Konsonanten des Hebräischen Alten Testamentes. Es gibt davon etwa eineinviertel Millionen, und ich benötigte viele Jahre für diese Aufgabe. ... Das Ergebnis dieser dreißigjährigen Studien, die ich auf den Text verwandt habe, ist folgendes: Ich kann gesichtert behaupten, dass es keine Seite im Alten Testament gibt, bezüglich der wir auch den geringsten Zweifel haben müssten. Wir können absolut sicher sein, dass wir substantiell den Text des Alten Testamentes haben, den Christus und seine Apostel hatten, und der von Anfang an in dieser Form existiert hat. (Aus: Alois Wagner 'Die Zukunft hat begonnen - An der Schwelle einer neuen Weltordnung? Christliche Literaturverbreitung e.V., Postfach 11 01 35, 4800 Bielefeld 11, 1991. Abkürzung: wzhb, Seite 32-37)

Aus Platzgründen sei nur ein Beispiel aufgeführt, das die Zuverlässigkeit des hebräischen Bibeltextes dokumentiert:

Wenn jemand etwas gegen die Bibel sagt, fragen Sie ihn nach den darin erwähnten Königen. Dort werden 29 Könige von Ägypten, Israel, Moab, Damaskus, Tyrus, Babylon, Assyrien und Persien erwähnt und zwar aus zehn verschiedenen Ländern. Diese alle werden sowohl in der Bibel als auch auf zeitgenössischen Monumenten der betreffenden Länder genannt ... Diese 29 Eigennamen enthalten insgesamt 195 Konsonanten. Aber wir finden in den Dokumenten des Alten Testaments nur zwei oder drei aus den ganzen 195, bei denen es überhaupt fraglich ist, ob sie in genau der gleichen Weise geschrieben sind wie auf ihren eigenen Monumenten. Einige von ihnen gehen 2000 Jahre zurück, andere 4000 - und doch sind sie so geschrieben, dass jeder einzelne Buchstabe klar und korrekt ist. ... Jeder einzelne hat in der Bibel seinen richtigen Namen, wird seinem richtigen Land zugeordnet, und in der korrekten chronologischen Abfolge genannt! Denken Sie einmal nach, was das bedeutet! ... Das ist ohne Zweifel ein gewaltiges Wunder.

Nehmen wir die von dem größten Gelehrten seines Zeitalters, dem Bibliothekar von Alexandria im Jahr 200 v.Chr. verfasste Liste. Er stellte einen Katalog der Könige von Ägypten zusammen, insgesamt 38; und von diesen 38 sind nur drei oder vier identifizierbar! Er machte auch eine Königsliste von Assyrien; hier können wir nur bei einem Namen feststellen, wer gemeint ist, und selbst der ist nicht richtig buchstabiert! Oder nehmen wir Ptolemäus, der ein Register von 18 babylonischen Königen zusammengestellt hat... Kein einziger ist richtig buchstabiert, und man könnte keinen identifizieren, wüssten wir nicht aus anderen Quellen, auf wen oder was er sich bezieht. (Aus: Alois Wagner 'Die Zukunft hat begonnen - An der Schwelle einer neuen Weltordnung? Christliche Literaturverbreitung e.V., Postfach 11 01 35, 4800 Bielefeld 11, 1991. Abkürzung: wzhb, Seite 37-38)

Die 'kritische' Theologie

So weit, so gut. Doch wie kommt es, dass ausgerechnet die Hochschultheologie zu so anderen Ergebnissen kommt und letztlich dem Zweifel an der Bibel Vorschub leistet? Verwendet sie nicht auch wissenschaftliche Methoden? Kann es sein, dass die Gelehrten an den Universitäten sich derartig irren, obwohl sie doch auf Kenntnisse des Grundtextes und oftmals jahrelange Ausbildung zurückgreifen können?

Da der Einfluss der historisch-kritischen Theologie in den westlichen Ländern fast allgegenwärtig ist und dabei mehr oder weniger offen den Anspruch erhebt, den einzig gültigen Ansatz zu einem objektiven Umgang mit dem Bibeltext zu repräsentieren, habe ich mich entschlossen, ausführlicher auf das Thema Bibelauslegung einzugehen. Ich bringe den Bericht eines echten Insiders, der Theologieprofessorin Eta Linneman, berichte dann von meinen eigenen Erfahrungen mit der Universitätstheologie und gebe dann einen Überblick über die historisch-kritische Theologie, deren Stärken und Schwächen, und lege dar, inwiefern eine 'biblische Quellenscheidung' gerechtfertigt ist.

Vorher möchte ich jedoch ein typisches Beispiel für 'moderne' Bibelkritik aufgreifen, das auch noch mit einem Zentralthema dieses Buches, nämlich den Stammbäumen der Bibel, zu tun hat, nämlich mit den Stammbäumen Jesu Christi ...

Die zwei Stammbäume Jesu

Ein Beispiel für Bibelkritik im Neuen Testament

Im Neuen Testament finden wir zwei Stammbäume von Jesus, die sich nicht zur Deckung bringen lassen. Diese Tatsache wurde von vielen Theologen zum Anlass genommen, der Bibel Fehlerhaftigkeit zu unterstellen, da die beiden Stammbäume sich 'widersprächen'. Dies sei ein Beleg dafür, dass der Bibeltext nicht wörtlich ernst zu nehmen, sondern nur bildlich zu verstehen sei.

Dabei ist auch dieser 'Widerspruch' so leicht aufzulösen! Es ist doch eine simple Erkenntnis, dass jeder Mensch auf Erden in Wirklichkeit nicht einen, sondern zwei 'Stammbäume' hat, nämlich den seiner Mutter und den seines Vaters! Und genau das ist auch bei Jesus der Fall. In Matthäus 1:1-16 finden wir ganz zweifelsfrei die väterlichen Vorfahren von Jesus:

Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: 2 Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder.
3 Juda aber zeugte Phares und Zara von der Thamar; Phares aber zeugte Esrom, Esrom aber zeugte Aram. 4 Aram aber zeugte Aminadab, Aminadab aber zeugte Nahasson, Nahasson aber zeugte Salmon. 5 Salmon aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Isai. 6 Isai aber zeugte David, den König. David aber zeugte Salomon von der, die Urias Weib gewesen. 7 Salomon aber zeugte Roboam, Roboam aber zeugte Abia, Abia aber zeugte Asa. 8 Asa aber zeugte Josaphat, Josaphat aber zeugte Joram, Joram aber zeugte Osia. 9 Osia aber zeugte Joatham, Joatham aber zeugte Achas, Achas aber zeugte Ezekia. 10 Ezekia aber zeugte Manasse, Manasse aber zeugte Amon, Amon aber zeugte Josia. 11 Josia aber zeugte Jechonia und seine Brüder um die Zeit der Wegführung nach Babylon.
12 Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jechonia Salathiel, Salathiel aber zeugte Zorobabel. 13 Zorobabel aber zeugte Abiud, Abiud aber zeugte Eliakim, Eliakim aber zeugte Asor. 14 Asor aber zeugte Zadok, Zadok aber zeugte Achim, Achim aber zeugte Eliud. 15 Eliud aber zeugte Eleasar, Eleasar aber zeugte Matthan, Matthan aber zeugte Jakob.
16
Jakob aber zeugte Joseph, den Mann der Maria, von welcher Jesus geboren wurde, der Christus genannt wird. Matthäus 1:1-16; alte Elberfelder

Lukas 3:23-38 dagegen verfolgt die Linie der Vorfahren der Mutter Jesu:

23 Und er selbst, Jesus, begann ungefähr dreißig Jahre alt zu werden, und war, wie man meinte, ein Sohn des Joseph, des Eli, 24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Janna, des Joseph, 25 des Mattathias, des Amos, des Nahum, des Esli, des Naggai, 26 des Maath, des Mattathias, des Semei, des Joseph, des Juda, 27 des Johanna, des Resa, des Zorobabel, des Salathiel, des Neri, 28 des Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmodam, des Er, 29 des Joses, des Elieser, des Jorim, des Matthat, des Levi, 30 des Simeon, des Juda, des Joseph, des Jonan, des Eliakim, 31 des Melea, des Menna, des Mattatha, des Nathan, des David, 32 des Isai, des Obed, des Boas, des Salmon, des Nahasson, 33 des Aminadab, des Aram, des Esrom, des Phares, des Juda, 34 des Jakob, des Isaak, des Abraham, des Thara, des Nachor, 35 des Seruch, des Rhagau, des Phalek, des Eber, des Sala, 36 des Kainan, des Arphaxad, des Sem, des Noah, des Lamech, 37 des Methusala, des Enoch, des Jared, des Maleleel, des Kainan, 38 des Enos, des Seth, des Adam, des Gottes. (Lukas 3:23-38)

Besonders der Anfang und das Ende dieses Stammbaumes ist interessant:

Jesus war - wie man meinte, ein Sohn des Josef - (ein Sohn) des Eli, (ein Sohn) des Matthat ... (ein Sohn) des Adam, (ein Sohn) Gottes. Lukas 3:23

Lukas beginnt und endet mit einer geistigen Form von Sohnschaft, denn Josef war in geistigem Sinne Jesus' Vater, Gott war im geistigen Sinne Adams Vater - darum werden sie auch in der Bibel als einzige Menschen im Vollsinne des Wortes bezeichnet (1.Korinther 15:45-47). Dazwischen verfolgt Lukas die Linie der biologischen Abstammung Jesu, nämlich der Vorväter seiner Mutter, von der er ja körperlich abstammt (hebräische Stammbäume ziehen immer die Väter heran). So erklärt sich, warum die beiden Stammbäume von Abraham bis König David übereinstimmen, sich von da an jedoch unterscheiden:

Matthäus gibt die dynastische Linie wider, also die erbrechtliche Linie der Herrscher, beginnend mit König Salomo (Mattäus 1:6). Das ist wohl auch der Grund, warum er den Stammbaum Jesu nur bis zu Abraham zurückverfolgt, denn mit ihm beginnt ja das Volk Israel, dessen König Jesus ist. Abraham ist der erste, dem das Land Israel als Erbe zugesprochen wurde.Dadurch, dass Jesus der Adoptivsohn von Josef ist, einem Nachfahren David's über die Linie Salomos, hat er ein Erbrecht auf den Thron Davids.

Lukas dagegen zeichnet die biologische Linie der Vorfahren auf. Von daher verwundert es nicht, dass er über Abraham hinaus bis auf Adam zurückgeht, die Person, die alle folgenden Vorfahren Jesu mit dem 'Stammbaum der Himmel und der Erde' und somit dem Ursprung des Lebens verbindet.

Erfüllung biblischer Profetie

Noch etwas ist dabei bemerkenswert: Einerseits hatte Gott dem David versprochen, dass einer seiner leiblichen Nachfahren als König auf dem Thron sitzen würde. Damit war klar, dass Jesus als der Messias Israels biologisch von David abstammen musste:

Der HERR hat David einen Treueid geschworen, er wird nicht davon abweichen: Von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen. Psalm 132:11; vergleiche 2.Samuel 7:12-13; Jeremia 33:21; Lukas 1:32

Andererseits hatte Gott als Gericht über abscheuliche Sünden der Nachkommen Salomos erklärt, dass keiner seiner Nachkommen mehr als König von Israel in Frage komme. Konkret war es Konja, dem Gott dies ankündigte:

So wahr ich lebe, spricht der HERR, wenn auch Konja, der Sohn Jojakims, der König von Juda, ein Siegelring an meiner rechten Hand wäre, würde ich dich doch von dort wegreißen ... Schreibt diesen Mann auf als kinderlos, als einen Mann, dem nichts gelingt in seinen Tagen! Denn von seinen Nachkommen wird es nicht einem gelingen, auf dem Thron Davids zu sitzen und weiterhin über Juda zu herrschen. Jeremia 22:24,30

Der einzige Ausweg aus dieser scheinbaren Zwickmühle war, dass ein Nachkomme aus einer anderen Linie Davids Thronerbe würde. Tatsächlich führt die biologische Linie von David zu Jesus über Nathan, einen anderen Sohn Davids. Das Problem hierbei ist wiederum, dass dies nicht die dynastische Linie ist, also die für den Thron erbberechtigte.

Die einzige Möglichkeit, beides, biologische und dynastische Linie, wieder zu vereinigen war, dass ein männlicher, erbberechtigter Nachfahre Davids aus der Linie über Salomo einen biologischen Nachfahren aus der Linie über Nathan als Erstgeborenen 'adoptierte' und ihm das Thronrecht vererbte. Jesus ist somit die einzig mögliche und perfekte Erfüllung aller alttestamentlichen Profetien über die Herkunft des Messias!

Jesus und die Bibel

Gottes Wort in menschlicher Gestalt

Das Neue Testament beginnt nicht mit spannenden Wunderberichten, sondern mit einem ausführlichen Stammbaum. Es beginnt sozusagen "evolutiv":

Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder ... (Matthäus 1:1 nach Schlachter-Übersetzung)

Jesus hatte eine lange, biologische Vergangenheit, und er kam in eine ganz weltliche, geschichtliche Situation hinein. Er wurde in einem Dorf im von den Römern besetzten Israel geboren, lebte eine zeitlang als Flüchtling im ausländischen Ägypten, wuchs in den "Slums" von Nazareth auf ("Kann aus Nazarath etwas Gutes kommen?", Johannes 1:46), wurde von jüdischen Eltern aufgezogen und sprach einen aramäischen Dialekt.

Als Gott Mensch wurde, da wurde er es zu hundert Prozent. Er beamte sich nicht einfach innerhalb einer Millisekunde irgendwo auf die Erde, sondern wählte einen irdischen Stammbaum, der bis zu Adam und über ihn bis zu den ersten Menschen und damit bis zu den ersten Lebewesen auf Erde zurückreicht. Jesus hat eine genetische Vorgeschichte, einen Stammbaum, zu dem letztlich Wassertiere und Landtiere, Könige und Bauern, Helden und Huren gehören. Es ist unglaublich und unfassbar, aber wahr: Gott benützte eine menschliche Eizelle, die das Resultat einer jahrtausende-, ja, jahrmillionenlangen Abstammung war, um sich auf der Erde zu "materialisieren"!

Das Übernatürliche im Leben Jesu

Doch da ist zugleich die andere Seite, die schöpferisch-neue: Gott griff bei der Entstehung Jesu übernatürlich ein. Gott wählte zwar eine "ganz normale" Frau als Mutter für Jesus aus, doch die Zeugung Jesu war ein Werk des Himmels:

Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden. (Lukas 1:35)

So unglaublich es ist, dass der Sohn Gottes eine menschliche Mutter hat, so unvorstellbar ist es auf der anderen Seite, dass der Heilige Geist Maria befruchtet hat. Doch damit spiegelt sich nur Gottes Wesen in seinem Sohn wider, das sich bis dahin immer wieder in seinem Handeln manifestiert hatte. Gott schafft Neuanfänge aus dem Himmel, die sich auf Erden weiter entwickeln, bis ein neuer Schöpfungakt sie auf eine neue Ebene hebt, wo wiederum eine neue Entwicklung beginnt ... In Gottes Handeln sind schon immer irdische Prozesse eng verwoben mit schöpferischen Impulsen:

Gott erschuf (völlig neue Dinge), um (sie danach im Verlauf der Zeit in eine bestimmte Richtung hin ) zuzubereiten. (Genesis 2:3)

Dies sind die Geschlechterfolgen (Abstammung, Entwicklung) der Himmel und der Erde in ihrem Erschaffenwerden (himmlische Eingriffe als tragende Säulen) (Gen 2:4)

Wunder und Windeln

Jesus’ Geburt wurde von einem Engel angekündigt und er wurde vom Heiligen Geist gezeugt. Doch darauf folgten irdische Entwicklungsprozesse: Jesus wuchs in Marias Bauch, wurde in einem Stall geboren, in Windeln gewickelt und in einen Futtertrog gelegt. Am achten Tag wurde er an der Vorhaut beschnitten, jüdisch erzogen, lernte von seinem Vater den Beruf des Zimmermanns: "Jesus nahm zu an Weisheit und an Größe, und an Gunst bei Gott und Menschen" (Lukas 2:52). Diese natürlichen Entwicklungsprozesse im Leben Jesu sind eng verwoben mit göttlichen Eingriffen und Fügungen, so dass beide oftmals gar nicht voneinander zu trennen oder zu unterscheiden sind.

So ergab sich Jesus' Geburt in Bethlehem scheinbar zufällig aus der gerade stattfindenden Volkszählung, die von den Römern durchgeführt wurde. Das war der politische, "weltliche" Grund, dass Josef sich in die Stadt seiner Vorväter begeben musste. Doch gleichzeitig erfüllte sich damit eine uralte Profetie, dass der Messias in Bethlehem geboren werden sollte:

Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll. Seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. (Micha 5:1)

Die Flucht der Familie Jesu nach Ägypten ergab sich ebenfalls aus einer politischen Notsituation, dem Kindermord des Herodes, wurde aber von einem Engel durch einen Traum "angeregt" und schon im Alten Testament profetisch angekündigt:

Und Jesus war dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Profeten, der spricht: «Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.» (Matthäus 2:15, vergleiche Hosea 11:1)

Jesus ließ sich taufen wie alle anderen Menschen - ein Umstand, der für Johannes den Täufer schwer zu akzeptieren war. Dann kam der Heilige Geist auf Jesus und führte ihn in die Wüste, wo er, ganz menschlich, Hunger und Durst und die Versuchungen Satans über sich ergehen lassen musste. Natürliches und Übernatürliches waren in Jesus untrennbar miteinander verbunden: Er hatte die Fähigkeit, Dämonen auszutreiben und unheilbar erkrankte Menschen vollkommen wieder herzustellen, und gleichzeitig lief er in Sandalen über die staubigen Straßen des von den Römern besetzten Israels. Engel dienten ihm, und er hatte die Gabe, jedes Detail über seine Geschöpfe zu wissen - dennoch ritt er auf einem Esel in Jerusalem ein.

Himmel und Hölle begegnen sich auf der Erde

Wichtige Teile des Lebens Jesu sind durch die Heilige Schrift vorhergesagt, und doch erfüllten sie sich scheinbar natürlich, obwohl Himmel und Hölle ihre Finger im Spiel hatten: Aus nur allzu menschlichem Neid trachteten die Obersten nach seinem Leben, aus simpler Habgier verriet ihn einer seiner engsten Freunde. Die gerade herrschenden Römer vollstreckten auf traditionelle Art und Weise das Todesurteil: Jesus wurde wie seine kriminiellen Mitgefangenen mit Eisennägeln auf ein Holzkreuz genagelt, sein Gewand unter den Henkern verlost.

So erfüllen sich schrittweise die uralten Profetien, geht Natürliches Hand in Hand mit Übernatürlichem: Jesus nimmt die Sünde der Welt auf sich, eine Sonnenfinsternis geschieht seltsamerweise genau in dieser Zeit und erschreckt alle Bewohner Jerusalems. Jesus schreit verzweifelt: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?!" Dann stirbt er, jedoch nicht an den Folgen der Kreuzigung, sondern indem er seinen Geist willentlich in die Hand seines Vaters befiehlt - ein übermenschlicher Kraftakt, der den römischen Hauptmann zum Glauben kommen lässt. Der Vorhang des Tempels zerreißt von oben nach unten. Der reiche Josef von Arimathia lässt seine Beziehungen spielen, um den übel zugerichteten Leichnam Jesu ordentlich zu begraben - und erfüllt damit wieder biblische Profetien (Jesaja 53:9; Lukas 23:50). Die Frauen balsamieren ihn ein, ganz wie es für Juden üblich ist. Gerüchte um seine Auferstehung bewegen die Römer dazu, das Grab zu versiegeln - während die Jünger Jesu gar nichts mehr glauben können.

Dann geschieht das Wunder der Auferstehung, römische Wachsoldaten fallen erst in Ohnmacht, laufen dann davon und lassen sich anschließend bestechen, um das Ereignis zu vertuschen. Engel sprechen mit den Frauen, schieben einen Stein zur Seite, damit seine Jünger ins Grab können. Die Neue Schöpfung wird offenbar, Jesus erscheint mit seinem Auferstehungsleib, spricht mit verängstigten Frauen und beauftragt sie als Überbringer der revolutionierendsten Nachricht der ganzen Weltgeschichte: Das ehemalige Baby von Bethlehem, der Zimmermann aus Nazareth, ist von den Toten auferstanden und wird nie mehr sterben. Wer an ihn glaubt, kann dieselbe Art von Leben bekommen!

Ganz menschlich erscheint Jesus danach seinen Freunden, fängt Fische und grillt mit ihnen am Ufer eines Sees (Johannes 21:4-9). Nachdem er durch Wände gelaufen ist, als wären sie aus Nebel, isst Jesus vor den Augen seiner Jünger Fisch, um sie von der Körperlichkeit seiner Auferstehung zu überzeugen (Lukas 24:41-43), lässt sich sogar von ihnen anfassen (Johannes 20:27). Zu Fuß müssen seine Jünger sich an den Ort begeben, wo Jesus dann auf Wolken überirdischer Kraft in den Himmel auffährt. Engel geben den Jüngern Anweisungen, weiterhin zu Fuß die umwälzendste Botschaft der Welt anderen Menschen zu bringen. Zehn Tage warten die Jünger und beten in einem Dachgeschoß, bis der Heilige Geist mit feurigen Flammen vom Himmel auf sie fällt, ihnen die Kraft gibt, Tote aufzuerwecken und - in den irdischen Dialekten ihrer Zuhörer zu sprechen ... Und so geht es weiter und weiter ...

Das Leben Jesu ist also auch nach seiner Auferstehung noch die Erfüllung, das Vollmaß dessen, was bis dahin bereits Gottes Art zu handeln war: Als Retter (griechisch "jesus" kommt von hebräisch "jeschua=der Herr rettet") lässt er das Bestehende nicht einfach zugrunde gehen, um statt dessen etwas völlig Neues zu erschaffen, sondern er lenkt die laufenden Entwicklungen und greift immer wieder schöpferisch-übernatürlich in sie ein. Jesus selber ist das Endziel des "Stammbaumes der Himmel und der Erde", denn er ist der Himmlische, der auf die Erde kam, indem er Mensch wurde. Er überwand die Kluft, die bis dahin Himmel und Erde trennte. Er ist DER WEG, niemand kommt zum Vater als nur durch ihn (Johannes 14:6)! Er ist nicht nur DER MENSCH (Johannes 19:5, 1.Korinther 15:47), er ist auch DER WAHRE GOTT (Johannes 20:28).

Ist die Bibel das Wort Gottes?

Nun, wie der Name sagt, ist die Bibel (griechisch biblos = Buch) zuerst einmal das BUCH Gottes. DAS WORT GOTTES ist eine Person, nämlich Jesus Christus selbst:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott ... Und das Wort wurde Fleisch ... (Johannes 1:1,14; vergleiche Offenbarun 19:13!)

Worte Gottes sind naturgemäß alle Äußerungen, die aus dem Munde Gottes kommen (Matthäus 4:4), auch wenn Menschen, sogar Feinde, als Sprecher verwendet werden (2.Chronik 35:22; Johannes 11:51). Da Gott selber das Wort ist, wächst sein Wort auf der Erde beständig (Apostelgeschichte 6:7; 12:24), er redet bis zum heutigen Tag, insbesondere durch Weissagung (griechisch prophäteja; 1.Korinther 14), so dass Worte Gottes heute an vielen Plätzen und in vielen Büchern zu finden sind. Das Wort Gottes ist also viel mehr als die Bibel!

Die Bibel nimmt jedoch eine Sonderstellung in der Literatur ein, weil sie das einzige Buch ist, das ausschließlich aus Worten Gottes besteht. Sie allein ist unverfälscht durch menschliche Irrtümer oder Fehler und darum der einzig unfehlbare Maßstab, an dem wir jede Lehre prüfen können, ob sie dem Wort Gottes entspricht. Darum tun auch wir gut daran, den Rat Paulus' zu befolgen, den er Timotheus gab:

Böse Menschen und Betrüger aber werden zu Schlimmerem fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden. Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
Alle Schrift
(griechisch: graphä = heilige Schrift) ist von Gott eingegeben (griechisch: theópneustos = gottgehaucht) und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet. (2.Timotheus 3:13-17)

Jesus war ganz Mensch und damit wie wir von der Sünde versuchbar, aber dennoch blieb er ohne Sünde, sagte nie eine Unwahrheit

(Hebräer 4:15; 7:26; Jesaja 53:9; 1.Petrus 2:22). Und darin gleicht die Bibel Jesus, dem Mensch gewordenen Wort Gottes, denn sie ist ein ganz menschliches Buch, und doch ist sie zugleich göttlichen Ursprungs und Wesens:

Und so besitzen wir das prophetische Wort umso fester, auf welches zu achten ihr wohl tut, als auf eine Lampe, welche an einem dunklen Orte leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen; indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift von eigener Auslegung ist. Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Männer Gottes redeten, getrieben (griechisch: phéro = tragen, bringen, führen) vom Heiligen Geist. (2.Petrus 1:19-21)

Jesus hatte fehlbare und fehlerhafte Vorfahren und Eltern, dennoch war er selber fehlerlos. Die Schlussfolgerung, Jesus müsse doch auch Fehler gemacht haben, er sei ja schließlich "nur ein Mensch" gewesen, berücksichtigt nicht die Kraft und Weisheit Gottes in ihm. Genauso wäre es falsch, der Bibel Fehler zu unterstellen, "weil sie ja schließlich von Menschen gemacht wurde"! Wenn schon eine Volksschullehrerin es schafft, kleinen Kindern innerhalb kürzester Zeit beizubringen, ein Diktat richtig zu schreiben, wieviel mehr können wir Gott zutrauen, dass er auserwählte Menschen befähigen kann, seine Worte korrekt wiederzugeben? Menschen aus sich heraus können niemals Gottes Wort wissen oder weitergeben. Aber Gott ist fähig, so zu Menschen zu sprechen, dass sie ihn verstehen und das Gehörte weitersagen können. Darum ist es nur vernünftig, dass wir die Bibel "nicht als Menschenwort aufnehmen, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort", das in denen, die daran glauben, auch wirkt (1.Thessalonicher 2:13).

Die Inspiration der Bibel

Wortmeldung in einer Theologie-Internet-Newsgroup

Was verstehst du unter "von Gott inspiriert"? Auch ich glaube das, jedoch nicht in dem Sinne, dass die Autoren dabei zu hirnlosen Schreibgeräten mutieren, die durch die Hand Gottes geführt werden. Ich gehe dagegen davon aus, dass sie Menschen ihrer Zeit waren, die sich nicht in Trance oder Bewusstlosigkeit befanden, während sie das schrieben, sondern bei wachem Verstand und mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität. Aber eben der Realität, wie sie sich zu ihrer Zeit eben darstellte.

Wenn man heute mit theologisch gebildeten Menschen über die Inspiration der Bibel spricht und dabei zu verstehen gibt, dass man sie für Gottes Wort hält, werden einem oftmals und ohne zu zögern absurde Vorstellungen von Inspiration unterstellt, die einen als lächerlich, naiv oder fanatisch erscheinen lassen. Man wird gefragt, ob man glaube, dass die Bibel als Buch "vom Himmel gefallen" sei oder ähnliches. Anstatt auf derartige Horrorszenarien von Inspiration einzugehen, möchte ich im Folgenden darlegen, was die Bibel unter "Inspiration" versteht. Zwei Bibelstellen machen hierzu grundlegende Aussagen:

2.Petrus 1:19-21
Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht, indem ihr dies zuerst wißt, dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht. Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, geführt (griechisch phéro = tragen, bringen, führen) vom Heiligen Geist.

Diese Stelle betont, dass die Schrift letztlich nicht menschlichen Ursprungs ist, sondern göttlich, wenn es auch Menschen waren, durch die Gott redete. Die zweite Schlüsselstelle ist:

2.Timotheus 3:14-17
Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben (griechisch: theópneustos) und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.

Während Petrus sagt, dass die Autoren der Bibel von Gott geführt wurden, betont Paulus, dass das Ergebnis, der Bibeltext, "gottgehaucht", wörtlich "theó-pneu-stos = gott-gegeistet" ist. Wahrscheinlich bezieht sich der Ausdruck "inspiriert" auf diese Aussage. Der Hebräerbrief betont, dass dieses inspirierte Reden Gottes "vielfältig und auf vielerlei Art und Weise" geschehen ist (Hebräer 1:1), also keineswegs eintönig in Form von "Diktaten"! Werfen wir doch einen Blick in die Bibel selber, wie Gott redet ...

Tatsächlich hat Gott sogar schon einmal durch einen Esel gesprochen, nämlich zu dem Propheten Bileam, als dieser nicht auf Gottes Wort hören wollte. Schließlich erschien Bileam sogar noch ein Engel, der ihm wiederum Gottes Wort überbrachte, und schlussendlich musste Bileam mehrfach Gottes Wort verkünden, nämlich Segen für Israel, obwohl er wegen des angebotenen Lohnes eigentlich darauf aus war, Israel zu verfluchen (4.Mose 22:5ff). Das sind Beispiele für sehr massive "Inspiration"!

Aber Gott spricht auch auf ganz unspektakuläre Weise zu uns, wenn wir nur bereit sind zu hören, zum Beispiel durch Ameisen, Heuschrecken und Eidechsen (Sprüche 6:6; 30:24ff), durch Sonne, Mond und Sterne (Psalm 19:2ff).

Gott hat sehr wohl auch Bibeltexte wörtlich diktiert (2.Mose 34:27; Jesaja 8:1; Jeremia 30:2; 36:28; Hesekiel 43:11; Offenbarung 2:1; 14:13; 19:9).

Er hat jedoch auch die Angstgebete verzweifelter Menschen in die Bibel aufgenommen (z.B. Psalm 22), ebenso wie die Erlässe mächtiger, ausländischer Könige (Esra 1:2; Daniel 3:31ff). Hier finden wir die Träume eines Pharao (Genesis 41:1) ebenso wie Liebeslieder (Hoheslied), die Statistiken von Volkszählungen (Esra 2:1) oder ausführliche Familienstammbäume (Matthäus 1:1ff). Diese Beispiele sollten einen kleinen Eindruck davon geben, was die Bibel unter "Inspiration" versteht.

Das Weltbild der biblischen Autoren

Immer wieder wird von Theologen betont, man müsse die Bibeltexte im Kontext ihrer Zeit deuten, und die Schreiber der Texte wären auch den Vorstellungen ihrer Zeit verhaftet gewesen. Mit anderen Worten: Sie wären auch nicht schlauer gewesen als ihre Zeitgenossen, wären denselben Irrtümern erlegen und hätten in der Bibel ein Weltbild beschrieben, das heute als überholt gelten muss.

Doch diese Sicht beruht auf der irrtümlichen Annahme, die Autoren der Bibel hätten nur aus eigener Weisheit geschrieben. Die "moderne" Theologie (= Lehre von Gott) geht stillschweigend davon aus, dass die Schreiber der Bibel ihre Aufgabe ohne die Hilfe Gottes erledigen mussten. Doch das bedeutet letztendlich, dass man jegliches Wunder und auch jegliche Prophetie aus der Bibel "wegdeuten" müsste. Aber genau das ist doch das Besondere der Bibel: Hier schrieben Menschen mehr nieder, als sie rein menschlich wissen konnten! Was wären sonst all die Prophetien über den Verlauf der Geschichte Israels, über das Kommen des Messias?

Wenn Gott die Menschen so führen konnte, dass sie richtige Prophezeiungen über die Geburt Jesu in Bethlehem, sein Leiden am Kreuz und seine Auferstehung machen konnten - oftmals ohne dass sie selber sich dessen in dem Moment bewusst gewesen wären - konnte er sie dann nicht auch so führen, dass ihre Aussagen über die natürlichen Gegebenheiten der Wahrheit entsprachen? Wer also von vorneherein davon ausgeht, die Autoren der Bibel hätten ein überholtes Weltbild in die Bibel projiziert, der muss auch die Wunder und Prophezeiungen der Bibel ablehnen.

Das Beispiel des prophezeienden Hohenpriesters

Oftmals betonen Theologen, die Texte der Bibel müssten "im Kontext ihrer Zeit verstanden", "im Kontext der Literatur- und Religionsgeschichte betrachtet werden". Dagegen ist nichts einzuwenden, denn selbstverständlich sollen wir Bibelstellen nicht aus dem Textzusammenhang herausreißen, und selbstverständlich sollen wir den Geschichtsverlauf, wie ihn uns die Bibel schildert, berücksichtigen. Aber die entscheidende Frage ist, ob man in die obigen Sätze unausgesprochen das Wort "NUR" einfügt: "NUR im Kontext ihrer Zeit" und "NUR im Kontext der Literatur- und Religionsgeschichte." Das würde die Bibel selber sicher verneinen, wie ich am folgenden Beispiel zeigen möchte:

Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Denn dieser Mensch (Jesus) tut viele Zeichen. Wenn wir ihn so lassen, werden alle an ihn glauben, und die Römer werden kommen und unsere Stadt wie auch unsere Nation wegnehmen. Einer aber von ihnen, Kaiphas, der jenes Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts und überlegt auch nicht, dass es euch nützlich ist, dass ein Mensch für das Volk sterbe und nicht die ganze Nation umkomme. Dies aber sagte er nicht aus sich selbst, sondern da er jenes Jahr Hoherpriester war, weissagte er, dass Jesus für die Nation sterben sollte; und nicht für die Nation allein, sondern dass er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte. Von jenem Tag an ratschlagten sie nun, um ihn zu töten. (Johannes 11:47-53)

Der zeitgeschichtliche Hintergrund war, dass Jesus gerade Lazarus vom Tod auferweckt hatte, weshalb große Volksmengen ihm folgten und die Hohenpriester Angst hatten, es könnten dadurch politische Unruhen entstehen, die letztlich zum Untergang Israels führen könnten, das von den mächtigen Römern bis dahin mehr oder weniger geduldet wurde. Würde man hier stehen bleiben, dann wäre der Ausspruch des Hohenpriesters nichts weiter als eine Aufforderung zum Polit-Mord. Doch letztlich wurde er von Gottes Geist geführt, eine tiefe Wahrheit auszusprechen, die mit den bezeichnenden Worten beginnt: "Ihr wisst nichts!" Diese Aussage traf sicher auch auf ihn selber zu, und dennoch sprach er eine Prophetie von gewaltiger Tragweite aus: Das stellvertretende Leiden und Sterben des Messias.

Bei aller Wissenschaftlichkeit bei der Auslegung der Bibel werden wir also trotzdem unbedingt die Hilfe des Heiligen Geistes brauchen, der zuerst einmal uns selber verändern muss, damit wir überhaupt aufnahmebereit für geistliche Dinge werden, und nicht auf der seelischen Ebene steckenbleiben (1.Korinther 2:12-14). Wenn wir nicht wiedergeboren werden, dann wird tatsächlich der Buchstabe uns töten, denn nur der Geist macht lebendig (2.Korinther 3:6). Und der Geist Gottes kann und möchte uns über die reine Verstandesebene hinausführen (Philipper 4:6-7).

Karel Claeys und Armin Held

Der Hase - (k)ein Wiederkäuer?

Was Biologen und Theologen dazu sagen

Den meisten Menschen bereitet es wahrscheinlich wenig Kopfzerbrechen, ob der Hase oder auch der Klippschliefer Wiederkäuer sind oder nicht. Vor allem werden sie es weder als "heilsentscheidend" sehen noch als Nagelprobe, ob man sich auf die Bibel verlassen kann oder nicht. Ganz anders dagegen die bibelkritische Theologie, die jede Gelegenheit nützt, um die Inspiration der Bibel in Frage zu stellen. Sie behauptet ja, dass die Bibel nur ein menschliches Machwerk sei, also niemals von Gott eingegeben, und dass sie deswegen natürlich auch menschliche Irrtümer enthalte. Ein Paradebeispiel, das mir an der Uni prompt unter die Nase gerieben wurde, ist dabei genau diese Frage, ob Hase und Klippdachs nun Wiederkäuer seien oder nicht. Laut Naturwissenschaften seien sie es jedenfalls nicht, in der Bibel stehe jedoch fälschlicherweise das Gegenteil. Nun, lesen wir doch einfach einmal den fraglichen Text, der in seiner Einleitung ausdrücklich behauptet, dass die darauf folgenden Worte von Gott stammen:

Und der HERR redete zu Mose und zu Aaron und sprach zu ihnen: Redet zu den Söhnen Israels und sprecht: Dies sind die Lebewesen, die ihr essen sollt von allen vierfüßigen Tieren, die auf der Erde sind: Alles, was gespaltene Hufe hat, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, und was wiederkäut (hebräisch: ma^alat gerah = Gekautes hochbringt) unter den Tieren, das dürft ihr essen. Nur diese von den Wiederkäuern (hebräisch: ma^aleh haggerah = Hochbringern von Gekautem) und von denen, die gespaltene Hufe haben, dürft ihr nicht essen:
das Kamel, denn es ist ein Wiederkäuer
(hebräisch: ma^aleh gerah = Hochbringer von Gekautem), aber gespaltene Hufe hat es nicht: unrein soll es euch sein.
Und den Klippdachs
(hebräisch: schaphan), denn er ist ein Wiederkäuer (hebräisch: ma^aleh gerah = Hochbringer von Gekautem), aber er hat keine gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein.
Und den Hasen
(hebräisch: 'arnäbät), denn er ist ein Wiederkäuer (hebräisch: ma^alat gerah = Hochbringer von Gekautem), aber er hat keine gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein.
Und das Schwein, denn es hat gespaltene Hufe, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, aber es käut nicht wieder
(hebräisch: gerah lo jiggar = Gekautes kaut es nicht): unrein soll es euch sein.
Von ihrem Fleisch dürft ihr nicht essen und ihr Aas nicht berühren; unrein sollen sie euch sein. Leviticus 11:1-8; ein Paralleltext befindet sich in Deuteronomium 14:6-7

Um welche Tiere handelt es sich?

Der 'arnäbät kommt nur zweimal in der Bibel vor, nämlich in Leviticus 11:6 und Deuteronomium 14:7. Man geht davon aus, dass es sich von 'anab = fruchtbar sein ableitet. Dass es sich hierbei um den Hasen handelt, ist wahrscheinlich, aber nicht absolut sicher, zumal die Bibelstellen keine weiteren Angaben über Körperbau und Lebensweise machen.

Der schaphan kommt nur viermal in der Bibel vor:, nämlich in Leviticus 11:5, Deuteronomium 14:7, Psalm 104:18 und Sprüche 30:26. Lesen wir die zwei noch unbekannten Stellen:

Die hohen Berge sind für die Steinböcke, die Felsen eine Zuflucht für die Klippdachse. Psalm 104:18

Vier sind die Kleinen der Erde, und doch sind sie mit Weisheit wohl versehen ...
die Klippdachse, ein nicht kräftiges Volk, und doch legen sie im Felsen ihre Wohnungen an Sprüche 30:24,26

Wie wir noch sehen werden, kann es sich hier nur um die "Klippdachse" oder "Klippschliefer" handeln.

Was ist ein "Wiederkäuer"?

Der immer wieder verwendete Ausdruck ma^alat gerah besteht aus hebräisch ma^aläh und gerah. ma^aläh ist ein Partizip der Hiphil-Form des Tätigkeitswortes ^alah = hinaufgehen, hinaufsteigen. Die Hiphil-Form bedeutet, dass verursacht wird, dass etwas "hinaufgeht" oder hinaufsteigt; man übersetzt es also sinngemäß mit hinaufbringen, hinaufführen. Unter den vielen Stellen, in denen ^alah im Hiphil vorkommt, sollen hier nur zwei typische zitiert werden:

... da zogen sie und brachten Josef aus der Grube herauf (^alah im Hiphil) ... Genesis 37:28

Rahab führte die Kundschafter auf das Dach hinauf ... (^alah im Hiphil) Josua 2:6

^alah im Hiphil bezeichnet ein Hinaufbringen von etwas, ohne jedoch zum Ausdruck zu bringen, auf welche Weise das geschieht. Hier zwei Stellen, die das verdeutlichen, und in denen genau der Ausdruck ma^aläh vorkommt, wie ihn auch die Wiederkäuerstellen verwenden:

Denn der HERR, unser Gott, ist es, der uns und unsere Väter aus dem Lande Ägypten, aus dem Hause der Knechtschaft, heraufgeführt hat (ma^aläh). Josua 24:17

Es geschah nämlich, während Samuel das Brandopfer (^olah) opferte (ma^aläh) ... 1.Samuel 7:10

In der letzten Stelle wird für Brandopfer verwendet, weil diese durch Verbrennen als Rauch "aufsteigen", daher auch ihr Name "^olah = Aufsteigendes".

Der zweite Teil des obigen Ausdrucks, das Hauptwort gerah, leitet sich von dem Tätigkeitswort garar = ziehen, fortreißen, zersägen ab und wird dem Textzusammenhang nach am besten mit Gekautes, Zermahlenes übersetzt (L.Koehler und W.Baumgartner, Lexicon in veteris testamenti libros, Seite 193).

Der Ausdruck "ma^alat gerah" besagt also,

dass Hase und Klippschliefer Heraufbringer von Gekautem sind,

wobei nichts über die Art und Weise des "Hinaufbringens" ausgesagt wird.

Zoologische Aussagen über den Klippdachs

Nehmen wir zuerst einmal die Aussagen der Theologen zur Kenntnis:

Er ist in Wirklichkeit kein Wiederkäuer; anscheinend dachte man an die großen Ausbuchtungen des Dick- und des Blinddarmes, die an den Magen der Wiederkäuer erinnerten.
(J.Feliks in "Biblisch-Historisches Handwörterbuch", Vandenoeck & Ruprecht in Göttingen 1964; an dieser Stelle, Spalte 970, Verweis auf: P.Benoit, "Revue Biblique", 1935, Seite 581f.)

Klippdachs, Klippschliefer - kein Wiederkäuer.
(Koehler-Baumgartner, "Lexicon in veteris testameti libros", Seite 1005. Auch hier Querverweis auf P.Benoit, "Revue Biblique", 44, 582.)

In "Brehms Tierleben" (1925, Band 12, Seite 591) wird nicht gesagt, ob der Klippdachs ein Wiederkäuer ist oder nicht, sondern lediglich festgestellt:

Der Magen wird durch eine Scheidewand in zwei Abteilungen geschieden, deren linke mehr zur Aufspeicherung, deren rechte der eigentlichen Verdauung dient.

In "Grzimeks Tierleben" (Band 12,Seite 515ff), das 1972 herausgegeben wurde, wird der Klippschliefer den Wiederkäuern zugeordnet:

Wohl nur wenige Leute können sich unter der Bezeichnung "Schliefer" etwas vorstellen. Sieht man diese murmeltierähnlichen, etwas plump gebauten Tiere einmal in einem Zoo, so möchte man nicht glauben, dass sie zur Huftierverwandtschaft gehören und hier in die gleiche Überordnung gestellt werden wie die Elefanten und Seekühe.
Bibelkundigen Lesern wäre zumindest der Name vertraut, wenn Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung nicht fälschlich die im Hebräischen "shaphan" genannten Tiere als "Kaninchen" bezeichnet hätte. Shaphan (auf deutsch: "der sich Verbergende") ist in Wirklichkeit die in Palästina und Syrien vorkommende Klippschlieferart.

Die Klippschliefer (Ordnung Hyracoidea, Familie Procaviidae) sind etwa kaninchengroß und ohne äußerlich sichtbaren Schwanz. Gesamtlänge 40-50 cm, Gewicht 2500-3500 Gramm. Körper gedrungen, Ohren klein und rundlich; Vorderfüße vierzehig ..., Hinterfüße dreizehig mit einer Putzkralle; 34 Zähne ... Pflanzenesser; obere Schneidezähne gebogen, ständig nachwachsend. Wiederkäuer; Darm wie bei allen Pflanzenessern sehr lang, zusätzlicher Blindsack. Schweiß und Afterdrüsen fehlen. Tragzeit 7-8 Monate; bei Baumschliefern ein, bei Klipp- und Buschschliefern zwei bis drei Junge.

Einzigartig unter allen Säugetieren ist das Darmsystem, da die Schliefer zwei Blindsäcke haben. Der erste Blindsack ist recht umfangreich und enthält Bakterien, die Zellulose verarbeiten. Der zweite, etwas kleinere Blindsack hat zwei ungefähr acht Zentimeter lange hornförmige Fortsätze; seine Aufgaben sind noch nicht geklärt.
(Alle Zitate von U.Rahm, entnommen aus "Grzimeks Tierleben", Enzyklopädie des Tierreiches, Kindler Verlag 1972 in Zürich, Zwölfter Band, Säugetiere 3.)

Demnach befindet sich F.J.Bruijel wissenschaftlich auf der Höhe, wenn er in "Christelijke Encyclopädie", 1959, J.H.Kok N.V.Kampen, Band 4, Seite 274f, schreibt:

Der Klippdachs ist überall in felsigen Gebirgen rund um das Jordantal und den südlichen Wüstengebieten zu finden, ebenso in den Gebirgen rund um den See Genezareth. Sein Verbreitungsgebiet umfasst des weiteren Syrien, Arabien, die Nilländer, Ost-, West- und Südafrika.. Er ist das kleinste und zierlichste der Huftiere, obwohl seine Lebensweise mehr der der Nagetiere gleicht. Er hat die Größe eines Kaninchens und auch eine gespaltene Oberlippe; der Kopf gleicht dem eines Murmeltieres ... Er lebt in Kolonien und stellt gleich den Gemsen und Murmeltieren Wachposten auf, die bei Gefahr durch einen gellenden Schrei warnen.Sie können nahezu senkrechte Wände hinaufklettern und sind ausnehmend gute Springer (2-4 m).
Der Klippdachs wiederkäut mit Hilfe eines zweiteiligen Magens, wobei die Kiefer sich ebenso wie bei allen Wiederkäuern von links nach rechts bewegen.

Ergebnis:

Da der Klippdachs ein Wiederkäuer ist, sagt die Bibel zu Recht von ihm, dass er ein "Hinaufbringer von Gekautem" ist, weil er die grob gekaute Nahrung (durch den Schlund) in die Mundhöhle "hinaufbringt", um sie noch einmal zu kauen und zu verdauen.

Interessanterweise verdanken wir diese Erkenntnis nicht etwa Theologen, die sich darum bemüht hätten, den Wahrheitsgehalt der Bibel zu beweisen, sondern Zoologen, die ohne Rücksicht auf weltanschauliche Überzeugungen geforscht haben.

Zoologische Aussagen über den Hasen

Bezüglich des Hasen besteht kein Zweifel: er ist kein Wiederkäuer. Echte Wiederkäuer im Sinne der heutigen wissenschaftlichen Systematik sind Pflanzenfresser, die sich an die schwerverdauliche Pflanzenkost durch besondere Ausbildung ihres Magen-Darmtraktes angepasst haben. Sie vermögen die aufgenommene Nahrung zunächst in einem als Gärkammer ausgebildeten Magenteil, dem Pansen, vorzuverdauen. Dabei werden vor allem die pflanzlichen Zellwände, die aus Zellulose bestehen und den Zutritt der Verdauungssäfte zum nahrhaften Zellinhalt verhindern, durch Mikroorganismen aufgeschlossen. Nach solcher Vorverdauung wird der Panseninhalt portionsweise in das Maul zurückbefördert und danach wiedergekäut.

Hiervon unterscheidet sich jedoch der biblische Begriff des "Hinaufbringers von Gekautem", denn er bezieht sich nicht auf das nochmalige Kauen, sondern allein darauf, dass das bereits Gekaute noch einem "hinaufgebracht" wird. Kann es sein, dass der Hase ein solcher "Hinaufbringer von Gekautem" ist, ohne zugleich ein Wiederkäuer zu sein? Gibt es noch eine andere Möglichkeit, "Gekautes (wieder in den Mund) hinaufzubefördern"? Was sagt die Zoologie? Zitieren wir zuerst aus "Grzimeks Tierleben", Band 12, Seite 421f, eine Passage aus der Abhandlung von Dr.R.Angermann:

Im Jahre 1882 veröffentliche Morot in einer französischen tierärtzlichen Zeitschrift seine Beobachtungen über die schleimüberzogenen "Magenpillen" der Kaninchen. Außer der normalen festen Losung erzeugen diese Tiere nämlich eine zweite Kotform - weiche, schwachgeformte Kügelchen, die sie nach Ablage sofort aufnehmen und unzerkaut schlucken. Sie sammeln sich an einer bestimmten Stelle des Magens (in der Cardiaregion) und werden nochmals verdaut. Auf solche Weise geht ein Teil der Nahrung zweimal durch den Darm und wird dadurch besser aufgeschlossen. Diese Doppelverdauung ähnelt in gewisser Weise dem Wiederkäuen der meisten Paarhuferfamilien. Der weiche Kot (Caecotrophe) wird im Blinddarm gebildet und dort stark mit Vitamin B1 angereichert; nach den Untersuchungen von Scheunert und Zimmermann enthält er gegenüber dem normalen Kot die vier- bis fünffache Menge an Vitaminen.
Für die Hasentiere ist der "Blinddarm-" oder "Vitaminkot" lebenswichtig; er erleichtert ihnen vermutlich auch das Überstehen längerer Fastenzeiten bei ungünstiger Witterung.

Nun noch H.Wurmbach in "Lehrbuch der Zoologie", Band 2,Seite 764, 2.Auflage Stuttgart 1971:

Die Nager, und zwar sowohl die Simplizidentaten wie die Kuplizidentaten haben eine eigenartige Anpassung an die pflanzliche Ernährung erworben, das Fressen der CAECOTROPHE (Harder), gewissermaßen anstelle des Wiederkäuens. Tagsüber setzen sie normalen trockenen Kot in kleinen Ballen ab, den sie nicht fressen. Zur Zeit der Ruhe bilden sie kleine feuchte, in Schleim gehüllte weiche Kugeln, die Caecotrophen, die sie mit dem Mund vom After abnehmen und unzerkaut schlucken. Das Material zur Bildung dieser Kugeln ist im oberen Teil des Blinddarmes vergoren worden. Es wird dann im Enddarm zu den Kügelchen geformt. Diese gelangen unzerstört in den vorderen Teil des Magens und mischen sich von dort aus durch die Magenperistaltik mit dem Nahrungsinhalt des Magens, mit dem zusammen sie verdaut werden. Auf diese Weise passieren 80-100% der Nahrung zweimal den Darmkanal. Hindert man durch ein Gestell, in das man den Kopf des Nagers steckt, die Tiere daran, an den After zu gelangen, so findet man morgens die typischen weichen Ballen der "CAECOTROPHE". Auch bei genügender Fütterung gehen auf diese Weise am Kotfressen gehinderte Tiere zugrunde. Die Kugeln sind bedeutend eiweiß- und bakterienreicher als die trockenen echten Kotballen.

Ergebnis:

Der Hase ist zwar kein "Wiederkäuer" im engeren, zoologischen Sinne, jedoch ist die biblische Bezeichnung "Hochbringer von Gekautem" absolut zutreffend:

Der Hase "bringt" die bereits einmal gekaute und vorverdaute Blinddarmlosung in Form von schleimüberzogenen Pillen wieder "hinauf" und frisst sie ein zweites Mal.

Die biblische Aussage, dass Klippdachse (als echte Wiederkäuer) und Hasen "Hochbringer von Gekautem" sind, ist also eine für beide Tierarten vollkommen zutreffende Formulierung.

War Jona ein falscher Prophet?

Und das Wort des HERRN geschah zu Jona, dem Sohn des Amittai: Mache dich auf, geh nach Ninive, der großen Stadt, und verkündige gegen sie! Denn ihre Bosheit ist vor mich aufgestiegen. (Jona 1:1-2)

Jona, der Sohn des Amittai (2.Könige 14:25), lebte ungefähr 800 vor Christus und war ein Prophet, dessen Wort eintraf. Dennoch hört man immer wieder, Jona sei ein Beispiel dafür, dass ein Prophet etwas im Namen Gottes vorhersagte, das dann doch nicht geschah. Jona habe nämlich den Untergang Ninive’s, sogar mit Angabe einer Frist, als sicher angekündigt, und sei dann enttäuscht und beleidigt gewesen, als seine Vorhersage sich nicht erfüllte:

Da machte Jona sich auf und ging nach Ninive, gemäß dem Wort des HERRN. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tage zu durchwandern. Und Jona begann, in die Stadt hineinzugehen, eine Tagereise weit. Und er rief und sprach: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört! (Jona 3:3-4)

Fast alle Übersetzungen verwenden an dieser Stelle Worte wie ‚zerstört’ (zum Beispiel Elberfelder, Einheits-, Schlachter; Luther: untergehen; King James: overthrown). Die zurecht als sehr genau bekannte Elberfelder Übersetzung merkt in der Fußnote jedoch an, was hier wirklich steht: „wörtlich: umgewendet". Im Hebräischen steht hier das Wort 'haphak', das folgende Bedeutungen hat:

umwenden (wie ein Mensch sich in seiner Laufrichtung umwendet, Richter 20:39,41 und viele andere), total verwandeln, ins Gegenteil umgekehren (zum Beispiel Ostwind in Westwind, Exodus 10:19; Fluch in Segen, 5.Mose 23:6; das Unterste zuoberst, Richter 7:13; Unglück in Glück, Esther 9:1,22), und wird in Bezug auf Menschen für zwei Arten von Verwandlung verwendet (siehe Anhang):

· Die totale 'Wende', die Bekehrung und Veränderung eines Menschen oder einer Bevölkerung, sei es vom Guten zum Schlechten: der Pharao verhärtet sich, Exodus 14:5, oder vom Schlechten zum Guten: Saul, 1.Samuel 10:6,9; die Bekehrung ganzer Völker, Zephanja 3:9.

· Die totale Umkehrung und Vernichtung einer Landschaft oder Bevölkerung: insbesondere Sodom und Gomorrha, Genesis 19:21,25 u.a.; Edom, Jesaja 34:9.

Ein klassisches Beispiel ist die Verwandlung von König Saul durch Gottes Einwirken, die ihm vom Propheten Samuel angekündigt wurde:

Und der Geist des HERRN wird über dich kommen, und du wirst weissagen und wirst in einen anderen Menschen umgewandelt werden (hebr. haphak) (1.Samuel 10:6; eine Herzen-Wandlung bei Gott: Hosea 11:8)

Gott stellte den Menschen von Ninive also das Ultimatum, entweder innerhalb von vierzig Tagen ‚umgekehrt’, total vernichtet zu werden, oder sich von Gott total verändern zu lassen, sich selber zu ‚bekehren’ und verschont zu werden! Dies ist ein Wesenszug Gottes, der in den hebräischen Schriften der Bibel immer wieder betont wird:

Einmal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es ausreißen, niederbrechen und zugrunde richten zu wollen. Kehrt aber jenes Volk, über das ich geredet habe, von seiner Bosheit um, lasse ich mich des Unheils gereuen (hebr. nacham), das ich ihm zu tun gedachte.
Und ein anderes Mal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es bauen und pflanzen zu wollen. Tut es aber, was in meinen Augen böse ist, indem es auf meine Stimme nicht hört, so lasse ich mich des Guten gereuen (hebr. nacham), das ich ihm zu erweisen zugesagt habe. (Jeremia 18:7-10 ELB)

Und zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider und kehrt um zum HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Gnade, und lässt sich das Unheil gereuen (hebr. nacham). (Joel 2:13 ELB)

Gott ist zwar nicht wie ein Mensch, der aus einer Laune heraus, ohne triftige Gründe, etwas bereut oder sich durch Äußerlichkeiten, wie das Zerreißen von Kleidern oder das Darbringen von Opfern, beeindrucken lässt (Numeri 23:19; 1.Samuel 15:28). Aber wenn sich die Sachlage ändert, weil Menschen wirklich von ihren falschen Wegen umkehren, dann ändert Gott auch seine Haltung. Im Gegensatz zur menschlichen ist die göttliche Reue also quasi berechenbar, verlässlich. Genau diese Hoffnung ergriffen die Menschen von Ninive:

Wer weiß, vielleicht wendet sich Gott und lässt es sich gereuen (hebr. nacham) und kehrt um von der Glut seines Zornes, so dass wir nicht umkommen.
Und Gott sah ihre Taten, dass sie von ihrem bösen Weg umkehrten. Und Gott ließ sich das Unheil gereuen (hebr. nacham), das er ihnen zu tun angesagt hatte, und er tat es nicht. (Jona 3:9-10 ELB)

Jona war nicht etwa enttäuscht, dass sein Wort sich nicht erfüllt hatte, sondern dass die Option eingetreten war, die er von Anfang an gefürchtet und seinen Feinden nicht gegönnt hatte. Die Assyrer, deren Hauptstadt Ninive war, hatten Israel nämlich grausam bekriegt und waren deshalb gefürchtete und gehasste Gegner. Jona war nicht überrascht von der Wende zum Guten, sondern er hatte sie geradezu erwartet und mit ihr gerechnet. Genau das war der Grund gewesen, warum er bei der ersten Aufforderung Gottes, nach Ninive zu gehen, die Flucht angetreten hatte – er wollte die Bekehrung und Rettung Ninives nicht!

Und er betete zum HERRN und sagte: Ach, HERR! War das nicht meine Rede, als ich noch in meinem Land war? Deshalb floh ich schnell nach Tarsis! Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langsam zum Zorn und groß an Güte, und einer, der sich das Unheil gereuen lässt! (Jona 4:2)

Noch ein Problem mit Jona: Drei Tage im Bauch eines Fisches?

Zwei Dinge wurden am Buch Jona schon immer als unglaublich angesehen: Dass ein ‚Walfisch’ einen Menschen ‚im Stück’ verschlucken kann, und dass ein Mensch drei Tage im Bauch eines Fisches überleben kann. Das Buch Jona ist jedoch keine Phantasie-Lehrerzählung oder ein ‚Gleichnis’, denn Jona wird ausdrücklich als ‚Sohn des Amittai’ identifiziert, der an anderer Stelle der Bibel erwähnt wird (2.Könige 14:25).

Luther übersetzt in Mattäus 12:40 zwar mit ‚Walfisch, doch die anderen Übersetzungen geben das griechische ‚kätos’ als Entsprechung des hebräischen ‚dag’ besser mit ‚Fisch’ wieder (wörtlich scheint kätos = Verschlinger zu bedeuten). Heute ist bekannt, dass es Fische gibt, die dazu in der Lage sind, Menschen ganz zu verschlucken, zum Beispiel der Walhai.

Auf der anderen Seite wird nicht behauptet, dass Jona drei Tage in dem Fisch überlebte, im Gegenteil, der Text deutet eher in die Richtung, dass Jona ‚hinüber’ war:

Aus dem Schoß des Totenreiches (hebr. sche^ol) schrie ich um Hilfe … (Jona 2:3)

Demnach war die Wiederbelebung von Jona ein Wunder – allerdings kein größeres als die Auferweckung des bereits verwesenden Leichnams von Lazarus nach vier Tagen (Johannes 11)! Wer Jona’s ‚Auferstehung’ für unmöglich hält, muss folgerichtig auch die Auferstehung Jesu in Frage stellen. Und die ist keine Nebensache, sondern das Zentrum und die Grundlage des christlichen Glaubens:

Wenn Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube … Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig … also sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verlorengegangen. Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen. (1.Korinther 15:12-19)

Jesus selber setzt Jona’s dreitägigen Aufenthalt im Bauch eines Fisches als tatsächlich geschehen voraus und vergleicht ihn mit seinem eigenen Tod und seiner Auferstehung:

Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten.
Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas; und siehe, mehr als Jona ist hier. (Matthäus 12:39-41)

Die Menschen von Ninive bekamen also kein direktes Zeichen von Gott, denn sie waren ja nicht Augenzeugen von Jona’s Aufenthalt im Fisch. Das ‚Zeichen Jona’s’ war dessen gewaltige Predigt-Gabe, also seine Fähigkeit, die Zuhörer ihrer Sünde zu überführen, was ihm ja auch gut gelang. Gleich im nächsten Vers vergleicht Jesus diese Gabe deshalb mit der Weisheit Salomos (Matthäus 12:39-41), die ebenso bis zur Zeit Jesu nicht wieder erreicht wurde. Wer also nicht auf das ‚Zeichen Jona’s’, die überführende Kraft der Predigt, hört und aus eigener Einsicht ‚umkehrt’, wird kein anderes Zeichen von Gott bekommen - und entscheidet sich damit für die zweite Variante des Ultimatums Gottes, nämlich ‚umgekehrt’ zu werden.

 

Hebräisch haphak =
wenden, umdrehen, umkehren, umwandeln, verändern

Die Grundbedeutung dieses Wortes ist laut den Standard-Wörterbüchern zum AT, Gesenius (Seite 186) und Köhler-Baumgartner (Seite 240):

‚wenden’, ‚umdrehen’, zum Beispiel ein Brot beim Backen (Hosea 7:8), eine Schüssel (2.Könige 21:13), sodann ‚ins Gegenteil umkehren’, ‚umstürzen’.

Im Niphal bedeutet es ‚sich wenden, drehen’, ‚verwandelt werden’, im Hitpael ‚sich hin und her wenden’ (Genesis 3:24).

Davon abgeleitete hebräische Wörter

Hephäk = Gegenteil, Verkehrtheit (Hesekiel 16:34)

Haphekah = Umsturz (Genesis 19:29)

Mahpekah = Umsturz, Umkehrung, ‚Zerstörung’ (Deuteronomium 29:22; Jesaja 1:7; 13:19; Jeremia 49:18; 50:40)

Tahpukot = Verdrehungen, ‚Verkehrtheit’, ‚Perversion’ (Deut. 32:20; Sprüche 2:12; ; 2:14; 6:14; 8:13; 10:31; 10:32; 16:28; 16:30; 23:33)

Mahpäkät = ‚Block’, ein Holz, in dem der Gefangene mit Händen und Füßen krumm geschlossen wird, um ihn zu ‚bekehren’ (2 Chronik 16:10; Jeremia 20:2,3; 29:26)

Haphakpak = verkehrt, ‚gewunden’ (Sprüche 21:8)

Verwandte Wörter anderer Sprachen

Neuhebräisch, jüdisch-aramäisch, syrisch: h-p-k = wenden, umkehren

Ugaritisch: h-p-k = umstürzen

Alle 98 Vorkommen von ‚haphak’ im AT (Elberfelder revidiert)

Genesis 3:24 Und er trieb den Menschen aus und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim sich lagern und die Flamme des zuckenden (wörtlich: sich hin- und her wendenden) Schwertes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

Genesis 19:21 Da sprach er zu ihm: Siehe, auch darin habe ich Rücksicht auf dich genommen, dass ich die Stadt nicht umkehre, von der du geredet hast.

Genesis 19:25 und kehrte diese Städte um und die ganze Ebene des Jordan und alle Bewohner der Städte und das Gewächs des Erdbodens.

Genesis 19:29 Und es geschah, als Gott die Städte der Ebene des Jordan vernichtete (hebr. schachat = zerstören), da dachte Gott an Abraham und geleitete Lot mitten aus der Umkehrung, als er die Städte umkehrte, in denen Lot gewohnt hatte.

Exodus 7:15 Geh morgen früh zum Pharao … nimm den Stab, der sich in eine Schlange verwandelt hat, in deine Hand …

Exodus 7:17 Siehe, ich will mit dem Stab, der in meiner Hand ist, auf das Wasser im Nil schlagen, und es wird sich in Blut verwandeln.

Exodus 7:20 Und er erhob den Stab und schlug vor den Augen des Pharao und vor den Augen seiner Hofbeamten auf das Wasser im Nil. Da wurde alles Wasser, das im Nil war, in Blut verwandelt.

Exodus 10:19 Und der HERR verwandelte den Ostwind in einen sehr starken Westwind; der hob die Heuschrecken auf und warf sie ins Schilfmeer.

Exodus 14:5 Als nun dem König von Ägypten berichtet wurde, dass das Volk geflohen sei, wandte sich das Herz des Pharao und seiner Hofbeamten gegen das Volk, und sie sagten: Was haben wir da getan, dass wir Israel aus unserem Dienst haben ziehen lassen!

Leviticus 13:3 Und besieht der Priester das Mal in der Haut des Fleisches, und das Haar in dem Mal hat sich in weiß verwandelt, und das Mal erscheint tiefer als die übrige Haut seines Fleisches, dann ist es das Mal des Aussatzes.

Leviticus 13:4 Und wenn der Flecken in der Haut seines Fleisches weiß ist und er nicht tiefer erscheint als die Haut, und sein Haar hat sich nicht in weiß verwandelt, dann soll der Priester den, der das Malhat, für sieben Tage einschließen.

Leviticus 13:10 Und besieht ihn der Priester, und siehe, es ist eine weiße Erhöhung in der Haut, und sie hat das Haar in weiß verwandelt, und eine Bildung von wildem Fleisch ist in der Erhöhung,

Leviticus 13:13 … dann soll er den, der das Malhat, für rein erklären; hat es sich ganz in weiß verwandelt, ist er rein.

Leviticus 13:16 Wenn aber das wilde Fleisch wieder zurückgeht und in weiß verwandelt wird, dann soll er zum Priester kommen.

Leviticus 13:17 Und besieht ihn der Priester, und siehe, das Mal ist in weiß verwandelt, dann soll der Priester den, der das Mal hat, für rein erklären: rein ist er.

Leviticus 13:20 Und besieht ihn der Priester, und siehe, der Fleck erscheint niedriger als die übrige Haut, und sein Haar hat sich in weiß verwandelt, dann soll der Priester ihn für unrein erklären: das Mal des Aussatzes ist es. Er ist in dem Geschwür ausgebrochen.

Leviticus 13:25 und der Priester besieht ihn, und siehe, das Haar im Fleck ist in weiß verwandelt, und er erscheint tiefer als die übrige Haut, dann ist es Aussatz; er ist in der Brandwunde ausgebrochen. Der Priester soll ihn für unrein erklären: das Mal des Aussatzes ist es.

Leviticus 13:55 Und besieht der Priester das Mal nach dem Waschen, und siehe, das Mal hat sein Aussehen nicht geändert, und das Mal hat nicht um sich gegriffen, dann ist es unrein.

5.Mose 23:6 Aber der HERR, dein Gott, wollte nicht auf Bileam hören, und der HERR, dein Gott, wandelte dir den Fluch in Segen um; denn der HERR, dein Gott, hatte dich lieb.

5.Mose 29:22 (2x) Schwefel und Salz, eine Brandstätte ist sein ganzes Land; es wird nicht besät und läßt nichts sprossen, und keinerlei Kraut kommt darin auf wie nach der Umkehrung von Sodom und Gomorra, von Adma und Zebojim, die der HERR umkehrte in seinem Zorn und in seinem Grimm -,

Josua 7:8 Bitte, Herr, was soll ich sagen, nachdem Israel seinen Feinden den Rücken gekehrt hat?

Josua 8:20 Und die Männer von Ai wandten sich um (hebr. panah) und sahen, und siehe, der Rauch von der Stadt stieg zum Himmel auf. Da war in ihnen keine Kraft mehr zu fliehen, weder hierhin noch dorthin. Und das Volk, das bisher zur Wüste geflohen war, wandte sich nun um (hebr. haphak) gegen den Verfolger.

Richter 7:13 Und als Gideon ankam, siehe, da erzählte ein Mann seinem Gefährten gerade einen Traum und sagte: Siehe, ich habe einen Traum gehabt. Und siehe, ein Laib Gerstenbrot rollte in das Heerlager Midians. Und es kam bis zum Zelt und schlug es nieder, dass es umfiel, und kehrte es um, das Unterste zu oberst, und das Zelt lag da.

Richter 20:39 Als nun die Männer von Israel im Kampf kehrtmachten und Benjamin angefangen hatte, unter den Männern von Israel einige zu erschlagen, etwa dreißig Mann, so dass sie sagten: Sie sind ja vollständig vor uns geschlagen wie im vorigen Kampf! -

Richter 20:41 Da machten die Männer von Israel wieder kehrt. Die Männer von Benjamin aber waren bestürzt, denn sie sahen, dass das Unglück sie erreicht hatte.

1.Samuel 4:19 Und seine Schwiegertochter, die Frau des Pinhas, war schwanger und sollte bald gebären. Und als sie die Nachricht hörte, dass die Lade Gottes weggenommen worden war und dass ihr Schwiegervater und ihr Mann tot waren, kauerte sie sich nieder und gebar, denn ihre Wehen überfielen sie.

1.Samuel 10:6 Und der Geist des HERRN wird über dich kommen, und du wirst mit ihnen weissagen und wirst in einen anderen Menschen umgewandelt werden.

1.Samuel 10:9 Und es geschah, als er sich umwandte (hebr. panah), um von Samuel wegzugehen, da gab ihm Gott ein anderes Herz (wörtlich: verwandelte Gott ihm das Herz).

1.Samuel 25:12 Und die Leute Davids machten sich wieder auf ihren Weg und kehrten zurück. Und als sie ankamen, berichteten sie ihm, was alles geschehen war.

2.Samuel 10:3 Hat nicht David seine Knechte zu dir gesandt, um die Stadt zu erforschen und sie auszukundschaften und sie umzukehren?

1.Könige 22:34 Und ein Mann spannte den Bogen aufs Geratewohl und traf den König von Israel zwischen die Tragbänder des Panzers und den Panzer. Da sagte er zu seinem Wagenlenker: Wende um und bring mich aus der Schlacht hinaus! Denn ich bin schwer verwundet.

2.Könige 5:26 Da sagte er zu ihm: Ging mein Herz nicht mit, als ein Mann sich von seinem Wagen herab dir entgegenwandte? Ist es denn Zeit, Silber zu nehmen und Kleider zu nehmen und Olivenbäume und Weinberge und Schafe und Rinder und Knechte und Mägde?

2.Könige 9:23 Da machte Joram kehrt und floh und sagte zu Ahasja: Verrat, Ahasja!

2.Könige 21:13 Und ich werde über Jerusalem die Messschnur Samarias spannen und die Waage des Hauses Ahabs, und ich werde Jerusalem auswischen, wie man eine Schüssel auswischt: man wischt sie aus und dreht sie um auf ihre Oberseite.

1. Chronik 19:3 Da sagten die Obersten der Söhne Ammon zu Hanun: Will David in deinen Augen wirklich deinen Vater ehren, wenn er Tröster zu dir gesandt hat? Sind nicht seine Knechte zu dir gekommen, um das Land zu erforschen und auszukundschaften und umzukehren?

2.Chronik 9:12 Der König Salomo aber gab der Königin von Saba alles, was sie sich wünschte, was sie erbat, abgesehen von dem Gegengeschenk für das, was sie dem König gebracht hatte. Und sie wandte sich und zog in ihr Land, sie und ihre Knechte.

2.Chronik 18:33 Und ein Mann spannte den Bogen aufs Geratewohl und traf den König von Israel zwischen die Tragbänder des Panzers und den Panzer. Da sagte er zu seinem Wagenlenker: Wende um und bring mich aus der Schlacht heraus, denn ich bin schwer verwundet!

Nehemiah 13:2 Denn sie waren den Söhnen Israel nicht mit Brot und mit Wasser entgegengekommen und hatten Bileam gegen sie gedungen, sie zu verfluchen, aber unser Gott hatte den Fluch in Segen verwandelt.

Esther 9:1 An eben dem Tag, da die Feinde der Juden gehofft hatten, sie zu überwältigen, es aber umgekehrt geschah, dass sie, die Juden, ihre Hasser überwältigen sollten,

Esther 9:22 - als die Tage, an denen die Juden vor ihren Feinden zur Ruhe gekommen waren, und als den Monat, der sich ihnen von Kummer zur Freude und von Trauer zum Festtag verwandelt hatte …

Hiob 9:5 … der Berge versetzt, ohne dass sie es erkennen, indem er sie umstürzt in seinem Zorn;

Hiob 12:15 Siehe, er hemmt die Wasser, und sie trocknen aus; er lässt sie los, und sie kehren das Land um.

Hiob 19:19 Alle meine Vertrauten verabscheuen mich, und die, die ich liebte, haben sich gegen mich gewendet.

Hiob 20:14 so hat sich seine Speise doch in seinen Eingeweiden verwandelt. Viperngalle ist in seinem Innern.

Hiob 28:5 Die Erde, aus der das Brot hervorkommt, ihr Unteres wird umgewühlt wie vom Feuer.

Hiob 28:9 Nach dem harten Gestein streckt man seine Hand aus, wühlt die Berge um von Grund auf.

Hiob 30:15 Plötzlicher Schrecken hat sich gegen mich gewandt, er jagt wie der Wind meiner Würde nach; und wie eine Wolke ist meine Rettung vorübergezogen.

Hiob 30:21 In einen Grausamen verwandelst du dich mir, mit der Stärke deiner Hand feindest du mich an.

Hiob 34:25 Daher achtet er auf ihre Taten und stürzt sie um über Nacht, dass sie zermalmt daliegen.

Hiob 37:12 Und das zieht ringsumher, sich hin und her wendend nach seiner klugen Steuerung, um auszuführen alles, was er ihnen gebietet, über der Fläche des Erdkreises.

Hiob 38:14 Sie verwandelt sich wie Siegelton, und alles steht da wie ein Kleid;

Hiob 41:20 Der Pfeil kann ihn nicht vertreiben, Schleudersteine verwandeln sich für ihn in Stoppeln.

Psalm 30:12 Meine Wehklage hast du mir in Reigen verwandelt, mein Sacktuch hast du gelöst und mit Freude mich umgürtet,

Psalm 32:4 Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommergluten. //

Psalm 41:4 Der HERR wird ihn stützen auf dem Siechbett, sein ganzes Lager wandelst du um in seiner Krankheit.

Psalm 66:6 Er wandelte das Meer in trockenes Land: durch den Strom gehen sie hinüber zu Fuß. Dort haben wir uns an ihm gefreut.

Psalm 78:9 wie die Söhne Ephraims, gerüstete Bogenschützen, sich wendeten am Tag des Kampfes.

Psalm 78:44 Er verwandelte ihre Ströme in Blut und ihre Bäche, so dass sie nicht mehr trinken konnten.

Psalm 78:57 Sie wurden abtrünnig und handelten treulos wie ihre Väter. Sie versagten (w. wendeten sich um) wie ein schlaffer Bogen.

Psalm 105:25 Er wandelte ihr Herz, sein Volk zu hassen, Arglist zu üben an seinen Knechten.

Psalm 105:29 Er verwandelte ihre Wasser in Blut, ließ sterben ihre Fische.

Psalm 114:8 der den Felsen verwandelte in einen Wasserteich, den Kieselfelsen in einen Wasserquell!

Sprüche 12:7 Es stürzen (wörtlich: werden umgekehrt) die Gottlosen, und sie sind nicht mehr; aber das Haus der Gerechten bleibt stehen.

Sprüche 17:20 Wer verschlagenen Herzens ist, findet kein Glück; und wer sich mit seiner Zunge windet, fällt ins Unglück.

Jesaja 1:7 Euer Land ist eine Öde, eure Städte sind mit Feuer verbrannt; euer Ackerland - Fremde verzehren seine Frucht vor euren Augen; eine Öde ist es wie bei einer Umkehrung durch Fremde.

Jesaja 13:19 So wird es Babel, der Zierde der Königreiche, der stolzen Pracht der Chaldäer, ergehen wie nach der Umkehrung von Sodom und Gomorra durch Gott.

Jesaja 29:16 Oh eure Verkehrtheit! Soll denn der Töpfer dem Ton gleichgeachtet werden? - dass das Werk von seinem Meister sagt: Er hat mich nicht gemacht! - und ein Gebilde von seinem Bildner sagt: Er versteht nichts?

Jesaja 34:9 Und Edoms Bäche verwandeln sich in Pech und sein Boden in Schwefel; und sein Land wird zu brennendem Pech.

Jesaja 60:5 Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird beben und weit werden; denn die Fülle des Meeres wird sich zu dir wenden, der Reichtum der Nationen zu dir kommen.

Jesaja 63:10 Sie aber, sie sind widerspenstig gewesen und haben seinen heiligen Geist betrübt. Da wandelte er sich ihnen zum Feind: Er selbst kämpfte gegen sie.

Jeremia 2:21 Ich hatte dich gepflanzt als Edelrebe, lauter echtes Gewächs. Aber wie hast du dich mir verwandelt in entartete Reben eines fremdartigen Weinstocks!

Jeremia 13:23 Kann ein Schwarzer seine Haut ändern, ein Leopard seine Flecken? Dann könntet auch ihr Gutes tun, die ihr an Bösestun gewöhnt seid.

Jeremia 20:16 Dieser Mann werde den Städten gleich, die der HERR umgekehrt hat, ohne es zu bereuen! Und er höre Geschrei am Morgen und Kriegsgeschrei zur Mittagszeit

Jeremia 23:36 Aber das Wort «Last des HERRN» sollt ihr nicht mehr erwähnen, denn die Last wird für jeden sein eigenes Wort sein. Denn ihr verdreht die Worte des lebendigen Gottes, des HERRN der Heerscharen, unseres Gottes.

Jeremia 30:6 Warum sehe ich die Hände eines jeden Mannes auf seinen Lenden, einer Gebärenden gleich, und alle Gesichter in Blässe verwandelt?

Jeremia 31:13 Und ich will ihre Trauer in Freude verwandeln und will sie trösten und erfreuen in ihrem Kummer.

Jeremia 49:18 Wie nach der Umkehrung von Sodom und Gomorra und ihrer Nachbarstädte, spricht der HERR, wird niemand dort wohnen und kein Menschenkind sich darin aufhalten.

Jeremia 50:40 Wie nach der Umkehrung Sodoms und Gomorras und ihrer Nachbarstädte durch Gott, spricht der HERR, wird niemand dort wohnen, und kein Menschenkind wird sich darin aufhalten.

Klagelieder 1:20 Sieh, HERR, wie mir angst ist! Mein Inneres glüht, mein Herz dreht sich mir im Leibe um, weil ich so sehr widerspenstig gewesen bin. Draußen hat mich das Schwert der Kinder beraubt und drinnen der Tod.

Klagelieder 3:3 Nur gegen mich wendet er immer wieder seine Hand, jeden Tag.

Klagelieder 4:6 Und die Schuld der Tochter meines Volkes war größer als die Sünde Sodoms, das plötzlich zerstört wurde, ohne dass Hände sich rührten.

Klagelieder 5:2 Unser Erbteil ist Fremden zugefallen, unsere Häuser Ausländern.

Klagelieder 5:15 Die Freude unseres Herzens hat aufgehört, in Trauer ist unser Reigen verwandelt.

Hesekiel 4:8 Und siehe, ich lege dir Stricke an, dass du dich nicht von einer Seite auf die andere umdrehen kannst, bis du die Tage deiner Belagerung vollendet hast.

Hesekiel 16:34 (2x) So geschah bei dir das Gegenteil von dem, was sonst üblich ist unter den Frauen, dass du nämlich Hurerei triebst, während man dir nicht nachhurte, dass du Lohn gabst, während dir kein Lohn gegeben wurde. So wurdest du das Gegenteil.

Daniel 10:8 Und ich blieb allein übrig und sah diese große Erscheinung. Und es blieb keine Kraft in mir, und meine Gesichtsfarbe veränderte sich an mir bis zur Entstellung, und ich behielt keine Kraft.

Daniel 10:16 Und siehe, einer, den Menschenkindern gleich, berührte meine Lippen. Und ich öffnete meinen Mund und redete und sprach zu dem, der vor mir stand: Mein Herr, bei der Erscheinung überfielen mich meine Wehen, und ich habe keine Kraft behalten.

Hosea 7:8 Ephraim vermischt sich mit den Völkern. Ephraim ist ein Brotfladen geworden, der nicht gewendet ist.

Hosea 11:8 Wie sollte ich dich preisgeben, Ephraim, wie sollte ich dich ausliefern, Israel? Wie könnte ich dich preisgeben wie Adma, dich Zebojim gleichmachen? Mein Herz kehrt sich in mir um, ganz und gar erregt ist all mein Mitleid.

Joel 3:4 Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare.

Amos 4:11 Ich habe eine Umkehrung unter euch angerichtet wie die Umkehrung Gottes von Sodom und Gomorra. Und ihr wart wie ein Holzscheit, das aus dem Brand gerettet ist. Und doch seid ihr nicht zu mir umgekehrt, spricht der HERR. -

Amos 5:7 Weh denen, die Recht in Wermut verwandeln und Gerechtigkeit zu Boden werfen! -

Amos 5:8 Der das Siebengestirn und den Orion gemacht hat, in Morgenlicht die Finsternis verwandelt und den Tag zur Nacht verfinstert … Jahwe ist sein Name! -

Amos 6:12 Rennen Pferde denn auf Felsen, oder pflügt man darauf mit Rindern? Ihr aber verwandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut.

Amos 8:10 Und ich verwandle eure Feste in Trauer und alle eure Gesänge in Totenklage und bringe auf alle Hüften Sacktuch und auf jeden Kopf eine Glatze. Und ich mache es wie bei der Trauer um den einzigen Sohn und das Ende davon wie einen bittern Tag.

Jonah 3:4 Und Jona begann, in die Stadt hineinzugehen, eine Tagereise weit. Und er rief und sprach: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört (wörtlich: umgewendet, umgekehrt)!

Zephanja 3:9 Dann aber werde ich den Völkern andere, reine Lippen geben, damit sie alle den Namen des HERRN anrufen und ihm einmütig dienen.

Haggai 2:22 Und ich werde den Thron der Königreiche umstürzen und die Macht der Königreiche der Nationen vernichten; und ich werde die Streitwagen und ihre Fahrer umstürzen, und die Pferde und ihre Reiter sollen zu Boden sinken. Jeder fällt durch das Schwert des anderen.

Die historisch-kritische Theologie im AT

(Pentateuch- und Literarkritik, 'Quellenscheidung')

Ausblick / Zusammenfassung:

Die historisch-kritische Theologie stellte im 19. Jahrhundert die Theorie auf, der Text der Genesis sei durch mündliche Überlieferung von verschiedenen Quellen und Überarbeitung verschiedener Redakteure viel später entstanden, als im Bibeltext selber angegeben und stamme jedenfalls nicht von Mose.

Dabei stützte man sich vor allem auf den verschiedenen Gebrauch der Gottesnamen, angebliche innere Widersprüche und Wiederholungen im Text (Doubletten), und war stark beeinflusst von der damals gerade gängigen 'Mythentheorie', in der die Geschichtlichkeit nicht nur vieler biblischer Berichte grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Ein wesentlicher Pfeiler dieser Theorien war auch die Annahme, die Schreibkunst sei zur Zeit Moses noch gar nicht entwickelt gewesen.

Doch die Ausgrabungen, die ungefähr 75 Jahre später umfangreiche Entdeckungen im Land der Genesis ans Licht brachten, haben diesen Spekulationen vollständig den Boden entzogen: Nicht nur wurden viele angeblich 'mythische' Gestalten, Städte und Völker als geschichtlich erwiesen, sondern es wurde auch offenbar, dass die Schreibkunst viel früher bekannt war, als ursprünglich vermutet: Sie war bereits zu Abrahams Zeiten weit verbreitet. Die zahlreichen Schriftenfunde geben Aufschluss über die damaligen Schreibgewohnheiten. Sie bestätigen nicht nur das hohe Alter der Genesistexte, sondern ermöglichen aufgrund bestimmter Angaben im Genesis-Text, die Quellen aufzuspüren, die Mose für seinen Bericht verwendet hat.

Es kann somit als bewiesen angesehen werden, dass die historisch-kritische Theologie zwar teilweise richtige Beobachtungen am Text machte, jedoch aufgrund weltanschaulicher Voreingenommenheit und sachlicher Unkenntnis falsche Schlussfolgerungen daraus gezogen hat. Die darauf aufgebauten Theorien über die Herkunft und Zuverlässigkeit des Bibeltextes sind deswegen nicht länger haltbar. Dieser geht tatsächlich auf uralte Quellen zurück, die aber mit akribischer Genauigkeit überliefert wurden und deren Herkunft aufgrund deutlicher Hinweise im Text nachvollzogen werden kann:

Wie wir gesehen haben, ist die Genesis aus einer Täfelchenserie zusammengesetzt ... Bei näherem Zusehen ist zu erkennen, dass die Täfelchen, aus denen die Genesis besteht, an manchen Stellen mit den Einteilungen der Quellenscheidung übereinstimmen. Das ist nicht verwunderlich:
Durch die Arbeit an der Genesis sind auch von der kritischen Forschung Beobachtungen gemacht worden, z.B. über Stil, Wortgebrauch, Textzusammenhang usw., die häufig richtig sind. Aber ihre Deutung der Beobachtung ist falsch, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgeht.
(wedg 123-124)

Die meisten der nun folgenden Texte sind ein Zitat aus:

P.J.Wiseman C.B.E. DIE ENTSTEHUNG DER GENESIS (Abkürzung: wedg)

'Das erste Buch der Bibel im Licht der archäologischen Forschung'

R.Brockhaus Verlag Wuppertal, 1989. ISBN 3-417-00323-7.

Dieses Buch ist zur Zeit vergriffen. Zitate mit freundlicher Genehmigung von www.brockhaus-verlag.de

Weitere Passagen sind bis auf weiteres unter www.urzeitundendzeit.de abzurufen.

Die Bibelkritik an den Mosebüchern

(aus: P.J.Wiseman 'Die Entstehung der Genesis')

'Mit 'Pentateuchkritik' bezeichnet man den Zweig der theologischen Forschung, der sich vor allem um den Aufbau, die Autorschaft und um die Datierung der ersten fünf Bücher Moses bemüht. Unter dem übergeordneten Begriff 'Literarkritik' versteht man dieselbe Bemühung um alle Bücher der Bibel ... Heute bezeichnen die genannten Ausdrücke eine theologische Schulrichtung, nach deren Ansicht die Entstehung der biblischen Bücher völlig anders zu sehen ist, als die Bibel es angibt. Von der 'Literarkritik' bzw. der 'Pentateuchkritik' ist die 'Textkritik' klar zu unterscheiden, die sich mit Fragen des Textes, der Überlieferung und Übersetzung beschäftigt.' (wedg Seite 95)

Verschiedene Gottesnamen in der Genesis

'Das Hauptargument für die Thesen der Quellenscheidung stützt sich nach Ansicht ihrer Vertreter auf den verschiedenen Gebrauch der Titel und Namen Gottes in der Genesis. Man setzt voraus, dass jeder Schreiber nur einen Namen oder Titel für Gott verwendet hat. Jeder Abschnitt oder Vers, in dem die jeweilige Gottesbezeichnung erscheint, kann auf Grund dieser Voraussetzung nur von dem Schreiber stammen, der diesen Namen allein oder vorwiegend gebraucht. Mit dieser Beobachtung begann überhaupt erst die Arbeit der Quellenscheidung.

Mit der Zeit wurde das Ganze aber ein immer komplizierteres Zusammenspiel. Soweit es in der hier gebotenen Kürze geht, wollen wir einmal dem Gedankengang dieser Hypothese folgen.
Wie schon angedeutet, hat der französische Arzt Jean Astruc zum ersten Mal den Gedanken ausgesprochen, dass in der Genesis verschiedene Quellen verarbeitet seien, und dass man sie an dem verschiedenen Gebrauch der Gottesnamen unterscheiden könne.

In den ersten fünfunddreißig Versen der Genesis (Genesis 1:1 bis 2:4a) fand er für Gott nur den Ausdruck Elohim (Gott). In den Kapiteln 2:4b bis 3:24 heißt Gott nur Jahwe Elohim (Herr Gott), abgesehen von den Stellen, wo Satan das Wort 'Gott' verwendet. Diese Texte, meinte er, müssten von zwei verschiedenen Schreibern stammen, da man nicht annehmen könne, dass Mose einmal diesen, und in einem anderen Abschnitt unvermittelt den anderen Namen für Gott verwendet habe.

Astruc teilte dann das Buch in kleinere Abschnitte auf, die sich durch ihre verschiedene Gottesbezeichnung voneinander unterschieden. Auf diese Weise kam der uns unbekannte Schreiber der elohistischen Texte zu seinem Namen 'Elohist', und der Schreiber der Jahwe-Abschnitte wurde entsprechend 'Jahwist' genannt.' (wedg Seite 114)

Die 'Quellenscheidung'

'Nach einem Jahrhundert emsiger Bemühungen hatte man folgendes ... herausgearbeitet, mit dem man den Gebrauch der Gottesnamen in der Genesis zu erklären versuchte: Die beiden Quellen J und E stammen von zwei verschiedenen Erzählern (oder auch Schulen) aus der Zeit irgendwann nach Saul. Ein Redaktor RJE verarbeitete beide Erzählungen so ineinander, wie es seinem Plan am besten entsprach, indem er beiden Berichten die gewünschten Stellen entnahm, manchmal kleine Veränderungen anbrachte oder Wörter und Sätze hinzufügte. Er verstand sein Handwerk so gut, dass es heute schwierig ist - wie die Kritiker sagen -, die ursprünglichen Texte voneinander zu unterscheiden. Spätere Redaktoren haben dann sein Werk nochmals überarbeitet. Rund tausend Jahre nach Mose ist eine weitere Quellenschrift entstanden, P (Priesterschrift) genannt. Ein Redaktor, EP, fügte diese Schrift zu JE und machte hier und da noch einige erläuternde Zusätze.' (wedg Seite 114)

Die Schwächen der Pentateuch- und Literarkritik

(aus: P.J.Wiseman 'Die Entstehung der Genesis)

Unkenntnis und blühende Phantasien

'Eines ist gewiss: die kritischen Theorien über die Entstehung der Genesis wären nie entwickelt worden, wenn man zur Zeit ihrer Entstehung die archäologischen Kenntnisse gehabt hätte, die wir heute haben. Ihre hauptsächlichen Fehlerquellen liegen ja gerade darin, dass man im letzten Jahrhundert über die in der Genesis beschriebene Zeit völlig falsche Vorstellungen hatte. Zusammenfassend sind für diese Fehlentwicklungen folgende Ursachen anzugeben:

Als die genannten Theorien entstanden, wusste man noch nichts über den Stand der Zivilisation in der Frühzeit. Man trieb die literarkritische Analyse ganz unkritisch von modernen Gesichtspunkten aus, ohne Rücksicht zu nehmen auf die (zu dieser Zeit allerdings noch unbekannten) alten Schreibgewohnheiten. Mit der größten Selbstverständlichkeit nahm man ganz allgemein an, dass die Patriarchen noch nicht schreiben konnten. ...

Selbstverständlich konnte damals niemand ahnen, dass die Ausgrabungen im Euphrattal unsere Auffassungen über jene Zeit so vollständig verändern würden. Sie begannen ja auch erste gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts; und da noch sehr zögernd.' (wedg Seite 102)

Schreibkunst viel früher als vermutet

'Neben den philosophisch belasteten Grundanschauungen der Forscher war vor allem sachliche Unkenntnis eine der Ursachen für die falschen Voraussetzungen dieser Arbeit. Nur so war es möglich anzunehmen, die Zivilisation sei am Anfang der Geschichte unentwickelt und das Schreiben zur Zeit der Patriarchen noch unbekannt gewesen. Wie wenig man darüber wusste, geht schon daraus hervor, dass man die ersten nach Europa gebrachten Keilschriftzeichen für eine Art Dekoration der orientalischen Keramik hielt. Wie seltsam kommt es einem heute vor, wenn man ein Vorwort zu den Kommentaren über die Genesis aus dem 19.Jahrhundert in die Hand bekommt und liest, wie man sich dort genötigt findet, die angefochtene Behauptung zu verteidigen, dass Mose wohl doch hätte schreiben können!

Dabei haben wir Täfelchen ausgegraben, die 1000 Jahre vor Mose entstanden sind. Ich selbst habe einige davon in meiner Sammlung. Und die großen Museen haben Tausende von Täfelchen, die schon alt waren, als Mose lebte. 1000 Jahre vor dem großen Gesetzgeber der Israeliten hat man schon so gewöhnliche Dinge schriftlich festgehalten wie Geschichtsdarstellungen, Kaufverträge, Privatbriefe usw. Zu Moses Zeiten hatte man offensichtlich bereits einen kulturellen Höhepunkt hinter sich und war nicht erst dabei, sich langsam dahin zu entwickeln.' (wedg Seite 104, 105)

'Keine Entdeckung hat mehr Überraschung ausgelöst als die, dass die Zivilisation in der Welt ganz plötzlich entstanden ist. Das war genau das Gegenteil dessen, was man ursprünglich angenommen hatte. Der allgemeinen Ansicht nach erwartete man, dass bei zunehmendem Alter der freigelegten Orte immer primitivere Kulturformen erscheinen würden. Aber dies trifft weder auf Babylonien noch auf Ägypten zu, wo doch die ältesten Kulturen der Welt festgestellt wurden. Dr.Hall schreibt diesbezüglich in seiner 'Ancient History of the Near East': 'Sooft wir auf alte Zivilisationen gestoßen sind, zeigten sich diese schon als voll entwickelt.', und an anderer Stelle: 'Soweit zurück man die sumerische Kultur verfolgen kann, erscheint sie auf voller Höhe.'

Die uns bekannten Angaben über den Geburtsort der Menschheit - die Genesis, die Archäologie und die geschichtlichen Überlieferungen - weisen alle auf die Ebene in Mesopotamien hin. Keine Kultur der Welt, auch nicht die der Chinesen und Inder, kann sich in ihrem Alter mit der Kultur der Bewohner Babyloniens messen.' (wedg Seite 31)

'Schon um 2750 vor Christus waren für Vertragstexte und private Zwecke tönerne 'Briefumschläge' in Gebrauch. Es war auch üblich, den Inhalt eines solchen Täfelchens auf dem Umschlag in einer Art Überschrift zu verzeichnen, um ihn dann mit einem privaten Siegel zu verschließen. Der Eigentümer konnte nun sicher sein, dass der Inhalt keine Veränderung erfahren hatte, wenn das Siegel unbeschädigt war. Bei Unstimmigkeiten konnte der Umschlag aufgebrochen und der Originaltext zu Rate gezogen werden. Die gewöhnliche Keilschrift war wohl schon in sehr früher Zeit allgemein bekannt. Man hat Tausende von Täfelchen gefunden, die vor der Zeit der Patriarchen entstanden sind.' (wedg Seite 40)

'Es steht nun außer Frage, dass die Genesis ursprünglich ebenfalls auf solche Täfelchen geschrieben war ... Aus der Bedeutung des hebräischen Wortes für schreiben = 'eingraben', 'einschneiden', lässt sich die alte Schreibmethode sogar noch erkennen.' (wedg Seite 47)

Die 'Mythentheorie' - ein Mythos

'Fünfzig Jahre vor Beginn der archäologischen Forschungen war man allgemein sehr stark von der sogenannten 'Mythentheorie' eingenommen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, also sehr bald nach der Formulierung der ersten kritischen Hypothesen, war es in ganz Europa Mode, alle auf uns gekommenen Darstellungen aus der Frühzeit der Geschichte als 'Mythen' zu erklären. 1795 veröffentlichte Wolf seine berühmt gewordenen 'Prologomena', in denen er zu zeigen versuchte, dass alle Personen und Orte, die bei Homer auftreten, mythologischen Ursprungs seien. Er bezeifelte sogar, dass Homer je gelebt habe.

Diese merkwürdige Ansicht breitete sich wie eine Epidemie aus. Überall suchte man dann nach weiteren historischen Dokumenten, um sie mythologisch zu deuten. Dass diese Interpretationsmethode sofort von den Vertretern der kritischen Schule aufgegriffen wurde, versteht sich von selbst. Jetzt hatte man, was man wollte: Die geschichtlichen Darstellungen der Genesis waren in Wirklichkeit nur verkleidete Aussagen der Mythologie.

Über ein dreiviertel Jahrhundert war das die herrschende Schulmeinung, als ein unerwarteter Gegenschlag alles umwarf: 1874 hatte Schliemann seine Ausgrabungen begonnen und entdeckte am 16. November 1876 das Grab des Agamemnon.

Zuerst versuchte man, seine Ausgrabungen lächerlich zu machen. Agamemnon, der König von Mykene, war doch - nach Ansicht aller führenden Wissenschaftler - die mythische Schöpfung eines unbekannten griechischen Schriftstellers. Allmählich sah man sich aber doch genötigt einzulenken. Die archäologischen Gegenbeweise redeten eine zu deutliche Sprache. Inzwischen hat man mehrere hundert Mumien von Personen entdeckt, die man früher als 'mythische Gestalten' angesehen hatte, und viele Paläste ausgegraben, in denen sie gelebt haben.' (wedg Seite 105, 106)

Die 'moderne Kritik' befindet sich in kritischem Zustand

'Darum ist es unwissenschaftlich und ungerechtfertigt, von den 'gesicherten Ergebnissen der modernen Kritik' zu reden. Die Ergebnisse sind weder gesichert noch modern. Sie stehen sogar auf recht unsicheren Füßen; und modern sind sie schon gar nicht, weil sie aus einem Jahrhundert stammen, in dem man sich noch völlig falsche Vorstellungen machte über die Zeit der Genesis. Sie sind einfach überholt.

Die Archäologie hat uns den kulturellen und literarischen Hintergrund des patriarchalischen Zeitalters so deutlich gemacht, dass wir einen verhältnismäßig guten Überblick über die Ausbreitung der damaligen Zivilisation und der Schreibkenntnisse jener Zeit haben.

Damit stehen wir vor einer ganz erstaunlichen Tatsache, die kein noch so konservativer Forscher je zu hoffen gewagt hätte: Die archäologischen Forschungen haben die kritischen Hypothesen über die Genesis und deren Voraussetzungen völlig widerlegt, die Angaben der Bibel dagegen vollauf bestätigt.' (wedg Seite 106)

Wurzeln und Früchte der Literarkritik

(aus: P.J.Wiseman 'Die Entstehung der Genesis')

Die Wurzeln: Deismus und Pantheismus

'Manchmal wird die Ansicht vertreten, die kritische Forschung an der Bibel geschehe mit der Absicht, den Glauben an Gott und an seine Offenbarungen in der Schrift von falschen Stützen zu befreien und zu stärken. Ohne ungerecht sein zu wollen glauben wir, eine solch positive Bewertung der Kritik ohne weiteres in Frage stellen zu dürfen. Um hierüber eines Besseren belehrt zu werden, sehe man sich nur einmal ihre Geschichte an. Die Anfänge geben ein besonders klares Bild. Da aber am Anfang durch die Pioniere dieses Forschungszweiges die Prinzipien und Arbeitsmethoden festgelegt wurden, die noch heute für die kritische Theologie gültig sind, wird gerade hier deutlich werden, 'wes Geistes Kind' die ganze Arbeit ist.

Es ist gewiss nicht Zufall, dass unter den ersten Vertretern der kritischen Forschung der englische Deist Hobbes und der holländische Jude Spinoza zu nennen sind. Spinoza ist der Begründer des philosophischen Pantheismus, einer philosophischen Richtung, die die Existenz eines persönlichen Gottes radikal verneint (!). Diese Männer führten einen offenen Kampf, nicht nur gegen die Bibel als Offenbarung Gottes - keiner von ihnen glaubte, dass sie wirklich göttliche Offenbarung sei -, sondern auch gegen die christliche Botschaft als solche. Von ihnen übernahm Eichhorn den Begriff 'Literarkritik'.' (wedg Seite 125)

'De Wette scheute sich darum auch nicht, noch weiter zu gehen und den historischen Boden des Buches zu verlassen. Noch seiner Meinung ist die Genesis mehrere Jahrhunderte nach Mose geschrieben worden; auch enthalte sie keine Tatsachen, sondern nur Legenden. Relativ unbedeutende geschichtliche Ereignisse seien im Lauf der Jahrhunderte durch die mündliche Tradition glorifiziert und mit einem Legendenkranz umwoben worden. Als die Bibelkritik dieses Stadium der Entwicklung erreicht hatte, trat ihr ein Hindernis in den Weg: die Autorität Jesu Christi und seine Stellung zum Alten Testament und besonders zur Genesis.

Hier mache Semler, ein weiterer Pionier der kritischen Forschung, den Weg frei und verkündete seine 'Akkomodationstheorie'. Diese Theorie leugnet die Berechtigung, dass Jesus Christus hier als Zeuge angeführt werden könne. Nach ihr hat Jesus zwar von Mose als dem Verfasser einiger Bücher des Alten Testamentes gesprochen, er schloss sich dabei aber nur der Meinung des Volkes an, um nicht anzustoßen (er wusste es also besser, sagte es aber nicht!). Es ist für solche Theorien kennzeichnend, dass sie den Wahrheitsbegriff aufweichen. Wie unmöglich sie sind, kann jeder sehen. Wer wollte wirklich zu behaupten wagen, Jesus hätte sich der Unkenntnis seiner Zeit angeglichen, um nicht anzustoßen, wo gerade er doch sein Leben eingesetzt hat, die falschen Ansichten seiner Zeitgenossen zu korrigieren.' (wedg Seite 126)

Die Früchte: Zweifel und Unglaube

'Der letzte und größte Pionier der kritischen Forschung, der noch eigene und neue Gedanken hervorgebracht hat, war Julius Wellhausen. Grundsätzlich Neues ist nach ihm nicht mehr gesagt worden; die alten Gedanken sind nur hier und da modifiziert und durch neue Fragestellungen bereichert worden. Wellhausen wurde ein reiner Rationalist. In demselben Maße, wie seine Forderungen ihm Blatt um Blatt der Bibel aus der Hand nahmen, schwand auch sein Glaube, bis von beiden nichts mehr übrig war. Er gab sogar öffentlich zu, dass er seinen Glauben 'zerstört' habe.' (wedg Seite 128)

'Nach ihm kam Kuenen. In seinem Buch Religion of Israel beschreibt er die Religion Israels im Vergleich mit den anderen Religionen und sagt (S.37): <Für uns ist die Religion Israels eine der Religionen, nicht mehr und nicht weniger.> Alle diese Männer gingen vom Glauben zum Zweifel und vom Zweifel zum radikalen Unglauben. Die Sache, die sie trieben, hatte ihr eigenes Gefälle und trieb sie zu den praktischen Folgerungen, wie sie Friedrich Delitzsch in seiner Schrift: 'Die große Enttäuschung' beschrieb.' (wedg Seite 128)

Einseitige Forschung

'Man muss leider noch immer feststellen, dass die grundsätzliche Neigung der kritischen Forschung nach wie vor einseitig ist. Man hat den Eindruck, dass die Bibel nur zu dem Zweck untersucht wird, Material zu sammeln, das gegen ihre Echtheit und Glaubwürdigkeit spricht ... Sogar die gemäßigten Forscher wie Driver u. a. zitieren nur solche Stellen, aus denen man, im Gegensatz zu den biblischen Angaben, spätere Abfassungszeiten usw. herauslesen könnte. Stellen, die in eine andere Richtung weisen, werden einfach übergangen.

Sayce sagt in seinem Buch Higher Criticism and the Monuments auf Seite 21, dass man den Eindruck habe, 'die Bibel sei regelrecht gefoltert worden, um Aussagen gegen sich selbst aus ihr herauszupressen. Nicht eine Stelle ist übersehen worden, die sich gegen sie auslegen ließe, und nicht eine Deutung, die der Diskriminierung der Bibel weiter Vorschub leisten könnte'.

Diese einseitige, negative Grundtendenz in der kritischen Forschung, die keiner leugnen kann, der ihre Geschichte kennt, beweist eine philosophische Voreingenommenheit, die sie zur Beurteilung so wichtiger Fragen wie die der Entstehung biblischer Bücher untauglich macht.' (wedg Seite 128,129)

Der Gottesname 'JHWH'

Ein angeblicher Beweis für die Bibelkritik

'In dieser Verbindung müssen wir noch auf eine wichtige Stelle besonders eingehen. Schon Astruc hat auf sie hingewiesen und sie zur Unterstützung seiner Theorie herangezogen. Seine Nachfolger machten es ihm natürlich nach und sahen in ihr einen starken Pfeiler für das Gebäude ihrer Hypothesen. Es handelt sich um die Stelle in Exodus 6:3, wo es heißt:

'Da redete Gott mit Mose und sagte zu ihm: 'Ich bin der Herr (Jahwe). Ich bin dem Abraham, Isaak und Jakob als der 'allmächtige Gott' (El Schaddai') erschienen, aber mit meinem Namen Herr (Jahwe) habe ich mich ihnen nicht geoffenbart.'

Nach Ansicht der Vertreter der Literarkritik ist mit diesem Satz alles gesagt. 'Nicht eine einzige Stelle (der Genesis) kann aus der Hand des Schreibers von Exodus 6:3 stammen; es sei denn, er widerspräche sich selbst', schreibt Carpenter (Oxford Hexateuch Band 1, Seite 34).' (wedg 115,116)

Vorurteile und mangelnde Sorgfalt

Doch diese Schlussfolgerung ist schlichtweg falsch, weil sie weder dem Text, noch dem Textzusammenhang gerecht wird. Es ist haarsträubend, auf welchen Auslegungsmorast man hier ein ganzes Lehrgebäude gestellt hat. Nur eine Mischung von Voreingenommenheit und mangelnder Sorgfalt bei der Forschung am Bibeltext konnte das ermöglichen. Denn der Schlüssel zur Lösung des scheinbaren Problems liegt im Text selber, zum Greifen nahe, und wird in vielen anderen Bibelstellen bestätigt:

Ich bin Abraham, Isaak und Jakob erschienen als Gott, der Allmächtige (hebräisch El Schaddaj). Aber mit meinem Namen Jahwe habe ich mich ihnen nicht zu erkennen gegeben (hebräisch jada^ in der Niphal-Form). (Exodus 6:2-4)

Die Verwendung von hebräisch jada^ = erkennen in der Niphal-Form zusammen mit schem = Name macht offensichtlich, dass es hier nicht um die Verwendung oder Aussprache eines Namens geht, sondern um etwas ganz anderes. Es zeugt von einer mangelnden Vertrautheit mit den hebräischen Sprachgewohnheiten und einer Unkenntnis zentraler Aussagen des Alten Testamentes, wenn man diese Worte im Sinne von Astruc dahingehend deutet, Mose habe bis dahin den Namen Jahwe noch nie gehört. Astruc hat gleich drei Tatsachen übersehen:

1. Wissen und Erkennen sind zweierlei

Es gibt tatsächlich einen Fall in der Bibel, wo jemand den Namen einer Person nicht weiß und sie darum bittet, ihn doch mitzuteilen:

Und Jakob fragte (die Gestalt, die mit ihm gekämpft hatte) und sagte: Teile mir doch deinen Namen mit! (hebräisch nagad im Hiphil) Er aber sagte: Warum fragst du denn nach meinem Namen? (Genesis 32:30)

Jakob verwendet an dieser Stelle ein Wort mit einer ganz anderen Bedeutung, nämlich das hebräische nagad = mitteilen, welches das Bekanntmachen eines bis dahin unbekannten Sachverhaltes meint, das sachliche In-Kenntnis-Setzen. Meist wird es mit mitteilen, kundtun, berichten, bezeugen übersetzt.nagad

In Exodus 6:3 steht jedoch jada^ = erkennen. Dieses ist in der Bibel sehr häufig und bezeichnet viel mehr als ein rationales Wissen, nämlich eine tiefe Gemeinschaft, in der man keine Geheimnisse mehr voreinander hat. Immer wieder wird es gebraucht, um das Intim-Werden, also die geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau, zu bezeichnen, so in Genesis 4:1:

Und Adam erkannte(jada^) seine Frau, Eva, und sie wurde schwanger ...

Es geht also nicht um die oberflächliche Kenntnis eines Namens, sondern um das 'unverhüllte' Erkennen und Verstehen des Wesens, das mit diesem Namen bezeichnet wird, eine unvergleichlich tiefere Erkenntnis.

2. Ungenauigkeit bei der Interpretation: jada^ im Niphal

Dazu kommt, dass das recht häufige jada^ = erkennen (958 Vorkommen im AT) in Exodus 6:3 im Niphal-Stamm steht, das im Alten Testament nur vierzehn Mal vorkommt.jada^ Dies ist eine Feinheit im Text, die aber im Hebräischen eindeutig ist und einen wesentlichen Bedeutungsunterschied bewirkt. Wie die meisten Übersetzungen auch richtig wiedergeben, sagt Gott nämlich keinesfalls: 'Ich habe ihnen meinen Namen nicht zu erkennen gegeben', sondern:

Ich habe MICH ihnen nicht zu erkennen gegeben mit meinem Namen Jahwe.

Genau diese Aussage finden wir zum Beispiel in Psalm 9:17, der wie ein klärender Kommentar wirkt. Auch hier steht jada^ = erkennen im Niphal:

Der HERR hat sich zu erkennen gegeben (jada^ im Niphal), er hat Gericht ausgeübt: der Gottlose hat sich verstrickt im Werk seiner Hände ... Denn nicht für immer wird der Arme vergessen, noch geht der Elenden Hoffnung für ewig verloren. (Psalm 9:17-19)

Auch hier geht es absolut nicht darum, Menschen über eine Buchstabenfolge in Kenntnis zu setzen, sondern dass Gott sich als 'Richter' offenbart, als derjenige, der das Recht wieder herstellt. Typisch dafür, wenn Jahwe 'SICH' zu erkennen gibt, ist nämlich, dass den Armen geholfen wird, während die Gewalttätigen gemäß ihren eigenen Werken gerichtet werden. Dabei wird die Macht des HERRN offenbar, die Menschen müssen ihre Ohnmacht einsehen:

Steh auf, HERR, dass nicht der Mensch Gewalt habe! Mögen gerichtet werden die Nationen vor deinem Angesicht! Lege Furcht auf sie, HERR! Mögen die Nationen erkennen, dass sie Menschen sind! (Psalm 9:20-21)

3. Wie Jahwe seinen Namen im AT kundtut

Es ist fast schon peinlich, wie oberflächlich die Kritik mit dem Text von Exodus 6:3 umgegangen ist. Es zeugt von einer starken Voreingenommenheit, dass man den Text geradezu mit Begeisterung im Sinne eines Widerspruchs gedeutet hat, anstatt sich einmal gründlich im Alten Testament umzusehen. Denn das Thema des 'Kundtuns des Namens Jahwes' ist dort so zentral und die Zahl der Bibelstellen, die dies dokumentieren, so groß, dass wir sie hier gar nicht alle behandeln können - wir beschränken uns auf die für uns jetzt wichtigsten Vorkommen. Hätten die Kritiker ein wenig mehr Sorgfalt angewandt, hätten sie sehr bald und zweifelsfrei festgestellt, dass Gott auch viel später noch seinem eigenen Volk (!), das ihn damals schon lange 'dem Namen nach' kannte, seinen Namen 'kundtun' musste (hebräisch schem und jada^):

Darum siehe, ich werde sie zur Erkenntnis (hebräisch jada^) bringen. Diesmal werde ich sie meine Hand und meine Macht erkennen lassen; und sie werden erkennen (hebräisch jada^), dass mein Name Jahwe ist. (Jeremia 16:21)

Und ihr werdet erkennen(hebräisch jada^), dass ich Jahwe bin, wenn ich mit euch handle um meines Namens willen und nicht nach euren bösen Wegen und nach euren verderbenbringenden Taten, Haus Israel, spricht der Herr, HERR. (Hesekiel 20:44)

Niemand käme an diesen Stellen auf die Idee, das Volk hätte noch nie von dem Namen Jahwe gehört! Nein, das Kundtun des Namens Jahwe besteht nicht in dessen Aussprache oder Betonung einer Buchstabenfolge, sondern im Handeln, im Erweisen der Macht Gottes an den betreffenden Menschen! Der Textzusammenhang macht immer wieder klar, dass dabei der Charakter Jahwes einerseits als Retter und andererseits als Richter im Vordergrund steht.

Der Textzusammenhang von Exodus 6

Die Situation in Exodus 6:3 entspricht haargenau dem, was wir bis jetzt über das 'Erkennen des Namens Jahwes' herausgefunden haben: Mose hatte ausdrücklich 'im Namen Jahwes' gefordert, der Pharao solle das unterdrückte Israel ziehen lassen. Das Resultat war jedoch nicht die erhoffte, sofortige Befreiung vom Frondienst, sondern, im Gegenteil, noch mehr Unterdrückung:

Da sahen sich die Aufseher der Söhne Israel in einer üblen Lage, weil man sagte: Ihr sollt nichts an euren Ziegeln kürzen: die Tagesleistung an ihrem Tag! Als sie nun vom Pharao herauskamen, trafen sie Mose und Aaron; die traten ihnen entgegen. Und sie sagten zu ihnen: Der HERR sehe auf euch und halte Gericht darüber, dass ihr unseren Geruch beim Pharao und bei seinen Hofbeamten stinkend gemacht habt, indem ihr ihnen das Schwert in die Hand gegeben habt, uns umzubringen. (Exodus 5:19-21)

Kein Wunder, dass Mose von diesem Verlauf total enttäuscht war und Gott fragte: Wo ist die Offenbarung deines Charakters als Jahwe, als Retter?

Da wandte sich Mose an den HERRN und sagte: Herr, warum hast du so übel an diesem Volk gehandelt? Wozu hast du mich denn gesandt? Seitdem ich nämlich zum Pharao hineingegangen bin, um in deinem Namen zu reden, hat er an diesem Volk übel gehandelt, aber errettet hast du dein Volk keineswegs. (Exodus 5:22-23)

Das ist der Wendepunkt in diesem Drama. Jetzt kündigt Gott an, dass sich ab sofort etwas grundsätzlich ändern werde: Mit 'starker Hand' will Gott seine rettende Macht erweisen, das Ergebnis wird sein, dass Pharao Israel nicht nur gehen lässt, sondern regelrecht hinauskatapultieren wird:

Der HERR jedoch sprach zu Mose: Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao antun werde. Denn durch eine starke Hand gezwungen, wird er sie ziehen lassen, ja, durch eine starke Hand gezwungen, wird er sie aus seinem Land hinausjagen. (Exodus 6:1)

Nach dieser Ankündigung bezieht Gott sich erklärend zurück auf die Geschichte: Abraham, Isaak und Jakob hat er das Land zwar in einem Bund versprochen. Sie kannten Jahwe auch dem Namen nach. Aber welches tiefere Wesen, welche Retter- und Richterkraft sich dahinter verbirgt, hatten sie nie erlebt. Sie hatten das versprochene Land nie besessen, sondern zogen als Fremdlinge darin umher, immer in Gefahr durch die dort herrschenden Mächte:

Und Gott redete zu Mose: Ich bin Jahwe. Ich bin Abraham, Isaak und Jakob erschienen als Gott, der Allmächtige (El Schaddaj). Aber mit meinem Namen Jahwe habe ich mich ihnen nicht zu erkennen gegeben (jada^ im Niphal). Auch habe ich meinen Bund mit ihnen aufgerichtet, ihnen das Land Kanaan zu geben, das Land ihrer Fremdlingschaft, in dem sie sich als Fremdlinge aufgehalten haben. (Exodus 6:2-4)

Mit anderen Worten: Gott ist nicht aktiv geworden als Jahwe. Genau diese Zurückhaltung erzeugte zuletzt bei Mose eine tiefe Verunsicherung, weil sein Wissen über Gott und dessen Verheißungen sich nicht mit der Realität zu decken schienen. Doch Gott betont, dass er nicht nur ein toter Name ist, sondern ein hörender Gott. Er hat den rechtlosen Zustand der Nachfahren Abrahams, besonders die Unterdrückung der Israeliten durch Ägypten, sehr wohl wahrgenommen und das Stöhnen der Israeliten gehört:

Und auch ich, ja, ich selbst habe das Ächzen der Söhne Israel gehört, die die Ägypter zur Arbeit zwingen, und ich habe an meinen Bund gedacht. (Exodus 6:5)

Dies ist die klassische Situation, die Jahwe in seiner Eigenschaft als Retter und Richter auf den Plan ruft:

Darum sage zu den Söhnen Israel: Ich bin der HERR; ich werde euch herausführen unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg, euch aus ihrer Arbeit erretten und euch erlösen mit ausgestrecktem Arm und durch große Gerichte. Und ich will euch mir zum Volk annehmen und will euer Gott sein. Und ihr sollt erkennen(hebräisch jada^), dass ich Jahwe, euer Gott, bin, der euch herausführt unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg. (Exodus 6:6-7)

Die Israeliten sollten den Gott, den sie bis jetzt nur dem Namen nach kannten, erleben. Wieder weisen zentrale Worte auf das Wesen Jahwes hin: 'erretten mit ausgestrecktem Arm' und 'große Gerichte'. Immer wieder scheint dieses Thema im Buch Exodus durch:

Dann werde ich meine Hand an Ägypten legen und meine Heerscharen, mein Volk, die Söhne Israel, durch große Gerichte aus dem Land Ägypten herausführen. Und die Ägypter sollen erkennen (hebräisch jada^), dass ich Jahwe bin, wenn ich meine Hand über Ägypten ausstrecke und die Söhne Israel aus ihrer Mitte herausführe. (Exodus 7:4,5)

Dabei wird auch der Bogen von dem Versprechen an Abraham, Isaak und Jakob zu dessen Erfüllung gespannt: Abraham hatte Gott nur als 'El Schaddaj', den Allmächtigen und Versorger, erlebt. Aber er besaß keinen Fußbreit Boden des versprochenen Landes (Apostelgeschichte 7:5). Das sollte sich nun ändern - im Namen Jahwes:

Dann werde ich euch in das Land bringen, um dessentwillen ich meine Hand zum Schwur erhoben habe, dass ich es Abraham, Isaak und Jakob geben will, und ich werde es euch zum Besitz geben, ich, Jahwe! (Exodus 6:8)

Es ist also offensichtlich und nicht zu leugnen: In Exodus 6:3 geht es nicht um die Kenntnis der Aussprache des Namens Jahwes, sondern darum, dass Gott sein innerstes Wesen als Retter und Richter für alle sichtbar offenbaren wollte, indem er die versklavten Israeliten nach langer Zeit geduldigen Wartens endlich und mit dem nötigen Nachdruck aus der Hand ihrer Unterdrücker befreite.

Eine klare Bestätigung!

Ein weiterer Beweis hierfür ist die folgende Bibelstelle, die genau dieselbe Formulierung wie in Exodus 6:3 gebraucht:

Aber ich handelte gnädig um meines Namens willen, damit er nicht entweiht würde vor den Augen der Nationen, in deren Mitte sie waren und vor deren Augen ich mich ihnen zu erkennen gegeben hatte (jada^ im Niphal), indem ich sie aus dem Land Ägypten herausführte. (Hesekiel 20:9)

Wieder wird der Zusammenhang zwischen dem Namen Jahwe und dessen besonderer 'Funktion' betont: Rettung aus Ägypten, dem System der Unterdrückung. Das Sich zu erkennen Geben bestand eindeutig nicht in der Aussprache dieses Namens, sondern in der Tat der Befreiung!

Als Letztes sei noch erwähnt, dass ein Zusammenhang zwischen der Heiligkeit Gottes und seinem Jahwe-Namen besteht. Die folgende Stelle, in der es auch um das Erkennen-Lassen (hebräisch jada^) des Namens Jahwehs geht, ist eine Parallele zur Begegnung zwischen Gott und Mose am Dornbusch, wo er über seinen Jahwe-Namen spricht:

Und ich werde meinen großen, unter den Nationen entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt. Und die Nationen werden erkennen (hebräisch jada^), dass ich Jahwe bin, spricht der Herr, HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise. (Hesekiel 36:23)

Der Name JHWH in dem Buch Exodus

Wir haben nun gesehen, was der unmittelbare Textzusammenhang von Exodus 6 aussagt und haben es mit dem verglichen, was im Rest des AT darüber gesagt wird. Es ist nun jedoch sicher kein Zufall, dass gerade im Buch Exodus ein weiteres Mal das Erkennen von Namen (hebräisch jada^ schem), speziell des Namens JHWH im Mittelpunkt steht:

Mose nun sagte zum HERRN: Siehe, du sagst zu mir: Führe dieses Volk hinauf! - aber du hast mich nicht erkennen lassen, wen du mit mir senden willst, wo du doch selbst gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, ja, du hast Gunst gefunden in meinen Augen ...
Er antwortete: Mein Angesicht wird mitgehen und dich zur Ruhe bringen ... Auch diesen Wunsch, den du jetzt ausgesprochen hast, werde ich erfüllen; denn du hast Gunst gefunden in meinen Augen, und ich kenne dich mit Namen.

Mose aber sagte: Laß mich doch deine Herrlichkeit sehen! Er antwortete: Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen Jahwe vor dir ausrufen: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme.(Exodus 33:12-19)

Dies ist die konsequente Fortsetzung von Exodus 6! Gott kannte Mose mit Namen. Damit ist nicht gemeint, dass er ihn beim Dornbusch gleich beim Namen rief - das war nur das Symbol dafür! - sondern dass er sein Wesen kannte und mit diesem Charakter einverstanden war. Mose war ein Mann Gottes! (Deuteronomium 33:1; Psalm 90:1) Darum wollte Gott sich ihm in noch größerem Maße zu erkennen geben. Es bereitete ihn nicht für das einfache Ausrufen eines Namens vor, sondern er wollte ihm sein Wesen offenbaren. Diese Bibelstellte erklärt einmal mehr, was es heißt, sich mit Namen zu kennen:

dem anderen unverhüllt, 'von Angesicht zu Angesicht' begegnen

ihn Gunst finden lassen, also wohlwollend sein

Und es wird schon einmal angedeutet, was mit dem Namen JHWH zu verbinden ist: Güte, Gnade, Erbarmen, Souveränität. Dies ist nicht nur ein kleines, persönliches Treffen zwischen zwei Personen, sondern bei dieser Gelegenheit gab Gott dem Mose zum zweiten Mal die zehn Gebote. Es handelt sich also um einen weiteren Meilenstein in der Geschichte Gottes mit Israel:

Darauf sprach der HERR zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln wie die ersten zurecht! Dann werde ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln standen, die du zerschmettert hast ...
Da stieg der HERR in der Wolke herab, und er trat dort neben ihn und rief den Namen des HERRN aus.
Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue, der Gnade bewahrt an Tausenden von Generationen, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft läßt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern, an der dritten und vierten Generation. ...
Er sprach: Siehe, ich schließe einen Bund: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie bisher nicht vollbracht worden sind auf der ganzen Erde und unter allen Nationen. Und das ganze Volk, in dessen Mitte du lebst, soll das Tun des HERRN sehen; denn furchterregend ist, was ich an dir tun werde.
(Exodus 34:1-10)

Mit dem Namen JHWH verbinden sich also Barmherzigkeit, Gnade, Geduld, Treue, Vergebungsbereitschaft, Objektivität, Unnachsichtigkeit gegenüber Verharren in der Sünde, ehrfurchtgebietende Wunder- und Gerichtstaten inmitten der Völker. Um die Offenbarung dieses Wesens geht es, wenn davon die Rede ist, Menschen den Namen JHWH zu erkennen zu geben. Dies geschieht nicht durch die Übermittlung einer Buchstabenfolge, sondern durch konkrete Taten und Erlebnisse mit Gott persönlich!

Gottesnamen und 'Quellenscheidung'

Ein ganz wesentliches Argument für die Zerstückelung verschiedener Bibeltexte war, dass darin für Gott gleichzeitig verschiedene Namen gebraucht wurden. Da man davon ausging, ein und derselbe Verfasser könne Gott jeweils nur mit einem Namen bezeichnen, schloss man, hier müssten verschiedene 'Quellen' und Gottesvorstellungen durch einen 'Redaktor' in eins verschmolzen sein worden. Doch es ist das ganze Alte und Neue Testament hindurch bis hin zu unserem modernen Sprachgebrauch üblich, dass ein und derselbe Verfasser je nach Textzusammenhang verschiedene Gottesnamen gebraucht:

Aus der Sicht der vergleichenden Religionsforschung erscheint es zweifelhaft, dass irgendein heidnisches Nachbarvolk Israels je einen obersten Gott mit nur einem Namen betitelte. In Babylonien erhielten die sumerischen Entsprechungen akkadische Alternativ-Namen: Bel war auch Enlil und Nunamnir ... Anum war Ilum, Sin war Nanna, Ea war Enki, Utu war Schamasch und Ischtar war Inanna oder Telitum ... In Griechenland war der König-Gott Zeus als Kronion und Olympios bekannt, Athene auch als Pallas, Apollo als Phoebus und Pythius-Titel, die in den Homerischen Epen parallel nebeneinander erscheinen, ohne irgendeiner Theorie diverser Quellen zu bedürfen.
Natürlich waren zur Zeit Astrucs und Eichhorns diese Tatsachen aus der Ägyptologie und der semitischen Forschung so gut wie unbekannt; ansonsten wäre eine Quellenscheidungstheorie, die sich auf die Gottesnamen stützte, nie entstanden.
(aeat 150)

Hebräisch Jahwe, Herr, ist im Gegensatz zu 'älohim nicht eine Sachbezeichnung, sondern ein Eigenname. Und im biblischen Zusammenhang bedeutet die Mitteilung eines Namens die Preisgabe und Offenbarung der eigenen Person.

Der Ausdruck 'dass ihr's erfahren sollt, dass ich Jahwe bin' kommt im Alten Testament mindestens sechsundzwanzigmal vor und verdeutlicht jedesmal den gleichen Gedanken. Der hebräische Brauch vermittelt daher unmißverständlich, dass Exodus 6:2-3:

Ich bin Jahwe. Und ich bin Abraham, Isaak und Jakob erschienen als El Schaddai; aber mit meinem Namen Jahwe habe ich mich ihnen nicht kundgetan ...
lehrt, Gott, der sich früheren Generationen als El Schaddaj (Gott der Allmächtige) durch mächtige Taten und Gnade offenbart hatte, wolle sich nun Moses Generation durch seine wundersame Errettung des gesamten Volkes Israel als bundestreuer Jahwe selbst offenbaren. Wie Orr gezeigt hat, verdeutlicht 'Name' (hebräisch: schem) den Offenbarungsaspekt des göttlichen Wesens ...
Sowohl aus Exodus 6:7: 'Ihr sollt erfahren, dass ich der HERR (Jahwe) bin, euer Gott, der euch wegführt von den Lasten, die euch die Ägypter auferlegen', und aus 14:4 'Die Ägypter sollen innewerden, dass ich Jahwe bin', geht offensichtlich hervor, dass sie Zeugen der Bundestreue Gottes in der Erlösung seines Volkes und der Vernichtung oder Bestrafung seiner Feinde sein würden. Somit würden sie ihn als Jahwe, den Gott des Bundes, erleben und erkennen.
(aeat 154-155)

Das Rätsel des Namens Gottes

Es wäre ein Versäumnis, sich mit dem Namen JHWH und seiner Bedeutung zu befassen, und dabei ein weitere Bibelstelle nicht zu betrachten, die eine für das Alte Testament außerordentliche Aussage macht. Eingeleitet wird sie durch die Worte eines Mannes, der von sich selber sagt:

Bemüht habe ich mich um Gott, bemüht habe ich mich um Gott und bin vergangen. Denn ich bin zu dumm für einen Mann, und Menschenverstand habe ich nicht. Und Weisheit habe ich nicht gelernt, dass ich Erkenntnis (hebr. jada^) des Heiligen kennen (hebr. jada^) könnte. (Sprüche 30:1-3)

Man könnte meinen, dieser Mann sei außerordentlich dumm gewesen. Doch das dürfte auszuschließen sein, weil seine Worte in die Sammlung der Weisheitssprüche Salomos aufgenommen wurden. Wahrscheinlich sind sie eher so zu verstehen, dass er sich zwar von Herzen bemüht hat, Gott zu erkennen, aber feststellen musste, dass dessen Wesen schier unergründlich ist. Wahre Erkenntnis führt zu Bescheidenheit, verbunden mit der Einsicht, wie wenig man noch erkannt hat (1.Korinther 8:2). Dieser Mann nun offenbart im nächsten Satz eine verblüffende Erkenntnis, die er in Form eines Rätsels weitergibt:

Wer ist hinaufgestiegen zum Himmel und herabgefahren? Wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt? Wer hat die Wasser in ein Tuch eingebunden? Wer hat aufgerichtet alle Enden der Erde? Was ist sein Name und was der Name seines Sohnes, wenn du es weißt (hebr. jada^)? (Sprüche 30:4)

Kein Zweifel, hier ist von Gott die Rede, denn nur er hat 'die Enden der Erde aufgerichtet'. Aber die Frage: 'Was ist sein Name?' zielt offensichtlich nicht darauf ab, den JHWH-Namen zu buchstabieren, sondern über sein tiefstes Wesen nachzudenken: Wie ist es möglich, dass JHWH vom Himmel herabsteigt und zu ihm auffährt? Das geschah ja schon im Alten Testament, zum Beispiel bei der Gesetzgebung am Berg Sinai. Es muss also ein Gott sein, der sich erniedrigt, herabkommt in die Niederungen menschlichen Lebens. Und zugleich ein Gott, der sich wieder aus diesen Niederungen erhebt, 'in den Himmel auffährt'. Wie ist das möglich? Offensichtlich muss es damit zusammenhängen, dass er einen Sohn hat!

'Wissen' und 'Erkennen' im Neuen Testament

Auch Jesus betont, dass es ein riesiger Unterschied ist, den Jahweh-Namen Gottes, im Neuen Testament übersetzt mit 'HERR', zu wissen, oder aber Gott selber als Herrn zu kennen:

Nicht jeder, der zu mir sagt: HERR, HERR! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.
Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: HERR, HERR! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?
Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!
(Matthäus 7:21-23)

Hier geht es um Menschen, die Gott seinem Namen nach kennen und ihn sogar als 'HERRN' anrufen. Es fällt auf, dass es in diesem Fall auch umgekehrt Gott betont, diese Menschen nie 'gekannt' zu haben. Somit ist offensichtlich, dass es mit 'erkennen' nicht um die rein sachliche Kenntnis ihrer Existenz geht, oder dass Gott sie nicht dem Namen nach gekannt hätte! Nein, Gott ist allwissend, kein Geschöpf ist ihm namentlich unbekannt.

Vielmehr meint Gott, dass sie ihn zwar mit dem Munde bekannten, ihm aber nie wirklich Zugang zu ihrem Herzen gewährt hatten. Ein 'Erkennen', wie es die Bibel meint, eine ungehinderte, tiefe, persönliche Gemeinschaft war ihm mit ihnen nie möglich gewesen.

Eine weitere Stelle im Neuen Testament behandelt das Thema der Offenbarung des Namens Gottes sehr ausführlich. Auch hier geht es nicht darum, den Menschen eine neue Buchstabenfolge als Namen Gottes zu übermitteln, sondern sie in nie dagewesener Tiefe mit dem Wesen Gottes, mit seiner Liebe und Vaterschaft, in Berührung zu bringen. Jesus sagt:

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
Und ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir!
Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast; und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verloren als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde.25 Gerechter Vater! - Und die Welt hat dich nicht erkannt; ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen
deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. (Johannes 17:6,11-12,26)

 

Exkurs

Die Aussprache des Namens J-H-W-H

Die Aussprache des Gottesnamens als 'Jehova' ist auf ein Missverständnis zurückzuführen und wurde durch christliche Theologen Ende des 15.Jahrhunderts aufgebracht. Kein Jude hat diesen Namen jemals so ausgesprochen:

Die alten hebräischen Bibeltexte waren 'unpunktiert', das heißt sie hatten nur Mitlaute. Für 'geben' standen folglich nur die Mitlaute 'g-b-n' - um ein deutsches Beispiel zu nehmen. Um das Lesen und Verstehen der Texte in der späteren Zeit zu erleichtern, wurden die Selbstlaute in Form von Punkten und Strichen unter die Mitlaute geschrieben.
Da man aber den Gottesnamen Jahwe nie aussprach, setzte man unter seine Mitlaute J-H-W-H die Selbstlaute für das Wort Adonai (=Herr). Das A am Anfang wurde zu einem E verdünnt. Das I am Schluss fiel fort. Aus dieser Form las man dann im Mittelalter Jehova.
(wedg S.115)

Der Beweis für diese Darlegungen findet sich in Bibelstellen, bei denen der Name J-H-W-H (6828 Mal im AT) unmittelbar zusammen mit 'aDoNaJ vorkommt (304 Mal). Hier gerieten die Masoreten, die den Text mit Vokalzeichen versahen, nämlich in Verlegenheit, weil sie nicht zweimal hintereinander denselben Namen Adonaj verwenden wollten (nur in drei Fällen vokalisierten sie wie sonst: Nehemia 10:30; Psalm 8:2,10). Sie behalfen sich, indem sie durch die Hinzufügung der Vokale ä-o-i andeuteten, dass man statt JHWH ä L o H i M, also 'Gott', lesen sollte. Diese Ausführliche Punktation wurde in vielen Fällen verkürzt zu e-o-i oder ä-i oder e-i. Dementsprechend findet man folgende Vokalisationen im Alten Testament:

'aDoNaJ JeHWiH (268 Mal: Deuteronomium 3:24; 9:26, Josua 7:7; Richter 6:22; 2.Samuel 7;18,19,20,22,28,29; 1.Könige 8:53; Psalm 69:7; 71:5,16; Jesaja 3:15; 7:7; Jeremia 2:19,22; 4:10,13; 32:17,25 u.v.a. Hesekiel 4:14; 5:7,8,11; 6:3 u.v.a.; Amos 1:8; 3:7,8,11,13; 4:2,5; 5:3; 6:8; 7:1,2,4,5,6; 8:1,3.9,11; 9:5,8; Obadja 1:1; Micha 1:2; Zephanja 1:7.)

'aDoNaJ JeHoWiH (31 Mal: 1.Könige 2:26; Psalm 73:28; 140:8; Jesaja 50:4; Jeremia 1:6; 7:20, Hesekiel 2:4, 3:11, 27, 5:5, 8:1, 12:10, 13:16, 14:21, 23, 16:36, 17:9, 20:39, 21:33, 22:31, 23:32, 24:6, 14, 26:21, 28:2, 30:22, 33:25, 39:17, 43:27, 46:16; Sacharja 9:14)

'aDoNaJ JäHWiH (nur in Genesis 15:2,8) 'aDoNaJ JäHoWiH (nur in Richter 16:28) JeHWiH aDoNaJ (3 Mal: Psalm 109:21; 141:8; Habakuk 3:19)

Nebenbei bemerkt: Die dem Namen Jehova zugrunde liegende Vokalisation mit e-o-a findet sich nur in wenigen Fällen, meist wird einfach Jehwah vokalisiert:

JeHWaH (5683 Mal)

JeHoWaH (44 Mal: Genesis 3:14; 9:26, Exodus 3:2; 13:3,9,15; 14:1,8; Leviticus 25:17; Deuteronomium 31:27; 32:9; 33:12,13; 1.Könige 3:5; 16:33, Psalm 15:1; 40:5; 47:6; 100:5; 116:5,6; Sprüche 1:29; Jeremia 2:37; 3:1,13,21,22,25; 4:3,8; 5:2,3,9,15,18,19,22,29; 6:9; 8:13; 30:10; 36:8; Hesekiel 44:5; Nahum 1:3)

Damit ist klar, dass die Aussprache des für die Juden 'unausprechlichen' Namens weder 'Jehova' noch 'Jehwi' noch 'Jehwi' noch 'Jehowi' lauten dürfte. Wie er tatsächlich ausgesprochen wurde, ist scheinbar nicht mehr sicher herauszufinden. Doch nicht die richtige Aussprache des Namens J-H-W-H ist ausschlaggebend, sondern die richtige Herzenshaltung: Gott zu lieben und ihn aus keinem Bereich des Lebens auszugrenzen. Den Namen des HERRN kann man nur IM GLAUBEN richtig an- und ausrufen!

Stammt die Bibel aus Babel?

(Großteils aus: P.J.Wiseman 'Die Entstehung der Genesis')

Der Beginn des Streites

'Im Irak haben die Ausgrabungsarbeiten eine Reihe Täfelchen zutage gefördert, auf denen man Berichte über die Schöpfung und die Flut fand. Ihre Entdeckung erregte allgemein großes Aufsehen. Als man die Texte mit der Bibel verglich, entstand unter den Forschern ein Streit, der unter dem Stichwort 'Bibel und Babel' bekannt wurde. In ihm ging es um die Frage, welche der beiden Darstellungen von der anderen abhängig sei.

Die aufgefundenen Berichte unterscheiden sich ganz erheblich von den Darstellungen der Genesis. Sie stehen in demselben Verhältnis zueinander, wie sich eine Lehmhütte zu einem Palast verhält: In beiden kann man leben; beide haben Türen und Fenster; und doch sind sie völlig verschieden voneinander. Ebenso verschieden sind die biblischen und babylonischen Berichte über Schöpfung und Flut. Natürlich bestehen auch Ähnlichkeiten, und um sie zu erklären, sind zwei sich widersprechende Hypothesen entwickelt worden:

1. Die Täfelchentexte aus Babylonien sind vergröberte Nachahmungen der biblischen Berichte.

2. Die biblischen Berichte stammen von den babylonischen Darstellungen ab. Die Schreiber der Bibel haben diese nur vorher von allen phantastischen Verzerrungen des Polytheismus gereinigt.

Wie nicht anders zu erwarten, schlossen sich die konservativen Forscher genauso selbstverständlich der ersten Erklärung an wie die Vertreter der kritischen Schule der zweiten. Über den wichtigsten Punkt waren sich alle einig: Die biblischen Berichte stehen unvergleichlich höher als die babylonischen. Darüber gab es keinen Zweifel. Sie sind sachlich und einfach und in ihrer Gottesanschauung völlig sauber. Die babylonischen Darstellungen dagegen sind phantastisch, sensationell und von einem rohen Polytheismus durchsetzt.' (wedg 131)

'Man könnte den Unterschied zwischen den beiden mit dem klaren Wasser der Themse an ihrer Quelle mit dem Schmutzwasser der Londoner Docks vergleichen; an beiden Stellen ist es das Wasser desselben Flusses. Genauso ist es hier. In der Genesis finden wir noch die reine Quelle; die Texte der babylonischen Täfelchen dagegen sind durch das schmutzige Wasser des Polytheismus gezogen worden und tragen folglich auch seine Spuren.' (wedg)

Die Datierung des biblischen Textes

Die Stammbäume, die dem ersten Buch Mose zugrundeliegen, ja, dessen Grundgerüst bilden, reichen bis zu Adam, also ungefähr 3.900-5.400 Jahre vor Christus zurück. Der Schöpfungsbericht könnte sogar von Adam selber stammen, denn er war es ja, den Gott mit dem 'Erkenntnisgeist des Lebens' begabt hatte, so dass er zum Beispiel fähig war, alle Lebewesen mit dem zutreffenden Namen zu benennen (Genesis 2:7,19). Von daher wäre es kein Wunder, wenn er auch über den Verlauf der Entwicklung des Lebens informiert gewesen wäre.

Zumindest ist der 'Stammbaum der Himmel und der Erde' (Genesis 2:4) eingebettet in den 'Stammbaum Adams' (Genesis 2:4-5:32) der bis einschließlich Noah reicht, zeitlich gesehen also bis ungefähr 2300 bis 3200 Jahre vor Christus. Von daher ist zu erwarten, dass das erste Kapitel der Genesis aus der Zeit mindestens 2.300, eher 5.400 Jahre vor Christus stammt.

Original und Variationen

Die Stammbaumverzeichnisse von Genesis 1 bis 5 waren sicherlich ein heiliger Familienbesitz der Adamiten, der von Generation zu Generation möglichst originalgetreu weitergegeben wurde, sei es in schriftlicher oder mündlicher Form. Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Menschen des Altertums ein phänomenales Gedächtnis besaßen, so dass auch eine mündliche Überlieferung von extremer Genauigkeit sein konnte. Sicher waren diese Familien-Stammbäume auch im Besitz von Abraham. Es ist nun sehr bemerkenswert, dass er und sein Vater ungefähr 2000 vor Christus ausgerechnet in der Stadt Ur lebten - die gleich wie Babel eine Stadt 'der Chaldäer' genannt wurde (Genesis 11:31; Jesaja 13:19)!

Bereits zu Zeiten Abrahams, wenn nicht sogar schon früher, muss der biblische Bericht mit der chaldäischen und damit akkadischen Kultur in Berührung gekommen sein, die später in die babylonische einmündete. Außerdem ist zu bedenken, dass die Adamiten nicht nur von Adams Erkenntnis profitierten, sondern auch durch ihr extremes Lebensalter für ihre Zeitgenossen außergewöhnliche Autoritäten dargestellt haben dürften. Es wäre von daher nicht verwunderlich, wenn die Chaldäer die biblischen Lehren über die Schöpfung übernommen hätten, wenn sie auch im Laufe der Zeit mehr oder weniger der chaldäischen Religion angepasst und so entstellt wurden. Das erklärt problemlos die vielen Parallelen zwischen dem biblischen Schöpfungsbericht und dem babylonischen Schöpfungsmythos 'Enuma Elisch'. Lange nach dem ersten Kontakt mit der chaldäischen Kultur begegneten sich dann der israelitische, sauber überlieferte Originaltext und seine abgewandelte, babylonische Version, in der Zeit der Gefangenschaft der Israeliten in Babel.

Irrtum der historisch-kritischen Theologie

'Warum aber übernahmen die Vertreter der Kritik so geschlossen die Meinung, dass die Genesisberichte über Schöpfung und Flut gereinigte Nachschriften der babylonischen Texte seinen? Die Antwort darauf ist nicht schwer zu finden: Man ging von der Voraussetzung aus, dass die Genesis zu einer viel späteren Zeit geschrieben ist als die babylonischen Täfelchen, woraus sich ergab, dass die biblischen Darstellungen später als die Babylonischen entstanden und infolgedessen auch von jenen abgeschrieben worden sind.

Dass sie reiner waren und ohne die phantastischen Verzerrungen, entsprach außerdem der allgemeinen Ansicht, nach der sich die Religionen erst langsam vom Polytheismus zum Monotheismeus hin entwickelt hat (Evolutionstheorie). Danach hat es am Anfang der Geschichte nur ganz niedrige polytheistische, animistische Vorstellungen gegeben, die sich erst mit der Zeit geläutert und verfeinert haben.

Gemeinsam ist beiden Darstellungen eigentlich nur das allgemeine Thema. Die Einzelheiten der babylonischen Berichte sind in einer solchen Unmenge mythologischer Vorstellungen eingebettet, dass sie fast unkenntlich geworden sind. Ganze Herden grölender und eifersüchtiger Götter werden in ihnen beschrieben und groteske Anschauungen über Natur und Welt vertreten.' (wedg 132)

'Die folgenden Zeilen stammen aus dem vierten Täfelchen des babylonischen Schöpfungsberichts. Es sind die Zeilen, die am deutlichsten auf die Schöpfung selbst eingehen. Sie sagen besser als alle Erklärungen, wie wenig Wahrscheinlichkeit die zweite Hypothese für sich hat:

Den Klumpen des Rumpfes betrachtete er lange,
er wog, wie er weise ihn teilen könnte,
in zwei gleiche Hälften teilte er ihn:
Zum Himmelsdach macht er die eine Hälfte,
zur Erde die andere.

Von Sternen zog er die weite Schranke,
vor Ungemach die Erde zu hüten.
Er schritt über den Himmel und sah seine Werke.
Er trat vor das Meer hin, das Ea bewohnt.

Marduk maß ab des Ozeans Grenzen,
er maß Escharra, das feste Land.
Da er herrlich und breit seinen Himmel gebauet,
schuf er dort Stätten für Ennil, Ea und Anu.
(Aus Francis Jordan: 'In den Tagen des Tamuz', Seite 117)' (wedg 133)

Der Sintflutbericht

'Im Flutbericht kommen die babylonischen Täfelchen der biblischen Darstellung etwas näher, und zwar in folgenden Punkten:

1. Die Flut ist eine Strafe für die Sünden

2. In beiden Berichten wird der Auftrag erteilt, ein Schiff zu bauen, um das Leben zu retten.

3. Nach beiden Berichten wird Erdharz (Bitumen) verwendet, um das Schiff wasserdicht zu machen.

4. Die Erwähnung der Taube.

5. In beiden Berichten setzt das Schiff nach der Flut auf einen Berg auf.

6. Nach beiden Berichten werden nach der Flut Opfer dargebracht.

Der Rahmen der babylonischen Erzählungen stimmt also in seinen Hauptzügen mit dem Flutbericht der Genesis überein. Aber polytheistisch durchsetzt und phantastisch vergröbert ist auch er. Die 'Götter verkriechen sich ängstlich wie Hunde, sie fliehen in Schwärmen wie Fliegen' usw. Nur wenige Sätze erinnern an die Genesis. Jede Einzelheit ist vom Polytheismus verzerrt.' (wedg 133)

Biblische 'Quellenscheidung'

(Großteils aus: P.J.Wiseman 'Die Entstehung der Genesis')

Mose als Redaktor?

Die Ereignisse ab dem Buche Exodus hat Mose selber miterlebt. Folglich ist es kein Problem, ihn als Verfasser der Bücher Exodus bis Deuteronomium zu akzeptieren. Das ganze Buch Genesis liegt jedoch vor seiner Zeit. Da keine einzige Bibelstelle behauptet, Gott hätte dem Mose dieses Buch in einem Stück diktiert, ist es keine fernliegende Überlegung, Fragen nach der Herkunft des Inhaltes der Genesis zu stellen:

'Obgleich Christus und die Apostel die Genesis oft zitieren, sagen sie nie, dass Mose sie geschrieben hätte. Sobald sich das Neue Testament aber auf Texte aus den Büchern Exodus bis Deuteronomium bezieht, heißt es immer wieder: 'Mose sagt ...' (wedg 85)

'Es gibt keine Stelle in der ganzen Bibel, die davon spricht, dass Mose die Berichte oder Geschlechtsregister der Genesis niedergeschrieben habe. Und nicht ein einziges Mal lesen wir in der Genesis die in den Büchern Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium so oft vorkommende Einleitungsformel: 'Der Herr sprach zu Mose' oder: 'Gott sprach zu Mose und sagte ...'

Diese Beobachtung ist außerordentlich interessant. Die Pentateuchkritik hat immer wieder betont, dass man bei der Frage nach dem Autor des Textes diese Sätze ruhig unberücksichtigt lassen könne. Die späteren Schreiber oder Herausgeber der Bücher hätten sie darum so häufig verwendet, weil sie glaubhaft machen wollten, dass der von ihnen verfasste Text durch Mose, der eine große Autorität im Volk besaß, direkt von Gott gekommen sei. Wenn dies der Fall wäre, wie wollte man dann erklären, dass in der Genesis nicht die geringsten Anspielungen auf Mose zu erkennen sind? Und gerade die Genesis wurde doch der Autorität Mose unterstellt!

Daraus wird schon deutlich, dass der in der Genesis fehlende Hinweis auf Mose die Existenz des sogenannten Redaktors und der verschiedenen Herausgeber recht fragwürdig werden lässt. Umgekehrt heißt es aber, dass die in den anderen Pentateuchbüchern verwendeten Einleitungsformeln: 'Gott sprach zu Mose und sagte ...' echt sind und mit zum ursprünglichen Text gehören.' (wedg 84)

Sicher, vom Standpunkt des Bibelgläubigen genügt die Feststellung, dass die Genesis, als Teil des Gesetzes (der Torah) durch Mose gegeben wurde (Johannes 7:19). Aber es wäre absolut kein Widerspruch zu dieser Aussage, dass Mose Berichte, die ihm überliefert wurden, als Redaktor zusammenstellte, ähnlich, wie auch Lukas das nach ihm benannte Lukas-Evangelium verfasste:

Da es nun schon viele unternommen haben, einen Bericht von den Ereignissen zu verfassen, die sich unter uns zugetragen haben, wie sie uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, hochedler Theophilus, der Reihe nach zu schreiben, damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist. (Lukas 1:1-4)

Alters-Hinweise im Bibeltext

'Jeder Abschnitt der Genesis enhält Anzeichen dafür, dass Mose das Buch in der uns bekannten Form anhand von Aufzeichnungen zusammengestellt hat, die ihm aus alter Zeit überkommen sind. Man kann dafür auf folgende Beobachtungen hinweisen:

1. In den ersten 11 Kapiteln der Genesis finden sich babylonische Wörter.

2. In den letzten 14 Kapiteln der Genesis finden sich ägyptische Wörter.' (wedg 63)

'Es ist nicht zufällig, dass die Kritik oft betont hat, der Heimatboden für die Entstehung der ersten Kapitel der Genesis sei mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in Babylonien zu suchen. Gegen diese Annahme ist nichts einzuwenden, zumal die Texte selbst den Anspruch erheben, aus jenem Land zu kommen. Sie unterstreicht nur noch die Annahme, dass die Angaben schon in sehr früher Zeit schriftlich fixiert worden sind. Wo sollen die babylonischen Wörter auch sonst hergekommen sein, von denen doch sonst im ganzen Pentateuch nichts festzustellen ist?

Dass sie während der Exilszeit in Babylonien gerade in diese Kapitel eingeflossen seien - warum nicht auch in die anderen? -, dürfte kaum anzunehmen sein, wo doch selbst die theologisch-kritischen Theorien für die Entstehung dieser Kapitel eine viel frühere Zeit angeben.

Sobald der Bericht in der Genesis den Punkt erreicht, wo Joseph nach Ägypten kommt, ändert sich das Bild völlig. Beständig treffen wir jetzt auf ägyptische Ausdrücke und Namen wie 'Potiphar, der Hauptmann der Leibwache' (37:36); 'Zaphenath-Paneah' (das heißt der das Leben Ernährende) und 'Asnath' (41:45) ... Vom einfachen Landleben der Patriarchen in Palästina fühlt man sich plötzlich in die heiße Luft der Sitten und Gebräuche des ägyptischen Hofes versetzt.' (63,64)

'Auf unseren Täfelchen finden wir auch ganz primitive geographische Ausdrücke, wie sie zur Zeit Abrahams üblich waren; zum Beispiel 'Südland' (Genesis 20:1 und 24:62) oder das 'Ostland' (Genesis 35:6). Diese alten Namen für die Gebiete im Süden und Osten Palästinas werden später nie mehr gebraucht. Nach der Zeit der Genesis gibt es dafür ganz klare und bestimmte Namen. Soche Bezeichnungen sind mit ein Beweis für das Alter des Textes. Kein Schreiber nach Mose hätte sich dieser archaischen Ausdrücke bedient.

Auf die gleiche Tatsache weist die Existenz der kleinen 'Stadtstaaten' und vielen Sippen hin, die beide charakteristisch sind für eine frühe Entwicklungsstufe der Zivilisation. Zu Salomos Zeit waren sie völlig verschwunden, und schon seit Abraham gab es in Babylonien und Ägypten mächtige Monarchien, die von ihren Hauptstädten aus über große Gebiete herrschten.' (wedg 68)

'Im ganzen zeigen die Schreiber ein so intimes Vertrautsein mit den Einzelheiten, dass man vernünftigerweise gar nichts anderes sagen kann, als dass hier wirklich 'Mitbeteiligte' berichten. Dafür nur ein Beispiel:

Das Vorgehen Saras und Abrahams mit ihrer Magd Hagar bei der Geburt Ismaels erfolgte nach Gesetzen, die in dem damals landesüblichen Recht genau bezeichnet waren. Das beweisen die Gesetze Nr. 144-146 aus dem Kodex Hammurabi. Für die nachmosaische Zeit galten ganz andere Ordnungen, wie das Deuteronomium beweist.' (wedg 67)

Genesis-interne Hinweise auf 'Quellen'

'Wenn man sich also auf den Weg macht, Überlegungen über die Herkunft von Moses Wissen zu machen, ist es wichtig, die Gegebenheiten der Zeit zu berücksichtigen, in der der Text verfasst wurde. Es ist ja gerade die Hauptforderung der historisch-kritischen Theologie, die Texte im Lichte ihrer Zeit und vergleichbarer Literatur zu sehen! Nur ist man leider im Falle der Genesis dieser Forderung ganz und gar nicht nachgekommen. Denn sonst hätte man zugeben müssen, dass die Schreibkunst schon lange vor Mose bestand, so dass Mose durchaus auf geschriebene Berichte zurückgreifen konnte:

In Verbindung mit diesen Schreibgewohnheiten ist noch ein wichtiger Punkt zu beachten. In Genesis 5:1, wo unser Satz zum zweiten Mal vorkommt, lesen wir: 'Dies ist das Buch von des Menschen Geschlecht' (Luther). Das hier mit 'Buch' übersetzte Wort 'Sepher' bedeutet 'geschriebene Erzählung', oder, wie Delitzsch übersetzt: 'Geschriebenes'. ... Die 'Bücher' jener Zeit waren die Täfelchen. Das Wort hier bedeutet einfach Schriftstück, schriftliche Aufzeichnung (vergleiche Gesenius, Wörterbuch, Seite 551).

Die alten Berichte der Genesis erheben also den Anspruch, schon in sehr früher Zeit schriftlich abgefasst worden zu sein, und sind nicht, wie man weithin dachte, von Mund zu Mund auf Mose gekommen. Natürlich wissen wir nicht, wer das Täfelchen mit dem Schöpfungsbericht niederschrieb; jedoch in einem Punkt besteht gar kein Zweifel: Schon weit vor Abrahams Zeiten ist alles, was nur erwähnenswert war, auf Tontäfelchen schriftlich festgehalten worden.' (wedg 56)

Stammbäume als Grundgerüst

'Der Schlüssel, der den literarischen Aufbau der Genesis sichtbar werden lässt, liegt im rechten Verständnis des Satzes: 'Dies ist das Geschlecht von ...' (Luther). Bei richtiger Anwendung wird er alle literarischen Probleme der Genesis lösen.

Alle Forscher scheinen sich darin einig zu sein, dass dieser Satz für die Einleitungsfragen der Genesis außerordentlich wichtig ist. Dr.Driver sagt z.B. ('Genesis', Seite 2): Die Erzählung der Genesis ist nach einem Leitfaden aufgebaut, der in den immer wiederkehrenden Formulierungen: 'Dies ist das Geschlecht von ...' zu erkennen ist.
Professor Ryle meint, dass 'dieser Satz die verschiedenen Stadien im Lauf der Erzählung markiert'. Ausleger aller Richtungen wie Spurrell, Lenormant, Skinner, Carpenter, Harford-Battersby, Bullinger, Lange, Keil, Wright u.a. teilen das Buch in Abschnitte auf, die jeweils mit diesem Satz beginnen.

Elfmal ist diese Formel in der Genesis zu finden. Wie wichtig sie ist, zeigt auch die Übersetzung der Septuaginta, die dem ganzen Buch den Namen 'Genesis' gab, das dem hebräischen Wort für 'Geschlecht' entspricht.' (wedg 49)

'Auf diese Weise gab Mose unmissverständlich die Quellen der im verfügbaren Informationen an und nannte die Personen, von denen ihm der Inhalt seiner Text überliefert wurde ...
An keiner Stelle wird etwas berichtet, was die genannten Personen nicht aus ihrer eigenen Kenntnis der Dinge oder aus ganz nahen Quellen hätten selbst schreiben können.
Es ist überaus bezeichnend, dass die einzelnen Textabschnitte der Genesis alle vor Eintritt des Todes der jeweils genannten Person zu Ende gehen. In den meisten Fällen umfasst der Bericht die Lebenszeit des Genannten bis zu seinem Ende oder bis zu dem Datum, an dem die Niederschrift gemacht worden zu sein scheint.'
(wedg 58)

'Man hat auch nicht berücksichtigt, dass es gerade für diese Zeit charakteristisch war, Geschlechtsregister, also Familienstammbäume, sehr gewissenhaft und ausführlich zu überliefern und diese mit historischen Begleitereignissen zu verweben:

Es scheint so, dass zu den wichtigsten Aufzeichnungen in altbabylonischer Zeit Mitteilungen über die Vorfahren gehörten. Meist finden sich solche Ahnentafeln als Einleitungen vor irgendwelchen wichtigen Niederschriften. Die Anfänge des Buches Exodus und Chronikbücher sind dafür ein eindrückliches Beispiel.' (wedg 54)

Wenn man also schon Spekulationen über die Herkunft von Moses Wissen anstellt, warum in die Ferne schweifen, wenn doch die Lösung so nahe liegt und der Text immer wieder auffällige Markierungen setzt, nämlich durch die unterteilenden Erklärungen 'dies ist der Stammbaum von' ...? So schließt Genesis 1-4 in Genesis 5 mit dem 'Buch des Stammbaumes Adams':

Dies ist das Buch der Geschlechterfolge Adams. (Genesis 5:1)

Was hindert uns daran, anzunehmen, dass tatsächlich Adam oder unmittelbare Nachfahren von ihm den Familienstammbaum seiner Familie schriftlich festhielten und überlieferten? Es wäre, im Gegenteil, fast verwunderlich, wenn sie es nicht getan hätten, wo die Adamiten sich doch von der umliegenden Bevölkerung allein schon durch ihr hohes Alter unterschieden, also etwas ganz Besonderes waren.

Dazu kommt noch, dass gleich zu Beginn ihrer Familiengeschichte die gewaltige Verheißung gemacht wurde, dass einer ihrer Nachfahren eines Tages Satan besiegen würde (Genesis 3:15). Wäre es nicht vielmehr äußerst naheliegend, diese Linie weiterzuverfolgen? Das Neue Testament jedenfalls tut es und verfolgt mit seinen ersten Worten (!) sogleich die Herkunft Jesu bis zu Adam zurück (Matthäus 1:1ff)!

Es folgen die Geschlechtsregister Noahs und seiner Söhne, Sem, Ham und Japhet, die den Sintflutbericht (Genesis 6) mit einschließen und mit Genesis 10:32 enden:

Das sind die Sippen der Söhne Noahs nach ihrer Geschlechterfolge, in ihren Nationen; und von diesen aus haben sich nach der Flut die Nationen auf der Erde verzweigt. (Genesis 10:32)

Es folgt dann noch ein ausführliches Geschlechtsregister von Sem, das die Ereignisse um Babel beschreibt und bis zu Abraham reicht (Genesis 11).

Es folgt nun die ausführliche Beschreibung der Leben von Abraham, Isaak und Jakob (Genesis 12-36), auch wieder versehen mit den Stammbäumen von zum Beispiel Ismael (Genesis 25:12), Isaak (Genesis 25:19), Esau (Genesis 36).

'Abraham war also ein Fürst, eine für die damalige Zeit sehr hochgestellte Herrschergestalt. Von Isaak und Jakob hören wir das gleiche. Wir dürfen uns diese Männer keineswegs als zurückgezogene Einzelgänger vorstellen. Von daher muss man ihnen unter allen Umständen die Fähigkeit zuerkennen, dass sie entweder selbst schreiben konnten, oder - was noch wahrscheinlicher ist - Schreiber angestellt hatten, die die für ihre zukünftige Familiengeschichte so unendlich wichtigen und einzigartigen Verheißungen Gottes für sie niederschrieben. Es wäre wirklich nicht zu verstehen, wenn sie es nicht getan hätten, wo doch um sie her so viele unwichtige Dinge auf Tontäfelchen niedergeschrieben wurden.' (wedg 82)

Genesis 37 bis 50: Der Bericht über Joseph, der bekanntlich nach Ägypten verschleppt wurde.

Es fällt auf, dass die jeweiligen Lebensberichte immer umfangreicher werden: Umfasst der relativ lange Stammbaum Adams einschließlich der Hintergrundberichte noch fünf Kapitel, wird das Leben Abrahams in dreizehn Kapiteln beschrieben, das Leben Mose wird dann in vier ganzen Büchern geschildert. Dies deckt sich mit dem, was vor dem Hintergrund der Entwicklung der Schreibtechnik zu erwarten ist: Wahrscheinlich wurde zu Adams Zeiten noch umständlich in Steintäfelchen gemeißelt, zu Abrahams Zeiten benützte man bereits die leichter zu beschaffenden und beschriftenden Tontäfelchen, und Mose konnte entweder Pergament oder Papyrus verwenden, das erlaubt, große Mengen Geschriebenes in handlichem Format zu archivieren.

Die Josephsgeschichten stammen zweifellos von Mose. Er war in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen und kannte damit die gesamte ägyptische Literatur. Dass er schreiben konnte, bedarf keiner Frage. ... Der ganze Abschnitt enthält zahlreiche ägyptische Ausdrücke und zeigt eine genaue Kenntnis der Sitten und Gebräuche des Landes. ... Außerdem sind noch 'Bemerkungen' und 'Erklärungen' in den Text eingefügt worden mit der Absicht, ihn für 'Fremde' verständlich zu machen. Wie wir in Kapitel 6 schon gesehen haben, können sich diese Ergänzungen nur auf Leser beziehen, die noch vor dem verheißenen Lande stehen. Schließlich wäre noch auf den Anfang des Buches Exodus hinzuweisen, das gerade dort fortfährt, wo die Genesis aufhört. (wedg 85)

Es ist auch bezeichnend, dass mit Ausnahme der Josephsgeschichte jedes Täfelchen mit einer kurzen Wiederholung der Ereignisse beginnt, die im vorhergehenden Abschnitt berichtet wurden. Wer mit den Schreibmethoden des Altertums vertraut ist, wird gar nichts anderes erwarten und kann darin nur einen Beweis für die Treue der Textüberlieferung sehen. (wedg 93)

Ergebnis

'Wie wir gesehen haben, ist die Genesis aus einer Täfelchenserie zusammengesetzt. Die einzelnen Täfelchenabschnitte ergeben auch den natürlichen Rahmen des Buches. Diese natürliche Einteilung der Genesis wirft auch ein neues Licht auf den verschiedenen Gebrauch der Gottesbezeichnungen.

Bei unserem Überblick über das erste Täfelchen, den Schöpfungsbericht, stellten wir fest, dass dort nur der Titel 'Gott' vorkommt. Dieser Titel reichte auch im Anfang der Geschichte völlig aus, den wahren Gott zu bezeichnen. Andere 'Götter' gab es noch nicht. Ein besonderer Name zur Kennzeichnung Gottes, des Schöpfers von Himmel und Erde, war damals noch nicht nötig.

Das zweite Täfelchen (Genesis 2:4b-4:26) wurde vor der Flut geschrieben und enthält den Titel 'Gott' und den Namen 'Jahwe'; und zwar stehen Titel und Name hier immer zusammen, ausgenommen in den Worten Evas und des Versuchers. Die gemeinsame Verwendung beider Bezeichnungen ist für dieses Täfelchen geradezu charakteristisch. Wir stehen hier in der Zeit der Enkel Adams, in den Tagen Henochs, wo man anfing, 'den Namen Jahwes anzurufen'. Hier wird der wahre Gott also schon mit einem besonderen Namen bezeichnet. Warum das? Das kann doch nur der aufkommende Polytheismus nötig gemacht haben. Es wurden immer mehr 'Götter' verehrt, folglich musste der wahre Gott durch einen Namen angerufen werden, mit dem er sich von den anderen Göttern unterschied.' (wedg 123)

'Die Pentateuchkritik entstand auf Grund des verschiedenen Gebrauchs der Gottesnamen in der Genesis. Heute zeigt sich, dass dieser Wechsel sich ganz anders erklärt, als die Kritik meint. Wenn man sich die Entstehungsgeschichte der Genesis im Lichte ihrer Umwelt ansieht, erscheint es sogar notwendig ... Diese Kapitel beschreiben gerade die Zeit, in der der Polytheismus wuchs und überhand nahm, ohne dass es schon eine feste Volksgemeinschaft gegeben hätte, in der der Name des wahren Gottes hätte rein erhalten werden können.

Bei näherem Zusehen ist übrigens zu erkennen, dass die Täfelchen, aus denen die Genesis besteht, an manchen Stellen mit den Einteilungen der Quellenscheidung übereinstimmen. Das ist nicht verwunderlich. Durch die Arbeit an der Genesis sind auch von der kritischen Forschung Beobachtungen gemacht worden, z.B. über Stil, Wortgebrauch, Textzusammenhang usw., die häufig richtig sind. Aber ihre Deutung der Beobachtung ist falsch, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgeht.' (wedg 123,124)

Armin Christian Held:

Meine Erfahrungen mit der Universitäts-Theologie

Ich möchte vorausschicken, dass es mir in diesem Kapitel nicht um die Argumente geht, die für oder gegen die bibelkritische Theologie sprechen. Diese finden sich, was den Schöpfungsbericht angeht, zur Genüge im vorderen Teil des Buches, und was die Theologie allgemein betrifft, haben die von mir ausführlich zitierten Aussagen von Insidern wie Prof. Eta Linnemann sicher mehr Gewicht. Nein, ich möchte im Folgenden schildern, welche Erfahrungen ich persönlich während der acht Semester machte, in denen ich an der Universität München als Theologiestudent eingeschrieben war. Diese Ereignisse liegen ungefähr fünfzehn Jahre zurück, aber sie sind wahr und ich halte sie für typisch für die gesamte historisch-kritische Theologie.

Den 'kindlichen Glauben' zerstören!

Mein erstes Erlebnis mit dem Universitätsbetrieb hatte ich bereits vor meiner Studentenzeit. Ich stand mit einigen anderen jungen Christen abends in München Schwabing an einem evangelistischen Büchertisch. Da tauchte ein Mann auf, der sich als Dozent an der Uni München vorstellte und voller Eifer darlegte, was er als seine Aufgabe dort sah: Als erstes müsse einmal der 'kindliche Glaube' der Studenten zerstört werden, die an die Uni kommen, damit dann völlig neu ein 'rationaler Glaube' aufgebaut werden könne. Ich war entsetzt, dass jemand so überzeugt sein konnte, dass die Zerstörung des 'kindlichen Glaubens' das Fundament sein sollte, auf dem die Universitätstheologie dann aufbauen kann. Ich stelle mir vor, wie eine Armada von Bombern über friedlich daliegende Städte fliegt und sie in Grund und Boden bombardiert, um sie anschließend gemäß den eigenen Vorstellungen neu aufzubauen. Und ich sehe Jesus vor meinem geistigen Auge, wie er ein Kind in die Mitte seiner Schüler stellt und sagt:

Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen ...
Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.
Wehe der Welt der Verführungen wegen! Denn es ist notwendig, dass Verführungen kommen. Doch wehe dem Menschen, durch den die Verführung kommt!
(Matthäus 18:3-7)

Dieser Mensch war sich der Tragweite seiner Aussagen jedoch scheinbar gar nicht bewusst, auch nicht der Gefahr, in der er sich befand, sondern sprach im Brustton der Überzeugung, den Menschen etwas Gutes zu tun, wenn er ihren Glauben systematisch zerstörte. Durch diese Begegnung hat Gott mir bereits einen Vorgeschmack auf die Atmosphäre gegeben, die mich an der Universität erwarteten sollte.

Kritik - Kritik - Kritik ...

Tatsächlich wurde ich dort von Anfang an dem Versuch einer systematischen Hirnwäsche unterzogen. In den Einführungskursen wurden immer wieder ganze Salven auf die Glaubwürdigkeit der Bibel abgeschossen. In Wirklichkeit sind es eigentlich nur zehn bis zwanzig inzwischen altbekannte Argumente, die immer und immer wiederkehren, aber als Neuankömmling meint man, von einer Flut von 'wissenschaftlichen Argumenten' überrollt zu werden. Zumeist sind es angebliche Widersprüche im Bibeltext selber, die teils genüsslich, teils triumphierend ausgebreitet werden, aber auch der Hase, der angeblich kein Wiederkäuer ist, darf als 'Beweis' nicht fehlen. Frommes Gerede über den Bibeltext wird jederzeit toleriert, aber wehe, es kommt zur Wahrheitsfrage, dann wird kein gutes Haar an ihm gelassen!

Es war mir in jener Zeit eine große Hilfe, dass ich Unterstützung durch erfahrenere Christen und auch Bücher bekam, so dass es den Dozenten nicht gelang, meinen Glauben zu torpedieren. Doch ist mir die feindselige Einstellung gegen die Wahrhaftigkeit der Bibel noch in lebhafter Erinnerung. Während der acht Semester lernte ich etliche Vertreter dieser 'modernen' Theologie kennen. Ihre persönliche Einstellung zum Glauben reichte von 'fromm' bis zu praktischem Atheismus. Ich erwähne nur zwei Beispiele für die beiden Extreme:

Ein 'frommer' Professor hielt eine Andacht für den Studentenkreis, in der er mit pathetischen Worten seine Ansichten zu Jesaja 40ff vortrug, wie ich sie bereits aus seiner Vorlesung kannte: Die darin enthaltenen Profetien seien natürlich gar keine, stammten auch nicht von Jesaja, sondern einem später lebenden, sogenannten 'Deuterojesaja', der sie Jesaja unterschob, um damit seine eigene Theologie besser verkaufen zu können. Dies alles hörte ich nun im 'frommen Modus' noch einmal und sollte von der tiefen Religiosität dieser Passage beeindruckt sein. Ich erlebte ein Paradebeispiel dafür, wie es möglich ist, mit einigen wenigen schwülstigen Worten eine Bibelstelle in ihr Gegenteil zu verkehren: Die behandelte Jesajastelle betonte, dass es gerade die echten Profetien sind, die den wahren Gott von den Götzen unterscheiden. Und das wurde nun zur Pseudo-Profetie erklärt - deren 'frommen' Inhalt wir aber trotzdem schlucken sollten! Es war schrecklich für mich, mitzuerleben, wie eine ganze Reihe von gläubigen Studenten sich dadurch Sand in die Augen streuen ließ und beeindruckt war von der 'Gläubigkeit' des Professors.

Der wohl eher atheistisch eingestellte Dozent erklärte mir, die Dreieinigkeit sei für ihn lediglich ein logisches Denkmodell für Gott. Er äußerte ganz offen Zweifel an meiner psychischen Gesundheit, weil ich Gott als Person sah, mit der man sprechen kann.

'Wenn hier einer irrt, dann ist es die Bibel!'

Eines hatten alle Dozenten gemeinsam, egal wie 'fromm' sie sich auch geben mochten -sie streuten systematisch Zweifel an Gott und der Glaubwürdigkeit der Bibel aus. So erlebte ich im Studium eine für die bibelkritische Theologie wahrscheinlich typische Atmosphäre: Innerhalb verschiedener 'Hauptströmungen', die alle letztlich im Unglauben mündeten, verfolgte jeder seine eigenen Theorien, und es galt die Gleichung:

Drei Dozenten = drei bis vier verschiedene Meinungen.

Nur in einem war man sich an der Uni meist einig: So, wie es in der Bibel geschrieben steht, kann es nicht gewesen sein. So stellte ich einmal während einer Freizeit für Theologiestudenten in Anwesenheit von etlichen Dozenten und Professoren die Behauptung in den Raum:

Es gibt unter den deutschen Theologen keinen Konsens,
keine einzige Lehre, in der sich alle einig wären -
außer der Überzeugung,
dass die Bibel nicht Gottes Wort ist!

Sie blieb unwidersprochen. Nur ein einziger Einwand wurde von einem Assistenten vorgebracht: 'Es geht allen um Jesus!' Doch selbst angenommen, dies sei wahr, dann stellt sich immer noch die Frage: Welchen Jesus? Es gibt Theologen, die keines der Wunder Jesu für wahr halten, andere wiederum sind der Überzeugung, die Wunder Jesu seien so ziemlich das einzige, was an ihm historisch zuverlässig sei. Jeder pflückt sich andere Stellen aus der Bibel heraus und bastelt sich so seinen eigenen 'Jesus' zurecht. Für den Jesus der Bibel gilt unter diesen Umständen: Kein Zutritt! Das ist die Wirkung der 'modernen' Theologie!

Pseudo-Wissenschaft

Meine Erfahrungen an der Universität haben bewirkt, dass ich den Respekt vor der angeblich 'wissenschaftlichen' Theologie vollkommen verloren habe. Sie tritt mit einem geradezu monopolartigen Anspruch auf, die einzig objektive Methode zu lehren, wie wir mit der Bibel umgehen müssen. Das alleine sollte schon aufhorchen lassen, denn hier begegnet uns ein mittelalterlicher Unfehlbarkeitsanspruch im modernen Gewande: Wer nicht historisch-kritisch denkt, muss von Haus aus irren, kann von der 'anerkannten Theologie' nicht ernst genommen werden. Er wird mit dem Bann der Hochschultheologie belegt und exkommuniziert aus der Gemeinde der angeblich wahrhaft wissenschaftlich denkenden Theologen.

Dabei habe ich hautnah erlebt, dass diese Theologie bis zu den Hüften in einem Sumpf von weltanschaulicher Voreingenommenheit steckt, den sie sich aber nicht eingesteht, sondern mit dem Anspruch von 'Wissenschaftlichkeit' bemäntelt. Angeblich objektiv wird an Texte herangegangen, aber in Wirklichkeit hat die meist lupenrein materialistische Weltanschauung von vorneherein festgelegt, was der Text sagen darf und was nicht.

Manchmal hat es mir fast körperliche Schmerzen bereitet, mitzuerleben,
wie der 'Textzeuge' solange zerschnippelt und quasi 'gefoltert' wurde,
bis er endlich aussagte, was seine Richter von ihm hören wollten.
Oft wird er seziert wie ein Frosch - bis alles Leben aus ihm gewichen ist ...

Das hat mit Wissenschaftlichkeit nichts mehr zu tun, auch wenn einem immer wieder in sich logische Gedankenfolgen begegnen. Doch in Wahrheit ist die logische 'Decke' hinten und vorne zu kurz und die Argumentation löchrig wie eine jahrhundertealte Landstraße. Der gerne sogenannte 'breite Konsens' beruht über große Strecken auf Spekulationen oder gerade gängigen Lehrmeinungen, die sich gegenseitig ablösen wie die Wellen am Strand. Ich kann ihn nur mit dem 'breiten Weg' vergleichen, vor dem Jesus ausdrücklich warnt.

Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass es da mit sachlichen Argumenten kein Durchkommen gibt. Diese Theologie ist eine Weltanschauung, die mit religiösem Eifer verteidigt wird. So kam ich nach langem Bemühen, diese Denkweise zu verstehen und doch wenigstens in der einen oder anderen Sachfrage ein Einlenken zu bewirken, zu der Einsicht, die Jesus schon damals seinen eigenen Freunden für den Umgang mit dieser Art von Schriftgelehrten als Rat mitgab:

Lasst sie! - Sie sind blinde Leiter der Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden sie beide in eine Grube fallen. (Matthäus 15:14)

So war es mir eine große Erleichterung, als ich das Theologiestudium abbrach. An Gutem geblieben sind mir von dieser Zeit die Kenntnisse des Hebräischen und Griechischen, die ich vermittelt bekam, sowie die befreiende Einsicht, dass diese Art von Theologie nicht für 'intellektuelle Redlichkeit' steht, sondern eine religiöse Form des Materialismus verkörpert. Ich halte sie für Sauerteig, der das geistliche Leben derer auslöscht, die ihn 'schlucken'. Und mehr als einmal habe ich bei Mitstudenten erlebt: Wen der Feind nicht umbringen kann,
den versucht er wenigstens, unfruchtbar zu machen!

Wer von Gott tatsächlich den Auftrag bekommen sollte, Theologie zu studieren, sollte sich darauf gefasst machen,
vom ersten Semester an 'durch die Hölle' zu gehen:
Die Wölfe haben Schaffelle angezogen und Kreide gefressen,
ihr Tonfall kling oftmals fromm und erbaulich, doch der wahre Charakter ihrer Lehren ist durch und durch glaubenszerstörend.

Pauschalurteil über einen ganzen Berufsstand?

Der Leser ist vielleicht irritiert über diese harten Aussagen, die noch dazu für weite Bereiche der Universitätstheologie im sogenannten 'christlichen Abendland' zutreffen sollen. Kann es überhaupt sein, dass sich die gesamte offizielle geistliche Elite derartig auf dem Holzweg befindet? Kann es sein, dass 'dahergelaufene Laien' die Bibel womöglich besser verstehen als Universitätsprofessoren, die sich jahrelang mit ihr auseinandergesetzt haben? Und ist es nicht geradezu unchristlich, ein derartiges Pauschalurteil über Menschen auszusprechen, deren offizielle Hauptaufgabe es ist, die Wahrheit über den Bibeltext zu erforschen und zu verbreiten? Geht es nicht entschieden zu weit, die historisch-kritische Theologie sozusagen zu 'verteufeln' und pauschal vor den modernen Theologen zu warnen, von denen viele doch 'so nett' sind?

Als erstes möchte ich darauf hinweisen, dass die moderne Theologie und deren Vertreter ohne Skrupel jeden aburteilen oder lächerlich machen, der nicht ihrem Dogma anhängt. Er wird als naiv, unkritisch, laienhaft, biblizistisch oder fundamentalistisch abgestempelt. Wer heute noch an die Aussagen der Bibel glaubt, rangiert in der Skala der Mainstream-Theologen zwischen 'Armer Irrer - er weiß es halt nicht besser!' oder: 'Engstirniger Fanatiker - er verschließt seine Augen vor der Realität!'

Das alleine wäre natürlich noch kein Grund, umgekehrt nun die bibelkritischen Theologen derartig heftig anzugehen. Doch Gottes Wort selber tut dies immer und immer wieder und mit einer ungewöhnlichen Schärfe. Denn obwohl die bibelkritische Theologie sich selbst als 'modern' ansieht, ist sie in Wirklichkeit absolut nichts Neues. So klagte Gott schon vor mehr als zweitausend Jahren über gewisse Theologen, die einerseits fromme Bekenntnisse vorschützten, aber gleichzeitig Gottes Wort absolut unglaubwürdig machten:

Wie könnt ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz des HERRN ist bei uns? Siehe, zur Lüge hat es der Lügengriffel der Schriftgelehrten gemacht! (Jeremia 8:8)

Insbesondere Jesus hatte eigentlich mit niemandem so große Probleme wie mit den Schriftgelehrten und Pharisäern seiner Zeit. Für ihn waren sie diejenigen, die Suchende mehr vom wahren Glauben abhielten als alles andere:

Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert! (Lukas 11:52, vergleiche Vers 53)

Der Fairness halber muss gesagt werden, dass diese Worte nicht nur auf die 'Schriftgelehrten' auf der liberal-kritischen Seite zutreffen, sondern in hohem Maße auch auf die 'Pharisäer' unter den 'streng Bibelgläubigen'! Auch unter denen, die die Bibel angeblich 'wörtlich' nehmen, grassieren wilde Irrtümer, dogmatische Starre und Standesdünkel. Überall, wo die Auslegung der Bibel mit Ansehen, Macht und Einkommen verbunden ist, besteht die Gefahr einer derartigen Korruption.

Abschließend möchte ich noch etwas betonen, was mir sehr wichtig ist: Keinem Menschen steht es zu, einen anderen zu ver-urteilen, was immer er auch sein oder tun mag. Gott allein kennt die Herzen und weiß zum Beispiel, wo gute Motive hinter schlechten Taten stehen oder umgekehrt. Aber es ist wichtig, dass wir religiöse Führer und ihre Lehren realistisch be-urteilen. Gottes Ziel für alle Irreführer ist und bleibt ihre Errettung, aber wir tun gut daran, Jesu Rat zu befolgen und uns vor ihnen in Acht zu nehmen (Lukas 20:46). Es ist einfach nicht alles Gold, was glänzt! Eine klare Abgrenzung von allen 'Schriftgelehrten', die Gottes Wort verraten, ist ein Schutz für uns und für andere, die unser Vorbild beobachten. Und gerade Jesus war es, der diese oftmals sehr religiösen, von sich selbst überzeugten Menschen unnachgiebig mit der Wahrheit und Gottes Wort konfrontierte, um sie zurückzuholen zu Gott. Das hat ihn viel gekostet. Nämlich das Leben.

(Prof. Eta Linnemann)

Die historisch-kritische Theologie
aus der Sicht eines Insiders

Eine angesehene Theologie-Professorin kommt zum Glauben

'Als Schülerin von Rudolf Bultmann und von Ernst Fuchs, von Friedrich Gogarten und Gerhard Ebeling habe ich die besten Lehrer gehabt, welche die historisch-kritische Theologie mir bieten konnte. Auch sonst war ich keineswegs zu kurz gekommen. Mein erstes Buch erwies sich als ein Bestseller. Ich wurde ordentliche Professorin für Theologie und Methodik des Religionsunterrichtes an der Technischen Universität in Braunschweig. Aufgrund meiner Habilitation ernannte man mich zur Honorarprofessorin für Neues Testament an der theologischen Fakultät der Philipps-Universität in Marburg und nahm mich als Mitglied in die Society for New Testament Studies auf. Ich durfte mich der zunehmenden Anerkennung durch meine Kollegen erfreuen.

Geistig beheimatet in der historisch-kritischen Theologie, war ich fest davon überzeugt, mit meiner theologischen Arbeit Gott einen Dienst zu tun und einen Beitrag zu leisten zur Verkündigung des Evangeliums. Dann aber musste ich - aufgrund von Einzelbeobachtungen und -informationen ebenso wie aus Selbsterkenntnis - einsehen, dass bei dieser 'wissenschaftlichen Arbeit am Bibeltext' unter dem Strich keine Wahrheit herauskommen kann und dass diese Arbeit der Verkündigung des Evangeliums nicht dient.' (loof 5,8)

Dieser und die im Folgenden zitierten Texte stammen vor allem aus dem Buch der ehemaligen Theologie-Professorin Eta Linnemann: ORIGNAL ODER FÄLSCHUNG (Abkürzung: loof), Historisch-kritische Theologie im Lichte der Bibel. CLV Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, Bielefeld, 1994. ISBN 3-89397-754-6. Die Überschriften wurden von mir eingefügt):

Die kritische Theologie - ein Koloss auf tönernen Füßen!

'Es ist Vorurteil - nicht Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchung -, dass man nach der historisch-kritischen Methode die Wundergeschichten im Neuen Testament nicht als Berichte von geschehenen Wundern lesen darf. Ich selber habe oft genug gelehrt - wie ich es Jahrzehnte vorher gelernt hatte - dass man, selbstverständlich, nicht annehmen dürfe, diese Wunder seien so passiert. Nachdem ich durch die Gnade Gottes überführt worden war, dass Gott heute noch dieselben Wunder tut, fing ich an nachzudenken, welche Argumente für diese Behauptung zur Verfügung stehen, und musste beschämt feststellen: keine. ...

Es ist ein Vorurteil, dass nur geschehen sein kann, was jedermann zu jeder Zeit in ähnlicher Weise widerfährt. Auf dieser Basis wird - um ein Beispiel zu nennen - Markus 13,2 für ein 'vaticinum ex eventu' erklärt: Weil genau das geschehen ist, was das Wort sagt, kann es nach Ermessen der Forschung keine echte Weissagung sein. Denn die historisch-kritische Theologie erkennt wohl menschliche Vorahnung und Vorausschau an, so dass man z.B. Jesus zubilligt, er habe seine Tötung vorausgesehen. Eine von Gott gegebene Erkenntnis zukünftiger Dinge lässt sie jedoch nicht gelten.

Welche Kartenhäuser die Forschung baut, mag man auch daran sehen, dass jene Stelle, Markus 13,2 nachdem sie zuvor willkürlich zum vaticinium ex eventu erklärt wurde, die Beweislast dafür tragen muss, dass das Markusevangelium 'nach 70' entstanden sei. Diese Unterstellung wird dann als Eckdatum der Datierung der übrigen Evangelien und der Apostelgeschichte zugrundegelegt. Wahrlich, die historisch-kritische Methode ist ein Koloss, der auf sehr gebrechlichen tönernen Füßen steht!' (loof 37,38)

Der Charakter der modernen Theologie

'Der nicht erklärte, aber praktizierte Grundsatz alttestamentlicher und neutestamentlicher Wissenschaft ist: So, wie es dasteht, kann es auf keinen Fall gewesen sein. Der Exeget ist darauf eingestellt, 'Schwierigkeiten' im 'Bibeltext' zu entdecken und zu lösen. Je besser der Ausleger ist, um so größer wird seine Findigkeit darin sein. Denn wenn er als Professor etwas taugen will, muss er sich 'einen Namen machen'. Dazu ist er verpflichtet, wenn er nicht ein Dieb sein will, der sein Professorengehalt umsonst bezieht. Er ist in der Zwangslage: Er muss nach Menschenehre trachten, auch wenn er charakterlich alles andere als ehrsüchtig ist. Dem Charakter nach sind die meisten früheren Kollegen weithin eher demütig und bescheiden, wie ich ihnen gerne bescheinige. Aber durch das System der Universitätstheologie stehen sie unter dem Zwang sich einen Namen zu machen und nach Menschenehre trachten zu müssen. Jesus aber sagt:

Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? (Joh 5,44)

Ein Theologiestudent, der dem Bedürfnis nach Anerkennung durch Menschen noch nicht gestorben ist, steht unter dem gleichen Druck. Kein Wunder, dass viele gläubige Theologiestudenten bald ernsthafte Glaubensschwierigkeiten haben. Oft ist es auch so, dass sie vom Glauben abdriften, ohne es selber wahrzunehmen. Es bleibt so einiges hängen von dem, was sie gelernt haben - wie sollte es anders sein? Dazu studierten sie ja doch. Es werden Abstriche gemacht an Gottes Wort. Es wird ihm nicht mehr alles abgenommen, was er sagt, und deshalb wird auch seine Kraft nicht mehr so erfahren.

'Die Pastoralbriefe sind nicht von Paulus', hat man gelernt; 'Der Verfasser des Johannesevangeliums ist natürlich nicht der Zebaide Johannes', 'die 5 Bücher Mose sind nicht von ihm, sondern aus verschiedenen Quellen zusammengeschrieben'.

Wer das im 6. Semester noch nicht gelernt hat, gilt als 'bescheuert', und so wird der Weinberg von den kleinen Füchsen verwüstet. Das sieht alles so harmlos aus: Das sind doch alles nur Kleinigkeiten, nicht entscheidend für den Glauben, was hängt schon daran. Aber die Autorität des Wortes Gottes wird dadurch in Frage gestellt. Es verliert an Verbindlichkeit, und das macht sich bald dort bemerkbar, wo es unbequem wird. Lassen wir uns nicht beirren. Selbst ein Mauseloch kann einen Deich gefährden. Wenn eine Sturmflut kommt, wird das offenbar.' (loof 14-15)

Der Sauerteig der Schriftgelehrten

Aufgrund seiner Arbeit gewinnt der Theologieprofessor zwangsläufig eine feste Überzeugung, dass man Gottes Wort nicht verstehen kann, ohne sich die Hypothesengebilde alt- und neutestamentlicher Wissenschaft eigen zu gemacht zu haben. Er ist wirklich überzeugt davon und deshalb in der Lage, diese Überzeugung auch seinen Hörern zu übermitteln. ...

a) Den einzelnen Hypothesen liegen ja Argumente zugrunde, aber der durchschnittliche, ja selbst der sorgfältigere Student nimmt 80 - 90% der Hypothesen auf, ohne in der Lage zu sein, die Argumente abzuschätzen und zu wägen, und etwa 40 - 50%, vielleicht sogar mehr, ohne die Argumente überhaupt nur zu kennen. Denn die Argumente werden in den Lehrveranstaltungen im allgemeinen nur soweit in den Blick gebracht, wie Thesen vertreten werden, die relativ neu und noch nicht allgemein anerkannt sind, oder soweit die Ausführung des Lehrenden auf Widerspruch stoßen.

b) Eine Reihe von Grundannahmen, die den Charakter eines Consensus Communis haben, d.h. betreffs deren eine allgemeine Übereinstimmung unter den Forschern besteht, bilden einen Raster, ohne den es überhaupt nicht möglich ist, in Vorlesungen und Seminaren Informationen aufzunehmen oder zu verarbeiten. Diese Grundannahmen werden zwar nicht in der Theorie, wohl aber im praktischen Umgang Tatsachen gleichgesetzt, d. h. man geht mit ihnen um, als ob es Tatsachen wären. Wer sie solchermaßen in sein Denken einbezieht, wird durch sie geprägt und verändert.

Das Risiko des Theologiestudiums ist deshalb sehr groß, denn diese Veränderungen geschehen zwangsläufig und unbemerkt. Man atmet eine Atmosphäre ein, die tödlich ist wie Kohlenmonoxyd und von demjenigen, der sich darin aufhält, ebensowenig wie dieses wahrgenommen wird, wenn nicht Gottes Gnade in besonderer Weise helfend eingreift.''(loof 22-23)

Methoden der ideologischen Umpolung

Der Student steht unter dem Druck eines gewaltigen Informationsgefälles, das nicht durch pädagogische Staustufen abgemildert ist. Der Professor breitet in Vorlesungen und Seminaren die Ergebnisse seiner Lebensarbeit aus, die auf der Arbeit von Forschergenerationen vor ihm beruht, während die Studenten noch Mühe haben, die Methoden zu erfassen, nach denen diese Ergebnisse erarbeitet wurden. Angesichts dieses Informationsdruckes ist es schwer, an mitgebrachten Einsichten aus Gottes Wort festzuhalten, wenn diese als 'unwissenschaftlich' disqualifiziert werden. Von seiten der Lehrenden begegnet dem gläubigen Studenten vielfach Widerstand in folgenden Spielarten:

Herablassung: 'Sie werden es schon noch lernen!'

Versuchung: 'Stellen Sie sich doch wenigstens theoretisch auf diesen Standpunkt.'

Verführung: 'Ist denn Ihr Glaube so schwach und trauen Sie Gott so wenig zu, dass Sie sich auf diese Gedanken nicht einlassen wollen?'

Der Student hat Arbeiten vorzulegen, in denen er nachweisen muss, dass er sich die Arbeitsweise der historisch-kritischen Theologie hinreichend zu eigen gemacht hat. Er steht unter dem Zwang, selber historisch-kritisch zu denken, zu reden und zu schreiben ... Sein Umgang mit Gottes Wort wird grundlegend verändert, auch dann, wenn er es zu seiner eigenen Erbauung lesen will. Das im Studium Gelernte schiebt sich vor das Wort und verstellt ihm den Zugang. (loof 22-23)

Engels - ein Opfer der 'modernen' Theologie

Richard Wurmbrand zeigt auf: 'Nachdem Engels das Buch des liberalen Theologen Bruno Bauer gelesen hatte, begann er an seinem christlichen Glauben zu zweifeln. Zu jener Zeit schrieb er:

'Ich bete täglich, ja fast den ganzen Tag, um Wahrheit, habe es getan, sobald ich anfing zu zweifeln, und komme doch nicht zu eurem Glauben zurück. Die Tränen kommen mir in die Augen, indem ich dies schreibe. ...

Was für ein Mensch war Bruno Bauer, der liberale Theologe? ... Bauer schrieb an seinen Freund Arnold Ruge, der auch ein Freund von Marx und Engels war, am 6. Dezember 1841:

'Ich halte hier an der Universität Vorlesungen vor einer großen Zuhörerschaft. Ich erkenne mich nicht mehr, wenn ich meine Lästerungen von der Kanzel herunterspreche. Sie sind so großartig, dass sich diesen Kindern, die niemand verletzen sollte, die Haare sträuben. Während ich diese Gotteslästerungen verkünde, denke ich daran, wie ich zu Hause fromm dasitze und eine Rechtfertigung der Heiligen Schrift und der Offenbarung schreibe.'

(Zitiert aus: Richard Wurmbrand 'Das andere Gesicht des Karl Marx', Stephanus Edition 1987, ISBN 3-921213-15-0, Seite 34-35)

Konsequenzen

'Diese Zeilen sind nicht zu dem Zweck geschrieben, Menschen zu verurteilen ... Vielmehr soll das System der historisch-kritischen Theologie in seiner Gefährlichkeit gekennzeichnet werden, so, wie man auf einer Giftflasche ein entsprechendes Etikett klebt, damit niemand aus Versehen daraus trinkt und meint, er würde sich etwas Gutes einverleiben. Wenn man weiß, was man im Theologiestudium zu erwarten hat, dann wird man nicht mehr ohne weiteres den Schluss ziehen, dass jemand, der vom Herrn beauftragt worden ist, Missionar, Evangelist, Hirte oder Lehrer zu werden, selbstverständlich Theologie studieren müsse.

In der Welt muss man - wenn möglich - studieren, um ein gutes Einkommen zu erringen und 'etwas aus seinem Leben zu machen'. Wir sind aber nicht in der Welt zu Hause, sondern unser Bürgerrecht ist im Himmel (Philipper 3,20). Wir werden aufgefordert, uns nicht der Welt gleichzustellen (Römer 12,2). Wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt uns hasst (Johannes 15,19; 1.Johannesbrief 3,13). Wir sind Soldaten Jesu Christi, und kein Soldat bewegt sich ohne Marschbefehl, schon gar nicht in Feindesland. Sollte er es aber doch tun, dann zieht er sich Schwierigkeiten zu.

Ein junger Mensch, der vor der Frage steht, ob er diese Theologie studieren soll, der sollte mit lauterem Herzen, bereit, die eigenen Pläne dranzugeben, Gott fragen, ob das Sein Wille ist. Er sollte Klarheit gewinnen, ob er vom Herrn dazu berufen ist, nicht nur dazu, 'ein Gelenk des Dienstes' (Epheser 4,16) zu werden, sondern ausdrücklich auch zu solchem Studium der Theologie. Wen der Herr dazu beruft, der begebe sich fröhlich und getrost an die Theologische Fakultät. Er ist ein Gesandter seines Königs, und der wird ihn auch an diesem Ort zu bewahren wissen. Nur muss er sich mit aller Vorsicht dort bewegen, wie das ein Soldat im Feindesland tut.' (loof 29-30.)

Bitte

Nach wie vor erachte ich alles, was ich gelernt und geschrieben habe, bevor ich Jesus mein Leben übergab, für einen Dreck. Ich möchte die Gelegenheit benutzen, um darauf hinzuweisen, dass ich meine beiden Bücher 'Gleichnisse Jesu...' und 'Studien zur Passionsgeschichte' samt meinen Beiträgen in Zeitschriften, Sammelbänden und Festschriften verworfen habe. Was sich davon in meiner Wohnung befand, habe ich 1978 eigenhändig in den Müll getan und bitte Sie herzlich, mit dem, was davon etwa noch auf Ihrem Bücherbord sich findet, das gleiche zu tun.

Dr. Eta Linnemann, Prof. i. R., 5. Juli 1985 (loof 5, 8.)

Der 'Bibel-Code': Eine Ent-Täuschung

Die in diesem Abschnitt zitierten Ausführungen stammen von:

David E. Thomas, Physiker in Albuquerque
P.O.Box 1017, Peralta, Neumexiko 87042-1017, oder per e-mail: det@rt66.com.
Homepage: http://csicop.org/si/9803/bible-code.html

Brendan McKay (1997). Von ihm stammen auch die Grafiken mit den in Moby Dick vorhergesagten Ermordungen von Staatsoberhäuptern:
Homepage: http://cs.anu.edu.au/~bdm/dilugim/moby.html

Was soll der Bibel-Code sein?

Die Bibel-Code-Theorie behautptet, dass der hebräische Text der Bibel, insbesondere der Torah (der fünf Bücher Mose als die ersten der Bibel) absichtliche Kombinationen von Wörtern oder Sätzen enthält, die als Buchstaben mit jeweils gleichen Abständen voneinander auftauchen ...

Diese sollen zugleich geheimnisvolle Vorhersagen über die Zukunft enthalten, z.B. die Ermordung von Premierminister Rabin.

Wie 'funktioniert' der Code?

Drosnin’s Technik baut auf der von Eliyahu Rips der Hebrew University in Israel auf ... (Anmerkung: Dieser hatte die Namen von Dutzenden mittelalterlichen Rabbis in Verbindung mit ihren Geburts- und Todesdaten in der Genesis gefunden!)
Wie Rips, arrangiert Drosnin die 304.805 hebräischen Buchstaben der Bibel in einer langen Kette. Leer- und Punktationszeichen werden ausgelassen, die Worte lückenlos aneinandergereiht. Ein Computer sucht nach besonderen Wörtern oder Namen, indem er immer eine je nach Experiment variable, aber innerhalb des Experiments fixe Anzahl von Buchstaben überspringt. Gelesen wird dabei sowohl vor- wie auch rückwärts, und außerdem gibt es für jeden Stufensprung n ebensoviele Möglichkeiten, mit einem anderen Buchstaben zu beginnen. Drosnin’s Sequenz für ‘Yitzhak Rabin’ hatte einen Stufensprung oder Abstand n = 4.772 ...
Wenn Drosnin einen Namen oder ein Wort findet, arrangiert er ihr Umfeld zu einer großen Matrix um, und innerhalb dieses ‘Kreuzwort Puzzles’ sucht er nach weiteren ‘verborgenen Botschaften’, indem aufwärts, abwärts, vorwärts, rückwärts und diagonal gelesen wird, dabei mit variierenden Buchstabenabständen ...

Der Code - angeblich nur im Hebräischen Original ...

Es wird davon ausgegangen, dass der Code nur in der hebräischen Bibel vorliegt, nicht jedoch in irgendwelchen Übersetzungen oder anderen Büchern. Drosnin behauptete:

'Ständig bringt der Bibel-Code zusammenhängende Worte hervor, die eine darauf zu beziehende Information offenbaren. Mit Bill Clinton, Präsident. Mit dem Mond, Landung, Raumschiff und Apollo 11. Mit Hitler, Nazi. Mit Kennedy, Dallas.
Experiment um Experiment konnten diese Kreuzwort-Puzzles nur in der Bibel gefunden werden. Nicht in ‘Krieg und Frieden’, in keinem anderen Buch, und nicht in zehn Millionen von computer-erzeugten Testfällen.' (Drosnin 1997, Seite 26)

... in Wirklichkeit auch bei King James und anderen

Vielleicht war ein Wurm in Drosnin’s Computerprogramm. Oder vielleicht wollte er in Wirklichkeit gar keine verborgenen Botschaften außerhalb der hebräischen Bibel finden. Alles, was ich weiß ist: Mir war es ein Leichtes, in allen Texten, mit denen ich arbeitete, komplexe, verborgene Botschaften zu produzieren ... Das Code-Konzept kann leicht auch im Englischen vorgeführt werden. Betrachten sie die folgenden Verse aus der King James Version aus dem Buche Genesis, Kapitel 31:28:

'And hast not suffered me to kiss my sons and my daughters?
Thou hast now done foolishly in so doing.'

Wenn man bei R in 'daughters' beginnt und jeweils drei Buchstaben auslässt, dann kommt als nächstes das O in 'thou', das S in 'hast' und so weiter ... dann wird dabei die verborgene Botschaft ‘Roswell’ enthüllt! Diese ‘Botschaft’ hat den Stufenwert von 4 ...

In den auszugsweise zitierten Arbeiten der Verfasser werden in der Art des obengenannten, sehr einfachen Beispieles reihenweise die erstaunlichsten Kombinationen genannt, die in der King James Übersetzung sowie in anderen Büchern gefunden werden können. Hier ein Beispiel:

Auf den Vorschlag eines Reporters hin lud ich den Auszug eines Kapitels von Drosnins Buch 'The Bible Code' aus der Website von Simon und Schuster und begann sie zu durchsuchen. Obwohl das Kapitel nur ungefähr 4.000 Buchstaben lang ist, konnte ich doch einige Treffer landen. ... So fand ich das allgegenwärtige 'Hitler/Nazi', obwohl der Auszug diese Worte nicht direkt selber enthielt, sondern von der Ermordung Rabin’s handelte.

Eines der von mir gefundenen Puzzles hat die verborgende Botschaft: 'Der Code ist eine dumme Täuschung' (wörtlich: a silly snake-oil hoax). Und ich fand sogar: 'Der Code ist böse' in Drosnin’s eigenem Buch (ziemlich durcheinander die Botschaft, die er uns hier zukommen lässt). ...

Die Wahrscheinlichkeiten in Theorie ...

Die Befürworter von 'verborgenen Botschaften' fragen: 'Wie können derartig erstaunliche Kombinationen das Produkt reinen Zufalls sein?' Doch ich denke, die Frage müsste richtiger lauten: 'Müssen derartige Kombinationen nicht unausweichlich als das Produkt einer gigantischen Masse von Versuchen an einer großen, im Prinzip rein zufälligen Ausgangsdatenmenge herauskommen?'
Ich habe eine Formel erstellt, wie oft man ein bestimmtes Wort in einem Text erwarten kann, der aus einer rein zufälligen Folge von Buchstaben besteht. Man muss zuerst die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens jedes einzelnen Buchstaben errechnen, was von dem jeweiligen Text abhängt, der untersucht wird. Das ist ganz einfach, nämlich die Zahl der Vorkommen dieses Buchstabens geteilt durch die Gesamtzahl aller Buchstaben überhaupt. So ist z.B. die Wahrscheinlichkeit, dass man ein E bekommt, in der Regel größer als 0,1, während ein Q nur mit der Wahrscheinlichkeit von 0,005 zu erwarten ist.
Für ein konkretes Wort wie ‘Roswell’ multipliziert man die Wahrscheinlichkeit für ein R mit der von O, dann von S und so weiter. Das Gesamtprodukt dieses Wortes multipliziert man man mit der Gesamtzahl der möglichen Sequenzen für dieses Wort, die sich bei gleichem Buchstabenabstand ergeben. Diese Zahl ist grob gesagt das Quadrat der Buchstaben, die im Text vorkommen, geteilt durch eins weniger als die Buchstabenzahl des gesuchten Wortes.

... und Praxis

Diese Formel funktioniert ganz gut. So schätzte ich, dass ich 18,7 Vorkommen von 'Clinton' in dem Buch 'Krieg und Frieden' (War and Peace) finden würde. Das Buch hat 212.000 Buchstaben, es gibt 7.5 Milliarden mögliche Sieben-Buchstaben-Abstand-Sequenzen). Die tatsächliche Zahl war 21. Ich schätzte, dass ich 128,1 Mal den Treffer ‘Apollo’ erhalten würde - und erhielt 129.
Mit jedem zusätzlichen Buchstaben in dem gewünschten Wort sinken die Chancen, weil man das Produkt mit einer weiteren Zahl multiplizieren muss, die kleiner als eins ist. Und ist der betreffende Buchstabe auch noch ein selten vorkommender, verkleinern sich die Trefferchancen beträchtlich.

Beispiele für ‘verborgene Prophetien’ in ‘Moby Dick’

Wenn meine Kritiker in dem Buch ‘Moby Dick’ eine verborgene Botschaft über die Ermordung irgend eines Premierministers finden können, dann werde ich ihnen glauben. (Newsweek, 9.Juni 1997)

Diese Herausforderung hat Michael Drosnin geäußert. Man beachte, dass das Englische, bei dem die Vokale als vollwertige Buchstaben zählen, viel weniger flexibel ist, wenn es darum geht, einzelne Buchstaben zu Wörtern zusammenzusetzen. Aber nichtsdestotrotz präsentieren wir hiermit ohne weitere Mühe unsere Antwort auf Drosnin’s Herausforderung:

John F.Kennedy

Er wurde von einem Attentäter, der an einem versteckten Ort auf der Lauer lag, während einer Autoausfahrt mit einem Gewehr in den Kopf geschossen und starb. Die Englischen Worte, die in dem 32 x 15 Buchstaben-Kästchen gefunden wurden, lauten:

Kennedy / had been so killed (wurde so getötet) / shot (erschossen) / head (Kopf) / rifle (Gewehr) / he stood very quietly (er stand ganz still) / remained invisibly enshrined within (er blieb unsichtbar eingeschlossen) / coffin (Sarg)

Abraham Lincoln

Die Englischen Worte, die in dem 15 x 10 Buchstaben-Kästchen gefunden wurden, lauten:

Abe (Abkürzung für: Abraham) / Lincoln / killed (ermordet) / bang (Knall) / cut down (gefällt)

Martin Luther King

Die Englischen Worte, die in dem 25x 11 Buchstaben-Kästchen gefunden wurden, lauten:

MLKing (Martin Luther King) / Tenn (Abkürzung für Tennessee)

to be killed by them (von ihnen ermordet werden) / gun (2x: Waffe)

prepared for death (vorbereitet für den Tod) / US agent deed (Tat eines US Agenten)

Diese und etliche weitere Beispiele wie sind zu finden unter:

http://cs.anu.edu.au/~bdm/dilugim/moby.html

Ein grundsätzlicher Stolperstein für Drosnin’s Theorie

In den September 1997 Notizen der 'American Mathematical Society' führt der Harvard Mathematik Professor (und Orthodoxe Rabbi) Shlomo Sternberg das 'Kode-Phänomen'. Insbesondere zeigte er auf, dass all die von Rips und Drosnin ‘herausgefundenen Codes’ zusammenbrechen, wenn auch nur ein paar Buchstaben zu dem von ihnen verwendeten Text hinzugefügt oder von ihm weggenommen würden.

Und Sternberg bemerkt: 'Einer der ältesten vollständigen Texte der Bibel, der 'Codex Leningradensis' aus dem Jahre 1009 (der auch elektronisch abgespeichert verfügbar ist) unterscheidet sich von der 'Koren'-Fassung, die Rips und Witztum verwenden, allein im 5.Buch Mose (Deuteronomium) an einundvierzig Stellen. Tatsächlich wurde die genaue Buchstabierung der Hebräischen Bibel erst im sechzehnten Jahrhundert vollkommen vereinheitlicht ...'

Der Code vergeht - das Wort Gottes bleibt

Es geht hierbei in den hier erwähnten Abweichungen zwischen den Handschriften in den allermeisten Fällen nicht um sinnverändernde Varianten, sondern um Fragen der Rechtschreibung einzelner Worte. Im Hebräischen kann ein Vokal durch einen Konsonanten oder nur durch ein Lesezeichen dargestellt werden, was manchmal so und manchmal so geschieht, ohne dass das Wort dadurch eine andere Bedeutung bekäme. Im Deutschen wären das z.B. die beiden Schreibungen 'Eisschnellauf' oder 'Eisschnelllauf' vor und nach der Rechtschreibreform. Derartige Abweichungen haben für die Bedeutung des Originaltextes keine Bedeutung. Für einen 'Bibelcode' bewirken diese Abweichungen jedoch entscheidende Veränderungen für die daraus abgeleiteten Zufallssequenzen. In der Tat werden sie damit hinfällig.

Ergebnis

Das Buch 'Der Bibel-Code' von Michael Drosnin ist der erfolgreichste Bestseller über die ‘Torah-Codes’. Leider entbehrt es jeglicher wissenschaftlichen Grundlage ... Durch wiederholte Beispiele beweisen wir, dass Drosnin nichts gefunden hat, dass man nicht in jedem beliebigen Buch finden könnte, sogar wenn es in Englisch verfasst ist.
Kurz zusammengefasst ist das Ergebnis unserer sehr ausführlichen Untersuchungen, dass all die behaupteten wissenschaftlichen Beweise für den ‘Bibel-Code’ nichts als Unfug sind ...

Der Geist dahinter ...

Drosnin beansprucht mathematische Beweise dafür, dass 'kein menschliches Wesen die Bibel auf diese Art und Weise codiert haben könnte' (Drosnin 1997, Seite 50-51). Er sagt: 'Ich weiß nicht, ob es Gott ist', aber er fügt hinzu, dass der Code beweise, 'dass wir nicht alleine sind' ...

Die Aufmachung auf der Rückseite des Covers bezeichnet Drosnin's Werk als 'zweitwichtigstes Buch nach der Bibel'. Andererseits gibt Drosnin offen zu, nicht an Gott, schon gar nicht den Gott der Bibel zu glauben. Für ihn ist auch der Bibeltext als solcher weder glaubwürdig noch interessant, sondern nur seine vom Computer künstlich erstellten Listen. Das Buch von Drosnin kombiniert in Wirklichkeit ...

... als übersinnlich angepriesene Phänomene (den nur mit Spezialwissen zu knackenden Code mit hellseherischen Zukunftsvorhersagen)

... mit gängigen religiösen Strömungen (der Code ist angeblich nur in der Bibel zu finden)

Er bleibt dabei völlig schwammig ('Ich weiß nicht, ob es Gott ist' - 'wir sind nicht alleine') und erzielt mit dieser Mischung enorme Verkaufsquoten.

Das erinnert stark an eine ‘Hellseherin’, die vor längerer Zeit lebte: Auf der einen Seite 'verschaffte sie ihren Herren beträchtlichen Gewinn durch Wahrsagen', andererseits machte sie gleichzeitig lautstark Werbung für die Verkündigung des Wortes Gottes durch den Apostel Paulus. Doch weil dieser sich davon nicht blenden ließ, flog der wahre Geist, der sich hinter der Sache verbarg, nämlich ein 'Python-Geist', auf und raus - nachzulesen in Apostelgeschichte 16:16-18.

Es gibt tatsächlich Hellseherei und Wahrsagerei, . Oftmals benutzen diese Medien irgendwelche Hilfsmittel wie Kaffeesatz, Handlinien, Kristallkugeln oder Photos, doch die eigentlichen Quellen des übernatürlichen Wissens sind 'von der anderen Seite'. In diesem Sinne könnte man also auch mittels eines Bibel-Codes Dinge vorhersagen, die ihren Wahrheitsgehalt dann allerdings nicht aus dem Bibeltext, sondern aus der Qualität der hellseherischen Begabung beziehen.

Weder das Auftreten in einem religiösen oder gar biblischen Gewand noch übersinnliche Phänomene sind ein ausreichender Beweis für die Wahrheit einer Botschaft:

Wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht oder einer, der Träume hat, und er gibt dir ein Zeichen oder ein Wunder, und das Zeichen oder das Wunder trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, indem er sagte: «Lass uns anderen Göttern - die du nicht gekannt hast - nachlaufen und ihnen dienen!», dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten hören oder auf den, der die Träume hat. Denn der HERR, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den HERRN, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele liebt.
Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen, und ihn sollt ihr fürchten. Seine Gebote sollt ihr halten und seiner Stimme gehorchen; ihm sollt ihr dienen und ihm anhängen.
(5.Mose 13:2-5)

Diese Bibelstelle warnt ausdrücklich davor, dass Menschen kommen werden, die Dinge vorhersagen können und sogar als Propheten Gottes auftreten. Doch nicht einmal das Eintreffen solcher Vorhersagen ist eine Gewähr für die Richtigkeit der Botschaft dieser Propheten. Vielmehr betont der Textzusammenhang, dass wir an Gott und insbesondere seinem bereits geoffenbarten Wort festhalten sollen.

Dennoch zeigt das Beispiel von Drosnin's Werk, dass es in gewissem Sinne einen 'Bibel-Code' gibt: Man kann sich stunden- und jahrelang mit der Bibel, ja, sogar dem Grundtext der Bibel befassen, und doch keinen Zugang zu ihrer Botschaft bekommen. Diese 'Codierung' ist auch mit dem besten Computern nicht zu knacken. Die einzige Möglichkeit besteht darin, dass man die Bibel einfach so annimmt, wie es dasteht und ihren Autor ganz einfach darum bittet, dass er einem hilft, sein Wort zu verstehen und zu tun.

Weitere Schriften von Armin Christian Held:

Die Bibel

‘von Anfang an’ besser verstehen

Band 1 (Genesis 1):

Die Schöpfung

Der "Urknall" - eine christliche Idee!

Leben "von Anfang an": Gottes Geist brütete über der "Ursuppe"!

Woher kam das Licht des ersten Tages?

Wie lange dauerten die Schöpfungstage Gottes?

Das Weltbild der Bibel:

Ist der Himmel ein "Firmament", die Erde eine Scheibe?

Stammt der Mensch von den Landtieren des sechsten Tages ab?

Seit wann gibt es Leid und Tod in der Schöpfung?

Bekenntnisse berühmter Naturwissenschaftler

Wie kann eine wissenschaftliche Auslegung der Bibel aussehen?

Der Autor: Wie ich vom Atheisten zum Christen wurde.

Band 2 (Genesis 2-12):

Von Adam bis Abraham

Krieg im Paradies

Wo lag der "Garten Eden"?

Hatte der "erste Mensch" eine Mutter?

Wann lebte Adam?

Adam's Berufung: Gärtner und Soldat

Kriegsvorbereitungen in Eden: Ein "Kampfbeistand" für Adam

Kann man aus einem Mann eine Frau machen? Die Operation

Der Sündenfall

Der Angriff der Schlange - wer oder was ist "das Böse"?

Wie kam die Sünde in die Welt hinein?

Welche Folgen hatte der Sündenfall?

Die Prophezeiung und der große Kampf "Schlange gegen Frau"

Kain und Abel - wenn Brüder Feinde werden ...

Die Sintflut

Lokale oder weltweite Katastrophe?

Wie konnte Gott das zulassen?

Von Babel bis Babylon - Verwirrung ohne Ende?

Babel und die Entstehung der Sprachen

Der Turm von Babel - der erste "Kirchturm" der Welt?

Gottes Gericht über das System der Denominationen

Der Autor: Mein persönliches Glaubens-Bekenntnis

Inhaltsverzeichnis: Theologie

Warum Darwin nicht mehr glauben konnte ... Revolutionär wider Willen Seite 1

Die Bibel "beim Wort genommen" Wissenschaftliche Bibelauslegung Seite 4

Lassen wir uns wirklich von Fakten überzeugen? Das (traurige) Vorbild der Apostel Seite 9

Die Zuverlässigkeit des Bibeltextes Ein Expertenurteil Seite 12

Die zwei Stammbäume Jesu im NT Wie ein angeblicher Widerspruch sich auflöst Seite 15

Jesus und die Bibel Gottes Wort in menschlicher Gestalt Seite 18

Der Hase - (k)ein Wiederkäuer? Was Theologen und Biologen sagen Seite 21

War Jona ein falscher Prophet? Die Umkehr(ung) von Ninive Seite 27

Die historisch-kritische Theologie und die Genesis Ein Überblick Seite 35

Die Bibelkritik an den Mosebüchern Gottesnamen und Quellenscheidung Seite 36

Die Schwächen der Literarkritik Unkenntnis und blühende Phantasien Seite 37

Die Wurzeln und Früchte der Literarkritik Vom Pantheismus zum Unglauben Seite 39

Der Gottesname JHWH Ein angeblicher Beweis für die Bibelkritik Seite 41

"Jehova"? Die richtige Aussprache des Gottesnamens Seite 50

Stammt die Bibel aus Babel? Original und Variationen Seite 51

Biblische Quellenscheidung ...Mose als Redaktor? Seite 54

Der Autor: Meine Erlebnisse mit der Universitätstheologie Pseudo-Wissenschaft Seite 59

Ein Insider kommt zum Glauben Bitte, werft meine Schriften weg! Seite 63

Der "Bibel-Code" Eine Ent-Täuschung Seite 67

 

Theologie

"Den Glauben behalten,

ohne den Verstand zu verlieren"

Warum Darwin nicht mehr glauben konnte

Kritik an der historisch-kritischen Theologie

Die Bibelkritik aus der Sicht eines Insiders

Ist der Hase (k)ein Wiederkäuer?

Die zwei Stammbäume Jesu - ein Widerspruch?

Biblische "Quellenscheidung"

Der "Bibeltest"

Wissenschaftliche Bibelauslegung

Wie ich vom Atheisten zum Christen wurde

Mein persönliches "Glaubensbekenntnis"

 

Typische Zweifel:

Warum Darwin nicht mehr glauben konnte

An Bord der "Beagle" war ich ganz orthodox, und ich erinnere mich, von mehreren Offizieren (obgleich sie selbst orthodox waren) herzlich darüber ausgelacht worden zu sein, dass ich die Bibel als eine unwiderlegbare Quelle über irgendeinen Punkt der Moral zitierte ...
In der zweiten Hälfte meines Lebens ist nichts bemerkenswerter als die Ausbreitung des religiösen Unglaubens oder des Rationalismus.

(Charles Darwin, deeg 104,113)

Revolutionär wider Willen ...

Wer meint, Darwin sei ein überzeugter Atheist gewesen, der bewusst den christlichen Glauben angreifen wollte, der irrt! Darwin selber stellte rückblickend fest:

Ich könnte völlig wahrheitsgemäß sagen, dass ich nie den Wunsch verspürt habe, dieses oder jenes religiöse Dogma anzufechten. (deeg 72)

Eher das Gegenteil war der Fall! Selbst in der Zeit seines dreijährigen Theologiestudiums, als er sich schon eifrig als Naturforscher betätigte, hatte er ...

... nicht den geringsten Zweifel an der strikten und wörtlichen Wahrheit jedes Wortes in der Bibel. (deeg 71)

Mit dieser Überzeugung trat er seine Fahrt auf dem Forschungsschiff "Beagle" an, und wir können davonausgehen, dass er seinen Glauben nur sehr widerwillig über Bord warf:

Ich war aber sehr abgeneigt, meinen Glauben aufzugeben; - dessen bin ich ganz sicher ... (deeg 105,106)

Wie konnte es dann innerhalb weniger Jahre zu einer solchen Kehrtwendung in den Überzeugungen Darwins kommen, dass sein Buch "Über die Entstehung der Arten" eine regelrechte Revolution auslöste? Zentrale Lehren des Christentums kamen ins Wanken, und schließlich triumphierten die "Wissenschaften" über die "Religion". Das Fundament für ein neues Weltverständnis wurde gelegt, auf dem die gesamte Abendländische Kultur bis heute ruht. Wir gehen also zurück bis an die Wurzeln unserer heutigen Zivilisation, wenn wir einen Blick auf die Ereignisse werfen, die Darwin zu seiner radikalen Gesinnungsänderung veranlassten. Was war geschehen?

Spaltbares Material

Das abendländische Denken wurde lange Zeit vom Einfluss der kirchlichen Hierarchie beherrscht, die ihre Weltanschauung durchsetzte. Dieser Einfluss war jedoch nicht nur hinderlich. Der christliche Glaube an einen intelligenten Schöpfer spornte viele Wissenschaftler dazu an, die Gesetzmäßigkeiten der Schöpfung zu erforschen. Die Entgötterung der Naturgewalten eröffnete den Weg für das Studium der Natur. Deswegen kam es trotz des teilweise knebelnden Einflusses der Kirche im 16. und 17. Jahrhundert nicht zu einer Trennung oder gar Verfeindung von Wissenschaft und Glaube:

Sonderbarerweise brachte die sogenannte wissenschaftliche Revolution des 16. und 17. Jahrhunderts ... keinerlei Veränderung ihrer Einstellung gegenüber dem Schöpfungsglauben mit sich:

Alle führenden Physiker und Mathematiker, Descartes, Huyghens, Boyle und Newton, glaubten an einen persönlichen Gott und waren strenge Anhänger des Schöpfungsglaubens.
(Mayr, Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt, S.246)

Zwar wurde auf kirchlicher Seite über die Jahrhunderte hinweg betont, dass das Wort Gottes, die heilige Schrift, allein der Maßstab aller Dinge sei, doch in Wirklichkeit handelte es sich bei den theologischen Dogmen oftmals um eine Mischung aus biblischem Material und menschlichen Traditionen. Ein Beispiel für die Macht der kirchlichen Dogmen ist ein Bekannter Darwins, der entscheidenden Einfluss auf Darwin hatte:

Einen Umstand habe ich noch nicht erwähnt, der auf meine ganze Karriere mehr als irgendein anderer Einfluss gehabt hat. Das war meine Freundschaft mit Professor HENSLOW. ... Er war stark religiös und so orthodox, dass er mir eines Tages erzählte, es würde ihn schmerzen, wenn ein einziges Wort in den Neununddreißig Artikeln (des Glaubensbe- kenntnisses der anglikanischen Kirche) geändert würde. Seine moralischen Eigenschaften waren in jeder Hinsicht bewundernswert. (emg 80-81)

Zusammen mit religiösen Dogmen flossen auch Überzeugungen mit ein, die das Weltbild betrafen. Dazu gehörte z.B. die Ansicht, dass die Welt jung sei:

Die Kirche, die mehr oder weniger offiziell das Jahr 4000 v.Chr. als Schöpfungsdatum akzeptiert hatte, betrachtete jedes substantielle Abweichen von diesem Datum als Ketzerei. (E.Mayr mebg 252)

Diese und andere Doktrinen wurden kaum merklich in die Interpretation der Bibel eingeschleust. Sie bargen jede Menge Sprengstoff in sich, "spaltbares Material", das nur noch darauf wartete, die "kritische Masse" zu erreichen, um in einer gewaltigen Detonation die Glaubwürdigkeit der Bibel zu atomisieren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis irgend jemand gewollt oder ungewollt den letzten Anstoß dazu geben würde. Insbesondere auf den Fach- gebieten von Astronomie, Geologie, Biologie und Theologie hatte sich "spaltbares Material" angesammelt, dem nur noch die Initialzündung fehlte, um es zur Explosion zu bringen.

Astronomie: Der Fall Galilei

Die Stellung der Erde im Weltall war Gegenstand eines langen Gelehrtenstreites gewesen, in dem die Kirche über Jahrhunderte hinweg eine unhaltbare Position verteidigt hatte. Den Hintergrund bildeten die Lehren des Thomas von Aquin (1225-1274), der sie wiederum aus den Philosophien des Aristoteles (384 v.Chr.) abgeleitet hatte. Für letzteren stand die Erde im Zentrum, die Planeten umkreisten sie auf Sphären, die Fixsterne waren an der äußersten Sphäre angebracht.

Galilei, der das Fernrohr für wissenschaftliche Zwecke verwendete, kam zu anderen Ergebnissen und geriet deswegen in eine Auseinandersetzung mit den kirchlichen Autoritäten, die traurige Berühmtheit erlangt hat. Er wurde mit Folter bedroht und widerrief gezwungenermaßen. Der Widerstand der angeblich Bibeltreuen konnte nicht verhindern, dass die Wahrheit sich durchsetzte, aber er zögerte es hinaus und fügte dem Ansehen der Bibel unabsehbaren Schaden zu:

Erst mit Nikolaus Kopernikus (1473-1543), einem Domherrn aus Thron, änderte sich diese Situation. ... Kopernikus gab der Sonne eine ruhende Position und hob die Erde in den Himmel. ... Ein Jahrhundert später war in allen erwähnenswerten Modellen die Sonne an die Stelle der Erde als Zentrum getreten. (pdz 50-52)

Biologie: Die Entdeckungsreisen

Im 14. und 15. Jahrhundert begannen die großen Seereisen, die dann im 16., 17. und 18. Jahrhundert zu immer erstaunlicheren Entdeckungen führen sollten, und die Glaubwürdigkeit der biblischen Darstellung wurde durch die Beschreibung völlig neuer Faunen in Afrika, Ostindien, in beiden Teilen Amerikas und in Australien auf fatale Weise untergraben.
Wie konnten alle diese reichen Faunen in der Arche Platz gefunden haben? Wenn sich alle Tiere vom Berge Ararat (in Armenien) aus, dem angeblichen Landeplatz der Arche, über die Welt verbreitet hatten, warum war die Fauna der ganzen Welt nicht einheitlich? Wie wurden die isolierten Kontinente Amerika und Australien kolonisiert? Die Fakten der Biogeographie stellten die Anhänger des Schöpfungsglaubens vor einige unlösbare Dillemata, und wurden schließlich für Darwin die überzeugendsten Belege für eine Evolution. (mebg 253)

Geologie: Das Alter der Erde

Ein weiteres Thema war das Alter der Erde. Eine herausragende Rolle spielten dabei die Fossilienfunde der damaligen Zeit:

Neue Zweifel an der Glaubwürdigkeit der biblischen Darstellung wurden durch das ständig anwachsende Wissen über Fossilien geweckt. ... Als sich schließlich die Idee allgemein durchsetzte, dass die Fossilien Relikte von Lebewesen aus früheren Zeiten seien, blieb die vorherrschende Praxis dennoch eine wortgetreue Interpretation der Bibel; die Fossilien wurden als Reste der von Noahs Sintflut ausgelöschten Geschöpfe interpretiert ... (mebg 253,254)

Doch zu widersprüchlich waren die Fakten, um eine Harmonisierung auf Dauer zuzulassen:

Welches auch immer die verschiedenen geologischen Entdeckungen im einzelnen waren, sie alle hatten eins gemeinsam: sie verstärkten wechselseitig die Erkenntnis, dass die Erde ungeheuer alt sein musste. Damit war ein Zusammenstoß mit allen Verfechtern einer wortgetreuen Auslegung der Bibel unvermeidlich. (mebg 252)

Theologie: Die Bibelkritik

Da die Beschreibung vieler Natur- und Himmelserscheinungen durch "Naturgesetze" möglich wurde, ging man zu einer Mechanisierung des Weltbildes über. Die Wunderberichte der Bibel schienen im Lichte dieser neuen Logik unglaubwürdig. Man fing an, Fehler und Widersprüche in der Bibel zu sehen, die "Bibelkritik" bekam neue Nahrung. Man ging so weit, den Bibeltexten jegliche historische Glaubwürdigkeit abzusprechen: Mose habe nicht schreiben können, da es zu seiner Zeit angeblich noch gar keine Schrift gab ... - das in der Bibel ausführlich erwähnte Babel habe in Wirklichkeit niemals existiert ... - alles Behauptungen, die sich inzwischen als unwahr erwiesen haben. Dennoch, was Wissenschaftler wie Galilei, Kopernikus und Newton weder bezweckt noch bewirkt hatten, das geschah durch die kritische Theologie: Die Glaubwürdigkeit der Bibel wurde bis in die Fundamente erschüttert. Letztlich erklärt diese Theologie die Bibel zu einem "Mythos", ganz gleich wie die anderen Sagen und Mythen anderer Völker. Kernsätze sind die folgenden Behauptungen:

Viele Texte seien ... erheblich später verfasst worden, als sie selber vorgeben. Echte Prophetien habe es gar nicht gegeben, man habe nachträglich "Trosttexte" verfasst, die vorgaben, Zukunftsvorhersagen zu sein. ... angeblich von anderen Verfassern als den angegeben, weil zum Beispiel Mose gar nicht schreiben konnte. Man habe aber gewisse Texte berühmten Personen "untergeschoben", um deren Autorität für sich in Anspruch zu nehmen. ... aus einer Mehrzahl von unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und von späteren "Redaktoren" willkürlich verändert und zusammengekittet worden. Deswegen seien "Spannungen", "Risse" und Widersprüche im Text aufzuspüren. Überhaupt sei der Text nicht korrekt überliefert worden.

Darwin's Zweifel

Der Einfluss dieser Zweifel ist bei Darwin, besonders in den Jahren, die auf seine Weltreise folgten, sehr deutlich wiederzuerkennen und sorgte letztlich dafür, dass er seinen Glauben verlor. Er selber hält diese Entwicklung für das Bemerkenswerteste in der zweiten Hälfte seines Lebens! So schreibt er rückblickend von den Jahren, die auf seine Weltreise folgten:

Ich war aber in dieser Zeit [d.h. 1836 bis 1839] allmählich dahin gekommen, einzusehen, dass dem Alten Testamente - mit seiner offensichtlich falschen Weltgeschichte, mit seinem babylonischen Turm, mit dem Regenbogen als Zeichen usw. und seiner Art, Gott Gefühle eines rachedurstigen Tyrannen zuzuschreiben - nicht mehr Glauben zu schenken sei als den heiligen Schriften der Hindus oder dem Glauben irgendeines Wilden. Die Frage trat damals ständig vor meinen Geist und ließ sich nicht verbannen ...
Ich fand es aber trotz aller meiner Einbildungskraft gewährten Kraft immer schwieriger, Beweismittel zu erfinden, die ausreichten, mich zu überzeugen. So beschlich mich in sehr langsamer Weise der Unglaube, bis ich schließlich ganz ungläubig wurde.
(deeg 104-106)

Mit "ungläubig" meinte Darwin zwar keinesfalls, dass er Atheist geworden wäre, die Existenz Gottes also absolut verneint hätte:

In den äußersten Zuständen des Schwankens bin ich niemals ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte. (swza 81)

Was ihm jedoch verloren ging, war der Glaube an den persönlichen Gott, der sich Menschen durch Worte und Taten offenbart:

Was mich selbst angeht, so glaube ich nicht, dass es jemals irgendeine Offenbarung gegeben hat ... (swza 84)

Die Falle

Darwin ist ein typisches Beispiel dafür, was für verheerende Auswirkungen die bibelkritische Theologie auf den Glauben derjenigen Menschen hat, die ihr Glauben schenken. Suchende werden davon abgehalten, die Bibel zu verstehen, ja, sie werden systematisch vom Weg abgebracht. Es waren nicht etwa seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die Darwin von Gott abhielten, sondern in Wirklichkeit die erzkonservative Theologie auf der einen und die Bibelkritik auf der anderen Seite: Während die einen im Theologiestudium von ihm forderten, ihrer als "wörtlich" ausgegebenen Auslegung der Bibel bedingungslos zu gehorchen und zum Beispiel an eine "Instant-Schöpfung" und "junge Erde" zu glauben, boten die anderen ihm als Ausweg die Erklärung an, die Bibel sei nur eines der vielen menschlich-religiösen Bücher, ohne wirkliche Offenbarung Gottes, ohne ernstzunehmenden Anspruch auf Gültigkeit. So trieben die "Buchstabengläubigen" ihn in die Falle, die von den "Liberalen" aufgestellt worden war.

Das "Hiroshima" des christlichen Abendlandes

Darwin’s Evolutionstheorie, die vor diesem Hintergrund entstand, stellte die erste Synthese dar, in der die bis dahin getrennten Kritikpunkte zusammengefügt wurden: Das hohe Alter der Erde gab die nötige Zeit, die Größe von Erde und All den nötigen Raum, Mutation und Selektion den erklärenden Mechanismus für den Stammbaum des Lebens, und die Theologie räumte das Hindernis kirchlicher Bevormundung aus dem Weg. Ein umfassendes Erklärungsmodell war geschaffen, eine vollständige Alternative zum Schöpfungsmodell. Der wissenschaftliche Zweifel überschritt damit die "kritische Masse". Darwins Buch "Über die Entstehung der Arten" wurde zu einem geistlichen Hiroshima des christlichen Abendlandes, das die Glaubwürdigkeit der Bibel endgültig in Schutt und Asche legte. Bis zum heutigen Tag konnten die Schäden, die von den wissenschaftlich begründeten Zweifeln an der christlichen Geisteslandschaft angerichtet wurden, nicht behoben werden. Seitdem scheinen nur noch zwei Positionen möglich zu sein:

Entweder man akzeptiert die naturwissenschaftlichen Gegebenheiten und stuft folglich den Bibeltext als überwiegend menschliche und damit fehlerhafte "Geschichte" ein, die bestenfalls "erbaulichen" Zwecken dient, schüttet also das Kind mit dem Bade aus.

Oder man glaubt mit einem scheinbaren Fanatismus trotz allem "wörtlich an die Schrift" und nimmt die starken Spannungen, die sich daraus gegenüber den wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben, entweder in Kauf oder verteufelt gar die Naturwissenschaften.

Doch eines ist höchst auffällig und bedenklich: Ausgerechnet die Bibel selbst kam und kommt bei all den Diskussionen um ihre Glaubwürdigkeit so gut wie gar nicht zu Wort! Bis zum heutigen Tage wird kaum jemals der Bibeltext zitiert, wenn über "Schöpfung und Evolution" diskutiert wird. Und wenn, dann werden meist nur aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke aus einer alten Übersetzung hervorgekramt. Man kann es nicht anders sagen:

Ausgerechnet dem wichtigsten Zeugen hat man das Recht auf Aussage verweigert!

Der einzige Ausweg: Der "Kronzeuge" soll reden!

Wenn wir nicht traditionelle Lehrmeinungen und menschliche Gerüchte unbesehen übernehmen und so die uralten Irrtümer festschreiben wollen, dann müssen wir unbedingt den "Kronzeugen" selber befragen! Damit bleibt uns allein der Weg, den auch die Naturwissenschaften immer wieder neu eingeschlagen haben: Zurück zu den Fakten, indem wir die originalen Texte untersuchen!

Und wir werden sehen: Sobald wir das Gebiet der Dogmen verlassen und uns der Erforschung der tatsächlichen Gegebenheiten zuwenden, können wir uns darauf gefasst machen, dass revolutionäre Entdeckungen uns zum Umdenken zwingen werden. Sie werden manches menschliche Gedankengebäude zum Einsturz bringen, aber dabei Schätze der Wahrheit ans Licht fördern. Die Wahrheit ist keine Nebensache, es lohnt sich, nach ihr zu forschen. Darwin sagte:

Wenn ich mich richtig kenne, so arbeite ich aus einer Art Instinkt heraus, um zu versuchen, die Wahrheit zu ergründen. (swza 96)

Albert Einstein auf die Frage: "Was war nach Ihrer Meinung Ihr Hauptziel in Ihrem Leben?"

Ohne den geringsten Zweifel kann ich sagen: Die Suche nach Wahrheit. Das ist nicht leicht gewesen, doch es war befriedigend. Ich weiß von meiner eigenen schmerzhaften Suche mit ihren vielen Sackgassen, wie schwer es ist, einen sicheren Schritt, und sei er noch so klein, in Richtung auf das Verständnis dafür zu tun, was wirklich bedeutsam ist.(bpae 67)

Warum sollten wir nicht auch auf dem Gebiet geistiger Wahrheiten die nötige Mühe investieren, um die Wahrheit zu erfahren?

C.S.Lewis schließt deshalb, dass man sich auch bei der Suche nach Gott nicht durch Schwierigkeiten entmutigen lassen sollte:

Dennoch verhalten sich häufig gerade kluge Menschen so töricht ... dann klagen sie, ihnen schwirre der Kopf, alles sei zu schwierig, und wenn es wirklich einen Gott gäbe, er hätte gewiss eine einfache Religion "gemacht", denn Einfachheit sei schön usw. ... Aber die Realität ist nicht nur etwas sehr Schwieriges; nach meiner Erfahrung jedenfalls ist sie meist auch etwas sehr Eigenartiges. Sie ist weder fein säuberlich abmessbar noch klar durchschaubar. ... Die Wirklichkeit ist meistens so, dass wir aus eigener Überlegung nie darauf gekommen wären ... (libc 39,40)

Unsere Aufgabe: "Ausgrabungen auf biblischem Boden"

Man könnte unsere Aufgabe, die Wahrheit über die Bibel herauszufinden, mit einer Ausgrabung vergleichen, deren Ziel es ist, den ursprünglichen Text wieder ans Licht zu bringen: Unser "Grabungsbereich" wird durch den sehr gut dokumentierten Grundtext der Bibel abgesteckt. Die allgemein anerkannten Standard-Wörterbücher sind uns dabei als "Spaten" ein einfaches und dennoch äußerst wirkungsvolles Werkzeug. Mit ihrer Hilfe können wir zentrale Begriffe der Bibel ans Licht bringen, entscheidende Schlüsselaussagen quasi aus dem Trümmerschutt generationenlanger Auslegungsgeschichte bergen.

Wir dürfen die "Einzelfunde" natürlich nicht aus dem Textzusammenhang reißen, sondern wollen, im Gegenteil, die "Tonscherben" des teilweise entstellten Textes wieder zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen. Das restaurierte Dokument kann endlich wieder für sich selber sprechen! Exegetische "Tiefbohrungen" sind in der Regel gar nicht nötig, in den meisten Fällen genügt es, den Staub von lange nicht beachteten Aussagen zu blasen, so dass der Text wieder durchscheinen kann. Bei alldem achten wir darauf, dass die Argumente durchweg anhand der gängigen Übersetzungen nachvollziehbar bleiben.

Bei alledem versuchen wir, künstliche Harmonisierungsversuche zu vermeiden. Wenn Spannungen zwischen Bibeltext und aktuellem Forschungsstand der Naturwissenschaften auftreten, dürfen wir sie auch offen eingestehen. Schließlich sind weder Bibelausleger noch Naturwissenschaftler unfehlbar, und so mancher scheinbare Widerspruch kann im Laufe der Zeit geklärt werden. Grundsätzlich hat jeder "Stolperstein" das Potential, sich als wahrer Schatz zu entpuppen, wenn man ihn von der Kruste menschlicher Überlieferungen befreit. Und jeder scheinbare Anstoß kann zu einer "Stufe" werden, die den Zugang zu einer höheren Erkenntnis bedeutet.

Das größte Hindernis für den Glauben

Nicht der Atheismus ist der größte Gegner des Christentums, sondern das Schein-Christentum mit seinen Anführern, den frommen Leitern und Gelehrten. Die wenigsten zweifeln wegen Marx oder Nietzsche an Gott! Aber wie oft werden die Kreuzzüge, die Kirchenführer oder ein heuchlerischer, frommer Nachbar als Grund genannt, wenn Menschen sagen, sie könnten nicht an Gott glauben. Das ist keine neue Erscheinung der heutigen Zeit, sondern genau das, wovor Jesus so ausdrücklich gewarnt hat:

Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, laßt ihr auch nicht hineingehen. Matthäus 23:13

Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Lukas 11:52

Tun wir also einmal mit der "modernen" historisch-kritischen Theologie genau das, was sie mit der Bibel so gerne tut: Werfen wir einen "kritischen" Blick auf sie ...

 

Kritik an der historisch-kritischen Theologie

Pentateuch- und Literarkritik, "Quellenscheidung"

Richtige Beobachtungen, falsche Schlussfolgerungen

Die historisch-kritische Theologie stellte im 19. Jahrhundert die Theorie auf, der Text der Genesis sei durch mündliche Überlieferung von verschiedenen Quellen und Überarbeitung verschiedener Redakteure viel später entstanden, als im Bibeltext selber angegeben und stamme jedenfalls nicht von Mose.

Dabei stützte man sich vor allem auf den verschiedenen Gebrauch der Gottesnamen, angebliche innere Widersprüche und Wiederholungen im Text (Doubletten), und war stark beeinflusst von der damals gerade gängigen "Mythentheorie", in der die Geschichtlichkeit nicht nur vieler biblischer Berichte grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Ein wesentlicher Pfeiler dieser Theorien war auch die Annahme, die Schreibkunst sei zur Zeit Moses noch gar nicht entwickelt gewesen.

Doch die Ausgrabungen, die ungefähr 75 Jahre später umfangreiche Entdeckungen im Land der Genesis ans Licht brachten, haben diesen Spekulationen vollständig den Boden entzogen: Nicht nur wurden viele angeblich "mythische" Gestalten, Städte und Völker als geschichtlich erwiesen, sondern es wurde auch offenbar, dass die Schreibkunst viel früher bekannt war, als ursprünglich vermutet: Sie war bereits zu Abrahams Zeiten weit verbreitet. Die zahlreichen Schriftenfunde geben Aufschluss über die damaligen Schreibgewohnheiten. Sie bestätigen nicht nur das hohe Alter der Genesistexte, sondern ermöglichen aufgrund bestimmter Angaben im Genesis-Text, die Quellen aufzuspüren, die Mose für seinen Bericht verwendet hat.

Es kann somit als bewiesen angesehen werden, dass die historisch-kritische Theologie zwar teilweise richtige Beobachtungen am Text machte, jedoch aufgrund weltanschaulicher Voreingenommenheit und sachlicher Unkenntnis falsche Schlussfolgerungen daraus gezogen hat. Die darauf aufgebauten Theorien über die Herkunft und Zuverlässigkeit des Bibeltextes sind deswegen nicht länger haltbar. Dieser geht tatsächlich auf uralte Quellen zurück, die aber mit akribischer Genauigkeit überliefert wurden und deren Herkunft aufgrund deutlicher Hinweise im Text nachvollzogen werden kann:

Wie wir gesehen haben, ist die Genesis aus einer Täfelchenserie zusammengesetzt ... Bei näherem Zusehen ist zu erkennen, dass die Täfelchen, aus denen die Genesis besteht, an manchen Stellen mit den Einteilungen der Quellenscheidung übereinstimmen. Das ist nicht verwunderlich:
Durch die Arbeit an der Genesis sind auch von der kritischen Forschung Beobachtungen gemacht worden, z.B. über Stil, Wortgebrauch, Textzusammenhang usw., die häufig richtig sind. Aber ihre Deutung der Beobachtung ist falsch, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgeht.
(wedg 123-124)

Die meisten der nun folgenden Texte sind ein Zitat aus:

P.J.Wiseman C.B.E. DIE ENTSTEHUNG DER GENESIS (Abkürzung: wedg)

"Das erste Buch der Bibel im Licht der archäologischen Forschung"

R.Brockhaus Verlag Wuppertal, 1989. ISBN 3-417-00323-7.

Dieses Buch ist zur Zeit vergriffen. Zitate mit freundlicher Genehmigung von www.brockhaus-verlag.de

Weitere Passagen sind bis auf weiteres unter www.urzeitundendzeit.de abzurufen.

 

Die Bibelkritik an den Mosebüchern

(aus: P.J.Wiseman "Die Entstehung der Genesis")

"Mit "Pentateuchkritik" bezeichnet man den Zweig der theologischen Forschung, der sich vor allem um den Aufbau, die Autorschaft und um die Datierung der ersten fünf Bücher Moses bemüht. Unter dem übergeordneten Begriff "Literarkritik" versteht man dieselbe Bemühung um alle Bücher der Bibel ... Heute bezeichnen die genannten Ausdrücke eine theologische Schulrichtung, nach deren Ansicht die Entstehung der biblischen Bücher völlig anders zu sehen ist, als die Bibel es angibt. Von der "Literarkritik" bzw. der "Pentateuchkritik" ist die "Textkritik" klar zu unterscheiden, die sich mit Fragen des Textes, der Überlieferung und Übersetzung beschäftigt." (wedg Seite 95)

Verschiedene Gottesnamen = verschiedene Autoren?

"Das Hauptargument für die Thesen der Quellenscheidung stützt sich nach Ansicht ihrer Vertreter auf den verschiedenen Gebrauch der Titel und Namen Gottes in der Genesis. Man setzt voraus, dass jeder Schreiber nur einen Namen oder Titel für Gott verwendet hat. Jeder Abschnitt oder Vers, in dem die jeweilige Gottesbezeichnung erscheint, kann auf Grund dieser Voraussetzung nur von dem Schreiber stammen, der diesen Namen allein oder vorwiegend gebraucht. Mit dieser Beobachtung begann überhaupt erst die Arbeit der Quellenscheidung.

Mit der Zeit wurde das Ganze aber ein immer komplizierteres Zusammenspiel. Soweit es in der hier gebotenen Kürze geht, wollen wir einmal dem Gedankengang dieser Hypothese folgen.
Wie schon angedeutet, hat der französische Arzt Jean Astruc zum ersten Mal den Gedanken ausgesprochen, dass in der Genesis verschiedene Quellen verarbeitet seien, und dass man sie an dem verschiedenen Gebrauch der Gottesnamen unterscheiden könne.

In den ersten fünfunddreißig Versen der Genesis (Genesis 1:1 bis 2:4a) fand er für Gott nur den Ausdruck Elohim (Gott). In den Kapiteln 2:4b bis 3:24 heißt Gott nur Jahwe Elohim (Herr Gott), abgesehen von den Stellen, wo Satan das Wort "Gott" verwendet. Diese Texte, meinte er, müssten von zwei verschiedenen Schreibern stammen, da man nicht annehmen könne, dass Mose einmal diesen, und in einem anderen Abschnitt unvermittelt den anderen Namen für Gott verwendet habe.

Astruc teilte dann das Buch in kleinere Abschnitte auf, die sich durch ihre verschiedene Gottesbezeichnung voneinander unterschieden. Auf diese Weise kam der uns unbekannte Schreiber der elohistischen Texte zu seinem Namen "Elohist", und der Schreiber der Jahwe-Abschnitte wurde entsprechend "Jahwist" genannt." (wedg Seite 114)

Die Zerschnipselung der Bibel: Die "Quellenscheidung"

"Nach einem Jahrhundert emsiger Bemühungen hatte man folgendes ... herausgearbeitet, mit dem man den Gebrauch der Gottesnamen in der Genesis zu erklären versuchte: Die beiden Quellen J und E stammen von zwei verschiedenen Erzählern (oder auch Schulen) aus der Zeit irgendwann nach Saul. Ein Redaktor RJE verarbeitete beide Erzählungen so ineinander, wie es seinem Plan am besten entsprach, indem er beiden Berichten die gewünschten Stellen entnahm, manchmal kleine Veränderungen anbrachte oder Wörter und Sätze hinzufügte. Er verstand sein Handwerk so gut, dass es heute schwierig ist - wie die Kritiker sagen -, die ursprünglichen Texte voneinander zu unterscheiden. Spätere Redaktoren haben dann sein Werk nochmals überarbeitet. Rund tausend Jahre nach Mose ist eine weitere Quellenschrift entstanden, P (Priesterschrift) genannt. Ein Redaktor, EP, fügte diese Schrift zu JE und machte hier und da noch einige erläuternde Zusätze." (wedg Seite 114)

 

Die Schwächen der Pentateuch- und Literarkritik

(aus: P.J.Wiseman "Die Entstehung der Genesis)

Unkenntnis und blühende Phantasien

"Eines ist gewiss: die kritischen Theorien über die Entstehung der Genesis wären nie entwickelt worden, wenn man zur Zeit ihrer Entstehung die archäologischen Kenntnisse gehabt hätte, die wir heute haben. Ihre hauptsächlichen Fehlerquellen liegen ja gerade darin, dass man im letzten Jahrhundert über die in der Genesis beschriebene Zeit völlig falsche Vorstellungen hatte. Zusammenfassend sind für diese Fehlentwicklungen folgende Ursachen anzugeben:

Als die genannten Theorien entstanden, wusste man noch nichts über den Stand der Zivilisation in der Frühzeit. Man trieb die literarkritische Analyse ganz unkritisch von modernen Gesichtspunkten aus, ohne Rücksicht zu nehmen auf die (zu dieser Zeit allerdings noch unbekannten) alten Schreibgewohnheiten. Mit der größten Selbstverständlichkeit nahm man ganz allgemein an, dass die Patriarchen noch nicht schreiben konnten. ...

Selbstverständlich konnte damals niemand ahnen, dass die Ausgrabungen im Euphrattal unsere Auffassungen über jene Zeit so vollständig verändern würden. Sie begannen ja auch erste gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts; und da noch sehr zögernd." (wedg Seite 102)

Es gab die Schreibkunst viel früher als vermutet!

"Neben den philosophisch belasteten Grundanschauungen der Forscher war vor allem sachliche Unkenntnis eine der Ursachen für die falschen Voraussetzungen dieser Arbeit. Nur so war es möglich anzunehmen, die Zivilisation sei am Anfang der Geschichte unentwickelt und das Schreiben zur Zeit der Patriarchen noch unbekannt gewesen. Wie wenig man darüber wusste, geht schon daraus hervor, dass man die ersten nach Europa gebrachten Keilschriftzeichen für eine Art Dekoration der orientalischen Keramik hielt. Wie seltsam kommt es einem heute vor, wenn man ein Vorwort zu den Kommentaren über die Genesis aus dem 19.Jahrhundert in die Hand bekommt und liest, wie man sich dort genötigt findet, die angefochtene Behauptung zu verteidigen, dass Mose wohl doch hätte schreiben können!

Dabei haben wir Täfelchen ausgegraben, die 1000 Jahre vor Mose entstanden sind. Ich selbst habe einige davon in meiner Sammlung. Und die großen Museen haben Tausende von Täfelchen, die schon alt waren, als Mose lebte. 1000 Jahre vor dem großen Gesetzgeber der Israeliten hat man schon so gewöhnliche Dinge schriftlich festgehalten wie Geschichtsdarstellungen, Kaufverträge, Privatbriefe usw. Zu Moses Zeiten hatte man offensichtlich bereits einen kulturellen Höhepunkt hinter sich und war nicht erst dabei, sich langsam dahin zu entwickeln." (wedg Seite 104, 105)

Die plötzliche Entstehung der Zivilisation

"Keine Entdeckung hat mehr Überraschung ausgelöst als die, dass die Zivilisation in der Welt ganz plötzlich entstanden ist. Das war genau das Gegenteil dessen, was man ursprünglich angenommen hatte. Der allgemeinen Ansicht nach erwartete man, dass bei zunehmendem Alter der freigelegten Orte immer primitivere Kulturformen erscheinen würden. Aber dies trifft weder auf Babylonien noch auf Ägypten zu, wo doch die ältesten Kulturen der Welt festgestellt wurden. Dr.Hall schreibt diesbezüglich in seiner "Ancient History of the Near East": "Sooft wir auf alte Zivilisationen gestoßen sind, zeigten sich diese schon als voll entwickelt.", und an anderer Stelle: "Soweit zurück man die sumerische Kultur verfolgen kann, erscheint sie auf voller Höhe."

Die uns bekannten Angaben über den Geburtsort der Menschheit - die Genesis, die Archäologie und die geschichtlichen Überlieferungen - weisen alle auf die Ebene in Mesopotamien hin. Keine Kultur der Welt, auch nicht die der Chinesen und Inder, kann sich in ihrem Alter mit der Kultur der Bewohner Babyloniens messen." (wedg Seite 31)

"Schon um 2750 vor Christus waren für Vertragstexte und private Zwecke tönerne "Briefumschläge" in Gebrauch. Es war auch üblich, den Inhalt eines solchen Täfelchens auf dem Umschlag in einer Art Überschrift zu verzeichnen, um ihn dann mit einem privaten Siegel zu verschließen ... Bei Unstimmigkeiten konnte der Umschlag aufgebrochen und der Originaltext zu Rate gezogen werden. Die gewöhnliche Keilschrift war wohl schon in sehr früher Zeit allgemein bekannt. Man hat Tausende von Täfelchen gefunden, die vor der Zeit der Patriarchen entstanden sind." (wedg Seite 40)

"Es steht nun außer Frage, dass die Genesis ursprünglich ebenfalls auf solche Täfelchen geschrieben war ... Aus der Bedeutung des hebräischen Wortes für schreiben = "eingraben", "einschneiden", lässt sich die alte Schreibmethode sogar noch erkennen." (wedg Seite 47)

Die "Mythentheorie" hat sich selber als Mythos entpuppt!

"Fünfzig Jahre vor Beginn der archäologischen Forschungen war man allgemein sehr stark von der sogenannten "Mythentheorie" eingenommen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, also sehr bald nach der Formulierung der ersten kritischen Hypothesen, war es in ganz Europa Mode, alle auf uns gekommenen Darstellungen aus der Frühzeit der Geschichte als "Mythen" zu erklären. 1795 veröffentlichte Wolf seine berühmt gewordenen "Prologomena", in denen er zu zeigen versuchte, dass alle Personen und Orte, die bei Homer auftreten, mythologischen Ursprungs seien. Er bezweifelte sogar, dass Homer je gelebt habe.

Diese merkwürdige Ansicht breitete sich wie eine Epidemie aus. Überall suchte man dann nach weiteren historischen Dokumenten, um sie mythologisch zu deuten. Dass diese Interpretationsmethode sofort von den Vertretern der kritischen Schule aufgegriffen wurde, versteht sich von selbst. Jetzt hatte man, was man wollte: Die geschichtlichen Darstellungen der Genesis waren in Wirklichkeit nur verkleidete Aussagen der Mythologie.

Über ein dreiviertel Jahrhundert war das die herrschende Schulmeinung, als ein unerwarteter Gegenschlag alles umwarf: 1874 hatte Schliemann seine Ausgrabungen begonnen und entdeckte am 16. November 1876 das Grab des Agamemnon. Zuerst versuchte man, seine Ausgrabungen lächerlich zu machen. Agamemnon, der König von Mykene, war doch - nach Ansicht aller führenden Wissenschaftler - die mythische Schöpfung eines unbekannten griechischen Schriftstellers. Allmählich sah man sich aber doch genötigt einzulenken. Die archäologischen Gegenbeweise redeten eine zu deutliche Sprache. Inzwischen hat man mehrere hundert Mumien von Personen entdeckt, die man früher als "mythische Gestalten" angesehen hatte, und viele Paläste ausgegraben, in denen sie gelebt haben." (wedg Seite 105f)

Die "modern(d)e Kritik" befindet sich in höchst kritischem Zustand!

"Darum ist es unwissenschaftlich und ungerechtfertigt, von den "gesicherten Ergebnissen der modernen Kritik" zu reden. Die Ergebnisse sind weder gesichert noch modern. Sie stehen sogar auf recht unsicheren Füßen; und modern sind sie schon gar nicht, weil sie aus einem Jahrhundert stammen, in dem man sich noch völlig falsche Vorstellungen machte über die Zeit der Genesis. Sie sind einfach überholt.

Die Archäologie hat uns den kulturellen und literarischen Hintergrund des patriarchalischen Zeitalters so deutlich gemacht, dass wir einen verhältnismäßig guten Überblick über die Ausbreitung der damaligen Zivilisation und der Schreibkenntnisse jener Zeit haben.

Damit stehen wir vor einer ganz erstaunlichen Tatsache, die kein noch so konservativer Forscher je zu hoffen gewagt hätte: Die archäologischen Forschungen haben die kritischen Hypothesen über die Genesis und deren Voraussetzungen völlig widerlegt, die Angaben der Bibel dagegen vollauf bestätigt." (wedg Seite 106)

 

Prof. Eta Linnemann

Die historisch-kritische Theologie
aus der Sicht eines Insiders

Eine angesehene Theologie-Professorin kommt zum Glauben

"Als Schülerin von Rudolf Bultmann und von Ernst Fuchs, von Friedrich Gogarten und Gerhard Ebeling habe ich die besten Lehrer gehabt, welche die historisch-kritische Theologie mir bieten konnte. Auch sonst war ich keineswegs zu kurz gekommen. Mein erstes Buch erwies sich als ein Bestseller. Ich wurde ordentliche Professorin für Theologie und Methodik des Religionsunterrichtes an der Technischen Universität in Braunschweig. Aufgrund meiner Habilitation ernannte man mich zur Honorarprofessorin für Neues Testament an der theologischen Fakultät der Philipps-Universität in Marburg und nahm mich als Mitglied in die Society for New Testament Studies auf. Ich durfte mich der zunehmenden Anerkennung durch meine Kollegen erfreuen.

Geistig beheimatet in der historisch-kritischen Theologie, war ich fest davon überzeugt, mit meiner theologischen Arbeit Gott einen Dienst zu tun und einen Beitrag zu leisten zur Verkündigung des Evangeliums. Dann aber musste ich - aufgrund von Einzelbeobachtungen und -informationen ebenso wie aus Selbsterkenntnis - einsehen, dass bei dieser "wissenschaftlichen Arbeit am Bibeltext" unter dem Strich keine Wahrheit herauskommen kann und dass diese Arbeit der Verkündigung des Evangeliums nicht dient." (loof 5,8)

Dieser und die im Folgenden zitierten Texte stammen vor allem aus dem Buch der ehemaligen Theologie-Professorin Eta Linnemann: ORIGNAL ODER FÄLSCHUNG (Abkürzung: loof), Historisch-kritische Theologie im Lichte der Bibel. CLV Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, Bielefeld, 1994. ISBN 3-89397-754-6. Die Überschriften wurden von mir eingefügt):

Die kritische Theologie - ein Koloss auf tönernen Füßen!

"Es ist Vorurteil - nicht Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchung -, dass man nach der historisch-kritischen Methode die Wundergeschichten im Neuen Testament nicht als Berichte von geschehenen Wundern lesen darf. Ich selber habe oft genug gelehrt - wie ich es Jahrzehnte vorher gelernt hatte - dass man, selbstverständlich, nicht annehmen dürfe, diese Wunder seien so passiert. Nachdem ich durch die Gnade Gottes überführt worden war, dass Gott heute noch dieselben Wunder tut, fing ich an nachzudenken, welche Argumente für diese Behauptung zur Verfügung stehen, und musste beschämt feststellen: keine. ...

Es ist ein Vorurteil, dass nur geschehen sein kann, was jedermann zu jeder Zeit in ähnlicher Weise widerfährt. Auf dieser Basis wird - um ein Beispiel zu nennen - Markus 13,2 für ein "vaticinum ex eventu" erklärt: Weil genau das geschehen ist, was das Wort sagt, kann es nach Ermessen der Forschung keine echte Weissagung sein. Denn die historisch-kritische Theologie erkennt wohl menschliche Vorahnung und Vorausschau an, so dass man z.B. Jesus zubilligt, er habe seine Tötung vorausgesehen. Eine von Gott gegebene Erkenntnis zukünftiger Dinge lässt sie jedoch nicht gelten.

Welche Kartenhäuser die Forschung baut, mag man auch daran sehen, dass jene Stelle, Markus 13,2 nachdem sie zuvor willkürlich zum vaticinium ex eventu erklärt wurde, die Beweislast dafür tragen muss, dass das Markusevangelium "nach 70" entstanden sei. Diese Unterstellung wird dann als Eckdatum der Datierung der übrigen Evangelien und der Apostelgeschichte zugrundegelegt. Wahrlich, die historisch-kritische Methode ist ein Koloss, der auf sehr gebrechlichen tönernen Füßen steht!" (loof 37,38)

Hauptsache, die Bibel stimmt nicht!

"Der nicht erklärte, aber praktizierte Grundsatz alttestamentlicher und neutestamentlicher Wissenschaft ist: So, wie es dasteht, kann es auf keinen Fall gewesen sein. Der Exeget ist darauf eingestellt, "Schwierigkeiten" im "Bibeltext" zu entdecken und zu lösen. Je besser der Ausleger ist, um so größer wird seine Findigkeit darin sein. Denn wenn er als Professor etwas taugen will, muss er sich "einen Namen machen". Dazu ist er verpflichtet, wenn er nicht ein Dieb sein will, der sein Professorengehalt umsonst bezieht. Er ist in der Zwangslage: Er muss nach Menschenehre trachten, auch wenn er charakterlich alles andere als ehrsüchtig ist. Dem Charakter nach sind die meisten früheren Kollegen weithin eher demütig und bescheiden, wie ich ihnen gerne bescheinige. Aber durch das System der Universitätstheologie stehen sie unter dem Zwang sich einen Namen zu machen und nach Menschenehre trachten zu müssen. Jesus aber sagt:

Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? (Johannes 5:44)

Ein Theologiestudent, der dem Bedürfnis nach Anerkennung durch Menschen noch nicht gestorben ist, steht unter dem gleichen Druck. Kein Wunder, dass viele gläubige Theologiestudenten bald ernsthafte Glaubensschwierigkeiten haben. Oft ist es auch so, dass sie vom Glauben abdriften, ohne es selber wahrzunehmen. Es bleibt so einiges hängen von dem, was sie gelernt haben - wie sollte es anders sein? Dazu studierten sie ja doch. Es werden Abstriche gemacht an Gottes Wort. Es wird ihm nicht mehr alles abgenommen, was er sagt, und deshalb wird auch seine Kraft nicht mehr so erfahren.

"Die Pastoralbriefe sind nicht von Paulus", hat man gelernt; "Der Verfasser des Johannesevangeliums ist natürlich nicht der Zebaide Johannes", "die 5 Bücher Mose sind nicht von ihm, sondern aus verschiedenen Quellen zusammengeschrieben".

Wer das im 6. Semester noch nicht gelernt hat, gilt als "bescheuert", und so wird der Weinberg von den kleinen Füchsen verwüstet. Das sieht alles so harmlos aus: Das sind doch alles nur Kleinigkeiten, nicht entscheidend für den Glauben, was hängt schon daran. Aber die Autorität des Wortes Gottes wird dadurch in Frage gestellt. Es verliert an Verbindlichkeit, und das macht sich bald dort bemerkbar, wo es unbequem wird. Lassen wir uns nicht beirren. Selbst ein Mauseloch kann einen Deich gefährden. Wenn eine Sturmflut kommt, wird das offenbar." (loof 14-15)

Lebensgefährlich: Der Sauerteig der Schriftgelehrten!

Aufgrund seiner Arbeit gewinnt der Theologieprofessor zwangsläufig eine feste Überzeugung, dass man Gottes Wort nicht verstehen kann, ohne sich die Hypothesengebilde alt- und neutestamentlicher Wissenschaft eigen zu gemacht zu haben. Er ist wirklich überzeugt davon und deshalb in der Lage, diese Überzeugung auch seinen Hörern zu übermitteln. ...

a) Den einzelnen Hypothesen liegen ja Argumente zugrunde, aber der durchschnittliche, ja selbst der sorgfältigere Student nimmt 80 - 90% der Hypothesen auf, ohne in der Lage zu sein, die Argumente abzuschätzen und zu wägen, und etwa 40 - 50%, vielleicht sogar mehr, ohne die Argumente überhaupt nur zu kennen. Denn die Argumente werden in den Lehrveranstaltungen im allgemeinen nur soweit in den Blick gebracht, wie Thesen vertreten werden, die relativ neu und noch nicht allgemein anerkannt sind, oder soweit die Ausführung des Lehrenden auf Widerspruch stoßen.

b) Eine Reihe von Grundannahmen, die den Charakter eines Consensus Communis haben, d.h. betreffs deren eine allgemeine Übereinstimmung unter den Forschern besteht, bilden einen Raster, ohne den es überhaupt nicht möglich ist, in Vorlesungen und Seminaren Informationen aufzunehmen oder zu verarbeiten. Diese Grundannahmen werden zwar nicht in der Theorie, wohl aber im praktischen Umgang Tatsachen gleichgesetzt, d. h. man geht mit ihnen um, als ob es Tatsachen wären. Wer sie solchermaßen in sein Denken einbezieht, wird durch sie geprägt und verändert.

Das Risiko des Theologiestudiums ist deshalb sehr groß, denn diese Veränderungen geschehen zwangsläufig und unbemerkt. Man atmet eine Atmosphäre ein, die tödlich ist wie Kohlenmonoxyd und von demjenigen, der sich darin aufhält, ebensowenig wie dieses wahrgenommen wird, wenn nicht Gottes Gnade in besonderer Weise helfend eingreift.""(loof 22-23)

Methoden der ideologischen Umpolung

Der Student steht unter dem Druck eines gewaltigen Informationsgefälles, das nicht durch pädagogische Staustufen abgemildert ist. Der Professor breitet in Vorlesungen und Seminaren die Ergebnisse seiner Lebensarbeit aus, die auf der Arbeit von Forschergenerationen vor ihm beruht, während die Studenten noch Mühe haben, die Methoden zu erfassen, nach denen diese Ergebnisse erarbeitet wurden. Angesichts dieses Informationsdruckes ist es schwer, an mitgebrachten Einsichten aus Gottes Wort festzuhalten, wenn diese als "unwissenschaftlich" disqualifiziert werden. Von seiten der Lehrenden begegnet dem gläubigen Studenten vielfach Widerstand in folgenden Spielarten:

Herablassung: "Sie werden es schon noch lernen!"

Versuchung: "Stellen Sie sich doch wenigstens theoretisch auf diesen Standpunkt."

Verführung: "Ist denn Ihr Glaube so schwach und trauen Sie Gott so wenig zu, dass Sie sich auf diese Gedanken nicht einlassen wollen?"

Der Student hat Arbeiten vorzulegen, in denen er nachweisen muss, dass er sich die Arbeitsweise der historisch-kritischen Theologie hinreichend zu eigen gemacht hat. Er steht unter dem Zwang, selber historisch-kritisch zu denken, zu reden und zu schreiben ... Sein Umgang mit Gottes Wort wird grundlegend verändert, auch dann, wenn er es zu seiner eigenen Erbauung lesen will. Das im Studium Gelernte schiebt sich vor das Wort und verstellt ihm den Zugang. (loof 22-23)

Engels - ein Opfer der "modern(d)en" Theologie

Richard Wurmbrand zeigt auf: "Nachdem Engels das Buch des liberalen Theologen Bruno Bauer gelesen hatte, begann er an seinem christlichen Glauben zu zweifeln. Zu jener Zeit schrieb er:

Ich bete täglich, ja fast den ganzen Tag, um Wahrheit, habe es getan, sobald ich anfing zu zweifeln, und komme doch nicht zu eurem Glauben zurück. Die Tränen kommen mir in die Augen, indem ich dies schreibe. ...

Was für ein Mensch war Bruno Bauer, der liberale Theologe? ... Bauer schrieb an seinen Freund Arnold Ruge, der auch ein Freund von Marx und Engels war, am 6. Dezember 1841:

Ich halte hier an der Universität Vorlesungen vor einer großen Zuhörerschaft. Ich erkenne mich nicht mehr, wenn ich meine Lästerungen von der Kanzel herunterspreche. Sie sind so großartig, dass sich diesen Kindern, die niemand verletzen sollte, die Haare sträuben. Während ich diese Gotteslästerungen verkünde, denke ich daran, wie ich zu Hause fromm dasitze und eine Rechtfertigung der Heiligen Schrift und der Offenbarung schreibe.

(Zitiert aus: Richard Wurmbrand "Das andere Gesicht des Karl Marx", Stephanus Edition 1987, ISBN 3-921213-15-0, Seite 34-35)

Warnung vor einem blauäugigen Theologiestudium!

"Diese Zeilen sind nicht zu dem Zweck geschrieben, Menschen zu verurteilen ... Vielmehr soll das System der historisch-kritischen Theologie in seiner Gefährlichkeit gekennzeichnet werden, so, wie man auf einer Giftflasche ein entsprechendes Etikett klebt, damit niemand aus Versehen daraus trinkt und meint, er würde sich etwas Gutes einverleiben. Wenn man weiß, was man im Theologiestudium zu erwarten hat, dann wird man nicht mehr ohne weiteres den Schluss ziehen, dass jemand, der vom Herrn beauftragt worden ist, Missionar, Evangelist, Hirte oder Lehrer zu werden, selbstverständlich Theologie studieren müsse.

In der Welt muss man - wenn möglich - studieren, um ein gutes Einkommen zu erringen und "etwas aus seinem Leben zu machen". Wir sind aber nicht in der Welt zu Hause, sondern unser Bürgerrecht ist im Himmel (Philipper 3,20). Wir werden aufgefordert, uns nicht der Welt gleichzustellen (Römer 12,2). Wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt uns hasst (Johannes 15,19; 1.Johannesbrief 3,13). Wir sind Soldaten Jesu Christi, und kein Soldat bewegt sich ohne Marschbefehl, schon gar nicht in Feindesland. Sollte er es aber doch tun, dann zieht er sich Schwierigkeiten zu.

Ein junger Mensch, der vor der Frage steht, ob er diese Theologie studieren soll, der sollte mit lauterem Herzen, bereit, die eigenen Pläne dranzugeben, Gott fragen, ob das Sein Wille ist. Er sollte Klarheit gewinnen, ob er vom Herrn dazu berufen ist, nicht nur dazu, "ein Gelenk des Dienstes" (Epheser 4,16) zu werden, sondern ausdrücklich auch zu solchem Studium der Theologie. Wen der Herr dazu beruft, der begebe sich fröhlich und getrost an die Theologische Fakultät. Er ist ein Gesandter seines Königs, und der wird ihn auch an diesem Ort zu bewahren wissen. Nur muss er sich mit aller Vorsicht dort bewegen, wie das ein Soldat im Feindesland tut." (loof 29-30.)

Bitte, werft meine Schriften in den Müll!

Nach wie vor erachte ich alles, was ich gelernt und geschrieben habe, bevor ich Jesus mein Leben übergab, für einen Dreck. Ich möchte die Gelegenheit benutzen, um darauf hinzuweisen, dass ich meine beiden Bücher "Gleichnisse Jesu..." und "Studien zur Passionsgeschichte" samt meinen Beiträgen in Zeitschriften, Sammelbänden und Festschriften verworfen habe. Was sich davon in meiner Wohnung befand, habe ich 1978 eigenhändig in den Müll getan und bitte Sie herzlich, mit dem, was davon etwa noch auf Ihrem Bücherbord sich findet, das gleiche zu tun.

Dr. Eta Linnemann, Prof. i. R., 5. Juli 1985 (loof 5, 8.)

 

Angebliche Fehler in der Bibel

Ein falscher Skeptizismus gegenüber der Bibel

Immer wieder waren es die Nicht-Geistes-Wissenschaftler, in diesem Fall die Archäologen, die die stärksten Argumente gegen die kritischen Theologen und für den Text lieferten:

Zum Beispiel wurde angenommen, dass die Schreibkunst im Palästina der mosaischen Zeit unbekannt war und dass der Pentateuch demzufolge erst im zehnten oder neunten Jahrhundert v. Chr. geschrieben worden sein konnte. Hinweise auf Hetiter wurden ungläubig zur Seite geschoben und als reine Erfindung seitens der späten Verfasser der Tora verurteilt; das gleiche galt für die Horiter und selbst für die Historizität Sargons II. (722-705 v. Chr.), da bis dahin noch keine außerbiblischen Bezugnahmen auf ihn vorlagen. Die Echtheit eines Königs wie Belsazar (im Daniel-Buch) wurde für unmöglich gehalten, weil kein griechischer Autor ihn erwähnte und so erklärte man den biblischen Bericht als falsch.

Seit den Tagen Hupfelds, Grafs und Kuenens haben archäologische Entdeckungen den Gebrauch einer alphabetischen Schrift in den kanaanitisch-sprechenden Kulturen vor 1.500 v. Chr. bestätigt und zahlreiche Urkunden zu Tage gefördert, die das Vorhandensein und die große Bedeutung sowohl der Hetiter und Horiter (oder Hurier, wie sie häufig genannt werden) bestätigten, sowie Keilschrift-Tafeln, die den Namen Belsazars enthielten. Immer wieder wurde in solchen Fällen, in denen angebliche historische Ungenauigkeiten vorlagen, die dann als Beweis für die späte und gefälschte Verfasserschaft der biblischen Urkunden dienten, der hebräische Bericht durch Ergebnisse jüngst erfolgter Ausgrabungen als richtig bestätigt und die zynischen Urteile der Urkundenhypothese als unbegründet entlarvt.
Gleason L.Archer, jr., EINLEITUNG IN DAS ALTE TESTAMENT Band 1, Bad Liebenzell, Verlag der Liebenzeller Mission, 1987, ISBN 3-88002-300-X, Seite 211,212

Ein echtes Expertenurteil

Es wäre aber unfair, alle Theologen über einen Kamm zu scheren. Es gab auch unter ihnen viele, die sich gegen eine voreingenommene Kritik wandten. Und sie waren bei weitem nicht leichtgläubige oder halbinformierte Wunschdenker, sondern gerade sie waren oft wirkliche Experten. Prof. Robert D.Wilson (1856-1930) z.B. war ein so gründlicher Kenner der semitischen Sprachen, dass er - so unglaublich es klingen mag - über vierzig von ihnen beherrschte. Er berichtet:

Als ich noch Theologie studierte, pflegte ich mein Neues Testament in neun verschiedenen Sprachen zu lesen. Ich lernte es auf Hebräisch auswendig, so dass ich es ohne Auslassung einer einzigen Silbe aufsagen konnte; das gleiche galt für die Psalmen Davids, Jesaja und andere Teile der Schrift ... und ich entschloss mich, sämtliche Sprachen zu lernen, die Licht auf das Hebräische werfen, alle damit verwandten Sprachen, sowie schließlich auch alle Sprachen, in welche die Bibel bis 600n.Chr. übersetzt wurde, so dass ich in jedem Fall den Text jeweils selbst würde untersuchen können. ...

Nachdem ich die notwendigen Sprachen gelernt hatte, machte ich mich an die Untersuchung jedes einzelnen Konsonanten des Hebräischen Alten Testamentes. Es gibt davon etwa eineinviertel Millionen, und ich benötigte viele Jahre für diese Aufgabe. ... Das Ergebnis dieser dreißigjährigen Studien, die ich auf den Text verwandt habe, ist folgendes: Ich kann gesichtert behaupten, dass es keine Seite im Alten Testament gibt, bezüglich der wir auch den geringsten Zweifel haben müssten. Wir können absolut sicher sein, dass wir substantiell den Text des Alten Testamentes haben, den Christus und seine Apostel hatten, und der von Anfang an in dieser Form existiert hat.
Aus: Alois Wagner "Die Zukunft hat begonnen" - An der Schwelle einer neuen Weltordnung? Christliche Literaturverbreitung e.V., Postfach 11 01 35, 4800 Bielefeld 11, 1991. Seite 32-37

Ein kleines Beispiel für die Genauigkeit des Bibeltextes

Wenn jemand etwas gegen die Bibel sagt, fragen Sie ihn nach den darin erwähnten Königen. Dort werden 29 Könige von Ägypten, Israel, Moab, Damaskus, Tyrus, Babylon, Assyrien und Persien erwähnt und zwar aus zehn verschiedenen Ländern. Diese alle werden sowohl in der Bibel als auch auf zeitgenössischen Monumenten der betreffenden Länder genannt ... Diese 29 Eigennamen enthalten insgesamt 195 Konsonanten. Aber wir finden in den Dokumenten des Alten Testaments nur zwei oder drei aus den ganzen 195, bei denen es überhaupt fraglich ist, ob sie in genau der gleichen Weise geschrieben sind wie auf ihren eigenen Monumenten. Einige von ihnen gehen 2000 Jahre zurück, andere 4000 - und doch sind sie so geschrieben, dass jeder einzelne Buchstabe klar und korrekt ist. ... Jeder einzelne hat in der Bibel seinen richtigen Namen, wird seinem richtigen Land zugeordnet, und in der korrekten chronologischen Abfolge genannt! Denken Sie einmal nach, was das bedeutet! ... Das ist ohne Zweifel ein gewaltiges Wunder.

Nehmen wir die von dem größten Gelehrten seines Zeitalters, dem Bibliothekar von Alexandria im Jahr 200 v.Chr. verfasste Liste. Er stellte einen Katalog der Könige von Ägypten zusammen, insgesamt 38; und von diesen 38 sind nur drei oder vier identifizierbar! Er machte auch eine Königsliste von Assyrien; hier können wir nur bei einem Namen feststellen, wer gemeint ist, und selbst der ist nicht richtig buchstabiert! Oder nehmen wir Ptolemäus, der ein Register von 18 babylonischen Königen zusammengestellt hat... Kein einziger ist richtig buchstabiert, und man könnte keinen identifizieren, wüssten wir nicht aus anderen Quellen, auf wen oder was er sich bezieht.
Aus: Alois Wagner "Die Zukunft hat begonnen" - An der Schwelle einer neuen Weltordnung? Christliche Literaturverbreitung e.V., Postfach 11 01 35, 4800 Bielefeld 11, 1991. Seite 37-38

 

Der Hase - (k)ein Wiederkäuer!

Was Theologen und Biologen sagen ...

Ein typisches Beispiel der "Bibelkritik für Anfänger"

Den meisten Menschen bereitet es wahrscheinlich wenig Kopfzerbrechen, ob der Hase oder auch der Klippschliefer Wiederkäuer sind oder nicht. Vor allem werden sie es weder als "heilsentscheidend" sehen noch als Nagelprobe, ob man sich auf die Bibel verlassen kann oder nicht. Ganz anders dagegen die bibelkritische Theologie, die jede Gelegenheit nützt, um die Inspiration der Bibel in Frage zu stellen. Sie behauptet ja, dass die Bibel nur ein menschliches Machwerk sei, also niemals von Gott eingegeben, und dass sie deswegen natürlich auch menschliche Irrtümer enthalte. Ein Paradebeispiel, das mir an der Uni prompt unter die Nase gerieben wurde, ist dabei genau diese Frage, ob Hase und Klippdachs nun Wiederkäuer seien oder nicht. Laut Naturwissenschaften seien sie es jedenfalls nicht, in der Bibel stehe jedoch fälschlicherweise das Gegenteil. Nun, lesen wir doch einfach einmal den fraglichen Text, der in seiner Einleitung ausdrücklich behauptet, dass die darauf folgenden Worte von Gott stammen:

Und der HERR redete zu Mose ...: Dies sind die Lebewesen, die ihr essen sollt von allen vierfüßigen Tieren, die auf der Erde sind: Alles, was gespaltene Hufe hat, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, und was wiederkäut (hebräisch: ma^alat gerah = Gekautes hochbringt) unter den Tieren, das dürft ihr essen. Nur diese von den Wiederkäuern (hebräisch: ma-aleh haggerah = Hochbringern von Gekautem) und von denen, die gespaltene Hufe haben, dürft ihr nicht essen:
das Kamel, denn es ist ein Wiederkäuer (hebräisch: ma^aleh gerah = Hochbringer von Gekautem), aber gespaltene Hufe hat es nicht: unrein soll es euch sein.
Und den Klippdachs (hebräisch: schaphan), denn er ist ein Wiederkäuer (hebräisch: ma^aleh gerah = Hochbringer von Gekautem), aber er hat keine gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein.
Und den Hasen (hebräisch: 'arnäbät), denn er ist ein Wiederkäuer (hebräisch: ma^alat gerah = Hochbringer von Gekautem), aber er hat keine gespaltenen Hufe ...
Und das Schwein, denn es hat gespaltene Hufe, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, aber es käut nicht wieder (hebräisch: gerah lo jiggar = Gekautes kaut es nicht) ...
Leviticus 11:1-8; ein Paralleltext befindet sich in Deuteronomium 14:6-7

Der 'arnäbät kommt nur zweimal in der Bibel vor, nämlich in Leviticus 11:6 und Deuteronomium 14:7. Man geht davon aus, dass es sich von 'anab = fruchtbar sein ableitet. Dass es sich hierbei um den Hasen handelt, ist wahrscheinlich, aber nicht absolut sicher, zumal die Bibelstellen keine weiteren Angaben über Körperbau und Lebensweise machen.

Der schaphan kommt nur viermal in der Bibel vor:, nämlich in Leviticus 11:5, Deuteronomium 14:7, Psalm 104:18 und Sprüche 30:26. Lesen wir die zwei noch unbekannten Stellen:

Die hohen Berge sind für die Steinböcke, die Felsen eine Zuflucht für die Klippdachse (auch Klippschliefer genannt). Psalm 104:18

Vier sind die Kleinen der Erde, und doch sind sie mit Weisheit wohl versehen ...
die Klippdachse, ein nicht kräftiges Volk, und doch legen sie im Felsen ihre Wohnungen an Sprüche 30:24,26

Was meint die Bibel mit "Wiederkäuer"?

Der immer wieder verwendete Ausdruck ma^alat gerah besteht aus hebräisch ma^aläh und gerah. ma^aläh ist ein Partizip der Hiphil-Form des Tätigkeitswortes ^alah = hinaufgehen, hinaufsteigen. Die Hiphil-Form bedeutet, dass verursacht wird, dass etwas "hinaufgeht" oder hinaufsteigt; man übersetzt es also sinngemäß mit hinaufbringen, hinaufführen. Unter den vielen Stellen, in denen ^alah im Hiphil vorkommt, sollen hier nur zwei typische zitiert werden:

... da zogen sie und brachten Josef aus der Grube herauf (^alah im Hiphil) ...
Genesis 37:28

Rahab führte die Kundschafter auf das Dach hinauf ... (^alah im Hiphil) Josua 2:6

^alah im Hiphil bezeichnet ein Hinaufbringen von etwas, ohne jedoch zum Ausdruck zu bringen, auf welche Weise das geschieht. Hier zwei Stellen, die das verdeutlichen, und in denen genau der Ausdruck ma^aläh vorkommt, wie ihn auch die Wiederkäuerstellen verwenden:

Denn der HERR, unser Gott, ist es, der uns und unsere Väter aus dem Lande Ägypten, aus dem Hause der Knechtschaft, heraufgeführt hat (ma^aläh). Josua 24:17

Es geschah nämlich, während Samuel das Brandopfer (^olah) opferte (ma^aläh) ... 1.Samuel 7:10

In der letzten Stelle wird ^olah für Brandopfer verwendet, weil diese durch Verbrennen als Rauch "aufsteigen", daher auch ihr Name ^olah = Aufsteigendes.

Der zweite Teil des obigen Ausdrucks, das Hauptwort gerah, leitet sich von dem Tätigkeitswort garar = ziehen, fortreißen, zersägen ab und wird dem Textzusammenhang nach am besten mit Gekautes, Zermahlenes übersetzt (L.Koehler und W.Baumgartner, Lexicon in veteris testamenti libros, Seite 193).

Der Ausdruck "ma^alat gerah" besagt also,

dass Hase und Klippschliefer Heraufbringer von Gekautem sind,

wobei nichts über die Art und Weise des "Hinaufbringens" ausgesagt wird.

Was Theologen zum Klippdachs sagen

Nehmen wir zuerst einmal die Aussagen der Theologen zur Kenntnis:

Er ist in Wirklichkeit kein Wiederkäuer; anscheinend dachte man an die großen Ausbuchtungen des Dick- und des Blinddarmes, die an den Magen der Wiederkäuer erinnerten.
(J.Feliks in "Biblisch-Historisches Handwörterbuch", Vandenoeck & Ruprecht in Göttingen 1964; an dieser Stelle, Spalte 970, Verweis auf: P.Benoit, "Revue Biblique", 1935, Seite 581f.)

Klippdachs, Klippschliefer - kein Wiederkäuer.
(Koehler-Baumgartner, "Lexicon in veteris testameti libros", Seite 1005. Auch hier Querverweis auf P.Benoit, "Revue Biblique", 44, 582.)

Was die Zoologen zum Klippdachs sagen

In "Brehms Tierleben" (1925, Band 12, Seite 591) wird nicht gesagt, ob der Klippdachs ein Wiederkäuer ist oder nicht, sondern lediglich festgestellt:

Der Magen wird durch eine Scheidewand in zwei Abteilungen geschieden, deren linke mehr zur Aufspeicherung, deren rechte der eigentlichen Verdauung dient.

In "Grzimeks Tierleben" (Band 12,Seite 515ff), das 1972 herausgegeben wurde, wird der Klippschliefer den Wiederkäuern zugeordnet:

Wohl nur wenige Leute können sich unter der Bezeichnung "Schliefer" etwas vorstellen. Sieht man diese murmeltierähnlichen, etwas plump gebauten Tiere einmal in einem Zoo, so möchte man nicht glauben, dass sie zur Huftierverwandtschaft gehören und hier in die gleiche Überordnung gestellt werden wie die Elefanten und Seekühe.
Bibelkundigen Lesern wäre zumindest der Name vertraut, wenn Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung nicht fälschlich die im Hebräischen "shaphan" genannten Tiere als "Kaninchen" bezeichnet hätte. Shaphan (auf deutsch: "der sich Verbergende") ist in Wirklichkeit die in Palästina und Syrien vorkommende Klippschlieferart.

Die Klippschliefer (Ordnung Hyracoidea, Familie Procaviidae) sind etwa kaninchengroß und ohne äußerlich sichtbaren Schwanz. Gesamtlänge 40-50 cm, Gewicht 2500-3500 Gramm. Körper gedrungen, Ohren klein und rundlich; Vorderfüße vierzehig ..., Hinterfüße dreizehig mit einer Putzkralle; 34 Zähne ... Pflanzenesser; obere Schneidezähne gebogen, ständig nachwachsend. Wiederkäuer; Darm wie bei allen Pflanzenessern sehr lang, zusätzlicher Blindsack. Schweiß und Afterdrüsen fehlen. Tragzeit 7-8 Monate; bei Baumschliefern ein, bei Klipp- und Buschschliefern zwei bis drei Junge.

Einzigartig unter allen Säugetieren ist das Darmsystem, da die Schliefer zwei Blindsäcke haben. Der erste Blindsack ist recht umfangreich und enthält Bakterien, die Zellulose verarbeiten. Der zweite, etwas kleinere Blindsack hat zwei ungefähr acht Zentimeter lange hornförmige Fortsätze; seine Aufgaben sind noch nicht geklärt.
(Alle Zitate von U.Rahm, entnommen aus "Grzimeks Tierleben", Enzyklopädie des Tierreiches, Kindler Verlag 1972 in Zürich, Zwölfter Band, Säugetiere 3.)

Demnach befindet sich F.J.Bruijel wissenschaftlich auf der Höhe, wenn er in "Christelijke Encyclopädie", 1959, J.H.Kok N.V.Kampen, Band 4, Seite 274f, schreibt:

Der Klippdachs ist überall in felsigen Gebirgen rund um das Jordantal und den südlichen Wüstengebieten zu finden, ebenso in den Gebirgen rund um den See Genezareth. Sein Verbreitungsgebiet umfasst des weiteren Syrien, Arabien, die Nilländer, Ost-, West- und Südafrika.. Er ist das kleinste und zierlichste der Huftiere, obwohl seine Lebensweise mehr der der Nagetiere gleicht. Er hat die Größe eines Kaninchens und auch eine gespaltene Oberlippe; der Kopf gleicht dem eines Murmeltieres ... Er lebt in Kolonien und stellt gleich den Gemsen und Murmeltieren Wachposten auf, die bei Gefahr durch einen gellenden Schrei warnen.Sie können nahezu senkrechte Wände hinaufklettern und sind ausnehmend gute Springer (2-4 m).
Der Klippdachs wiederkäut mit Hilfe eines zweiteiligen Magens, wobei die Kiefer sich ebenso wie bei allen Wiederkäuern von links nach rechts bewegen.

Ergebnis:

Da der Klippdachs ein Wiederkäuer ist, sagt die Bibel zu Recht von ihm, dass er ein "Hinaufbringer von Gekautem" ist, weil er die grob gekaute Nahrung (durch den Schlund) in die Mundhöhle "hinaufbringt", um sie noch einmal zu kauen und zu verdauen.

Interessanterweise verdanken wir diese Erkenntnis nicht etwa Theologen, die sich darum bemüht hätten, den Wahrheitsgehalt der Bibel zu beweisen, sondern Zoologen, die ohne Rücksicht auf weltanschauliche Überzeugungen geforscht haben.

Was die Zoologen über den Hasen sagen

Bezüglich des Hasen besteht kein Zweifel: er ist kein Wiederkäuer. Echte Wiederkäuer im Sinne der heutigen wissenschaftlichen Systematik sind Pflanzenfresser, die sich an die schwerverdauliche Pflanzenkost durch besondere Ausbildung ihres Magen-Darmtraktes angepasst haben. Sie vermögen die aufgenommene Nahrung zunächst in einem als Gärkammer ausgebildeten Magenteil, dem Pansen, vorzuverdauen. Dabei werden vor allem die pflanzlichen Zellwände, die aus Zellulose bestehen und den Zutritt der Verdauungssäfte zum nahrhaften Zellinhalt verhindern, durch Mikroorganismen aufgeschlossen. Nach solcher Vorverdauung wird der Panseninhalt portionsweise in das Maul zurückbefördert und danach wiedergekäut.

Hiervon unterscheidet sich jedoch der biblische Begriff des "Hinaufbringers von Gekautem", denn er bezieht sich nicht auf das nochmalige Kauen, sondern allein darauf, dass das bereits Gekaute noch einem "hinaufgebracht" wird. Kann es sein, dass der Hase ein solcher "Hinaufbringer von Gekautem" ist, ohne zugleich ein Wiederkäuer zu sein? Gibt es noch eine andere Möglichkeit, "Gekautes (wieder in den Mund) hinaufzubefördern"? Was sagt die Zoologie? Zitieren wir zuerst aus "Grzimeks Tierleben", Band 12, Seite 421f, eine Passage aus der Abhandlung von Dr.R.Angermann:

Im Jahre 1882 veröffentliche Morot in einer französischen tierärtzlichen Zeitschrift seine Beobachtungen über die schleimüberzogenen "Magenpillen" der Kaninchen. Außer der normalen festen Losung erzeugen diese Tiere nämlich eine zweite Kotform - weiche, schwachgeformte Kügelchen, die sie nach Ablage sofort aufnehmen und unzerkaut schlucken. Sie sammeln sich an einer bestimmten Stelle des Magens (in der Cardiaregion) und werden nochmals verdaut. Auf solche Weise geht ein Teil der Nahrung zweimal durch den Darm und wird dadurch besser aufgeschlossen. Diese Doppelverdauung ähnelt in gewisser Weise dem Wiederkäuen der meisten Paarhuferfamilien. Der weiche Kot (Caecotrophe) wird im Blinddarm gebildet und dort stark mit Vitamin B1 angereichert; nach den Untersuchungen von Scheunert und Zimmermann enthält er gegenüber dem normalen Kot die vier- bis fünffache Menge an Vitaminen.
Für die Hasentiere ist der "Blinddarm-" oder "Vitaminkot" lebenswichtig; er erleichtert ihnen vermutlich auch das Überstehen längerer Fastenzeiten bei ungünstiger Witterung.

Nun noch H.Wurmbach in "Lehrbuch der Zoologie", Band 2,Seite 764, 2.Auflage Stuttgart 1971:

Die Nager, und zwar sowohl die Simplizidentaten wie die Kuplizidentaten haben eine eigenartige Anpassung an die pflanzliche Ernährung erworben, das Fressen der CAECOTROPHE (Harder), gewissermaßen anstelle des Wiederkäuens. Tagsüber setzen sie normalen trockenen Kot in kleinen Ballen ab, den sie nicht fressen. Zur Zeit der Ruhe bilden sie kleine feuchte, in Schleim gehüllte weiche Kugeln, die Caecotrophen, die sie mit dem Mund vom After abnehmen und unzerkaut schlucken. Das Material zur Bildung dieser Kugeln ist im oberen Teil des Blinddarmes vergoren worden. Es wird dann im Enddarm zu den Kügelchen geformt. Diese gelangen unzerstört in den vorderen Teil des Magens und mischen sich von dort aus durch die Magenperistaltik mit dem Nahrungsinhalt des Magens, mit dem zusammen sie verdaut werden. Auf diese Weise passieren 80-100% der Nahrung zweimal den Darmkanal. Hindert man durch ein Gestell, in das man den Kopf des Nagers steckt, die Tiere daran, an den After zu gelangen, so findet man morgens die typischen weichen Ballen der "CAECOTROPHE". Auch bei genügender Fütterung gehen auf diese Weise am Kotfressen gehinderte Tiere zugrunde. Die Kugeln sind bedeutend eiweiß- und bakterienreicher als die trockenen echten Kotballen.

Ergebnis:

Der Hase ist zwar kein "Wiederkäuer" im engeren, zoologischen Sinne, jedoch ist die biblische Bezeichnung "Hochbringer von Gekautem" absolut zutreffend:

Der Hase "bringt" die bereits einmal gekaute und vorverdaute Blinddarmlosung in Form von schleimüberzogenen Pillen wieder "hinauf" und frisst sie ein zweites Mal.

Die biblische Aussage, dass Klippdachse (als echte Wiederkäuer) und Hasen "Hochbringer von Gekautem" sind, ist also eine für beide Tierarten vollkommen zutreffende Formulierung.

Buchempfehlung zum Thema

"Glaube und Naturwissenschaft"

Das vorliegende Buch "Schöpfung und Evolution" beruht wesentlich auf Gedanken und Ausarbeitungen von Karel Claeys (1914-1986), der sich Jahrzehnte mit dem Grundtext der Bibel befasst hat. Da ich die letzten Jahre seines Lebens eng mit ihm zusammengearbeitet habe, hat er mich gebeten, sein Werk fortzusetzen, was ich hiermit getan habe.

Den ersten Teil seiner Arbeit hat er bereits früher in einem Buch veröffentlicht, das ich allen, die das Thema "Glaube und Naturwissenschaft" und insbesondere das Weltbild der Bibel interessiert, empfehlen möchte:

Karel Claeys:

DIE BIBEL BESTÄTIGT

DAS WELTBILD DER NATURWISSENSCHAFT

Neues Beweisverfahren

aus Etymologie, Kontext, Konkordanz und Naturwissenschaft.

Christiana-Verlag CH-8260 Stein am Rhein/Schweiz, 2.Auflage 1987

ISBN 3-7171-0745-3

 

Die zwei Stammbäume Jesu - ein Widerspruch?

Ein Beispiel für Bibelkritik im Neuen Testament

Im Neuen Testament finden wir zwei Stammbäume von Jesus, die sich nicht zur Deckung bringen lassen. Diese Tatsache wurde von vielen Theologen zum Anlass genommen, der Bibel Fehlerhaftigkeit zu unterstellen, da die beiden Stammbäume sich "widersprächen". Dies sei ein Beleg dafür, dass der Bibeltext nicht wörtlich ernst zu nehmen, sondern nur bildlich zu verstehen sei. Dabei ist auch dieser "Widerspruch" so leicht aufzulösen! Es ist doch eine simple Erkenntnis, dass jeder Mensch auf Erden in Wirklichkeit nicht einen, sondern zwei "Stammbäume" hat, nämlich den seiner Mutter und den seines Vaters! Und genau das ist auch bei Jesus der Fall. In Matthäus 1:1-16 finden wir die väterlichen Vorfahren von Jesus:

Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: 2 Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder.
3 Juda aber zeugte Phares und Zara von der Thamar; Phares aber zeugte Esrom, Esrom aber zeugte Aram. 4 Aram aber zeugte Aminadab, Aminadab aber zeugte Nahasson, Nahasson aber zeugte Salmon. 5 Salmon aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Isai. 6 Isai aber zeugte David, den König. David aber zeugte Salomon von der, die Urias Weib gewesen. 7 Salomon aber zeugte Roboam, Roboam aber zeugte Abia, Abia aber zeugte Asa. 8 Asa aber zeugte Josaphat, Josaphat aber zeugte Joram, Joram aber zeugte Osia. 9 Osia aber zeugte Joatham, Joatham aber zeugte Achas, Achas aber zeugte Ezekia. 10 Ezekia aber zeugte Manasse, Manasse aber zeugte Amon, Amon aber zeugte Josia. 11 Josia aber zeugte Jechonia und seine Brüder um die Zeit der Wegführung nach Babylon.
12 Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jechonia Salathiel, Salathiel aber zeugte Zorobabel. 13 Zorobabel aber zeugte Abiud, Abiud aber zeugte Eliakim, Eliakim aber zeugte Asor. 14 Asor aber zeugte Zadok, Zadok aber zeugte Achim, Achim aber zeugte Eliud. 15 Eliud aber zeugte Eleasar, Eleasar aber zeugte Matthan, Matthan aber zeugte Jakob.
16
Jakob aber zeugte Joseph, den Mann der Maria, von welcher Jesus geboren wurde, der Christus genannt wird. Matthäus 1:1-16; alte Elberfelder

Lukas 3:23-38 dagegen verfolgt die Linie der Vorfahren der Mutter Jesu:

23 Und er selbst, Jesus, begann ungefähr dreißig Jahre alt zu werden, und war, wie man meinte, ein Sohn des Joseph, des Eli, 24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Janna, des Joseph, 25 des Mattathias, des Amos, des Nahum, des Esli, des Naggai, 26 des Maath, des Mattathias, des Semei, des Joseph, des Juda, 27 des Johanna, des Resa, des Zorobabel, des Salathiel, des Neri, 28 des Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmodam, des Er, 29 des Joses, des Elieser, des Jorim, des Matthat, des Levi, 30 des Simeon, des Juda, des Joseph, des Jonan, des Eliakim, 31 des Melea, des Menna, des Mattatha, des Nathan, des David, 32 des Isai, des Obed, des Boas, des Salmon, des Nahasson, 33 des Aminadab, des Aram, des Esrom, des Phares, des Juda, 34 des Jakob, des Isaak, des Abraham, des Thara, des Nachor, 35 des Seruch, des Rhagau, des Phalek, des Eber, des Sala, 36 des Kainan, des Arphaxad, des Sem, des Noah, des Lamech, 37 des Methusala, des Enoch, des Jared, des Maleleel, des Kainan, 38 des Enos, des Seth, des Adam, des Gottes. (Lukas 3:23-38)

Jeder Mensch hat zwei Stammbäume - auch Jesus!

Besonders der Anfang und das Ende dieses Stammbaumes ist interessant:

Jesus war - wie man meinte, ein Sohn des Josef - (ein Sohn) des Eli, (ein Sohn) des Matthat ... (ein Sohn) des Adam, (ein Sohn) Gottes. Lukas 3:23

Lukas beginnt und endet mit einer geistigen Form von Sohnschaft, denn Josef war in geistigem Sinne Jesus" Vater, Gott war im geistigen Sinne Adams Vater - darum werden sie auch in der Bibel als einzige Menschen im Vollsinne des Wortes bezeichnet, 1.Korinther 15:45-47. Dazwischen verfolgt Lukas die Linie der biologischen Abstammung Jesu, nämlich der Vorväter seiner Mutter, von der er ja körperlich abstammt (hebräische Stammbäume ziehen immer die Väter heran). So erklärt sich, warum die beiden Stammbäume von Abraham bis König David übereinstimmen, sich von da an jedoch unterscheiden:

Matthäus gibt die dynastische Linie wider, also die erbrechtliche Linie der Herrscher, beginnend mit König Salomo (Mattäus 1:6). Das ist wohl auch der Grund, warum er den Stammbaum Jesu nur bis zu Abraham zurückverfolgt, denn mit ihm beginnt ja das Volk Israel, dessen König Jesus ist. Abraham ist der erste, dem das Land Israel als Erbe zugesprochen wurde.Dadurch, dass Jesus der Adoptivsohn von Josef ist, einem Nachfahren David's über die Linie Salomos, hat er ein Erbrecht auf den Thron Davids.

Lukas dagegen zeichnet die biologische Linie der Vorfahren auf. Von daher verwundert es nicht, dass er über Abraham hinaus bis auf Adam zurückgeht, zu der Person, die alle folgenden Vorfahren Jesu mit dem "Stammbaum der Himmel und der Erde" und somit dem Ursprung des Lebens verbindet.

Nur so konnten sich die Prophetien erfüllen!

Noch etwas ist dabei bemerkenswert: Einerseits hatte Gott dem David versprochen, dass einer seiner leiblichen Nachfahren als König auf dem Thron sitzen würde. Damit war klar, dass Jesus als der Messias Israels biologisch von David abstammen musste:

Der HERR hat David einen Treueid geschworen, er wird nicht davon abweichen: Von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen. Psalm 132:11; vergleiche 2.Samuel 7:12-13; Jeremia 33:21; Lukas 1:32

Andererseits hatte Gott als Gericht über abscheuliche Sünden gewisser Nachkommen Salomos erklärt, dass keiner seiner Nachkommen mehr als König von Israel in Frage komme. Konkret war es Konja, dem Gott dies ankündigte:

So wahr ich lebe, spricht der HERR, wenn auch Konja, der Sohn Jojakims, der König von Juda, ein Siegelring an meiner rechten Hand wäre, würde ich dich doch von dort wegreißen ... Schreibt diesen Mann auf als kinderlos, als einen Mann, dem nichts gelingt in seinen Tagen! Denn von seinen Nachkommen wird es nicht einem gelingen, auf dem Thron Davids zu sitzen und weiterhin über Juda zu herrschen. Jeremia 22:24,30

Der einzige Ausweg aus dieser scheinbaren Zwickmühle war, dass ein Nachkomme aus einer anderen Linie Davids Thronerbe würde. Tatsächlich führt die biologische Linie von David zu Jesus über Nathan, einen anderen Sohn Davids. Das Problem hierbei ist wiederum, dass dies nicht die dynastische Linie ist, also die für den Thron erbberechtigte.

Die einzige Möglichkeit, beides, die körperliche und die herrschaftliche Linie wieder zu vereinigen war, dass ein männlicher, erbberechtigter Nachfahre Davids aus der Linie über Salomo einen biologischen Nachfahren aus der Linie über Nathan als Erstgeborenen "adoptierte" und ihm das Thronrecht vererbte. Jesus ist somit die einzig mögliche und perfekte Erfüllung aller alttestamentlichen Prophetien über die Herkunft des Messias!

 

Ein "Bibeltest"

Nachprüfbare, naturwissenschaftliche Aussagen der Bibel

Besonders von Skeptikern wird immer wieder betont, dass die Naturwissenschaft Voraussagen möglich macht, die überprüft werden können. Und die Frage wird gestellt, welche naturwissenschaftlichen Fakten die Bibel vorhergesagt habe, bevor sie durch die Wissenschaft erkannt wurden. Nun, die Bibel ist zwar schwerpunktmäßig nicht ein naturwissenschaftliches Lehrbuch, sondern ein Geschichtsbuch. Dennoch macht sie Aussagen auch über naturwissenschaftliche Fakten. Interessanterweise finden wir eine Anhäufung solcher Aussagen gleich "am Anfang", also dort, wo jeder Suchende logischerweise als erstes ausprobieren wird, ob dieses Buch nur ein menschliches Machwerk ist oder tatsächlich eine Offenbarung Gottes. Und da die "Genesis" unbestreitbar einige Jahrtausende alt ist, liegen ihre folgenden Aussagen jedenfalls weit vor deren Bestätigung durch die Naturwissenschaften ...

Das Weltall hatte einen Anfang

Gleich der erste Satz der Bibel betont, was erst in unserer Zeit wissenschaftlich nachgewiesen - und bis dahin besonders von Atheisten heftig angezweifelt - wurde, dass nämlich das Universum tatsächlich nicht unendlich alt ist, sondern einen "Anfang" hat: "Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde", Genesis 1:1. Die Naturwissenschaft nennt das den "Urknall".

Die Expansion des Weltalls

Mehrere Bibelstellen sprechen von diesem erst in der Neuzeit besser erforschten Phänomen, wobei sie ausschließlich den hebräischen Begriff "natah" verwenden, Jesaja 4:22; 42:5,8; 45:12; 51:13; Hiob 9:8; 26:7; Psalm 104:2; Sacharja 12:1. Dieses bedeutet gemäß Wörterbüchern (Koehler 611, Gesenius 500): (aus-)strecken, dehnen, ausbreiten, ausspannen, beugen:

Nach E.König hat "natah" die Bedeutung von "expandens", das heißt buchstäblich "expandieren". Mit Ausnahme von Jesaja 45:12 und Jeremia 10:12 wird dieses Verbum stets als prädikativ gebrauchtes Partizip verwendet ... Da ein prädikativ gebrauchtes Partizip die Schilderung eines Zustandes bzw. eines in der Zeit sich ereignenden, andauernden Geschehens zum Ausdruck bringt, ist die Ausdehnung der Sternenhimmel als eine kontinuierliche, in der Schöpfung wirkende Tätigkeit Gottes zu verstehen ... Karel Claeys, "Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" Seite 158

Die Erkenntnis der "Expansion des Weltalls" entspricht also wortwörtlich der Aussage der Bibel: "Gott dehnt die Himmel aus!" Und die folgende Bibelstelle gibt uns ein weiteres, besonders anschauliches Bild für dieses expandierende Weltall:

(Gott ist es) ausdehnend (natah) die Sternenhimmel gleich (einer Menge) Stäubchen. Jesaja 40:22

Die Erde schwebt im Vakuum!

Gott spannt den Norden aus über der Leere,
er hängt die Erde auf über dem Nichts (hebräisch belimah).
Hiob 26:7, Elberfelder, ebenso Luther, Einheitsübersetzung, Schlachter

Das Wort "belimah" ist zusammengesetzt aus "beli = ohne" und "mah = etwas", bedeutet also wörtlich "ohne etwas", "nichts" (Koehler 129, Gesenius 100) und entspricht damit verblüffend der modernen Einsicht, dass die Erde von einem Vakuum (lateinisch "Leere") umgeben ist - sie "hängt" quasi im "Nichts"!

Die Erde war früher in Finsternis gehüllt

"Die Erde war tohuwabohu, und Finsternis war über der Wirbelflut", Genesis 1:2. Heute geht man tatsächlich davon aus, dass vor der heutigen Sauerstoffatmosphäre eine Methan- Wasserdampf-Atmosphäre die Ur-Erde in totale Finsternis hüllte.

Die Erde war früher komplett von Wasser bedeckt

Diese Aussage wird ganz nebenbei gemacht und später noch einmal ausdrücklich bestätigt: Das Festland "tauchte" erst später auf. Das bestätigen heute auch die Geowissenschaften.

Das Erdenleben begann in den Gewässern der Urerde

"Und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser", Genesis 1:2 Das hebräische "richeph = beschützend flattern (wie ein Adler über seinen Jungen)" ist ein klarer Hinweis darauf, dass der Geist Gottes nicht ohne Grund über den Gewässern "schwebte": Dort begann das Erdenleben sich zu entfalten, wie Jungvögel unter den Fittichen der Eltern. Wiederum war es der Naturwissenschaft erst in unserer Zeit vergönnt, die ältesten Lebensspuren der Erde zu finden und zu bestätigen: Das Leben begann schon sehr früh - in den Gewässern der Urerde.

Die ersten Tiere lebten in den Weltmeeren

Im weiteren Verlauf erklärt der Bibeltext, was sich wohl kein Landbewohner der damaligen Zeit ausgedacht hätte: Die ersten Tiere der Welt lebten in den Weltmeeren, darunter sowohl riesige "Meeresungeheuer" als auch unzählige "wimmelnde" Kreaturen, Genesis 1:21ff. Die Entdeckung der "Kambrischen Explosion" hat genau das bestätigt: Die ersten Tiere waren Wassertiere, vor allem vielfüßige, "wimmelnde" Gliedertiere, aber auch riesige Kraken und Seeskorpione.

Erst kamen Landtiere, dann die Menschheit

Später konnten die Naturwissenschaften nachweisen, dass auch die weitere Reihenfolge der Bibel richtig ist: Auf die Wassertiere folgten die Landtiere, erst danach erschien die Menschheit. Dies sind Aussagen, die man anhand jeder Übersetzung nachvollziehen kann, und die auch jedermann bekannt sein dürften. Sie alle beziehen sich auf naturwissenschaftliche Phänomene, die zutreffend beschrieben wurden, obwohl die Naturwissenschaften diese erst Jahrtausende später beweisen konnten. Dazu kommen noch weitere Aussagen der Bibel, die ihrer Zeit so sehr voraus waren, dass sie wahrscheinlich gar nicht verstanden wurden, zum Beispiel:

Das Erdenleben beruht auf Abstammung

Der Untertitel, die Zusammenfassung des Schöpfungsberichts, bringt auf den Punkt, was erst seit Darwin naturwissenschaftlich anerkannt ist: "Dies ist der Stammbaum von Himmel und Erde", Genesis 2:4! Alle Lebewesen der Erde, ob Land-, Wasser- oder Flugtiere, stammen von gemeinsamen Vorfahren ab, sind miteinander verwandt. Dieser Gedanke war den Übersetzern der Bibel so fremd, dass sie das Wort "toledot", das sie sonst durchweg mit "Geschlechterfolgen" übersetzten, zur "Geschichte" verflachten. Schade, aber zum Glück haben wir ja noch den Originaltext.

Eingetroffene Prophetien der Bibel

Doch bleiben wir nicht bei naturwissenschaftlichen Aussagen stehen. Diese gehören ja unbestritten zu den einfacheren Vorhersagen, wogegen zuverlässige geschichtliche Voraussagen über große Zeiträume hinweg aufgrund der Komplexität der Vorgänge viel schwieriger, um nicht zu sagen unmöglich, sind. Doch gerade dies ist ein Spezialgebiet der Bibel, die ja ein Geschichtsbuch ist, in dem es über große Strecken um die Geschichte Israels und seines Königs geht. So finden wir auch hier Vorhersagen, die über Jahrtausende hinweg eingetroffen sind und noch bis in die heutige Zeit eintreffen ...

Zerstreuung und Verfolgung der Juden unter allen Nationen der Erde

Euch aber werde ich unter die Nationen zerstreuen, und ich werde das Schwert hinter euch herziehen. Euer Land wird eine Öde, und eure Städte werden eine Trümmerstätte sein. ... Ihr werdet umkommen unter den Nationen, und das Land eurer Feinde wird euch fressen. Und die Übriggebliebenen von euch werden in den Ländern eurer Feinde vergehen ... 3.Mose 26:33,38-39

Und der HERR wird euch unter die Völker zerstreuen, und ihr werdet übrigbleiben, ein geringes Häuflein unter den Nationen, wohin der HERR euch führen wird ... Wenn du in Not bist und wenn alle diese Dinge dich getroffen haben am Ende der Tage, wirst du zum HERRN, deinem Gott, umkehren, und auf seine Stimme hören. 5.Mose 4:27,30

Und der HERR wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum andern Ende der Erde ... Und unter jenen Nationen wirst du nicht ruhig wohnen, und deine Fußsohle wird keinen Rastplatz finden ... Und dein Leben wird in Gefahr schweben, du wirst dich Nacht und Tag fürchten und deines Lebens nicht sicher sein. 5.Mose 28:64-66

Weitere Bibelstellen: 1.Könige 14:15; Nehemia 1:8-9; Hesekiel 20:23 ...

Rückkehr der Juden in ihr Land nach langer Zeit

Siehe, ich bringe sie herbei aus dem Land des Nordens und sammle sie von dem äußersten Ende der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und Gebärende, sie alle zusammen; als eine große Volksversammlung kehren sie hierher zurück. ... Hört das Wort des HERRN, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sagt: Der Israel zerstreut hat, wird es wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde! Jeremia 31:7-10

Ich werde zum Norden sagen: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring meine Söhne von fernher und meine Töchter vom Ende der Erde. Jesaja 43:6

Und ich werde euch aus den Völkern herausführen und euch aus den Ländern, in die ihr zerstreut worden seid, mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm sammeln. Hesekiel 20:34

Alle Völker gegen Israel - Aufteilung des Landes

Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen sammeln und sie ins Tal Joschafat hinabführen. Und ich werde dort mit ihnen ins Gericht gehen wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel, das sie unter die Nationen zerstreut haben. Und mein Land haben sie geteilt und über mein Volk das Los geworfen. Joel 4:1-2

Jerusalem als weltpolitisches Dauerproblem

Siehe, ich mache Jerusalem zu einer Taumelschale für alle Völker ringsum. Und auch über Juda: Es wird in Bedrängnis geraten zusammen mit Jerusalem.
Und es wird geschehen an jenem Tag, da mache ich Jerusalem zu einem Stemmstein für alle Völker: alle, die ihn hochstemmen wollen, werden sich wund reißen. Und alle Nationen der Erde werden sich gegen es versammeln. Sacharja 12:2-3

Die schon von Mose vorhergesagte totale Zerstreuung Israels unter die Nationen geschah, nachdem die Juden Jesus endgültig verworfen hatten, im Jahre 70. Es kann nur ein Wunder genannt werden, dass sie die vielen Jahrhunderte grausamer Verfolgung überhaupt überlebten und ihre Identität nicht gänzlich verloren, sogar ihre Sprache geriet in Vergessenheit. Doch gläubige Juden und Christen waren zu allen Zeiten davon überzeugt, dass Gottes Wort in Erfüllung gehen, und dass er die Juden eines Tages doch wieder zurück in ihr Land bringen würde, vergleiche auch Römer 11:24ff. Und tatsächlich geschah im 19.Jahrhundert die Wiederbelebung der hebräischen Sprache, die bis dahin tot war, und nach dem zweiten Weltkrieg kam es zur Gründung des Staates Israel, der "wie durch ein Wunder" die sofortigen und wiederholten Angriffe seiner zahlenmäßig weit überlegenen Nachbarstaaten immer wieder überlebt hat. Die Voraussagen der Bibel für Israel und Jerusalem gehen bis in unsere Zeit hinein, quasi vor unseren Augen, in Erfüllung: Dieses winzige Land hält die ganze Welt in Atem, und selbst Supermächte vermögen die Probleme, die mit ihm untrennbar verbunden sind, nicht zu lösen. Die Feindschaft der Weltnationen gegen diesen "Fremdkörper" wird zunehmen, und viele weitere Prophetien der Bibel müssen noch in Erfüllung gehen, bevor Friede für dieses Volk und die ganze Erde einkehren kann. Der Schlüssel dazu ist eine spezielle Person, der Messias, der von Israel lange ersehnte König und Retter. Auch über ihn finden sich in der Bibel eine ganze Reihe von Voraussagen, von denen hier einige herausgegriffen seien ...

Jesus Christus - Geburt in Bethlehem

Und du, Bethlehem Ephrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll. Und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.
Micha 5:1; vergleich Matthäus 2:5; Johannes 7:42

Einzug in Jerusalem

Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir: Gerecht und siegreich ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin. Sacharja 9:9; vergleiche Matthäus 21:5

Verwerfung durch die Leiterschaft Israels

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.
Psalm 118:22; vergleiche Matthäus 21:42; Apostelgeschichte 4:11

Verrat durch einen Vertrauten - für dreißig Silberlinge

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir (Satan) und der Frau (Eva), zwischen deinen Nachkommen und ihrem Nachkommen; er (der Nachkomme der Frau) wird dich am Kopf packen, du aber, du wirst ihn an der Ferse packen (also von hinten = Verrat, Heimtücke). Genesis 3:15

Selbst mein Freund, auf den ich vertraute, der mein Brot aß, hat seine Ferse gegen mich erhoben. Psalm 41:9; vergleiche Johannes 13:18

Und ich sprach zu ihnen: Wenn es recht ist in euren Augen, gebt mir meinen Lohn, wenn aber nicht, lasst es bleiben! Und sie wogen meinen Lohn ab: dreißig Silberschekel. Da sprach der HERR zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Wert, den ich ihnen wert bin. Und ich nahm die dreißig Silberschekel und warf sie in das Haus des HERRN dem Töpfer hin.
Sacharja 11:12-13; vergleiche Matthäus 26:15; 27:3,9)

Verspottung, Folter, Tod, Begräbnis

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! ...
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. Alle, die mich sehen, spotten über mich; sie verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: Er hat es auf den HERRN gewälzt, der rette ih, befreie ihn, denn er hat ja Gefallen an ihm!

Sei nicht fern von mir, denn Not ist nahe, denn kein Helfer ist da.

Viele Stiere haben mich umgeben, starke Stiere von Basan mich umringt (Bild für die Mächtigen der Völker, aber auch die Dämonen-Fürsten) ...

Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und alle meine Gebeine haben sich zertrennt (typische Folge des Hängens am Kreuz), wie Wachs ist mein Herz geworden, zerschmolzen in meinem Inneren ...

Denn Hunde haben mich umgeben, eine Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt. Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben (Nägel vom Kreuz) ...

Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los.

Psalm 22:16-18; vergleiche Johannes 19:23ff

... und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig. Psalm 69:21; Johannes 19:28

Und sie werden auf mich (= Gott!) blicken, den sie durchbohrt haben (mit Nägeln und Lanze! Johannes 19:37), und sie werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt. Sacharja 12:10; vergleiche Johannes 19:34-37

Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln. Er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein. Wie sich viele über dich entsetzt haben - so entstellt war sein Aussehen (Dornenkrone, Schläge mit Stöcken, Sack über dem Kopf, ausgepeitscht mit der römischen Geißel), mehr als das irgendeines Mannes, und seine Gestalt mehr als die der Menschenkinder -, ebenso wird er viele Nationen besprengen; über ihn werden Könige ihren Mund schließen ...

Wer hat unserer Verkündigung geglaubt? An wem ist der Arm des HERRN offenbar geworden? - Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt (auch zu guten Zeiten!) und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er keine Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten. Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet.

Jedoch unsere Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft (Kreuztod war eine Schande, Jesus war als Gotteslästerer verurteilt), von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünde willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld.-

Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherer; und er tat seinen Mund nicht auf.

Aus Drangsal und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über sein Geschlecht nachsinnen? Denn er wurde abgeschnitten vom Lande der Lebendigen. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab (als Gekreuzigter, Gehängter wäre er auf dem Armenacker begraben worden), aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod (Josef von Arimathia gab ihm sein teures, in Felsen gehauenes Grab), weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Munde gewesen ist. Jesaja 52:13-53:9

Auferstehung

Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird seine Tage verlängern (da er "im Tod" war, ist diese Aussage nur durch seine Auferstehung zu erklären!). Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Um der Mühsal seiner Seele willen wird er Frucht sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen. Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan ("Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"). Jesaja 53:10-12

Denn meine Seele wirst du dem Totenreich nicht lassen, wirst nicht zugeben, dass dein Frommer die Verwesung sehe. Psalm 16:10; vergleiche Apostelgeschichte 13:35

Vorhersagen der Bibel für die Gegenwart und Zukunft

Es liegt in der Natur der Sache, dass Dinge, die noch nicht wissenschaftlich "erwiesen" sind und doch von der Bibel angekündigt werden, unglaublich und manchmal als Widerspruch zur Naturwissenschaft erscheinen müssen. Trotzdem können sie wahr sein, denn auch die Naturwissenschaft hat ihre Grenzen: Den menschlichen Verstand. Der ist eben nicht das Maß aller Dinge, sondern vielmehr die Wirklichkeit - die oftmals unseren Verstand übersteigt. Vieles, was zu biblischen Zeiten noch unvernünftig oder unmöglich erschien und dennoch vorhergesagt wurde, ist für uns heute schon vorstellbar geworden - oder es geschieht sogar bereits vor unseren Augen! Wir leben in spannenden Zeiten, in denen jahrtausendealte Prophetien sich erfüllen!

Superschnelle Fahrzeuge und Kriegsführung aus der Luft

Die Bibel spricht von Kriegsheeren, die sich mit Fahrzeugen fortbewegen, die die Geschwindigkeit des Windes, ja, eines Sturmes (hundert bis zweihundert Stundenkilometer!) erreichen, beziehungsweise sogar fliegen "wie Adler" (ohne "Flügelschlag" über gewaltige Strecken):

Siehe, wie Wolken zieht er herauf, und wie der Sturmwind sind seine Wagen, schneller als Adler seine Pferde. Wehe uns! Denn wir sind überwältigt. Jeremia 4:13

Der HERR wird von ferne, vom Ende der Erde her, eine Nation über dich bringen. Wie der Adler fliegt, so kommt sie, eine Nation, deren Sprache du nicht verstehst. Deuteronomium 28:49

Iran und Irak werden von einer "Supermacht" aus dem Westen erbittert angegriffen und zerstört, die auf dem Angriffsweg - über die ganze Erde hinweg - den Boden nicht berührt!

Und während ich achtgab, siehe, da kam ein Ziegenbock von Westen her über die ganze Erde, und er berührte die Erde nicht ... Und er kam bis zu dem Widder mit den zwei Hörnern, welchen ich vor dem Flusse hatte stehen sehen; und er rannte ihn an im Grimme seiner Kraft. Und ich sah ihn bei dem Widder anlangen, und er erbitterte sich gegen ihn, und er stieß den Widder und ... warf ihn zu Boden und zertrat ihn, und niemand rettete den Widder aus seiner Hand. (Dieses Gesicht) ... geht auf die bestimmte Zeit des Endes: Der Widder mit den zwei Hörnern, welchen du gesehen hast, sind die Könige von Medien und Persien (Iran und Irak). Daniel 7:5-7; 8:19-20

Millionenheere und Panzer

In einem Krieg in der Region des Euphrat wird ein Land eine Armee von zweihundert Millionen Soldaten in die Schlacht schicken:

Und die Zahl der Kriegsheere zu Ross war zweimal zehntausend mal zehntausend; ich hörte ihre Zahl. Offenbarung 9:16

Gepanzerte Kriegsmaschinen, die Feuer, Giftgas und "Schwefel" speien (also offensichtlich keine "Pferde"), werden ein Drittel der Bevölkerung ausrotten:

Und so sah ich im Gesicht die Rosse und die, welche auf ihnen saßen: sie hatten feurige und hyazinthfarbene und schwefelgelbe Panzer; und die Köpfe der Rosse waren wie Löwenköpfe, und aus ihren Mäulern geht Feuer und Rauch und Schwefel hervor. Von diesen drei Plagen wurde der dritte Teil der Menschen getötet, von dem Feuer und dem Rauch und dem Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen. Offenbarung 9:17-18

Biologisch-chemische Kriegsführung

In einem Krieg werden feindliche Armeen und deren gesamter Tierbestand bei lebendigem Leibe verwesen:

Und dies wird die Plage sein, mit der der HERR alle Völker plagen wird, die gegen Jerusalem in den Krieg gezogen sind: Er lässt jedem sein Fleisch verwesen, während er noch auf seinen Füßen steht, und seine Augen werden verwesen in ihren Höhlen, und seine Zunge wird in seinem Mund verwesen ... Und ebenso wird die Plage der Rosse ... und alles Viehes in jenen Heerlagern sein. Sacharja 14:12,15

Schlagartige Vernichtung von Großstädten durch "Pfeile" und "Feuer"

Gemäß Jeremia 50-51 und Offenbarung 18 wird eine riesige Großstadt durch extrem treffsichere "Pfeile" einer Bündnisgroßmacht innerhalb einer Stunde durch "Feuer" total zerstört und für ewig unbewohnbar gemacht. Das ganze wird weltweites Entsetzen auslösen:

Denn siehe, ich erwecke und führe herauf gegen Babel eine Versammlung großer Nationen aus dem Land des Nordens, und sie werden sich gegen es aufstellen: von dort aus wird es eingenommen werden. Ihre Pfeile sind wie die eines geschickten Helden, keiner kehrt mit leeren Händen zurück. Jeremia 50:9

Und sie werden aus Furcht vor ihrer Qual weitab stehen und sagen: Wehe, wehe! Die große Stadt, Babylon, die starke Stadt! Denn in einer Stunde ist dein Gericht gekommen ... denn in einer Stunde ist sie verwüstet worden. Offenbarung 18:10,19

Klimaveränderungen

Aufgrund von Kriegen wird es tagelange Verdunkelungen ganzer Länder geben, die die Völker in Angst und Schrecken versetzen. Andererseits wird die Sonne in einzelnen Gebieten extrem heiß scheinen, und die Menschen werden von bösartigen Geschwüre geplagt:

Denn die Sterne des Himmels und seine Gestirne werden ihr Licht nicht leuchten lassen; die Sonne wird finster sein bei ihrem Aufgang, und der Mond wird sein Licht nicht scheinen lassen. Jesaja 13:10, vergleiche Hesekiel 32:7-11

Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Macht hat, und sie taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben. Und der fünfte Engel goß seine Schale aus auf den Thron des Tieres. Und dessen Reich wurde verfinstert; und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerz und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken. Offenbarung 16:9-11

Kosmische Umwälzungen und Zeichen

Es werden atmosphärische Veränderungen geschehen, so dass die Gestirne verfärbt erscheinen, die "Kräfte der Himmel" werden erschüttert (das Magnetfeld der Erde, ein Polsprung?), riesige Wellen werden die Weltmeere durchlaufen, viele Meerestiere sterben, unvorstellbare Erdbeben geschehen, Panik die Menschheit ergreifen:

Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen, und auf der Erde Angst der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem und wogendem Meer, während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Lukas 21:25-26

Etwas wie ein großer, mit Feuer brennender Berg wurde ins Meer geworfen; und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut. Und der dritte Teil der Geschöpfe starb, welche im Meere waren, die Leben hatten, und der dritte Teil der Schiffe wurde zerstört. Offenbarung 8:8-9

Und ein großes Erdbeben geschah, desgleichen nicht geschehen ist, seitdem die Menschen auf der Erde waren, solch ein Erdbeben, so groß ... und die Städte der Nationen fielen. Offenbarung 16:18

Eine zentrale Weltregierung mit totaler Kontrolle aller Finanzen

Eine Weltregierung wird einen Zahlencode oder ein Zeichen verpflichtend einführen, das an Hand oder Stirn der Menschen angebracht werden muss, und mit dem der gesamte Handel und Geldverkehr total kontrolliert wird:

... und bringt alle dahin, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Knechte, dass sie ein Malzeichen annehmen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, als nur der, welcher das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens ... es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig. Offenbarung 13:16-18

Dazu gehört eine Welteinheitsreligion. Alle wirklich Gottgläubigen werden von einer Welteinheitsregierung gnadenlos verfolgt werden, Offenbarung 13:15. Diese Welteinheitsregierung unter der Leitung eines charismatischen Führers wird einen Bund mit Israel schließen, der jüdische Tempel wird wieder aufgebaut werden, 2.Thessalonicher 2:4. Dreieinhalb Jahre lang wird ein Scheinfriede herrschen, dann brechen Kriege und Verfolgungen bis ans Ende aus, Daniel 9:29.

Die Beinahe-Ausrottung der gesamten Menschheit

Die Welt wird an den Rand des absoluten Zusammenbruchs kommen, es droht die Ausrottung "allen Fleisches", das Aussterben der Menschheit:

Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden. Aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Matthäus 24:21-22

Ein neues Zeitalter mit einer veränderten Natur

Wenn alles verloren erscheint, greift Gott ein, und es kommt der wirkliche Messias mit vielen Auferstandenen, um seine Herrschaft in Jerusalem aufzurichten. Ein für unsere Begriffe utopisches Friedensreich wird anbrechen, in dem die Menschen so alt werden wie Bäume, Jesaja 65:20, und wo Fleischfresser zu Pflanzenfressern werden (was wir uns im heutigen Zeitalter der Genmanipulation vielleicht besser vorstellen können als noch die Menschen damals):

Und der Wolf wird beim Lamm weilen und der Leopard beim Böckchen lagern. Das Kalb und der Junglöwe und das Mastvieh werden zusammen sein, und ein kleiner Junge wird sie treiben. Kuh und Bärin werden miteinander weiden, ihre Jungen werden zusammen lagern. Und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind.
Jesaja 11:6-7

 

Wissenschaftliche Bibelauslegung

1. Wir müssen den Originaltext der Bibel untersuchen!

Es ist ein Grundsatz jeder Wissenschaft, dass ihre Untersuchungsmethoden dem Gegenstand angepasst sein müssen, dem sie sich widmen. Und die Untersuchungsergebnisse müssen für jedermann nachvollziehbar und kontrollierbar (wiederholbar) sein. Da wir es bei der Bibel mit einem fremdsprachigen Text zu tun haben, ist es selbstverständlich, dass wir von der Originalsprache ausgehen, also im Falle des Alten Testamentes den Hebräischen Text untersuchen, im Falle des Neuen Testamentes den Griechischen.

Für das Alte Testament legen wir die "Biblia Hebraica Stuttgartensia" zugrunde, die sowohl in Deutschland, an den Universitäten, als auch weltweit als hervorragender, repräsentativer Text anerkannt ist und sich praktisch mit demjenigen deckt, der auch vom jüdischen Volk verwendet wird.

Für das Neue Testament verwenden wir den Text von Nestle-Aland, für den sinngemäß dasselbe gilt.

2. Etymologie: Die Wissenschaft von der Herkunft der Wörter

Sie untersucht, aus welcher Wurzel ein Wort gebildet ist (z.B. backen - Gebäck ), was Licht auf die Bedeutung des betreffenden Wortes werfen kann.

Dazu gehört auch, verwandte Wörter derselben Sprache zu finden. In diesem Fall kann man verwandte Wörter in der Bibel suchen und vergleichen, was sie für eine Bedeutung haben.

Schließlich kann man verwandte Wurzeln oder Wörter anderer Sprachen heranziehen, wobei die einschlägigen Wörterbücher eine Hilfe sind. Dabei muss man natürlich eine gewisse Vorsicht walten lassen, da hier die Grenze zu anderen Texten und Kulturen als dem Umfeld der Bibel überschritten wird und leicht fremdes Gedankengut in den Bibeltext hineingetragen werden kann, das dort original gar nicht vorliegt. Die von mir hauptsächlich verwendeten und allgemein als Standardwerke anerkannten Lexika sind:

Für das Alte Testament:
Ludwig Koehler und Walter Baumgartner: LEXICON IN VETERIS TESTAMENTI LIBROS, E.J.Brill, Leiden 1958. ISBN 9004 03522 2.
Wilhelm Gesenius: HEBRÄISCHES UND ARAMÄISCHES HANDWÖRTERBUCH ÜBER DAS ALTE TESTAMENT. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962.

Für das Neue Testament:
Menge/Güthling: Langenscheidts Großwörterbuch Griechisch-Deutsch (mit Etymologie). Berlin, München, 24.Auflage 1981. ISBN 3-468-02030-9.

3. Konkordanz: Die Verwendung der Wörter in der Bibel

Die naheliegendste Methode, die Bedeutung einzelner Worte zu erfassen, besteht darin, sie in immer neuen Zusammenhängen wahrzunehmen. So lernen Kleinkinder ihre Muttersprache: Sie hören immer wieder Wörter in verschiedenen Zusammenhängen, lernen so verstehen, was ein "Fuß-Ball" mit dem "Feuer-Ball" der untergehenden Sonne gemeinsam hat, oder dass es sowohl den "Frühstücks-Teller" als auch den "Hand-Teller" gibt. Auf die Bibel angewandt bedeutet dies, dass man alle Vorkommen eines Wortes anhand der "Konkordanz" untersucht. Dies ist ein Buch, heute oft ein Computerprogramm, das alle Stellen wiedergibt, in denen ein Wort in der Ursprache vorkommt. Ich verwende die allgemein gängigen Werke (Wörterbücher und Konkordanzen) und Programme (Bible Works). Um die Ergebnisse für jedermann überprüfbar zu machen, gebe ich von zentralen Wörtern entweder alle Bibelstellen an, in denen ein Wort vorkommt, zitiere alle Bibelstellen (Volltextversion) oder verweise auf die Wörterbücher.

4. Der Kontext: Wir müssen den Textzusammenhang genau beachten!

Haben wir die einzelnen Wörter so analysiert, halten wir sozusagen die einzelnen Bausteine in Händen, die im Text jedoch in einem Gefüge vorliegen. Dieses müssen wir berücksichtigen wie ein Archäologie die Lage der einzelnen Fundstücke bei einer Grabung. Es ist naheliegend, dass wir dabei in immer weiter werdenden Kreisen arbeiten:

Wir beginnen mit dem unmittelbaren Satz,

dann betrachten wir den Abschnitt, in dem er liegt,

dann das größere Umfeld, z.B das Kapitel,

dann das ganze Buch (zum Beispiel Genesis/1.Mose bzw. Fünf Bücher Mose), zu dem er gehört.

Schließlich müssen wir ihn in den Gesamtrahmen des jeweiligen Testamentes (Altes bzw. Neues) stellen, bzw. ihn im Licht der ganzen Bibel sehen, die ja als historisches Dokument eine Einheit darstellt und in ihrer seit Jahrtausenden vorliegenden Fassung der Gegenstand unserer Forschung ist.

5. Der Bezug zu geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Fakten

Gerade an der Übergangsstelle von der reinen Textbetrachtung hin zur Anwendung in unserem eigenen Leben stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit:

Ist der Text der Bibel historisch richtig und zuverlässig, stimmen seine Aussagen mit den Ergebnissen der Geschichtswissenschaften überein?

Decken sich die Aussagen der Bibel auch mit der Realität, wie sie sich uns selber persönlich und in den gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaften präsentiert?

Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob wir das Wort Gottes wirklich annehmen werden oder nicht. Denn was man nicht für wahr hält, wird man weder glauben noch in die Tat umsetzen wollen. Der "Abgleich" mit der Realität ist auch eine wichtige Hilfe um festzustellen, ob wir den Text richtig verstanden haben. Wenn dieser "Test" nicht positiv verläuft, müssen wir beides überprüfen: Unser Verständnis der Bibel und unsere Sicht der Wirklichkeit.

Gott will nicht, dass wir leichtfertig glauben!

Jedenfalls entspricht es keinesfalls Gottes Wesen, "blinden Gehorsam" zu fordern. Er hat uns in seinem Bilde erschaffen, als vernunftbegabte Wesen, und er erwartet nicht, dass wir unseren Verstand "an der Garderobe abgeben", sondern dass wir von ihm Gebrauch machen, Markus 12:30. Im Gegenteil, Gott will nicht, dass wir Dinge leichtfertig glauben, nur weil sie unseren Bedürfnissen zu entsprechen scheinen oder sich gut anhören:

Prüft alles, das Gute haltet fest! 1.Thessalonicher 5:21

Glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind. Denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen. 1.Johannes 4:1

Es ist bei weitem nicht alles Gold, was glänzt, schon gar nicht auf dem Gebiet der Religion. Haben wir darum keine Scheu, an der Fassade zu kratzen - das Echte braucht keinen Test zu scheuen:

Die Worte des HERRN sind reine Worte, Silber,
am Eingang zur Erde geläutert, sieben Mal gereinigt. Psalm 12:7

So mancher, der das Wort Gottes recht schnell und problemlos aufnimmt, steht in der Gefahr, letztlich einen zu oberflächlichen Glauben zu haben, der den Realitätstest nicht besteht:

Bei dem aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt. Er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur ein Mensch des Augenblicks. Sobald Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoß. Matthäus 13:20-21

6. Konsequente Anwendung in der Praxis

Auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Bibeltextes folgt die zweite Frage: Wie werden sich die Lehren der Bibel auf mein Leben und letztlich die ganze Gesellschaft auswirken, wenn ich sie umsetze?

Das Reich Gottes gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war. Lukas 13:21

Es ist nur vernünftig, sich Gedanken zu machen, welche Folgen unser Tun haben wird:

Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe? Lukas 14:28

In jedem Fall ist eine gefährliche Sache, sich theoretisch mit Gottes Wort zu befassen, ohne es im eigenen Leben auch praktisch anzuwenden:

Seid aber Täter des Wortes, und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! ...
Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineingeschaut hat und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, dieser wird glückselig sein in seinem Tun. Jakobus 1:22, vergleiche Matthäus 23:3

Wissen ist wichtig - Ge-wissen ist noch wichtiger!

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich gezeigt, dass das größte Hindernis für wissenschaftlichen Fortschritt niemals so sehr mangelnde Bildung war, sondern der Charakter der Forscher, Lehrer und Machthaber: Menschliche Sturheit, Angst vor Veränderungen, der Stolz, eigene Fehler zuzugeben, Bequemlichkeit, Ansehen bei den Menschen. Besonders Machtbesessenheit und Geldliebe waren schon immer die schlimmsten Feinde der Wahrheit. Damit ist klar, dass die größten Hindernisse für das richtige Verständnis der Bibel nicht in der Güte des Textes oder der Wörterbücher liegen, sondern in uns selbst: Unsere eigenen Vorurteile und inneren Festlegungen. Wie können wir sie überwinden?

Lernen wir von den Naturwissenschaftlern: Sie haben sich immer und immer wieder mit der Natur beschäftigt, und sie waren aus Liebe zur Wahrheit bereit, dazuzulernen, und zwar sowohl von ihren Forscherkollegen als auch von der Natur selber. Wenn wir uns beharrlich mit dem Wort Gottes beschäftigen und ebenfalls bereit sind, uns "etwas sagen zu lassen", und zwar sowohl von Gott als auch von anderen Gläubigen, dann werden wir neue Erkenntnisse machen, mit befreienden Folgen für unser ganzes Leben:

Wenn ihr in meinem Wort bleibt,
dann seid ihr wirklich meine "Lehrlinge" (= Lernen und Tun).
Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!
Johannes 8:31-32

 

Glaube &

Naturwissenschaft

Bekenntnisse berühmter Naturwissenschaftler

Die Bibel - ein Buch voller "Evolution"

Abstammung - eines der wichtigsten Themen der Bibel!

Wohin führt die Evolution?

Darwin’s Evolutionstheorie

Mutation und Selektion in der Bibel

Glaube und Beweise

 

Glaube und Beweise

Der Unglaube der Gläubigen

"Wenn die Bibel so eindeutig lehrt, dass es eine gemeinsame Abstammung aller Lebewesen gibt, warum ist man nicht schon viel früher darauf gekommen? Warum erst jetzt, nachdem die Naturwissenschaft es herausgefunden hat?" So oder ähnlich bin ich schon so manches Mal gefragt worden, von Christen ebenso wie von Atheisten. Die Antwort auf diese Frage ist einfach, aber traurig. Sie beruht auf einer uralten Eigenschaft der Menschen, die sich leider bis heute nicht geändert hat: Dass Dinge klipp und klar in der Bibel stehen und dennoch nicht verstanden werden, ist leider nicht die Ausnahme, sondern kommt sogar sehr häufig vor. Ich möchte hierfür ein sehr drastisches Beispiel anführen, bei dem es nicht um eine nebensächliche Erkenntnis geht, sondern um die Hauptsache des christlichen Glaubens schlechthin: Die Frage, wer der Christus ist - sein Leben, sein Kreuz und seine Auferstehung!

Über Jahrtausende hinweg hatte Gott das Kommen seines Sohnes vorbereitet und angekündigt. Der Hauptzweck des ganzen Alten Testamentes, das immerhin drei Viertel der Bibel ausmacht, besteht schließlich darin, auf ihn hinzuweisen:

Also ist das Gesetz unser Pädagoge (griechisch paidagogós = Erzieher) auf Christus hin geworden ... Galater 3:24

Außerdem hatte Gott zu Lebzeiten Jesu noch vielfältig durch Propheten geredet, um das Volk vorzubereiten, besonders durch Johannes den Täufer, dessen Auftrag darin bestand, dem Messias den Weg zu bahnen, Markus 1:1-8. Das Volk hatte also hunderte von Bibelstellen, die auf den Sohn Gottes hinwiesen, aktuelle Prophetien und dazu noch die Predigten des Messias selbst, sowie unzählige Wunder, die Jesus tat - optimale Voraussetzungen, sollte man meinen, um zu verstehen, was Gott sagen will, nicht wahr?

Und, erkannte das Volk seinen Messias, auf den es sehnsüchtig wartete, über den es von Kindesbeinen an aus der Bibel unterrichtet worden war? Nein! Als es die Wahl zwischen einem Verbrecher und Jesus hatte, entschied es sich für den Mörder. Geradezu ekstatisch forderten die Volksmengen Pilatus auf, Jesus zu töten und schrien: "Kreuzige, kreuzige ihn!" Lukas 23:23

Erkannten wenigstens die religiösen Führer, die "Experten der Bibelauslegung", dass die Erfüllung aller Prophetien und Schriften leibhaftig vor ihnen stand, Johannes 5:39? Noch viel weniger! Während das Volk zeitweise noch von Jesus begeistert war, standen die geistlichen Führer ihm von Anfang bis Ende konsequent und erbittert als Feinde gegenüber. Man kann mit gutem Recht sagen: Niemand war damals so verblendet und im Irrtum wie die "Theologen"! Sie waren es ja gerade, die das Volk in die Irre führten, ihnen den Zugang zum Verständnis der Bibel regelrecht unmöglich machten:

Wehe euch Gesetzgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen! Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die Hineingehenden habt ihr gehindert. Lukas 11:52

Nun, bleiben noch die Jünger Jesu - sie erkannten doch wenigstens den Messias, nicht wahr?! Während die Volksmengen Jesus zeitweise für Elia oder einen anderen der Propheten hielten, sagte Petrus doch ganz richtig: "Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" Matthäus 16:16 Aber wieviel hatte Petrus wirklich verstanden? Schon kurze Zeit später versuchte er, Jesus von seiner wichtigsten Mission abzuhalten und musste sich eine harte Rüge gefallen lassen: "Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist!" Matthäus 16:23. Die Lehre der Pharisäer und Schriftgelehrten, die auf Macht und Ansehen abzielte, war bis in die Kreise der Jünger Jesu eingedrungen, obwohl Jesus sie ausdrücklich davor gewarnt hatte:

Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer ...
Matthäus 16:6,12

Während Jesus sie auf das kommende Reich Gottes vorbereiten wollte, trachteten die Jünger Jesu nach Ministerposten und Macht, Johannes 13:13; Lukas 9:44-46. Sie konnten sich den Messias nur als den strahlenden Sieger und König vorstellen und schwelgten schon in Vorstellungen einer herrlichen Zukunft an seiner Seite - als Herrscher schon in diesem Leben.

Wenn "Glaube" und Fakten aufeinander prallen

Doch ganz weltliche, "natürliche" Fakten ließen ihre theologischen Lehrgebäude wie ein Kartenhaus in sich zusammen fallen: Die Gefangennahme und die Hinrichtung Jesu trafen sie wie ein Schock, ihr Glaube wurde bis in die Grundfesten erschüttert - und das, obwohl sie nicht nur die vielen Vorhersagen des Alten Testamentes hatten, sondern auch Jesus selber ihnen wort-wörtlich vorhergesagt hatte, was geschehen musste:

... dass der Sohn des Menschen vieles leiden und verworfen werden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und dass er getötet werden und nach drei Tagen auferstehen müsse. Und er redete das Wort mit Offenheit. Markus 8:31-32

Diese Geschehnisse liefern uns ein klassisches Beispiel für einen Konflikt zwischen "Bibelauslegung" und "Naturwissenschaft": Lehre und Fakten, Theorie und Praxis standen im Widerstreit zueinander. Die Jünger gingen jedoch nicht so leicht von ihren falschen Vorstellungen ab, obwohl die Macht der Fakten so erdrückend war, dass sie nicht verdrängt werden konnte. Berichte von einer weiteren Tatsache brachten sie erneut aus der Fassung: Das Grab Jesu war leer, Jesus' Leichnam unauffindbar! Engel erklärten den Frauen, dass Jesus auferstanden war, wie er es ausdrücklich angekündigt hatte:

Gedenket daran, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war, indem er sagte: Der Sohn des Menschen muß in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.
Und sie gedachten an seine Worte, und sie kehrten von der Gruft zurück und verkündigten dies alles den Elfen und den übrigen allen. Lukas 24:6-9

Bedenken wir, dass wir es hier nicht mit Heiden zu tun haben, sondern mit Aposteln! Und sie werden von Engeln und Augenzeugen persönlich auf Fakten und ganz konkrete Worte Gottes aufmerksam gemacht! Kommen sie jetzt endlich zur Einsicht? Nein, sie zweifeln lieber am Verstand der "forschenden" Frauen, als ihre vorgefasste Meinung aufzugeben:

Und diese Reden schienen ihnen wie Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.
Petrus aber stand auf und lief zur Gruft; und als er sich hineinbeugt, sieht er nur die leinenen Tücher. Und er ging nach Hause und wunderte sich über das, was geschehen war. Lukas 24:11-12

Nicht nur die Pharisäer, sondern auch die Jünger lagen in ihrer "Bibelauslegung" total daneben, und das, obwohl sie mehrere Jahre lang in die "beste Bibelschule der Welt" gegangen waren! Kaum etwas kann Menschen so verblenden wie die Überzeugung, die Wahrheit schon zu kennen! Das macht eine Begebenheit besonders deutlich, die sich an diese Ereignisse anschließt ...

Die "gut informierte Mehrheit" liegt oft voll daneben

Und siehe, zwei von ihnen gingen an diesem Tag nach einem Dorf mit Namen Emmaus ... Und sie unterhielten sich miteinander über dies alles, was sich zugetragen hatte. Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander überlegten, dass sich Jesus selbst nahte und mit ihnen ging. Aber ihre Augen wurden gehalten, so dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm:
Bist du der einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weiß, was dort geschehen ist in diesen Tagen? Lukas 24:13-18

Ist es nicht lustig, dass die Jünger meinten, so ziemlich alles über Jesus zu wissen, was es zu berichten gab - ihn aber nicht erkannten, als er persönlich mit ihnen sprach, und dass sie ausgerechnet ihn für den einzigen hielten, der "nicht bescheid wusste"? Erstaunlich ist, wie Jesus sich in dieser Situation verhielt: Er offenbarte sich ihnen nicht in seiner Herrlichkeit, um sie zu überführen, sondern er berief sich auf die Schrift:

Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und im Herzen zu träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen? Lukas 24:25-26

Jesus fing also an, ihnen die Bibel noch einmal ganz von vorne zu erkären - vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse:

Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf. Lukas 24:27

Erkannten sie jetzt die Wahrheit? Beinahe! Zwar brannten ihre Herzen in ihnen, als Jesus ihnen die Schrift eröffnete, Lukas 24:32, aber selbst die neue Bibelauslegung, durch den Meister persönlich vorgenommen, vermochte noch nicht, ihre Herzensaugen ganz zu öffnen: Sie merkten immer noch nicht, dass sie nicht über die Wahrheit sprachen, sondern mit der Wahrheit persönlich! Erst die beim gemeinsamen Abendessen und Gebet gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten Jesus, Lukas 24:31. Wir sehen also, dass die zentrale Wahrheit des Kreuzes Jesu zwar schon lange, lange von der Schrift verkündigt worden war, aber erst nach dem Eintreffen der Ereignisse verstanden wurde - und auch das nur sehr, sehr mühsam.

Experimental-Beweise und Glaube

Der "ungläubige Thomas", einer der Apostel, ging sogar noch weiter. Er weigerte sich, den Berichten seiner Kollegen über den auferstandenen Jesus zu glauben, scheinbar weil er davon ausging, sie seien alle Opfer einer Halluzination geworden. So bestand er auf einer "experimentell-wissenschaftlichen" Demonstration: Er wollte diesen auferstandenen Jesus nicht nur sehen, sondern ihn mit den eigenen Fingern und Händen berühren. Wir wissen, dass dies keine sehr vorbildliche Glaubenseinstellung war. Wir wissen aber auch, dass ihm dieser Beweis dennoch von Gott gewährt wurde. Und dass es ihn restlos überzeugte! Gott gebraucht Fakten, um unseren Glauben und unsere Erkenntnis zu beeinflussen. Immerhin war der "Ungläubige Thomas" dann der erste, der Jesus als den ansprach, der er tatsächlich ist, nämlich als:

"Mein Herr und mein Gott!" Johannes 20:28.

Dabei sind die Aussagen der Schrift teilweise so deutlich, dass man wirklich fast sehen muss, dass der Messias sterben und auferstehen sollte! Dennoch sind diese Vorhersagen gleichzeitig für Menschen scheinbar "unglaublich":

Jesaja 53:1
Wer hat unserer Verkündigung geglaubt? An wem ist der Arm des HERRN offenbar geworden? ...
Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet.
Jedoch unsere Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.
Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld. -
Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. -
Aus Drangsal und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über sein Geschlecht nachsinnen? Denn er wurde abgeschnitten vom Lande der Lebendigen. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab, aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist.
Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird seine Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Um der Mühsal seiner Seele willen wird er Frucht sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen.
Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan.

Auf wen anders als auf Jesus können diese Worte zutreffen? Und doch gibt es bis heute Menschen, die das nicht anerkennen wollen und sagen, hier sei vom Propheten Jesaja oder vom Volk Israel die Rede. Wer die Augen vor der Wahrheit verschließt, bleibt eben blind ...

Die Wahrheit muss sich an der Realität messen lassen

Die ganze Sache mit dem Tod und der Auferstehung Jesu ist bei weitem keine seltene Ausnahme. Als Jesus kam, mussten einige zentrale Lehren neu definiert werden. Das ganze Verständnis vom Reich Gottes musste wieder richtig gestellt werden: Wer groß werden wollte, sollte sich nun erniedrigen und allen anderen dienen. Die Kinder, bis dahin von den Jüngern eher verachtet, wurden auf einmal zum Vorbild, Mattäus 18:3. Jesus demonstrierte die neue alte Lehre handgreiflich: Nicht als Eroberer auf einem Pferd, sondern auf einem Esel ritt er in Jerusalem ein. Und statt sich bedienen zu lassen, opferte er sein Leben für die anderen.

Immer wieder versucht Gott, uns durch Fakten, Ereignisse, dazu zu bewegen, unsere Lehre neu zu überdenken! Vieles, was wir persönlich erleben, soll diesem Zweck dienen. In seinen Taten offenbart Gott sich, um unser Denken in die richtigen Bahnen zu lenken! Als Johannes, der Täufer, fragte, ob Jesus wirklich der Messias sei, ließ Jesus ihm ausrichten:

Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: dass Blinde sehend werden, Lahme gehen ... Lukas 7:19-22

Fakten sollten Johannes überzeugen. Tatsächlich sind Fakten ein zentrales Kriterium zur Beurteilung der Wahrhaftigkeit einer Lehre oder eines Menschen:

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen! Matthäus 7:15-20, 13:26

Ist es also zulässig, dass naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse Auswirkungen auf unsere Bibelauslegung haben? Sollen wir unsere Deutung der Bibel aufgrund naturwissenschaftlicher Beobachtungen überprüfen? Die Menschheit hat jedenfalls den Auftrag, sowohl das Wort, als auch die Schöpfung Gottes zu erforschen:

Groß sind die Werke des HERRN, zu erforschen von allen, die Lust an ihnen haben. Psalm 111:2

Forscht im Buch des HERRN nach und lest! Jesaja 34:16

Grundsätzlich ist der Vergleich zwischen Bibel und Naturwissenschaften also sicher nichts Schlechtes. Besteht die Haltung der Naturwissenschaften nicht auch gerade darin, immer wieder einen Blick auf die Realität zu werfen und ihre "Weltsicht" den tatsächlichen Gegenheiten anzupassen? Sollten Bibelausleger nicht auch in derselben Weise vorgehen und ihre Auslegungen mit der Realität abgleichen? Gerade weil dies oftmals nicht geschah, haben Theologen immer wieder "abgehoben", jeden Bezug zur Realität verloren und sind weltfremd, ja, weltfeindlich geworden. Man denke an das Heiratsverbot, das nicht nur ganz klar unbiblisch ist, 1.Timotheus 4:3, sondern auch katastrophale Auswirkungen auf viele Betroffene hat. Doch vor all dem verschließt man die Augen und wundert sich, warum die Prediger immer weniger und die Kirchen immer leerer werden ...

Fortschritt ist möglich - auch bei der Bibelauslegung!

Unter Naturwissenschaftlern gilt es als Tugend, nicht blind an den Überlieferungen der früheren Forschergenerationen festzuhalten, sondern immer weiter zu forschen und Irrtümer auszumerzen. Sollte es unter Bibelauslegern nicht genau so sein? Es ist kein Verdienst, an sogenannten "christlichen Traditionen" festzuhalten, wenn sie sich nicht mit der Realität decken. Darum scheint mir auch nicht fair, dass von Seiten der Naturwissenschaften manchmal mit Geringschätzung darauf reagiert wird, wenn jemand die alten Bibelauslegungen letzter Jahrhunderte verwirft - als würde derjenige damit den Bibeltext verleugnen oder verbiegen. Haben nicht auch die Naturwissenschaftler sich in der Vergangenheit gewaltig geirrt? Hat es nicht auch auf ihrem Gebiet oft Jahrhunderte und Jahrtausende gedauert, bis eine erkannte Wahrheit sich allgemein durchsetzen konnte? Warum gesteht man dies nicht auch der Bibelwissenschaft zu?

Nun könnte ein Naturwissenschaftler einwenden: "Die Naturwissenschaft beansprucht auch nicht, die Wahrheit zu verkörpern, sondern sie stellt immer neue Thesen auf, die jedes Mal an der Wirklichkeit überprüft und so Schritt für Schritt verbessert werden." Doch dasselbe ist für die Erforschung der Bibel gültig! Alle unsere Erkenntnis geschieht nur stückweise, 1.Korinther 13:9, bis zuletzt wird in diesem Buch geforscht werden und wird die Erkenntnis sich demzufolge mehren:

Viele werden es durchforschen, und die Erkenntnis wird sich mehren. Daniel 12:4

Dass einzelne mit dem Anspruch auftreten, sie hätten die einzig wahre Bibelauslegung für sich gepachtet, ist ein menschliches Phänomen. Schon zur Zeit Jesu beanspruchten die Frommen und die Theologen für sich ein Monopol der Bibelauslegung:

Auf Moses Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. Matthäus 23:2

Leider gibt es das Gegenstück dazu auch auf Seiten der Naturwissenschaften: Menschen, die behaupten, ihre Weltsicht sei die allein wissenschaftliche. Aktuelle Debatten, in denen versucht wird, jeden Gedanken an "Intelligent Design" als "unwissenschaftlich" abzutun, gehen für mich in diese Richtung. Und vergessen wir nicht, dass die Gegner Galileis damals weniger Theologen waren, sondern vor allem (kirchliche) Astronomen - die sich "wissenschaftlich" im Recht wähnten und die Religion als Hebel missbrauchten, um Andersdenkende mundtot zu machen!

Ein weiterer Einwand von naturwissenschaftlicher Seite könnte lauten: "Wir haben inzwischen viel bessere Instrumente, um die Natur zu erforschen, während der Bibeltext sich doch nicht verändert hat". Das ist richtig, doch ist zu bedenken, dass auch die Natur sich nicht verändert hat, die Methoden und Erkenntnisse der Forscher aber sehr wohl! Und so ist es auch mit der Bibel: Während des längsten Teils der Vergangenheit besaß nur eine sehr kleine Zahl von Menschen überhaupt einen Bibeltext, meistens nur Bruchstücke und außerdem nur Übersetzungen wie die lateinische Vulgata, nicht jedoch den hebräischen oder griechischen Originaltext. Dazu kam, dass diejenigen, die überhaupt Zugang zu solchen Schriften hatten, in vielen Fällen theologisch extrem geschult und damit voreingenommen waren - sie konnten den Bibeltext nur durch die Brille ihrer Überlieferung sehen.

Heute haben wir weitaus vollständigere und genauere Texte in der Hand, als es sie jemals gegeben hat. Darüberhinaus stehen uns umfangreiche wissenschaftliche Wörterbücher zur Verfügung und Computerprogramme, mit denen sich der Originaltext unvergleichlich viel schneller und außerordentlich genau erforschen lässt. Sollten da nicht auch völlig neue Einsichten möglich sein? Dabei gibt es durchaus objektive Kriterien für Textauslegungen, die es ermöglichen, die Übersetzung und Deutung der Bibel wissenschaftlich zu überprüfen: Etymologie (Wortherkunft), Konkordanz (Verwendung der Worte in der Bibel) und Kontext (Textzusammenhang).

Die zwei Bücher Gottes

Naturwissenschaft und Bibelauslegung sind beides menschliche Deutungsversuche: Einmal werden die Worte, das andere Mal der Werke Gottes erforscht und interpretiert. Man könnte Bibel und Natur deswegen als zwei Bücher ein und desselben Autoren bezeichnen:

Die Schöpfung ist das Bilderbuch,

die Bibel das Lesebuch Gottes.

Gott erwartet nicht von uns, dass wir eines von beiden verleugnen. Beide sind ihrem Wesen nach unveränderlich, nur die menschlichen Einsichten in sie unterliegen einem Wandel. Einerseits ist die sichtbare Wirklichkeit immer wieder ein zentraler Prüfstein für die Wahrhaftigkeit und Echtheit einer biblischen Lehre. Andererseits gibt uns die Schrift eine geistliche Deutung der sichtbaren Phänomene, die wir ansonsten oft nicht verstehen können. Wie Galilei so schön formulierte:

Denn die Heilige Schrift wie auch die Natur haben ihren Ursprung gleichermaßen im Worte Gottes.
Gott offenbart sich uns in ebenso wunderbarer Weise in den Handlungen der Natur wie in den ehrwürdigen Sätzen der Heiligen Schrift.
Zwei Wahrheiten können sich nie widersprechen.

Warum Bibel und Naturwissenschaft sich manchmal widersprechen müssen

Allerdings: "Irren ist menschlich", und zwar auf allen Gebieten! Darum ist es eigentlich ausgeschlossen, dass wir Bibelauslegung und Naturwissenschaft jemals vollkommen zur Deckung bringen können. Das betont auch der Naturwissenschaftler Manfred Eigen:

Konflikte zwischen religiöser und wissenschaftlicher Weltsicht sind
aufgrund der Begrenzung menschlicher Einsichten geradezu vorgegeben.
Manfred Eigen in "Stufen zum Leben", Seite 275

Aus diesem Grunde ist es nicht realistisch und auch nicht fair, von einer Bibelauslegung zu erwarten, dass sie zu hundert Prozent mit dem "derzeitigen Stand der Forschung" übereinstimmt! Es muss, im Gegenteil, eher verdächtig erscheinen, wenn bei Harmonisierungsversuchen alles "glatt" geht. Es ist viel realistischer, abzuwägen, ob die Bibel im Großen und Ganzen gesehen mit dem übereinstimmt, was heute als naturwissenschaftlich gesichert angesehen wird. Und das ist beim "Stammbaum der Himmel und der Erde" der Fall. Auch wenn einige Details nicht "passen", so treffen doch die zentralen Aussagen ins Schwarze: Das Leben auf der Erde beruht auf Abstammung, Genesis 2:4:

Dies ist der Stammbaum (toledot = Geschlechterfolgen) von Himmel und Erde ...

Der Verlauf des Gesamtgeschehens der Bibel(auslegung) deckt sich verblüffend mit dem der Naturwissenschaften: Das Weltall hatte einen Anfang, zuerst entstanden "die Himmel", dann die Erde. Diese war von Wasser bedeckt, in dem das erste Leben sich entwickelte - Gottes Geist "brütete" darüber, Genesis 1:2. Es folgte pflanzliches Leben, dann die ersten Tiere in den Gewässern der Erde, dann Landtiere, zuletzt die Menschheit. Auch geologische Begleitumstände, wie das Auftauchen des Festlandes und Veränderungen der Erdatmosphäre, werden zutreffend dargestellt. Da all diese Aussagen vor Jahrtausenden von keinem Menschen aufgrund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse gewusst werden konnten, sind sie ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott den Menschen Worte gab, die ihr eigenes Verständnis überstiegen - zeitlose Wahrheiten eben.

Das größte Hindernis für die Wahrheit

Es ist auf dieser Erde nichts Neues, dass immer wieder Mächte versuchen, Wahrheiten zu unterdrücken oder zu verzerren. In der Politik ebenso wie in der Religion wurden schon zu allen Zeiten absichtlich und ganz gezielt Lügen eingesetzt, um eigene Interessen zu verwirklichen. Gleichzeitig wurde alles getan, um die Wahrheit nicht ans Licht kommen zu lassen, damit das Volk weiter im Dunkeln tappte und sich von seinen Leitern an der Nase herumführen ließ. Dies galt und gilt auch weiterhin für die Auslegung der Bibel. In früheren Zeiten wurden Bibeln und Prediger verbrannt, weil ihre Lehre eine Bedrohung für die Machthaber darstellte. Heute sind Bibeln - im "Abendland", noch - frei zu haben, aber sie verstauben in den Regalen, weil eine bibelkritische, letztlich ganz klar atheistische Theologie im frommen Gewande es geschafft hat, den Menschen den Zugang zu Gottes Wort gründlich zu verbauen.

Wir werden letztlich nicht verstehen, warum so viele Wahrheiten, die eigentlich einfach und klar auf der Hand liegen - sowohl in der Welt, als auch in der Bibel - nicht bekannt werden und sich nicht durchsetzen können, wenn wir nicht berücksichtigen, dass es in dieser Welt eine sehr hochstehende Macht gibt, die alles tut, um mittels der Lüge zu regieren: Der Teufel, Satan, der Vater der Lüge, in dem letztlich keine Wahrheit ist, Johannes 8:44. Er selbst ist es, der mittels der Menschen, die ihm - bewusst oder unbewusst - dienen, "die Wahrheit niederhält durch Ungerechtigkeit", Römer 1:18. Er ist der "Gott dieser Weltzeit", 2.Korinther 4:4, der versucht, ganz gezielt die Menschen zu verblenden, so dass sie die Wahrheit nicht erkennen, die sie frei machen würde. Darum wird es weiterhin geistigen Kampf bedeuten, die Wahrheit ans Licht zu bringen. So mühsam dies auch oft ist, und wie lange es auch dauern mag, so können wir doch gewiss sein: "Lügen haben kurze Beine!" "Ehrlich währt am längsten!" Und: Die Wahrheit siegt!

Ist "Evolution" mit Gottes Wesen zu vereinbaren?

Die ersten Lektionen der Bibel 103

Schöpfung und Evolution gehören zusammen

Gott benützt ganz oft "natürliche" Prozesse

Gott schafft unfertige Dinge!

Gott hat jede Menge Zeit!

Gott wirkt auch inmitten von Gottesferne und Zerstörung

Gott gebraucht Sünder und nennt sie "Heilige"

Gott, der Vater, von dem wir alle abstammen

Ist Evolution mit einem Gott der Liebe zu vereinbaren?

Der Anstoß: Gott bezieht Leid und Tod aktiv in seine Pläne ein

Die Botschaft vom Kreuz spricht für die Evolution!

Gott selbst leidet - und wir?

Glaube und Beweise 123

Der Unglaube der Gläubigen

Wenn "Glaube" und Fakten aufeinander prallen

Die "gut informierte Mehrheit" liegt oft voll daneben

Experimental-Beweise und Glaube

Die Wahrheit muss sich an der Realität messen lassen

Fortschritt ist möglich - auch bei der Bibelauslegung!

Die zwei Bücher Gottes

Warum Bibel und Naturwissenschaft sich manchmal widersprechen müssen

Das größte Hindernis für die Wahrheit

Theologie 231

Den Glauben behalten, ohne den Verstand zu verlieren

Warum Darwin nicht mehr glauben konnte

Spaltbares Material

Astronomie: Der Fall Galilei

Biologie: Die Entdeckungsreisen

Geologie: Das Alter der Erde

Theologie: Die "Bibelkritik"

Darwin’s Zweifel

Das "Hiroshima" des christlichen Abendlandes

Der einzige Ausweg: Der "Kronzeuge" soll reden!

Unsere Aufgabe: "Ausgrabungen auf biblischem Boden"

Das größte Hindernis für den Glauben

Kritik an der historisch-kritischen Theologie 238

Richtige Beobachtungen, falsche Schlussfolgerungen ...

Die Kritik an den Mosebüchern

Verschiedene Gottesnamen = verschiedene Autoren?

Die Zerschnipselung der Bibel: Die "Quellenscheidung"

Die Schwächen der Bibelkritik

Unkenntnis und blühende Phantasien

Es gab die Schreibkunst viel früher als vermutet!

Die plötzliche Entstehung der Zivilisation war ein Schock!

Die "Mythentheorie" hat sich selber als Mythos entpuppt!

Die "modern(d)e Bibelkritik" befindet sich in höchst kritischem Zustand!

Die kritische Theologie aus der Sicht eines Insiders 242

Eine angesehene Theologie-Professorin kommt zum Glauben

Die kritische Theologie - ein Koloss auf tönernen Füßen!

Hauptsache, die Bibel stimmt nicht!

Lebensgefährlich: Der Sauerteig der Schriftgelehrten!

Methoden der ideologischen Umpolung

Engels - ein Opfer der modern(d)en Theologie

Warnung vor einem blauäugigen Theologiestudium

Bitte, werft meine Schriften in den Müll!

Angebliche Fehler in der Bibel 246

Die Zuverlässigkeit der Bibel

Ein unberechtigter Skeptizismus gegenüber der Bibel

Ein echtes Expertenurteil

Ein kleines Beispiel für die Genauigkeit des Bibeltextes

Der Hase - (k)ein Wiederkäuer! Was Theologen und Biologen sagen

Ein typisches Beispiel der "Bibelkritik für Anfänger"

Was meint die Bibel mit "Wiederkäuer"?

Was Theologen zum Klippdachs sagen

Was die Zoologen zum Klippdachs sagen

Was die Zoologen über den Hasen sagen

Buchempfehlung zum Thema "Glaube und Naturwissenschaft"

Die zwei Stammbäume Jesu - Ein Widerspruch?

Jeder Mensch hat zwei Stammbäume - auch Jesus!

Nur so konnten sich die Prophetien erfüllen!

Biblische "Quellenscheidung" Mose als Redaktor und - Stammbäume ...

Eindeutige Altershinweise im Bibeltext

Die Bibel gibt selber Hinweise auf ihre eigenen "Quellen"!

Stammbäume als Grundgerüst der Genesis

Ergebnis: Klare Logik statt widersprüchlicher Hypothesen

Ein "Bibeltest" 260

Naturwissenschaftliche Aussagen der Bibel, die nachprüfbar zutreffen

Eingetroffene Prophetien der Bibel 262

Das Schicksal der Juden

Geburt, Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus

Vorhersagen für die Gegenwart und Zukunft 266

Superschnelle Fahrzeuge und Kriegsführung aus der Luft

Millionenheere und Panzer

Atomare, biologische und chemische Kriegsführung

Klimaveränderungen

Eine totalitäre Weltregierung

Die Beinahe-Ausrottung der Menschheit

Ein neues Zeitalter mit veränderter Natur

Wissenschaftliche Bibelauslegung 269

1. Wir müssen den Originaltext der Bibel untersuchen!

2. Etymologie: Die Wissenschaft von der Herkunft der Wörter

3. Konkordanz: Die Verwendung der Wörter in der Bibel

4. Der Kontext: Wir müssen den Textzusammenhang genau beachten!

5. Der Bezug zu geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Fakten

Gott will nicht, dass wir leichtfertig glauben!

6. Konsequente Anwendung in der Praxis

Wissen ist wichtig- und Ge-wissen ist noch wichtiger!

 

Die Bibel ...

... hat über tausend Seiten,

ungefähr 3 Millionen Buchstaben,

etwa 774.000 Worte,

31.102 Verse und 1.189 Kapitel.

Man benötigt etwa 38 Stunden, um das Alte Testament,

und ungefähr elf Stunden, um das Neue Testament durchzulesen.

Das sind also insgesamt 49 Stunden für die ganze Bibel.

Wenn man die Bibel in gewöhnlicher Sprechgeschwindigketi vorlesen will,

benötigt man etwa 70 Stunden.

Liest man täglich vier Kapitel, so kommt man in einem Jahr (365 Tage)

gut durch die ganze Bibel.

Echtes Gold ...

... wird nicht vergoldet, Diamanten werden nicht angemalt -

ebenso kann man die Bibel nicht verbessern.

Es ist nicht nötig, eine Lampe anzumachen, um die Sonne zu sehen.

So ist es auch mit der Bibel: Sie trägt das Siegel Gottes.

Jeder, der sich ihr aufrichtig nähert,

empfindet die in ihr enthaltene Macht und Majestät.

Die Bibel selber erleuchtet

- alle, die sich von ihr die Augen öffnen lassen!

Die angespülte Bibel

In einem heftigen Sturm ging ein deutscher Dampfer in der Nähe der spanischen Küste unter. Ein paar Tage später wurden einige Wrackteile und Kleidungsstücke der Matrosen angespült. In einer Tasche steckte ein Neues Testament, auf dessen Umschlag zu lesen war:

Markus Rotmann, Kolkwiese 12, Hamburg.

Das erste Mal gelesen auf Bitten meiner Schwester Lotte.

Das zweite Mal gelesen aus Angst vor dem Gericht Gottes.

Das dritte und alle anderen Male gelesen aus Liebe zu meinem Heiland Jesus Christus.

Wir brauchen die Bibel nicht zu verteidigen.

Eine Löwe verteidigt sich selbst.

Es ist eher umgekehrt: Die Bibel greift die Menschen an!

Sie sagt ihnen genau, was mit ihnen los ist.

Darum fürchten sich so viele vor ihr.

Gottes Wort ist die reine Wahrheit,

die den Menschen tief in seinem Gewissen anspricht und ihm keine Ruhe lässt.

Deshalb versuchen viele, die Bibel los zu werden -

so wie ein Verwahrloster den Spiegel zerschlagen will,

der ihm zeigt, wie ungepflegt und schmutzig er ist.

Lege alle Bücher, die schon gegen die Bibel geschrieben wurden, aufeinander,

und du hast einen Stapel, höher als der Kölner Dom.

Lege dann die Bibel daneben.

Sie ist unversehrt.

Sie ist Sieger und überlebt alle ihre Feinde.

Die kleinste gedruckte Bibel ...

Ist so lang wie ein Streichholz:

Sie misst 4 1/2 cm Länge, 3 cm Breite und ist 2 cm dick.

Das Büchlein wurde in England gedruckt und hat 878 Seiten.

Mit einer Lupe kann man alles gut lesen.

Diese Bibel wiegt nur 20 Gramm.

Die größte Bibel der Welt

Ein Tischler aus Los Angeles hat zwei Jahre lang täglich bis in die Nacht hinein gearbeitet, um eine Bibel ganz aus Holz herzustellen.

Jedes Blatt ist ein dünnes Holzbrett, in das die Buchstaben eingeprägt sind.

Das Buch enthält 8.048 Seiten,

hat ein Gewicht von 547 kg

und eine Dicke von 2,5 Metern.

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Verbreitung der Heiligen Schrift

D-35713 Eschenburg