Gottes
Heilsplan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Überblick über die Bibel

 

 

 

 

Altes und Neues Testament
Israel und die Gemeinde

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Inhalt

Sind drei Viertel der Bibel überflüssig?

1. Vor aller Zeit                                                                              8

2. Der Anfang der Schöpfung                                                      10

3. Der Fall Satans und seiner Engel                                             15

4. Adam und die Menschheit bis zur Sintflut                               20

5. Der Abrahamitische Bund                                                       27

6. Das Gesetz und der Alte Bund                                                33

7. Das Zeugnis der Propheten                                                      44

      Zusammenfassung der prophetischen Perspektiven            107

8. Die Erfüllung der Prophetien für Israel                                  109

9. Die Evangelien                                                                       115

10. Die Zeit der Apostelgeschichte                                            151

11. Paulus und das Gesetz                                                          163

12. Pfingsten und die Messianische Gemeinde                          172

13. Die besondere Botschaft des Apostels Paulus                     175

14. Die zeitliche Verwerfung Israels                                          184

      Zusammenfassung: Evangelien und Apostelgeschichte       188

15. Israels Wiederherstellung und der Tag des Herrn                194

16. Das zukünftige Zeitalter                                                       200

17. Die neue Schöpfung                                                             205

18. Gott alles in allem                                                                 210



 

Sind drei Viertel der Bibel überflüssig?

 

Das “Alte Testament” - nichts mehr für uns?

Die ganze Bibel besteht aus 31.171 Versen, davon entfallen 23.214 auf das sogenannte “Alte Testament”. Dieses macht demnach 74,5%, also drei Viertel der ganzen Bibel aus! Ist somit der größte Teil der Bibel veraltet, hat uns nichts mehr zu sagen, weil doch “sowieso nur das Neue Testament für uns gilt”?

Nun, genauso könnte jemand im dritten Stock eines Hauses behaupten, seine Etage sei die einzig wichtige, der Rest des Gebäudes samt Fundament, Keller und Haupteingang sei mehr oder weniger überflüssig! Nein, die Bibel ist ein harmonisches Ganzes, alles baut aufeinander auf, und wenn wir das Neue Testament wirklich richtig verstehen und anwenden wollen, kommen wir um ein Mindestverständnis des Alten nicht herum:

Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben ... Römer 15:4

Sicher, im Alten Testament geht es die meiste Zeit um Gottes Handeln mit seinem auserwählten Volk, Israel, aber da Gott sich nicht geändert hat - und wir Menschen auch nicht! - können wir bis heute sehr, sehr viel aus dem lernen, was damals geschah:

Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist. 1.Korinther 10:11

Aus diesem Grund lohnt es sich absolut, dass wir uns einmal die Mühe machen und versuchen, uns einen Überblick über das Alte Testament zu verschaffen und es besser zu verstehen.

Schon wieder etwas Neues?

Ziel dieser Untersuchung soll es sein, einen kurzen Überblick über den Inhalt der Bibel zu geben, wobei das Hauptaugenmerk auf die Verwirklichung von “Gottes Heilsplan” gerichtet ist. Dabei ergibt es sich, dass einige unserer Schlussfolgerungen von den Auffassungen abweichen, die viele Theologen und Gläubige vertreten. Wir haben jedoch nicht die Absicht, für alles etwas Neues anzubieten, sondern wollen vielmehr die Wahrheit besser kennenlernen und versuchen, die gegenwärtig herrschende Verwirrung zu überwinden. Wir haben diese Studie in erster Linie unternommen, um selber bezüglich einiger Fragen zu einer persönlichen Überzeugung zu kommen, aber möglicherweise kann diese Arbeit auch anderen helfen.

Welche Methode können wir anwenden?

In den Naturwissenschaften konnten im Laufe der Vergangenheit gewaltige Erfolge erzielt werden, die Natur besser zu verstehen und diese Erkenntnisse auch anzuwenden. In der Theologie dagegen sehen wir uns heute mehr denn je einem chaotischen Wirrwar von widerstreitenden Meinungen gegenüber, die außerdem größtenteils in der Praxis scheitern. Warum lernen wir also nicht von den Naturwissenschaften und versuchen, dieselben Methoden, die sich dort bewährt haben, sinngemäß auf die Bibel anzuwenden?

In diesem Buch stellen wir dem Leser vor, zu welchen Ergebnissen wir gekommen sind bei dem Bemühen, die Schrift ohne Vorurteile zu untersuchen, mit der Bereitschaft, um der Wahrheit willen auch persönliche Überzeugungen aufzugeben. Wir gelangen so zu einem harmonischen Gesamtverständnis von Gottes Heilsplan: Der Rote Faden, der die Bibel vom Anfang bis zum Ende durchzieht, wird sichtbar und greifbar! Viele theologische und andere Schwierigkeiten verschwinden, scheinbar sinnlose oder unpassende Puzzlestücke lassen sich endlich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Eine geistige Landkarte entfaltet sich vor unseren Augen, in der wir unsere momentane Position bestimmen und den weiteren Weg absehen können.

Gesetz und Gnade

Der allgemein gängigen Auffassung nach kann man die alte “Heilszeit” (die des “Gesetzes”, zu finden im Alten Testament) von der neuen “Heilszeit” (der, der Gnade, zu finden im Neuen Testament) unterscheiden. Unsere Studie zeigt, dass diese Unterscheidung zwar einen Kern von Wahrheit enthält, aber ungenügend ist. Konsequent weiterverfolgt, verursacht sie viele Probleme, die - weil sie auf einer falschen Voraussetzung beruhen - unlösbar sind und die Christenheit entzweien. Es ist von allergrößter Wichtigkeit, die verschiedenen Arten, auf die Gott die Welt regiert, gut zu untersuchen. Des weiteren muss sehr genau unterschieden werden zwischen den verschiedenen “Stufen” des Gläubigen auf dem Heilsweg. Von dergleichen Unterscheidungen wird die Auslegung vieler Schriftstellen abhängen, ebenso wie die Lösung mancher Schwierigkeiten.

Diese Heilszeiten (eigentlich: “Haushaltungen”) wurden durch eine große Anzahl ernster Schreiber untersucht, vor allem aus der angelsächsischen Welt. Das schwierigste Problem in dieser Hinsicht stellt jedoch die Zeit dar, die auf die Kreuzigung folgt: Die Zeitspanne, die in der Apostelgeschichte beschrieben wird und die heutige Periode. All unsere Auffassungen, die wir in Bezug auf den Begriff “Kirche”, auf die Organisation, die Vorschriften und Gebräuche haben, alles, was die gesellschaftlichen Beziehungen der Gläubigen betrifft, hängt von der Lösung ab, die man für dieses Problem zu geben versucht.

Diese grundlegende Frage scheint von den Theologen noch nicht mit der genügenden Sorgfalt und Objektivität untersucht worden zu sein. Daher rühren viele der tiefgreifenden Unterschiede zwischen den Kirchen und Sekten. Die Lösung die wir hier anbieten wollen, ist, wie ein wissenschaftliches Problem, durch die Untersuchungen verschiedener Menschen genauer beschrieben worden, die der “wissenschaftlichen” Methode folgten, von der wir sprachen. Hier seien besonders Dr.E. Bullinger und Ch. Welch erwähnt.


 

1. Vor aller Zeit

 

Wir verkünden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die Verborgene, welche Gott zuvorbestimmt hat, vor den Zeitaltern (“prò ton ajónon”) zu unserer Herrlichkeit. 1.Korinther 2:7

In der Bibel wird die Geschichte in “Weltzeiten” gegliedert, die auf Hebräisch “olam”, im Griechischen “ajon”, eingedeutscht “Äon” genannt werden. Damit sind so gewaltige Zeiträume gemeint, dass sie sich menschlichem Vorstellungsvermögen eigentlich entziehen. Dem würden moderne Naturwissenschaftler nur zustimmen können, die das Alter des Universums auf ungefähr 13 Milliarden Jahre, das der Erde auf 4,5 Milliarden Jahre schätzen. Diese Äonen sind jedoch keine “Ewigkeiten” im Sinne von Unendlichkeit, ohne Anfang und Ende, wie zum Beispiel folgende Texte zeigen, die mehrere dieser Epochen aufeinander folgen lassen:

Wir hoffen auf das äonische Leben, das der untrügliche Gott verhieß vor Zeiten der Zeitalter (pró chrónôn aiôníôn). Titus 1:2

Gott hat uns errettet ... nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor Zeiten der Zeitalter (pró chrónôn aiôníôn) gegeben ist. 2.Timotheus 1:9

“pro chronôn aiôniôn” bedeutet buchstäblich: “vor den Zeiten der Äonen”. Der “Anfang” von Genesis 1:1 ist der Beginn der Schöpfung. Doch “vor” der Schöpfung, außerhalb von Raum und Zeit, ist Gott. Er IST, vergleiche Hebräer 11:6, ohne Einschränkung. Er ist der Absolute, der unseren Verstand und unser Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigt. Allein durch seine sichtbaren Werke, und durch das, was er von sich aus offenbart, können wir ihn in einem gewissen Maße kennenlernen. So wissen wir, dass wir - obwohl er ein Wesen ist - zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist unterscheiden können. Der Sohn ist Gottes Bild, das sich uns später offenbarte und in der Schrift durch den Namen “Jahwäh” angedeutet ist.Jahwäh Nachdem er sich selbst erniedrigt, sich seiner Herrlichkeit entäußert hatte, Philipper 2:7, erschien der Sohn als Mensch, in seiner Erniedrigung “Jesus” genannt, der Christus, Gesalbte, den die Propheten ankündigten. Der Sohn ist Gott, siehe auch: Römer 9:5; Johannes 1:1; 5:18 8:58; 10:30; 17:5; Titus 2:13; 3:4; Philipper 2:6; Kolosser 2:9; I.Timotheus 3:16; Hebräer 1:8-10:

Dieser ist der wahrhaftige Gott und (das) ewige Leben. l.Johannes 5:20

Von ihm wird dann auch gesagt, dass er der Beginn der Schöpfung ist, Offenbarung 3:14. Alles wird in ihm, Kolosser 1:16, und durch ihn geschaffen, Römer 11:36; l.Korinther 8:6; Kolosser 1:16; Hebräer 2:10. Er wird nicht nur Mittler in Bezug auf die gefallene Schöpfung, sondern vor allem, um zu erschaffen: Der Vater schuf durch, griechisch: dia = “durchmittel-von” den Sohn. Er hat die Weltzeiten “ajon” gemacht, Hebräer 1:2.

Alle Dinge bestehen in IHM, alles Leben, alles, was geworden ist, Johannes 1:3, kommt von ihm, Apostelgeschichte 17:28; Kolosser l; Hebräer 1:3. “Vor” dem Anfang von Genesis 1:1 war also der Anfang von Johannes 1:1: “ Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.” Bevor die Schöpfung wurde, war der Sohn in der HERRlichkeit beim Vater:

Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der HERRlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war! Johannes 17:5


 

2. Der Anfang der Schöpfung

 

Gott schuf aus Liebe. Er wirkte in der Fülle seiner Freiheit und Liebe und wurde durch nichts genötigt. Was er erschafft, sind “Geschöpfe”, also Wesen, die nicht Gott sind, die keinen Bestand und kein Leben in sich selbst haben[1], die unvollkommen sind. Weil Gott aber absolut ist, will er auch das absolute Bestehen seiner Geschöpfe. Durch eine vollkommene Gemeinschaft mit Gott sollen sie von ihrem unvollkommenen Zustand zur Vollkommenheit gelangen.

Gott schuf nicht nur “Dinge”, sondern auch mit Verstand begabte und freie Geschöpfe, ihres Schöpfers würdig. Ohne Freiheit wären sie lediglich “Mechanismen”. In diesem Sinne ist das Bestehen von freien Geschöpfen ein Beweis für die Existenz eines allmächtigen, vollkommenen, absoluten Gottes, eines Gottes der Liebe. Die Schöpfung entstand also nicht aus dem “Nichts”, sondern aus Gott:

Alle Dinge sind aus (griechisch “ek”) IHM. 1.Korinther 8:6

Die Schöpfung ist jedoch keine “Emanation” oder “Erscheinung” Gottes. Auch nach der Schöpfung bleibt Gott, was er stets IST.

Im weiteren Sinne beschränkt die Schöpfung sich nicht auf den Anfang, sondern beinhaltet die fortdauernde Einwirkung Gottes, durch die er die unvollkommenen Geschöpfe zur Vollkommenheit bringen will, bis zum Endzustand, wenn Gott alles in allem sein wird, 1.Korinther 15:28, der vollkommenen Gemeinschaft mit Gott. Es findet hier also eine gewisse Entwicklung statt, ein Voranschreiten, ein Weg zur Vollkommenheit der Geschöpfe.

Diesem Weg müssen die Geschöpfe freiwillig folgen. Nur so, in Freiheit und Liebe, kann das Ziel erreicht werden, denn ohne diese würde das freie Geschöpf aufhören zu bestehen und zu einem Ding werden. Jeder Zwang vermindert die Freiheit und wirkt dem wirklichen Fortschritt entgegen. Das Geschöpf muss sich also seiner Würde, Bestimmung und Gottes Willen bewusst werden. Es muss lernen, in Freiheit und Liebe das auszuführen, was Gott in ihm wirken will. Es muss von den Möglichkeiten Gebrauch machen, die Gott aus Gnade anbietet. Es muss so weit kommen, sich Gottes Willen in Liebe vollkommen zu unterwerfen und muss einsehen, dass es - weit davon entfernt, deswegen seine Freiheit zu verlieren - nur auf diese Weise zu vollkommener Freiheit und Herrlichkeit gelangen kann.

Unter Freiheit verstehen wir das Gegenteil von Notwendigkeit oder Sklaverei. So hat man die Wahl zwischen Gut und Böse. Gut ist, was mit Gottes Willen übereinstimmt. Durch einen guten Gebrauch der Freiheit gelangt man in engere Gemeinschaft mit Gott, ist also dem Bösen weniger unterworfen und damit freier, umgekehrt führt ein schlechter Gebrauch in größere Sklaverei:

Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave. Johannes 8:34

Es ist also vernünftig, einen guten Gebrauch von seiner Freiheit zu machen und sich dem Guten, Gottes Willen, zu unterwerfen. Das vernünftige Wesen “verwirklicht sich” also vollkommen, indem es in Freiheit und Liebe Gottes Willen annimmt. Umgekehrt ist das Geschöpf unvernünftig, wenn es dies nicht tut. Es hat dann die Neigung, sich selbst zu vernichten: es herrscht Mangel an Vernunft, an Freiheit und an Liebe. Wenn das ursprüngliche Geschöpf Freiheit besaß, welchen Gebrauch hat es dann davon gemacht? Wir können auf diese Frage antworten, indem wir uns auf zwei Dinge berufen:

·         Was wir aus der sichtbaren Welt lernen können, einschließlich uns selbst

·          Was Gott uns in seinem Wort lehrt.

Unsere natürlichen Fähigkeiten ermöglichen es uns, in der gegenwärtigen, sichtbaren Welt Gottes Macht und Göttlichkeit zu erkennen, Römer 1:20. Doch wir sehen genauso deutlich, dass die Welt nicht vollkommen gut, sondern überall durch das Böse befleckt ist. Man erkennt überall Gottes Meisterwerk, doch es ist beschädigt. Alle Dinge sind vergänglich, die Pflanzen sterben, die Tiere bekämpfen und töten einander. Was den Menschen angeht, müssen wir erkennen, dass Gottes Wort die Wahrheit sagt. Einerseits sind wir im Bilde Gottes geschaffen und haben viele gute, göttliche Eigenschaften in unser Wesen hineingelegt bekommen, die Gott “sehr gut” findet, Genesis 1:26ff. Doch da ist auch noch die andere, die Schattenseite. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass die Menschen auch dem Bösen viel Raum geben, sie sind ...

 ... erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke, Ohrenbläser, Verleumder, Gottverhasste, Gewalttäter, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern Ungehorsame, Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unbarmherzige. Wiewohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, dass, die solches tun, des Todes würdig sind, üben sie es nicht allein aus, sondern haben auch Wohlgefallen an denen, die es tun. Römer 1:29-31

Dies alles zeigt deutlich, dass das Geschöpf seine Freiheit und Gottes Gnadengaben missbraucht hat. Es hat sein Ziel verfehlt und sich vom Quell aller Liebe, allen Lebens und jeder Freiheit entfernt.

Oftmals hat man sich die Frage gestellt, wie es möglich ist, dass ein vollkommener Gott eine Welt geschaffen hat, in der das Böse regiert. Um zu einer Lösung zu gelangen, haben manche versucht, den Gegensatz zwischen Gott und dem Bösen zu vermeiden, sei es, indem sie Gott unterstellten, er sei nicht allmächtig oder nicht vollkommen gut, oder indem sie das Bestehen des Bösen verneinten. Andere haben gemeint, Gott selbst habe das Böse in die Schöpfung gebracht. Doch das ist nicht vernünftig, denn das “Böse” ist gerade das, was Gott nicht will. Alles, was Gott tut, ist gut.

Der Schöpfungsbericht

Lasst uns nun untersuchen, was die Schriften uns über die ursprüngliche Schöpfung offenbaren. Wir müssen also einen Versuch unternehmen, die ersten Verse des Buches Genesis zu verstehen. Nun zeigt jedoch die umfangreiche Literatur zu diesem Thema, dass man den Text auf verschiedene Arten auslegen kann. Wir wollen die Auslegung wählen, die, gründend auf der Annahme der vollen Inspiration der Schrift, am besten mit den anderen Aussagen von Gottes Wort übereinstimmt und die den wahrnehmbaren Tatsachen nicht widerspricht. Dabei müssen wir folgende Punkte berücksichtigen:

1.    Das hebräische Tätigkeitswort “bara”, das mit “erschaffen” übersetzt wird, bezeichnet niemals eine menschliche Tat. Es betrifft ein Handeln Gottes, das auch nach der ursprünglichen Schöpfung stattfinden kann, das Geschaffenes hervorbringt, das nicht durch Kräfte bedingt sein kann, die etwas schon Bestehendem innewohnen, also nicht durch eine “natürliche Evolution”.

2.    Das Hebräische kennt kein besonderes Wort für “Weltall”. Man gebraucht also den Ausdruck “Himmel und Erde”, um all das Bestehende anzudeuten. Natürlich kann “Himmel und Erde” nach der ursprünglichen Schöpfung auch einen Teil des Weltalls bezeichnen, zum Beispiel die Erde und den Lufthimmel.

3.    Die ersten Verse sprechen nicht ausdrücklich von der Erschaffung von Geistwesen; diese gehören zum Weltall, “Himmel und Erde” genannt.

4.    Genesis 1:2 “Und die Erde war wüst und leer (hebräisch “tohu wabohu”), und Finsternis war über der Urflut” lässt den Eindruck eines Chaos entstehen - “tohu” und “bohu” sind an allen Stellen ihres Vorkommens in der Bibel der Inbegriff für Gottesferne, Mangel und Zerstörung. Die Bibel betont ausdrücklich, dass Gott die Erde nicht so chaotisch erschuf, Jesaja 45:18: “nicht tohu”. Alle seine Werke sind vollkommen, Deuteronomium 32:4. Dieses Chaos muss die Folge einer Weltkatastrophe sein.

Wenn man dies in seine Überlegungen mit einbezieht, scheint folgende Auslegung der ersten Verse von Genesis 1 unserer Meinung nach die beste zu sein:

a.)  In einer Zeit, die in der Bibel gänzlich unbestimmt bleibt, schuf Gott ein Weltall, das seiner würdig war, zu dem auch eine unzählbare Menge von Geistwesen gehörte, die später in der Schrift erwähnt werden. Die Bestehensweise des ursprünglichen Kosmos übersteigt unser Vorstellungsvermögen bei weitem. Eine derartige Schöpfung war dem Heidentum völlig unbekannt, das gewöhnlich einen primitiven, formlosen Stoff oder ein Chaos als Anfang annahm.

b.)  Es gab einen Fall von bestimmten, mächtigen geistlichen Wesen, wie wir noch sehen werden. Dies hatte die Verwüstung eines Teils des Kosmos zu einem unbestimmten Zeitpunkt zur Folge. Seit der Entstehung der Erde scheinen ungefähr 4,5 Milliarden Jahre vergangen zu sein. Genesis 1:2 kann sich sowohl auf den flüssigen Zustand der Erde beziehen als auch auf einen späteren Zustand, als die verwüstete Erde, zumindest zu einem großen Teil, von Wasser bedeckt und von einer dichten Wolkendecke umhüllt war, die die Sonnenstrahlen gänzlich abhielt. Erst am “vierten Tag” sollte die Sonne sichtbar werden.

c.)  Auf diese Verwüstung folgen die “sechs Tage” von Genesis 1:3-31. In dieser Zeitspanne wirkt Gott auf die Erde ein und bringt sie zu einer neuen Entfaltung Die gefallene Schöpfung mangelt der Kraft, durch Selbstverwirklichung zu höherer Entwicklung zu kommen Sie vermochte kein Leben, kein Gefühl, keinen Geist hervorzubringen. Zwar gab es wahrscheinlich eine gewisse “Evolution”, doch gewirkt von Gott, also von schöpferischem Charakter. Wir wollen im folgenden Kapitel noch einmal hierauf zurückkommen.

Buchempfehlung zum Thema “Schöpfung und Evolution”:

“Gottes Stammbaum”  
Die Enwicklung der Schöpfung vom Urknall bis zum Menschen
Armin Held, Oberreit 1, 83620 Feldkirchen-Westerham, 2008.


 

3. Der Fall Satans und seiner Engel

 

Untersuchen wir nun, was die Schrift uns über die geistlichen Wesen und den Fall einiger von ihnen berichtet. Hiob 38:7 spricht von den “Söhnen Gottes” die bei der Ecksteinlegung der Welt anwesend waren. Buchstäblich heißt es: “Söhne Elohims”. “Elohim” ist Gottes Name, der ihn insbesondere als den mächtigen Schöpfer bezeichnet. “Jahwäh” wird für Gott in seiner Eigenschaft als Mittler und Bundesgott gebraucht. Der Ausdruck “Söhne des HERRN” wird in Deuteronomium 14:1 verwendet und bezeichnet Menschen (siehe auch Kapitel III). Den Ausdruck “Söhne Elohims” finden wir auch noch in anderen Textstellen, Genesis 6:2; Hiob 1:6; 2:1; 38:7; Psalm 29:1; 89:7, die deutlich machen, dass damit geistliche Wesen gemeint sind, deren “Aufenthaltsort” normalerweise der “Himmel” ist. Diese Wesen werden auch “Heilige” (heilige Engel) genannt: Hiob 5:1; 15:15; Psalm 89:6,8; Daniel 4:13; 8:13; Judas 14.

Da sie sich nicht vermehren, Matthäus 22:30, wurden sie im Anfang in übergroßer Zahl geschaffen. Daniel und Johannes sprechen von zehntausend mal Zehntausenden, die sich in Gottes Gegenwart befinden, Daniel 7:10; Offenbarung 5:11; die Deutung ist: eine unzählbare Menge. Der Brief an die Hebräer spricht von vielen “Myriaden” von Engeln, Hebräer 12:22, und Lukas berichtet von einer “Menge der himmlischen Heerscharen”, Lukas 2:13. Das Alte Testament spricht oftmals von diesen “himmlischen Heerscharen”.

Weitere Geistwesen

Ferner gibt es noch “Hoheiten”, “Kräfte”, “Herrschaften”, Epheser 1:21, “Cherubim”, Genesis 3:24; Hesekiel 9 und 10, und “Seraphim”, Jesaja 6:2,6. Zwei dieser Geistwesen werden mit Namen genannt: Gabriel, Daniel 9:21-23, und Michael, der Erzengel, Daniel 12:1; 10:21; 1.Thessalonicher 4:16; Judas 9; Offenbarung 12:7. Es scheint nur einen Erzengel zu geben, und dieser wird genannt: Es ist Michael, “der große Fürst, der für die Kinder deines Volkes (Israel) steht”.


Aus alldem, was die Schrift uns über die geistlichen Wesen mitteilt, müssen wir schlussfolgern, dass etliche Gott gehorsam, andere dagegen aufständisch sind. Hier sehen wir also, dass auch diese Wesen in Freiheit geschaffen sind und dass einige diese Freiheit aus Hochmut missbraucht haben. Einige Schriftstellen werfen ein gewisses Licht auf die Haltung eines der höchsten Geistwesen. Ezechiel 28 spricht zuerst vom “Fürsten von Tyrus”[2], doch reicht dieser Text viel weiter und handelt dann von einem geistlichen Wesen, in Vers 12 “König von Tyrus” genannt, von dem der menschliche Fürst lediglich ein irdisches Bild ist. Wir lesen hier:

Hesekiel 28:12-17*

12       Du warst ein Siegel des vollendeten Urmaßes, voll von Weisheit und vollendeter Schönheit.

13       In Eden, der Einfriedung Gottes, warst du gewesen; allerlei edle Steine waren deine Verschirmung (Buber): Karneol, Topas, Jaspis, Chrysolith, Onyx, Beryl, Saphir, Karfunkel, Smaragd. Und Gold war der Auftrag deiner Wohlgestaltungen und deiner Schatzkammern in dir. An jenem Tage, da du geschaffen wurdest, wurden sie (= die Edelsteine usw.) richtiggestellt und gesichert.

14  Du warst ein gesalbter Cherub, ein Absperrender, und dazu habe ich (der HERR) dich eingesetzt. Im Berg (das heißt im Bereich der Höhe) der unnahbaren Majestät Gottes warst du gewesen; inmitten feuriger Steine hast du dich fortbewegt.

15       Vollkommen (hebräisch tamin) (warst du) in deinen Wegen gewesen von dem Zeitraum an, da du dich erschaffen ließest, bis sich Abweichung (Unrecht) in dir hat finden lassen:

16       In(folge) deines vielen Handelns wurde dein Inneres mit Gewalttat erfüllt (11) und so hast du dein Ziel verfehlt (12), und deswegen habe ich dich entweiht vom heiligen Berge Gottes (das heißt aus dem Bereich der Höhe Gottes) hinweg: und ich habe dich, oh Cherub, du ein Absperrender, aus der Mitte der feurigen Steine in das Verlorensein versetzt.

17       In deiner Schönheit wollte dein Inneres (Herz) hoch hinaus ; du hast deine Weisheit verdorben wegen deines strahlenden Glanzes. (Übersetzung Karel Claeys)

In Jesaja 14 werden auch einige Andeutungen gemacht, die auf niemanden so gut zutreffen wie auf das Wesen von Hesekiel 28:

Jesaja 14:12-14

Wie bist du aus den Himmeln gefallen, du Helleuchtender, Sohn der sich hinwendenden Lichtstrahlung ... du Überwältiger der Nationen! Und du, du hattest in deinem Innern gesprochen: “In die Himmel werde ich hinaufsteigen, höher als die Sterne (= Himmelsfürsten) Gottes. Ich werde meinen Thron (Herrschaftssitz) erheben, und so werde ich im Bereich der Höhe der Zusammenkunft, in den äußersten Sphären des Nordens herrschend wirksam sein.       
Ich will mich auf (kann heißen “über” oder “aufgrund von”) Höhen einer Verdichtung erheben, mich gleichmachen dem Allerhöchsten.” (Übersetzung von Karel Claeys)

Wir erfahren also das eine oder andere über ein Wesen, das innerhalb der Schöpfung eine so hohe Stellung einnahm, dass wir es uns gar nicht vorstellen können. Anfangs war es rechtschaffen, doch wurde es hochmütig. Es hat sich nicht nur von Gott abgewandt und sich selbst als Mittelpunkt betrachtet, sondern wollte sogar Gott gleich sein. Da es die Wahrheit verleugnete, verfiel es in die Lüge. Johannes sagt vom Teufel, dass keine Wahrheit in ihm ist, dass er der Vater der Lügen ist, Johannes 8:44, und dass er von Anfang an sündigte, 1.Johannes 3:8. Dass dieses Wesen in seiner Rebellion gegen Gott nicht allein war, ersehen wir aus Schriftstellen, in denen vom Kampf “gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister der Bosheit” die Rede ist, Epheser 6 :12.

Es wird des öfteren über diese Geister gesprochen, die in der Zukunft einen letzten Versuch unternehmen werden, um das Reich der Finsternis aufzurichten, Offenbarung 12:7-13:18. Das bedeutet, dass auch die himmlischen Dinge eine Reinigung erfahren müssen, Hebräer 9:23.

Wir beschränken uns auf diesen kurzen Überblick und halten fest, dass die Schrift mehrere Andeutungen macht, auf welche Art und Weise die Geschöpfe von ihrer ursprünglichen Freiheit Gebrauch gemacht haben. Einige haben eingesehen, dass es nicht nur vernünftig ist, sich Gott zu unterwerfen, sondern dass sie nur durch ihre Liebe zu Gott ihr Ziel erreichen können. Andere haben sich Gott widersetzt. Es ist möglich, dass andere sich damit begnügten, in ihrem ursprünglichen, unvollendeten Zustand zu verharren und wieder andere, ohne sich gegen Gott zu wenden, auch ohne ihn meinten, die Vollendung erreichen zu können. In späteren Zeiten finden wir derartige Neigungen bei den Menschen: einige sind gleichgültig, und andere wollen durch Werke gerechtfertigt werden und vorankommen.

Die gefallenen Engel haben also keinen guten Gebrauch von Gottes Gnadengaben gemacht und die Folgen dieser Haltung müssten katastrophal gewesen sein. Es fällt uns gedanklich nicht leicht, uns in die Beschaffenheit der ursprünglichen, noch nicht gefallenen Schöpfung zu versetzen, da sie so gänzlich von dem jetzigen Weltzustand verschieden war: Wir haben zu sehr die Neigung, alles auf unsere menschlichen Vorstellungen herabzumindern. Das prachtvoll ausgestattete Geschöpf kehrte sich von Gott, der die Quelle alles Erschaffenen ist. Es erhob sich gegen den, der das Licht, die Einheit, die Wahrheit und das Leben ist. Daraus konnte nichts anderes entstehen als Finsternis, Chaos, Lüge und Tod. Wir können uns fragen, was geschehen wäre, wenn dieses Geschöpf noch in seinem ursprünglichen, ungefallenen Zustand sein Ziel nicht verfehlt hätte und durch Liebe in volle Gemeinschaft mit dem Schöpfer gelangt wäre. Die Weltzeit (Äon), die nun mit der Verwüstung eines Teils der Schöpfung endete, wäre dann unmittelbar in den Endzustand eingemündet, wo Gott “alles in allem “ ist. Folgendes Schema würde dann gegolten haben:

 

Gott                             Geschöpf                  Gott alles in allen

 

Nun jedoch trifft folgendes Schema zu:

 

      Gott            Schöpfung                 Neue            Gott alles in allen

                               Fall                  Schöpfung

                                  Wiederherstellung

 

 

In den folgenden Kapiteln wollen wir untersuchen, auf welche Weise Gott handelt, um die Wiederherstellung zu erreichen. Es sei noch angemerkt, dass der Fall der ursprünglichen Geschöpfe nicht eine Notwendigkeit war, verursacht durch ihren unvollendeten Zustand. Der Fall war die Folge des falschen Gebrauchs dessen, was gut war, er war eine Folge der Zielverfehlung. Ein unvollendetes Geschöpf muss nicht unbedingt auch ein sündiges Geschöpf sein. Es verfällt vielmehr dann in die Sünde, wenn es Gott widersteht, indem es seinen eigenen Willen Gottes Forderung gegenüberstellt. Es ist die Sünde, die den Fall der Schöpfung zur Folge hatte und die eine Wiederherstellung nötig machte, Römer 8:20-23.

Während des ganzen Zeitraumes der Wiederherstellung herrscht die Sünde. Es geht hier nicht lediglich um eine Verbesserung und Vollendung, eine Erhöhung zu Gottes Herrlichkeit. Zuerst muss das Geschöpf aus freiem Willen, jedoch nicht aus eigener Kraft, zu Gott umkehren. Man versuche einmal, sich einigermaßen vorzustellen, welch schreckliche Folgen die Ursünde hatte:

Menschlich gesehen, scheint hier Gottes Liebe in Widerstreit mit seiner Gerechtigkeit zu geraten. “Rechtlich” gesehen muss Gott verurteilen. Doch wegen der Liebe soll die Schöpfung ihr Ziel erreichen. Beide, absolute Liebe und Gerechtigkeit, müssen unangetastet bleiben. Man sieht, dass hier für den Menschen ein Widerspruch besteht, eine Unmöglichkeit. Aber was für uns unmöglich ist, ist es nicht für Gott. Allein die Schrift gibt uns eine Lösung.


 

4. Adam und die Menschheit bis zur Sintflut

 

Die Menschheit wird am sechsten “Tage” erschaffen, Genesis 1:27, nicht allein als “lebende Seele” wie die Tiere, sondern in Gottes Bild. Mehrere Schriftstellen lehren uns, dass Christus Gottes Bild ist: 2.Korinther 4:4; Kolosser 1:15 “Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes”; Hebräer 1:3; Johannes 17:5.

Später (siehe Genesis 2:7), nämlich am siebten “Tage”, wurde der Mensch Adam gebildet (hebräisch: jatsar). Der Zeitrechnung der Bibel zufolge geschah dies etwa 4.000 oder 5.000 Jahre vor Christus. Glaubt man an die vollkommene Eingebung der Schrift, dann kann Adam nicht mehr als 4000-5000 Jahre vor Christus gebildet worden sein, denn sein Geschlechtsregister lässt nicht zu, zusätzliche Glieder einzufügen.

Hätte jeder der sechs Tage eine Dauer von 24 Stunden gehabt, hätte das Chaos des Tohuwabohu noch 4000 - 5000 Jahre vor Christus bestehen müssen. Doch den gesicherten Erkenntnissen der Wissenschaft zufolge gab es seit mehreren hundert Millionen Jahren kein derartiges Chaos mehr. Doch die biblischen Angaben stimmen gut überein mit den Erkenntnissen, die die Ausgrabungen bezüglich der Neusteinzeit ans Licht gebracht haben:

Die Neusteinzeit ist durch den plötzlichen Aufschwung der menschlichen Kultur gekennzeichnet, mit dem Beginn der Landbearbeitung, der Haustierhaltung und der Bildung von Gemeinschaften. Die Ausgrabungen bestätigen nicht nur die Zeitangabe und die Lebensweise der Zeitgenossen Adam’s, von der die Schrift uns berichtet, sondern auch den Ort, an dem dies alles geschah: in dem Gebiet von Tigris und Euphrat.

Gott bildete Adam “aus irdischer Materie”, das soll ausdrücken, dass er von irdischem Ursprung ist - im Gegensatz zum “zweiten Menschen”, Jesus Christus, der himmlischen Ursprungs ist, 1.Korinther 15:47. Nach Römer 5:14 war Adam ein “Typus”, ein Vorbild auf Christus hin. Außer der stofflichen, äußeren Gestalt, glich Adam dem Sohn Gottes also aufgrund seiner höheren geistigen Fähigkeiten: Verstand, Bewusstsein, Wille. Er war ein freie's Wesen, das vollkommen, aber nicht vollendet war. Er hatte kein Leben in sich selbst, war also nicht unsterblich. Um sein Leben zu erhalten, brauchte er den “Baum des Lebens”, Genesis 3:22. Sobald dieser nicht mehr zugänglich war, begann Adam, einen Sterbensprozess durchzumachen.

Gott allein ist unsterblich, 1.Timotheus 6:16: “der allein Unsterblichkeit hat”, und unveränderlich, Maleachi 3:6_ “Ich verändere mich nicht”, Numeri 23:19; Jakobus 1:16-17. Das soll nicht heißen, dass Gott nicht auf verschiedene Wei­se wirkt, sondern, dass er sein Wesen nicht verändert. Er unterscheidet sich also wesensmäßig vollkommen von allen Geschöpfen, die lediglich einen kleinen “Vorrat” an Leben empfangen haben.

Man verwechsle “Leben” nicht mit “Bestehen” oder “Existenz”. Obgleich der Mensch sterblich ist, so besteht er nach seinem Tode doch noch weiter. Die Frage ist nur: “In welchem Zustand?” Der Mensch hängt also stets und in besonderem Maße von der Quelle allen Lebens ab, Gott, oder, genauer: dem Sohn als dem Mittler Gottes.

Am siebten “Tag” hörte Gott auf, zuzubereiten und zu erschaffen. Das soll nicht heißen, dass er ruhte, wie jemand, der müde ist. Das hebräische Wort “schabat” bedeutet nämlich ebenso wie das griechische Gegenstück “katapáuo”, siehe Hebräer 4:4, nicht “ruhen”, sondern “aufhören”: Von dem damaligen Werk. Gott ruht nicht, sondern “wirkt bis jetzt”, Johannes 5:17. Gottes Wirken in der Schöpfung ist dynamisch und führt bis zum letztendlichen Ziel.

Wir können uns fragen, warum Gott den Menschen geschaffen hat. Aus mehreren Schriftstellen, zum Beispiel Matthäus 25:34, erfahren wir, dass schon früh von einem Königreich Gottes die Rede ist. Auch auf der Erde. Wir können annehmen, dass der Mensch bestimmt war, unter der allgemeinen Herrschaft von Gott, König auf der Erde zu sein. Lesen wir nicht, dass der. Mensch über das Meer, die Himmel (die Atmosphäre) und die Erde herrschen sollte, Genesis 1:26-28? Psalm 8 sagt selbst:

Denn Du hast ihn wenig geringer gemacht als Engel (hebräisch Älohim = Mächtige ), mit Herrlichkeit und Macht krönst Du ihn. Du machst ihn zum Herrscher über die Werke Deiner Hände - alles hast Du unter seine Füße gestellt!

Adam sollte herrschen, um auf der Erde ein Werkzeug in Gottes Hand zu sein, um an der Wiederherstellung mitzuwirken und um andere Geschöpfe dazu zu bewegen, zu Gott umzukehren und seiner Gnade nicht zu widerstehen. Doch noch vor alledem musste Adam selbst seine Entscheidung befestigen und durch Gehorsam und vollkommene Übergabe an Gott tatsächlich die Stellung einnehmen, zu der Gott ihn bestimmt hatte. Er sollte von Gottes Gnadengaben Gebrauch machen und so innerlich wachsen. Das Böse, also das, was Gottes Willen zuwiderläuft, sollte ihm fremd sein. Stets sollte er in Übereinstimmung mit Gott handeln und denken, er sollte nicht nach einer selbständigen Stellung streben, indem er etwa selbst bestimmte, was gut und was böse ist.

Es ist sehr schwer für uns, uns ein wirklichkeitsgetreues Bild von Adam zu machen, weil er sich in seinem ursprünglichen Zustand der Unschuld grundlegend von uns unterscheidet. Er war ein in jeder Hinsicht vollkommener Mensch. Insbesondere war sein Geistvermögen nicht dem Stofflichen und Sinnlichen unterworfen. Eine für uns übernormale Erkenntnis ermöglichte es ihm zum Beispiel, jedem Tier einen Namen zu geben, der genau seinen Lebensmerkmalen entsprach. Alles, was über Adam mitgeteilt wird, muss nach einem ganz anderen Maßstab beurteilt werden, der Adams vollkommenes Menschsein und seine besonderen Lebensumstände berücksichtigt.

Die Schrift berichtet uns, wie Adam sich dazu bringen ließ, sich von Gottes Willen abzuwenden und eine selbstständige Position einzunehmen. Anstatt sein Ziel zu erreichen, ging er dem Verderben entgegen. Lasst uns, ausgehend vom hebräischen Text, näher untersuchen, was geschah:

Wer redete mit Eva?

Unsere Übersetzungen sprechen von einer “Schlange”, doch das so übersetzte Wort bedeutet “Glänzende”. Die Tatsache, dass dieses hebräische Wort auch gebraucht wird, um eine Schlange zu bezeichnen, bedeutet keinesfalls, dass es nun stets für solch ein Tier verwendet wird. In der Offenbarung erfahren wir, dass “Schlange” einer der kennzeichnenden Namen für Satan ist:

Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen. Offenbarung 12:9

Des weiteren lese man in Genesis 3:1 statt “Tier” oder “Getier”: “lebendes Wesen”, hebräisch “chajjah”. Auch in Hesekiel 1:5-14, 19-20 steht dieser Ausdruck und bezeichnet dort hochrangige Geistwesen, vergleiche Offenbarung 4:6-9. Wie wir im letzten Kapitel gesehen haben, war er ein “gesalbter, schirmender Cherub”.

Erinnern wir uns auch daran, wie der Apostel Paulus, nachdem er über die Verführung Eva’s durch die “Schlange” gesprochen hat, dann sagt, dass Satan sich als ein Engel des Lichts verstellt, 2.Korinther 11:24. Alles weist darauf hin, dass wir es in Genesis 3:1 mit Satan selbst zu tun haben. Ausführlich dazu in “Genesis 2-5: Krieg im Paradies - Der Kampf um unsere Erde” von Armin Held.

Wir schließen aus all dem, dass Satan, der gefallene Cherub, sich Gott gegenüberstellte und der Aufrichtung des Königreiches entgegenwirken wollte. Er erschien Eva in seiner glänzenden Engelsgestalt, weckte in ihr Zweifel gegenüber den Befehlen Gottes und unterstellte Gott falsche Pläne. Eva, stark beeindruckt von dieser Erscheinung, ließ sich dazu verleiten, ihren Willen dem Willen Gottes gegenüberzustellen. Dies bedeutete eine Trennung, einen Fall.

Auch Adam nahm die Haltung seiner Frau ein und trug dafür die volle Verantwortung. Im vollen Bewusstsein des Ernstes seiner Entscheidung und der Folgen, die daraus entstehen würden, betrachtete er sein eigenes Urteil als Maßstab, leugnete Gott als solchen und kam in Gemeinschaft mit der irdischen Sphäre. Er verfehlte also das Ziel, um dessentwillen Gott ihn in den Garten Eden geführt hatte: er sündigte. Er hätte das Gute wollen können, das heißt: was Gottes Willen entspricht, doch er folgte seinem eigenen Willen. Diese Sünde war ihm voll zuzurechnen und musste zwangsläufig ihre logischen Folgen haben.

Weder Adam noch Eva haben sich so gegen Gott gewendet, wie Satan dies tat, doch haben sie sich von ihm abgewandt. Die Trennung von der Quelle des Lebens und der HERRlichkeit hatte einen Mangel an Leben und an Herrlichkeit zur Folge. Sie “starben” dem Geist nach, weil sie sich vom Geist Gottes trennten, und auch körperlich waren sie “sterbend”, weil sie lediglich einen kleinen “Vorrat” an Leben hatten. Sie verfügten nicht mehr über ihre ursprünglichen Geistesfähigkeiten und wurden ihren Sinneswahrnehmungen unterworfen. Sie ermangelten der HERRlichkeit Gottes, siehe auch Römer 3:23. Das Wort, das durch “ermangeln” übersetzt ist, weist nicht auf eine vollkommene Abwesenheit von etwas hin; vergleiche Hebräer 12:15. Anstelle der Königsherrschaft auf Erden lagen sie nun im Kampf mit den Elementen; auch der fruchtbare Erdboden wurde in Mitleidenschaft gezogen, vergleiche Genesis 3:17.

Adams Kinder waren in seinem Bilde und nach seinem Gleichnis gezeugt, Genesis 5:3. Ein unreines Wesen kann keine reinen Wesen hervorbringen, Hiob 14:4. Alle Nachkommen Adams wurden also in denselben ungünstigen Umständen geboren: Geistig getrennt von Gott, ermangelten sie seiner Herrlichkeit, ihr Geist war verfinstert, sie waren “sterbend”, Sklaven der Sünde und dem Verderben unterworfen. Sie werden nicht für das bestraft, was Adam getan hat, sondern leiden an den Folgen des Zustandes, in den hinein sie geboren werden. Doch es war nicht alles verloren: Gott ist gnädig und er sprach nun von dem “Samen der Frau”. Die Menschheit sollte also nicht aufhören zu bestehen, und der “Same der Frau” sollte Satans Kopf zermalmen. Durch diesen Samen sollte es wieder möglich sein, Gottes Plan zur Ausführung zu bringen und das Königreich aufzurichten. Doch ging dies nicht ohne Kampf.

Die Vorgeschichte der Sintflut

Satan ergriff sofort Gegenmaßnahmen: die “Söhne Älohims”, die gefallenen Engel, kamen in menschlicher Gestalt auf die Erde und besudelten sie mit ihren ungeheuerlichen Nachkommen. Der Ausdruck “Söhne Älohims” wird niemals für Menschen gebraucht, sondern ausschließlich für Engel; siehe Hiob 1:6; 2:1; 38:7; Psalm 29:1; 89:7; Daniel 3:25,28. Es gibt keinen Grund, diesem Ausduck in Genesis 6 eine andere Bedeutung zuzuschreiben. Der Ausdruck “Söhne Des HERRN”, des Bundesgottes, wird in Deuteronomium 14:1 für Israeliten gebraucht; vergleiche auch Jesaja 43:3-6.

Im Neuen Testament wird Adam “Gottes Sohn” genannt, weil er unmittelbar von Gott gebildet wurde. Auch die Gläubigen werden im Neuen Testament „Kinder” oder „Söhne” Gottes genannt, weil sie durch den Heiligen Geist von oben (auf’s Neue) geboren sind. Was Genesis 6 von den Engeln berichtet, wird durch Judas 1:6-7 erhärtet:

Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter Finsternis verwahrt, wie auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die in gleicher Weise wie sie Unzucht trieben und hinter fremdem Fleisch herliefen, als ein Beispiel vorliegen, indem sie die Strafe des ewigen Feuers erleiden.

Man beachte, dass “Behausung” die Übersetzung eines griechischen Wortes ist, dass in 2.Korinther 5:2 für unsere menschliche “Behausung” gebraucht wird. Sie hatten ihre himmlische Bestehensweise verlassen und waren andersartigem Fleische nachgegangen. Die Engel hatten also eine menschliche Gestalt angenommen und- waren zu den Frauen des Adamitischen Geschlechts eingegangen. Die Engel werden auch “Geister” genannt, Psalm 104:4; Hebräer 1:7,14, und es ist also wahrscheinlich, dass in 1.Petrus 3:19,20 und 2.Petrus 2:4,5 über die “Söhne Älohims” und ihre Nachkommen gesprochen wird, die zu Zeiten Noahs noch lebten. Diese Geister werden im “Gefängnis” gehalten bis zum Tag des Gerichts; der HERR hat nach seiner Auferstehung seinen Sieg in ihrer Gegenwart verkündigt. Das Wort “Geist” wird in der Schrift niemals für einen Menschen gebraucht, ausgenommen nach seiner Auferstehung, wenn sein Leib ganz vom Geist beherrscht sein wird. Die gestorbenen Menschen befinden sich nicht im Gefängnis, sondern im Hades. Des weiteren ist gepredigt” in 1.Petrus 3:19 nicht die Übersetzung von “euangelizo” = eine gute Botschaft bringen, sondern von “kerússo” = verkündigen, ausrufen wie ein Herold.


Genmanipulation in der Urzeit

Von den Söhnen “Älohims” und den Frauen des adamitischen Geschlechts stammen die Nephilim, also die “Riesen” von Genesis 6:4 ab. Vor der Sintflut wurde durch die Vermischung der sich materialisierenden gefallenen Engel, “Söhne Älohims”, mit den Töchtern Adams das ganze adamitische Geschlecht mit Ausnahme von Noah verdorben. Dieser war der Träger der von Gott auserwählten Keimbahn zum verheißenen Samen (der Frau). Die Bastardisierung drohte auch diese Keimbahn zu verderben, deshalb kam die Sintflut über diesen am meisten verunreinigten Teil der Erde, Mesopotamien; dies bedeutete das Ende eines Äons. Adams Fall hatte die unmittelbare Aufrichtung des Königreiches unmöglich gemacht. Auf welche Art und Weise wird Gott nun handeln, um sein Ziel zu erreichen?


 

6. Der Abrahamitische Bund

 

Bündnisse vor Mose

Nach der Sündflut veränderten sich die Lebensbedingungen, zumindest dort, wo das adamitische Geschlecht sich entwickelt hatte. Die Lebensdauer der Adamiten, die vor der Sündflut gewöhnlich zwischen 800 und 900 Jahren betrug, verminderte sich schnell und pendelte sich auf den gegenwärtigen Wert ein, der im günstigsten Fall 80 Jahre beträgt, Psalm 90:10. Während des tausendjährigen Königreiches auf Erden wird die Lebensdauer wieder viel größer sein, so dass ein Mann im Alter von 100 Jahren noch als “jung” betrachtet werden wird, Jesaja 65:20.

Gott erwählt und beruft Noah, den einzigen unverdorbenen Menschen, um die Keimbahn Adams weiterzuführen, Genesis 6-10. Die Menschen kennen Gott aus seinen Werken, doch verherrlichen sie ihn nicht, so werden sie dann der Unreinheit und Bosheit dahingegeben, Römer 1:18-32. Gott wirkt nicht unmittelbar auf sie ein, sondern er erwählt einzelne Personen, die einen bestimmten Auftrag bezüglich der anderen auszuführen haben. Wir sehen also bereits hier den Anfang der Auserwählung, doch nicht zum Vorteil der Auserwählten, sondern um einen Auftrag auszuführen: Sie sollten die “Nicht-Auserwählten” dazu bringen, die göttlichen Segnungen in Freiheit anzunehmen und so, also durch Gottes Gnade, gerettet zu werden.

Gott schließt eine Reihe von Bündnissen mit Abraham, der Ur verlassen und sich von der Welt trennen musste. Ausgrabungen bestätigen die Aussagen der Bibel über die Lebensumstände Abrahams bis in die kleinsten Einzelheiten. Ihm wird verheißen: “Ich will dich zu einem großen Volk machen”. Ein Volk bewohnt ein Land, hat eine Hauptstadt und einen König. Es hat eine Reihe von Gesetzen und eine Religion. Die Verheißung umfasst dies alles. Viele Verheißungen, wie zum Beispiel: “Ich will dich segnen”, “ich will deinen Namen groß machen”, “du sollst eine Quelle von Segen sein”, wurden nur zum Teil erfüllt. Abraham wird hier in eine Stellung versetzt, die in jeder Hinsicht die Stellung derer übertrifft, für die er eine Quelle von Segen sein sollte.

Als ihm verheißen wird: “Alle Geschlechter der Erde sollen in dir gesegnet werden”, weist dies auf Abraham persönlich hin. Es heißt nicht: “in dir und deinem Samen”, wie es zum Beispiel bei Jakob in Genesis 28:14 der Fall ist. Wir lesen dann auch in Matthäus 8:11:

Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden im Reich der Himmel.

Wir können hieraus schließen, dass Abraham durch Auferstehung persönlich gegenwärtig sein muss, bevor die Verheißungen erfüllt werden können. Es ist zu vermuten, dass die Segnung in Abraham eine höhere Segnung ist, die bis in unsere Zeit nur für Einzelne Wirklichkeit geworden ist, so dass wir noch weit von der Zeit entfernt sind, in der “alle Geschlechter der Erde” in Abraham gesegnet sein werden. Eines Tages soll Abraham “der Erbe der Welt” sein, Römer 4:13. Dies alles sind Hinweise, auf welche Weise Gott seinen Plan ausführen wird.

Wir wollen hier noch ein Wort über die sogenannten “bedingungslosen” Verheißungen anfügen, um die es hier auch geht. Gott allein handelt hier und der Mensch braucht keine einzige Bedingung zu erfüllen. Es ist also sicher, dass die Verheißungen erfüllt werden, und da es hier um ein göttliches Handeln geht, werden sie vollkommen erfüllt werden.

Auch dies zeigt uns, dass die abrahamitischen Verheißungen noch nicht erfüllt sind. Wie wir später noch sehen werden, bedeutet die Abwesenheit von Bedingungen im Zusammenhang mit der Erfüllung von Gottes Verheißungen nicht, dass der einzelne Mensch keine Bedingungen erfüllen muss, um an den Segnungen persönlich teilzuhaben. Im Gegenteil, Gott verlangt Bekehrung und Glauben. Man vergleiche zum Beispiel Römer 4:9,13, ein Text, der Abrahams Glauben als Bedingung erklärt, um auch an seiner Gerechtigkeit und an seinem Erbe Anteil zu haben.


Nachdem Abraham getan hatte, was Gott von ihm verlangt hatte, Genesis 12:1, er also nicht allein sein Land, sein Vaterland, sondern auch sein “Vaterhaus” verlassen hatte, indem er sich von Lot getrennt hatte, werden die Verheißungen noch genauer ausgedrückt:

Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinem Samen für die Weltzeit. Genesis 13:15.[3]

Drei Dinge sind zu beachten:

·         1. Es geht hier um die Erde und nicht um die Himmel.

·         2. Nicht nur der Same, auch Abraham selbst wird das Land besitzen.

·          3. Dies wird in der kommenden Weltzeit geschehen.

Man denke nicht, Abraham habe das Land schon besessen, denn wir können lesen: “Und er gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fußbreit”, Apostelgeschichte 7:5, und: “Durch Glauben siedelte er sich im Land der Verheißung an wie in einem fremden”, Hebräer 11:9. Man sieht, dass auch Isaak und Jakob das Land nicht besessen haben, sondern dass sie als Fremdlinge in Zelten dort wohnten. Es gab damals weder Stadt noch König.

Das verheißene Land erstreckt sich vom “Strome Ägypten” bis an den Euphrat, Genesis 15:18. Der Strom “nahar” ist der Nil und darf nicht verwechselt werden zum Beispiel mit dem “wadi el-Arich” (“nachal”) von 1.Könige 8:65, der sich im Süd - Westen von Gaza befindet, Josua 15:47. Das Land, von dem hier die Rede ist, ist noch niemals im Besitz von Israel gewesen. Wir werden später sehen, wie “der Same Abrahams”, der so zahlreich sein wird wie der Staub der Erde, Genesis 13:16, sich zu einem Volk entwickelt: Israel.


Es ist Israels Zukunft, die in den Verheißungen enthalten ist, denn der Same, der “wie der Staub der Erde” ist, deutet Israel an. Andere Gläubige haben keine Verheißung, was den Besitz des Landes Kanaan angeht. Israel bildet auch den Samen, der so zahlreich sein wird, wie die Sterne des Himmels, Genesis 15:5. Es ist wichtig, auf die Worte zu achten, die auf die Verheißung des himmlischen Samens folgen:

Und er glaubte dem Herrn, und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.

Mit dem Volk Israel wird Gott einen Bund aufrichten, der während der gesamten zukünftigen Weltzeit in Kraft bleiben soll, Genesis 17:7,8. Wir werden sehen, dass dieser Bund von Jeremia “Neuer Bund” genannt wird, Jeremia 31:31, im Gegensatz zum “Alten Bund” vom Sinai.

 

Wie alle Verheißungen, die Abraham gegeben werden, ist auch der “Neue Bund” ohne Bedingungen, das bedeutet, dass keine Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit die Verheißungen eintreffen. Die Erfüllung ist also sicher, da Gott es ist, der verheißt und erfüllt. Abraham wird dann der Vater vieler Völker sein, Genesis 17:4,5, die durch ihn geleitet werden. Er wird nicht nur das Land beerben, sondern auch über alle Völker herrschen, also die Erde erben, Römer 4:13. Der himmlische Same wird an letzterem Erbe teilhaben, Galater 3:9,29. Manchmal hat man Schwierigkeiten, den Ausdruck:”deinen Samen, welcher ist Christus”, Galater 3:16, zu verstehen: “Dem Abraham aber wurden die Verheißungen zugesagt und seinem Nachkommen. Er spricht nicht: “und seinen Nachkommen”, von vielen, sondern von einem: “und deinem Nachkommen”, und der ist Christus.”

 

Betrifft die Verheißung denn nicht viele Menschen? Warum wird so sehr betont, dass es heißt “Same” und nicht “Samen” (als viele)? Wir stoßen jedoch hier nicht auf eine Schwierigkeit, sondern finden einen Schlüssel für die “bedingungslosen” Verheißungen. Um sein Ziel zu erreichen, konnte Gott sich nicht auf Menschen verlassen; wie wir gesehen haben, wandten diese sich doch durch die Sünde mehr und mehr von ihm ab. Gott musste nicht aus der Ferne eingreifen, sondern in der Nähe: Er sandte seinen Sohn und dieser nahm die Gestalt eines Menschen an. Durch ihn gab es Gewißheit, dass die Verheißungen erfüllt würden, weil er Gott ist, auch wenn er sich seiner Herrlichkeit “entledigte”, um sein Werk zu vollbringen.

 

Durch den Glauben können die Menschen in wirkliche Gemeinschaft mit ihm kommen und so an den Segnungen teilhaben, Galater 3:19. Die Gemeinschaft Christi mit den Gläubigen hat zur Folge, dass es nur einen Samen gibt und nicht mehrere. Der wahre Same ist Christus, doch sind andere mit ihm vereinigt und werden deshalb auch zu dem einen Samen gerechnet, sie sind “eins” mit ihm. Wir sehen also, dass das Eigenschaftswort „bedingungslos” nicht so verstanden werden darf, dass die Menschen keine Bedingung zu erfüllen haben, um an den Verheißungen teilzuhaben. Sie sind in dem Sinne bedingungslos, dass Gott sie durch seinen Sohn erfüllt, ohne dies von anderen Menschen abhängig zu machen. Doch müssen diese durch den Glauben in Gemeinschaft mit dem Samen stehen, um an den Verheißungen Anteil haben zu können.

 

Bis zum Kommen des Christus auf die Erde lesen wir von einer Reihe von Gläubigen, dass sie einen Teil von diesem Samen ausmachen: Isaak, Genesis 21:12,13, Jakob Genesis 28:3-4, Juda, Genesis 49:10. Das hebräische Wort “sur”, das in Genesis 49:10 mit “weichen” übersetzt wird, kann man auch im Sinne von “sich ausdehnen” verstehen. Das Königreich wird sich erst über das Land Juda hinaus erstrecken, wenn der König gekommen sein wird - nicht eher.

Man sieht, wie die auserwählte Keimbahn zum Samen immer wieder von Satan angegriffen wird: Während Abraham noch zögerte, Haran zu verlassen, anstatt dem Herrn sofort zu gehorchen, Genesis 11:31, vergleiche Apostelgeschichte 7:1-5, besetzten die Kanaaniter das verheißene Land, Genesis 12:6. Diese hatten sich mit den „Söhnen Älohims” vermischt und mussten vernichtet werden, um eine Vermischung mit der auserwählten Keimbahn zu verhindern.


Weitere Angriffe sind: Die Hungersnot, die Israel nach Ägypten trieb, die Tötung der männlichen Kinder der Israeliten, Exodus 1:16, die Unterdrückung in Ägypten, die Verfolgung, als das Volk Israel vor dem Roten Meer stand und es keinen Ausweg mehr gab, Exodus 14:8. Später werden wir noch weitere Fälle kennenlernen.

Wir richten inzwischen unsere Aufmerksamkeit auf das Passah beim Auszug aus Ägypten. Es war das Symbol der zukünftigen Erlösung Israels und der Rückkehr in sein Land, die nach der Schlachtung des wahren Lammes stattfinden sollte. Genauso, wie die Israeliten in Ägypten die Türpfosten ihrer Häuser mit dem Blut des Lammes bestreichen mussten, um dem Tode zu entgehen, so werden sie auch in Gemeinschaft mit dem Herrn kommen müssen - und also geistlich mit seinem Blut besprengt werden - um das äonische Leben auf Erden zu ererben.


 

6. Das Gesetz Mose und der Alte Bund

 

Bis zum Gesetz war Sünde in der Welt, doch wurde sie den Menschen nicht zugerechnet, Römer 5:13, weil sie sich über ihren sündigen Zustand nicht im klaren waren, sie waren also nicht voll verantwortlich. Um auf dem Wege der Freiheit der Sklaverei gegenüber der Sünde zu entgehen, um wieder in Gemeinschaft mit Gott kommen zu können, mussten sie sich zuerst des Zustandes bewusst werden, in dem sie geboren waren. Sie mussten also klar erkennen, was Gottes Wille und demnach - als Abweichung davon - Sünde ist. Sie mussten also Gottes “Gesetz” kennenlernen. Die Schrift selbst sagt sehr deutlich, dass die Sünde eine Übertretung des Gesetzes ist:

Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit. 1.Johannes 3:4.

Das Gesetz besteht aus einer Reihe von Geboten, die mit Gottes Willen übereinstimmen und die an die Umstände angepasst sind, in denen diejenigen leben, an die dieses Gesetz gerichtet ist. Doch das Gesetz, das dem Menschen sagt, was er zu tun hat, versetzt ihn noch nicht in die Lage, es auch zu vollbringen. Wie sollte ein Sünder Gottes Willen vollbringen können? Jeder, der wie die Kinder Israel wirklich an den lebendigen Gott glaubt und Gottes Willen zur Kenntnis nimmt, wird zugeben müssen, dass er nicht in der Lage ist, in Übereinstimmung mit seinem Willen zu handeln; er wird also erkennen und bekennen, dass er ein Sünder ist. Der einzige Ausweg ist dann, sich Gott selbst zuzuwenden und ihn um Hilfe anzurufen.

Doch ist der natürliche Mensch verblendet und unvernünftig, gerade weil er Sünder ist. Die Erfahrung lehrt, dass der Mensch alle möglichen verkehrten Haltungen gegenüber Gottes Willen einnimmt. Oft behauptet er, Gottes Willen erfüllen zu können oder aber er meint, Gott verlange zu viel von ihm und sei ungerecht. Andere sind gleichgültig und wieder andere leugnen, dass etwas Gottes Wille sei oder gar, dass es überhaupt einen Gott gibt.

Da Gott ein Volk auserwählt hatte mit dem Ziel, durch dieses Volk alle Menschen in Gemeinschaft mit sich zu bringen, musste an allererster Stelle dieses Volk selbst sich seiner Sündhaftigkeit bewusst werden und die Notwendigkeit erkennen, zu Gottes Gnade Zuflucht zu nehmen, um, von der Sünde erlöst, Gottes Willen erfüllen zu können. Gott gab ihm darum ein Gesetz, das ganz an den Zustand des Volkes zu dieser Zeit angepasst war. Man kann dieses Gesetz einteilen in:

1.    Die Gebote für Israel, vergleiche Exodus 20:1-26.

2.    Die Gesetze, die das gesellschaftliche Leben regelten, vergleiche Exodus 21:1-24:11.

3.    Die zum Gottesdienst gehörigen Kulthandlungen, vergleiche Exodus 24:12-31:18).

Dies alles zusammengenommen bildet das “Gesetz”, von dem die Schrift insbesondere spricht, das ausschließlich dem auserwählten Volk gegeben wurde und das in seiner ursprünglichen Form nur im Lande selbst wahrgenommen werden konnte. Die Hauptgebote des Gesetzes sind:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Deuteronomium 6:5; 10:12,13.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Leviticus 19:18.

Das Wesen des Gesetzes ist also göttlich, auch wenn die Form in gewisser Hinsicht menschlich und zeitlich ist. Wir wissen, dass der HERR Jesus später kein höheres Gesetz bekanntgemacht hat, sondern vielmehr den Nachdruck auf das Wesen des Gesetzes legte und auf die Tatsache, dass von diesen zwei Hauptgeboten das ganze Gesetz und die Propheten abhängen, Matthäus 22:36-40.

Ohne diese Grundlage hatten die Gesetze, Vorschriften und Zeremonien keinen Sinn. Schon die Propheten haben darauf Nachdruck gelegt, siehe zum Beispiel 1.Chronik 29:17-19; 2.Chronik 16:9; Jeremia7:22,23; Hosea 6:6; Amos 5:21-24; Micha 6:6-8; Sacharja 8:17; (2) Jesaja 58:4-10. Sie haben auch bereits darauf hingewiesen, dass die Beschneidung des Fleisches lediglich ein Zeichen für das Wichtigste ist: die Beschneidung des Herzens, Jeremia 9:26.

Die Schrift sagt uns immer wieder, dass das Gesetz “äonisch” ist, also auch während des zukünftigen Äons noch von Gültigkeit sein wird, Exodus 27:21:28:43; 29:28; 31:16,17; Leviticus 3:17; 23:14 etc. Während aller Zeiten, in denen Israel als Gottes Volk angenommen ist und dann auch als Nation in seinem Land besteht, bleibt das Gesetz gültig, gleich ob die Kinder Israel in Christus glauben oder nicht. der HERR hat ausdrücklich erklärt:

Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist, Matthäus 5:18

Nun, die Himmel und die Erde werden erst am Ende des Messianischen Reiches vergehen, Offenbarung 20:1-10, wenn ein “neuer Himmel und eine neue Erde “ kommen werden, Offenbarung 21:1; 2.Petrus 3:10. Dann erst wird Israel seinen Auftrag gegenüber den anderen Völkern vollbracht haben. Erst dann wird seine Auserwählung aufhören, weil dann das Ziel seiner Auserwählung erreicht sein wird: In der neuen Schöpfung gibt es weder Juden noch Heiden.

Einen anderen, unmittelbaren Beweis, dass das Gesetz auch noch während des zukünftigen Äons erfüllt werden muss, findet man in der sehr ausführlichen Beschreibung, die Hesekiel vom Tempel und den Zeremonien gibt, Hesekiel 40-45.

Die äußeren Vorschriften, die Form des Gesetzes, kann sich in gewissem Maße von dem früheren unterscheiden, weil es an die neuen Lebensbedingungen angepasst ist. Die Beschneidung des Fleisches und die Opferung von Tieren werden jedoch beibehalten, Hesekiel 44:9. Auch später noch werden wir sehen, dass unsere Ansicht von der Schrift erhärtet wird und das Festhalten an den Zeremonien keinesfalls dem Glauben an Christus und der Verwaltung der Gnade widersprechen.

Die Zeremonien stellten in sichtbarer Form die Hauptwahrheiten dar. So versinnbildlichte die Stiftshütte den Weg durch Christus zu Gott. Die Opfer stellten die Opferung des Lammes Gottes dar, die Übergabe des Menschen in Gottes Hand, die Wiederherstellung des Rechts, die Sinnesänderung und die Versöhnung.

Die Feiern hatten einen Bezug auf wichtige Ereignisse in Israels Geschichte, vergleiche Leviticus 23. Alles hatte zum Ziel, zu Christus, zur Bekehrung und zur Rettung zu führen bzw. zu leiten.

Das Volk war also durch das Gesetz unterwiesen und kannte Gottes Willen, Römer 2:18. Dieses Volk hätte sich seiner Schwachheit, seiner Sündhaftigkeit und seiner Schuld bewusst werden müssen:

Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei. Römer 3:19

“Denn durch Gesetz (kommt) Erkenntnis der Sünde”, Römer 3:20, und wird die Übertretung überströmend, Römer 5:20; 7:13; Galater 3:19. Was tat Israel jedoch? Noch bevor sie überhaupt gehört hatten, was Gott von ihnen verlangen würde, erklärte das ganze Volk: “Alles was der HERR geredet hat, das wollen wir tun”, Exodus 19:8. Sie wiederholten dieses Versprechen, nachdem sie die Gebote und Vorschriften erfahren hatten, Exodus 24:1-3,7,8. Ihr großer Fehler war also, zu meinen, die Forderungen des Gesetzes aus eigener Kraft vollbringen zu können und auf diese Weise gerechtfertigt werden zu können. Sicherlich ist wahr, was Mose sagte: “Der Mensch der diese Dinge getan hat, wird durch sie leben”, Römer 10:5. Die Frage ist nur: Wie konnten sie diese Dinge tun? Denn die Erfüllung des Gesetzes bedeutet, die zwei Hauptgebote zu befolgen: Liebe zu Gott und zum Nächsten. Sie hätten ihre Ohnmacht in dieser Hinsicht einsehen und sich auf Gottes gnädiges Wirken berufen müssen, das ihnen ermöglicht hätte, seinen Willen zu vollbringen.


Der Unterschied zwischen dem Alten Bund und dem Gesetz

Da sie sich jedoch nicht auf die Gnade stützten, sind sie Sklaven des Gesetzes geworden, Galater 4:3, haben sich selbst unter das Gesetz gestellt, Römer 6:14, unter den Fluch, Galater 3:10,13, weil sie das Gesetz aus eigener Kraft nicht halten konnten und sie selbst Amen gesagt hatten zu den Worten: “Verflucht sei, wer nicht aufrecht hält die Worte dieses Gesetzes, sie zu tun”! Der Fluch und die darauffolgende Unterjochung werden dazu beitragen, dass sie sich eines Tages von der Liebe Gottes zur Bekehrung leiten lassen werden.

Aus all dem wird deutlich, dass wir gut zwischen dem Alten Bund und dem Gesetz unterscheiden müssen. Ersterer beruht auf der Tatsache, dass Gott ein Volk auserwählt hat, das er zuerst von der Sünde erlösen wollte, um es dann zum Segen der übrigen Menschheit zu gebrauchen. Dieses Volk musste also Gottes Willen kennen und tun. Der Bund legte den Nachdruck auf die Erfüllung des Gesetzes, und nicht auf die Tatsache, dass Gottes Gnade allein in die Lage versetzen kann, dies zu verwirklichen. Israel nahm es auf sich, den Bund zu halten, Gottes Willen zu befolgen, ohne dabei zu Gottes Gnade Zuflucht zu nehmen.

Das Zweite, das Gesetz, ist der Ausdruck von Gottes Absicht in Bezug auf Israel und steht nicht nur im Zusammenhang mit dem Alten Bund. Denn wenn der Alte Bund durch den Neuen ersetzt werden wird - aufgerichtet mit demselben Volk - dann wird das Gesetz immer noch in Kraft bleiben. Der Neue Bund ist in der Tat ein Bund der Gnade, der nicht nur von ihnen verlangt, Gottes Willen zu tun, sondern auch die “Mittel” dazu anbietet um es zu vollbringen. Alle die an diesem Bund teilhaben, werden Wohlgefallen am Gesetz finden, Römer 7:22, das Gesetz wird in ihr Herz geschrieben sein, Hebräer 8:10; 10:16; Jeremia 31:31-34. Sie sind also nicht mehr Sklaven des Gesetzes, nicht mehr unter dem Gesetz, aber noch immer im Gesetz, Römer 2:12; 3:19 griechischer Text. Wir werden später noch sehen, wie wichtig es ist, diese Dinge zu erkennen, damit wir auch die Apostelgeschichtezeit verstehen und die “Verwaltung”, die darauf folgt, in der wir jetzt leben.


Der Tenach

Die hebräischen Schriften, die wir das “Alte Testament” nennen, werden von den Juden in drei Teile untergliedert: das Gesetz, die Propheten und die Psalmen, kurz “Tenach” für “Torah = Gesetz, Nebiim = Propheten, Ketubim = Schriften”.

Jesus sprach aber zu ihnen: Dies sind die Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Moses' und den Propheten und Psalmen. Dann öffnete er ihnen das Verständnis, um die Schriften zu verstehen. Lukas 24:44

Hier die Bücher, aus denen sich die drei Teile zusammensetzen:

Das Gesetz:

Die fünf Bücher Mose: Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium.

Die Propheten:

Josua, Richter, Samuel, Könige, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, und die zwölf kleinen Propheten.

Die Psalmen:

Psalmen, Sprüche, Job, Hohelied, Ruth, Klagelieder, Prediger, Esther, Daniel, Esra, Nehemia, Chroniken.

Das Gesetz enthält viele Prophetien über die Zukunft Israels, die Zerstreuung, die Rückkehr ins verheißene Land und die Erfüllung der abrahamitischen Verheißungen. Wir wollen hier einige Teile zitieren:

Und der HERR wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum andern Ende der Erde. Und du wirst daselbst anderen Göttern dienen, die du nicht gekannt hast, du noch deine Väter, - Holz und Stein.   
Und unter jenen Nationen wirst du nicht rasten, und deine Fußsohle wird keine Ruhestätte finden. Und der HERR wird dir daselbst ein zitterndes Herz geben, Erlöschen der Augen und Verschmachten der Seele. Und dein Leben wird schwebend vor dir hängen, und du wirst dich fürchten Nacht und Tag und deinem Leben nicht trauen. Deuteronomium 28:64-66

Und es wird geschehen, wenn alle diese Worte über dich kommen, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es zu Herzen nimmst unter all den Nationen, wohin der HERR, dein Gott, dich vertrieben hat, und umkehrst zu der HERR, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst nach allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele: so wird der HERR, dein Gott, deine Gefangenschaft wenden und sich deiner erbarmen, und er wird dich wiederum sammeln aus all den Völkern, wohin der HERR, dein Gott, dich zerstreut hat. Wenn deine Vertriebenen am Ende des Himmels wären, so wird der HERR, dein Gott, von dort dich sammeln und von dort dich holen, und der HERR, dein Gott, wird dich in das Land bringen, welches deine Väter besessen haben, und du wirst es besitzen, und er wird dir wohltun und dich mehren über deine Väter hinaus. Deuteronomium 30:1-5

Und ihr werdet umkommen unter den Nationen, und das Land eurer Feinde wird euch fressen. Und die Übriggebliebenen von euch werden in den Ländern eurer Feinde hinschwinden in ihrer Ungerechtigkeit, und auch in den Ungerechtigkeiten ihrer Väter mit ihnen. Und sie werden ihre Ungerechtigkeit bekennen und die Ungerechtigkeit ihrer Väter infolge ihrer Treulosigkeit, die sie gegen mich begangen haben, und auch dass, weil sie mir entgegen gewandelt sind, auch ich ihnen entgegen wandelte und sie in das Land ihrer Pein brachte. Wenn alsdann ihr unbeschnittenes Herz sich demütigt und sie dann die Strafe ihrer Ungerechtigkeit annehmen, so werde ich meines Bundes mit Jakob gedenken, und auch meines Bundes mit Isaak und auch meines Bundes mit Abraham werde ich gedenken, und des Landes werde ich gedenken. 
Denn das Land wird von ihnen verlassen sein, und es wird seine Sabbathe genießen, in seiner Verwüstung ohne sie, und sie selbst werden die Strafe ihrer Ungerechtigkeit annehmen, darum, ja darum, dass sie meine Rechte verachtet und ihre Seele meine Satzungen verabscheut hat. Aber selbst auch dann, wenn sie in dem Lande ihrer Feinde sind, werde ich sie nicht verachten und sie nicht verabscheuen, ihnen den Garaus zu machen, meinen Bund mit ihnen zu brechen; denn ich bin der HERR, ihr Gott. Und ich werde ihnen meines Bundes mit den Vorfahren gedenken, die ich aus dem Lande Ägypten vor den Augen der Nationen herausgeführt habe, um ihr Gott zu sein. ich bin der HERR. Leviticus 26:38-45

Um ihr Ziel zu erreichen, mussten sie, auch nach der Zerstreuung, Gottes Stimme gehorchen, die Gebote bewahren, sich zum Herrn wenden, also sich bekehren, Deuteronomium 30:10. Israel hatte die freie Wahl zwischen Gott und Satan, doch wurde es ausdrücklich auf die Folgen dieser Wahl hingewiesen, Deuteronomium 30:15-20. Es wurde aufgefordert, das Leben zu wählen, damit es im Lande bleiben und unmittelbar seinen Auftrag bezüglich der Völker erfüllen sollte. Der Einzug ins gelobte Land wird jedoch durch Mangel an Glauben fast vierzig Jahre hinausgeschoben, und als sie das Land erreichen, ist es von Satans Samen besetzt, den sie erst vertreiben müssen. Sie tun dies nur teilweise und erfahren die schweren Folgen dieses Ungehorsams. Man hat oft gemeint, es sei unmöglich, dass Gott die Vertreibung eines ganzen Volkes verlangen könnte. Das liegt daran, dass man sich nicht im Klaren ist, um welche Art von Völkern es sich hier gehandelt hat. Ausführlich dazu: “Urzeit und Endzeit - Gott als Richter und Retter in Megakatastrophen” von Armin Held.

Immer wieder wird auf bessere Zeiten und die Aufrichtung eines Königreiches hingewiesen. Als sie von Samuel verlangen, er solle ihnen einen König geben, wie ihn auch die anderen Völker haben, spricht der HERR:

Höre auf die Stimme des Volkes in allem was sie dir sagen. Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll. 1.Samuel 8:7

David ist ein Vorbild des wahren Königs. Man kennt seinen Kampf gegen den Samen der Schlange. Er ließ sich in Jerusalem nieder, und das ist ein Schritt auf die Aufrichtung des wahren Königreiches auf Erden hin. Es gibt nun tatsächlich bereits: den Samen, das Volk, das Land, einen König, eine Königsstadt. Doch der wahre König ist David noch nicht. Die Verheißungen an David sind jedoch schon sehr deutlich:

Wenn deine Tage voll sein werden, und du bei deinen Vätern liegen wirst, so werde ich deinen Samen nach dir erwecken, der aus deinem Leibe kommen soll, und werde sein Königtum befestigen. 2.Samuel 7:12

Mit Salomo scheinen bessere Zeiten anzubrechen. Doch noch immer sind die Götzen nicht beseitigt, und wieder wird Israel gewarnt, dass es aus dem Lande vertrieben und verworfen werden wird, wenn es sich noch mehr von Gott abwendet, um Satan zu dienen, 1.Könige 9:6-7. Salomo selbst lässt sich durch kanaanitische Frauen zum Götzendienst verführen. Dann folgt die traurige Geschichte der zahlreichen späteren Könige, die Aufteilung in 10 und 2 Stämme und der Abstieg in den Götzendienst.

Immer wieder lesen wir von den Versuchen Satans, das Kommen des verheißenen Samens zu verhindern, der ihm den Kopf zermalmen sollte, so zum Beispiel:

·         Die Heirat von Joram und Athalia und die Vertilgung aller seiner Brüder, 2.Chronik 21:4.

·         Die Ermordung der Söhne Jorams mit Ausnahme des jüngsten, 2.Chronik 22:1.

·          Die Ausrottung des gesamten königlichen Geschlechtes durch Athalia, 2.Chronik 22:10, mit Ausnahme von Joas, der während zehn Jahren im Hause Gottes verborgen bleibt.

Man sieht also, dass es ein Wunder ist, dass der Same der Frau nicht vernichtet wurde. Auch während dieser Zeiten ist noch stets die Stimme zu hören, die zur Bekehrung auffordert, 2.Könige 17:13. Schließlich folgt das Urteil, auf das später noch so manches Mal Bezug genommen werden soll:

Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volke: Hörend höret, und verstehet nicht, und sehend sehet, und erkennet nicht! Mache das Herz dieses Volkes fett, und mache seine Ohren schwer, und verklebe seine Augen: damit es mit seinen Augen nicht sehe und mit seinen Ohren nicht höre und sein Herz nicht verstehe, und es nicht umkehre und geheilt werde. Jesaja 6:9,19

Die 10 Stämme werden nach Assyrien weggeführt, danach die zwei Stämme nach Babel. Jerusalem und der Tempel werden verwüstet. Nun scheint das Königreich wieder weit entfernt zu sein: “Hinweg mit dem Kopfbund und fort mit der Krone!... Umgestürzt, umgestürzt, umgestürzt will ich sie machen”. Doch ist dies nur ein zeitliches Urteil: “Auch dies wird nicht mehr sein bis der kommt, welchem das Recht gehört: dem werde ich's geben”, Hesekiel 21:31,32. Hier finden wir wieder eine bedingungslose Verheißung: Der wahre Same wird das Königreich aufrichten, die Weltvölker richten und die Erde wiederherstellen. Doch bevor diese Zeit anbricht, ist Israel “Lo-Ammi” das heißt “Nicht-mein-Volk”, Hosea 1:9.

Mit Esra und Nehemia beginnt eine neue Hoffnung: Die Stadt und der Tempel werden wieder aufgebaut. Doch wir lesen dann auch unmittelbar von einer Reaktion Satans, Esra 4, Esra 9; Nehemia 4:7; 13:24. Serubabel und Josua werden nicht König sein, das Volk wird auf den warten müssen, dessen Name “Spross” ist:

Ja, er wird den Tempel des Herrn bauen, und er wird Herrlichkeit tragen, und er wird auf seinem Throne sitzen und herrschen, und er wird Priester sein auf seinem Throne. Und der Rat des Friedens wird zwischen ihnen beiden sein. Sacharja 6:13

Der Spross wird des öfteren erwähnt und unter vier Aspekten vorgestellt, die mit denen übereinstimmen, die die vier Evangelien kennzeichnen:


Matthäus: Der König

Ich werde dem David einen gerechten Spross erwecken, und er wird als König regieren. Jeremia 23:5-6.

Siehe, dein König! Sacharja 9:9.

Markus: Der Diener

Ich will meinen Knecht, Spross genannt, kommen lassen. Sacharja 3:8

Siehe, mein Knecht! Jesaja 42:1

Lukas: Der Mensch

Siehe, ein Mann, sein Name ist Spross! Sacharja 6:12

Johannes: Gott

Der Spross des Herrn. Jesaja 4:2

Siehe da, euer Gott! Jesaja 40:9


 

7. Das Zeugnis der Propheten

 

Ein eingehendes Studium der Prophetien über Israel erfordert eine längere Zeit, wenn man alle Stellen berücksichtigen will, die zu diesem Thema wesentliche Aussagen machen. S.Van Mierlo hat im Originalwerk diese Stellen nicht zitiert, sondern nur angegeben, der Leser sollte sie dann selber nachschlagen. Ihm war somit zwar schon sehr geholfen, weil er nicht mehr die ganzen Prophetenbücher durchlesen musste, doch war es immerhin noch sehr mühsam, die vielen Stellen aufzusuchen. Wir haben nun die meisten Stellen zitiert, um es dem Leser so leicht wie möglich zu machen, die Weissagungen und anderen wichtigen Aussagen über die Zukunft Israels nachzulesen. Dabei wird er einerseits feststellen, dass auch im Alten Testament die Heilstat Jesu Christi immer deutlicher hervortritt:

Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe ...: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften. 1.Korinther 15:1-4

Und Jesus sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und im Herzen zu träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen? Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf. Lukas 24:25-26.

Andererseits kommt Licht in die jetzige weltpolitische Lage, und die Stellung Israels in dieser Zeit wird besser ersichtlich. Die sehr knappen Bemerkungen ermöglichen es dem Leser, das prophetische Wort Gottes so unmittelbar wie möglich, ohne menschliche Umdeutungen, zur Kenntnis zu nehmen und durch eigene Forschung tiefer in die Heilsgeschichte einzu dringen. Es gibt also einen sehr wichtigen Grund, warum man sich die Mühe machen sollte, die Bibelstellen selber zu lesen, auch wenn dies teilweise trocken erscheinen mag: Es gibt eine Fülle von verschiedenen Auslegungen bezüglich der Stellung Israels im Heilsplan Gottes, die alle mehr oder weniger einleuchtend erscheinen. Viele Auslegungen widersprechen sich jedoch gegenseitig und betonen oftmals aus dem Zusammenhang gerissene Schriftstellen. Liest man dann eine andere Auslegung, so gerät man wieder ins Wanken. Hier gibt es nur eine Abhilfe: Gottes Wort muss in vollem Umfang betrachtet werden. Es mögen dann zwar Wiederholungen auftreten, aber das ist nur ein Vorteil, denn es bedeutet, dass wir dadurch gefestigt werden:

Übrigens, meine Brüder ... euch dasselbe zu schreiben, ist mir nicht verdrießlich, für euch aber bedeutet es, dass ihr fest werdet. Philipper 3:1

Wir stehen dann auf einer festen Grundlage, die nicht erschüttert werden kann und von der aus wir weiterforschen können.

Bevor wir der Frage nachgehen, wie Gott seinen Plan zur Ausführung bringt, erscheint es uns nötig zu zeigen, welchen Nachdruck die Propheten auf die Wiederherstellung Israels legen.

Das Volk war “Lo-Ammi” (= “Nicht-Mein-Volk”), doch soll es nicht immer so bleiben, Hosea 1:9; 2:25. Es ist von ausschlaggebender Bedeutung, einzusehen, dass Israel in der Zukunft wieder in sein Land zurückkehren, eine nationale Wiederherstellung erfahren und - von Gott wieder angenommen - seinen Missionsauftrag ausführen wird. Wenn man dies aus dem Auge verliert, kann man Gottes Wort nicht verstehen. Man läuft dann Gefahr, allerlei Dinge zu vergeistlichen, sie verkehrt zu verstehen und falsch anzuwenden. So kann es dann leicht geschehen, dass man Gottes Willen nicht erkennt und deswegen ihm zuwiderhandelt. Wir glauben, dass hier der Hauptfehler mancher Kirchen und Sekten liegt. Wir wollen nun einen Überblick über das Zeugnis der Propheten geben:

Der Prophet Jesaja (circa 740-680 vor Christus)

Jerusalem als Welthauptstadt

Am Ende der Tage, das heißt beim Anbruch des Messianischen Reiches werden die Völker nach Jerusalem “strömen” und dort von dem HERRN belehrt werden. Erst dann wird es Frieden auf Erden geben:

Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Des HERRN feststehen über dem Gipfel der Berge und erhaben sein über die Hügel, und alle Nationen werden zu ihm strömen.      
Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berge Des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort Des HERRN von Jerusalem.    
Und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden, und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Jesaja 2:2-4

Der Messias regiert in Herrlichkeit auf Zion

Der Sohn Gottes, Spross genannt, wird im Messianischen Reich auf dem Thron seines Vaters David sitzen und das Volk Israel von seinem Unflat reingewaschen haben. Er wird seinem Volk dann zur Zierde und zur Herrlichkeit sein. Gericht und Rettung des Überrestes von Israel:

An jenem Tage wird der Spross Des HERRN (vergleiche Sacharja 3:8; 6:12) zur Zierde und zur Herrlichkeit sein, und die Frucht der Erde zum Stolz und zum Schmuck für die Entronnenen Israels. Und es wird geschehen, wer in Zion übriggeblieben und wer in Jerusalem übriggelassen ist, wird heilig heißen, ein jeder, der zum Leben eingeschrieben ist in Jerusalem: Wenn der HERR den Unflat der Töchter Zions abgewaschen und die Blutschulden Jerusalems aus dessen Mitte hinweggefegt haben wird durch den Geist des Gerichts und durch den Geist des Vertilgens. 
Und der HERR wird über jede Wohnstätte des Berges Zion und über seine Versammlungen eine Wolke und einen Rauch schaffen bei Tage und den Glanz eines flammenden Feuers bei Nacht. Denn über der ganzen Herrlichkeit wird eine Decke sein. Und eine Hütte wird sein zum Schatten bei Tage vor der Hitze. und zur Zuflucht und zur Bergung vor Sturm und Regen. Jesaja 4:2-6

Jesaja 5:1-7  Israel ist der Weinberg des Herrn, wird von Gott gepflegt, bringt aber trotzdem schlechte Früchte hervor - Verwüstung. Siehe Psalm 80:9-20; Jeremia2:21; 8:13; Hesekiel 19:10-14.

Vorhersage der zeitweisen Verwerfung Israels

Diese traf nach der Apostelgeschichte ein, Apostelgeschichte 28:26-28, weil das Volk den Messias nicht annahm. Der “heilige Same” ist Jesus Christus, das Wort Gottes, und alle messiasgläubigen Juden, die aus diesem unvergänglichen Samen wiedergeboren - oder besser: wiedergezeugt - sind, 1.Petrus 1:3,23; Galater 3:16:

Und ich hörte die Stimme des Herrn, welcher sprach: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich. Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volke: Hörend höret, und verstehet nicht, und sehend sehet, und erkennet nicht! Mache das Herz dieses Volkes fett, und mache seine Ohren schwer, und verklebe seine Augen: damit es mit seinen Augen nicht sehe und mit seinen Ohren nicht höre und sein Herz nicht verstehe. und es nicht umkehre und geheilt werde. 
Und ich sprach: Wie lange, Herr? Und er sprach: Bis die Städte verwüstet sind, ohne Bewohner, und die Häuser ohne Menschen, und das Land zur öde verwüstet ist, und der HERR die Menschen weit entfernt hat und der verlassenen Orte viele sind inmitten des Landes. Und ist noch ein Zehntel darin, so wird es wiederum vertilgt werden, gleich der Terebinthe und gleich der Eiche, von welchen, wenn sie gefällt sind, ein Wurzelstock bleibt; ein heiliger Same ist sein Wurzelstock. Jesaja 6:8-13

Jesaja 8:13-16  der HERR wird den beiden Häusern Israel zum Stein des Anstoßes werden - vergleiche Matthäus 21:44; Römer 9:32-33; 1.Petrus 2:6-8.

Die Geburt des Messias vorhergesagt

Ein großes Licht in der Finsternis, vergleiche Matthäus 4:14-16 - und die Verheißung der HERRschaft des Christus im Messianischen Königreich:

Doch nicht bleibt Finsternis dem Lande, welches Bedrängnis hat. Um die erste Zeit hat er das Land Sebulon und das Land Naphta1i verächtlich gemacht, und in der letzten bringt er zu Ehren den Weg am Meere, das Jenseitige des Jordan, den Kreis der Nationen. Das Volk, das im Finstern wandelt, hat ein großes Licht gesehen, die da wohnen im Lande der tiefsten Finsternis (Buber: Todesschatten). Licht hat über sie geleuchtet ... Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Berater, starker Gott, Vater der Ewigkeit. Friede fürst.     
Die Mehrung der HERRschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in den Äon. Der Eifer Des HERRN der Heerscharen wird dieses tun. Jesaja 9:1,2,6-7; siehe Lukas 1:31-33.

Nur ein Überrest wird umkehren

Nach der Zerstreuung des Volkes Israel wird nur ein Überrest sich bekehren, überleben und an jenem Tage, dem “Tag Des HERRN”, ins Land zurückkehren:

Und es wird geschehen an jenem Tage, da wird der Überrest Israels und das Entronnene des Hauses Jakob sich nicht mehr stützen auf den, der es schlägt; sondern es wird sich stützen auf den HERRN, den Heiligen Israels in Wahrheit.   
Der Überrest wird umkehren, der Überrest Jakobs zu dem starken Gott. Denn wenn auch dein Volk, Israel, wie der Sand des Meeres wäre, nur ein Überrest davon wird umkehren. Vertilgung ist festbeschlossen, sie bringt einherflutend Gerechtigkeit. Jesaja 10:20-22

Der Messias: unscheinbar und stark

Der Messias wird ein Nachkomme Isais, des Vaters Davids, sein. Der Geist Gottes wird auf ihm ruhen, vergleiche das Herniederkommen heiligen Geistes auf Jesus nach der Taufe im Jordan, Matthäus 3:16. Durch diesen Geist konnte er Demütigen Recht sprechen, vergleiche Lukas 19:8-10 - nicht “nach dem Sehen seiner Augen”. An dieser Stelle wird die Verwerfung Jesu durch Israel nicht erwähnt. Es folgt sogleich die Beschreibung seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit, bei der er auch seine Feinde mit der “Rute seines Mundes”, dem Schwert, das aus seinem Munde hervorgeht, schlagen wird, Offenbarung 19:15; 2.Thessalonicher 2:8:

Und ein Reis wird hervorgehen aus dem Stumpfe Isais, und ein Schößling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Und auf ihm wird ruhen der Geist Des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht Des HERRN. Und sein Wohlgefallen wird sein an der Furcht Des HERRN. Und er wird nicht richten nach dem Sehen seiner Augen, und nicht Recht sprechen nach dem Hören seiner Ohren, und er wird Geringe richten in Gerechtigkeit, und Demütigen des Landes Recht sprechen in Geradheit.       
Und er wird die Erde schlagen mit der Rute seines Mundes, und mit dem Hauche seiner Lippen den Gesetzlosen töten. Und Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein, und die Treue der Gurt seiner Hüften. Jesaja 11:1-5

Weltweite Sammlung der Juden

Rückkehr Israels, “zum zweiten Mal” - nicht aus der babylonisehen Gefangenschaft, sondern “von den vier Enden der Erde”!

Und es wird geschehen an jenem Tage: Der Wurzelspross Isais, welcher dasteht als Panier der Völker, nach ihm werden die Nationen fragen, und seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein.
Und es wird geschehen an jenem Tage, da wird der HERR noch zum zweiten Male seine Hand ausstrecken, um den Überrest seines Volkes, der übrigbleiben wird, loszukaufen aus Assyrien und aus Pathros und aus Äthiopien und aus Elam und aus Sinear und aus Hamath und aus den Inseln des Meeres. Und er wird den Nationen ein Panier erheben und die Vertriebenen Israels zusammenbringen, und die Zerstreuten Judas wird er sammeln von den vier Enden der Erde. Jesaja 11:10-12

Israels Weltherrschaft

Israel wird von Gott wiederhergestellt werden. Das Königreich des Messias auf Erden betrifft hauptsächlich das wiedervereinte Israel:

Denn der HERR wird sich Jakobs erbarmen und Israel noch erwählen, und wird sie in ihr Land einsetzen. Und der Fremdling wird sich ihnen anschließen, und sie werden sich dem Hause Jakobs zugesellen. Und die Völker werden sie nehmen und sie an ihren Ort bringen, und das Haus Israel wird sich dieselben zu Knechten und zu Mägden zueignen im Lande Des HERRN. Und sie werden gefangen wegführen, die sie gefangen wegführten, und werden herrschen über ihre Bedrücker. Jesaja 14:1-2; siehe Deuteronomium 30:3-6; Jesaja 11:11-12; 60:1-22.

Der Schleier, der alle Völker bedeckt

Bei der Aufrichtung des Messianischen Reiches wird der HERR auch für die Nationen den Schleier vernichten, der über alle Nationen gedeckt ist. Der Messias ist es, der den Tod in Sieg verschlingt, nämlich durch seine Auferstehung - vergleiche 1.Korinther 15:54 ; 2 Korinther 3:13-16:

Und er wird auf diesem Berge den Schleier vernichten, der alle Völker verschleiert, und die Decke, die über alle Nationen gedeckt ist. Den Tod verschlingt er in Sieg: Und der HERR, HERR, wird die Tränen abwischen von jedem Angesicht, und die Schmach seines Volkes wird er hinwegtun von der ganzen Erde: Denn der HERR hat geredet. Jesaja 25:7,8

Die Auferstehung der Gerechten

Deine Toten werden aufleben, meine Leichen wieder erstehen. Wachet auf und jubelt, die ihr im Staube lieget! Denn ein Tau des Lichtes ist dein Tau, und die Erde wird die Schatten auswerfen. Jesaja 26:19

Der kostbare Eckstein in Zion

Der Messias ist ein bewährter Grundstei, darum werden die Gläubigen nicht beschämt werden und nicht vor dem Urteil fliehen müssen. Vergleiche: Römer 9:33; 10:11; 1.Petrus 2:6; Matthäus 7:24 ff:

Darum, so spricht der HERR, HERR: Siehe, ich gründe einen Stein in Zion, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, aufs festeste gegründet. Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen. Und ich werde das Recht zur Richtschnur machen, und die Gerechtigkeit zum Senkblei. Und der Hagel wird hinwegraffen die Zuflucht der Lüge, und die Wasser werden den Bergungsort wegschwemmen. Jesaja 28:16-17; vergleiche Matthäus 7:24ff, “das Haus auf Sand und das Haus auf dem Felsen”!

Menschliche Religiosität zunichte gemacht

Eine Beschreibung Israels, die auch für die Zeit der Evangelien zutrifft: Es ist Gott ein Greuel, wenn Menschengebote über das Wort Gottes gestellt werden. So werden zwar die religiösen Bedürfnisse der Menschen befriedigt, doch das Herz bleibt fern von Gott:

Und der HERR hat gesprochen: Weil dieses Volk mit seinem Munde sich naht und mit seinen Lippen mich ehrt, und sein Herz fern von mir hält, und ihre Furcht vor mir angelerntes Menschengebot ist: Darum, siehe, will ich fortan wunderbar mit diesem Volke handeln, wunderbar und wundersam, und die Weisheit seiner Weisen wird zunichte werden, und der Verstand seiner Verständigen sich verbergen. Jesaja 29:13-14, vergleiche Matthäus 15:7-9; Markus 7:6.

Wunderheilungen und Geistausgießung

Messianische Segnungen, die bereits während der Evangelien- und Apostelgeschichtezeit als “Vorschatten wirksam waren, vergleiche Matthäus 11:4-5. Diese Heilungen waren zugleich symbolisch für Israel, das zum Beispiel auch geistig blind war und dem durch den Messias die Augen geöffnet werden sollten:

Und an jenem Tage werden die Tauben die Worte des Buches hören, und aus Dunkel und Finsternis hervor werden die Augen der Blinden sehen. Und die Sanftmütigen werden ihre Freude in dem HERRN mehren, und die Armen unter den Menschen werden frohlocken in dem Heiligen Israels. Jesaja 29:18-19

Der Messias wird mit seinen Fürsten in Gerechtigkeit regieren, vergleiche Matthäus 19:28; Lukas 22:30:

Siehe, ein König wird regieren in Gerechtigkeit, und die Fürsten, sie werden nach Recht herrschen. Und ein Mann wird wie ein Bergungsort sein vor dem Winde und ein Schutz vor dem Regensturm, wie Wasserbäche in dürrer Gegend, wie der Schatten eines gewaltigen Felsens in lechzendem Lande. Und die Augen der Sehenden werden nicht mehr verklebt sein, und die Ohren der Hörenden werden aufmerken, und das Herz der Unbesonnenen wird Erkenntnis erlangen, und die Zunge der Stammelnden wird fertig und deutlich reden. Jesaja 32:1-4

Ausgießung der Kraft aus der Höhe, der Gabe des Heiligen Geistes, über Israel; die Nationen werden hier nicht erwähnt:

... bis der Geist über uns ausgegossen wird aus der Höhe, und die Wüste zum Fruchtgefilde wird, und das Fruchtgefilde dem Walde gleichgeachtet wird. Und das Recht wird sich niederlassen in der Wüste, und die Gerechtigkeit auf dem Fruchtgefilde wohnen, und das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit für den Äon. Und mein Volk wird wohnen an einer Wohnstätte des Friedens und in sicheren Wohnungen und an stillen Ruhestätten. Jesaja 32:15-18; vergleiche Jesaja 44:3; 59:21; Sacharja 12:10; Joel 2:28; Hesekiel 36:25-27; 39:29; auch Lukas 24:49.

Das 35. Jesajakapitel enthält eine Vorhersage der Segnungen des Messianischen Königreiches für das wiederversammelte Israel: die Wüste wird fruchtbar werden, Vers 1-2, die Augen der Blinden werden aufgetan werden, die Ohren der Tauben geöffnet, Vers 5. der HERR Jesus verwies die Jünger von Johannes dem Täufer auf die Wunder, die er tat, denn aus der Schrift musste Johannes erkennen, dass diese ein Zeichen dafür waren, dass der Messias gekommen war, dass das Königreich bald aufgerichtet werden sollte und alles, was die Propheten geredet hatten, im Begriff stand, erfüllt zu werden, Matthäus 11:1-6:

Die Wüste und das dürre Land werden sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und aufblühen wie eine Narzisse. Sie wird in voller Blüte stehen und frohlocken, ja, frohlockend und jubelnd; die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht des Karmel und Sarons: sehen werden sie die Herrlichkeit Des HERRN, die Pracht unseres Gottes. 
Stärket die schlaffen Hände, und befestiget die wankenden Knie! Saget zu denen, welche zaghaften Herzens sind: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, euer Gott kommt, Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und aufjauchzen wird die Zunge des Stummen. Jesaja 35:1-6

Die Rückkehr der Juden

Dieses Kapitel schließt mit der Prophezeiung der Rückführung des zerstreuten Volkes Israel in ihr Land:

Und die Befreiten Des HERRN werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel, und äonische Freude wird über ihrem Haupte sein; sie werden Wonne und Freude erlangen, und Kummer und Seufzen werden entfliehen. Jesaja 35:10

Johannes der Täufer

Die “Stimme eines Rufenden”:

Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems, und rufet ihr zu, dass ihre Mühsal vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist, dass sie von der Hand Des HERRN Zwiefältiges empfangen hat für alle ihre Sünden.
Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnet den Weg Des HERRN; ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll erhöht, und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Höckerichte soll zur Ebene werden, und das Hügelige zur Niederung! Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des HERRN hat geredet. Jesaja 40:1-5, vergleiche Matthäus 3:3.

Der Gute Hirte

Die Wiederkunft des Messias in Herrlichkeit:

Auf einen hohen Berg steige hinauf, Zion, du Verkündigerin froher Botschaft; erhebe mit Macht deine Stimme, Jerusalem, du Verkündi­gerin froher Botschaft! Erhebe sie, fürchte dich nicht; sprich zu den Städten Judas: Siehe da, euer Gott! Siehe, der HERR, HERR, kommt mit Kraft, und sein Arm übt Herrschaft für ihn; siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung geht vor ihm her. Er wird seine Herde weiden wie ein Hirt, die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen, und in seinem Busen tragen, die Säugenden wird er sanft leiten. Jesaja 40:9-11, vergleiche Johannes 10:11 ff!

Der Knecht des Herrn

Vorhersage des ersten Kommens des Messias (= Christus) in Niedrigkeit:

Siehe, mein Knecht, den ich stütze. mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt. Er wird den Nationen das Recht kundtun. Er wird nicht schreien und nicht rufen, noch seine Stimme hören lassen auf der Straße. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen; er wird der Wahrheit gemäß das Recht kundtun. Er wird nicht ermatten noch niedersinken, bis er das Recht auf Erden gegründet hat, und die Inseln werden auf seine Lehre harren. Jesaja 42:1-4, vergleiche Matthäus 12:17-21. Das Königreich ist auf Erden - Psalm 2:8; Jesaja 11:9; Jeremia23:5; Sacharja 14:9.

Der Befreier

Christus, der Knecht des Herrn, ist von Gott zum Bunde des Volkes Israel gebeben worden und zum Licht der Nationen:

Ich, der HERR, ich habe dich gerufen in Gerechtigkeit und ergriff dich bei der Hand, und ich werde dich behüten und dich geben zum Bunde des Volkes, zum Licht der Nationen: um blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen, und aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen. Jesaja 42:6-7, vergleiche Lukas 2:32.

Ausgießung heiligen Geistes

Diese hat mit Pfingsten bereits ihren Anfang genommen, Apostelgeschichte 2:1-18, wird aber erst im Messianischen Königreich in ihrer ganzen Fülle stattfinden:

Denn ich werde Wasser gießen auf das Durstige, und Bäche auf das Trockene; ich werde meinen Geist ausgießen auf deinen Samen, und meinen Segen auf deine Sprösslinge. Und sie werden aufsprossen zwischen dem Grase wie Weiden an Wasserbächen. (Wie an vielen anderen Stellen steht hier “Geist” für die Gabe und nicht für den Geber, also den Heiligen Geist. Siehe Jesaja 32:15 und die dort genannten Stellen.) Jesaja 44:3-4

Jesus ist der HERR, der König Israels

Er ist der Erste und der Letzte und der Erlöser (oder Löser, hebräisch go'el) Israels. Es gibt keinen Gott außer ihm:

So spricht der HERR, der König Israels und sein Erlöser (hebräisch go’el), der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott. Jesaja 44:6, vergleiche hierzu Offenbarung1:17,18!

Das gleiche sagt die Heilige Schrift aber von Christus:

1.    Christus ist der König Israels, Lukas 1:33; Matthäus 25:31-34.

2.    Er ist der Erste und der Letzte, Offenbarung 1:17,18.

3.    Er ist der Erlöser (griechisch sotär) Israels, Jesaja 59:20; Lukas 2:11; Matthäus 1:21; Apostelgeschichte 5:31; 13:23.

4.    Christus, der Sohn Gottes, ist der wahrhaftige Gott, 1.Johannes 5:20; Johannes 20:28.29.

Hieraus ist zu ersehen, dass Christus, der Sohn Gottes, mit und in dem Vater der alleinige Gott ist. Er ist König und Erlöser Israels.

Nur in dem HERRN kann der Mensch gerechtfertigt werden - wieder ein Beleg, dass Christus der HERR ist:

In dem HERRN wird gerechtfertigt werden und sich rühmen aller Same Israels. Jesaja 45:25, vergleiche Römer 3:22.26; 5:1; Galater 2:17; 2.Korinther 5:21; Philipper 3:8-9.

Weltweite Rettung durch den Messias

Prophezeiung auf das erste Kommen des Messias und die Aufgabe bei seiner Wiederkunft, das Licht der Weltvölker zu sein. Segnung der Nationen im Zusammenhang mit der Wiederherstellung Israels und der Erlösung der ganzen Erde:

Ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seiest, um die Stämme Jakobs aufzurichten, und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis ans Ende der Erde. Jesaja 49:6, zitiert in Lukas 2:32 und Apostelgeschichte 13:47.

Darüberhinaus weist diese Prophezeiung auf das zweite Kommen Christi hin. Die Segnung der Nationen hängt von der zukünftigen Wiederherstellung Israel’s ab.

Der Verachtete wird zum Allerhöchsten

von jedermann Verachtete wird über alle Fürsten und Völker erhoben werden. Gott wird den einst erniedrigten Messias zum (Neuen) Bund des Volkes Israel geben:

So spricht der HERR, der Erlöser (hebräisch go’e1) Israels, sein Heiliger, zu dem von jedermann Verachteten, zu dem Abscheu der Nationen, zu dem Knechte der HERRscher: Könige werden es sehen und aufstehen, Fürsten, und sie werden sich niederwerfen, um Des HERRN Willen, der treu ist, des Heiligen Israels, der dich erwählt hat. So spricht der HERR: Zur Zeit der Annehmung habe ich dich erhört, und am Tage der Errettung habe ich dir geholfen. Und ich werde dich behüten und dich geben zum Bunde des Volkes, um das Land aufzurichten, um die verwüsteten Erbteile auszuteilen, um den Gefangenen zu sagen: Gehet hinaus! zu denen, die in der Finsternis sind: Kommet ans Licht! Sie werden an den Wegen weiden, und auf allen kahlen Höhen wird ihre Weide sein. Jesaja 49:7-9

Die “Zeit der Annehmung” ist auch die von 2.Korinther 6:2. Es ist die Zeit des Neuen Bundes und der Erquickung.

Die Braut wird wiederhergestellt

Vorhersage über die Wiederversammlung des Volkes Israel. Das Land wird wieder fruchtbar und aufgebaut werden. Israel als die Braut Des HERRN:

Deine Kinder eilen herbei, deine Zerstörer und deine Verwüster ziehen aus dir hinweg. Erhebe ringsum deine Augen und sieh: sie alle versammeln sich, kommen zu dir. (So wahr) ich lebe, spricht der HERR, du wirst sie alle wie ein Geschmeide anlegen und dich damit gürten wie eine Braut. Denn deine Trümmer und deine Wüsten und dein zerstörtes Land - ja, nun wirst du zu eng werden für die Bewohner, und deine Verschlinger werden fern sein. Jesaja 49:17-19

Gott wird Israel, nachdem es für eine lange Zeit eine Wüste war, wieder fruchtbar wie Eden machen; es wird Freude und Wonne im Lande geben. Nachdem Israel wieder als Volk Gottes angenommen sein wird, werden auch die Nationen gesegnet werden:

Denn der HERR tröstet Zion, tröstet alle seine Trümmer, und er macht ihre Wüste gleich Eden, und ihre Steppe gleich dem Garten Des HERRN. Wonne und Freude werden darin gefunden werden, Danklied und Stimme des Gesanges. Merket auf mich, mein Volk, und meine Nation, horchet auf mich! denn ein Gesetz wird von mir ausgehen, und mein Recht werde ich aufstellen zum Lichte der Völker. Nahe ist meine Gerechtigkeit, meine Rettung ist ausgezogen, und meine Arme werden die Völker richten. Auf mich werden die Inseln hoffen, und sie werden harren auf meinen Arm. Jesaja 51:3-5

Das über alle Nationen zerstreute Volk Israel wird in das verheißene Land zurückkehren:

Und die Befreiten (eigentlich: die Losgekauften) Des HERRN werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel, und äonische Freude wird über ihrem Haupte sein; sie werden Wonne und Freude erlangen, Kummer und Seufzen werden entfliehen. Jesaja 51:11

Das erste Kommen des Messias, des Knechtes des HERRN

Das erste Kommen des Messias in Niedrigkeit war unbedingt erforderlich, um die Ungerechtigkeit Israels - und auch die der ganzen Welt - zu tragen und zu sühnen. Die Kinder Israel aber glaubten leider nicht alles, was die Propheten geredet hatten:

Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm Des HERRN offenbar geworden? Jesaja 53:1

So verwarfen sie ihren Messias, weil er in erniedrigter Gestalt kam und nicht, wie sie es erwarteten, als König in Macht und Herrlichkeit. Dies ist eine der Stellen, die zeigen, dass die Verwerfung des Christus in der Heiligen Schrift vorausgesehen und vorausgesagt wird - vergleiche Lukas 24:26.27; 1.Petrus 1:11!

13  Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln; er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein.   
Jesaja 37:25; Philipper 2:7-11.

14  Gleich wie sich viele über dich entsetzt haben - so entstellt war sein Aussehen, mehr als irgendeines Mannes, und seine Gestalt, mehr als der Menschenkinder. Matthäus 26:67; 27:27-28.

15  Ebenso wird er viele Nationen in Staunen setzen, über ihn werden Könige ihren Mund verschließen. Denn sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden war, und was sie nicht gehört hatten, werden sie wahrnehmen.

53:1  Wer hat unserer Verkündigung geglaubt und wem ist der Arm Des HERRN offenbar geworden?     
Johannes 12:38; Römer 10:16.

2  Und er ist wie ein Reis vor ihm aufgeschossen, und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, dass wir seiner begehrt hätten.      
Jesaja 11:3; Lukas 2:7, 39-40, 51-52; Markus 6:3-4; 9:12; Lukas 17:20-21;Johannes 19:5.

3  Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn für nichts gehalten.  
Psalm 22:6-8; Matthäus 27:39-44; Markus 9:12; 15:19-20; Lukas 9:22.

4  Fürwahr, er hat unsere Leiden (oder: Krankheit) getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.   
Matthäus 8:17; Galater 3:13; Hebräer 9:28; 1.Petrus 2:24; 3:18; 1.Korinther 15:3; 1.Johannes 2:2.

5  Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.   
Matthäus 20:28; 1.Petrus 3:18; 2:21-24.

6  Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns ein jeder auf seinen Weg, und der HERR hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit.       
1.Petrus 2:25; Römer 4:25; 2.Korinther 5:21.

7  Er wurde misshandelt, aber er beugte sich, und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamme, welches zur Schlachtung weggeführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern, und er tat seinen Mund nicht auf.     
Matthäus 26:63; 27:12-14; Markus 14:61; 15:5; Lukas 23:9; Johannes 19:9; 1.Petrus 2:23; Apostelgeschichte 8:32.

8  Er ist hinweggenommen worden aus der Bedrückung (oder Drangsal, hebräisch: ^osär) und aus dem Gericht. Und wer wird sein Geschlecht aussprechen? Denn er wurde abgeschnitten aus dem Lande der Lebendigen: Wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen.  
Psalm 22:12-21; Matthäus 26:65-66; Johannes 19:7; Johannes 11:49-52; Daniel 9:26; 1.Petrus 3:18; 1.Korinther 15:3.

9  Und man hat sein Grab bei Gesetzlosen bestimmt; aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tode, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Munde gewesen ist.      
2.Korinther 5:21; Hebräer 4:15; 7:26; 1.Petrus 2:22; 1.Johannes 3:5.

10  Doch der HERR gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird, so wird er Samen sehen. Er wird seine Tage verlängern, und das Wohlgefallen Des HERRN wird in seiner Hand gedeihen.     
Matthäus 20:28; Römer 8:32; Galater 3:13; Daniel 9:24; 2.Korinther 5:21; Epheser 5:2; Hebräer 7:27; 9:14.25-26; 10:6-12; 13:10-12; 1.Petrus 2:24; Psalm 22:30; Johannes 12:24; Hebräer 2:13; Daniel 7:13-14; Lukas 1:33; Apostelgeschichte 2:24-28; Römer 6:9;Offenbarung12:8.

11  Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird mein gerechter Knecht die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, und ihre Missetaten wird er auf sich laden. 
Johannes 12:24; 16:21-22; Hebräer 12:2; Offenbarung5:19-20; 7:9-17; Johannes 1:29; Jesaja 45:25; Römer 3:22-24; 4:24-25; 5:1.9.18,19; 1.Korinther 6:11; Matthäus 20:28; Hebräer 9:28; 1.Petrus 2:24; 3:18.

12  Darum werde ich ihm die Großen zuteil geben, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist (Niphal:”... und sich den Übertretern hat beizählen lassen.”) Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan.     
Lukas 23:32-34;.Timotheus 2:5-6; Titus 2:14; Hebräer 9:26-28;Lukas 23:34;Röm 8:34; Hebräer 7:25; 9:24; 1.Johannes 2:1,12.

Wir empfehlen dem Leser, auch den 22. Psalm zu lesen, in dem ebenfalls die Leiden Jesu vorhergesagt werden.

Die verworfene Ehefrau

Das 54.Kapitel handelt von der in der Zukunft liegenden Erlösung (in der Endzeit) und Wiederversammlung Israels, Vers 7, durch den HERRN, der selbst der Erlöser (hebräisch: go’el) dieses verschuldeten, aber dennoch auserwählten Volkes ist: der HERR wird hier als der Ehemann Israels, Vers 5, und Israel als die “betrübte” Ehefrau bezeichnet, Vers 6. In diesem Sinne wird Israel mit einer Ehefrau verglichen, die für eine verhältnismäßig kurze Zeit verworfen wurde, aber nachher mit großer Liebe von ihrem Ehemann aufgenommen wird:

Fürchte dich nicht, denn du wirst nicht beschämt werden, und schäme dich nicht, denn du wirst nicht zu Schanden werden; sondern du wirst der Schmach deiner Jugend vergessen und der Schande deiner Witwenschaft nicht mehr gedenken. Denn der dich gemacht hat, ist dein Mann, - der HERR der Heerscharen ist sein Name - und der Heilige Israels ist dein Erlöser (hebräisch go'el): Er wird der Gott der ganzen Erde genannt werden.  
Denn wie ein verlassenes und im Geiste betrübtes Weib ruft dich der HERR, und wie ein Weib der Jugend, wenn sie verstoßen ist, spricht dein Gott. 
Einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen, aber mit grossem Erbarmen will ich dich sammeln. Im Zorneserguss habe ich einen Augenblick mein Angesicht vor dir verborgen, aber mit äonischer Güte werde ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser (hebräisch: go’e1). Jesaja 54:4-8

Die Quelle des Lebens

He! ihr Durstigen alle, kommet zu den Wassern, und die ihr kein Geld habt, kommet, kaufet ein und esset! Ja, kommet, kaufet ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch! Warum wägt ihr Geld dar für das, was nicht Brot ist, und euren Erwerb für das, was nicht sättigt? Höret doch auf mich und esset das Gute, und eure Seele labe sich an Fettem! Jesaja 55:1-2, vergleiche Johannes 4:14; 6:27; 7:37-39. Siehe auch Offenbarung22:17.

Das “Neue Testament”

Verheißung des Neuen Bundes für Israel, der im zukünftigen Aon wirksam sein wird:

Neigt euer Ohr und kommt zu mir; hört, und eure Seele wird leben. Und ich will einen äonischen Bund mit euch schließen: die gewissen Gnaden Davids. (Siehe den Bund mit David in 2.Samuel 7:8-16, - zitiert in Apostelgeschichte 13:34 zur Zeit der Erfüllung.)       
Siehe, ich habe ihn zu einem Zeugen für Völkerschaften gesetzt, zum Fürsten und Gebieter von Völkerschaften.       
Siehe, du wirst eine Nation herbeirufen, die du nicht kanntest, und eine Nation, die dich nicht kannte, wird dir zulaufen, um Des HERRN willen, deines Gottes, und wegen des Heiligen Israels; denn er hat dich herrlich gemacht. Jesaja 55:3-5

Der Erlöser und der Heilige Geist

Jesaja 59:19-21  Ein Erlöser, hebräisch go’el, nämlich der Messias, wird für die Bekehrten Israels kommen. Dann wird der HERR den Neuen Bund mit seinem auserwählten Volk schließen, indem er seinen Geist in sie geben wird:

Und sie werden den Namen Des HERRN fürchten vom Niedergang an, und vom Sonnenaufgang seine Herrlichkeit. Wenn der Bedränger kommen wird wie ein Strom, so wird der Hauch (“Geist”, hebräisch ruach) ihn in die Flucht schlagen. Und ein Erlöser (hebräisch go’e1) wird kommen für Zion und für die, welche in Jakob von der Übertretung umkehren, spricht der HERR. Und ich - dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der HERR: meinen Geist, der auf dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, werden nicht aus deinem Munde weichen, noch aus dem Munde deiner Nachkommen, noch aus dem Munde der Nachkommen deiner Nachkommen, spricht der HERR, von nun an bis fortwährend in den Äon. Jesaja 59:19-21

Das Licht Israels ist stärker als die Finsternis der Nationen

Prophetische Schilderung des Anbruchs des Messianischen Königreiches, endgültige Versammlung Israels aus den Nationen in das gelobte Land:

Stehe auf, leuchte! denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichtkeit Des HERRN ist über dir aufgegangen. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften, aber über dir strahlt der HERR auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.      
Und Nationen wandeln zu deinem Licht hin, und Könige zu dem Glanz deines Aufgangs. Erhebe ringsum deine Augen und sieh! Sie alle versammeln sich, kommen zu dir: deine Söhne kommen von ferne und deine Töchter werden auf den Armen herbeigetragen. Jesaja 60:1-4

Die Gerechten werden das Land besitzen

Das einst verlassene Israel wird nur aus Gerechten bestehen, die in dem zukünftigen Zeitalter das Land beerben werden:

Statt dass du verlassen warst und gehasst, und niemand hindurchzog, will ich dich zum äonischen Stolz machen, zur Wonne von Geschlecht zu Geschlecht. Und dein Volk, sie alle werden Gerechte sein, werden das Land besitzen für das Zeitalter, sie, ein Spross meiner Pflanzung, ein Werk meiner Hände, zu meiner Verherrlichung. Der Kleinste wird zu einem Tausend werden, und der Geringste zu einer gewaltigen Nation. Ich, der HERR werde es zu seiner Zeit eilends ausführen. Jesaja 60:15,21f

Das Jahr der Annehmung und der Tag der Rache

Vorhersage des ersten Kommens des Messias, des darauf folgenden Tages der Rache und der Wiederherstellung Israels im Messianischen Königreich:

Der Geist des Herrn, Des HERRN, ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat, um den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen, weil er mich gesandt hat, um zu verbinden die zerbrochenen Herzens sind. Freiheit auszurufen den Gefangenen, und Öffnung des Kerkers den Gebundenen. Um auszurufen das Jahr der Annehmung Des HERRN - und den Tag der Rache unseres Gottes, und zu trösten alle Trauernden. Um den Trauernden Zions aufzusetzen und ihnen zu geben Kopfschmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, damit sie genannt werden Terebinthen der Gerechtigkeit, eine Pflanzung des HERRN, zu seiner Verherrlichung. Jesaja 61:1-3

Dies wurde durch den Messias erneut ausgerufen bei der Erfüllung, als er sich seinem Volke Israel vorstellte: Lukas 4:18-19. Der Tag der Rache hätte auf die Zeit der Evangelien folgen sollen (Naherwartung), hierauf das Königreich Gottes, wenn das Volk Israel den Messias angenommen hätte.

Die Wiederherstellung Israels

Wiederaufbau beim Errichten des Messianischen Königreiches. Fremde werden Israel dienen, und die Israeliten werden Priester des HERRN heißen, vergleiche 2.Mose 19:6: “Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein”, vergleiche auch 1.Petrus 2:9. Auch in Vers 10 und 11 dieses Jesajakapitels ist die Rede von Priestern und Leviten:

Und sie werden die uralten Trümmer aufbauen, die Verwüstungen der Vorzeit aufrichten, und sie werden die verödeten Städte erneuern, das was wüst lag von Geschlecht zu Geschlecht. Und Fremdlinge werden dastehen und eure Herden weiden, und Söhne der Fremde werden eure Ackersleute und eure Weingärtner sein. Ihr aber, ihr werdet Priester des HERRN genannt werden; Diener unseres Gottes wird man euch heißen. Ihr werdet der Nationen Reichtümer genießen und in ihre Herrlichkeit eintreten. Denn ich, der HERR, liebe das Recht, ich hasse den frevelhaften Raub. Und ich werde ihnen ihre Belohnung getreulich geben und einen äonischen Bund mit ihnen schließen. Und ihr Same wird bekannt werden unter den Nationen ... Jesaja 61:4-9

Israel die Braut des HERRN

Prophetische Schilderung des Messianischen Königreiches: Israel wird zum Lichtglanz für die Nationen, eine prachtvolle Krone in der Hand Des HERRN sein. Statt der “Verlassenen” wird sie die Braut des HERRN sein und der HERR ihr Bräutigam:

Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht still sein, bis ihre Gerechtigkeit hervorbricht im Lichtglanz und ihr Heil wie eine lodernde Fackel. Und die Nationen werden deine Gerechtigkeit sehen, und alle Könige deine Herrlichkeit. Und du wirst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen der Mund des HERRN bestimmen wird. Und du wirst eine prachtvolle Krone sein in der Hand des HERRN und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes. Nicht mehr wird man dich “Verlassene” nennen, und dein Land nicht mehr “Wüste”, sondern man wird dich nennen: “Mein Wohlgefallen in dir”, und dein Land “Vermählte” ... Denn wie der Jüngling sich mit der Jungfrau vermählt, so werden deine Kinder sich mit dir vermählen, und wie der Bräutigam sich an der Braut erfreut, so wird dein Gott sich an dir erfreuen. Jesaja 62:1-5

Neuer Himmel, neue Erde

Diese Prophezeiung zeigt, dass im Messianischen Reich, das heißt im zukünftigen Äon, auf jedem Gebiet neue Zustände herrschen werden:

Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, und der früheren wird man nicht mehr gedenken, und sie werden nicht mehr in den Sinn kommen. Sondern freut euch und jubelt über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich schaffe (in) Jerusalem Jubel und Freude seinem Volke.   
Und ich werde über Jerusalem jubeln und über mein Volk mich freuen, und die Stimme des Weinens und die Stimme des Wehgeschreis wird nicht mehr darin gehört werden. Und dort wird kein Säugling von einigen Tagen und kein Greis mehr sein, der seine Tage nicht erfüllte, denn der Jüngling wird als Hundertjähriger sterben, und der Sünder als Hundertjähriger verflucht werden. Und sie werden Häuser bauen und bewohnen, und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen ... Denn wie die Tage der Bäume sollen die Tage meines Volkes sein, und meine Auserwählten werden das Werk ihrer Hände verbrauchen. Nicht vergeblich werden sie sich mühen, und nicht zum jähen Untergang werden sie zeugen. Denn sie sind der Same der Gesegneten des HERRN, und ihre Sprösslinge werden bei ihnen sein. Und es wird geschehen: ehe sie rufen, werde ich antworten; während sie noch reden, werde ich hören. Jesaja 65:17-24

Die neuen Himmel und die neue Erde von Jesaja 65:17ff sind nicht die von Offenbarung 21, wie aus folgender Tabelle deutlich wird:

                         Jesaja 65                      Offenbarung 21

Name               Jerusalem                      Neues Jerusalem

Ort                   Auf einem Berg             Aus dem Himmel kommend

Vorrechte        Hohes Lebensalter         Kein Tod, kein Leid mehr

Charakter        Sünder, Tempel            Weder Sünder, noch Tempel

Zustand            Gebäude, Pflanzungen  Vollkommenheit

Israel als Bote unter den Weltvölkern

Erneute Vorhersage des königlich-priesterlichen Dienstes, den das Volk Israel im zukünftigen Zeitalter ausüben wird. Es handelt sich hier um die Erfüllung von 2.Mose 19:6: “Und du (Israel) sollst mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein”:

Und ich - ihre Werke und ihre Gedanken sind vor mir. Es kommt die Zeit, alle Nationen und Sprachen zu versammeln, und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. Und ich werde ein Wunderzeichen an ihnen tun, und werde von ihnen Entronnene an die Nationen senden, nach Tarsis, Pul und Lud, die den Bogen spannen, nach Tubal und Jawan, nach den fernen Inseln, die von mir nicht gehört und meine Herrlichkeit nicht gesehen haben. Und sie werden meine Herrlichkeit unter den Nationen verkündigen. Jesaja 66:18-19

Das Gesetz bleibt gültig

Auch im Messianischen Reich werden Neumonde und Sabbathe gehalten werden, wie dies im mosaischen Gesetz vorgeschrieben ist. Im ganzen Buche Jesaja ist keine einzige Aussage zu finden, dass im Neuen Bund das Gesetz Mose für Israel aufgehoben sein wird:

Und es wird geschehen: von Neumond zu Neumond und von Sabbat zu Sabbat wird alles Fleisch kommen, um vor mir anzubeten, spricht der HERR. Jesaja 66:23

Zusammenfassung der prophetischen Perspektiven Jesajas

1.)  Der Ungehorsam Israels: Jesaja 1:2-23; 29:13-14 und viele andere.

2.)  Israel wird zerstreut werden wie eine Frau, die eine kurze Zeit von ihrem Gemahl verlassen wurde. Sie wird jedoch einmal mit großer Liebe wieder angenommen werden: Jesaja 5:1-7; 6:8-13; 10:20-22; 54:5; 60:21.

3.)  Vorhersage der Berufung des “Rufers in der Wüste” (Johannes der Täufer): Jesaja 40:3-8.

4.)  Das erste Kommen des Messias (=Christus) und sein Erlösungs­opfer: Jesaja 8:13-16; 9:1-6; 42:1-4.6-8; 46:6; 49:7-9; 52:13-53:12; 61:1-2.

5.)  Vorzeichen der messianischen Segnungen während der Evangelien- und Apostelgeschichtezeit: Jesaja 29:18-19.     
Ausgießung heiligen Geistes: Jesaja 32:15-18; 44:3-4.

6.)  Der Tag Des HERRN - Gericht über die Erde am Ende unseres Äons: Jesaja 2:12-22; 11:3-5; 13:6.9.13.22; 22:5; 61:3.

7.)  Die Bekehrung und darauffolgende Rückführung Israels in das verheißene Land; Segnung und Wiederannahme Israels als Volk Gottes: Jesaja 4:2-4; 11:10-12; 14:1-2; 35:10; 49:18-20; 51:11; 54:4-6; 59:19-21; 60:21-22; 61:3-9; 62:1-5.      
Der Neue Bund wird mit Israel geschlossen: Jesaja 55:3-5; 59:19-21.

8.)  Auferstehung aus den Toten: Jesaja 26:19.

9.)  Das zweite Kommen des Messias in Herrlichkeit und die Aufrichtung des Messianischen Königreiches, in dem Friede, Gerechtigkeit und Fruchtbarkeit herrschen werden: Jesaja 2:2-4; 4:5-6; 26:19; 32:15-18; 35:1-6; 40:9-11; 51:3-5; 55:1-2; 60:1-4.

10.) Israel königliches Priestertum zur Segnung der Nationen: Jesaja 2:2-4; 25:7-8; 65:17-25; 66:18-19.
Das Mosaische Gesetz bleibt in Kraft: Jesaja 66:23.

11.) Der Messias wird König über Israel und die Nationen sein: Jesaja 9:5-7; 28:16-17; 37:1-4.

Ich habe dich gegeben zum Bunde des Volkes, Jesaja 42:6; 49:8

Die meisten Übersetzungen geben das hebräisch Wort “natan” an dieser Stelle mit “gesetzt” wieder, so auch die Elberfelder Bibel. “Natan” heißt aber in erster Linie “geben”, “übergeben”, im weiteren Sinne dann auch “ergeben”, “stellen”, “setzen”. Von allen diesen Übersetzungsmöglichkeiten ist hier “geben”, was den Gesichtspunkt der Heilsgeschichte angeht, wohl am treffensten, da vom Neuen Bund die Rede ist. Dieser wurde auf Golgotha durch das Blut des Knechtes des HERRN geschlossen. Zum Errichten dieses Bundes gab Gott seinen Sohn:

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern äonisches Leben habe. Johannes 3:15-16

In diesem Sinne wurde der Knecht des HERRN von Gott seinem verschuldeten, sündigen Volk gegeben. So war der Neue Bund zwischen dem HERRN und Israel Wirklichkeit geworden, denn Christus ist sowohl “Israel”, Jesaja 49:3, als auch Gott selbst, 1.Johannes 5:29.


Der Prophet Jeremia, 627-586 vor Christus

Der Prophet Jeremia weissagte für ganz Israel, sowohl für die in Gefangenschaft weggeführten Israeliten des ehemaligen Nordreiches, als auch für die Bewohner des noch bestehenden Südreiches. Diese beiden Reiche entstanden ungefähr 931 vor Christus durch die Teilung Israels nach der Regierungszeit des Königs Salomo, des Sohnes Davids. Mit “Südreich” bezeichnet man das Gebiet der beiden Stämme Juda und Benjamin, in dem auch Jerusalem liegt. Die restlichen zehn Stämme bildeten das Nordreich, auch weiterhin “Israel” genannt. Um das Jahr 723 wurde das Nordreich von den Assyrern endgültig in Gefangenschaft weggeführt, während das Südreich weiter bestehenblieb.

Die Berufung Jeremias fand etwa im Jahre 626-627 statt, also etwa vierzig Jahre vor dem Fall Jerusalems wegen der Eroberung durch die Babylonier und der darauffolgenden Zerstörung des Tempels im Jahre 586 vor Christus. Die im Verlauf von vierzig Jahren erfolgten Prophezeiungen (mit einer Unterbrechung von 622 bis 609) waren eine letzte Mahnung an Juda, sich zu bekehren, damit es ihm nicht genauso ergehe wie dem Nordreich, das wegen seiner Unwilligkeit, zu dem HERRN umzukehren, in Gefangenschaft geriet.

Doch Juda hörte nicht. Nach dieser Gnadenfrist wurden die Bewohner des Südreiches in die Gefangenschaft nach Babel weggeführt. Diese vierzigjährige Gnadenfrist ist mit der späteren, ebenfalls vierzigjährigen Gnadenfrist vergleichbar, die sich von Pfingsten, Apostelgeschichte 2, bis zu der Verwüstung des zweiten Tempels im Jahre 70 erstreckte, Apostelgeschichte 3:19. Wie damals vor der babylonischen Gefangenschaft Gott sein Volk durch Jeremia und andere Propheten vierzig Jahre lang gewarnt hatte, so mahnte er es nach Pfingsten ebenfalls vierzig Jahre durch seine Apostel. In beiden Fällen wurde Israel als Volk Gottes beiseite gesetzt und damit “Lo-Ammi = Nicht-Mein-Volk”, vergleiche Hosea 1:8, der Tempel verwüstet und die Bewohner des Landes in die Fremdlingschaft getrieben.

Jeremia 2: Die Untreue Israels

In diesem Kapitel wird der Abfall Israels in der späteren Königszeit dargelegt, seine Untreue wird mit der einer Hure verglichen, Vers 20. Typisch für die biblische Symbolik bezüglich des Volkes Israel ist auch das Gleichnis von der Edelrebe, die der HERR gepflanzt hat, deren Ranken sich aber in die eines fremden Weinstockes verwandeln, Vers 21. In den Versen 32-34 wird Israel als eine untreue Braut dargestellt:

Vergisst auch eine Jungfrau ihres Schmuckes, eine Braut ihres Gürtels? Aber mein Volk hat meiner vergessen Tage ohne Zahl. Wie schön richtest du deinen Weg ein, um Liebe zu suchen! Darum hast du auch an Übeltaten deine Wege gewöhnt. Ja, an den Säumen deiner Kleider findet sich das Blut von Seelen unschuldiger Armer ... Jeremia 2:32-34

Ehebruch

Das Bundesverhältnis zwischen dem HERRN und Israel wird hier als ein Ehebund dargestellt. Israel hat dieses Bundesverhältnis gebrochen - es hat “Ehebruch” begangen, indem es fremden Göttern diente, deren Bilder auf den “kahlen Höhen” aufgestellt wurden:

Er spricht: Wenn ein Mann sein Weib entlässt, und sie von ihm weggeht und eines anderen Mannes wird, darf er wieder zu ihr zurückkehren? Würde nicht selbiges Land entweiht werden? Du aber hast mit vielen Buhlen gehurt, und doch solltest du zu mir zurückkehren! spricht der HERR.     
Hebe deine Augen auf zu den kahlen Höhen und sieh! Wo bist du nicht geschändet worden? An den Wegen saßest du für sie, wie ein Araber in der Wüste, und du hast das Land entweiht durch deine Hurerei und durch deine Bosheit. 
Und die Regenschauer wurden zurückgehalten, und es ist kein Spätregen gewesen. Aber du hattest die Stirn eines Hurenweibes, weigertest dich, dich zu schämen. Jeremia 3:1-3

Ehebruch mit Stein und Holz

Israel, das Nordreich, und Juda, das Südreich, werden mit zwei Schwestern verglichen, die Ehebruch treiben mit steinernen und hölzernen Götzen:

Und der HERR sprach zu mir in den Tagen des Königs Josia: Hast du gesehen, was die abtrünnige Israel getan hat? Sie ging auf jeden hohen Berg und unter jeden grünen Baum und hurte daselbst. Und ich sprach: Nachdem sie dies alles getan hat, wird sie zu mir zurückkehren. Aber sie kehrte nicht zurück. Und ihre treulose Schwester Juda sah es, und ich sah, dass trotz alledem, dass ich die abtrünnige Israel, weil sie die Ehe gebrochen, entlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben hatte, doch die treulose Juda, ihre Schwester, sich nicht fürchtete, sondern hinging und selbst auch hurte. Und es geschah, wegen des Lärmes ihrer Hurerei entweihte sie das Land, und sie trieb Ehebruch mit Stein und mit Holz. Und selbst bei diesem allen ist ihre treulose Schwester Juda nicht zu mir zurückgekehrt mit ihrem ganzen Herzen, sondern nur mit Falschheit, spricht der HERR. Jeremia 3:6-10

Die Wiederannahme Israels

Gott ruft durch Jeremia die beiden Häuser Israel und Juda zur Umkehr. Erst dann, wenn die Israeliten “Buße tun”, das heißt umdenken und zu Gott umkehren, kann das verheißene Messianische Königreich aufgerichtet werden. Erst dann wird Jerusalem der Thron des HERRN sein, und alle Völker werden dorthin versammelt und gesegnet werden. In jener Zeit werden sowohl Juda als auch Israel, die 10 Stämme, in das Land zurückkehren, vergleiche Jeremia 7:6-7. Im neuen Messianischen Tempel wird aber die Bundeslade nicht mehr vorhanden sein, Vers 10. Das ganze Volk Israel wird dann zur Sohnschaft kommen, vergleiche Vers 19 mit Römer 8:15 und 9:4:

Kehret um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der HERR, denn ich habe mich ja mit euch vermählt, und ich werde euch nehmen, einen aus einer Stadt und zwei aus einem Geschlecht, und euch nach Zion bringen. Und ich werde euch Hirten geben nach meinem Herzen, und sie werden euch weiden mit Erkenntnis und Einsicht.
Und es wird geschehen, wenn ihr euch im Lande mehret und fruchtbar seid in jenen Tagen, spricht der HERR, so wird man nicht mehr sagen: “Die Bundeslade des HERRN”, und sie wird nicht mehr in den Sinn kommen, und man wird ihrer nicht mehr gedenken noch sie suchen, und sie wird nicht wieder gemacht werden.      
In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron des HERRN nennen, und alle Nationen werden sich zu ihr versammeln wegen des Namens des HERRN in Jerusalem, und sie werden nicht mehr dem Starrsinn ihres bösen Herzens nachwandeln. In jenen Tagen wird das Haus Juda mit dem Hause Israel ziehen, und sie werden miteinander aus dem Lande des Nordens in das Land kommen, das ich euren Vätern zum Erbteil gegeben habe.  
Und ich sprach: Wie will ich dich stellen unter den Söhnen und dir ein köstliches Land geben, ein Erbteil, das die herrlichste Zierde der Nationen ist! Und ich sprach: Ihr werdet mir zurufen: Mein Vater! und werdet euch nicht von mir abwenden. Jeremia 3:14-19

Die Segnung der Nationen hängt von der Bekehrung Israels ab. Hierzu gehört auch die Beschneidung des Herzens:

Wenn du umkehrst, Israel, spricht der HERR, zu mir umkehrst, und wenn du deine Scheusale von meinem Angesicht hinwegtust, und nicht mehr umherschweifst, sondern schwörst: So wahr der HERR lebt! in Wahrheit, in Recht und in Gerechtigkeit, so werden die Nationen sich in ihm segnen und sich seiner rühmen.     
Denn so spricht der HERR zu den Männern von Juda und zu Jerusalem: Pflüget euch einen Neubruch, und säet nicht unter die Dornen. Beschneidet euch für den HERRN und tut hinweg die Vorhäute eurer Herzen, ihr Männer von Juda und ihr Bewohner von Jerusalem, damit mein Grimm nicht ausbreche wie ein Feuer und unauslöschlich brenne wegen der Bosheit eurer Handlungen. Jeremia 4:1-4

Weinstock und Feigenbaum fruchtlos und verheert

Israel wird hier mit einem Weinstock verglichen, der keine Frucht bringt, mit einem Feigenbaum, der verdorrt, vergleiche: Richter 9:10,12; Jesaja 5; Matthäus 21:19,20; Markus 11:13.20.21; Lukas 13:6-9; Johannes 15:

Wegraffen werde ich sie, spricht der HERR. Keine Trauben sind am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum, und das Blatt ist verwelkt. So will ich ihnen solche bestellen, die sie verheeren werden. Jeremia 8:13

Der Ölbaum verworfen

Israel wird ein Ölbaum genannt, Sinnbild für die Gabe des Heiligen Geistes: heiligen Geist. Bringt der Ölbaum seine Frucht nicht, so wird er umgehauen und ins Feuer geworfen. Vergleiche Richter 9:8; Römer 11; Matthäus 3:10:

Einen grünen Olivenbaum, schön an herrlicher Frucht, hatte der HERR deinen Namen genannt; bei dem Lärm eines großen Getümmels legte er Feuer an ihn, und es brachen seine Äste. Und der HERR der Heerscharen, der dich gepflanzt, hat Böses über dich geredet wegen der Bosheit des Hauses Israel und des Hauses Juda, die sie verübt haben, um mich zu reizen, indem sie dem Baal räucherten. Jeremia 11:16-17

Weltweite Sammlung Israels durch den guten Hirten

Die Hirten, Priester, Fürsten usw. haben die Schafe der Weide des HERRN zerstreut, indem sie sie zur Sünde verleiteten. Doch Gott wird den Überrest seiner Schafe aus allen Ländern wieder versanmeln und neue Hirten über sie erwecken, zum Beispiel die 12 Apostel, vergleiche Matthäus 19:28-30 und Johannes 21:15-17. Aus David wird ein gerechter Spross erweckt werden, vergleiche Jesaja 4:2 und Sacharja 3:8; 6:12, nämlich der Messias (= Christus), der als König Recht und Gerechtigkeit verwirklichen und dessen Name “der HERR unsere Gerechtigkeit” genannt werden wird. Israel wird dann aus allen Ländern wieder im verheißenen Land versammelt sein:

Wehe den Hirten, welche die Schafe meiner Weide zu Grunde richten und zerstreuen! spricht der HERR. Darum spricht der HERR, der Gott Israels, also über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und sie vertrieben, und habt nicht nach ihnen gesehen. Siehe, ich werde die Bosheit eurer Handlungen an euch heimsuchen, spricht der HERR. Und ich werde den Überrest meiner Schafe sammeln aus all den Ländern, wohin ich sie vertrieben habe, und ich werde sie auf ihre Triften zurückbringen, dass sie fruchtbar seien und sich mehren. Und ich werde Hirten über sie erwecken, die sie weiden werden, und sie sollen sich nicht mehr fürchten und nicht erschrecken, noch vermisst werden, spricht der HERR.
Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich dem David einen gerechten Spross erwecken werde, und er wird als König regieren und verständig handeln, und Recht und Gerechtigkeit üben im Lande. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen, und dies wird sein Name sein, womit man ihn nennen wird: der HERR, unsere Gerechtigkeit.     
Darum siehe, Tare kommen, spricht der HERR, da man nicht mehr sagen wird: (So wahr) der HERR lebt, der die Kinder Israel aus dem Lande Ägypten herauf geführt hat! sondern: (So wahr) der HERR lebt, der den Samen des Hauses Israel heraufgeführt und ihn gebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus all den Ländern, wohin ich sie vertrieben hatte! Und sie sollen in ihrem Lande wohnen. Jeremia 23:1-8

Hier wird die Parallele zwischen dem Auszug aus Ägypten und der Rückkehr des “Samens des Hauses Israel” aus allen Ländern betont, wobei der letztere den ersten noch in den Schatten stellen wird. Sollten wir dies alles nicht so buchstäblich wie möglich auffassen?

Das soll uns aber nicht daran hindern, dem auch eine geistliche Bedeutung beizumessen. Noch immer ist der Spross nicht wirklich König geworden, und die Gerechtigkeit herrscht noch immer nicht auf Erden. Liest man “Kirche” statt Israel, wie manche das tun, dann stellt sich die Frage: Wann wurde sie verworfen und unter die Völker zerstreut? Sollte man dann nicht auch die Flüche auf die “Kirche” anwenden, die Israel bereits getroffen haben und noch treffen werden?

Das verheißene Land soll Israel gehören

Auch hier mahnt Gott Israel zur Umkehr, damit sie das den Vätern verheißene Land in den zukünftigen Äonen in Besitz nehmen können:

Und er sprach: Kehrt doch um, ein jeder von seinem bösen Wege und von der Bosheit eurer Handlungen, so sollt ihr in dem Lande, das der HERR euch und euren Vätern gegeben hat, wohnen von Äon zu Äon. Jeremia 25:5

Siebzig Jahre babylonische Gefangenschaft und Befreiung

Und dieses ganze Land wird zur Einöde, zur Wüste werden, und diese Nationen werden dem König von Babel dienen siebzig Jahre. Und es wird geschehen, wenn siebzig Jahre voll sind, werde ich an dem König von Babel und an jenem Volke, spricht der HERR, ihre Schuld heimsuchen, und an dem Lande der Chaldäer, und ich werde es zu äonischen Wüsteneien machen. Und ich werde über jenes Land alle meine Worte bringen, die ich über dasselbe geredet habe, alles, was in diesem Buche geschrieben steht, was Jeremia geweissagt hat über alle Nationen. Jeremia 25:5

Der Tag des HERRN und das Nationengericht

Vorhersage des Gerichtes über die Weltvölker bei der Wiederkunft des Herrn, vergleiche Offenbarung19:11-21; Jesaja 11:3-5; 13:6,9. 13.22; 22:5; 61:3; 63:1-6; Hes 39:4.17-20:

Der HERR wird brüllen aus der Höhe und seine Stimme erschallen lassen aus seiner heiligen Wohnung; brüllen wird er gegen seine Wohnstätte, einen lauten Ruf erheben, wie die Keltertreter, gegen alle Bewohner der Erde. Ein Getöse dringt bis an das Ende der Erde, denn der HERR rechtet mit den Nationen, er hält Gericht mit allem Fleische; die Gesetzlosen gibt er dem Schwerte hin, spricht der HERR. 
So spricht der HERR der Heerscharen: Siehe, Unglück geht aus von Nation zu Nation, und ein gewaltiger Sturm macht sich auf von dem äußersten Ende der Erde. Und die Erschlagenen des HERRN werden an jenem Tage liegen von einem Ende des Landes bis zum anderen Ende des Landes; sie werden nicht beklagt und nicht gesammelt noch begraben werden. Zu Dünger auf der Fläche des Erdbodens sollen sie werden. Jeremia 25:30b-33

Die große Drangsal für Jakob

Gott wird das Land wiederherstellen, nachdem Israel durch die große Trübsal gegangen sein wird. Für den Überrest wird er das Messianische Königreich vorbereiten:

So spricht der HERR, der Gott Israels und sagt: Schreibe dir alle Worte, die ich zu dir geredet habe, in ein Buch. Denn siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich die Gefangenschaft meines Volkes Israel und Juda wenden werde, spricht der HERR, und ich werde sie in das Land zurückbringen, welches ich ihren Vätern gegeben habe, damit sie es besitzen.
Und dies sind die Worte, die der HERR über Israel und über Juda geredet hat. Denn so spricht der HERR: Eine Stimme des Schreckens haben wir gehört; da ist Furcht und kein Friede. Fraget doch und sehet, ob ein Mann gebiert? Warum sehe ich eines jeden Mannes Hände auf seinen Lenden, einer Gebärenden gleich, und jedes Angesicht in Blässe verwandelt? Wehe! denn groß ist jener Tag, ohnegleichen, und es ist eine Zeit der Drangsal für Jakob; doch wird er aus ihr gerettet werden.    
Denn es wird geschehen an jenem Tage, spricht der HERR der Heerscharen, dass ich sein Joch von deinem Halse zerbrechen und deine Fesseln zerreißen werde, und Fremde sollen ihn nicht mehr dienstbar machen; sondern sie werden dem HERRN, ihrem Gott, dienen und ihrem König David, welchen ich ihnen erwecken werde.
Und du, fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der HERR, und erschrick nicht, Israel! denn siehe. ich will dich retten aus der Ferne und deine Nachkommen aus dem Lande ihrer Gefangenschaft, und Jakob wird zurückkehren und ruhig und sicher sein, und niemand wird ihn aufschrecken. Denn ich bin mit dir, spricht der HERR, um dich zu retten. Denn ich werde den Garaus machen allen Nationen, wohin ich dich zerstreut habe; nur dir werde ich nicht den Garaus machen, sondern dich nach Gebühr züchtigen und dich keineswegs ungestraft lassen. Jeremia 30:2-11

Wird David selber König sein oder der Messias, der Sohn Davids? Dem Textzusammenhang nach ist sicherlich der Nachkomme Davids, also Jesus Christus, gemeint, denn im darauffolgenden Vers wird Jakob bzw. Israel angesprochen, und auch hier wird der Name des Stammvaters für die Nachkommenschaft gebraucht, wie dies in der Bibel sehr häufig der Fall ist, vergleiche die Verse 10 und 11.

Erlösung am Ende dieses Zeitalters

Genau wie die vorige Stelle spricht das 31.Kapitel von der Wiederherstellung Israels im Messianischen Reich. Der Überrest Israels, die Entronnenen, werden in der Wüste, Vers 2, das ist die Zerstreuung unter allen Nationen, Gnade gefunden haben. Israel wird in die Ruhe eingehen, Hebräer 4:3-9, und kollektiv zur Wiedergeburt gelangen, Vers 9. Der HERR wird als der gute Hirte die Herde Israels weiden, Vers 10:

Am Ende der Tage (dieses Zeitalters) werdet ihr dessen innewerden. In jener Zeit, spricht der HERR, werde ich der Gott aller Geschlechter Israels sein, und sie werden mein Volk sein.     
So spricht der HERR: Das Volk der dem Schwerte Entronnenen hat Gnade gefunden in der Wüste. Ich will gehen, um Israel zur Ruhe zu bringen.    
Der HERR ist mir von fern erschienen: Ja, mit äonischer Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dir fortdauern 1assen meine Güte. Ich will dich wieder bauen, und du wirst gebaut werden, Jungfrau Israel! ...      
Denn so spricht der HERR: Jubelt über Jakob mit Freuden und jauchzet an der Spitze der Nationen! Lobsingt laut und sprechet: Rette Dein Volk, HERR, den Überrest Israels!  
Siehe, ich bringe sie aus dem Lande des Nordens und sammle sie von dem äußersten Ende der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und Gebärende allzumal; in großer Versammlung kehren sie hierher zurück. Mit Weinen kommen sie, und unter Flehen leite ich sie; ich führe sie zu Wasserbächen auf einem ebenen Wege, auf dem sie nicht straucheln werden. Denn ich bin Israel zum Vater geworden, und Ephraim ist mein Erstgeborener.     
Höret das Wort des HERRN, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sprecht: Der Israel zerstreut hat, wird es (wieder) sammeln und hüten wie ein Hirt seine Herde. Denn der HERR hat Jakob losgekauft und hat ihn erlöst aus der Hand dessen, der stärker war als er. Jeremia 30:24b-31:l-4,7-11

Vorhersage des Neuen Bundes

- den der HERR mit Israel schließen wird! Dann wird Israel das Gesetz nicht mehr aus eigener Kraft zu halten versuchen, sondern Gott selbst wird sein Gesetz in ihre Herzen schreiben, das heißt in den inneren Menschen hineinlegen, damit nicht sie, sondern das Wort des HERRN es in ihnen vollbringt, vergleiche 5.Mose 30:11-14; Römer 10:6-8. Der Sünde Israels wird nicht mehr gedacht werden:

Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen werde, nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe, an dem Tage, da ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben, und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht der HERR.     
Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben, und ich werde ihr Gott und sie werden mein Volk sein. Und sie werden nicht mehr ein jeder seinen Nächsten und ein jeder seinen Bruder lehren und sprechen: Erkennet den HERRN! denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken. 
So spricht der HERR, der die Sonne gesetzt hat zum Lichte bei Tage, die Ordnungen des Mondes und der Sterne zum Lichte bei Nacht. Der das Meer erregt, und seine Wogen brausen, der HERR der Heerscharen ist sein Name: Wenn diese Ordnungen vor meinem Angesicht weichen werden, spricht der HERR, so soll auch der Same Israels aufhören, eine Nation zu sein vor meinem Angesicht alle Tage. 
So spricht der HERR: Wenn die Himmel oben gemessen, und die Grundfesten der Erde unten erforscht werden können, so will ich auch den ganzen Samen Israels verwerfen wegen alles dessen, was sie getan haben, spricht der HERR. Jeremia 31:31-37, vergleiche Jeremia 32:40-42

Israel wird so lange als Nation bestehen, wie auch die “Ordnungen”, hebräisch “chuqqim” = “Naturgesetze” Gottes vor Gottes Angesicht Gültigkeit haben werden. Wir wissen nun aus Offenbarung 20:11, dass Himmel und Erde vor dem Angesicht Gottes entfliehen werden, dass kein Ort für sie gefunden werden wird. Von Naturgesetzen wird man also nicht mehr reden können, weil es weder Raum noch Zeit noch Materie in unseren Dimensionen geben wird. Dann, in der Vollendung, wird tatsächlich auch der Same Israels aufhören, eine Nation zu sein, vielmehr wird er dann Gottes Tempel im Geist werden, wo es weder Mann noch Frau, weder Juden noch Griechen gibt. Vergleich auch Matthäus 5:18.19; Offenbarung21:22; Matthäus 26:28; Hebräer 8:8-12; 10:16,17; Hesekiel 11:19; 36:26.

Israel bleibt eine Nation mit König und Priestertum!

Im Neuen Bund, während des Messianischen Reiches, wird der Spross aus David Recht und Gerechtigkeit im Lande - oder auf der Erde - üben. Dieser Bund dauert bis zum Ende der jetzigen Himmel und Erde, das heißt so lange, wie der Wechsel von Tag und Nacht anhält. So lange wird Israel seinen priesterlichen Dienst erfüllen und die Leviten werden alle Tage Brand-, Speis- und Schlachtopfer zurichten, vergleiche Hesekiel 40-45. Während dieser Zeit wird der Sohn Davids (= Christus) als König über Israel herrschen:

Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich das gute Wort erfüllen werde, welches ich über das Haus Israel und über das Haus Juda geredet habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich dem David einen Spross der Gerechtigkeit hervorsprossen lassen, und er wird Recht und Gerechtigkeit üben im Lande. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden und Jerusalem in Sicherheit wohnen, und dies wird (der Name) sein, mit welchem man es benennen wird: “Der HERR, unsere Gerechtigkeit”.     
Denn so spricht der HERR: Nie soll es dem David an einem Manne fehlen, der auf dem Throne des Hauses Israel sitze. Und den Priestern, den Leviten, soll es nie an einem Mann vor mir fehlen, der Brandopfer opfere und Speisopfer anzünde und Schlachtopfer zurichte alle Tage.

Und das Wort des HERRN geschah zu Jeremia also: So spricht der HERR: Wenn ihr meinen Bund betreffs des Tages und meinen Bund betreffs der Nacht brechen könnt, so dass Tag und Nacht nicht mehr seien zu ihrer Zeit, so wird auch mein Bund mit meinem Knechte David gebrochen werden, dass er keinen Sohn habe, der auf seinem Throne König sei, und auch mit den Leviten, den Priestern, meinen Dienern. Wie das Heer des Himmels nicht gezählt und der Sand des Meeres nicht gemessen werden kann, also werde ich den Samen Davids, meines Knechtes, und die Leviten mehren, die mir dienen. -
Und das Wort des HERRN geschah zu Jeremia also: Hast du nicht gesehen, was dieses Volk redet, indem es spricht: “Die zwei Geschlechter, die der HERR erwählt hatte, die hat er verworfen?” und so verachten sie mein Volk, so dass es vor ihnen keine Nation mehr ist. 
So spricht der HERR: Wenn nicht mein Bund betreffs des Tages und der Nacht (besteht), (wenn) ich nicht die Ordnungen des Himmels und der Erde festgesetzt habe, so werde ich auch den Samen Jakobs und Davids, meines Knechtes, verwerfen, dass ich nicht mehr von seinem Samen Herrscher nehme über den Samen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Denn ich werde ihre Gefangenschaft wenden und mich ihrer erbarmen. Jeremia 33:14-26

Israel und Juda wieder vereint

In dieser Zeit wird Israel sich mit Juda zu Gott bekehren und ihn suchen. Die einst verlorenen Schafe Israels werden dann nach Zion fragen. Juda und Israel werden wieder zu einem Volk vereint werden:

In jenen Tagen und zu jener Zeit, spricht der HERR, werden die Kinder Israel kommen, sie und die Kinder Juda zusammen; fort und fort weinend werden sie gehen und den HERRN, ihren Gott, suchen. Sie werden nach Zion fragen, indem ihr Angesicht dahin gerichtet ist: Kommet und schließet euch dem HERRN an mit einem äonischen Bunde, der nicht vergessen werde.   
Mein Volk war eine verlorene Schafherde: ihre Hirten leiteten sie irre auf verführerische Berge; sie gingen von Berg zu Hügel und vergaßen ihre Lagerstätte. Alle, die sie fanden, fraßen sie, und ihre Feinde sprachen: Wir verschulden uns nicht, weil sie gegen den HERRN gesündigt haben, die Wohnung der Gerechtigkeit, und (gegen) den HERRN,, die Erwartung ihrer Väter.
In jenen Tagen und zu jener Zeit, spricht der HERR, wird Israels Missetat gesucht werden, und sie wird nicht da sein, und die Sünden Judas, und sie werden nicht gefunden werden; denn ich will denen vergeben, die ich übriglasse. Jeremia 50:4-7:20

Der Prophet Hesekiel, 592-572

Dieser Prophet stammte aus einer Priesterfamilie, gehörte also zum Stamme Levi. Im Jahre 597 wurde er, etwa im Alter von 10 Jahren, mit ungefähr zehntausend anderen Gefangenen nach Babel weggeführt, nachdem König Jojachin kapituliert hatte. Fünf Jahre später wurde Hesekiel von Gott zum Propheten berufen. Wirkte Jeremia bis zum Untergang des Südreiches in Juda, so war Hesekiel, wie auch Daniel, als Prophet für die Juden im Exil, der Verbannung, bestimmt. Insgesamt prophezeite Hesekiel von fünf Jahren vor bis fünfzehn Jahre nach der Verwüstung Jerusalems durch Nebukadnezar.

Menschensohn

Hesekiel wird hier als “Menschen-Sohn” angesprochen, hebräisch “ben adam”, es steht kein Artikel. In den Evangelien, der Apostelgeschichte, dem Hebräerbrief und der Offenbarung dagegen wird Jesus Christus als “der Sohn des Menschen” bezeichnet; im Griechischen steht hier der Artikel zwei Mal, “ho hyiós tou anthrópou”, um den Gegensatz zu den Menschen im allgemeinen hervorzuheben, während das “ben-’adam” bei Hesekiel gebraucht wird. um seine Zugehörigkeit zur Menschheit zu betonen:

Und er sprach zu mir: Menschensohn, stelle dich auf deine Füße. und ich will mit dir reden. Hesekiel 2:1

Sammlung und Neuer Bund

Auch in der Zerstreuung unter den Nationen bleibt der HERR für Einzelne ihr Heiligtum. Nun bringt der HERR Hesekiel die Zusicherung, dass er alle Israeliten einmal wieder in ihr Land zurückbringen werde. Er wird einen neuen Geist in ihr Inneres geben, damit sie in seinen Satzungen wandeln werden. Auch hier werden die Segnungen des Neuen Bundes vorhergesagt:

Obgleich ich sie unter die Nationen entfernt, und obgleich ich sie in die Länder zerstreut habe, so bin ich ihnen doch ein wenig zum Heiligtum geworden in den Ländern, wohin sie gekommen sind. Darum sprich: So spricht der Herr, der HERR: Ja, ich werde euch aus den Völkern sammeln und euch zusammenbringen aus den Ländern, in welche ihr zerstreut worden seid, und werde euch das Land Israel geben. Und sie werden dorthin kommen und alle seine Scheusale und alle seine Greuel daraus entfernen.     
Und ich werde ihnen ein Herz geben, und werde einen neuen Geist in euer Inneres geben. Und ich werde das steinerne Herz aus ihrem Fleische wegnehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben: auf dass sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte bewahren und sie tun. Und sie werden mein Volk, und ich werde ihr Gott sein. Hesekiel 11:16-20

Der Gute Hirte

Hier liegt ein prophetischer Hinweis auf den Guten Hirten vor: Der HERR selbst ist der Gute Hirte, Hesekiel 34:11,15. Jesus Christus ist der “Gute Hirte”, Johannes 10:11.14; 1.Petrus 2:25:

Denn so spricht der HERR, HERR: Siehe, ich bin da, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen. Wie ein Hirt sich seiner Herde annimmt an dem Tage, da er unter seinen zerstreuten Schafen ist, also werde ich mich meiner Schafe annehmen und werde sie erretten aus allen Orten, wohin sie zerstreut worden sind am Tage des Gewölks und des Wolkendunkels.       
Und ich werde sie herausführen aus den Völkern und sie aus den Ländern sammeln und sie in ihr Land bringen, und ich werde sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Wohnplätzen des Landes ...      
Ich will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern, spricht der HERR, HERR. Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken, das Fette aber und das Starke werde ich vertilgen: nach Recht werde ich sie weiden. ...  
Und ich werde einen Hirten über sie erwecken, und er wird sie weiden - meinen Knecht David: der wird sie weiden, und der wird ihr Hirt sein, und mein Knecht David wird Fürst sein in ihrer Mitte. Ich, der HERR, habe geredet. Hesekiel 34:11-17,23,24

Das Gesicht vom Tal der Knochen: Israels Wiederherstellung

Diese Gebeine sind das ganze Haus Israel ...   
Ich werde euch in das Land Israel bringen ...  
Und ich werde meinen Geist in euch geben ...  

Und mein Knecht David wird König über sie sein, und sie werden allesamt einen Hirten haben, und sie werden in meinen Rechten wandeln und meine Satzungen bewahren und sie tun.      
Und sie werden wohnen in dem Lande, das ich meinem Knecht Jakob gegeben, worin eure Väter gewohnt haben, und sie werden darin wohnen, sie und ihre Kinder und ihre Kindeskinder, bis in den Äon, und mein Knecht David wird ihr Fürst sein für den Äon. 
Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen, ein äonischer Bund wird es mit ihnen sein, und ich werde sie einsetzen und sie vermehren und werde mein Heiligtum in ihre Mitte setzen für den Äon. 
Und meine Wohnung wird über ihnen sein, und ich werde ihr Gott und sie werden Mein Volk sein. Und die Nationen werden wissen, dass ich der HERR bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum in ihrer Mitte sein wird für den Äon. Hesekiel 37:11-12,14, 24-28

Und ich werde mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen, wenn ich meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen habe, spricht der Herr, HERR. Hesekiel 39:29, vergleiche Joel 2:28.

Kapitel 40-46: Der zukünftige Tempel

Ausführliche Beschreibung des zukünftigen Tempels: Vorhöfe, Brandopfer, Schuldopfer, Sänger, Priester, Allerheiligstes, die Tafel, die vor dem Angesicht des Herrn stehen wird, Speisopfer, heilige Kleider. Die Herrlichkeit des Herrn, Ort des Throns für den Äon. Priesterkleidung, der Fürst, Beschneidung des Herzens und des Fleisches, Sabbat, Erstlinge, Hebopfer, Dankopfer, Passah, Neumond, Opferlamm, Freijahr (Jubeljahr).

Hesekiel 43:18-27: Neue Verordnungen für die Opfer

Farren, junges Rind, Geißbock. Widder. Unterschied zur mosaischen Stiftshütte: Die Priester werden nicht erst gereinigt, Leviticus 8:1-10, sie sind es bereits. Der Altar wird nicht, wie in Leviticus 8:11, erst gesalbt. Die Priester sind allein von Zadoks Geschlecht, 40:46; 44:15; Leviten werden allein Torwächter sein - 44:10-15. Der Farren wird nur an einem Tag geopfert, nicht an sieben aufeinanderfolgenden Tagen wie in Exodus 29:36, an den anderen Tagen wird ein Geißbock geopfert. Die Opfer sind national, nicht individuell, es gibt auch keinen Versöhnungstag mehr, siehe auch Hesekiel 45:16,17,20,22; 46:20. Wurden früher nur Speisopfer gesalzen, Leviticus 2:13, so jetzt auch Brandopfer, Hesekiel 43:24.

Was den Fürsten betrifft, er, der Fürst, soll darin sitzen um zu essen vor dem Angesicht des HERRN. Auf dem Wege der Torhalle soll er hineingehen, und auf demselben Wege soll er hinausgehen. (Der Fürst wird wahrscheinlich der auferstandene David sein.) Hesekiel 44:3

So spricht der Herr, HERR: Kein Sohn der Fremde, unbeschnitten am Herzen und unbeschnitten am Fleische, von allen Söhnen der Fremde, welche inmitten der Kinder Israel sind, soll in mein Heiligtum kommen. Hesekiel 44:9

Die Verteilung des Landes wird genau angegeben.

Kapitel 45,47-48:

Ringsum achtzehntausend Ruten (ungefähr 48 Kilometer). Und der Name der Stadt soll von nun an heißen: der HERR daselbst, hebräisch “Jahwäh Schammah”. Hesekiel 48:35

Das tote Meer wird lebendig

Die Wasser aus dem Heiligtum machen das (tote) Meer gesund und geben Leben. An den Ufern werden Fruchtbäume stehen, die jeden Monat Frucht geben werden zur Speise und ihre Blätter zur Heilung, Hesekiel 47:1-12, vergleiche Offenbarung 22:2.

All dies ist bis heute nicht erfüllt!

Der Prophet Daniel

Daniel prophezeite während der siebzig Jahre Gefangenschaft in Babel. Er spricht nicht nur von der Zukunft der zwölf Stämme, sondern auch von der der Nationen im allgemeinen. Die Kapitel 2:4-7:28 sind in Aramäisch geschrieben. Es ist ein historischer Abschnitt und die Nationen stehen im Vordergrund (Zeiten der Nationen). Die Kapitel 8 bis zum Schluss sind in Hebräisch geschrieben und betreffen die Zeit des Endes und die Wiederherstellung Israels. Zu der Zeit, in der Daniel schrieb, waren beide Sprachen in Gebrauch.

Das Messianische Königreich

Es wird nach dem Untergang der Weltmächte aufgerichtet werden, und zwar auf der Erde, ist aber himmlischen Ursprungs, Vers 35,44:

Da wurden zugleich der Eisen, der Ton das Erz, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu der Sommertennen. Und der Wind führte sie hinweg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde.
Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches für den Äon nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber für den Äon bestehen. Daniel 2:34-45, vergleiche auch Daniel 7:23-27

Die siebzig Jahrwochen

Gott hat 70 (Jahr-)Wochen (eine “Woche” entspricht sieben Jahren) bestimmt, um die Sünde Israels zu sühnen und eine äonische Gerechtigkeit einzuführen. Diese Stelle enthält auch eine deutliche Prophezeiung auf den Messias und sein Leiden: Er wird weggetan werden und nichts haben, Vers 26:

Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um die Übertretung zum Abschluss zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine äonische Gerechtigkeit einzuführen, und Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes (oder: einen Allerheiligsten) zu salben.     
So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf (den) Messias, (den) Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen. Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten.
Und nach den zweiundsechzig Wochen wird (der) Messias weggetan (eigentlich: ausgerottet) werden und nichts haben. Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein, und bis ans Ende: Krieg, Festbeschlossenes von Verwüstungen.
Und er wird einen festen Bund mit den Vielen schließen (für) eine Woche, und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und wegen der Beschirmung der Greuel wird ein Verwüster (kommen), und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden. Daniel 9:24-27

In Daniels Prophetie haben wir eine kurze Übersicht über die Ereignisse während der 69 Jahrwochen vor der Ausrottung des Messias. Es folgt die Verwüstung der Stadt Jerusalem und des Heiligtums und schließlich das, was während der siebzigsten Jahrwoche geschehen wird. Ein Bund wird geschlossen werden, in der Hälfte der Jahrwoche werden Schlacht- und Speisopfer aufhören; Krieg und Verwüstung werden bis zum Ende (der siebzigsten Jahrwoche) herrschen. Danach jedoch wird die äonische Gerechtigkeit aufgerichtet und ein Allerheiligstes (oder: ein Allerheiligster) gesalbt werden. Die letzte Jahrwoche wartet natürlich noch auf ihre Erfüllung. Nichts gab den Juden Anlass anzunehmen, dass ungefähr 2000 Jahre zwischen der 69. und der 70. Jahrwoche verstreichen würden.

Die verschiedenen Gesichte Daniels enden alle mit derselben Zeit, “der Zeit des Endes”, nämlich dem Ende des Äons. Die folgende Tabelle aus der “Compagnion Bible” (App.89) zeigt dies deutlich:


Was Daniel sagt

Daniel 7        Daniel 8        Daniel 9       Daniel 11      Daniel 12      Matthäus 24

 

Ein kleines Horn  Ein kleines Horn                            Ein Verachteter

8:20,21,24-26    9:12,23-25                                         21-31

 

Das bestän­dige    Aufhören             Das beständige   Das beständige

Opfer weg-                                   der Opfer           Opfer weg-         Opfer weg

genonmen                                      Vers 27              genommen          genommen

Vers 11-13                                                              Vers 31              Vers 11

 

                           Verwüstender     Beschirmender    Verwüstender     Verwüstender     Greuel der

                           Abfall                  Greuel                Greuel auf-          Greuel auf-          Verwüstung

                           Vers 13              Vers 27              gestellt, Vers 31  gestellt, Vers 11  Vers 15

 

3 1/2 Zeiten        2300 Tage          Die Hälfte                                      3 1/2 Zeiten

Vers 25              Vers 14              der Woche                                    1290, 1335 Tage

                                                     Vers 27                                         Verse 7, 11, 12

 

                           Heiligtum             Ein Aller-

                           gerecht-              heiligstes

                           fertigt                  gesalbt

                           Vers 14              Vers 24

 

Das Ende            Zeit des Endes    Das Ende            Zeit des Endes    Zeit des Endes    Das Ende

Vers 26              Verse 17,19        Vers 26              Vers 40              Verse 4,9,13       Vers 14

Die große Drangsal für Israel

Michael, der große Fürst, wird am Ende der Tage “aufstehen”, nämlich um den Satan vom Himmel auf die Erde niederzuwerfen, wie dies aus Offenbarung 12:7ff deutlich zu ersehen ist. Die Folge wird die große Drangsal sein, “dergleichen nicht gewesen ist”, Daniel 12:1, “denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen und hat große Wut, denn er weiß, dass er wenig Zeit hat”, Offenbarung 12:12:

Und in jener Zeit wird Michael aufstehen, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes steht. Und es wird eine Zeit der Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, ein jeder, der im Buche geschrieben gefunden wird. Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu äonischem Leben, und jene zur Schande, zu äonischer Abscheu. 
Und die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der dünn ausgebreiteten Schicht (der Lufthimmel, hebräisch “raqia”, siehe “Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft” S.640-645), und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, für die (zukünftige) Weltzeit, und zwar ununterbrochen. Daniel 12:1 3

Die Auferstehung

Die Auferstehung war also sehr gut bekannt, siehe Jesaja 26:19,21; 27:13 (Posaune vergleiche Matthäus 24:31); Offenbarung 20:5,6. Siehe auch 1.Korinther 15:23 und 1.Thessalonicher 4:16 (die Posaune). Dies besagt auch die folgende Stelle:

Du aber gehe hin bis zum Ende, und du wirst ruhen, und wirst auferstehen zu deinem Lose am Ende der Tage. Daniel 12:13

Daniel wird “am Ende der Tage” auferstehen, noch vor dem Anbruch des Friedensreiches:

Der Prophet Hosea

Hosea prophezeite ungefähr achtzig Jahre vor der Gefangenschaft der zehn Stämme (Nordreich). Er richtete sich vor allem an diese Stämme.

Die Wende

Die Verheißung Gottes an Abraham, seinen Samen so zahl-reich zu machen wie den Sand des Meeres, 1.Mose 22:17, wird in Erfül­lung gehen:

Doch die Zahl der Söhne Israels wird sein wie der Sand des Meeres, der nicht gemessen und nicht gezählt werden kann. Und es wird geschehen, an dem Orte, wo zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk, wird zu ihnen gesagt werden: Söhne des lebendigen Gottes (El). Und die Söhne Judas und die Söhne Israels werden sich miteinander versammeln, und sich ein Haupt setzen und aus dem Lande (ihrer Gefangenschaft) heraufziehen; denn groß ist der Tag von Jisreel. Hosea 1:10,11

Diese Stelle wird teilweise zitiert in Römer 9:25-26 und auch in 1.Petrus 2:10. Mit “Jisreel” ist gemeint: “Gottes Same”.

Ein Bund mit der Natur

Im Messianischen Königreich wird Gott nicht nur mit dem Volk Israel einen Neuen Bund schließen, sondern auch einen Bund (eine Verfügung) mit den Tieren. Dann wird eine “paradiesische” ökologische Ordnung auf der Erde herrschen, vergleiche Jesaja 11:6-9; 65:25:

Und ich werde an jenem Tage einen Bund für sie schließen mit den Tieren des Feldes und den Vögeln der (Luft-) Himmel und mit den kriechenden Tieren der Erde. Und ich werde Bogen und Schwert und den Krieg aus dem Lande zerbrechen, und ich werde sie in Sicherheit wohnen lassen. Und ich will dich mir verloben für den Äon, und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Gericht, und in Güte und in Barmherzigkeit, und ich will dich mir verloben in Treue, und du wirst den HERRN erkennen.     
Und es wird geschehen an jenem Tage, da werde ich erhören, spricht der HERR: Ich werde die Himmel erhören, und diese werden die Erde erhören. Und die Erde wird erhören das Korn und den Most und das Ö1, und sie, sie werden Jisreel (das heißt: Gott sät) erhören. Hosea 2:18-22

Am Ende der Tage dieses Zeitalters werden sich die Kinder Israel wieder zu dem HERRN, ihrem Gott. wenden, indem sie David (= die Dynastie Davids = Jesus Christus, den Sohn Davids) suchen werden:

Denn die Söhne Israels werden viele Tage ohne König bleiben und ohne Fürsten und ohne Schlachtopfer und ohne Bildsäule (oder Denksäule des Baal), und ohne Ephod und ohne Teraphim. Danach werden die Söhne Israels umkehren und den HERRN, ihren Gott, und David, ihren König, suchen. Und sie werden sich zitternd wenden zu dem HERRN und zu seiner Güte am Ende der Tage. Hosea 3:4,5

Ohne Bekehrung und ohne Erkenntnis Gottes haben Schlacht- und Brandopfer keinen Sinn, vergleiche 1.Samuel 14:22; Psalm 50:8.9; Sprüche 21:3; Jesaja 1:9; Micha 6:8!

Denn an Frömmigkeit habe ich Gefallen und nicht am Schlachtopfer, und an der Erkenntnis Gottes mehr als an Brandopfern. Zitiert in Matthäus 9:13; 12:7. Hosea 6:6

Vorhersage der Auferstehung der Toten

Siehe 1.Korinther 15:54-55; vergleiche Daniel 12:1.2; Jesaja 26:19:

Von der Gewalt des Scheols (Totenreiches) werde ich sie erlösen, vom Tode sie befreien! Wo sind, o Tod, deine Seuchen? Wo ist, o Scheol, dein Verderben? Reue ist vor meinen Augen verborgen. Hosea 13:14


Israel - ein fruchtbarer Garten

Israel wird den von Gott verliehenen Gnadengaben und Berufungen entsprechend mit mehreren Baumarten verglichen, siehe auch Richter 9:8-15. Obwohl mit der Verwerfung Israels die Bäume umgehauen werden, Matthäus 3:10; Jesaja 6:13, werden sie im Messianischen Reich wieder in voller Pracht wachsen:

Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen, will sie willig lieben, denn mein Zorn hat sich von ihm abgewendet. Ich werde für Israel sein wie der Tau: blühen soll es wie die Lilie und Wurzel schlagen wie der Libanon. Seine Schößlinge sollen sich ausbreiten, und seine Pracht soll sein wie der Olivenbaum, und sein Geruch wie der Libanon.
Die unter seinem Schatten Wohnenden sollen wiederum Getreide hervorbringen, und blühen wie ein Weinstock, dessen Ruf wie der Wein des Libanon ist. Ephraim (wird sagen): Was habe ich fortan mit den Götzen zu schaffen? - Ich, ich habe ihn erhört und auf ihn geblickt. - Ich bin wie eine grünende Zypresse. - Aus mir wird deine Frucht gefunden. Hosea 14:4-8

Der Prophet Joel

Es ist kein genaues Datum angegeben. Wahrscheinlich wurde dieses Buch während der ersten zehn Jahre der siegzigjährigen Gefangenschaft in Babel geschrieben. Der Inhalt des Buches Joel ist die Prophezeiung des Tages des HERRN, das sind die letzten Jahre unseres heutigen Äons vor der Wiederkunft des Messias. Es schließt mit der Vorhersage der Aufrichtung des Messianischen Königreiches ab.

Der Tag des HERRN ...

... wird eine Zeit von Vernichtung und Katastrophen sein; er ist groß und schrecklich. Gott ruft Israel zur Umkehr auf. Die Verheißungen für Israel werden hier hervorgehoben, unter anderem auch die Außgießung heiligen Geistes auf alles Fleisch (= geistliche Gaben), damit es in jener Zeit der großen Drangsal seinen Auftrag zu erfüllen vermag.

Ach über den Tag! Denn nahe ist der Tag des HERRN, und er kommt wie eine Verwüstung vom Allmächtigen. Joel 1:15

Siehe auch Joel 2:1,10-11; 3:15.16. Der Tag des Herrn ist nahe. Siehe Jesaja 2:12, Matthäus 24:29; Apostelgeschichte 2:20; Offenbarung 6:12.

Denn groß ist der Tag des HERRN und sehr furchtbar und wer kann ihn ertragen? Aber auch jetzt (noch), spricht der HERR, kehrt um bis zu mir mit eurem ganzen Herzen, und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen. Und zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider, und kehret um zu dem HERRN, eurem Gott, denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Güte und lässt sich des Übels gereuen. Joel 2:11b-13

Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen. Und selbst über die Knechte und über die Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen. -
Und ich werde Wunder geben im Himmel und auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchsäulen. Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare.       
Und es wird geschehen, ein jeder, der den Namen des HERRN anrufen wird, wird errettet werden. Denn auf dem Berge Zion und in Jerusalem wird Errettung sein, wie der HERR gesprochen hat, und unter den übriggebliebenen, welche der HERR berufen wird. Joel 2:28-32

Dies alles ist noch nicht erfüllt; einen Beginn der Erfüllung finden wir in Apostelgeschichte 2 und 3. Alle, die damals den Propheten glaubten, mussten erkennen, dass der Tag des Herrn und das Königreich nahe waren. Doch nur ein Teil bekehrte sich und die vollkommene Erfüllung musste noch ausgesetzt werden.

Völkergericht wegen Israel

Wiederherstellung Israels und Urteil über die Völker, siehe Matthäus 25:31-46, die zum Krieg gegen Israel in das Tal Josaphat hinabziehen:

Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich die Gefangenschaft Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln und sie in das Tal Josaphat (das heißt “Der HERR hat gerichtet”) hinabführen. Und ich werde daselbst mit ihnen rechten über mein Volk und mein Erbteil Israel, welches sie unter die Nationen zerstreut haben - und mein Land haben sie geteilt. Joel 4:1-2

Aufruf zum Krieg!

Vers 10 ist das Gegenteil von Jesaja 2:4 und Micha 4:3. Das eine ist vor, das andere nach der Wiederkunft des Messias. Vergleiche auch Matthäus 13:39; Offenbarung 14:15,18:

Ruft dieses aus unter den Nationen: Heiligt einen Krieg, erweckt die Helden; es sollen herankommen und heraufziehen alle Kriepsmänner! Schmiedet eure Pflugmesser zu Schwertern, und eure Winzermesser zu Speeren! Der Schwache sage: Ich bin ein Held! Eilt und kommt her, alle ihr Nationen ringsum, und versammelt euch! Dahin, HERR, sende deine Helden hinab! 
Die Nationen sollen sich aufmachen und hinabziehen in das Tal Josaphat; denn dort werde ich sitzen, um alle Nationen ringsum zu richten. Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommt, stampft, denn die Kelter ist voll, die Kufen fließen über! Denn groß ist ihre Bosheit. Joel 4:9-13

Das Ende des Buches Joel beschreibt den Abschluss unseres jetzigen Äons, wenn alle Völker gegen Israel ziehen werden - Strafgericht über alle Nationen, endgültige Errettung Israels und Aufrichtung des Messianischen Königreiches:

Getümmel, Getümmel im Tale der Entscheidung; denn nahe ist der Tag des HERRN im Tale der Entscheidung. Die Sonne und der Mond verfinstern sich, und die Sterne halten ihren Glanz. Und der HERR brüllt aus Zion und lässt aus Jerusalem seine Stimme erschallen, und Himmel und Erde erbeben. Und der HERR ist eine Zuflucht für sein Volk und eine Feste für die Söhne Israels.
Und ihr werdet erkennen, dass ich, der HERR, euer Gott bin, der auf Zion wohnt, meinem heiligen Berge. Und Jerusalem wird heilig sein, und Fremde werden es nicht mehr durchziehen.       
Und es wird geschehen, an jenem Tag, da werden die Berge von Most triefen, und die Hügel von Milch fließen, und alle Bäche Judas werden von Wasser fließen. Und eine Quelle wird aus dem Hause des HERRN hervorbrechen und das Tal Sittim bewässern.  
Ägypten wird zur Einöde und Edom zu einer öden Wüste werden wegen der Gewalttat an den Söhnen Judas, weil sie in ihrem Lande unschuldiges Blut vergossen haben. Aber Juda soll bewohnt werden für den Äon, und Jerusalem von Geschlecht zu Geschlecht. Und ich werde sie von ihrem Blut reinigen, von dem ich sie nicht gereinigt hatte. Und der HERR wird in Zion wohnen. Joel 3:14-21

Der Prophet Amos

Amos prophezeite ungefähr siebzig Jahre vor der Gefangenschaft Israels, und zwar während einer Dauer von ungefähr zwei Jahren. Wie auch die anderen Propheten wies Amos auf das Kommen des Messianischen Königreiches hin. Der Prophet versichert, dass das Haus Davids wieder aufgerichtet und das Volk Israel gesegnet werden wird. Der HERR wird die Gefangenschaft Israel dann wieder wenden, “und sie werden nie mehr aus ihrem Lande herausgerissen werden”, Vers 15. Die Verse 11 und 12 wurden von Jakobus in Apostelgeschichte 15:14-18 zitiert, ihre Erfüllung jedoch durch die Verwerfung des Messias noch hinausgezögert, Apostelgeschichte 28:25-28:

An jenem Tage werde ich die verfallene Hütte Davids aufrichten und ihre Risse vermauern, und ihre Trümmer aufrichten, und ich werde sie bauen wie in den Tagen vor alters; so dass sie (das heißt die Söhne Israels) denÜberrest der Menschen (so zu lesen mit richtiger Vokalisation “’adam” - siehe Apostelgeschichte 17:15 - statt “Edom”) und alle Nationen in Besitz nehmen, über welche mein Name genannt werden wird, spricht der HERR, der dieses tut ...     
Und ich werde die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden. Und sie werden die verwüsteten Städte aufbauen und bewohnen, und Weinberge pflanzen und deren Wein trinken, und Gärten anlegen und deren Frucht essen. Und ich werde sie in ihrem Lande pflanzen, und sie sollen nicht mehr herausgerissen werden aus ihrem Lande, das ich ihnen gegeben habe, spricht der HERR, dein Gott. Amos 9:11-15

Der Prophet Micha

Er prophezeite dreißig Jahre lang, von zwanzig Jahre vor bis zehn Jahre nach dem Beginn der siegzigjährigen Gefangenschaft Israels, gleichzeitig mit Jesaja. Gott ließ ihn in Micha 4:1-8 dieselben Worte aussprechen wie Jesaja 2:2-4.

Die Geburtsstadt des Retters

Die Stadt Bethlehem wird als Geburtsstadt des Messias vorhergesagt. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass der Rest der Söhne Israels zurückkehren wird. Der Messias wird der Hirte Israels sein. Das Friedensreich wird dann auf Erden aufgerichtet werden, vergleiche Matthäus 2:5.6; Johannes 7:43:

Und du, Bethlehem, Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der HERRscher über Israel sein soll. Und seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. Darum wird er sie dahingeben bis zur Zeit, da eine Gebärende geboren hat, und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren samt den Kindern Israel. Und er wird dastehen und seine Herde weiden in der Kraft des HERRN, in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden wohnen, denn nun wird er groß sein (das setzt die Erniedrigung des Messias voraus!) bis an die Enden der Erde. Und dieser wird Friede sein ... Micha 5:1-4

Israel wird über die Nationen regieren

Und der Überrest Jakobs wird inmitten vieler Völker sein wie ein Tau von dem HERRN, wie Regenschauer auf das Kraut, der nicht auf Menschen wartet und nicht auf Menschenkinder harrt. Und der Überrest Jakobs wird unter den Nationen, inmitten vieler Völker, sein wie ein Löwe unter den Tieren des Waldes... Micha 5:6-7

Der Prophet Haggai

Dieser Prophet weissagte etwa von 520 bis 515 vor Christus, also nach der babylonischen Gefangenschaft, und zwar im zweiten Jahr des Perserkönigs Darius Hystaspis.

Erschütterung von Himmel und Erde

Hier wird eine grundlegende Umwandlung der Himmel und der Erde beim Anbruch des zukünftigen Äons vorhergesagt.:

Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Noch einmal, eine kleine Weile ist es, da werde ich den Himmel erschüttern und die Erde und das Meer und das Trockene. Und ich werde alle Nationen erschüttern, und das Ersehnte aller Nationen wird kommen, und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht der HERR der Heerscharen. Haggai 2:6-7

Siehe Hebräer 12:26-27; auch Vers 10 zeigt, dass hier der Tempel von Hesekiel 40-48 im Verlauf des Messianischen Königreiches gemeint ist; dann wird Herrlichkeit und Friede herrschen. Siehe auch die Erfüllung der in Offenbarung 6:12-17; 8:5; 11:13 und 16:18 prophezeiten Erdbeben.

Der Prophet Sacharja

Er prophezeite einige Jahre nach der siebzigjährigen Gefangenschaft, und zwar von 520 vor Christus an. Das späteste Datum ist in Sacharja 7:1 enthalten (518 vor Christus). Seine Prophetien können sich somit nicht auf die Rückkehr der 10 Stämme aus Babel beziehen.

Rettung an einem Tag

Sacharja spricht die Verheißung des HERRN aus, dass sein Knecht, der “Spross”, kommen und die Ungerechtigkeit des Landes an einem Tag hinwegnehmen wird:

Höre doch, Josua, du Hoherpriester, du und deine Genossen, die vor dir sitzen - denn Männer des Wunders (Vorbildes, Wahrzeichens) sind sie. Denn siehe, ich will meinen Knecht, Spross (genannt), kommen lassen ... und will die Ungerechtigkeit dieses Landes hinwegnehmen an einem Tage. Sacharja 3:8,9

So spricht der HERR der Heerscharen und sagt: Siehe, ein Mann, sein Name ist Spross, und er wird von seiner Stelle aufsprossen und den Tempel des HERRN bauen. Ja, er wird den Tempel des HERRN bauen, und er wird Herrlichkeit tragen. Und er wird auf seinem Throne sitzen und herrschen, und wird Priester sein auf seinem Throne, und der Rat des Friedens wird zwischen ihnen beiden sein.” Sacharja 6:12-13, vergleiche Jesaja 4:2-6

Das Messianische Königreich bringt auch Segnungen für die Nationen, siehe zum Beispiel Psalm 72:11.17; 86:9; Daniel 7:13-14 und Micha 4:1-5:

So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der Nationen ergreifen, ja, ergreifen werden sie den Rockzipfel eines jüdischen Mannes und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist. Sacharja 8:23

Herrscher auf dem Esel

Der Einzug des Messias bei seinem ersten Kommen und die zukünftige Befreiung von ganz Israel. Interessant ist, dass sogleich nach der Erwähnung des Messias, der “demütig, auf einem Esel reitend” einzieht, vom “Blut deines Bundes” gesprochen wird - ein deutlicher Hinweis auf den Sühnetod des Messias:

Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: gerecht und ein Retter ist er, demütig (eigentlich: gebeugt, elend; die alexandrinische Übersetzung liest “sanftmütig” “demütig”), und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin.   
Und ich werde die Wagen ausrotten aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen wird ausgerottet werden. Und er wird Frieden reden zu den Nationen. Und seine Herrschaft wird sein von Meer zu Meer, und vom Strom bis an die Enden der Erde.      
(Und) du - um des Blutes deines Bundes willen entlasse ich auch deine Gefangenen aus der Grube, in welcher kein Wasser ist. Sacharja 9:9-11

Nichts wies darauf hin, dass zwischen dem neunten und zehnten Vers nahezu 2000 Jahre vergehen sollten. Von den Völkern wird nur im Zusammenhang mit dem irdischen Königreich gesprochen.

Der Taumelbecher der Weltpolitik und der Durchbohrte

Jerusalem wird zu einem Taumelbecher für alle Völker ringsum. Dies ist schon jetzt in Anfängen der Fall: Die Weltpolitik konzentriert sich immer mehr auf das Geschehen im Nahen Osten, insbesondere auf Israel und dort wiederum auf Jerusalem. Jerusalem wird zu einem “Laststein” der Völker, an dem alle, die ihn aufladen wollen, sich verwunden werden. Alle Völker, die in die Endschlacht nach Jerusalem hinaufziehen, werden verletzt werden. Dann wird über die Bewohner Jerusalems der Geist der Gnade und des Flehens ausgegossen werden; dann werden sie auf den HERRN blicken, den sie durchbohrt haben:

Ausspruch des Wortes des HERRN über Israel. Es spricht der HERR, der die Himmel ausdehnt und die Erde gründet, und des Menschen Geist in seinem Innern bildet: Siehe, ich mache Jerusalem zu einer Taumelschale für alle Völker ringsum, und auch über Juda wird es kommen bei der Belagerung von Jerusalem. Und es wird geschehen an jenem Tage, da werde ich Jerusalem zu einem Laststein machen für alle Völker: alle, die ihn aufladen (wollen) werden sich gewisslich daran verwunden. Und alle Nationen der Erde werden sich wider dasselbe versammeln.      
An jenem Tage, spricht der HERR, werde ich alle Rosse mit Scheuwerden und ihre Reiter mit Wahnsinn schlagen. Aber über das Haus Juda werde ich meine Augen offen halten, und alle Rosse der Völker mit Blindheit schlagen. An jenem Tage wird der HERR die Bewohner von Jerusalem beschirmen, und der Strauchelnde unter ihnen wird an jenem Tage wie David sein, und das Haus Davids wie Gott, wie der Engel des HERRN vor ihnen her. Und es wird geschehen an jenem Tage, da werde ich alle Nationen zu vertilgen suchen, die gegen Jerusalem heranziehen. Und ich werde über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen. Und sie werden auf mich blicken (hebräisch “wöhibbitu e1aj”. “aj” bzw. “j” ist das Suffix der ersten Person Singular), den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen gleich der Wehklage über den Eingeborenen, und bitterlich über ihn leidtragen, wie man bitterlich über den Erstgeborenen leidträgt. Sacharja 12:1-4, 8-10

Die Widerkunft Jesu auf den Ölberg

Und der HERR wird ausziehen und wider jene Nationen streiten, wie an dem Tage, da er streitet, an dem Tage der Schlacht. Und seine Füße werden an jenem Tage auf dem Ölberge stehen, der vor Jerusalem gegen Osten liegt (vergleiche Apostelgeschichte 1:9-12!). Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen hin zu einem sehr großen Tal, und die Hälfte des Berges wird nach Norden, und seine (andere) Hälfte nach Süden weichen.  
Und ihr werdet in das Tal meiner Berge fliehen, und das Tal der Berge wird bis Azel reichen. Und ihr werdet fliehen, wie ihr vor dem Erdbeben geflohen seid in den Tagen Ussijas, des Königs von Juda. Und kommen wird der HERR, mein Gott, (und) alle Heiligen mit dir. Sacharja 14:3-5

“Heilige” steht hier wohl für “Engel”, wie in Hiob 5:1; Psalm 89:6; Daniel 4:13; Matthäus 24:30-31; 25:31; Judas 14.

Kein Laubhüttenfest - kein Regen!

Die Völker werden in Jerusalem zum König Israels, nämlich zu dem HERRN der Heerscharen kommen, um ihn anzubeten:

Und es wird geschehen, dass alle Übriggebliebenen von allen Nationen, welche gegen Jerusalem gekommen sind, von Jahr zu Jahr hinaufziehen werden, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern. Und es wird geschehen, wenn eines von den Geschlechtern der Erde (oder: des Landes) nicht nach Jerusalem hinaufziehen wird, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten: Über dasselbe wird kein Regen kommen. Und wenn das Geschlecht Ägyptens nicht hinaufzieht und nicht kommt, so (wird der Regen) auch nicht über dieses (kommen). Das wird die Plage sein, womit der HERR die Nationen plagen wird, welche nicht hinaufziehen werden, um das Laubhüttenfest zu feiern. Sacharja 14:16-18

Während des Messianischen Königreiches wird es neben Heilungen und Segen auch unmittelbares Gericht für die Sünder geben, zum Beispiel Entzug des Regens, vergleiche Jesaja 11:4; 56:20; Apostelgeschichte 5:1-11; Lukas 20:35.36.

Der Prophet Maleachi

Maleachi (“Mein Bote”, “mein Engel” oder “Bote Jah's”) weissagte im fünften Jahrhundert vor Christus. Das Kommen des Boten - Johannes des Täufers - als Vorläufer des Messias wird vorhergesagt; er wird kurz vor dem ”Tag des Herrn” kommen und den Weg des Messias bereiten. Wer wird diesen Tag ertragen, Joel 2:11? Das Gericht wird mit den Kindern Levi beginnen, siehe 1.Petrus 4:17. Das Königreich wird durch die Macht des wiederkehrenden Königs aufgerichtet werden. Siehe auch Deuteronomium 30:3; Psalm 50:3-5; 96:13; Sacharja 2:10-12:

Siehe, ich sende meinen Boten (hebräisch “ma1’ak = Bote = Engel”), dass er den Weg bereite vor mir her. Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der HERR, den ihr sucht - und der Bote des Bundes, den ihr begehrt - siehe, er kommt, spricht der HERR der Heerscharen. 
Wer aber kann den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen bei seinem Erscheinen? Denn er wird wie das Feuer des Schmelzers sein und wie die Lauge der Wäscher. Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen, und er wird die Kinder Levi reinigen und sie läutern wie das Gold und wie das Silber, so dass sie Opfergaben darbringen werden dem HERRN in Gerechtigkeit. Dann wird die Opfergabe Judas und Jerusalems dem HERRN angenehm sein wie in den Tagen vor alters und wie in den Jahren der Vorzeit.       
Und ich werde euch nahen zum Gericht und werde ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer und gegen die Ehebrecher und gegen die falsch Schwörenden und gegen die, welche den Tagelöhner im Lohn, die Witwe und die Waise bedrücken und das Recht des Fremdlings beugen, und mich nicht fürchten, spricht der HERR der Heerscharen. Maleachi 3:1-5

Der Prophet Elia muss vor dem furchtbaren Tag des Herrn kommen. Johannes der Täufer sollte als Elia gerechnet werden, wenn Israel den Messias angenommen hätte; siehe Matthäus 11:14; 17:9-13; Markus 9:11-13:

Siehe, ich sende euch Elia, den Propheten, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare. Maleachi 4.5


 

Zusammenfassung der Prophetien

 

1.a)  Der Ungehorsam Israels, Mahnung zur Umkehr:      
Jesaja 1:2-23; 29:13-14; Jeremia 3:13-14; 4:4; 25:5; Hosea 6:6; Joel 2:11b-13.31.

   b) Israel wird mit Bäumen verglichen, die, falls sie keine Frucht bringen, umgehauen und ins Feuer geworfen werden. Doch einmal werden sämtliche Bäume wieder vorhanden sein:   
Jeremia 2:21; 8:13; 11:16-17; Hes 15:1-8; Hosea 14:4-8.

2.a)  Israel wird zerstreut werden wie eine Frau, die eine kurze Zeit von ihrem Gemahl verlassen wurde. Sie wird jedoch einmal mit großer Liebe wieder angenommen werden:    
Jesaja 5:1-7; 6:8-13; 10:20-22; 54:5; 60:21; Jeremia 23:1-3; Hosea 1-2.

   b) Das Bundesverhältnis zwischen dem HERRN und Israel wird verglichen mit dem Bund eines Bräutigams mit seiner Braut, bzw. eines Mannes mit seiner Frau:     
Jeremia 2:20. 32-34; 3:1-10.20; 31:32; Hosea 1:2-11; 2:1-25; 3:1.

3.)   Vorhersage der Berufung des ”Rufers in der Wüste” (Johannes der Täufer): Jesaja 40:3-8; Mal 3:1; 4:5.

4.)   Das erste Kommen des Messias und sein Erlösungsopfer: 
Jesaja 8:13-16; 9:1-6; 42:1-4; 6-8; 46:6; 49:7-9; 52:13-53:12; 61:1-2; Micha 5:1-3; Sacharja 3:8-9; 6:12; 9:9,11.

5.)   Vorzeichen der Messianischen Segnungen während der Evangelien- und Apostelgeschichtezeit: Jesaja 29:18-19;  
Ausgießung heiligen Geistes:
Jesaja 32:15-18; 44:3-4; Joel 2:28-4:29.

6.)   Der Tag des HERRN - Gericht über die Erde am Ende unseres Äons:
Jesaja 2:12-22; 11:3-5; 13:6,9,13,22; 22:5; 61:3; Jeremia 25:30-33; Hesekiel 38-39; Daniel 7:8-26; 8:9-26; 9:24-27; 11:21-40; 12:7-13; 2:34-45; Joel 1:15-20; 2:1-11, 30-32; 3:9-21; 4:1-17; Haggai 2:6; Sacharja 9:10-11; 12:1-4,8-9; Maleachi 3:2; 4:5.

7.a)  Die Bekehrung und darauffolgende Rückkehr Israels in das verheißene Land; Segnung und Wiederannahme Israels als Volk Gottes:   
Jesaja 4:2-4; 11:10-12; 14:1-2; 15:10; 49:18-20; 51:11; 54:4-6; 59:19-21; 60:21-22; 61:3-9; 62:1-5; Jeremia 2:14-16; 3:18; 23:3-8; 30:2-11,24b-31:11; 50:4-7; Hesekiel 11:16-20; 37:1-10; Joel 3:1-2, 20-21; Amos 9:11-15; Sacharja 12:9-10.

   b) Der Neue Bund wird mit Israel geschlossen:       
Jesaja 55:3-5; 59:19-21; Jeremia 31:31-37; 32:40-42; 33:21; 50:20; Hesekiel 11:19-20; 16:62; 34:25; 37:26-28; Sacharja 9:9,11.

   c)  Das Mosaische Gesetz bleibt im Neuen Bund bestehen:    
Jeremia 33:18.20; Hesekiel 11:20; 40:1-46:24; Maleachi 3:4, vergleiche auch Psalm 51:19-21; Jesaja 19:21; 56:7; 66:23.

8.)   Auferstehung aus den Toten:       
Jesaja 26:19; Hesekiel 37:1-10 (symbolisch); Daniel 12:2-3,13; Hosea 13:14.

9.)   Das zweite Kommen des Messias in Herrlichkeit und die Aufrichtung des Messianischen Königreiches, in dem Frieden, Gerechtigkeit und Fruchtbarkeit herrschen werden:
Jesaja 2:2-4; 4:5-6; 26:19; 32:15-18; 35:1-6; 40:9-11; 51:3-5; 55:1-2; 60:1-4; Jeremia 3:16-19; Jeremia 33:14-16; Hesekiel 39:1-23; 40-48; Daniel 2:34-45; Sacharja 9:10; 14:3-5; Maleachi 3:2.

10.)  Israels königliches Priestertum zur Segnung der Nationen, über die es regieren wird:
Jesaja 2:2-4; 25:7-8; 65:17-25; 66:18-19; Jeremia 3:17; 4:1-4; Micha 4:1-8; Sacharja 8:23.

11.)  Der Messias - Jahwäh - wird König und Hirte über Israel und die Nationen sein:
Jesaja 9:5-7; 29:16-17; 37:1-4; Jeremia 3:15-17; 23:4-6; 30:9; 33:15-21,22,26; Hesekiel 34:11-17,23-24; 37:24-28; 43:1-5; 48:35b; Hosea 1:11 (2:2); 3:4-5; Amos 9:11; Micha 4:7; 5:3; Sacharja 11:13; 14:16-18.


 

8. Die Erfüllung der Prophetien

 

Viele Menschen neigen dazu, all die Prophetien über Israel entweder als bereits erfüllt zu betrachten, oder sie schließen eine Erfüllung wegen des Ungehorsams der Israeliten aus, oder aber sie meinen, dass man diese Voraussagen “geistlich” verstehen, auf die Gemeinde Jesu übertragen müsse. Keine dieser Deutungen kann man annehmen, wenn man daran glaubt, dass die Heilige Schrift von Gott eingegeben ist:

Gewisse Prophetien haben eine teilweise Erfüllung erfahren, oder sie begannen, sich zu erfüllen, doch ist ganz deutlich, dass ein Großteil noch nicht eingetroffen ist. Man kann sehr wohl annehmen, dass viele Dinge eine geistliche oder symbolische Bedeutung haben, selbst wenn man gleichzeitig eine buchstäbliche Erfüllung erwartet. Weil Israel ein “symbolisches” Volk ist, ein “Typus”, muss man seine ganze Geschichte (sowohl Vergangenheit als auch Zukunft) als vorbildhaft betrachten:

Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist. 1.Korinther 10:11

Wie oft betont man, dass das Vergangene sowohl buchstäblich als auch geistlich angenommen werden muss! Wie kann man dann behaupten, dass das Zukünftige nur geistlich erfüllt werden wird? Da wir die Berichte der Bibel über die Geschichte Israels sowohl symbolisch als auch historisch als vollkommen zutreffend betrachten, ist es vernünftig, auch eine vollkommene Erfüllung der Prophezeiungen zu erwarten.

Verschiedene Segnungs-Sphären

Es ist wichtig einzusehen, dass die persönliche Segnung einer gewissen Anzahl von Juden, nachdem sie sich zu Christus bekehrt haben, nicht als die volle Erfüllung der Prophetien betrachtet werden kann. Diese sprechen nämlich auch von einem (wirklichen) Land, einer Stadt, einem Tempel, von 12 Stämmen, einem König usw. Es ist wahr, dass viele Juden eines Tages an ihren Messias glauben und insofern “Christen” sein werden, doch bleiben sie immer noch Juden, was ihre Nationalität und ihre Berufung angeht. In diesem Sinne werden sie sich weiterhin von den Nationen unterscheiden. Da der Leser sicherlich einige Schwierigkeiten mit einer derartigen Unterscheidung von verschiedenen Gruppen von Gläubigen hat, bitten wir ihn, noch etwas Geduld zu haben, bis sich die Gelegenheit bieten wird, dies näher zu untersuchen und über die verschiedenen Segnungssphären zu sprechen. Neben der irdischen Sphäre, in der Israel immer das auserwählte Volk bleibt (auch während des zukünftigen Äons), spricht die Schrift von einer himmlischen Sphäre, einer Heilsstellung, die in einer engeren Gemeinschaft mit Gott steht. Dort sind die Gläubigen “in Christus”, wo es weder Juden noch Heiden gibt, Galater 3:28.

Wir werden sogar noch eine dritte Sphäre kennenlernen, wo die Gemeinschaft mit Gott vollkommen ist, und wo man von einer Vereinigung mit Christus sprechen kann. “DIE LEHRE DES APOSTELS PAULUS” und “DER HEILSWEG” von S.Van Mierlo behandeln dieses Thema ausführlicher.

Die Aussagen der Propheten lassen zu, zwischen zwei Kommen des Herrn zu unterscheiden: dem ersten in Erniedrigung, zum Beispiel Jesaja 53; Sacharja 9:9, und dem zweiten in Herrlichkeit, gefolgt von der Aufrichtung des Königreiches Gottes auf Erden. Es wird auch von der Bekehrung Israels als ganzem Volk vor dem Beginn des Königreiches gesprochen. Das erste Kommen war notwendig, um das Sündopfer zu stellen, Jesaja 53:10.

Die ganze Geschichte der Menschheit von Adam ab zeigt, dass der Mensch nicht aus eigenem Vermögen zu Gott umkehrt: er ist “unter” der Sünde und vermag das Gute nicht aus eigener Kraft zu vollbringen. Gott gibt dem Menschen das Gesetz, das Ausdruck seines Willens, also des Guten ist, Römer 2:20, nicht in erster Linie, damit er das Gesetz erfüllt, sondern damit er zuerst erkennt und sich eingesteht, es nicht aus eigener Kraft erfüllen zu können. Der Mensch muss lernen, sich zu Gott zu bekehren und von ihm die nötige Gnade zu empfangen, um das Gesetz aus der Kraft Gottes zu erfüllen, vergleiche Römer 3:31; 13:8-10. Das Gesetz soll also die Menschen - und vor allem die Israeliten, Römer 1:16 - zu Christus führen, Galater 3:24, durch den die Gnade gekommen ist:

Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Johannes 1:17

Das bedeutet aber nicht, dass die Gläubigen darauf warten sollten, dass der Christus auf die Erde käme, um von ihm die Gnade zu empfangen! Viele hatten schon vor dem ersten Kommen Christi an ihr Anteil. Nach menschlichen Begriffen wurde das Werk des Christus zu einem bestimmten Zeitpunkt vollbracht, doch gilt dieser Zeitbegriff allein für uns Menschen. Gott ist dagegen keineswegs an die Zeit gebunden; in Wirklichkeit ist das Werk Christi völlig unabhängig von der Zeit, die nur in der physikalisch-sichtbaren Welt Gültigkeit hat. Niemand musste also warten, um an Gottes Gnade teilzuhaben:

Sprich nicht in deinem Herzen: “Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?” das ist: Christus herabführen, oder: “Wer wird in den Abgrund hinabsteigen?” das ist: Christus aus den Toten heraufführen; sondern was sagt sie? “Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund, in deinem Herzen.” Römer 10:(4-)6-8 (-13), vergleiche Deuteronomium 30:11-14 und Hebräer 9:15

Der Begriff der Gnade und das Werk Christi, das die Austeilung dies Gnade ermöglicht, zeigen uns einen grundlegenden Unterschied zwischen dem, was die Schrift uns lehrt und den “frommen” und ethischen Systemen. Diese können wohl in einem gewissen Maße dem Menschen vorschreiben, was er zu tun hat, doch geben sie ihm nicht die Möglichkeit, dies auch vollbringen. Sie haben vielleicht das Ziel, den Menschen zu verbessern, doch soll dies aus seiner eigenen Kraft geschehen, was notwendigerweise zum Scheitern führen muss.

Als der Christus zu den Juden gekommen war, vergrößerte dies ihre Verantworung. Von nun an konnten sie nicht nur an Gott glauben und sich an ihn wenden (so wie jeder Mensch das durch Gottes Gnade tun kann), sie hatten nicht nur das Gesetz empfangen, sondern sie hatten nun auch den vor Augen, der Sünden vergeben, Matthäus 9:6, der sie zur Wiedergeburt führen, Johannes 1:11-13; 1.Petrus 1:3,23, und sie befähigen konnte, durch Kraft des Geistes, Johannes 15:1-17; Galater 5:16; Johannes 8:32,36, das zu tun, was Gottes Wille ist, das Gute, Römer 12:2.

Die Propheten sprechen von der Segnung der Menschen aus den anderen Völkern, die Gott nicht so kannten, wie Israel ihn kannte. Das Neue Testament nun bestätigt dies und lehrt uns, dass diese Segnungen die Völker sogar schon “vor der Zeit” erreichten, weil das widerspenstige Israel dadurch zur Eifersucht gereizt werden sollte, vergleiche hierzu Römer 10:19; 11:11,15; 5.Mose 32:21; Jesaja 65:1, damit es die Gnade Gottes nicht verwerfen sollte.

Doch Israel blieb taub für alle Ermahnungen, und darum sollte eine Zeit schwerer Unterdrückung kommen, 5.Mose 30:1-3; vergleiche 5.Mose 15ff; 3.Mose 26:14ff - das letzte Mittel, um dieses Volk zur Bekehrung  zu führen. Auf dem Höhepunkt dieser Unterdrückung wird Israel sich endlich zu Gott wenden. Man achte jedoch darauf, dass es hier nicht um die Bekehrung von einigen oder selbst von vielen Juden, also um einzelne Personen geht, sondern um Israel als Kollektiv, als Volk: “Der Überrest wird umkehren”, Jesaja 10:21; Römer 9:27, “und so wird ganz Israel erretet werden”, Römer 11:26.27. Es wird eine nationale Bekehrung sein, die wohl erst nach der Wiederherstellung Israels als Nation im verheißenen Land stattfinden kann. Wenn der Tempel wiederaufgebaut sein wird, dann wird Israel wieder “Ammi”, Gottes Volk, sein, Hosea 2:25; Römer 9:25ff; 1.Petrus 2:10. Nach all diesem wird der Messias in Herrlichkeit erscheinen und das Königreich auf Erden aufrichten.

So sehen wir, dass Gott dann trotz allem zu seinem Ziel kommt, ohne den Menschen seiner Freiheit zu berauben und eine “Marionette” aus ihm zu machen. Aller Widerstand, auch der von Satan, der umso größer wird, je näher die Erfüllung kommt, Offenbarung 12:12, wird von Gott gebraucht, um seinen Plan auszuführen und seinen Namen zu verherrlichen. Die scheinbaren Fehlschläge in Gottes Heilsplan sind in Wirklichkeit Siege, vergleiche 1.Korinther 1:25-28. Das beste Beispiel hierfür ist das Kreuz: Alles scheint darauf hinzudeuten, dass es dem Satan schließlich doch gelungen sei, den Samen der Frau auszurotten, doch gerade am Kreuz wurde der endgültige Sieg errungen!

Gott vermag die größte Sünde zu gebrauchen, um die Gnade überströmen zu lassen, Römer 5:20.21. Gott zeigt in allen Teilen der Schöpfung seine Göttlichkeit, Römer 1:19,20, besonders aber in seinen Wegen mit den vernunftbegabten Geschöpfen. Alles, was der Mensch mit seinem unaufhörlichen Widerstand gegen Gottes Gnade erreicht, sind Prüfungen und Drangsale. Doch gebraucht Gott diese zu seinem Besten, um ihn auf dem Weg der Freiheit zu besserer Einsicht zu bringen.

Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme? Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind. wie sollten wir noch in ihr leben? Römer 6:1-2

Wir sehen also, wie sich Gottes Plan allmählich abzuzeichnen beginnt. Am Anfang musste er verschleiert bleiben; er stellte eine Verborgenheit, ein Geheimnis dar. Wenn wir die Schrift von Anfang an durchlesen, dann erkennen wir, dass diese allgemeine Verborgenheit mehr und mehr bekannt gemacht wird: es ist die Verborgenheit des Christus, Römer 16:25-17; Epheser 3:4,, des Mittlers Gottes. Immer wieder sehen wir, wie der Satan dagegenwirkt, wenn wieder ein Teil dieses Geheimnisses bekanntgemacht wird; doch trägt sein Widerstand durch Gottes Allmacht letztendlich dazu bei, Gottes Plan zu verwirklichen. Sowohl das Tun Satans als auch das der Menschen ist in sich schlecht, auch wenn Gott es zum Guten verwendet. Man muss dabei bedenken, dass selbst jene Teile, die schon geoffenbart waren, noch nicht verstanden wurden, 2.Korinther 3:14-16. Die Sünde macht blind, 2.Korinther 4:4. Wir werden dies auch später noch besser verstehen lernen.

Die Lücke in den Prophetien

Wir wollen besonderen Nachdruck auf die Tatsache legen, dass die Propheten nichts von einem langem Zeitraum zwischen den zwei Kommen des Christus sagen. So finden wir in den Prophetien, die sich sowohl auf das erste wie auch auf das zweite Kommen Christi beziehen, keinen Hinweis darauf, welche Zeitspanne dazwischen liegen würde, vergleiche Psalm 118:22; Jesaja 9:5.6; 53:10; 61:2; Daniel 9:26.27; Hosea 2:13.14; 3:4.5; Amos 9:10.11; Micha 5:2.3; Habakuk 2:13.14; Zephanja 3:7.8; Sacharja 9:9.10. Auch das konnte damals nicht geoffenbart werden.

Hieraus folgt jedoch, dass wir in der Zwischenzeit nicht eine Erfüllung der Prophetie erwarten dürfen. Die Propheten sprechen nur über die Zeit, in der Israel Gottes Volk ist. Allerlei Weltereignisse können schließlich zu dieser Erfüllung beitragen, doch ist keines dieser Ereignisse an sich die Erfüllung! Ja, manche Dinge können zeitweise sogar in eine ganz andere Richtung weisen. Wie viele Menschen haben sich schon geirrt, weil sie dies nicht berücksichtigt haben!

Des weiteren achte man darauf, dass alle Propheten darin übereinstimmen, dass das Gesetz mit allen seinen Vorschriften, einschließlich der Opferung von Tieren und anderen Zeremonien (Kulthandlungen) während des Königreiches auf Erden für Israel wieder gültig sein wird.

Wir bitten den Leser, sich in Gedanken in die Lage Israels vor dem Kommen des Christus in seiner Erniedrigung zu versetzen und sich nicht durch allerlei Begriffe oder kirchliche Traditionen fehlleiten zu lassen, die uns vielleicht beeinflussen. Oftmals beruhen diese nämlich auf einer falschen Auslegung von Dingen, die später geoffenbart wurden, oder aber auf menschlicher Überlieferung, die sich gegen Gottes Wort richtet.

Die außerbiblischen alten Schriften lehren uns, dass kurz vor dem Beginn unserer Zeitrechnung die Erwartung eines Erlösers weit verbreitet war. Man kann dies durch die Prophetie Daniels erklären, die wahrscheinlich durch verstreute Israeliten den Nationen bekanntgemacht wurde. Von daher ist es auch verständlich, dass Konfuzius, Zarathustra, die Siamesen, die Hindus, Tacitus, Suetonius, Virgilus und andere von der Erwartung eines Messias sprechen.

 


 

9. Die Evangelien

 

Es gibt vier Evangelien, von griechisch “eu’angélion = gute Nachricht,Botschaft” nach Matthäus, Markus. Lukas und Johannes. Wie auch die übrigen Schriften, Apostelgeschichte, Lehrbriefe der Apostel und die Offenbarung des Johannes, sind sie in Griechisch geschrieben.

Die Evangelien berichten vom Leben und Wirken Jesu Christi in Israel in den “Tagen seines Fleisches”, Hebräer 5:7. Die alttestamentlichen Prophezeiungen über das Königreich Gottes auf Erden begannen sich zu erfüllen. Das “Neue Testament” ist die Weiterführung des “Alten Testamentes”: Es besteht kein Widerspruch zwischen beiden Teilen der Schrift, vielmehr greifen sie ineinander über - man vergleiche die letzten Verse des “Alten Testamentes”, mit dem Anfang des Markus-Evangeliums:

Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite. Und plötzlich kommt zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr herbeiwünscht, siehe, er kommt, spricht der HERR der Heerscharen ...  
Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare. Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage. Maleachi 3:1,23-24

Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes: Wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht: «Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird.» Markus 1:1-2

Dasselbe gilt für das Matthäus-Evangelium, das mit dem Geschlechtsregister Jesu beginnt, das bis zu Abraham zurückreicht.

Das Alte Testament reicht bis ins Neue hinein!

Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass Israel sich während der Evangelienzeit im Alten Bund befand: Zacharias war beim Opferdienst im Tempel in Jerusalem, als ihm ein Engel des Herrn die Geburt seines Sohnes, Johannes des Täufers, ankündigte, Lukas 1:5-17. Josef und Maria ließen ihren Sohn Jesus am achten Tage nach dem Gesetz beschneiden und brachten das vorgeschriebene Opfer dar, Lukas 2:21-24. Alles, was die Evangelien berichten, geschah im Rahmen der Berufung des Volkes Israel, und zwar noch im Alten Bund. Der Neue Bund mit Israel, vergleiche Jeremia 31:31, wurde erst am Kreuz geschlossen. Betrachten wir nun die Erfüllung der Prophezeiungen in den Evangelien.

1.)   In Genesis 3:15 wurde der “Same der Frau” verheißen, der den Kopf der Schlange zermalmen sollte - Jesus ist dieser Same

Matthäus 1:1 nennt ihn “Sohn Davids, des Sohnes Abrahams”. Der Satan erkennt ihn als solchen und versucht ihn zu töten, Kindermord zu Bethlehem; Matthäus 2:15-18, oder unschädlich zu machen durch Versuchungen, die das Ziel haben, ihn zu verleiten, gegen Gottes Willen zu handeln, Matthäus 4.

2.)   Jesus ist der Christus, das heißt der Messias, der durch die Propheten angekündigt wurde:

Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona, denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Matthäus 1:16, vergleiche Matthäus 1:16.

Denn euch ist heute ein Erretter geboren in Davids Stadt, welcher ist Christus, der HERR ... Und es war ihm (dem Simeon) von dem Heiligen Geist ein göttlicher Ausspruch geworden, dass er den Tod nicht sehen solle, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Lukas 2:11,26

Der Name “Christus” bedeutet “der Gesalbte” und entspricht dem hebräischen “hamaschiach = Messias”, vergleiche die Salbung mit heiligem Geist Jesaja 11:1-5; Lukas 3:22. Der Name “Jesus”, von hebräisch “Jeschua = der HERR rettet” wird in der Schrift stets im Zusammenhang mit seiner Erniedrigung gebraucht. Seine Taufe im Wasser musste Israel, das sehr vertraut mit dem Taufen im Wasser war, zeigen, dass er der verheißene Messias war, Matthäus 3:15-17; Johannes 1:31-34. Die Salbung war stets von einer Taufe begleitet:

Und Aaron und seine Söhne sollst du herzunahen lassen an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft und sie mit Wasser waschen. Und nimm das Salböl und gieße es auf sein Haupt und salbe ihn. Exodus 29:4,7, vergleiche Leviticus 8:6,12

Auch die Wunder sollten hauptsächlich Zeichen sein, um ihn als Messias erkenntlich zu machen:

Auf dass ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Gewalt hat auf der Erde Sünden zu vergeben ... und dann sagt er zu dem Gelähmten: Stehe auf, nimm dein Bett auf und gehe nach deinem Hause. Matthäus 8:16-17; 9:6, vergleiche Matthäus 11:2-5.

Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Königreich Gottes zu euch hingekommen. Matthäus 12.28, siehe auch Matthäus 14:33; Lukas 7:19-23; Johannes 5:36; 10:24-25. Vergleiche Jesaja 29:18; 35:4-6; 42:7; 61:1-3.

Die “Schafe”, die gutwilligen Juden, sollten ihn durch derartige Zeichen erkennen, die anderen Juden jedoch nicht, Johannes 10:26-27. Darum tat er in Gebieten, in denen die Menschen wenig Glauben hatten, kaum Wunder, Matthäus 13:58. Wunder beweisen für sich genommen nichts, denn auch die falschen Christi und die falsche Propheten werden Wunder tun, Matthäus 24:24. Der Wert derartiger Ereignisse hängt von ihrem Ursprung und ihren Auswirkungen ab, man darf also nicht grundsätzlich jedes Wunder Gott zuschreiben. Grundlage für die Beurteilung derartiger Geschehnisse muss immer die Schrift sein. Den Wert der Zeichen, die Christus tat, kann man erst ermessen, wenn man sie im Rahmen seines Auftrages und Teil des Ganzen versteht. Es war in erster Linie notwendig, die ganze Schrift zu glauben, um den Wert dieser Wunder beurteilen zu können:

Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buche geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, auf dass ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend Leben habt in seinem Namen. Johannes 20:30-31

Auch die anderen Erfüllungen der Prophetie waren Zeichen, Sacharja 9:9. Der HERR selbst erklärt, dass er der Christus ist, Matthäus 26:63-64; Daniel 7:13; Johannes 5:36. Er ist der Gesandte Gottes, Johannes 13:3; 17:3; Jesaja 61:1.

3.)   Wir müssen in Jesus einen wirklichen König der Juden sehen

Die Magier: “Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist?”, Matthäus 2:2

Der Engel Gabriel: “Und der HERR, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen über das Haus Jakob in die Äonen, und seines Königreiches wird kein Ende sein.” Lukas 1:32-33

Der Prophet Sacharja: “Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: gerecht und Retter ist er, elend und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin.”

Nathanael: “Rabbi, du bist der Sohn Gottes. Du bist der König Israels, Johannes 1:49

Die Volksmenge: “Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!” Johannes 12:13; siehe Lukas 19:38

Pilatus: “Dieser ist Jesus, der König der Juden.” Matthäus 27:37; Markus 15:26; Lukas 23:38; Johannes 19:19, siehe auch Markus 15:9,12; Johannes 19:14-15.

Einer der Übeltäter: “Gedenke meiner, wenn du in dein Königreich kommst!”(Lukas 23:42)

Der Herr selbst: “Dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkei sitzen, und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen.” Matthäus 25:31
“Bist Du der König der Juden? Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst es!” Matthäus 27:11.12; Markus 15:2; Lukas 23:39, siehe auch Johannes 18:33-37.

Niemals ist von einem König der Gläubigen allgemein die Rede, auch nicht von einem König der “Kirche”. Immer ist ausschließlich Israel gemeint und ein wirklicher König im buchstäblichen Sinne des Wortes. Es geht hier also nicht nur um eine geistliche Wahrheit.

4.)   Dieses Königreich wird auf der Erde sein

Jerusalem soll das Zentrum dieses Königreiches bilden. Weil dieses einige Male “Königreich der Himmel” genannt wird, hat man später gemeint, dass hier von einem Königreich in den Himmeln gesprochen werde, von einem geistigen Königreich und nicht von einem Königreich auf der Erde. Dieser Ausdruck weist jedoch auf den Ursprung und nie auf den Ort des Königreiches hin. Der griechische Text gebraucht hier den Genitiv, und man kann aus vielen Schriftstellen erkennen, dass dieser Fall oft den Ursprung oder die Ursache von etwas bezeichnet und nicht den Ort; vergleiche:

Und er (Abraham) empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er in der Vorhaut war, damit er Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet würde. Römer 4:11

Man verweist dann oft auf folgende Bibelstelle, wo Jesus sagt:

Mein Königreich ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, auf dass ich den Juden nicht überliefert würde. Jetzt aber ist mein Reich nicht von hier. Johannes 18:36

Doch was sagt der griechische Text? “Mein Königreich ist nicht aus dieser Welt.” Hier wir die Präposition “ek = aus” gebraucht, die sehr deutlich zeigt, dass es hier um den Ursprung des Königreiches geht. Es kommt nicht durch weltliche Ereignisse, sondern durch ein Eingreifen himmlischen Ursprungs.

Wir haben in der Tat gesehen, wie Gott von der Bildung Adams an, ein Königreich auf Erden aufrichten wollte. Dieses Königreich ist also himmlisch, was seinen Ursprung angeht und irdisch, was seinen Ort betrifft. Das Königreich war von Grundlegung der Welt an bereitet, Matthäus 25:34. Auch die Bergpredigt bestätigt, dass es sich um ein Königreich auf Erden handelt:

Glückselig die Sanfmütigen, denn sie werden das Land ererben. Matthäus 5:5

Der HERR sprach oftmals über irdische Dinge, Johannes 3:12. Zum Beispiel bezeichnet er Jerusalem als die Stadt des großen Königs, Matthäus 5:35.

Das Königreich wird sich über das ganze Land erstrecken, das Israel verheißen wurde und das vom Strome Ägyptens und vom Euphrat begrenzt wird, Genesis 15:18. Die Hauptstadt wird Jerusalem sein. Man lese hierzu die Propheten, besonders Daniel 2:44; 4:25,26; 7:13,14,27.

Der Ausdruck “Königreich Gottes” umfasst mehr als “Königreich der Himmel”. Letzteres ist offensichtlich im ersten enthalten, es ist ein Teil des ersten, deswegen wird es auch, wie in den Evangelien nach Markus und Johannes, “Königreich Gottes” genannt. Der allgemeinere Ausdruck “Königreich Gottes” hat wahrscheinlich der Meinung Eintritt verschafft, derzufolge das Königreich der Himmel kein Königreich auf Erden sei. Man spricht dann von einem allmählichen Kommen und sich Ausbreiten des Königreiches. Man denkt also nur an ein geistliches Reich, an eine Vermehrung der Zahl der Gläubigen, an zunehmende Unterwerfung der Welt gegenüber Christus.

Wir sehen jedoch, dass es nicht den geringsten biblischen Grund für eine derartige Auffassung gibt. Dabei sprechen auch die Tatsachen gegen diese Auffassung. Wir befinden uns nun in einem bösen Äon, dessen Gott Satan ist, 2.Korinther 4:4, und wir sehen, wie Abfall, Unglaube und Gotteslästerung überall zunehmen. Wenn man annimmt, die “Kirche” hätte von Gott den Auftrag, das Königreich Gottes noch in der gegenwärtigen Verwaltung aufzurichten, dann müsste man das Misslingen dieses Auftrages zugeben. Weit davon entfernt, uns ein allmähliches Kommen des Königreiches anzukündigen, sagt Gottes Wort vielmehr deutlich, dass das Königreich plötzlich beginnen wird:

Denn gleichwie der Blitz ausfährt von Osten und scheint bis nach Westen, also wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Matthäus 24:27, vergleiche Lukas 17:24

Nach der großen Drangsal werden die “Stämme des Landes” den Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels in Kraft und großer Herrlichkeit kommen sehen, Matthäus 24:4-21,29. Johannes der Täufer konnte von dem “kommenden Zorn” sprechen, Matthäus 3:6-7. Das Königreich war damals nahe, also auch die große Drangsal.

Wir können gut verstehen, dass viele Christen wenig für eine “chiliastische “ Lehre (= Lehre vom Tausendjährigen Reich) empfinden können, die das Königreich auf Erden als Endziel für alle Gläubigen anzudeuten scheint. Doch darf es keine Einwände gegen eine biblische Lehre vom Tausendjährigen Reich geben, wenn man erkennt, dass es auch noch eine himmlische Sphäre gibt, und dass der kommende Äon von noch vollkommeneren gefolgt sein wird, Offenbarung 21 und 22, die bis zum Endziel führen werden: Gott alles in allem, 1.Korinther 15:28.


5.)    Das Volk Israel muss sich bekehren, damit das Königreich kommen kann

In der Zeit der Evangelien war das Königreich “nahe”. Einer der wichtigsten Aufträge Johannes des Täufers war, zu verkündigen, dass das Königreich nahe gekommen war:

Tut Buße (griechisch: metano-ejn = Umdenken), denn das Königreich (griechisch: basiléja) der Himmel ist nahe gekommen. Matthäus 3:2

Der König stand bereits vor ihnen, wenn auch in seiner Erniedrigung. Nur eines war noch nötig: die Bekehrung, zu der die Propheten schon so lange aufgerufen hatten. Man achte darauf, wie sehr der HERR den Nachdruck auf die Bekehrung legt:

Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Königreich der Himmel eingehen. Matthäus 18:3

Auch die zwölf Apostel mussten ausrufen: “Das Königreich der Himmel ist nahe!”, Matthäus 10:7. Vor seinem Einzug in Jerusalem klagte Jesus über die Unwilligkeit der Israeliten, umzukehren. Das Königreich der Himmel wird erst dann kommen, wenn die Juden Jesus als ihren Messias erkennen und annehmen werden:

Denn ich (Jesus Christus) sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: “Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!” Matthäus 23:39


6.)   Das Nahesein des Königreiches wird begleitet von sichtbaren Zeichen: Wunder und Unterwerfung böser Mächte

Sobald wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Tatsache gelenkt haben, erhalten Schriftstellen wie die folgenden eine tiefere Bedeutung:

... lehrte in den Synagogen und predigte das Evangelium des Königreiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volke. Matthäus 4:23; 9:35

Das Königreich der Himmel ist nahe gekommen. Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus!” Matthäus 10:7-8

Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist das Königreich Gottes zu euch gekommen. Matthäus 12:28

Wir beschränken uns auf das Evangelium nach Matthäus. Wie wir bereits gesehen haben, mussten die Wunder und Kräfte denen, die der Schrift treu blieben, ein Zeichen für das Kommen des Messias und des Königreiches sein. Vergleiche zum Beispiel:

Saget zu denen, die zaghaften Herzens sind: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, euer Gott (kommt), Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und aufjauchzen wird die Zunge der Stummen.” Jesaja 35:4-6

Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und ergriff dich bei der Hand, und ich werde dich behüten und dich geben zum Bunde des Volkes, zum Licht der Nationen: um blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen, (und) aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen. Jesaja 42:6-7

Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat, um den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen, (weil er) mich gesandt hat, um zu verbinden, die zerbrochenen Herzens sind, Freiheit auszurufen den Gefangenen, und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, um auszurufen das Jahr der Annehmung des HERRN und den Tag der Rache unseres Gottes, (und) zu trösten alle Trauernden. Jesaja 61:1-2; vergleiche Lukas 4:18

Der König hat Macht über die Naturkräfte und kann die geistlichen Bosheiten in Fesseln legen. Während des Königreiches hätte das verwirklicht werden müssen, was Adam vor dem Fall hätte vollbringen sollen: die Unterwerfung der ganzen Erde. Die Zustände auf Erden werden sich während des Königreiches dann auch vollkommen von den heutigen unterscheiden. Man lese Prophezeiungen wie Jesaja 11:1-20; 32:15; 35:6-9; 43:19; 65:19-25; Amos 9:11-15.

Die Heilungen und anderen Wunder gehören zu den Kräften, die typisch sind für den kommenden Äon. Sie stehen in so engem Zusammenhang mit dem Kommen des Christus, dass Jesus sie als Beweis für seine Messianität angibt:

... und geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Äons. Hebräer 6:5

Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend, und Lahme gehen. Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt. Matthäus 11:3-5

Erst nachdem Israel wegen seines Unglaubens am Ende der Apostelgeschichtezeit, Apostelgeschichte 28:28, als Volk Gottes zeitweise beiseite gesetzt und deshalb das Kommen des Königreiches und die Wiederkunft des Messias aufgeschoben wurde, hörten diese Wunderzeichen auf, da dieselben auf das Nahesein des Königreiches hinweisen sollten. (Anmerkung des Übersetzers: Sie hörten nicht völlig auf, wie es ja auch während des ganzen Alten Testamentes immer wieder Wunder gab. Doch geschahen diese eher vereinzelt, während sie unmittelbar vor dem Kommen des Königreiches verdichtet auftreten.) Wir werden dies später ausführlicher zeigen, wenn wir über die Zeit der Apostelgeschichte und die gegenwärtige Verwaltung sprechen werden.

Inzwischen kann der Leser sich deutlich machen, dass Texte wie Matthäus 10:8 und Markus 16:17,18 nicht ohne weiteres auf unsere Zeit anwendbar sind, sondern zur Gänze erst dann, wenn Israel als Nation in seinem Land besteht und als Volk angenommen ist.

Indem ihr aber hingeht, predigt und sprecht: Das Königreich der Himmel ist nahe gekommen. Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus, umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt. Verschafft euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure Gürtel, keine Tasche auf den Weg, noch zwei Leibröcke, noch Sandalen, noch einen Stab; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. Matthäus 10:7-10

Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, so wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. Markus 16:17-18

Indem man die Verwaltungen nicht unterscheidet, kann man dergleichen Texte nicht buchstäblich annehmen und kommt leicht dazu, sie aus der Schrift zu entfernen, wie die moderne, zersetzende Kritik das tut. Es ist wahr, dass die letzten zwölf Verse von Markus 16 sich in den zwei wichtigsten Handschriften (Vaticanus und Sinaiticus) nicht finden. Doch eine dieser Handschriften lässt an dieser Stelle einen Platz frei, und in der anderen ist das Ende von Markus in breiterer Handschrift geschrieben. Beide weisen an dieser Stelle also eine Besonderheit auf. Man bedenke, dass all die anderen Handschriften (mehr als 600) und die ältesten Übersetzungen diese zwölf Verse enthalten. Auch Hieronymus, der zu älteren Handschriften Zugang hatte, als sie uns heute zur Verfügung stehen, fügte seiner lateinischen Obersetzung diese zwölf Verse bei. Alle “Väter” sprechen über diese Schriftstelle.

(Empfehlung: “These signs...” Markus 16:17; A personal testimony and bible study by Ernest H.Streets; ISBN 0 947778 01 2; THE OPEN BIBLE TRUST 36 Hardwick Road. Reading. RG3 4LN. U.K.

7.)   Jesus Christus ist zuerst zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

Denn Er wird sein Volk erretten von ihren Sünden. Matthäus 1:21

Der mein Volk Israel weiden wird. Matthäus 2:6

Geht nicht auf einen Weg der Nationen ... geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Matthäus 10:5,6

Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Matthäus 15:24 Vergleiche auch Matthäus 9:36 und die Propheten Jeremia 23:3-4; Hesekiel 34:12-16,22-24; auch Johannes 10:11.

Jesus Christus ist “der Gute Hirte”, siehe auch Jesaja 40:11 und Psalm 23. In Hebräer 13:20 wird er “der große Hirte” genannt und in 1.Petrus 5:4 “der oberste Hirte”. Man vergesse nicht, dass die letzten beiden Briefe an Christen-Juden gerichtet sind. Man erinnere sich auch an die Worte, die Jesus an die syro-phönizische Frau richtete, Markus 7:26-27.

Gott führt seinen Plan aus: Nachdem er ein Volk auserwählt hat, durch das er die anderen Volker segnen will, sendet er seinen Sohn. Zuerst musste das Volk Israel die Stellung einnehmen, für die es auserwählt war, bevor es den anderen Völkern dienen konnte. Wir werden später sehen, dass durch den Ungehorsam Israels die Segnungen Gottes sozusagen “vor der Zeit” zu den Völkern gekommen sind. Die Großzahl wird dennoch erst zur Zeit des Königreiches und durch Israel erreicht werden. Der HERR ist also nicht gekommen, um die Völker unmittelbar zu segnen.

Es ist selbstverständlich, dass Jesus Christus nicht gekommen ist, um eine neue Form von “Gottesdienst” einzuführen. Man ist sich darüber einig, dass im Mittelpunkt der ganzen Lehre der Evangelien das größte Gebot steht: “Du sollst den Herrn, deinen Gott. lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand “, Matthäus 22:35-40. Das zweite aber, ihm gleiche (griechisch: hómoios = ähnlich; nicht ísos = gleich, identisch), ist: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” Oftmals wird aber vergessen, dass diese beiden Gebote, an denen das ganze Gesetz und die Propheten hängen, durch Mose gegeben wurden: 3.Mose 19:18 und 5.Mose 6:5!

In diesem Zusammenhang ist es vielleicht erwähnenswert, auf die Übereinstimmung hinzuweisen, die zwischen Psalm 15 und der “Bergpredigt” (eigentlich genauer: Berglehre) besteht:

Psalm 15  
1 HERR, wer darf in deinem Zelt weilen? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? Vergleiche Matthäus 5:3-12.   
2 Der rechtschaffen wandelt und Gerechtigkeit übt und Wahrheit redet in seinem Herzen, vergleiche Matthäus 5:13-6:34   
3 nicht verleumdet mit seiner Zunge, kein Übel tut seinem Gefährten und keine Schmähung bringt auf seinen Nächsten, Matthäus 7:1-5 und 5:43-38,   
4 in dessen Augen der Verworfene verachtet ist, der aber die ehrt, die den HERRN fürchten; der, hat er zum Schaden geschworen, es nicht ändert; Matthäus 7:15-23 und 5:33-37,  
5 der sein Geld nicht auf Zins gibt, und kein Bestechungs-Geschenk nimmt gegen den Unschuldigen. Wer solches tut, wird nicht wanken in Ewigkeit, Matthäus 5:33-42 und 7:24-27.

Man denke nicht, dass das Gebot der Nächstenliebe sich auf die Kinder Israel beschränkte! Die Schrift sagt ausdrücklich:

Wie ein Eingeborener soll euch der Fremdling unter euch sein, der bei euch weilt, und du sollst ihn lieben wie dich selbst. 3.Mose 19:34

Das Neue Testament gibt uns also nicht einen neuen “Gottesdienst” oder eine neue Lehre, sondern beleuchtet die alte Lehre genauer und richtet sich gegen die Auffassungen der Pharisäer. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Propheten und auch Mose stets den Nachdruck auf die innere Einstellung des Menschen gelegt haben und deutlich machten, dass Gott eine Abscheu vor äußeren Formen hat, wenn sie nicht mit der inneren Einstellung übereinstimmen.

Das ganze Gesetz musste während der Evangelienzeit und auch danach noch befolgt werden. Der HERR wollte nicht einen neuen Gottesdienst einführen, sondern - im Gegenteil - dass der bestehende Gottesdienst (der einzige, der mit allen seinen Zeremonien von Gott selbst eingeführt wurde) treu durchgeführt und gelebt wird. Der HERR ist nicht gekommen, um etwas niederzureißen, sondern, um das Gesetz und die Propheten zu erfüllen:

Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Matthäus 5:17

Er wendete sich nicht gegen den Gottesdienst der Juden, vielmehr wurde er ein Diener der Beschneidung, um Gottes Treue und Wahrhaftigkeit zu beweisen, indem er die Verheißungen erfüllte, die den Vätern gegeben worden waren, Römer 15:8.

8.)   Die zwölf Apostel werden während des irdischen Königreiches einen Auftrag bezüglich Israel haben.

Wir haben bereits gesehen, dass die zwölf Apostel während der Zeit der Evangelien wie ihr Herr nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gehen sollten. Sie mussten verkündigen, dass das Königreich nahe war, und das Volk Israel musste sich bekehren, damit der Messias in seiner Herrlichkeit kommen könnte. Was wird nun der Auftrag der Zwölf im Königreich sein? Die Antwort ist sehr deutlich:

Auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der HERRlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Matthäus 19:28, vergleiche Lukas 22:30.

Um die Bedeutung von “richten” zu verstehen, kann man einige Texte lesen, in denen das Griechische auch das Wort “kríno” gebraucht: Apostelgeschichte 16:4 (“Verordnungen”); 21:25 (“verfügen”). Die Bedeutung ist umfassender als wir sie dem Wort “richten” zuschreiben. Es handelt sich hier vielmehr um ein “Regieren”, wie es die Richter im Alten Testament taten. Nach allem, was wir bereits gesehen haben, ist klar, dass wir auch dies buchstäblich aufzufassen haben. Wir werden dann auch den folgenden Text besser verstehen:

Und ich werde dir die Schlüssel des Königreiches der Himmel geben, und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein (eigentlich: “gebunden worden sein”). Matthäus 16:19

“Was” bezieht sich nicht so sehr auf Menschen, sondern vor allem auf Taten, siehe Matthäus 18:15-17. Sie müssen den Menschen deutlich machen, was sie zu tun haben, sie auf Gottes Weg leiten. Die Pharisäer banden Lasten, anstatt dem Volk zu helfen, Gottes Willen zu tun, Matthäus 23:4. Die Schlüssel sind das Zeichen einer übertragenen Gewalt, siehe Jesaja 22:15-25. Die Schlüsselgewalt ist nicht das Monopol von Petrus, sondern gehört auch den anderen Aposteln:

Wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, (eigentlich: “gebunden worden sein”), und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein (eigentlich: “gelöst worden sein”). Matthäus 18:18

(Gabe der Geistunterscheidung an die Elf:)     
Und als er dies gesagt hatte, hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget heiligen Geist! (Die Gabe: “pneúma hágion” ohne Artikel) Welchen irgend ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben (eigentlich: “denen sind sie vergeben worden”), welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten (eigentlich: “denen sind sie behalten worden”). Johannes 20:22-23

Durch das Unterscheiden der Geister vermögen die Apostel echte Reue wahrzunehmen, so dass sie wissen können, ob Gott die Sünden vergeben hat.

Selbst angenommen, dass Petrus eine gewisse Vorrangstellung zukommt, so wird er sie doch erst in der Zukunft ausüben, nach der Auferstehung, und nicht über Christen aus den Völkern, sondern über Christen-Juden im irdischen Königreich. Dabei ist die Zahl der Apostel der Beschneidung auf zwölf begrenzt, und von Nachfolgern ist in diesen Stellen gar keine Rede.

So wollen wir nun näher untersuchen, welche Aufträge die Apostel nach der Auferstehung des Herrn empfingen. Bereits am Abend des Auferstehungstages, Markus 16:9-14, wurden die Elf vom Herrn über das Königreich Gottes auf Erden unterrichtet. Hier erhielten die Apostel der Beschneidung ihren Auftrag, das Evangelium mit Zeichen und Wundern zu verkündigen, Markus 16:13a-18; Lukas 24:28-45; Job 20:19-23. Dieser Unterricht dauerte 40 Tage, das heißt bis zur Himmelfahrt Christi, Apostelgeschichte 1:3b. Unmittelbar nach Pfingsten begannen die Jünger diesen Auftrag auszuführen, bestätigt durch Krankenheilungen, Totenauferweckungen und das Reden in fremden Sprachen, wodurch sie das Nahesein des Königreiches verkündigten, Markus 16:20.

Der Auftrag von Markus 16:13-18 ist nicht der gleiche wie der von Matthäus 28:18-20, der bei einer anderen Gelegenheit gegeben wird, nämlich auf einem Berg in Galiläa. Aus den Worten Jesu ist dabei zu erkennen, dass es um die Zukunft geht, wenn er alle Macht angenommen haben wird:

Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Matthäus 28:18

Alle Macht im Himmel und auf der Erde ist Jesus Christus gegeben, annehmen wird er sie jedoch erst später - zuerst im Himmel:

Wir danken Dir, Herr, Gott, Allmächtiger, der da ist und der da war, dass du angenommen hast deine große Macht und angetreten deine Herrschaft. Offenbarung11:17

Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen. 
Und ich hörte eine laute Stimme in dem Himmel sagen: Nun ist die Rettung und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte. ... Darum seid fröhlich, ihr Himmel und die ihr in ihnen wohnt! Wehe der Erde und dem Meere! Offenbarung 12:9-12

Seine Herrschaft auf der Erde tritt Jesus Christus erst bei seiner Wiederkunft auf dem Ölberg an, bis dahin gilt: “Wehe der Erde!”

Und der HERR wird ausziehen und wider jene Nationen streiten, wie an dem Tage da er streitet, an dem Tage der Schlacht. Und seine Füße werden an jenem Tage auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem gegen Osten liegt, und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen zu einem sehr großen Tal ... Sacharja 14:3,4, vergleiche Daniel 7:13.14:

Alsbald aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen in dem Himmel erscheinen, und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit. Matthäus 24:29,30

Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben. Gericht (zu halten), und die Seelen derer, welche um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet waren, und die, welche das Tier nicht angebetet hatten, noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand, und sie lebten und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. Offenbarung 20:4

(Anmerkung: All denen, die wie hier beschrieben, um Jesu willen auf einige Jahre ihres Lebens “verzichten”, werden also tausend Jahre zusätzlich geschenkt!) Erst nachdem der Christus die Macht auf der Erde angenommen und seine Königsherrschaft angetreten haben wird, erst dann ist die Zeit gekommen, dass die Apostel zu den Völkern gehen müssen.

Wir erinnern uns, dass die Propheten immer wieder von der Segnung der Völker durch Israel gesprochen haben; dies wird unter der Leitung der zwölf Apostel der Beschneidung geschehen. Dann wird eine Weltmission stattfinden können, ohne dass die Missionare und besonders ihre Kinder von Krankheiten hingerafft werden. Durch die besondere Macht, die den Missionaren gegeben sein wird, wird diese Mission größten Erfolg haben.

Wir erfahren wohl, dass sich einer der Apostel während der Apostel­geschichtezeit, Petrus; Apostelgeschichte 10, ausnahmsweise an einige von den Nationen wendete, doch niemals wurde der Auftrag von Matthäus 28 vollbracht. Niemals lesen wir von einem Taufen “im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”. Siehe Apostelgeschichte 2:38; 8:16; 10:48; 19:5, wo stets ein anderer Ausdruck gebraucht wird.

Nach seiner Himmelfahrt, bei der Christus sich zur Rechten des Vaters gesetzt hat, Hebräer 1:3, lässt er die seinen nicht als Waisen zurück, Johannes 4:18. Er sendet ihnen einen anderen Sachwalter, nämlich den Heiligen Geist, Johannes 14:16.26. Erst bei seiner Wiederkunft - also im Messianischen Reiche - wird Christus sichtbar mit ihnen in Jerusalem regieren.

Und er sprach zu mir (Hesekiel): Menschensohn, (dies) ist der Ort meines Thrones und der Ort meiner Fußsohlen, wo ich inmitten der Kinder Israels (nämlich im Tempel) wohnen werde für den Äon. Hesekiel 43:7

Und der Name der Stadt (Jerusalem) (soll) von nun an heißen: Jahwäh-Schamma (= Jahwäh daselbst). Hesekiel 36:35

Der HERR hat deine Gerichte hinweggenommen, deinen Feind hinweggefegt; der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte, du wirst kein Unglück mehr sehen. An jenem Tage wird zu Jerusalem gesagt werden: Fürchte dich nicht! Zion, lass deine Hände nicht erschlaffen! der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte ... Zephanja 3:15-17

9.)   Die Gemeinde, von der in den Evangelien die Rede ist, besteht aus Juden, die dem Herrn treu sind. Sie wird auch “Braut” genannt.

Dies folgt aus dem Vorhergehenden. Man muss stets daran denken, dass zur Zeit der Evangelien, und auch danach, die Völker als “Hunde” betrachtet wurden (zum Beispiel Jesus in Matthäus 15:26) und auf derselben Stufe standen wie die Zöllner und Sünder. Niemals wurden sie in einer Versammlung gläubiger Juden geduldet.

Das Wort “Gemeinde” oder “Versammlung” kommt von dem griechischen “ecclesía”, das ganz allgemein eine Gruppe von ausgewählten (genauer: herausgerufenen) Menschen bezeichnet und mit dem hebräisch “kahal” übereinstimmt. Das ganze Volk Israel wird “kahal” (oder “Menge”) genannt, da es aus den anderen Völkern auserwählt ist, 1.Mose 28:3.

Das Wort “kahal” kommt oft im Alten Testament vor, zum Beispiel Genesis 49:6; 5.Mose 18:16; 31:30; Josua 8:35; Richter 21:8; Psalm 22:23,26. Im Neuen Testament deutet das Wort “ecclesía” gewöhnlich eine örtliche Gruppe an, Apostelgeschichte 5:11; 8:3; 1.Korinther 4:17 usw. Es wird auch für die Gilde der Kunsthandwerker in Ephesus gebraucht, Apostelgeschichte 19:32,40. Paulus gebraucht es auch im Zusammenhang mit einer besonderen Gruppe von Gläubigen: der Gemeinde der Verborgenheit oder Leibesgemeinde, Epheser 1:23.

In Matthäus 18:17 sagt Jesus Christus über einen jüdischen “Bruder”, der gesündigt hat: “Wenn er aber nicht auf sie (die anderen Zeugen) hören wird, so sage es der Gemeinde, wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der aus den Nationen und der Zöllner.” Diese Stelle zeigt deutlich, dass von Versammlungen die Rede ist, die ausschließlich aus Juden bestanden, nämlich aus christus-gläubigen Juden. Nach der Zeit der Evangelien gab es auch Versammlungen von Gläubigen aus den Nationen, doch waren diese getrennt von den Christen-Juden. Erst viel später entstanden auch gemischte Versammlungen. In der heutigen Zeit, die wahrscheinlich nicht mehr so weit entfernt ist von der Aufrichtung des Königreiches auf Erden, können wir bei den Christen-Juden wieder die Neigung beobachten, sich getrennt von den Nicht-Juden zu versammeln. (Dies schrieb S.Van Mierlo 1949; seit dieser Zeit hat sich die Zahl der Christen-Juden - Messianischen Juden - vervielfacht.)

Während des Königreiches wird auch die Gesamtheit der christus-gläubigen Juden “ekklesía oder “Gemeinde” genannt werden, so wie in 1.Mose 28:3 das ganze Volk “kahal” genannt wird. Man vergleiche auch Hosea 1:11 “Und die Kinder Juda und die Kinder Israel werden sich miteinander versammeln” und Psalm 22:23,26: “Inmitten der Versammlung will ich dich loben”. “Von dir kommt mein Lobgesang in großer Versammlung.” Von dieser Gemeinde des zukünftigen Äons ist in Matthäus 16:18 die Rede:

Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus (griechisch pétros = Stein), und auf diesen Felsen (griechisch pétra = Fels) werde ich meine Gemeinde bauen...

Aus folgenden Gründen beziehen sich die Worte “... auf diesen Felsen” auf Jesus Christus: Die ganze Schrift bezeugt, dass es nur einen Felsen gibt, auf den eine Gemeinde Gottes gebaut sein kann: Gott selbst! Aus der Fülle von Stellen seien nur einige zitiert, die übrigen möge der interessierte Leser selber nachschlagen:

Keiner ist heilig wie der HERR, denn keiner ist außer dir, und kein Fels ist wie unser Gott. 1.Samuel 2:2

Denn wer ist Gott, außer der HERR, und wer ist ein Fels, außer unserem Gott? 2.Samuel 22:32

Der HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter; mein Gott, mein Felsen, auf ihn werde ich trauen, mein Schild und das Hörn meines Heils, meine hohe Feste. Psalm 18:2

Nur auf Gott vertraut still meine Seele, von ihm kommt meine Rettung. Nur er ist mein Fels und meine Rettung, meine hohe Feste ... Psalm 62:1,2

... denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der (sie) beglei­tete. Der Fels aber war der Christus.” 1.Korinther 10:4, vergleiche 2.Mose 17:6; 4.Mose 20:8ff

Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 1.Korinther 3:11

Weitere Stellen: 2.Mose 33:21; 4.Mose 20:8ff; 5.Mose 32:3-4.13.15.18. 30-31; Josua 5:2; Richter 6:11-24; 7:25; 13:19; 1.Samuel 2:2; 2.Samuel 22:2,3,32. 47; Psalm 18:2; 19:15; 27:5; 28:1; 31:2-3; 40:2; 42:10; 61:3; 62:1-7; 71:3; Psalm 73:26; 78:15.16.19.20.21t.32-35; 81:17; 89:27; 92:16; 94:22; 95:1; 105:41; 144:1; Jesaja 8:11-14; Matthäus 21:24; Psalm 118:22; Lukas 2:34; Römer 9:32. 33; 1.Petrus 2:6-8; Daniel 2:34ff; Jesaja 17:10; 26:4; 30:29; Jesaja 44:6-8; 48:21; Nahum 1:5; Habakuk 1:12; Matthäus 7:24,25.

So spricht der HERR, der König Israels (= Christus: Matthäus 2:2; Lukas 1:33) und sein Erlöser (= Christus: Matthäus 1:33), der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste und der Letzte (= Christus: Jesaja 41:4; Offenbarung 1:8,17; 4:8; 22:13), und außer mir ist kein Gott ... Gibt es einen Gott außer mir? Und es gibt keinen Fels (außer mir), ich weiß keinen.

Warum wird gerade an dieser Stelle betont, dass Christus der Felsen ist, auf dem die Gemeinde gebaut werden wird, “die die Pforten des Hades nicht überwältigen werden”? Es geht hier um die Macht des Hades, die Toten festzuhalten oder die Ohnmacht der Toten, wieder zum Leben zu gelangen, vergleiche Jesaja 38:18f; Psalm 9:14; 107:18. Die Worte von Matthäus 18:16 beziehen sich auf eine auch jetzt noch zukünftige Gemeinde. Bevor diese Gemeinde des Königreiches sich aber bilden kann, müssen die zwölf Apostel und viele andere israelitische Gläubige aus dem Tode auferstehen. Die Worte “und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen” beziehen sich also auf die Auferstehung.

Jetzt verstehen wir, warum hier besonders auf Christus hingewiesen wird, denn er ist die Auferstehung und das Leben, Johannes 11:25, er hat die Schlüssel des Todes und des Hades, Offenbarung1:18, darum ist er auch der Fels dieser Gemeinde. Wer den Sohn hat, der hat das Leben, 1.Johannes 5:12, und wer auf den Felsen Jesus Christus gebaut hat, 1.Korinther 3:11, der wird von ihm auferweckt werden, Johannes 5:21; 6:39,40,44. Der Hades, wo sich die Toten befinden, wird also die Bildung dieser Gemeinde nicht verhindern können, die auch “Braut” genannt wird, Jeremia 2:20,32-34; 3:1-1,20; 31:32; Hosea 1:2-11; 2:1-25; 3:1; Hesekiel 16:8-13; Jesaja 49:18.

Bereits im Alten Testament wird das auserwählte Volk Israel die “Braut” des Herrn genannt, was jedoch keine Schwierigkeiten bereitet, obwohl die Hochzeit des Lammes mit Israel eigentlich immer noch in der Zukunft liegt. Tatsächlich zeigen 5.Mose 22:23.24 und Matthäus 1:18,20. dass eine “Braut” nach dem Gesetz bereits “Frau” genannt werden kann.

Das Gleichnis von Matthäus 22 spricht von der Hochzeit zu Beginn des Königreiches. Jesus Christus ist der Bräutigam, Matthäus 9:15; Johannes 3:29. Das Buch der Offenbarung spricht von der Hochzeit des Lammes, wobei die Brau das wiedergeborene Israel ist, siehe Offenbarung19:7; 21:9.

10.) Ein Teil der Dinge, die der HERR in den Evangelien verlangt, können nur von Israel vollbracht werden und auch nur unter den Umständen, die kurz vor dem Kommen des Königreiches herrschen.

Wir wollen zuerst einen Fall zeigen, aus dem deutlich hervorgeht, dass man die Umstände gut unterscheiden muss, bevor man eine Vorschrift befolgen will: Zur Zeit der Ankündigung des Königreiches auf Erden durften die Zwölf kein Gold, kein Silber, weder Geld noch ein zweites Kleid mitnehmen, denn: “der Arbeiter ist seiner Nahrung wert”, Matthäus 10:9.10. Doch beachte man den Unterschied, später, als Israel das Königreich verworfen hat:

Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie und ebenso eine Tasche. und wer keine hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Lukas 22:36

Jesus selbst geht also so weit, ihnen zu raten, sich Waffen zur Selbstverteidigung zu kaufen.

Viele haben gesagt, dass die Vorschriften der Evangelien zwar sehr schön, aber in der Wirklichkeit nicht anwendbar seien. Sie haben in gewissem Sinne recht: einige dieser Vorschriften passen nicht in unsere gegenwärtige Verwaltung. Und diejenigen, die zu allen Zeiten gültig sind, wie die Liebe, können allein durch das Wirken des Heiligen Geistes in uns erfüllt werden; niemand ist aus eigener Kraft dazu in der Lage.

Ist nun deutlich geworden, dass es von größter Wichtigkeit ist, die Umstände der verschiedenen Zeiten zu berücksichtigen, und dass man äußerst vorsichtig mit der Anwendung von Bibelstellen sein muss? Es ist verhängnisvoll, wenn man versucht, etwas vollbringen zu wollen, das gar nicht von uns verlangt wird. Gott möchte von uns, dass wir annehmen, was er uns anbietet und er hofft, dass wir tun werden, was er von uns verlangt. Lasst uns nicht zu denen gehören, von denen der Apostel Paulus schrieb:

Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach Erkenntnis. Römer 10:2, vergleiche Hosea 4:1,6.

Viele Sekten erlegen sich selbst auf, etwas zu vollbringen, was gar nicht von ihnen verlangt wird. Da sie Gottes Plan und den Heilsweg nicht deutlich erkennen, aber doch Gottes Wort treu bleiben wollen, befolgen sie allerlei jüdische Traditionen und hoffen, schon jetzt das Königreich aufrichten zu können usw. Sie beziehen allerlei Dinge auf sich, die allein für Israel gelten. Möge jeder sich selbst untersuchen und genauer die Stellung erkennen, in die Gott ihn gesetzt hat, und was Gott nun von ihm verlangt. Ohne biblische Lehre ist es nicht möglich, in Übereinstimmung mit Gottes Willen zu leben.

11.) Die Kulthandlungen des Gesetzes mussten durch die Juden - auch die christus-gläubigen Juden - befolgt werden

Wir haben gezeigt, dass das Gesetz, das Gott Mose gab, vor allem verlangte, Gott und den Nächsten zu lieben - es richtete sich also an das Herz des Menschen! Die Kulthandlungen hatten in sich keinen Wert, und der HERR empfand Abscheu, wenn sie von Menschen gehalten wurden, deren Herz nicht beschnitten war. Auch die Evangelien richten die Aufmerksamkeit wieder auf diese innere Haltung, doch sagen sie niemals, dass die äußerlichen Dinge von denen, für die sie gelten (nämlich den Juden) nicht mehr gehalten werden müssen. Im Gegenteil! Wir wollen einige Stellen zitieren, die über die Kulthandlungen sprechen und darauf dringen, dass nichts vernachlässigt werden darf. Matthäus 5 und 6 sprechen vom Gesetz, vom Tempel, den Opfern, dem Fasten usw. Auch Matthäus 7 verlangt nichts, was über “das Gesetz und die Propheten” hinausginge. Vergleiche zum Beispiel Matthäus 23:24, wo von Opfern und dem Altar die Rede ist:

Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich daselbst erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich habe, so lass daselbst deine Gabe vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und bringe deine Gabe dar.

In Matthäus 19:17 verlangt Jesus die Einhaltung der Gebote:

Wenn du aber ins Leben eingehen willst, so halte die Gebote.

In Matthäus 23:23 wird wohl gesagt. dass das wichtigste im Gesetz die Ge­rechtigkeit, die Barmherzigkeit und der Glaube sind. Doch wird hinzu­gefügt. dass die anderen Dinge nicht unterlassen werden sollen:

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Krausmünze und den Anis und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. Matthäus 23:23

Matthäus 24:20 .weist auf die Einhaltung des Sabbats hin:

Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter geschehe, noch am Sabbat.

Man erinnere sich auch an die Worte des Herrn:

Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Königreich der Himmel. Matthäus 5:17-19

Der Herr hielt ebenso wie seine Jünger alles sehr genau ein. Das Äußere, die Schatten, bleiben, solange sie nützlich sind, auch wenn es mehr für die ist, die die volle Wahrheit noch nicht kennen.

Wir haben bereits gesehen, dass die Propheten uns lehren, dass die äußeren Dinge des Gesetzes während des Königreiches bestehen bleiben werden. Auch die ausführlichen Beschreibungen des Tempels und der Kulthandlungen bei Hesekiel 40-46 müssen denen zu denken geben, die meinen, dass das Gesetz seit dem ersten Kommen des Herrn nicht mehr gehalten werden muss. Das Gesetz wird in ihr Herz geschrieben sein, Jeremia 31:31-34; Hebräer 8:8-12. Das heißt, dass sie alles freudig und mit der richtigen Herzenseinstellung vollbringen werden, vergleiche Römer 7:22; Psalm 37:31 und der ganze Psalm 119.

Aber nicht alle Gläubigen müssen das Gesetz in der Form einhalten, in der es Israel gegeben wurde, das müssen nur die Kinder Israel selbst, und diese wiederum können es nur in ihrem Land tun und wenn der Tempel existiert. Solange sie von Gott nicht als sein Volk angenommen sind, ist es ihnen unmöglich, das Gesetz zu erfüllen.

12.) Israel wird eine Mission für die ganze Welt zu erfüllen haben

Unter der Leitung der zwölf Apostel muss Israel die Erde evangelisieren. Sie werden dann die dazu notwendigen geistigen Kräfte besitzen. Der HERR wird mit ihnen sein und ihre Worte durch Zeichen bestätigen. Sie werden dann seine Herrlichkeit unter den Nationen verkündigen:

Und ich werde ein Wunderzeichen an ihnen tun, und werde von ihnen Entronnene an die Nationen senden, nach Tarsis, Pul und Lud, die den Bogen spannen, nach Tubal und Jawan, nach den fernen Inseln, die von mir nicht gehört und meine Herrlichkeit nicht gesehen haben, und sie werden meine Herrlichkeit unter den Nationen verkündigen. Jesaja 66:19

Da der Satan dann gebunden sein wird, Offenbarung20:2, wird ihr Werk in besonderem Maße fruchtbar sein.

13.) Der Neue Bund mit Israel wird durch Christus geschlossen

Die Propheten hatten angekündigt, dass ein neuer Bund mit dem Hause Israel und dem Hause Juda geschlossen werden sollte:

Neigt euer Ohr und kommt zu mir; hört, und eure Seele wird leben. Und ich will einen äonischen Bund mit euch schließen: die gewissen (oder zuversichtlichen, unwandelbaren) Gnaden Davids. Jesaja 55:3

Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen werde: nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe, an dem Tage, da ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben, und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht der HERR. Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht der HERR: ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben, und ich werde ihr Gott und sie werden mein Volk sein.     
Und sie werden nicht mehr ein jeder seinen Nächsten und ein jeder seinen Bruder lehren und sprechen: Erkennet den HERRN! denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken. Jeremia 31:31-34, vergleiche Hebräer 8:8-12, wo diese Stelle zitiert wird.

Und mein Knecht David wird König über sie sein, und sie werden allesamt einen Hirten haben, und sie werden in meinen Rechten wandeln, und meine Satzungen bewahren und sie tun. Und sie werden wohnen in dem Land, das ich meinem Knecht Jakob gegeben, worin eurer Väter gewohnt haben, und sie werden darin wohnen, sie und ihre Kinder und ihre Kindeskinder, bis in den Äon. Und mein Knecht David wird ihr Fürst sein für den Äon. Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen, ein äonischer Bund wird es mit ihnen sein, und ich werde sie einsetzen und sie vermehren, und werde mein Heiligtum in ihre Mitte setzen für den Äon. Und meine Wohnung wird über ihnen sein, und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein. Hesekiel 37:24-28

Wir haben gesehen, dass der Alte Bund das äonische Leben unter der Bedingung verhieß, dass das Gesetz erfüllt wurde, Galater 3:12; 3.Mose 18:5. Allerdings hatte Israel es auf sich genommen, alles, was der HERR verlangte, aus eigener Kraft zu tun, 2.Mose 24:3. Dies war ein Bündnis, durch das die Braut des Herrn sich unter die Sklaverei des Gesetzes begeben hatte. Doch das Gesetz sah für den Fall, dass eine Frau ein Gelübde tat, die Möglichkeit vor, dass ihr Mann sie davon freimachen konnte, 4.Mose 30:7-9. Der Neue Bund sollte die “Braut” durch Gnade erlösen; der HERR wird ihrer Sünde nach ihrer Bekehrung nicht mehr gedenken.

Dies alles hat nichts mit den Nationen zu tun! Weder der Alte noch der Neue Bund wird mit ihnen geschlossen! Sie werden jedoch sehr wohl an den Segnungen des Neuen Bundes teilhaben, wenn dieser es Israel ermöglichen wird, ein Volk von Priestern zu sein und Gottes Segnungen auf der Erde zu verbreiten.

Jeder Bund macht Blutvergießen notwendig, 2.Mose 24:8; Hebräer 9:16-22, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. Der Bund von Jeremia 31 sollte die Sünde abtun. Das Blut von Böcken und Kälbern ist dazu nicht ausreichend, Hebräer 10:4; Psalm 50:8-12; 51:16; Jesaja 1:11-15; 66:3; Jeremia 6:20; 7:21f; Hosea 6:6; Amos 5:21f; Micha 6:6-8. Das Blut des Herrn war notwendig. Dieser Bund konnte also nur durch den Tod Christi geschlossen werden, Hebräer 9:12.

Am ersten Tag der ungesäuerten Brote, Matthäus 26:17, am Abend des 14. Nisan, 3.Mose 23:5, hielt der HERR das Passah mit seinen Jüngern, und nach dem Abendmahl, Lukas 22:20; 1.Korinther 11:25, nahm er den Kelch der Danksagung, 1.Korinther 10:16 und sagte: “Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blute”, 1.Korinther 11:25.

Man weiß, dass das Ritual des jüdischen Passah vier Kelche kannte: zwei vor und zwei nach dem Mahl. Der dritte Kelch wurde “Kelch der Danksagung” genannt. Das flache, ungesäuerte Brot brach man bei allen Mahlzeiten, so auch bei diesem Mahl. Der HERR folgte der Tradition und setzte nichts Neues ein. Er wies allein auf die tiefe Bedeutung hin. So oft sie den Kelch trinken würden, sollten die Christen-Juden den Tod des Herrn ihren Brüdern in Israel verkündigen und sie daran erinnern, dass das Blut vergossen, der Bund geschlossen und die Erlösung möglich gemacht war. So erhielt dann das Passah, das früher nur auf den Auszug aus Ägypten hinwies, seine volle Bedeutung: es versinnbildlichte das Blut des Lammes, das vergossen wurde, um den Neuen Bund zu schließen und Israel von seinen Sünden zu erlösen. Die christus-gläubigen Juden wiederholten dieses Zeugnis also jedes Jahr und sie sollten dies so lange tun, bis das ganze Volk sich bekehrt haben und der HERR in seiner Herrlichkeit kommen würde.

Es versteht sich von selbst, dass das Passah nach dem zweiten Kommen Jesu Christi und der Aufrichtung des Königreiches - obwohl es noch beibehalten werden wird, Hesekiel 45:21 - nicht mehr dazu dienen wird, den Tod des Herrn zu verkündigen, weil nach der Bekehrung Israels alle wissen werden, dass er für sie gestorben ist. Das Passah wird dann einfach als Erinnerung an die große Liebestat des Herrn gefeiert werden. Der HERR selbst wird im Königreich seines Vaters auf’s Neue von der Frucht des Weinstocks trinken, Matthäus 26:29.

Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis dass es erfüllt sein wird im Königreich Gottes. Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch. Denn ich sage euch, dass ich nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Königreich Gottes komme. Lukas 22:15


14.) Die Vergebung der Sünden ist nicht bedingungslos und war schon den Propheten bekannt.

Um gut verstehen zu können, was die Evangelien uns lehren, dürfen wir nichts in sie hinein interpretieren, was erst später geoffenbart wurde. Wenn man deutlich erkennen will, was die Vergebung der Sünden ist, dann darf man vor allem nicht Paulus zu Rate ziehen, wenn er über die Rechtfertigung schreibt. Wir werden später auf den Unterschied zwischen Sündenvergebung und Versöhnung bzw. Rechtfertigung zurückkommen. Für den Augenblick wollen wir uns darauf beschränken der Frage nachzugehen, was die Vergebung der Sünden bedeutet, indem wir betrachten, was Jesus dazu sagt. Das war alles, was seine Hörer wissen konnten, und die Worte Jesu genügten, um es zu begreifen. Das Gleichnis vom König und seinen Knechten kann vieles deutlicher machen:

Deswegen ist das Königreich der Himmel einem König gleich geworden, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als er aber anfing abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete. Da derselbe aber nicht hatte zu bezahlen, befahl sein Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu bezahlen.  
Der Knecht nun fiel nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen. Der HERR jenes Knechtes aber, innerlich bewegt, gab ihn los und erließ ihm das Darlehen. Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas schuldig bist.
Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir bezahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe.      
Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt und gingen und berichteten ihrem Herren alles was geschehen war. Dann rief ihn sein Herr herzu und spricht zu ihm: Böser Knecht! jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, dieweit du mich batest. Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?
Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war. Also wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebet. Matthäus 18:23-35

Erst lesen wir, dass einem Knecht auf sein Bitten (Gebet) hin eine bedeutende Schuld erlassen wird, Matthäus 18:27. Es ist sehr wichtig, dass hier im inspirierten Text das griechische Kort “aphíämi” steht, das sonst für “vergeben” gebraucht wird. Da dieser Knecht dann aber übel handelt und kein Mitleid mit einem seiner Schuldner hat, der ihm eine Kleinigkeit schuldet, muss er nun selbst all das bezahlen, was ihm schon “erlassen” worden war. Jesus betont darauf:

Also wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt (aphíämi).

Ganz deutlich wird dies auch an einer anderen Stelle:

Unser nötiges Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben (eigentlich: vergeben haben) ...  
Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt (aphíämi), so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben (aphíämi). Wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt (aphíämi), so wird euer Vater auch eure Vergehunqen nicht vergeben. Matthäus 6:11-12,14-15, vergleiche Jakobus 2:13, Markus 11:25-26

Es geht hier nicht um die vollkommene, endgültige Vergebung, von der Paulus später, etwa in seinem Brief an die Epheser, schreiben sollte, zum Beispiel Epheser 4:32, wo “vergeben” die Übersetzung von “charízomai = begnadigen ist. Man berücksichtige also die Tatsache, dass die Evangelien nicht über das hinausgehen, was bereits die Propheten verkündigten; zum Beispiel:

Ich tat dir kund meine Sünde und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sagte: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen, und du, du hast vergeben die Ungerechtigkeit meiner Sünde. 
Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist. Psalm 32:5,1

Diesem (Jesus Christus) geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung (der) Sünden empfängt durch seinen Namen. Apostelgeschichte 10:43  
Vergleiche auch 2.Samuel 12:13; 2.Chronik 7:13-14; Jesaja 6:5-7; 43:25-26.

Die Sünde war nicht weggetan, sondern “bedeckt”, Römer 4:7.

15.) Das in den Evangelien zu erreichende Ziel ist die Wiedergeburt.

Übereinstimmend mit dem, was das Alte Testament über das neue Herz und den neuen Geist sagt, die man nach der Bekehrung und der Vergebung der Sünden erhalten sollte, 5.Mose 30:6; Psalm 51:7.12; Jesaja 44:3; 57:15; Jeremia 24:8; 31:33; 32:39; Hesekiel 11:19; 18:31; 36:25-27; Joel 2:28-32, spricht das Johannesevangelium von der neuen Geburt, also der Geburt aus dem Geist, Johannes 3:3.5-6. Erst nach der “Geburt von oben” kann der Mensch wirklich tun, was Gott möchte, und dies nicht aus eigener Kraft, sondern durch den Geist, der in ihm wirkt. Durch eine nationale Bekehrung sollte Israel zu einer nationalen Wiedergeburt gelangen und daraufhin durch die Predigt die ganze Weltbevölkerung zur Wiedergeburt leiten. Darum wird der zukünftige Äon auch “die Wiedergeburt” genannt:

Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Matthäus 19:28

Die persönliche Wiedergeburt kann zu allen Zeiten geschehen und wird, im Gegensatz zur nationalen Wiedergeburt Israels, nicht unbedingt von äußeren Zeichen begleitet.

16.) Wenn in den Evangelien von äonischem Leben gesprochen wird, dann ist damit das äonische Leben derer gemeint, die im kommenden Äon auf der Erde leben und nicht mehr sterben werden.

Wir verweisen hier auf den Aufsatz von S.Van Mierlo “Über die Äonen”. Hier wird eine kurze Zusammenfassung einer ausführlichen Studie über die Bedeutung von hebräischen und griechischen Worten wie “olam” und “aion” gegeben. Es besteht nicht der geringste Zweifel darüber, dass es hier um “Ewigkeiten” als lange Zeiträume geht, während derer der Ratschluss Gottes ausgeführt wird. Der kommende Äon ist der des Königreiches auf Erden. Das Leben während dieser Zeit, das volle Leben derer, die an den Herrn glauben, ist das “äonische Leben”, das gewöhnlich mit “ewigem” Leben übersetzt wird. Die Evangelien sprechen oft von diesem Leben. Was die Bedeutung von “ewigem Leben” ist, sieht man deutlicher, wenn man die folgenden zwei Verse miteinander vergleicht:

Kommet her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Königreich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt (kósmos) an. Matthäus 25:34

Die Gerechten aber (werden) in das äonische Leben (eingehen). Matthäus 25:46

Das Leben hört nach dem Äon natürlich nicht auf, aber es wird danach einen anderen Charakter haben, der mit dem darauffolgenden Äon übereinstimmen wird. Nach der Auferstehung, nämlich im zukünftigen Äon, werden die Gläubigen äonisches Leben haben:

... der nicht Vielfältiges empfangen wird in dieser Zeit (griechisch: kairós) und in dem kommenden Äon äonisches Leben. Lukas 18:30

Auch hier muss man nicht fürchten, etwas zu verlieren, wenn man genau zwischen den verschiedenen Dingen unterscheidet. Das äonische Leben betrifft die Äonen, also etwas, das noch nicht ganz vollkommen und zum Teil noch unter der Sünde ist. Das Endziel, die volle Errettung, die uns angeboten wird, geht weiter, weil dann Christus unser Leben ist, Kolosser 3:4. Als Glieder des Leibes, dessen Haupt er ist, können wir dann zur Rechten Gottes sein, über den Äonen und der unvollkommenen Schöpfung.

17.) Der Glaube in Jesus Christus hinein (griechisch: ejs) führt zum äonischen Leben auf Erden.

Denn so sehr hat Gott die Welt (griechisch: kósmos) geliebt, dass er seinen einzig gezeugten Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt (griechisch: “der Glaubende bis in ihn hinein = ho pistóion ejs autón”) nicht verloren gehe, sondern äonisches Leben habe. Johannes 3:16

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich (griechisch: ejs = bis in mich hinein) glaubt, hat äonisches leben. Johannes 6:47

Gott ist die Quelle des wahren Lebens. Christus allein kann uns daran teilhaftig werden lassen. Durch den Glauben “bis inChristus hinein” gelangt man in geistige Gemeinschaft mit ihm, und das “seelische” Leben kann in äonisches verwandelt werden. Der Apostel Johannes sagt, dass Gott “uns” äonisches Leben gegeben hat, und dass dieses Leben in seinem Sohn ist, 1.Johannes 5:11.

Die Gemeinschaft kann noch enger werden, wie wir später sehen werden, und dann zum himmlischen äonischen Leben führen, sogar zum vollkommenen Leben rechterhand Gottes, das über all das erhoben ist, was zu den Äonen gehört. Wie wir bereits in Punkt 16 gesehen haben, wird das äonische Leben erst im kommenden Äon in vollem Umfang empfangen, Lukas 18:30: “Und in dem kommenden Äon äonisches Leben.”. Es wird also im allgemeinen nach der Auferstehung sein, dass man daran teilhaben wird. Die Propheten kannten die Auferstehung:

Deine Toten werden aufleben, meine Leichen wieder erstehen. Wachet auf und jubelt, die ihr im Staube liegt! Denn ein Tau des Lichtes ist dein Tau, und die Erde wird die Schatten auswerfen. Jesaja 26:19, vergleiche Jesaja 27:13.

Und viele von denen, die im Staube der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu äonischem Leben, und jene zur Schande, zu äonischer Abscheu. Lukas 20:37, Daniel 12:2

Die in Christus hinein Gläubigen, die bei der Wiederkunft Christi noch leben, werden verändert werden und nicht sterben:

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu (griechisch: en atómo = unteilbare Zeiteinheit), in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden. 1.Korinther 15:51-52

Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer bis in mich hinein glaubt (griechisch: ejs), wird leben, wenn er auch gestorben ist, und jeder, der da lebt und bis in mich hinein (ejs) glaubt, wird nicht sterben bis in den Äon hinein (ejs). Johannes 11:24,26

Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und bis in ihn hinein (griechisch ejs) glaubt, äonisches Leben habe, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. Johannes 6:40, vergleiche Johannes 11:24.

Dies ist die Auferstehung “am letzten Tage”, das heißt am letzten Tage unseres Äons, kurz vor dem “kommenden” Äon, Lukas 20:35; Hebräer 6:5. Die Bibel spricht auch von anderen Auferstehungen. mit denen wir uns aber erst später beschäftigen wollen.


18.) Israel wurde noch nicht verworfen, nachdem es den Messias gekreuzigt hatte, sondern hätte durch Bekehrung die Vergebung erhalten, die ihm nochmals angeboten wurde.

Israel kannte die Vergebung aufgrund eines Sündopfers, lies 4.Hose 15:27-31. Als das wahre Sündopfer gestellt werden sollte, sprach der HERR:

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Lukas 23:34

Damit drückte der HERR aus, und wir müssen es also annehmen, dass es eine Sünde “durch Abirrung” war und nicht mit “erhobener Hand”, vergleiche 4.Mose 15:27,31. Dem Gesetz zufolge konnte ihnen also tatsächlich vergeben werden. Wenn wir zudem glauben, dass die Gebete des Sohnes erhört werden, dann haben wir einen zweiten Beweis, dass Israel Vergebung angeboten wurde. Der Apostel Petrus bestätigte dies durch seinen Ausruf:

Und jetzt, Brüder, ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten. So denkt nun um und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und er den euch verordneten Jesus Christus sende ... Apostelgeschichte 3:17.19

Gott vergab, doch die Vergebung musste durch Bekehrung angenommen werden. Israel war nach dem Kreuz keinesfalls von Gott verworfen, es konnte vielmehr während der Apostelgeschichte-Zeit die Vergebung erhalten. Jene, die meinen, Israel sei endgültig verworfen, vergessen, was früher geschehen ist und berücksichtigen nicht die Worte des Propheten Jeremia, der sagt:

So spricht der HERR, der die Sonne gesetzt hat zum Lichte bei Tage, die Ordnungen des Mondes und der Sterne zum Lichte bei Nacht, der das Meer erregt und seine Wogen brausen, HERR der Heerscharen ist sein Name:       
Wenn diese Ordnungen vor meinem Angesicht weichen werden, spricht der HERR, so soll auch der Same Israels aufhören, eine Nation zu sein vor meinem Angesicht alle Tage. So spricht der HERR: Wenn die Himmel oben gemessen, und die Grundfesten der Erde unten erforscht werden können, so will ich auch den ganzen Samen Israels verwerfen wegen alles dessen, was sie getan haben, spricht der HERR. Jeremia 31:35-37

Trotz aller Taten Israels wird also eher die Schöpfung vergehen, als dass Gott den ganzen Samen Israels verwerfen würde.


 

10. Die Zeit der Apostelgeschichte

 

Nach der Himmelfahrt sollten die Jünger die Kraft des Heiligen Geistes erwarten, die durch die Propheten und den Herrn angekündigt worden war. Sie mussten in Jerusalem bleiben, bis sie gemäß der Verheißung des Vaters mit Kraft aus der Höhe angetan sein würden, Lukas 24:47-49. Die Propheten hatten tatsächlich schon folgendes über die Kraft des Heiligen Geistes gesagt:

Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausnießen werde über alles Fleisch. Joel 2:28

Ich werde meinen Geist ausgießen auf deinen Samen (gemeint ist Israel). Jesaja 44:3

Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen (Symbol für heiligen Geist), und ihr werdet rein sein ... Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben ... Hesekiel 36:25-26

Ich (Johannes der Täufer) zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der nach mir Kommende aber ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit heiligem Geist und Feuer taufen. Matthäus 3:11

Wir werden später noch sehen, wie diese an Israel gegebenen Verheißungen mit Pfingsten begannen, in Erfüllung zu gehen.

Es ist sehr wichtig, dass Jesus Christus allein zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt war, Matthäus 15:24; siehe auch Matthäus 10:6. Er war in erster Linie gekommen, um die Verheißungen an die Väter (der Juden) zu bestätigen und zu erfüllen. Sobald man dies aus dem Auge verliert, wird man die Evangelien nicht richtig verstehen und - als Folge - auch die Apostelgeschichte großenteils falsch auslegen.

Gerade diesem Irrtum unterliegen fast alle christlichen Kirchen und die meisten Sekten. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass es so viel Verwirrung gibt und solch ein Mangel an Einheit unter den Gläubigen besteht. Ein Großteil dessen, was die Christen getrennt hat und heute noch trennt, rührt von einer verkehrten Auslegung der Geschehnisse der Apostelgeschichte-Zeit her: Wassertaufe, verschiedene sichtbare Zeichen, Zeremonien, besondere Geistesgaben, der Sabbat, “christlicher Kommunismus” usw.

Wir behaupten nicht, die Ereignisse dieser Zeit auf vollkommene Art und Weise erklären zu können, doch meinen wir, zumindest einige Kennzeichen der Apostelgeschichte aufzeigen zu können, die genügen, um große Abweichungen von der Wahrheit zu vermeiden. Dazu wollen wir genau darauf achten, dass wir nicht irgendeine vorgefasste Meinung einführen und uns nicht auf eine menschliche Ü