Darwin’s Zweifel

 

Warum Charles Darwin
nicht mehr glauben konnte.

 

Und warum er
trotzdem kein Atheist wurde.

 

 

“In den äußersten Zuständen des Schwankens
bin ich niemals ein Atheist in dem Sinne gewesen,
dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte.”
Charles Darwin

 

 


 


 

Revolutionär wider Willen

 

Ich könnte völlig wahrheitsgemäß sagen, dass ich nie den Wunsch verspürt habe, dieses oder jenes religiöse Dogma anzufechten. “Erinnerungen” Seite 72

Wer meint, Darwin sei ein überzeugter Atheist gewesen, der den christlichen Glauben bewusst angreifen wollte, der irrt sich. Von klein auf glaubte er an Gott:

Ich erinnere mich aus der ersten Zeit meines Schulbesuchs, dass ich oft sehr schnell laufen musste, um zur rechten Zeit da zu sein. Da ich ausgezeichnet laufen konnte, war ich auch meistens erfolgreich; beschlichen mich aber Zweifel, so bat ich Gott ernstlich, mir zu helfen; und ich erinnere mich sehr gut, dass ich das rechtzeitige Erreichen meinem Gebete und nicht meinem schnellen Laufen zuschrieb und dass ich mich wunderte, wie oft mir geholfen wurde. (“Erinnerungen” 36)

Es hätte nicht viel gefehlt, und Darwin wäre sogar Pfarrer geworden:

Mein Vater schlug mir vor, ich solle Geistlicher werden. Er widersetzte sich mit vollem Rechte heftig der Ansicht, dass ich ein fauler, nur Kurzweil treibender Mensch würde, was damals meine wahrscheinliche Bestimmung zu sein schien. Eine Zeitlang bat ich ihn, die Sache doch zu bedenken, da ich nach dem wenigen, was ich über den Gegenstand gehört oder nachgedacht hatte, Bedenken trug, meinen Glauben an alle Dogmen der Kirche von England zu erklären; doch hatte ich andererseits den Gedanken nicht ungern, Landgeistlicher zu sein.

Wenn ich daran denke, wie heftig ich von den Orthodoxen angegriffen worden bin, so erscheint es mir spaßig, dass ich einmal beabsichtigt habe, Geistlicher zu werden. Auch ist diese Absicht und meines Vaters Wunsch niemals formell aufgegeben worden, sondern ist eines natürlichen Todes gestorben, als ich beim Verlassen von Cambridge als Naturforscher an Bord der "Beagle" ging. (“Erinnerungen” 71-72)

Auch in der Zeit seines dreijährigen Theologiestudiums, als er sich schon eifrig als Naturforscher betätigte, zweifelte er nicht an der Bibel - wobei auffällt, dass er dies mit dem Glauben an verschiedene religiösen Traditionen, Dogmen und Theologien vermischte:

Infolgedessen las ich mit großer Aufmerksamkeit PEARSON, "Über die Glaubensformen" ..., und einige andere Bücher über Theologie; und da ich damals nicht den geringsten Zweifel an der strikten und wörtlichen Wahrheit jedes Wortes in der Bibel hatte, überredete ich mich bald, dass unser Glaubensbekenntnis vollkommen angenommen werden müsse ...  
Um das Baccalaureatsexamen zu bestehen, war es notwendig, auch PALEYS "Beweise für das Christentum" und seine "Moralphilosophie" sich genau einzuprägen. Dies tat ich in einer gründlichen Art, und ich bin überzeugt, ich hätte die ganzen "Beweise" mit vollkommener Korrektheit, wenn auch natürlich nicht in der klaren Sprache PALEYS, niederschreiben können. Die Logik dieses Buches und, wie ich hinzufügen will, die seiner "Natürlichen Theologie" machte mir ebensoviel Freude wie EUKLID ...     
Ich beunruhigte mich damals nicht mit PALEYS Voraussetzungen; und da ich diese auf Treu und Glauben annahm, so war ich von der umständlichen Beweisführung entzückt und überzeugt.   
“Erinnerungen” 71-74

In seinem autobiographischen Rückblick, den Darwin in hohem Alter verfasste, betont Darwin, dass der Einfluss eines stark gläubigen Mannes seinen Lebensweg entscheidend mitgeprägt hat. Dabei fällt auf, dass sich auch bei diesem ein aufrichtiger Glaube an Gott mit dem Festhalten an menschlichen Traditionen vermischte:

Einen Umstand habe ich noch nicht erwähnt, der auf meine ganze Karriere mehr als irgendein anderer Einfluss gehabt hat. Das war meine Freundschaft mit Professor HENSLOW. ...  
Er war stark religiös und so orthodox, dass er mir eines Tages erzählte, es würde ihn schmerzen, wenn ein einziges Wort in den Neununddreißig Artikeln (des Glaubenbekenntnisses der anglikanischen Kirche) geändert würde. Seine moralischen Eigenschaften waren in jeder Hinsicht bewundernswert. Er war frei von jeder Spur von Eitelkeit oder anderen kleinlichen Gefühlen und ich habe niemanden sonst gesehen, der so wenig an sich selbst und das, was ihn betraf, dachte.
(“Erinnerungen” 80-81)


 

Darwin’s Zweifel

 

In der zweiten Hälfte meines Lebens ist nichts bemerkenswerter als die Ausbreitung des religiösen Unglaubens oder des Rationalismus. “Erinnerungen” 113    

Als Darwin an Bord der Beagle ging, war die Bibel für ihn noch eine unerschütterliche Autorität, erst danach ging es mit seinem Glauben bergab:

Während dieser zwei Jahre (nach der Exkursion mit der Beagle) musste ich viel über Religion nachdenken.    
An Bord der "Beagle" war ich ganz orthodox,   
und ich erinnere mich, von mehreren Offizieren
(obgleich sie selbst orhtodox waren) 
herzlich darüber ausgelacht worden zu sein,
dass ich die Bibel als eine unwiderlegbare Quelle    
über irgendeinen Punkt der Moral zitierte.
“Erinnerungen” 104

Darwin warf seinen Glauben nur sehr widerwillig über Bord:

Denn ich kann mich deutlich erinnern, mir immer und immer wieder Phantasiebilder ausgemalt zu haben von alten Briefen hervorragender Römer und von Handschriften, die in Pompeji oder irgendwo anders entdeckt worden waren und die in der allerauffallendsten Weise alles das bestätigten, was in den Evangelien geschrieben stand. “Erinnerungen” 105,106

Wie konnte es trotzdem innerhalb weniger Jahre zu einer solchen Kehrtwendung in den Überzeugungen Darwins kommen, dass sein Buch “Über die Entstehung der Arten” eine regelrechte Revolution auslöste? Zentrale Lehren der Kirche kamen durch ihn ins Wanken, und die Weichen für ein neues Weltverständnis wurden gestellt, das die gesamte Abendländische Kultur bis heute prägt. Wir gehen also zurück bis an die Wurzeln unserer heutigen Zivilisation, wenn wir herausfinden, was Darwin zu seiner radikalen Gesinnungsänderung veranlasste - und wir treffen auf dieselben Zweifel, die heute viele Millionen von Menschen beschleichen.

Spaltbares Material

Das abendländische Denken wurde lange Zeit vom Einfluss der kirchlichen Hierarchie beherrscht, die ihre Weltanschauung durchsetzte. Dieser Einfluss war jedoch nicht nur hinderlich. Der christliche Glaube an einen intelligenten Schöpfer spornte viele Wissenschaftler dazu an, die Gesetzmäßigkeiten der Schöpfung zu erforschen. Die Entgötterung der Naturgewalten eröffnete den Weg für das Studium der Natur. Deswegen kam es trotz des teilweise knebelnden Einflusses der Kirche im 16. und 17. Jahrhundert nicht zu einer Verfeindung von Wissenschaft und Glaube, auch wenn manche dies für erstaunlich halten:

Sonderbarerweise brachte die sogenannte wissenschaftliche Revolution des 16. und 17. Jahrhunderts ... keinerlei Veränderung ihrer Einstellung gegenüber dem Schöpfungsglauben mit sich: Alle führenden Physiker und Mathematiker, Descartes, Huyghens, Boyle und Newton, glaubten an einen persönlichen Gott und waren strenge Anhänger des Schöpfungsglaubens.    Ernst Mayr, “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt”, Seite 246

Zwar wurde auf kirchlicher Seite über die Jahrhunderte hinweg betont, dass das Wort Gottes, die heilige Schrift, allein der Maßstab aller Dinge sei, doch in Wirklichkeit handelte es sich bei den theologischen Dogmen oftmals um eine Mischung aus biblischem Material und menschlichen Traditionen. Wir erinnern uns, dass auch Darwin diesen Einfluss als entscheidend für sein Leben bezeichnet hat. Zusammen mit diesen religiösen Dogmen flossen auch Überzeugungen mit ein, die naturwissenschaftliche Aspekte des Weltbildes betrafen. Diese und andere menschliche Lehren wurden kaum merklich in die Deutung der Bibel eingeschleust. Insbesondere auf den Fachgebieten von Astronomie, Geologie, Biologie und Theologie hatte sich so jede Menge “spaltbares Material” angesammelt, dem nur noch die Initialzündung fehlte, um es zur Explosion zu bringen:

Das angeblich falsche Weltbild der Bibel war für Darwin ein gewichtiges Argument, die ganze Bibel in Frage zu stellen:

Ich war aber in dieser Zeit [d.h. 1836 bis 1839; nach der Fahrt mit der Beagle] allmählich dahin gekommen, einzusehen, dass dem Alten Testamente - mit seiner offensichtlich falschen Weltgeschichte, mit seinem babylonischen Turm, mit dem Regenbogen als Zeichen usw. und seiner Art, Gott Gefühle eines rachedurstigen Tyrannen zuzuschreiben - nicht mehr Glauben zu schenken sei als den heiligen Schriften der Hindus oder dem Glauben irgendeines Wilden. Die Frage trat damals ständig vor meinen Geist und ließ sich nicht verbannen. “Erinnerungen” 104-105


 

Astronomie: Der Fall Galilei

 

Die Stellung der Erde im Weltall war Gegenstand eines langen Gelehrtenstreites gewesen, in dem die Kirche über Jahrhunderte hinweg eine unhaltbare Position verteidigt hatte. Den Hintergrund bildeten die Lehren des Thomas von Aquin (1225-1274), der sie wiederum aus den Philosophien des Aristoteles (384 v.Chr.) abgeleitet hatte. Für letzteren stand die Erde im Zentrum, die Planeten umkreisten sie auf Sphären, die Fixsterne waren an der äußersten Sphäre angebracht. Galilei, der das Fernrohr für wissenschaftliche Zwecke verwendete, kam zu anderen Ergebnissen und geriet deswegen in eine Auseinandersetzung mit den kirchlichen Autoritäten. Er wurde mit Folter bedroht und widerrief gezwungenermaßen. Der Widerstand der theologischen Führungsschicht konnte zwar nicht verhindern, dass die Wahrheit sich durchsetzte, aber er zögerte es hinaus und fügte dem Ansehen der Bibel gewaltigen Schaden zu, obwohl es wieder ein gläubiger Mensch war, der den wissenschaftlichen Fortschritt brachte:

Erst mit Nikolaus Kopernikus (1473-1543), einem Domherrn aus Thron, änderte sich diese Situation. ... Kopernikus gab der Sonne eine ruhende Position und hob die Erde in den Himmel. ... Ein Jahrhundert später war in allen erwähnenswerten Modellen die Sonne an die Stelle der Erde als Zentrum getreten. “Pfeil der Zeit” Seite 50-52


 

Biologie: Die Entstehung der Arten

 

Im 14. und 15. Jahrhundert begannen die großen Seereisen, die dann im 16., 17. und 18. Jahrhundert zu immer erstaunlicheren Entdeckungen führen sollten, und die Glaubwürdigkeit der biblischen Darstellung wurde durch die Beschreibung völlig neuer Faunen in Afrika, Ostindien, in beiden Teilen Amerikas und in Australien auf fatale Weise untergraben.
Wie konnten alle diese reichen Faunen in der Arche Platz gefunden haben? Wenn sich alle Tiere vom Berge Ararat (in Armenien) aus, dem angeblichen Landeplatz der Arche, über die Welt verbreitet hatten, warum war die Fauna der ganzen Welt nicht einheitlich? Wie wurden die isolierten Kontinente Amerika und Australien kolonisiert? Die Fakten der Biogeographie stellten die Anhänger des Schöpfungs­glaubens vor einige unlösbare Dillemata, und wurden schließlich für Darwin die überzeugendsten Belege für eine Evolution. Mayr “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt”, Seite 253

Es ist verständlich, dass dieses Thema Darwin selber außerordentlich bewegte, durchlebte er doch in eigener Person die Entdeckungen und Schlussfolgerungen, die sich daraus ergaben. Wieder wurde ihm leider auf Seiten der Theologen wenig Hilfe zuteil, die auf dem Dogma der Unveränderlichkeit der Arten beharrten und jegliche Abstammung verneinten. Dabei hatte ein Jude Darwin sogar einen Hinweis gegeben, der schon sehr nahe an die Wahrheit herankam:

Es [das Buch "Origin of species"] ist ohne Zweifel die Hauptarbeit meines Lebens. Das Buch war von Anfang an außerordentlich erfolgreich. ...    
Selbst ein hebräischer Aufsatz ist darüber erschienen, der nachweist, dass die Theorie im Alten Testament enthalten ist! “Erinnerungen” 144

Gemeint ist das Buch eines gewissen Naphtali Hallevi aus Radom, Polen: "Toledoth Adam" (d.h. "Die Generationen des Menschen"), das der Verfasser im Jahre 1876 an Charles Darwin geschickt hatte. Der Verfasser schrieb Darwin, dass er die Anschauungen Darwins deshalb dargelegt habe, um seine Glaubensgenossen von der Richtigkeit der Entwicklungslehre zu überzeugen. (M.L., Band I, Seite 365-366)

Tatsache ist, dass der Schöpfungsbericht mit einem Schlusssatz endet, der rückblickend zusammenfasst, worum es in dem ganzen Kapitel geht, und der lautet:

Dies sind die Zeugungsfolgen (toledot) der Himmel und der Erde in ihrem Erschaffenwerden ... Genesis 2:4

Das Wort “toledot = Zeugungsfolgen” ist im Alten Testament ein Fachausdruck für Stammbäume. Es leitet sich von dem Tätigkeitswort “holid = zeugen” ab und bezeichnet in seinen fast vierzig Vorkommen immer Geschlechterfolgen und Stammbäume. Die Bibel schafft also in einem Satz die Synthese zwischen Evolution und Abstammung (dies ist der Stammbaum) und Schöpfung (im Erschaffenwerden). Tatsächlich sind im Schöpfungsbericht die einzigen dort erwähnten drei Schöpfungsakte die tragenden Säulen der gesamten Entwicklung, die den ganzen restlichen Text ausmacht:

·         1. Die Erschaffung des Weltalls, Genesis 1:1

·         2. Die Erschaffung der “lebenden Seelen”, Tiere, Genesis 1:21.

·         3. Die Erschaffung der geistigen Wesen “Mensch”, Genesis 1.27.

Diejenigen, die dieses Thema interessiert, möchte ich auf ein Buch hinweisen, in dem es ausführlich untersucht wird:

Die Geschichte des Lebens (Genesis 1)
Die Entwicklung der Schöpfung vom Urknall bis zum Menschen -  
Der Originaltext der Bibel und die Erkenntnisse der Naturwissenschaften

Wenn wir die Genesis wirklich beim Wort nehmen, kommen Satz für Satz erstaunliche Fakten zutage, die so manche bibelkritische wie auch angeblich bibeltreue Auslegung in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Das Ergebnis: Die Tür zur Bibel steht nun auch denen wieder offen, für die sie aufgrund von festgefahrenen Auslegungen lange Zeit verschlossen war. Hier also, was die Bibel wirklich über Schöpfung und Evolution sagt. Circa 250 Seiten.

Autor: Armin Held 
Kostenloser Download von: www.urzeitundendzeit.de

Kurzfassung: "Der Schlüssel zu Gottes Tagebuch”    
44 Seiten, auch auf Englisch und Niederländisch erhältlich.


 

Geologie:
Die Sintflut und das Alter der Erde

 

Neue Zweifel an der Glaubwürdigkeit der biblischen Darstellung wurden durch das ständig anwachsende Wissen über Fossilien geweckt ...
Als sich schließlich die Idee allgemein durchsetzte, dass die Fossilien Relikte von Lebewesen aus früheren Zeiten seien, blieb die vorherrschende Praxis dennoch eine wortgetreue Interpretation der Bibel, die Fossilien wurden als Reste der von Noahs Sintflut ausgelöschten Geschöpfe interpretiert ...
Mayr “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt”, Seite 253,254

Leider vermischen sich auch hier wieder die tatsächlichen Aussagen der Bibel mit religiösen Traditionen, denen zufolge die Sintflut ein weltweites Ereignis war. Doch der Bibeltext macht klar, dass es sich damals um eine lokale Flut handelte, an deren Ende Noah nicht weit entfernt von seinem Startpunkt landete, nämlich im Araratgebirge in der heutigen Türkei - nicht auf dessen höchstem Berg, der erst seit kurzer Zeit “Ararat” genannt wird, sondern “auf den Bergen (Mehrzahl!) Ararat”, Genesis 8:4, also am Fuße des Gebirges.

Den Regenbogen hat es natürlich längst vorher gegeben, doch wurde dieser nun von Gott zu einem speziellen Zeichen erklärt. Ähnliches geschah später mit dem Passahmahl, das die Juden jährlich feierten: Durch Jesus wurde es später neu gedeutet und zu einem Zeichen erklärt, nämlich als Symbol für den Tod des Herrn.

Was nun das Alter der Erde angeht, so hat man auf Seiten der Theologen kaum mehr Argumente für eine Junge Erde vorzuweisen, als die Aussage, dass Gott die Welt “in sieben Tagen gemacht” hat. Dabei ist klar, dass dies Gottestage gewesen sein müssen (Menschen gab es erst seit dem sechsten Tag), von denen die Bibel ausdrücklich betont, dass sie nicht mit menschlichen Tagen gleichzusetzen sind:

Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. 2.Petrus 3:8

Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht. Psalm 90:4

Der Textzusammenhang - Genesis 1 ist ein Stammbaum! - lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei den “Tagen” um lange Zeiträume gehandelt hat: So vermehrte sich die Menschheit noch innerhalb des sechsten Tages (ausdrücklich aufgrund von Fruchtbarkeit und nicht durch Wunder) so sehr, dass sie die ganze Erde besiedelte - “und es geschah so”, Genesis 1:31 - nicht einmal Eintagsfliegenn hätten dies an einem Wochentag geschafft!

Doch die Theologen hielten an einer weltweiten Flut ebenso fest wie an einer jungen Erde, und so musste es zum Konflikt mit der Naturwissenschaft kommen:

Welches auch immer die verschiedenen geologischen Entdeckungen im einzelnen waren, sie alle hatten eins gemeinsam: sie verstärkten wechselseitig die Erkenntnis, dass die Erde ungeheuer alt sein musste. Damit war ein Zusammenstoß mit allen Verfechtern einer wortgetreuen Auslegung der Bibel unvermeidlich. Mayr “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt”, Seite 252


 

Theologie: Die Bibelkritik

 

Da die Beschreibung vieler Natur- und Himmelserscheinungen durch “Naturgesetze” möglich wurde, ging man zu einer Mechanisierung des Weltbildes über. Die Wunderberichte der Bibel schienen im Lichte dieser neuen Logik unglaubwürdig, die “Bibelkritik” bekam dadurch Aufschwung.

Bei weiterem Nachdenken darüber, dass die klarsten Beweise notwendig sein würden, um irgendeinen Menschen mit gesundem Verstand an die Wunder glauben zu lassen, auf denen das Christentum beruht - dass, je mehr wir von den feststehenden Naturgesetzen kennenlernen, Wunder um so unglaubhafter werden - “Erinnerungen” 105

dass die Menschen zu jener [fernen] Zeit in einem uns beinahe unbegreiflichen Grade unwissend und leichtgläubig waren “Erinnerungen” 105

- dass nicht bewiesen werden kann, die Evangelien wären gleichzeitig mit den Ereignissen niedergeschrieben worden - dass sie in vielen bedeutungsvollen Einzelheiten voneinander abweichen, viel zu bedeutungsvoll, wie es mir erschien, um durch die gewöhnlichen Ungenauigkeiten der Augenzeugen erklärt werden zu können. - “Erinnerungen” 105

Durch Überlegungen, wie die, die ich anführte, nicht, als ob sie im mindesten Neues oder Wertvolles darböten, sondern weil sie einen Einfluss auf mich ausübten, kam ich allmählich dazu, nicht an das Christentum als eine göttliche Offenbarung zu glauben.      “Erinnerungen” 105

In dieser “aufklärerischen”Begeisterung ging die “herrschende” Theologie so weit, den Bibeltexten jegliche historische Glaubwürdigkeit abzusprechen. So wurde zum Beispiel behauptet, Mose habe nicht schreiben können, da es zu seiner Zeit angeblich noch gar keine Schrift gab - eine Unterstellung, die sich später als absolut falsch herausstelle. Es ist jedoch verständlich, dass diese mit großer Selbstsicherheit vorgetragenen “Expertenmeinungen” Darwin verunsicherten und seinen Glauben an die Bibel erschütterten. Das spiegelt sich in seiner zentralen Aussage wider:

Ich fand es aber trotz aller meiner Einbildungskraft gewährten Kraft immer schwieriger, Beweismittel zu erfinden, die ausreichten, mich zu überzeugen. So beschlich mich in sehr langsamer Weise der Unglaube, bis ich schließlich ganz ungläubig wurde. Er kam so langsam über mich, dass ich kein Unbehagen empfand, und niemals habe ich seit jener Zeit auch nur eine einzige Sekunde an der Richtigkeit meines Schlusses gezweifelt. “Erinnerungen” 106

Ich war aber in dieser Zeit [d.h. 1836 bis 1839; nach der Fahrt mit der Beagle] allmählich dahin gekommen, einzusehen, dass dem Alten Testamente - mit seiner offensichtlich falschen Weltgeschichte, mit seinem babylonischen Turm ... nicht mehr Glauben zu schenken sei als den heiligen Schriften der Hindus oder dem Glauben irgendeines Wilden. “Erinnerungen” 104-105

Der Turmbau von Babel

Darwin erwähnt hier ausdrücklich die Berichte über den Bau des Turmes von Babel. Die damals “modern(d)e” Theologie vertrat voller Inbrunst die Überzeugung, Babel habe nie existiert und sei nur das Phantasieprodukt der biblischen Autoren. Inzwischen wurde Babel in seiner Größe und Pracht ausgegraben und es hat sich erwiesen, dass die biblischen Berichte realistischer waren als die Phantasien der “modernen”, bibelkritischen Theologen.

Es bleibt jedoch noch ein falsches Dogma zu entkräften, das die “orthodoxen” Theologen als Steilvorlage für die Bibelkritiker lieferten, nämlich die Behauptung, damals seien alle Sprachen der Welt über Nacht entstanden, als Strafe Gottes dafür, dass die Menschen einen Turm bis in den Himmel bauen wollten.

In Wirklichkeit betont die Bibel, was genau in dem Kapitel vor dem Turmbau zu Babel nachzulesen ist (nämlich in dem Stammbaum der Söhne Noahs in Genesis 10), dass die Sprachen des Nahen Ostens durch Abstammung und Aufzweigung in Völker und Sprachfamilien entstanden - evolutiv! Der Turm “mit seiner Spitze bis in den Himmel” war nicht übermäßig hoch, ebenso wenig wie die Mauern späterer Städte, die auch “bis in den Himmel” ragten (5.Mose 9:1), aber er diente wahrscheinlich der Himmelsbeobachtung (bei den Babyloniern liegen die Wurzeln von Astronomie und Astrologie), zum anderen diente er religiösen, “himmlischen” Zwecken. Auf die Sintflut gehen wir gleich bei nächster Gelegenheit, weiter unten, ein.

Dennoch, was Naturwissenschaftler wie Galilei, Kopernikus und Newton nicht gewollt hatten, das geschah durch die kritische Theologie: Die Glaubwürdigkeit der Bibel wurde bis in die Fundamente erschüttert. Letztlich erklärte diese Theologie die Bibel zu einem “Mythos”, ganz gleich den Sagen und Mythen anderer Völker. Man behauptete, die Texte seien viel später verfasst worden, als sie selber angeben, echte Prophetie habe es niemals gegeben. Außerdem seien die Texte aus einer Vielzahl von Quellen zusammengemischt und von späteren Redaktoren nochmals verändert worden. Deswegen seien “Spannungen, Risse und Widersprüche” im Text zu finden. Ausführlich ist diese Thematik behandelt in:

Wissenschaftliche Bibelauslegung:
Wie können wir die Bibel beim Wort nehmen?

Hier werden praktische Methoden wissenschaftlicher Bibelauslegung aufgezeigt und viele Einwände bibelkritischer Theologie widerlegt, von Zweifeln an der Verfasserschaft Mose bis hin zum wiederkäuenden Hasen und den zwei Stammbäumen Jesu. Auch der "Bibelcode" darf natürlich nicht fehlen: Jede Ent-täuschung ist eine Täuschung weniger!

Circa 100 Seiten.


 

Ungläubig und doch gläubig

 

Der Einfluss dieser Zweifel ist bei Darwin, besonders in den Jahren, die auf seine Weltreise folgten, sehr deutlich wiederzuerkennen. Er selber hält diese Entwicklung für das Bemerkenswerteste in der zweiten Hälfte seines Lebens! So schreibt er rückblickend von den Jahren, die auf seine Weltreise folgten:

In der zweiten Hälfte meines Lebens ist nichts bemerkenswerter als die Verbreitung des religiösen Unglaubens oder des Rationalismus. “Erinnerungen” 113

So beschlich mich in sehr langsamer Weise der Unglaube, bis ich schließlich ganz ungläubig wurde. “Erinnerungen” 104

Ich fand es aber trotz aller meiner Einbildungskraft gewährten Kraft immer schwieriger, Beweismittel zu erfinden, die ausreichten, mich zu überzeugen. So beschlich mich in sehr langsamer Weise der Unglaube, bis ich schließlich ganz ungläubig wurde. Er kam so langsam über mich, dass ich kein Unbehagen empfand, und niemals habe ich seit jener Zeit auch nur eine einzige Sekunde an der Richtigkeit meines Schlusses gezweifelt. “Erinnerungen” 106

Mit “ganz ungläubig” meinte Darwin allerdings nicht, dass er Atheist geworden wäre:

In den äußersten Zuständen des Schwankens bin ich niemals ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte.    
Stuhlhofer “Weltreise zum Agnostizismus”, Seite 81

Was ihm vielmehr verloren ging, war der Glaube an den persönlichen Gott, der sich Menschen durch Worte und Taten offenbart:

Was mich selbst angeht, so glaube ich nicht, dass es jemals irgendeine Offenbarung gegeben hat ... Stuhlhofer “Weltreise zum Agnostizismus”, Seite 84

Obgleich ich vor einer beträchtlich späten Periode meines Lebens nicht viel über die Existenz eines persönlichen Gottes nachdachte, so will ich doch hier die allgemeinsten Schlussfolgerungen mitteilen, zu denen ich getrieben worden bin. Der alte Beweisgrund vom Zwecke der Natur, wie ihn PALEY aufstellte, der mir früher so entscheidend erschien, schlägt jetzt fehl, nachdem das Gesetz der natürlichen Auslese entdeckt worden ist ... “Erinnerungen” 106

      Früher wurde ich durch Empfindungen wie die eben angeführten (obgleich ich nicht glaube, dass das religiöse Gefühl jemals stark bei mir entwickelt war) zu der festen Überzeugung von der Existenz Gottes und der Unsterblichkeit der Seele geführt. In meinem "Tagebuch" schrieb ich, dass, wenn man inmitten der großartigen Natur eines brasilianischen Waldes steht, "es nicht möglich ist, eine zutreffende Vorstellung von den höheren Gefühlen des Erstaunens, der 109

110 Bewunderung und der Ergebung zu vermitteln, die den Geist erfüllen und erheben." Ich erinnere mich sehr wohl der Überzeugung, dass mehr im Menschen sei als der bloße Atem seines Körpers.    
Jetzt aber würden die großartigsten Szenen keine derartigen Überzeugungen und Empfindungen in mir entstehen lassen. Man könnte ganz zutreffend sagen, dass ich wie ein Mensch bin, der farbenblind geworden ist, und der allgemein bei Menschen bestehende Glaube an die Existenz der roten Farbe macht meinen jetzigen Verlust des Wahrnehmungsvermögens nicht im geringsten zu einem triftigen Beweisgrunde. Dieser Beweisgrund würde gültig sein, wenn alle Menschen aller Rassen dieselbe innerliche Überzeugung von der Existenz eines Gottes hätten; wir wissen aber, dass dies bei weitem nicht der Fall ist.

Darwin ist ein typisches Beispiel dafür, was für verheerende Auswirkungen die bibelkritische Theologie auf den Glauben hat. Es waren nicht etwa seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die Darwin von Gott abhielten, sondern die Theologen: Während die “Konservativen” von ihm forderten, ihrer angeblich wörtlichen Auslegung der Bibel bedingungslos zu folgen und zum Beispiel an eine junge Erde zu glauben, boten die “Liberalen” ihm als Ausweg die Erklärung an, die Bibel sei nur einer von vielen religiösen Mythen, ohne wirkliche Offenbarung Gottes. So trieben die bekennenden Bibeltreuen ihn in die Arme der Bibelkritiker - die auch im frommen Gewande daherkamen und sich als die neuen, wahren Autoritäten in Sachen Bibelauslegung ausgaben.

Verschlossene Türen

Nicht der Atheismus ist der größte Gegner des Christentums, sondern das Schein-Christentum mit seinen Anführern, den heuchlerischen Theologen und vorgeblich Bibeltreuen, den Wölfen im Schafspelz, die Gottes Wort unglaubwürdig machten:

Wie könnt ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz des HERRN ist bei uns? Siehe, zur Lüge hat es der Lügengriffel der Schriftgelehrten gemacht! Jeremia 8:8

Jesus hatte mit niemandem so große Probleme wie mit den Schriftgelehrten und Pharisäern, also den Theologen und den “Strenggläubigen” seiner Zeit:

Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen! Denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen. Matthäus 23:13

Diese Scheinheiligen sind es, die bis zum heutigen Tage am meisten Suchende vom Glauben abhalten:

Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen! Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die Hineingehenden habt ihr gehindert! Lukas 11:52

Vor dem Eingang zum Reich Gottes befindet sich demnach eine Ansammlung von Menschen, die sich als Gläubige, Geistliche, Bibellehrer, Pfarrer, Theologen verkleidet haben - das griechische Wort für “Heuchler = hypókritäs” bedeutet im außerbiblischen Griechisch “Schauspieler”. Diese Menschen geben also nur vor, für Gott zu sprechen, doch in Wirklichkeit haben sie sich der Herrschaft Gottes gar nicht unterstellt. Sie suchen nur ihren eigenen Vorteil, Ansehen bei Menschen und ein gutes Einkommen. Sie selber gehen gar nicht in das Reich Gottes hinein, und schlimmer noch, sie hindern diejenigen, die es wollen.

Wie geschieht das? Durch ihre Lehren und ihr Verhalten geben sie jedem Suchenden den Eindruck, dass dies niemals der richtige Eingang sein kann. Kommt nun ein Mensch, der durch die Ordnung in der Natur oder durch persönliche Erlebnisse zu der Erkenntnis gekommen ist, dass es einen Gott geben muss, an diesen Eingang zum Reich Gottes, dann erwartet ihn dort schon ein Pulk von streitenden Theologen: Bibelkritische Theologen einerseits, die ihm versichern, dass die Bibel nur eine Mixtur von menschlichen Weisheiten und Irrtümern sei, und traditionsgebundene Bibelausleger andererseits, die zum Beispiel behaupten, die Erde sei nur 6.000 Jahre alt und Gott habe alle Tierarten der Erde aus Lehm geknetet. Kopfschüttelnd oder vielleicht sogar angewidert von diesem Streit und Durcheinander wenden sich dann viele Suchende anderen Türen zu, die vorgeben, zu Gott zu führen, oder aber sie lehnen es von da an rundweg ab, in Zukunft noch durch irgendwelche religiösen Türen zu gehen.

Der Gott des Albert Einstein

Ein typisches Beispiel hierfür ist das Leben von Albert Einstein: Obwohl er unreligiöse jüdische Eltern hatte, war er bis zu seinem zwölften Lebensjahr gläubig. Doch dann kam ihm ein Buch in die Hände, das zu beweisen vorgab, dass die Bibel mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaft nicht zu vereinbaren ist. Für den Rest seines Lebens blieb ihm dann die Tür zum Glauben an einen persönlichen, sich offenbarenden Gott verschlossen. Er zweifelte zwar nicht an der Existenz eines genialen Schöpfers (“Der Alte würfelt nicht!”), aber er konnte sich nicht vorstellen, dass Gott sich um einzelne Menschenleben kümmert oder gar in sie eingreift.

Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Einstein in: Peter Bucky “Der private Albert Einstein”, Seite 159

So blieben Menschen wie Darwin und Einstein “außen vor”, was das Reich Gottes angeht, aber als Wissenschaftler blieben sie lebenslang Suchende. Darwin sagte:

Wenn ich mich richtig kenne, so arbeite ich aus einer Art Instinkt heraus, um zu versuchen, die Wahrheit zu ergründen. Stuhlhofer “Weltreise zum Agnostizismus” Seite 96


 

Der Ausweg aus der Sackgasse

 

Albert Einstein antwortete auf die Frage: Was war ihrer Meinung nach ihr Hauptziel in ihrem Leben?

Ohne den geringsten Zweifel kann ich sagen: Die Suche nach Wahrheit. Das ist nicht leicht gewesen, doch es war befriedigend. Ich weiß von meiner eigenen schmerzhaften Suche mit ihren vielen Sackgassen, wie schwer es ist, einen sicheren Schritt, und sei er noch so klein, in Richtung auf das Verständnis dafür zu tun, was wirklich bedeutsam ist. Bucky “Der private Albert Einstein”, Seite 67

Wenn dies auf dem Gebiet der Naturwissenschaften wahr ist, sollten wir uns auch auf der Suche nach geistlichen Wahrheiten nicht entmutigen lassen:

Dennoch verhalten sich häufig gerade kluge Menschen so töricht ... dann klagen sie, ihnen schwirre der Kopf, alles sei zu schwierig, und wenn es wirklich einen Gott gäbe, hätte er gewiss eine einfache Religion “gemacht”, denn Einfachheit sei schön usw. ...
Aber die Realität ist nicht nur etwas sehr Schwieriges, nach meiner Erfahrung jedenfalls ist sie meist auch etwas sehr Eigenartiges ...     
Die Wirklichkeit ist meistens so, dass wir aus eigener Überlegung nie darauf gekommen wären ...
C.S. Lewis “Pardon, ich bin Christ”, Seite 39,40

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, auch auf dem Gebiet der Bibel wissenschaftlich vorzugehen und zuerst einmal den Text selber möglichst unvoreigenommen zu untersuchen. Doch bei vielen Diskussionen um die Glaubwürdigkeit der Bibel fällt auf, dass der Bibeltext oftmals gar nicht selber zu Wort k ommt, und wenn, dann werden meist nur aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke hervorgekramt. Man kann es nicht anders sagen: Ausgerechnet dem Kronzeugen wird das Recht auf Aussage verweigert! Doch wenn wir wirklich nach der Wahrheit suchen, dann müssen wir unbedingt den sehr gut dokumentierten und weltweit anerkannten Grundtext der Bibel selber untersuchen. Und das ist gar nicht so schwer:

Mit Hilfe von allgemein anerkannten, wissenschaftlichen Wörterbüchern können wir zentrale Begriffe klären und die Aussagen des Textes aus dem Trümmerschutt generationenlanger Auslegungsgeschichte bergen. Dann fügen wir die einzelnen “Tonscherben” zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen. Das so wiederhergestellte Dokument kann dann endlich wieder für sich selber sprechen!


 

Zitate von Charles Darwin

 

“Erinnerungen”      Charles Darwin: "Erinnerungen an die ENTWICKLUNG MEINES GEISTES UND CHARAKTERS" - Autobiographie. Aulis Verlag, Deubner & Co.KG, Köln 1982. ISBN 3-7614-0657-6.

“Erinnerungen” 78 Als ich eines Tages ein Stück alte Rinde abriss, sah ich zwei seltene Käfer und ergriff mit jeder Hand einen. Dann sah ich auf einmal einen dritten, noch dazu eine neue Art, dessen Verlust ich nicht hätte ertragen können; ich steckte daher den in meiner rechten Hand schnell in den Mund. Leider spritze er aber sofort eine intensiv scharfe Flüssigkeit aus, die mir auf der Zunge brannte, so dass ich gezwungen war, ihn auszuspucken; der war nun verloren, wie es auch der dritte war.


 

Darwin’s größtes Problem mit Gott

 

Ich war aber in dieser Zeit [d.h. 1836 bis 1839; nach der Fahrt mit der Beagle] allmählich dahin gekommen, einzusehen, dass dem Alten Testamente mit seiner ... Art, Gott Gefühle eines rachedurstigen Tyrannen zuzuschreiben - nicht mehr Glauben zu schenken sei als den heiligen Schriften der Hindus oder dem Glauben irgendeines Wilden. “Erinnerungen” 104-105

Und in der Tat, ich kann es kaum begreifen, wie jemand, wer es auch sei, wünschen könne, die christliche Lehre möge wahr sein; denn, wenn dem so ist, dann zeigt der einfache Text [des Evangeliums], dass die Ungläubigen, und ich müsste zu ihnen meinen Vater, meinen Bruder und nahezu alle meine besten Freunde zählen, ewig Strafe verbüßen müssen. Eine abscheuliche Lehre!
“Erinnerungen” 106

Ihr alle kennt eure Mutter ausgezeichnet, ihr wisst, welch gute Mutter sie immer für euch war ... Ihre verständnisvolle Güte mir gegenüber war immer beständig, und sie ertrug mit größter Geduld meine ewigen Klagen über Unwohlsein und über Unbequemlichkeiten. ... Sie war mir während meines Lebens, das ohne sie lange Zeit durch Krankheit kläglich und unglücklich gewesen wäre, ein weiser Ratgeber und heiterer Tröster. “Erinnerungen” 114-115

 

Das schwerwiegendste Argument:     
Das Leid in der Welt und das Bild vom rachsüchtigen Gott

Jesus am Kreuz

AT: Gott ist barmherzig - aber gerecht

 

Dass viel Leid in der Welt besteht, bestreitet niemand. Manche haben versucht, dies in bezug auf den Menschen durch die Vorstellung zu erklären, dass es zu seiner moralischen Besserung dient. Aber die Anzahl der Menschen in der ganzen Welt ist nichts im Vergleich mit der aller anderen empfindenden Wesen, und diese leiden oft bedeutend ohne irgendeine moralische Besserung. Ein Wesen, so mächtig und weise wie Gott, der das Weltall geschaffen hat, erscheint unserem begrenzten Verstand allmächtig und allwissend, und die Annahme, die Güte Gottes sei nicht unbegrenzt, stößt unser Bewusstsein ab, denn welchen Vorzug könnten die Leiden Millionen niederer Tiere in einem fast endlosen Zeitraum darstellen. Dieser sehr alte, der Existenz des Leidens. “Erinnerungen” 108

109 entnommene Beweisgrund gegen die Existenz einer ersten Ursache schien mir viel Gewicht zu haben, während, wie oben bemerkt wurde, das Vorhandensein von viel Leiden mit der Ansicht gut übereinstimmt, dass alle organischen Wesen durch Abänderung und natürliche Zuchtwahl entwickelt worden sind.


 

Falsche Religionen

 

Die Tatsache, dass viele falsche Religionen über weite Teile der Erde sich wie Sprühfeuer verbreitet haben, war für mich von einigem Gewicht. “Erinnerungen” 105

      Heutzutage wird der gewöhnlichste Beweisgrund für die Existenz eines denkenden Gottes aus der tiefen innerlichen Überzeugung und den Gefühlen hergeleitet, die von den meisten Personen erfahren werden. Jedoch darf man nicht daran zweifeln, dass die Hindus, die Mohammedaner und andere in derselben Weise und mit derselben Kraft der Existens eines einzigen Gottes bzw. vieler Götter, oder aber, wie die Buddhisten, dem Fehlen eines jeglichen Gottes, zustimmen könnten. Es existieren viele Stämme Wilder, von denen man glaubwürdig behaupten kann, dass sie nicht an das glauben, was wir Gott nennen: Und wirklich, sie glauben an Geister oder Gespenster, und man kann erklären, wie TAYLOR und HERBERT SPENCER zeigten, auf welche Weise aller Wahrscheinlichkeit nach solche Religionen entstanden sind. 109

Man darf ebenfalls nicht die Möglichkeit der ständigen Einflößung des Glaubens an Gott in die Gemüter der Kinder außer Acht lassen, einer Einflößung, die eine außerordentlich starke und vielleicht erbliche Einwirkung auf deren Gehirn ausübt, das noch nicht vollständig entwickelt ist, so dass es für sie genau so schwer wäre, den Glauben an Gott aufzugeben, wie für einen Affen, seine instinktive Furcht und Abscheu einer Schlange gegenüber aufzugeben. “Erinnerungen” 112

 


 

Die Folgen für Darwin

 

Ein Mensch, der keinen festen und immer gegenwärtigen Glauben an die Existenz eines persönlichen Gottes und an ein künftiges Leben mit seiner Belohnung und Vergeltung besitzt, kann sich, soweit ich in der Lage bin, das zu beurteilen, nur eines als Lebensregel auswählen: jenen Impulsen und Instinkten zu folgen, die die stärksten sind oder die er für die besten hält. So handelt der Hund, aber er tut das blind, während der Mensch andererseits voraussehen, zurückblicken und seine verschiedenen Gefühle, Wünsche und Erinnerungen vergleichen kann. Und so entdeckt er in Übereinstimmung mit der Ansicht der weisesten Menschen, dass ihm die höchste Befriedigung widerfährt, wenn er bestimmten Impulsen, und zwar den sozialen Instinkten, folgt. Wenn er für das Wohl anderer Menschen wirkt, werden seine Nächsten [in einem solchen Falle] sein Verhalten billigen, und er wird die Liebe derer erwerben, mit denen er lebt, und das letzte ist unzweifelhaft der größte Genuss, den wir auf unserer Erde verspüren können. “Erinnerungen” 112

Goldene Regel: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

“Erinnerungen” 113   Was mich selber betrifft, so denke ich, dass ich richtig gehandelt habe, als ich mich unentwegt mit der Wissenschaft beschäftigt und ihr mein ganzes Leben gewidmet habe. Ich habe keine irgendwie ernste Sünde begangen und verspüre daher auch keine Gewissensbisse, aber ich habe es sehr, sehr oft bedauert, dass ich meinen Nächsten nicht mehr unmittelbar Gutes erwiesen habe. ...

“Erinnerungen” 135   Solange ich noch jung und gesund war, konnte ich sehr herzliche Beziehungen zu den Menschen unterhalten, aber in den späteren Jahren habe ich die Fähigkeit verloren, für irgend jemanden, wer es auch sein möge, tiefe Sympathie zu empfinden, obwohl ich immer noch sehr freundschaftliche Gefühle für viele Personen hege ...

136 ... Soweit ich urteilen kann, entwickelte sich dieser betrübliche Verlust bei mir allmählich, da ich eine Ermüdung befürchtete, die sich schließlich in meiner Vorstellung verband mit der Begegnung und dem Gespräch mit irgend jemandem, meine Frau und Kinder ausgenommen.

“Erinnerungen” 237   Er schnupfte viele Jahre seines Lebens, da er es in Edinburgh als Student gelernt hatte. ... In einem seiner ersten Bücher erzählt er, dass er das Schnupfen einen Monat lang aufgegeben habe, schildert aber, dass er sich "äußerst lethargisch, gedankenlos und melancholisch" gefühlt habe.

 


deda 666    Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum die in diesem Werke entwickelten Ansichten irgendwie religiöse Gefühle verletzen sollten. Um zu zeigen, wie vorübergehend solche Befürchtungen sind, brauche ich wohl nur an die größte Entdeckung zu erinnern, die je einem Menschen gelungen ist, an Newtons Gravitationsgesetz, das Leibniz angriff, weil es "die natürliche Religion erschüttere und die geoffenbarte verleugne".

      Ein berühmter geistlicher Schriftsteller schrieb mir, er habe "allmählich einsehen gelernt, daß es ebenso erhaben sei, von der Gottheit zu glauben, sie habe nur wenige der Fortentwicklung zu anderen Formen fähige Ursprungstypen geschaffen, als anzunehmen, sie habe immer neue Schöpfungsakte ins Werk setzen müssen, um die durch die Wirkung ihrer Gesetze verursachten Lücken auszufüllen".

deda 625      Da alle ausgestorbenen und lebenden organischen Wesen, die jemals die Erde bewohnten, auf wenige große Klassen verteilt werden können, und da die Tiere der einzelnen Klassen nach unserer Theorie durch Übergangsformen verbunden waren, so würde die beste oder (wenn unsere Sammlungen annähernd vollständig wären) die einzig mögliche Anordnung eine genealogische sein. Die gemeinsame Abstammung ist das geheime Band, das die Naturforscher als 'natürliches System' suchen.

deda 668      Wer unerklärlichen Schwierigkeiten größere Bedeutung beimisst als der Erklärung einer gewissen Anzahl von Tatsachen, wird meine Theorie ganz sicher verwerfen.

deda 674,675         Unsere Klassifikation wird soweit wie möglich eine genealogische werden und dann in Wahrheit einen wirklichen sogenannten "Schöpfungsplan" darstellen. ...

          Wir besitzen keine Stammbäume oder Wappenbücher; wir müssen die vielen auseinanderlaufenden Abstammungslinien in unserer natürlichen Genealogie aus allerlei alten ererbten Merkmalen zu erforschen suchen.

deda 678      Es ist wahrlich etwas Erhabenes um die Auffassung, dass der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder gar nur einer einzigen Form eingehaucht hat und dass, während sich unsere Erde nach den Gesetzen der Schwerkraft im Kreise bewegt, aus einem so schlichten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten Formen entstand und noch weiter entsteht.

 

“Erinnerungen” 148   Im ganzen zweifle ich nicht daran, dass meine Arbeiten wiederholt über Gebühr gepriesen worden sind.

Darwins Sohn Francis Darwin über seinen Vater:

Er kümmerte sich um alle unsere Interessen und um das, was wir trieben, und lebte unser Leben mit uns in einer Weise, wie es wohl nur wenige Väter tun. “Erinnerungen” 257


 

Darwin’s Argumente für den Glauben

 

Eine andere Quelle für die Überzeugung von der Existenz Gottes, die mit der Vernunft und nicht mit den Gefühlen zusammenhängt, macht den Eindruck auf mich, als habe sie viel mehr Gewicht. Das ergibt sich aus der äußersten Schwierigkeit oder vielmehr Unmöglichkeit, einzusehen, dass dieses ungeheure und wunderbare Weltall, das den Menschen umfasst mit der Fähigkeit, weit zurück in die Vergangenheit und weit in die Zukunft zu blicken, das Resultat des blinden Zufalls oder der Notwendigkeit sei.
Denke ich darüber nach, dann fühle ich mich gezwungen, mich nach einer ersten Ursache umzusehen, die im Besitze eines, dem Menschen in gewissem Grade analogen Intellekts ist, und ich verdiene, Theist genannt zu werden. 
“Erinnerungen” 111

[Diese Folgerung war um die Zeit, soweit ich mich erinnern kann, in meinem Geist lebendig, als ich die "Entstehung der Arten" schrieb; und seit jener Zeit ist sie sehr allmählich und mit vielen Schwankungen schwächer geworden.]

Diese Anmerkung stammt von Charles Darwin. Er hatte sie in die handschriftliche Kopie der "Erinnerungen”, die Francis Darwin gehörte, eingetragen (L.L., Band I, Seite 313).)

Dann entsteht aber wieder der Zweifel, kann man sich auf den Geist des Menschen verlassen, der, wie ich völlig glaube, sich aus einem so niederen Geiste wie dem der niedersten Tiere entwickelt hat, wenn er solch großartige Schlussfolgerungen zieht?      
“Erinnerungen” 111

Ich darf mir nicht anmaßen, auch nur das geringste Licht auf solche abstrusen Probleme zu werfen. Das Geheimnis des Anfangs aller Dinge ist für uns unlösbar; und ich für meinen Teil muss mich bescheiden, ein Agnostiker zu bleiben. “Erinnerungen” 112

In den äußersten Zuständen des Schwankens bin ich niemals ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte.    
Stuhlhofer “Weltreise zum Agnostizismus”, Seite 81


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Nicht alles, was glänzt, ist auch wirklich biblisch: Der größte Schwachpunkt des Kurzzeitkreationismus besteht nicht in seiner Verleugnung vieler gesicherter Erkenntnisse der Natur­wissenschaften, sondern im oberflächlichen Umgang mit dem, was tatsächlich geschrieben steht. In dieser Schrift kommt der Kronzeuge, die Bibel, selber zu Wort.

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Fragen ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen? Er aber sprach zu ihnen:    
Treffend hat Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: «Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.»  
Ihr gebt das Gebot Gottes preis und haltet die Überlieferung der Menschen fest. Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung haltet. Markus 7:5-9

 


Die meisten Zitate in dieser Schrift stammen aus:

Charles Darwin:     
"Erinnerungen an die Entwicklung meines Geistes und Charakters" - Autobiographie
Abkürzung im Text: “Erinnerungen”    
Aulis Verlag, Deubner & Co.KG, Köln 1982.

 

 

Armin Held

Jahrgang 1961

Hebraicum und Graecum an der Universität München

Kontakt:

Oberreit 1

D - 83620 Feldkirchen-Westerham

Telefon: 08063-972 301 (Flatrate)

i-Mehl: arminheld-ät-ge-em-ix-punkt-net

 

Diese Schrift (Stand Januar 2009) darf in jeder Form vervielfältigt werden. Sie kann bei mir, wie viele weitere Schriften, zum Selbstkostenpreis bestellt oder von der folgenden Homepage gratis heruntergeladen werden:

www.urzeitundendzeit.de


Darwin - Revolutionär wider Willen

1. Darwin’s Zweifel                                                                        7

·          Astronomie: Der Fall Galilei                                                     10

·          Biologie: Die Entstehung der Arten                                          11

·          Geologie: Die Sintflut                                                               15

·          Geologie: Das Alter der Erde                                                   

·          Theologie: Die Bibelkritik                                                        

2. Ungläubig und doch gläubig                                                     

·          Darwin’s größtes Problem mit Gott / Der rächende Gott        

·          Das Leid in der Welt                                                                

·          Falsche Religionen / religiöse Prägung von Kindern

·          Die Folgen für Darwin’s Glauben