Eine kurze Darstellung und Widerlegung
des "Kurzzeit-Kreationismus"
"Kreationismus" könnte man ganz allgemein mit "Glaube an einen Schöpfer" übersetzen. Im engeren Sinne meint man damit jedoch eine spezielle Form des Schöpfungsglaubens, den "Kurzzeit-Kreationismus". Dieser ist unter einem Teil der bekennenden Christen verbreitet (vor allem bei "Evangelikalen", fast gar nicht zum Beispiel bei Katholiken) und behauptet, die "wörtliche" Auslegung der Bibel verlange den Glauben an die folgenden Lehrsätze:
Die Erde und das Weltall sind jung, nicht älter als zehntausend Jahre. Die Schöpfungs- "Tage" seien 24-Stunden Tage gewesen. Begründung: Es ist von "Abenden" und "Morgen" die Rede, und Gott hat die menschliche sechs-Tage-Woche als "Abbild" seiner eigenen Schöpfungs-Woche eingerichtet.
Die einzelnen Tier- und Pflanzenarten wurden unabhängig voneinander von Gott "erschaffen". Es gab keinerlei "Evolution" oder Abstammung, nur Schöpfungs-Wunder.
Adam wurde aus Lehm geknetet und war biologisch der erste Mensch, von dem alle Menschen weltweit abstammen.
Die Schöpfung vor Adam war perfekt, ohne Leid und Tod. Erst durch Adams Sünde entstanden in der Natur Leid und Tod, wurden Pflanzenfresser zu Fleischfressern. Erst aus der Zeit nach Adam können Fossilien stammen, da sie ja Zeugen des Todes sind.
Außerdem ist Evolution als "Schöpfungsmethode" Gottes unwürdig, weil Gott niemals den Tod unschuldiger Tiere in Kauf nehmen würde, um "Fortschritt" zu ermöglichen.
Die Sintflut war ein weltweites Ereignis, von dem die meisten der Ablagerungsschichten und Versteinerungen stammen, die heute gefunden werden. Jedenfalls müssen alle Ablagerungsschichten (da sie alle tote Organismen enthalten) nach Adam datiert werden.
Alle Sprachen der Welt entstanden "über Nacht", beim "Turmbau zu Babel".
Die seltsame Allianz von Bibelkritik und Kurzzeit-Kreationismus
Es ist nun ein erstaunliches Phänomen, dass Atheisten, historisch-kritische Theologen und Kurzzeit- Kreationisten einmütig behaupten, dass diese (haarsträubende) Auslegung der Genesis die einzig wörtliche sei - und so machen sie gemeinsam die Bibel unglaubwürdig. Aufgrund ihrer Lehre ist ein Großteil der Menschen heute der Überzeugung, eine "wörtliche" Auslegung der Bibel verlange tatsächlich den Glauben an eine "Junge Erde" und die totale Ablehnung jeglichen Evolutionsgedankens. Damit werden für Millionen von Menschen schier unüberwindliche Hindernisse aufgebaut, an Gott als Schöpfer oder an die Bibel als sein Wort zu glauben - und das alles im Namen der Bibel!
Doch genau hier befinden wir uns an der Wurzel des Problems: In der inzwischen weltweit geführten Diskussion um "Schöpfung oder Evolution" geht es selbst unter Christen fast nur um naturwissenschaftliche Fragen. Der Kronzeuge", der Bibeltext selber, kommt dabei fast gar nicht "zu Wort", höchstens in einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen, oft noch mangelhaft zitiert. Ist das nicht ein Skandal?! Dies ist der entscheidende Mangel in der ganzen bisherigen Debatte, denn nicht nur Naturwissenschaftler machen Fehler, sondern auch - und im Rückblick auf die Geschichte müsste man sagen: gerade - Bibelausleger!
Darum ist es so absolut notwendig, dass wir nachforschen, was der Originaltext der Bibel zum Thema "Schöpfung und Evolution" sagt. Dabei werden wir herausfinden, was Atheisten, historisch-kritische Theologen und Kurzzeit-Kreationisten noch gemeinsam haben: Sie irren sich! Ihre Bibelauslegung ist alles andere als "wörtlich", sondern, im Gegenteil, höchst oberflächlich und durchsäuert von menschlichen Traditionen ...
Die Schöpfungstage sind "ewig" lang, die Erde ist uralt!
Die Bibel gibt nirgends eine Jahrezahl für das Erdalter an, misst es vielmehr in "Ewigkeiten", griechisch "Äonen", ein Ausdruck, der unvorstellbar lange Zeiträume meint, und den die moderne Geologie heute zur Bezeichnung ihrer längsten Zeitalter verwendet.
Außerdem bestreitet niemand, dass das hebräische Wort "jom" lange Zeiträume bezeichnen kann, besonders im Zusammenhang mit Gott. Und der Schöpfungsbericht lässt, wenn man ihn nicht nur oberflächlich liest, keinen Zweifel daran, dass seine Tage niemals irdische oder Menschentage waren, sondern Gottes-Tage, unvorstellbar lange Zeiträume:
a.) Innerhalb eines "Tages" tauchte das gesamte Festland auf, besiedelten Pflanzen die ganze Erde und brachten Früchte hervor - das kann niemals innerhalb 24 Stunden geschehen sein! Am fünften Tag füllten Wassertiere die Weltmeere, so dass sie von ihnen "wimmelten" - ausdrücklich durch Fruchtbarkeit und Vermehrung! Am sechsten Tag vermehrte sich die Menschheit so sehr, dass sie die ganze Erde besiedelte - ebenfalls durch natürliche Fortpflanzung. Dies muss ein großer Zeitraum gewesen sein!
b.) Gleich der erste "Tag" war niemals ein Sonnentag, denn es heißt wörtlich:
"Gott nannte die Finsternis Nacht. Und dann wurde es Abend, und dann wurde es Morgen." Genesis 1:5.
Wie kann auf die Nacht ein Abend folgen? Und dann, ohne Nacht dazwischen, ein Morgen? Bei Erdentagen jedenfalls nicht! Aber angewandt auf Gottes-Tage ergibt der Text ohne weiteres einen Sinn: Gott nannte die Tagseite der Erde "Tag", die sonnenabgewandte, finstere Seite "Nacht". Dann ging Gottes erster Tag zu Ende (hebräisch äräb = Abend heißt wörtlich "Eingehen, Wechsel"), und sofort begann ein neuer Gottes-Tag: hebräisch "boqär" heißt wörtlich "Neuanbruch". Da Gott bekanntlich niemals "schläft", liegt dazwischen natürlich auch keine Nacht.
c.) Bei jedem der sechs ersten Tage wird betont, dass er endete. Dies geschieht beim siebten Tag nicht, und so müssen wir schließen, dass der siebte Gottes-Tag bis heute andauert! Und genau das deutet das Neue Testament an:
Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken ... lasst uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen! Hebräer 4:4-11
Der Sabbat für die Menschen dauert einen Tag, 2.Mose 20:9, der Sabbat für das Ackerland dauert ein Jahr, 3.Mose 25:4, und Gottes Sabbat dauert bis heute. "Ruhen" heißt allerdings nicht "untätig sein", sondern "aufhören von seinen Werken". Gott hörte von seinem Sechs-Tage-Werk auf, aber er "wirkt" trotzdem weiter, auch wenn sein Sabbat bis heute andauert. Damit rechtfertigt Jesus sein eigenes Handeln:
Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte. Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. Johannes 5:16-7.
d.) Die ganzen sechs Tage werden im letzten Satz des Schöpfungsberichts als ein einziger Tag bezeichnet: "Der Tag, an dem der HERR, Gott, Himmel und Erde machte", Genesis 2:4. Auch hier wäre es absurd, die Auslegung von einem 24-Stunden-Tag halten zu wollen, betont doch Exodus 20:11 ausdrücklich, dass Gott "Himmel und Erde in sechs Tagen gemacht hat".
e.) All diese Tage waren also "Gottes-Tage" - Menschen gab es ja während der ersten Tage noch gar nicht! Und die Bibel warnt uns ausdrücklich davor, unsere menschlichen Tage mit denen Gottes gleich zu setzen - tun wir es also auch nicht:
Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim HERRN ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. 2.Petrus 3:8
Adam war nicht der biologisch erste Mensch - sagt die Bibel!
Es stimmt: Adam wird im Neuen Testament tatsächlich "erster Mensch" genannt, aber wer war der Bibel zufolge "der zweite Mensch" genannt? Nun, es ist nicht Eva! Im gleichen Satz, in dem Adam der "erste Mensch" genannt wird, wird Jesus als der "zweite Mensch" und als "letzter Adam" bezeichnet, 1.Korinther 15:45-47. Hier geht es also ganz offensichtlich nicht um biologisches Menschsein, sondern um ihre Stellung als Auserwählte mit vollkommener Geistesbeziehung zu Gott. Sonst wäre die Menschheit mit Jesus biologisch ausgestorben!
Nehmen wir auch die Genesis beim Wort: Die Menschheit besiedelte aufgrund ihrer Fruchtbarkeit bereits während des sechsten "Tages" die ganze Erde, denn es heißt ausdrücklich: "Und es geschah so", Genesis 1:31. Dann lesen wir im nächsten Kapitel, dass Adam viel später lebte, nämlich während des siebten "Tages", und zwar in einem genau beschriebenen Gebiet im Nahen Osten. Er wurde von Gott ausdrücklich nicht geschaffen (hebräisch: bara), sondern "gebildet" (hebräisch: jatsar), Genesis 2:7. Dies ist ein Spezialausdruck für die Bildung im Mutterleib, wie er auch für den Propheten Jeremia verwendet wird, als er im Mutterleib heranwuchs, Jeremia 1:5.
Körperlich stammte Adam demnach von den Menschen ab, die außerhalb von Eden lebten. Und vor genau denen hatte Kain auch Angst, als er vertrieben wurde, und unter ihnen fand er auch seine Frau, als er in das Land Nod ging, Genesis 4:14-17! So findet eine oft gestellte Frage ihre einfach Antwort: Man muss nur Genesis Kapitel zwei nach Kapitel eins lesen!
Adam’s Sündenfall verwandelte nicht das Tierreich!
Schon vor Adam gab es Sünde in der Welt. Nur wird unbewusste Sünde von Gott nicht zugerechnet:
Denn bis zum Gesetz war Sünde in der Welt. Aber Sünde wird nicht angerechnet, wenn kein Gesetz ist. Römer 5:13
Wir wissen zum Beispiel, dass Eva vor Adam sündigte. Doch war dies keine bewusste Sünde, weil sie von der Schlange getäuscht worden war. Adam dagegen war nicht verführt, sondern verstieß ganz bewusst und willentlich gegen Gottes Gebot, 1.Timotheus 2:14. Das erklärt, warum nicht durch Eva, sondern durch Adam DIE Sünde in die Menschenwelt hinein kam: Es geht um die bewusste, willentliche Übertretung von Gottes Geboten.
Das brachte nicht den körperlichen, sondern den geistigen Tod neu in diese Welt. Denn Gott hatte Adam gewarnt, dass er "an dem Tag" seines Ungehorsams sterben würde, Genesis 2:17. Körperlich lebte er jedoch weiter, es geht also um den geistigen Tod, wie auch der Textzusammenhang von Römer 5-7 ganz klar bestätigt. Wie sonst könnte Paulus sagen:
Ich aber lebte einst ohne Gesetz. Als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf, ich aber starb. Römer 7:9-10
Und außerdem geht es in Genesis 3 ebenso wie in Römer 5-7 ganz klar um die Menschenwelt, und nicht um die Tierwelt:
Durch einen Menschen kam die Sünde in die Welt hinein ... und so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ... Römer 5:12
Hier deutet der Kurzzeit-Kreationismus gigantische Umwälzungen absolut willkürlich in den Text hinein, der diesbezüglich kein einziges Wort sagt: Der Tod von Tieren wird dort nicht erwähnt, und erst recht nicht Verwandlung eines Teiles der Tiere (warum nur eines Teiles?!) in Fleischfresser, wie der Kurzzeitkreationismus behauptet. Dabei sagt der Text davon kein Wort! Wenn man ihn "oberflächlich wörtlich" nimmt sogar das Gegenteil: Das einzige Lebewesen, das "verwandelt" wurde, war die "Schlange": Nicht in einen Fleisch-, sondern in einen "Staubfresser". Demnach müssten die heutigen Schlangen, die allesamt Fleischfresser sind, ihren Ernährungsplan schnellstens umstellen ...
Schon lange vor Adam gab es Leid und Tod in der Schöpfung
Wenn man die Bibel aber wirklich "wörtlich" nimmt, weiß man, dass die Schlange von Genesis 3 niemand anders ist als "die alte Schlange, welche Teufel und Satan genannt wird", Offenbarung 12:9. Diese "Schlange", Satan, war ein hochstehendes Geistwesen, ein Cherub, der lange vor Adam von Gott abfiel. Er ist der "Vater der Lüge" und er sündigte "von Anfang an", Johannes 8:44; 1.Johannes 3:8! Er verstellte sich als "Engel des Lichts" und verführte Eva, 2.Korinther 11:3,14.
Der Fall Satans hatte wahrscheinlich das "Tohuwabohu" der Erde in Genesis 1:2 zur Folge. Von da an befand die Erde sich jedenfalls in einem Zustand von Gottesferne und Mangel, das macht die Wortbedeutung von "Tohuwabohu" klar: Es ist in der Bibel der Inbegriff für die negativen Folgen des Abfalls von Gott, Jesaja 34:11; Jeremia 4:23. Die Erde wurde von Gott ausdrücklich nicht "tohu" erschaffen, Jesaja 45:18!
Darum bezeichnete Gott auch am Ende der sechs Tage nicht die ganze Schöpfung als "sehr gut", sondern ausdrücklich nur all das, "was er gemacht hatte", Genesis 1:31. Das Tohuwabohu und die Finsternis gehörten nicht dazu! Der "Baum der Erkenntnis von Gut und Böse" beweist, dass es das Böse bereits vor dem Fall Adams gab. Und sogar in ganz handfester Form, denn "räuberische Seeungeheuer" gab es seit dem fünften "Tag" in den Meeren, Genesis 1:21.
Die Sintflut war ein örtlich begrenztes Ereignis
Leider haben die meisten Übersetzungen das hebräische "äräts", das in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ein bestimmtes Land bezeichnet, im Sintflutbericht irreführend mit "Erde" übersetzt. Doch die Kapitel vor der Sintflut handeln ebenso wie die darauf folgenden alle eindeutig im Nahen Osten. Auch die Sintflut war lokal begrenzt, darum strandete die Arche mehr oder weniger in derselben Gegend, im Ararat-Gebirge (hebräisch harim, nicht auf dem Berg Ararat, der erst von den Europäern so genannt wurde). Und so erklärt sich, warum Noah eine Taube losschickte um zu erkunden, ob sein Herkunftsgebiet wieder trocken sei - Tauben erforschen nicht den ganzen Globus, sondern fliegen in ihr Heimatland zurück!
Das Wasser stand beim Höhepunkt der Flut 15 Ellen über "allen hohen Bergen" - das kann sich nur auf die lokalen Erhebungen von Noahs Wohngebiet beziehen und niemals auf die "höchsten Berge der Erde", die ja nicht alle gleich hoch sind. Noch dazu war die Arche schon gut drei Monate lang im Ararat-Gebirge gestrandet, bevor diese "Bergspitzen" auftauchten, Genesis 8:4,5. Das macht nur lokal gesehen Sinn. Alle Diskussionen, ob sämtliche Tierarten der Welt in die Arche gepasst hätten, wie die Känguruhs zu Noah kamen, warum in den angeblichen Sintflutschichten fast nur "ertrunkene" Meerestiere zu finden sind usw. sind damit überflüssig - wenn man den Text genau betrachtet und "beim Wort" nimmt ...
Die Sprachen des Nahen Ostens entstanden durch Evolution
Gerade das letzte Kapitel vor dem legendären Bericht über den Turmbau zu Babel, der "Stammbaum der Söhne Noahs" in Genesis 10, erklärt ausdrücklich, dass die Völker jener Region von gemeinsamen Vorfahren abstammten, sich von diesen verzweigten und dabei, also auf dem Wege der Abstammung, ihre eigenen Sprachen (hebräisch "laschon") entwickelten:
Von diesen verzweigten sich die Inseln der Völker in ihren Ländern, je nach ihrer Sprache (laschon), nach ihren Familien, in ihren Völkern. Genesis 10:5,31
In Genesis 11 geht es deshalb nicht um die Entstehung von Sprachen (hebräisch "laschon"), sondern um eine geistig-religiöse Verwirrung: Die leidvolle Geschichte der "Denominationen" begann, als man ein religiöses Prestige-Gebäude errichtete, einen (Kirch-) Turm mit "Spitze bis in den Himmel", um "sich einen NAMEN zu machen", Genesis 11:4. Aber alle Bemühungen der damaligen Diktatur, eine einheitliche Ideologie (hebräisch "sapha = Lippe") zu schaffen, wurden von Gott zunichte gemacht: Man "verstand sich nicht mehr" ...
Die Arten wurden NICHT erschaffen - sagt die Bibel!
Die Bibel sagt an keiner Stelle, dass Gott "die Arten erschaffen" habe! Gott forderte vielmehr ausdrücklich die Erde dazu auf, Pflanzen "nach ihrer Art hervorzubringen", und sie, die Erde tat das auch, Genesis 1:12. Auch die Landtiere wurden übrigens nicht von Gott erschaffen, sondern stammten von den Meerestieren des vorhergehenden "Tages" ab und das Festland verursachte, dass sie "herauskamen" nach ihrer Art, Genesis 1:24 - das hebräische "min" bedeutet wörtlich "Herkunft, Abkunft"! Und weil der Segen der Meerestiere in den Landtieren weiterwirkte, brauchten die Landtiere auch nicht mehr gesegnet zu werden! Gott tätigte im ganzen Schöpfungsbericht nur drei Schöpfungsakte, denen drei "explosive" erdgeschichtliche Ereignisse entsprechen. Alles andere war Abstammung und Entwicklung, "Evolution"!
1.) Die Erschaffung von Himmel und Erde im Anfang - der "Urknall"
2.) Die Erschaffung tierisch-seelischen Lebens - die "Kambrische Explosion"
3.) Die Erschaffung menschlich-geistigen Lebens
Die Bibel lehrt die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen!
Die Zusammenfassung des Schöpfungsberichtes in Genesis 2:4 lautet: "Dies sind die Zeugungsfolgen (Toledot = Geschlechterfolgen, "Stammbaum") der Himmel und der Erde". Das ganze Geschehen beruht auf einem Abstammungsprozess! Es liegt also auf der Hand, dass die zuletzt genannten Lebewesen von den erstgenannten abstammen oder zumindest mit ihnen verwandt sind! Viele andere Bibelstellen, in denen das Wort "Toledot" vorkommt und der Textzusammenhang bestätigen diese Deutung. Dieser Abstammungsprozess begann mit dem Brüten von Gottes Geist über den Gewässern der Urerde, Genesis 1:2, und verlief dann über Meerestiere und Landtiere bis hin zur Menschheit, Genesis 1:26. Diese wurde - am selben "Tag" wie die Landtiere! - zuerst aus diesen zubereitet (asah = aus Vorhandenem machen) und dann zu Geistwesen erschaffen (bara).
Ohne Abstammung gibt es kein "Heil"!
Stammbäume durchziehen die ganze Bibel, ja, sie bilden die Grundlage, auf der alles aufbaut! Das Neue Testament beginnt wieder mit einem Stammbaum, Matthäus 1: Gott materialisierte sich nicht einfach auf der Erde, sondern Jesus musste körperlich von einer Frau abstammen! Und mit Jesus hört Abstammung nicht auf, sondern sie geht auf der geistlichen Ebene weiter: Gott, der VATER, hat seinen SOHN in die Welt geschickt, weil er will, dass wir WIEDERGEBOREN", "von oben GEZEUGT" und ebenfalls KINDER Gottes werden - ohne "Abstammung" kein Heil! Jegliche Abstammung, Vaterschaft und Familie hat ihren Ursprung im Wesen unseres "Vaters im Himmel", Epheser 3:15. Sollten wir uns da gegen "Abstammung" wehren, als wäre sie vom Teufel? Gott bewahre!
Das Leid ist kein Argument gegen "Evolution"!
Manche Christen lehnen jeglichen Gedanken an Evolution mit dem Hinweis ab, diese sei mit Leid und Tod untrennbar verwoben und käme deshalb als "Schöpfungsmethode" für Gott niemals in Betracht: Es sei unvereinbar mit der Liebe Gottes, den Tod unzähliger unschuldiger Tiere in Kauf zu nehmen, um die Entwicklung bis hin zum Menschen zu ermöglichen!
Aber lassen wir doch einmal alle unsere Wunschvorstellungen beiseite und führen uns vor Augen, was die Bibel wirklich sagt: Leid und Tod wurden von Satan, dem Widerwirker Gottes, der Schöpfung aufgezwungen, Römer 8:20. Dennoch wirkte Gott weiter in dieser gefallenen Welt, indem er Lebenskeime in den Gewässern der Erde beschützte und "bebrütete", Genesis 1:2. Bis zum heutigen Tag versucht der Teufel, griechisch diábolos = Durcheinanderwerfer, Verleumder, Gottes Wirken zu entstellen und richtet immer wieder Schaden an. Das Leid vieler unschuldiger Tiere spricht deshalb - ebenso wie der Tod vieler Menschen im Laufe der Geschichte - nicht gegen die Liebe Gottes, sondern für die Grausamkeit Satans!
Evolution und der christliche Glaube
Was ist das bekannteste Wahrzeichen für den christlichen Glauben? Das Kreuz! Es steht für den schmerzvollen Tod eines Unschuldigen. Vielleicht hören wir das nicht gerne, aber von Anfang an hat Gott "das Leiden des Unschuldigen" in seine Pläne mit einbezogen, als die einzige Möglichkeit, dem Leiden dieser Schöpfung ein Ende zu setzen. Gott hat das Leid und den Tod seines eigenen Sohnes ganz bewusst in Kauf genommen, obwohl - oder besser gesagt: gerade weil - dieser vollkommen unschuldig war! Wie können wir da behaupten, Gott habe den Tod unschuldiger Tiere niemals in seine (Evolutions-) Pläne einbeziehen können? Hat nicht Gott den Opfertod vieler unschuldiger Tiere im Alten Testament verwendet, um uns auf die Tatsache hinzuweisen, dass gerade der Tod des Unschuldigen die Lösung für all die Ungerechtigkeit in dieser Welt ist?! Solange das Böse in dieser Schöpfung noch nicht ganz überwunden ist, stellt die Überzeugung, Leid könne niemals Teil von Gottes Plan für uns sein, humanistisches Wunschdenken dar, das Gottes Strategie sogar direkt zuwider läuft:
Von der Zeit an begann Jesus seinen Nachfolgern zu zeigen, dass er nach Jerusalem gehen müsse und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem er sagte: Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren. Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist. Matthäus 16:21-23
Der Gott der Atheisten hat zwei Haupteigenschaften: Er würde niemals ein Unrecht auf Erden zulassen. Und: Es gibt ihn nicht! So sehr es unserem Sicherheitsdenken und unserer Bequemlichkeit auch widerspricht, die Wirklichkeit sieht anders aus: In dieser Welt verhindert Gott nicht jegliches Leid, auch nicht das Leid "Unschuldiger". Dies ist ein großer Anstoß für viele Menschen, doch genau diese Tatsache gehört zu den zentralen Wahrheiten des christlichen Glaubens - und zur Realität! Das ist "die Botschaft vom Kreuz": Den Menschen, die eine "intelligente Antworten" erwarten, erscheint es wie ein Schwachsinn, und den religiösen Menschen, die Gottes wunderbares Eingreifen erwarten, ist es ein Ärgernis:
Juden fordern Zeichen und Griechen suchen Weisheit, doch wir predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis und den Nationen eine Torheit. Uns selbst aber, den Berufenen, Juden wie Griechen, ist Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Der Grund ist: Das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen! 1.Korinther 1:22-25
Wenn es eine Religion auf Erden gibt, die sich frontal mit dem Leid auseinandersetzt, dann ist es die christliche: Unser Gott wird selbst zum Menschen und durchleidet die Ungerechtigkeit dieser Welt bis zum bitteren Ende. Aber hier endet die Handlung eben nicht: Auf das Kreuz und das Grab folgt die Auferstehung, das endgültige "Aus!" für Leid und Tod und eine Erneuerung zu unvorstellbarer Herrlichkeit. Sollten deshalb nicht gerade Christen mehr als alle anderen verstehen, dass Gott das Leid zwar nicht geschaffen hat und es auch nicht wünscht, dass er es aber immer wieder in seine Pläne mit einbezieht? Müssen nicht bis zum heutigen Tag "denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen", Römer 8:28? Nur von diesem Standpunkt aus können und werden wir Gottes Strategie mit seiner leidenden Schöpfung und sein Ziel für unsere "Evolution" verstehen:
Die Leiden der jetztigen Zeit sind nicht wert, verglichen zu werden
mit der Herrlichkeit, die im Begriff steht, an uns geoffenbart zu werden.
Römer 8:18
Kurzzeit-Kreationismus
282Eine kurze Darstellung und Widerlegung
Was sind die speziellen Lehren des Kurzzeit-Kreationismus?
Die seltsame Allianz von Bibelkritik und Kurzzeit-Kreationismus
Die Schöpfungstage waren "ewig" lang, die Erde ist uralt!
Adam war nicht der biologisch erste Mensch - sagt die Bibel!
Adam’s Sündenfall verwandelte nicht das Tierreich!
Schon lange vor Adam gab es Leid und Tod in der Schöpfung
Die Sintflut war ein örtlich begrenztes Ereignis
Die Sprachen des Nahen Ostens entstanden durch Evolution
Die Arten wurden nicht erschaffen - sagt die Bibel!
Die Bibel lehrt die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen!
Ohne Abstammung kein Heil!
Das Leid ist kein Argument gegen Evolution
Evolution und der christliche Glaube
Ist Evolution
mit dem Wesen Gottes zu vereinbaren?
Die ersten Lektionen der Bibel
Der Schöpfungsbericht zeigt beispielhaft, wie Gott handelt und räumt dabei mit frommen Traditionen auf - wenn wir ihn wirklich "zu Wort" kommen lassen. Vier dieser hinderlichen Dogmen über die Schöpfung lauten:
Die Schöpfung ging ganz schnell, innerhalb von nur sieben Erden-Tagen.
Gott vollbrachte dabei ein Wunder nach dem anderen, natürliche Prozesse spielten so gut wie keine Rolle.
Die Schöpfungsakte brachten jeweils fix und fertige Endprodukte hervor.
Das Resultat von Gottes Wirken war eine makellose Erde ohne Fehler und Leid.
Diese Art der Bibel-Auslegung schließt jeden Gedanken an Entwicklung aus. Doch der Originaltext der Bibel sagt das glatte Gegenteil!
Schöpfung & Evolution gehören zusammen
Der Text beschreibt eine lange andauernde und dabei aufsteigende Entwicklung, die das Leben auf der Erde durchlief: Er beginnt mit einer chaotischen Urerde, hebräisch "Tohuwabohu" genannt, über deren Gewässern der Geist Gottes brütet. Der Reihe nach erscheinen Pflanzen, Wassertiere und Landtiere, zuletzt die Menschheit. Der Text betont, dass die Pflanzen von der Erde hervorgebracht wurden, also evolutiv entstanden, und sagt dasselbe von den Landtieren. Die Menschheit vermehrt sich aufgrund ihrer Fruchtbarkeit und besiedelt so innerhalb des sechsten "Tages" die Erde - "und es geschah so" (Vers 31) - was alleine schon beweist, dass die "Tage" der Genesis "Gottes-Tage", riesige Zeitabschnitte, waren. Abschließend und zusammenfassend stellt der Bericht ausdrücklich fest:
Dies sind die Geschlechterfolgen (Toledot) der Himmel und der Erde
in ihrem Erschaffenwerden ... Genesis 2:4
Das ganze Geschehen basiert demnach auf Abstammung, wörtlich auf "Zeugungen", hebräisch "Toledot", was ein Fachausdruck für Stammbäume und Abstammung ist. Unentbehrliche Grundlage dieser Evolution sind jedoch die drei großen Schöpfungsakte Gottes - Weltall, seelisches und geistiges Leben - und sein beständiges Wirken. Gott gab nicht nur einen ersten "Anstoß" und überließ die Welt dann sich selbst, sondern wirkte beständig in die Schöpfung hinein: "Gott schuf, um zuzubereiten", Genesis 2:3. Die Bibel lehrt demnach sowohl Schöpfung als auch Evolution - und das bleibt so durch alle Zeiten hindurch, bis zu den letzten Seiten der Offenbarung!
Obwohl der Schöpfungsbericht vom ersten bis zum letzten Vers von natürlichen Entwicklungen, von Unfertigkeit, Mangel und Kampf berichtet, fällt es uns schwer, seine Stimme zu hören. Das liegt oftmals daran, weil wegübersetzt oder umgedeutet wurde, was da geschrieben steht, weil es frommen Traditionen und Philosophien widerspricht. Wir Christen erwarten oftmals von den "Weltmenschen", sie sollten "Buße tun" und umkehren zu Gott. Aber müssen wir nicht erst einmal "vor unserer eigenen Türe kehren", sollten wir nicht erst einmal selber umdenken - so die wörtliche Bedeutung von "Buße tun"?!
Wenn gleich der erste Satz der Bibel betont, dass die Schöpfung der "Anfang" war, und wenn dann eine aufsteigende Entwicklung beschrieben wird - sollten wir dann nicht aufhören, uns an eine "Instant-Theologie" zu klammern und jeden Entwicklungsgedanken zu verteufeln?!
Wenn gleich im zweiten Satz von Verwüstung und Zerstörung, "Tohuwabohu", die Rede ist, Monster ("Seeungeheuer") in den Weltmeeren ebenso erwähnt werden wie himmlische Armeen, sollten wir dann die Illusion einer unversehrten Schöpfung nicht aufgeben?!
Wenn die Besiedlung der Erde durch "Fruchtbarkeit", "Samen" und "Vermehrung" geschieht und teilweise die Erde als ursächlicher Faktor genannt wird, sollten wir dann nicht aufhören, Gottes Handeln in die Wunder-Schablone zu pressen und jede Aktion Gottes gleich als "Schöpfungsakt" einzustufen?!
Wenn der letzte Satz unmissverständlich feststellt, dass wir es mit einem Abstammungsprozess zu tun haben, sollten wir unsere Augen und Ohren nicht länger vor allem verschließen, was nach "Evolution" riecht! Warum wehren ausgerechnet wir Christen uns so gegen den Gedanken der "Abstammung", wenn doch gerade die Bibel ein Buch voller Stammbäume ist und sogar das Neue Testament mit einem Stammbaum beginnt?! Macht uns das nicht stutzig?
Es ist Zeit, dass wir den Weizen biblischer Wahrheit von der Spreu menschlicher Überlieferungen trennen. Sonst ziehen wir, wie einst Josia gegen den König von Ägypten, in den Krieg gegen die "böse Evolution", obwohl Gott uns diesen Kampf gar nicht aufgetragen hat - und werden darin eine absolute Niederlage einstecken, 2.Chronik 35:20-22. Ja, wir werden dann, wie im "Fall Galilei", als solche erfunden, die im Namen der Bibel und des Christentums ins Feld ziehen, aber in Wirklichkeit gegen die Wahrheit selbst ankämpfen und damit dem Ansehen der Bibel unter den Menschen furchtbaren Schaden zufügen.
Gott gebraucht ganz oft "natürliche" Prozesse
Da die Schöpfung die erste und damit grundlegende Offenbarung von Gottes Wesen an uns Menschen darstellt, dürfen wir niemals vergessen, dass Gott sich uns in vielen Fällen ganz "natürlich" offenbart. Da sind nicht funkensprühende Wunder auf der einen Seite, "in denen Gott ist", wogegen alle natürlichen Prozesse "ohne Gott" ablaufen würden. Der Schöpfungsbericht erwähnt nur drei Schöpfungsakte, die hineingewoben sind in einen gigantischen Entwicklungsprozess. Gott durchbricht niemals seine Naturgesetze, er gebraucht sie. Virtuos wie ein Klavierspieler die Tasten seines Instrumentes, benützt Gott die Materie und deren Gesetzlichkeiten, um seinen Willen zu vollbringen. Und das sieht oftmals ganz "normal" und unscheinbar aus, was selbst einen Mann Gottes wie Eliah in Erstaunen versetzen konnte, als Gott sich ihm offenbarte:
Und siehe, der HERR ging vorüber. Da kam ein Wind, groß und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte vor dem HERRN her. Aber der HERR war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind ein Erdbeben; der HERR aber war nicht in dem Erdbeben. Und nach dem Erdbeben ein Feuer, der HERR aber war nicht in dem Feuer.
Und nach dem Feuer der Ton eines leisen Wehens... und siehe, eine Stimme geschah zu ihm ... 1.Könige 19:11-1
Hartnäckig hält sich nicht nur unter den Völkern, sondern auch im Volk Gottes die Täuschung, die uns gewohnten, natürlichen Dinge könnten nicht übernatürlich sein - doch sie sind es! Die einzige Frage ist, ob wir uns von Gott die Augen öffnen lassen, damit wir es erkennen. Wer sich verweigert, auf Vertrautes und auf Vertraute zu hören, den können selbst spektakulärste Ereignisse letztlich nicht dazu bewegen, Gott wahrzunehmen:
Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht. Lukas 16:31
Weil viele das nicht verstanden, nahmen sie Anstoß daran, dass Gott in Windeln und als Zimmermannssohn auf der Erde erschien, um die Herrschaft über das Weltall anzutreten. Und wie steht es mit uns? Sind wir darauf festgelegt, allein auf übernatürliche Weise Gottes Stimme zu hören, oder verstehen wir auch sein Reden durch natürliche Umstände und Menschen?
Gott schafft unfertige Dinge!
Wie weitverbreitet ist doch die Vorstellung, wenn Gott etwas schaffe, dann sei es auf Anhieb "fix und fertig". Der Schöpfungsbericht lehrt jedoch das blanke Gegenteil! Gleich seine ersten Worte erklären, dass jede Schöpfung einen "Anfang" bedeutet, dem in jedem Fall eine Entwicklung folgt. Sechs gewaltige "Tage Gottes" vergehen, bis Gottes Werk abgeschlossen ist und aus der anfangs chaotischen Urerde ein bewohnter Planet entsteht. Und dies alles im Rahmen eines gigantischen Stammbaumes. Hierin liegt eine Gefahr in der Lehre vom "Kurzzeit-Kreationismus": Sie vermittelt ein Bild vom Wirken Gottes, das kaum Raum lässt für Unreife und Entwicklung. Darum werden wir gewarnt, die kleinen Anfänge nicht gering zu schätzen:
Verachtet nicht den Tag kleiner Dinge! Sacharja 4:10
Lernen wir doch von Gottes Geduld mit den unfertigen Geschöpfen. Dann fällt es uns auch leichter, Geduld mit unseren Mitmenschen und unseren eigenen Kindern zu haben. Und Geduld brauchen wir auch mit den "Wiedergeborenen", die zwar - ganz richtig! - eine "neue Schöpfung" sind
(2.Korinther 5:17), aber eben noch lange keine fertige! Auch im Glaubensleben beginnen wir als Kleinkinder, ja, als Säuglinge, die Jahre der geduldigen Betreuung brauchen, um zur "Mannesreife" heranzuwachsen:... bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre ... Epheser 4:13-14
Es ist nicht eine Ausnahme, sondern ein zentraler Wesenszug an den Werken Gottes, dass sie klein beginnen. Begann nicht das ganze Weltall aus einem vergleichsweise winzigen Punkt heraus? Und Jesus vergleicht das ganze Reich Gottes ausdrücklich mit einem Senfkorn, das "kleiner ist als alle Arten von Samen" und dann doch zu überragender Größe "expandiert", Markus 4:31.
Gott "hat jede Menge Zeit" - er ist "der Alte an Tagen"
Daniel 7:9Inzwischen ist es allgemein anerkannt, dass die Schöpfung nicht überschaubar klein ist, sondern wahrscheinlich 20 Milliarden Lichtjahre groß. Warum bereitet es solche Probleme, zu akzeptieren, dass auch das Alter des Weltalls Milliarden und nicht in Tausenden von Jahren zu messen ist? Im ganzen Schöpfungsbericht bezeichnet JOM nicht ein einziges Mal einen Erdentag von 24 Stunden, sondern immer Gottestage, nur in Genesis 1:3-5 bezeichnet es die Tagseite der Erde. Warum also eine "Junge Erde" dogmatisieren? Wie oft habe ich den Ausruf gehört: "Gott braucht nicht mehr als sechs Tage, um die Welt zu erschaffen!" Doch darin spiegelt sich ein Missverständnis wider: Zeit ist für Gott kein Hindernis, gegen das er ankämpft, sondern eine Dimension, die er erschuf, um sie zu gebrauchen.
Gott "braucht" die Zeit nicht, er ge-braucht sie!
Die Schöpfung ist riesig in Größe und Alter.
Sein Werk ist keine Instant-Schöpfung, bei der die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt wurden, sondern ein gigantischer Entwicklungsprozess, in dem physikalische Gesetze und natürliche Prozesse wie Abstammung eine aktive Rolle spielen. Spiegelt dies nicht das Leben der Glaubensväter wider? Wie lange musste Abraham warten, bis die Verheißung eines Sohnes in Erfüllung ging? Wie lange Israel, bis es das verheißene Land sehen und einnehmen durfte? Und wie lange wartet die Christenheit bereits auf das Reich Gottes?
Seien wir doch ermutigt durch die Tatsache, dass Gott seine Pläne über gigantische Zeiträume hinweg verwirklicht. Einzelne Rückschläge, die für uns wie ein Scheitern seines Ratschlusses aussehen können, sind in Wirklichkeit in seiner Planung berücksichtigt und dienen letztlich sogar seinen Absichten. Vielleicht löst sich vor dem Hintergrund dieser gewaltigen Geschichte auch ein scheinbarer Irrtum, der immer wieder dem Neuen Testament vorgeworfen wird, weil es betont, dies sei "die letzte Stunde"
(1.Johannes 2:18), und doch sei Jesus nun zweitausend Jahre lang nicht wiedergekommen. Doch ......setzt man für den Ablauf der Erdgeschichte seit dem Entstehen der festen Erdrinde vor 2 Milliarden Jahren ein Jahr an, dann zeigen sich am 1.Juli die ersten Pflanzen und am 25.August die ersten Tiere. In den letzten 4 Stunden und 24 Minuten des Jahres fallen die gesamte Eiszeit, die Stein-, Bronze- und Eisenzeit sowie die Entwicklung bis heute. Die seit Christi Geburt verflossene Zeit entspricht den letzten 30 Sekunden des Jahres, die allerletzte Sekunde der Lebenszeit eines Menschen von heute.
Gott wirkt auch inmitten von Zerstörung
Eine weitere Täuschung ist die Überzeugung, alle Dinge, an denen Gott gewirkt habe, müssten fehlerlos sein. Sicher, es stimmt:
Alle seine Werke sind vollkommen, 5.Mose 32:4. Doch Gott ist eben nicht der einzige, der in dieser Welt am Wirken ist! Da ist auch noch der Satan, der Widerwirker und Durcheinanderwerfer.Bereits ab dem zweiten Satz der Bibel ist die Schöpfung gefallen. Die Worte "tohu" und "bohu" sind wie zwei fette Ausrufungszeichen, die Gott ganz an den Anfang der Bibel gestellt hat: Bereits ab hier ist etwas ganz und gar nicht in Ordnung! Hier ist Gottesferne und Zerstörung! Genau das ist, was diese Worte in allen anderen Bibelstellen bedeuten. Doch es ist eben Gottes Wesen, sich nicht von der beschädigten Welt abzuwenden. Bereits in den ersten Worten der Bibel steckt der Kern des ganzen Evangeliums:
Die Erde aber war (oder: wurde) tohuwabohu
und Finsternis war über der Fläche der Wirbelfluten.
Und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht ... Genesis 1:2
Die von Gott "im Anfang" geschaffene Welt fällt ins Chaos, ins Tohuwabohu. Doch Gott sendet seinen Geist, der über diesem Chaos "brütet, schützend schwebt" ("ruach = Geist ist im Hebräischen weiblich). Gott gibt der erkaltenden Welt lebensspendende Wärme, sendet Licht in die Finsternis. Das ist mehr als eine ausnahmsweise Handlung, es ist Gottes Programm für die Zukunft der ganzen Schöpfung, das sich durch Altes und Neues Testament hindurch immer mehr entfaltet. Es ist Gottes eigenes Wesen, das sich schließlich in Vollendung in seinem Sohn offenbart, der sich nicht scheut, als Licht in die Finsternis, als Arzt zu den Kranken zu kommen.
Wir müssen die Illusion von einer perfekten Instant-Schöpfung ablegen, denn sie führt zu einem unrealistischen Perfektionismus. Wir müssen verstehen, dass seit dem Tohuwabohu Tod und Verderben in die Welt eingedrungen und mit Gottes Wirken eng verwoben sind. Tun wir es nicht, werden wir immer wieder das Kind mit dem Bade ausschütten. Wir werden letztlich das Wirken Gottes auf der Erde nicht verstehen, weil wir die Mängel, mit denen alles Irdische behaftet ist, nicht akzeptieren können. Doch Jesus mied nicht alles Fehlerhafte, sondern im Gegenteil, kam einzig und allein für die Sünder und die Kranken. Darum verspotteten die Frommen ihn als "Freund der Zöllner und Sünder" und unterstellten ihm, er wäre selber ein "Fresser und Weinsäufer", Matthäus 11:19. Sie warteten vergeblich auf ein Wirken Gottes, an dem sie keine Fehler entdecken konnten. Statt dessen griffen sie unaufhörlich die fehlbaren Menschen an, die er gebrauchte.
Gott gebraucht Sünder und nennt sie "Heilige"
Das makellose Wirken Gottes und das zerstörendes Handeln Satans können in ein und derselben Sache oder Person gleichzeitig vorhanden sein. Ein Beispiel hierfür geben die Worte von Johannes:
Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm. Und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt. 1.Johannes 3:9; 5:18
Der wiedergeborene Anteil in jedem Menschen "kann nicht sündigen", weil er von Gott geschaffen und durchweg "gut" ist. Weil aber zugleich auch noch die Anteile des "alten Menschen" vorhanden sind, wäre es Selbstbetrug, die Augen vor der eigenen Fehlerhaftigkeit zu verschließen. Deswegen betont Johannes im selben Brief:
Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 1.Johannes 1:8
Lassen wir uns also nicht täuschen: Wenn die Cherubim ausrufen, dass "die ganze Erde voll von der Herrlichkeit des HERRN ist", dann haben sie recht - auch wenn gleichzeitig Not und Elend im Lande herrschen, Jesaja 6:3. Und genauso konnte Gott deshalb von "allem, was er gemacht hatte" sagen, dass es "sehr gut" war - obwohl der Gesamtzustand der gefallenen Schöpfung alles andere als perfekt war.
Gott, der Vater, von dem wir alle abstammen
Epheser 3:15Abstammung ist eines der wichtigsten Themen der Bibel! Ihr erster Stammbaum, Genesis 1, beschreibt die aufsteigende Entwicklung des Erdenlebens von ersten Lebensspuren im Meer über pflanzliches Leben und Tiere in den Weltmeeren bis hin zum Menschen.
Der weitere Text der Genesis beschreibt bis in die Einzelheiten, wie sich aus einer menschlichen Vorfahrenlinie (Genesis 5) verschiedene Stammesväter abspalten und aus diesen wiederum durch Abstammungen ganze Völker mitsamt ihren Sprachen entstehen (Genesis 10).
Auch die lange "Evolution" bis zum Volk Israel wird ausführlich aufgezeichnet, beginnend mit Abraham, Isaak und Jakob und dessen zwölf Söhnen, bis hin zum Auszug der zwölf Stämme aus Ägypten, der Vermischung mit anderen Völkern in Kanaan und der Zerstreuung unter alle Nationen.
Stammbäume durchziehen die ganze Bibel, auch das Neue Testament beginnt mit einem Stammbaum, denn Jesus als SOHN (!) Gottes und Gott in Menschengestalt musste körperlich von Adam und von einer Frau abstammen! Abstammung ist ein Zentralthema der Bibel - warum haben dann ausgerechnet wir Christen solche Vorbehalte dagegen?
Ist es nicht seltsam? Wir sind die Menschen, die bekennen: "Ich glaube an Gott, den VATER ... und an Gott, den SOHN, GEBOREN von einer Jung-FRAU". Wir glauben, dass wir nur durch die "ZEUGUNG VON OBEN" zu KINDERN Gottes werden und ewig leben können. Und doch wehren einige von uns sich mit Händen und Füßen gegen "Abstammung", als wäre sie "vom Teufel"? Gott bewahre!
Ist Evolution mit einem Gott der Liebe zu vereinbaren?
Einer der gewichtigsten "christlichen" Einwände gegen Evolution besteht darin, dass der Gott der Liebe doch niemals den Tod unzähliger unschuldiger Tiere in Kauf genommen haben könne, um die Evolution bis hin zum Menschen zu ermöglichen! All die versteinerten Lebewesen könnten deshalb nur in die Zeit nach Adam’s Sündenfall einzuordnen sein, und er sei für deren Sterben verantwortlich.
Doch dieses Argument lässt den Fall Satans völlig außer Acht, der ungleich mächtiger als Adam war. Sein gesamter Herrschaftsbereich muss durch seinen Fall in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Nicht Adam, sondern Satan, sündigt, lügt und mordet "von Anfang an", Johannes 8:44. Zum anderen löst die Theorie der Verwandlung der Tierwelt durch Adam’s Sünde gar nicht das Problem des Tiertodes: Denn inwiefern wäre es leichter mit der Liebe Gottes zu vereinbaren, dass all die unschuldigen Tiere wegen Adams Sünde sterben mussten, wenn auch erst nach seinem Fall? Da ist doch nichts gewonnen! Das Leid unschuldiger Tiere spricht nicht gegen die Liebe Gottes, sondern für die Grausamkeit Satans.
Der Anstoß: Gott bezieht Leid und Tod aktiv in seine Pläne ein
Aber gehen wir doch näher auf das Argument ein, der Gott der Bibel könne niemals den Tod Unschuldiger in seine "Evolutionspläne" einbeziehen. Lassen wir einmal alle unsere Wunschvorstellungen beiseite und betrachten die biblische Realität: Hat nicht gerade Gott schon im Alten Testament den Opfertod reiner Tiere sogar befohlen, um darauf hinzuweisen, dass zur Vergebung unserer Fehler ein Unschuldiger sterben muss? Das mag unserem religiösen Empfinden zuwider laufen, doch genau das steht geschrieben! So sollte das Volk der Juden darauf vorbereitet werden, das "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt" zu erkennen und anzunehmen, Johannes 1:29.
Trotzdem war es selbst für gläubige Menschen wie Petrus unvorstellbar, dass Gott so etwas Blutiges und Grausames wie das Kreuz und so etwas Empörendes wie den Tod eines Unschuldigen gebrauchen könnte, um damit Gutes zu bewirken, Matthäus 16:21-22. So lehnen auch heute manche Christen den Gedanken an jegliche Evolution mit dem Hinweis ab, diese sei mit Leid und Tod untrennbar verwoben und deshalb als "Schöpfungsmethode" für Gott nicht würdig. Allerdings ist diese Denkweise Gottes Denken entgegengesetzt, weil rein menschlich, Matthäus 16:23.
Die Botschaft vom Kreuz spricht für die Evolution!
Gerade wir Christen sollten doch verstehen, dass Gott das Leid zwar nicht geschaffen hat und es auch nicht wünscht, dass er es aber immer wieder "notgedrungen" in Kauf nimmt und in seine Pläne einbezieht. Das beste Beispiel dafür ist das Schicksal von Gottes eigenem Sohn, der unschuldig am Kreuz starb:
Er hat kein Unrecht begangen, und in seinem Mund ist kein Betrug gewesen.
Doch der HERR hatte Wohlgefallen daran, dass er zerschlagen wurde.
Er hat ihn leiden lassen. Jesaja 53:9-10
Es gibt für Eltern wohl kaum etwas Schlimmeres, als den Tod ihrer Kinder mit ansehen zu müssen, ohne helfend eingreifen zu können. Von daher können wir uns in etwa vorstellen, wie schlimm es für Gott gewesen sein muss, die Folterung und Ermordung seines Sohnes zuzulassen. Und doch gehört genau diese Tatsache zu den zentralen Wahrheiten des christlichen Glaubens! Es ist "das Kreuz", dass den Menschen, die auf "Wissenschaft" wert legen, wie eine Torheit vorkommt, und das den religiösen Menschen ein Ärgernis ist, 1.Korinther 1:23. Sie können nicht sehen oder glauben, was für herrliche Auswirkungen das Leiden der Unschuldigen hat:
Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Samen (Nachkommen) sehen, er wird seine Tage verlängern (auferstehen). Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Jesaja 53:10
Gott hatte nicht Freude am Leiden Jesu selbst, sondern an den gewaltigen, befreienden Folgen: Jesus würde nach seinem Opfertod "seine Tage verlängern", das ging nur durch seine Auferstehung von den Toten. Und er würde - nach seinem körperlichen Tod! - "Samen sehen", also Nachkommen haben. Das ist nur so zu erklären, dass er "geistige Kinder" haben würde, die wie er, einen Auferstehungsleib bekommen und der Macht des Todes nicht mehr unterliegen würden. Und tatsächlich geht von Jesus an der "Stammbaum von Himmel und Erde" weiter, indem Menschen, die dies zulassen, vom "Vater im Himmel" zu "Kindern Gottes" gemacht werden, durch die "Zeugung von oben", und indem die "Söhne Gottes" wiederum an der Erlösung der ganzen Schöpfung maßgeblich beteiligt sind, Römer 8:21.
Gott selbst leidet - und wir?
Das Leid hat zwei Seiten, und doch sehen wir oft nur eine. So denken bestimmt viele "Weltmenschen" unterbewusst: "Die Geschöpfe auf Erden leiden, während Gott im Himmel auf dem Thron sitzt und kein Leid kennt". Doch schon im Alten Testament kommt ganz klar heraus, dass sehr wohl auch im Himmel leidet:
Als der HERR sah, dass die Bosheit der Menschen groß war ... da tat es ihm bis in sein Herz hinein weh. Genesis 6:5-6
Nicht nur Jesus im Neuen Testament betont, dass er alles menschliche Leid auf der Erde so wahrnimmt, als wäre es sein eigenes:
Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan. Matthäus 25:40
Schon der HERR im Alten Testament "identifizierte sich" mit den Leidenden:
Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört. Wahrlich, ich kenne seine Schmerzen. Exodus 3:7
Umgekehrt scheinen viele Christen zu glauben, Jesus habe das Kreuz und seine Leiden auf sich genommen, um sie uns komplett zu ersparen. Es stimmt, er hat uns vor dem ewigen Tod gerettet, aber dennoch gibt es kein Christsein ohne eigenes Kreuz:
Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.
Lukas 14:27
Jesus hat uns nicht jegliches Leid auf Erden abgenommen, sondern uns, im Gegenteil, vorgemacht, dass auch wir geduldig Leid ertragen sollen:
Wenn ihr ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott. Denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt. Denn hierzu seid ihr berufen worden! 1.Petrus 2:20-21
Wenn Gott als Unschuldiger unermessliches Leid auf sich genommen hat und außerdem viele Glaubensvorbilder der Bibel genau dasselbe getan haben, dann ist doch auch das Leid anderer unschuldiger Geschöpfe kein Hindernis, an die Abstammung aller Lebewesen zu glauben. Gott hat die Macht, jedes unschuldige Leid mehr als auszugleichen:
Denn ich urteile, dass die Leiden der jetztigen Zeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Römer 8:18
Armin Held
Geboren 1961 in Garmisch
verheiratet, vier Kinder
Hebraicum und Graecum an der Universität München
Kontakt:
Armin Held
Oberreit 1
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Diese Schrift, Stand Februar 2008,
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