Gottes
Baupläne für
Seine
Gemeinde

Biblische Lehren
Prophetische Bilder
Persönliche Erfahrungen
Einen anderen
Grund
kann niemand legen
außer dem, der gelegt
ist,
welcher ist Jesus Christus.
Jeder aber
sehe zu,
wie er darauf baut!
1.Korinther 3:10-11
Gottes Baupläne für seine Gemeinde
Brauchen wir Strukturen?
Fundament und Eingang der Gemeinde
Außengrenze und Ausgang der Gemeinde
Das Erdgeschoß: Was ist “Jüngerschaft”?
Die drei Arten von Gemeinden Gottes
Universale Gemeinde, Haus- und Stadtgemeinde:
“Gottesdienste”, die Gott gefallen!
Das Zusammenkommen nicht versäumen
Leitung und Dienste der Stadtgemeinde: Älteste und Diakone
Die überörtlichen Dienste: Apostel, Profeten, Evangelisten, Pastoren, Lehrer ...
Autorität und Unterordnung:
Die Außengrenze: Gründe für einen Gemeindeausschluss
Die Gemeinde als Leib: Extreme Einheit bei extremer Vielfalt
Wer sind wir? Name und Bekenntnis
Das Problem der “Denominationen”
Korinth und die Gespaltenheit der Christen
Die Denominationen des Alten und Neuen Testamentes
Die erste Denomination der Welt
The Empire strikes back
Die erste Spaltung aller Zeiten
Spaltungen in der Welt
Gottes Alternative: Das himmlische Jerusalem
Armin Held
Jahrgang 1961
Hebraicum und Graecum an der Universität München
Kontakt:
Oberreit 1
D - 83620 Feldkirchen-Westerham
Telefon: 08063-972 301 (Flatrate)
i-Mehl: arminheld-ät-ge-em-ix-punkt-net
Diese Schrift (Stand Mai 2009) darf in jeder Form vervielfältigt werden. Sie kann bei mir, wie viele weitere Schriften, zum Selbstkostenpreis bestellt oder von der folgenden Homepage gratis heruntergeladen werden:
www.urzeitundendzeit.de
Die Zerstörung des steinernen Tempels
Als Jesus kurz vor seiner Hinrichtung in Jerusalem umherging, machten seine Nachfolger ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam, die mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt waren:
Lehrer, sieh, was für Steine und was für Gebäude! Markus 13:1
Sie waren zutiefst beeindruckt von der Schönheit dieses menschlichen Bauwerkes. Doch Jesus war alles andere als begeistert, sondern reagierte mit ernüchternden Worten:
Seht ihr dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. Matthäus 24:2
Wir können uns kaum vorstellen, wie schockierend diese Worte auf die Freunde Jesu gewirkt haben müssen. Der Tempel in Jerusalem war das absolute Zentralheiligtum Israels, der einzige von Gott autorisierte Ort, an dem Opfer dargebracht werden durften. Der Tempel war das Symbol der israelischen Religion, Ausdruck der Identität aller Juden. Seine Zerstörung war die nationale und religiöse Katastrophe für Israel schlechthin! Was bezweckte Jesus mit dieser Schreckensvision?
Der andere Tempel
Jesus wollte den Blick seiner Nachfolger weglenken von den menschengemachten Strukturen, so gottgewollt und gewaltig sie auch sein mochten, hin auf das Geistliche, das Gott tut. Er wollte ihnen die Augen öffnen, damit sie lernten, nicht mehr auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare zu schauen:
Denn der HERR sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz. 1.Samuel 16:7
Dazu musste er sie zuerst einmal ent-täuschen. Das, was vor den Menschen gering erscheint, ist oftmals das Größte - und umgekehrt!
Denn was unter den Menschen hoch ist, ist ein Greuel vor Gott. Lukas 16:15
Deshalb ist es sicher kein Zufall, dass unmittelbar vor diesem Gespräch über die Größe und Zerstörung des Tempels von der Gabe der armen Witwe berichtet wird: Sie konnte nur so wenig geben, hat aber doch mehr zum Bau des Tempels Gottes beigetragen als alle anderen, die große Geldsummen investiert hatten!
Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben! Markus 12:43
Wie ist das möglich? Jesus erklärt es. Während alle anderen von ihrem Überfluss etwas abzweigten, gab die Witwe alles, was sie hatte:
Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt. Diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt. Markus 12:44
Wörtlich sagt Jesus an dieser Stelle: Ihr ganzes Leben, griechisch bios! Gott baut nicht mit Geld oder Steinen, sondern mit Menschen! Der wahre Tempel Gottes besteht also nicht aus menschengemachten Strukturen, sondern aus all denen, die an ihn glauben, aus lebendigen Steinen:
Kommt zu Jesus ... und lasst auch ihr selbst euch als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus ... 1.Petrus 2:4-8
Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes! 2.Korinther 6:16; vergleiche 1.Korinther 3:16-17
Brauchen wir überhaupt Strukturen?
Sind die sichtbaren Strukturen also unwichtig, überflüssig oder sogar hinderlich? Hatten sie für Jesus keine Bedeutung oder wollte er sie sogar zerstören? Tatsächlich sagte man ihm ja genau das nach:
Wir hörten ihn sagen: Ich werde diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen, und in drei Tagen werde ich einen anderen aufbauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Markus 14:58.
Wir wissen, dass Jesus in Wirklichkeit von dem Tempel seines eigenen Körper gesprochen hatte, Johannes 2:21. Es war Jesus bei weitem nicht egal, was mit dem sichtbaren Tempel geschah. Hätte er ihn sonst im Feuereifer von den Händlern und Geldwechslern gereinigt?
Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! Seine Jünger gedachten daran, daß geschrieben steht (Psalm 69:10): Der Eifer um dein Haus verzehrt mich! Johannes 2:14-17
Wenn wir also meinen, die natürlichen Strukturen hätten keine Bedeutung, dann fallen wir von einem Extrem ins andere! Nicht umsonst hat Gott für den Bau der Stiftshütte ganz genaue Pläne und Anweisungen gegeben, Exodus 25ff. Jedes Lebewesen, sei es Pflanze, Tier oder Mensch, hat einen Körper, eine sichtbare Struktur, die von höchster Komplexität ist:
Betrachtet die Feldblumen! Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht bekleidet wie eine von ihnen! Matthäus 6:28
Noch ist jedes, auch das komplizierteste technische Gerät, das wir kennen, selbst im Zeitalter der Eroberung des Weltraumes, einfach im Vergleich zur primitivsten Form selbständigen Lebens. (Ekkehard Grundmann in seinem Standardwerk über “Zellbiologie”, 1964, Seite 105)
Wann immer etwas Lebendiges wächst, dann entstehen dabei organische Strukturen. Diese erwachsen aus dem Erbmaterial, aus dem Bauplan, den Gott in jedes Lebewesen hineingelegt hat, und der sich im Sichtbaren entfaltet. Wenn wir die Strukturen des Lebens fördern, behindern oder zerstören, dann fördern, behindern oder zerstören wir das Leben selber. Ohne Strukturen gibt es kein Leben. Umgekehrt gilt: Wenn wir menschliche Strukturen aufbauen, schaffen wir damit noch lange kein Leben. Die raffinierteste menschliche Struktur ist und bleibt tot. Schlimmer noch, manche hochentwickelten Strukturen wie zum Beispiel eine Rakete können ein Instrument zur Vernichtung von Leben sein. Wir können also sagen:
Es gibt
Strukturen ohne Leben -
aber kein Leben ohne Strukturen!
Gratwanderung zwischen zwei Extremen!
Menschliche Maßnahmen, wie das Anlegen eines Ackers mit Bewässerungssystemen, können das Wachstum der angesäten Pflanzen fördern. Wenn wir andererseits eine Landschaft zubetonieren, verhindern wir an dieser Stelle die Entfaltung des natürlichen Lebens. So können wir auch den Bau des lebendigen Tempels Gottes mit unseren menschlichen Maßnahmen entweder fördern oder behindern. Im schlimmsten Fall können wir selbst mit unseren gutgemeinten Bemühungen Gottes Bauplan sogar ver-hindern!
Wir befinden uns also in einem Spannungsfeld: Ohne Strukturen, die dem Plan Gottes entsprechen, wird sich das Leben der Gemeinde niemals richtig entfalten können. Falsche Strukturen jedoch können es behindern oder sogar verhindern. Es ist deshalb unentbehrlich, dass wir Gottes Bauplan verstehen und uns auch an ihn halten! Denn wenn wir auf dieser “Baustelle” Pfusch leisten, werden wir hundertprozentig auffliegen und schweren Schaden erleiden. Darum ermahnt uns der Apostel Paulus mit den eindringlichsten Worten:
Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt, ein anderer aber baut darauf. Jeder aber sehe zu, wie er darauf baut!
Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus!
Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klarmachen, weil er in Feuer geoffenbart wird. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer erweisen
Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wenn das Werk jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer. 1.Korinther 3:10-15
Betrachten wir die Baupläne Gottes, wie sie in der Bibel festgehalten sind, deshalb “von Grund auf”, indem wir als erstes das Fundament studieren, dann den “Keller” und schließlich die daraufliegenden “Stockwerke”. Das Fundament ist besonders wichtig. Es ist zwar, wie auch bei den allermeisten irdischen Gebäuden, unsichtbar, muss aber besonders solide sein, um den gesamten darauf liegenden Bau tragen und die gewaltigen Belastungen aushalten zu können, die unweigerlich darauf zukommen werden.
Das Fundament der Gemeinde Gottes
“Grundlegende” Aussagen
Jesus betont, dass jeder, der seine Worte hört und sie tut, einem Menschen zu vergleichen ist, der sein Haus auf den Felsen gebaut hat, Matthäus 7:24. Dies gilt auch für das Haus Gottes, den Gemeinde-Bau. Was sagt Jesus über das Fundament seiner Gemeinde?
Das Wort ekklesía = Gemeinde kommt in allen vier Evangelien insgesamt nur drei Mal vor, und zwar in zwei Stellen! In der ersten vergleicht Jesus die Gemeinde mit einem Haus und erklärt, auf welcher Grundlage, auf welchem Fundament er sie bauen wird. Diese Worte sind also fundamental für unser Gemeindeverständnis!
Und Jesus
antwortete und sprach zu Simon Petrus: Glückselig bist du,
Simon, Bar Jona, denn Fleisch und Blut haben es dir nicht
geoffenbart, sondern mein Vater (= Wiedergeburt, Johannes 1:13), der
in den Himmeln ist.
Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus
(griechisch pétros = (kleiner) Stein), und auf
diesem Felsen (griechisch
petra = (großer) Fels) werde
ich meine Gemeinde bauen,
und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.
Matthäus 16:13-18
Es ist enorm wichtig, dass wir Jesus Worte verstehen:
Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen!
Alles, was auf der Grundlage des Felsens ruht, gehört demnach zur Gemeinde Jesu und wird alle Krisen überstehen. Und alles, was darüber hinausgeht, muss im Morast menschengemachter Religion versinken!
Wer ist der Fels?
Pétros bedeutet auf Griechisch Stein, während das Wort, das im Text für Felsen steht, auf Griechisch Petra lautet. Nein, das Wort Gottes macht unmissverständlich klar, dass nur Jesus selber der Fels sein kann, auf den die Gemeinde gebaut wird. Er selber ist das Fundament:
Denn einen anderen Grund (ein anderes Fundament) kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus! 1.Korinther 3:11
All die Apostel zählen sicherlich zu den Grundsteinen (pétros), aber der eine Grundstein ist und bleibt Jesus:
Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. Epheser 2:20
Petrus selber bestätigt dies in seiner Predigt ausdrücklich:
Dieser ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, für nichts geachtet, der zum Eckstein geworden ist. Und es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen. Apostelgeschichte 4:11-12
Damit bestätigt er nur, was schon im Alten Testament gesagt wurde:
Darum, so spricht der Herr, HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, felsenfest gegründet. Wer (an ihn) glaubt, wird nicht ängstlich eilen. Jesaja 28:16
Nein, es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Gott selbst der Fels ist, auf den unser Glaube sich gründet. Nur in ihm, der die Auferstehung und das Leben ist, können wir die mörderischen Pläne und Angriffe des Todes und der Hölle überwinden, die auf jeden zielen, der mit Gott geht:
Nur auf Gott
vertraut still meine Seele, von ihm kommt meine Hilfe. Nur
er ist mein Fels und
meine Hilfe, meine Festung; ich werde kaum wanken.
Wie lange
wollt ihr einen Mann bestürmen, morden ihr alle - wie eine
überhängende Wand, eine eingestoßene Mauer? Sie
planen nur, ihn von seiner Höhe zu stoßen; sie finden
Gefallen an der Lüge; mit ihrem Mund segnen sie, doch in ihrem
Innern fluchen sie.
Nur auf Gott vertraue still meine Seele, denn
von ihm kommt meine Hoffnung. Nur
er ist mein Fels und
meine Hilfe, meine Festung; ich werde nicht wanken.
Auf Gott ruht
mein
Heil und
meine Ehre; der
Fels meines Schutzes, meine Zuflucht ist in Gott.
Vertraut auf ihn allezeit, ihr von Gottes Volk! Schüttet
euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht. Psalm 62:2-9
Er-Kenntnis ...
Doch kommen wir noch einmal zu Matthäus 16 zurück. Der Schlüssel zum Verständnis dieser Stelle ist, wie so oft, der Textzusammenhang: Jesus beginnt, indem er seine Jünger fragt, was die übrigen Menschen über ihn denken. Dann fragt er die Jünger nach ihrer eigenen Überzeugung: “Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin?” Daraufhin erklärt Simon Petrus stellvertretend für alle Jünger:
Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!
Petrus hatte Jesus als den Christus und Sohn Gottes erkannt. Lateinisch Christus kommt von griechisch christós, das ebenso wie dessen hebräisches Vorbild maschiach (Messias) wörtlich Gesalbter bedeutet. Dies weist auf die Salbung mit Öl hin, ein Bild für den Heiligen Geist. Im Alten Testament wurden drei Personengruppen besondes gesalbt:
Priester, Exodus 30:30; 40:15
Propheten, 1.Könige 19:16; 1.Chronik 16:22
Könige, 1.Samuel 10:1; 15:1; 16:1,13
Der Gesalbte ist der erwartete Messias, der in seiner Person diese drei Ämter in höchster Vollendung in sich vereinigt und in Ewigkeit behalten wird. Darum kündigte Gott Johannes dem Täufer an, er werde den Messias daran erkennen, dass der Heilige Geist auf ihn herabkommt und auf ihm bleibt, Johannes 1:32.
... und Be-Kenntnis
Jesus arbeitete also gezielt auf ein Bekenntnis hin, indem er erst nach der Meinung der Nicht-Jünger und dann der Jünger fragte. Und als Petrus dieses Bekenntnis ausgesprochen hatte, erklärte Jesus: “Auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen!” Das öffentliche, hörbare Bekenntnis zu Jesus als Christus und Sohn Gottes gehört also zum Fundament, zu dem Felsen, auf den Jesus seine Gemeinde baut:
Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, dass, wenn du ...
mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und
in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst.
Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil ... Denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden! Römer 10:8-10,13
Der Fels, auf den
Jesus seine Gemeinde baut,
ist die Er-Kenntnis und das
Be-Kenntnis,
dass Jesus der Christus (Messias) ist,
der
auferstandene Sohn des lebendigen Gottes!
Jeder nun, der mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch ich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. Wer aber mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. Matthäus 10:32-33
Gemeinde-Zugehörigkeit
Das bedeutet: Wer an Jesus glaubt und sich zu ihm bekennt, gehört damit automatisch zur Gemeinde Jesu! Es ist unmöglich, zu Jesus zu gehören, aber nicht zur Gemeinde - denn die Person Jesus ist die Grundlage der Gemeinde. Wer sein Leben auf ihn und sein Wort baut, ist damit unausweichlich selber ein Teil der Gemeinde - SEINER Gemeinde!
Wiedergeburt
Jesus sagt Petrus auf sein Bekenntnis hin: “Fleisch und Blut haben dir das nicht geoffenbart.” Die Erkenntnis, dass Jesus der Sohn Gottes ist, kann nicht durch menschliche Weisheit oder Religion zustande gekommen, sondern ist von Gott gewirkt, 1.Korinther 15:50, Galater 1:16. Jesus anzunehmen führt zur Wiedergeburt des Menschen:
So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben, die nicht aus Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches, sondern aus Gott geboren sind. Johannes 1:12; Johannes 3:3-11,15
Es ist kein Zufall, dass Jesus dem Simon genau an dieser Stelle einen neuen Namen zusprach: Simon, der Sohn des Jona, war, weil er Jesus als den Sohn Gottes erkannte und annahm, wiedergeboren, und so gab Jesus ihm, ähnlich wie es bei der körperlichen Geburt geschieht, einen neuen Namen, Matthäus 16:17-18.
Wassertaufe
In der Zeit der Apostelgeschichte gehörte zu dem Bekenntnis zu Jesus in der Regel die Wassertaufe. In der Ausnahmesituation beim Verbrecher am Kreuz genügte jedoch das Bekenntnis. Auch Petrus wurde nach seinem Bekenntnis zu Jesus nicht wassergetauft. Die Wassertaufe ist also die Regel, der Normalfall, aber entscheidend ist letztendlich der Glaube:
Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden. Wer aber nicht gläubig geworden ist, wird verurteilt werden. Markus 16:16
Heiliger Geist
Der Empfang des Heiligen Geistes war im Zusammenhang mit der Bekehrung scheinbar ebenso die Regel, wird aber nicht immer erwähnt (vgl. Kämmerer, Apostelgeschichte 8:36; die Zweittausend, Apostelgeschichte 4:4). Er war keine Bedingung, die man erfüllen musste, um Christ zu werden, sondern eine Verheissung, wenn man Christ wurde, Apostelgeschichte 2:33,38. Der Geistempfang konnte vor oder nach der Wassertaufe geschehen, auch mit gewissem zeitlichen Abstand, zum Beispiel bei der Erweckung in Samaria, wo erst nach Sendung der Apostel und Handauflegung durch sie der Geist gegeben wurde. (Vergleiche hierzu die Bekehrungsberichte in der Apostelgeschichte im Anhang.)
Aus dem Gesagten und den in der Apostelgeschichte überlieferten Bekehrungsberichten geht hervor, wie ein Mensch Christ und Glied der Gemeinde Jesu wird:
1. Er hört das Evangelium, dass Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes, und glaubt daran (= Er-kenntnis, Glaube, Wiedergeburt).
2. Er bekennt dies mit dem Mund (= Be-kenntnis) und lässt sich in Wasser taufen.
Die Bekehrungsberichte der Apostelgeschichte
1. Die ersten Christen in Jerusalem (Apostelgeschichte 2)
Als sie aber das
hörten (= insbesondere, dass Jesus der gekreuzigte und
auferstandene Herr und Christus ist), drang es ihnen durchs Herz, und
sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun,
ihr Brüder?
Petrus aber sprach zu ihnen: Denkt
um, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi
zur Vergebung eurer Sünden,
und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen ... Und
mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie
(= heraus-rufen, ek-kaléoh) und sagte: Lasst euch retten
aus (= heraus-rufen) diesem verkehrten Geschlecht.
Die nun
sein Wort aufnahmen, ließen
sich taufen (= öffentliches
Bekenntnis); und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen
hinzugetan (= Gemeinde Zugehörigkeit) ... Der
Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten.
Apostelgeschichte 2:37-41,47
Die ersten Christen wurden von Gott zur Gemeinde hinzugefügt. Die einzigen zwei Voraussetzungen waren:
Buße, also Glaube an Jesus Christus als Herr
Wassertaufe auf den Namen Jesu Christi
Die Gabe des Heiligen Geistes war keine Voraussetzung, sondern eine Verheißung als Folge der Bekehrung, nicht als deren Voraussetzung.
2. Die Erweckung in Samaria (Apostelgeschichte 8)
Die Zerstreuten
nun gingen umher und verkündigten das Wort. ... Als sie
aber dem Philippus glaubten,
der das Evangelium vom Reich Gottes und dem Namen
Jesu Christi verkündigte,
wurden sie getauft,
sowohl Männer als Frauen. ...
Als die Apostel in
Jerusalem gehört hatten, dass Samaria das
Wort Gottes angenommen habe,
sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Als diese hinabgekommen
waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist
emfpangen möchten; denn er war noch auf keinen von ihnen
gefallen, sondern sie waren allein getauft
auf den Namen des Herrn Jesus.
Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den
Heiligen Geist. Apostelgeschichte 8:4,12,14-17
Die Samariter waren ein Mischvolk, das von Juden und Nicht-Juden abstammte. Auch hier begegnen uns wieder die vier Elemente:
Verkündigung des Evangeliums von dem Namen Jesu Christi
Glaube
Wassertaufe
Empfang des Heiligen Geistes.
3. Der Kämmerer aus Äthiopien (Apostelgeschichte 8)
Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus. Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer spricht: Sieh, das ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden (= was fehlt noch zu meinem Christsein)? Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als der Kämmerer, und er taufte ihn. Apostelgeschichte 8:35-38
Wahrscheinlich war der Kämmerer ein Proselyt, also ein Nicht-Jude, der zum Judentum übergetreten war:
Verkündigung des Evangeliums von Jesus
Glaube
Wassertaufe
Vom Empfang des heiligen Geistes wird nichts berichtet.
4. Der Apostel Paulus (Apostelgeschichte 9)
Der Herr aber sprach zu Ananias: Geh hin! Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels. Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muss. Ananias aber ging hin und kam in das Haus; und er legte ihm die Hände auf und sprach: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst -, damit du wieder sehend und mit heiligem Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er wurde sehend und stand auf und ließ sich taufen. Apostelgeschichte 9:15-18
Ein gewisser Ananias aber, ein frommer Mann nach dem Gesetz, der ein gutes Zeugnis hatte von allen dort wohnenden Juden, kam zu mir, trat herzu und sprach zu mir: Bruder Saul, sei wieder sehend! Und zu derselben Stunde schaute ich zu ihm auf. Er aber sprach: ... Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst. Apostelgeschichte 22:12-16
Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen (= Mitgliedschaft in der Gemeinde Jesu); und alle fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei (= Zweifel an seiner Mitgliedschaft). Barnabas aber nahm ihn und brachte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Weg den Herrn gesehen habe und dass der zu ihm geredet und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gesprochen habe (= Der Glaube allein genügt! Keine zusätzlichen Auflagen!). Und er ging mit ihnen aus und ein in Jerusalem und sprach freimütig im Namen des Herrn. Apostelgeschichte 9:26-28
Zusammengenommen berichten diese Schriftstellen, dass Folgendes stattfand:
Eine Begegnung mit Jesus
Glaube an den Auferstandenen, Sohn Gottes
Wassertaufe
Erfüllung mit dem Heiligen Geist (vor der Wassertaufe?)
Paulus wurde zum Apostel speziell für die Nationen. Für die Aufnahme in die Gemeinde waren keine weiteren Voraussetzungen zu erfüllen als dass er freimütig im Namen Jesu gesprochen habe = Glaube und Bekenntnis zu Jesus!
5. Die ersten Nicht-Juden bei Cornelius (Apostelgeschichte 10)
Und wieder erging
eine Stimme zum zweiten Mal an Petrus: Was Gott gereinigt hat, mach
du nicht gemein! Dies aber geschah drei Mal ...
Und er
sprach zu ihnen: Ihr wisst, wie unerlaubt es für einen jüdischen
Mann ist, sich einem Fremdling anzuschließen (= Mitgliedschaft)
oder zu ihm zu kommen (= Syn-agoge, Zusammen-Kunft, Gemeinde); und
mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu
nennen ... In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht
ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet (=
Glaube) und Gerechtigkeit wirkt (= Wandel), ihm angenehm.
Und er
hat uns befohlen, dem Volk zu predigen und ernstlich zu bezeugen,
dass er der von Gott verordnete Richter der Lebenden und der Toten
ist. Diesem geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn
glaubt (= Glaube an Christus), Vergebung der Sünden empfängt
durch seinen
Namen.
Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige
Geist auf alle, die das Wort hörten ... Dann antwortet
Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese
nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben?
Und er befahl, dass sie getauft
würden im Namen Jesu Christi.
Apostelgeschichte 10:15,28,34-35,42-48
Predigt von Jesus als auferstandenem Christus
Glaube
Empfang des Heiligen Geistes
Wassertaufe im Namen Jesu Christi.
Die Außengrenze der Gemeinde Jesu
“Ausgang”
In der ersten Stelle, in der das Wort ekklesía = Gemeinde im Neuen Testament vorkommt, hat Jesus auf positive Weise ausgedrückt, wer zur Gemeinde Jesu gehört: Wer Jesus als Gottes Sohn erkennt und bekennt. Damit hat Jesus den Grundstein für das gelegt, was er unter Gemeinde versteht und sozusagen die Eingangstür zur Gemeinde aufgezeigt: Wer das glaubt und bekennt, was er hier festgelegt hat, gehört zu seiner Gemeinde.
Es gibt nur noch eine weitere Stelle in den Evangelien, in der Jesus das Wort ekklesía = Gemeinde verwendet, und sie ist ebenfalls grundlegend für unser Verständnis von Gottes Gemeinde. In ihr macht Jesus klar, wer nicht zur Gemeinde Jesu gehört und definiert damit sozusagen ihren Ausgang - wer hier hindurchgeht ist außerhalb und gehört nicht mehr dazu!
Wenn aber dein
Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir
und ihm allein. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder
gewonnen.
Wenn er aber nicht auf dich hört, so nimm noch
einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund
jede Sache bestätigt werde.
Wenn er aber nicht auf sie hören
wird, so sage es der Gemeinde. Wenn er aber auch auf die Gemeinde
nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner.
Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf der Erde binden
werdet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr etwas auf der
Erde lösen werdet, wird es im Himmel gelöst sein! Matthäus
18:15-18
Wenn aber dein Bruder ...
Es geht hier also um den Umgang mit bekennenden Christen. Jesus nennt diese unsere “Brüder”, was nur geistlich gemeint sein kann. Im Geist ist jeder Mensch, der an Jesus als den Sohn Gottes glaubt, auch ein Kind Gottes, damit unser Bruder und steht uns näher als unsere leiblichen Verwandten! Das bezog Jesus auch auf sich selbst und seine Vewandtschaft:
Und eine
Volksmenge saß um ihn her. Sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine
Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen
suchen dich. Und er antwortete ihnen und spricht: Wer
sind meine Mutter und meine Brüder?
Und
er blickte umher auf die um ihn im Kreise Sitzenden und spricht:
Siehe, meine Mutter und meine Brüder!
Wer
den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und
meine Mutter. Markus 3:32-35
... (gegen dich) sündigt ...
Das “gegen dich” steht nur in einigen Handschriften, so dass wir es hier nicht berücksichtigen. Es geht hier auch nicht so sehr darum, dass uns ein Unrecht geschieht, sondern genau um das, was wir gerade gesehen haben: Wer den Willen Gottes tut, der ist unser Bruder, und wer ihn nicht tut, sündigt - das ist die biblische Definition von Sündigen, hebräisch chata und griechisch hamartia = Sünde, wörtlich Zielverfehlung. Wer Gottes Weisung nicht beachtet, der geht in die Irre. Und wir haben nicht nur dann eine Verantwortung, unsere Geschwister vor dem Verlaufen zu bewahren, wenn sie gegen uns persönlich sündigen, sondern immer! Erstens aus Liebe zu ihnen, um sie vor Schaden zu bewahren:
So wisst, daß der, welcher einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, dessen Seele vom Tode erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird. Jakobus 5:20
Zweitens aus Liebe zu Gott, der sie wieder auf den rechten Weg und in Gemeinschaft mit sich bringen möchte:
Welcher Mensch
unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verloren hat,
lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem
verlorenen nach, bis er es findet? ...
Und wenn er nach
Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und
spricht zu ihnen: Freut euch mit mir! Denn ich habe mein Schaf
gefunden, das verloren war. Lukas 15:4,6
Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Johannes 10:11
Und drittens aus Liebe zu allen anderen Christen, denn die Sünde des Einzelnen bringt immer auch Schaden und Verluste für die ganze Gemeinde:
Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit. 1.Korinther 12:26, vergleiche Josua 7.
... so gehe hin ...
Wenn wir merken, dass ein anderer Christ sündigt, bekommen wir damit eine große Verantwortung und einige Aufgaben. Die erste ist die, dass wir auf denjenigen zugehen sollen. Nicht der andere hat die Pflicht, auf uns zuzugehen, sondern wir, uns aufzumachen und den Kontakt mit dem anderen zu suchen. Wir zitieren den anderen nicht zu uns, sondern wir setzen uns selber in Bewegung und gehen auf ihn zu. Es ist eine große Verantwortung und eine schwierige Aufgabe, einen Bruder, der vom Weg abgeirrt ist, anzusprechen, und wir sollten diesen Schritt nicht gehen, ohne vorher für den anderen zu beten:
Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tod, soll er bitten, und er wird ihm das Leben geben, denen, die nicht zum Tod sündigen. Johannes 5:16
... überführe ihn ...
Hier steht das griechische Wort eléncho = durch Beweise überführen! Es geht also nicht an, dass wir jemandem grundlos Vorwürfe machen, ihn unsere Abneigung spüren lassen oder ihm gegenüber schwammige Verdächtigungen äußern: Was wir sagen, muss auf Tatsachen beruhen, Hand und Fuß haben und das Verhalten, das wir ansprechen, muss im Wort Gottes ganz klar als Fehler gekennzeichnet sein.
... zwischen dir und ihm allein ...
Jesus betont, dass wir den anderen zuallererst einmal alleine, unter vier Augen ansprechen. Wir verbreiten also unsere Klagen nicht unter anderen Geschwistern, sondern sprechen als erstes denjenigen selber an. Dies ist eine wirksame Sicherung, Klatsch und Tratsch und Verleumdungen innerhalb der Gemeinde zu verhindern, die enormen Schaden anrichten können.
Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.
Dieser Satz ist von entscheidender Bedeutung, denn er beschreibt die Herzenshaltung, aus der heraus wir überhaupt vorgehen sollen: Es geht nicht darum, jemanden zu bestrafen, bloßzustellen, zu demütigen, uns zu rächen oder unser Recht zu bekommen, sondern darum, jemanden wieder als Bruder zu gewinnen! Es geht darum, eine beschädigte Beziehung wieder herzustellen, eine Freundschaft wieder zu beleben. Wenn das gelingt, sind wir selber beschenkt und Gewinner. Es muss also unser erstes Ziel bleiben, den anderen von Herzen zu überzeugen und zurück zu gewinnen, nur dann können wir die Aktion als Sieg werten - alles andere ist eigentlich eine Niederlage!
Und die besten Voraussetzungen dafür bestehen nur dann, wenn wir den anderen ganz privat, unter vier Augen ansprechen. Nur dann besteht die Chance, dass der andere sich nicht gleich bedroht, bloßgestellt oder in die Enge getrieben sieht. In der persönlichen Atmosphäre eines vertraulichen Gesprächs hat der andere die besten Chancen zu spüren, dass wir ihn lieben und dass es uns um ihn geht. So ist die Chance am größten, dass er seinen Fehler einsieht und bereit wird, umzukehren und einen Neuanfang zu machen.
Kurz zum Thema Brief: Ein Brief ist sicher nur eine Notlösung, denn Jesus sagt ausdrücklich, wir sollten zu dem anderen hingehen und unter vier Augen reden, “zwischen dir und ihm allein”. In einem persönlichen Gespräch kann man viel besser Stimmungen vermitteln und direkt auf den anderen eingehen und reagieren. Auch sollte man von dem anderen beim ersten Anlauf nicht eine schriftliche Reaktion erwarten, denn damit ist der erste Austausch sicher nicht mehr “zwischen dir und ihm allein”, sondern der andere muss befürchten, dass ihm seine schriftlichen Äußerungen später vorgehalten oder dritten gegenüber verwendet werden. Damit hat der andere allen Grund, sich bedroht zu fühlen, und niemand redet gerne, wenn er mit dem Rücken an der Wand steht.
Wenn er aber nicht auf dich hört ...
Erst, wenn der Versuch, den Bruder “zwischen dir und ihm allein” zu überzeugen, gescheitert ist, kommt der nächste Schritt. Und auch für den steckt Jesus einen ganz klaren Rahmen ab. Wenn wir uns nicht an diesen halten, übertreten wir selber die Ordnungen Gottes für seine Gemeinde!
So nimm noch einen oder zwei (Brüder) mit dir.
Auch im zweiten Schritt geht man wieder auf den anderen zu. Doch diesmal nimmt man eine Verstärkung mit, jedoch nicht mehr als zwei Personen. Vom Textzusammenhang her ist klar, dass es sich dabei auch um Geschwister handelt.
Diese Regelung ist ein guter Schutz, denn bevor man auf einen anderen in der Gemeinde Druck ausübt, muss man sich gut überlegen, ob man im Zweifelsfall ein oder zwei andere Geschwister dazu bringen kann, einem beizustehen. Wenn es keine guten Gründe und erwiesenen Tatsachen gibt, wird sich kaum jemand für so eine Aktion finden und Gerüchte und Verdächtigungen können nicht weiter um sich fressen.
... damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Aussage bestätigt werde.
Es geht jetzt also schon mehr in Richtung Gerichtsverhandlung, denn beim anderen besteht schon eine Verhärtung. Die mitgenommenen Geschwister sind zur Objektivität verpflichtet. Sie dürfen nicht einseitig Partei ergreifen, sondern sie müssen die Qualität eines Zeugen = mártys haben. Aber es geht immer noch vor allem darum, den anderen zu überzeugen und zu gewinnen, und dabei können weitere Geschwister eine unentbehrliche Hilfe sein. Gerade in solchen Situationen sind die unterschiedlichen Begabungen der anderen Glieder am Leib eine unschätzbar wertvolle Ergänzung! Will der andere aber immer noch nicht hören, so dienen die Geschwister gleich als Zeugen und können jede einzelne Aussage (hier steht griechisch rhäma = Ausspruch, Aussage von rhéo = ausgießen, äußern) bestätigen.
Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde!
Die Gemeinde - das Wort kommt hier das zweite und letzte Mal in den Evangelien vor - muss also eine handfeste Größe vor Ort sein, an die man sich ebenso konkret wenden kann, wie an den sündigenden Bruder oder an die Zeugen.
Wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird (= Unbelehrbarkeit und bewusstes Verharren in Sünde), so sei er dir wie der Heide und der Zöllner (= Gemeindeausschluss).
Nun nimmt sich die Gemeinde als ganzes der Sache an. Dadurch kommen alle Gaben zur Wirkung und es besteht die beste Möglichkeit, dass die ganze Sache sich noch zum Guten wendet. Geschieht dies trotzdem immer noch nicht, muss man davon ausgehen, dass der Betreffende unbelehrbar ist, weil er bewusst in der Sünde verharrt. Damit bleibt der Gemeinde nur noch die Möglichkeit, ihn auszuschließen. Das bedeutet nicht, dass man ihn nun hassen dürfte, denn Christen sollen ja auch die “Heiden und Zöllner” lieben! Aber derjenige hat damit offiziell seine Stellung als Bruder verloren, und damit auch die Vorrechte und den Schutz, der damit verbunden ist.
Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf der Erde binden werdet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr etwas auf der Erde lösen werdet, wird es im Himmel gelöst sein!
Das macht die fast unglaubliche Reichweite eines Gemeindeausschlusses deutlich - wenn er so zustande kommt, wie Jesus es hier geschildert hat! Ein Christ, der aufgrund seines hartnäckigen Sündigens aus der Gemeinde ausgeschlossen wird, hat wirklich ein Problem mit Himmel und Hölle. Das macht der praktische Fall deutlich, den Paulus schildert:
Überhaupt
hört man, dass Unzucht (pornéja) unter euch ist, und zwar
eine solche Unzucht, die selbst unter den Nationen nicht stattfindet:
dass einer seines Vaters Frau hat. Und ihr seid aufgeblasen und habt
nicht etwa Leid getragen, damit der, der diese Tat begangen hat, aus
eurer Mitte entfernt würde!
Denn ich, zwar dem Leibe nach abwesend, aber im Geiste anwesend,
habe schon als anwesend das
Urteil gefällt über
den, der dieses so verübt hat, - wenn ihr und mein Geist
mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid - einen
solchen im
Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern
zum Verderben des
Fleisches,
damit der Geist
errettet werde am
Tage des Herrn.
Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht,
dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
1.Korinther 5:1-6
Hier kommt deutlich heraus, dass der Ausschluss aus der Gemeinde immer noch als erstes Ziel hat, dass der sündigende Mitchrist gerettet wird. Nur ist diese Maßnahme die härtestmögliche, die man einsetzen kann, um jemanden zur Umkehr zu bewegen: Logischerweise ist jemand, der nicht mehr zur Gemeinde gehört, automatisch im Machtbereich Satans und diesem nun körperlich ausgeliefert. Die Folgen, die ihm daraus entstehen werden, sind die harte Sprache, die er nun hoffentlich verstehen wird, wenn er auf die Worte der Gemeinde nicht hören wollte.
Das zweite Ziel, das der Gemeindeausschluss verfolgt, ist der Schutz der ganzen Gemeinde vor Ansteckung durch den Sünder. Wie Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert, wenn man ihn unter den Teig mengt und gewähren lässt, so wird auch die sündige Grundeinstellung sich in der Gemeinde verbreiten, wenn man sie in falscher Toleranz einfach hinnimmt. Hier ist also nicht Wegschauen oder Dulden angesagt, sondern Hinschauen und Handeln. Die Worte des Apostels Paulus lassen da an Klarheit nichts zu wünschen übrig:
Fegt den alten
Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits
ungesäuert seid! Denn auch unser Passalamm, Christus, ist
geschlachtet. Darum lasst uns Festfeier halten, nicht mit altem
Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit,
sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit!
Ich
habe euch in dem Brief geschrieben, nicht mit Unzüchtigen Umgang
zu haben; nicht überhaupt mit den Unzüchtigen dieser Welt
oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern,
sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen.
Nun aber habe
ich euch geschrieben, keinen
Umgang zu haben, wenn
jemand, der
Bruder genannt wird,
ein Unzüchtiger
ist oder ein
Habsüchtiger
oder ein
Götzendiener
oder ein Lästerer
oder ein
Trunkenbold
oder ein Räuber,
mit einem solchen nicht
einmal zu essen.
Denn was habe ich zu richten, die draußen sind? Richtet ihr
nicht, die drinnen sind? Die aber draußen sind, richtet Gott.
Tut
den Bösen von euch selbst hinaus!
1.Korinther 5:7-13
Wir können also leichter mit jemandem Gemeinschaft haben, der ganz offen im Unglauben lebt, als mit einem Menschen, der darauf beharrt, Christ zu sein und doch gleichzeitig in Sünde lebt. Es geht darum, die Ansteckung der Herde Gottes mit Nachgiebigkeit gegenüber der Sünde zu verhindern.
Das Siegel des festen Grundes der Gemeinde
Gott betont also, dass zum Bekenntnis des christlichen Glaubens untrennbar auch der entsprechende Lebenswandel gehört:
Doch der feste Grund (der Gemeinde, des Hauses) Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit. 2.Timotheus 2:19
Das Siegel Gottes hat wie eine Medaille zwei Seiten: Nur Gott weiß letztendlich, wer wirklich zu seiner Gemeinde gehört, er allein ist der Herzenskenner! Jeremia 17:10. Andererseits hat das das öffentliche Bekenntnis zu Jesus und damit auch die Mitgliedschaft in der Gemeinde nur dann Wert, wenn derjenige auch nach den Maßstäben von Gottes Wort lebt.
Zusammenfassung
Wenn aber dein
Bruder (also ein bekennender Christ) sündigt, so geh hin (= auf
den anderen zugehen!), überführe (eléncho = durch
Beweise überführen) ihn zwischen dir und ihm allein (erster
Schritt: unter vier Augen!). Wenn er auf dich hört, so hast du
deinen Bruder gewonnen (= die vorausgesetzte Herzenshaltung).
Wenn
er aber nicht auf dich hört (also erst nach dem Scheitern der
Bemühungen), so nimm noch einen oder zwei (Brüder) mit dir,
damit aus zweier oder dreier Zeugen (= objektive Geschwister) Mund
jedes Wort (rhäma = Ausspruch, Aussage) bestätigt werde.
Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der
Gemeinde (muss also eine greifbare, lokale Größe sein!).
Wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird
(= Unbelehrbarkeit und bewusstes Verharren in Sünde), so
sei er dir wie der Heide und der Zöllner (= Nichtchrist =
Gemeindeausschluss).
Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf
der Erde binden werdet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr
etwas auf der Erde lösen werdet, wird es im Himmel gelöst
sein! (= die fast unglaubliche Reichweite eines Gemeindeausschlusses)
Matthäus 18:15-18
Zwei Dinge sind Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur sichtbaren Gemeinde:
- das Bekenntnis
zu Jesus
- ein Lebens-Wandel gemäß Gottes Wort
Zwei Dinge schließen von der sichtbaren Gemeinde aus:
- ein Bekenntnis, das Jesus nicht als Gottes Sohn anerkennt
- die entschiedene Weigerung, nach Gottes Wort zu leben
Wichtig:
Ein
Gemeindeausschluss muss von der ganzen Gemeinde getragen werden!
Gründe für einen Gemeinde-Ausschluss
Das Vertreten von Irrlehren; insbesondere die Leugnung der Gottessohnschaft Jesu, aber auch die Ablehnung der Autorität der Schrift, der Lehre Christi: 2.Johannes 1:9-11
Götzendienst, also Anbetung und um Hilfe Anrufen anderer Personen oder Dinge als Gott allein
Unzucht, das ist jegliche Form außerehelicher sexueller Betätigung, auch Pornographie
Üble Nachrede, Kritisieren, Anklagen, Verleumden (Lästerer)
Spaltung der Gemeinde in Gruppen und Parteien, Römer 16:17
Alkoholismus
Übervorteilung anderer in finanziellen Dingen (Räuber)
Missbrauch der Gemeinde zum Geldverdienen (Habsucht)
unordentlicher Lebenswandel (auf Kosten der Allgemeinheit leben, nicht arbeiten wollen) ist ein Sonderfall, 2.Thessalonicher 3:14-15)
Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennen (= falsches Bekenntnis bezüglich Jesus); dies ist der Verführer und der Antichrist. ... Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt (= falsches Bekenntnis bezüglich Gottes Wort), hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht (= Gemeindeausschluss)! Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken. 2.Johannes 7-11
Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt (= Gottes Wort), Parteiungen und Ärgernisse anrichten (= Spaltung der Gemeinde Jesu in rivalisierende Gruppen oder Irrlehren), und wendet euch von ihnen ab. Denn solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süße Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen. Römer 16:17-18
Jeder, der Jesus
als Gottes Sohn und Herrn bekennt,
ist ein Bruder und damit ein
vollwertiges Mitglied der Gemeinde Jesu -
es sei denn, er
wird wegen seines sündigen Lebenswandels offiziell von der
Gemeinde ausgeschlossen, und zwar nach den fehlgeschlagenen
Versuchen, ihn erst alleine, dann zu mehreren und schließlich
im Rahmen der ganzen Gemeinde zu gewinnen.
Das “Erdgeschoß”: Jüngerschaft
Wenn man die Vorkommen der Worte Jünger und Gemeinde im Neuen Testament untersucht, stellt man einen interessanten Zusammenhang fest:
In den Evangelien kommt das Wort Jünger 233 Mal vor, das Wort Gemeinde nur 3 Mal!
In der Apostelgeschichte, die genau in der Mitte liegt, kommt Gemeinde 23 Mal vor und Jünger 28 Mal, also ungefähr gleich oft.
In den Briefen findet sich die Gemeinde dafür 91 Mal und das Wort Jünger kommt überhaupt nicht mehr vor!
Evangelien Apostelgeschichte Briefe
“Jünger” 89 % 11 % 0 %
(233x) (28x) (0x)
“Gemeinde” 2 % 20 % 78 %
(3x) (23x) (91x)
Textanteil am NT: 46 % 13 % 41 %
Mit anderen Worten:
Aus den Jüngern
der
Evangelien
wurde im Verlauf der Apostelgeschichte
die Gemeinde
der Briefe!
Das Fundament der Gemeinde wurde also in den Evangelien gelegt, ihre Entfaltung wird in der Apostelgeschichte beschrieben. Tatsächlich werden beide Begriffe in der Apostelgeschichte überlappend verwendet, wie zum Beispiel folgende Stelle zeigt:
An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem; und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut. ... Saulus aber schnaubte immer noch Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Apostelgeschichte 8:1 und 9:1
Was ist Jüngerschaft?
Kurz gesagt ist Jüngerschaft: Die Lehren, die in den Evangelien beschrieben sind, zu glauben und mit Gottes Hilfe im persönlichen Leben anzuwenden. Das Hauptthema der Evangelien ist Sündenerkenntnis und Umkehr zu Gott: “Denkt um, das Reich Gottes ist nahe!” Der Weg dazu wird geöffnet durch die Menschwerdung Gottes in Jesus, der sündlos lebte und für unsere Sünden starb. Er ist auferstanden, in den Himmel gefahren und hat uns seinen Geist gesandt, der nun an seiner Stelle unser Helfer ist.
Jüngerschaft setzt die Bereitschaft voraus, sein Kreuz auf sich zu nehmen und Jesus nachzufolgen. Dazu gehört, Jesus mehr zu lieben als Verwandte, Geld und das eigene Leben. Dies sind die unabdingbaren Voraussetzungen, um in die Gemeinde Gottes eingebaut werden zu können!
Die von Jesus in
den Evangelien gelehrte Jüngerschaft stellt die Grundlage für
die Gemeinde dar und geht fließend in diese über. Die
persönliche Schülerbeziehung zu Jesus
ist bis heute die
Grundlage für jeden Gemeindebau.
Nur wer sich als lebendiger
Stein von Jesus in die Hand nehmen lässt, kann auch in den
großen Bau eingefügt werden!
Jüngerschaft ohne
klassische Gemeinde hat es gegeben.
Doch Gemeindebau ohne
Jüngerschaft ist eine Illusion!
Umgekehrt wird jede echte Jüngerschaft uns helfen, im Laufe der Zeit unseren Platz in der Gemeinschaft der Christen zu finden. Es muss durchaus nicht immer gleich ein Kopfsprung ins Gemeindeleben sein. Die ersten Jünger gingen immerhin drei Jahre mit Jesus, bevor sie Teil einer richtigen Gemeinde wurden! Im Grunde ist es ganz natürlich, mit einer oder zwei persönlichen Freundschaften mit anderen Christen zu beginnen. Dinge, die langsam wachsen, haben dafür oftmals umso länger Bestand. Aber eines muss uns klar sein: Gottes weitergehendes Ziel wird immer sein, Gemeinde zu bauen, Epheser 4:3-6, 11-16. Wir sind nicht einsame Wölfe, sondern Schafe des guten Hirten. Und Schafe sind Teil einer Herde!
Das Ziel des Evangeliums: Gemeinschaft!
Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit (das, was jetzt kommt, ist also der Zweck des Evangeliums) auch ihr mit uns Gemeinschaft habt. Und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 1.Johannes 1:3.
Das Wort mathäthäs = Jünger, Schüler kommt 261 Mal im Neuen Testament vor. In 90 % der Fälle (nämlich 234 Mal), steht es in der Mehrzahl. Mit anderen Worten: Jünger treten meist in der Mehrzahl auf! Jesus achtete bewusst darauf, dass seine Jünger von Anfang an möglichst in Gemeinschaft blieben, und sei es nur zu zweit:
Und er ruft die Zwölf herbei; und er fing an, sie zu zwei und zwei auszusenden. Markus 6:7, vgl. Lukas 10:1
Es gibt guten Grund, warum Gott von Anfang an über das ganze menschliche Geschlecht sagte: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei! Genesis 2:18, nämlich:
Zwei sind besser daran als ein einzelner, weil sie einen guten Lohn für ihre Mühe haben. Denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Gefährten auf. Wehe aber dem einzelnen, der fällt, ohne dass ein zweiter da ist, ihn aufzurichten! Auch wenn zwei beieinander liegen, so wird ihnen warm. Dem einzelnen aber, wie soll ihm warm werden? Und wenn einer den einzelnen überwältigt, so werden doch die zwei ihm widerstehen; und eine dreifache Schnur wird nicht so schnell zerrissen. Prediger 4:9-12
Kein Solo-Jesus und kein Solo-Christentum!
Wenn man zu Lebzeiten in der Nähe von Jesus sein wollte, war man zwangsläufig mit vielen anderen Menschen zusammen, die auch seine Nähe suchten. Sobald Jesus irgendwo auftauchte, war er im Nu von drei Kreisen umringt:
Da waren seine Jünger, zu denen auch ein Judas gehörte.
Dann kamen all die Kranken, Aussätzigen, Alkoholiker, Prostituierten usw.
Und ganz außen fanden sich schließlich die Schaulustigen und die Kritiker (Pharisäer)
Schon damals war die Gemeinschaft mit Jesus also nicht ein reiner Genuss! Und auch wer heute Jesus folgen will, muss ihn mit anderen teilen.
Vorsicht, Oase!
Ein ganz gutes Bild für die Gemeinde ist vielleicht das einer Oase in der Wüste. Wir stellen sie uns meist ausschließlich als friedvollen Ort der Erholung vor. Aber ist sie das wirklich? Immerhin ist sie der einzige Ort in weitem Umkreis, zu dem alle kommen müssen, die das lebendige Wasser brauchen. Dort begegnen sich somit zwangsweise alle Arten von Lebewesen, und das machen sich auch die Raubtiere zunutze, indem sie in unmittelbarer Nähe der Wasserquellen lauern, um ein Opfer zu finden. Dazu kommt, dass durch den engen Kontakt Krankheiten übertragen werden können.
Wer einfach arglos zum Wasser spaziert und meint, hier könne ihm doch schließlich nichts passieren, der kann eine böse Überraschung erleben, wenn ihn plötzlich ein Krokodil an der Nase packt, ein Löwe aus dem Hinterhalt überfällt oder ein Rudel Hyänen einkreist. Gerade dort, wo Christen sich begegnen und Gott sie erfrischen und stärken möchte, dort lauern auch die Wölfe im Schafspelz, Matthäus 7:15, dort möchte Satan zuschlagen wie ein brüllender Löwe, 1.Petrus 5:8. Hier treten die Irrlehrer, Verführer und unechten Lehrer und Apostel verstärkt auf, kreisen wie die falschen Profeten wie Geier, Matthäus 24:4-5, 11-12, 24-28.
Doch wir haben auf die Dauer keine Wahl: Wenn wir nicht dahinvegetieren wollen, dann müssen wir das Wagnis auf uns nehmen, Gemeinschaft mit unseren Geschwistern zu suchen. Es bleibt dabei: Gott hat beschlossen, sich genau dort in seiner Fülle zu offenbaren. Wie sagte Jesus von seiner Gemeinde? “Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.” Aber sie werden es versuchen!
Was ist Jüngerschaft?
Christ-Sein = Jünger-Sein!
Gibt es überhaupt Christsein ohne Jüngerschaft? Die Antwort ist: Nein! Jünger und Christ sind nur zwei Namen für ein und dieselbe Sache, wie folgende Aussage der Bibel zeigt:
Es geschah ihnen aber, dass sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten und dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden. Apostelgeschichte 11:26
Christ ist der Name, der den Jüngern nachträglich gegeben wurde. Alle Christen sind Jünger. Doch was bedeutet es überhaupt, ein “Jünger” zu sein?
Das mit “Jünger”
übersetzte Wort bedeutet wörtlich:
Lernender - Schüler
- Lehrling
Das griechische Hauptwort mathätäs kommt von manthánoh = sich erkundigen, etwas erfahren, verstehen, einsehen, lernen, sich angewöhnen (davon abgeleitet ist das deutsche Wort “Mathematik”). Alle Christen sind also Jünger, Schüler, Lehrlinge - ein Leben lang! Und das ist eine gute Nachricht, und zwar aus zwei Gründen.
1. Christen dürfen Fehler machen!
Was ist das Kennzeichen aller Schüler? Dass sie etwas noch nicht können! Mit anderen Worten: Wir dürfen lernen! Christen dürfen Fehler machen! Gott erwartet nicht, dass wir mit unserer Bekehrung alles können! Gott rechnet damit, dass wir Fehler machen, er erwartet nicht von uns, dass wir Gottes Wort von heute auf morgen perfekt in die Tat umsetzen. Gott rechnet fest damit, dass wir Fehler machen:
Jesus sagte zu den Juden, die an ihn glaubten (also schon zum Glauben gekommen waren!): “Wenn ihr in meinem Wort bleibt (also über längere Zeit hinweg auf mein Wort hört), dann seid ihr wahrhaft meine Jünger (also richtige Schüler). Und ihr werdet (das heißt in der Zukunft!) die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“ Johannes 8:31-32, 36
Drei intensive Jahre gingen die Jünger mit Jesus, und doch hatten sie danach bei weitem nicht alles gelernt. Jesus erklärte:
Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Johannes 16:12
Auch von uns erwartet Gott nicht, dass wir die Bergpredigt “ohne Anlauf” verwirklichen, sie von heute auf morgen in die Tat umsetzen!
2. Lernende dürfen nachfragen
Es ist auch keine Schande, wenn wir Gott oder unseren Mitchristen scheinbar dumme Fragen stellen, sondern es ist unsere große Chance und unser Vorrecht als Schüler! Gott ist ein geduldiger Lehrer, der regelrecht darauf wartet, dass wir ihn fragen. Stellen wir ihm ruhig auch bohrende Fragen, wie zum Beispiel Philippus es tat. Auf die Aussage Jesus: “Ihr kennt ja den Weg”, wagte er es, seine Unwissenheit sozusagen vor der ganzen Klasse zuzugeben und sagte:
Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg wissen?
Seinem Mut verdanken wir die gewaltige Erklärung, die Jesus ihm daraufhin gab:
Ich bin der Weg
und die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater als nur
durch mich! Johannes 14:4-6
Wenn wir nachfragen, beleidigen wir Gott nicht, sondern wir zeigen ihm, dass unser Interesse ehrlich ist. Also, sprechen wir mit Gott und auch mit anderen Christen über Bibelstellen, die wir nicht verstehen, oder auch über ganz praktische Dinge und Fragen unseres Lebens! Wer fragt, dem wird geantwortet werden, wer um Weisheit bittet, dem wird sie gegeben werden:
Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden. Jakobus 1:5!
3. Schüler dürfen zur Ruhe kommen
Weiterhin ist für Schüler typisch, dass sie auch einmal still sitzen müssen. Und das kann selbst für Schüler, die sehr gutwillig sind, ganz schön schwer sein. So hatte sich einmal Maria zu den Füßen Jesu niedergesetzt und hörte seinem Wort zu. Ihre Schwester Martha dagegen war sehr beschäftigt mit vielem Dienen. Jesus war jedoch alles andere als begeistert davon, und versuchte ihr eindringlich klarzumachen:
Martha, Martha, du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird. Lukas 10:39-42
Gott freut sich über uns mehr als über den Staub, den wir aufwirbeln! Nachfolge bedeutet, dahin zu gehen, wohin Jesus geht, aber auch, stehen zu bleiben, wenn Jesus stehen bleibt, sitzen zu bleiben, wo Jesus sitzen bleibt. Gönnen wir uns diese Ruhepausen - sie sind nicht eine unangenehme Forderung, sondern eigentlich Geschenke Gottes an uns!
Das ist auch das Prinzip des Sabbats, von hebräisch “schabat = aufhören”: Ein Wechsel von Aktivität und zur Ruhe Kommen. Die Nachfolge Jesus bringt prickelndes Leben, aber auch tiefen Frieden und große Gelassenheit, wenn wir Gott erlauben, in unser Leben zu kommen und es zu verändern. Er ist es, der es macht. Wir müssen ihm nur erlauben, es in uns zu tun:
Denn Gott ist es, der in euch wirkt (griechisch: energéo, davon kommt das deutsche “Energie”!) sowohl das Wollen als auch das Wirken! Philipper 2:13
Den Schüler, wie Jesus ihn meint, müssen wir uns viel mehr wie einen Lehrling vorstellen, und nicht wie einen Universitäts-Studenten. Ein Lehrling lernt, indem er sich ganz nahe an seinen Meister hält und ihn nachahmt, also genau das tut, was er seinen Meister tun sieht.
Ausführlicher über das Thema Jüngerschaft in: “Die Bergpredigt - Gottes erste Lektion für alle Christen”. Themen dort zum Beispiel: Gottes Klassenziel und Lehrplan für alle seine Schüler. Wer sind die “Armen im Geist”? Wie wird es im Himmel? uva.
Die drei Gemeinden Gottes
Die drei natürlichen, geistlichen Einheiten
Die folgenden Worte Jesu offenbaren, dass es drei natürliche geistliche Einheiten gibt:
Jedes Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet. Und jede Stadt oder jedes Haus, die mit sich selbst entzweit sind, werden nicht bestehen. Matthäus 12:25
Diesen natürlichen Einheiten:
Land = Landesregierung, Staat, Reich
Stadt = Stadtverwaltung, oft “Stadt-Gemeinde” genannt
Haus = Familie
stehen die natürlich-geistlichen Einheiten gegenüber:
Reich Gottes = die universale Gemeinde, Gemeinde Jesu, “meine Gemeinde”
Stadt-Gemeinde = die Christen eines Ortes
Haus-Gemeinde = Versammlungen in den Häusern, privat
Satan weiss, dass diese Einheiten, wenn sie mit sich selber uneins werden, nicht bestehen können, ja, sogar verwüstet werden. Darum ist es ein so wichtiges Ziel, die Einheit in der Familie und in der Gemeinde zu bewahren.
Hausgemeinden
Eine gesunde Zelle ist Voraussetzung für einen gesunden Leib. Das erfordert gesunde Beziehungen zwischen den einzelnen Menschen: Harmonie. Der Ausgangspunkt für Gemeinde ist zur Zeit der ersten Apostel nicht z.B. die Synagoge gewesen, sondern ein würdiges Haus, ein Heim, eine Familie:
Wenn ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf einkehrt, so forscht, wer darin würdig ist. Und dort bleibt, bis ihr weggeht. Matthäus 10:11
Dieses Prinzip geht bis weit ins Alte Testament zurück: Schon beim Passah sollte innerhalb der Gemeinde Israel in jedem einzelnen Haus ein Lamm geschlachtet werden, Exodus 12:3. Auch Jesus und die Apostel verfolgten diese Linie weiter, indem sie sowohl öffentlich, in der Stadt, als auch in den Häusern lehrten, Apostelgeschichte 5:42; 20:20.
Der Ausdruck Gemeinde in einem Haus, Römer 16:5; 1.Korinther 16:19; Kolosser 4:15; Philemon 1:2, beschreibt vielleicht diese kleinen Zellen, die die Ortsgemeinde bilden.
Die Stadt-Gemeinde
Die Stadt ist eine geistliche Einheit, weil sie auch eine natürliche Einheit darstellt:
Und wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird - geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen. Matthäus 10:14
Lass uns nun zurückkehren und die Brüder besuchen in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündigt haben, und sehen, wie es ihnen geht. Apostelgeschichte 15:36
Als sie aber die Städte durchzogen, teilten sie ihnen zur Befolgung die Beschlüsse mit, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem festgesetzt waren. Apostelgeschichte 16:4-5
Denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir Böses zu tun; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt. Apostelgeschichte 18:10
Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste anstellen solltest, wie ich dir geboten hatte. Titus 1:5
Bild: Haus- und Stadtgemeinden in der Welt
Haus steht in der Bibel für Familie:
Ich und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen! Josua
Die Häuser einer Stadt, das sind die Familien. Und so, wie es natürliche Familien mit einem Familienoberhaupt und einem konkreten Gebäude als Wohnsitz gibt, gibt es auch viele Hausgemeinden (Hauskreise, Gemeinden) mit einem konkreten Leiter, der diese ähnlich wie ein Familienoberhaupt leitet, oft auch verbunden mit einem konkreten Gebäude.
Die Stadt besteht aus der Gemeinschaft dieser einzelnen Häuser. Die Vorsteher und Ältesten dieser Häuser bilden stadtweit eine einzige Ältestenschaft, die in gemeinsamer Verantwortung die Stadt leitet.
Für die Atmosphäre innerhalb der Familie sind die Familienmitglieder verantwortlich. Die Lage in der Stadt ist eine Sache des gemeinsamen Interesses aller einzelnen Häuser. Wenn die Stadt darniederliegt, werden ALLE Häuser darunter leiden: Kein Strom (keine Kraft und Motivation), kein Wasser (Erfrischung), keine Müllabfuhr und Abwasser (Reinigung), keine Leitung, kein Räum- und Streudienst usw.
Universale Gemeinde und Stadtgemeinde
Die Wortbedeutung von ekklesía = Gemeinde1
Das griechische Wort ekklesía = Gemeinde kommt ca. 114 mal im Neuen Testament vor und stammt von dem Tätigkeitswort ek-kaléoh = heraus-rufen ab. Es bezieht sich nicht so sehr auf einen Versammlungs-Ort, sondern auf eine versammelte Gruppe von Menschen, die dadurch zustande kommt, dass die Betreffenden herausgerufen wurden. Die Gemeinde Jesu besteht aus Menschen, die aufgrund ihrer persönlichen Beziehung zu Jesus als dem Christus (Gesalbten, Messias) aus der Welt herausgerufen wurden.
Was das Neue Testament unter “Gemeinde” versteht
In der ersten Stelle im Neuen Testament, Matthäus 16, spricht Jesus von der Gemeinde Jesu als ganzer (“meine Gemeinde”). In Matthäus 18, der zweiten Stelle, ist von einer konkreten, greifbaren Gemeinde vor Ort die Rede, die man ansprechen und die Konflikte unter den Brüdern lösen kann:
Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde (diese muss also eine greifbare, lokale Größe sein!). Wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird (= Unbelehrbarkeit und bewusstes Verharren in Sünde), so sei er dir wie der Heide und der Zöllner (= Gemeindeausschluss). Matthäus 18:19
Da der Maßstab für unser Handeln das Wort Gottes ist, interessiert uns natürlich, wie das Neue Testament die Christen seiner Zeit ansprach und einordnete. Alle Briefe der Apostel waren entweder an die gesamte Christenheit einer Stadt als einer (!) Gemeinde adressiert (daher der Name Römerbrief, Korintherbrief!), oder aber an die Gläubigen oder Gemeinden einer größeren Landschaft (Galaterbrief). Ein Brief zum Beispiel an den “Bund der methodingstlichen Kathogelen-Baptismatiker” wäre ebenso undenkbar gewesen wie ein Brief an die GemeindEN in Dingsdahausen!
ekklesía = Gemeinde, alle Vorkommen im Neuen Testament
Singular in einer Stadt: 35
Singular in einem Haus: 4 = Hausgemeinde
Plural in einer Provinz: 36
Plural, in einer Stadt: 0 = nie zwei Gemeinden an einem Ort!
Singular, in einer Provinz: 0 = keine stadtübergreifende Gemeinde!
Singular (AT), in der Wildnis: 1
Ephesus: 3
lokal (nicht genau definiert): 16
universal: 20
Das Neue Testament kennt keine zwei Gemeinden innerhalb einer Stadt, und auch nicht eine Gemeinde, die sich über mehrere Städte erstrecken würde.
Dies belegen auch die Anreden in den Briefen des Neuen Testamentes. Es gilt die einfache Regel: Eine Stadt = eine Gemeinde. Sieben Städte (Offenbarung) = sieben Gemeinden:
Römer 1:7: Allen Geliebten Gottes, berufenen Heiligen in Rom (= eine Welt- und Großstadt!) Gnade euch ...
1. Korinther 1:2 An die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist (= eine durch Denominationen und Streitigkeiten gespaltene Gemeinde), den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen ...
2.Korinther 1:1 ... der Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind ...
Galater 1:2 ... den Gemeinden von Galatien (= eine ganze Landschaft mit vielen Städten und deswegen auch Gemeinden)
Epheser 1:1 ... den Heiligen und an Christus Jesus Gläubigen, die in Ephesus sind ...
Philipper 1:1 ... allen Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind ...
Kolosser 1:2 ... den heiligen und gläubigen Brüdern in Christus zu Kolossä ...
1.Thessalonicher 1:1 ... der Gemeinde der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus ...
2.Thessalonicher 1:1 ... der Gemeinde der Thessalonicher in Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Hebräer 1:1-2 ... ehemals zu den Vätern ... zu uns geredet im Sohn ...
Jakobus 1:1 ... den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind ...
1.Petrus 1:1 ... den Fremdlingen von der Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi ...
2.Petrus 1:1 ... denen, die einen gleich kostbaren Glauben mit uns empfangen haben durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus ...
1.Johannes 1:3 ... euch ...
Judas 1:1 ... den Berufenen, die in Gott, dem Vater, geliebt und in Jesus Christus bewahrt sind ...
Offenbarung 1:1 ... um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss ...
Offenbarung 1:11 Und sende es den sieben Gemeinden: nach 1.) Ephesus und nach 2.) Smyrna und nach 3.) Pergamon und nach 4.) Thyatira und nach 5.) Sardes und nach 6.) Philadelphia und nach 7.) Laodizea (sieben Städte, sieben Gemeinden!).
Offenbarung 2:1 Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe ... usw.
Ausserdem: Die Gemeinde in Kenchräa (Römer 16:1).
Innerhalb eines begrenzten Ortes (Stadt) oder eines Gebietes (Landschaft) wurden die Christen selbst dann als eine geistliche Einheit angesprochen, wenn sie (wie z.B. die Gemeinde in Korinth) durch Streitigkeiten, Spaltungen und Denominationen zertrennt waren. Zwei Bibelstellen erklären, warum Gott diese Trennungen ignoriert:
Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden ... Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört er deswegen nicht zum Leib? Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört es deswegen nicht zum Leib? 1.Korinther 12:13-16
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Matthäus 22:39
Die lokale
Gemeinde ist der Teil der universalen Gemeinde,
der an irgendeinem
gegebenen Ort vorhanden ist.
Wer an Jesus glaubt und dies
bekennt,
ist Mitglied der universalen Gemeinde
und damit
automatisch auch
Mitglied der örtlichen Gemeinde!
Wie Gemeinde beginnt
Wiederum sage ich
euch: Wenn zwei von euch auf der Erde (= also an einem
bestimmten Ort) übereinkommen werden (griech. symphohnéoh),
irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem
Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei (= die kleinste
Zelle der Gemeinde!) versammelt sind (= die konkrete Begegnung
auf der Erde) in meinem Namen (wörtlich: in meinen Namen
hinein = die einzige Grundlage und Voraussetzung für
Gemeinde; vergleiche 5.Mose 12:17-18; 16:2,5-6), da bin ich in ihrer
Mitte (= nicht ein Mensch, keine Lehre, keine Erfahrung -
Jesus ist das Zentrum).
Matthäus 18:19-20
Es scheint im Neuen Testament keine klaren Grenzen zu geben, ab wann etwas Gemeinde genannt wird. Vielleicht liegt die Antwort in dieser Stelle: Wie eine menschliche Keimzelle schon ein richtiger Mensch ist, auch wenn sie sich noch im Wachstum entfalten muss, stellt bereits die Gemeinschaft von zwei Menschen, die zusammenkommen, weil Jesus sie zusammengebracht hat, die Keimzelle der Gemeinde dar. Auch wenn noch nicht alles entfaltet ist, so ist es doch im Keim angelegt, und es gelten von Anfang an die geistlichen Gesetze für Gemeinde. Gemeinde beginnt also da, wo Menschen sich um Jesus versammeln. Es spielt keine Rolle ...
wieviele es sind
wie sie sich nennen
an welchem Ort
oder zu welcher Zeit sie sich treffen.
Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte. Matthäus 18:20
Aber dies ist auch ein Hinweis darauf, wie es am natürlichsten gehen kann, dass Menschen Teil der Gemeinde Gottes werden: In ganz persönlichen Zweier- oder Dreierbeziehungen! Selbst die Apostel hatten nach ihrer Bekehrung zu Jesus nicht gleich eine “Gemeinde”, sondern gingen ungefähr drei Jahre in einer persönlichen Jüngerschaftsbeziehung mit Jesus als seine Freunde umher, bevor Gemeinde überhaupt erst sichtbar wurde.
Seien wir also nicht zu eilig, Menschen in den “Gemeindebetrieb” zu integrieren, sondern fördern wir es, dass sie ein oder zwei wirkliche, christliche Freunde finden! Das Reich Gottes besteht vor allen Dingen in Freundschaften, nicht in der Organisation von Treffen. Gemeinde entsteht, wenn Menschen eine Beziehung zu Gott bekommen und Freundschaften mit anderen Christen schließen.
“Gottesdienste”, die sogar Gott gefallen!
Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprachenrede, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung ... Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden. (1.Korinther 14:26,31)
Mit diesen Worten legte Paulus die “Gottesdienstordnung” der christlichen Gemeinden fest, die bis heute gültig ist. Er betont darin:
Alle Christen sind von Gott dazu berufen, den “Gottesdienst” (das gemeinsame Treffen), durch eigene Beiträge mit zu gestalten, sei es mit Liedern, Lehre, Sprachenreden oder anderen Wortbeiträgen!
Der Lobpreis ist also keinesfalls das Monopol eines “Lobpreisteams” oder des Chores. Die Lehre ist keinesfalls das Monopol eines Predigers oder der Pastoren, sondern soll von allen Gliedern der Gemeinde gestaltet werden (Hebräer 5:12). Leider ist dies heute in der Regel nicht mehr die Praxis:
1.) Gemeinde-Monokulturen
Zum einen wird innerhalb der verschiedenen Denominationen eine gewisse “Inzucht” betrieben, denn es bekommen nur solche Leute Gelegenheit, zu lehren oder zu leiten, die derselben “Partei” angehören, seien sie nun charismatisch, evangelikal, pfingstlerisch, katholisch oder was auch immer. Geschwister aus anderen Gruppen, “Gemeindeverbänden” oder “Bekenntnissen” sind in vielen Fällen nicht einmal anwesend, geschweige denn würde man ihnen Gelegenheit geben, öffentlich zu reden oder gar zu lehren. So bekommt die “Gemeinde” in schöner Regelmäßigkeit einen Einheitsbrei vorgesetzt, dem viele Vitamine oder “Ballaststoffe” fehlen, die sich in anderen Richtungen finden würden. Oftmals hätten gerade die Geschwister des “anderen Lagers” die heilsame Medizin, den gesunden Ausgleich für unsere Einseitigkeiten. Aber wie es halt menschlich ist, neigen wir zur Klumpenbildung, geht Gleiches mit Gleichem zusammen. Deshalb suchen wir uns diejenigen als “unsere Gemeinde” aus, die uns und unserer Überzeugung am ähnlichsten sind. Damit berauben wir uns der Fülle, die Gott für uns hat und laufen Gefahr, durch “Mangelerscheinungen” schwer krank zu werden.
2.) Einbahn-Gottesdienste: Profi-Darbieter vor der Konsumenten-Gemeinde
Zum anderen hat sich eine Führungsschicht innerhalb der einzelnen Gruppierungen herausgebildet, die de facto den Gottesdienst alleine gestaltet und leitet. Die übrigen Mitglieder der jeweiligen Gruppe nehmen die Rolle der Konsumenten ein, die eine Predigt “serviert” bekommen, oder die Rolle von Statisten, die die vorgegebenen Lieder mitsingen, mitklatschen usw. Eigene Beiträge müssen meist mit der Leiterschaft vorher abgesprochen werden und unterliegen insgesamt einer “klimatischen” Überwachung, so dass sie, wie die Realität zeigt, entweder unterbleiben oder stromlinienförmig der allgemeinen Gemeinderichtung entsprechen. Wirklich neue oder “andere” Beiträge bleiben deshalb eine echte Seltenheit. Somit sind wir weit entfernt von dem, was Gott ausdrücklich von uns möchte:
Den Geist löscht nicht aus! Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest! (1.Thessalonicher 5:19-21)
Ein Bild für die Freiheit des Geistes
Die Motivation für die starke menschliche Kontrolle über den Gottesdienstverlauf liegt überwiegend in Angst begründet. Zum einen hat man Angst, Irrlehren könnten sich einschleichen, zum anderen fürchtet man, Schäfchen an andere Gruppen zu verlieren. Doch Angst ist kein guter Ratgeber, stammt auch nicht von Gott, sondern vom Feind. Ich finde das folgende Bild sehr treffend, das ein anderer Christ vor Jahren ine einem einem “überkonfessionellen” Gottesdienst hatte:
In einem düsteren Raum stand
nur ein Tisch und auf ihm eine brennende Kerze. Dann ging die Tür
auf, und ein Wind kam durch sie in den Raum. Der Wind wurde in dem
Raum immer heftiger und schien zu versuchen, die Kerze auszublasen,
so dass man richtig Angst um sie bekommen konnte. Doch zum Erstaunen
des Beobachters ging sie nicht aus, sondern im Gegenteil, nach einer
Weile stellte er fest: Je heftiger der Wind blies, desto heller
leuchtete die Kerze!
Dann sah er, wie eine Hand mit einer
durchsichtigen Käseglocke aus Glas kam und diese auf die Kerze
stellte. Daraufhin hörte sie auf zu flackern und brannte ganz
ruhig. Doch schnell wurde die Flamme immer kleiner und verlöschte
schließlich ganz.
Der heilige Geist braucht Freiheit - die Taube braucht Raum um zu fliegen! Gott hat die Welt erschaffen und dabei die Menschheit mit einer unglaublichen Freiheit ausgestattet. Gott selber lässt viel mehr Leid zu, als wir je für gut oder möglich halten würden. Es ist nicht unsere Verantwortung, jeden Fehler und jedes Leid zu verhindern.
Unsere gutgemeinten Schutzbemühungen sind leider oft viel wirkungsvoller, Gott am Wirken zu hindern, als alle Angriffe des Feindes selber.
Es ist interessant, dass im Bild von der Kerze im Zimmer gar nicht ganz klar wird, ob der Wind ein Bild für Gottes Geist ist oder das Wirken des Feindes darstellt. Schon viele prophetische Aussagen des heiligen Geistes wurden als feindselig empfunden, als wären sie “gegen den Tempel” oder “gegen das Gesetz” gerichtet (typisch: Apostelgeschichte 21:21,28; 25:8). Denn auch Gottes Geist kann manchmal ganz schön für Aufruhr sorgen, das Leben der Apostel ist das beste Beispiel dafür:
Diese Menschen, die Juden sind, verwirren ganz und gar unsere Stadt. (Apostelgeschichte 16:20 u.v.a.)
Andererseits hat auch der Geist der Welt der Gemeinde schon heftig zugesetzt, ohne dass Gott gleich eingriff. Man denke nur an das Wüten Sauls in der Urgemeinde, die Hinrichtung des Apostels Jakobus usw. Doch eines kommt nicht nur im Bild von der Kerze klar heraus und wird in der Geschichte der Gemeinde Jesu bestätigt, es wird auch von Jesus ausdrücklich gelehrt: Das Licht der Gemeinde kann von keinem Wind ausgeblasen werden, so stark oder feindlich er auch scheinen mag:
Die Pforten des Totenreiches werden sie nicht überwältigen! (Matthäus 16:18)
Nur wenn wir selber, aus Angst und falsch verstandenem Schutzbedürfnis heraus, “Käseglocken” verhängen, können wir den Geist “dämpfen” oder gar “ersticken”. Genau das war die Warnung des weisen Gamaliel:
Und jetzt sage ich euch: Stehet ab von diesen Menschen und lasset sie. Denn wenn dieser Rat oder dieses Werk aus Menschen ist, so wird es zu Grunde gehen. Wenn es aber aus Gott ist, so werdet ihr sie nicht zu Grunde richten können - damit ihr nicht gar als solche erfunden werdet, die wider Gott streiten. (Apostelgeschichte 5:38-39)
Immer, wenn Angst aufkommt, sollten wir uns deshalb fragen, ob sie von Gott stammt oder aus menschlicher Sorge. Es braucht Mut, die Gnadengaben des Geistes Gottes nicht zu ersticken, sondern anzufachen:
Um dieser Ursache willen erinnere ich dich, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir durch das Auflegen meiner Hände ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2.Timotheus 1:6)
Insbesondere besteht die Gefahr, dass wir Gottes Geist regelrecht auslöschen, indem wir das Weissagen hindern oder Profetien geringschätzen:
Den Geist löscht nicht aus! Weissagungen verachtet nicht (oder: macht nicht zunichte), prüft aber alles, das Gute haltet fest! (1.Thessalonicher 5:19-21)
Wie können wir mit “freien Beiträgen” (alias “Profetien”) umgehen?
Die Alternative zu “kontrollierten Gottesdiensten” besteht sicher nicht im kritiklosen Annehmen jeder Profetie, aber wir sollen nicht von vorneherein alles als gering abtun, was “spontan daherkommt”. Ein unentbehrlicher Maßstab zur Prüfung von freien (aber auch geplanten!) Beiträgen ist die Bibel. Doch dieser Maßstab allein reicht bei weitem nicht aus. Sicher, was klar gegen die Bibel verstößt, scheidet von vorne herein aus. Aber wie sollte man zum Beispiel die Profetie des Agabus prüfen, dass eine Hungersnot bevorstand? Es ist also darauf zu achten, ob gemachte Vorhersagen tatsächlich auch eintreffen (Apostelgeschichte 28:11; 5.Mose 18:22). Oder ob Aussagen über die Vergangenheit oder Gegenwart wirklich zutreffen (vergleiche 1.Korinther 14:25). Das bedeutet, dass Profetien nicht ausschließlich lehrmäßig beurteilt werden können. Letztlich wird eine Gemeinde am besten gerüstet sein, mit der Gabe der Profetie umzugehen, wenn einige ihrer Glieder selber Erfahrungen mit dieser Gabe haben, selber von Gottes Geist geleitet werden. Hier kommt der Rat des Paulus zu tragen:
Von den Profeten aber sollen zwei oder drei reden, und die anderen (nämlich: Profeten!) sollen urteilen. (1.Korinther 14:29)
Die Treffen zur Zeit Jesu und der Apostel liefen viel freier ab,
als heute meist üblich: echte Überraschungen waren möglich,
öffentliche Diskussionen und Auseinandersetzungen regelrecht üblich.
Kontroverse Lehrgespräche waren ein wichtiges Mittel für die Zuhörer,
sich selber eine Meinung zu bilden.
Sicher, da werden Spannungen auszuhalten sein, die menschlich unbefriedigend sein mögen, wenn “Eindruck” gegen “Eindruck” steht (vergleiche Jeremia 28!). Letztlich wird Gottes Wort sich als wahr erweisen. Aber die bequeme Lösung, einfach alles zu “betonieren”, wird gleichzeitig das zarte Pflänzchen der Weissagung ersticken. Und das können wir uns, je tiefer wir in die Endzeit eindringen, umso weniger leisten.
Gottes Wirken in der “Gemeinde” Israel
Die Tradition der “Redefreiheit” reicht bis in die Anfänge Israels zurück. Darum kann man mit Recht sagen, dass die Anweisungen von Paulus im Blick auf die Gestaltung der christlichen Gemeindetreffen sich mit dem Vorbild Israels decken. Das zeigen die folgenden Schriftstellen:
Da ging Mose hinaus und ... versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volkes ... Und es geschah, sobald der Geist auf sie kam, weissagten sie ... Und zwei Männer blieben im Lager zurück ... und auch auf sie kam der Geist ... und sie weissagten im Lager. Da lief ein junger Mann hin und berichtete es Mose: Eldad und Medad weissagen im Lager. Und Josua, der Sohn des Nun, der schon von seiner Jugend an der Diener des Mose gewesen war, antwortete: Mein Herr, Mose, halte sie zurück! Aber Mose sagte zu ihm: Eiferst du für mich? Mögen doch alle im Volk des HERRN Propheten sein, dass der HERR seinen Geist auf sie lege! (4.Mose 11:24-29)
Diese Stelle ist hochinteressant, auch vom Textzusammenhang her. Denn hier wird berichtet, dass es Mose alleine nicht möglich war, die Israeliten zu leiten. Er wurde regelrecht depressiv und hatte Todessehnsüchte. Gottes Antwort war, das Volk mehr einzubeziehen. Ein erster Schritt in diese Richtung, das Leiterschaftsmonopol zu lockern und das Ausbrennen der Leiterschaft zu verhindern, war die Berufung von 72 Ältesten, auf die Gottes Geist kommen sollte. Man sieht, dass auch gute Leiter die Neigung haben, die Autorität auf sich zu ziehen und eher unter der Last zusammenbrechen, als von sich aus auf die Idee zu kommen, loszulassen und andere zu beteiligen.
Weiterhin ist bemerkenswert, dass selbst oder gerade so eifrige “Wächter” wie Josua in der Gefahr stehen, in falschem Sinne “Feuerwehr” zu spielen, wenn Gottes Wirken über die von Menschen gesteckten Erwartungen und Grenzen hinausgeht. Mose musste Josua schroff zurechtweisen, obwohl der es sicher gut meinte. Die Gefahr, Gottes Geist zu dämpfen, betrifft also uns alle, mögen wir auch noch so lange und entschieden mit Gott gehen. Seien wir doch ehrlich: Die Freude unter den Leitern aller christlichen Gemeinden wäre sicherlich nicht ungeteilt, wenn tatsächlich, wie Gott es wünscht, “alle im Volk des HERRN Profeten wären”!
Hier noch zwei Beispiele, wie Gottes Geist schon zu Zeiten des Alten Testamentes willkürlich auf von ihm ausgewälte Personen kam und diese umwälzende Botschaften an das Volk weitergaben. Manchmal wurden sie gehört, manchmal umgebracht:
Und auf Jahasiel ... kam der Geist des HERRN mitten in der Versammlung. Und er sprach: Merkt auf, ganz Juda und ihr Bewohner von Jerusalem und du, König Joschafat! So spricht der HERR zu euch: Fürchtet euch nicht und seid nicht niedergeschlagen vor dieser großen Menge! Denn der Kampf ist nicht eure Sache, sondern Gottes! ... Da neigte sich Joschafat mit dem Gesicht zur Erde. Und ganz Juda und die Bewohner von Jerusalem fielen nieder vor dem HERRN, um den HERRN anzubeten. (2.Chronik 20:14-18)
Und der Geist Gottes kam über Secharja ... Und er trat vor das Volk und sagte zu ihnen: So spricht Gott: Warum übertretet ihr die Gebote des HERRN ? So wird es euch nicht gelingen! Weil ihr den HERRN verlassen habt, so hat auch er euch verlassen. Und sie machten eine Verschwörung gegen ihn und steinigten ihn auf Befehl des Königs im Vorhof des Hauses des HERRN. (2.Chronik 24:20-21)
Das Vorbild der Synagoge zur Zeit Jesu
Die Synagoge der Juden war zur Zeit Jesu genau das, was heute die Kirchen und Gemeinden sind. Sie waren das Treffen der Gläubigen, in dem Gott angebetet, miteinander gesungen und gelehrt wurde. Sowohl die Berichte der Evangelien als auch der Apostelgeschichte bezeugen nun eindeutig, dass es für einen “Wildfremden” möglich war, in eine x-beliebige Synagoge zu gehen und dort öffentlich zu lehren und sich an Lehrdiskussionen zu beteiligen - Hauptsache, er war Jude! Anders wäre es für Jesus gar nicht möglich gewesen, immer wieder in Synagogen zu lehren, denn er war durchaus nicht überall von der installierten Leiterschaft anerkannt. Aber weil es zur verbrieften Freiheit der Synagoge gehörte, dass jeder erwachsene Jude dort reden konnte, war es Jesus möglich, von diesem Recht Gebrauch zu machen:
Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet; ich habe allezeit in der Synagoge und in dem Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet. (Johannes 18:20)
Allerdings war diese Redefreiheit nicht ungefährlich, denn wenn Jesus von ihr Gebrauch machte, konnte es passieren, dass die Reaktionen recht heftig ausfielen - selbst wenn er “Mitglied” der betreffenden Synagoge war. So geschah es gleich bei Jesus” erster Predigt in seinem Heimatort Nazareth, wo man ihn aus der Synagoge hinauswarf und umbringen wollte:
Und er
kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach
seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf,
um vorzulesen. Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja
gereicht; und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle,
wo geschrieben war: «Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er
mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen ...
Er
fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren
Ohren erfüllt ... Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch,
dass kein Prophet in seiner Vaterstadt angenehm ist ... Und alle
in der Synagoge wurden
von Wut erfüllt, als sie dies hörten. Und sie standen auf
und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an
den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so
hinabzustürzen. (Lukas
4:16-24)
Es ist auch sehr interessant, wie Jesus seine Schüler lehrte: Er hielt nicht so sehr Vorträge, das tat er eher für die Volksmengen, sondern stellte ihnen Fragen und beantwortete ihre Fragen, oftmals in ungezwungener Umgebung, beim Essen oder Wandern. Wo gibt es das in der Gemeinde?
Das Vorbild der Synagogen zur Zeit der Apostel
Die Redefreiheit in den Synagogen ging so weit, dass man sogar unbekannte Neuankömmlinge darum bat, doch auch etwas zu sagen! So war es möglich, das revolutionäre Evangelium zu verbreiten:
Sie aber zogen von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien; und sie gingen am Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich. Aber nach dem Vorlesen des Gesetzes und der Propheten sandten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und sagten: Ihr Brüder, wenn ihr ein Wort der Ermahnung an das Volk habt, so redet! ... Als sie aber hinausgingen, baten sie, dass am folgenden Sabbat diese Worte noch einmal zu ihnen geredet werden möchten ... Am nächsten Sabbat aber versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. (Apostelgeschichte 13:14-15,42,44)
Sicher, die Führungsschicht der Juden widerstand sehr bald dieser Verkündigung und verfolgte die Apostel, doch diese wichen einfach auf andere Synagogen aus und nutzten dort ihre Redefreiheit:
Es geschah aber zu Ikonion, dass sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und so redeten, dass eine große Menge, sowohl von Juden als auch von Griechen, glaubte. (Apostelgeschichte 14:1)
Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war. Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein und unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften ... Die Juden aber wurden eifersüchtig und nahmen einige böse Männer vom Gassenpöbel zu sich, machten einen Volksauflauf und brachten die Stadt in Aufruhr. (Apostelgeschichte 17:1-5)
Die Brüder aber sandten sogleich in der Nacht sowohl Paulus als Silas nach Beröa; die gingen, als sie angekommen waren, in die Synagoge der Juden. Diese aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte.(Apostelgeschichte 17:10-11)
Aquila unterredete sich aber in der Synagoge an jedem Sabbat und überzeugte Juden und Griechen. (Apostelgeschichte 18:4, ebenso 18:19,26; 19:8)
Ergebnis:
Gottesdienste von vorne bis hinten “durchzuplanen” oder zu “organisieren”,
mehr oder weniger alle Beiträge “von langer Hand” vorzubereiten
und den Kreis der Mitwirkenden durch Auswahl zu beschränken,
lässt der Gemeinde als Leib Jesu keine Luft mehr zum Atmen
und dem Heiligen Geist keinen Raum zu wirken.
Es ist deshalb unentbehrlich, dass neben fixen Bestandteilen
(zum Beispiel Schriftlesung) oder vorbereiteten Beiträgen
bei jeder Gemeindeversammlung auch ausreichend Raum für die anwesenden Christen geschaffen wird, spontane Beiträge verschiedenster Art beizusteuern,
seien es Gebete, Mitteilungen, Zeugnisse, Lieder, Lehre, Eindrücke usw.
Wo dies nicht der Fall ist,
ist letztlich nicht mehr Jesus Mittelpunkt der Versammlung,
kann man nicht mehr im vollen Sinne des Wortes von “Gemeinde” sprechen,
sondern steuert man auf Richtung “Sekte” zu.
Gottesdienste, von denen Paulus träumte
Alle kommen, alle machen mit - sogar Ungläubige und: Gott!
Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkommt und alle in Sprachen reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid? Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt. Das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist.
Eine Fülle von Beiträgen von jedermann!
Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprachenrede, hat eine Auslegung. Alles geschehe zur Erbauung.
Flexibilität und gleichzeitig Harmonie!
Wenn nun
jemand in einer Sprache redet, so
sei es zu
zweien oder höchstens zu dritt und nacheinander, und einer lege
aus. Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der Gemeinde,
rede aber für sich und für Gott.
Von
den Propheten
aber sollen zwei oder drei reden, und die anderen sollen urteilen.
Wenn aber einem anderen, der dasitzt, eine Offenbarung zuteil
wird,
so schweige der erste.
Alle ... alle ... alle!
Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden.
(1.Korinther 14:23-31)
Der Charakter und Inhalt von Gemeindeversammlungen (Haus und Ort)
Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte. (Matthäus 18:20)
Gemeinde beginnt also da, wo Menschen sich um Jesus versammeln. Es spielt keine Rolle ...
wieviele es sind
wie sie sich nennen
an welchem Ort
oder zu welcher Zeit sie sich treffen.
Wo man an Jesus glaubt und in seiner Gegenwart zusammenkommt, da beginnt Gemeinde. Und was tut man, wenn man so zusammen ist? Die Antwort ist einfach:
Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Sprachenrede, hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung. Alles geschehe zur Erbauung. ... Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen und ermutigt werden. (1.Korinther 14:26-31)
Jeder darf und jeder soll also etwas beitragen, sei es mit Liedern oder Lehre, und für jeden soll etwas dabei sein, damit wir alle ...
dazulernen und
ermutigt werden!
Das Vorbild der Ur-Gemeinde
Das Wesen der Gemeinschaft unter den ersten Christen wird in zwei Bibelstellen der Apostelgeschichte treffend zusammengefasst. Dies geschah sicher nicht, um uns eine verklärte Erinnerung an die ach so gute alte Zeit zu ermöglichen, sondern um uns ein Vorbild und einen Ansporn für die Gegenwart zu geben. Sicher, der Weg dahin dauerte auch für die Jünger mehrere Jahre, aber sicher ist dieser Zustand auch für uns heute immer noch das anzustrebende Ziel:
Die nun
sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen. Und es wurden an jenem
Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan. Sie verharrten ...
- in
der Lehre der Apostel (Lehre öffentlich und in den Häusern)
und
- in der Gemeinschaft (einfach zusammen sein) und
- im
Brechen des Brotes (gemeinsame Mahlzeiten) und
- in den Gebeten
(Gebetszeiten).
Es kam aber über jede Seele Furcht, und es
geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.
(Apostelgeschichte
2:41-43)
Vier ganz einfache Dinge werden hier genannt, die gewaltige Auswirkungen auf das qualitative und mengenmäßige Gemeindewachstum hatten, und die Gott mit Wundern und Zeichen bestätigte: Lehre des Wortes Gottes, gemeinsame Treffen (= großer Rahmen), gemeinsame Mahlzeiten (kleiner Rahmen), Gebet. Wir brauchen also keine Zaubermittel, sondern wollen diese schlichten Dinge wiederentdecken. Der Text fährt weiter und schildert noch weitere, bemerkenswerte Einzelheiten:
Alle Gläubiggewordenen (= alle Christen von Jerusalem!) waren beisammen ... (Apostelgeschichte 2:44)
Es wurde kein Unterschied gemacht zwischen gläubiggewordenen Pharisäern, gläubiggewordenen Sadduzäern, gläubiggewordenen Zöllnern usw., obwohl diese Parteien sich vor ihrer Bekehrung sicher spinnefeind gewesen waren und menschlich gesehen niemals zusammen leben konnten. Jede von ihnen brachte eine umfangreiche, eigene Theologie und Lebenserfahrung mit und doch: Sie alle waren beisammen. Es war also durch die Hilfe des Heiligen Geistes und unter der Leitung der Apostel möglich, eine Stadtgemeinde zu haben! Es ist sicher kein Zufall, dass im selben Atemzug ein weiterer, einfacher Umstand betont wird:
... und
hatten alles gemeinsam. Und sie verkauften die Güter und die
Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war.
Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen
zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Frohlocken und Schlichtheit des
Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk. Der Herr aber
tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten.
(Apostelgeschichte
2:44-47)
Ein Hauptgrund für Spaltungen ist Neid, der sich auch und vor allem auf dem Gebiet des Materiellen zeigt. Doch dem war die Wurzel gezogen. Nicht, dass es keinen Besitz mehr gegeben hätte, aber es gab keine Bedürftigen mehr, um die sich niemand gekümmert hätte! Das Gefälle zwischen Reich und Arm wurde überbrückt:
Die
Menge aber derer, die gläubig geworden, war ein
Herz
und eine
Seele.
Und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe
(= Privateigentum
gab es!) sein
eigen sei (=
die innere Entsagung),
sondern es war ihnen alles gemeinsam.
Und mit großer Kraft
legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus
ab, und große Gnade war auf ihnen allen - denn (die
Begründung!) es
war auch keiner bedürftig unter ihnen, denn soviele Besitzer von
Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den
Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen
der Apostel; es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnis
hatte. (Apostelgeschichte
4:32-35)
Es ist fast unglaublich, wie eine so große Menge derer, die gläubig geworden waren, derartig eins werden konnte, dass sie ein Herz und eine Seele genannt werden! Und wieder wird betont, dass ihre Einheit nicht theologisch begründet war, sondern sich im Umgang mit den materiellen Gütern zeigte. Es gab sehr wohl noch Habe, also Besitz, aber die innere Einstellung zu ihm zeigte sich darin, dass niemand mehr etwas als sein Eigentum betrachtete - die Gläubigen sahen sich als Verwalter von Gottes Eigentum.
Mein persönliches Glaubensbekenntnis
Schubladen-Denken
Das Leben ist manchmal kompliziert, vor allem das eigene. So musste ich schon bald erkennen, dass es nur zwei Arten von Menschen auf dieser Welt gibt: Bayern und Nicht-Bayern! Und das kam so: Geboren wurde ich in Garmisch, doch da mein Vater Soldat war, zogen wir alle zwei bis drei Jahre um, wobei es uns von Sigmaringen an der Donau bis Munster-Lager in der Lüneburger Heide verschlug. So lernte ich innerhalb kurzer Zeit die Realität des Nord-Süd-Konfliktes kennen: In Norddeutschland verrieten unleugbare Spuren des bayerischen Dialekts meine Herkunft aus den Bergen, in Bayern lief ich dagegen aufgrund meiner stark hochdeutschen Sprachtendenzen darunter, als “Preiss” eingestuft zu werden.
Aber ich mag es nicht, in eine Schublade gesteckt zu werden, ich bin 1,91 m! Noch dazu bin ich in Wirklichkeit weder ein richtiger Bayer noch ein richtiger Preusse! Mein Vater ist zwar Bayer, doch meine Mutter stammt aus dem Hohen Norden, nämlich aus der Hansestadt Lübeck, und sprechen tue ich mehr oder weniger Hochdeutsch (obwohl ich Bayrisch und andere Dialekte “fließend verstehe”). Doch obwohl sich wohl niemand auf die Dauer in einer Schublade wohl fühlt - es geht einfach zu eng und finster darin zu - scheinen wir Menschen dennoch alle zum Schubladendenken zu neigen - auch unter Christen!
“Zu welcher Gemeinde gehörst du?”
Schon viele Male ist mir diese scheinbar so harmlose Frage gestellt worden. Sie hört sich einfach an, aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch einfach zu beantworten ist. Da wir jedoch alle das Bedürfnis haben, zu erfahren, woran wir bei unserem Gegenüber sind, möchte ich versuchen, diese Frage nach meiner Gemeindezugehörigkeit bzw. nach meinem persönlichen Glaubensbekenntnis nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Der Leser ahnt vielleicht schon, was jetzt kommt - meine “Schublade” hat Über-Länge! Denn mein persönliches Glaubensbekenntnis könnte, umgemünzt auf heutigen Sprachgebrauch, in erster Annäherung etwa so lauten:
"Ich bin ein
protestolisch-pfingstmethodaler
gospel-vinyardisierter
charismato-frei-Brüder-likaler!"
Evangelisch getauft erinnere ich mich noch blass an meinen Konfirmantenunterricht und deutlicher an meinen evangelischen Religionslehrer, dessen Auslegung des “Verlorenen Sohns” mich bis heute nicht losgelassen hat.
Zu Gott bekehrt habe ich mich ungefähr fünfzehn Jahre später unter dem Einfluss von katholischen Freunden und Schriften. Meine erste Lebensbeichte habe ich bei einem katholischen Pfarrer abgelegt - auch sie ist mir unvergesslich!
Zu Jesus und zur Bibel gefunden habe ich durch ein Buch, das mir jemand aus einer Brüdergemeinde schenkte: “Jesus unser Schicksal”. Bis zum heutigen Tage verbindet mich Freundschaft mit diesen Geschwistern, zu denen seit etlichen Jahren auch mein Schwager mit seiner Familie gehört.
Getauft wurde ich dann in meiner Studentenzeit in einer Pfingstgemeinde, deren Geschwister mir beim Start ins geistliche Leben liebevoll beigestanden haben. Ich kann mich heute noch daran erinnern, wie sie beim ersten Gottesdienst, den ich besuchte, klatschten und die Hände hoben, worauf ich mit einem Seitenblick sicherstellte, dass ich nötigenfalls mit wenigen Schritten den Ausgang erreichen konnte, um fluchtartig das Weite zu suchen ...
Durch meine Schwiegermutter, die in eine Methodistengemeinde ging, lernte ich dort einen reifen Christen kennen, dessen Wissen und Wesen mich durch jahrelange Zusammenarbeit stark geprägt hat. Acht Jahre lang ging ich in eine charismatische (Assembly of God) Gemeinde, vier Jahre in eine “freie” (“Gospel Outreach”-) Gemeinde. Nach einem weiteren Umzug kamen dazu vier Jahre “Vineyard” und nach deren Auflösung zwei Jahre in einer “Freien Evangelikalen Gemeinde”.
Zugegeben - das sind bei weitem nicht alle Einflüsse, die mein geistliches Leben geprägt haben. Mehrere Umzüge sowie das Großstadt-Gemeindeleben und die Arbeit unter Drogensüchtigen in München haben mich mit anderen Christen zum Beispiel von Teen Challenge, der Heilsarmee, des CVJM, der Mennoniten, der Baptisten und anderen zusammengebracht, die alle Impulse in meinem Leben hinterlassen haben - Bücher, Kassetten und Gastprediger gar nicht mit eingerechnet! Insofern müsste ich eigentlich sagen:
Ich bin ein
protestolisch-pfingstmethodaler,
gospel-vinyardisierter,
charismato-frei-brüder-likaler
CVJM-Heilsbaptonit!
Aber wird dann mein Bekenntnis nicht doch etwas verwirrend? Und was sollten all die anderen Christen sagen? Probieren wir es doch einmal ganz anders, indem wir den biblischen Weg gehen.
Ein wirklich biblisches Glaubensbekenntnis
Damit meine ich nicht das Glaubensbekenntnis einer bestimmten Staats- oder Freikirche, das angeblich biblisch ist, sondern ein Glaubensbekenntnis, das direkt in der Bibel selber vorkommt. Es stammt von Paulus und erscheint mir vorbildlich auch für uns:
Dies bekenne
ich:
Dass
ich nach der Lebensweise, die man allgemein als Sekte ansieht, so dem
Gott meiner Väter diene, indem ich allem glaube, was in der
Bibel (wörtlich: dem Gesetz und den Profeten) geschrieben steht,
und die Hoffnung zu Gott habe, dass es eine Auferstehung der
Gerechten ebenso wie der Ungerechten geben wird. Darum übe ich
mich darin, zu jeder Zeit Gott und den Menschen gegenüber ein
gutes Gewissen zu haben. Nach Apostelgeschichte 24:14-16
Mir gefällt dieses Bekenntnis von Paulus, weil es sich nicht auf einen abstrakten Glauben beschränkt - ich glaube an folgende Punkte (und das war”s dann) - sondern einen Lebensstil bezeugt:
Ich diene Gott ... indem ich glaube!
Das Bekenntnis des Paulus bestand also nicht in orthodoxen Worten, die in irgendeiner Weise mit der Bibel übereinstimmten, sondern in seinem Leben. Selbst die Dämonen wissen das richtige Bekenntnis und sprechen es sogar aus:
Du glaubst, dass nur einer Gott ist ? Du tust recht; auch die Dämonen glauben - und zittern! Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nutzlos ist? Jakobus 2:19-20
Und auch Dämonen fuhren von vielen aus, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. Und er bedrohte sie und ließ sie nicht reden, weil sie wussten, daß er der Christus war. Lukas 4:41
Aber das Bekennen alleine nützt nichts, im Gegenteil, es kann die Sache sogar noch schlimmer machen:
Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde. Jakobus 4:17
Darum betont Paulus, dass er sich ständig darin trainiert (griechisch askéo), ein gutes Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen. Der zweite Punkt ist: Paulus beschränkt sich in seinem Bekenntnis nicht auf gewisse Glaubenssätze, sondern nimmt das gesamte Wort Gottes zur Grundlage seines Glaubens und Lebens:
Indem ich allem glaube, was ... geschrieben steht.
Wir dürfen nicht einzelne Aussagen der Bibel herauspicken und für alle Zeiten in den Mittelpunkt stellen! Ist es nicht vielmehr so, dass im Leben eines Menschen oder einer Gemeinschaft zu verschiedenen Zeiten jeweils andere Passagen besonderes Gewicht haben?
Alles hat seine Zeit! Prediger 3:1ff
Außerdem wird Gott im Leben anderer Menschen mit Sicherheit andere Schwerpunkte setzen:
Jedes Glied am Leib ist anders. 1.Korinther 12:14ff
Und schließlich ist alle Erkenntnis Stückwerk und nur eine Annäherung an die Wahrheit:
Wir erkennen
stückweise ...
denn wir sehen jetzt wie in einem Spiegel,
undeutlich,
dann aber von Angesicht zu Angesicht. 1.Korinther 13:9
Deswegen ist es gut, möglichst wenig zu “betonieren”, sondern Raum für Wachstum im Glauben zu lassen. Wenn wir einen “fixen Standpunkt” haben, dann ist es Jesus - und der bringt Wachstum und Veränderung, denn er ist “der Weg”, Johannes 14:6!
Der für alle gültige Rahmen, den Gott uns gegeben hat, ist Gottes Wort. Wir dürfen ihn weder einengen noch ausweiten. Paulus wollte, dass wir alle lernen:
Nichts hinzufügen
zu,
und nichts wegnehmen von seinem Wort!
1.Korinther 4:6;
Sprüche 30:6; Offenbarung 22:18-19
Folgende Schriften
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Der
Stammbaum von Himmel und Erde -
Was die Bibel wirklich über
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Die Genesis ist das erste Buch, sozusagen die Eingangstür der ganzen Bibel. Der Schlüssel zu ihr ist, dass wir den Originaltext wirklich zu Wort kommen lassen. Dadurch kommen erstaunliche Fakten zutage, die so manche bibelkritische wie auch angeblich bibeltreue Auslegung in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Das Ergebnis: Die Tür zur Bibel steht auch denen wieder offen, für die sie aufgrund von festgefahrenen Auslegungen lange Zeit verschlossen war. Circa 310 Seiten.
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Wissenschaftliche, private, öffentliche, experimentelle, zwingende und gefälscht Gottesbeweise. Echter Glaube beruht nicht auf Spekulationen oder religiösen Gefühlen, sondern auf Tatsachen und Beweisen - sagt die Bibel! Circa 225 Seiten.
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Nicht alles, was glänzt, ist auch wirklich biblisch: Der größte Schwachpunkt des Kurzzeit- Kreationismus besteht nicht in seiner Verleugnung vieler gesicherter Erkenntnisse der Naturwissenschaften, sondern im fahrlässigen Umgang mit dem, was wirklich geschrieben steht. In dieser Schrift kommt der Kronzeuge, die Bibel, ausführlich “zu Wort”, und die wichtigsten Irrtümer des Kurzzeit- Kreationismus werden widerlegt. Circa 150 Seiten.
Eine kurze Widerlegung des Kurzzeit- Kreationismus
Die Kurzfassung des obigen Buches. Circa 44 Seiten.
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Die ersten Kapitel der Bibel beschreiben den Anfang, die letzten das Ende eines Konfliktes, dem kein Mensch auf dieser Erde sich entziehen kann. Adam heißt "Mensch", Eva heißt "Leben", und wie die beiden waren und lebten, so sind und leben auch wir. Und weil wir heute ernten, was damals gesät wurde, erhalten wir durch den Bericht über die Ereignisse in Eden lebenswichtige Orientierungshilfen für unsere Gegenwart und die Kämpfe der Zukunft. In denen wird es nicht nur um unsere Erde, sondern auch um den Himmel gehen. Der Ausgang dieses Krieges steht fest, doch auf welcher Seite wird jeder einzelne von uns am Ende stehen? Circa 200 Seiten.
Urzeit
und Endzeit
Gott als Richter und Retter in Megakatastrophen
(Genesis 6ff)
Unglücke wie die Sintflut, Sodom und Gomorrha und die Plagen Ägyptens sind Ereignisse, die vielen Bibellesern Probleme bereiten: Ist der Gott des Alten Testamentes grausam? Nein, Gott ist Liebe, und alles, was er tut, ist gut - immer! Andererseits ist Jesus ist nicht nur das Lamm, er ist zugleich auch der Löwe aus Juda! Diese Schrift soll eine umfassendere Perspektive von Gottes Liebe und Gerechtigkeit vermitteln: Gottes Pläne sind besser als alles, was wir uns ausdenken könnten! Circa 130 Seiten.
Die
Bergpredigt
Jesus erste Lektion für alle seine Jünger
Unser Leben wird davon abhängen, ob wir die erste in der Bibel überlieferte Predigt von Jesus in die Praxis umsetzen oder nicht. Das fängt damit an, dass wir uns die Aussagen Jesu einmal genauer anschauen - Überraschungen sind garantiert!
Circa 150 Seiten. Nur online.
Der Heilsplan Gottes (S.van Mierlo)
Ein Überblick über die ganze Bibel und Gottes Handeln mit der Menschheit, vom “Anfang” bis zu den neuen Himmeln und der neuen Erde. Immer wieder wird auch auf interessante Einzelheiten eingegangen. Eine echte Orientierungshilfe!
Circa 200 Seiten.
Die Lehre des Apostels Paulus
Paulus war keiner der zwölf Apostel für Israel, sondern “Apostel für die Nationen”, Galater 2:9; Römer 11:13. Er hatte einen besonderen Auftrag und eine besondere Botschaft - für uns! Circa 300 Seiten.
“Meine
Gemeinde”
Gottes Ausweg aus dem Wirrwar der Denominationen
Babel steht für die erste Einheitsreligion und das System der Denominationen. Jerusalem dagegen steht für Gottes Alternative, die Gemeinde, die Stadt aus lebendigen Steinen. Es gibt kein Leben ohne Strukturen - aber nicht alle Strukturen sind gut für das Leben! Hier werden Gottes Baupläne für seine Gemeinde betrachtet. Sie sind ... anders! Circa 150 Seiten.
Theologie
Wie
können wir die Bibel beim Wort nehmen?
Hier werden praktische Methoden wissenschaftlicher Bibelauslegung erklärt und viele Einwände bibelkritischer Theologie widerlegt, von den Zweifeln an der Verfasserschaft Mose bis hin zum (angeblich nicht) wiederkäuenden Hasen im Alten Testament und den zwei (angeblich widersprüchlichen) Stammbäumen Jesu im Neuen Testament. Auch der "Bibelcode" darf natürlich nicht fehlen: Jede Ent-täuschung ist eine Täuschung weniger! Circa 100 Seiten.
Kunterbunt
Wie
ich vom Atheisten zum Christen wurde: Der
Autor privat
Die
Wahrheit über Karl Marx: Nicht
schön, aber befreiend!
Jona,
so geht das nicht! Was
der erfolgreichste Prediger des Alten Testamentes alles falsch
machte.
Der
im Himmel thront, lacht: (Christliche)
Witze.
Zitate
berühmter Persönlichkeiten.
Circa 48 Seiten.
Armin Held (Jahrgang 1961)
Hebraicum und Graecum an der Universität München
Armin
Held
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1Ein nicht-christliches Beispiel für eine “Gemeinde”:
Und Demetrius versammelte die Kunsthandwerker samt den damit beschäftigten Arbeitern ... Und die Stadt geriet in Verwirrung, und sie stürmten einmütig nach dem Theater (= der Versammlungsort) ... Die einen nun schrien dies, die anderen jenes, denn die Versammlung (gr. ekklesia = Gemeinde; nicht der Ort, sondern die Leute!) war in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, weshalb sie zusammengekommen waren ...
Als aber der Stadtschreiber die Volksmenge beruhigt hatte, spricht er: Männer von Ephesus (nur Bürger, Einwohner der Stadt!) ... Wenn ihr aber wegen anderer Dinge ein Gesuch habt, so wird es in der gesetzlichen Versammlung (ekklesía) erledigt werden ... Und als er dies gesagt hatte, entließ er die Versammlung (ekklesía). Apostelgeschichte 19:23-40