Die Geschichte
des Lebens

 

Schöpfung und Evolution

in Bibel und Naturwissenschaft

 

 

 

“Wissenschaft ohne Religion ist lahm
und Religion ohne Wissenschaft blind.
Beide sind wichtig
und sollten Hand in Hand arbeiten.”

Albert Einstein

 

 

 


 

 

Das Zitat auf der Titelseite von

Albert Einstein, Physiker, 1879-1955,     
Begründer der Relativitätstheorie, 
Nobelpreis Physik 1921

stammt aus folgender Quelle:

 

“Jedem tiefen Naturforscher muss eine Art religiösen Gefühls naheliegen, weil er sich nicht vorstellen mag, dass die ungemein feinen Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum ersten Mal gedacht werden.

Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft.

Die gängige Vorstellung, ich sei ein Atheist, beruht auf einem großen Irrtum. Wer sie aus meinen wissenschaftlichen Theorien herausliest, hat sie kaum begriffen ...

Nicht Gott ist relativ, und nicht das Sein, sondern unser Denken.

Ich glaube nicht, dass Wissenschaft und Religion notwendigerweise Gegensätze sind. Ich denke vielmehr, es gibt zwischen den beiden eine sehr enge Verbindung. Außerdem glaube ich, Wissenschaft ohne Religion ist lahm und Religion ohne Wissenschaft blind. Beide sind wichtig und sollten Hand in Hand arbeiten ...

Ich glaube an das Rätselhafte, und, offen gesagt, ich begegne diesem Rätselhaften manchmal mit großer Furcht. Mit anderen Worten, ich glaube, es gibt im Universum viele Dinge, die wir nicht wahrnehmen oder durchschauen können.”

Albert Einstein in: 
A.Bucky “Der private Albert Einstein”, Seite 159


Inhalt

 

  Der Schlüssel zum Verständnis von Genesis 1                         5

 

Der Text des Schöpfungsberichtes   Genesis 1:1-2:4                    15

Der Urknall, eine christliche Idee   Genesis 1:1                            21

Gibt es Beweise für die Existenz Gottes?                                     28

Bekenntnisse berühmter Naturwissenschaftler                             36

Die Tohuwabohu-Katastrophe der Erde   Genesis 1:2                 41

        Das Rätsel der frühen Lebensentstehung                              50

1.   “Es werde Licht!”   Genesis 1:3-5                                         56

      Wie lange dauerten Gottes Schöpfungstage?                         60

2.   Das “Firmament” - hier irrte Luther!   Genesis 1:6-8            79

      Das Weltbild der Propheten                                                   85

3.   Festland, Pflanzen: Schuf Gott die Arten?  Genesis 1:9-13   94

4.   Warum Gott die Lichter nicht erschuf  Genesis 1:14-19     104

5.   Die ersten Tiere - hier irrte Darwin!  Genesis 1:20-23        110

6a.  Die Landtiere kamen aus dem Meer!   Genesis 1:24-25      116

6b. Die Erschaffung der Menschheit   Genesis 1:26-27            120

      Genetische Beweise für die Abstammung des Menschen   126

Wir müssen herrschen - aber wie?   Genesis 28-30                   132

Das Leid in der Schöpfung   Genesis 1:31                                 138

Der Krieg um Himmel und Erde   Genesis 2:1                           152

7.   Das Geheimnis des siebten Tages   Genesis 2:2-3               156

 

  Ergebnis:  Der Stammbaum von Himmel und Erde           160

 

Anhänge: Die Bibel, ein Buch voller Evolution!                      164

   Der Autor: Wie ich vom Atheisten zum Christen wurde        175

   Ohne Abstammung keine Erlösung!                                        191

   Mutation und Selektion in Bibel und Biologie                        201

Hintergrund: Warum Darwin nicht mehr glauben konnte       229

   Die Entstehung der Genesis                                                    240


 

 

Der Schlüssel zum Verständnis
des Schöpfungsberichtes

 

Der Schöpfungsbericht ist gewissermaßen die Eingangstür zur ganzen Bibel. Und wie es oft so mit Türen ist, brauchen wir einen Schlüssel, um sie zu öffnen. Zum Glück steckt dieser im Falle der Genesis sozusagen schon im Schloss, beziehungsweise im Schluss. Denn der Text des Schöpfungsberichtes selber gibt ihn uns in die Hand, und zwar in seinem letzten Satz!

Dazu muss man erklären, dass viele Berichte der Bibel mit einem Schlusssatz enden, der zusasmmenfasst, worum es bei dem jeweiligen Text geht. Damals war es sehr gebräuchlich, ein Dokument mit solch einer Schlussformel, einem sogenannten Kolophon zu versehen. Dieser Untertitel entspricht einer heutigen Überschrift und bringt sozusagen auf den Punkt, worum es überhaupt geht.[1] Der Untertitel des Schöpfungsberichtes enthält nun eine entscheidende Information, die uns die Tür zu einem tieferen Verständnis der Genesis, ja, der ganzen Bibel öffnet. Er beginnt auf Hebräisch folgendermaßen:

“Elläh toledot ha-schamajim wö-ha-aräts”

Dies sind die Toledot der Himmel und der Erde. Genesis 2:4

 

Das Schlüsselwort lautet auf Hebräisch “toledot”, stammt von dem Tätigkeitswort jalad = gebären, beziehungsweise dessen Verursachungsform holid = zeugen ab und bedeutet wörtlich “Zeugungsfolgen, Geschlechterfolgen, Stammbaum”:

          ja      La     D             =    gebären

          ho     Li      D             =    zeugen

          to      Le     D ot         =    Zeugungen, Geschlechterfolgen

Das gesamte bis dahin beschriebene Geschehen ist demnach nichts anderes als eine Reihe von “Geschlechterfolgen”, ein Abstammungsgeschehen! Mit anderen Worten:

 

Der Schöpfungsbericht ist in Wirklichkeit
ein Stammbaum!

 

Es ist wichtig, dass wir damit nicht einen Begriff bis an seine Grenze gedehnt haben, was er “auch noch” bedeuten kann. Nein, ganz im Gegenteil, wir haben nur den Staub menschlicher Tradition vom Originaltext geblasen und lassen ihn so endlich wieder selber “zu Wort” kommen! “Stammbaum” ist die ganz normale und zentrale Bedeutung dieses Wortes:

Das Hauptwort “Toledot” kommt 39 Mal in der Bibel vor und ist ein Spezialausdruck für Geschlechtsregister und Abstammungsverzeichnisse. Die “Einheitsübersetzung” zum Beispiel gibt es (mit Ausnahme von Genesis 2:4!) immer im Sinne von “Abstammungwieder.


 

 

Alle 39 Vorkommen von Toledot = Geschlechterfolgen
nach dem Text der Einheitsübersetzung

 

1.Mose 2:4 Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde ...

1.Mose 5:1 Dies ist die Liste der Geschlechterfolge Adam: Am Tag, da Gott den Menschen erschuf, machte er ihn Gott ähnlich ...

1.Mose 6:9 Das ist die Geschlechterfolge nach Noach: Noach war ein gerechter ...

1.Mose 10:1,32 Das ist die Geschlechterfolge nach den Söhnen Noachs, Sem, Ham und Jafet. ... Das waren die Sippenverbände der Söhne nach ihrer Geschlechterfolge in ihren Völkern. Von ihnen zweigten sich nach der Flut die Völker der Erde ab.

1.Mose 11:10,27 Das ist die Geschlechterfolge nach Sem: Sem zeugte (holid) im Alter von hundert Jahren Arpachschad, zwei Jahre nach der Flut. ... Das ist die Geschlechterfolge nach Terach: Terach zeugte (holid) Abram, Nahor und Haran, Haran zeugte (holid) Lot.

1.Mose 25:12,13,19 Das ist die Geschlechterfolge nach Ismael, dem Sohn Abrahams. Ihn hatte die Ägypterin Hagar, die Magd Saras, Abraham geboren (jalad). ... Das sind die Söhne Ismaels nach ihren Namen und nach ihrer Geschlechterfolge: Der Erstgeborene Ismaels war Nebajot, dann kamen Kedar, Adbeel, Mibsam ... Und das ist die Geschlechterfolge nach Isaak, dem Sohn Abrahams: Abraham zeugte (holid) Isaak ...

1.Mose 36:1,9 Das ist die Geschlechterfolge nach Esau, der auch Edom hieß ... Das ist die Geschlechterfolge nach Esau, dem Stammvater von Edom im Bergland Séir.

1.Mose 37:2 Das ist die Geschlechterfolge nach Jakob: Als Josef siebzehn Jahre zählte ...

2.Mose 6:16,19 Das sind die Namen Levis nach ihrer Geschlechterfolge: Gerschon, Kehat und Merari ...  das waren die Sippenverbände der Leviten nach ihrer Geschlechterfolge.

2.Mose 28:10 ... die übrigen sechs Namen in den anderen Stein, in der Reihenfolge, wie sie geboren wurden (Anmerkung: eigentlich gemäß ihrer Geschlechterfolge).

4.Mose 1:20,22,24,26,28,30,32,34,36,38,40,42

Zuerst kamen die Nachkommen Rubens, des Erstgeborenen Israels: Man ermittelte ihre Geschlechterfolge nach Sippen und Großfamilien und zählte mit Namen alle Männer von zwanzig Jahren und darüber, alle Wehrfähigen ...

Sodann die Simeoniter: Man ermittelte ihre Geschlechterfolge ... für die Gaditer ... die Nachkommen Judas ... die Naftaliter: Man ermittelte ihre Geschlechterfolge ...

4.Mose 3:1 Und das ist die Geschlechterfolge Aarons und Moses an dem Tag, da der HERR auf dem Berg Sinai mit Mose redete.

Ruth 4:18 Das ist die Geschlechterfolge nach Perez: Perez zeugte (holid) Hezron ...

1.Chronik 1:29 (Die Söhne Abrahams waren Isaak und Ismael.) Das ist die Geschlechterfolge nach ihnen: Der Erstgeborene Ismaels war Nebajot, dann kamen Kedar, Adbeel, Mibsam ...

1.Chronik 5:7 Seine Brüder wurden, als sie sich nach ihren Geschlechterfolgen in die Stammeslisten eintragen ließen, seinen Familien zugezählt ...

1.Chronik 7:2,4,9 ... Sie waren Häupter der Großfamilien Tolas, tapfere Krieger, jeder entsprechend seiner Geschlechterfolge. Zur Zeit Davids zählten sie 22.600 Mann ... Sie hatten, geordnet nach ihrer Geschlechterfolge und nach ihren Großfamilien ... viele Frauen und Kinder ... Die Aufzeichnung entsprechend ihrer Geschlechterfolge nach den Häuptern ihrer Großfamilien ...

1.Chronik 8:28 Sie waren Häupter der Großfamilien entsprechend ihrer Geschlechterfolge ...

1.Chronik 9:9,34 ... dazu ihre Brüder nach ihrer Geschlechterfolge, insgesamt 956 Mann. Sie waren Oberhäupter ihrer Großfamilien ... Das waren die Häupter der Großfamilien der Leviten nach ihrer Geschlechterfolge, die Häupter. Sie wohnten in Jerusalem.

1.Chronik 26:31 ... die Geschlechterlisten der Großfamilien der Hebroniter ...


Auch die Standartwörterbücher zum Alten Testament bestätigen, dass Toledot wörtlich eine Aufeinanderfolge von Zeugungen oder Geschlechterfolgen bedeutet: Gesenisus “Hebräisches Handwörterbuch zum Alten Testament”, ghhw Seite 873, Köhler-Baumgartner “Veteris Testamenti Libros”, kblv Seite 1021. Mit anderen Worten:

 

“Toledot”
ist der hebräische Inbegriff von Abstammung!

 

Der uralte Text der Bibel sagt also in einem schlichten Satz aus, was Darwin Jahrtausende später herausfand:

 

Die im Schöpfungsbericht erwähnten Lebensformen

sind Teil eines gigantischen Stammbaumes -

der Mensch ist mit ihnen allen verwandt!

 

Eine sehr wichtige Bestätigung für unsere Deutung ...

... ist der Textzusammenhang. Ein erster Blick in die Genesis zeigt, dass der Schöpfungsbericht ganz klar eine aufsteigende Entwicklungsreihe beschreibt, die sich erstaunlich mit dem deckt, was die Naturwissenschaften bis heute herausgefunden haben:

·         Das Weltall hatte einen Anfang, in dem Gott es erschuf. Wir nennen dieses Ereignis heute “Urknall”! Erst entstanden “die Himmel”, dann die Erde, Vers 1.

·         Die Erde war anfänglich ein chaotisches “Tohuwabohu”, von Wasser bedeckt, erst später tauchten die Kontinente auf.

·         Gottes Geist brütete am Anfang über den Gewässern der Urerde, dann erschienen der Reihe nach Pflanzen, Meerestiere, Landtiere und zuletzt die Menschheit.

Es fällt außerdem auf, dass der ganze Schöpfungsbericht immer wieder Worte wie Samen und Arten, Fruchtbarkeit und Vermehrung gebraucht, die alle auf Abstammung hinweisen.

Die Bibel, ein Buch voller Stammbäume!

Und tatsächlich, wenn es ein Buch gibt, in dem Abstammung eine zentrale Rolle spielt, dann ist es unbestreitbar die Bibel: Sie enthält zahlreiche weitere Stammbäume, die sich durch das ganze Buch erstrecken. Die erste Art von Stammbäumen zeichnet den genauen Verlauf einer einzelnen Abstammungs-Linie auf:

Und dies ist die Geschlechterfolge (toledot) des Perez: Perez zeugte (holid) Hezron, und Hezron zeugte (holid) Ram, und Ram zeugte (holid) Amminadab ... Ruth 4:18-22

Die zweite Art von Abstammungsreihe zeigt dagegen, wie sich aus einer gemeinsamen Herkunft ganze “Stämme” abspalten. Ein klassisches Beispiel ist die sogenannte “Völkertafel” von Genesis 10, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Genesis 1 hat: Ganze Völkerschaften entwickeln sich aus gemeinsamen Vorfahren, der Bericht wird ausdrücklich als Stammbaum (toledot) gekennzeichnet.   
Die Erwähnung aller einzelnen Glieder ist in derartig weitverzweigten Völkertafeln weder möglich noch sinnvoll, wollen sie doch einen Überblick vermitteln. Als Folge erscheint das Tätigkeitswort holid = zeugen in ihnen kaum noch oder gar nicht mehr. Statt dessen ist es stellvertretend in dem (Unter-)Titel enthalten, der das ganze Geschehen eindeutig als eine Reihe von Zeugungen und Abstammungen kennzeichnet.

Auf den Folgeseiten stellen wir die zwei ersten Toledot-Register der Bibel einander gegenüber, den Schöpfungsbericht und den Stammbaum der Söhne Noahs. Es ist auf einen Blick zu erkennen, dass es sich grundsätzlich um ein und dasselbe handelt, nämlich um Stammbäume!




Abstammung - ein Zentralthema der Bibel!

Ist es nicht erstaunlich, dass die Bibel ausgerechnet mit einem Stammbaum beginnt? Das Thema “Abstammung” muss ihrem Autor sehr wichtig sein, dass er es an den Anfang des ganzen Buches stellt! Und alles Folgende dreht sich auch wieder um Abstammung, denn Genesis 1 ist der Ausgangspunkt weiterer Stammbäume, die das Grundgerüst der ganzen Bibel bilden:

Die Toledot = Zeugungsfolgen Adams, Genesis 5, setzen sich fort über die Toledot der Söhne Noahs, Genesis 10. Diese beschreiben, wie aus wenigen Vorvätern ganze Völker und Nationen mit eigenen Sprachen wurden. Über weitere Stammbäume gelangen wir bis zu Abraham, Isaak, Jakob. Dieser wird später “Israel” genannt und ist der “Stammvater” von zwölf “Stämmen”, die alle von ihm “abstammen”. Innerhalb dieses Volkes wird der Abstammungslinie, die über König David verläuft, besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch die Seiten der Bibel. Stammbäume sind also nicht verzierendes Beiwerk, sondern vielmehr der Kern, um den herum sich das ganze Geschehen der Bibel fügt. Abstammung hat also eine gewaltige Bedeutung beim Volk der Juden, von dem wir das Alte Testament haben - und das Neue!

Auch das Neue Testament beginnt mit einem Stammbaum!

Es erstaunlich genug, dass das Alte Testament mit einem Stammbaum anfängt, aber dass auch das Neue so beginnt, kann kein Zufall sein!

Stammbaum (griechisch: génesis) von Jesus, dem Messias, dem Sohn Davids, des Sohnes Abrahams. Matthäus 1:1, Einheitsübersetzung

Tatsächlich verwendet die hebräische Übersetzung des Neuen Testamentes in Matthäus 1:1 genau dasselbe Wort wie das hebräische Alte Testament in Genesis 2:4, nämlich TOLEDOT:

Dies sind die Zeugungsfolgen (toledot) Jesu Christi, des Sohnes Davids ... Matthäus 1:1

Und wirklich enthalten die ersten Verse des Matthäus-Evangeliums eine Liste der Vorfahren Jesu! Matthäus 1 schafft damit die (bio-) logische Verknüpfung zweier Bücher, die beide den Stammbaum von Himmel und Erde zum Inhalt haben. Und umgekehrt übersetzt die Septuaginta, die von Juden aus der Zeit vor Christus stammende griechische Übersetzung, in Genesis 2:4 wörtlich gleich mit dem, was im griechischen Text von Matthäus 1:1 steht:

Dies ist das Buch des Geschlechtes (griechisch génesis) der Himmel und der Erde ... Genesis 2:4

Was ist das häufigste Hauptwort des Alten Testamentes?

Was für eine herausragende Bedeutung das Thema “Abstammung” in der Bibel hat, spiegelt sich auch im Wortschatz des Alten Testamentes auffällig wieder: Nach dem Gottesnamen JaHWäH (6.828 Vorkommen) ist Ben = Sohn mit großem Abstand das häufigste Hauptwort (4.929 Vorkommen), gefolgt von Älohim = Gott (2600 Mal). Allen diese drei Worte enthalten schon eine richtungsweisende Aussage: JHWH - Sohn - Gott.

Nehmen wir die Bibel doch wirklich “beim Wort”!

Dies alles sind deutliche Belege dafür, dass wir nicht eine Meinung in den Bibeltext hineingelesen, sondern nur wieder ans Licht gebracht haben, was er schon seit Jahrtausenden sagt. Jetzt, wo wir den Schlüssel in Händen halten, können wir eintreten in die Schatzkammern dieses alten Buches. Gehen wir den Schöpfungsbericht also einfach Satz für Satz durch, damit tatsächlich der Bibeltext selber “zu Wort” kommen kann. Wir dürfen uns auf weitere Überraschungen gefasst machen!


 

Der Schöpfungsbericht der Bibel

 

Dies ist der Text von Genesis 1:1-2:4 nach der allgemein als sehr genau und grundtextnah anerkannten “Elberfelder Bibel”. Die Überschriften und Fußnoten wurden vom Verfasser eingefügt, die Anmerkungen in Klammern stammen aus den Fußnoten der Elberfelder Bibel selber.

Die Erschaffung des Universums

1   Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Die Tohuwabohu-Zeit der Erde

2   Und die Erde war (oder: wurde) wüst und leer,
und Finsternis war über der Tiefe (oder Flut)
.

Erstes Leben in den Gewässern der Urerde

     Und der Geist Gottes schwebtericheph über den Wassern.

Erster Zeitraum: Sonnenlicht dringt bis zur Erdoberfläche

3   Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.

4   Und Gott sah das Licht, dass es gut war.

     Und Gott schied das Licht von der Finsternis.

5   Und Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.


Zweiter Zeitraum: Eine Atmosphäre entsteht

6   Dann sprach Gott: Es werde eine Wölbungraqia mitten in den Wassern, und es sei eine Scheidung zwischen den Wassern und den Wassern!

7   Und Gott machte die Wölbung und schied die Wasser, die unterhalb der Wölbung von den Wassern, die oberhalb der Wölbung waren. Und es geschah so.

8   Und Gott nannte die Wölbung Himmel. 
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein zweiter Tag.

Dritter Zeitraum: Das Festland taucht aus dem Urmeer auf

9   Und Gott sprach: Es sollen sich die Wasser unterhalb des Himmels an einen Ort sammeln, und es werde das Trockene sichtbar! Und es geschah so.

10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Ansammlung der Wasser nannte er Meere. Und Gott sah, dass es gut war.

Pflanzen besiedeln das Festland

11 Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras hervorsprossen, Kraut, das Samen hervorbringt, Fruchtbäume, die auf der Erde Früchte tragen nach ihrer Artmin, in denen ihr Same ist! Und es geschah so.


12 Und die Erde brachte Gras hervorjatsa, Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art, und Bäume, die Früchte tragen, in denen ihr Same ist nach ihrer Art.    
Und Gott sah, dass es gut war.

13 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen - ein dritter Tag.

Vierter Zeitraum: Die Atmosphäre klart auf

14 Und Gott sprach: Es sollen Lichterma-or an der Wölbung des Himmels werden, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und (zur Bestimmung von) Zeiten und Tagen und Jahren,

15 und sie sollen als Lichter an der Wölbung des Himmels dienen, um auf die Erde zu leuchten! Und es geschah so.

16 Und Gott machteasah die beiden großen Lichter: das größere Licht zur Beherrschung des Tagesjom und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht, und die Sterne.

17 Und Gott setztenatan sie an die Wölbung des Himmels, über die Erde zu leuchten

18 und zu herrschen über den Tag und über die Nacht, und um zwischen dem Licht und der Finsternis zu scheiden. Und Gott sah, dass es gut war.

19 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen - ein vierter Tag!


Fünfter Zeitraum: Tierisches Leben in den Meeresgewässern

20 Und Gott sprach: Es sollen die Wasser vom Gewimmel lebender Wesennäphäsch wimmeln, und Vögeloph sollen über die Erde fliegen unter der Wölbung des Himmels!

21 Und Gott schuf die großen Seeungeheuertannin und alle sich regenden lebenden Seelen, von denen die Wasser wimmeln, nach ihrer Art und alle geflügelten Vögel nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.

22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde!

23 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.

Sechster Zeitraum: Landtiere kommen heraus

24 Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Wesen hervorjatsa nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und (wilde) Tiere der Erde nach ihrer Art! Und es geschah so.

25 Und Gott machte die (wilden) Tiere der Erde nach ihrer Art und das Vieh nach seiner Art und alle kriechenden Tiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. 
Und Gott sah, dass es gut war.


Die Menschheit wird erst zubereitet und dann erschaffen

26 Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machenasah in unserem Bild, nach unserem Abbild! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!

27 Dann schuf Gott den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau (wörtlich: männlich und weiblich) schuf er sie.

Segnung und Herrschaftsauftrag für die Menschheit

28 Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie (euch) untertan, und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!

Privileg der Menschen: Früchte und Samen als Nahrung

29 Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch alles samentragende Kraut gegebennatan, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an dem samentragende Baumfrucht ist: es soll euch zur Nahrung dienen.

30 Aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, in dem eine lebende Seelenäphäsch ist, (habe ich) alles grüne Kraut zur Speise (gegeben).

31 Und es geschah so. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: das war der sechste Tag.


Siebter Zeitraum: Vollendung des Werkes

2:1 So wurden die Himmel und die Erde und ihr ganzes Heertsaba vollendet.

2:2 Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte.

Segnung und Heiligung des siebten Tages

2:3 Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte.

Der zusammenfassende Untertitel

2:4 Dies ist die Entstehungsgeschichtetoledot

     (Fußnote der Elberfelder Bibel:     
“Hebräisch toledot, das heißt wörtlich Erzeugungen,   
es bedeutet im AT Nachkommen, Geschlechterfolge ...”)

     der Himmel und der Erde, 
als sie geschaffen wurden, an dem Tag,     
an dem Gott, der HERR, Erde und Himmel machte.


 

Der Urknall, eine christliche Idee

 

Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde!
Genesis 1:1

Auf Hebräisch sehen die ersten Worte der Bibel so aus:

Und ausgesprochen werden sie ungefähr so:

“Böreschit bara ÄLOHIM et ha-schamajim wö-et ha-aräts”

Diese Worte sind Jahrtausende alt. Aber erst vor ungefähr hundert Jahren sind auch die Naturwissenschaftler zu derselben Erkenntnis gelangt, dass das Weltall nämlich tatsächlich einen Anfang hat:

Die säkulare Wissenschaft ist immer davon ausgegangen, dass das Universum ewig ist. Gottgläubige mussten einfach sagen: “Also gut, selbst wenn das Universum statisch zu sein scheint, hat es trotzdem einen Anfang gehabt, als Gott es schuf.” Die Entdeckung des 20. Jahrhunderts, dass das Universum kein unveränderliches, ewiges Gebilde ist, war für säkulare Denker ein völliger Schock. Sie kam völlig unerwartet.     
Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer”, Seite 143

Der “Urknall” ist also nicht eine atheistische, sondern eine christliche Idee! Die “Ungläubigen” unter den Naturwissenschaftlern konnten sich nur zögernd mit diesem Konzept anfreunden und nur, weil die Fakten sie dazu zwangen:

Es war ein Mann Gottes, der auf die Idee mit dem Urknall kam. Ende der zwanziger Jahre erfuhr der junge belgische Priester und Astronom Georges Lemaître von einer rätselhaften Entdeckung. Sein amerikanischer Forscherkollege Edwin Hubble hatte beobachtet, dass sich alle Galaxien rasend schnell von der Erde fort bewegen. Die fernen Sterneninseln, so fiel Lemaître auf, verhalten sich wie Granatsplitter nach einer Detonation. Kurz darauf veröffentlichte er im Wissenschaftsmagazin 'Nature' eine phantastisch klingende Hypothese: Vor Äonen, so der Priester, explodierte ein “Uratom”, aus dem dann Raum, Zeit und Materie entstanden seien.  
Die Himmelsforscher waren entsetzt. Ihr gottesfürchtiger Kollege musste sich irren. Unter allen Umständen wollten sie in ihren kosmologischen Modellen so etwas wie einen Schöpfungsakt vermeiden. Doch der Priester behielt Recht. Heute zweifelt kaum noch ein Astronom daran, dass alles einmal mit einem großen Knall angefangen hat. Vor 15 Milliarden Jahren ... 
O. Stampf, DER SPIEGEL 2/2002 Seite 148

Während in früheren Jahrhunderten die Menschen mit bloßem Auge den Sternenhimmel betrachteten und dadurch unwillkürlich in ihrem Glauben an einen allmächtigen Gott bestärkt wurden, sind nun die Erkenntnisse der modernen Astronomie ein noch stärkeres Argument für den Glauben an einen Urheber aller Dinge geworden, das auch - oder gerade - hochkarätige Wissenschaftler überzeugt:

Die Astronomie führt uns zu einem einzigartigen Ereignis, einem Universum, das aus dem Nichts erschaffen wurde, ... und dem ein (man könnte sagen übernatürlicher) Plan zu Grunde liegt ...     
Die besten Angaben, die die Wissenschaft uns liefert, sind genau das, was ich vorhergesagt hätte, wenn ich nichts anderes gehabt hätte als die fünf Bücher Mose.   
Nobelpreisträger Arno Penzias, zitiert in: Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer” Seite 203

Ein weiteres Beispiel hierfür ist Allan Rex Sandage, ein weltweit bekannter Kosmologe, der durch seine Arbeit das Mysterium der Quasare sowie das Alter von Kugelstemhaufen ergründet hat, der die Entfernungen zwischen fernen Galaxien genau bestimmt und die Ausdehnung des Universums quantifiziert hat. Er war von Kindesbeinen an Atheist gewesen, doch durch seine Forschungen kam er zum Glauben an Gott:

Meine Wissenschaft hat mich zu dem Schluss gebracht, dass die Welt sehr viel komplizierter ist, als es sich durch die Wissenschaft erklären lässt ... Erst durch das Übernatürliche kann ich das Geheimnis meiner Existenz verstehen. Allan Rex Sandage, zitiert in Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer” Seite 95,96

Die Welt ist nicht so überschaubar und durchschaubar geworden, dass Gott keinen Platz mehr in ihr hätte, wie man zur Zeit der sogenannten Aufklärung meinte. Im Gegenteil, das Weltall hat sich inzwischen vielmehr als so unvorstellbar groß und komplex erwiesen, dass die Intelligenz und Macht seines Schöpfers für Menschen unermesslich ist. Es sind nicht die Lücken unserer Erkenntnis, die Gott zu füllen hätte, und die immer kleiner werden, sondern gerade die nachvollziehbare Logik der Schöpfung verlangt einen denkenden Planer, ein für uns unvorstellbares Genie:

Gottes Größe schrumpft nicht mit unseren Wissenslücken,
sondern sie wächst mit unserer Erkenntnis!


Was meint die Bibel mit “erschaffen”?

Das hebräische Wort bara = erschaffen bezeichnet einen plötzlichen Akt, bei dem Gott aus sich heraus etwas völlig Neues ins Dasein bringt. Deshalb ist “Urknall” keine schlechte Umschreibung für das, was die Bibel “Erschaffung von Himmel und Erde” nennt:

Innerhalb von drei Minuten ... entstanden 98 Prozent aller Materie, die es gibt oder jemals geben wird. Wir haben ein Universum. Es ist ein Ort der wunderbarsten und befriedigendsten Möglichkeiten und außerdem ist er auch noch schön. Und all das war in etwa der Zeit erledigt, die man braucht, um sich ein Butterbrot zu schmieren.
Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer”, Seite 127

Tatsächlich, Gottes Schöpfungen geschehen relativ schnell, doch wäre es ein Missverständnis zu meinen, das Ergebnis seien fix und fertige Endprodukte! Im Gegenteil, Schöpfungsakte bringen immer den Rohstoff für weitere Entwicklungen hervor. Darum wird die Schöpfung in Genesis 1:1 ja auch ausdrücklich als “Anfang” bezeichnet, was eine Weiterentwicklung zwingend erwarten lässt!

Das für uns vielleicht anschaulichste Beispiel dafür, was die Bibel unter Schöpfung versteht, ist die Zeugung jedes einzelnen Menschen im Mutterleib, die zugleich ein Schöpfungsakt Gottes ist:

... jeden, den ich zu meiner Ehre geschaffen habe (bara'). Jesaja 43:7, vergleiche Psalm 102:19, Maleachi 2:10

Die körperlichen Eigenschaften einer Person werden durch die Gene bestimmt, die bei der Befruchtung der Eizelle festgelegt werden. Dies geschieht in sehr kurzer Zeit, relativ plötzlich. Doch es ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer intensiven Entwicklung, in der die persönlichen Eigenschaften sich entfalten. Diese “Evolution” der einzelnen Person läuft nicht vollautomatisch ab, sondern hängt wiederum von vielen äußeren Einflüssen und eigenen Entscheidungen und Handlungen ab. Dies zeigt deutlich, in welch hohem Maße natürliche Prozesse mit Gottes Schöpfungsakten verwoben sein können.

Nur drei Schöpfungsakte im ganzen Schöpfungsbericht!

Es ist zwar wahr, dass nur Gott etwas erschaffen kann und deshalb zu recht als einziger “Schöpfer” genannt werden kann. Aber er ist mehr als nur Schöpfer: Die Bibel kennt mindestens 700 Namen für Gott, die alle verschiedene Aspekte seines Wesens beleuchten[2]. Es wäre deshalb falsch zu meinen, Gott habe in Genesis 1 ausschließlich Schöpfungsakte vollbracht! Im Gegenteil: In der hebräischen Bibel ist bara = erschaffen ein recht seltenes Wort, auf mehr als tausend Seiten kommt es nur 47 Mal vor! Selbst in den 35 Versen des “Schöpfungsberichtes” werden nur drei Schöpfungsakte genannt, und zwischen dem ersten und dem zweiten Schöpfungsakt liegen zwanzig Verse Entwicklung:

Genesis 1:1       Himmel und Erde     =    Materie, Raum und Zeit

Genesis 1:21     Tiere                          =    seelische Lebewesen

Genesis 1:27     Menschen                  =    geistige Lebewesen

Diesen drei Schöpfungen entsprechen auf Seiten der Naturwissenschaften drei Ereignisse, die derartig plötzlich verliefen, dass sie die Naturwissenschaftler bis heute vor grundsätzliche Rätsel stellen und in zwei Fällen “explosive” Namen bekamen - sie stellen unübersehbare Hinweise auf einen Schöpfergott dar:

·          Der Urknall, die plötzliche und zugleich unerklärliche Entstehung der Materie

·          Die Kambrische Explosion, das plötzliche Erscheinen tierischen Lebens

·          Der kometenhafte Aufstieg der Menschheit

Die drei Neuschöpfungen sind in den Zeugungsfolgen von Himmel und Erde wie Säulen, die die gesamte Entwicklung tragen. Gleichzeitig sind sie eng verwoben mit den Abstammungs- und Entwicklungsprozessen, die letztlich ebenso von Gott bewirkt wurden, nur auf andere Art und Weise.

 

   Ergebnis: Die Schrift lehrt einerseits Schöpfung, denn sie betont, dass drei Schöpfungsakte Gottes die Abstammungsreihe des irdischen Lebens tragen:

·         Die Erschaffung der Materie “im Anfang”, der “Urknall”, Genesis 1:1

·         Die Erschaffung tierisch-seelischen Lebens, die “Kambrische Explosion”, Genesis 1:21

·          Die Erschaffung des Menschen als geistiges Wesen, “Kultur”, Genesis 1:27

Andererseits lehrt sie auch Evolution: Sie bezeichnet das ganze Geschehen als einen Stammbaum, Genesis 2:4. Gott schuf zwar relativ plötzlich Materie, Tierseelen und Menschengeist, aber nicht fix und fertig, sondern in geschichtliche Prozesse hinein und auf weitere Entwicklung hin angelegt: “Gott erschuf, um zuzubereiten” - so lautet der hebräische Text von Genesis 2:3 wörtlich.

Man sollte allerdings drei Dinge klar voneinander unterscheiden, wenn man den Begriff Evolution verwendet:

·          Evolution im Sinne von Abstammung und Höherentwicklung - wie wir es meinen.

·          Evolutions-Theorien als Erklärungsversuche, wie Evolution geschah, zum Beispiel die “Darwin'sche Evolutionstheorie”, die sich auf “Mutation und Selektion” stützt.

·          Evolution-ismus als atheistische Philosophie, die voreingenommen jeglichen Gott ausschließt und nur Zufall und Notwendigkeit als Faktoren für Evolution zulässt.

Die Diskussion “Schöpfung oder Evolution” beruht somit auf einer falschen Fragestellung:

Eine Art falscher Alternativen liegt dann vor, wenn die Frage “entweder - oder” gestellt wird, die sogenannten Alternativen in Wirklichkeit aber lediglich zwei Seiten ein und derselben Münze sind ... Falsche Alternativen liegen fast allen großen Kontroversen in der Geschichte der Evolutionsbiologie zugrunde.”      
Ernst Mayr, “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt, 675

Die Bibel sagt es in einem Satz:

Dies sind die Zeugungsfolgen von Himmel und Erde = Abstammung, Evolution
in ihrem Erschaffenwerden = Schöpfung. Genesis 2:4

Zur Zeit seiner Abfassung verfügte kein Mensch über das Wissen, um ein dermaßen zutreffendes Bild von der Frühzeit der Erde zu zeichnen, wie es der Schöpfungsbericht gibt. Somit drängt sich die Schlussfolgerung auf, dass hier jemand anderes berichtet, was auf der Erde geschah, ehe auch nur irgend ein Mensch auf ihr lebte. Mit anderen Worten: Der Schöpfungsbericht ist nicht das Produkt menschlicher Spekulationen, sondern ein Bericht aus erster Hand, man könnte auch sagen: Eine Visitenkarte Gottes!


 

Die Schöpfung als Gottesbeweis

 

Man könnte über dieses Thema ein eigenes Buch schreiben, und Lee Strobel hat es getan, dessen Werk “Indizien für einen Schöpfer” ich an dieser Stelle empfehlen möchte. Ich selber will mich hier kurz fassen und nur drei naturwissenschaftliche Argumente nennen, die auf einen Urheber und Ordner des Weltalls hinweisen:

1.   Der Satz von der Erhaltung der Energie

Er wird in den Naturwissenschaften als universal gültig angesehen und besagt, dass innerhalb der Schöpfung Energie niemals vermehrt oder vermindert, sondern nur von einer Energieform in die andere überführt werden kann. Der Volksmund würde das so formulieren: “Von nichts kommt nichts”! Demnach muss es einen übernatürlichen Ursprung aller Materie und Energie geben. Diesen Schöpfer, den Urheber aller Dinge, nennen Menschen überall auf der Erde “Gott”.

Die einzige Ausflucht aus dieser Logik bestand in der Annahme, das Weltall sei einfach schon ewig vorhanden gewesen. Aber eben diese Behauptung ist durch den “Urknall” widerlegt: Inzwischen gilt es als wissenschaftlich erwiesen, dass das Weltall nicht schon unendlich existiert, sondern dass es den “Anfang” der Bibel tatsächlich gab: Man nennt ihn “Urknall” und datiert ihn auf ungefähr 13 Milliarden Jahre.

Gott ist die Ursache (lateinisch: causa) aller Dinge, 
und wer kausal denkt, denkt in der Richtung Gottes.        
Gerade weil ich nachgedacht habe,   
bin ich gläubig geblieben.
Louis Pasteur, Chemiker und Bakteriologe

2.     Der Satz von der Entropie

Er besagt, dass jedes System, das sich selber überlassen wird, sich immer von höherer Ordnung in Richtung Unordnung bewegt. Demnach muss am Anfang der Schöpfung eine intelligente Macht stehen, die der Materie ihre Ordnung gegeben hat:

Die moderne Physik lehrt mich, dass die Natur außerstande ist, sich selbst zu ordnen. Das Universum stellt eine große Masse von Ordnung dar. Deshalb ist eine große erste Ursache erforderlich, die nicht dem zweiten Satz der Energieumwandlung unterworfen, die also übernatürlich ist.
Claude Hathaway, Erfinder des “Elektronengehirns”

Wir stellen fest, dass unter den Dingen manche, die keine Erkenntnis haben, wie zum Beispiel die Naturkörper, dennoch auf ein festes Ziel hin tätig sind. Das zeigt sich darin, dass sie immer oder doch in der Regel in der gleichen Weise tätig sind und stets das Beste erreichen. Das beweist aber, dass sie nicht zufällig, sondern irgendwie absichtlich ihr Ziel erreichen. Die vernunftlosen Wesen sind aber nur insofern absichtlich, das heißt auf ein Ziel hin tätig, als sie von einem erkennenden geistigen Wesen auf ein Ziel hingeordnet sind wie der Pfeil vom Schützen. Es muss also ein geistig-erkennendes Wesen geben, von dem alle Naturdinge auf ihr Ziel hingeordnet werden: und dieses nennen wir “Gott.”     
Thomas von Aquin in: Georg Siegmund “Naturordnung als Quelle der Gotteserkenntnis” Seite 54

Und das ist nicht eine überholte Meinung aus dem Mittelalter, sondern hat bis in die Neuzeit hinein Gültigkeit. So schreibt Max Planck, der Begründer der Quantentheorie:

Es gibt ein Gesetz, welches die Eigentümlichkeit hat, dass es auf jedwede den Verlauf eines Naturvorganges betreffende sinnvolle Frage eine eindeutige Antwort gibt, und dies Gesetz besitzt, soweit wir sehen können, ebenso wie das Energieprinzip, genaue Gültigkeit, auch in der allerneuesten Physik. Was wir aber nun als das allergrößte Wunder ansehen müssen, ist die Tatsache, dass die sachgemäßeste Formulierung dieses Gesetzes bei jedem Unbefangenen den Eindruck erweckt, als ob die Natur von einem vernünftigen, zweckbewussten Willen regiert würde. Max Planck

Als Beispiel führt auch er die Lichtbrechung an. Beim Durchgang durch Medien verschiedener Lichtbrechung benutzt das Licht immer diejenige Bahn, ...

... zu deren Zurücklegung es, bei Berücksichtigung der verschiedenen Fortpflanzungsgeschwindigkeiten in den verschiedenen Luftschichten, die kürzeste Zeit braucht. Die Photonen, welche den Lichtstrahl bilden, verhalten sich also wie vernünftige Wesen. Sie wählen sich unter allen möglichen Kurven, die sich ihnen darbieten, stets diejenige aus, die sie am schnellsten zum Ziele geführt. Max Planck in: Georg Siegmund “Naturordnung als Quelle der Gotteserkenntnis” Seite 75

Es ist also keinesfalls so, dass Gott durch die zunehmenden Erkenntnisse der Naturwissenschaft immer kleiner würde, sondern im Gegenteil:

Die Größe Gottes wächst in dem Maße,
wie die Logik und Komplexität des Universums
vor unseren Augen zunimmt!


3.     Die “Feinabstimmung des Universums”

Die Genauigkeit, mit der das Weltall geplant worden sein muss, übersteigt das menschliche Vorstellungsvermögen um ein Vielmilliardenfaches. Es hat sich herausgestellt, dass die neuentdeckten Naturkonstanten wie zum Beispiel das Plancksche Wirkungsquantum oder die Wirkung der Gravitation bis auf die vierzigste Stelle hinter dem Komma genau stimmen müssen, damit das Weltall überhaupt entstehen konnte:

Das Weltall ist uns so unwahrscheinlich günstig gesinnt, dass es geplant zu sein scheint. Wäre zum Beispiel die Materiedichte im Urknall nur um den zehn-hoch-vierzigsten Teil größer gewesen, wäre das Universum in kurzer Zeit wieder kollabiert.   
Andreas Tammann, Astronomie-Professor Basel

Hinzu kommen die extrem unwahrscheinlichen Bedingungen, die dann ein Leben auf konkret dieser Erde überhaupt erst möglich gemacht haben - die Art und Zusammensetzung der Elemente auf der Erde, deren Größe und Lage im Sonnensystem und in der Galaxie, die Achsenneigung, Umlaufzeiten, der Mond usw.:

Das Universum ist offensichtlich eine abgekartete Sache. Es gibt zu vieles, was zwar wie durch Zufall entstanden aussieht, es aber nicht ist. Eine vernünftige Interpretation der Tatsachen legt den Gedanken nahe, dass eine Superintelligenz mit Physik, Biologie und Chemie jongliert hat und dass es in der Natur keine blinden Kräfte gibt, die der Rede wert wären.     
Sir Fred Hoyle, Physiker und Astronom

Mit anderen Worten: Die Natur-Gesetze, die all dem zugrunde liegen, müssen von jemandem gesetzt worden sein.

Die große Fülle moderner Entdeckungen hat den alten Materialismus vollkommen zerstört. Das Universum zeigt sich heute unseren Augen als Gedanke. Ein Gedanke aber setzt das Vorhandensein eines Denkers voraus. Sir John A. Fleming, Physiker, Radiotechniker

Deshalb wird Gott durch die zunehmenden menschlichen Erkenntnisse nicht immer kleiner, sondern ganz im Gegenteil, die Größe Gottes wächst in dem Maße, wie die Größe und Komplexität des Universums vor unseren Augen zunimmt:

Je mehr das Feld der Wissenschaft sich erweitert,
desto zahlreicher und unverwerflicher werden die Beweise für die ewige Existenz einer schöpferischen und allmächtigen Weisheit.     
W.Herschel, Astronom, Entdecker des Uranus

Je tiefer wir in das harmonische ... Walten der Naturkräfte eindringen, desto mehr fühlen wir uns zu demütiger Bescheidenheit angeregt ... desto höher steigt unsere Bewunderung der unendlichen ordnenden Weisheit, welche die ganze Schöpfung durchdringt.     
Werner von Siemens, Begründer der Elektrotechnik

Das Weltall hat mit seinem Alter und seiner Größe von 13 Milliarden (Licht-) Jahren inzwischen ein Ausmaß erreicht, das eines allmächtigen Gottes sicher würdiger ist als die menschlich überschaubare, kleine und junge Welt des Mittelalters. Aber das Ende ist noch nicht in Sicht:

Je mehr ein Mensch die Geheimnisse des Universums seinem Willen beugt und erforscht, desto mehr wird ihm zum Entdecken übrigbleiben, denn er wird die Unendlichkeit des Unendlichen begreifen. 
Guglielmo Marconi, Nobelpreis Physik 1909,   
Erfinder von drahtloser Telegraphie, Radio und Fernsehen


Was sagt die Bibel zum Thema “Gottesbeweis”?

Die Bibel betont, dass die Schöpfung ein klarer Beweis für die Existenz Gottes ist:

Das von Gott Erkennbare ist unter den Menschen offenbar, weil Gott es ihnen offenbar gemacht hat. Denn sein unsichtbares (Wesen) wird seit der Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut: Seine ewige Kraft und Göttlichkeit - damit sie ohne Entschuldigung seien ... Römer 1:19,20

Aus der Schöpfung können wir zwar bei weitem nicht das ganze Wesen Gottes erfassen, aber zwei seiner Eigenschaften können wir ganz klar aus ihr erkennen: Seine Göttlichkeit und seine ewige Kraft. Das ist für jedermann “erkennbar = gnohstós“ und “offenbar = phanerós”, das kann “mit dem Verstand wahrgenommen = no-éoh“ und sogar “geschaut = kat-horáoh“ werden.

Paulus bestätigt mit seinen Sätzen außerdem die Erkenntnis, dass wir grundsätzlich nur dann etwas über Gott wissen können, wenn er es von sich aus offenbart: “Weil Gott es ihnen offenbar gemacht hat”. Ein Gottesbeweis ist deswegen, ganz einfach gesagt, “wenn Gott sich beweist”.

Gott selber ist zwar unsichtbar, er ist Geist, doch sein Wirken in der Schöpfung beweist sein Dasein - so wie ein Wind selber nicht sichtbar ist, aber dennoch eindeutig durch seine Wirkung wahrgenommen wird: “Geist” und “Wind” ist in den Ursprachen der Bibel jeweils dasselbe Wort (hebräisch ruach, griechisch pneuma). Das Gemälde ist Beweis für die Existenz eines Malers, die Uhr ein Beweis für den Uhrmacher. Dieser Beweis ist so stark, dass jeder Unglaube “ohne Entschuldigung” bleibt. Die Bibel vertritt also den Standpunkt, dass die Schöpfung ein offensichtlicher, unwiderlegbarer Beweis für die Existenz Gottes ist. Doch wie sieht die Sache aus der Sicht der Naturwissenschaften aus?

Wer denkt, muss glauben!

Die Logik und Größe der Schöpfung hat zu allen Zeiten auch Naturwissenschaftler davon überzeugt, dass es einen intelligenten und mächtigen Schöpfer geben muss. Mehr noch, einige der größten unter ihnen waren der Überzeugung, dass echte Naturwissenschaft letztlich jeden Forscher zu dem Punkt bringen muss, an dem er zum Glauben an Gott kommt. Wer wirklich in die Tiefe gehende Naturforschung betreibt, wird unweigerlich zu dem Ergebnis kommen, dass es einen Gott gibt - das ist die Überzeugung von Naturwissenschaftlern wie Albert Einstein und Max Planck:

Jedem tiefen Naturforscher muss eine Art religiösen Gefühls naheliegen, weil er sich nicht vorstellen mag, dass die ungemein feinen Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum ersten Mal gedacht werden.   
Albert Einstein, Begründer der Relativitätstheorie, Nobelpreis Physik

Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen. Max Planck, Begründer der Quantentheorie,
Nobelpreis Physik

Diese beiden Spitzenwissenschaftler sind deshalb nur zwei Beispiele für viele andere. Mehr als fünfzig solcher Aussagen sind in dem gratis zu beziehenden Heft “Bekenntnisse - Zitate berühmter Naturwissenschaftler zum Thema Gott” gesammelt. Sie finden sich außerdem in dem Buch “Gottes Beweise - Gute Gründe, an ihn zu glauben”, das vom Verfasser zum Selbstkostenpreis bezogen oder aus dem Internet gratis heruntergeladen werden kann. Hier auszugsweise noch einige weitere Bekenntnisse.


 

Bekenntnisse berühmter Naturwissenschaftler

 

Charles Darwin (1809-1895), Begründer der Evolutionstheorie

Ich kann mich keineswegs damit abfinden, dieses wunderbare Universum und insbesondere die Natur des Menschen zu betrachten und zu folgern, dass alles nur das Ergebnis roher Kräfte sei.  
Stuhlhofer “Weltreise zum Agnostizismus” Seite 75,76

Ich habe niemals die Existenz Gottes verneint. Ich glaube, dass die Entwicklungstheorie absolut versöhnlich ist mit dem Glauben an Gott. - Die Unmöglichkeit des Beweises und Begreifens, dass das großartige, über alle Maßen herrliche Weltall ebenso wie der Mensch zufällig geworden ist, scheint mir das Hauptgargument für die Existenz Gottes.  
Ernst Frankenberger “Gottbekenntnisse großer Naturforscher”

Max Planck (1858-1947), Physiker,
Begründer der Quantentheorie

Den unmittelbarsten Beweis für die Verträglichkeit von Religion und Naturwissenschaft bildet die historische Tatsache, dass gerade die größten Naturforscher aller Zeiten, Männer wie Kepler, Newton, Leibniz von tiefer Religiosität durchdrungen waren.

Religion und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander.

Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang,    
für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen.

Albert Einstein, Physiker (1879-1955)

Jedem tiefen Naturforscher muss eine Art religiösen Gefühls naheliegen, weil er sich nicht vorstellen mag, dass die ungemein feinen Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum ersten Mal gedacht werden.

Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft.

Die gängige Vorstellung, ich sei ein Atheist, beruht auf einem großen Irrtum. Wer sie aus meinen wissenschaftlichen Theorien herausliest, hat sie kaum begriffen ...

Nicht Gott ist relativ, und nicht das Sein, sondern unser Denken.

Ich glaube nicht, dass Wissenschaft und Religion notwendigerweise Gegensätze sind. Ich denke vielmehr, es gibt zwischen den beiden eine sehr enge Verbindung. Außerdem glaube ich, Wissenschaft ohne Religion ist lahm und Religion ohne Wissenschaft blind. Beide sind wichtig und sollten Hand in Hand arbeiten ...

Ich glaube an das Rätselhafte, und, offen gesagt, ich begegne diesem Rätselhaften manchmal mit großer Furcht. Mit anderen Worten, ich glaube, es gibt im Universum viele Dinge, die wir nicht wahrnehmen oder durchschauen können. 
(Einstein in: A.Bucky “Der private Albert Einstein”, Seite 159)

Meine Religiosität besteht in einer demütigen Bewunderung für den unendlich höheren Geist, der sich in dem wenigen offenbart, das wir - mit unserem schwachen, flüchtigen Verständnis - von der Wirklichkeit erfassen können.

Johannes Kepler(1571-1630), Mathematiker und Astronom

Astronomie treiben heisst die Gedanken Gottes nachlesen.
Ernst Frankenberger: “Gottbekenntnisse großer Naturforscher”

Werner von Braun, Physiker, Raumfahrttechniker

Die gelegentlich gehörte Meinung, dass wir im Zeitalter der Weltraumfahrt so viel über die Natur wissen, dass wir es nicht mehr nötig haben, an Gott zu glauben, ist durch nichts zu rechtfertigen. Bis zum heutigen Tag hat die Naturwissenschaft mit jeder neuen Antwort wenigstens drei neue Fragen entdeckt. Nur ein erneuerter Glaube an Gott kann die Wandlung herbeiführen, die unsere Welt vor der Katastrophe retten kann. Wissenschaft und Religion sind dabei Geschwister, keine Gegensätze ... Über allem stehe die Ehre Gottes, der das große Universum schuf!

Arthur S. Eddington, Astronom und Physiker

Die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. Keiner der Erfinder des Atheismus war Naturwissenschaftler. Alle waren sie sehr mittelmäßige Philosophen. Ernst Frankenberger “Gottbekenntnisse großer Naturforscher”

Lord Thomson Kelvin, Physiker

Überwältigende Beweise von Intelligenz und wohlwollender Absicht umgeben uns, zeigen uns die ganze Natur hindurch das Wirken eines freien Willens und lehren uns, dass alle lebenden Wesen von einem ewigen Schöpfer-Herrscher abhängig sind.     
Ernst Frankenberger: “Gottbekenntnisse großer Naturforscher”)

Isaak Newton, Physiker, Mathematiker, Astronom

Die wunderbare Einrichtung und Harmonie des Weltalls kann nur nach dem Plane eines allmächtigen Wesens zustande gekommen sein. Das ist und bleibt meine letzte und höchste Erkenntnis.     
Ernst Frankenberger: “Gottbekenntnisse ...”

Galileo Galilei

Zwei Wahrheiten können sich nie widersprechen ... Denn die Heilige Schrift wie auch die Natur haben ihren Ursprung gleichermaßen im Worte Gottes. Gott offenbart sich uns in ebenso wunderbarer Weise in den Handlungen der Natur wie in den ehrwürdigen Sätzen der Heiligen Schrift.

Thomas Alva Edison, Erfinder, mehr als 1.200 Patente

Den größten Respekt und die größte Bewunderung für alle Ingeneure, besonders für den größten unter ihnen: Gott!  
Ernst Frankenberger “Gottbekenntnisse ...”

Robert Andrews Millikan, Physiker, Nobelpreis 1923

Leute, die wenig von Wissenschaft wissen, und Leute, die wenig von Religion verstehen, mögen sich einmal streiten, und die Zuschauer mögen denken, da streiten sich nun die Wissenschaft und der Glaube, während es sich in der Tat um einen Zusammenstoß zwischen zwei Arten von Unwissenheit handelt.     
Ernst Frankenberger: “Gottbekenntnisse großer Naturforscher”

Blaise Pascal. Mathematiker, Physiker

Es wäre nicht gerecht gewesen, wenn Gott in seiner Weise erschienen wäre, also vollkommen göttlich und absolut fähig, alle Menschen zu überzeugen.     
Aber es wäre auch nicht gerecht gewesen, wenn er so verborgen gekommen wäre, dass er von denen nicht hätte erkannt werden können, die ihn ernsthaft suchen ...
Für die, die wirklich sehen wollen, ist Licht genug da 
und Verdunklung für die, die anders gesinnt sind.

Pascual Jordan, Physiker, Begründer der Quantentheorie

Alle Hindernisse, alle Mauern, welche die ältere Naturwissenschaft auf dem Wege zur Religion aufgerichtet hatte, sind heute nicht mehr da! Hattrup, Seite 52

Allan Sandage, Astronom (“Mister Cosmology”)

Als junger Mann war ich praktizierender Atheist. Die Erforschung des Universums hat mir gezeigt, dass die Existenz von Materie ein Wunder ist, das sich nur übernatürlich erklären lässt. 
Lee Strobel: “Indizien für einen Schöpfer”

Werner von Braun, Physiker, Raumfahrttechniker

Mir fällt es ebenso schwer, einen Wissenschaftler zu verstehen, der nicht anerkennt, dass es hinter dem Universum noch eine übergeordnete Realität gibt, wie ich Schwierigkeiten damit habe, einen Theologen zu verstehen, der die wissenschaftlichen Fortschritte leugnet. " 
Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer”, Seite 359

Charles Darwin, Begründer der Evolutionstheorie

Die Frage, ob ein Schöpfer und Regierer des Weltalls existiert, ist von den größten Geistern, welche je gelebt haben, bejahend beantwortet. (Einiger, Seite 186)

Werner Heisenberg, Physiker

Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch. Aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.


 

Die Tohuwabohu-Katastrophe der Erde

 

 

Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde.
Die Erde aber wurde
[3] tohu-wabohu,
und Finsternis war über der Flut.
Doch der Geist Gottes brütete über den Wassern.
Genesis 1:1-2

Die “Tonart” des Schöpfungsberichtes

Die ersten Worte des Schöpfungsberichtes gleichen dem Notenschlüssel eines Musikstücks, der ganz zu Beginn die Grundtonart festlegt, in der das ganze Werk geschrieben ist. Übersieht man diese Vorzeichen oder deutet sie falsch, dann geht man von Anfang an in die Irre und kann wichtige Zusammenhänge des ganzen Textes nicht verstehen. Man kann zwar die einzelnen “Noten” für sich genommen buchstabieren, insgesamt werden sich aber schwerwiegende Missklänge ergeben. Deshalb wollen wir die ersten Worte genau betrachten und in der Folge konsequent berücksichtigen:

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.    
Genesis 1:1

Von nun an ist die Existenz des Weltalls mit einer Ur-Erde vorausgesetzt. Interessant ist, dass zuerst die Himmel genannt werden, danach die Erde. Auch die Naturwissenschaften gehen ja davon aus, dass zuerst Galaxien und Sterne, entstanden, danach die Erde. Der hebräische Text fährt dann nicht mit “und dann wurde” fort, wie es in den folgenden Versen immer wieder heißt und in der Bibel hunderte Male vorkommt (hebräisch: wajjehi), sondern “we-ha-aräts = die Erde aber”:

Die Erde aber (we-ha-aräts) wurde tohu-wa-bohu.
Genesis 1:2

Wie auch in anderen gleichlautenden Bibelstellen liegt die Betonung hier auf dem Gegensatz: Himmel - Erde:

Die Himmel sind die Himmel des HERRN, aber die Erde (we-ha-aräts) hat er den Menschenkindern gegeben. Psalm 115:16, ähnlich Prediger 1:4, Hesekiel 14:16

Jetzt verengt sich das Blickfeld auf die Erde. Alle von hier an geschilderten Ereignisse betreffen den Planeten Erde nach seiner Erschaffung, und nicht die (Sternen-) Himmel. Und mehr noch, in irgend einer Weise steht die Erde von nun an in einem gewissen Gegensatz zu den Himmeln, denn sie allein wird tohu-wa-bohu genannt!

Jedenfalls widerlegt die Aussage, dass die Erde tohu-wabohu war, die manchmal von Gläubigen vertretene Meinung, die Schöpfung oder die Erde wäre von Anfang an fix und fertig erschaffen worden. Im Gegenteil, in einer frühen Phase nach ihrer Erschaffung war die Erde in einem chaotischen Zustand: Und Finsternis war über der Flut (tehom) ... Zur Zeit des Tohuwabohu war die Erde also von Finsternis und von Wasser bedeckt, denn das hebräische Wort tehom bezeichnet große, turbulente Wassermassen (Gesenius 871, Koehler 1019). Erst aufgrund der darauffolgenden Entwicklungsprozesse wurde sie zu dem, was sie heute ist! Aber mehr noch:

Der Ausdruck “Tohuwabohu” weist auf eine Katastrophe hin!

Und die Erde wurde tohu-wa-bohu ... Genesis 1:2

Im Deutschen gebrauchen wir diesen Ausdruck, um ein totales Durcheinander, ein Chaos, zu beschreiben. Doch wir können natürlich nicht vom deutschen Sprachgebrauch ausgehen, wenn wir diese wichtige Aussage richtig deuten wollen. Entscheidend ist vielmehr, was diese Worte im Hebräischen bedeuten: Das Wort tohu kommt 20 Mal im Alten Testament vor und wird übersetzt mit: Wüste, Einöde, vergeblich, Eitelkeit, Leere, Nichtigkeit, Verwüstung. Das Wort bohu kommt nur noch an zwei weiteren Stellen vor, beide Male zusammen mit tohu, so wie in Genesis 1:2:

Und Edoms Bäche verwandeln sich in Pech und sein Boden in Schwefel, und sein Land wird zu brennendem Pech ... Trümmern ... Und er spannt darüber die Messschnur der Öde (tohu) und das Senkblei der Leere (bohu). Jesaja 34:11

Ich schaue die Erde an, und siehe, sie ist wüst und leer (tohu wabohu), und zum Himmel, und sein Licht ist nicht da. Die Berge beben, und alle Hügel schwanken. Kein Mensch ist da, und alle Vögel des Himmels sind entflohen. Ich schaue, und siehe, das Fruchtland ist eine Wüste, und alle seine Städte sind niedergerissen vor der Glut seines Zornes ... Darum wird die Erde trauern, und der Himmel oben schwarz werden. Jeremia 4:23

Beide Male ist im Textzusammenhang von verheerenden Katastrophen die Rede, die Verwüstung über ein Land bringen. Tohu und bohu sind dabei “Messschnur und Senkblei”, also der Inbegriff von Zerstörung und Verwüstung:

Der Ausdruck “wüst” (tohu) und das Beiwort “leer” (bohu) bezeichnen nicht nur etwas Formloses oder Gestaltloses. Vielmehr dient tohu zur Beschreibung einer grauenhaften, unheimlichen, verderben­bringenden Wüste, einer angerichteten Verwüstung oder einer Nichtigkeit.” (Westermann in seinem Genesis-Kommentar). F.Delitzsch kommt zu dem Ergebnis: “Klang und Bedeutung dieses Wortpaares ist grausig” Schneider “Urknall und Schöpfergott” S. 94

tohu - der Inbegriff von Gottesferne, Zerstörung und Mangel

Untersuchen wir die 17 übrigen Stellen, in denen tohu vorkommt (alle Bibelstellen im Anhang dieses Kapitels), dann stellen wir fest:

·          Tohu ist ein anderer Name für den Abfall von Gott, für die Nichtigkeit aller Geistes­haltungen, die nicht Gott anerkennen, sondern Geschöpfe oder Ideologien verehren.

·          In zweiter Linie steht Tohu für die Verwüstung, die auf den Abfall folgt. Denn der Entzug von Gottes Segen und Schutz führt logisch zu Niedergang und Vernichtung.

·          Tohu steht in allen Vorkommen immer in engem Zusammenhang mit Ungerechtigkeit, Verirrung, Götzendienst, Finsternis und lebensfeindlicher Umgebung. Es ist ein Inbegriff für Untreue, Verrat und Götzendienst mit allen seinen Begleiterscheinungen: Täuschung, Verwirrung, Durcheinander, Orientierungslosigkeit, Ausweglosigkeit, Gottesferne, Gottesfeindschaft, Verehrung von dämonischen Mächten, Mangel, Leere, lebensfeindliche Umstände, Zerstörung und Vernichtung.

·          Nirgends wird ein tohu von Gott gewünscht, sondern stellt vielmehr immer eine Folge der Trennung von ihm dar und hat eindeutig einen negativen Beigeschmack!

·          Im Textzusammenhang wird dem Tohu oft die Bundestreue Gottes gegenübergestellt und die Rettung eines Überrestes versprochen, dem die Zukunft gehört.

·          Es gibt in der ganzen Bibel keine einzige Stelle, in der Tohu etwas Positives wäre. Im Gegenteil, es wird ausdrücklich betont, dass es von Gott nicht geschaffen wurde und auch niemals gewünscht war:

Der HERR hat die Himmel erschaffen (bara') ... Er hat die Erde gegründet - nicht tohu hat er sie (die Erde) erschaffen (bara') ... Jesaja 45:18

Wir müssen also davon ausgehen, dass im zweiten Satz der Genesis etwas Schreckliches geschehen ist, das die Erde in eine Gottesferne gerückt hat. Was, wird an dieser Stelle nicht erklärt. Aber die ganze Bibel berichtet, wie Gott eine gefallene Schöpfung wiederherstellt. Bereits ab dem zweiten Satz stimmt irgend etwas nicht, das müssen wir beim Weiterlesen die ganze Bibel hindurch berücksichtigen!

Die Finsternis des Tohuwabohu

Und die Erde wurde tohu-wa-bohu, und Finsternis war über der Fläche der Wirbelflut ... Genesis 1:2

Zu dem Tohu-wa-bohu der Erde von Genesis 1:2 gehörte eine Finsternis, die scheinbar einen negativen Charakter hatte, denn Gottes erstes Handeln wirkte ihr entgegen: “Es werde Licht”! Nur die Helligkeit beurteilt Gott als gut, die Finsternis wird von dieser Wertung ausgenommen. Das lässt an eine andere Tohuwabohu-Stelle denken:

Ich schaue die Erde an, und siehe, sie ist tohu wa-bohu, - und zum Himmel, und sein Licht ist nicht da ... und der Himmel oben schwarz ... Jeremia 4:23

Die Wolken, die das Sonnenlicht von der Erde abhalten, sind ein Symbol dafür, dass die Auswirkungen von Gottes Kraft die Erde in einem Tohuwabohu nicht erreichen können.

Die Urerde aus naturwissenschaftlicher Sicht

Wahrscheinlich wurde die Erde durch dieselbe Katastrophe verwüstet, deren Einschläge und Krater man bis heute auf dem Mond sehen kann. Auf jeden Fall geht man heute davon aus, dass die Erde in der Frühzeit ihrer Entstehung tatsächlich eine Phase durchlaufen hat, in der sie komplett von Wasser bedeckt war, und dass die in jener Zeit vorhandene Gashülle der Erde eine von der heutigen Atmosphäre sehr verschiedene Zusammensetzung aufwies. So beschreibt Hoimar von Ditfurth den früheren Zustand der Erdoberfläche folgendermaßen:

Eine unglaublich dichte Atmosphäre, deren hoher Wasserdampfgehalt nicht einen Schimmer Sonnenlicht durchdringen ließ. Jahrtausendelang ununterbrochen anhaltende Wolkenbrüche, deren Gewalt wir uns nicht mehr vorstellen können. Dazu Temperaturen von mehr als 100 Grad Celsius und eine ununterbrochen in kochenden Wasserdampf eingehüllte Erdoberfläche. Heinz Schumacher “Urknall und Schöpfergott” Seite 103

Tohuwabohu, Finsternis und turbulente Wassermassen, die die ganze Erde bedecken - treffender könnte man einen derartigen Zustand nicht in Worte fassen. Doch die für uns spannendste Aussage wird in den letzten Worten dieses Verses gemacht ...


Alle 20 Vorkommen von tohu in der Bibel

Genesis 1:2   Und die Erde war (oder: wurde) wüst und leer (tohuwabohu), und Finsternis war über der Urflut, und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser.

5.Mose 32:10   Gott fand Jakob (also das Volk Israel) in der Wüste und in der Öde, im Geheul der Wildnis. Er umgab ihn, gab acht auf ihn, er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet ...

1.Samuel 12:21 (2x)   Und weicht nicht ab und folgt nicht den nichtigen (Götzen) nach, die nichts nützen und nicht erretten können, weil sie nichtig sind!

Hiob 6:18   Zur Zeit, wenn sie (die trügerischen Bäche) wasserarm werden, versiegen sie ... Es werden Karawanen abgelenkt von ihrem Weg, ziehen hinauf in die Öde und kommen um.

Hiob 12:24   Den Häuptern des Volkes nimmt er den Mut, in wegloser Einöde lässt er sie umherirren.

Hiob 26:7   Der Scheol ist nackt vor ihm, und keine Hülle hat der Abgrund. Die Schatten beben unter den Wassern und ihren Bewohnern. Gott spannt den Norden aus über der Leere, hängt die Erde auf über dem Nichts ... Durch seine Kraft erregt er das Meer, und durch seine Einsicht zerschellt er Rahab.

Psalm 107:40   Und sie wurden wenig und beugten sich unter der Last von Unglück und Jammer. Er schüttete Verachtung auf Edle, er ließ sie umherirren in wegloser Einöde.

Jesaja 24:10   Darum hat der Fluch die Erde verzehrt, und es büßen, die auf ihr wohnen. Darum sind die Bewohner der Erde dahingeschwunden, und wenig Menschen bleiben übrig. ... Zertrümmert ist die öde Stadt, verschlossen jedes Haus, so dass niemand hineinkommt.

Jesaja 29:21   Und ausgerottet werden alle, die auf Unheil bedacht sind, die den Menschen in einer Rechtssache schuldig sprechen ... und mit nichtigen (Beweisgründen) den Gerechten aus seinem Recht verdrängen.

Jesaja 34:11   Denn einen Tag der Rache hat der HERR, ein Jahr der Vergeltungen für die Rechtssache Zions. Und Edoms Bäche verwandeln sich in Pech und sein Boden in Schwefel, und sein Land wird zu brennendem Pech ... Von Generation zu Generation liegt es in Trümmern ... Und er spannt darüber die Messschnur der Öde (tohu) und das Senkblei der Leere (bohu) ... und alle seine Obersten nehmen ein Ende.

Jesaja 40:17,23   Alle Nationen sind wie nichts vor ihm und gelten ihm als nichtig und leer. Gott ist es, der ... die Fürsten dem Nichts anheimgibt, die Richter der Erde der Nichtigkeit gleichmacht.

Jesaja 41:29   Siehe, sie alle sind Betrug. Nichtigkeit sind ihre Machwerke, Wind und Leere ihre gegossenen Bilder.

Jesaja 44:9   Die Bildner von Götterbildern sind allesamt nichtig, und ihre Lieblinge nützen nichts.

Jesaja 45:18,19   Ihr werdet nicht zuschanden und nicht zunichte werden in alle Ewigkeiten. Denn so spricht der HERR, der die Himmel geschaffen hat - er ist Gott, der die Erde gebildet und sie gemacht hat - er hat sie gegründet, nicht als eine Öde hat er sie geschaffen, sondern zum Bewohnen hat er sie gebildet. Ich sprach zu den Nachkommen Jakobs nicht: Sucht mich vergeblich. Ich bin der HERR, der Gerechtigkeit redet, Wahrheit verkündet.

Jesaja 49:4   Ich aber sagte: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts mein Kraft verbraucht. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

Jesaja 59:4   Niemand lädt vor in Gerechtigkeit, und niemand tritt vor Gericht in Wahrhaftigkeit: Auf Leeres vertrauen, Gehaltloses reden, müt Mühsal schwanger gehen, Unrecht zeugen.

Jeremia 4:23   Denn mein Volk ist närrisch, mich kennen sie nicht. Törichte Kinder sind sie und unverständig. Weise sind sie, Böses zu tun, aber Gutes zu tun verstehen sie nicht. Ich schaue die Erde, und siehe, sie ist wüst und leer (tohuwabohu), - und zum Himmel, und sein Licht ist nicht da. Ich schaue die Berge, und sieh, sie beben, und alle Hügel schwanken. Ich schaue, und siehe, kein Mensch ist da, und alle Vögel des Himmels sind entflohen. ... Öde soll das ganze Land werden, doch will ich nicht ein Ende mit ihm machen. Darum wird die Erde trauern, und der Himmel oben schwarz werden.


 

Das Rätsel der frühen Lebensentstehung

 

... und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Genesis 1:2

Das hebräische Wort richeph, das wir hier mit schweben übersetzt haben, kommt nur noch ein weiteres Mal in der Bibel vor:

Gott fand Jakob in der Wüste und in der Öde (tohu), im Geheul der Wildnis. Er umgab ihn, gab acht auf ihn, er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schützend schwebt (richeph), seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie trägt auf seinen Schwingen, so leitete ihn der HERR ... 5.Mose 32:10

Auch in dieser Stelle ist von einem tohu die Rede, und es wird beschrieben, wie Gott darin Leben beschützt. Dieses Wirken Gottes wird dann mit der Schutzhaltung von Greifvögeln verglichen, die ihre Flügel über den Nestlingen ausbreiten, wobei dasselbe Wort benützt wird wie in Genesis 1:2:

richeph: eigentlich decken, beschützen, daher lagernd oder deckend etwas hegen, pflegen, schützen, über etwas brüten, sich über etwas schützend niederlassen. aramäisch: über etwas liegen, um zu beleben, schützen, hegen.
(Julius Fürst “Handwörterbuch über das AT”, Leipzig 1857, Band 2, Seite 366)

Eine weitere Bestätigung ist, dass die eng verwandten arabischen und syrischen Tätig­keitsworte bedeuten: die Flügel schützend ausbreiten, bzw. sich über etwas legen, brüten, Gesenius 756, Köhler-Baumgartner 886,887. Das bedeutet: In den Gewässern der Urerde müssen schon relativ früh, kurz nach dem “Anfang”, einfache Lebensformen existiert haben! Das erklärt auch, warum nicht gesagt wird, Gott habe im Himmel oder über der Erde gebrütet, sondern eben nur über den in vollkommene Finsternis gehüllten Urgewässern:

Die “Ursuppe” der frühen Tohuwabohu-Erde war das Milieu,
in dem das irdische Leben seine Kinderstube verbrachte.

Die extreme Komplexität des Lebens als Hinweis auf Gott

Tatsächlich musste das Alter des Lebens auf der Erde im Laufe der letzten dreihundert Jahre immer wieder höher datiert werden: “Das Leben erscheint fast so alt wie die ältesten Sediment-Gesteine” (Roland Brinkmann “Abriss der Geologie” Seite 50). Das Problem für viele Wissenschaftler ist dabei, dass die Zeitspanne zwischen der Bildung der Erde und dem Erscheinen erster Lebensformen viel zu kurz ist, um eine rein zufällige Entstehung des Lebens glaubwürdig erscheinen zu lassen. Denn der Entwicklungsabstand zwischen nicht-lebenden organischen Verbindungen und den allereinfachsten Lebensformen ist gigantisch!

Noch ist jedes, auch das komplizierteste technische Gerät, das wir kennen, selbst im Zeitalter der Eroberung des Weltraumes, einfach im Vergleich zur primitivsten Form selbständigen Lebens. Ekkehard Grundmann in seinem Buch über Zellbiologie, zitiert bei Heinz Schumacher “Urknall und Schöpfergott” Seite 105

Auf dem Gebiet der Zellforschung hat eine ähnliche Entwicklung stattgefunden wie auf dem der Kernforschung: Am Anfang meinte man, es mit kleinen Kugeln einfacher Substanz, versehen mit einem soliden Kern zu tun zu haben. Doch dann entpuppten sich die simplen Kügelchen als unvorstellbar komplexe Strukturen. In den Atomen wechselwirken Unmengen von Elementarteilchen und Kräften miteinander, so dass man heute guten Gewissens behaupten kann, dass ein Atom komplizierter aufgebaut ist als eine Schweizer Taschenuhr. Aber in noch viel höherem Maße gilt dies für lebende Zellen:

Wir haben die Zelle immer unterschätzt ...   
Die gesamte Zelle ist wie eine Fabrik, die aus einem ausgeklügelten Netzwerk ineinander greifender Fließbänder besteht, von denen jedes aus einem Satz großer Proteinmaschinen besteht ...  
Bruce Alberts, Vorsitzender der Nationalen Akademie der Wissenschaften      
Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer” Seite 255

E.Mayr äußert deshalb in seinem Standardwerk “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt” (Seite 469) die Überzeugung:

Die klare Erkenntnis, dass die Entstehung des Lebens fast eine Unmöglichkeit war, führt uns vor Augen, wie unwahrscheinlich dieses Ereignis war. Aus diesem Grund sind viele Biologen davon überzeugt, dass die Entstehung des Lebens ein absolut einmaliges Ereignis war. Die Chancen, dass dieses unwahrscheinliche Phänomen mehrere Male eingetreten sein könnte, sind außerordentlich klein - ganz gleich, wie viele Millionen von Planeten es im Universum gibt. Ernst Mayr

Jaques Monod gibt in “Zufall und Notwendigkeit” (dtv 1977) zu:

Es ist absurd und absolut unsinnig zu glauben,   
dass eine lebende Zelle von selbst entsteht;   
aber dennoch glaube ich es,   
denn ich kann es mir nicht anders vorstellen.

Und Fred Hoyle (1915-2001) fasst zusammen:

Die orthodoxe Biologie in ihrer Gesamtstruktur hält daran fest, dass Leben zufällig entstand. Seit jedoch die Biochemiker in steigendem Maß die ehrfurchtgebietende Komplexität des Lebens entdecken, ist sein zufälliger Ursprung ganz offensichtlich so wenig wahrscheinlich, dass man diese Möglichkeit völlig ausschließen kann.     
Leben kann nicht zufällig entstanden sein.

Dean Kenyon, ein Biophysiker von der San Francisco State University und Mitautor eines einflussreichen Buches, in dem die Behauptung aufgestellt wird, die Entstehung von Leben könnte auf Grund der natürlichen Anziehung zwischen Aminosäuren „biochemisch vorherbestimmt gewesen sein, hat inzwischen tatsächlich die Schlussfolgerungen seines eigenen Buches verworfen und erklärt, er ...

“... misstraue inzwischen allen naturalistischen Theorien zum Thema ‘Ursprung des Lebens’. Auf Grund der ungeheuren molekularen Komplexität der Zelle und der Tatsache, dass die DNS so viele Informationen trägt, glaubt Kenyon jetzt, dass alle Indizien auf einen Planer und Gestalter wiesen, der das Leben erschaffen hat.”    
Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer” Seite 93

Die ersten Sätze der Bibel machen also einige grundlegende Aussagen: Das Weltall hatte einen Anfang. Zuerst kamen die Himmel, dann die Erde. Die Erde war nach einer Katastrophe in Finsternis gehüllt und von Wasser bedeckt. Und: Das Leben stammt aus diesen verfinsterten Urgewässern!

 


 

Kam das Leben vom Himmel?

 

Der so entscheidende Untertitel des ganzen Schöpfungsberichts enthält eine weitere Merkwürdigkeit, die beim ersten Lesen leicht zu übersehen ist. Er betont, dass es sich um viel mehr als einen rein irdischen Stammbaum handelt: Dies sind die Geschlechterfolgen DER HIMMEL und der Erde ... Genesis 2:4 Wenn wir diese Aussage ernst nehmen, dann sind die Abstammungsfolgen offensichtlich irgendwie mit dem Himmel verknüpft. Geht man diesem Hinweis nach, dann könnte man ihn auf zweierlei Weise verstehen, so wie es dem Bedeutungsspektrum von schamajjim = Himmel in der Bibel entspricht:

·         1. Der materielle Himmel, also das Weltall, ist der diesseitige Ursprungsort des Lebens: Das Leben kam aus dem All.

·          2. Der unsichtbare Himmel, die geistliche Realität, ist die eigentliche Ursache für die Entstehung des Lebens: Eine schöpferische Intelligenz ist der Urheber des Lebens!

Vier biblische Argumente ...

... sprechen für eine Entstehung organischen Lebens im “Anfang” und “im Himmel”:

·         Zum einen betont die Bibel, dass der ganze Text ein Stammbaum ist. Und was ist naheliegender für einen Stammbaum, als mit dem Urahnen zu beginnen? Das erste Glied in der Kette der Geschlechterfolgen wäre demnach im ersten Satz genannt, als Teil von “Himmel und Erde”.

·         Im Rest des Schöpfungsberichtes sucht man vergeblich nach der Erschaffung des Lebens an sich. Denn der zweite Schöpfungsakt in Vers 21 bezieht sich bereits auf tierisches Leben, doch pflanzliches Leben existierte schon vorher, Vers 11. Es bleibt also nur noch der erste Schöpfungsakt im ersten Vers übrig. Demnach hätte Gott gleich “im Anfang” auch das (organische) Leben mit erschaffen.

·         Und wenn wir den zweiten Vers ernst nehmen, dann muss zu diesem Zeitpunkt tatsächlich bereits irgendeine Form von Leben existiert haben. Denn dort heißt es nicht, dass Gottes Geist Leben erschuf oder zeugte, sondern dass er brütete, schützend schwebte. Und an allen anderen Stellen der Bibel, wo Gottes Geist erwähnt wird, hat er einen Bezug zu Lebewesen, vergleiche besonders Lukas 1:35. Von Gott, älohim, wird öfters gesagt, dass er in der unbelebten Schöpfung gegenwärtig ist, der Geist Gottes kommt nur auf Lebewesen herab. Und lässt die Parallele vom brütenden Adler nicht unweigerlich an Eier oder Küken als Bilder für sich entwickelndes Leben denken? Was passt besser an den Anfang eines Stammbaumes, der sich unter Gottes Fittichen (Flügeln) stufenweise entfaltet? Es müssen also bereits organische Strukturen in den Gewässern der Tohuwabohu-Erde existiert haben, die durch das “Brüten” zu weiterer Entfaltung angeregt wurden.

·         Wir können auch noch die Parallele zu Deuteronomium 32 heranziehen, wo das Volk Israel nach seinem Auszug aus Ägypten im “tohu” beschützt wurde: Damals rettete Gott eine gewisse “Population” von Menschen durch lebensfeindliche Umstände hindurch und begann mit ihnen eine neue Geschichte. Demnach wären die Lebensspuren, über denen Gott im Tohuwabohu schwebte, ein ausgewählter Teil des Stammbaumes von Himmel und Erde, der eine gefährliche Krise auf der Erde überstand und zugleich einen Neuanfang darstellte.

Man könnte das Leben demzufolge mit einem himmlischen Ei vergleichen, das in das irdische Nest gelegt wurde, wo dann die weitere Entwicklung ablief, von Gott gelenkt.


 

1. Und Gott sprach: “Es werde Licht!”

 

Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.
Und Gott sah das Licht, dass es gut war.
Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht Tag,
die Finsternis aber nannte er Nacht.
Genesis 1:3-5

Woher kam die Finsternis der Erde? Und woher das Licht?

Zum Zeitpunkt des Tohuwabohu war nicht das gesamte Weltall finster, sonst müsste es heißen: “Und alles oder Himmel und Erde waren finster”. Der Text begrenzt die Finsternis jedoch ausdrücklich auf die Flut, die die Erde bedeckte:

... und Finsternis war über der Urflut ...

Nein, der Schauplatz des hier beschriebenen Geschehens ist nicht das Weltall, sondern die Erde, auf sie konzentriert sich die Berichterstattung. Der Textzusammenhang zeigt somit eindeutig, dass Gott meinte: “Es werde Licht” - auf der Erde![4] Da der Text nicht viel darüber aussagt, wie es Licht wurde, liegt die scheinbar elegante Lösung nahe, Gott habe das Licht einfach erschaffen. Doch damit liest man einen Schöpfungsakt in den Bericht hinein, der dort gar nicht zu finden ist! Licht gab es außerdem bereits seit der Erschaffung von “Himmel und der Erde”, Genesis 1:1, also des Weltalls, zu dem auch unsere Sonne gehört, und musste somit nicht neu erschaffen werden.

Dass Gott spricht und es daraufhin geschieht, ist eines der häufigsten Vorkommnisse der Bibel. In den meisten Fällen, die in der Bibel beschrieben werden, erstreckt sich die Erfüllung von Gottes Wort über längere Zeiträume. Im Falle der Lichtwerdung auf der Erde können wir uns das so vorstellen: Eine weitere Abkühlung und chemische Veränderung in der Atmosphäre ermöglichten es, dass das Licht der Sonne die Erdoberfläche erreichte, allerdings immer noch diffus wegen der permanenten Wolkendecke. Damit begann auf der Erde der Wechsel von Tag und Nacht.

Dazu passt sehr gut die Grundbedeutung desjenigen Wortes, das in Genesis 1:2 für “Finsternis” verwendet wird: “CHoSCHäK”. Im unpunktierten Grundtext hat es dieselbe Form wie “CHaSaK = zurückhalten” (Gesenius 264,266, Köhler-Baumgartner 338,341), mit dem es auch verwandt sein dürfte. Dies ist kein zwingendes Argument, aber es deckt sich mit der Vorstellung, dass die Erde während des Tohuwabohu deshalb in Finsternis gehüllt war, weil Wolken das Licht der Sonne zurückhielten. Das deckt sich hervorragend mit einer Aussage, die Gott im Buch Hiob macht:

Wo warst du, als ich die Erde gründete ... als ich Gewölk zum Gewande des Meeres machte und Wolkendunkel ... Hiob 38:4,9

Die Erde war also in der Frühphase ihrer Entstehung in Finsternis gehüllt, weil Wolken ihr Urmeer bedeckten.

Der Zweck des Lichtes

Und Gott sah das Licht, dass es gut war. Genesis 1:4

Wenn von einer Sache gesagt wird, dass sie “gut” ist, setzt das einen Maßstab voraus, mit dem gemessen wird. Das hier verwendete Wort tob bedeutet gut, brauchbar, zweckdienlich. Somit stellt sich die Frage: Was war der Zweck, wofür war das Licht “gut”? Da der ganze Text “Stammbaum” genannt wird, liegt die Antwort eigentlich auf der Hand: Das Licht war gut für das Leben auf der Erde. Und tatsächlich, wenn wir einen Schritt zurückgehen, dann sehen wir, dass Gott unmittelbar vor der Lichtwerdung über den Wassern des Tohuwabohu “brütete”, was darauf hinweist, dass dort Leben vorhanden oder in der Entwicklung war. Für die Förderung dieses Lebens war das Licht geeignet. Blicken wir dann in Richtung der darauffolgenden Ereignisse, so sehen wir, wie stufenweise immer neue Lebensformen auf der Erde erscheinen, bis sie am Ende von Pflanzen, Tieren und Menschen bevölkert ist. Kein Zweifel: Dafür war das Licht unabdingbare Voraussetzung. Unsere Frage ist damit beantwortet: Das Licht war gut für den Stammbaum des Lebens auf der Erde, zuerst einmal für die sich in den Wassern der Erde entwickelnden Organismen.

Die ersten Lebensformen, die während der Tohuwabohu-Zeit lebten, müssen jedoch fähig gewesen sein, ohne nennenswertes Sonnenlicht zu überleben und einen dementsprechenden Stoffwechsel aufgewiesen haben. Das Medium, in dem sie sich entwickelten, war das wahrscheinlich salzige Wasser des damals weltweiten Meeres.

Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber nannte er Nacht. Genesis 1:5

Hier finden wir eine weitere Bestätigung, dass es nicht um die Lichtwerdung im universalen Sinne ging. Auf die Erde konzentriert sich vom zweiten Satz an der Blick, auf ihr gibt es von nun an Tag und Nacht!

Die Sicht der Naturwissenschaften

Heute geht man davon aus, dass in der Frühzeit der Erdentwicklung ein Großteil des Wassers in Form von Wasserdampf vorlag, dazu verschiedene andere Gase. Dement­sprechend stellt man sich die damalige Erde als in vollkommene Finsternis gehüllt vor. Im Laufe der Abkühlung der Erde müssen mehr und mehr von diesen Dampfwolken auskondensiert sein. Als Folge wurde die Wolkendecke, die das Licht bis dahin zurückhielt, immer durchlässiger, bis schließlich das erste Licht als Helligkeit durchdringen konnte - “und es wurde Licht!” Der Kugelgestalt der Erde entsprechend begann damit auch die Zeit, ab der man auf der Erde zwei Hälften unterscheiden konnte, nämlich die sonnenzugewandte Tag- und die sonnenabgewandte Nachtseite.

Das Ende des ersten Zeitraumes

Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag. Genesis 1:5

Was hier rückblickend als “ein Tag” betrachtet wird, war natürlich nicht ein Sonnentag - denn die enden ja bekanntlich nicht mit einem Morgen! Hier ist ein Gottestag, ein Zeitraum göttlichen Handelns gemeint, der natürlich viel länger ist als unsere menschlichen Erdentage. Immer wieder jedoch bestehen Ausleger darauf, dass die Schöpfungstage 24-Stunden-Tage gewesen sein müssen, und auf den ersten Blick spricht ja auch einiges für diese Auslegung, insbesondere die Erwähnung von Abenden und Morgen. Doch mit dieser Deutung kommt man zu Schlussfolgerungen, die sich weder mit der Schrift noch mit der Wirklichkeit vereinbaren lassen und die vielen Menschen zu einem Hindernis werden, an Gottes Wort zu glauben. Hören wir also, was die Schrift selber über die Schöpfungstage sagt. Und das ist eine ganze Menge ...


 

Wie lange dauerten Gottes Schöpfungstage?

 

Und Gott nannte das Licht Tag,
die Finsternis aber nannte er Nacht.
Und es wurde Abend, und es wurde Morgen - ein Tag. Genesis 1:5

Was bedeutet das hebräische Wort “jom”?

Schon beim ersten Blick ins Wörterbuch wird deutlich, dass das hebräische Wort jom = Tag mehrere Bedeutungen umfasst: Am häufigsten wird jom für einen Kalendertag von 24 Stunden verwendet. Oftmals bezeichnet es die helle Tageszeit, die sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten und mit dem Breitengrad stark verändert. Immer wieder wird jom auch für unbestimmte, oft längere Zeiträume gebraucht, besonders, wenn sie sich auf Gott beziehen. Wir zitieren aus dem LEXIKON ZUR BIBEL von Fritz Rienecker (Seite 1363):

‘Der Tag des Streites und Krieges (Hiob 38:23) wird auch mit 'Zeit des Streits' wiedergegeben (Psalm 78:9, Hosea 10:14); 'Tage' (Jesaja 7:17) sind 'Zeiten' ... und die Tage eines Menschen sind die Dauer seines Lebens (Psalm 102:24,25, Jesaja 38:5, Klagelieder 5:21). Fritz Rienecker: “Lexikon zur Bibel”, Seite 1363

In vielen Fällen verliert jom die spezifische Bedeutung Tag und wird zu einem recht allgemeinen und etwas vagen Wort für Zeit, Zeitpunkt ... Öfters wird man hier die Übersetzung mit Tag beibehalten können, da sich die Gebrauchsweisen von jom nicht scharf voneinander abheben lassen und die Grundbedeutung in vielen Fällen mehr oder weniger stark durchschimmert. Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament, Seite 711

Beispiele für lange Tage in der Bibel

Und es wird geschehen an jenem jom = Tag, da wird Tyrus siebzig Jahre vergessen werden ... Jesaja 23:15

Man beachte, dass der Textzusammenhang keinen Rückblick auf die siebzig Jahre meint. Vielmehr werden die siebzig Jahre während des einen Tages geschehen!

An dem jom = Tag werde ich die Städte bewohnt sein lassen, und die Trümmerstätten sollen aufgebaut werden. Hesekiel 36:33

Hier bezeichnet Tag die lange Zeitspanne, bis ein verwüstetes Land wieder bebaut und bevölkert wird. Besonders jene Tage in der Schrift, die sich auf Gottes Handeln beziehen, sind oftmals lange Zeitspannen, zum Beispiel “der Tag des Herrn”, Hesekiel 13:5, “der Tag der Heimsuchung”, Jeremia 46:21 oder der “Tag der Ewigkeit”, 2.Petrus 3:18 und der “Tag des Heils”, der bis heute andauert, 2.Korinther 6:2. In Genesis 1 haben wir es eindeutig mit Gottestagen zu tun, denn während der ersten fünf “Tage” existieren Menschen noch nicht einmal, und es ist durchgehend Gott, der handelt. Und für Gottes Tage gelten natürlich ganz andere Maßstäbe als für die unseren! Nicht umsonst wird in der Schrift ausdrücklich betont:

Tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht. Psalm 90:4

Gott selber ist der Zeit nicht unterworfen, er steht über ihr. So wie uns der vergangene Tag quasi zeitlos vor Augen steht, so sieht Gott die Ereignisse dieser Zeit. Deshalb wäre es auch verfehlt, die sieben Schöpfungstage in Jahrtausende umzurechnen. Der Text sagt ja nicht: “Tausend Jahre sind ein Tag”, sondern: “Tausend Jahre sind wie ein Tag”, ja, “wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist” - also quasi zeitlos!

Der zeitliche Gesamtrahmen der Schrift ist unvorstellbar groß

Zweifellos übersteigen Gottes Dimensionen unser Vorstellungsvermögen bei weitem. So betont die Schrift, dass Gott den Menschen über Tausende von Generationen hinweg die Treue bewahrt, 2.Mose 20:6. Das sind Zigtausende von Jahren, und diese Generationen sind wiederum nichts im Vergleich zur Erdgeschichte: “Eine Generation kommt, und eine Generation geht, doch die Erde besteht in Ewigkeit”, Prediger 1:4.

Der Geschichtsrahmen der Schrift ist nur in sogenannten “Ewigkeiten” zu fassen. Mit hebräisch olam sind lange Zeitalter gemeint, die das menschliche Vorstellungsvermögen sprengen. Das entsprechende griechische Wort Äon wird heutzutage in der Wissenschaftssprache gebraucht, um die Kategorie der drei größten Erdzeitalter überhaupt zu bezeichnen, die Hunderte von Jahrmillionen umfassen. Wir ehren Gott doch nicht, indem wir seine Tage auf unsere Elle schrumpfen!

Die Schöpfungstage müssen lange gedauert haben!

Der Kern des sieben-Tage-Geschehens wird als Stammbaum bezeichnet. Die anderen Stammbäume der Bibel erstrecken sich über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende, sollten da die Zeugungfolgen der Himmel und der Erde (Genesis 2:4) eine Sache von nur 144 Stunden gewesen sein? Niemals! Man denke nur an das Geschehen des dritten Tages: Zuerst tauchte das Festland aus dem universalen Meer auf, und am selben Tag besiedelten erste Pflanzen das Festland und trugen sogar noch Früchte, denn der Text bestätigt: “Und es geschah so”! Sollte dies innerhalb von 24 Stunden geschehen sein? Man stelle sich vor, welche Erdbeben und gewaltigen Flutwellen das Auftauchen des Festlandes innerhalb eines Tages zur Folge gehabt hätte. Und in diesem tobenden Inferno sollten die ersten Pflanzen nicht nur wachsen, sondern auch noch innerhalb weniger als 24 Stunden Früchte tragen? Oder denken wir an die Tiere, die sich innerhalb des fünften Tages so sehr vermehrten, dass die Meere von ihnen wimmelten, und zwar ausdrücklich durch natürliche Fortpflanzung und nicht durch Wunder!

Und die Menschheit schließlich war so fruchtbar, dass sie die Erde innerhalb des sechsten Tages füllte, denn wiederum heißt es: “Und es geschah so”, Vers 31! Deshalb gab es schon von Anfang an jüdische und christliche Ausleger, die lange vor Darwin und der Aufklärung die Genesis-Tage nicht als menschliche Wochentage ansahen:

Die Länge der Tage in der Auslegungstradition

Von Anfang an begegnet in der Auslegungsgeschichte neben dem ... Verständnis der Schöpfungstage als gewöhnliche Kalendertage eine übertragene Deutung. ... Der jüdische Religionsphilosoph PHILO VON ALEX-ANDRIEN (ca. 25 v. – 40 n.Chr.) interpretiert die Zahlen des Schöpfungsberichtes allegorisch und vertritt die Ansicht, dass Genesis 2,4b („an dem Tag, als Gott der Herr Himmel und Erde machte“) die Erschaffung der ganzen Welt an einem einzigen Tag besage ... Im Anschluss an Philo interpretieren die Kirchenväter Origines (ca. 185-254 n.Chr.) und Augustinus (354-430 n.Chr.) ähnlich. Zitiert aus: www.wort-und-wissen.de, W.Hilbrands “Wie lang waren die Schöpfungstage?”

Der Tag, der sechs Tage lang dauerte

Im Untertitel des Schöpfungsberichtes werden die sechs Tage (jom) der Genesis als ein einziger Tag (wiederum jom!) zusammengefasst: ... der TAG (jom), an dem der HERR, Gott, Erde und Himmel machte. Genesis 2:4 Dieser Tag hat absolut sicher keine 24 Stunden gedauert, denn in Exodus 20:11 wird ausdrücklich betont, dass Gott “Himmel und Erde in sechs Tagen gemacht” hat! So zeigt der Textzusammenhang klar, dass es absurd wäre, sich bei den Schöpfungstagen auf Kalendertage von 24 Stunden zu versteifen.

Der Tag, der bis heute nicht geendet hat!

Während bei jedem der ersten sechs Tage ausdrücklich betont wird, dass er zu Ende ging, geschieht dies beim siebten Tag nicht. Warum? Weil dieser Tag über Jahrtausende hinweg bis heute andauert: “Denn er hat irgendwo von dem siebten (“Tag” steht nicht im Text) so gesprochen: “Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken. Und an dieser Stelle wiederum: “Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen” ... Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volke Gottes übrig.” Hebräer 4:4-5,9. Ist dann nicht zu erwarten, dass auch die vorhergehenden sechs Gottes-Tage lange Zeiträume waren?

Wie kann es an Gottes-Tagen einen Abend geben?

Auf den ersten Blick scheint die Verwendung der Worte Abend und Morgen im Schöpfungsbericht das stärkste Argument dafür zu sein, dass es sich doch um Kalendertage mit Sonnenauf- und -untergang gehandelt haben muss. Doch beim genaueren Hinsehen entpuppt es sich als das genaue Gegenteil, denn ginge es um Wochentage, dann müsste es heißen: Es wurde Abend, es wurde Nacht - erster Tag. Doch der Text beschreibt eine ganz andere, seltsame, unirdische Reihenfolge: Gott nannte die Finsternis Nacht. Und es wurde Abend, es wurde MORGEN - ein Tag. Wie kann es nach der Nacht noch Abend werden? Und bei wohl keinem Volk der Welt und der Bibel findet man Kalendertage, die mit dem Morgen enden und ihn noch zum Tag zählen - aber genau das tun die Schöpfungstage, denn rückblickend heißt es nach dem Morgen: “Ein Tag”. Außerdem folgt auf den Abend jeweils sofort ein Morgen, ohne Nacht dazwischen.

Manche verweisen auf die heute im Judentum übliche Regelung, dass der neue Tag bereits am Abend des vorherigen Tages beginnt (vergleiche die Einleitung des Sabbats am Freitag-Abend). Doch auch diese Reihenfolge (Abend-Nacht-Morgen-Tag) deckt sich nicht mit der im Schöpfungsbericht genannten (Tag-Nacht-Abend-Morgen). Wenn wir aber bedenken, dass es sich in Genesis 1 um Tage Gottes handelt, erwarten wir gar keine “Nacht”, in der Gott untätig wäre. Wie sind die Worte dann zu verstehen?

äräb = Abend, Eingehen, Wechsel

Das mit Abend übersetzte Wort ^äräb hat die Grundbedeutung Wechsel, Übergang. Es leitet sich von dem semitischen Wortstamm rb ab, der eingehen bedeutet und bezeichnet einen Wechsel, Übergang, Vermischung. Dafür ist der Abend eines Sonnentages ein anschauliches Beispiel: Wenn die Sonne in den Horizont “eingeht”, geschieht ein Wechsel von Tag zu Nacht, wobei eine Vermischung von Licht und Finsternis stattfindet, die Dämmerung, das Zwie-Licht.

Man könnte ^äräb deshalb mit Übergang oder Wechsel wiedergegeben. Dies würde, wie wir gleich sehen werden, auch im Textzusammenhang von Genesis 1 viel mehr Sinn machen als die in diesem Fall zu spezielle Übersetzung mit “Abend”. (Auch im Deutschen verwenden wir ja das Wort “Abend” nicht nur für den Sonnenuntergang, sondern auch im übertragenen Sinne für den Lebens-Abend einer Person.

“boqär” = “Morgen”, Neuanbruch

Die dem Wort boqär = Morgen zugrundeliegende Wurzel bedeutet spalten, hervorbrechen, seine Grundbedeutung ist Durchbruch (Köhler-Baumgartner Lexikon 145). Von daher wird es für das Durchbrechen des Tages angewandt, aber auch für den Anfang eines Menschenlebens oder den Neuanbruch eines neuen Zeitalters, Psalm 49:15, 90:14. In Genesis 1 könnte man die Worte also übersetzen: Dann kam es zu einem Übergang, dem ein Neuanbruch folgte. Ein Tag war immer dann abgeschlossen, wenn er den Durchbruch zum nächsten Projekt geschaffen hatte. Menschlicher Abend und Morgen sind somit bis heute ein Abbild von Gottes Handeln: Am Abend beenden wir unsere Werktätigkeit, am Morgen beginnen wir mit einem neuen “Tagwerk”. Dazwischen liegt für uns jeweils eine Nacht - nicht jedoch im Schöpfungsbericht. Denn bei Gott, dem “Vater der Lichter, ist keine Veränderung noch eines Wechsels Schatten”, Jakobus 1:17, “er ermüdet und ermattet nicht”, Jesaja 40:28!

Bei weltweiter Sicht gibt es keine Sonnenuntergänge!

Es macht nur dann Sinn, von einem Morgen oder Abend im Sinne von Sonnenauf- und -untergang zu reden, wenn man sich auf einen bestimmten geographischen Ort bezieht. In Genesis 1 geht es jedoch eindeutig um die Gesamterde! Wo und wie sollte es da Abend oder Morgen werden? So ist nicht zu bestreiten, dass das erste Vorkommen von jom = Tag in der Bibel gar keine Zeitspanne bezeichnet, sondern die Tagseite der Erde! So wie der Lufthimmel der Erde ein Schattenbild für die Himmel Gottes ist, so stellt die Lichtseite der Erde ein Sinnbild für den Tag Gottes dar: Es ist die Zeit des Lichts, in der der Mensch wirken kann, Johannes 9:4, vergleiche 1.Thessalonicher 5:5.

Das Sabbat-Gebot ist kein Argument für kurze Tage!

Sechs Tage sollst du arbeiten ..., aber der siebte Tag ist Sabbat ... Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht. 2.Mose 20:9-11

Manche sehen dies als Argument, die Schöpfungstage seien doch Menschentage gewesen. Es ist jedoch falsch, von der Länge der menschlichen Tage auf die Tage Gottes zu schließen, denn der Vergleich läuft in umgekehrter Richtung: Die fünf Bücher Mose enthalten einen Schatten von dem Handeln Gottes, “nicht das Ebenbild der Dinge selbst”, Hebräer 8:5, 10:1. Ähnlichh war auch die Stiftshütte nur “ein Gegenbild des wahren Heiligtums”, Hebräer 9:22, ein extrem verkleinertes Modell, Jesaja 66:1.

Paulus betont, dass auch der Sabbat nur ein Schatten von höheren geistlichen Wirklichkeiten ist, Kolosser 2:16-17. Mehrfach finden sich in der Genesis für göttliche Urbilder irdische Abbilder: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde, das Weltall, dann nennt er die dünne Luftschicht über den Wassern "Himmel" und das Festland "Erde". So sind auch unsere Wochentage ein Schatten von Gottes Schöpfungstagen - ebenso, wie unsere Wochen-Werke nur ein Schatten von Gottes Werken sind. Gott hätte den Israeliten ja auch schwerlich befehlen können, zum Beispiel sechs Milliarden Jahre lang zu arbeiten und dann eine Milliarde Jahre lang zu ruhen! So lässt sich auch die Vorschrift verstehen, die alle sieben Jahre ein ganzes Sabbat-Jahr für die Felder vorsieht, 3.Mose 25:4. Der Sabbat für die Menschen dauert einen Tag, der Sabbat für das Land ein Jahr, und Gottes Sabbat? Er dauert über Jahrtausende bis heute an! Darum betont Jesus beim Streit um den Sabbat in Johannes 5:17, dass er, wie sein Vater, “bis heute” wirkt - trotz Sabbat! Gottes Tage sind eben keine Menschentage, hier steht es klipp und klar:

Beim Herrn ist EIN Tag wie tausend Jahre und Tausend Jahre wie EIN Tag. 2.Petrus 3:8, vergleiche Psalm 90:4

Ein weiterer Einwand: Tage und Zahlen

Verschiedentlich wird darauf hingewiesen, dass die Tage im Schöpfungsbericht mit Ordnungszahlen versehen sind: Ein Tag, ein zweiter Tag usw. Da angeblich an allen anderen Stellen, wo Tage mit Ordnungszahlen vorkommen, immer Sonnentage gemeint seien, müssten auch die Tage in Genesis 1 Sonnentage, also kurz, sein. Dies ist von Grund auf falsch argumentiert: Weder im Hebräischen noch in sonst einer Sprache haben Zahlwörter einen Einfluss auf die Größe oder den Charakter der Sache, die sie bezeichnen. Ob von “Eiern”, “vielen Eiern”, “drei Eiern” oder dem “zweiten Ei” die Rede ist, spielt keine Rolle - die Eier werden dadurch weder größer noch kleiner, noch werden aus Hühner-Eiern dadurch Straußeneier.

Es ist immer der Textzusammenhang entscheidend, welchen Charakter und welche Länge die jeweiligen Tage haben, das Vorkommen von Ordnungszahlen ändert daran nicht das Geringste. Außerdem gibt es eine Bibelstelle, die “Tag” mit einem Zahlwort verbindet - und ausgerechnet betont, dass Gottes Tage ganz anders definiert werden als Menschentage!

Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim Herrn EIN Tag ist wie tausend Jahre und Tausend Jahre wie EIN Tag. 2.Petrus 3:8, vergleiche Psalm 90:4

Dies ist eine deutliche Aufforderung, die Schöpfungs-Tage von Genesis 1 - die ja Gottes-Tage sind, Menschen gab es die meiste Zeit gar nicht - nicht mit Menschentagen gleich zu setzen!

Die Bibel sagt nirgends, dass die Erde jung sei - im Gegenteil!

Es gibt keine einzige Bibelstelle, die das Alter der Erde oder des Weltalls ausdrücklich nennt! Alle Altersberechnungen der Schöpfung, wie zum Beispiel die von James Usher, Erzbischof von Irland, der im Jahre 1650 behauptet hat, aus der Bibel eindeutig heraus­lesen zu können, dass Gott im Jahre 4004 vor Christus die Erde erschuf, beruhen auf einer Kette von Auslegungen und menschlichen Schlussfolgerungen. Doch Paulus warnt uns dringend davor, in irgend einer Weise über die Schrift hinauszugehen und mensch­liche Spekulationen zu dogmatisieren, weil dies zu Überheblichkeit und Streit führt:

... ihr sollt lernen: “Nicht über das hinaus, was geschrieben ist!” - damit ihr euch nicht aufbläht für den einen und gegen den anderen. 1.Korinther 4:6

Riesige Zeitalter sind bereits vergangen

Genaue Zahlenangaben über das Alter der Erde werden wir der Bibel also nicht entlocken. Aber wir können durchaus einen ungefähren Eindruck bekommen, indem wir die allgemeinen Aussagen der Bibel über die Schöpfung in Betracht ziehen. Die Bibel unterteilt die Weltgeschichte in sogenannte Weltzeiten, hebräisch olam, griechisch Äon genannt, oft mit Ewigkeit übersetzt. Diese Wörter bezeichnen unvorstellbar lange Zeitalter, von denen bereits einige vergangen sind, Prediger 1:10, 1.Korinther 10:11, Epheser 3:9. Das hört sich nicht nach einer jungen Erde an! Bezeichnenderweise wird gerade das Wort Äon heutzutage in der Wissenschaftssprache gebraucht, um die Kategorie der drei größten Erdzeitalter überhaupt zu bezeichnen, die Hunderte von Jahrmillionen umfassen. Haben vielleicht die Naturwissenschaftler mehr als die Gläubigen verstanden, dass Gottes “EWIGE Macht von der Erschaffung der Welt an IN DEM GEMACHTEN geschaut” wird, Römer 1:20?! Kann es sein, dass ein Blick auf die Erde und in den Himmel tatsächlich die EWIGKEIT von Gottes Kraft offenbart?


 

Die Sterne bezeugen: Das Weltall ist sehr alt!

 

Unsere Galaxie, die Milchstraße, hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Das Licht ihrer Sterne braucht also teilweise mehr als 50.000 Jahre, um uns zu erreichen. Das Licht der allermeisten Sterne jedoch, die ja zu anderen Galaxien gehören, braucht Millionen und Milliarden von Jahren. Daraus ergibt sich als zwingende Schlussfolgerung, dass das Universum dementsprechend alt sein muss, denn ansonsten hätte uns das Licht der meisten Sterne bis heute nicht erreicht. Andere Erklärungsmöglichkeiten sind ent­weder widerlegt oder absurd. Das belegen die folgenden Zitate aus dem Buch “Fragen an den Anfang” von Don Batten, das für ein junges Universum und eine junge Erde eintritt:

“Manche haben versucht, die Entfernung in Frage zu stellen, doch das ist eine höchst unwahrscheinliche Antwort. Es gibt viele Milliarden Sterne, und viele davon haben die gleichen Eigenschaften wie unsere Sonne. Das haben die Analysen des Lichts ergeben, das wir von ihnen empfangen. Eine so große Anzahl von Sternen muss über einen großen Raum verbreitet sein, denn sonst wären wir alle frittiert. Die Astronomen gebrauchen viele verschiedene Methoden, um Entfernungen zu messen und kein seriöser Astronom, der dem Schöpfungsbericht glaubt, würde behaupten, die Fehler bei der Entfernungs­bestimmung der Sterne seien so gravierend, dass Milliarden von Lichtjahren beispiels­weise auf einige Tausend zusammen schrumpfen würden. Es gibt wirklich gute Belege dafür, dass unsere Milchstraße einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren hat!” (S. 99)

“Die vielleicht am häufigsten herangezogene Erklärung besagt, dass Gott das Licht schon auf seinem Weg zu uns erschuf, sodass Adam die Sterne sofort sehen konnte und nicht jahrelang warten musste, bis das Licht selbst der nächstliegenden Sterne die Erde erreicht hatte. Wir sollten zwar die Macht Gottes nicht einschränken, aber diese Erklärung bringt doch einige recht schwerwiegende Komplikationen mit sich. So würden wir jedes Mal, wenn wir das Verhalten eines fernen Gegenstandes beobachten, etwas sehen, das in Wirklichkeit niemals geschehen ist ... Für ein ... 10.000 Jahre altes Universum würde das bedeuten, dass alles, was wir jenseits einer Entfernung von etwa 10.000 Lichtjahren sehen, in Wirklichkeit Bestandteil einer gigantischen Filmvorführung von Dingen und Ereignissen ist, die nicht tatsächlich stattgefunden haben und dass wir Objekte sehen, die womöglich überhaupt nicht existieren.” (Seite 95)

Das ist genauso abwegig, als wenn man sagt, Gott habe die Fossilien in der Erde erschaffen, um uns an der Nase herumzuführen oder gar um unseren Glauben zu prüfen. Don Batten “Fragen an den Anfang” Seite 97

Denn: “Was der Astronom empfängt, ist ein bestimmtes, sehr spezifisches Variationsmuster innerhalb des Lichts ... eine voraussagbare Abfolge von Ereignissen einschließlich dem Empfang von Neutrinos, sichtbarem Licht, Röntgenstrahlen und Gammastrahlen. Das Licht gibt Kunde von einem offenbar realen Ereignis. Der Astronom liegt völlig richtig, wenn er diese Botschaft als Übermittlung einer tatsächlichen Realität interpretiert und schließt, dass dort draußen wirklich ein solches Objekt war, das entsprechend den Gesetzen der Physik explodierte, aufleuchtete, Röntgenstrahlen emittierte, verglimmte usw.” (Seite 96)

Der nächtliche Abendhimmel ist demnach ein Beweis dafür,
dass das Universum genau so unvorstellbar alt wie groß ist - ungefähr dreizehn Milliarden (Licht-) Jahre!

 


 

Die Erde selber bezeugt ihr hohes Alter

 

Die Ereignisse der Erdgeschichte

Auf der Erde finden sich zahlreiche Zeugen gewaltiger Katastrophen wie Vulkanausbrüchen, hunderten von Meteoriteneinschlägen, Überschwemmungen, Dürrekatastrophen und Eiszeiten, die globale Auswirkungen hatten. Wäre die Erde wirklich nur 6.000 Jahre alt, hätten sich in dieser kurzen Zeitspanne all diese tausenden von Katastrophen ereignen müssen, von denen einige gewaltige Ausmaße hatten. Nicht nur, dass sie in der Bibel nirgends erwähnt sind, und dass Katastrophen wie die Vernichtung von Sodom und Gomorrha im Vergleich winzig waren. Das Hauptproblem ist: Würde man all diese Megakatastrophen in einen derartig kurzen Zeitraum zusammendrängen, müssten sie zu einer mehrfachen Totalvernichtung allen Lebens auf der Erde geführt haben. Außerdem haben viele dieser Umwälzungen sich über riesige Zeiträume erstreckt, so dass sich als Summe noch gewaltigere Zeiten ergeben. Hier nur ein Beispiel:

Die Kontinentalverschiebung

Es wird als erwiesen angesehen, dass die Kontinentalplatten im Laufe der Erdgeschichte über gewaltige Strecken gedriftet sind. Heute kann man diesen Vorgang genau vermessen und weiß, dass die Geschwindigkeit dieser Bewegung einige Zentimeter im Jahr beträgt. Daraus ergibt sich zwingend ein sehr hohes Erdalter. Denn dass die Platten über tausende von Kilometern gewandert sind, kann man mit verschiedenen Fakten beweisen. So findet man sogar in der Antarktis tief im Boden Vorkommen von Öl und Kohle, die aber niemals in Polarregionen entstanden sein können, weil dort die Sonneneinstrahlung nicht reicht, um die dafür nötige Menge an Pflanzenmaterial zu erzeugen. Außerdem finden sich dort Fossilien, die ausschließlich in den Tropen vorkamen. Das belegt, dass Gebiete wie die Antarktis, Alaska und Sibirien in früheren Zeiten in einer tropischen Klimazone gelegen haben müssen. Man könnte hier einwenden, vielleicht sei damals das ganze Weltklima anders gewesen, doch es gibt ein weiteres Argument, das die Plattendrift eindeutig beweist:

Flüssige Lava enthält eisenhaltige Minerale, die sich beim Erkalten und Auskristallisieren am aktuellen Erdmagnetfeld ausrichten. Im erstarrten Zustand lässt sich deshalb genau feststellen, welche Polung vorlag (das Erdmagnetfeld hat sich im Laufe der Zeit immer wieder umgepolt), und auch Deklination und Inklination lassen sich bestimmen. Diese ergeben sich aus dem Winkel, in dem die Magnetfeldlinien im Verhältnis zur Erdoberfläche auftreffen). Der so im Mineral gespeicherte Inklinationswinkel gibt den Breitengrad an, in dem das Mineral sich zum Zeitpunkt der Erstarrung befand. So lässt sich beweisen, dass diese Gebiete früher wirklich tausende Kilometer von ihrer jetztigen Lage entfernt waren.

Da sich zum Beispiel die asiatische Platte, zu der Sibirien gehört, in den letzten viertausend Jahren höchstens um einige zig Meter bewegt hat, kann sie in den verbleibenden zweitausend Jahren vorher unmöglich so riesige Strecken zurückgelegt haben - das wäre physikalisch unmöglich.

Auch für Israel, Kanaan und Mesopotamien kann man auf diese Art beweisen, dass sie gewaltige Strecken zurückgelegt haben müssen. Dabei sind zwangsläufig gigantische Kräfte aufgetreten, die Erdbeben mit der Energie von abertausenden Atombomben ausgelöst hätten, wenn die Bewegungen in so kurzer Zeit stattgefunden hätten.

Mit wenigen Worten: Würde man all die nachgewiesenen Großereignisse der Erdgeschichte in wenige Jahrtausende pressen, so hätte die Erde in ihnen verglühen müssen.

Baumringe (Dendro-Chronologie)

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass man das Alter von Bäumen sehr leicht bestimmen kann, indem man ihre Jahresringe zählt. Inzwischen hat man in Nordeuropa Baumexemplare gefunden, deren Alter sich so auf mehr als achttausend Jahre bestimmen lässt - das allein sprengt schon den Rahmen derer, die behaupten, die Erde sei höchstens sechstausend Jahre alt.

Aber es geht noch weiter: Aus der Breite der Ringe und ihrer Abfolge lässt sich auf das Klima des jeweiligen Jahres schließen, und durch den Vergleich mit anderen Bäumen ein Kalender erstellen, der sich durch Überlappung weit über das Alter einzelner Bäume hinaus erstreckt. Der Zeitrahmen, der durch diese Dendro-Chronologie (Baumkalender) belegt werden kann, geht in die Zehntausende von Jahren.

Eisbohrkerne

Auch in den Gebieten des ewigen Eises gibt es einen “Kalender”: Der Wechsel der Jahreszeiten mit ihren charakteristischen Temperaturen und Niederschlagsmengen hinterlässt deutliche Spuren im ewigen Eis, die man mit den Jahresringen der Bäume vergleichen könnte: Jede Abfolge von Winter und Sommer hinterlässt eine neue Schicht.

Dazu kommen weitere Anzeichen, wie der Einschluss von Blütenstaub im Eis, der ebenso den Wechsel der Jahreszeiten anzeigt. Auch wenn die Hunderttausenden von Schichten, die im Laufe der Erdgeschichte entstanden, in der Tiefe stark verdichtet werden, kann man doch mittels kilometerlanger Bohrkerne große Teile der Erdgeschichte ans Tageslicht bringen. Die Zeitspannen, die sich auf diese Weise unmittelbar dokumentieren lassen, gehen in die Hunderttausende von Jahren!

Die Elemente der Erde beweisen das hohe Erdalter

Dies ist ein Beweis für das hohe Alter der Erde, der von jeglicher Datierungsmethode unabhängig ist, weil er die Datierung von Elementen der Erdkruste allein nach der Nuklidkarte vornimmt. Er beruht auf der Tatsache, dass es Atome gibt, die radioaktiv zerfallen. Für jedes der zerfallenden Atome gilt, dass nach einer charakteristischen Zeitspanne, die man Halbwertszeit nennt, nur noch die Hälfte der Ausgangsmenge vorhanden ist. Diese Halbwertszeiten sind für die jeweilige Atomart kennzeichnend. Sie sind von Aussenfaktoren wie Druck und Temperatur, sowie von der chemischen Verbindung, in die das Atom eingebettet sein mag, praktisch unabhängig.

Unbestreitbare Tatsache ist nun, dass alle 263 stabilen und alle 23 langlebigen Nuklide mit einer Halbwertszeit von mehr als 500 Millionen Jahren in der Erdkruste nachgewiesen werden können. Dagegen fehlen die 39 mittellebigen Atomarten mit einer Halbwertszeit zwischen 10.000 und 500 Millionen Jahren völlig. Die einzige Ausnahme sind einige wenige Nuklide, die als Zwischenprodukt der Zerfallsreihen des langlebigen Uran 238 bzw. 235 oder durch kosmische Strahlung (C-14) bis heute ständig neu gebildet werden.

Das lässt sich nicht anders erklären, als dass seit der Bildung der Elemente der Erdkruste eine so große Zeit vergangen sein muss, dass alle mittellebigen Atomarten der Erdkruste so weit zerfallen sind, dass ihr Nachweis nicht mehr gelingt. Das ist ungefähr bei dem 13-fachen ihrer Halbwertszeit der Fall. Die folgende Tabelle zeigt, wieviel Prozent einer Atomart nach dem Verstreichen von ... Halbwertszeiten jeweils noch vorhanden sind:

 1   2   3   4   5   6   7   8   9   10  11  12  13 Halbwertszeiten

50  25  13  6,3 3,1 1,6 0,8 0,4 0,2 0,1 0,05 0,02 0,01 % Restmenge

Andererseits können für die langlebigen Nuklide noch keine 13 Halbwertszeiten vergangen sein, weil sie alle noch in nachweisbarer Menge vorhanden sind. Da die Nachweisgrenze bei einer Halbwertszeit von etwa 500 Millionen Jahren liegt, kann man abschätzen, dass die Zeit der allgemeinen Nuklidentstehung ungefähr 13 x 500 Millionen = 6,5 Milliarden Jahre zurückliegen muss.

Man könnte behaupten, bei der Nuklidentstehung seien zwar alle 286 stabilen und langlebigen Nuklide gebildet worden, nicht jedoch die 39 mittellebigen, oder sie hätten sich nachträglich in irgend einer Weise verflüchtigt. Doch die nachweisbaren und die fehlenden Nuklide unterscheiden sich weder in ihrer kernphysikalischen Struktur und Energiebilanz, noch in ihren chemischen Eigenschaften systematisch voneinander. Darum ist nicht einzusehen, warum einerseits alle stabilen und langlebigen Nuklide bis heute vorkommen, andererseits alle mittellebigen Nuklide vollkommen fehlen. Der einzige Faktor, der sie gemeinsam unterscheidet, ist eben ihre Halbwertszeit! Eine zufällige Wahrscheinlichkeit genau dieser Verteilung ist kleiner als eins zu einer Trillion.

Die unleugbare Tatsache, dass alle mittellebigen Atomarten auf der Erde nicht mehr ursprünglich vorkommen, wogegen sämtliche Atome mit Halbwertszeiten von mehr als 500 Millionen Jahren noch auftreten, lässt sich demnach allein durch das hohe Nuklidentstehungsalter von ca. 6,5 Milliarden Jahren erklären!

Ausgearbeitet wurde dieser Beweis von Karl Philberth, ausführlich in: “Chemikerzeitung”, Dr.Alfred Hüthig Verlag, Heidelberg, Sonderdruck 109 (1985) Seite 251-253.


Warum “brauchte” Gott so lange?

Inzwischen ist es allgemein anerkannt, dass die Schöpfung nicht überschaubar klein ist, sondern wahrscheinlich 20 Milliarden Lichtjahre groß. Mit anderen Worten: Ein Lichtstrahl, der sich mit einer Geschwindigkeit von 300.000 Kilometern pro Sekunde fortbewegt, bräuchte 20 Milliarden Jahre lang, um das Universum zu durchlaufen.

Warum bereitet es solche Probleme, zu akzeptieren, dass auch das Alter des Weltalls Milliarden und nicht in Tausenden von Jahren zu messen ist? Im Schöpfungsbericht bezeichnet JOM immer Gottestage, nur in Genesis 1:3-5 bezeichnet es die Tagseite der Erde. Warum also eine Junge Erde zum Dogma erheben?

Manche sagen: “Gott brauchte nicht mehr als sechs Tage, um die Welt zu erschaffen!” Doch darin spiegelt sich ein Missverständnis wider: Zeit ist für Gott kein Hindernis, gegen das er ankämpft, sondern eine Dimension, die er erschuf, um sie zu gebrauchen:

Gott braucht die Zeit nicht, er ge-braucht sie!
Gott hat keine Eile: Denn als er die Zeit schuf,
hat er genug davon gemacht!

Die Zeit ist nicht etwas, das Gott brauchte, um zu erschaffen, sondern sie ist Teil des Geschaffenen: Materie, Raum und Zeit sind untrennbare Aspekte der sichtbaren Schöpfung. Gott selber steht über Raum und Zeit.

Gottes Werk ist außerdem keine Instant-Schöpfung, bei der die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt wurden, sondern ein gigantischer Entwicklungsprozess, in dem physikalische Gesetze und natürliche Prozesse eine aktive Rolle spielen. Spiegelt dies nicht das Leben der Glaubensväter wider? Wie lange musste Abraham warten, bis die Verheißung eines Sohnes in Erfüllung ging? Wie lange Israel, bis es das verheißene Land sehen und einnehmen durfte? Und wie lange wartet die Christenheit bereits auf das Reich Gottes? Seien wir doch ermutigt durch die Tatsache, dass Gott seine Pläne über gigantische Zeiträume hinweg verwirklicht. Einzelne Rückschläge, die für uns wie ein Scheitern seines Ratschlusses aussehen können, sind in Wirklichkeit in seiner Planung berücksichtigt und dienen letztlich sogar seinen Absichten.

Vielleicht löst sich vor dem Hintergrund dieser gewaltigen Geschichte auch ein scheinbarer Irrtum, der immer wieder dem Neuen Testament vorgeworfen wird, weil es betont, dies sei “die letzte Stunde”, 1.Johannes 2:18, und doch sei Jesus nun zweitausend Jahre lang nicht wiedergekommen. Doch ...

...setzt man für den Ablauf der Erdgeschichte seit dem Entstehen der festen Erdrinde vor 2 Milliarden Jahren ein Jahr an, dann zeigen sich am 1.Juli die ersten Pflanzen und am 25.August die ersten Tiere. In die letzten 4 Stunden und 24 Minuten des Jahres fallen die gesamte Eiszeit, die Stein-, Bronze- und Eisenzeit sowie die Entwicklung bis heute. Die seit Christi Geburt verflossene Zeit entspricht den letzten 30 Sekunden des Jahres, die allerletzte Sekunde der Lebenszeit eines Menschen von heute. 
Heinz Schumacher in “Urknall und Schöpfergott”, Seite 20

Gott hat jede Menge Zeit - er ist “der Alte an Tagen”!
Daniel 6:9


 

2. Das “Firmament” - hier irrte Luther!

 

Und Gott sprach:
Es werde eine Wölbung mitten in den Wassern,
und sie sei eine Trennung
zwischen den Wassern und den Wassern ...
Und Gott nannte die Wölbung Himmel. Genesis 1:6-8

Ein folgenschwerer Übersetzungsfehler

Luther übersetzt an dieser Stelle mit “Feste” - ein Irrtum, der zurückreicht bis in das Jahr 400 nach Christus. Da entstand nämlich die Vulgata, eine lateinische Übersetzung der Heiligen Schrift, die an dieser Stelle, mit der wir uns gerade befassen, das Wort firmamentum gebraucht. Gemäß dem altorientalischen Weltbild stellte man sich dieses “Firmament” als eine feste Metallkuppel vor, an der die Himmelslichter befestigt sein sollten. Das oberhalb gespeicherte Regenwasser sollte durch Löcher in der Kuppel herabfallen. Da man der Vulgata im Verlauf der Kirchengeschichte eine überragende Stellung einräumte und nicht ausreichend berücksichtigte, dass es sich lediglich um eine Übersetzung handelte, schlich sich die Überzeugung ein, die Bibel selber enthalte diese vom Zeitgeist gefärbten Vorstellungen. Und da man an der Bibel nicht zu rütteln wagte, hatten auch die eingeschmuggelten Fremdgedanken ein zähes Leben. So spricht die gut tausend Jahre später verfasste Lutherübersetzung immer noch von einer “Feste”, und in der modernen Einheitsübersetzung heißt es “Gewölbe”.

Die “raqia” ist eine dünne Luftschicht!

Doch das Tätigkeitswort raqa^, von dem das hier verwendete Wort raqia^ stammt, hat nicht die Bedeutung “fest-”, sondern “dünn machen”! Gleich das erste Vorkommen in der Bibel zeigt treffend die Grundbedeutung:

Sie hämmerten Goldbleche dünn und zerschnitten sie zu Fäden. Exodus 39:3

Die Bedeutung ist: Durch Druck wird etwas zu einer dünnen Schicht ausgebreitet. Allerdings werden Goldbleche durch extremes Hämmern alles andere als “fest” oder “stabil”, sondern im Gegenteil, so dünn, dass man sie schneiden und zu Fäden verarbeiten kann! Das nächste Vorkommen bestätigt dies:

Man soll aus den Feuerbecken breitgehämmerte (Bleche) zum Überzug für den Altar machen. Numeri 17:3-4

Auch die Feuerbecken waren vor dem Breithämmern wesentlich stabiler, doch nach dem Ausbreiten zu einer dünnen Schicht waren sie so flexibel, dass man sie an die Oberfläche des Altars anpassen konnte. Es ist keineswegs immer Metall, das so dünn ausgebreitet wird:

Gott hat die Erde zu einer dünnen Schicht ausgebreitet und was ihr entsprosst ... Jesaja 42:5

Hier wird ausgesagt, dass die Erdkruste eine dünne Schicht ist, die wiederum mit einer dünnen Schicht von Pflanzenbewuchs überzogen ist. raqa^ bezeichnet also absolut nicht nur ein “Hämmern”, bezieht sich auch bei weitem nicht nur auf Metalle, sondern sagt ganz allgemein aus, dass irgend etwas zu einer dünnen Schicht ausgebreitet wird. Der Textzusammenhang von Genesis 1 bestätigt unser Ergebnis:

Und Gott machte die dünn ausgebreitete Schicht (raqia^)
und schied die Wasser, die unterhalb der dünnen Schicht waren, von den Wassern, die oberhalb der dünnen Schicht waren.

Die Erde war von einem universalen Meer bedeckt, gleichzeitig wurde sie von einer Wolkendecke aus Wasserdampf eingehüllt. Dabei lagen die Wasser der Wolkendecke anfangs unmittelbar auf den Wassern des Weltmeeres auf. Eine Trennung, wie wir sie heute als normal ansehen, kam erst zustande, als durch die Entstehung einer besonderen Atmosphäre die Wasser der Wolkendecke von der Erdoberfläche abgehoben, getrennt wurden. Gott gab der dünnen Schicht den Namen “schamajim = Himmel”. Dieses hebräische Wort ist eigentlich eine Mehrzahlform und immer ein Inbegriff für Dinge, die in irgend einer Weise höher sind als die Erde, vergleiche Jesaja 55:9. Wir müssen jeweils dem Textzusammenhang entnehmen, um welche Art von Himmeln es sich handelt:

·         Da sind die Luft-Himmel oder die verschiedenen Schichten der Atmosphäre, in denen z.B. die Vögel fliegen, Jeremia 8:7, Klagelieder 4:19, und der Rauch aufsteigt, Josua 8:20.

·         Weiterhin gibt es die sogenannten Sternen-Himmel, das sind die Sterne unserer Galaxie, von denen wir einen Teil als Nacht-Himmel beobachten, Genesis 15:5.

·         Schließlich gibt es auch noch die überirdischen Himmel, das heißt die unsichtbaren Wirklichkeiten, die über unsere dreidimensionale Welt hinausgehen, Daniel 4:23.

In Genesis 1:6 ist offensichtlich der Luft-Himmel gemeint. Dies ergibt sich sowohl aus dem Notenschlüssel, Genesis 1:2, der das Geschehen auf die Erde begrenzt, als auch aus dem Textzusammenhang: Zum einen heißt es, dass die dünne Schicht auf den Gewässern der Erde auflag. Und später wird bemerkt, dass Tiere “über (oder: auf) der Fläche der dünnen Schicht (raqia^) der Himmel” fliegen, Genesis 1:20. Die Raqia von Genesis 1 ist demnach eine dünne Luftschicht unterhalb der Wolkendecke, die so die Erdoberfläche von den darüberliegenden Wolken trennt.

Die Erdatmosphäre ist wirklich hauchdünn!

Tatsächlich könnten wir mit Recht sagen: Wir leben am Boden eines kristallklaren Luft-Meeres. Selbst die gesamte Atmosphäre mit einer Dicke von einigen Kilometern ist im Vergleich zum Erddurchmesser von 12.800 km nur eine dünn ausgebreitete Schicht. Nähme man als Modell für den Erdkörper einen Apfel, dann wäre die Luftschicht zwischen Wolken und Erdoberfläche, das ist noch einmal erheblich weniger als die Gesamtatmosphäre, nicht einmal so dick wie die Apfelschale - so hauchdünn ist sie!

Sauerstoff als Anzeichen für einfache Lebensformen

Man geht davon aus, dass im Laufe der Erdgeschichte eine frühe Edelgas-Uratmosphäre durch eine zweite, andersartige Atmosphäre ersetzt wurde. Geht man von den Gasen aus, die heute bei und nach Vulkanausbrüchen austreten, enthielt sie hauptsächlich Stickstoff, Wasserdampf, aus dem sich bei weiterer Abkühlung Wasser niederschlug, und Kohlensäure. Daneben gab es vielleicht auch Methan und Ammoniak, mit Sicherheit aber keinen freien Sauerstoff. Sauerstoff findet sich erst in einer dritten, wiederum neuartigen Atmosphäre. Es gibt für ihn keine andere Erklärung, als dass er von Organismen produziert worden ist, die fähig waren, Photosynthese zu betreiben, also mit Hilfe von Sonnenlicht Sauerstoff zu erzeugen! Die Sauerstoff-Produktion dieser Organismen wandelte die Atmosphäre allmählich um. Vorhandenes Methan und Ammoniak wurde oxidiert und verschwand damit aus der Uratmosphäre.

Photosynthese und die Bildung einer neuen Atmosphäre

Es ist bemerkenswert, dass uns im Text genau diese Kausalkette begegnet. Er beschreibt einen Stammbaum, eine Entwicklung, bei der das Geschehen eines jeden Tages logisch auf das des vorhergehenden folgt und auf diesem aufbaut. Ein Überblick zeigt erstaunliche Parallelen zwischen ...

      Bibeltext und ...                      Naturwissenschaften:

1.   Der Geist Gottes brütete über  In den Gewässern der Urerde

      (einfachem Leben in) den        gab es einfache,

      Gewässern der Urerde. (V.2)   mikrobische Lebensformen.

2.   Licht drang                               Diese (Cyanobakterien)
bis zur Erdoberfläche               waren mit Hilfe von
hindurch. (Vers 3-5)                 Sonnenlicht fähig, Sauerstoff      zu erzeugen.

3.   Es entstand die Atmosphäre    Dessen steigender Anteil führte des zweiten Tages. (V.6-8)             zur Bildung einer neuen Erdatmosphäre.

Anhang: Wortuntersuchung zu raqia^

Wir beziehen nun auch Wörter mit in die Untersuchung ein, bei denen die beiden ersten Konsonanten mit raqa^ übereinstimmen, da es im Hebräischen und verwandten Sprachen öfter vorkommt, dass sie einen gemeinsamen Ursprung und Sinngehalt haben:

hebräisch: raq =            1. dünn, schmächtig     
                                      2. auf geringe Weise, “nur”

      "         raqiq =          dünnes Brot, Fladen (Exodus 29:2,23)

      "         riqqua^ =      Dünngeschlagenes (4.Mose 17:3)

      "         raqqah =       das Dünne, die Schläfe (Richter 4:21-22)

assyrisch: rakaku =       dünn machen

      "         rukku =         Platte (vgl. “platt”, flach, dünn sein)

arabisch:  raqqa =         dünn sein

      "         marquqa =    dünnes Bauernbrot

      "         rakaáh =       einen Flecken ausbreiten

      "         rukáh =         Ausdehnung einer Gegend

syrisch:    riqo^ =          dünn machen

Also: Nicht auf Härte, sondern auf dem Dünn-Sein liegt die Betonung! Die ganze Wortfamilie r-q bezeichnet das Ausbreiten zu einer dünnen Schicht, unabhängig davon, um welches Material es sich handelt! Ausführlich dazu: Karel Claeys “Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft” Seite 630-649. Darum haben einige Bibelübersetzungen die richtige Bedeutung erfasst und wiedergegeben, so zum Beispiel die niederländische Statenvertaling (uitspansel = Ausbreitung), die unrevidierte Elberfelder (Ausdehnung).

Die originale raqia^ im Himmel

Auch in den unsichtbaren Himmeln gibt es eine raqia^, die Hesekiel in einer Vision beschreibt. Sie trennt den Thrones Gottes von der übrigen Schöpfung, und “sieht aus wie der Anblick eines wundervollen Kristalls, der ausgebreitet ist” (Hesekiel 1:22). Charakteristisch für diese überhimmlische raqia^ ist also ihre kristallklare Durchsichtigkeit.

Das heißt jedoch keinesfalls, dass sie auch starr wie ein Kristall wäre, denn hier wird nur der Aspekt des Aussehens beschrieben: typisch für Kristall ist seine Durchsichtigkeit. In Offenbarung 4:6 wird nämlich derselbe Gegenstand “wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall” beschrieben. Die Ausdehnung ist also tatsächlich durchsichtig wie Kristall. Doch gleichzeitig wird sie mit einem Meer verglichen, und das ist sicher kein Beispiel für Starrheit, sondern ein typisches Bild für ständige Bewegung!


 

Exkurs: Das Weltbild der Propheten

 

Propheten sind Menschen, die aussprechen oder aufschreiben, was Gott ihnen auf verschiedenste Art und Weise eingibt. Die Frage ist, ob die allen Menschen anhaftenden Irrtümer auch in die Schrift eingeflossen sind. Immerhin, wenn eine Volksschullehrerin es schafft, ihre Schüler ein Diktat fehlerlos schreiben zu lassen, sollte ein allmächtiger Gott dies mit Erwachsenen auch fertig bringen. Hat Gott es trotzdem zugelassen, dass die Schrift ein überholtes, altorientalisches Weltbild überliefert, oder entspricht ihr Weltbild der Realität?

Die Erde - eine Scheibe?

Hartnäckig hält sich in manchen Kreisen die Behauptung, die Bibel sehe die Erde als eine Scheibe, die auf Säulen über irgendwelchen Gewässern stehe. Doch der Ausdruck “Scheibe” für die Gestalt der Erde kommt in den Bibelübersetzungen überhaupt nicht vor (Elberfelder 1905,1993, Luther 1912, 1984, Einheitsübersetzung 1980, Schlachter 1951).

Der einzige Ausdruck, der an diesen Gedanken auch nur erinnert, ist die Formulierung “Erdkreis”. Sie kommt im Alten Testament ungefähr 34 Mal vor, wo ihr das hebräische “tebel” zugrunde liegt[5]. Dieses leitet sich von dem Tätigkeitswort “jabal” ab (Gesenius 870), dessen Grundbedeutung “wegtragen” ist, wobei es auffällig oft im Zusammenhang mit Wassern gebraucht wird und dann “wegschwemmen” bedeutet[6]. Claeys kommt in seinem Buch “Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft” zu dem Ergebnis: “Die etymologische Bestimmung des hebräischen Ausdrucks tebel ist also eine Bezeichnung für Massen abgetragener Erdsubstanz, welche durch Wasser wie Regengüsse, Flüsse usw. weggeschwemmt, eben weggetragen worden sind” (Claeys Seite 684). Man könnte “tebel” also wörtlich und zugleich treffend mit “Abtragungsschicht” oder “Sedimentschicht” übersetzen.

Tatsächlich bewohnt die Menschheit fast ausschließlich die fruchtbaren Gebiete der Erde, die zum allergrößten Teil aus dem Material bestehen, das durch Erosion abgetragen wurde. Die Verwendung von “tebel” im Alten Testament deckt sich damit, denn der Zusammenhang spricht oft von den Lebewesen, die die “tebel” bewohnen. Hier nur zwei Beispiele:

Des HERRN ist die Erde und ihre Fülle, der Erdkreis und die darauf wohnen. Psalm 24:1

In den kommenden Tagen wird Israel blühen und knospen, und sie werden die Fläche des Erdkreises mit Früchten füllen. Jesaja 27:6

Im Neuen Testament wird ungefähr 15 Mal mit Erdkreis übersetzt[7], hier liegt das griechische “oikuménä” zugrunde. Dies ist auch das Wort, das die Septuaginta, die griechische Übersetzung des AT, regelmäßig als Übersetzung für “tebel” verwendet. “Oikuménä” leitet sich von griechisch “oíkos=Haus” ab und bezeichnet die bebauten und von Menschen bewohnten Gebiete der Erde. Dementsprechend ist im Textzusammenhang dann auch jedes Mal von der menschlichen Bevölkerung der bezeichneten Gebiete die Rede. Auch hier nur zwei Beispiele:

Es geschah aber in jenen Tagen, dass eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. Lukas 2:1

... eine große Hungersnot, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte, sie trat auch ein. Apostelgeschichte 11:28

“Tebel” bezeichnet demnach mehr den Aspekt der Herkunft der bewohnbaren Flächen, während “oikuménä” die daraus resultierende Bebauung durch Menschen betont. Ausführlich befasst sich Karel Claeys in seinem Buch “Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft” mit diesem Thema (cdbb Seite 51-53 und 683-690). Die folgenden Beispiele sind nur kurze Zusammenfassungen einiger seiner Untersuchungen.

Die Erdkruste schwimmt auf “Strömen”!

Menschen haben an Formulierungen in der Bibel Anstoß genommen, die den Eindruck erwecken, die Erde schwimme auf unterirdischen Gewässern (zum Beispiel Psalm 24:2, 136:6). Doch auch das beruht auf Missverständnissen des Bibeltextes. Der sagt sehr wohl aus, dass sich unter der Erdkruste Wirbelfluten (hebräisch thehom) befinden, aber dies stellt doch gerade aus heutiger Sicht kein Problem dar! Wir wissen inzwischen, dass das gesamte Erdinnere säkularplastisch ist, sich also im Großen und auf lange Zeit gesehen wie eine Flüssigkeit verhält. Die Gesteine im Erdmantel haben extrem hohe Temperaturen und führen unter hohem Druck unaufhörliche Fließbewegungen durch. Auf diesen Wirbelfluten schwimmen die Kontinentalschollen und werden durch verschiedene Strömungen verschoben. Auch dieses Phänomen hat Karel Claeys in seinem Buch ausführlich untersucht.

Selbst rein menschlich ist diese Einsicht den Menschen der Vorzeit durchaus zuzutrauen, denn jeder Vulkanausbruch mit herausströmenden Lavamassen gibt einen Einblick in die Zustände im Erdinneren, und wohl jeder kann sich auch ohne große Phantasie vorstellen, dass sich unter der erstarrten Erdkruste Wirbelfluten von flüssiger Magma befinden.

Die Erde schwebt im Vakuum!

Gott spannt den Norden aus über der Leere,   
er hängt die Erde auf über dem Nichts (hebräisch belimah).   
Hiob 26:7, Elberfelder Übersetzung, ebenso Luther, Einheitsübersetzung, Schlachter

Das Wort “belimah” ist zusammengesetzt aus “beli =ohne” und “mah=etwas”, bedeutet also wörtlich “ohne etwas”, “nichts” (Koehler 129, Gesenius 100) und entspricht damit verblüffend der modernen Einsicht, dass die Erde von einem Vakuum (lateinisch Leere) umgeben ist - sie hängt quasi im Nichts!

Die Expansion des Weltalls

Mehrere Bibelstellen sprechen von diesem erst in der Neuzeit besser erforschten Phänomen, wobei sie ausschließlich den hebräischen Begriff “natah” verwenden, Jesaja 4:22, 42:5,8, 45:12, 51:13, Hiob 9:8, 26:7, Psalm 104:2, Sacharja 12:1. Dieses bedeutet gemäß Wörterbüchern (Koehler 611, Gesenius 500): (aus-)strecken, dehnen, ausbreiten, ausspannen, beugen:

Nach E.König hat “natah” die Bedeutung von “expandens”, das heißt buchstäblich “expandieren”. Mit Ausnahme von Jesaja 45:12 und Jeremia 10:12 wird dieses Verbum stets als prädikativ gebrauchtes Partizip verwendet ... Da ein prädikativ gebrauchtes Partizip die Schilderung eines Zustandes bzw. eines in der Zeit sich ereignenden, andauernden Geschehens zum Ausdruck bringt, ist die Ausdehnung der Sternenhimmel als eine kontinuierliche, in der Schöpfung wirkende Tätigkeit Gottes zu verstehen ... Karel Claeys, “Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft” Seite 158

Die Erkenntnis der Expansion des Weltalls entspricht also wortwörtlich der Aussage der Bibel: “Gott dehnt die Himmel aus!” Und die folgende Bibelstelle gibt uns ein weiteres, besonders anschauliches Bild für dieses expandierende Weltall:

(Gott ist es) ausdehnend (natah) die Sternenhimmel gleich (einer Menge) Stäubchen. Jesaja 40:22

Die unzähligen Himmelswelten werden hier mit einer Wolke Stäubchen verglichen, die in ständiger Expansion begriffen sind. (Karel Claeys Seite 122-125) Das dabei verwendete "doq" stammt von "daqaq = etwas fein zermahlen" her und bezeichnet zu feinem Staub zerstoßene oder zermahlene Substanzen. Tatsächlich müssen wir, um einen treffenden Vergleich für das expandierende Weltall zu geben, das Modell einer Staubwolke zur Hilfe ziehen:

Nehmen wir einen Maßstab von 100 000 Lichtjahren = 1 mm, so entspricht der Durchmesser einer Galaxie (nämlich 100 000 Lichtjahre) etwa einem Millimeter. Der durchschnittliche Abstand der Galaxien zueinander wäre fünf Zentimeter; die Gesamtmenge der Galaxien befindet sich gemäß diesem Maßstab in einem Weltraum mit einem Radius von 200m (bzw. 400m Durchmesser).
Karel Claeys, “Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft” S. 158

Die Dimensionen des Alls

Die Himmel der Bibel haben keineswegs Puppenhausformat, sondern sind vielmehr Inbegriff für einen Größenrahmen, den der Mensch nicht einmal gedanklich erfassen kann:

Denn so viel die Himmel höher sind als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Jesaja 55:9

Darum betont Gott ausdrücklich, dass es den Menschen niemals möglich sein wird, die Ausdehnung der Himmel auch nur zu messen, Jeremia 31:37. Wenn an einigen Stellen schließlich von den Himmeln der Himmel (Mehrzahl) die Rede ist, beginnt man zu ahnen, dass es noch ganze Welten gibt, die für uns jetzt unzugänglich und unerforscht sind:

Siehe, die Himmel der Himmel können Gott nicht fassen! 2.Chronik 6:18

Es hört sich so an, als würde mit dem Ausdruck “Himmel der Himmel” der Begriff “Himmel” potenziert. Das wiederum entspricht der modernen Einsicht, dass unsere Galaxie mit ihren ungefähr hundert Milliarden Sternen wiederum nur eine von insgesamt ungefähr hundert Milliarden Galaxien ist! Jedenfalls setzt der Ausdruck die Himmel der Himmel voraus, dass es wesentlich (!) mehr gibt als die für uns sichtbaren Himmel:

Wie völlig anders ist diese Darstellung der Schöpfung als jenes primitive, altorientalische Weltbild, das die sogenannte historisch-kritische Exegese in die alttestamentlichen Schriften hineininterpretiert! Statt einer festen Kuppel, die sich über die Erdscheibe wölbt, eröffnet uns die Bibel einen aus unzähligen Sternenwelten bestehenden, expandierenden Kosmos, dessen Dimensionen jegliche menschliche Vorstellung übersteigen.    
Und dennoch ist für den Schöpfer dieses gigantische Weltall nur wie eine sich ausdehnende Staubwolke. Er, der allein Seiende, hat dieses Universum erschaffen, dehnt es durch seine Einsicht aus und bereitet es nach dem Vorsatz seines Schöpfungsplanes zur Vollendung zu
(Epheser 3:9-11). 
Karel Claeys in “Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft” 122-125

Während manche Menschen eine Zeitlang in dem Wahn lebten, die Welt drehe sich um uns, während sich doch alles um Gott dreht, muss sich der moderne Mensch eher fragen: “Was ist der Mensch, dass Gott sich überhaupt um ihn kümmern sollte!?” Diese Frage ist nicht neu, sondern schon Jahrtausende alt:

HERR! Wenn ich die Sternenhimmel anschaue - deiner Finger Werk! - den Mond und die Sterne, die du bereitet hast, dann frage ich mich: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du dich überhaupt um ihn kümmerst? Nach Psalm 8

Doch der Gott der Galaxien ist auch der Gott der Atome, und was sollte ihn daran hindern, sich uns zu offenbaren? Galilei jedenfalls war überzeugt:

Die Heilige Schrift wie auch die Natur haben ihren Ursprung gleichermaßen im Worte Gottes. Gott offenbart sich uns in ebenso wunderbarer Weise in den Handlungen der Natur wie in den ehrwürdigen Sätzen der Heiligen Schrift.

Atome und Kernverschmelzung

Lange Zeit stellte man sich die Elemente, aus denen die Materie aufgebaut ist, als unteilbare Kerne vor, weshalb man ihnen den Namen “Atome” oder “Atomkerne” gab, abgeleitet von dem Griechischen “á-tomos = unteilbar”. Diese Vorstellung hat sich inzwischen als unhaltbar erwiesen, denn die sogenannten “Atome” können durchaus gespalten, verschiedene chemische Elemente miteinander sogar “verschmolzen” werden in der sogenannten “Kernverschmelzung”. Da klingen die folgenden Worte des Neuen Testamentes sehr modern:

Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb. An ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente (griechisch stoichéja = Grundelemente) aber werden im Brand aufgelöst ... werden.     
Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit, indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden! 
Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. 2.Petrus 3:10-13

Hier wird mit klaren Worten gesagt, dass die Grundelemente, aus denen unsere Welt aufgebaut ist, eines Tages in eine solch ungeheure Hitze geraten werden, dass sie zerschmelzen! Wie ermutigend, dass gleich hinzugefügt wird, dass dies nicht das Ende der Welt ist, sondern nur der Anfang einer völlig neuen Daseinsordnung. An einer anderen Stelle wird ebenfalls über diesen Vorgang berichtet und dabei eine weitere verblüffende Feststellung gemacht, die nicht in das damalige Weltbild passt, heute aber als zutreffend angesehen wird. Es geht um den Übergang von der Bestehensweise dieser Welt zu der neuen, die Gott neu schaffen wird:

Die Quantelung der Zeit

Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Vergänglichkeit nicht die Unvergänglichkeit erbt.    
Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir (die Gläubigen) werden ... alle verwandelt werden, in einem Nu (en atómo), in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Vergängliche muss Unvergäng­lichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. 1.Korinther 15:50-53

Hier betont Paulus, dass man nur Zugang zu der neuen Welt hat, wenn der Körper in die neue Seinsweise umgewandelt wird, die der kommenden Welt entspricht. Und der Vorgang dieser Umwandlung geschieht innerhalb der kürzestmöglichen, unteilbaren Zeiteinheit, “átomos”. Die moderne Atomphysik ist mit Heisenberg und Planck zu derselben Erkenntnis gelangt, dass nämlich die Materie dieser Welt letztlich nur eine Erscheinungsform von Energie darstellt, die wiederum in Portionen gequantelt ist. Diese Quantelung muss sich logischerweise auch auf die Zeit erstrecken, so dass man heute die Existenz einer nicht mehr unterschreitbaren, unteilbaren Elementarzeit annimmt.

Mehr zum Thema “Das Weltbild der Bibel”
in dem sehr gründlichen und ausführlichen Buch
“Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft”
von Karel Claeys, siehe die Buchempfehlung im Anhang.


 

3. Das Auftauchen von Festland und Landpflanzen

 

Gott sprach: Es sollen sich die Wasser
unterhalb des Himmels an einen Ort sammeln,
und es werde das Trockene sichtbar! ...
Und Gott nannte das Trockene Erde,
und die Ansammlung der Wasser nannte er Meere. Genesis 1:9-10

Das Festland war lange von Wasser bedeckt

Ist es nicht erstaunlich, dass der Bibeltext von einer Zeit weiß, in der die Erde von Wasser bedeckt war? Erst später tauchte das Festland aus dem universalen Urmeer auf. Der Geologie zufolge waren die Kontinente zu Anfang des Präkambriums tatsächlich von einem universalen Flachmeer bedeckt und tauchten innerhalb der großen Zeiträume des Präkambriums ungefähr in der Zeit von 2,0 bis 1,6 Milliarden Jahren auf. Ist es rein menschlich zu erwarten, dass ein Schreiber vor weit mehr als 2.000 Jahren aus eigenem Nachdenken darauf gekommen wäre? Es fällt auch auf, dass gleich bei der ersten Erwähnung des Festlandes der Artikel verwendet wird:

Es werde sichtbar das Trockene! Genesis 1:9

Dies ist aber nur üblich, wenn etwas entweder bereits bekannt ist, bereits erwähnt wurde oder bereits vorher existierte. Und es wird nicht gesagt, dass es werden, also entstehen solle, sondern sichtbar werden. Es ist demnach zu vermuten, dass bereits vor dem Tohuwabohu Festland auf der Erde existierte, dass es jedoch im Tohuwabohu überflutet wurde, um danach erneut sichtbar zu werden. Psalm 104 bestätigt dies:

Die Urflut (hebräisch tehom) bedeckte die Erde wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. Psalm 104:6

Hier wird dasselbe hebräische Wort, tehom, wie in Genesis 1:2 verwendet. Demnach könnte es zur Zeit dieser Überflutung der Erde bereits Berge gegeben haben, wenn diese auch relativ niedrig gewesen sein müssen. Es folgte eine weitere Gebirgsbildungsphase, in deren Verlauf sich die vorher überfluteten Berge über den Wasserstand erhoben:

Die Berge erhoben sich, es senkten sich die Täler an den Ort, den du ihnen bestimmt hattest. Psalm 104:6-8

Eine Bemerkung am Rande: Scheinbar waren die meisten Geologen vor den 1960-er Jahren vollkommen überzeugt, dass die Kontinente ihre Lage nie verändert haben, nur einige wenige verbreiteten die Auffassung, die Kontinente hätten sich früher einmal bewegt (Kontinentaldrift):

Interessanterweise war es ein Schöpfungswissenschaftler, Antonio Snider, der im Jahre 1859 als erster den Gedanken einer horizontalen Bewegung der Kontinente aufwarf (A.Snider, 1859: Le Création et ses Mystères Devoilés. Franck and Dentu, Paris.). Sein Denken war von den Aussagen in Genesis 1:9-10 inspiriert, wo es heißt, dass die Wasser sich an einem Ort sammelten. Darin ist impliziert, dass es nur eine einzige Landmasse gab. Don Batten: Fragen an den Anfang, CLV Bielefeld 2001, ISBN 3-89397-279-X, Seite 163

Die Landpflanzen wurden nicht erschaffen - sagt die Bibel!

Der Text erwähnt kein einziges spontanes Wunder oder einen Schöpfungsakt. Vielmehr ist er hochgradig evolutionistisch:

Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras hervorsprossen ... Und es geschah so: Und die Erde brachte Gras hervor ... Genesis 1:11-12

Wörtlich heißt es: “Die Erde verursache, dass hervorsprießt!” Die Erde erhielt von Gott den Auftrag, Pflanzen hervorzubringen. Gott sprach zwar, aber die Erde war Handelnder. Der Text macht dies deutlich, indem er nicht fortfährt: “Und Gott machte”, sondern: Die Erde verursachte, dass herauskam. Das hier verwendete Tätigkeitswort jatsa' kommt 1.068 Mal in der Bibel vor und bezeichnet einfach das Herauskommen von bereits vorhandenen Dingen aus einer Umgebung: “Die vielfältigen Gebrauchsweisen von jatsa' ... entfernen sich nirgends weit von der Hauptbedeutung hinausgehen.” (jwth 756) Dabei wird oftmals nicht direkt angegeben, woraus, sondern dies muss dem Textzusammenhang entnommen werden. Hier nur zwei Beispiele:

Gott führte Abram hinaus (aus dem Zelt, Genesis 15:5)

Dann holte der Knecht silbernen und goldenen Schmuck und Kleider hervor (die bis dahin eingepackt waren, Genesis 24:53, weitere Beispiele: Genesis 8:17, 19:5,8, 12, 16, 17, 38:24, 43:23, 45:1)

jatsa' bezeichnet niemals (!) die Erschaffung oder das völlige Neuentstehen einer Sache:

Es ist festzuhalten, dass das Verbum nicht auf die Schöpfertätigkeit Gottes im Sinne eines erstmaligen Entstehen-Lassens bezogen wird. (Jenni-Westermann, Theologisches Wörterbuch, jwth 759)

Die Pflanzen waren also keine Neuschöpfung! Darum wurden die biblischen Aussagen auch schon vor Jahrtausenden evolutionistisch verstanden:

Augustinus erklärte, die Pflanzen seien am dritten Schöpfungstage causaliter geschaffen worden, das heißt, die Erde habe an jenem Tage die Kraft erhalten, sie hervorzubringen. E.Mayr “Entwicklung der biologischen Gedankenwelt” Seite 205

Die Landpflanzen kamen aus dem Meer!

Das Naheliegenste ist, dass die Landpflanzen aus den Wassern stammen, die unmittelbar vor dem Erscheinen der Landpflanzen erwähnt werden. Wie wir gesehen haben, existierten genau dort bereits seit dem Brüten Gottes über dem Urmeer einfache Organismen, von denen einige mit dem später durchdringenden Sonnenlicht anfingen, Photosynthese zu treiben. Demnach gab es, als das Festland auftauchte, in den Meeresgewässern pflanzliche Organismen, die nun an Land gehen konnten - das (auftauchende) Festland verursachte, dass Pflanzen herauskamen.

Der Text scheint eine in Größe und Entwicklung aufsteigende Reihenfolge widerzuspiegeln: grasähnlich, krautig, baumähnlich. Er betont das Herauskommen der Pflanzen und beschreibt demnach eine Pioniervegetation, erste Anfänge von Pflanzenbewuchs.

Gott gebraucht ganz oft natürliche Prozesse

Da die Schöpfung die erste und damit grundlegende Offenbarung von Gottes Wesen an uns Menschen darstellt, dürfen wir niemals vergessen, dass Gott sich uns in vielen Fällen ganz natürlich offenbart. Da sind nicht funkensprühende Wunder auf der einen Seite, in denen Gott ist, wogegen alle natürlichen Prozesse ohne Gott ablaufen würden. Der Schöpfungsbericht erwähnt nur drei Schöpfungsakte, die hineingewoben sind in einen gigantischen Entwicklungsprozess. Gott durchbricht niemals seine Naturgesetze, er gebraucht sie. Virtuos wie ein Klavierspieler die Tasten seines Instrumentes, benützt Gott die Materie und deren Gesetzlichkeiten, um seinen Willen zu vollbringen. Und das sieht oftmals ganz normal und unscheinbar aus, was selbst einen Mann Gottes wie Eliah in Erstaunen versetzen konnte, als Gott sich ihm offenbarte:

Und siehe, der HERR ging vorüber. Da kam ein Wind, groß und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte vor dem HERRN her. Aber der HERR war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind ein Erdbeben, der HERR aber war nicht in dem Erdbeben. Und nach dem Erdbeben ein Feuer, der HERR aber war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer der Ton eines leisen Wehens... und siehe, eine Stimme geschah zu ihm ... 1.Könige 19:11-1

Hartnäckig hält sich nicht nur unter den Völkern, sondern auch im Volk Gottes die Täuschung, die uns gewohnten, natürlichen Dinge könnten nicht übernatürlich sein - doch sie sind es! Die einzige Frage ist, ob wir uns von Gott die Augen öffnen lassen, damit wir es erkennen. Wer sich verweigert, auf Vertrautes und auf Vertraute zu hören, den können selbst spektakulärste Ereignisse letztlich nicht dazu bewegen, Gott wahrzunehmen:

Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht. Lukas 16:31

Weil viele das nicht verstanden, nahmen sie Anstoß daran, dass Gott in Windeln und als Zimmermannssohn auf der Erde erschien, um die Herrschaft über das Weltall anzutreten. Und wie steht es mit uns? Sind wir darauf festgelegt, allein auf übernatürliche Weise Gottes Stimme zu hören, oder verstehen wir auch sein Reden durch natürliche Umstände und unsere Mit-Menschen?

Gottes Wort erfüllt sich im Laufe der Zeit

Denn er sprach, und es geschah. Er gebot, und es stand da. Psalm 33:9

Manche deuten diese Stelle so, als hätten Gottes Worte in der Genesis schlagartig zum Endergebnis geführt. Doch es ist eines der häufigsten Vorkommnisse der Bibel, dass Gott spricht und es daraufhin geschieht - auch wenn oftmals Jahrtausende zwischen dem Reden Gottes und seiner Erfüllung vergehen. Der Psalm betont nicht die Geschwindigkeit, sondern die “Be-Ständigkeit” der Verwirklichung von Gottes Ratschluss. Was er spricht, das wird unweigerlich geschehen, und was er befiehlt, das kommt “zu-stande” - egal, wie lange es dauern mag, und es hat “Be-stand”, egal, was dagegen arbeitet:

Der HERR der Heerscharen hat geschworen und gesagt: Fürwahr, wie ich es erwog, so geschieht es, und wie ich es beschlossen habe, so kommt es zustande! Jesaja 14:24

Der ich von Anfang an den Ausgang verkünde und von alters her, was noch nicht geschehen ist. Der ich spreche: Mein Ratschluß soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, führe ich aus. Jesaja 46:10

Landpflanzen und die Sicht der Naturwissenschaft

Von der ersten Flora der Erde ist noch sehr wenig bekannt, da sie aus einer sehr alten Zeit stammt, die naturgemäß eine schlechtere fossile Überlieferung zur Folge hat. Zusätzlich verwesen Landpflanzen rasch und weisen daher nur selten gute fossile Erhaltung auf. “Aus der Zeit zwischen dem mittleren Silur und dem frühen Devon (ca 400 Millionen Jahre) finden sich die ersten einigermaßen gut konservierten Pflanzen mit erkennbarer Cuticula, wasserleitenden Gefäßen und verstärkten verzweigenden Stengeln und Sporenkapseln.” (nudl 87-88) Es ist wahrscheinlich, dass der Landnahme eine präkambrische Besiedlung (ca. 540 Millionen Jahre) aus der Gruppe der Algen vorausgegangen ist. Jedenfalls findet man aus dieser Zeit Reste von differenzierten großen Algen, die nach Ansicht der Wissenschaftler Flachwasserbereiche, Gezeitenzonen oder das Festland bewohnt haben (Pflug).

Abschließend wollen wir festhalten, dass eine gewisse Spannung zwischen biblischem Bericht und den Naturwissenschaften besteht. Letztere gehen heute davon aus, dass die Landnahme der Pflanzen erst nach dem Erscheinen der Meerestiere stattfand, während der biblische Bericht von einer umgekehrten Reihenfolge ausgeht. Obwohl es Argumente gibt, die diese Spannung abmildern könnten, wollen wir nicht verheimlichen, dass beim gegenwärtigen Stand der naturwissenschaftlichen Forschung einerseits und unserer Auslegung der Genesis andererseits eine Harmonisierung in dieser Sache nicht leicht fällt.

Unvermeidliche Spannungen zwischen Bibel und Wissenschaft

Eines müssen wir jedoch immer berücksichtigen, wenn wir Bibel und Naturwissenschaften miteinander vergleichen: Auf beiden Seiten handelt es sich um menschliche Forschungen, die mit Fehlern und Irrtümern behaftet sind. So wird niemand bestreiten, dass der Stand der Naturwissenschaften vor zweihundert Jahren noch ein ganz anderer war als heute. Die Erkenntnis nimmt zu - und das ist auch für die Auslegung der Bibel zu erwarten: Heute stehen uns bessere Bibeltexte zur Verfügung denn je, und mit Hilfe von Computer-Programmen sind Studien im Grundtext um ein Vielfaches schneller und genauer geworden. Dennoch, Irren ist menschlich, und zwar auf allen Gebieten, darum ist es eigentlich ausgeschlossen, dass wir unsere Erkenntnisse über das Wort Gottes und die Schöpfung Gottes jemals vollkommen zur Deckung bringen können. Sowohl Bibel- als auch Naturforschung können nur Annäherungen an die Wahrheit darstellen. Jegliches menschliche Wissen ist Stückwerk, 1.Korinther 13:9. Das betont auch der Nobelpreisträger Manfred Eigen:

Konflikte zwischen religiöser und wissenschaftlicher Weltsicht sind aufgrund der Begrenzung menschlicher Einsichten geradezu vorgegeben.    
Manfred Eigen in “Stufen zum Leben”, Seite 275

Aus diesem Grund ist es nicht realistisch und auch nicht fair, von einer Bibelauslegung zu erwarten, dass sie zu hundert Prozent mit dem “derzeitigen Stand der Forschung” übereinstimmt! Es muss, im Gegenteil, eher verdächtig erscheinen, wenn bei Harmonisierungsversuchen alles glatt geht. Es ist viel realistischer, abzuwägen, in welchem Maße die Bibel mit dem übereinstimmt, was heute als gesichert angesehen wird, und dann seine Schlussfolgerungen zu ziehen. Was nun den Stammbaum der Himmel und der Erde (Genesis 2:4) angeht, so treffen die zentralen Aussagen ins Schwarze und das Gesamtgeschehen deckt sich verblüffend mit den Forschungsergebnissen der Naturwissenschaften, wenn auch einige wenige Details nicht passen. Dieses extrem hohe Maß an Übereinstimmung ist unter den Schöpfungsberichte der Welt absolut ein­malig und ein gewichtiges Argument dafür, dass die Bibel vom Schöpfer selber stammt. Aus rein menschlichen Überlegungen heraus hätte seinerzeit kein Schreiber einen derart treffenden Bericht von der Entwicklung des Lebens auf der Erde geben können.


 

Schuf Gott die Arten?

 

Und die Erde brachte Gras hervor,
Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art ... Genesis 1:12

Es fällt auf, wie häufig der Begriff “Art”, hebräisch min, im Stammbaum der Himmel und der Erde erwähnt wird. Das deckt sich mit seiner Wichtigkeit im Bereich der Biologie:

Die Art ist die grundlegende Einheit der Evolutionsbiologie. ... Eine üppige Vervielfältigung der Arten ist eine Vorbedingung für den Evolutionsprozess. ... Die Arten sind die eigentlichen Einheiten der Evolution. ... Die Art ist eine - wenn nicht sogar die wichtigste - Einheit der Evolution. Mayr “Entwicklung der biologischen Gedankenwelt” Seite 237

Doch um es gleich vorauszuschicken: Gott schuf weder die Pflanzen noch die Arten! Vielmehr war es laut Bibeltext ausdrücklich die Erde, die Pflanzen herausbrachte, und diese wiederum brachten Samen, also Fortpflanzungskörper “nach ihrer Art” hervor. Wenn man so wollte, könnte man also eher noch behaupten, die Erde habe die ersten Arten “geschaffen”.

Wir können mehr über den Artbegriff der Bibel erfahren, wenn wir den im Grundtext verwendeten Begriff min = Art mit Hilfe der Wörterbücher untersuchen. Die dem Hauptwort min = Art zugrundeliegende Wurzel bedeutet "furchen, spalten" (ghhw 420), "eigentlich schneiden, um und um abtrennen, sodann unterscheiden, d.h. durch Zurichtung von anderen Dingen verschieden machen." (fhh 710). Verwandte arabische Worte bedeuten “auseinander scheiden, spalten, trennen” und “umschützen, das heißt von aller Berührung trennen, abhalten” (Fürst “Hebräisches Wörterbuch” Seite 710).

Das Hauptwort min selber bedeutet “eigentlich Abscheidung, -trennung ... d.h. was sich von andern unterscheidet und trennt.” Fürst Seite 730

Die Hauptbedeutung von min = Art ist demnach nicht geschichtslose Entstehung und Unveränderlichkeit, sondern im Gegenteil, gemeinsamer Ursprung mit nachfolgender Veränderung! Die Bedeutung von min = Art enthält drei Aspekte:

      1. Gemeinsame Herkunft.   Darauf folgt:

      2. Trennung voneinander (Abspaltung).   Dabei entsteht:

      3. Unter-Scheidung, Verschieden-Artigkeit.

Somit ist der Artbegriff ein Beleg für die Abstammung der Lebewesen voneinander.

Ein modernes Beispiel von “Artbildung”: Messianische Juden

Diese Grundbedeutung hat sich bis ins moderne Hebräisch hinein erhalten. Da wird min nämlich gebraucht, um Sektierer und Judenchristen (kblh 519) zu bezeichnen: “Auch das neuhebräische min Häretiker, Ketzer, geht von abtrennen aus.” (fhh 730) Orthodoxe Juden sehen z.B. andere Juden, die an Jesus als Messias glauben, als Sektierer, als “entartet” an und schließen sie aus der Gemeinschaft aus, obwohl sie an ihren jüdischen Wurzeln festhalten und sich Messianische Juden nennen. In den Augen der “Rechtgläubigen” sind sie aufgrund ihrer Anders-Artigkeit von der ursprünglichen Gemeinschaft abzutrennen. Wir sehen die drei Aspekte von “min=Art”: Obwohl die messianischen Juden einen gemeinsamen Ursprung mit den anderen Juden haben, sind sie so anders geworden, dass sie abgetrennt und von der jüdischen Gemeinschaft als fremd-artig ausgeschlossen werden.


 

4. Warum Gott die Lichter nicht erschuf

 

Und Gott sprach:
Es sollen Lichter an der Wölbung des Himmels werden,
um zu trennen zwischen Tag und Nacht.
Und sie sollen dienen als Zeichen und zu Zeiten und Tagen und Jahren ...
Und Gott machte die beiden großen Lichter ...
Und Gott setzte sie an die Wölbung des Himmels ...
Genesis 1:14-17

Warum Gott die Sonne nicht am vierten Tag erschuf

“Woher kam das Licht der ersten Tage, wenn Gott Sonne, Mond und Sterne doch erst am vierten Tag erschuf?” Dies ist eine häufig gestellte Frage zum Schöpfungsbericht, oft auch als Einwand gebracht, um seine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Doch das Problem liegt nicht im Bibeltext, sondern beim Leser. Der Schöpfungsbericht ist nämlich logisch aufgebaut, und wir werden ihn nur verstehen, wenn wir einmal gemachte Aussagen im weiteren Verlauf konsequent berücksichtigten:

Die ersten Worte setzen für alle folgenden Ereignisse die Existenz des Universums voraus, zusammengefasst in dem Ausdruck “die Himmel und die Erde”. Sonne, Mond und Sterne waren zur Zeit des vierten Tages also längst erschaffen und vorhanden. Dunkel war es auf der Erde (und der Text sagt ausdrücklich nur “Erde”!) aufgrund einer undurchdringlichen Wolkendecke. Als diese sich auflockerte, wurde es “licht” auf ihr. Doch worum geht es dann bei den Ereignissen des vierten Tages?

Was machte Gott dann?

Gott sprach: “Es seien Lichter ...”

Die Übersetzungen geben durchweg richtig wieder, was im Grundtext steht: Lichter. Es geht nicht um Sonne und Mond als Himmels-Körper, die Worte Sonne und Mond kommen gar nicht vor! Es geht vielmehr ausdrücklich um die von ihnen ausgehende Lichtstrahlung, hebräisch ma'or. Leucht-Körper heißen auf Hebräisch ner oder menorah = Lampe, doch das von ihnen ausgehende Leuchten, die Beleuchtung wird ma'or genannt:

Der reine Leuchter (menorah, von ner), seine Lampen (ner), die zuzurichtenden Lampen (ner) und alle seine Geräte (also Körper!) und das Öl zum Licht (ma'or). Exodus 39:37

Ganz offensichtlich bezeichnet ma'or hier das vom brennenden Öl ausgehende Licht. Immer wieder wird klar unterschieden zwischen der Lampe (ner) und dem von ihr ausgehenden Licht (ma'or):

... sie sollen die Lampe (ner) des Lichts (ma'or) bedecken. Numeri 4:9

Der Text macht also durch die auffällige Weglassung der Worte “Sonne” oder “Mond” und die Verwendung von ma'or = Leuchte eindeutig klar, dass es hier nicht um die Himmelskörper geht, sondern um das von ihnen ausgehende Licht!

Die Lichter wurden zubereitet - nicht erschaffen!

Eine weitere Beobachtung bestätigt diese Tatsache: Das Wort bara' = erschaffen wird nicht für die Lichter verwendet! Vielmehr begegnen wir dem Wort ^asah = machen, zubereiten, das eine ganz andere Bedeutung hat. Es ist nach “sagen” und “sein” das dritthäufigste Tätigkeitswort der hebräischen Bibel überhaupt (2.627 Vorkommen) und bedeutet: Vorhandenes fortlaufend und zielgerichtet zubereiten. Einige Beispiele der Genesis:

Und ich will dich (Abraham) zu einer großen Nation machen. (Genesis 12:2)

... erjage mir ein Stück Wild und bereite mir ein Gericht (daraus) zu, wie ich es gern habe. Genesis 27:3,4

Und sie nahmen Steine und machten (daraus) einen Haufen. Gen 31:46

Und er machte ihm (aus vorhandenem Material) einen bunten Leibrock. (Genesis 37:3)

Am vierten Tag schuf Gott also keine Lichter, sondern bereitete die bereits vorhandenen weiter zu. Mit anderen Worten: Gott machte die Lichter - sichtbar!

Das Geschehen ist somit recht einfach zu verstehen: Seit dem ersten Tag war das Licht der Himmelskörper nur diffus, aber immerhin als Helligkeit = 'or bis zur Erde hindurchgedrungen. Vom vierten Tag an waren sie auch als Lichter = ma'or zu sehen, so, als würde heute an einem bewölkten Tag der “Himmel” aufreißen.

Heftete Gott die Sterne an das Firmament?

Es gibt eine Aussage im Bibeltext, die vielfach zu falschen Deutungen geführt hat:

Und Gott setzte sie an die Wölbung des Himmels ... Genesis 1:17

Das hört sich so an, als habe Gott die Himmeskörper am Firmament festgeheftet. Doch erinnern wir uns: Von dem zweiten Satz der Genesis an konzentriert sich das Blickfeld auf die Erde. Ausnahmslos alles, was Gott danach tut, geschieht hier. Also ist von Haus aus zu erwarten, dass es am vierten Tag nicht um die Erschaffung von Himmelskörpern im All geht. Und tatsächlich betreffen Gottes Worte nicht die Himmel, den Weltraum, denn es ist nicht von Lichtern “im Himmel” die Rede, sondern:

Und Gott gab (hebräisch natan) sie in die Ausdehnung der (Luft-)Himmel ...

Wie der Textzusammenhang ganz klar zeigt, handelt es sich bei dieser Ausdehnung um die dünne Luftschicht, die die Wolken von der Erdoberfläche trennt und in der Flugtiere sich bewegen Genesis 1:6,20. Und das hebräische natan = geben hat nichts mit einer Befestigung zu tun, sondern sagt aus, dass Gott dafür sorgte, dass das Licht bis in die unterste Luftschicht durchkam. Dasselbe Wort wird wenig später verwendet, um zu beschreiben, welche Nahrung Gott den Menschen zugedacht hat, Genesis 1:29. Tatsächlich ist das Sonnenlicht eine wichtige “Gabe” an Menschen und Tiere.

Ein Vorgang, viele Lichter

Im Grundtext steht nicht, wie wir erwarten würden und auch der Einfachheit halber übersetzt hatten: “Es seien Lichter!”, sondern:

Es sei (Einzahl): Lichter... (Mehrzahl)

Dies ist zwar kein Beweis für unsere Deutung, aber es passt sehr gut zu unserer Ansicht, dass es nur ein einziger Vorgang war, als dessen Folge eine Vielzahl von Lichtern erschien: Das Aufreißen des Himmels hatte zur Folge, dass alle Lichter auf der Erde sichtbar wurden.

Der beherrschende Einfluss der Himmelslichter auf die Erde

... als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten ...

Das gesamte irdische Leben wird von den Rhythmen der Himmelslichter bestimmt:

Den drei grundlegenden Zeitmaßen des Kalenders - dem Tag, dem Monat, dem Jahr - liegen die astronomischen Kreisbewegungen zugrunde, die das menschliche Leben am stärksten beeinflussen.    
Die ältesten Kalender orientieren sich am Mond, der ja nicht nur auf- und untergeht, sondern während des Monats auch seine Gestalt wechselt. Monate machten es schon recht bequem, Jahreszeiten zu beschreiben.    
Die späteren Kalender allerdings basierten alle auf der Jahresbewegung der Sonne.     
Den Ägyptern verdanken wir auch die Einteilung des Tages in 24 Stunden von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang. Ausgangspunkt dieser Einteilung war die Untergliederung der Nacht in zwölf Stunden, deren Beginn jeweils durch das Erscheinen eines bestimmten Sterns oder Sternbilds im Osten gegeben war. Vermutlich aus Symmetriegründen wurde dann der Tag ebenfalls in zwölf Stunden eingeteilt. (Peter Coveney “Anti-Chaos” Seite 44,45)

... und um zu herrschen ...

Bis zum vierten Zeitraum hatte in der untersten Luftschicht nur diffuses, also gestreutes Licht “geherrscht”. Von da an konnte das Licht von Sonne und Mond in viel höherem Maße seinen Einfluß ausüben, und der ist in der Tat gewaltig. Die Energie, die tagtäglich durch die Sonnenstrahlung zur Erde befördert wird, versetzt die ganze Atmosphäre in dauernde Bewegung. Es ist zu erwarten, dass gerade seit dem vierten Tag die von der direkten Sonnenstrahlung hervorgerufene, gesteigerte Erwärmung der Erdoberfläche einen entscheidenden Einfluß auf die atmosphärischen Vorgänge ausübte.

Von der Sonne hängt alles Leben ab, sowohl das der Pflanzen, als auch das der Tiere und Menschen. So wirken (oder biblisch ausgedrückt herrschen) Sonne und Mond in den physikalischen, chemischen und biologischen Vorgängen der Erde und ihrer Lebewesen:

In vieler Hinsicht gleicht das Leben auf der Erde einem Orchester, das nach dem Takt des Himmels spielt. Bewegungen von Sonne und Mond spiegeln sich in Ebbe und Flut von Insektenpopulationen und der Aktivitäten von Lebewesen auf dem ganzen Planeten wider.  
Peter Coveney “Anti-Chaos” Seite 342

Gründe für die zweite Veränderung der Erdatmosphäre

Die Ursache für das Aufreißen des Himmels bzw. der Wolkendecke, das das Sichtbarwerden der Himmelslichter ermöglichte, ist in einer Veränderung der Erdatmosphäre zu suchen. Hierbei müssen die Vorgänge des vorhergehenden Tages eine wichtige Rolle gespielt haben:

Das Auftauchen des Festlandes dürfte unter anderem eine intensivere Luftzirkulation bewirkt haben, insbesondere in den niedrigeren Atmosphärenschichten. Und das Erscheinen der Landpflanzen Pflanzen muss einen ansteigenden Sauerstoffgehalt zur Folge gehabt haben. Eine Veränderung der Erdatmosphäre hat aber zwangsläufig auch eine Veränderung des Lichtes zur Folge, da dieses auf seinem Weg durch die Erdatmosphäre z.B. durch Absorption, Reflexion und Streuung verändert wird. Biblisch ausgedrückt: Es wird zubereitet = ^asah.

Wie wir gleich sehen werden, war diese Veränderung der Erdatmosphäre eine unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklungen, die nun folgen sollten.


 

5. Zeitraum: Erste Tiere - hier irrte Darwin!

 

Und Gott sprach:
Die Wasser sollen wimmeln von Wimmelnden, lebenden Seelen! Genesis 1:20

 

Was ist die “Kambrische Explosion”?

Die Bibel sagt, dass das tierische Leben in den Wassern der Meere entstand. Und die Wasser sind tatsächlich der Ort, an dem erstes tierisches Leben, den Naturwissenschaften zufolge, erschien. So wird die Spur wieder aufgenommen, die mit dem Brüten Gottes über den Wassern der Urerde begann. Als erstes hatten sich daraus die Pflanzen entwickelt, nun folgten die Tiere, die sich im Laufe des fünften Tages - heute schätzt man: vor 530 Millionen Jahren - explosiv entfalteten:

Die kambrische Explosion steht für einen unglaublichen Quantensprung an biologischer Komplexität. Davor war das Leben auf der Erde ziemlich einfach - es bestand aus einzelligen Bakterien, blau-grünen Algen und später ein paar Schwämmen und primitiven Würmern oder Mollusken. Und dann finden wir ganz urplötzlich eine verblüffende Vielfalt komplexer Lebewesen, ohne dazugehörige Vorgänger, die geologisch betrachtet von einem Augenblick auf den anderen einfach da waren.    
Lee Strobel “Indizien für einen Schöpfer” Seite 316

Wenn man die Erdgeschichte in 24 Stunden pressen würde, dann würde die kambrische Explosion gerade einmal eine Minute dauern! Dieses Geschehen war - gemessen an der Skala der geologischen Uhr - ein plötzliches, geradezu überraschendes Phänomen, darin sind die Forscher sich einig:

Am Ende des Präkambriums ereignete sich etwas, was man zutreffend als eine Explosion von Lebensformen bezeichnet hat.    
David Norman “Ursprünge des Lebens” Seite 32

Darwin’s ungelöstes Problem

Dieses plötzliche Erscheinen der Tiere auf der Bühne des Lebens bereitete Darwin lebenslang großes Kopfzerbrechen. Bis vor ungefähr 600 Millionen Jahren gab es nämlich nur “einfache” Organismen in den Gewässern, und Darwin's Theorie zufolge wäre es zu erwarten gewesen, dass sie sich langsam und stufenweise zu komplexeren Lebensformen hochentwickelten. Ganz entgegen seinen Erwartungen traten die ersten Tiere jedoch in einer erstaunlichen Artenvielfalt und extremen Komplexität sozusagen schlagartig auf:

Keine unter all den plötzlichen Faunenentstehungen beunruhigte Darwin mehr als das plötzliche Auftreten der Mehrheit der großen Tierstämme in den untersten fossilhaltigen Gesteinen. Wo können sie hergekommen sein?   
Ernst Mayr “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt” Seite 345

Warum finden wir keine großen von den Resten der Vorfahren der kambrischen Fossilien erfüllten Schichten, die meiner Theorie zufolge doch unbedingt in jenen alten, völlig unbekannten Epochen der Erdgeschichte abgelagert worden sein müssen?    
Darwin “Die Entstehung der Arten” Seite 644

Bis an sein Lebensende blieb dieses Phänomen der fehlenden Vorfahren für Darwin ein ungelöstes Rätsel. Und: “In den Jahren nach 1859 ist diese Schwierigkeit sogar noch gewaltiger geworden. Wo auch immer neue Schichten erforscht wurden, die frühesten Typen traten unweigerlich im Kambrium auf, in den präkambrischen Schichten war nichts von ihnen zu finden. 
Ernst Mayr “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt” Seite 345

Umso erstaunlicher ist, dass der jahrtausendealte Text der Genesis schon immer bezeugte, dass genau diese (kambrische) Explosion des Lebens auf der Erde, genauer gesagt in deren Meeren, stattgefunden hat. Er erklärt, dass die ersten Lebewesen der Erde ihren Ursprung einem Schöpfungsakt Gottes haben.

Eine neue Dimension: Tiere haben eine Seele!

Und Gott erschuf lebende Seelen ... Genesis 1:21

Manche Übersetzungen sprechen hier von “Wesen” oder “Lebewesen”, andere übersetzen mit “Getier”, doch im hebräischen Grundtext steht einfach näphäsch = Seele. Tatsächlich stellen Tiere eine Neuerscheinung dar, die rein innerweltlich nicht erklärt werden kann: Tiere haben eine Seele! Die Seele ist der Sitz der Triebe und Empfindungen und der Bibel zufolge dasjenige, was sowohl Menschen als auch Tiere (!) zu etwas Lebendigem, zu einem Lebewesen macht - Pflanzen werden in der Bibel niemals als lebend bezeichnet. Auf körperlicher Ebene spiegelt sich dies in Atmung, Blutkreislauf und der Fähigkeit zu willentlich gesteuerten Bewegungen wider. Konrad Lorenz kommt in seinem Buch “Über tierisches und menschliches Verhalten” zu dem Schluss:

Die Fähigkeit zu Lust und Leid ... ist sicherlich die Urform alles Erlebens. Gerade sie möchte ich auch den höheren Tieren zuschreiben ...
Man sieht einem Hund ohne weiteres an, dass er traurig ist, nicht aber, weshalb er es ist. ... 
Meinem Lehrer Heinroth, dem Großvater der objektivierenden Verhaltensforschung, wurde sehr oft vorgeworfen, dass er das Tier in seinen physiologischen Gedankengängen wie eine Maschine behandle, worauf er zu antworten pflegte: “Im Gegenteil, Tiere sind Gefühlsmenschen mit äußerst wenig Verstand”.
Konrad Lorenz “Über tierisches und menschliches Verhalten” Seite 371

Die ersten Lebewesen der Erde haben ihren Ursprung in dem zweiten von insgesamt nur drei Schöpfungsakten Gottes und stellen tatsächlich eine Neuerscheinung dar, die rein innerweltlich nicht erklärt werden kann. Die Schöpfung geschah allerdings in den Stammbaum von Himmel und Erde (Genesis 2:4) hinein, und der Textzusammenhang bestätigt noch einmal ausdrücklich, dass die ersten Tiere von niedrigeren Lebensformen abstammen, denn er erklärt:

Dann erschuf Gott ... lebende Seelen ... nach ihrer Art.

Durch die Verwendung des Wortes min = Abkunft, Herkunft wird der Abstammungsgedanke in diesem Zusammenhang unübersehbar. In das Geschehen hinein gab Gott eine neue Qualität: seelisches Leben. Gott erschuf nicht die Arten, sondern die Tier-Seelen - nach oder gemäß ihren Arten, die bereits vorhanden waren oder sich entwickelten. Im Text werden vier Gestaltgruppen unterschieden:

Die “Wimmelnden” oder “Krabbelnden”

Man könnte keinen treffenderen Ausdruck finden, um die Lebewelt zu beschreiben, die als erste die Meere bevölkerte. Als ein klassisches Beispiel für diese Wimmelnden können die Trilobiten dienen, kleine, auf dem Meeresboden kriechende, gelegentlich auch schwimmende Tierchen, von denen die urzeitlichen Flachseen buchstäblich wimmelten.

Kamen die Vögel vor den Landtieren?

Der Text nennt zusammen mit den Meerestieren als weitere Gestaltgruppe erste Flugtiere. Welcher rein menschlich inspirierte Schreiber hätte den Ursprung der Flugtiere im Wasser vermutet? Doch dem Text zufolge fand noch vor dem Erscheinen der Landwirbeltiere (!) am sechsten Tag eine Besiedlung des Festlandes mit Flugtieren statt. Der Grundtext verwendet hier nicht das ausschließlich Vögel bezeichnende zippor, sondern ^oph. Dieses leitet sich von dem Tätigkeitswort ^uph ab, das Fliegen im weitesten Sinne bedeutet (vergleiche unsere “Fliege” und “Flieger”!), und bezeichnet ganz allgemein fliegende Lebewesen, also Vögel und Fledermäuse, zum Beispiel in 3.Mose 11:13,19, 5.Mose 14:18, aber auch Insekten, zum Beispiel 3.Mose 11:20, 5.Mose 14:19. Tatsächlich gehören zu den ältesten als Fossilien gefundenen Insekten solche, die mit Flügeln ausgestattet waren. Nach Brinkmann stammt das älteste paläontologisch gesicherte Insekt überhaupt (!), das Eopterum (eine Art Libelle), aus oberdevonischen Schichten und belegt, dass die ersten fliegenden Tiere im Verlauf des fünften Zeitraumes entstanden.

“Und Gott schuf die großen, räuberischen Meeres-Ungeheuer”

Das hebräische Wort tannin bezeichnet besonders räuberische Tiere.[8] Die im fünften Zeitraum entstandenen tanninim müssen gewaltig gewesen sein, da der Text sie ausdrücklich als groß bezeichnet. Tatsächlich wurde das Erdaltertum wesentlich von Tieren geprägt, die man als große, räuberische Meeresungeheuer bezeichnen muss. Aus den bereits im Kambrium auftretenden Kopffüßern entwickelten sich im Verlauf des Ordo­viziums gewaltige, tintenfischähnliche Meeresungeheuer, die eine Länge von 4,50 Metern erreichten. Eine weitere Gruppe, an die man unwillkürlich denken muss, wenn man das Wort Seeungeheuer hört, sind die “Seeskorpione, die damals die Meere terrorisierten. Einige wurden zwei Meter lang und besaßen riesige Scheren, mit denen sie kleinere Tiere packten”, David Attenborough “Das Leben auf unserer Erde” Seite 65.

                            

Sich bewegende Meerestiere

Der vierte Begriff, rämäs, ist ein Sammelbegriff für alle restlichen Gestaltgruppen, die zu lebenden Seelen erschaffen wurden. Tatsache ist, dass seit der kambrischen Explosion alle Tierstämme existieren, neue sind nicht mehr dazugekommen! Es wird allgemein angenommen, dass der starke Anstieg des Sauerstoffgehaltes der Erdatmosphäre eine wesentliche Voraussetzung für diese explosive Entfaltung des tierischen Lebens war.


 

Sechster Tag

Das “Auftauchen” der Landtiere

 

Und Gott sprach: Die Erde lasse herauskommen (jatsa'):  
lebende Seelen nach ihrer Art -
große, vierfüßige Tiere und kriechende Tiere und Landtiere nach ihrer Art! Und es geschah so.
Und dann bereitete Gott die Landtiere zu (^asah).
Genesis 1:24-25

Die Landtiere kamen aus dem Meer!

Bei der Entstehung der Landpflanzen hätte man ja noch darauf beharren können, dass die Erde sie “aus sich” hervorbrachte. Aber sollte die Erde auch die Fähigkeit erhalten haben, lebende Seelen aus sich selbst hervorzubringen, die dann irgendwelchen unterirdischen Örtern entschlüpften, um ins Licht des sechsten Tages zu blinzeln? Wohl kaum! Aber irgendwie muss unser blauer Planet es geschafft haben, Gottes Befehl zu erfüllen, denn es heißt weiter: “Und es geschah so!” Aber wie? Wir sahen bereits bei den Landpflanzen, dass das hier verwendete Tätigkeitswort jatsa' = herauskommen, verlassen niemals die Neuentstehung einer Sache bezeichnet. Vielmehr besagt es, dass bereits vorhandene Dinge irgendwo herauskommen. Demnach müssen zum damaligen Zeitpunkt bereits lebende Seelen existiert haben, deren Herauskommen das Festland verursachte.

Wenn wir als nächstes die Frage beantworten wollen, wo sie waren und herauskamen, müssen wir weder unsere Phantasie bemühen noch unseren Blick weit schweifen lassen, denn der Textzusammenhang lässt keine Fragen offen: Er spricht unmittelbar vor dem “Herauskommen” der Landtiere von Tieren in den Meeresgewässern und gebraucht dabei auch noch exakt den selben Ausdruck für beide Lebewesen:

Es sollen DIE WASSER wimmeln vom Gewimmel lebender Seelen ...     
Und Gott erschuf ... alle sich bewegenden lebenden Seelen, von denen DIE WASSER wimmeln nach ihrer Art ...   
Dann sprach Gott:      Die Erde verursache, dass lebende Seelen (AUS DEN WASSERN) HERAUSKOMMEN nach ihrer Art ... Genesis 1:20-24

Was ist naheliegender, als dass ein Teil der eben erwähnten und mit dem identischen Namen lebende Seelen genannten Meerestiere herauskam und das Festland besiedelte?

Die Landtiere wurden nicht erschaffen!

Dann bereitete Gott die Landtiere zu (asah) ... Genesis 1:25

Es ist kein Zufall, dass eben nicht gesagt wird, Gott habe die Landtiere erschaffen (hebräisch bara' = etwas völlig neu erschaffen): Das Fehlen eines Schöpfungsaktes beim “Auftauchen” der Landtiere ist eine klare Bestätigung dafür, dass diese von den Wassertieren abstammen! Seelisches Leben war in den Meeresgewässern bereits erschaffen worden und musste nur noch auf das Festland herauskommen, wo es dann weiter von Gott zubereitet wurde.


Eine verblüffende Parallele!

Es gibt in der Bibel eine andere Begebenheit, bei der Gott einen Befehl gab, der fast mit dem des sechsten Tages identisch ist:

Lasse herauskommen (jatsa') alle Lebewesen ... an Flugtieren und großen vierfüßigen Tieren (behemah) und an sich bewegenden Tieren (rämäs), die sich auf der Erde bewegen!

Darauf erfolgte die Erfüllung des Befehls:

Und alle Lebewesen, alles, was sich bewegt (rämäs) und alle Flugtiere, alles, was sich auf der Erde bewegt (ramas) nach ihren Geschlechtern kamen heraus (jatsa'). Genesis 8:17-19

Der Vorgang entspricht dem Geschehen des sechsten Tages. Nur war es damals Noah, der den Befehl bekam! Keine Frage, dass er die Tiere nicht selber erschuf - sie waren allesamt bereits in seinem Schiff vorhanden. Noah musste nur dafür sorgen, dass sie herauskamen (jatsa'). Eine kurze Gegenüberstellung mag verdeutlichen, wie sehr sich die Geschehnisse ähneln:

Genesis 8:17-19                        Genesis 1:24

Noah soll                                   Das Festland soll

Lebewesen                                lebende Seelen

(aus der Arche,                          (aus dem Meer,

in die er sie ja                            wo sie ja

vorher bringen musste)              vorher erschaffen wurden)

herausbrigen (jatsa')               herausbringen (jatsa')

an Land.                                   auf das Festland.

Weder Noah noch die Erde sollten Tiere aus sich selbst hervorbringen, sondern den Anstoß dafür geben, dass bereits vorhandene Lebewesen ihren bis dahin begrenzten Lebensraum verlassen sollten!


Kein Segen für die Landtiere?!

Es fällt auf, dass die neugeschaffenen Meerestiere des fünften Tages besonders von Gott gesegnet werden:

Und Gott segnete sie, indem er sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch!

Doch bei den Landtieren unterlässt Gott es, ihnen Fruchtbarkeit zuzusprechen. Gingen sie etwa leer aus? Nein, der Grund ist vielmehr der, dass sie diesen Segen nicht mehr nötig hatten: Sie stammten ja von den Meerestieren des vorhergehenden Tages ab. Dadurch wirkte der den Meerestieren gegebene Segen in den Landtieren fort, eine nochmalige Segnung war nicht nötig!

Bei alledem begegnen wir genau jetzt zum dritten Mal dem Begriff min = Art, Abkunft, der zum ersten Mal für die Pflanzenarten, Genesis 1:12, und dann für die Meerestierarten Genesis 1:21, gebraucht wurde. Nun verursachte das Festland, dass verschiedene von ihnen nach ihrer Art herauskamen. Es ist zu erwarten, dass diese ersten Urtypen von Landtieren sich dort wiederum aufspalteten zu weiteren Arten. Auf jeden Fall ist die wiederholte Formulierung: nach ihrer Art ein deutlicher Hinweis für die Abkunft der Landtiere von Vorfahren, die aus den Meeresgewässern herauskamen.


 

Sechster Tag

Die Erschaffung der Menschheit

 

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen (asah),
in unserem Bild, entsprechend unserem Gleichnis ...
Dann erschuf (bara') Gott den Menschen in seinem Bilde,
im Bilde Gottes erschuf (bara') er ihn,
männlich und weiblich erschuf (bara') er sie.
Genesis 1:26,27

Stammt der Mensch vom Affen ab?

Die Entstehung des Menschen vollzog sich in zwei Schritten: Erst wurde er zubereitet, hebräisch asah = etwas aus bereits Vorhandenem zubereiten, Vers 26. Danach wurde er im Bilde Gottes erschaffen, hebräisch bara = etwas völlig Neues aus Gott heraus ins Dasein bringen, Vers 27. Das für das Machen der Menschheit verwendete Wort ^asah = zubereiten setzt also voraus, dass Gott sie aus etwas bereits Vorhandenem zubereitet hat. Manche würden jetzt den Sprung zu Adam machen und sagen, die Menschheit sei aus Lehm geknetet worden. Doch wir müssen dem unmittelbaren Textzusammenhang entnehmen, was das “Ausgangsmaterial” für den Zubereitungsprozess (asah) gewesen ist. Und da ist überhaupt nicht von “Lehm” die Rede, sondern von verschiedenen Landtieren, die gerade die Erde besiedelt haben, Vers 25. So einfach lösen sich manche Probleme, wenn man nicht fernliegende Dinge herbeideutet, sondern schlicht und einfach den Text beim Wort nimmt!

Ist es nicht erstaunlich, dass der Mensch, als Herrscher der Schöpfung sonst so von ihr abgehoben, nicht an einem “eigenen Tag” erschaffen wurde? Er muss sich den sechsten Tag mit den übrigen Landtieren teilen! Der Bibeltext nennt Landtiere und Menschen sozusagen in einem Atemzug, und die Tiere noch vor den Menschen! Was liegt also näher, als dass die unmittelbaren “Vorgänger” des Menschen zugleich seine “Vorfahren” sind? Mit anderen Worten: Gott hat den Menschen aus dem “Vorläufermodell Landtier” gemacht (^asah)! Auf Adam und seine Entstehung kommen wir im Folgeband ausführlich zu sprechen.

Der Mensch IST ein Tier - sagt die Bibel!

In der Tat gibt es Aussagen in der Bibel, die sogar noch weiter gehen und darauf bestehen, dass wir bis heute im Grunde unseres Wesens immer noch Landtiere sind:

Die Menschenkinder sollen sehen, dass sie an und für sich große, vierfüßige Tiere (behemah) sind! Prediger 3:18-20

Salomo verwendet hier dasselbe Wort, das in der Genesis eine Tiergruppe kurz vor dem Erscheinen der Menschheit bezeichnet. Auf körperlicher und seelischer Ebene sind wir der Bibel zufolge tatsächlich Landtiere! In diesem Sinne ist der Mensch lediglich eine Weiterentwicklung von bestimmten Tieren, nichts absolut Neues. Kein Wunder also, dass wir sogar die gleichen Krankheiten bekommen können wie andere Tiere, sei es Tollwut, Windpocken (“chickenpox”) und BSE.

Was bedeutet: Erschaffen als “Gottes Ebenbild”?

Die Zubereitung der Menschheit, basierend auf ihrer Abstammung von Landtieren des sechsten Tages, war nur die erste Stufe der Menschwerdung. So folgte als zweiter Schritt ihre Erschaffung:

Dann erschuf (bara') Gott den Menschen in seinem Bilde.
Im Bilde Gottes erschuf (bara') er ihn,
männlich und weiblich erschuf (bara') er sie. Vers 27

Die von Gott gesteuerte körperliche Entwicklung gewisser Landtiere (= Zubereitung, ^asah) hatte die Voraussetzungen geliefert, um die von Gott neu geschaffenen menschlichen Komponenten aufzunehmen. Die Frage ist: Was war bei der Entstehung des Menschen so völlig neu, dass gleich drei Mal das Wort erschaffen (bara') gebraucht wird? Der Bibeltext gibt uns einen Hinweis, indem er betont, dass die Erschaffung der Menschheit “im Bilde Gottes” geschah. C.S.Lewis erklärt recht schön, was damit gemeint sein könnte:

Alles, was Gott erschaffen hat, besitzt eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm:

Der Weltraum gleicht ihm in seiner Größe; nicht als ob die Größe des Raums mit der Gottes identisch wäre, aber er ist gewissermaßen ein Symbol oder eine Übersetzung der Größe Gottes in nicht-geistige Dimensionen.      
Materie ist Gott ähnlich, weil sie Kraft besitzt, wenngleich natürlich physische Kraft von der Macht Gottes verschieden ist.     
Die pflanzliche Welt ist Gott ähnlich, weil sie Leben hat und er “der lebendige Gott” ist. Aber Leben in diesem biologischen Sinn ist nicht mit dem Leben, das in Gott ist, gleichzusetzen. Es ist nur Symbol oder ein Schatten davon. In der animalischen Welt finden sich - über die botanische Welt hinaus - weitere Merkmale einer Ähnlichkeit.   
Die intensive Tätigkeit und Fruchtbarkeit der Insektenwelt beispielsweise gibt uns eine erste schwache Ahnung von der unablässigen Tätigkeit und Schöpferkraft Gottes.    
Bei den höheren Säugetieren finden sich dann erste Ansätze einer instinktiven Zuneigung. Sie ist der Liebe ähnlich, die in Gott lebt.     
Und kommen wir zum Menschen, dem höchstentwickelten Lebewesen, so finden wir die vollkommenste Gottähnlichkeit, von der wir wissen. Der Mensch lebt nicht nur, sondern er liebt und denkt; in ihm erreicht das biologische Leben die höchste uns bekannte Stufe.
    
C.S.Lewis in “Pardon, ich bin Christ”, Seite 125

Das Typische am Menschen ist also seine besondere Gottähnlichkeit. Während Tiere eine Einheit aus Körper und Seele darstellen, bildet der Mensch eine Einheit aus Körper, Seele und Geist, 1.Thessalonicher 5:23. So hoch die Tiere mit ihrer neu erschaffenen Seele über den Pflanzen stehen, so hoch steht der Mensch mit seinem neu erschaffenen Geist über den Tieren.

An dieser Stelle ist bemerkenswert, dass Gott sagt: “Lasset UNS Menschen zubereiten in UNSEREM Bilde”, wobei im Hebräischen ganz klar die Mehrzahl gebraucht wird. Ist dies nicht erstaunlich? Gott spricht von sich selber in der Mehrzahl! Was liegt näher, als dies als Hinweis auf die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist zu beziehen? Demnach würde der Mensch als eine Drei-Einheit von Geist, Seele und Leib in gewisser Weise die Dreieinigkeit Gottes widerspiegeln.

Die Menschheit - ein Entwicklungssprung der Evolution

Auch die Naturwissenschaften erkennen an, dass der Homo sapiens allen Gemeinsamkeiten mit Tieren zum Trotz eine absolute Neuerung auf der Bühne des Lebens darstellt:

Gewiss ist der Mensch, zoologisch gesehen, ein Tier. Doch ist er ein einzigartiges Tier, das von allen anderen Tieren in so vielen grundlegenden Beziehungen verschieden ist, dass eine getrennte Wissenschaft zu seiner Erforschung völlig gerechtfertigt ist. E. Mayr in “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt” Seite 350

Der Entwicklungsabstand zwischen dem Menschen und den anderen Säugetieren ist sogar so groß, dass er die Wissenschaft vor ein Rätsel stellt:

Die gewaltige Kluft, die den Menschen von den höchsten Primaten, den Pongiden, trennt und die er ja doch in seiner Phylogenese irgendwann einmal überschritten haben muss, bildet eines der zentralen Probleme der Evolutionsforschung. Konrad Lorenz in “Tierisches und menschliches Verhalten”, Seite 223

Vielleicht ebenso beachtlich ist, dass, sobald vor mehr als 100.000 Jahren das Stadium des Homo sapiens einmal erreicht war, kein weiterer nennenswerter Zuwachs der Gehirngröße mehr stattfand. Aus welchem Grunde die Auslese dem primitiven Menschen zu einem solch perfekten Gehirn verholfen haben soll, dass es 100 000 Jahre später die Leistungen eines Descartes, Darwin oder Kant oder die Erfindung des Elektronengehirns und die Reisen zum Mond oder die literarischen Schöpfungen eines Shakespeare oder Goethe erlauben sollte, ist schwer zu verstehen. Ernst Mayr in “Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt” Seite 501

Wie bei der Entstehung tierisch-seelischen Lebens begegnet uns auch hier das Phänomen, dass da, wo der Bibeltext von einem Schöpfungsakt Gottes spricht, auf Seiten der Naturwissenschaften ein Entwicklungssprung festgestellt wird.


Unsere Berufung: Botschafter zweier Welten

Es ist gefährlich, den Menschen zu sehr auf seine Verwandtschaft mit dem Tiere hinzuweisen, ohne ihn gleichzeitig mit seiner Größe bekannt zu machen. Blaise Pascal in Johannes Hemleben: “Darwin” Seite 147

Der Mensch hat ein zweifaches Wesen: Er ist “homo”, das heißt “Erdling”, mit irdischer Herkunft und tierischen Qualitäten. Aber er ist auch “sapiens”, das heißt ein Wissender, erschaffen im Bilde Gottes. Aus der Kombination dieser scheinbar gegensätzlichen Eigenschaften ergibt sich unsere Sonderstellung und unsere Berufung von Gott!

... und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Flugtiere der Himmel und über die vierfüßigen Tiere und über die ganze Erde und über alles, was sich auf der Erde bewegt. Genesis 1:26

Als klassisches Exemplar der Wirbel- und Säugetiere, aufgebaut aus den gleichen materiellen Strukturen wie die uns umgebende belebte und unbelebte Welt, sind wir deren vollwertige Vertreter. Als logisches, geistbegabtes Wesen sind wir andererseits fähig, von Gott zu hören und ihm zu antworten. Dadurch ist uns eine persönliche Beziehung zu Gott möglich, die uns dazu befähigen soll, eine verantwortliche Stellung zwischen Gott und Schöpfung einzunehmen, ein Verbindungsglied zweier Welten zu sein.

Die unentbehrliche Grundlage für diesen Herrschaftsauftrag ist die Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Gottes Bild sein, das heißt ihn auf sichtbare Weise repräsentieren. Nur in dem Maße, wie wir dem Wesen Gottes ähneln, können wir auch unsere Herrscheraufgabe erfüllen! Im Bilde Gottes herrschen heißt mit anderen Worten: So, wie Gott es tun würde. Bei dieser Herrschaft kann es sich also niemals um eine Willkür-Herrschaft, losgelöst von Gott, handeln. Wir sind Verwalter, die Gott eines Tages Rechenschaft geben werden.


 

Genetische Beweise

für die Abstammung des Menschen

 

 

Dies ist eine kurze Zusammenfassung von:

Edward E. Max, M.D., Ph.D.
“Plagiarized Errors and Molecular Genetics”
(Kopierte Fehler und Molekulargenetik)
Copyright © 1986-2002
Quelle: www.talkorigins.org/faqs/molgen

Menschen und Schimpansen haben äußerst ähnliche innere Organe und physiologische Funktionen. Tatsächlich stimmen ihre Gene zu mehr als 98% miteinander überein. Allerdings gibt es zwei Möglichkeiten, diese Ähnlichkeit zu deuten:

·         Kreationisten meinen, dass Affen und Menschen unabhängig voneinander geschaffen wurden, jedoch mit ähnlichen Merkmalen, weil sie ähnlich funktionieren sollten.

·         Vertreter einer gemeinsamen Abstammung gehen davon aus, dass die Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Affen von gemeinsamen Vorfahren ererbt wurden.

Menschen, Gorillas und Schimpansen hätten sich demnach aus einem gemeinsamen Vorfahren, einem affenartigen Geschöpf, entwickelt, das vielleicht vor fünf oder zehn Millionen Jahren lebte, vor kurzer Zeit also, wenn man in den Größenordnungen der geologischen Zeitskala rechnet. Andere Tierarten, die sich stärker vom Menschen unterscheiden, Mäuse zum Beispiel, sollen sich dagegen etliche Millionen Jahre früher von einem gemeinsamen, primitiven Säugetiervorfahren abgezweigt haben.

Diese beiden Deutungen stehen erst einmal gleichberechtigt nebeneinander. Kann man beweisen, welche von beiden die richtige ist?

Abgeschriebene Fehler als zwingender Beweis

1941 ging der Autor eines Chemie-Buches vor Gericht, weil Teile seines Buches angeblich von einem Konkurrenten raubkopiert worden waren. 1946 klagte der Herausgeber eines Handelsverzeichnisses für die Bauindustrie aus demselben Grund gegen einen Konkurrenten. In beiden Fällen wurde die Übereinstimmung zwischen dem Original und der angeblichen Raubkopie nicht als zwingender Beweis anerkannt. Immerhin behandelten beide Chemiebücher dieselben Sachgebiete, deswegen war zu erwarten, dass sie in ihrer Funktion übereinstimmten, und beide Handelsverzeichnisse bezogen sich auf Mitglieder desselben Industriezweiges, von daher war es naheliegend, dass grundsätzliche Übereinstimmungen auftraten, auch wenn keine Raubkopie vorlag.

Jedoch kam es in beiden Fällen vor, dass Fehler, die in den Originalen vorkamen, auch in den angeblichen Kopien auftauchten. Die Gerichte entschieden, dass es nicht vorstellbar sei, dass dieselben Fehler jeweils von Kläger und Verklagtem völlig unabhängig voneinander gemacht worden sein könnten und urteilten, dass Raubkopien vorlagen. Der Grundsatz, dass übereinstimmende Fehler einen Kopiervorgang belegen, ist heute zu einem festen Bestandteil des Urheberrechts geworden. Aus diesem Grunde fügen Herausgeber von Handelsverzeichnissen regelmäßig falsche Einträge in ihre Register ein, um potentiellen Raubkopierern das Handwerk zu legen.

Stellt sich nun die Frage: Können Fehler im Erbmaterial heutiger Lebewesen als Beweis dafür dienen, dass “Kopien” von urzeitlichen, gemeinsamen Vorfahren stammen? Die Antwort lautet: Ja, denn die Forschungsergebnisse der Molekulargenetik haben einige Beispiele ans Licht gebracht, wo dieselben genetischen Fehler im Erbmaterial von Menschen und Affen vorkommen.

Das ABC der Vererbung

Im Innern des Zellkernes liegt der Großteil des Erbmaterials, das auch DNS genannt wird als Doppelhelix, also in Form einer in sich spiralig verdrehten Leiter vor. Die Erbinformation ist in der Abfolge der Basen A (Adenin), T (Thymin), G (Guanin) und C (Cythosin) gespeichert, die die Sprossen der Leiter bilden. Jede Sprosse besteht aus einem Basenpaar, das sich berührt, während ihr zweiter Teil jeweils an einem der beiden gegenüberliegenden Stränge der Doppelhelix befestigt ist. “A” bildet immer ein Paar mit “T”, und “G” paart sich immer mit “C”.

Um ein Protein herzustellen, liest die Zelle die genetische Information desjenigen Genes, das für dieses Protein zuständig ist, indem sie eine RNS-(Ribo-Nuklein-Säure-) Version von dem betreffenden Gen erstellt. Wenn eine Zelle sich teilt, muss ihre gesamte DNS-Sequenz auf zwei originalgetreue Kopien vervielfältigt werden, von denen jeweils eine in jede Tochterzelle wandert, die bei der Teilung entstanden ist.

Hin und wieder kommen bei den Kopiervorgängen Fehler vor, die Mutationen (Veränderungen) in der DNS-Folge erzeugen. Geschehen solche Mutationen in Fortpflanzungszellen (zum Beispiel Ei- oder Samenzellen), dann können sie an die folgenden Generationen weitergegeben werden.

Fehler in der DNS

Die Gentechnologie hat es Wissenschaftlern in den letzten Jahren ermöglicht, Teile der DNS-Sequenzen vieler Arten zu bestimmen. Dadurch hat unser Wissen, wie Gene funktionieren, gewaltige Fortschritte gemacht. Außerdem, und das ist besonders in diesem Zusammenhang wichtig, sind wir damit im Besitz einer wahren Fundgrube von genetischen Fehlern, die als Belege für das Vorliegen von Kopien dienen können, wie wir oben besprochen haben. Im Folgenden verstehen wir unter einem Fehler all jene DNS-Merkmale, von denen wir mit gutem Grund glauben können, dass sie ...

·         bei einem genetischen Unfall entstanden sind,

·         dem Organismus, der sie aufweist, keinerlei Nutzen bringen, und daher ...

·          nicht mit dem Argument erklärt werden können, sie wären bewusst geplant worden.

Nicht-verdoppelte Pseudogene

Meerschweinchen und Primaten, eingeschlossen Menschen, werden krank, wenn sie nicht Vitamin C mit ihrer Nahrung zu sich nehmen. Die meisten anderen Spezies können dieses selber im Körper herstellen und brauchen es daher nicht in ihrer Nahrung.

Der Grund, warum Meerschweinchen und Menschen es nicht selber herstellen können, ist, dass ihnen ein funktionierendes Gen namens L-gulono-gamma-lactone oxidase (GLO) fehlt, das benötigt wird, um Vitamin C zu synthetisieren. Dieses kommt in den meisten Säugetieren vor, weil sie es, wenn man von der Evolutionstheorie ausgeht, von ihren Vorfahren geerbt haben. Demnach müssten auch Menschen und Meerschweinchen dieses Gen in ihrem Erbmaterial haben, jedoch in mutierter, nicht mehr funktionierender Form. Es ist zu vermuten, dass eine deaktivierende Mutation bei Meerschweinchen- und Primatenvorfahren jeweils getrennt stattfand. Beide nehmen so stark vitamin-C-haltige Nahrung zu sich, dass der Ausfall der Aktivität des Enzymes GLO keinen Nachteil darstellte - es entstand kein selektiver Druck gegen das defekte Gen.

·         Es ist bekannt, dass große Gen-Auslöschungen selten sind. Darum ist zu erwarten, dass die nicht mehr funktionsfähige, mutierte Kopie - “Pseudogen” genannt - eines ursprünglichen GLO-Genes als Überbleibsel eines Vorfahren-Genes in Primaten und Meerschweinchen vorhanden sein müsste. Pseudogene werden dann nicht verdoppelt genannt, wenn sie aus einem einzelnen Gen entstanden, und nicht aus verdoppelten Genen, so dass kein funktionsfähiges Gen mehr übrigbleibt.

·         Nach kurzzeit-kreationistischer Sicht wurden Meerschweinchen und Menschen völlig unabhängig von allen anderen Arten erschaffen und so geplant, dass sie ohne das GLO-Gen funktionieren. Von daher wäre nicht zu erwarten, dass sie eine defekte Kopie des GLO Genes aufweisen.

Und tatsächlich wurden GLO-Pseudogene sowohl in Meerschweinchen und in Menschen gefunden. Die Art der Mutationen, die sie funktions­unfähig gemacht haben, sind dabei typisch für vererbte Krankheiten.

Endogene Retroviren

Ansteckende Retroviren wurden als Krankheitsauslöser bei Menschen entdeckt und intensiv studiert. Zu ihnen gehört HTLVI, der eine Art Leukämie verursacht, und HIV, der Aids-Erreger. Für diese Viren ist typisch, dass sie ganz bestimmte, weiße Blutzellen infizieren, sogenannte Lymphozyten, und Kopien ihrer eigenen RNS-Gene in die DNS dieser Zellen einfügen. Schon bald nach der Entdeckung ansteckender Retrovieren bemerkten Wissenschaftler, dass ganz ähnliche DNS-Sequenzen in der Erbsubstanz von Säugetieren vorkamen, auch bei Menschen. Diese Kopien werden “endogene Retroviren” genannt und sind wahrscheinlich die Folge davon, dass Retroviren vor langen Zeiten Fortpflanzungszellen infizierten.

In der menschlichen Erbsubstanz gibt es ungefähr acht verschiedene Klassen von endogenen Retroviren, wobei von den verschiedenen Viren zwischen ein bis mehr als fünfzig Kopien entstehen können. Praktisch alle diese endogenen Retroviren enthalten Mutationen, die ihre Gene funktionsunfähig machen würden - genau so, wie es zu erwarten ist, wenn sie vor Millionen von Jahren eingefügt wurden, während kein selektiver Druck dafür gesorgt hätte, dass sie funktionsfähig blieben.

Warum alte Abschreibfehler erhalten bleiben

Wie ist es möglich, dass funktionsunfähige Sequenzen, die in den Fortpflanzungszellen eines speziellen Individuums entstanden, in allen Exemplaren einer Art erhalten bleiben? Nun, die zusätzliche Belastung, selbst ein großes Pseudogen mit einer Länge von zum Beispiel 100.000 Nukleotiden mit zu ziehen, spielt keine Rolle für eine Säugetier-Zelle, die aus ungefähr drei Milliarden Nukleotiden an Information besteht. Auf alle Fälle ist kein Kontroll-Mechanismus bekannt, durch den die Zelle in der Lage wäre, zwischen funktionierender und nicht funktionierender DNS zu unterscheiden und so gezielt das zu entsorgen, was sie nicht braucht. Funktionslose DNS-Sequenzen, die von Wissenschaftlern in die DNS von Mäusen oder anderen Arten eingefügt wurden, wurden unverändert an deren Nachfahren weitergegeben, und bei natürlich vorkommenden Pseudogenen und Retroposons scheint das gleiche der Fall zu sein.

Anfänglich, als der hohe Anteil von scheinbarer Schrott-DNS entdeckt wurde, war man überrascht. Doch unser gegenwärtiges Verständnis der Mechanismen der Genom-Erweiterung (Verdoppelung und Einfügung) zusammen mit dem scheinbaren Fehlen eines wirkungsvollen selektiven Druckes, die Genomgröße gering zu halten, lassen die Anhäufung von nutzlosen Sequenzen in unserer DNS unausweichlich erscheinen.


 

Wir müssen herrschen - aber wie?

 

Der fünffache Segen für die Menschheit

Als Hilfestellung für ihre Herrschaftsaufgabe sprach Gott der Menschheit einen Segen zu. Selbst in ihm kommt das Doppelwesen des Menschen zum Ausdruck. Sein erster Teil entspricht nämlich vollkommen dem der Tiere des fünften Tages:

      Menschen                           Tiere

1.   Seid fruchtbar ...                 Seid fruchtbar ...

2.   und vermehrt euch ...          und vermehrt euch ...

3.   und füllt die Erde ...            und füllt das Wasser des Meeres,

                                                  und die Flugtiere sollen sich
                                                  vermehren auf der Erde ...

Die Menschheit hat alle Triebe, die sie zur Arterhaltung, Vermehrung und Eroberung von Lebensräumen antreiben, mit den Tieren gemeinsam, von denen sie abstammt. Darüberhinaus spricht Gottes Segen für die Menschen zwei weitere Dinge an ...

Die Unterwerfung der Elemente

4.  ... und macht euch die Erde untertan ...

Das Wort, das der Grundtext gebraucht, um diesen Sachverhalt auszudrücken beinhaltet den Gedanken der Überlegenheit und hört sich ziemlich brutal an, denn kabesch bedeutet niedertreten, unterwerfen, zum Dienst zwingen und bezieht sich häufig auf die Unterjochung feindlicher, unterlegener Mächte.[9] Das haben manche so gedeutet, als gäbe dieser Text dem Menschen das Recht, eine rücksichtslose Willkürherrschaft über seine Mitgeschöpfe auszuüben. Doch die Erde ist, wie wir noch sehen werden, seit dem Tohu­wabohu gefallen, und Gottes Herrschaft über sie muss gegen den Widerstand feindlicher Mächte wieder hergestellt werden.

Zum anderen bezieht sich der Befehl Gottes nicht unmittelbar auf die anderen Erden­lebewesen, sondern pauschal auf die Erde als Macht- und Autoritätsbereich. Man könnte es weiterhin auch auf die Elemente der Erde beziehen. Es ist einfach eine Tatsache, dass sich der Mensch aufgrund seiner geistigen Fähigkeiten die Erde dienstbar macht:

Stärker als je zuvor die Pflanzen- und Tierwelt greift heute der Mensch umgestaltend ein ... Karl Beurlen “Geologie”, Seite 312

Nie hat eine einzelne Art die Abläufe in der Natur so nachhaltig und so massiv beeinflusst wie wir Menschen. J.H.Reicholf “Das Rätsel der Menschwerdung” Seite 8

Der Mensch hat die Passivität gegenüber seiner Umwelt verlassen und sich durch den Gebrauch des Geistes die Elemente unterworfen, von denen er bis dahin abhängig gewesen war. So reagiert ein Tier auf Feuer mit Furcht, der Mensch dagegen gebraucht es als Schutz vor Kälte, zur Zubereitung seiner Nahrung usw. In ähnlicher Weise hat der Mensch sich viele andere Elemente der Erde “untertan” und zunutze gemacht.

Ob wir wollen oder nicht, wir herrschen!

5.  ... und herrscht über ... alle Tiere, die sich auf der Erde regen.

Für die Herrschaft des Menschen über die Lebewesen der Erde verwendet der Bibeltext radah, das viel neutraler ist. Gerade unsere nahe Verwandtschaft mit allen anderen Erdenbewohnern sollte uns helfen, mitfühlend mit ihnen umzugehen - Gott hat uns sozusagen in ihre Lage versetzt! Unsere Abstammung von den Tieren ist somit nicht ein Hindernis, sondern eine unverzichtbare Komponente für unsere Berufung:

Ich behaupte, dass man die Einzigartigkeit des Menschen erst dann in ihrer ganzen eindrucksvollen Größe zu sehen bekommt, wenn man sie von jenem Hintergrunde alter, historischer Eigenschaften sich abheben lässt, die dem Menschen auch heute noch mit den höheren Tieren gemein sind. Konrad Lorenz “Über tierisches und menschliches Verhalten” Seite 193

Und nicht zuletzt haben wir nicht nur die Macht, über die Tiere um uns herum zu herrschen, sondern auch den Auftrag, über das Tier in uns Herr zu werden. Wir sollen nicht mehr unseren Trieben und Instinkten unterworfen sein, sondern haben die Möglichkeit, von momentanen Gefühlen und Umständen unabhängige Gewissensentscheidungen zu treffen. Wir sind fähig, nicht nur unser eigenes Wohl zu suchen.

Die Genesis sagt es, und die Erfahrung bestätigt es: Der Mensch hat nicht nur die Fähigkeit, sondern zugleich auch den Drang, alle Elemente der ihn umgebenden Schöpfung zu beherrschen. Deshalb wird auch in Zukunft nicht die Frage sein, ob der Mensch diese Herrschaft ausüben wird, sondern nur wie. Und wie wir später sehen werden, ist der Herrschaftsdrang des Menschen weder Selbstzweck noch ein Fremdkörper in der Schöpfung - diese Welt braucht den Menschen und seine Herrschaft dringend!

Waren die ersten Menschen Vegetarier?

Und Gott sprach (zu den Menschen!): Siehe, ich habe euch alles samentragende Kraut gegeben, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an dem samentragende Baumfrucht ist: euch sei es zur Nahrung.
Aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, in dem eine lebende Seele ist, (habe ich) alles grüne Kraut zur Speise (gegeben) ... Genesis 1:29-31

Diese Worte sind schon so verstanden worden, als hätten alle Tiere und Menschen bis zur Zeit Noah’s ausschließlich Pflanzen verzehrt. Das würde jedoch jegliche Raubtiere ausschließen und stünde im Widerspruch zum Vorkommen der “räuberischen Seeungeheuer” im Schöpfungsbericht, Genesis 1:21.

Bemerkenswert ist auch, dass Gott diese Worte nicht den Tieren des fünften Tages sagte, wo es eigentlich angebracht gewesen wäre, z.B. im Rahmen ihres Segens, sondern erst den Menschen. Demnach ist dies kein Gebot an die Tiere, sondern eine Proklamation, eine Willenserklärung für die Menschen des sechsten Tages, eine Klarstellung, die Gottes Gedanken und Versorgung deutlich macht. Daher auch die Perfekt-Form: “Ich HABE euch GEGEBEN”, vergleiche Genesis 15:18:

An jenem Tag machte der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinem Samen HABE ich dieses Land GEGEBEN.

Lebensräume und Lebensgrundlagen

Schon der Segen für die Tiere hatte eine Abgrenzung beinhaltet, die den Lebensraum der Landtiere von dem der Meerestiere unterschied. Auch die Nahrungserklärung mündet in eine Abgrenzung, die in der Übersetzung richtig durch ein “aber” hervorgehoben wird. Während nämlich den Menschen Samen und Früchte zur Verfügung gestellt werden, bekommen die Tiere im Gegensatz dazu lediglich das Grünfutter zugeteilt:

Aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, in dem eine lebende Seele ist, habe ich alles grüne Kraut zur Speise gegeben. Genesis 1:30

Tatsächlich ernährt der Mensch sich auch heutzutage noch überwiegend von Samen und Früchten, die meisten Pflanzenfresser überwiegend von Grünfutter. Dabei schließt die Zuweisung der samen- und fruchttragenden Gewächse an die Menschen für diese logisch auch die grünen Gewächse mit ein. Nur umgekehrt ist dies nicht der Fall - alle Tiere, die Früchte und Samen fressen, empfinden wir schnell als Nahrungskonkurrenten (z.B. Ratten, Mäuse). In Genesis 1:30 geht es also nicht um den Gegensatz “Pflanzen oder Fleisch”, sondern um die Frage “Samen/Früchte oder Grünpflanzen”!

Ein Einwand: Die Nahrungserklärung an Noah in Genesis 9

Vielfach wird Genesis 9 so ausgelegt, dass bis dahin die Menschen nur Pflanzen essen durften, nun sei ihnen auch der Verzehr von Tieren erlaubt worden. Doch das ist nicht richtig, denn schon viel früher schlachtete Abel Tiere, und das keinesfalls entgegen dem Willen Gottes, Genesis 4:4-5! Auch die Herrschaft der Menschheit des sechsten Tages über die Fische kann doch nur in ihrem Verzehr bestanden haben, denn eine schonende Nutzung wie bei Kühen (Milch), Schafen (Wolle) oder Hühnern (Eier) ist bei Fischen kaum möglich. Und die Einteilung der Tiere in reine und unreine - schon vor der Flut, Genesis 7:2! - beweist, dass sie verzehrt wurden. Es fragt sich auch, aus welchem Grund Noah nach der Flut auf einmal der Verzehr von Tieren erlaubt werden sollte. In der Tat hatte er schon vor diesen Worten selber Tiere geschlachtet, Genesis 8:20. Nein, eine andere Erklärung liegt viel näher:

Der Auslöser für die Flut war das Überhandnehmen von Bosheit, insbesondere von Gewaltverbrechen gewesen: Das Land war erfüllt von Gewalttat, Genesis 6:11. Darum wiederholte Gott bei dem Neubeginn nach der Flut nicht nur den Segen, den er schon einmal gesprochen hatte, sondern er fügte der Nahrungserklärung eine Einschränkung hinzu, die mit der gerade stattgefundenen Katastrophe im Zusammenhang stand: Nur Fleisch mit seiner Seele, seinem Blut, sollt ihr nicht essen! Genesis 9:4 Der Zweck dieser Anordnung war, den verlorengegangenen Respekt vor Lebewesen wieder herzustellen.

Das würde sehr gut in den Textzusammenhang passen, denn als nächstes wird das Blut, nämlich das Leben aller Menschen, unter besonderen Schutz gestellt:

Jedoch euer eigenes Blut werde ich einfordern, von jedem Tiere werde ich es einfordern, und von der Hand des Menschen ... Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden ... Genesis 9:5-6

Bei dem Segen von Genesis 9 handelt es sich also nicht um eine Erweiterung des Segens von Genesis 1, sondern um eine Wiederholung (vergleiche die ersten Verse) mit einer Einschränkung, die die gleichzeitige Einführung der Todesstrafe für Mord unterstreichen sollte, die zum Beispiel nach dem Mord Kain's noch nicht gefordert wurde. Das neu eingeführte Verbot, Blut zu essen, sollte zu mehr Respekt vor dem Leben erziehen.


 

Das Leid in der Schöpfung

 

Und Gott sah alles, was er gemacht hatte,
und siehe, es war sehr gut.
Genesis 1:31

Die Natur befindet sich in einem rätselhaften Zustand. Wir begegnen in ihr einerseits einer unübersehbaren Formenvielfalt von Leben, die auf genial einfachen Grundprinzipien beruht, zum Beispiel dem genetischen Code mit wenigen Buchstaben als universaler Sprache aller Baupläne. Dies läßt auf einen intelligenten Urheber schließen, der Leben wollte und mit schier unbegrenzten Möglichkeiten ausstattete. Andererseits begegnen uns auf Schritt und Tritt Konkurrenzkampf, Krankheit, Alterung und Tod. Dieser Zwiespalt machte auch Charles Darwin zu schaffen:

Ich kann nicht die Schwierigkeit übersehen, die sich aus der riesigen Summe des Leids überall in der Welt ergibt ... Es scheint mir zuviel Elend in der Welt zu geben. Ich kann mich nicht dazu überreden, dass ein gütiger und allmächtiger Gott mit Absicht die Schlupfwespen erschaffen haben würde mit dem ausdrücklichen Auftrag, sich im Körper lebender Raupen zu ernähren, oder dass eine Katze mit Mäusen spielen soll. ...  
Andererseits kann ich mich keineswegs damit abfinden, dieses wunderbare Universum und insbesondere die Natur des Menschen zu betrachten und zu folgern, dass alles nur das Ergebnis roher Kräfte sei.
Charles Darwin in Stuhlhofer: “Weltreise zum Agnostizismus” Seite 75,76 bzw. Francis Darwin: “The life and letters of Charles Darwin” Seite 312

Darwin spricht hier sicherlich für viele Menschen, die nicht verstehen können, wie Leben und Tod gleichzeitig in einer Schöpfung Gottes vorkommen können: Kann ein liebender Gott Meeresungeheuer erschaffen, wie es im Schöpfungsbericht ausdrücklich heißt? Wie kann ein guter und gerechter Gott soviel Leid zulassen?

Die ganze Schuld auf Adam zu schieben, ist keine Lösung!

Aus diesem Dilemma versuchen manche Bibelausleger zu entkommen, indem sie behaupten, die Schöpfung sei ursprünglich frei von Leid und Tod gewesen, erst durch die Sünde Adams sei das Verderben in die bis dahin makellose Welt gekommen. Der erste Mensch sei also schuld an jeglichem Leid in der gesamten Schöpfung.

Doch diese Lehre führt in eine ausweglose Sackgasse, denn in der logischen Folge muss man das Alter des Lebens auf der Erde auf wenige Jahrtausende schrumpfen und alle Versteinerungen von Lebewesen auf die Zeit nach Adam datieren. Meisten werden sie dann der Sintflut zugeschrieben, die dann wiederum weltweit gewesen sein muss - nur so kann man das Postulat aufrecht erhalten, dass es vor Adam keinen Tod gab. Aber damit gerät man in massive Konflikte mit gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaften, was zum Beispiel das Alter des Universums, der Erde und ihrer Lebewesen angeht. Auch mit den hunderttausendfachen Beobachtungen der Archäologie und Geologie ergeben sich unlösbare Widersprüche, wie wir in dem Band “Sintflut” zeigen. Letztlich wird durch diesen Kurzzeit-Kreationismus modernen Menschen unnötig Anstoß gegeben und die Glaubwürdigkeit der Bibel geschmälert.

Doch wie kommen wir aus dieser Sackgasse wieder heraus? Wir müssen umkehren und den Weg ein Stück zurückfahren, den wir gekommen sind, bis wir die kritische Stelle erreicht haben, wo wir falsch abzweigten. In diesem Fall ist es die Frage:

War wirklich alles “sehr gut”?

Sagt Gott nicht am Ende des Schöpfungsberichtes, dass “alles sehr gut” war? Nein, denn wenn wir genau hinsehen, sagt der Text nicht, dass damals die ganze Welt sehr gut gewesen sei, sondern ausdrücklich nur das, was Gott bis dahin in ihr gewirkt hatte:

Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut! Genesis 1:31

Tatsächlich gibt es im Schöpfungsbericht zwei Dinge, von denen weder gesagt wird, dass Gott sie gemacht hätte, noch dass sie gut waren - das Tohuwabohu und die Finsternis:

Die Erde aber war (oder wurde, hebräisch hajetah) “tohu wa-bohu”, und Finsternis war über der Wirbelflut ... Genesis 1:2

Es ist bemerkenswert, dass von nun an immer wieder von Gottes Werken gesagt wird, dass sie gut waren. In einer makellosen Schöpfung wäre es eigentlich überflüssig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Dinge gut waren, aber vor dem Hintergrund der vorausgegangenen Zerstörung ist es leicht zu verstehen: es handelte sich um eine echte “Wieder-gut-Machung”! Die Tohuwabohu-Katastrophe lässt den ganzen Stammbaum des Lebens vor einem ganz besonderen Hintergrund erscheinen: Die Zeugungsfolgen der Himmel und der Erde durchliefen eine Krisensituation. Relativ früh, kurz nach dem Anfang von Genesis 1:1, geschah ein Unglück, das eine gewisse Trennung zwischen der Erde und Gott verursachte. Darum ist von diesem Zeitpunkt an das Wirken Gottes eng verwoben mit Umständen, die von ihm eigentlich nicht gewünscht waren, nämlich Mangel und Zerstörung, die er aber von da an in sein Handeln mit einbezieht. Und so erscheinen auch einige weitere Aussagen des Schöpfungsberichts in neuem Licht.

Die Finsternis des Tohuwabohu

Zum Tohuwabohu gehörte eine Finsternis auf der Erde begrenzt, die scheinbar einen negativen Charakter hatte, denn Gottes erstes Handeln wirkte ihr entgegen: “Es werde Licht”! Nur diese Helligkeit beurteilte Gott als gut, die Finsternis nicht!

Überleben in einer lebensfeindlichen Umgebung

Es ist auffällig, dass beim zweiten Vorkommen von richeph = schützend schweben ebenso von einem tohu berichtet wird wie im Schöpfungsbericht: 5.Mose 32 beschreibt, wie Gott die Israeliten bei ihrem Auszug aus Ägypten und ihrer Wüstenwanderung in einer lebensfeindlichen Umgebung “beschützte wie seinen Aufgapfel”, Vers 10. Es geht hierbei also nicht nur um die Versorgung des Volkes mit Lebensmitteln, Verse 13-14, sondern auch um die Bedrohung durch ein tohu, vor dem Gott schützen muss. Dies deckt sich wiederum mit der Grundbedeutung von richeph, wie Fürst sie in seinem Wörterbuch angibt: decken, beschützen, hegen.

Demnach dürfte Gottes Brüten während des Tohuwabohu zugleich ein Schutz vor den lebensfeindlichen Umweltbedingungen gewesen sein, die in dieser Zeit herrschten. So wie Gott das Volk Israel durch lebensfeindliche Umstände hindurch rettete und mit ihnen eine neue Geschichte begann, könnte er im Tohuwabohu von Genesis 1 Lebensformen vor der Vernichtung bewahrt haben, um mit ihnen einen Neuanfang des Lebens auf der Erde zu setzen. Es ist deswegen zu erwarten, dass das Leben auf seinem Weg durch das Tohuwabohu von zwei Faktoren geprägt wurde: Einerseits von dem positiven Wirken Gottes, und andererseits von Gottesferne und dem sich daraus ergebenden Mangel. Dieser Mangel muss unweigerlich Konkurrenz und Überlebenskampf erzeugt und eine prägende Wirkung auf alle Lebensformen gehabt haben, die in solch einer Umgebung aufwuchsen.

Ungeheuer als Teil von Gottes Plan und Wirken

Es ist vielleicht schwer zu glauben, aber der Bibeltext sagt tatsächlich, dass Gott Meeresungeheuer (tannin) als lebende Seelen erschuf, Vers 21. Diese “tannin” sind an allen anderen Stellen ihres Vorkommens räuberische Lebewesen, durchweg übersetzt mit: Ungeheuer, Drache, Schlange, Wasserungeheuer. Das passt zwar überhaupt nicht zur Vorstellung von einer heilen Welt, aber sehr gut zum Tohuwabohu: Es beweist, dass zu diesem Zeitpunkt schon Konkurrenzkampf und Tod in der Schöpfung vorkamen. Und es macht deutlich, dass Gottes Wirken sich immer wieder auch auf Entwicklungen erstreckte, die nicht ursprünglich gewollt waren. Als Gott verschiedene Lebensformen in den Meeren zu lebenden Seelen erschuf, nahm er auch räuberische Tiere nicht von seinem Handeln aus. An diesem Wesenszug Gottes, auch auf Geschöpfe einzuwirken, die dem Ideal nicht entsprechen, hat sich bis heute nichts geändert - zu unserem Glück! Denn wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir zugeben, dass der Mensch ebenso wie die Tiere von den Folgen der frühen Tohuwabohu-Katastrophe gezeichnet ist. Konkurrenz- und Überlebenskampf sind uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen. Ist die Menschheit letztlich nicht sogar selber eine räuberische Art, die sich in erheblichem Maße von anderen Tieren ernährt? Gott sei Dank, dass er sich unser trotzdem annimmt!

Gott wirkt auch inmitten von Zerstörung

Die Überzeugung, alle Dinge, an denen Gott gewirkt habe, müssten fehlerlos sein, ist falsch. Sicher, alle seine Werke sind vollkommen, 5.Mose 32:4. Doch Gott ist eben nicht der einzige, der in dieser Welt am Wirken ist! Da ist auch noch der Satan, der Widerwirker und Durcheinanderwerfer. Bereits ab dem zweiten Satz der Bibel ist die Schöpfung gefallen. Die Worte “tohu” und “bohu” sind wie zwei fette Ausrufungszeichen, die Gott ganz an den Anfang der Bibel gestellt hat: Hier ist Gottesferne und Zerstörung! Doch es ist eben Gottes Wesen, sich nicht von der beschädigten Welt abzuwenden. Bereits in den ersten Worten der Bibel steckt der Kern des ganzen Evangeliums:

Die Erde aber war (oder: wurde) tohuwabohu
und Finsternis war über der Fläche der Wirbelfluten. 
Und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht ... Genesis 1:2

Die von Gott im Anfang geschaffene Welt fällt in Finsternis und Chaos, ins Tohuwabohu. Doch Gott sendet seinen Geist, der über diesem Chaos brütet, schützend schwebt (ruach = Geist ist im Hebräischen weiblich). Gott gibt der erkaltenden Welt lebensspendende Wärme, sendet Licht in die Finsternis. Das ist Gottes Programm für die Zukunft der ganzen Schöpfung, das sich durch Altes und Neues Testament hindurch immer mehr entfaltet. Es ist Gottes eigenes Wesen, das sich schließlich in Vollendung in seinem Sohn offenbart, der als Licht in die Finsternis, als Arzt zu den Kranken kommt.

Es ist wichtig, dass wir die Illusion von einer perfekten Instant-Schöpfung ablegen, denn sie führt zu einem unrealistischen Perfektionismus. Wir müssen verstehen, dass seit dem Tohuwabohu Tod und Verderben in die Welt eingedrungen und mit Gottes Wirken eng verwoben sind. Tun wir es nicht, werden wir letztlich das Wirken Gottes auf der Erde nicht verstehen, weil wir die Mängel, mit denen alles Irdische behaftet ist, nicht akzeptieren können. Doch Jesus mied nicht alles Fehlerhafte, sondern im Gegenteil, kam einzig und allein für die Sünder und die Kranken. Darum verspotteten die Frommen ihn als Freund der Zöllner und Sünder und unterstellten ihm, er wäre selber ein Fresser und Weinsäufer, Matthäus 11:19. Sie warteten vergeblich auf ein Wirken Gottes, an dem sie keine Fehler entdecken konnten. Statt dessen griffen sie unaufhörlich die fehlbaren Menschen an, die Gott gebrauchte.

Gott gebraucht Sünder

Das makellose Wirken Gottes und das zerstörendes Handeln Satans können in ein und derselben Sache oder Person gleichzeitig vorhanden sein:

Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm. Und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt. 1.Johannes 3:9, 5:18

Der wiedergeborene Anteil in jedem Menschen kann nicht sündigen, weil er von Gott geschaffen und durchweg gut ist. Weil aber zugleich auch noch die Anteile des alten Menschen vorhanden sind, wäre es Selbstbetrug, die Augen vor der eigenen Fehlerhaftigkeit zu verschließen. Deswegen betont Johannes im selben Brief:

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 1.Johannes 1:8

Wenn die Cherubim ausrufen, dass die ganze Erde voll von der Herrlichkeit des HERRN ist, dann haben sie also recht - auch wenn gleichzeitig Not und Elend im Lande herrschen, Jesaja 6:3. Und genauso konnte Gott deshalb von “allem, was er gemacht hatte” sagen, dass es sehr gut war - obwohl der Gesamtzustand der gefallenen Schöpfung alles andere als perfekt war.


 

Evolution und der Gott der Liebe

 

Einer der gewichtigsten “christlichen” Einwände gegen Evolution besteht darin, dass der Gott der Liebe doch niemals den Tod ungezähliger unschuldiger Tiere in Kauf genommen haben könne, um die Evolution bis hin zum Menschen zu ermöglichen. Evolution sei mit Leid und Tod untrennbar verwoben und käme deshalb als Schöpfungsmethode für Gott niemals in Betracht! All die versteinerten Lebewesen könnten deshalb nur in die Zeit nach Adam’s Sündenfall ein