DIE LEHRE DES APOSTELS PAULUS
S. Van Mierlo
EINLEITUNG
Stanie Van Mierlo hat fünf Werke auf Niederländisch herausgegeben, die in einer logischen Reihenfolge stehen:
1. Die Wissenschaft, die Vernunft und der Glaube
2. Die Offenbarung Gottes
3. Der Heilsplan Gottes
4. Die Lehre des Apostels Paulus
5. Der Heilsweg
Die beiden ersten Werke befassen sich überwiegend mit den Naturwissenschaften, der Philosophie und der Archäologie und sind zum Verständnis der nachfolgenden Abhandlungen nicht unbedingt notwendig. Das dritte Werk, "Der Heilsplan Gottes", liegt in deutscher Übersetzung vor.
Dies ist nun die von Karel Claeys und Armin Held übersetzte und überarbeitete Fassung des vierten Werkes, "Het Onderwijs van de Apostel Paulus". Dieses Buch soll ein tieferes Verständnis der verschiedenen Botschaften des Paulus vermitteln. In seiner Einleitung zur "Lehre des Apostels Paulus" geht S.Van Mierlo kurz auf seine früheren Werke ein:
1. Die Wissenschaft, die Vernunft und der Glaube
Das Hauptziel der ersten Studie ist, zu zeigen, dass die heutige Wissenschaft und die Vernunft einen offenherzigen Menschen dazu bewegen können, an einen Schöpfer zu glauben. In dieser Studie betonen wir die Bedeutung der "wissenschaftlichen" Untersuchungsmethode; allein sie lässt es zu, zu einer Synthese zu gelangen, die alles umfasst, was wir wissen können. Genau diese Methode ist es auch, die es der Naturwissenschaft ermöglicht hat, sich auf erstaunliche Art und Weise zu entwickeln. Wir haben gesehen, dass sie folgende Grundlage hat:
GLAUBE an die Einheit des Untersuchten,
LIEBE zur vollen Wahrheit, und
DEMUT, eigene Überzeugungen notfalls aufzugeben.
Wer diese Methode anwendet, geht dabei folgendermaßen vor:
1. Er glaubt an das Bestehen einer rationalen Einheit, die auch zu begreifen ist.
2. Er untersucht die einzelnen Teile dieser Einheit, ohne sich von Vorurteilen beeinflussen zu lassen. Er nimmt also einfach die Tatsachen zur Kenntnis, ohne gleich etwas zu verwerfen, wenn es ungereimt erscheint, und ohne sich von scheinbaren Widersprüchen und Unmöglichkeiten aufhalten zu lassen. Er wird stets von der Liebe zur vollen Wahrheit getrieben und ist so bereit, seine eigene meinung aufzugeben.
3. Er versucht, ausgehend von den einzelnen Gegebenheiten, zu einer Synthese (= Verknüpfung einzelner Teile zu einem höheren Ganzen) zu gelangen, und diese wiederum kann ein besseres Verstehen und Begreifen der Teile ermöglichen.
Wenn man diese Methode auf die sichtbaren Dinge anwendet, kann man zu einer logischen Weltanschauung gelangen, die auch den Glauben an einen Schöpfer beinhaltet. Als Folge ergibt sich für den Untersuchenden, dass dieser unbekannte Gott sich auch noch auf eine andere, genauere Art geoffenbart haben muss.
2. "Die Offenbarung Gottes"
Die zweite Studie, "Die Offenbarung Gottes", untersucht, wo wir diese Offenbarung finden können, dabei insbesondere, warum wir glauben können, dass die Bibel diese Offenbarung in menschlichen Worten ausdrückt. Wir haben auch auf den grundsätzlichen Irrtum der modernen Bibelkritik hingewiesen, die glaubt, eine wissenschaftliche Methode anzuwenden, indem sie folgendermaßen vorgeht:
Ohne vorausgehenden Glauben beginnt man, ein zweifelhaftes Buch zu studieren, das man mit anderen menschlichen Schriften gleichstellt. Im besten Falle betrachtet man die Bibel als eine Reihe von menschlichen Zeugnissen, die auf mehr oder weniger richtige Art und Weise die geof-fenbarte Wahrheit ausdrücken. Man hofft, auf diesem Weg zu einem gesicherten Glauben zu kommen.
Es ist offensichtlich, dass diese Vorgehensweise genau das Gegenteil der eigentlich wissenschaftlichen Methode ist, die wir gerade vorgestellt haben. Möchte man nämlich letztere anwenden, so muss man zu allererst einmal an die Einheit und absolute Wahrheit der Schrift glauben. Geleitet von Glauben und Liebe zur Wahrheit - was in diesem Falle ein Wirken Gottes in den Studierenden voraussetzt - unternimmt man dann ein Studium der Schrift, indem man sie als einzigen Maßstab annimmt. Das bedeutet, dass man jegliche philosophische, wissenschaftliche oder kirchliche Norm zurückstellen muss. Man legt die Schrift durch die Schrift aus.
Nun, in welchem Maße dürfen wir die Schrift buchstäblich auffassen? Die wissenschaftliche Methode führt dazu, alles so buchstäblich wie möglich zu verstehen und nur dann Bildersprache oder subjektive Ausdrucksweise anzunehmen, wenn die Schrift selbst uns dazu Anlass gibt.
In unserem zweiten Buch kommen wir also zu dem Ergebnis, dass die Schrift wirklich eine Einheit bildet, die aus einer Reihe von Zeugnissen besteht, die zwar in menschlicher Sprache, doch ohne Irrtümer verfasst sind. Die Bibel überliefert uns alle notwendigen Mitteilungen, die Gott Propheten offenbart hat, das sind Menschen, die Gott in die Lage versetzt hat, sein Wort empfangen zu können, um es uns auf genaue Weise weiterzugeben. Deshalb muss die Schrift so buchstäblich wie möglich ausgelegt werden.
Wenn man so weit gekommen ist, wird man beginnen, den Inhalt der Bibel zu untersuchen. In erster Linie wird man dann danach trachten, einen Überblick über die Heilsgeschichte zu erlangen, über die Verwirklichung des Göttlichen Heilsplanes. Dies ist der Gegenstand der dritten Studie:
3. "Der Heilsplan Gottes"
Wiederum ist es die wissenschaftliche Methode, die es uns erlaubt, diesen Plan in seinen wichtigsten Punkten zu umreißen. Die Geschichte ist in verschiedene Perioden, oder besser: "Äonen" gegliedert (von "ajonos = Zeitalter, Ewigkeit"):
Nach dem Vorsatz der Äonen, den er verwirklicht hat in Christus Jesus, unserem Herrn. Epheser 3:11
Sie beginnt mit der Erschaffung des Weltalls ...
Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde. Genesis 1:1
... und erlebt einen großen Einschnitt mit der Niederwerfung und Verwüstung eines Teiles der ursprünglichen Schöpfung in der Zeit des Tohuwabohu:
Die Erde aber wurde verwüstet und verödet (hajetah tohu wabohu), und Finsternis war auf der Fläche der Wirbelflut ... Genesis 1:2
Diese Verwüstung ist die Folge des Aufstandes von mächtigen Geistwesen, die hochmütig geworden sind, allen voran Satan:
Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, Überwältiger der Nationen!
Und du, du sagtest in deinem Herzen: «Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden. Ich will hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten mich gleich machen.»
Doch in den Scheol wirst du hinabgestürzt, in die tiefste Grube. Jesaja 14:12-15
Im Verlauf von sieben Zeitabschnitten bereitet Gott aus diesem Chaos der Verwüstung einen neuen Kosmos zu, Genesis 1:2-2:4.
Innerhalb des siebten Zeitabschnittes wird dann Adam gebildet, um das Königreich Gottes auf der Erde aufzurichten, die noch immer bösen Mächten unterworfen ist:
Dann bildete der HERR, Gott, den Adam: Staub vom Ackerboden, und hauchte in seine Nase Erkenntnisgeist des Lebens, und so wurde Adam zu einer lebenden Seele. Genesis 2:7
Doch Adams Fall hat zur Folge, dass auch die Menschen nach ihm in die Stellung von Sündern gesetzt sind, Genesis 3 und Römer 5:
Durch den Ungehorsam des einen Menschen wurden die vielen in die Stellung von Sündern versetzt. Römer 5:19
Die Bosheit der adamitischen Rasse macht die Reinigung durch die Sintflut erforderlich:
Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag ... Und der HERR sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens auslöschen ... Genesis 6:5-7
Hierauf folgt eine Reihe von Auserwählungen, die von Abraham zu Moses und dem Volk Israel führen:
Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! Genesis 12:1-4
Nun soll dieses Volk der Mittler sein, um das Königreich auf der Erde aufzurichten:
Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst. Exodus 19:6
Ich richte unter ihnen ein Zeichen auf und sende Entkommene von ihnen zu den Nationen ... zu den fernen Inseln, die die Kunde von mir nicht gehört und meine Herrlichkeit nicht gesehen haben. Und sie verkünden meine Herrlichkeit unter den Nationen. Jesaja 66:9
Doch als der König, Gottes Sohn, der sich seiner Herrlichkeit entledigt hat, als Mensch auf die Erde kommt, wird er von Israel nicht erkannt:
Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen. Matthäus 2:2
Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an. Johannes 1:11
Und jetzt, Brüder, ich weiß, daß ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten. Apostelgeschichte 3:17
Er erniedrigt sich bis zum Tod am Kreuz, für alle Menschen.
Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Philipper 2:7-8
Doch durch die Auferstehung und die Himmelfahrt erhöht Gott ihn über die Maßen, über alle Geschöpfe:
Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2:9-11, vergleiche Apostelgeschichte 17:31; 1.Timotheus 3:16; Römer 1:4
Dies sind die wichtigsten Ereignisse der Geschichte.
Obwohl ihm die Missetat vergeben ist, bleibt Israel während der Zeit der Apostelgeschichte verhärtet, verwirft weiterhin den Christus und wird ungefähr im Jahre 60 für eine begrenzte Zeit verworfen:
Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun. Lukas 23:34
Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, als Paulus ein Wort sprach: Trefflich hat der heilige Geist durch Jesaja, den Propheten, zu euren Vätern geredet und gesagt: «Geh hin zu diesem Volk und sprich: Hörend werdet ihr hören und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen. Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.»
So sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Nationen gesandt ist; sie werden auch hören. Apostelgeschichte 28:25-28
Die gegenwärtige Zeitspanne, in der Israel nicht als auserwähltes Volk angenommen ist, wird durch die höchste Offenbarung gekennzeichnet, die allein Paulus empfangen hat: Die Gemeinde der Verborgenheit oder Leibesgemeinde:
Die Nationen sollen nämlich Miterben und Miteinverleibte sein und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin nach der Gabe der Gnade Gottes, die mir nach der Wirksamkeit seiner Kraft gegeben ist.
Mir, dem allergeringsten von allen heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen und ans Licht zu bringen, was die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her in Gott, der alle Dinge geschaffen hat, verborgen war; damit jetzt den Gewalten und Mächten in der Himmelswelt durch die Gemeinde die mannigfaltige Weisheit Gottes zu erkennen gegeben werde. Epheser 3:6-10
Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch aussteht von den Bedrängnissen des Christus für seinen Leib, das ist die Gemeinde.
Ihr Diener bin ich geworden nach der Verwaltung Gottes, die mir im Blick auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden: Das Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen heiligen geoffenbart worden ist.
Ihnen wollte Gott zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Kolosser 1:24-27
Gott "verwaltet", das heißt "führt und leitet" die Welt nun auf eine ganz andere Art und Weise als vorher. Dies ist in ganz besonderem Maße die Verwaltung oder "Haushaltung" der Gnade und des Glaubens. Der Heilsweg ist nun vollkommen offenbart und auch zugänglich gemacht.
Israels Wiederherstellung, das Kommen des Christus in Herrlichkeit, die Auferstehung der Gläubigen und die Bindung der bösen Mächte trennen den gegenwärtigen bösen Äon von dem zukünftigen Äon:
Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Matthäus 24:30
Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 1.Thessalonicher 4:16-18
Jesus hat sich selbst für unsere Sünden hingegeben, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, Galater 1:4
Der zukünftige Äon beginnt mit dem Königreich auf Erden: Israel als heiliges (das heißt abgesondertes) Volk, als königliches Priestertum, als die Gemeinde des Neuen Bundes, wird den "Zweck" seiner Auser-wählung erfüllen, indem es einen großen Teil der Menschheit zur Wiedergeburt führt:
Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund: Nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen, - diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war, spricht der HERR.
Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.
Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den HERRN! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken. Jeremia 31:31-34
Darum sage zum Haus Israel: So spricht der Herr, HERR: Nicht um euretwillen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, zu denen ihr gekommen seid. Und ich werde meinen großen, unter den Nationen entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt. Und die Nationen werden erkennen, dass ich der HERR bin, spricht der Herr, HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise.
Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen. Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen.
Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.
Und ihr werdet in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe, und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich, werde euch zum Gott sein. Hesekiel 36:22-28
Die Lebensbedingungen sind dann zwar viel besser als in unserem bösen Äon, weil das Böse unterdrückt wird, doch ist die Sünde auf der Erde noch nicht beseitigt. Erst später erfolgt die vollkommene Beseitigung der bösen Mächte, das Ende von Sünde und damit auch von Tod:
Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.
Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.
Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken.
Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Offenbarung 20:10-14
Im neuen Himmel und der neuen Erde wird alles vom Geist beherrscht werden, und die Erde wird nicht mehr die materielle Beschaffenheit aufweisen, die wir jetzt gewöhnt sind:
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.
Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.
Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen.
Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig.
Und er führte mich im Geist hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie aus dem Himmel von Gott herabkam, und sie hatte die Herrlichkeit Gottes.
Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein. Und der Baustoff ihrer Mauer war Jaspis und die Stadt reines Gold, gleich reinem Glas. Die Grundsteine der Mauer der Stadt waren mit jeder Art Edelstein geschmückt: der erste Grundstein ein Jaspis; der zweite ein Saphir; der dritte ein Chalzedon; der vierte ein Smaragd ...
Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, je eines der Tore war aus einer Perle, und die Straße der Stadt reines Gold, wie durchsichtiges Glas.
Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm. Offenbarung 21:1-23
Schließlich wird das Endziel erreicht werden, die vollkommene Vereinigung mit Gott, wo Gott alles in allem sein wird:
Wenn ihm (dem Christus) aber alles unterworfen ist, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei. 1.Korinther 15:28
Zum Verständnis des Wortes Gottes sind zwei Dinge besonders wichtig, die es gut zu begreifen gilt:
1. Israel wird ein heiliges Volk, ein königliches Priestertum sein, um die Wiedergeburt der Erdbevölkerung zu bewirken. Dazu gehört, dass es nach der gegenwärtigen Verwerfung wieder als Volk hergestellt wird, und dass es im kommenden Äon seine Aufgabe als Gemeinde des Neuen Bundes erfüllen wird. Die Gläubigen aus den Nationen werden auf der Erde (= irdische Sphäre) dann den zweiten Platz einnehmen.
2. Während der gegenwärtigen Zeitspanne, in der Israel nicht als Volk Gottes angenommen ist (und die somit eine gewisse Unterbrechung im "normalen" Ablauf des Heilsplanes Gottes darstellt), führt Gott die Welt auf eine ganz andere Weise. Die besondere Aufgabe Israels, die Welt zur Wiedergeburt zu leiten, wird nicht von einer Gemeinde übernommen, die aus Nicht-Juden besteht. Zur Zeit kann dieser Auftrag also von niemandem erfüllt werden; erst in dem kommenden Äon wird das wiedergeborene Israel seine Aufgabe wahrnehmen. Die Gläubigen können (und sollen) in der Jetztzeit zusammenarbeiten und sich anstrengen, Gottes Wort jedem Menschen zu verkündigen, denn der Weg der Rettung bleibt weiterhin offen - die geistlichen Dinge, die im Laufe der Zeit geoffenbart wurden, bleiben wirksam - doch bilden die Christen aus den Nationen nicht eine Gemeinde, die Israel ersetzt.
Abgesehen von den Aussagen der Schrift selbst zeigt auch die Zerstrittenheit innerhalb des Christentums, dass man einen grundlegenden Fehler begangen hat. Die Kirchen, die glauben, den Platz Israels einzunehmen, legen für ihre Organisation und Dogmatik (= G1aubens1ehre) dann die Gegebenheiten zur Zeit der Apostelgeschichte zugrunde. Sie berücksichtigen nicht in genügendem Maße die besonderen Offenbarungen, die Paulus empfing, und halten deshalb an nicht schriftgemäßen Traditionen fest.
Nicht nur was die Organisation und die Rituale angeht, stößt man überall auf Schwierigkeiten - weil man dafür keine genauen Anweisungen empfangen hat - sondern auch die Dogmatik steht vor einer großen Menge unlösbarer Probleme, weil man die einzelnen Schritte auf dem Heilsweg, die drei Segnungssphären, nicht unterscheidet. Wie wir in diesem Werk zeigen werden, muss man unterscheiden zwischen:
1. der Wiedergeburt, die mit der Erde in Beziehung steht, und von der die zwölf Apostel sprechen;
2. der Rechtfertigung und Versöhnung, die mit der himmlischen Sphäre in Verbindung steht; und
3. der Vollkommenheit in Christus (= Leibesgemeinde).
Die zweite Sphäre kennen wir hauptsächlich, die dritte allein durch den Apostel Paulus. Alle, die Paulus’ Botschaft folgen wollen, können bereits jetzt im Geist und durch Gottes Gnade den ganzen Weg durchschreiten.
Das Hauptziel dieses Buches ist, näher zu untersuchen, wenn auch immer noch recht knapp, was Paulus uns insbesondere lehren möchte. Es soll gezeigt werden, dass keinerlei Widersprüche, nicht einmal Spannungen zwischen seiner Botschaft und der der Zwölfe bestehen. Letztere gehen nicht über die Wiedergeburt hinaus; Paulus hat Gottes Offenbarung vollendet.
Mit der Unterscheidung der Verwaltungen und der geistlichen "Stellungen" verschwinden ganz von selbst viele Probleme und Schwierigkeiten, die stets zu Streit und Spaltung Anlass gegeben haben.
Wir behaupten jedoch keinesfalls, die volle Wahrheit zu vermitteln. Mit unserer menschlichen Erkenntnis können wir Gottes Wort nur mangelhaft erfassen und versuchen, es wiederzugeben. Doch durch die Zusammenarbeit aller Christen, die die Wahrheit wirklich lieb haben, sollte die "Schrift-Wissenschaft" stets verbessert werden können, wenn die Bereitschaft vorhanden ist, alle nicht der Schrift entsprechenden Auffassungen aufzugeben.
In unserem fünften Werk, "Der Heilsweg", untersuchen wir auf der Grundlage der bereits erhaltenen Ergebnisse den Weg des Heils ausführlicher und genauer. Ohne eine gute allgemeine Übersicht über den göttlichen Heilsplan und die verschiedenen Segnungssphären haben wir auch keine schriftgemäße Grundlage für alle unsere Überlegungen und Taten. Wenn wir jedoch die drei Stufen auf dem Heilsweg gut unterscheiden, werden wir zu jedem Zeitpunkt besser erkennen können, welche Botschaft an uns gerichtet ist - und wie wir unsere Mitmenschen ansprechen können. Wir werden auch das Wort, das Gott persönlich zu uns spricht, besser verstehen lernen. Unser Leben in Christus kann dann in vollem Maße Gott verherrlichen.
HINWEIS
Wir möchten den Leser besonders darauf aufmerksam machen, dass wir die ganze Schrift annehmen als "nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit", 2.Timotheus 3:16.
Wir meinen jedoch, dass die Schrift selbst beweist, dass mehrere Teile des Neuen Testamentes Israel unmittelbar betreffen, nämlich dort, wo es um die Berufung dieses Volkes geht und um die Organisation seiner Gemeinde mit ihren Ritualen, also religiösen Bräuchen und Ordnungen. Es ist auch aus der Schrift zu ersehen, dass all die äußeren Dinge, wie zum Beispiel die sichtbaren Auswirkungen geistlicher Gaben, die in die Zeit gehören, in der das Königreich auf Erden nahe ist, in Zeiten, wo dies nicht der Fall ist, nicht im selben Maße erwartet werden können.
Der persönliche, geistliche Heilsweg gilt jedoch zu allen Zeiten und für alle Menschen. Was also im Alten Testament oder im Neuen Testament in diesem Zusammenhang gesagt wird, ist an alle Menschen gerichtet. Doch der Weg umfasst drei Stufen. Was von den höheren gesagt wird, ist natürlich (noch) nicht an die gerichtet, die sich in den niedrigeren befinden, und die Botschaft für die niedrigeren ist manchmal nicht (mehr) an diejenigen gerichtet, die weiter vorangeschritten sind. Wir wollen also das geschriebene Wort "recht schneiden", 2.Timotheus 2:15, nichts verwerfen und alles besser zu seinem Recht kommen lassen.
l. Wer ist Paulus?
In "Der Heilsplan Gottes" haben wir gezeigt, dass Paulus nicht zu den zwölf Aposteln der Beschneidung gehörte. Manch einer könnte hieraus folgern, dass er dann gar kein echter Apostel war. Dies geschah auch tatsächlich in der Zeit des Apostels Paulus. Von allen Seiten erfuhr er Widerstand, und ohne Zweifel hat man gegen ihn vorgebracht, dass er den Herrn nicht von der Taufe des Johannes ab bis zum Tage seiner Wiederaufnahme begleitet hat. Paulus erfüllte nicht die Bedingungen von Apostelgeschichte 1:21-22, um Apostel zu sein.
Es muss nun von den Männern, die mit uns gegangen sind in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein- und ausging, angefangen von der Taufe des Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns hinweg aufgenommen wurde - von diesen muss einer Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden. Apostelgeschichte 1:21-22
Doch sagt er selbst: "Bin ich nicht ein Apostel?" 1.Korinther 9:1. Er erkennt wohl, dass ein Unterschied zwischen ihm und den Zwölfen besteht:
... dass er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übriggeblieben, einige aber auch entschlafen sind. Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; zuletzt aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir. 1.Korinther 15:5-8
Doch besteht er darauf, ein Apostel zu sein. Er behauptet, sein Apostelamt unmittelbar von dem Herrn Jesus Christus empfangen zu haben und wirklich Prediger und Apostel zu sein:
Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen für seinen Namen zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen. Römer 1:5
Dafür bin ich eingesetzt worden als Herold und Apostel - ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht - als Lehrer der Nationen in Glauben und Wahrheit. 1.Timotheus 2:7.
Vor allem in seinem Brief an die Galater legt er Nachdruck auf seinen Titel:
Paulus, Apostel, nicht von Menschen her, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater ... Galater 1:1
Man hat natürlich sofort gemerkt, dass seine Botschaft für die Nationen nicht dieselbe war, wie die der Zwölfe in Israel, und das war ein Grund, seine Autorität in Zweifel zu ziehen. Er gibt zu, ein anderes Evangelium zu verkündigen, doch war dieses nicht von "menschlicher Art", auch hatte er es nicht von Menschen gelernt, sondern "durch Offenbarung Jesu Christi":
Ich teile euch aber mit, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi. Galater 1:11
Man beachte, dass das griechische Wort "apokalyPsalmis = Offenbarung", wörtlich: "Enthüllung", stets für eine Mitteilung verwendet wird, die unmittelbar von Gott kommt. Dies war allein bei den Propheten und Aposteln der Fall.
Er zog nicht "Fleisch und Blut" zu Rate, ging auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor ihm Apostel waren. Erst nach drei Jahren lernte er Petrus kennen. Nach Verlauf von vierzehn Jahren stellte er den Aposteln das Evangelium vor, das er unter den Nationen predigte, und Jakobus, Kephas und Johannes (Apostel der Beschneidung) gaben ihm und Barnabas (Apostel der Unbeschnittenen) die Rechte der Gemeinschaft, als sie die Gnade erkannten, die ihm gegeben war:
Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit. Ich zog aber einer Offenbarung zufolge hinauf und legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Nationen predige, den Angesehenen aber besonders, damit ich nicht etwa vergeblich laufe oder gelaufen wäre ...
Und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben worden ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, damit wir unter die Nationen gingen, sie aber unter die Beschnittenen. Galater 2:1,2,9
Man sieht also, dass es wichtig ist zu unterscheiden:
1. zwischen den zwölf Aposteln der Beschneidung, die vom Herrn vor seiner Himmelfahrt erwählt wurden - und den Aposteln der Vorhaut, die er nach seiner Himmelfahrt erwählte. Epheser 4:10 spricht vom Hinaufsteigen Christi "über alle Himmel", in Vers 11 dann über die Apostel, die danach durch ihn gegeben wurden.
2. zwischen der besonderen Botschaft der Zwölf, die mit der Gegenwart des Herrn auf der Erde und dem Königreich auf Erden zusammenhing, und der besonderen Botschaft von Paulus während der Apostelgeschichte-Zeit, die von himmlischen Dingen handelt und von der Neuen Schöpfung; es ist die Zeit, ab der er Christus nicht mehr dem Fleische nach kennt:
Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so. 2.Korinther 5:16.
Eine derartige Unterscheidung schließt jedoch keinesfalls aus, dass Petrus sich nicht auch gelegentlich an jemanden aus den Nationen wendet (im Zusammenhang mit deren Segnung im Königreich auf Erden), und dass Paulus sich auch - und möglichst sogar zuerst! - an Juden wendet. Wir werden noch sehen, dass das Evangelium des Paulus weiter reicht als das der Zwölfe. Er kann also sehr wohl über das Königreich auf Erden sprechen, doch umgekehrt konnten die Zwölfe nicht Dinge lehren, die ihre Segnungssphäre überstiegen.
2. Mehrere Evangelien
Die Schrift spricht tatsächlich von mehreren "Evangelien", das heißt frohen Botschaften:
Als sie (die Angesehenen in Jerusalem) sahen, dass mir das Evangelium für die Unbeschnittenen anvertraut war, ebenso wie Petrus das für die Beschnittenen ... Galater 2:7
Vielleicht wird jetzt jemand einwenden, Paulus selbst habe gesagt, dass es "kein anderes" Evangelium gebe, doch lesen wir den betreffenden Bibeltext genauer und achten dabei auf die Worte, die der Grundtext verwendet:
Ich wundere mich, dass ihr so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen ( "héteros = andersartigen") Evangelium umwendet, welches kein anderes ( "állos = anderes von der selben Art") ist; nur dass etliche sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verkehren wollen. Galater 1:6-7
Alle frohen Botschaften, die von Gott eingegeben sind, sind von derselben göttlichen Art, also nicht "andersartig" ( "héteros"). Das Evangelium jedoch, zu dem die Galater sich abgewandt hatten, war menschlichen oder dämonischen Ursprungs und demnach "andersartig". Zur Untersuchung der Worte "állos" und "héteros" siehe den Anhang.
Gottes Gnade ist so umfangreich, dass Raum für viele frohe Botschaften ist, die jedoch eine harmonische Einheit bilden, was den Heilsweg angeht - sie sind verschieden, jedoch von derselben Art, "állos". So gibt es ein besonderes Evangelium für die Juden und ein anderes - von der selben Art - für die Unbeschnittenen. Diese letztere Botschaft nennt Paulus auch "mein Evangelium":
An dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Jesus Christus. Römer 2:16
Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war ... Römer 16:25
Er verkündigte es während der Zeit der Apostelgeschichte. Darauf folgt noch ein anderes, das die Gnade Gottes noch völliger bekannt macht.
Allen, die die Paulus-Briefe aufmerksam untersucht haben, konnte nicht entgehen, dass sie sich stark voneinander unterscheiden. Jene, die nicht an die Einheit der Schrift glauben, meinen hier einen deutlichen Beweis dafür zu finden, dass die Bibel nicht vollkommen von Gott eingegeben sein kann. Man spricht dann von einer beständigen Entwicklung der christlichen Einstellung des Paulus, um schließlich zu sagen, er habe sich am Ende ganz frei gemacht von den "Banden der jüdischen Eschatolo-gie" (= Lehre von den letzten Dingen).
Wir fürchten, dass der Mangel an tiefergehender Beschäftigung mit diesen scheinbaren Widersprüchen, die die Aufgabe von Christen gewesen wäre, die an die Einheit der Schrift glauben, dazu beigetragen hat, dass der zerstörenden Kritik freier Lauf gelassen wurde. Grund für diese Zurückha1tung seitens der Christen war vielleicht der Eindruck, dass diese "Veränderungen" von Paulus nicht befriedigend ausgelegt werden könnten. Der Leser wird jedoch sehen, dass die Lösung dieses Problems ganz einfach ist. Derartige scheinbare Schwierigkeiten rühren von einem falschen Verständnis des göttlichen Heilsplanes und des Heilsweges her. Anstatt sich fortwährend mit einem unlösbaren Problem zu beschäftigen, sollte man lieber der Frage nachgehen, wo man mit seiner allgemeinen Auffassung von der Wahrheit abgewichen ist, so dass als Folge Scheinprobleme entstanden.
Es ist vor allem nötig einzusehen, dass Israel einen ganz bestimmten Auftrag hat - als Gottes auserwähltes Volk. Auch muss abgegangen werden von der meinung, Jesus habe einen neuen Gottesdienst eingeführt, der den "jüdischen Gottesdienst" ersetzen soll, ebenso, dass mit Pfingsten die Kirche gebildet worden sei, die den Platz von Israel einnahm (vergleiche hierzu unser Werk "Der Heilsplan Gottes").
Möge man doch erkennen, dass es einen Heilsweg gibt, der mehrere Stufen oder Segnungssphären umfasst. Paulus durchlief diesen Weg und verkündigte die damit übereinstimmenden frohen Botschaften. Nicht seine religiösen Auffassungen und Einstellungen veränderten sich in dem Sinne, dass die früheren weiter von der Wahrheit abgewichen wären als die späteren: Was er sagt, ist stets absolut wahr und genau und bleibt gültig für die Segnungssphäre, von der er spricht. Wenn es also Unterschiede zwischen seinen Evangelien gibt, bedeutet das lediglich, dass es zwischen den einzelnen Stufen auf dem Heilsweg Unterschiede gibt. Es gibt eine Entwicklung innerhalb von dem, was von Gott geoffenbart wird!
Das Geheimnis des Christus .... das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist. Epheser 3:4,5
Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit teilen; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Johannes 16:12-14
3. Die Botschaft vom Königreich und der Wiedergeburt
Das Evangelium der Beschneidung ist zugleich das vom Königreich auf Erden; es wird dreimal erwähnt:
Und er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk. Matthäus 4:23
Und Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer und lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen. Matthäus 9:35
Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. Matthäus 24:14
In "Der Heilsplan Gottes" haben wir gesehen, dass dieses Evangelium Israel ankündigte, dass das Königreich auf Erden, von dem die Propheten stets gesprochen hatten, nun nahe sei. Allein die Bekehrung des widerspenstigen Volkes war noch notwendig. Nach Johannes dem Täufer war der König selbst gekommen, um die frohe Botschaft zu verkündigen:
Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat. Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn. Lukas 4:18-19
Nachdem er diese Worte aus dem Buch Jesaja, Kapitel 61:1-2, gelesen hatte, rollte er das Buch zu und sagte: "Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt." Beim Lesen von Jesaja hörte er mitten in einem Satz auf, weil das Übrige erst später, nämlich kurz vor dem Königreich geschehen, "erfüllt" werden soll. Die Zusammenfassung dieses Evangeliums, das Israel zu Bekehrung und Wiedergeburt führen sollte ist, dass der verachtete "Jesus" der Christus ist, der Messias, der Sohn Gottes. Dies wird jedoch nicht ausdrücklich verkündigt:
Dann gebot er den Jüngern, dass sie niemand sagten, dass er der Christus sei. Matthäus 16:20
Nur dejenigen, die die Schrift kannten und glaubten, sollten Jesus aus seinen Worten und Taten als den Gesalbten erkennen, vergleiche:
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft verkündigt! Und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Lukas 7:22-23
Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben ? Johannes 5:46ff
Wir erinnern den Leser daran, dass dieses Evangelium allein an Israel gerichtet war:
Diese zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf einen Weg der Nationen, und geht nicht in eine Stadt der Samuel ariter; geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Matthäus 10:5-6
Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Matthäus 15:24
Die Nationen sollten erst später, durch das Volk Israel, gesegnet werden:
Paulus aber und Barnabas sprachen freimütig: Zu euch musste notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden. Weil ihr es aber von euch stoßt und euch selber des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen. Apostelgeschichte 13:46
Israel musste sich also erst bekehren und die Stellung einnehmen, die Gott vorbereitet hatte, vergleiche "Der Heilsplan Gottes".
Das Evangelium vom Königreich auf Erden sagt nichts über das Kreuz! Als der Herr mit seinen Jüngern über seinen Tod spricht, verstehen sie ihn nicht, ja tadeln ihn sogar!
Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem er sagte: Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren. Matthäus 16:21-22
Nun, wir lesen, wie Paulus vom Zeitpunkt seiner Bekehrung an diese Botschaft weitergab. Nach einigen Tagen predigte er in der Synagoge, dass Jesus der Sohn Gottes ist, und er "erstarkte noch mehr und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, dass dieser der Christus ist", Apostelgeschichte 9:22.
In Antiochien lehrten er und Barnabas eine zahlreiche Menge, Apostelgeschichte 11:26 - auch hier waren es allein Juden. Lediglich einige aus den Nationen hatten - zehn Jahre nach Pfingsten - das Wort Gottes angenommen, Apostelgeschichte 11:1-18. Die in Christus gläubigen Juden wurden nun "Christen" genannt:
Es geschah ihnen aber, dass sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten und dass die Jünger zuerst in Antiochien "Christen" genannt wurden. Apostelgeschichte 11:26
Meist bildet man den Gegensatz: "Jude - Christ". Doch auch der wiedergeborene Jude bleibt ein Jude, denn dieser Name bedeutet, dass er zum auserwählten Volk gehört. Auf der Erde bleibt notwendigerweise ein Unterschied zwischen Christen-Juden und den Christen aus den Nationen:
Ist jemand beschnitten berufen worden, so bleibe er bei der Beschneidung. Ist jemand unbeschnitten berufen worden, so lasse er sich nicht beschneiden. 1.Korinther 7:18
Erst in der himmlischen und überhimmlischen Segnungssphäre ist es so, dass es weder Juden noch Nationen gibt, also keine nationalen Unterschiede mehr. Im zukünftigen Äon werden alle Juden auch Christen sein, doch bleiben sie weiterhin ein königliches Priestertum, abgesondert von den Nationen. Die Christen-Juden beginnen, sich dessen bewusst zu werden und bilden nun, wie auch während der Zeit der Apostelgeschichte, eigene Gemeinden.
Ausgesandt durch den heiligen Geist, kamen Barnabas und Paulus (der auch noch Saulus genannt wurde) nach Salamis und verkündigten dort das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. In Antiochien (in Pisidien) angekommen, gingen sie am Tag der Sabbate (er Text!) in die Synagoge. Nach dem Lesen des Gesetzes und der Propheten forderten die Vorsteher der Synagoge sie auf, dem Volk, nämlich den Juden, die in der Synagoge waren, ein Wort des Zuspruchs zu sagen, Apostelgeschichte 13:14-15. Es waren dort auch Nicht-Juden, die "Gott fürchteten"; dies war der übliche Ausdruck für Proselyten, nämlich solche aus den Nationen, die, beschnitten oder nicht, an Jahwäh glaubten und an den Versammlungen der Synagoge teilnahmen. Sie waren getrennt von den Juden. (Siehe auch Vers 43, wo sie mit Namen genannt werden; auch Apostelgeschichte 10:2.22; 13:26; 16:14; 17:4,17; 18:7.)
Paulus gab eine kurze Zusammenfassung der Geschichte Israels, sprach dann von Jesus, dem Retter, und forderte sie auf, sich zu bekehren:
Ihr Brüder, Söhne des Geschlechtes Abrahams, und die unter euch Gott fürchten, uns ist das Wort dieser Rettung gesandt. Apostelgeschichte 13:26
Wie die Zwölfe zeugte er dann von der Auferstehung des Herrn:
Und wir verkündigen euch die gute Botschaft von der zu den Vätern geschehenen Verheißung, dass Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus erweckte; ...
So sei es euch nun kund, ihr Brüder, dass durch diesen euch Vergebung der Sünden verkündigt wird. Apostelgeschichte 13:32,33,38,
vergleiche auch 1.Korinther 15:5-9,11
Als er dann über die Rechtfertigung durch den Glauben spricht, geht er weiter als die Zwölf - dies ist eine Botschaft, die er später den Nationen genauer verkündigen wird:
Und von allem, wovon ihr im Gesetz (das heißt auf dem Grundsatz des Gesetzes) nicht gerechtfertigt werden konntet, wird in diesem jeder Glaubende gerechtfertigt. Apostelgeschichte 13:39
Am folgenden Sabbat waren nicht nur Juden und Proselyten, sondern fast die ganze Stadt versammelt. Nun begannen die Juden, Paulus zu widersprechen und zu lästern. Erst dann wandte der Apostel sich in dieser Stadt an die aus den Nationen; er wurde, zusammen mit Barnabas, aus ihren Grenzen vertrieben.
Paulus hatte also seine Botschaft verkündigt und buchstäblich die Anweisungen des Herrn befolgt: Er war nicht "auf einen Weg der Nationen" gegangen, sondern "vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel", Matthäus 10:5-6. Der Herr hatte jedoch hinzugefügt:
Und wenn jemand euch nicht aufnehmen, noch eure Worte hören wird - geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen. Matthäus 10:14
So lesen wir dann auch:
Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen gegen sie ab. Apostelgeschichte 13:51
Weil Paulus vom Herrn einen Auftrag empfangen hatte, der über den der Zwölfe hinausging, konnte er sich danach an die Nationen wenden. So sehen wir, dass Paulus und Barnabas zuerst den Juden in der Zerstreuung die Botschaft vom Nahesein des Königreiches Gottes auf Erden verkündigten. Zu Ikonium gingen sie wieder in die Synagoge, und ihre Verkündigung wurde - wie es damals die Regel war - von Zeichen und Wundern begleitet, Apostelgeschichte 14:1-4; vergleiche dazu:
Wenn ihr aber hingeht, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe gekommen. Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus! Matthäus 10:7-8
Die "Griechen", die in Apostelgeschichte 14 erwähnt werden, sind Proselyten, zumal sie sich in der Synagoge versammeln. Die ungläubigen Juden hetzten diese auf, um sich so Paulus und Barnabas zu widersetzen. Die beiden flohen daraufhin nach Lystra und Derbe, und auch dort verkündigten sie das Evangelium. Paulus heilte einen Lahmen, worauf die Volksmenge sie für Götter hielt. Paulus jedoch wehrte ihnen und weil er sich hier inmitten der Heiden befand, die den lebendigen Gott nicht kannten, verkündigte er ihnen nicht Christus, einen König oder ein Königreich, sondern forderte sie auf, sich zu dem Schöpfer zu bekehren. Das war also ein anderes Evangelium, angepasst an diese Menschen. Tatsächlich beginnt der Heilsweg mit der Furcht Gottes als dem Schöpfer. Dies ist die Tür des Glaubens:
Als sie aber angekommen waren und die Gemeinde zusammengebracht hatten, erzählten sie alles, was Gott mit ihnen getan und dass er den Nationen eine Tür des Glaubens aufgetan habe. Apostelgeschichte 14:27
Zurückgekehrt nach Lystra, Ikonium und Antiochien, weist er die Jünger darauf hin, dass sie vor dem Kommen des Königreiches noch durch viele Trübsale hindurchgehen müssen, Apostelgeschichte 14:22. So bekräftigte er lediglich, was die Propheten, der Herr und die Zwölfe bereits verkündigt hatten:
Da mir nun der Beistand von Gott zuteil wurde, stehe ich bis zu diesem Tage, bezeugend sowohl Kleinen als Großen, indem ich nichts sage außer dem, was auch die Propheten und Moses geredet haben, dass es geschehen werde. Apostelgeschichte 26:22-23, vergleiche auch Apostelgeschichte 24:14; 28:23.
Wir sehen also, wie Israel in den wichtigsten Städten die Botschaft vom Königreich "offiziell" verwarf, während die Nationen begannen, sich zu Gott zu bekehren.
Die Zeit der Apostelgeschichte ist eine Übergangsperiode, die zum Königreich auf Erden hätte führen sollen. Doch aufgrund des Ungehorsams des auserwählten Volkes kommt das Wort Gottes zu den Nationen - sozusagen vor der normalen Zeit. Die Botschaft vom Königreich wird jedoch weiterhin verkündigt, nämlich den Juden in der Zerstreuung, in den Städten, in denen der Messias noch nicht verworfen wurde.
Wenn Paulus sich an die Nationen wendet, fordert er sie entweder auf, sich zu Gott als dem Schöpfer zu bekehren, oder - diejenigen, die schon weiter fortgeschritten sind - an Christus als Retter zu glauben, um durch den Glauben zur Rechtfertigung zu gelangen. Noch deutlicher wird dies in den Briefen, die er in dieser Zeit schrieb. Doch ist das Königreich noch immer nahe, und die Zeichen dieses Naheseins bleiben. So wird Paulus zum Beispiel durch ein Erdbeben aus dem Gefängnis befreit, Apostelgeschichte 16:24-26.
In Thessalonich ging Paulus wie gewohnt in die Synagoge und verkündigte dort, dass Jesus der Christus ist, Apostelgeschichte 17:1-3. Einige Juden und eine große Menge von Prosetyten glaubten. In Beröa glaubten viele Juden, weil sie mit aller Bereitwilligkeit das Wort aufnahmen und täglich die Schriften untersuchten, ob es sich also verhielte, Apostelgeschichte 17:11. "Die Schriften" sind natürlich die Schriften des Alten Testamentes, was beweist, dass Paulus in seiner Verkündigung nicht über das hinausging, was bereits geschrieben stand, da man sonst nicht anhand der Schrift hätte prüfen können, "ob es sich also verhielte". Paulus sprach noch nicht über das Geheimnis, das von allen Äonen her in Gott verborgen gewesen war, vergleiche:
... woran ihr im Lesen merken könnt mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus, welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geiste ...
... und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott, der alle Dinge geschaffen hat. Epheser 3:5,9
Das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen heiligen geoffenbart worden ist. Kolosser 1:26.
In Athen unterredete er sich in der Synagoge mit Juden und Prose-lyten und auf dem Markt mit solchen aus den Nationen, die dort zusammengekommen waren. Auf dem Areopag sprach er wiederum - wie bereits in Lystra - nur von Gott als dem Schöpfer und forderte sie auf, sich zu ihm zu bekehren, Apostelgeschichte 17:16-34.
In Korinth unterredete Paulus sich an jedem Sabbat in der Synagoge und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus sei, Apostelgeschichte 18:1-5. Als sie aber widerstrebten und lästerten" wandte er sich an die aus den Nationen. Später finden wir Paulus in der Synagoge von Ephesus, Apostelgeschichte 18:19; 19:8, wo er drei Monate lang über das Königreich Gottes spricht und außergewöhnliche Wunder tut:
Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich unterredete und sie von den Dingen des Königreiches Gottes überzeugte.
(Vergleiche Apostelgeschichte 20:25. In dieser Stelle lassen die wichtigsten Handschriften das Wort "Gottes" bei "Reich" weg.)
In Apostelgeschichte 26:6-8 spricht Paulus noch folgendermaßen zu dem König Agrippa:
Und nun stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung auf die von Gott an unsere Väter geschehene Verheißung, zu der unser zwölfstämmiges (Volk), unablässig Tag und Nacht (Gott) dienend, hinzugelangen hofft. Wegen dieser Hoffnung, o König, werde ich von den Juden angeklagt. Warum wird es bei euch für etwas Unglaubliches gehalten, wenn Gott Tote auferweckt?
Schließlich, im 28.Kapitel, wo wir lesen, dass der Biss einer Otter ihm nichts anhaben kann und er viele Kranke heilt, finden wir Paulus in Rom, inmitten der "Ersten der Juden" (= die offiziellen Vertreter). Er spricht noch immer über die Hoffnung Israels:
Um dieser Sacharjae willen nun habe ich euch herbeigerufen, euch zu sehen und zu euch zu reden; denn wegen der Hoffnung Israels trage ich diese Kette. Apostelgeschichte 28:20
Bis ans Ende der Apostelgeschichte geht es um die Hoffnung Israels. Paulus kündigte das Königreich Gottes an und "versuchte sie zu überzeugen von Jesus, sowohl aus dem Gesetz Moses als auch den Propheten". Doch auch hier in Rom verwarfen die offiziellen Vertreter Israels ihren Messias, so dass Paulus Jesaja 6:9,10 zitiert:
Geh hin zu diesem Volk und sprich: Hörend werdet ihr hören und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen. Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.
Dieses Urteil wird nun vollkommen erfüllt: Israel hat sowohl in Jerusalem als auch in der Zerstreuung Augen und Ohren geschlossen und sein Herz verhärtet; die Rettung ist nun zu den Nationen gesandt. Bereits früher hat Paulus gesagt, dass er sich wegen des Unglaubens der jeweiligen Juden an die aus den Nationen wenden werde:
Als aber die Juden (von Antiochia in Psalmidien) die Volksmengen sahen, wurden sie von Eifersucht erfüllt und widersprachen dem, was von Paulus geredet wurde, und lästerten. Paulus aber und Barnabas sprachen freimütig: Zu euch musste notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selber des ewigen Lebens nicht für würdig haltet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen.
Denn so hat uns der Herr geboten: «Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, daß du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde.»
Apostelgeschichte 13:45-47, Zitat aus Jesaja 49:6
Paulus unterredete sich aber in der Synagoge an jedem Sabbat und überzeugte Juden und Griechen. Als aber sowohl Silas als auch Timotheus aus Mazedonien herabkamen, wurde Paulus durch das Wort gedrängt und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus sei.
Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme auf euren Kopf! Ich bin rein; von jetzt an werde ich zu den Nationen gehen. Apostelgeschichte 18:4-6
In Apostelgeschichte 28:28 geht es jedoch um mehr: Vorher war das Heil Israel gesandt, und die Gläubigen aus den Nationen konnten daran Anteil haben:
So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und er den euch vorausbestimmten Jesus Christus sende ...
Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott euren Vätern verordnet hat, als er zu Abraham sprach: «Und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.»
Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen, indem er einen jeden von euch von seinen Bosheiten abwendet.
Apostelgeschichte 3:19-20,26
Von nun an jedoch wurde das Heil den Nationen gesandt - Israel hatte seine Vorrangstellung verloren und war zu einer Nation unter vielen anderen geworden.
In den folgenden zwei Jahren predigte Paulus das Königreich Gottes im weiteren Sinne, das die ganze Schöpfung und die Äonen umfasst, jedoch nicht mehr das Königreich himmlischen Ursprungs, das auf die Erde kommen soll.
Gottes auserwähltes Volk ist nun für eine Zeit als solches verworfen, das Königreich Gottes auf Erden ist nicht mehr nahe, weil seine Aufrichtung von der Bekehrung Israels abhängig ist:
Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!
Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen, denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: «Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!» Matthäus 23:37-39
So denkt nun um und kehrt um, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und er den euch vorausbestimmten Jesus Christus sende!
Apostelgeschhichte 3:19-20
Wenn wir das bis hierher Gehörte zusammenfassen, sehen wir, dass Paulus während der Zeit der Apostelgeschichte mindestens drei Evangelien verkündigte:
1. Er sprach zu denen aus den Nationen von Gott als dem Schöpfer und versuchte sie dazu zu bewegen, sich von den vergänglichen Dingen zu dem lebendigen, doch ihnen unbekannten Gott zu bekehren.
2. Er verkündigte den Juden und Proselyten die frohe Botschaft vom Königreich auf Erden und forderte sie auf, an Christus zu glauben und sich zu bekehren.
3. Er unterredete sich mit Nicht-Juden, die schon an Gott glaubten, über Christus und ihre Segnung mit Israel.
Wie wir noch sehen werden, erfahren wir aus seinen Briefen ferner, dass er auch das Evangelium der Rechtfertigung und der neuen Schöpfung verkündigte. Hierfür finden wir im Buch der Apostelgeschichte aber nur flüchtige Andeutungen.
Im Zusammenhang mit diesen Evangelien erinnern wir uns an die Abrahamitischen Verheißungen und unterscheiden zwischen vier Gruppen von Menschen:
1. Diejenigen, die noch nicht an Gott glauben.
2. Das große Volk, Israel, das gesegnet sein, Kanaan besitzen und eine Quelle von Segen sein wird: Genesis 12:2-3.
3. Die Geschlechter der Erde, die in Abraham gesegnet werden. Hier geht es um die Erde. Galater 3:8 spricht von größeren Segnungen, die den himmlischen Samen betreffen. Israel ist ein Teil dieser Saat, die "wie der Staub der Erde" ist, Genesis 13:6, so zahlreich.
4. Der Samen, der so zahlreich sein wird wie die Sterne des Himmels, der an der Rechtfertigung teilhat:
Und der HERR führte Abram hinaus und sprach: Blicke doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: Also wird dein Samen sein! Und er glaubte dem HERRN und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit. Genesis 15:5-6
Diese Abrahamitischen Verheißungen begannen sich während der Apostelgeschichte-Zeit zu erfüllen. Die Zwölfe richteten ihre Botschaft von Bekehrung und Wiedergeburt vor allem an die zweite Gruppe, an Israel, und ausnahmsweise auch an die dritte. Paulus dagegen sprach zu allen. Nachdem die Botschaft vom Königreich auf Erden von Israel verworfen worden war, und der Segen die Nationen deshalb nicht durch Israel erreichen konnte, begann Paulus, der vierten Gruppe das Evangelium von der Rechtfertigung und der himmlischen Stellung in Christus zu verkündigen.
Man muss also gut zwischen diesen Gruppen von Menschen unterscheiden und den jeweiligen Botschaften, die ihnen verkündigt werden sollen. Allerdings darf man nicht einem großen Irrtum verfallen, nämlich, dass etwa das Evangelium von Bekehrung und Wiedergeburt die Nationen nichts angehe! Denn in der Schrift findet man zwei große Linien: Einerseits die Verwirklichung des allgemeinen göttlichen Heilsplanes, der die Geschichte der ganzen Menschheit mit den verschiedenen Verwaltungen betrifft, und andererseits den persönlichen Weg der Rettung, der das geistliche Leben jedes einzelnen Menschen betrifft.
Da alle Menschen Sünder sind, müssen auch alle durch Wiedergeburt und Rechtfertigung zum vollen Heil, zur vollen Gemeinschaft mit Gott durch Jesus Christus, gelangen. Man kann zu Israel oder den Nationen gehören und zu verschiedenen Zeiten der Menschheitsgeschichte leben, doch der persönliche Heilsweg bleibt derselbe. Alle Dinge in den verschiedenen Evangelien, die das persönliche, geistliche Leben betreffen, sind also gültig, das soll heißen anwendbar, zutreffend für einen jeden, je nachdem, wie weit er auf dem Heilsweg vorangeschritten ist. Immer muss der natürliche, seelische Mensch zuerst an Gott glauben und zu ihm umkehren, um wiedergeboren zu werden. Immer muss der an Gott Gläubige zum Glauben an Christus als Retter kommen usw.
Doch die Verkündigung dieser Evangelien hängt vom allgemeinen Zustand der Menschheit ab, wird von ihm beeinflusst. Gottes Plan ist, zuerst Israel zur Wiedergeburt zu führen und das Königreich auf Erden zu errichten, in dem dieses Volk dann das Werkzeug zur allgemeinen Wiedergeburt der Nationen sein soll. Das Evangelium der Wiedergeburt richtet sich also zuerst und in besonderer Weise an die Juden, und zwar mit einem zweifachen Ziel: Erst einmal, um Einzelne zur persönlichen Wiedergeburt zu führen, und zweitens, um die nationale Wiedergeburt zu erreichen. Ohne letzteres kann das Königreich auf Erden nicht beginnen. Aber auch wenn die nationale Wiedergeburt ausbleibt und auf später verschoben wird, so bleibt doch die persönliche Wiedergeburt immer noch notwendig und möglich - auch für die Nationen.
Wenn Paulus sich nun, nachdem Israel seinen Messias verworfen hat, an die Nationen wendet, so tut er das jedoch nicht mit dem Ziel, mit ihnen und durch sie das Königreich zu erreichen. Die Gläubigen aus den Nationen ersetzen Israel nicht. Die nationale Bekehrung und Wiedergeburt des auserwählten Volkes bleiben noch immer ein Erfordernis. Zwar ist das Königreich auf Erden nach der Zeit der Apostelgeschichte nicht mehr nahe, und die Botschaft vom Königreich wird nicht mehr verkündigt. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass der persönliche Inhalt nicht mehr gültig wäre und durch etwas anderes ersetzt würde!
Es findet eine Veränderung statt, in welcher Weise der göttliche Plan verwirklicht werden soll, eine Veränderung bezüglich des allgemeinen Zustandes der Menschheit, weil Israel nun - für eine begrenzte Zeit! - verworfen ist und seinen Auftrag nicht erfüllen kann. Der persönliche Heilsweg erfährt jedoch keine Änderung: Jeder Mensch muss zuerst wiedergeboren werden!
Jesus antwortete und sprach zu Nikodemus: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter hineingehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen. Johannes 3:3-5
Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes. Titus 3:5
Paulus verkündigte zwar ein "anderes" Evangelium, doch betrifft dieses einen weiteren Schritt auf dem Weg des Heils: die Rechtfertigung. Wir werden dies in einem anderen Kapitel näher untersuchen,doch wollen wir bereits hier ganz starken Nachdruck auf die Tatsache legen, dass Paulus während derselben Zeit, in der er dieses andere ( állos) Evangelium predigte, weiterhin über Glauben und Bekehrung zu Gott als dem Schöpfer sprach, wenn er sich an solche aus den Nationen wandte, die Gott noch nicht kannten. Der persönliche Inhalt aller dieser Evangelien bleibt also immer gültig, weil die Menschen zu allen Zeiten Sünder sind und den ganzen Heilsweg durchlaufen müssen!
Das soeben Gesagte ist eine Antwort an jene, die uns, ohne unsere Schriften ernsthaft untersucht zu haben, vorwerfen, wir würden lediglich einige Teile der Schrift übrigbehalten, während alles andere jüdisch sei, nur an Juden gerichtet. Doch wir behalten den ganzen persönlichen und geistlichen Inhalt, nur was besondere Aufträge angeht - insbesondere die sichtbaren Organisationen, die Zeremonien und so weiter - berücksichtigen wir die Art und Weise, wie Gott seinen Plan ausführt, mit oder ohne Israel. Dergleichen sichtbare Dinge treffen nur in den Zeiten zu, die die Schrift selbst angibt. Dies alles auf unsere Verwaltung anzuwenden, entspricht nicht Gottes Willen und muss zwangsläufig Unordnung und Spaltungen hervorrufen. Außerdem behält für uns auch das, was an Israel gerichtet ist, seinen Wert:
Denn alles, was zuvor geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben. Römer 15:4
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt. 2.Timotheus 3:16-17
Schon im Alten Testament finden wir so viele Beweise für Gottes Liebe, Langmut und Gnade. Wir können nicht nur viele Dinge auf geistliche Weise auf uns anwenden und viel aus der Geschichte Israels lernen, sondern wir können auch buchstäblich auf uns anwenden, was das geistliche Leben des Wiedergeborenen und Gerechtfertigten des Alten Testamentes angeht. Darum sind zum Beispiel die Psalmalmen oft von so großer Bedeutung für uns, wenn sie von den persönlichen Erfahrungen Salomos, Davids und anderer berichten.
Zusammenfassend können wir also sagen, dass wir Gottes Wort in vollem Umfang zu seinem Recht kommen lassen, indem wir die verschiedenen Dinge deutlich unterscheiden. So können wir Gott besser verherrlichen, weil wir einen genaueren und tieferen Blick für den Reichtum seiner Gnade erhalten.
4. Die Lehrbriefe der Apostel für die Juden
Es geht hier um die Briefe der Apostel Jakobus, Petrus, Johannes und Judas, sowie den Hebräerbrief. Da man gewöhnlich zu wenig darauf achtet, dass diese Briefe an Christen-Juden gerichtet sind, ist es gut, diesen Umstand näher zu untersuchen.
Der Hebräerbrief
Wir wollen hier nicht untersuchen, wer der Schreiber des Hebräerbriefes ist. Die Schrift schweigt hierüber, und wir könnten lediglich Vermutungen anstellen. Es ist jedoch sicher und allgemein anerkannt, dass dieser Brief an Hebräer gerichtet ist - also an Juden!
Der Jakobusbrief
Auch hier gibt es keine Schwierigkeiten, denn die Adresse ist angegeben:
Den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung (diáspora) sind. Jakobus 1:1
Das ist also die "Diaspora". Dieser Ausdruck wird niemals für Nationen gebraucht. Jakobus spricht von:
der Synagoge, Jakobus 2:2
dem Gesetz, Jakobus 2:9-10; 4:11
dem "Freund Gottes", Jakobus 2:23; dies ist ein charakteristischer jüdischer Ausdruck: 2.Chroniken 20:7; Jesaja 41:8, Jakobus 5:4,14; Markus 6:13 usw.
dem Herrn Zebaoth
der Salbung mit Öl
Der ganze Brief ist an das christen-jüdische Leben angepasst und kann, was die Einsetzungen angeht, nicht auf Nicht-Juden angewandt werden.
Die Petrusbriefe
Petrus wendet sich in seinem ersten Brief an die "Fremdlinge der Zerstreuung" (diasporá), die bis zum Anbruch des Königreichs auf Erden noch immer "Fremdlinge" sind. Er schreibt an Juden, die wiedergeboren sind:
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren (wörtlich: wiedergezeugt) hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten. Denn ihr seid nicht wiedergezeugt aus vergänglichem Samen, sondern aus unvergänglichem durch das lebendige und bleibende Wort Gottes. 1.Petrus 1:3,23
Weiter schreibt Petrus über sie:
Ihr werdet auch selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum. Denn es ist in der Schrift enthalten: "Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren; und wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden." (Jesaja 28:16)
Euch nun, d-ie ihr glaubet, (ist er) die Kostbarkeit; den Ungehorsamen aber: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben. Dieser ist zum Eckstein geworden" (Psalmalm 118:22) und "ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses" (Jesaja 8:14), die sich, da sie nicht gehorsam sind, an dem Worte stoßen, wozu sie auch gesetzt worden sind. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst "nicht ein Volk" wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr "nicht Barmherzigkeit empfangen hattet", jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt (vergleiche Hosea 1:10; 2:23). Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und (als die ihr) ohne Bürgerrecht (seid), dass ihr euch enthaltet von den fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten, indem ihr euren Wandel unter den Nationen ehrbar führet, auf dass sie, worin sie wider euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung. 1.Petrus 2:5-12
Sie sind "Gottes Volk" (Vers 10) und werden getrennt von den Nationen genannt (Vers 12)! Vorher waren sie allerdings "nicht ein Vo1k" (Hosea l:9) und wie "irrende Schafe" gewesen:
Denn ihr ginget in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer See1en. 1.Petrus 2:25
Auch mit seinem zweiten Brief wendet sich Petrus an die zerstreuten Juden, was deutlich daraus zu ersehen ist, dass Petrus ihn als den zweiten bezeichnet, den er ihnen schreibt:
Diesen zweiten Brief, Geliebte, schreibe ich euch bereits. 2.Petrus 3:1
Die Johannesbriefe
Johannes war einer der zwölf Apostel der Beschneidung, es ist also selbstverständlich, dass seine Briefe an Christen-Juden gerichtet sind, es sei denn, er selbst sagte das Gegenteil. Es ist also eigentlich nicht unsere Sacharjae, einen Beweis zu liefern. Diejenigen, die meinen, seine Briefe seien an Christen aus den Nationen gerichtet, müssten dafür schon einen guten Grund angeben können. Weil er jedoch an-Juden schreibt, gibt er folgenden Hinweis:
Und er (Jesus Christus) ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 1.Johannes 2:2
In seinem dritten Brief stellt er den Juden, zu denen er sich selbst rechnet, die Nationen gegenüber:
Denn für den Namen sind sie hinausgegangen, und sie nehmen nichts von den Nationen. 3.Johannes 7
So wie die jüdischen Schriftgelehrten aus Ehrfurcht das hebräische "haschem = der Name" anstelle von "Jahwäh" gebrauchten, steht hier das griechische "to-ónoma". Ein Beispiel, wo dies im Alten Testament der Fall ist:
Und der Sohn der israelitischen Frau lästerte den Namen und verfluchte ihn.
Und wer den Namen des HERRN lästert, muss getötet werden, die ganze Gemeinde muss ihn steinigen; wie der Fremde, so der Einheimische: wenn er den Namen lästert, soll er getötet werden. Levitikus 24:11,16
Der Judasbrief
Judas erinnert seine Leser an die Erlösung des Volkes aus Ägypten (Ver 5), spricht über Michael (Vers 9), der von Gott über das Volk Israel bestellt ist (Daniel 12:1), und über die Zeiten kurz vor dem Königreich:
Denn sie (die Apostel des Herrn) sagten euch, dass am Ende der Zeit Spötter sein werden, die nach ihren Begierden der Gottlosigkeit wandeln. Judas 18 (vergleiche 2.Petrus 3:3.)
Die Offenbarung
Der hebräische Charakter des Buches der Offenbarung und die sehr zahlreichen Verweise auf das Alte Testament haben manche daran zweifeln lassen, ob es wohl Teil des Neuen Testamentes sei. Wir meinen also, hierauf nicht weiter eingehen zu müssen.
Alle diese Schriften, die an Christen-Juden gerichtet sind, enthalten Hinweise nationaler Art, die auch mit dieser Zeit der Apostelgeschichte übereinstimmen. Sie sind allein auf Israel anwendbar, und auch das nur, solange das Volk nicht verworfen ist. Sie enthalten auch persönliche Dinge, die zum Ziel haben, zur Bekehrung, zur Wiedergeburt und zu einem dieser Stellung würdigen Wandel hinzuführen. Diese Dinge sind von allgemeiner Gültigkeit, doch muss man stets daran denken, dass sie nicht über die Wiedergeburt und die irdischen Segnungen mit Israel hinausgehen. Hat man das Persönliche durchlebt (und das ist unbedingt notwendig!), muss man Paulus in seinem Lauf auf das Ziel zu folgen.
Judenmission
Auszüge aus einem Aufsatz von Erich Lubahn in dem Buch »Mission an Israel in heilgeschichtlicher Sicht«
Als der Apostel Paulus in der ersten Generation der Gemeinde Jesu Christi (mit der Bestätigung des heiligen Geistes) damit begann, unter den Nationen das Evangelium von Jesus, dem Auferstandenen, ohne Gesetz zu verkündigen, erregte er damit in der Jerusalemer Urgemeinde Ärgernis. Es kam zu einer gewiss nicht leichten Auseinandersetzung in Jerusalem. Davon berichtet uns die Bibel in Apostelgeschichte 15 und in Galater 2. Nachdem man sich "lange gestritten" hatt, Apostelgeschichte 15:7, ob den Nichtjuden das Gesetz auferlegt werden sollte, einigte man sich. Der Apostel Paulus durfte weiter das Evangelium unter den Heiden, besser "Nationen = Nichtjuden" verkündigen, ohne sie auf das Gesetz zu verpflichten. Nach harter Auseinandersetzung sprach Petrus das vollmächtige, versöhnende Wort:
Gott, der Herzens-künder, zeugte über sie (die Heiden) und gab ihnen den heiligen Geist gleich wie auch uns und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen und reinigte ihre Herzen durch den Glauben ...
Wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus Christus gerettet zu werden gleicherweise wie auch sie. Apostelgeschichte 15:8ff
Dass die Heidenmission umstritten war, hatte biblisch-heilsgeschichtliche Ursachen. Gemäß der Verheißung sollte erst durch den Messias GANZ ISRAEL für seine Heilsfunktion an den Völkern bereitet werden, um schließlich allen Nationen (durch die Juden) das Heil zu bringen - eine grundsätzliche heilsgeschichtliche Linie, die nicht aufgehoben, aber in ihrer Globalität noch nicht aktuell ist.
Anmerkung: Solange Israel nicht beiseite gesetzt war, ging es Paulus darum, dass eine "Vollzahl" aus den Nationen (in den Ölbaum) eingehen sollte, Römer 11:25. Darauf sollte die Bekehrung des ganzen Volkes Israel geschehen, Römer 11:26-27!
Dieser Hintergrund muss bei der Auseinandersetzung in Jerusalem gesehen werden. Paulus trachtete ja nicht danach, global zu seiner Zeit in diese Mission einzutreten, sondern AUS allen Völkern eine Gemeinde zu rufen. Das war eine für die Juden völlig neue heilsgeschichtliche Perspektive. Mit anderen Worten: Dem Apostel Paulus ging es nicht darum, ALLE Menschen und Völker zu Jüngern Jesu zu machen, sondern AUS allen Völkern die Erwählten Gottes zur Gemeinde, dem Leib Christi, zu rufen.
Ähnlich der damaligen Zeit im Blick auf die Problematik der Heidenmission stehen wir heute vor einer vergleichbaren Problematik der "Judenmission". Wie am Anfang hinsichtlich der Heidenmission, so ist es auch heute hinsichtlich der "Judenmission" notwendig, den heilsgeschichtlichen Hintergrund ins Auge zu fassen, um in der umstrittenen Frage Klarheit zu gewinnen.
Bei aller Mission geht es um das Werk Gottes, das nach seinem Wohlgefallen durch Menschen geschehen soll. Wenn wir als Jünger Jesu Gehilfen des Heilsplans Gottes sein sollen und wollen, haben wir uns nach Gottes "Konzept" zu richten. Wie sieht dieses Konzept in heilsgeschichtlicher Perspektive aus?
Jesus verstand sich mit seinem Auftrag als ein von Gott Gesandter. Er sagte: "Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel", Matthäus 15:24. Auch seine Jünger sandte Jesus allein zu den "verlorenen Schafen aus dem Haus Israel", Matthäus 10:6. Wenn Jesus im Missionsbefehl, Matthäus 28:10f und Markus 16:15-18, seine Jünger aufforderte, alle Völker zu lehren und sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes zu taufen, so fügte er sich damit ganz in das allen Juden bekannte Konzept "Das Heil (für die Völker) kommt von den Juden" ein, Johannes 4:22.
Nach Apostelgeschichte 1:8 sollten die Jünger anfangen in Jerusalem, Judäa und Samuel arien und dann erst unter allen Völkern zu predigen. Darin sind sich Petrus, Jakobus und Paulus einig: "Zuerst den Juden und dann den Heiden", Apostelgeschichte 15:lff; Römer 1:16.
Die heilsgeschichtliche Linie von Gottes Handeln mit den Juden wird durch ihre Vertreibung aus-dem Lande der Väter und ihre Zerstreuung unter die Nationen lediglich unterbrochen und mit der Erscheinung ihres Messias Jesus wiederaufgenommen. Während dieser Unterbrechung läuft das "Geheimnis" der Gemeinde Jesu (aus den Nationen, Kolosser l:26f).
Seit rund 100 Jahren begannen erweckliche Kreise in der Kirche (Pietismus) die weiter bestehende Stellung Israels im Heilsplan Gottes neu zu entdecken. Sie übernahmen nicht einfach die christliche Tradition, nämlich das neue Israel zu sein, sondern besannen sich neu auf den Heilsplan Gottes. Sie begannen, Israel und Gemeinde Jesu als zwei Linien (Haushaltungen) Gottes zum Heil der Welt zu entdecken. Auf der Grundlage der im Pietismus geweckten Liebe zu Israel, die an der Erwählung Israels und den ihm gegebenen Verheißungen und Aufgaben festhielt, das heißt sie ihm wieder zurückgab, entstand die "Judenmission". Sie verkündigte den Juden die Botschaft vom Kreuz und Auferstehung Jesu als Garantie auch für die Erfüllung der Verheißungen Israels. Eine beachtliche Frucht der Judenmission war, die nicht erloschene Liebe Gottes zu Israel neu zu entdecken und dadurch unter den Christen Liebe zu Israel zu wecken.
Solange die christliche Kirche, die aus der Gemeinde der Apostelzeit entstand, sich als die Nachfolgerschaft der Juden verstand - in dem Sinne, dass die Kirche vor Gott an die Stelle der Juden getreten sei -, stand jegliche Mission der Kirche unter den einzelnen Juden unter einem falschen Aspekt, nämlich sie aus ihrer Tradition und ihrem Volkszusammenhang zu reißen und in die neue, jetzt von Israel losgelöste Tradition der Kirche zu verpflanzen.
An dieser Stelle muss ein heißes Eisen angefasst werden: Hat die Judenmission das Ziel, Juden zu Christen irgendeiner Kirche oder Konfession zu machen? Der Name "Christ " und "Christen" wird in der heiligen Schrift dreimal genannt. Zuerst bezeichnete man die Jünger in Antiochien als "Christen", Apostelgeschichte 11:26. Erst im Laufe der Geschichte entstand die Volks- und Staatskirche, das "Christentum" mit seinen zahlreichen Konfessionen. Seither gibt es gläubige Christen neben der Masse der Namenschristen. Darum ist das Christentum mit vielen Hypotheken, besonders was das Verhalten der Christen gegenüber den Juden betrifft, belastet. Besonders aus diesem Grund habe ich persönlich grundsätzliche Hemmungen, diesen Namen den Juden zuzumuten.
Sollen nun Juden in eine der heidenchristlichen Kirchen überwechseln und damit "Christen" werden? Wenn wir uns heute neu auf unser Erbe besinnen, dann kann es nicht darum gehen, Juden zu Christen zu machen, sondern lediglich darum, durch unser Zeugnis Juden auf ihren Messias Jeschua zu verweisen. Im Verlauf der Kirchengeschichte brauchte man den Namen "Christ" für "getaufte Heiden". Sie wurden mehr oder weniger mit oder gegen ihren Willen von einer christlichen Kultur geprägt. Sollen wir nun Juden aus ihrer Tradition reißen und in die Tradition der heidnischen Christenheit einfügen? Das wäre ein unbiblischer Proselytismus.
Wenn nun Juden, besonders die im Lande Israel ansässigen, an ihren Messias, an Jesus, zu glauben beginnen, dann sollten wir akzeptieren, wenn sie sich nicht aus ihrer Tradition und ihrem Volk lösen, sondern innerhalb ihres Volkes als "messianische Juden" Jesus bekennen. Das heißt für uns konkret:
1. Sie sollten sich nicht an irgendein kirchliches Christentum assimilieren.
2. Sie sollten ihren Platz im Judentum und, wenn möglich, in ihrer Synagoge bewahren und treu wahrnehmen.
3. Sie sollten - wie in der Jerusalemer Urgemeinde - neben ihrem Gottesdienst in der Synagoge hin und her in den Häusern ihre Versammlungen pflegen, Apostelgeschichte 2:46.
Messianische Gemeinde - Synagoge - Christentum
Eine vergleichende Betrachtung über geistliches Leben in Israel, nach einem Vortrag von Joseph Shulam.
JOSEPH SHULAM wurde 1946 in Sofia geboren. Seine Eltern waren liberale, sephardische, bulgarische Juden. 1948 ist die Familie nach Israel ausgewandert, das heißt Joseph Shulam ist in Israel aufgewachsen und erzogen worden. Mit 17 Jahren bekam der damalige Schüler die Aufgabe, in einem Aufsatz ein neutestamentliches Thema zu bearbeiten. Er begann das Neue Testament zu lesen und kam in der letzten Konsequenz dadurch zum lebendigen Glauben an den Messias Jesus Christus. Aufgrund dessen wurde er von seinen Eltern des Hauses verwiesen. Seine Ausbildung konnte er daraufhin in den USA fortführen. Daran schloss sich, wieder in Israel, ein achtjähriges Bibel Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem an, dem wieder eine zweijährige Studienzeit mit Schwerpunkt Neues Testament in den USA folgte. Zeitlich parallel entschloss er sich noch zu einem Chemiestudium.
Nach seinem eigenen Zeugnis war er nach Abschluss dieser Zeit ein Christ wie alle anderen Nationenchristen. Darauf folgte ein SCHLÜSSELERLEBNIS seines Lebens. In Jerusalem traf er einen früheren Freund, dem er seinen Glauben bezeugte. Die Reaktion des Freundes traf ihn tief. Er entgegnete: "Lerne du zunächst den Judaismus kennen, dann will ich dir gründlich zuhören!" In Joseph Shulam wuchs daraufhin die Entscheidung, in einer Jeschiwa, einer Toraschule, judaistische Theologie zu studieren. Dreieinhalb Jahre widmete er einer vollständigen Ausbildung zum Rabbiner. Eine orthodoxe Jeschiwa in Jerusalem nahm ihn trotz seines Glaubens an Jesus Christus auf.
Zunächst war er nur auf Hören eingestellt, dann aber, gegen Ende der Studienzeit, hatte er Gelegenheit, wie es zunächst hieß, "Neues Testament" zu lehren. Bruder Benjamin Berger war bei den Seminaren anwesend. Als der leitende Rabbiner aber den wahren Inhalt dieser Seminare, nämlich den Messias Jeshua von Nazareth, erfuhr, verfluchte er diesen Namen und schloss Bruder Shulam sofort von der Schule aus. Der vertritt weiterhin mutig die fundamentalen Wahrheiten der Erlösung allein durch das Blut Jesu Christi und bezeugt dies auch führenden Rabbinen gegenüber. Dafür wurde er immer wieder verfolgt.
"Mein heutiger Wortdienst hat einen Hauptzweck: Ich möchte ihnen eine jüdisch-messianische Glaubenshaltung im 20.Jahrhundert vorstellen. Sie in Deutschland können nicht genau wissen, was der messianische Judaismus eigentlich zum Ausdruck bringen will. Mit Gottes Hilfe möchte ich daher versuchen, ihnen eine vergleichende Betrachtung vorzutragen, die sich mit der MESSIANISCHEN GEMEINDE, der SYNAGOGE und der LEIBESGEMEINDE befasst. Ein derartiger Vergleich schließt immer die Gefahr in sich, für die eine oder andere Seite verletzend zu sein. In einem solchen Falle bitte ich um ihre Nachsicht.
Der Ausdruck "messianische Gemeinde" ist eigentlich nicht sehr treffend für das, was die Bedeutung sein soll. Denn wir vermeiden dabei gewisse Ausdrücke, wenn wir uns "messianische Juden" oder eine "messi-anische Gemeinde" nennen. Wir verwenden den Ausdruck "messianisch" anstelle der en Bezeichnung "Christen". Das Wort "Gemeinde" verwenden wir anstelle des ebenfalls en Wortes "Kirche". Obwohl die Ausdrücke in ihrer Wortbedeutung und Herkunft das gleiche zum Ausdruck bringen, versuchen wir alles, uns nicht mit dem "Christentum" zu identifizieren. Warum tun wir das? Einfach ausgedrückt tun wir es, weil wir als Juden in Verlegenheit geraten sind über das, zu dem das Christentum geworden ist.
Auf der anderen Seite stelle ich die Frage, warum wir uns nicht "Synagoge" nennen, sondern "Gemeinde", was eigentlich die gleiche Bedeutung hat. Die Antwort ist: Wir geraten bei der Synagoge in die gleiche Verlegenheit wie bei der Kirche. Soweit nämlich das offizielle Christentum in der zweitausendjährigen Geschichte vom Willen Gottes abgewichen ist, ebensoweit ist auch die Synagoge vom Willen Gottes entfernt. Auch sie hat ihr eigenes menschliches System entwickelt und hat keine Ähnlichkeit mehr mit dem, was die Synagoge zur Zeit Jesu oder des Apostels Paulus war. Vielleicht verwende ich zu harte Ausdrücke, wenn ich sage "keine Ähnlichkeit". Es gibt doch immer gewisse Gemeinsamkeiten, aber im Kernpunkt ist sie eben ganz anders.
Sie werden die Frage stellen, wo die Unterschiede liegen. Lassen Sie mich mit der Synagoge beginnen. Zunächst hat ja die Synagoge den alttestamentlichen Tempel abgelöst. Im Tempel wurden Opfer dargebracht und ein priesterlicher Dienst wurde abgehalten. Es gab dort einen Weg zur Sühne, der in der Synagoge durch menschliche Mittel ersetzt werden musste. Damals gingen die Menschen in die Synagoge, um das Wort Gottes zu hören, denn sie hatten keine eigene Bibel. Heute sucht man nur noch einen Ersatz für das, was im Tempel geschah.
Auch in der Kirche sind entsprechende Abweichungen zu finden. In einer bestimmten Lage meines Lebens fiel mir das besonders auf. Mit 17 Jahren las ich zum ersten Mal das Neue Testament, wobei ich auf sehr wenig von dem stieß, was ich als "christlich" kennengelernt hatte. Ich kannte in den sechziger Jahren die Christen in Jerusalem. Es gab da Bischöfe und Erzbischöfe, und der Papst kam als Repräsentant des Christentums, um Jerusalem zu besuchen. Sie haben nach meinem Verständnis Bilder und Statuen angebetet, sie haben sich selbst gegenüber Israel als völlig andersartig verstanden.
Als ich dann aber das Neue Testament las, war ich wahrhaft schockiert. Ich habe bei diesem Lesen nichts von dem gefunden, was mir als "christlich" bekannt war. Als Jude wuchs ich mit dem Verständnis auf, dass das Neue Testament ein christliches Buch ist. Ich meinte, ich müsse den Weihnachtsmann finden, den Papst, die Erzbischöfe, die Inquisition. Was ich fand, war statt dessen die Geschichte eines jüdischen Mädchens, das einen kleinen Jungen in einer jüdischen Stadt zur Welt brachte. Darüberhinaus fand ich Menschen, die jeden Sabbat in die Synagoge gingen und den Propheten Jesaja lasen. Sie hielten die jüdischen Feste und stritten sich über ganz jüdische Dinge, nämlich das Waschen von Händen und das Einhalten des Sabbats. Fast nichts "Christliches" konnte ich finden in diesem Buch!
Das hat mich dann veranlasst, in diesem Buch weiter zu forschen, denn ich sagte mir, wir Juden haben irgendwann einen Fehler gemacht. Wir haben diesen jüdischen Mann den Nichtjuden überantwortet. Wir haben einen unserer eigenen Brüder aufgegeben und ihn verstoßen zu den Nationen. Als Siebzehnjähriger fand ich eine Herausforderung darin, diesen geschichtlichen Fehler zu erkennen. Daraufhin widmete ich mich dem Studium dieses Jesus von Nazareth, bis ich ihn dann einige Jahre später als persönlichen Herrn und Heiland annehmen durfte.
Mit meinem ganzen Herzen glaube ich, dass es heute einen Unterschied gibt zwischen der ETABLIERTEN KIRCHE, der SYNAGOGE und einer MESSIA-NISCHEN GEMEINDE. Ich glaube aber auch genauso fest, dass die Kirche und die messianische Gemeinde ein und dasselbe wären, könnten wir nur die urchristliche Gemeinde des ersten Jahrhunderts wiederherstellen. Die erste Form der "Ekklesia" und die "messianische Gemeinde" wären ein und dasselbe. Juden und Nichtjuden würden zusammen den gleichen Gott anbeten, den Gott Israels, den Messias Israels. Sie würden gemeinsam Gott bitten, ihnen den Tröster zu schicken, der sie in die ganze Wahrheit leitet.
Die orthodoxe Synagoge in unseren Tagen ist in die gleiche Krise geraten wie die organisierten Kirchen. Es gibt innerhalb des Judaismus viele sich heftig bekämpfende Strömungen. Es gibt die Chassidim und die Mitnagdim, das ist das gleiche wie im Christentum die Charismatiker und die Anticharismatiker. Es gibt solche, die an den Staat Israel glauben, und andere Orthodoxe, die nicht daran glauben. Es gibt solche, die glauben, der Messias sei schon gekommen und lebe in Brooklyn, New York, und andere in der orthodoxen Bewegung, die dies nicht glauben. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gläubige christliche Kreise eine fast ehrfürchtige meinung vom Judaismus haben. Wir, die wir innerhalb der orthodoxen Gemeinde gelebt haben, wissen dies besser.
Was ist nun der UNTERSCHIED zwischen einer messianischen Gemeinde und einer orthodoxen jüdischen Gemeinde? In der messianischen Bewegung ist es uns ein Hauptanliegen, dass wir UNSERE JÜDISCHE IDENTITÄT UND DIE VERBINDUNG ZU DEM JÜDISCHEN VOLK NICHT VERLIEREN. Wir betonen dies so, weil Juden, die an Jesus Christus glaubten, zweitausend Jahre lang völlig in der nichtjüdischen Gesellschaft aufgingen und assimiliert wurden. Hätten demnach alle Juden vor der Gründung des Staates Israel an Jesus Christus geglaubt, so gäbe es überhaupt kein jüdisches Volk mehr, sondern die Juden wären völlig angeglichen und Mitglieder irgendeiner christlichen Kirche der Welt. Ein jüdischer Frömmigkeitsstil wäre völlig verlorengegangen.
Hauptsächlich in den Propheten Jesaja und Hesekiel könnte ich Ihnen zeigen, dass das jüdische Volk seinen Messias, Jesus, in seinem Land empfangen soll. "Ich werde sie von den vier Enden der Erde sammeln in ihr Land, und dort werde ich ihnen ein neues Herz geben. Ich werde das steinerne Herz wegnehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben, und dort werde ich meinen Geist auf sie ausgteßen." Wo ist dieses "dort" zu finden? In dem Lande, in dem sich die Juden von den vier Enden der Erde sammeln werden, in dem Land unserer Vorfahren. Dort können wir an Jesus glauben als den Messias oder auch den Christus, ohne dass wir unser Erbe und unsere Verbindung zu unserem Volk aufgeben müssen, und dort werden wir auch nicht aufgesogen von der Kirche oder der Welt. Aber WIR GLAUBEN AN DEN MESSIAS JESUS CHRISTUS, DEN HEILAND DER WELT, und das ist der eigentliche Unterschied zu einer orthodoxen Gemeinde. Dieser eine Unterschied, die Person Jesu Christi, macht uns zu etwas völlig anderem. Dieser Unterschied entscheidet über gerettet sein oder verloren sein, es ist der Unterschied zwischen blind sein und sehen.
Das heißt nicht, dass wir uns von der Synagoge abkehren müssen. Das heißt auch nicht, dass wir, weil wir an Jesus Christus glauben, mit Selbstverständlichkeit Schweinefleisch essen müssen. Es heißt auch nicht, dass wir die Einhaltung der jüdischen Feste aufgeben müssen. Aber es bedeutet, dass wir unser ganzes Vertrauen in die Gnade Gottes und das Blut Jesu Christi setzten.
DIE URCHRISTLICHEN GEMEINDEN HÖRTEN NICHT AUF, JÜDISCH ZU SEIN. Sie sind weiterhin in die Synagoge gegangen und beteten den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs an, zusammen mit ungläubigen Juden. Sie haben damals auch nicht aufgehört, die jüdischen Feste einzuhalten. Wie Sie wissen, hatte Paulus noch nicht einmal Zeit, sich mit den Ältesten von Ephesus zu treffen, weil er in Eile war, um zum Feste von Pfingsten rechtzeitig nach Jerusalem zu kommen, Apostelgeschichte 20:16.
Als er dann in Jerusalem ankam, traf er Jakobus, und dieser sagte zu ihm: "Siehe, Bruder Paulus, wie viele Zehntausende von Juden gläubig an den Herrn Jesus Christus geworden sind, und sie sind alle Eiferer für das Gesetz", Apostelgeschichte 21:20. In Kapitel 24 spricht dann Paulus zu der Volksmenge in Jerusalem und sagt: "Ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten. Aus diesem Grunde kam ich nach Jerusalem und brachte Gaben von den Nationen mit und habe sie dem Tempel übergeben." Bei dieser Gelegenheit spricht er auch davon, dass er ein Opfer dargebracht hat und ein Reinigungsgelübde tat. Dies ist der gleiche Paulus, der auch predigt, dass das Heil nur aus Glauben und nicht aus Werken ist.
Ich möchte Sie nun an dieser Stelle fragen: Wenn es gut genug war für Paulus und die Gläubigen im damaligen Jerusalem, in dieser Weise zu leben, warum sollten dann wir als Juden, die Gott wieder in sein Land geführt hat, nicht dasselbe tun wie unsere Glaubensväter? Es gibt nichts, was dagegen spricht. Ich glaube, dass die Haltung der christlichen Theologen falsch ist, wenn sie sagen, ein Jude, der an Jesus Christus glaubt, sei kein Jude mehr. Diese Theologen müssen das Neue Testament noch einmal lesen, denn es steht dort geschrieben, dass die christlichen Juden damals in die Synagoge gegangen sind, bis man sie hinauswarf. Ich möchte Ihnen aus meiner eigenen Erfahrung berichten, dass heute noch genau das gleiche geschieht.
Vor drei Wochen hatte ich eine Zusammenkunft mit dem führenden Rabbi der Organisation Peilim, die die messianisch Gläubigen verfolgt. Ihm stellte ich eine Frage. Ich sagte: "Rabbi Ben Abraham, wenn wir als Juden alle Gesetze wie ein orthodoxer Jude halten würden, aber unseren Glauben an Jesus Christus beibehielten, würden Sie dann aufhören, uns zu verfolgen?" Er sagte: "Nein!"Was die Verfolgung betrifft, würde es keinen Unterschied machen, wenn wir vollkommen gesetzestreue Juden würden. Deswegen müssen wir in Israel messiam'sche Gemeinden haben, Gemeinden von Juden, die wie Juden leben, wie Juden glauben, aber zugleich an Jeshua als ihren Messias glauben, an ihre Erlösung, ihre Vergebung der Sünden. Sie sind in ihrem ganzen Lebensstil VÖLLIG JÜDISCH wie die Urgemeinden und sie sind andererseits VÖLLIG CHRISTLICH in dem Sinne, dass sie alles glauben, was im Neuen Testament durch die Inspiration Gottes geschrieben steht.
In einer Art Schlussfolgerung möchte ich jetzt Rabbi Isaak Joseph Poysner, der 1930 in einem kleinen polnischen Städtchen lebte, zitieren:
"Die Christenheit ist Fleisch von unserem Fleisch und Bein von unserem Bein. Die Träger der christlichen Botschaft waren zunächst Juden. Sie kamen vom Judaismus. Die Christenheit war eine jüdische Bewegung. Wir können ideologisch dagegen sein, aber wir können sie nicht vom Judaismus ausschließen."
"Das Vorurteil des Judaismus gegenüber der Christenheit muss ausgeräumt werden, erst dann wird der Judaismus die wahre Bedeutung und das Gewicht des Christentums verstehen, namentlich, dass Gott sie ausgesandt hat, um den Judaismus zu beleben, und dass die Christenheit eigentlich die Aufgabe des Judaismus erfüllt und dass sie Teil der Rettung Israels ist."
An einem Beispiel sei das Gesagte illustriert. Ich möchte Ihnen jetzt erläutern, wie wir in unserer Gemeinde Netivyah diese Erkenntnisse in die Praxis umsetzen.
Die GEMEINDE NETIVYAH zählt etwa 100 Mitglieder in Israel. Sie sind verteilt auf ein Gebiet von den Golan-Höhen bis nach Eilat. In Jerusalem lebt ein Teil dieser Gemeinde, der etwa 50-70 Glieder zählt. Innerhalb der Gemeinde sind etwa 80% jüdische Gläubige. Unter den restlichen 20% sind unter anderem auch sehr liebe deutsche Brüder und Schwestern, die volle Mitglieder sind, ohne irgenwelches Vorurteil. Auch die Nichtjuden nehmen an jeder Aktivität der Gemeinde vollkommen teil. Wir haben auch Juden amerikanischer Herkunft, und wir haben dann Israelis, die ohne irgendeinen geistlichen Hintergrund zu uns kamen. Wir sind alle Glieder des einen Leibes Jesu Christi. Darüber hinaus haben wir auch arabische Geschwister, die immer wieder zu uns kommen und am Gottesdienst teilnehmen.
Der Stil und das Leben der Gemeinde ist nach jüdischer Art, obwohl die nichtjüdischen Mitglieder nicht judaisiert werden. Wir feiern das Weihnachtsfest nicht, aber das Passahfest. Wir sprechen nicht das apostolische Bekenntnis, sondern wir sprechen die achtzehn Segenssprüche. Wir beten wie Juden, wir leben wie Juden, aber wir räumen Freiheit ein für diejenigen, die keine Juden sind, und wir zwingen sie nicht, judai-stisch zu werden.
Eines der schwierigsten Probleme der Urchristenheit waren die Menschen, die behaupteten, dass die Nichtjuden judaisiert werden müßten. Dies zog viele Schwierigkeiten nach sich. Andererseits bin ich oft erstaunt, dass Juden bereit sind, ihr Erbe für ein Linsengericht zu verkaufen. Gott verlangte nicht von mir, mein Judeseln aufzugeben. Er hat mich aufgefordert, meinen jüdischen Messias anzunehmen. Und wie könnte ich mein Judesein aufgeben und gleichzeitig an einen anderen Juden als meinen Erlöser glauben?
Aus diesem Grunde werden wir in der Gemeinde Netivyah fortfahren, als Juden zu leben, Judaismus zu praktizieren, koscher zu essen und den Sabbat zu halten. Gleichzeitig werden wir allerdings mit unseren Brüdern und Schwestern aus den Nationen innige Gemeinschaft halten, ohne dass wir versuchen, sie zum Judaismus zu bekehren.
Alles, um was ich zum Schluss bitten möchte, ist, dass Sie uns als Juden, die an Jesus Christus glauben, die gleiche Freiheit geben, Jude zu sein, wie wir auf dem Apostelkonzil in Jerusalem, Apostelgeschichte 15, Ihnen die Freiheit gaben, nichtjüdisch zu leben. Der Herr segne Sie!
Mit freundlicher Genehmigung von Josef Shulam
Buchempfehlungen
Asmussen "Daniel - Prophet oder Fälscher?" (1981)
"Sonne stehe still!" - Frühe Geschichte Israels (1979) Selbstverlag: H.G.Asmussen Markt 27 2240 Heide
Kare1 Claeys "Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" Christiana-Verlag Stein am Rhein CH 8260 (1979)
Kare1 daeys "Auferstehung Jesu - "Leeres"Grab - Himmelfahrt", Synopse und Chronologie der Osterberichte; 53 Seiten
"Von Adam bis Henoch" und "Die Sündflut"
H.Rohrbach "Naturwissenschaft, Weltbild, daube" R.Brockhaus Verlag Wuppertal 1971
E.Sauer "Das Morgenrot der Welterlösung" R.Brockhaus Verlag Wuppertal (1976)
Glaube, Bekehrung und Wiedergeburt
Aus: "Der Heilsweg" von S.Van Mierlo
Was ist Glaube?
Es ist merkwürdig, wie Dinge, die an und für sich sehr einfach sind, sehr schnell geheimnisvoll und kompliziert erscheinen können, wenn man viel über sie nachdenkt. So ist es auch mit dem Begriff "Glaube". Einige machen aus dem Glauben überwiegend eine Sache des Versstandes, andere sehen ihn als eine verdienstvolle Leistung an. Wieder andere erblicken in ihm eine geheimnisvolle Macht, die in uns ausgegossen werden kann und nichts mit unserem Verstand zu tun hat. Zwar ist all diesen Anschauungen ein gewisser Wahrheitsgehalt eigen, doch meinen wir, dass der Sachverhalt viel einfacher ist, als man allgemein behauptet. Lesen wir zuerst zwei Bibelstellen, die Aussagen über den "Glauben" machen:
Demnach ist der Glaube aus dem Hören,
das Hören jedoch aus Gottes Wort. Römer 10:17
Der Glaube nun ist die Grundlage dessen, was man hofft, ein Beweiselenchos von Tatsachen, die man nicht sieht. Hebräer 11:1
Der Glaube bezieht sich also in erster Linie auf Dinge, die man mit den Sinnen nicht wahrnehmen kann, sondern auf die man hofft. Er steht nicht im Gegensatz zur Vernunft, sondern er wird dem Wahrnehmen, dem Sehenblépo gegenübergestellt:
Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht? Wenn wir aber das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren. Römer 8:24
Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen. 2.Korinther 5:7
Hier wird nicht irgendein besonderer Glaube definiert, sondern "der Glaube" ganz allgemein beschrieben. Glaube bedeutet nicht zweifeln, sondern Gewissheit, wenn er sich auf Gott, Christus, den heiligen Geist und die heiligen Schriften bezieht. Warum? Weil der Gegenstand des Glaubens die Wahrheit selbst ist. Bezieht er sich auf ein Geschöpf, so kann es keine Gewissheit geben. So mag jemand behaupten: "Ich habe das und das getan", und wir glauben ihm, aber wir können keine absolute Gewissheit haben, dass es sich auch wirklich so verhält. Alles hängt von der Verlässlichkeit der Person ab. Wenn es also um Gott geht, bedeutet unser Glaube Gewissheit, denn Gott ist vollkommen zuverlässig. Was er sagt, ist sicher, und wenn wir glauben, was er sagt, dann sind wir unserer Sache gewiss. Sagt er, dass er die Welt lieb hat, dann ist es auch so. Hören wir die Botschaft und glauben wir sie, dann haben wir Gewissheit in uns, was die Tatsache angeht. Glauben wir nicht, so ist es nicht weniger wahr, doch die Wahrheit bleibt außerhalb von uns. Wenn Gott etwas ohne Vorbedingung verspricht, so können wir dies durch Glauben annehmen, oder aber durch Unglauben verwerfen. Glauben bedeutet dann, dass man Gott wirken lässt und mit ihm in Gemeinschaft kommt. Unglaube bedeutet dagegen, dass man selbst handeln will. Solange wir noch an etwas zweifeln, kann man nicht von Glauben sprechen - sobald wir jedoch glauben, ist aller Zweifel ausgeschlossen. Durch den Glauben kommen wir in Gemeinschaft mit Gott, und auf diese Weise in einen Bereich, in dem Gewissheit möglich ist. In der Welt dagegen kann es niemals Gewissheit geben.
Beachten wir, dass es nur eine Art von Glauben gibt, Hebräer 11:1. Entweder man glaubt, oder man glaubt nicht. Man suche also keine Schwierigkeiten in dem Glauben selbst. Der Glaube kann jedoch verschiedene Dinge oder Personen zum Gegenstand haben. Handelt es sich um rein historische Tatsachen, so ist der Glaube "historisch". Damit ist nicht gesagt, dass dies einen besonderen Glauben darstellt, sondern nur, dass der Gegenstand, der Inhalt des Glaubens geschichtlich ist. Hat der Glaube Aussagen der Mathematik zum Gegenstand, so handelt es sich um einen "verstandesmäßigen" G1auben, weil es um Verstandesdinge geht. Der Glaube ist also "gefärbt" nach dem Gegenstand, auf den er sich bezieht, aber er ist nicht in sich selbst von anderer Art. Man könnte den Glauben vielleicht mit einem Lastkraftwagen vergleichen: Transportiert man mit ihm Kohlen, so ist er ein "Kohlenwagen", Möbel, so ist er ein "Möbelwagen". In jedem Fall bleibt er jedoch ein Lastkraftwagen.
Versucht man aber dennoch, verschiedene "Arten" von Glauben zu unterscheiden, gerät man in die größten Schwierigkeiten. Allzu leicht nämlich wird man dazu kommen, sich zu fragen, ob man denn auch auf die richtige Art und Weise glaubt, und so geht jede Gewissheit verloren. Als Beispiel seien die Schwierigkeiten angeführt, die sich aus einem falschen Verständnis eines biblischen Ausdruckes ergeben. In Römer 10:9 ist davon die Rede, "in (oder mit) dem Herzen zu glauben". Indem man darunter eine besondere Art von Glauben sieht, stellt man dies dem "verstandesmäßigen Glauben" gegenüber. In der Umgangssprache mag dies auch zutreffen, weil man in ihr das "Herz" dem "Kopf" gegenüberstellt. Dies gilt jedoch nicht für Gottes Wort, das mit "Herz" nicht den "Gefühlsbereich" einer Person bezeichnet, sondern vielmehr den ganzen Inneren Menschen einschließlich seines Willens und seines Verstandes. Vergleiche hierzu Römer 10:10, wo dem Herzen, dem inwendigen Menschen, der Mund, also der auswendige Mensch gegenübergestellt wird. Ganz deutlich machen dies auch folgende Stellen:
Markus 7:18-23; 1.Mose 8:21; Psalmalm 33:11; Jeremia 23:20; Exodus 35:5; Richter 5:15. Versteht man unter "mit dem Herzen glauben" eine besondere Art von Glauben, so fragt sich, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um nach Römer 10:6-17 gerettet zu werden; wir zitieren diese Verse hier:
Die Gerechtigkeit aus Glauben aber sagt also: Sprich nicht in deinem Herzen: "Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?" das ist, um Christum herabzuführen? oder: "Wer wird in den Abgrund hinabsteigen?" das ist, um Christum aus Toten heraufzuführen! Sondern was sagt sie? "Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen"; das ist das Wort des Glaubens, welches wir predigen (vergleiche 5.Mose 30:12-14), dass, wenn du mit deinem Munde den Herrn Jesum bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst.
Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zur Rettung.
Denn die Schrift sagt: "Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden" (Jesaja 28:16).
Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn derselbe Herr von allen ist reich für alle, die ihn anrufen, "denn jeder, der irgend den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden" (Joel 2:32).
Wie werden sie nun den anrufen, an welchen sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie dem glauben, von welchem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger? Wie aber werden sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind? Wie geschrieben steht: "Wie lieblich sind die Füße derer, die gute Dinge evangelisieren!..." (Jesaja 52:7)
Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht. Denn Jesaja sagt: "Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?" (Jesaja 53:1)
Also ist der Glaube aus Verkündigung (das griechoscje Wort bedeutet sowohl "das Gehörte", den Inhalt der Verkündigung, als auch das "Hören", das In-sich-Aufnehmen der Botschaft; siehe Vers 16), die Verkündigung aber durch Gottes Wort (nach anderer Lesart: Christi Wort) Römer 10:6-17
Gerade diese Bibelstelle zeigt, wie einfach die Rechtfertigung aus dem Glauben ist: Die Frohe Botschaft wird verkündigt, gehört und geglaubt. Der Glaube unterscheidet sich hier nicht von irgendeinem anderen Glauben, sondern der Gegenstand des Glaubens unterscheidet sich von dem der meisten Botschaften. Es ist eine Botschaft, die den ganzen Menschen in Beschlag nehmen kann. Es ist dazu nicht notwendig, in den Himmel hinaufzusteigen und Christus herniederzuholen; man braucht auch nicht in den Abgrund hinabzusteigen und ihn zuerst noch aus den Toten heraufzuholen: Dies alles ist geschehen, Gott hat alles bereit gemacht. An uns liegt es nun, diese Botschaft durch den Glauben anzunehmen, sie uns eigen zu machen. Diejenigen, um die es sich hier dreht, glaubten bereits an Gott. Nun sollten sie auch an Christus zu glauben beginnen, und das war kein "Werk", nichts Mühsames, denn Gott hatte alles leicht gemacht. Weil Gott mit seinem Geist in ihnen wirkte, hielt die Sünde sie nicht mehr ab, so dass von Gottes Seite aus nichts mehr nötig war, damit sie glauben konnten. Das bedeutet Gerechtigkeit ohne Verdienste, ohne Werke, nämlich aus Glauben, weil die Rechtfertigung aus Gnade geschehen soll, Römer 4:16. Wäre Glaube ein mühsames Werk, so wäre es nicht mehr aus Gnade.
Toter und lebendiger Glaube
Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?
Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und der täglichen Nahrung entbehrt, und jemand unter euch spricht zu ihnen: Gehet hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch! ihr gebet ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige, was nützt es?
Also ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, an sich selbst tot.
Es wird aber jemand sagen: du hast Glauben, und ich habe Werke; zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir meinen Glauben aus meinen Werken zeigen.
Cu glaubst, dass Gott einer ist, du tust wohl; auch die Dämonen clauben und zittern.
Willst du aber wissen, o eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke tot ist?
Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte, und dass der Glaube aus den Werken vollendet wurde. Und die Schrift wurde erfüllt, die sagt: "Abraham aber glaubte Gott", und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und er wurde Freund Gottes genannt.
Ihr sehet also, dass ein Mensch ans Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.
Ist aber gleicherweise nicht auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Wege hinaus ließ? Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. Jakobus 2:14-26
Wie wir aus Hebräer 11:1 ersehen konnten, ist der Glaube ein Überführtsein durch Beweis. Dieser Glaube allein nützt gar nichts, wenn er keine Folgen hat. Drastisch wird uns dies durch die Dämonen vor Augen geführt, die zwar sehr wohl durch Beweis wissen, dass Gott einer ist, aber dennoch widerspenstig sind. Ein solcher Glaube wird als toter Glaube bezeichnet. An der Definition von "Glauben" hat sich also nichts geändert, nur wird gezeigt, dass sich mit dem Glauben Liebe verbinden muss, damit dieser ein lebendiger" Glaube, ist. Auch der Apostel Paulus lehrt dies:
Denn in Christus Jesus vermag weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern durch Liebe wirkender Glaube (: pístis di’ agápäs energuménä). Galater 5:6
Paulus unterscheidet hier deutlich zwischen "Liebe" und "Glaube", obwohl beide zusammenwirken müssen, damit der Glaube lebt; vergleiche dazu:
Jeder, der liebt, ist aus Gott gezeugt und erkennt Gott. 1.Johannes 4:7
Jeder, der da glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt. 1.Johannes 5:1
Der eine Text spricht nur von Liebe, der andere nur von Glauben. Die beiden sind also zu unterscheiden, dürfen aber nicht getrennt werden, vergleiche:
Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe. 1.Korinther 13:13
Mit der Liebe wiederum ist untrennbar der Gehorsam verbunden, und damit auch die Werke:
Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten.
Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.
Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten.
Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote des Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Johannes 14:15,21,23; 15:10
Denn dies ist die Liebe Gottes: dass wir seine Gebote halten. 1.Johannes 5:3
Wir sind der Überzeugung, dass die Bibel das Wort "Glaube" immer im Sinne von "lebendiger Glaube" gebraucht, also in Gemeinschaft mit Liebe, Gehorsam und Werken. Jakobus bildet hier nur scheinbar eine Ausnahme. Von Anfang an gibt er zu erkennen, dass er nicht allgemein von "Glaube" redet, sondern von dem Glauben, der keine Werke hat. Er geht also eigentlich auch von einem "lebendigen Glauben" aus, der aber, wenn man die Werke von ihm trennt ("ohne Werke"), tot ist. Indem er betont, dass er von einem "toten" Glauben redet, zeigt er eigentlich, dass an allen anderen Stellen der Bibel Glaube nicht tot ist.
Gegenstand und Tiefe des Glaubens
Der Glaube ist also sehr einfach, weil er durch Gott möglich gemacht wird. Der Ungläubige kann an Gott glauben, der an-Gott-Gläubige kann anfangen, an Christus zu glauben. Also nicht der Glaube selbst, sondern nur der "Gegenstand", auf den der Glaube sich bezieht, kann kompliziert sein! Wenn wir im folgenden von vielen "Glauben" sprechen, meine man nicht, wir wollten den Glauben kompliziert machen. Wir wollen nur so deutlich wie möglich aufzeigen, welche Abstufungen die Schrift bezüglich des Gegenstandes des Glaubens angibt.
Selbstverständlich hängt unsere Erkenntnis von der Stellung ab, die wir auf dem Heilsweg einnehmen. Je mehr wir von Christus hören, und je mehr der heilige Geist unseren Verstand erleuchtet, desto mehr lernen wir ihn kennen, und desto mehr kann sich unser Glaube entfalten.
Für diesen Heilsweg ist ein geistliches Gesetz von ausschlaggebender Bedeutung, das Jesus Christus im Gleichnis von den anvertrauten Talenten verdeutlicht:
Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab. Und es trat herzu, der die fünf Talente empfangen hatte, und brachte fünf andere Talente und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir übergeben, siehe, andere fünf Talente habe ich dazu gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu (vergleiche Lukas 16:10), über vieles werde ich dich setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn. Matthäus 25:19-21
Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht. Lukas 16:10
Gott erwartet also von jedem Menschen, dass er mit dem wenigen, das er hat, handelt. Durch Gottes Gnade wird er dann, auch wenn seine Kraft gering ist, zu viel kommen. Es ist also Bedingung, dass man seiner Stellung auf dem Heilsweg entsprechend würdig wandelt, wenn man wünscht, weiter auf diesem Weg voranzukommen. Erweist man sich in dem Wenigen als untreu, kann man nicht von Gott erwarten, dass er einem noch mehr anvertraut. Nein. vielmehr besteht dann die Gefahr, selbst das zu verlieren, was man im Anfang hatte! Man denke an das mahnende Beispiel des Mannes, dem ein Talent anvertraut worden war, das er aber vergraben hatte. Sein Herr sprach:
Nehmt ihm nun das Talent weg, und gebt es dem, der die zehn Talente hat. Denn jedem, der da hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben. Von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. Matthäus 25:28,29
Gott erwartet von dem mit Talenten betrauten Menschen, dass er handelt. Dieser warte also nicht auf Gott, dass dieser ihn willig macht. Zu allen Zeiten bewegt Gott zum Glauben, sei es durch die Schöpfung oder sei es durch unmittelbare Einwirkung. An uns ist es, ihm darin nicht zu widerstehen und uns auf dem Heilsweg weiterführen zu lassen. Der Glaube an sich bleibt dabei immer gleich einfach, doch nimmt zum einen der Gegenstand des Glaubens an Umfang zu (zum Beispiel beim Fortschreiten vom Gott-Glauben zum Glauben an Jesus Christus), und zum anderen wird der Glaube vertieft, was oft durch die jeweils vor dem Glaubens-Gegenstand verwendete Präposition auf einfache Art und Weise angezeigt wird:
1. prós = nach ... hin, auf ... zu. gegen; gibt die Richtung an.
2. epí = auf zu, bis zu, bis an; Bewegung bis zu etwas.
3. éjs = in ... hinein; bezeichnet das Eindringen ins Ziel.
4. en = in, inmitten, darin; bezeichnet die Ruhe im Ziel.
Während "epí" und "éjs" ganz deutlich eine Bewegung bezeichnen, meint "prós" die Hinwendung am Ausgangspunkt der Bewegung, "en" die Ruhe im erreichten Ziel.
Man könnte jetzt fragen, warum nicht jeder Mensch glaubt, wenn es doch so einfach, so leicht ist? Nun, jeder Mensch, auch der Ungläubige KANN glauben, denn Gott gibt ihm die Möglichkeit dazu, doch ist zum Glauben auch eine Willensentscheidung nötig. Und gerade der Wille des Menschen ist es, der Gottes Gnade oft widersteht. Gott hat zwar alle notwendigen Voraussetzungen hergestellt, doch hängt es von dem Einzelnen ab, ob er diese Möglichkeit auch annimmt, so dass sie zur Wirkung kommt.
Es spielt dabei natürlich eine Rolle, dass der Inhalt des Glaubens (an Gott) gewöhnlich gegen den Hochmut des Menschen gerichtet ist, ihn demütigt. In diesem Sinne sind Glaube und Bekehrung eigentlich untrennbar miteinander verbunden. Insofern ist der Glaube in gewisser Weise schwierig, weil er mit Bekehrung Hand in Hand geht, und der Mensch seinen sündigen Zustand erkennen muss. Wenn dann jemand sagt, er könne nicht glauben, so liegt das in diesem Fall daran, dass sein "Ich" sich nicht niederbeugen und Gott als Gott anerkennen will. Das Problem liegt hier also im WOLLEN, nicht im KÖNNEN!
Das Herz, der ganze innere Mensch, ist böse und ungläubig:
Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus? Jeremia 17:9
Was aber aus dem Mund herausgeht, kommt aus dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen. Matthäus 15:18-19
Denn sie erkannten Gott, verherrlichten ihn aber aber weder als Gott, noch brachten sie ihm Dank dar, sondern sie verfielen in ihren Überlegungen in Torheit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Römer 1:21
Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes: Sie sind verfinstert am Verstand, fremd dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens. Epheser 4:17-18
In diesem Zusammenhang darf man auch den Einfluss des "Fürsten der Gewalt der Luft", Epheser 2:2-3, nicht vergessen. Für seinen gefallenen Zustand ist der Mensch zwar nicht verantwortlich, sehr wohl aber dafür, dass er so bleiben will, wie er ist, obwohl Gott ihm die Möglichkeit anbietet, anders zu werden. Dass dies tatsächlich so ist, ersehen wir zum Beispiel aus folgender Aussage:
Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Johannes 3:19
Gott bietet den Glauben an und gibt die Möglichkeit zur Bekehrung:
Gott hat einen Tag festgesetzt, an dem er die bewohnte Erde (oikuménä) richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat. Und er hat allen dadurch den Glauben (pístis) angeboten (parécho = darreichen), indem er ihn auferweckt hat aus den Toten. Apostelgeschichte 17:31
Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will (búlomai), dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Umsinnung kommen. 2.Petrus 3:9
Dies (vergleiche Vers 1-2) ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, welcher möchte (thélo), dass alle Meschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 1.Timotheus 2:3-4
Grundsätzlich besteht aber tatsächlich die Möglichkeit, dass ein Mensch etwas nicht glauben kann! Für jemanden, der nicht an Gott glaubt, ist es undenkbar, an Jesus Christus als Gottes Sohn zu glauben. Dies würde bedeuten, dass er eine Stufe auf dem Heilsweg überspringen müßte, was nicht geht. Wie wichtig ist es, diese Erkenntnis sowohl für den eigenen Heilsweg, als auch bei der Evangelisation anderer zu berücksichtigen!
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es eigentlich drei Arten von "Ungläubigen" gibt, und es ist sehr wichtig, dies stets vor Augen zu halten:
1. Es gibt solche, die ein bestimmtes Evangelium nie hörten und somit auch nicht glauben können.
2. Andere haben das Evangelium zwar gehört und auch verstanden, aber sie wollen nicht glauben.
3. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, dass Menschen ein Evangelium noch nicht verstehen und glauben können, weil es ihnen "zu hoch" ist, sie sich also auf einer Stufe des Heilsweges befinden, von der aus sie das betreffende Evangelium nicht unmittelbar erfassen können, weil vorher noch andere Stufen nötig sind.
Durch die Verkündigung des Wortes können viele "hören" und glauben. So verherrlichen sie Gott und bringen Frucht. Diejenigen, die nicht glauben, weil sie nicht hörten, sind deswegen vielleicht nicht unbedingt verloren, doch verherrlichen sie Gott nicht, weil sie ihn nicht in sich wirken lassen.
Man sieht also, dass es im Glauben einen Fortschritt geben muss. Je mehr wir hören und verstehen, desto mehr werden Glaubensgegenstände, die vorher außerhalb unserer Reichweite lagen, uns von Gott zu Bewusstsein gebracht werden, und desto mehr kann unser Glaube umfassen. Es besteht hier eine Wechselwirkung: In dem Maße, wie wir mehr glauben, wird auch unsere Gemeinschaft mit Gott tiefer und sehen wir die Dinge klarer, die Gott betreffen. Der Gegenstand unseres Glaubens breitet sich dabei aus, und zwar sowohl an Umfang als auch an Tiefe. Man beginnt mit den einfachen Dingen, die Gott in den Bereich jedes Menschen gelegt hat, die sichtbare Wirklichkeit, die Natur. Erkennt der Mensch aus der Schöpfung, dass es einen Schöpfer gibt und verherrlicht und dankt dann Gott, so wird Gott anfangen, unmittelbarer in ihm zu wirken. Als Folge kann er sich vieler Dinge bewusst werden, die er früher gar nicht bemerkte und nicht verstehen konnte. Selbst die einfachste Botschaft aus Gottes Wort kann dann lebendig werden, ihre Bedeutung wird klarer zu erkennen sein und sich in ihrer Fülle allmählich entfalten. Die Botschaft selbst ist eine Kraft Gottes zur Errettung:
Denn ich (Paulus) schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zur Rettung jedem Glaubenden (pistéuo). Römer 1:16
Der heilige Geist leitet in die volle Wahrheit und macht so einen umfassenden Glauben möglich, indem er uns die Dinge zeigt, die uns von Gott geschenkt sind:
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind. 1.Korinther 2:12
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Johannes 14:26
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Johannes 16:13
Jedes Schriftwort hat eine unermessliche Tiefe, die sich dem Forschenden immer mehr auftut. Denen, die bereits weiter auf dem Heilsweg vorangeschritten sind, sagt Paulus:
Damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Tiefe und Höhe ist, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt werdet zu der ganzen Fülle Gottes. Epheser 3:18-19
Wer die Schrift untersucht und glaubt, kann also nicht nur mehr und mehr, sondern auch immer tiefer glauben. Wir betonen nochmals, dass dabei der Glaube an sich stets gleich einfach bleibt, aber dass der Gegenstand sich ausbreitet und vertieft. Der Glaube betrifft Botschaften und Personen. Je mehr er umfasst, desto mehr können wir die Dinge und Personen erkennen und verstehen. Und je mehr man zum Beispiel den Herrn Jesus kennenlernt, desto mehr wird man ihm auch vertrauen und sich ihm übergeben.
Der Glaube ist kein Vertrauen, aber er führt dazu. Die Worte "glauben" und "Glaube" werden in den en Schriften sehr häufig gebraucht. Es ist die Mühe wert, alle Stellen zu untersuchen, in denen sie vorkommen, weil man dann besser erkennt, was unser Glaube umfassen kann. Im Folgenden sei jedoch nur eine kurze Übersicht gegeben über Ausdrücke, die auf einfache Weise den Gegenstand (Gott, Herr Jesus, Christus Jesus) und (durch Präpositionen) die Tiefe des Glaubens aufzeigen:
1. Glaube in Bezug auf Gott
a. Glaube "prós = in Richtung auf Gott hin"
Die Präposition "prós = auf ... hin" zeigt an, dass dieser Glaube auf Gott ausgerichtet ist, dass aber das Ziel noch nicht deutlich erkannt wird:
Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jeden Ort ist euer Glaube auf Gott hin (prós) hinausgedrungen, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen. Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten, und wie ihr euch von den Götzen auf Gott hin (prós) bekehrt habt, einem lebendigen und wahren Gott zu dienen. 1.Thessalonicher 1:8,9
Man erkennt deutlich, dass es sich hier um ein Anfangsstadium auf dem Heilsweg handelt, nämlich die Abwendung von toten Götzen weg, hin zu einem lebendigen Gott.
b. Glaube "epí = bis zu Gott hin"
Im Akkusativ drückt die Präposition "epí" eine Bewegung aus, die bis zum Ziel hin reicht:
Darum, indem wir das Wort des Anfangs des Christus lassen, wollen wir zur Vollkommenheit gebracht werden, nicht wiederum die Grundlage legend mit der Umsinnung von toten Werken und dem Glauben bis zu Gott hin (epí), (sowie) der Lehre von Taufen, auch des Händeauflegens, auch der Auferstehung Toter und des äonischen Gerichts. Hebräer 6:1-2
Der Schreiber des Hebräerbriefes fordert hier dazu auf, im Glauben fortzuschreiten, und nicht die Grundlage noch einmal zu legen. Dass hierbei die Formulierung "glauben epí (bis zu) Gott" gebraucht wird, zeigt, dass dieser Glaube zu den Anfangsgründen gehört. Ihm ist wohl der Glaube an Totenauferstehung und äonisches Gericht zuzuordnen. Man sieht also, dass das Ziel bereits besser unterschieden wird als beim Glauben "prós = in Richtung auf" Gott hin.
c. Glaube "eís = bis in Gott hinein"
Der Glaube hat nun Gott erreicht, dringt ein und ist bestrebt, in ihm zu ruhen:
Jesus aber rief und sprach: Wer bis in mich hinein (eís) glaubt, glaubt nicht bis in mich hinein (eís) , sondern "eís" den, der mich gesandt hat. Johannes 12:44
Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt bis in Gott hinein (eís), glaubt auch bis in mich hinein (eís). Johannes 14:1
Er (Christus) ist zwar im voraus vor Grundlegung der Welt an erkannt, aber am Ende der Zeiten geoffenbart worden um euretwillen, die ihr durch ihn bis in Gott hinein (eís) glaubt, der ihn aus Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat, damit euer Glaube und eure Hoffnung bis in Gott hinein (eís) sei.
... denn ihr seid nicht wiedergezeugt aus vergänglichem Samen, sondern aus unvergänglichem durch das lebendige und bleibende Wort Gottes.
1.Petrus 1:20,21,23
Mit dem Glauben "eís" Gott, bis in Gott hinein, mit dem Glauben an Gott als Erlöser, ist offensichtlich die "Wiedergeburt", die Zeugung aus Gott und äonisches Leben verbunden.
d. "Gott glauben" - ohne Präposition
Denn was sagt die Schrift? "Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur (eís) Gerechtigkeit gerechnet. Römer 4:3, Zitat aus Genesis 15:6;
ebenso Galater 3:6 und Jakobus 2:23
2. Glaube in Bezug auf den Herrn Jesus (Christus), Christus
a. Glaube "epí = bis zum Herrn Jesus"
Sie aber sprachen: Glaube bis zu dem (epí) Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus. Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren. Apostelgeschichte 16:31-32
Hier steht "epí = bis zu" mit Akkusativ und drückt einen Vorgang aus, der darauf abzielt, das Ziel zu erreichen. Andere Stellen, in denen "epí = bis zu hin" mit Akkusativ vorkommt:
Es wurde aber durch ganz Joppe hin bekannt, und viele glaubten an den (epí = bis zum) Herrn. Apostelgeschichte 9:42
Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir an den (epí = bis zum) Herrn Jesus Christus geglaubt haben, wer war ich, dass ich hätte Gott wehren können? Apostelgeschichte 11:17
Und ich sprach: Herr, sie selbst wissen, dass ich die an dich (epí = bis zu dir hin) Glaubenden ins Gefängnis werfen und hin und her in den Synagogen schlagen ließ. Apostelgeschichte 22:19
b. Glauben "eís = bis in den Herrn hinein"
Diese Präposition drückt aus, dass man bis in ihn hinein gekommen ist. Sie wird in den meisten Fällen gebraucht. Hiervon ist zu unterscheiden der Glaube bis in Christus-Jesus hinein.
Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der bis in ihn hinein (eís) glaubt, nicht verloren gehe, sondern äonisches Leben habe. Johannes 3:16
c. Glaube "en = in Christus"
Diese Präposition drückt ein Ruhen aus. Das heißt: nach dem Glauben bis in Christus hinein (eís), der das Ziel schon erreicht hat , kommt der Glaube "en = in" Christus, der inmitten des Zieles ruht:
Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in (en) Christus Jesus. Galater 3:26
Wir haben von eurem Glauben in (en) Christus Jesus gehört, und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt. Kolosser 1:4
Es ist wichtig, genau zu unterscheiden, auf welchen "Gegenstand" sich der jeweilige Glaube bezieht: "Jesus", den Herrn in seiner Erniedrigung, "den Herrn", den Sohn Gottes auf Erden, "Jesus Christus" oder aber "Christus Jesus", den Verherrlichten. In vielen Stellen, wo "eís = bis in hinein" gebraucht ist, geht es um den Menschen Jesus, so zum Beispiel in Matthäus 18:6:
Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die bis in mich hinein (eís) glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.
Es gibt aber auch in den Evangelien Beispiele für Glauben bis in den Sohn Gottes hinein, das ist der Glaube, dass Jesus der Christus ist:
Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer bis in mich hinein (eís) glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist. Und jeder, der da lebt und bis in mich hinein (eís) glaubt, wird nicht sterben bis in den Äon hinein. Glaubst du dies?
Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Johannes 11:25-27
Später werden wir noch besser verstehen lernen, von welcher Bedeutung eine derartige Einteilung ist. Schon jetzt kann man jedoch mehr oder weniger ahnen, welche Verwirrung dadurch entstanden ist, dass man alle diese "Glauben" miteinander vermengt hat.
Das Wirken des heiligen Geistes
Oftmals wird der Glaube als eine geheimnisvolle Kraft angesehen, die Gott nur über wenige "ausgießt", während es den anderen nicht gegeben ist zu glauben. Die Schrift lehrt jedoch, dass Gott allen Menschen diese Fähigkeit gegeben und trotz der Sünde bewahrt hat, nämlich Gott aus der Schöpfung zu erkennen. Dabei spricht Gott durch das Gewissen zu ihnen. Deswegen ist keine weitere besondere Einwirkung Gottes notwendig, um den Menschen zum Glauben "prós = auf Gott hin" zu führen. Von Natur aus besitzen alle Menschen die Möglichkeit, an das zu glauben, was Gott unter ihnen erkennbar gemacht hat:
Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart,-
denn das Unsichtbare von ihm, sowohl seine äonische Kraft als auch seine Gött1ichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden, wird geschaut, - damit sie ohne Entschuldigung seien, weil sie, Gott kennend. ihn weder als Gott verherrlichten, noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen, und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde
Indem sie sich für weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren.
Darum hat Gott sie dahingegeben in den Gelüsten ihrer Herzen in Unreinigkeit, ihre Leiber untereinander zu schänden, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf mehr Verehrung und Gottesdienst dargebracht haben als dem Schöpfer, der gepriesen ist bis in die Äonen hinein. Amen.
Und gleichwie sie es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt. Römer 1:18-25,28
Gott bietet also allen Menschen Glauben an und kann von ihneenn erwarten, dass sie sichh bekehren. Der Ungläubige braucht also nicht darauf zu warten, bis Gott ihm noch eine besondere "Kraft" gibt, sondern er soll Gott sofort verherrlichen und für das danken, was dieser bereits getan hat. Der "Ungläubige" muss also so weit glauben, wie Gott ihm dies bereits möglich gemacht hat und nach Gottes Willen leben, insofern er ihn erkannt hat. Wenn er etwas braucht, was Gott ihm aber trotzdem nicht gibt, so liegt das daran, dass er bisher noch nicht das ausgeführt hat, wozu er mit Gottes Hilfe schon fähig gewesen wäre. Ursache für den Mangel ist dann also nicht Gott, der Geber, sondern der Mensch, der die Gabe nicht annimmt. Man braucht nicht zu bitten und zu betteln um Dinge, die Gott uns in unserer Stellung anbietet, man braucht sie vielmehr nur durch den Glauben anzunehmen.
Das Zitat aus Römer 1:18-28 bestätigt auch, was wir bereits anhand des Gleichnisses von den Talenten sahen: Wenn wir durch unsere Gedanken und Taten das Wirken Gottes verachten, kann er uns nicht "aus Glauben zu Glauben" weiterführen, Römer 1:17. Ja, es kommt sogar der Punkt, an dem einem jeden, der das anvertraute "Talent vergräbt", das weggenommen wird, was er hatte! So schreibt Paulus von Menschen, die die äonische Kraft Gottes und seine Göttlichkeit durch die Schöpfung wahrnahmen, aber, obwohl sie ihn kannten, Römer 1:20,21, ihn nicht verherrlichten und ihm nicht dankten. Weil sie es nicht gut fanden, das in Erkenntnis zu haben, Vers 28, was Gott selbst ihnen offenbart hatte, Vers 19, wurde ihnen das weggenommen, was sie gehabt hatten: sie wurden "dahingegeben in einen verworfenen Sinn", Vers 28 und verwandelten als Folge davon die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen und brachten dem Geschöpf die Verehrung dar, die eigentlich dem Schöpfer allein gebührt.
Man verstehe uns jedoch nicht falsch: Wir wollen nicht sagen, dass man Gottes Wirken aus eigener Kraft verdienen müsse. Von den Dingen, die in die göttliche Sphäre gehören, können wir niemals etwas verdienen. Alles was wir können, ist, Gottes Willen durch unseren eigenen Willen und Hochmut widerstehen. Wir meinen lediglich, dass, wenn Gott uns etwas zeigt, und wir dieses Entgegenkommen, dieses Zeichen der Liebe Gottes vernachlässigen, er selbstverständlich nichts unternimmt, um uns in die höheren Dinge einzuweihen! Gott wird uns nur dann mehr Licht geben, wenn wir bereits seine frühere Gnade wertgeschätzt und unsere eigene Ohnmacht eingesehen haben. Dann wird die andauernde Einwirkung Gottes und der erleuchtend wirkende Einfluss des heiligen Geistes es unserem Glauben ermöglichen, tiefer und tiefer einzudringen, ein Verständnis von den Tiefen Gottes zu erlangen.
Was die ersten Schritte des Gläubigen angeht, so ist der Verstand gepaart mit Liebe ausreichend, für die geistlichen Dinge ist dann eine Einwirkung Gottes nötig. Jemand, der sich durch Gott leiten lässt, wird auch zur Wiedergeburt gelangen, und erst dann beginnt Gott, unmittelbar in ihn hineinzuwirken. Dies ist insbesondere das Werk des heiligen Geistes. Niemand kann zu Christus kommen, es sei denn, dass der Vater ihn ziehe, Johannes 6:44. Von Natur aus können wir nicht glauben, dass Jesus der Christus ist:
Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona, denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Matthäus 16:16-17
Deshalb tue ich euch kund, dass niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Fluch über Jesus! und niemand sagen kann: Herr Jesus! außer im Heiligen Geist. 1.Korinther 12:3
Hier sehen wir den Übergang zur Wiedergeburt:
Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren. 1.Johannes 5:1
Allein Gottes Kraft kann uns die Grenzen des Natürlichen überwinden lassen. Der heilige Geist leitet in alle Wahrheit, Johannes 16:13, er verkündigt Christus, Johannes 15:26; 16:14. Das heißt aber nicht, dass er uns vollkommen neue Wahrheiten verkündigen würde, die bis dahin nicht bekannt gewesen wären. Er führt in die Wahrheiten, die bereits geoffenbart sind, die bereits in der heiligen Schrift niedergelegt, aber bisher außerhalb unseres Verständnisses geblieben sind. Wir werden also nicht völlig neu "inspiriert", sondern der heilige Geist erleuchtet uns, indem er das bereits bekannt Gemachte uns zu Bewusstsein bringt. Er zeugt, dass wir Kinder Gottes sind, Römer 8:16, und offenbart uns alle Dinge, die uns geschenkt sind, 1.Korinther 2:10-12. Durch ihn wissen wir "alle Dinge", 1.Johannes 3:20. Durch seinen Einfluss fängt auch die Schöpfung an, immer deutlicher zu uns zu sprechen, und wir beginnen, die Tiefe und Größe der Geschöpfe zu erkennen. Auch wird unser Gewissen gereinigt und hilft uns, beständig in Gottes Wegen zu wandeln. Dies alles betrifft Wiedergeborene, nicht Ungläubige.
Weil es so wichtig ist, sei es nochmals betont: Wir müssen den heiligen Geist nicht durch Bitten und Betteln dazu überreden, doch in uns zu wirken. Alles was notwendig ist, ist ein williges, demütiges und dankbares Herz. Wenn wir Gott jedoch zuerst einmal auf vielerlei Art wiederstehen, wird er natürlich nicht weiter in uns wirken. Wenn wir dann auch noch so viel bitten, so hilft es nichts, denn unser Bitten beweist dann lediglich, dass wir Gott UNSEREN Weg vorschreiben wollen!
Es ist auch bedeutsam zu erkennen, welche Rolle Gottes Wort bei diesem allen spielt, denn es kommt darauf an, an das zu glauben, was Gott geoffenbart hat, nicht an etwas anderes. Visionen können sehr beeindruckend sein, doch Petrus sagt, dass wir das Wort "fester" haben:
Denn Jesus empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als von der erhabenen Herrlichkeit eine solche Stimme an ihn erging: «Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.» Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.
Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht, indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht.
Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist. 2.Petrus 1:19
Johannes spricht von Zeichen, doch wurden diese auch geschrieben, damit wir glauben und glaubend Leben haben, Johannes 20:31. Der Herr Jesus weist darauf hin, dass bei fehlendem Glauben gegenüber der heiligen Schrift jemand selbst durch eine Auferstehung nicht überzeugt werden wird, Lukas 16:30,31. Es ist nicht notwendig, den Herrn Jesus persönlich zu kennen, wie Johannes das tat, wenn man glaubt, was dieser geschrieben hat:
Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens - und das Leben ist geoffenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist - was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt. Und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir, damit eure Freude vollkommen sei. 1.Johannes 1:1-4
Insofern wir diesem Wort nicht glauben, wird uns auch dessen Inhalt fremd bleiben:
Und der Vater, der mich gesandt hat, er selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt weder jemals seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch; denn dem, den er gesandt hat, dem glaubt ihr nicht.
Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen. Johannes 5:37-39.
Wenn wir uns nicht um das kümmern, was Gott uns geschrieben hat, dürfen wir ihn dann um seinen heiligen Geist bitten? Darum besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Bereitschaft, die geschriebenen Weisungen Gottes zu beachten, und göttlichen Offenbarungen:
Wenn keine Vision da ist, verwildert ein Volk. Aber glückselig ist es, wenn es das Gesetz bewahrt. Sprüche 29:18
Was nun die Wirkung des heiligen Geistes angeht, so erstreckt sie sich spürbar auf unseren Geist. Sie betrifft unseren ganzen inneren Menschen, doch erstreckt sie sich in erster Linie auf unseren Verstand, auf unsere Erkenntnis. Man achte darauf, wie häufig die heilige Schrift über Verstand und Erkenntnis spricht, und das umso mehr, je "höher" die Stellung des Gläubigen ist; vergleiche hierzu vor allem die letzten Briefe des Paulus, Epheser, Philipper, Kolosser, Thimotheus.
Dass nach der Wiedergeburt eine Einwirkung Gottes auf uns geschieht, wird auch dadurch bewiesen, dass dann ein Konflikt entsteht, wie er in Römer 7 beschrieben wird:
Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, dieses tue ich.
Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Römer 7:19,22-23
Der Glaube kommt also nicht aus dem Alten Menschen, denn er ist es gerade, der sich zur Gegenwehr setzt:
Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht. Römer 8:7
Er will sich nicht als sündig erkennen und bekehren. Somit hat man dann zugleich einen Beweis von dem Wirken Gottes und der Sünde. Ein solcher Kampf sollte für einen Menschen eigentlich ein Grund zur Freude sein, denn daraus erkennt er, dass er auf dem guten Weg ist.
Die beiden Begriffe "Sinnesänderung" und "Bekehrung" stehen in engem Zusammenhang mit dem Glauben, und wir wollen sie deshalb genauer untersuchen, und zwar zuerst etymologisch (in Bezug auf die Wortwurzel) und dann konkordant.
Etymologische Untersuchung
l. "metano-éo => metánoia = Sinnesänderung, Umdenken
Meist wird dieses griechische Wort mit "Buße tun" wiedergegeben. Es hat jedoch nichts zu tun mit "wiedergutmachen", "vergüten", "entschädigen" oder "Genugtuung leisten", wie dies das deutsche "Buße tun" meint. Das Tätigkeitswort "meta-no-éo" leitet sich von "noéo = denken, ersinnen, vorhaben, erwägen, wahrnehmen, einsehen" ab, und ist mit der Präposition "metá" versehen, die am Anfang von Verben eine Änderung anzeigt. Naheliegend ist also die Übersetzung mit "den Sinn ändern" oder "umsinnen". Für das Hauptwort "metánoia" wählen wir "Sinnesänderung". So gibt es auch das "Wörterbuch zum Neuen Testament" von W.Bauer wieder, Spalte 928.
2. "epistrépho = umkehren" => "epistrophä = Bekehrung"
Dieses Tätigkeitswort leitet sich von "strépho = sich wenden, hinwenden" ab und bedeutet in Verbindung mit der Präposition "epí" demnach: "sich umwenden", "sich auf etwas hinwenden", "sich hinkehren zu". Das Hauptwort "epistrophä" geben wir mit "Bekehrung" wieder.
Die beiden Begriffe können eine Umkehr sowohl im räumlichen als auch im geistlichen Sinne bezeichnen.
Konkordante Untersuchung
l. "metano-éo = umsinnen", metánoia = Sinnesänderung
Das Tätigkeitswort "umsinnen" mag den Eindruck erwecken, es gehe hier vor allen um den Verstand, die "Sinnesänderung" betreffe vor allem den Kopf. Die heilige Schrift lehrt jedoch, dass der ganze innere Mensch, das "Herz", gemeint ist, wie wir aus folgender Stelle ersehen können:
Nach deiner Störrigkeit und deinem nicht zur Sinnesänderung bereiten (metanóätos) Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf. Römer 2:5, vergleiche auch Apostelgeschichte 8:22
Die Sinnesänderung ist ein willentlicher Akt des Menschen, der ihm befohlen werden, den er aber auch willentlich verweigern kann:
Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall umsinnen sollen. Apostelgeschichte 17:30
Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und sinne um und tue die ersten Werke!
Und ich gab ihr (Isebel) Zeit, damit sie umsinne, aber sie wi11 nicht umsinnen von ihren Werken. Offenbarung 2:5,21
vergleiche Matthäus 3:2; 4:17; Markus 1:15; 6:12; Apostelgeschichte 2:38; 3:19;8:22; 17:30; 26:20; Offenbarung 2:5.16; 3:3,19.
Nachdem wir die Verantwortlichkeit des Menschen betont haben, wollen wir darauf hinweisen, dass dennoch Gott es ist, der Sinnesänderung möglich macht. Gottes Güte, Geduld und Langmut leiten zur Sinnesänderung, er gibt nicht nur Zeit dazu, Offenbarung 2:21, sondern auch die Sinnesänderung selbst:
Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Sinnesänderung leitet? Römer 2:4
Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Dann hat Gott also auch den Nationen die Sinnesänderung zum (eís) Leben gegeben! Apostelgeschichte 11:18, vergleiche Lukas 5:32; Apostelgeschichte 3:26; 11:18; Römer 2:4; 2.Korinther 7:10; 2.Timotheus 2:25; Offenbarung 2:21; 3:19.
Dabei kann es durchaus Ausdruck der Liebe Gottes sein, dass er Züchtigung gebraucht, um eine Sinnesänderung herbeizuführen. Das bedeutet dann zwar "Betrübnis", diese hat jedoch Rettung zum Ziel:
Jetzt freue ich mich, nicht dass ihr betrübt worden, sondern, dass ihr zur (eís) Umsinnung betrübt worden seid. Denn ihr seid Gott gemäß betrübt worden, damit ihr in keiner Weise von uns Schaden littet. Denn die Betrübnis gemäß Gott bewirkt eine nie zu bereuende Umsinnung zur (eís) Rettung, die Betrübnis der Welt aber bewirkt Tod. 2.Korinther 7:9-10
Ich überführe und erziehe (paideúo = erziehe, unterweise, unterrichte, weise zurecht, belehre - sowohl durch Belohnung als auch durch Bestrafung) alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und sinne um! Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen, und er mit mir. Offenbarung 3:19-20
Hierzu ist die Verkündigung, die Predigt, unentbehrlich; deshalb wurden verschiedene Menschen von Gott beauftragt, Sinnesänderung zu predigen, zum Beispiel:
Johannes der Täufer, Matthäus 3:1,2; Lukas 3:3; Apostelgeschichte 13:24; 19:4
Jesus Christus, Matthäus 4:17
Jona, Matthäus 12:41; Lukas 11:32
die Zwölfe, Markus 6:12
Paulus, Apostelgeschichte 20:21; 26:20
Zu dieser Verkündigung gehören im weitesten Sinne auch Mose und die Propheten, Lukas 16:30-31, und die brüderliche Ermahnung, Lukas 17:3. Die Umsinnung soll allen Nationen gepredigt werden:
So steht geschrieben, und so musste der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen aus Toten und in seinem Namen Sinnesänderung und Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem. Lukas 24:46-47
Hier geben wir eine Übersicht, wovon die Menschen umsinnen sollen:
von ihrer Bosheit, Apostelgeschichte 3:26; 8:22
von der Unwissenheit, Apostelgeschichte 18:30
von Unreinheit, Unzucht, Ausschweifung, 2.Korinther 12:21
von toten Werken, Hebräer 6:1, Werken der Hände, Offenbarung 9:20
von Dämonen- und Götzenanbetung, Mordtaten, Raub, Diebstahl, Offenbarung 9:20f
aus dem Fallstrick des Teufels, 2.Timotheus 2:25-26
Dreimal wird unmittelbar angegeben, was das Ziel der Umsinnung ist, wohin sie sich richtet:
bis in Gott hinein (eís): Apostelgeschichte 20:21
bis in Leben hinein (eís): Apostelgeschichte 11:18
bis in Errettung hinein (eís): 2.Korinther 7:10
Ich (Paulus) bezeugte sowohl Juden als Griechen die Umsinnung bis in Gott hinein (eís) und (den) Glauben bis in unseren Herrn Jesus (eís). Apostelgeschichte 20:21
Es fällt auf, dass der Schwerpunkt bei den meisten Bibelstellen nicht so sehr darauf gelegt wird, auf welches Ziel hin umgesonnen wird, sondern wovon weg. nämlich von Sünde (= Zielverfehlung). So ist es nicht verwunderlich, dass im Zusammenhang mit der Sinnesänderung mehrmals die Vergebung von Sünden erwähnt wird:
So trat Johannes auf und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Sinnesänderung zur (eís) Vergebung von Sünden. Markus 1:4, vergleiche auch Lukas 17:3.4; 24:47; Apostelgeschichte 2:38; 3:19
Daraus ergibt sich logisch, dass für den Fall der Unwilligkeit, den Sinn zu ändern, Gericht angedroht wird. So finden wir folgende Hinweise auf Gericht und Androhungen von Strafe im Zusammenhang mit der Aufforderung, umzusinnen:
Bringt nun der Sinnesänderung würdige Frucht ...
Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Matthäus 3:8-10
Wehe dir, Chorazin! ... Tag des Gerichts. Matthäus 11:21,22; 12:42
Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entf11ehen? Lukas 3:3,7-8
Er hat einen Tag gesetzt, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit. Apostelgeschichte 17:30-31
"Gericht Gottes" ... "Tag des Zorns" Römer 2:3-5
"Sinne nun um! Wenn aber nicht, so komme ich dir schnell und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwert meines Mundes." Offenbarung 2:16
Vergleiche 2.Korinther 7:9; 13:2; 2.Petrus 3:9; Offenbarung 2:5; Hebräer 6:7-8 usw.
Untrennbar verbunden mit der Sinnesänderung wird auch das Vollbringen guter Werke, das Hervorbringen von der Sinnesänderung würdigen Früchten, gefordert:
Bringt nun der Sinnesänderung würdige Früchte! ...
Und die Volksmenge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Leibröcke hat, teile mit dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue ebenso.
Es kamen aber auch Zöllner, um getauft zu werden; und sie sprachen zu ihm: Lehrer, was sollen wir tun? Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch bestimmt ist.
Es fragten ihn aber auch Kriegsleute und sprachen: Und wir, was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt, und klagt niemand fälschlich an, und begnügt euch mit eurem Sold. Lukas 3:8-14
Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und sinne um und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht umsinnst. Offenbarung 2:4,5
Die Sinnesänderung ist die notwendige Grundlage, auf welche die Werke folgen müssen. Erwachsen keine "Früchte" aus ihr, so wird das Gericht Gottes ausgeführt: Matthäus 3:10; Lukas 13:3-9.
Bringt nun der Sinnesänderung würdige Frucht! Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Matthäus 3:8,10, vergleiche Lukas 13:3-9; Hebräer 6:1-8
Wenn wir uns nun mit den Folgen der Sinnesänderung befassen, ist es ratsam, den en Begriff "Bekehrung" zu untersuchen, der sich von dem Tätigkeitswort "epistrépho = umkehren, sich hinkehren" ableitet.
2. "epistrépho = umkehren" => "epistrophä = Bekehrung"
Zum einen wird dieses Wort einfach im räumlichen Sinne verwendet, zum Beispiel:
An jenem Tage - wer auf dem Dache sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Felde ist, wende sich gleicherweise nicht zunück. Lukas 17:31
Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, wandte sich um in der Volksmenge und sprach: Wer hat mein Gewand angerührt? Markus 5:30, vergleiche Markus 8:33; 13:16; Lukas 2:39; Job 21:20; Apostelgeschichte 9:40 ...
Zum anderen bezeichnet es eine Handlung, die auf die Sinnesänderung folgt, aus ihr erwächst, aber doch von ihr zu unterscheiden ist. Zwei Stellen machen dies deutlich:
Und jetzt, Brüder, ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, gleichwie auch eure Obersten. Gott aber hat also erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündigt hat, dass sein Christus leiden sollte. So sinnt nun um (metanoéo) und bekehrt euch (epistrépho), dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn. Apostelgeschichte 3:17-19
Daher, König Agrippa, war ich (Paulus) nicht ungehorsam dem himmlischen Gesicht, sondern verkündigte denen in Damaskus zuerst und Jerusalem und in der ganzen Landschaft von Judäa und den Nationen, umzusinnen (metanoéo) und sich zu Gott hin (epí) zu bekehren (epistrépho), indem sie der Umsinnung (metánoia) würdige Werke vollbrächten.
Apostelgeschichte 26:19-20
Die Bekehrung, Umkehr folgt also eindeutig auf die Sinnesänderung und besteht darin, dass der Umsinnung würdige Werke getan werden:
Bringt nun der Sinnesänderung würdige Frucht! Matthäus 3:8
Die Sinnesänderung ist also mehr ein innerer Vorgang, während die Umkehr eine Tat ist, sie wird durch Werke gekennzeichnet. Dies gilt auch für den Fall, dass jemand gegen seinen Bruder sündigt, dann umsinnt und als Folge zu dem Bruder umkehrt (epistrépho), um seine Sinnesänderung zum Ausdruck zu bringen, Lukas 17:3-4. Umkehr setzt also immer eine bereits geschehene Sinnesänderung voraus. Dies ist wohl der Grund, dass Umsinnung im Neuen Testament häufiger gefordert wird als Umkehr, weil zuerst die Sinnesänderung geschehen muss, die dann die Umkehr sozusagen automatisch nach sich ziehen soll.
Weil also in der Umkehr das in die Tat umgesetzt wird, was bei der Sinnesänderung innerlich bereits geschah, bestehen gewisse Übereinstimmungen zwischen beiden. Auch die Umkehr ist ein Vorgang, der den ganzen inneren Menschen betrifft, sie muss willentlich vollzogen werden, wendet sich von etwas ab und zielt auch auf etwas Bestimmtes hin, wie wir dies schon bei der Sinnesänderung (metánoia) sahen. Zuerst eine Stelle, die zeigt, dass der innere Mensch und sein Wille betroffen sind:
Und es wird an ihnen die Weissagung Jesajas erfüllt, die lautet: "Hörend werdet ihr hören und doch nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und doch nicht wahrnehmen. Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren (epistrépho) und ich sie heile." (Jesaja 6:9-10) Matthäus 13:14-15
Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter Herzen zu bekehren (epistrépho) zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten. Lukas 1:17, vergleiche auch Apostelgeschichte 26:18; 11:21,23; 2.Korinther 3:15-16
Was die Abkehr von verkehrten Dingen und die Hinkehr auf das Ziel zu angeht, so seien hier fünf Stellen zitiert:
Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen auf Gott hin (prós) bekehrt habt, einem lebendigen und wahren Gott zu dienen. 1.Thessalonicher 1:9
Männer, auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, dass ihr euch von diesen Nichtigen (Götzen) bekehren sollt zu einem lebendigen Gott hin (epí), der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist. Apostelgeschichte 14:15
Ich (Jesus Christus) werde dich (Paulus) herausnehmen aus dem Volk und aus den Nationen, zu denen ich dich sende, ihre Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum (eís = bis in hinein ins) Licht und von der Gewalt des Satans zu (epí) Gott, damit sie Vergebung von Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben bis in mich hinein (eís) geheiligt sind. Apostelgeschichte 26:17-18
Aber bis heute, so oft Mose gelesen wird, liegt eine Decke auf ihrem Herzen. Dann aber, wenn es sich auf den Herrn hin (prós) umwendet, wird die Decke weggenommen. 2.Korinther 3:15-16
Und viele der Söhne Israels wird er (Johannes der Täufer) bis zu (epí) dem Herrn, ihrem Gott bekehren (epistrépho). Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter Herzen zu bekehren zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten. Lukas 1:16-17
Für die zukünftigen Untersuchungen, die wir bezüglich des Heilsweges noch unternehmen werden, ist es wichtig, dass wir verschiedene Bekehrungen unterscheiden, wie sich das aus den obigen Stellen ergibt:
1. Umkehr in die Richtung von Gott, "auf Gott hin" (prós)
Die Präposition "prós" = "auf hin" gibt die Richtung an, drückt aber zugleich aus, dass das Ziel noch nicht genau erkannt wird. In 1.Thessalonicher 1:9 haben wir gerade gesehen, dass es sich um einen Anfang des Glaubensweges handelt, nämlich die Abkehr von den toten Götzen und die Hinkehr zu einem lebendigen und wahren Gott.
2. Umkehr "bis hin zu Gott" (epí)
Die Präposition "epí" zeigt an, dass die Umkehr bis zu dem Ziel hin reicht, dieses wird also besser erkannt. Stellen: Apostelgeschichte 14:15; 15:19; 26:18.20.
3. Umkehr "in Richtung auf den Herrn hin" (prós)
Dann aber, wenn das Volk Israel sich zum Herrn wendet, wird die Decke weggenommen. 2.Korinther 3:16.
4. Umkehr "bis hin zum (Erreichen des) Herrn" (epí)
Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Lukas 1:16
Und es sahen ihn alle, die zu Lydda und Scharon wohnten; die bekehrten sich zum Herrn. Apostelgeschichte 9:35
Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine große Zahl, die gläubig wurde, bekehrte sich zum Herrn. Apostelgeschichte 11:21
Die Umkehr "auf den Herrn hin" (prós) und "bis hin zu dem Herrn" (epí) betrifft Menschen, die sich bereits zu Gott hingewandt haben, wie dies bei den gläubigen Israeliten der Fall war.
Selbstverständlich ist es für den Gläubigen nicht notwendig, all diese Abstufungen penibel zu unterscheiden und genau zu wissen, welche Sinnesänderung oder Umkehr er erreicht hat, um weiter voranzukommen. Dies wird in der Praxis mehr oder weniger von selbst geschehen. Wenn man diese Dinge aber erforschen möchte, kann es sehr wichtig sein, das eine oder andere genauer zu unterscheiden, weil dies die heilige Schrift auch tut.
"Bekehrung" in den hebräischen Schriften
An fünf Stellen steht "epistrephä" als Übersetzung für ein Wort aus den hebräischen Schriften: Matthäus 13:15; Markus 4:12; Apostelgeschichte 28:27; 2.Petrus 2:22. Die ersten vier sind Zitate von Jesaja 6:9,10, die letzte bezieht sich auf Sprüche 26:11. Zu nennen wäre auch noch Lukas 1:16-17, das auf Maleachi 3:24 anspielt. Überall ist die hebräische Entsprechung das Tätigkeitswort "schub = umkehren, sich hinkehren, zurückkehren, sich abwenden". Wie "epistrephä" kann es eine räumliche oder eine geistliche Bedeutung haben. Hier seien einfach einige Stellen zitiert, danach soll ein zusammenfassender Kommentar gegeben werden:
Kehret um, Kinder Israel, zu dem, von welchem ihr so weit abgewichen seid. Jesaja 31:6
Und so habe auch ich euch reine Zähne gegeben in allen euren Städten und Mangel an Brot in allen euren Orten; und doch seid ihr nicht bis zu mir (ad) umgekehrt. Amos 4:6
Und er (der König Zedekia) verhärtete seinen Nacken und verstockte sein Herz, so dass er nicht umkehrte zu dem HERRN, dem Gott Israels. 2.Chroniken 36:13
Und es wird geschehen, wenn alle diese Worte über dich (Israel) kommen, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es zu Herzen nimmst unter all den Nationen, wohin der HERR, dein Gott, dich vertrieben hat, und umkehrst zu deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst nach allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, so wird der HERR, dein Gott, deine Gefangenschaft wenden und sich deiner erbarmen. Und er wird dich wiederum sammeln aus all den Völkern, wohin der HERR, dein Gott, dich zerstreut hat. Und du, du wirst umkehren und der Stimme des HERRN gehorchen, und wirst alle seine Gebote tun, die ich dir heute gebiete. 5.Mose 30:1-3,8, vergleiche dazu 1.Könige 8:33-35,47-48; Apostelgeschichte 3:19-20
Und vor ihm (dem König Josia) ist seinesgleichen kein König gewesen, der zu dem HERRN umgekehrt wäre mit seinem ganzen Herzen und mit seiner ganzen Seele und mit seiner ganzen Kraft, nach allem Gesetz Moses. 2.Könige 23:25
Bekehre mich, so werde ich mich bekehren, denn du bist der HERR, mein Gott. Jeremia 31:18, vergleiche dazu Jeremia 24:7
Das hebräische Verbum "schub" wird oftmals zur Bezeichnung beider Sachverhalte gebraucht: die Umkehr im Herzen, das "zu Herzen Nehmen", entspricht der Sinnesänderung; die Umkehr von bösen Handlungen und schlechten Wegen, die Umkehr "mit ganzer Kraft" entspricht der "Bekehrung".
Die Aufforderung zur Umkehr richtet sich in erster Linie an das ganze Volk Israel, Jesaja 31:6. Dieses wird häufig getadelt, dass es sich "hartnäckig" weigert, umzukehren, oder weil es sich von Gott abwendet. Oft wird auch das Ziel der Umkehr angegeben, zum Beispiel zum HERRN, und der Grad, zum Beispiel bis zu, hebräisch "ad", Amos 4:6-11. Deutlich wird auch gezeigt, dass Gott die Umkehr nicht nur fordert, sondern auch ermöglicht, Jeremia 31:18; 24:7.
Allerdings sind es nur wenige Menschen, meist Einzelpersonen, die zum HERRN umkehren. Ninive ist eine bemerkenswerte Ausnahme, die auch im Neuen Testament besonders erwähnt wird, Jona 3:8; Matthäus 12:41; Lukas 11:32.
Was Israel angeht, so wird seine kollektive Bekehrung für die Endzeit geweissagt, 5.Mose 30:2,8 usw. Bis dahin gilt der Aufruf zur Umkehr besonders für jeden Einzelnen:
Wenn aber ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit, die er begangen hat, umkehrt und Recht und Gerechtigkeit übt: er wird seine Seele am Leben erhalten. Sieht er es ein und kehrt er um von all seinen Vergehen, die er begangen hat: leben soll er und nicht sterben. -
Aber das Haus Israel sagt: «Der Weg des Herrn ist nicht recht.» Sind meine Wege nicht recht, Haus Israel? Sind nicht vielmehr eure Wege nicht recht? Darum werde ich euch richten, Haus Israel, jeden nach seinen Wegen, spricht der Herr, HERR. Kehrt um und wendet euch ab von allen euren Vergehen, dass es euch nicht ein Anstoß zur Schuld wird! Werft von euch alle eure Vergehen, mit denen ihr euch vergangen habt, und schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Ja, wozu wollt ihr sterben, Haus Israel?
Denn ich habe kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss, spricht der Herr, HERR. So kehrt um, damit ihr lebt! Hesekiel 18:27-32
Die Verweigerung der Umkehr zieht als Folge Gerichte nach sich, im Falle des Gehorsams erfolgt Sündenvergebung, Wiederherstellung, Barmherzigkeit.
Die "Geburt" aus Gott
Hier ist es notwendig, mehrere griechische Ausdrücke zu untersuchen, die alle bis auf eine Ausnahme ("apokuéo = gebären") mit dem Verbum "gennáo" zusammenhängen. Wir stellen also die etymologische Untersuchung dieses Wortes vor die weiteren Betrachtungen:
Etymologische Untersuchung des Wortes "gennáo"
Das Verbum "gennáo" leitet sich von dem Hauptwort "génos = Herkunft, Ursprung, Geburt" ab, und dieses stammt wiederum von dem Verbum "gíg-nomai", welches bedeutet: "entstehen, erzeugt oder geboren werden, geschehen, werden". Man kann das Verbum gennáo" also wiedergeben mit: "werden lassen, hervorbringen, erzeugen", selten "gebären". In der Bibel wird es gebraucht für:
"Zeugen", zum Beispiel Matthäus 1:2-16
"Gebären", Lukas 1:13; Hebräer 11:23
"Erzeugen", "Hervorbringen", 2.Timotheus 2:23
das "Werden, Hervorgebracht- oder Gezeugt-Werden" aus Gott
Wir werden im Folgenden das geistige Hervorgebracht-Werden aus Gott konsequent mit "Zeugen" oder "Gezeugt-Werden" wiedergeben. Wir meinen, dass für die Zeugung aus Gott die nachstehenden Ausdrücke gebraucht werden:
"gennáo ek theú = gezeugt werden aus Gott", Johannes 1:13; 1.Johannes 2:29; 3:9; 4:7; 5:1,4,18
"gennáo anothén = von oben gezeugt werden", Johannes 3:3,7
"anagennáo = nach oben hin gezeugt werden", 1.Petrus 1:3,23
"palingenesía = Wieder-Gezeugt-Werden", Matthäus 19:28; Titus 3:5
"apokuéo = gebären", Jakobus 1:15,18
1. Gezeugtwerden "aus Gott" und "von oben" (anothén)
Lesen wir zuerst sorgfältig die Schriftstellen:
Im Anfang war das Wort ("der logos"), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott ... In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen ...
So viele ihn (den "logos") aufnahmen , denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die bis in seinen Namen hinein (eís) glauben, welche nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott gezeugt sind. Johannes 1:1,4,12,13
Jesus antwortete und sprach zu ihm (Nikodemus): Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von oben her (anothén, eventuell auch: "von neuem") gezeugt werde, so kann er das Königreich Gottes nicht sehen.
Nikodemus spricht zu Ihm: Wie kann ein Mensch gezeugt werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Male in den Leib seiner Mutter eingehen und gezeugt werden?
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und (zwar aus) Geist gezeugt werde, so kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen. Was aus dem Fleisch gezeugt ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist gezeugt ist, ist Geist. Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben her gezeugt werden (gennáo anothén).
Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geist gezeugt ist.
Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen?
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht? Wahrlich, wahrlich. Ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an.
Wenn ich euch das überirdische (epigéjos) gesagt habe, und ihr glaubet nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das überhimmlische (epuránia) sage?
Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.
Und gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muss der Sohn des Menschen erhöht werden, auf dass jeder, der in (en) ihn glaubt, äonisches Leben habe. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab, auf dass jeder, der bis in ihn hinein (eís) glaubt, nicht verloren gehe, sondern äonisches Leben habe.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf dass er die Welt richte, sondern auf dass die Welt durch ihn errettet werde. Wer bis in ihn hinein (eís) glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat bis in den Namen des einziggezeugten (monogenäs) Sohnes Gottes hinein (eís). (Vergleiche Johannes 1:12.) ...
Wer bis in den Sohn hinein (eís) glaubt, hat äonisches Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Johannes 3:3-18,36
Fassen wir zusammen, was wir aus diesen Stellen über die Zeugung aus Gott lernen können:
1. Die Zeugung aus Gott ist eine Voraussetzung, um das Königreich Gottes sehen, Johannes 3:3 und in dieses eingehen zu können, Johannes 3:5.
2. Sie geschieht weder "aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes", sie ist kein menschlicher Willensakt, Johannes 1:12.
3. Sie geschieht vielmehr:
- "aus Gott", Johannes 1:13
- "aus Wasser und (zwar aus) Geist", Johannes 3:5
- "aus dem Geist", Johannes 3:6,8
- "von oben her" (anothén), Johannes 3:3,7
4. Sie hängt eng zusammen mit:
- dem Aufnehmen des "logos", also des Wortes bzw. des Sohnes Gottes, Johannes 1:1,12
- dem Glauben bis in seinen Namen hinein (eís); wer bis in seinen Namen hinein glaubt, ist bereits aus Gott gezeugt, Johannes l:12f
5. Die Folge der Zeugung aus Gott ist:
- man wird zum Kind (téknos) Gottes, Johannes 1:12
- das aus dem Geist Gezeugte ist Geist, Johannes 3:6
- aus dem Textzusammenhang ist zu schließen, dass der aus Gott Gezeugte, der bis in den Namen des Sohnes Gottes hinein glaubt, äonisches Leben hat, Johannes 1:12,13; 3:18,16
An dieser Stelle wollen wir näher auf Johannes 3:5 eingehen, wo es heißt:
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Fließendem (hýdor) und (zwar aus) Geist gezeugt werde, so kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen.
Das griechische Wort "hýdor" wird oftmals als Bezeichnung von Wasser gebraucht. Dies ist jedoch nicht seine allgemeine Bedeutung, diese lautet vielmehr: "Fließendes", vergleiche "Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" von Karel Claeys; Seite 573-586). Dabei kann es sich um Wasser handeln - dies ist der häufigste Fall, aber auch um andere "Fließende". In diesem Zusammenhang ist folgende Stelle sehr aufschlussreich:
Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir (Jesus) und trinke. Wer bis in mich hinein (eís) glaubt, aus dessen Leibe werden, wie die Schrift gesagt hat, Ströme lebendigen Wassers (hýdor) fließen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die bis in ihn hinein (eís) glaubten ... Johannes 7:37-39
So kann auch in Johannes 3:5 mit "Fließendem" nicht irdisches Wasser gemeint sein, zumal wir sahen, dass die Zeugung "aus Gott", "von oben her", geschieht, nicht aus einem menschlichen Willensakt. Dies wird dadurch bestätigt, dass im nächsten Vers erklärt wird: "Was aus dem Geist gezeugt ist, ist Geist", Johannes 3:6.
Ähnliche Begriffspaare wie "Wasser und Geist" kommen sehr oft im Johannesevangelium vor, so zum Beispiel "Gott und der, den du gesandt hast", Johannes 17:3, "Geist und Wahrheit", Johannes 4:23, "Auferstehung und Leben", Johannes 11:25, "Zeichen und Wunder", Johannes 4:48, "Hören und Lernen", Johannes 6:45. Dass die jeweils verwendete Konjunktion "und" (kai) einen erklärenden Sinn aufweist (etwa: "und zwar"), ergibt sich daraus, dass das zweite Glied jedes Begriffspaares dazu dient, das erste genau zu erklären. Das erste und zweite Glied bezeichnen den gleichen Vorgang, wobei der Akzent auf dem zweiten Begriff liegt: So besteht die Erkenntnis Gottes darin, den Sohn Gottes zu erkennen, "den er gesandt hat", vergleiche Johannes 17:3 mit 14:9. Auch geht es in dem Beispiel von Johannes 6:45 nicht so sehr um das erstegenannte "Hören", sondern um das Zweitgenannte, das Aufnehmen und Verstehen der Botschaft, das "Lernen".
Warum wird in Johannes 3:5 dann nicht einfach nur von "Geist" gesprochen, warum wird der Aspekt des "Fließenden" bewusst in die Aussage hineingebracht? Unserer meinung nach deshalb, weil die Zeugung aus Gott eben "von oben" geschieht, indem Gott seinen Geist "ausgießt", der Geist also von Gott zu den Menschen "fließt" wie das Wasser aus einer Quelle:
Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. Johannes 4:13-14
Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint. Sacharja 12:10
Und ich werde mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen, wenn ich meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen habe, spricht der Herr, HERR. Hesekiel 39:29
Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen. Joel 3:1
Betrachten wir nun weitere Stellen, die von der Zeugung aus Gott berichten:
Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, so erkennet, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, aus ihm gezeugt ist. 1.Johannes 2:29
Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
Geliebte, jetzt sind wir Kinder (téknos) Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich (besser: wesensähnlich, hómoios) sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Jeder, der aus Gott gezeugt ist, tut nicht Sünde, denn sein Samen bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott gezeugt ist.
Hieran sind offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Jeder, der nicht Gerechtigkeit tut, ist nicht aus Gott, und wer nicht seinen Bruder liebt.
Wir wissen, dass wir aus dem Tode in das Leben übergegangen sind, weil wir die Brüder lieben; wer den Bruder nicht liebt, bleibt im Tod. 1.Johannes 3:1,2,9,10,14
Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie (die falschen Propheten) überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist. Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder der 1iebt, ist aus Gott gezeugt und erkennt Gott. 1.Johannes 4:4,7
Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt. und jeder, der den liebt, welcher gezeugt hat, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist.
Hieran wissen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn dies ist die Liebe Gottes: dass wir seine Gebote hatten, und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, überwindet die Welt.
Und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist.
Wer den Sohn hat, hat das Leben. Wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Dies habe ich euch geschrieben, auf dass ihr wisset, dass ihr ewiges (äonisches) Leben habt, die ihr bis in den Namen des Sohnes Gottes hinein (eís) glaubt.
Wir wissen, dass jeder, der aus Gott gezeugt ist, nicht sündigt, sondern die Zeugung aus Gott bewahrt ihn, und der Böse tastet ihn nicht an. 1.Johannes 5:1-5,12,13,18
Der ganze 1.Johannesbrief ist an "Kinder Gottes" gerichtet, 1.Johannes 3:1,2, also an solche, die aus Gott gezeugt sind, vergleiche auch 1.Johannes 3:9,10. Wir legen es dem Leser deshalb nahe, diesen Brief selber gründlich zu untersuchen. Wir fassen zuerst die für unsere Betrachtungen besonders wichtigen Aussagen zusammen, um dann einzelne Dinge näher zu besprechen. Hier ist also ein Überblick:
Ein jeder ist aus Gott gezeugt, der ...
glaubt, dass Jesus der Christus ist, 1.Johannes 5:1
liebt, 1.Johannes 4:7
die Gerechtigkeit tut, 1.Johannes 2:29; 3:10
Jeder, der aus Gott gezeugt ist, ...
ist "aus Gott", 1.Johannes 3:10; 4:4; vergleiche 1.Johannes 3:2 mit 4:6
überwindet die Welt, 1.Johannes 5:4
tut nicht Sünde, denn sein Samen bleibt in ihm, 1.Johannes 3:9
kann nicht sündigen, weil er aus Gott gezeugt ist, 1.Johannes 3:9
sündigt nicht, sondern die Zeugung aus Gott bewahrt ihn, 1.Johannes 5:18
Wie wir bereits gesehen haben, ist der natürliche Mensch "aus dem Fleisch" gezeugt, Johannes 3:6, und ist damit auch "Fleisch". Dieses "Fleisch" kann aus sich selbst heraus nicht nach dem Maßstab Gottes leben, Römer 8:7, weil ihm die Gemeinschaft mit Gott mangelt. Als Folge hat der natürliche Mensch kein Leben in sich selbst, er ist schwach und sterbend. Damit ein Mensch trotzdem Gerechtigkeit tun kann, ist also ein Handeln Gottes unbedingt erforderlich, und es geschieht, wenn ein Mensch aus Gott gezeugt wird.
Diese Zeugung aus Geist, von oben, Johannes 3:3,5, bringt den Menschen in unmittelbare Geistesgemeinschaft mit Gott. Durch diese Verbindung mit dem Geist Gottes beginnt etwas ganz Neues in dem Menschen: Sein Geist, sein ganzer innerer Mensch wird gestärkt, sein Sinn erneuert, Römer 12:2, und sein Herz gereinigt. Das ist die "Wiedergeburt". Damit entsteht Gemeinschaft mit Jesus Christus. Allein Gottes Kraft kann dies vollbringen. Aus dem Neuen, das durch Gott in dem Menschen geschieht, erwachsen dann "Früchte", die eindeutige Kennzeichen für ein Kind Gottes sind, weil sie ohne die Zeugung aus Gott niemals entstehen könnten; das sind unter anderem:
1. Der Glaube, dass Jesus der Christus ist, 1.Johannes 5:1
Aus Johannes 11:25-27 können wir ersehen, dass dieser Glaube dem Glauben bis in Jesus (als die Auferstehung und das Leben, als Sohn Gottes, als Christus) hinein (eís) entspricht. Denn als Jesus zu Martha sprach:
"Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer bis in mich hinein glaubt (eis), wird leben, wenn er auch gestorben ist ...'Glaubst du das?", da antwortete sie: "Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll", Johannes 20:31.
Dieser Glaube beruht auf dem Wirken des heiligen Geistes direkt in dem Menschen. Nur so kann Petrus bekennen, dass Jesus der "Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" ist, Matthäus 16:16,17. Niemand kann sagen: "Herr Jesus!" außer in heiligem Geist, l.Korinther 12:3. Die Zeugung aus Gott geht diesem Glauben also voran: "Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt", 1.Johannes 5:1.
2. Ein Kennzeichen des aus Gott Gezeugten ist die Liebe
Geliebte, lasst uns einander lieben (agapáo), denn die Liebe ist aus Gott. Und jeder, der liebt, ist aus Gott gezeugt und erkennt Gott. 1.Johannes 4:7, vergleiche 1.Johannes 5:1-2; 4:10,12,20-21; 3:14,23.
Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich 1ieben ... Johannes 8:42
Diese Liebe ist kein Werk des Menschen, sondern sie ist ausgegossen in unsere Herzen durch heiligen Geist, Römer 5:5. Sie richtet sich auf Gott, den Herrn Jesus und auf die Brüder, 1.Johannes 4:21, und äußert sich in Tat und Wahrheit, 1.Johannes 3:18-19, im Halten der Gebote Gottes, 1.Johannes 5:2-3. Das Wesen dieser Liebe wird in 1.Korinther 13 ausführlich beschrieben. Sie ist eine Frucht des heiligen Geistes, Galater 5:22.
3. Jeder, der die Gerechtigkeit tut, ist aus ihm gezeugt, 1.Johannes 2:29
Der natürliche Mensch ist nicht in der Lage, den Maßstäben Gottes zu entsprechen. Das Tun der Gerechtigkeit Gottes ist also nur durch das Wirken Gottes in dem Menschen möglich, also nur für solche, die zur Kindschaft gelangt sind, 1.Johannes 3:10. Hier ist nicht von einer relativen, menschlichen Gerechtigkeit die Rede, vergleiche Römer 10:3, sondern von Gerechtigkeit auf der Grundlage von Glaube, Römer 9:30-32, und Liebe, Galater 5:6.
4. Jeder, der aus Gott gezeugt ist, tut nicht Sünde, denn sein Samen bleibt in ihm, 1.Johannes 3:9; vergleiche 5:18
Dass mit diesen Worten von einem Kind Gottes nicht absolute Sündlosigkeit verlangt wird, ergibt sich ganz eindeutig aus:
Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 1.Johannes 1:8, vergleiche 1.Johannes 1:6-10; 2:1-2; Jakobus 3:2
Auch ein Kind Gottes begeht noch Sünden, tut falsche Schritte. Wenn nun von dem aus Gott Gezeugten gesagt wird, dass er nicht sündigt, so bezieht sich diese Aussage auf das gewohnheitsmäßige Ausüben von Sünde mit einem Wohlgefallen an der Bosheit, vergleiche:
Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun (prásso = praktizieren), das Reich Gottes nicht erben werden. Galater 5:19ff
Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, dass die, die so etwas tun, des Todes würdig sind, üben sie es nicht allein aus, sondern haben auch Wohlgefallen an denen, die es tun (prásso = praktizieren). Römer 1:32
Und dies widerspricht vollkommen dem Neuen, was bei der Zeugung aus Gott in einen Menschen hineingelegt wird, nämlich dem Glauben bis in Christus hinein und der Liebe.
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die Begründung, die jeweils gegeben wird, warum der aus Gott Gezeugte nicht sündigt: weil "sein Samen" in ihm bleibt und er aus Gott gezeugt ist, 1.Johannes 3:9, weil die Zeugung aus Gott ihn bewahrt, 1.Johannes 5:18, griechischer Text. Mit "sein Samen" kann nur das Wort Gottes gemeint sein:
Dies aber ist die Bedeutung des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes. Lukas 8:11
Wer dieses aufnimmt, wird ein Kind Gottes:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott ... So viele ihn (das Wort, den lógos) aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben. Johannes 1:1,12
Er steht dann in einer Gemeinschaft mit dem Sohn, die dem Verwachsen-Sein der Reben mit dem Weinstock entspricht, Johannes 15:1-8. Jesus selbst betont, dass es unbedingt notwendig ist, "in ihm" zu bleiben, Johannes 15:4-5, um Frucht bringen zu können, Johannes 15:8; vergleicheLukas 8:15. Verlässt man diese Gemeinschaft, so "verdorrt" man, Johannes 15:6; vergleicheLukas 8:6-7,13-14.
5. "Alles, was aus Gott gezeugt ist, überwindet die Welt."
... und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? 1.Johannes 5:4-5
Das Überwinden der Welt beruht also auf dem Glauben bis in den
Sohn Gottes hinein (eís), der die Welt überwunden hat, Johannes 16:33; Offenbarung 5:5; 12:11. Der Sieg ist ein Sieg über die Sünde. Außerdem hängt er eng zusammen damit, dass der aus Gott Gezeugte aus dem Tode in das Leben übergegangen ist, 1.Johannes 3:14. Wer den Bruder liebt, ist wiedergezeugt, 1.Johannes 4:7; 5:1, hat also äonisches Leben:
Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr äonisches Leben habt, die ihr bis in den Namen des Sohnes Gottes hinein (eís) glaubt. 1.Johannes 5:13, vergleiche dazu: Johannes 1:12; 1.Johannes 5:11-13,20
Bis hierher haben wir untersucht, was Johannes über die Zeugung aus Gott lehrt: Sie ist kein menschlicher Willensakt, sondern geschieht von oben her, aus dem Geist Gottes. Durch das Aufnehmen des Wortes Gottes wird man zu einem Kind Gottes, das äonisches Leben hat, weil es bis in den Sohn Gottes hinein (eís) glaubt. Kennzeichen für eine geschehene Zeugung aus Gott sind Glaube, Liebe, das Tun von Gerechtigkeit, nicht Sündigen, das Überwinden der Welt. Untersuchen wir nun, was Petrus über die Zeugung aus Gott lehrt.
II. Das Gezeugt-Werden "nach oben" - anagennáo
Der ganze erste Brief des Apostels Petrus ist an Israeliten gerichtet, die aus Gott gezeugt wurden, 1.Petrus 1:1-3, und behandelt als ein Hauptthema (vor allem im ersten Kapitel) die Zeugung aus Gott. Zuerst zitieren wir die uns besonders wichtig erscheinenden Stellen:
Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns nach oben hin gezeugt hat (oder auch: "wiedergezeugt hat"; anagennáo) zu (eís) einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus Toten, zu (eís) einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, welches in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zur (eís) Errettung, (die) bereit (ist), in der letzten Zeit enthüllt zu werden. ...
... in der Enthüllung Jesu Christi, welchen ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt, 1iebt (agapáo), bis in welchen hinein (eís) glaubend, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt, indem ihr das Endziel (télos) eures Glaubens, die Errettung der Seelen, davontraget. 1.Petrus 1:3-5,7-9
Durch ihn (Jesus Christus) glaubt ihr bis in Gott hinein (eís), der ihn aus Toten auferweckt hat, auf dass euer Glaube und eure Hoffnung bis in Gott hinein (eís) sei.
Da ihr eure Seelen gereinigt habt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungheuchelten Bruderliebe (philadelphía), so liebet (agapáo) einander mit Inbrunst aus reinem Herzen, die ihr nicht aus verwes-"lichem Samen nach oben hin (oder wieder-) gezeugt seid, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes. ...
... das Wort des Herrn bleibt bis in (eís) den Äon hinein. 1.Petrus 1:21-23
Als neugeborene (artigénnätos) Babies seid begierig nach der vernünftigen (griechisch "lógikos", andere übersetzen: "wortgemäßen"), unverfälschten Milch, auf dass ihr durch dieselbe wachset zur (eís) Errettung. 1.Petrus 2:2
Das griechische Wort "anagennáo", das Petrus in Vers 3 und 23 gebraucht, bringt einen weiteren Gesichtspunkt der Zeugung aus Gott zum Ausdruck: "ana" heißt "aufwärts, hinauf", vergleiche englisch on", und gib in Verbindung mit "gennáo" an, dass die Zeugung eine Zielrichtung nach oben hin hat.
Wir sahen, dass in den Schriften von Johannes besonders der Ursprung der Zeugung betont wurde: "aus Gott", "von oben her", "aus dem Geist". Auch Petrus weist ausdrücklich auf den Ursprung der Zeugung hin, und gleichzeitig hebt er die Folgen hervor, die sich aus dem Wesen und dem Ursprung der Zeugung ergeben. Betrachten wir zuerst den Ursprung:
Ein Kind Gottes ist (nach oben hin) gezeugt ...
von Gott, Vers 3
durch die Auferstehung Jesu Christi aus Toten, Vers 3
aus unverweslichem Samen, Vers 23
durch das lebendige und bleibende Wort Gottes, Vers 23
1. Ist jemand aus Gott gezeugt, so ist er ein "neugeborenes Baby", 1.Petrus 2:2, also, wie wir schon bei Johannes sahen, Johannes 1:12; 1.Johannes 3:1-2, ein Kind Gottes, das ihn als Vater anruft (1.Petrus 1:17).
2. Dass die Auferstehung Jesu Christi aus Toten der Ursprung der Zeugung ist, hat als Folge eine Ausrichtung nach oben hin (ana, vergleiche: "aná-stasis = Auferstehung", "ana-gennáo = "hinauf-zeugen"). Die "lebendige Hoffnung", Vers 3, bis in die hinein (eís) man "hinaufgezeugt" wird, ist, wie wir sogleich noch deutlicher sehen werden, das äonische Leben. Dies ist ein qualitatives "hinauf": Vom Tod ins Leben überzugehen, vergleiche 1.Johannes 3:14, von der Hoffnungslosigkeit, Epheser 2:12, in die Hoffnung, 1.Petrus 1:3.
3. Der Samen, aus dem ein Mensch nach oben hin gezeugt wird, ist das Wort Gottes, Lukas 8:11. Jesus Christus ist das Wort Gottes, Offenbarung 19:13. Er wurde Fleisch, Johannes 1:14, dann "wurde" er tot, Offenbarung 1:18. Trotzdem sah er nicht die Verwesung, Apostelgeschichte 2:31; 13:37. Durch die Auferstehung hat er unauflösliches Leben, Hebräer 7:16. Somit ist der "Samen" unverweslich, lebendig und bleibend, 1.Petrus 1:23. Daraus ergibt sich, dass alle, die diesen Samen aufnehmen und bewahren werden, Unverweslichkeit ererben und "bis in den Äon hinein" bleiben, also äonisches Leben haben werden, vergleiche Römer 2:7; Johannes 1:4; 1.Johannes 1:2.
Sowohl der 1.Johannesbrief als auch die beiden Petrusbriefe richten sich an "aus Gott Gezeugte", also an Kinder Gottes. Beide betreffen den Glauben, dass Jesus der Christus ist, 1.Johannes 5:1, also den Glauben bis in Jesus Christus hinein (eís), 1.Petrus 1:8. Das Ziel ist äonisches Leben und - besonders bei Petrus betont - die Errettung der Seele, vergleiche Johannes 20:31; 1.Johannes 1:1,2; 5:13; 1.Petrus 1:23; 5:10 / 2.Petrus 1:5,9.10; 2:25.
3. Das Geboren-Werden aus dem Wort der Wahrheit
Dieser Ausdruck stammt aus dem Brief des Apostels Jakobus, Jakobus 1:18. Er gebraucht an dieser Steile das griechische Wort "apokuéo = gebären", übertragen auch: "hervorbringen". Lesen wir nun:
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab (anothén!), von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.
Nach seinem Willen (Ratschluss, búlomai) hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit (eís) wir gewissermaßen eine Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien.
Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und all die viele Schlechtigkeit, und nehmt das eingepflanzte Wort (lógos) mit Sanftmut auf, das eure Seelen zu erretten vermag. Jakobus 1:17,18,21
Die Übereinstimmung mit dem ersten Petrusbrief, besonders 1.Petrus 2:1-2, fällt auf. Auch hier wird betont, dass das Hervorgebracht-Werden aus Gott durch sein Wort, das Wort der Wahrheit geschieht. Gott handelt: Er pflanzt das Wort ein, Vers 21. Wie bei Petrus, 1.Petrus 1:9; 2:25, wird die Errettung der Seele betont, Vers 21.
4. Die Wieder-Werdung, griech. palin-genesía
Dieses Wort kommt im Neuen Testament nur zweimal vor. Lesen wir zuerst:
Als aber die Güte und Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien, rettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit, vergleiche 1.Petrus 1:3, durch Waschung der Wiederwerdung (palingenesía) und Erneuerung heiligen Geistes, welchen er reichlich über (epí = auf) uns ausgegossen hat (vergleiche 1.Petrus 4:14) durch Jesus Christus, unseren Retter, auf dass wir gerechtfertigt durch seine Gnade, Erben würden nach der Hoffnung des äonischen Lebens. Titus 3:4-7
Das griechische Wort "palin" wird in der Bibel durchweg im Sinne von "wiederum" gebraucht. Es zeigt an, dass auf etwas Zurückliegendes bezug genommen wird, zum Beispiel:
Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Schwer wird ein Reicher in das Reich der Himmel hineinkommen. Wiederum (palin) aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt. Matthäus 19:23-24
In Titus 3:3 wird auf das "alte Leben" verwiesen, das "in Bosheit und Neid" geführt worden war. Das neue Leben folgt auf die Errettung, es ist ein Leben durch den Geist. Wir erinnern an die Parallele zu Johannes 3, wo auch die Zeugung aus dem Fleisch der Zeugung aus dem Geist gegenübergestellt wird, Johannes 3:6. Zum zweiten Mal kommt die "palingenesía" vor in:
Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wieder-Werdung, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Und ein jeder, der irgend verlassen hat Häuser oder Brüder oder Schwestern, oder Vater oder Mutter, oder Frau oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen, wird hundertfältig empfangen und äonisches Leben erben. Matthäus 19:28-29
Kurz vor diesen Worten hatte Jesus seine Jünger über das Königreich der Himmel belehrt, Matthäus 19:14,23, über Errettung, 19:25-26, und äonisches Leben gesprochen, 19:15-16. Noch deutlicher wird der Zusammenhang zwischen der Wieder-Werdung und dem Königreich, wenn wir dazu die folgende Steile vergleichen:
Und ich verordne euch, gleichwie mein Vater mir verordnet hat, ein Königreich, auf dass ihr esset und trinket an meinem Tische in meinem Königreich und auf Thronen sitzt, richtend die zwölf Stämme Israels. Lukas 22:29.30
Hier ist die Rede von der Aufrichtung des Messianischen Reiches, die bei der Wiederkunft Jesu Christi geschieht. Dann wird ganz Israel zur Zeugung aus Gott gelangt sein, und zwar an einem Tag, Jesaja 66:8, durch den Geist Gottes, Sacharja 12:10. Es geht in Matthäus 19:28 also nicht um einzelne Menschen, sondern um die "Wieder-Werdung" des ganzen Volkes Israel.
Als einen ergänzenden Überblick zitieren wir, die Übersetzer, nun aus dem "Lexikon zur Bibel" von Fritz Rienecker von den Ausführungen zur "Wiedergeburt" Folgendes:
Mit Wiedergeburt (Titus 3:5) ... umschreibt das NT jenen Vorgang, durch den Gott einen Menschen im geistlichen, eigentlichen Sinne lebendig und zum Kind Gottes macht, ihm Anteil am ewigen Leben gibt im Gegensatz zur Welt des Todes, der er als gefallener Mensch angehört. Die Wiedergeburt gibt dem Menschen Anteil am Reich Gottes, ja sie bildet nach Johannes 3:3,5 die Voraussetzung dafür, dass er Bürger dieses Reiches sein kann.
Bei Johannes wird dieser Vorgang durch die Worte umschrieben: von Gott (Johannes 1:13), aus dem Geist (Johannes 3:8) oder von oben her (Vers 3) geboren werden. Gerade das zugrunde liegende Bild der natürlichen Geburt macht deutlich, dass der Mensch zur Wiedergeburt - abgesehen von seiner voraufgehenden Hinwendung zu Gott in der Bekehrung - nichts hinzutun kann, sondern dass es sich dabei um ein ausschließliches Werk Gottes handelt, da ja das neue Leben Gottes Gabe ist (vergleiche 1.Petrus 1:3,23). ...
Gott zeugt den neuen Menschen durch sein Wort, das Wort der Wahrheit, Jakobus 1:18, das Evangelium l.Korinther 4:15. Dies Wort gilt als der unvergängliche, Leben schaffende Samen, 1.Petrus 1:23, und so wird verständlich, warum Paulus auch von sich sagen kann, dass er Menschen durch dieses Wort als Glaubende gezeugt habe, l.Korinther 4:15; Philemon 10 den Onesimus.
Der Wiedergeborene kann vom Glauben abirren, aber auch wieder zurechtkommen, Jakobus 5:19f. Weil die Wiedergeburt eine Frucht des Wortes Jesu ist, kann der nicht wiedergeboren werden, der dieses Wort nicht aufnimmt, also dagegen verhärtet ist, Johannes 8:43-47.
So wenig der Mensch selbst zu seiner Wiedergeburt beitragen kann, so wenig wird er in jedem Fall imstande sein, über ihren genauen Zeitpunkt Aufschluss zu geben. Die heilige Schrift leitet uns auch nicht an, den Vorgang der Wiedergeburt zu beobachten, sondern vielmehr die geschehene Wiedergeburt an ihren Auswirkungen zu erkennen und sie lediglich als einen von Gott gesetzten Anfang des Weges zu betrachten, auf dem es nun im Glaubensgehorsam zu leben gilt. ...
Als solche Auswirkung und Folge der Wiedergeburt wird ein unmittelbares Verhältnis zu Gott dem Vater genannt, vergleiche Römer 8:15, der Glaube, dass Jesus der Christus Gottes ist, 1.Johannes 5:1. Wer aber wiedergeboren ist, liebt nicht nur Christus als seinen Herrn und Gott, der ihn wiedergeboren hat, sondern in gleichem Sinne auch die Brüder, die ebenfalls von Gott geboren sind, vergleiche 1.Johannes 4:7; 5:1.
Die Wiedergeburt stellt dem Wiedergeborenen die Aufgabe, nun ·in diesem neuen Leben wirklich zu leben und zu wachsen; andererseits weiß die heilige Schrift sehr wohl auch von einer Aufgabe, die den anderen Gliedern des Leibes Christi an ihm gestellt ist: die Wiedergeborenen sind wie neu geborene Kinder, 1.Petrus 2:2, die zunächst noch eine leichter verdauliche Nahrung, also die Grundlagen der Christusverkündigung brauchen. l.Korinther 3:2 ist von Milch die Rede; so wird verständlich, warum Paulus in 1.Thessalonicher 2:7 sein Verhalten zu der jungen Gemeinde mit dem einer Amme vergleichen kann. Die Stellen machen zugleich deutlich, dass das Ziel nicht eine ständige Säuglingspflege, sondern das Heranwachsen des Wiedergeborenen ist.
Abschließend wollen wir einen Überblick geben über den gesamten Heilsweg» soweit wir ihn in diesem Beröer untersucht und dargestellt haben. Wir übernehmen dazu folgende Tabelle von S.Van Mierlo:
Glaube und Bekehrung auf GOTT hin (prós), 1.Thessalonicher 1:8-9
Glaube, Sinnesänderung und Bekehrung bis zu GOTT hin (epí), Hebräer 6:l-2; Apostelgeschichte 26:20-18; 14:15; 15:19
Bekehrung auf den HERRN hin (prós), 2.Korinther 3:16
Glaube und Bekehrung bis zum HERRN hin (epí), Apostelgeschichte 16:31; 9:42; 11:17,21; 9:35
ZEUGUNG AUS GOTT - KIND GOTTES
Glaube und Sinnesänderung bis in GOTT hinein (eís), Johannes 12:44; 14:1; 1.Petrus 1:21; Apostelgeschichte 20:21
Glaube bis in den HERRN hinein (eís) = Glaube, dass Jesus der Christus ist, Johannes 3:16; 1:12; 11:26-27; 1.Johannes 5:1
Glaube bis in CHRISTUS JESUS hinein (eís), Galater 2:16
Hat ein Gläubiger die Stufe der Kindschaft erreicht, wird er von Gott aufgefordert, nach weiterem Wachstum zu streben, um zum Sohn Gottes, und schließlich zum "erwachsenen Manne" heranzureifen:
Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.
Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.
Lasst uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus. Aus ihm wird der ganze Leib zusammengefügt und verbunden durch jedes der Unterstützung dienende Gelenk, entsprechend der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils; und so wirkt er das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe. Epheser 4:11-16
GIBT ES DIE »ZEUGUNG AUS GOTT« AUCH SCHON IN DER ZEIT VOR DER AUFERSTEHUNG JESU CHRISTI ?
Als der Herr Jesus mit Nikodemus über die Zeugung "von oben her" redete und dieser fragte: "Wie kann dies geschehen?", da antwortete Jesus und sprach zu ihm: "Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht?", Johannes 3:9-10. Dieser Frage Jesu können wir entnehmen, dass Nikodemus eigentlich etwas von der Zeugung aus dem Geist hätte wissen müssen. Es handelte sich also um etwas, das schon geoffenbart war und das wir demnach in den hebräischen Schriften finden können. Tatsächlich gibt es viele Stellen, die von einem neuen Herzen und der Ausgießung heiligen Geistes sprechen, zum Beispiel:
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und erneuere in meinem Inneren einen festen Geist. Psalm 51:12
Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein. Jeremia 31:33, vergleiche auch: 5.Mose 30:6; Jesaja 44:3; 57:15; Jeremia 24:7; 32:39; Hesekiel 11:19; 18:31; 36:25-27; Joel 2:28-32.
Wir müssen unterscheiden zwischen der "Wiedergeburt" ganz Israels, die erst in Zukunft stattfinden wird, und der Zeugung aus Gott von einzelnen Menschen. Im Folgenden versuchen wir zu belegen, dass es zur Zeit des "Alten Testamentes" durchaus schon Menschen gegeben hat, die aus Gottes Geist gezeugt wurden.
l. Musste nicht die Auferstehung Jesu Christi geschehen, bevor jemand aus Gott gezeugt werden konnte?
Dieser Einwand beruht auf 1.Petrus 1:3, wo es heißt: "Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns nach oben hin gezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus Toten."
Zuerst sei darauf hingewiesen, dass die Aussage von 1.Petrus 1:3 "Zeugung durch die Auferstehung" niemals die von zum Beispiel 1.Petrus 1:23 "Zeugung durch das Wort" aufhebt, sondern sie ergänzt. Wie wir in unseren früheren Untersuchungen gesehen haben, wird berichtet, dass ein Mensch aus Gott gezeugt wird durch: den Geist Gottes, Johannes 3:5-8, das Wort Gottes, Johannes 1:12; 1.Petrus 1:23; Jakobus 1:18, das Evangelium, 1.Korinther 4:15. Es gibt keine Schriftstelle, die darauf hinweist, dass es in der Zeit vor Jesus Christus nicht möglich gewesen sein sollte, das Wort Gottes aufzunehmen und so zum Kind Gottes zu werden, im Gegenteil:
Und er speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dich erkennen zu lassen, daß der Mensch nicht von Brot allein lebt. Sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht, lebt der Mensch. 5.Mose 8:3
Fanden sich Worte von dir, dann habe ich sie gegessen, und deine Worte waren mir zur Wonne und zur Freude meines Herzens. Jeremia 15:16.
Der Samen, der in den Menschen von Gott eingepflanzt wird, ist das "lebendige und bleibende Wort Gottes". Damit kann nicht nur das "Neue Testament" gemeint sein, denn auch die Worte der hebräischen Schriften werden nicht vergehen, wenn auch die Himmel und die Erde vergehen, Matthäus 5:18. Das ganze Wort Gottes ist lebendig und wirksam, Hebräer 4:12, vergleiche 5.Mose 32:47; Sprüche 4:13,20ff.
Was nun die Auferstehung Jesu Christi angeht, so darf sie wohl nicht so einfach zeitlich begrenzt gesehen werden. Jesus sagt noch während der Zeit vor der Auferstehung: "Ich bin die Auferstehung und das Leben" (Johannes 11:25). In diesem Zusammenhang ist besonders bedeutsam, dass Jesus in Seinem Gespräch mit N1 kodemus über die Zeugung aus Gott sagt:
Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur Der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist. Johannes 3:13; Menschwerdung und Auferstehung des Wortes Gottes.
Dies ist eine Anspielung nicht nur auf Sprüche 30:4, sondern auch auf:
Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und ist nicht fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen könntest: Wer wird für uns hinaufsteigen und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Und es ist nicht jenseits des Meeres, dass du sagen könntest: Wer wird für uns jenseits des Meeres hinübergehen und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? sondern sehr nahe ist dir das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen, um es zu tun. 5.Mose 30:11-14
Der Apostel Paulus erklärt in Römer 10:6-9, dass hiermit die Auferstehung Jesu Christi gemeint ist. Dieselbe Kraft, die den Herrn Jesus aus Toten auferweckte, war schon damals durch sein lebendiges und bleibendes Wort wirksam.
Es liegt nahe, hier eine Parallele zur Sündenvergebung zu ziehen. Dass schon lange vor dem Kreuztod Jesu verschiedenen Menschen Sünden vergeben wurden, steht außer Zweifel. Diese Vergebung wurde einzig und allein durch das Opfer Jesu Christi ermöglicht, das sozusagen in die Vergangenheit hinein (aus menschlicher Sicht) wirksam wurde:
Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden. Römer 3:25
Für Gott, den "über" Raum und Zeit Seienden, bestehen die Schwierigkeiten nicht, die wir als Geschöpfe in Raum und Zeit haben. In seinem Ratschluss hatte er seinen Sohn schon vor ewigen Zeiten als fehlerloses Opferlamm zuvorerkannt, wenn er auch erst am Ende der Zeiten offenbart worden ist, 1.Petrus 1:19-20.
Damit hängt zusammen, dass von zukünftigen Dingen in Gottes Wort oftmals so gesprochen wird, als seien sie schon geschehen. Der Grund dafür ist, daß. wenn Gott etwas als seinen Ratschluss verkündigt, niemand das Eintreffen seines Wortes verhindern kann, Jesaja 55:11. So kann Jesus auch sagen: "Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen", Lukas 10:18, obwohl dieses Ereignis für uns noch in der Zukunft liegt, Offenbarung 12:9.
2. Wir finden eindeutige Kennzeichen der Zeugung aus Gott bei Menschen aus der Zeit vor der Auferstehung Jesu
Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, so erkennt, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, aus ihm gezeugt ist. 1.Johannes 2:29
Und was soll ich noch sagen? Denn die Zeit würde mir fehlen, wenn ich erzählen wollte von Gideon und Barak und Simson und Jephta, und David und Samuel und den Propheten, welche durch Glauben Königreiche bezwangen, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten ... Hebräer 11:32-33
Das Tun von Gerechtigkeit ist ein Kennzeichen des aus Gott Gezeugten. Wir sind also gezwungen, zu schlussfolgern, dass die genannten Glaubenshelden aus Gott gezeugt waren. Auch Abraham ist hier zu nennen, dem sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wurde, Römer 4:3, der sogar der Vater aller Gläubigen genannt wird, Galater 3:7,8; Römer 4:11,16-17.
Es sei denn, dass jemand aus Wasser und (zwar aus) Geist gezeugt werde, so kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen. Johannes 3:5
Demzufolge müssen Abraham, Isaak und Jakob aus-Gott gezeugt worden sein, denn sie gehen in das Königreich ein:
... wenn ihr sehen werdet Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Königreiche Gottes ... Lukas 13:28
Wir meinen, dass aus dem Dargelegten deutlich wird, dass es bereits vor der Zeit Jesu Christi Menschen gegeben hat, die aus Gott gezeugt worden sind.
Die Eroberung Kanaans durch Israel
Karel Claeys und Armin Held
Oft bezichtigt man Gott der Grausamkeit, weil er Israel befahl, ganze Völker auszurotten. Man bezieht sich dabei unter anderem auf folgende Schriftstellen:
Jedoch von den Städten dieser Völker, die der HERR, dein Gott, dir als Erbteil gibt, sollst du nichts leben lassen, was Odem (wörtlich: Erkenntnisgeist, hebräisch nöschamah) hat; sondern du sollst sie gänzlich verbannen (charam): die Hethiter und die Amoriter, die Kanaaniter und die Perisiter, die Hewiter und die Jebusiter, wie der HERR, dein Gott, dir geboten hat; auf dass sie euch nicht lehren, zu tun nach allen ihren Greueln, die sie ihren Göttern getan haben, und ihr nicht sündigt gegen den HERRN, euren Gott. 5.Mose 20:16-18
Vergleiche auch: 4.Mose 21:2ff; 5.Mose 13:13-19; Josua 10:28-40; Richter1:17; 21:11ff; 1.Samuel 15:3; 1.Könige 20:4.
Über die Befolgung dieses Gebotes lesen wir zum Beispiel beim Fall der Stadt Jericho:
Da stürzte die Mauer an ihrer Stelle ein, und das Volk stieg in die Stadt hinein, ein jeder gerade, vor sich hin, und sie nahmen die Stadt ein. Und sie verbannten (charam) alles, was in der Stadt war, vom Manne bis zur Frau, vom Knaben bis zum Greise, und bis zu den Rindern und dem Kleinvieh und Eseln, mit der Schärfe des Schwertes. Josua 6:20-21
Genau so sollten die Israeliten gegen alle jene Städte verfahren, die sich im Lande Kanaan befanden, also in dem Erbteil, das Gott Israel gab, um darin zu wohnen. Bei den anderen Städten, die außerhalb des verheißenen Landes lagen, sollten sie anders verfahren: zuerst sollten sie den Einwohnern nämlich Frieden anbieten, und erst wenn sie dieses Angebot ablehnten, sollten sie alles Männliche schlagen:
Wenn du dich einer Stadt näherst, um gegen sie zu kämpfen, dann sollst du ihr zunächst Frieden anbieten. Und es soll geschehen, wenn sie dir friedlich antwortet und dir öffnet, dann soll alles Volk, das sich darin befindet, dir zur Zwangsarbeit unterworfen werden und dir dienen.
Und wenn sie mit dir nicht Frieden schließt, sondern Krieg mit dir führt, dann sollst du sie belagern. Und gibt der HERR, dein Gott, sie in deine Hand, dann sollst du all ihre Männlichen mit der Schärfe des Schwertes erschlagen. Doch die Frauen und die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, all ihre Beute, sollst du für dich rauben. Und du sollst von der Beute deiner Feinde essen, die der HERR, dein Gott, dir gegeben hat.
So sollst du mit allen Städten tun, die weit von dir entfernt sind, die nicht von den Städten dieser Nationen hier sind. 5.Mose 20:10-15
Sie sollten diese Städte also nicht verbannen, selbst wenn sie mit einer von ihnen Krieg führten (was nötig werden konnte, wenn sie von außerhalb angegriffen wurden). Man beachte diesen Unterschied im Vorgehen innerhalb und außerhalb des Verheißenen Landes! Um nun die Frage zu beantworten, ob die Ausrottung der Völker eine grausame Forderung Gottes war, müssen wir mehrere Dinge untersuchen:
Zum einen stellt sich die Frage, woher die zu vertilgenden Völker eigentlich stammen und was ihre Wesensart war. Zum anderen wird es unentbehrlich sein, die Bedeutung der Begriffe "verbannen" und "Bann" genau zu untersuchen. Zunächst wollen wir jedoch versuchen, die Ausrottung der Völker im Gesamtzusammenhang mit der Feindschaft zwischen dem Samen der Schlange und dem der Frau zu betrachten, wie sie in Genesis 3:15 vorhergesagt wird.
Der Same der Schlange und der Same der Frau
Nach dem durch Satan herbeigeführten Fall Adams sprach Gott die folgenden prophetischen Worte zu der Schlange, also dem Teufel:
Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er (der Samen der Frau) wird dir den Kopf zermalmen, du aber, du wirst ihm die Ferse zermalmen. Genesis 3:15
Der biblische Begriff "Samen" (hebräisch zära) kann einen biologischen oder aber auch einen geistigen Abkömmling bezeichnen. Im biologischen Sinne in Bezug auf Menschen, bedeutet "Samen" also:
die leiblichen Nachkommen einer bestimmten Person
die von einer bestimmten Person ausgehende Keimbahn
das Endziel einer solchen Keimbahn.
Von einem geistigen Samen wird zum Beispiel hier ganz deutlich gesprochen:
Denn ihr seid nicht wiedergezeugt aus vergänglichem Samen, sondern aus unvergänglichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes. 1.Petrus 1:23
So sind bezüglich Abraham zwei Arten von "Samen" zu unterscheiden: Der biologische Samen wird verglichen mit dem Staub der Erde, Genesis 13:16 (die Israeliten?) bzw. mit dem Sand am Ufer des Meeres (wozu auch die vielen anderen nichtisraelitischen Nationen zählen?), dies sind die leiblichen Nachkommen Abrahams, Johannes 7:42; 8:33; Apostelgeschichte 7:6; Römer 9:27; 11:29. Der geistliche Samen Abrahams, Galater 3:9, dagegen wird verglichen mit den Sternen des Himmels, Genesis 15:5; 22:17; 26:4. Zusammen werden die beiden Arten von Samen - irdischer und himmlischer - erwähnt in:
Ich werde dich (Abraham) reichlich segnen und deinen Samen sehr mehren, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist. Genesis 22:17
Der geistige Samen sind diejenigen Personen, deren geistige Wesensart von jemandem (in diesem Fall Abraham) geprägt worden sind. Lesen wir dazu:
Denn so viele euer bis in Christus hinein getauft worden sind, ihr habt Christus angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Samen ... Galater 3:27-29
Zusammenfassend können wir also sagen, dass man zwischen zwei Arten von Samen unterscheiden kann, nämlich einem biologischen und einem geistigen, wobei diese sich natürlich überschneiden können.
Der Same der Frau
Wir können hier ohne Schwierigkeiten unterscheiden zwischen:
allen Nachkommen von Adam und Eva
der Keimbahn, die von Adam und Eva ausgehend zielgerichtet bis zum Endziel, Jesus Christus, hin verläuft
Jesus Christus selbst, dem Endziel der Keimbahn
Der Same der Schlange
Wie wir bereits in "Krieg im Paradies" dargelegt haben, ist die "Schlange" kein Tier, sondern der Satan, siehe Offenbarung 12:9; 20:2. Demnach ist es naheliegend, bei dem "Samen der Schlange" zunächst nicht an einen biologischen, sondern vielmehr an einen geistigen Samen zu denken, da der Satan kein irdisch-biologisch bedingtes Geschöpf, sondern ein Geistwesen ist. So wie es geistigen Samen Gottes, Römer 9:8, und geistigen Samen Abrahams gibt, Galater 3:29, so gibt es auch geistigen Samen des Satans! In Johannes 8 lesen wir, dass einige Juden zu Jesus sagten: "Wir sind Abrahams Same ...", Vers 33. "Abraham ist unser Vater", Vers 39. Sie verwiesen also auf Abraham, ihren Stammvater in biologischer Sicht. Jesus entgegnete ihnen:
Wenn ihr Abrahams Kinder wäret (also im geistigen Sinne!), so würdet ihr die Werke Abrahams tun. Jetzt aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der die Wahrheit zu euch geredet hat ... das hat Abraham nicht getan.
Ihr tut die Werke eures Vaters. ... Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben ... Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun ... Johannes 8:39-44
Auch den Zauberer Elymas nennt Paulus einen "Sohn des Teufels", Apostelgeschichte 13:10. Noch deutlicher wird der Same der Schlange in Matthäus 23:33 bezeichnet, wo Jesus die Schriftgelehrten und Pharisäer "Schlangen! Otternbrut!" nennt, Matthäus 3:7; 12:24.
Nun sind aber nicht nur Menschen im geistigen Sinne Same bzw. Söhne des Satans, sondern wahrscheinlich auch alle jene Geistwesen (Engel), die dem Satan angehören, dem Fürsten der Gewalt der Luft, Epheser 2:2. Wenn die alte Schlange, der Satan, einmal aus den Himmeln auf die Erde niedergeworfen werden wird, wird zugleich auch sein geistiger Same mit ihm niedergeworfen:
Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel; und sie bekamen nicht die Übermacht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden. Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen. Offenbarung 12:7-9
Demnach kann man unter dem "Samen der Schlange" alle jene verstehen, die unter der Inspiration und der Gewalt des Satans stehen, und zwar sowohl Menschen, als auch Engelwesen, nämlich die mit dem Satan in Sünde gefallenen Geistwesen, die Mächte der Finsternis. Nun sagt Genesis 3:15 eine andauernde Feindschaft zwischen dem Samen der Frau und dem Samen der Schlange voraus. Darüber hinaus prophezeit dieser Text auch den Ausgang dieser langen Feindschaft: Die Schlange wird zwar die Ferse des Samens der Frau (Jesus) zermalmen (oder "packen"), doch der Samen der Frau, der am Kreuz sterbende Jesus, wird gerade dann den Kopf der Schlange (des Satans) zermalmen (oder "packen"). Er wird also sämtliche Pläne des Teufels, mit denen er die Heilswelt Gottes zerstören will, vereiteln. Am Kreuz wird demnach der Sieg des Samens der Frau über die Schlange errungen. Alle Anschläge des Widersachers Gottes werden hier zunichte, weil auf Gotgotha Christus "alles" (oder "das All", griechisch "ta pánta) mit dem Vater versöhnte und somit Frieden gemacht hat durch das Blut Seines Kreuzes, Kolosser 1:20.
Von daher ist verständlich, warum der Teufel und seine Engel mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Kommen des Samens der Frau verhindern wollten. Von dem ersten Versuch, der Ermordung Abels durch Kain, bis hin zum Kindermord in Bethlehem, ja sogar bis hin zu der Aufforderung, Jesus möge doch vom Kreuz herabsteigen, ist diese Feindschaft zwischen dem Samen der Schlange und dem Samen der Frau deutlich ersichtlich. Nach der Ermordung Abels durch Kain, der aus dem Bösen war, 1.Johannes 3:12, gab Gott der Eva einen Ersatz:
Und Adam erkannte abermals seine Frau, und sie gebar einen Sohn und gab ihm den Namen "Seth = Ersatz", "denn (so sprach sie) Gott hat mir einen anderen Samen gesetzt an Stelle Abels, weil Kain ihn erschlagen hat." Genesis 4:25
Über den nächsten Angriff von Satans geistigem Samen berichtet das sechste Kapitel der Genesis, des ersten Mosebuches, das wir im Folgenden untersuchen wollen.
Die Söhne Elohims
Diesen Ausführungen liegen zugrunde: "Von Adam bis Henoch", "Die Sintflut" und "Die Riesen" von Karel Claeys. Lesen wir zunächst:
Und es geschah, als (das Geschlecht von) Adam (ha-adam) anfing, sich zu mehren auf der Oberfläche des (fruchtbaren) Erdbodens und ihm Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Elohims, dass die Töchter (des Geschlechtes) Adams brauchbar (tob = gut, zweckmäßig) waren, und sie nahmen für sich Frauen von allen (jenen), welche sie prüfend auswählten.
Und hierauf sprach der HERR: "Mein Lebensgeist (ruach) soll nicht für (diese) Weltzeit (olam) in dem Menschen (das heißt im Geschlecht Adams) bleiben, (und zwar deshalb), weil er in den Abirrungen Fleisch ist, (darum) seien seine Tage (noch) 120 Jahre.
In jenen Tagen waren auch die "Nephilim" (= "Gefallenen", meist mit "Riesen" übersetzt) im Lande (ba-aräts), und auch nachher (also nach der Sintflut?), als die Söhne Elohims zu den Töchtern (des Geschlechtes) Adams eingingen und (diese) ihnen (Kinder) gebaren; das sind die Helden, welche aus der (damaligen) Weltzeit her (kamen): Es waren Männer mit (großen) Namen.
Nun sah der HERR, dass die Bosheit (des Geschlechtes) der Adamiten sich auf dem Lande vervielfacht hatte, und jedes entwerfende Planen der Gedanken seines Innern den ganzen Tag (jom) hindurch böse war. Und es tat dem HERRN leid, dass er (das Geschlecht) Adams im Land zubereitet hatte und er grämte sich in seinem Herzen.
Und das Land (das heißt die Bevölkerung des Landes) hatte sich vor Gott verderben lassen, und das Land wurde voll von Gewalttat. Genesis 6:1-6
Wer oder was sind nun die "Nephilim = Gefallenen" und die "Söhne Elohims = Gottes", von denen erstere abstammen? Die Frage, wer die Söhne Elohims waren, beschäftigte seit den Anfängen der Kirchengeschichte bis heute die Ausleger. Die einen vermuten, dass die Gottessöhne "Glieder der besseren sethitischen Menschheit", die anderen, dass sie Engel gewesen seien. Diese Frage kann nach Gerhard von Rad "als endgültig entschieden betrachtet werden". Er schreibt: "Die böne-ha-älohim (die Söhne Elohims), die hier in Genesis 6 den Menschentöchtern gegenübergestellt werden, sind Wesen der oberen himmlischen Welt. Das "ben" (= Sohn) will sie allgemein als zugehörig zu der Elohimwelt bezeichnen" (G.v.Rad in ADT Seite 93). Mit "Elohimwelt" meint von Rad jene geistigen Mächte wie Fürstentümer, Gewalten, Kosmokratoren, die sich in den "Himmeln", also den unsichtbaren Wirklichkeiten, befinden. Sie gehören entweder zu den Geistmächten des Lichtes, oder zu denen der Finsternis, vergleiche Epheser 1:21; 2:2-3; 6:12.
Genesis 6 berichtet somit von einem verheerenden Angriff des Samens der Schlange auf den Samen der Frau. Die gefallenen Engel gingen ein zu dem Samen der Frau, zu den Töchtern Adams, und diese gebaren ihnen ein Geschlecht von Riesen, hebräische nehphilim:
Diese waren die Helden, welche aus der damaligen Wettzelt her kamen. Es waren Männer mit Namen. Genesis 6:4
Nachdem wir also gesehen haben, dass die "Söhne Elohims" nur gefallene Engel gewesen sein können, stellt sich die Frage, was sie dazu trieb, mit Frauen, also irdischen Wesen, eine geschlechtliche Verbindung einzugehen. Eine nochmalige und genaue Betrachtung von Genesis 6:2 kann uns der Antwort näherbringen:
Da sahen die Söhne Elohi'ms, dass die Töchter (des Geschlechtes) Adams brauchbar (tob) waren, und sie nahmen für sich Frauen von allen (jenen), welche sie prüfend auswählten. Genesis 6:2
Fast alle Bibelübersetzungen übertragen das hier verwendete Wort "tob" mit "schön". Dadurch wird der Eindruck erweckt, als seien die Geistwesen über die Schönheit der Töchter Adams in Entzückung geraten, so dass ihr Eingehen zu ihnen durch sexuelle Gelüste motiviert gewesen wäre. Dies entspricht jedoch garnicht der Natur von Geistwesen, die, wie Jesus bezeugt, ungeschlechtlich sind:
Denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel im Himmel. Matthäus 22:30
Das hebräische Wort für "schön" ist jedoch nicht "tob", sondern "japhä", siehe zum Beispiel Genesis 12:11,14; 24:17; 1.Samuel 16:12; 2.Samuel 13:1; 14:25; Hohelied 1:8; Sprüche 11:22. Der Sinngehalt von "tob" dagegen ist: "gut", "brauchbar", "zweckmäßig", "erforderlich" und "nützlich". Hier einige Beispiele:
So ist es nun besser (tob), dass du (David) uns von der Stadt aus zum Beistande bist. 2.Samuel 18:3
Es ist gut, meine Tochter, dass du mit seinen Mägden ausgehst, dass man dich nicht anfalle auf einem anderen Felde. Ruth 2:22
Denn es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. Exodus 14:12
Und Gott sah, dass das Licht gut (brauchbar, zweckmäßig) war. Genesis 1:4
Die Frage, wozu die Tochter des Geschlechtes Adams für die gefallenen Engel brauchbar, erforderlich oder nützlich waren,lässt sich aus dem bisher besprochenen Gesantzusammenhang gut verstehen: Es ging darum, das Kommen des verheißenen Samens zu verhindern, der ja den Kopf der Schlange zermalmen sollte. Deswegen sollte die zu ihm hinführende Keimbahn vernichtet, unbrauchbar gemacht werden, wozu die Töchter des Geschlechtes Adams "dienlich" gemacht werden konnten.
Das Eingehen der Söhne Elohims zu den Töchtern Adams
Es erhebt sich nun die Frage, wie geistleibige Wesen, die doch immateriell sind, mit Frauen eine geschlechtliche Verbindung eingehen konnten. Hierzu müssen wir auf die Geistleibigkeit näher eingehen. Im Gegensatz zu den irdischen, materiell, biologisch bedingten Körpern, sind die "überhimmlischen" Geistleiber, l.Korinther 15:40, nicht den materiellen und biologischen Gesetzen unterworfen. Sie sind völlig anders beschaffen und gehören einer ganz anderen Welt an. Ein solcher Leib besteht nicht aus Atomen und Molekülen, sondern aus einer bestimmten, von Gott zugeteilten Fülle von "transzendenter", besser "überhimmlischer" Kraftauswirkung. Es handelt sich also um eine Kraft, die nicht in den Bereich unserer "diesseitigen" physikalischen Schöpfung gehört. Dennoch vermögen diese Geistwesen aufgrund ihrer Kraftpotenz auch auf die materielle Welt einzuwirken, indem sie zum Beispiel die Gestalt und das Wirkungsvermögen von Materieteilchen und -wellen annehmen können. Aus diesem Grund ist es solchen Wesen möglich, "Wunder" in der diesseitigen Schöpfung zu vollbringen, vergleiche 2.Thessalonicher 2:9; Matthäus 24:24; Apostelgeschichte 13:14; 16:14; 19:20; 2.Korinther 11:14 usw.
In der Bibel ist auch des öfteren von Engeln die Rede, die in menschenähnlicher Gestalt erschienen, vergleiche Genesis 18:8; Richter 12:16; Apostelgeschichte 1:10. Das Eingehen von "Söhnen Gottes" zu den Töchtern Adams ist demnach ein geradezu typisches Beispiel für die Materialisation von Geistwesen auf unserer Erde. Im Neuen Testament wird dieses Geschehen im Judasbrief erwähnt:
Und Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung (oikätärion) verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit äonischen Ketten in Finsternis verwahrt. Judas 6
Wir sehen deutlich, dass der Begriff "oikätärion" hier auf eine Leiblichkeit himmlischen Ursprungs und geistiger Beschaffenheit hinweist, vergleiche 1.Korinther 15:40.48; 2.Korinther 5:2. Noch zwei weitere Bibelstellen verweisen auf die Zeit, in der die gefallenen Engel ihre Behausung verließen, um zu den Töchtern Adams einzugehen, nämlich:
Denn es ist auch Christus ... lebendig gemacht nach dem Geist, in welchem er auch hinging und den Geistern im Gefängnis verkündigte (kerýsso), die einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde ... 1.Petrus 3:18-20
Denn wenn Gott Engel, die gesündigt hatten, nicht verschonte, sondern sie in finstere Höhlen des Abgrundes hinabgestürzt und zur Aufbewahrung für das Gericht überliefert hat, und (wenn) er die alte Welt nicht verschonte, sondern (nur) Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, als achten (neben sieben anderen) bewahrte, als er die Flut über die Welt der Gottlosen brachte ... 2.Petrus 2:4,5
Beide Stellen zeigen klar, dass "in den Tagen Noahs" Engel sündigten, während gleichzeitig die Gottlosigkeit zunahm. Diese Geistwesen hatten also ihre "Behausung", das heißt die Geistleibigkeit verlassen, um zu den Töchtern des Geschlechtes Adams einzugehen. Der Satan wollte hierdurch den Samen der Frau völlig verderben. Im folgenden Abschnitt wollen wir betrachten, was die unmittelbaren Folgen waren, und wie Gott auf diesen Angriff des Samens der Schlange reagierte, um seinen Plan dennoch zu verwirklichen.
Die Nephilim und die Sintflut
In jenen Tagen waren auch die "Nephilim" im Lande, und auch nachher, als die Söhne Elohims zu den Töchtern des Geschlechtes Adams eingingen und (diese)ihnen gebaren: das sind die Helden, welche aus der (damaligen) Weltzelt her (kamen): Es waren Männer von Namen. Genesis 6:4
Auf das Eingehen der gefallenen Engel zu den Töchtern Adams hin gebaren ihnen diese, nämlich die "Nephilim", die "Helden" (hebr.gibbor), die überlegenen Starken jener Tage. E.Kalt schreibt in "Herders Bibelkommentar" Freiburg 1948 Seite 53:
"Es waren nicht Menschen von märchenhafter Größe, sondern Männer "hoch an Wuchs und kundig des Krieges" (Bar 3:26). Jesus Sirach (16:7) und das dritte apokryphe Makkabäerbuch (2:4) bezeichnen sie als Kraftmenschen, die im Bewusstsein ihrer körperlichen Stärke sich auch gegen Gott aufgelehnt haben."
Wie stark, groß und intelligent die "Nephilim" auch gewesen sein mögen, aus der Perspektive der Heilsgeschichte waren sie trotzdem Fehlgeburten, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dies zeigt uns die Herkunft des Wortes "Nephilim", das nämlich von dem Tätigkeitswort "naphal" abgeleitet ist, welches "fallen" bedeutet. Es wird auch für "gebären" gebraucht, doch mit Bedeutung "einer im Gegensatz zum regelmäßigen Naturprozesse stehenden Geburt" (GHAT 512). Demgemäß bedeutet die Einzahlform "nephäl = vorzeitige Geburt, Fehlgeburt" (GHAT 513, KBL 626). So bezeichnet schließlich Ludwig Koehler in KBL S.624 die "nöphilim" als "übermenschliche Wesen, die aus Fehlgeburten hervorgehen".
Die Folge dieses Eingreifens von gefallenen Engeln war zum einen, dass das Land, das heißt die Bevölkerung des Landes, sich vor Gott verderben ließ und das Land voll von Gewalttat wurde, Genesis 6:11. Es fand also ein geistiger Niedergang statt, "denn alles Fleisch hatte verursacht, dass sein Weg auf dem Land verderbt war", Genesis 6:12. Zum anderen ist aber ganz deutlich, dass der "Samen der Frau" nicht nur geistlich verdorben wurde, sondern auch biologisch. Die "Kinder", die die Töchter des Geschlechtes Adams den "höhnen Elohims" gebaren, waren "Nephllim", also Fehlgeburten, die sich auch durch Riesenwuchs deutlich von normalen Menschen unterschieden haben müssen:
Auch haben wir dort (im Lande Kanaan) die "Nephilim" gesehen, die Kinder Enaks, von den "Nephilim"; und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken, und also waren wir auch in ihren Augen. 4.Mose 13:33
Man denke auch an die riesenhaften Söhne von Rapha, darunter war ein Mann mit sechs Fingern (2.Samuel 21:16-22). Demnach war durch die Vereinigung des Samens der Schlange mit dem der Frau die Erbmasse der Nachkommen Adams verdorben worden. Dies geschah, indem die von den satanischen Mächten festgelegte Erbinformation auf den Genbestand der Töchter Adams übertragen wurde. Der Anschlag des Teufels schien vollkommen gelungen zu sein, so lesen wir:
Und Gott sah das Land an. und siehe, es hatte sich verderben lassen» denn alles Fleisch hatte verursacht, dass sein Weg auf dem Lande verderbt war. Genesis 6:12
Es gab nur eine einzige Ausnahme: Noah allein war unversehrt geblieben:
... Noah war ein gerechter Mann, makellos (oder: unversehrt, hebräische tamid) inmitten seiner Generation; Noah wandelte mit Gott. Genesis 6:9
Die zum verheißenen Samen hinführende Keimbahn verlief nur noch über diesen einzelnen, unversehrten Menschen, innerhalb eines gänzlich verderbten adamitischen Geschlechtes. Eine weitere Vermischung der Nachkommen Noahs mit den Adamiten hätte auch diese zielgerichtet zu Jesus hinführende Keimbahn verdorben!
Zur Errettung der gesamten gefallenen Welt, die ja durch Jesus Christus geschehen sollte, war damit die Ausrottung des adamitischen Geschlechtes im ganzen Land Mesopotamien notwendig geworden, was durch die Sintflut dann auch tatsächlich geschah. Nur ein äußerst geringer, makellos gebliebener Rest - Noah und seine Familie - wurde durch die Arche gerettet!
Auf diese Art und Weise blieb aber auch die auserwählte Keimbahn unversehrt. Sie verlief nun von Noah über Sem, Arpaksad bis hin zu Abraham weiter, um schließlich in Jesus ihr Endziel zu erreichen. Dieses Geschehen macht ein weiteres Mal deutlich, dass die Gerichte Gottes eigentlich immer Rettung zum Ziel haben.
DIE NEPHILIM NACH DER SINTFLUT
Im Lande Mesopotamien waren zwar sämtliche Nephilim oder Riesen durch die Sintflut umgekommen. Die Bibel lehrt aber, dass auch nach der Sintflut noch Nephilim existierten:
In jenen Tagen waren die Nephilim im Lande - und auch nachher ... Genesis 6:4
Also auch nach der Sintflut gab es Nephilim im Lande! Dies ist eigentlich nicht anders zu erklären, als dass ein Teil der Nephilim schon vor der Sintflut in andere Länder ausgewandert war, so dass er außerhalb von Mesopotamien dem Strafgericht der Flut entkam. Wie wir später sehen werden, müssen sie besonders nach Nord-Westen gezogen und später im Lande Kanaan seßhaft geworden sein. Wahrscheinlich wanderte nach der Sintflut ein Teil der entkommenen Nephilim aus den umliegenden Ländern wieder zurück nach Mesopotamien und war somit "auch nachher im Lande". Schon sehr früh müssen Nephilim nach Palästina, das spätere verheißene Land, gezogen sein, denn in Genesis 14:5 lesen wir, dass die mit großer Sicherheit von den Nephilim abstammenden Rephaim durch den Feldzug von Kedorlaomer geschlagen wurden. Später, aber immerhin noch vor der Landeinnahme durch Israel, wurden weitere Nachkommen der Nephilim im Lande Kanaan durch die Moabiter und Ammoniter vertilgt (5.Mose 2:10-12,20-21).
xxx
Iker vertilgten aber nur die "Riesen" östlich des Jordan. West-Diese Völ JorDaniel dagegen hatten die Nephilim sich nicht nur stark verlieh des pndern sich auch so sehr mit der dortigen Bevölkerung vermischt, mehrt, sdqch Zustände entstanden, wie so vor der Sintflut im Lande Meso-dass ähnT herrschten. Es ist deswegen nicht verwundert ich, dass die israe-potamienn Kundschafter (mit Ausnahme von Josua und Kaleb) das verheis-litischer'd folgendermaßen schilderten:
11 sene Lan<f
&e 13:32,33 4. Wof——————
——^|as Land, welches wir durchzogen haben, um es auszukundschaften,
··· ^ein Land (= hat eine Bevölkerung), das seine Einwohner frißt;
32
ist ^Hes Volk, das wir darin aesehen haben, sind Leute von hohem und <se;
wuch^ haben wir dort die NephiHm gesehen, die Kinder Enaks, von den auch i "lim; und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken ... Neoh'
33
e:"anes Volk ... sind Leute von hohem wüchse" zeigen deutlich.
Die Wortyermischung zwischen den Nephilim und der dortigen Bevölkerung dass die ^ehr weit fortgeschritten war. Als nun die Kinder Israels das bereits ^e Land in Besitz nehmen sollten, drohte eine erneute Vermisch-verheiße^amens der Frau mit jenem der Schlange. Aus diesem Grund er-ung des .rael von Gott den Auftrag, diese drohende Gefahr zu verhindern, hielt ist durch Ausrottung der durch die NephiHm entarteten und verdor-und zwar^er bei der Inbesitznahme des Landes. Man beachte, dass die benen Vöpn nicht eigenmächtig handelten, sondern dass vielmehr ein Auf-Israelit^es vorlag - er übernahm die Verantwortung für die Ausmerzung trag Götzen Völker. der frem^
DIE verantwortung ISRAELS ALS heiligES VOLK
gesehen haben, hatte die Ausrottung der durch die Nephilim ver-Wie wir fvölker eine entscheidende heilsgeschichtliche Bedeutung. Falls dorbenen^iiten Gottes Gebot ungehorsam wurden und die Mischbevölkerung die Isra^rotteten, machten sie sich mitschuldig an den Anschlägen des nicht au^gen Gottes Heilsplan. Israel war verantwortlich, eine heilige, Satans g^ abgesonderte Nation zu sein, und zwar nicht nur in Bezug auf das heißßsdienst, sondern auch was den biologischen Genbestand anaino. Den Gott^ dazu zum Beispiel:
Lesen wi<_ , . se 7:1-6
5.Mo^————
-—^Jahwäh, dein Gott, dich in das Land bringt, wohin du kommst,
1 Wennc m Besitz zu nehmen, und viele Nationen vor dir hinaustreibt:
um
eMethiter und die Girgasiter und die Amoriter und die Kanaani-die ^nd die Perisiter und die Hewiter und die Jebusiter, sieben ter (?nen, größer und stärker als du, Nati^ahwäh, dein Gott, sie vor dir dahingibt, und du sie erschlägst,2 und ^Hst du sie ganz und gar verbannen (hebr.charam); du sollst so sfen Bund mit ihnen machen, noch Gnade gegen sie üben. kein||u sollst dich nicht mit ihnen verschwägern: deine Tochter
3 Und ^t du nicht seinem Sohne geben', und seine Tochter sollst du soll
393
nicht für deinen Sohn nehmen;
4 denn sie würden deinen. Sohn von mir abwendig machen, dass sie anderen Göttern dienten; und der Zorn Jahwähs würde gegen euch entbrennen, und er würde dich schnell vertilgen. ...
6 Denn ein heiliges Volk bist du Jahwäh, deinem Gott; dich hat Jahwäh. dein Gott. erwählt. Ihm zum Eigentumsvolke zu sein aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind.
Israel musste heilig bleiben, denn es war von Gott dazu bestimmt, dass der Samen der Frau aus ihm hervorkommen sollte:
Johannes 4:22
... denn die Rettung ist aus den Juden.
Römer 9:4,5
... die Israeliten .... deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach der Christus ist ...
Israel wurde also in den Kampf zwischen Gott und dem Satan mit hineingenommen. "Israel" heißt wörtlich: "Gotteskämpfer"! wir wissen, dass alle, die als Diener, ja als Streiter Gottes berufen sind, seien es Geistwesen (zum Beispiel Michael und seine Engel, Offenbarung 12:7), seien es Menschen (zum Beispiel Timotheus, 2.Timotheus 3:5). gegen die Gewalten, gegen die.Weltbeherr-scher kämpfen, die der Herrschaft des Satans unterstehen. Auch hier, bei der Ausrottung der Völker, ging es nicht um einzelne Personen, sondern es ging um die Mitverantwortlichkeit Israels für das Kommen des Samens der Frau, der am Kreuz das A11 mit Gott versöhnen sollte.
Man könnte nun einwenden, das Gebot, die entarteten Völker auszurotten und sich unter keinen Umständen'mit ihnen zu verschwägern, sei eigentlich überflüssig gewesen, weil Gott ja in seiner Allmacht auch bei der schlimmsten Vermischung Israels mit dem Erbgut der Schlange die von ihm auserwählte Keimbahn tadellos und unversehrt hätte erhalten können. Das stimmt zwar, doch geht es hier auch um Israels Verantwortung, das das seine tun sollte, um heilig und unversehrt zu bleiben. Die ganze Heilsgeschichte hindurch ist es immer nur Gott, der seinen Plan in souveräner Weise durchführt. Alles ist sein Verdienst - er braucht keine Hilfe von Engeln oder Menschen. Aber er lässt seine Geschöpfe mit teilhaftig werden an Seinem Wirken und fordert - wie hier bei Israel - Mitverantwortlichkeit.
Doch leider kam Israel Gottes Geboten bei der Inbesitznahme des verheißenen Landes nur teilweise nach, siehe Josua 13:13; 15:63; 16:10;
17:18; Richter1:19-20. 28-36; 2:1-5; 3:1-7. Deswegen gab es noch bis in die Tage Davids hinein Nephilim im Lande Israel. zum Beispiel Goliath und dessen Brüder Jischbi-Benob, Saph (2.Samuel 21:16,18) und Sippai (l.Chroniken 20:4). Erst als David König geworden war, wurden diese "Riesen" endgültig ausgetilgt.
Es war also nicht Israels Verdienst, dass die Keimbahn unversehrt blieb, sondern es war das Verdienst Gottes, der Israel als mitverantwortlichen Streiter für die Verwirklichung Seines willens bestimmt hatte, aber dennoch allein alles nach dem Ratschluss Seines Willens bewirkte (Epheser 1:11).
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DIE VERBANNUNG DER VÖLKER DURCH ISRAEL
Nun bleibt immerhin der Einwand bestehen, dass es eine grausame Pflicht für Israel war, ganze Völker mit Frauen und unschuldigen Kindern zu toten. Eine gründliche Untersuchung dieses Geschehens ist also wirklich notwendig.
l. Die Bedeutung der Worte "Bann" und "verbannen*
Dem hebräischen Nomen "cheräm" = "Bann" liegt das Tätigkeitswort "cha" ram" zugrunde. Die Wurzel dieses Wortes bedeutet: "weihen", "abtrennen", und W.Gesenis (GHAT 259) deutet es als Bezeichnung für: "aus-" bzw. "einschließen". (Vergleiche arabisch: "Harem".) Im "Lexikon zur Bibel" (LZB 177) wird erläutert:
"Bannen bedeutet eine Person, ein Tier oder eine Sacharjae dem Verfügungsbereich des Menschen entziehen und der Gottheit zur Verfügung stellen oder weihen.. Das geschah in der Regel durch Vernichtung."
2. Bann und Sünde
An den meisten Stellen bezieht der Bann sich auf Sünde, das heißt also auf Ziel Verfehlung gegenüber Gott. Schon das erste Vorkommen des Wortes "verbannen" macht dies deutlich:
Exodus 22:20 Wer den Göttern opfert außer Jahwäh allein, soll verbannt werden.
Die beiden vorhergenden Verse zeigen, dass damit die Tötung gemeint war. Auch die folgenden Stellen zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Bann und "Sünde" bzw. "Greueln":
l.Samuel 15:18
Und Jahwäh hat dich (Saul) auf den Weg gesandt und gesagt:
Ziehe hin und verbanne die Sünder, die Amalekiter, und streite wider sie, bis du sie vernichtet hast.
5.Mose 7:26
Und du sollst keinen Greuel in dein Haus bringen, sodass du ein Bann werdest gleich ihm; du sollst es ganz und gar verabscheuen und ei gänzlich für einen Greuel halten, denn es ist ein Bann.
3. Der Bann als Schutzmaßnahme
Dass der Bann eine Schutzfunktion hat, zeigen die häufigen Hinweise und Warnungen für den Fall des Unterlassens:
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5.Mose 7:2,4
Und wenn Jahwäh, dein Gott, sie vor dir dahingibt, und du sie schlägst, so sollst du sie ganz und gar verbannen; du sollst keinen Bund mit ihnen machen, noch Gnade gegen sie üben. Denn sie würden (oder: werden) deinen Sohn von mir abwendig machen, dass er anderen Göttern dient; und der Zorn Jahwähs würde wider euch entbrennen, und er würde dich schnell vertilgen.
5.Mose 20:18
... auf dass sie euch nicht lehren, zu tun nach allen ihren Greueln, die sie ihren Göttern getan haben, und ihr nicht sündiget wider Jahwäh, euren Gott.
3. Der Bann als Akt des Gehorsams
Selbst wenn man einsieht, dass der Bann sich gegen Sünde richtet und eine Schutzmaßnahme darstellte so bleibt doch ein gewisser Widerwillen und ein Unverständnis gegenüber dem Bann bestehen. Anhand von zwei Beispielen aus der Bibel wollen wir zeigen, dass dies nicht nur für die heutige Zeit gilt. Schon in der Zeit des Alten Testamentes war es notwendig, großen Nachdruck auf die genaue Befolgung des Befehles Jahwähs zu legen, den Bann gewissenhaft und umfassend auszuführen:
l.Samuel 15:2,3,7-11
2 So spricht Jahwäh der Heerscharen: ich habe angesehen, was Amaiek gegen Israel getan, wie er sich ihm in den Weg gestellt hat, als es aus Ägypten heraufzog.
3 Nun ziehe (du Saul) hin und schlage Amaiek, und verbanne alles was er hat, und schone seiner nicht; und töte vom Manne bis zum Weibe, vom Kinde bis zum Säugling, vom Rinde bis zum Kleinvieh, vom Kamel bis zum Esel.
7 Und Saul schlug die Amalekiter von Hawila an bis nach Sur hin, das vor Ägypten liegt.
8 Und er ergriff Acag, den König der Amalekiter, lebendig; aber das ganze Volk verbannte er mit der Schärfe des Schwertes.
9 Und Saul und das Volk verschonten Agag und das Beste vom Klein-und Rindvieh und die Tiere vom zweiten Wurf und die Mastschafe und alles was gut war, und sie wollten sie nicht verbannen; alles Vieh aber, das gering und schwächlich war, das verbannten sie.
10 Da geschah das Wort Jahwähs zu Samuel also:
11 Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich hinter mir abgewandt und hat meine Worte nicht erfüllt. ...
Es erschien dem Volk und seinem König Saul, wohl unsinnig, das gute Vieh einfach zu vernichten. Sie meinten, es besser zu wissen als Gott und wollten ihm von den im Ungehorsam am Leben gelassenen Tieren Opfer darbringen. Die Antwort, die Gott dem Saul durch Samuel überbringen lässt, zeigt jedoch, wie ernst Gott den Bannbefehl meinte und welch schlimme Folgen es hat, dem Worte Gottes ungehorsam zu sein:
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l.Samuel 15:22,23
22 Hat Jahwäh Lust an Brandopfern und Schlachtopfern, wie daran, dass man der Stimme Jahwähs gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer. Aufmerken ist besser, als das Fett der Widder.
23 Denn (wie) Sünde der Wahrsagerei ist Widerspenstigkeit,
und der Eigenwille (oder: die Widersetzlichkeit)(wie) Abgötterei und Götzendienst (wörtlich: Teraphim). Weil du das Wort Jahwähs verworfen hast, so hat er dich verworfen, dass du nicht mehr König seiest.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich, als der König von Israel, Ahab, den König von Syrien, Ben-Hadad gefangennahm. Anstatt ihn jedoch zu töten "machte er einen Bund mit ihm und ließ ihn ziehen" (l.Kon 20:34). Darauf sandte Gott einen Propheten zu ihm und sprach:
l.Kon 20:42
... Weil du den Mann, den ich verbannt habe, aus der Hand entlassen hast, so soll dein Leben statt seines Lebens sein und dein Volk statt seines Volkes!
Wir sehen also, dass der Bannbefehl einerseits auch bei den damaligen Menschen schon öfters auf Unverständnis und Ablehnung stieß (vergleiche die Symbolhandlung 1.Kon 20:35,36!). dass Jahwäh aber andererseits gros-sen Wert darauf legte, dass in jedem Fall seiner Stimme gehorcht wurde.
4. Das Verbannte als "Hochheiliges"
Dass das Verbannte "hochheilig", wört1ich:"Heniges von heiligen" ist, geht aus folgender Stelle hervor:
3.Mose 27:28,29
28 Jedoch alles Verbannte, das jemand dem Jahwäh verbannt, von allem was sein ist, es seien Menschen oder Vieh oder Feld seines Eigentums, soll nicht verkauft und nicht gelöst werden: alles Verbannte ist dem Jahwäh "hochheil ig"."
29 Alles, was an Menschen verbannt wird, soll nicht gelöst werden:
es soll gewisslich getötet werden.
"Heil igen" bedeutet buchstäblich: "etwas absondern für Gott". Demnach war der Bann etwas, das in ganz besonderem Maße abgesondert war für Gott, das heißt mit anderen Worten: das Verbannte sollte jeglichem Zugriff von Menschen entzogen werden. Dies sollte durch die vollkommene Vernichtung der irdischen Bestehensweise geschehen. Die verbannten Städte sollten völlig zerstört und durften nicht wieder aufgebaut werden. Es durfte kein Unterschied gemacht und kein Mensch gelöst werden! Dieses Töten ohne Unterschied ist äußerst ungewöhnlich und gibt uns einen Hinweis, dass die dem Bann verfallenen Menschen in ganz bestimmter Hinsicht von den anderen Menschen für Gott abgesondert waren. Um die-sen Vorgang genauer verstehen zu können, muss man die Umstände zur da-maligen Zeit kennen:
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Es war den Israeliten nicht erlaubt, irgendeinen Menschen aus eigenem Gutdünken heraus zu töten! (Exodus 20:14) Genausowenig war es erlaubt, sich zu rächen, wie uns folgende Stelle aus dem Neuen Testament lehrt:
Römer 12:19,20
19 Rächt euch nicht selbst. Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn, denn es steht geschrieben: "Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr" (5.Mose 32:35!)
20 "Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so tränke ihn; denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln." (Sprüche 25:21.22; vergleicheSprüche 24:17.29!)
So lesen wir auch in:
3.Mose 19:^8
Du sollst dich nicht rächen und den Kindern deines Volkes nicht nachtragen, und sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Dies gilt für Eingeborene und Fremdlinge: 3.Mose 19:33,34.)
Die Tötung von Menschen war nur auf Befehl Gottes, zum Beispiel als Strafe, durchzuführen. Dazu war jedoch eine ordentliche Gerichtsverhandlung unbedingt erforderlich, bei der mindestens zwei Zeugen aussagen mussten:
5.Mose 17:4-6*
4 Und es (eine Gesetzesübertretung) wird dir berichtet, und du hörst es, so sollst du genau nachforschen; und siehe, ist es Wahrheit, steht die Sacharjae fest, ist dieser Greuel in Israel verübt worden,
5 so sollst du jenen Mann oder jenes Weib, die diese böse Sacharjae getan haben, zu deinen Toren hinausführen, den Mann oder das Weib, und sollst sie steinigen, dass sie sterben.
6 Auf die Aussage zweier Zeugen oder dreier Zeugen soll getötet werden, wer sterben soll; er so11 nicht auf die Aus-sage eines einzelnen Zeugen getötet werden.
Bei der Tötung einzelner Menschen wegen Vergehen, die nach Gottes Gebot unter Todesstrafe standen, war also eine gründliche Untersuchung der Schuld und eine Verhandlung mit mindestens zwei Zeugen vorgeschrieben. Umso bemerkenswerter ist es, dass im Falle der Verbannung zum Beispiel einer Stadt,nicht die einzelnen Bewohner genau verhört und die verschiedenen Urteile gefällt werden sollten! Kein Mensch hatte hier ein Recht, zu Gericht zu sitzen, schuldig oder frei zu sprechen - das Verbannte war Jahwäh hochheilig, das heißt. Er hatte sich das Gericht vollkommen vorbehalten. Auf diesen Umstand soll im Folgenden näher eingegangen werden.
5. Der Bann und das Gericht Gottes
Die Vertilgung von Menschen durch den Bann bedeutete also keinesfalls ihre endgültige Vernichtung, sondern ihr persönliches Schicksal war in Gottes Hand. Es ist zwar wahr, dass jedes Menschenleben ein Geschenk Gottes ist. aber dennoch lehrt die Bibel, dass das körperliche Leben, die Länge des irdischen Lebens nicht das Wichtigste ist! Lesen wir dazu die Worte Jesu in:
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Matthäus 10:28
Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr Den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Gehenna.
Jeder Mensch, der bei einer Verbannung umkam, wäre auch sonst entweder an einer Krankheit oder eben eines natürlichen Todes gestorben, wie für jeden Menschen, so ist auch für sie nicht die Art und Weise des Todes entscheidend, sondern das Gericht durch Gott, das auf den Tod folgt, denn es ist "den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht" (Hebräer 9:27). Dieses Gericht wird vollkommen gerecht sein, weil Gott Selber der Richter ist, denn "einer ist Gesetzgeber und Richter, der zu erretten und zu verderben vermag" (Jakobus 4:12). "Und er wird nicht richten nach dem Sehen seiner Augen, und nicht Recht sprechen nach dem.Hören seiner Ohren" (Jes 11:4), das heißt: Jesus Christus wird nicht nach dem richten, was Menschen sehen und erkennen, sondern er ist ein "Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben" (Hebräer 4:12, 13). So wird zum Beispiel den unschuldigen Kindern, die bei einer Verbannung umkamen, daraus mit Sicherheit kein Schaden entstehen, zumal sie noch nicht schuldfähig waren, denn "Sünde wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz i st"(Römer 5:13). Und auch von den anderen, den erwachsenen Menschen weiß Gott, wie ihr weiteres Leben ausgesehen, wie sie in diesem oder jenem Falle reagiert hätten (Lukas 10:13; 16:31).
DER BANN AN DEN VÖLKERN KANAANS
Nach diesen allgemeinen Untersuchungen über den "Bann", wie er zum Beispiel auch innerhalb von Israel ausgeübt werden konnte (5.Mose 13:12-18), wollen wir insbesondere die Verbannung der Kanaaniter betrachten:
l. Die Sündhaftigkeit der Völker Kanaans
Immer wieder wird Israel gewarnt, nicht in die Greuelsünden der Einwohner des Landes zu verfallen. So sagt Gott zu ihnen:
3.Mose 20:23
Und ihr sollt nicht wandeln in den Satzungen der Nationen, die ich vor euch vertreibe, denn alle jene Dinge (vergleiche Vers 2,6,10-17) haben sie getan, und sie sind mir zum Ekel geworden.
Die Kanaam'ter verbrannten also ihre Kinder dem Molech, gingen zu den Totenbeschwörern und Wahrsagern, trieben Ehebruch und Sodomie usw. Die Einwohner des Landes waren somit moralisch verkommen. Ihre Ungerechtigkeit war nach einer langen Frist voll geworden, und zur Zeit der Landeinnahme lief diese Frist ab (Genesis 15:16). Das war der eine, nämlich der moralische Aspekt.
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Aber auch biologisch, genetisch waren die Kanaaniter "Sünder", das heißt sie verfehlten ihr von Gott gesetztes Ziel. l^ie wir ja schon gesehen haben, hatte sich bei ihnen der "Samen der Schlange", was das Erbmaterial angeht, mit dem "Samen der Frau" vermischt. So waren nicht nur die Ne-phnim im Lande, sondern die ganze Bevölkerung war von"hohem Wuchs" und zeigte damit Folgen der Vermischung mit den "missgeburten" (hebr.n^hi-lim), die von den "Söhnen Elohims" gezeugt worden waren:
4.Mose 13:32,33
32 ... und alles Volk, das wir darin (dem erkundschafteten Land) gesehen haben, sind Leute von hohem Wuchs.
33 Auch haben wir dort die Nephilim gesehen, die Kinder Enaks, von den Nephilim; und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken, und also waren wir auch in ihren Augen.
Zusammenfassend können wir also feststellen, dass bei der Bevölkerung Kanaans eine biologisch-genetische Verderbnis zugleich mit moralischer Verkommenheit vorlag - genauso, wie dies auch bei den in der Sintflut umgekommenen Menschen der Fall war.
2. Der Bann als Schutzmaßnahme für den Samen der Frau
Eine Vermischung des Samens der Frau mit dieser Bevölkerung hätte eine so große Gefahr dargestellt, dass Gott den Israeliten gebot:
5.Mose 7:2,3,16
2 ... so sollst du sie ganz und gar verbannen; du sollst keinen Bund mit ihnen machen, noch'Gnade gegen sie üben.
3 Und du sollst dich nicht mit ihnen verschwägern: deine Tochter
sollst du nicht seinem Sohn geben, und seine Tochter sollst du nicht für deinen Sohn nehmen ...
16 ... Dein Auge soll ihrer nicht schonen, und du sollst ihren Göttern nicht dienen, denn das würde dir ein Fallstrick sein.
Neben der Gefahr, zum Abfall von Jahwäh verführt zu werden (Vers 4,16), wird hier auch einer biologisch-genetischen Vermischung vorgebeugt. Eine Verschwägerung des Samens der Schlange mit dem der Frau durfte unter keinen Umständen geschehen. Besonders groß war diese Gefahr, solange noch Nephilim im Lande waren.
3. Die Auferstehung der Verbannten durch den Samen der Frau
Der Hauptzweck des Bannes war also gewesen, die geistige, aber auch die biologisch-genetische Vermischung des Samens der Frau mit dem Samen der Schlange zu verhindern. Wären die Anschläge des Satans auf die Keimbahn von Adam zu Maria geglückt, so hätte er damit nicht nur die Zeugung des verheißenen Samens verhindert: auch das Leiden und der Tod dieses Samens, nämlich Jesu Christi, sowie dessen Auferstehung wäre vereitelt worden! Somit wäre nicht eingetreten, was jetzt der Fal1 ist:
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Hebräer 2:14
Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in ähnlicher Weise daran Anteil gehabt, um durch den Tod den zunichte zu machen, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel (Vergleiche dazu auch Römer 14:9 und 2.Timotheus 1:10.)
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang auch noch:
l.Korinther 15:20-22
20 Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstiing der Entschlafenen;
21 denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht.
Erst durch die Auferstehung Jesu Christi aus Toten, der die Macht des Todes gebrochen hat, ist die Auferstehung aller Menschen ermöglicht! Man muss jedoch grundsätzlich zwei Arten von Auferstehung unterscheiden:
Daniel 12:2
Und viele von denen, die im Staube (hebräische aphar) der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu äonischem Leben (hebr.l^hajjn'm olam) und jene zu äom'schen Schmähungen des Äbichreckens.
Es wird also sowohl eine Auferstehung der Gerechten wie auch der Ungerechten geben (Apostelgeschichte 24:15). Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes hören "und hervorkommen werden:
die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts" (Johannes 5:28,29; vergleiche Matthäus 25:46).
Gott Selbst, der den Befehl zur Verbannung der kanaanitischen Völker gegeben hatte, machte durch die Sendung Seines Sohnes auch die Auferstehung alter Menschen möglich. Indem der "Samen der Frau", Jesus Christus, den Tod überwand und die Sünde der weit auf sich nahm, wurde er zum Richter der Lebendigen und der Toten (Apostelgeschichte 10:42). So kann er gemäß Seinem gerechten Urteil den einen äonisches Leben schenken, und auf der anderen Seite die Übeltäter bestrafen. Hätte der Satan jedoch seine Pläne verwirklichen und durch eine Vermischung des Samens der Schlange mit dem Samen der Frau das Kommen Jesu Christi verhindern können, so wäre jegliche Auferstehung von Toten unmöglich gemacht worden. Damit wären alle Menschen verloren gewesen - auch all diejenigen, die zu den Verbannten gehörten.
DIE FEINDSCHAFT ZWISCHEN DER SCHLANGE UND DER FRAU UND IH-REN SAMEN IN DER ZEIT NACH DEM KREUZ
In der Offenbarung lesen wir wieder von "der Frau" und auch von "ihrem Samen". Die Frau ist schwanger und schreit in Geburtswehen und Schmerzen. Das Zeichen (Offenbarung 12:1) ist ein Symbol für das Volk Israel, von
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dem ein Teil zur "Wiedergeburt" kommen soll (Micha 4:10). Die Sonne, der Mond und die zwölf Sterne sind ein Symbol für das "Haus Jakob" mit seinen zwölf Stämmen (Genesis 37:9,10). Zuerst will der Drache, das ist der Satan, den Sohn, den die Frau gebärt, verschlingen (Offenbarung 12:4,5), dieser wird jedoch entrückt zu Gott und zu Seinem Thron, während der Teufel von Michael aus dem Himmel vertrieben wird.
"Und als der Drache sah. dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die das männliche (Kind) geboren hatte" (Vers 13). Als auch dieser Anschlag nicht gelingt (Vers 14-16), wird der'Drache zornig über die Frau und geht hin, Krieg zu führen mit den übrigen i hres^ Samens, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben.
Wir sehen deutlich, wie die Feindschaft zwischen dem Samen der Schlange bzw. der Schlange und der Frausamt ihrem Samen bis in die Zukunft hinein anhält. Auch hier handelt es sich um einen geistigen Kampf, bei dem es dem Teufel darum geht, zuerst seine Macht im Himmel (als Verkläger) zu erhalten und später, die Aufrichtung des Messianischen Reiches auf der Erde zu verhindern. Dieses ist ja an die Bekehrung des ganzen Volkes Israel gebunden (Matthäus 23:37-39). So ist verständlich, dass dieser Kampf besonders um Israel toben wird. Die einzige Möglichkeit für alle Gläubigen, in diesem Kampf zu bestehen, wurde durch den Sieg des einen Samens der Frau erreicht:
Offenbarung 12:11
Und sie haben ihn (den Teufel) überwunden um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen, und sie haben ihr Leben nicht geliebt, bis zum Tod.
LITERATUR ZU DIESEM THEMA
THE COMPAGNION BIBLE. BullingerAnhang Nr.25 zu "Nephilim", Seite 28;
Zondervan Bible Publishers. Grand Rapids, Michigan 49506..(1974)
VON DER »KINDSCHAFT« ZUR »SOHNSCHAFT«
( Karel Claeys )
1.Johannes 5:1
Jeder, der glaubend ist, dass Jesus der Christus ist, der ist aus Gott gezeugt.
Aus dieser Stelle können wir ersehen, dass nur ein "Wiedergeborener" (wörtlich: aus Gott Gezeugter) glauben kann, dass Jesus der Christus ist. Dies bestätigt 1.Korinther 12:3 wo bezeugt wird, dass niemand sagen kann:
"Herr Jesus", das heißt dass Jesus der Herr ist, als nur in heiligem Geist. Dieser Ausspruch, dass Jesus der Herr ist, ist kein angelerntes Nachsagen, sondern eine im Innersten erlebte Gewissheit. Der Glaube dringt mit der Zeugung aus Gott tiefer, er dringt in das erreichte Ziel hinein. Es handelt sich also nicht mehr nur um einen Glauben, der sich bis zu Gott hin (epí) bewegt, sondern um einen Glauben, der das erreichte Ziel durchdringt. Hierfür verwendet der griechische Text des Neuen Testamentes die Präposition "eis" = "bis in ... hinein", die eine Bewegung ausdrückt, die bis in das Innerste des Zieles hineindringt. Erst durch die Zeugung aus Gott erlangt ein Mensch den Glauben bis in Jesus Christus hinein (eis). Lesen wir dazu auch:
Johannes 1:12,13
12 So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, denen, die bis in seinen Namen hinein (eis) glauben,
13 die nicht aus Geblüt, noch aus dem willen des Fleisches, noch aus dem willen des Mannes, sondern aus Gott gezeugt sind.
Aus diesem Text wird klar, dass ein Mensch durch die Zeugung aus Gott zur Kindschaft kommt. Fortan wirkt Gottes Geist in ihm, er ist in geistiger Gemeinschaft mit Gott. Dies ist nun der Ausgangspunkt für einen weiteren Wandel des Menschen von der Kindschaft zur Sohnschaft. Unmittelbar nach der Zeugung aus Gott kann man noch nicht von einem wachstumsstand sprechen, geht es hier doch um den allerersten Anfang einer neuen Kreatur! Der aus Gott Gezeugte ist ein Kind Gottes, aber doch zunächst noch ein Baby. Seine Sünden sind zwar vergeben (oder genauer gesagt:
bedeckt), auf die Bedingung hin, dass auch er denen vergibt, die ihm etwas schuldig sind. Er glaubt bis in Jesus Christus, den Sohn Gottes als seinem persönlichen Heiland hinein.(eis)» muss aber in Gemeinschaft mit Christus bleiben, wie dies besonders im ersten Brief des Johannes betont wird. Mit diesem Stand der Kindgottesschaft befassen sich insbesondere die Evangelien sowie die Briefe der Apostel Johannes, Jakobus und Petrus. Innerhalb dieser Stufe soll der Mensch nun mit allen ihm von Gott gegebenen Gnaden wandeln und im Herrn bleiben. So vermag das eben gezeugte Kind, das Neue im Menschen, das bei der Zeugung aus Gott in ihm erschaffen wurde, zu wachsen. Dabei zeugt der Geist Gottes mit seinem Geist, dass der aus Gott gezeugte Mensch ein Kind Gottes (Römer 8:
16) und so aus dem geistigen Tod ins Leben übergegangen ist. Trotz des Wachstums als Kind Gottes bleibt der Alte Mensch jedoch, wie er ist. Bei steigender Erkenntnis des Gesetzes, in dem vom Menschen
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Vollkommenheit gefordert wird, begreift dieser immer mehr, was ihm fehlt. Dieser Zustand ist besonders in Römer 7 dramatisch dargestellt:
Römer 7:22-24
22 Denn ich habe nach dem inneren Menschen Wohlgefallen am Gesetz Gottes.
23 Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
24 ich elender Mensch! Wer wird mich erretten aus diesem Leibe des Todes?
Das Kind Gottes ist gespalten: Mit der Vernunft dient es dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch (das heißt dem alten Menschen) ist es jedoch der Sünde versklavt (Römer 7:25). Aus diesem Zustand kann allein Gott den zur Kindschaft gelangten Menschen herausbringen. Der Mensch selbst vermag diesen Übergang von der Kindschaft zur Sohnschaft nicht zu bewirken. War für die Kindschaft der Glaube "eis" Jesus Christus kennzeichnend, so gilt für die Sohnschaft:
Galater 3:26
Ihr seid alle Söhne Gottes durch den Glauben Jesus .
en
"in" Christus
Es ist eine Gabe Gottes, dass ein Mensch auf die Stufe der Sohnschaft gestellt wird. Nun liegt es in seiner Verantwortung, die von Gott dargereichte Gnade treu zu verwalten und seiner Berufung gemäß zu wandeln. Auf der Stufe der Sohnschaft geht es darum, den Konflikt zu lösen, den das Kind Gottes erlebt, nämlich den Kampf zwischen dem Gesetz der Sünde, das in seinen Gliedern ist, und dem Gesetz des Sinnes, der Wohlgefallen am Gesetz Gottes hat. Einen Hinweis, wie dies geschehen kann, gibt uns:
Römer 8:14
Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.
Auch der Wandel geschieht also nicht durch eigene Kraft, sondern aus der Kraft des Geistes Gottes; er löst den oben angesprochenen Konflikt:
Ga1 5:16-24
16 ich sage aber: Wandelt im (oder: durch den) Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht erfüllen.
17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.
18 Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter Gesetz.
19 Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: 'Hurerei, Unreinheit, Ausschweifung,
20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Streitereien, Zwistigkeiten, Parteiungen,
21 Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. ...
22 Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut,
404
Freundlichkeit, Güte, Treue. Sanftmut, Selbstbeherrschung. 23 Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz..
Hier werden die zwei Größen dargeste.'II t».die-einander entgegengesetzt sind: das Gesetz und das Fleisch. Dies wird bestätigt in Römer 8:7; weil sie so wichtig ist, zitieren wir die ganze Stelle im Zusammenhang:
Römer 8:2-9,12,13
2 Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
3 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Sündenfleisches und.für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte,
4 damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.
5 Denn die, welche nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist.
6 Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden;
7 wei'1 die Gesinnung des Fleisches Feindschaft ist gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht Untertan, sie kann das auch nicht.
8 Die aber im Fleische sind. können Gott nicht gefallen.
9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. ...
12 So denn, Brüder, sind wir nicht dem Fleisch Schuldner, um nach dem Fleisch zu leben;
13 denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.
Während also der innere Mensch Wohlgefallen hat am Gesetz Gottes, während der von Gott Gezeugte wächst, so ändert sich doch das Wesen des "Alten Menschen" nicht: die Gesinnung des Fleische ist Feindschaft gegen Gott, sie kann dem Gesetz Gottes nicht Untertan sein. Die einzige Lösung dieses Konflikts ist: der "Alte Mensch" muss sterben! Nur so kann das Kind Gottes befreit werden vom Gesetz der Sünde, in dem es gefangen ist. Lesen wir dazu aufmerksam die folgende Stelle aus dem Römerbrief, die wichtige Aussagen über diesen Vorgang macht:
Römer 6:1-7
1 Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme?
2 Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in ihr leben?
3 Oder wißt ihr nicht, dass wir, so viele bis in Christus Jesus hinein (eis) getauft worden, bis in seinen Tod hinein (eis) getauft worden sind?
4 So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe bis in den Tod hinein (eis), damit, wie Christus aus Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.
405
5 Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit (homoiömati) Seines Todes, so werden wir es auch mit der (Seiner) Auferstehung sein,
6 da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sunde nicht mehr dienen.
7 Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen (oder: gerechtfertigt) von der Sünde.
Man beachte, dass Gott einen Sünder nicht für schuldlos achtet (Exodus 34:7). Ein Sünder kann zwar Vergebung erlangen, damit seine Sünde bedeckt ist, er bleibt aber immer..noch ein Sünder. In Vers 7 geht es jedoch um Frei Spruch! Der sündige alte Mensch ist gestorben, und ein Toter ist kein Sünder mehr, weil er tot ist. Hier kommt das in den pau-linischen Briefen so entscheidende Wort "dikaioo" = "rechtfertigen" vor. das einen Frei Spruch bezeichnet. Lesen wir
Römer 6:7-13
7 Denn wer gestorben ist, ist gerechtfertigt von der Sünde.
8 Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,
9 da wir wissen, dass Christus, aus Toten auferweckt, nicht mehr stirbt;
der Tod herrscht nicht mehr über Ihn.
10 Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott.
11 So auch ihr, haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.
12 So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Lüsten gehorche;
13 stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit.
Bleibt bei den Kindern der Alte Mensch trotz alles inneren Wachstums bestehen, so wird hier ein Vorgang beschrieben, der das Sterben des Alten Menschen zur Folge hat: Die Taufe bis in den Tod Christi Jesu hinein (eis). Diese Taufe ist nicht eine Handlung des Menschen, wie z. B. die Wassertaufe! Sie besteht auch nicht in der Fülle geistlicher Gaben, die zum Beispiel die Jünger mit Pfingsten erhielten - bei der Geistes taufe. Sie bedeutet vielmehr das Absterben des Alten Menschen durch die Wirkung des innewohnenden Geistes Jesu Christi.
Um Verwirrung zu vermeiden, sei an dieser Stelle die sehr wichtige Unterscheidung zwischen den folgenden drei Taufen vorgenommen:
1. Die Wassertaufe.
2. Die Geistestaufe.
3. Die Taufe bis in den Tod Christi Jesu hinein. Jesus Christus selbst hat diese drei Taufen erfahren:
1. Die Taufe der Sinnesänderung von Johannes, im Jordan.
2. Die zweite Taufe geschah gleich nachher, als der Heil ine Geist auf ihn herniederkam.
406
3. Seine dritte Taufe kündigte er mit folgenden Worten an:
Lukas 12:50
50 ich habe;aber eine Taufe, womit ich getauft werden muss, und wie bin ich bedrängt, bis sie vollbracht ist!
Markus 10:38-39
38 Jesus aber sprach zu ihnen (Jakobus und Johannes): Ihr wißt nicht, um was ihr bittet (nämlich zu seiner Rechten und Linken zu sitzen in seiner Herrlichkeit). Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?
39 Sie aber sprachen zu Ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen:
Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden ...
Die dritte Taufe ist also der Kreuztod Jesu Christi! Auch die Gläubigen, hier besonders Jakobus und Johannes, sollen diese Taufe erfahren. Es ist' durchaus nicht so, dass ein Mensch bei der Bekehrung oder bei der wassertaufe automatisch mit Christus gekreuzigt wird, stirbt und begraben wird! Lesen wir noch einmal aufmerksam die zwei Verse, die oftmals auf diese Weise ausgelegt werden:
Römer 6:3,4
3 Oder wißt ihr -nicht, dass wir, so viele bis in Christus Jesus hinein (eis) getauft worden, bis in seinen Tod hinein (eis) getauft worden sind?
4 So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe bis in den Tod hinein (eis). damit, wie Christus aus Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.
Man geht bei der Deutung dieser Stelle davon aus, dass die Worte des Paulus sich an jeden "Gläubigen" richten (was man dann auch immer darunter verstehen mag), und sieht das ganze Geschehen als ein punktuel1es Ereignis an, .das sich bei der Wassertaufe vollzieht. Weder das eine, noch das andere lässt sich jedoch mit dem Text vereinbaren:
1. Obwohl Paulus an "Geliebte Gottes", "berufene heilige" schreibt, also mit Sicherheit aus Gott gezeugte Menschen, schränkt er doch ein: "... so viele (griech.hosoi) bis in Christus Jesus hinein (griech.eis) getauft worden sind", die sind bis in seinen Tod hinein getauft worden! Das heißt also» dass nicht a11e, an die Paulus seinen Brief schrieb, bis in den Tod Christi Jesu hinein getauft worden waren. Ferner steht hier auch nicht, dass sie in seinen Namen hinein getauft wurden, wie dies bei der Wassertaufe heißt (Apostelgeschichte 2:38;
8:12,16; 10:47-48; 19:5). Vielmehr wurden die angesprochenen Personen in Christus Jesus hinein getauft, was eine enge geistige Gemeinschaft bedeutet..
2. Es ist zwar wahr, dass für jemanden, der bereits bis in Christus Jesus hinein getauft worden ist, auch die Taufe bis in seinen Tod hinein ein vergangenes Geschehen darstellt. Doch zeigen die verwendeten Wörter unleugbar an, dass es sich hierbei um ein fortschreitendes Geschehen gehandelt hat; die angesprochenen Personen wären:
407
... verwachsen mit der Gleichheit Seines Todes (Römer 6:5)
... mit Christus gestorben (Römer 6:8); der Sünde gestorben (Vers 2)
... mit Christus begraben worden (Römer 6:4)
Ist es nicht deutlich, dass das Mitkreuzigen des Alten Menschen (Römer 6:6), das Mitsterben und Mitbegraben-Werden ein fortlaufender Vorgang ist und nicht ein punktuelles Ereignis? Im nächsten Abschnitt wollen wir zeigen, wie sehr die heilige Schrift die Wichtigkeit des Wachstums jedes Gläubigen betont.
DAS VON GOTT BEWIRKTE WACHSTUM DES GLÄUBIGEN
Bei diesem Wachstum handelt es sich nicht um eine mehr oder weniger wichtige Zugabe zur persönlichen Errettung, etwas, das zusätzlich zum Heil noch erstrebenswert wäre! Das geistliche Heranreifen ist unbedingt notwendig für die Rettung jedes Gläubigen, wie die folgende Stelle aus der heiligen Schrift deutlich lehrt:
1.Petrus 2:2
Und seid wie neugeborene Kindlei n begierig nach der geistigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch sie wachse-t zur Errettung.
Der griechische Grundtext gibt einen deutlichen Hinweis, was diese Milch ist, die das Wachstum zur Errettung bewirken kann: Es ist die "geistige" oder "vernünftige", "logikos" Milch. Da dieses Wort von "logos" = "Wort" abgeleitet ist, übersetzen andere auch mit "wortgemäße Milch" oder "Milch des Wortes". Die Milch ist also Lehre aus dem Worte Gottes (l.Korinther 3:2; Hebräer 6:12-14), wie sie für junge Gläubige, für "Unmündige in Christus" angemessen und notwendig ist. Auffällig ist an dieser Stelle die Betonung der großen Ei genverantwortung, was die persönliche Errettung angeht. Damit keine missverständnisse entstehen können, wollen wir noch eine andere Aussage der Schrift zu diesem Thema betrachten:
Phil 2:12,13
12 Daher, meine Geliebten ... bewirkt eure Rettung mit Furcht und Zittern!
13 Denn Gott ist es. Der j_n euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken über (euren) guten W11len Kinaus.
Wir selbst sollen unsere eigene Rettung bewirken? Nun, eine genauere Betrachtung des Grundtextes^löst das Problem, dort steht nämlich:
"Wirkt eure Rettung mit Furcht und Zittern aus (griech.kat-ergazomai), denn Gott ist es. Der _m euch wirkt (griech.energeö,en) sowohl das Wollen als auch das Wirken (griech.energeö)...". Es geht also in keinem Falle darum, etwas aus sich heraus, aus eigener Kraft, zu bewirken! Gott ist es. Der in uns wirkt, wir müssen diese Einwirkung zulassen und dann Gottes WfTlen aus-wirken. "So ist weder der da pflanzt, etwas, noch der da begießt, sondern Gott. Der das Wachstum gibt" (l.Korinther 3:7). (Vergleiche auch 1.Korinther 4:7; Epheser 2:97TÖ75
408
DAS STERBEN DES "ALTEN MENSCHEN" ALS FORTSCHREITENDER PROZEß
Wie der Vorgang des Wachstums des neuen Menschen, so ist auch das Sterben des Alten Menschen ein Prozeß, der von Gott bewirkt wird:
Römer 8:13
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.
Dies ist derselbe Vorgang, von dem in Ga1 5 gesprochen wird:
Ga1 5:24,25
24 Die aber dem Christus Jesus angehören, kreuzigen (Aorist!) das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden.
25 Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns durch den Geist wandeln.
Offensichtlich ist das Kreuzigen des Fleisches ein Vorgang, nicht ein einmaliges Geschehen! Es hängt mit dem wandet zusammen, dem immer im Laufe der Zeit Fruchte 'folgen, und zwar entweder die des Fleisches oder aber die des Geistes (Gottes). An seinen Fruchten kann also jeder Gläubige erkennen, ob er vom Geist geleitet wird, ein Sohn ist, so dass er auch die Früchte des Geistes hervorbringt: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (Ga1 5:22). Ein Unmündiger, fleischlich (l.Korinther 3:1-3) jedoch ist man, wenn der Handel folgende Früchte zeigt: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst (zum Beispiel Habsucht, Epheser 5:5), Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Streitereien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien» Trinkgelage, Völlereien und dergleichen (Ga1 5:19-21). All diese Handlungen des Leibes und Früchte des Fleisches müssen unbedingt getötet werden, und das wiederum nicht aus eigener Kraft heraus, sondern durch den Geist Gottes, durch die Gemeinschaft mit Christus, und zwar bleibende Gemeinschaft, nämlich den Wandel im Geist. Die enge und andauernde Gemeinschaft mit dem, der gekreuzigt, gestorben und begraben wurde, bedeutet, dass wir bis in seinen Tod hinein getauft und mit ihm begraben werden (Römer 6:3,4), der Sünde absterben. Es ist also deutlich, dass auch hier nicht der Mensch ein Verdienst erwirbt, denn der Geist Christi ist es. Der in dem Gläubigen gegen das Fleisch kämpft:
Ga1 5:17
Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist (Cottes) aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, sodass ihr nicht das tut, was ihr wollt.
Der Sieg in diesem Kampf ist also allein Gott zu verdanken, wenn es auch unsere Verantwortung ist. Seinem wirken Raum zu geben. Deshalb schreibt Paulus:
Ga1 6:14
Mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das (oder "Den") mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt!
409
Erst wenn der Alte Mensch mit Christus gekreuzigt und gestorben ist, vermag der Gläubige auch in Neuheit des Lebens zu wandeln. Paulus bezeugt von sich, dass er dieses Ziel schon erreicht hatte, so dass er schreiben konnte:
Ga1 2:19,20
19 Denn ich bin durch (das) Gesetz (dem) Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe.
20 Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, (und zwar in) dem des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.
Zusammenfassend können wir also sagen, dass die Taufe bis in den Tod Jesu Christi hinein bedeutet, dass d'er Gläubige in das Sterben Jesu mit hineingenommen, mit ihm einsgemacht wird. Stück für Stück stirbt bei dem Kampf zwischen dem Fleisch und dem im Menschen wohnenden Geist der Alte Mensch ab, bis er ganz gestorben ist. Dann ist der Gläubige von der Sünde freigesprochen, er ist ein Gerechter (Römer 6:7). Das Gesetz des Lebens in Christus Jesus hat ihn freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Beachten wir, dass durch dieses Mit-Gekreuzigt-werden, Mit-Sterben und Mi t-Begraben-Werden der Mensch in eine Mitteilhaftigkeit, eine Gemeinschaft mit Christus gestellt ist, die ihm in der Stufe der Kindschaft noch völ1ig fehlte.
Da nun der Geist Gottes in ihm wohnt, er nicht mehr nur von ihm beeinflusst, sondern geleitet wird, lebt nun nicht mehr er selbst, sondern Christus lebt in ihm, Römer 8:14; Ga1ater 2:20; Römer 8:9). Man könnte dies mit der menschlich-biologischen Kind- und Sohnschaft vergleichen: Ein kleines Kind wird vom Vater an der Hand geführt, weil es zu wenig einsichtig und noch zu eigenwillig ist. Es bestünde sonst die Gefahr, dass es zum Beispiel vor ein Auto läuft. Der Sohn dagegen versteht den Weg des Vaters, er folgt ihm von innen heraus. Der Einfluss des Vaters ist somit tiefer, mehr innerer Natur. So ist der für die Sohnschaft charakteristische Glaube nicht mehr nur ein Glaube bis in Christus hinein (griech.ejs), sondern der Glaube "in" (griech.en) Christus (Ga1 3:26), der im Ziel gegründet ist.
Hier wollen wir die Besprechung des Überganges von der Kindschaft zur Sohnschaft beenden. Später soll noch ausführlicher auf das Wesen der Sohnschaft, sowie die Anforderungen und Verheißungen eingegangen werden, die mit ihr verknüpft sind.
Die Sohnschaft stellt jedoch noch nicht das Endziel des Heilsweges dar, den Gott den Menschen anbietet. Das nach der Zeit der Apostelgeschichte von Paulus geoffenbarte Geheimnis des Leibes Christi eröffnet die letzte Strecke, auf der die Gläubigen zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi gelangen können (Epheser 4:13). Für a11e Wachstumsstufen aber gilt das Wort von:
Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Kraftauswirkung des Herrn schauend, werden verwandelt nach demselben Bilde von Kraftauswirkung zu Kraftauswirkung, durch den Herrn, den Geist. 2.Korinther 3:18
410
i
DIE LEHRE DES APOSTELS PAULUS
( Frei nach S. Van Mierlo )
DIE WEITREICHENDE BOTSCHAFT DES PAULUS:
DIE SOHNSCHAFT
l. DIE BEKEHRUNG DES PAULUS UND DER BEGINN SEINER VERKÜNDIGUNG
Es ist zum genauen Verständnis notwendig, dass wir uns die verschiedenen Aufträge vor Augen halten, die Paulus bei seiner Berufung von Gott angekündigt wurden. Lesen wir dazu:
Apostelgeschichte 26:16-18
16 ... denn hierzu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen dessen zu verordnen, was du gesehen hast, wie auch dessen, worin ich dir erscheinen werde.
17 ich werde dich herausnehmen aus dem Volk (Israel) und den Nationen, zu denen ich dich sende (vergleicheApostelgeschichte 9:157,
18 ihre Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben bis in mich hinein (eis) geheiligt sind.
Sofort sandte der auferstandene Herr Paulus als Zeugen dessen, was er bereits gesehen hatte. Später sollte er auch noch ein Diener sein in dem, worin Christus ihm erscheinen wurde. Hierin deutet sich ein Fortschreiten der Offenbarung und des Auftrages an, das wir dann auch tatsächlich beobachten können. Sogleich nach der Erscheinung des Herrn bei Damaskus beginnt Paulus, den Befehl auszuführen und Zeuge und Diener in dem schon Gesehenen zu sein:
Apostelgeschichte 9:20,22
20 Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesus, dass Dieser der Sohn Gottes ist.
22 Saulus aber erstarkte noch mehr und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, dass Dieser der Christus ist.
seine Botschaft war also, dass Jesus der Sohn Gottes und der Christus ist. Sie entspricht genau dem, was auch die zwölf Apostel der Beschneidung verkündigten. So fasst zum Beispiel Johannes seine Botschaft zusammen:
Johannes 20:31
Diese (Zeichen) aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes ...
Als Paulus drei Jahre später nach Jerusalem hinaufging, um Kephas kennenzulernen, und fünfzehn Tage bei ihm blieb, wird deshalb auch kein besonderes Vorkommnis berichtet (Ga1 1:18,19). Den Gemeinden von Judäa war Paulus von Angesicht unbekannt, "sie hatten aber nur gehört: Der, der uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er einst zu zerstören suchte" (Galater 1:20) - nämlich den Glauben, dass Jesus der Sohn Gottes, der Christus ist.
wir sehen also, dass Paulus bis hierin nicht über die Botschaft hinausging, die auch von den zwölf Aposteln der Beschneidung verkündigt wurde.
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2. DIE WEITERREICHENDE BOTSCHAFT
Eine Anzahl Jahre später aber, als Paulus wiederum nach Jerusalem hinaufzog, hatte sich die Lage geändert:
Galater 2:1,2
1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit.
2 Ich zog aber einer Offenbarung zufolge hinauf und legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Nationen predige ...
Offensichtlich ist dieses Evangelium, das Paulus den Aposteln in Jerusalem vorlegte» eine andere, oder besser weitergehende Botschaft als die im Anfang von ihm verkündigte, da er sie ansonsten nicht den Aposteln hätte vorlegen müssen! Bekräftig wird dies durch:
Ga1 1:11,12
11 Ich teile euch aber mit, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist.
12 Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi.
Paulus betont seine Unabhängigkeit von anderen Menschen, insbesondere von den Aposteln der Beschneidung (Ga1 1:19). er ist "Apostel nicht von Menschen her, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus Toten auferweckt hat" (Ga1 1:1).
Eine seiner Berufungen ist es, "das Evangelium des Christus" (Ga1 1:7) zu verkündigen. Dass diese Botschaft, die er auch "Evangelium Seines Sohnes" nennt (Römer 1:9), eine weiterreichende Botschaft darstellt, wird daraus ersichtlich, dass er mit ihm sogar "berufenen heiligen", "Geliebten Gottes", also aus Gott gezeugten Gläubigen, dienen möchte (Römer l:
7,15). Im Folgenden wollen wir einen kurzen überblick über die verschiedenen neuen Inhalte dieses Evangelium geben. Später werden wir auf einzelne Punkte genauer eingehen.
3. DIE NEUEN INHALTE DER BOTSCHAFT VON PAULUS OBER DIE SOHNSCHAFT
Im Buch der Apostelgeschichte und in den Briefen an die Thessalonicher findet man lediglich einige Anspielungen auf die neue Botschaft des Apostels Paulus. Es ist also günstiger, zuerst diejenigen Briefe näher zu untersuchen, die Paulus im späteren Teil der Apostelgeschichte geschrieben hat. um deutlich zu sehen, worin diese Botschaft sich von derjenigen der Zwölfe unterscheidet. Wenn wir nun die Briefe an die Korinther, die Galater und die Römer betrachten, werden wir tatsächlich feststellen, dass es in ihnen nicht mehr nur um Segnungen für die Nationen geht, die im Zusammenhang mit Israel stehen - Segnungen, die durch die Propheten angekündigt und durch die Apostel der Beschneidung bekräftigt worden waren - sondern,dass die Botschaft des Apostels Paulus weiter reicht, wenn wir diese Unterschiede deutlich erkannt haben, können wir auch die früheren Schriften (Apostelgeschichte und Thess) noch einmal daraufhin durchlesen und Anspielungen auf die neue Botschaft erkennen.
412
a. KindachafI und Sohnschaft
Paulus unterscheidet nun, besonders in Römer 8 und Galater 4 zwischen denen, die durch die Zeugung aus Gott "Kinder Gottes" geworden, und denen, die zur "Sohnschaft" gelangt sind:
Galater 4:1-7
1 ich sage aber: solange der Erbe ein unmündiges Kind (näpios) ist» unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist;
2 sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern, bis zu der vom Vater festgesetzten Frist.
3 So waren auch wir, als wir unmündige Kinder (näpios) waren, unter die Elemente der Welt versklavt.
4 Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geworden von einem Weib, geworden unter Gesetz,
5 damit er die loskaufte, (die) unter Gesetz (waren), damit wir die Sohnschaft empfingen.
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!
7 Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn, wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.
Das wort "huiothesia" = "Sohnschaft" kommt nur bei Paulus vor (Römer 8:
15.23; 9:4; Galater 4:5; Epheser 1:5). wie die eben zitierte Gataterstelte zeigt, ist die Sohnschaft eine höhere wachstumsstufe als die Kindschaft. Die Hauptmerkmale der neuen Botschaft des Paulus sind deswegen die besonderen Aussagen, die noch nicht für ein Kind, sehr wohl aber für einen Sohn Gottes zutreffen. Das sind zum Beispiel:
b. Der Glaube in (gr1ech."en") Christus Jesus
Ga1 3:23-26
Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter Gesetz verwahrt, ein-geschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der GlaTTbe gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister;
denn ihr alle seid Söhne durch den Glauben in Christus Jesus.
23
24
25
26
Der Textzusammenhang macht deutlich, dass "der Glaube", von dem hier die Rede ist, derjenige "in" Christus Jesus ist - ja, durch diesen Glauben ist man ein Sohn Gottes!
c. Die Rechtfertigung aus Glauben
Dieser Glaube war nicht gänzlich unbekannt, wie auch die neue Botschaft des Paulus nicht absolut neu war. Dieses "Evangelium Gottes" war vielmehr schon durch "Propheten in heiligen Schriften vorher verheißen"
413
worden (Römer 1:2). So findet man tatsächlich bereits im Alten Testament Spuren davon (vergleiche zum Beispiel Hab 2:4). Wir wissen, dass vor der Auser-wählung des Volkes Israel, vor der Beschneidung, Abraham bereits wußte, dass er einen himmlischen Samen haben würde, dessen Merkmal die Rechtfertigung aus dem Glauben sein sollte:
Ga1 3:6-9
6 Ebenso wie Abraham Gott glaubte und es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde.
7 Erkennet daraus: die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne.
8 Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: "In dir werden gesegnet werden alle Nationen".
9 Folglich werden die, die aus Glauben sind, mit dem glaubigen Abraham gesegnet (vergleiche hierzu auch Genesis 15:5,6 und Römer 4:9-13).
Wie wir in Ga1 3:24 gesehen haben, Geschieht die Rechtfertigung durch "den Glauben", das heißt den Glauben jj^ Christus Jesus, der für die Sohnschaft charakteristisch ist. Deswegen steht die Rechtfertigung auch im Mittelpunkt "des Evangeliums" der Sohnschaft, das Paulus verkündigt:
Römer 1:16,17
16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zur Rettung jedem"G laubende n, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.
17 Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: "Der Gerechte aber wird aus Glauben leben." (Hab 2:4)
Dass die Rechtfertigung nicht der Kindschaft, also dem Anfang des Glaubenslebens zuzuordnen ist, macht auch der Verweis auf Abraham deutlich:
Durch Glauben war Abraharo, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte (Hebräer 11:8; Genesis 12:1,4). Aber erst geraume Zeit später (Genesis 15:lff), als Abraham Gottes Verheißung --deshimmlischen Samens glaubte, rechnete Gott es ihm zur Gerechtigkeit (Genesis 15:6).
d. Der "Kosmos" als das Erbe der Söhne
Die "aus Glauben" sind (auch hier ist selbstverständlich der Glaube j^ Christus Jesus gemeint), die sind Abrahams Söhne (Ga1 3:7), sie sind der Samen, der so zahlreich sein wird wie die Sterne der Himmel (Genesis 15:5; 22:17). Sie sind es auch, von denen Paulus sagt:
Ga1 3:29
Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Samen, (und) nach Verheißung Erben.
Das Erbe, auf das Paulus hier anspielt, ist der "Kosmos" oder "die Welt" (Römer 4:13-18). Diese Gläubigen werden also weit mehr als ein Land beerben, sie werden sogar Engel richten (l.Korinther 6:3) In dieser neuen Segnungs'
414
Sphäre geht es nicht mehr um das irdische Jerusalem, sondern um das Jerusalem droben:
Ga1 4:25,26
25 Denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien» entspricht aber dem jetzigen Jerusalem, denn es ist mit seinen-Kindern in Sklaverei.
26 Das Jerusalem droben aber ist frei, (und) das ist unsere Mutter.
e. Das Sterben des "Alten Menschen'
In Römer 7:12-25 beschreibt Paulus aus seiner eigenen Erfahrung den verzweifelten Zustand eines Wiedergezeugten, der seiner Stellung nach noch immer im Gesetz der Sünde gefangen ist:
Römer 7:22,23
22 ich habe Wohlgefallen am Gesetz Gottes
nach dem Inneren Menschen, in meinen Gliedern, das dem mich in Gefangenschaft in meinen Gliedern ist.
23 aber ich sehe ein andersartiges Gesetz Gesetz meines Sinnes widerstreitet und bringt unter das Gesetz der Sunde, das
Solange ein aus Gott gezeugter Mensch in der Kindesstufe verbleibt, ist er noch immer "unter dem Gesetz der Sünde", er dient als Sklave mit seinem Fleisch dem Gesetz der Sünde (Römer 7:25). Die Söhne dagegen sind frei, sie sind der Sünde gestorben und ihr "Alter Mensch" ist mit Christus gekreuzigt. Somit sind sie nicht mehr "in" Adam (l.Korinther 15:22), das heißt, sie gehören nicht mehr der alten Schöpfung an, sondern sie gehören zur neuen Schöpfung, weil sie "in Christus Jesus" sind:
Römer 8:2
Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. (Vergleiche auch Ga1 4:5,26.)
Römer 6:2,6
2 Wir, die wir der Sünde Gestorben sind, wie sollten wir noch in ihr
leben? 6 Da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitaekreuzigt worden
ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wTr der Sonde nicht
mehr dienen.
f. Die neue Schöpfung
Während die Botschaft vom Königreich auf Erden den kommenden Äon angeht (nämlich den der Wiedergeburt), betrifft die himmlische Botschaft den darauffolgenden Äon, den der neuen Schöpfung. Die Söhne können schon jetzt an ihr teilhaben:
2.Korinther 5:17
Daher, wenn jemand in Christus ist. so ist er eine neue Schöpfung;
das Alte ist vergangen, siehe. Neues ist geworden.
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Ga1 6:15
Denn weder Beschneidung noch Unbeschm'ttensein gilt etwas, sondern eine neue Schöpfung.
Man befindet sich jedoch noch immer "in den Äonen", so dass noch die Rede sein kann von "äonischem Leben", das bis in den Äon der Neuen Himmel und Erde hineinreicht:
Römer 6:23
Denn der Lohn der Sünde ist Tod, die Gnadengabe Gottes aber äoni-sches Leben in Christus Jesus, unserem Herrn. (Vergleiche Ga1 6:8; Titus 1:2.)
g. Das Innewohnen des Geistes Gottes in den Söhnen
Man hat des öfteren gemeint, dass Pfingsten dadurch gekennzeichnet werde, dass von da an der heilige Geist in bleibende Gemeinschaft mit den Christen gekommen sei, anstatt sie, wie bei den Gläubigen des Alten Testamentes, lediglich eine Zeitlang zu beeinflussen. Dies ist jedoch ein Irrtum - der Geist wohnt nicht in alten Gläubigen, sondern in denen, die nach der Zeugung aus Gott bis zur Sohnschaft gelangt sind:
Römer 8:9-11
Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein.
10 Ist aber Christus in euch, so ist zwar der Leib tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen.
11 Wenn aber der Geist Dessen, der Jesus aus Toten auferweckt hat, _m euch wohnt, so wird Er. Der Christus Jesus aus Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen Seines _m euch wohnenden Geistes.
Dass Paulus hier zu Söhnen spricht, zeigt der Textzusammenhang deutlich, unter anderem auch die folgenden Verse, die ebenso von der Wirksamkeit des Geistes Gottes in den Söhnen sprechen:
Römer 8:13-15
13 Denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.
14 Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes.
15 Denn ihr habt nicht einen Gelist der Sklaverei empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater!
Man hat des öfteren gemeint, man könne dem Ausdruck "erfüllt mit heiligem Geist", der am Anfang der Apostelgeschichte gebraucht wird (Apostelgeschichte 2;
4; 4:31) eine besondere Bedeutung zuschreiben. Wir verweisen hier jedoch auf den Artikel "Der heilige Geist" - "heiliger Geist" in diesem Beröer auf Seite 419.
416
Aus all diesem ist auch zu ersehen,-dass die neue Segnungssphäre nichts mit Pfingsten zu tun hat, denn zu diesem Zeitpunkt hatte noch niemand ausführliche Kenntnis von diesem Evangelium: Paulus war der erste, der es verkündigen sollte. Dagegen waren die Ereignisse an Pfingsten die Erfüllung einer Verheißung an Israel:
Joel 2:28-29
28 Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen.
29 Und selbst über die Knechte und über die Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen. (Vergleiche Apostelgeschichte 2:16; Jesaja 44:3.)
h. Die Versöhnung
Nun wird von Paulus neben der Rechtfertigung die Betonung auf die Versöhnung gelegt:
Römer 5:9-11
9 Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn nerettet werden.
10 Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt (griech.kata^-lasso;) wurden durch den Tod Seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind (griech.katallasso), durch sein Leben gerettet werden.
11 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung (griech.katallagä) empfangen haben. ^
Römer 11:15
Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung (griech.katallagä) der weit ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus Toten?
Paulus allein ist es, der über die Versöhnung spricht; alle Stellen:
"katallagä" = "Versöhnung" Römer 5:11; 11:15; 2.Korinther 5:18,19;
"katallasso" = "versöhnen" Römer 5:10.10; 1.Korinther 7:11; 2.Korinther 5:18.19.20.
4. SCHlussBEMERKUNG
Dies war also das besondere Evangelium, das Paulus während des letzten Teils der Apostelgeschichtezeit predigte. Als die Juden das Königreich verwarfen und so das Kommen der irdischen Segnungen - auch für die Nationen - verzögerten, fing Paulus im Auftrag Gottes an, über die himmlische Segnungssphäre zu sprechen. Gottes Ziel war ein dreifaches:
Zuerst sollte die Verwirklichung von Gottes Heilsplan durch die Sünde Israels nicht unterbrochen werden.
417
Folglich sollte der Heilsweg für die Nationen nicht unterbrochen werden. Und schließlich sollte Israel hierdurch zur Eifersucht gereizt werden (Römer 10:19; 11:11).
Man verstehe uns hier nicht falsch: Wenn Paulus auch immer wieder seine Sendung an die Nationen betont, so schließt dies doch keinesfalls aus, dass die Israeliten an diesem Evangelium teilhaben sollten (zum Beispiel Römer 3:
29,30; 4:11.12). Ja. zur Zeit der Apostelgeschichte, als diese Botschaft verkündigt wurde, war Israel noch immer als auserwähltes Vo'lk von Gott angenommen, so dass die Juden, was die Nationalität und Verwaltung angeht, die erste Stelle einnahmen! Darum lesen wir in den Paulus-Briefen aus dieser Zeit noch mehrmals: "... sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen" (Römer 1:16.; 2:9,10; 3:1,2). Die Juden konnten also sehr wohl persönlich und geistlich an dieser himmlischen Stellung teilhaben, schreibt Paulus doch, dass ihrer "die Sohnschaft ist" (Römer 9:5). Auch wenn die Botschaft von Paulus insbesondere die der Vorhaut genannt wird, so will das doch nicht sagen, dass die Juden ausgeschlossen wären. Es geht vielmehr darum, dass sie Segnungen betrifft, die Abraham vor der Einsetzung der Beschneidung gegeben wurden (Römer 4:9-12) und die nichts mit Israels als Volk der Beschneidung zu tun haben. Um daran Anteil haben 'zu können, ist es nicht hotwendio Jude zu sein, sondern man muss mit Christus sterben, sich im Geist vollkommen vom Alten Menschen trennen, durch den Glauben gerechtfertigt werden (Galater 2:16).
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»DER heiligE GEIST« UND »heiligER GEIST« ( Frei nach S. Van Mierlo )
Ar| dieser Stelle möchten wir auf die Notwendigkeit aufmerksam machen. deutlich zwischen dem heiligen Geist, der göttlichen "Person", und "heiligem Geist", nämiTci der Gabe, der Kraft, ^zu unterscheiden. Wenn in BeTn ^nermeisten Übersetzungen diese Unterscheidung auch nicht zu finden i'U. so ist sie doch notwendig, zumal die heilige Schrift, also der von G§tt inspirierte Grundtext, sie vornimmt. Ist nämlich von dem heiligen G^ist, also Gott Selbst, die Rede, findet sich immer der Artikel im en Text. Wird jedoch über die Gabe, die Kraftauswirkung des heiligen Geistes gesprochen, also über "heiligen Geist", so fehlt der Artikel. Hier zwei Beispiele:
Matthäus 3:11
Ich (Johannes) zwar taufe euch mit Wasser zur Sinnesänderung ... er (Jesus Christus) wird euch mit heiligem Geist und Feuer taufen.
Apostelgeschichte 13:52 Die Jünger aber wurden mit Freude und hei'1 igem Geist erfüllt.
Stellen wie diese, in dene.n von der Kraft» von der Gabe "heilic'er Geist" die Rede ist, haben manche darauf schließen lassen, der Heilipe Geist s^i weder eine Person noch Gott, sondern einzig und allein eine Art von K^aft. Lesen wir nun jedoch zwei Stellen, in denen "der heilige Geist" vorkommt, wo also der Artikel verwendet wird:
Johannes 14:26
Der Sacharjawalter aber, der heilige Geist (griech.: der Geist der heilige), Welchen der Vater senden wird in meinem Namen, Jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Hebr.3:7
Deshalb, wie der heilige Geist spricht: "Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht ..." (aus Psalm 95:7ff)
Wir sehen also, dass der heilige Geist sowohl redet als auch lehrt, ja, E^ kann sogar belogen oder gelästert werden (Apostelgeschichte 5:3; Lukas 12:10), das sind alles Dinge, die bei einer "Kraft" nicht möglich wären.
G^mäß Apostelgeschichte 1:4 nun sollten die Apostel in Jerusalem auf die Verheißung d@s Vaters warten (die übrigens eine sehr alte Verheißuno war, die Israel galt: Joel 2:28; 3:2; Jesaja 44:3). Nun lehrt Lukas 24:49. dass diese Verheißung darin bestand, mit Kraft aus der Höhe angetan zu werden. Darum lesen wir auch in:
Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist (griech.:
der heilige Geist) über euch gekommen ist ...
Diese Verheißung wurde am Pfingsttage erfüll t:
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Und sie wurden alle mit heiligem Geist (ohne Artikel!) erfüllt und fingen an, in andersartigen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
In diesem Vers sehen wir deutlich den Geber, nämlich "den Geist", der ihnen "gab auszusprechen", und die Gabe "heiliger GeisT^T mit der sie alle er füll t wurden. Während der Zeit der Apostelgeschichte gab es des öfteren sichtbare Auswirkungen dieser Kraft, wie zum Beispiel das Reden in anderen Sprachen.
Wichtig ist auch, dass die Zeugung aus dem Geist nur einmal geschieht, während die Erfüllung mit heiligem Geist nicht ein für alle Mal stattfindet, sondern wiederholt wird. so oft der heilige Geist dies für gut erachtet. Ein Beispiel ist:
Apostelgeschichte 4:31
... und sie wurden alle mit heiligem Geist (ohne Artikel) erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.
Diese Erfüllung war für die Apostel jedenfalls eine Wiederholung, und auch hier hat sie sichtbare Folgen, nämlich das Reden des Wortes Gottes mit Freimütigkeit.
Im Folgenden geben wir alle Stellen an, in denen von Geist (oriech.pneu-ma) in Bezug auf Gott die Rede ist:
1. to pneuma to hagion = der Geist der heilige
Matthäus 12:32; Markus 3:29; 12:26; 13:11; Lukas 3:22; Johannes 14:26; Apostelgeschichte 1:16;
Apostelgeschichte 5:3.32; 7:51; 10:44; 13:2.4; 18:8; 19:6; 20:23,28; 21:11; 28:25;
Epheser 1:13; 4:30; Hebräer 9:8; 10:15.
2. to hagion pneuma = der heilige Geist
Matthäus 28:19; Lukas 12:10,12; Apostelgeschichte 1:8,33,38; 9:31; 10:45; 15:28; 16:6;
l.Korinther 6:19; 2.Korinther 13:13 (14); 1.Johannes 5:7.
3. to pneuma = der Geist
Matthäus 12:31; Markus 1:10.12; Lukas 2:25; Johannes 7:39a; Apo 2:4b; Apq 6:10;
Apostelgeschichte 8:29; 11:28; 21:4; Römer 8:16; 1.Korinther 12:7.8; Ga1^3:14; 1.Petrus 3:
18; 1.Johannes 3:24; 5:6 (2x); Offenbarung 2:7,11.17,29; 3:6.13.22; 14:13;
22:17.
4. pneuma hagion = heiliger Geist (Gabe bzw. Kraft des Heil ine n Geistes)
Matthäus 1:13,20; Lukas 1:15; 3:16; 4:la; 11:13; Johannes 7:39b; 20:22;
Apostelgeschichte 1:2.5; 2:4a; 4:8; 4:31; 6:3.5; 7:55; 8:15,17.19; 9:17; 10:38;
Apostelgeschichte 11:16,24; 13:9.52; 19:2 (2x); Römer 5:5; 9:1; 14:17; 15:13.16;
l.Korinther 12:3,7; 2.Korinther 6:6; 1.Thessalonicher 1:5.6; 2.Timotheus 1:14; Titus 3:5;
1.Petrus 1:12; 2.Petrus 1:21; Jud 20.
420
»DER MENSCHLICHE LEIB« ( S. Van Mierlo )
Gewöhnlich nimmt man an, dass unser Leib etwas rein Materielles sei, während Seele und Geist nicht-materiell wären und diesen Leib verlassen könnten. Auch auf diesem Gebiet ist es notwendig, dass wir unsere Vorstellungen überprüfen und verbessern, um sie mehr mit dem in Übereinstimmung zu bringen, was die Schrift uns lehrt. Viele heidnische Begriffe beeinflussen auch die Christen und wurden in deren menschliche Überlieferung aufgenommen. Es ist deshalb auch für Gläubige nicht einfach, sich deren Einfluss zu entziehen.
wäre der Leib rein materiell, würde er nach dem Sterben verschwinden, denn die Moleküle und Kräfte, aus denen er besteht, werden von anderen Organismen aufgenommen. Die Auferstehung des Leibes wäre dann unmöglich, und man kann verstehen, dass darum viele den Gedanken der Auferstehung verwerfen.. Die Schrift spricht jedoch niemals von der Auferstehung des Fleisches, also des Materiellen, sondern von der Auferstehung des gan-zen Menschen mit Geist. Seele und Leib. Hier haben wir einen Fall vorliegen, in dem Gläubige durch ihre nicht schriftgemäße Lehre viel zur gegenwärtigen Verwirrung, Unwissenheit und zum Unglauben beigetragen haben.
Die Schrift lehrt, dass der Leib nach dem Sterben bestehen bleibt, selbst wenn alle materiellen Teilchen zerstreut sind. Die folgenden Texte zeigen deutlich, dass das Wort "Leib" in der Bibel mehr andeutet, als etwas rein Materielles:
Römer 8:11
Wenn aber der Geist Dessen, der Jesus aus Toten auferweckt hat, in euch wohnt», so wird Er, der Christus Jesus aus Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen Seines in euch wohnenden Geistes.
Römer 8:23
Nicht allein aber (die ganze Schöpfung)» sondern auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben» auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes.
l.Korinther 15:40-44
40 Und es gibt himroli sehe Leiber und irdische Leiber. ...
42 So ist auch die Auferstehung~der Toten. Es wird gesät in Verweslich-keit, es wird auferweckt in Unverweslichkeit.
43 Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit;
es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft;
44 es wird gesät ein seelischer Leib, es wird auf'erweckt ein geistlicher Leib. Wenn es einen seeliscien Leib gibt, so gibt es auch einen ge"ist1ichen.
421
1.Korinther 15:51-53
51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: mir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden,
52 in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.
53 Denn dieses Verwes 11 ehe muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen.
Ph11 3:21
Der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichgestalt (symmorphos) mit Seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen.
Auch nach der Auferstehung hat man noch "seinen" Leib» doch ist er dann unverweslich, herrlich, voller Kraft, geistlich. Man achte darauf, dass die Schrift nicht sagt, dass wir einen neuen Leib bekommen werden, doch dass im Gegenteil von "lebend machen", "erlösen"» "auferstehen", "anziehen", "verändern" gesprochen wird. Der Leib bleibt also in seinem eigentlichen Wesen erhalten, er hat aber verschiedene Bestehensweisen. Er ist ein Organismus, der seinem Wesen nach nicht stofflich ist, sich jetzt aber als aus materiellen Molekülen aufgebaut erweist. Dies ist eine "Akzidens", eine Bestehensweise, nicht eine "Essenz", eine Wesenhaftigkeit. Wir wissen doch, dass der Bestand an Molekülen, die unseren Körper bilden, im Laufe der Zeit (ca.sieben. Jahre) fast vollständig ausgetauscht wird. Die Moleküle können also durch andere ersetzt werden, während der Leib bleibt. Bei der Auferstehung nimmt der Leib eine neue Bestehensweise an, die unseren gegenwärtigen "natürlichen" Zustand vollkommen übersteigt und deshalb für uns unbegreiflich ist.
Was geschieht nach dem Sterben? Der Lebensgeist Gottes wirkt nicht mehr im Organismus, das Zoll-Leben hört auf, die organischen Moleküle werden in einfachere Strukturen zerlegt. Der Leib besteht dann sehr wohl noch, doch in anderer "Form", das Stoffliche verschwindet. Das ist der Zustand, den Paulus mit den Worten "nackt erfunden werden" und "entkleidet" charakterisiert:
2.Korinther 5:1-4
1 Denn wir wissen, daß, wenn unser irdisches Zelthaus zerstört wird, wir einen Bau von (ek = aus) Gott haben, ein nicht mit Händen gemachtes, äonisches Haus in den Himmeln.
2 Denn in diesem freilich seufzen wir und sehnen uns danach, uns mit unserer Behausung aus dem Himmel zu'überkleiden,
3 insofern wir ja bekleidet, nicht nackt erfunden werden.
4 Denn wir freilich, die in dem Zelt sind, seufzen beschwert, weil wir uns nicht entkleiden, sondern überkleiden möchten, damit das Sterbliche verschlungen werde vom Leben.
In diesem Teil seines Briefes unterscheidet der Apostel drei Arten von Zuständen:
422
1. Mit dem "irdischen Zelthaus" deutet er die stoffliche Bestehensweise an, an die wir gewöhnt sind und die nach dem Sterben zerfällt.
2. Mit "nackt" oder "entkleidet" meint er den Zustand nach dem Sterben.
3. Mit "Behausung aus dem Himmel" umschreibt er die geistliche Bestehensweise nach der Auferstehung.
In Vers 4 drückt er den Wunsch aus, direkt vom Zustand l in den Zustand 3 überzugehen, also nicht zu sterben, sondern verändert zu werden (durch die Entrückung; vergleiche 1.Korinther 15:51).
Man muss darauf achten, dass das Wort "Leib" verschiedene Bedeutungen haben kann, und dass es in der gewöhnlichen Umgangssprache - die ganz an das Materielle angepaßt ist - sehr wohl den sichtbaren, materiellen Körper bezeichnen kann. Wenn der Apostel dann sagt: "einheimisch im Leib" und: "möchten lieber ausheimisch vom Leib und einheimisch beim Herrn sein" (2.Korinther 5:6), dann meint er den sichtbaren Leib. Vercileiche auch 2.Korinther 12:2.3; Hebräer 13:3.
Wir können also drei Arten von "Leib" unterscheiden, die alle mit dem gnechi sehen Wort "söma" bezeichnet werden:
1. Der eigentliche Leib, der unsichtbar ist, die Struktur jedes einzelnen Menschen.
2. Der materielle, sichtbare Körper, also die irdische Bekleidung aus Atomen und Molekülen.
3. Die überhimmlische, geistige Bekleidung.
Wenn der Mensch stirbt, geht er in den "Hades", das Unsichtbare. Es ist der ganze Mensch, der dorthin geht, einschließlich des Leibes. Letzterer ist lediglich in seiner "natürlichen" Form den diesseitigen Naturgesetzen unterworfen, nicht jedoch im nackten Zustand, während des Todes, oder im herrlichen Zustand, nach der Auferstehung. Man weiß, dass der Spiritismus, die Theosophie und andere antichristliche Strömungen die Auferstehung leugnen und behaupten, die Gestorbenen seien "Geister" ohne Leib. Glaubt man jedoch der Schrift gemäß, dass die Gestorbenen wirklich tot und nicht lebend sind, ist man nicht mehr allerlei Verführungen in diesen Dingen ausgesetzt» denn Gottes Wort ist es, das uns beschirmt.
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Inhalt
Karel Claeys
»Die Erlösung der Schöpfung durch den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi« ....................
Karel Claeys »Gesetz und Gnade« ...........
S. Van Mierlo
»Die Lehre des Apostels Paulus« -
Ansichten bezüglich des Gesetzes
DIE ERLÖSUNG DER SCHÖPFUNG DURCH DEN KREUZESTOD UND DIE AUFERSTEHUNG JESU CHRISTI
Karel Claeys
Der Kreuzestod und die Auferstehung Christi bilden zusammen eine untrennbare Einheit. Beide Geschehnisse sind Zentralpunkte des gesamten Schöpfungs- und Heilswerkes Gottes mit der ganzen Welt. Aufgrund dieser Untrennbarkeit von Kreuzestod und Auferstehung wollen wir zunächst auf die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu für die Erlösung der gesamten Schöpfung hinweisen. Danach betrachten wir das Ereignis der Auferstehung, das zwar außerhalb des Bereiches des physikalisch Erforschbaren liegt, aber dennoch eine alles umfassende Bedeutung auch für unsere diesseitige materielle, physikalisch und biologisch erforschbare Schöpfung hat. Unsere Ausführungen gliedern sich infolgedessen in vier Teile:
1. Die Erschaffung und der Fall der Schöpfung und ihre Erlösung durch den Kreuzestod Jesu.
2. Die Auferstehung als Verwandlung eines irdischen Leibes in einen himmlischen Geistleib.
3. Die Auferstehung Jesu Christi.
4. Die zukünftige Verwandlung der gefallenen Welt zu einem unvergänglichen Kosmos.
1. Die Erschaffung und der Fall der Schöpfung und ihre Erlösung durch den Kreuzestod Jesu
Eine genaue Definition, was das Wort Gottes oder was der Logos Gottes ist, steht in den ersten Versen des Johannesevangeliums:
Johannes 1:1-3
1 Im Anfang war der Logos und der Logos war bei Gott und Gott war der Logos.
2 Dieser war im Anfang bei Gott.
3 Alles (das All) wurde durch ihn und ohne ihn wurde nicht eines, das geworden ist.
Diese Bibelstelle sagt klar, dass das Wort Gottes selbst Gott ist. "Und Gott war das Wort." Der Logos, das Wort als zweite "Person" des Dreieinen Gottes, wurde nicht erschaffen von Ihm, sondern ist der Schöpfer Selbst. Deshalb heißt es in unserem Text: "Alles wurde durch Ihn". Schon hier wird der Wesensunterschied zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung klar. Der Schöpfer ist der überräumlich, überzeitlich Seiende. Er ist nicht erschaffen, nicht geworden oder entstanden. Er altert nicht, sondern er ist immer Derselbe (Mal 3:6; Hebräer 13:8). Deshalb ist sein Name "Jahwäh", das heißt "der Seiende". Die Schöpfung dagegen hat einmal einen Anfang gehabt und wird einmal ein Ende haben. Gott hat einmal die ganze Schöpfung, also Raum, Zeit und Materie erschaffen. Sie, die Schöpfung, existiert
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durch die Kraftauswirkung (doxa) Gottes (Hebräer 1:3). Nun hat Gott sie im Anfang zwar vollkommen erschaffen, aber vollendet ist sie noch nicht. In 5.Mose 3:2 lesen wir: "Vollkommen sind die Werke Jahwähs". Hier steht das hebräische Wort tamim = vollkommen, fehlerlos. Dennoch verblieb die Schöpfung nicht in diesem tadellosen Zustand, sondern wurde der Vergänglichkeit unterworfen:
Römer 8:20-22
20 Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden, (nicht mit Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat,)
21 auf Hoffnung, dass auch selbst die Schöpfung freigemacht werden wird von der Knechtschaft des Verderbnisses zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.
22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt.
Wir leben in einem gefallenen Kosmos, dessen Fürst der Widersacher Gottes, nämlich der Satan ist. Nach dem heutigen Stand der Naturwissenschaft ist man größtenteils der Auffassung, dass das Weltall einmal ein Ende finden wird, ja, dass es der vollkommenen Vernichtung entgegengeht. In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch auf die Bücher von Bernhard Philberth: "Der Dreieine" und "Das All" hinweisen, in denen ausführlich vom Ende der Schöpfung aus physikalischer Sicht die Rede ist. Ferner wissen wir, dass es schon seit ca. drei Milliarden Jahren Tod und Verderben auf der Erde gibt, das heißt wir befinden uns in einer vergänglichen, gefallenen Welt. Das Endziel, welches Gott in Seinem Schöpfungsplan festgelegt hat, ist aber keinesfalls Vernichtung, sondern vielmehr die Umwandlung der alten Schöpfung in eine neue, unvergängliche Welt (Offenbarung 21:1). Und für dieses Ziel steht der Logos, steht das Wort Gottes, Das nicht gebrochen werden kann, Bürge (Offenbarung 3:14; 2. Korinther 1:20).
Hat nun Gott bereits vor der Erschaffung des Weltalls die Sünde und den Fall des Kosmos vorausgewusst, so hat er - ebenfalls bevor die Welt war -die Erlösung der gefallenen Schöpfung in Seinem Heilsplan festgelegt:
I.Petrus 1:18-20
18 ..., indem ihr wisset, dass ihr nicht mit verweslichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel,
19 sondern mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken;
20 Welcher zwar zuvorerkannt ist vor der Niederwerfung (griech.katabolä) der Welt, aber geoffenbart worden am Ende der Zeiten um euretwillen.
Die ganze Bibel bezeugt, dass Gott und nur er allein, der Erlöser seiner Schöpfung ist. Zum richtigen Verständnis der Welterlösung ist es zunächst unbedingt erforderlich, den Begriff "Erlösung" aus dem Blickwinkel Gottes zu betrachten. Einen Einblick in das göttliche Erlösungsprinzip erhalten wir aus der Tora, das heißt aus dem Gesetz, das Gott durch Mose Seinem auserwählten Volk Israel gab:
Ein Verschuldeter, der nicht in der Lage war, seine Schuld zu be-
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zahlen, konnte sich nach dem Gesetz Jahwähs nur von seinem nächsten Verwandten einlösen lassen. Dieser Verwandte heißt auf hebräisch: "go'el", das heißt buchstäblich: "Löser". Eine andere beliebige Person konnte nicht für den Verschuldeten eintreten.
Es ist äußerst wichtig, dass der Begriff "go'el" außer als Bezeichnung des nächsten Verwandten eines Verschuldeten nur noch für Jahwäh, für Gott verwendet wird. Nach der Bibel ist Jahwäh der Löser, der "go'el" Israels (Jes 44:6), der Menschheit (Johannes 17:20), ja des gesamten Universums (Römer 8:19-21). Hier aber stehen wir vor einer Schwierigkeit: Wie bereits gesagt ist Gott der Allein-Seiende. Die Schöpfung steht somit in keinerlei Wesensverwandschaft mit Gott dem Schöpfer, sie ist vergänglich. Vom Gesichtspunkt des Löser-PrinziPsalm aus ist somit eine Erlösungstat des Schöpfers, für welches Erschaffene auch immer, scheinbar völlig ausgeschlossen. Und dennoch betont die Bibel im Alten Testament vierzig mal, dass Jahwäh der Löser, der "go'el" der Welt ist (Anhang 1 am Schluss dieses Aufsatzes). Dieses Paradoxon wird aber gelöst, wenn wir nochmals den Prolog des Johannesevangeliums betrachen:
Johannes 1:1,14 1 Im Anfang war der Logos und der Logos war bei Gott und Gott war
der Logos. 14 Und der Logos wurde Fleisch ...
Um Löser der gefallenen Schöpfung zu werden, musste das Wort Fleisch, ja Mensch werden. Durch seine Menschwerdung wurde der Logos, nämlich Christus, aller Weltschichten der diesseitigen Schöpfung teilhaftig: sowohl der physikalischen, der biologischen, der animalischen wie auch der anthropologischen. Gerade in dieser Teilhaftigkeit wurde Gott, indem er Fleisch wurde, der "go'el", der Löser oder Erlöser der ganzen Schöpfung. Und diese Erlösungstat hat er auf Golgatha, durch seinen Kreuzestod vollbracht. Als Repräsentant der gefallenen, materiellen Schöpfung starb der fleischgewordene Logos und söhnte die Schöpfung mit Sich, das heißt mit dem Schöpfer, aus.
2. Die Auferstehung als Verwandlung eines irdischen Leibes in einen himmlischen Geistleib
Bevor wir über die Auferstehung Jesu Christi sprechen, soll Zunächst der Vorgang der Auferstehung allgemein und hiermit auch der Unterschied zwischen dem irdischen und dem himmlischen Leib dargelegt werden. Eine klare Aussage über diesen Gegenstand gibt wohl das 15.Kapitel des I.Korintherbriefes; lesen wir aus diesem aufschlussreichen Kapitel der Bibel die Verse 40,44 und 47:
40 Und es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber, und andersartig (griech. heteros) ist die Herrlichkeit (doxa = Kraftauswirkung) der himmlischen, eine andere die der irdischen Leiber.
44 Es wird gesät ein seelischer (natürlicher) Leib, es wird (bei der Auferstehung) auferweckt ein geistiger Leib.
47 Der erste Mensch ist aus irdischer Materie (choikos), er ist aus Staub, der zweite Mensch ist aus dem Himmel.
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Diese drei Stellen aus I.Korinther 15 zeigen ganz eindeutig die Andersartigkeit zwischen dem irdischen Körper, der aus Materie, aus Atomen und Molekülen aufgebaut ist und jenem Geistleib, der der Transzendenz, der überhimmlischen Sphäre angehört. Pflanzen, Tiere und Menschen haben irdische Leiber; Engel, Cherubim, Seraphim und andere Geistwesen aber haben himmlische Leiber. Zu der ersten Kategorie gehören sämtliche biologischen Lebewesen, die im Verlauf der Zubereitung von niedrigen zu immer höheren Formen enstanden sind, wie dies das erste Kapitel der Bibel treffend beschreibt. Die letzte und am meisten fortgeschrittene Stufe dieser biologischen Entwicklung ist der Mensch, deshalb umschließt er wie ein Mikrokosmos alle Weltschichten der diesseitigen Schöpfung, die im Verlauf der Erdgeschichte stufenartig entstanden sind:
Die untere Seinsschicht ist die der Materie und Energie. Übergeordnet ist dann die Schicht des organischen und des biologischen Lebens, also Pflanzen und Tiere.
Dieser wiederum ist die "Schicht" des menschlichen Geistes übergeordnet.
Man kann dies so ausdrücken: Jede höhere Schicht schließt die tiefere ein. Sie beherrscht, durchdringt und umfasst sie. Doch alle diese Schichten, die im Menschen vereint sind, gehören der vergänglichen, diesseitigen Schöpfung an. Sämtliche organischen Lebewesen sind von daher den physikalischen, chemischen und biologischen Gesetzen, die den Stoffwechsel und das Wachstum, aber auch das Altern und den Tod bestimmen, unterworfen. So wie Pflanzen und Tiere vermögen auch die Menschen nicht, sich aus der Beschränkung dieser Gesetze zu befreien. Im Gegensatz zu den irdischen Körpern sind die himmlischen Leiber oder Geistleiber diesen Gesetzen nicht mehr unterworfen. Geistleiber sind unverweslich, sind himmlischer, transzendenter Art. Sie zeichnen sich durch eine bestimmte Kraftauswirkung (doxa), Dynamik aus, wie dies die bereits zitierten Verse aus I.Korinther 15 deutlich darlegen. Jene Lebewesen, die mit einem himmlischen (im en steht buchstäblich: überhimmlischen) Leib bekleidet sind, vermögen nach den ihnen zur Verfügung stehenden göttlichen Gesetzen, ihren Körper völlig zu beherrschen. Dies schließt die Möglichkeit der Umgestaltung in einen, dem biologischen Körper ähnlichen Leib mit Fleisch und Gebein (Lukas 24:39) mit ein, geht aber weit darüber hinaus, ohne dabei von den Naturgesetzen der niedrigen, sichtbaren Schöpfung abhängig zu sein. Die vielen biblischen Berichte über das Erscheinen von Engeln, wie auch jene über die Leiblichkeit Christi nach seiner Auferstehung, geben uns hierfür ausführliche Belege. So konnte Jesus durch jede Art von Gegenstand hindurchgehen, wie zum Beispiel durch die geschlossenen Türen des Obersaales, und sich den Menschen offenbaren oder verhüllen. So viel zum Unterschied zwischen der irdischen und der himmlischen Leiblichkeit.
Für die Auferstehung ist fernerhin noch die Frage wesentlich, ob der Mensch mit einem völlig neuen Leib aufersteht, oder mit demselben, den er bereits vor seinem Sterben hatte. Es liegen uns zur Erklärung der Auferstehung des menschlichen Körpers verschiedene Stellen im Neuen Testament vor, die sich zum Teil scheinbar widersprechen. Mehrere Bibel-
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stellen scheinen anzudeuten, dass der Mensch bei der Auferstehung einen völlig neuen himmlischen Leib erhält, nämlich nachdem der irdische unter Verwesung aufgelöst worden ist. Dagegen besagen andere Stellen, dass der vorhandene irdische Leib bei der Wiederkunft Christi in einen Geistleib verwandelt wird. Die Lösung dieses scheinbaren Widerspruches besteht darin:
In den ersten Stellen, wie zum Beispiel 2.Korinther 4:15, wird der Leib als die Substanz verstanden, aus der er aufgebaut ist. "Irdischer Leib" besagt somit, dass der Körper aus materieller, irdischer Substanz besteht. "Himmlischer Leib" dagegen bezeichnet die himmlische, geistige Substanz dieser Leiblichkeit. Nicht der Leib als solcher, sondern die Substanz der Leiblichkeit wird in diesen Schriftstellen hervorgehoben. Die weiteren Stellen jedoch, also Römer 8:11,23; Phil 1:20 und I.Korinther 15:23, sprechen von dem eigentlichen Leib, ohne zu berichten, ob er von irdischer oder himmlischer Substanz aufgebaut oder ob er nackt ist (2.Korinther 5:3; I.Korinther 15:37).
Was versteht die Bibel unter dem Begriff "nackt" bezüglich der Leiblichkeit? Unserer meinung nach ist damit Jener Zustand des Leibes gemeint, wo der Körper von der irdisch-materiellen Substanz entkleidet ist. Der Leib existiert, aber ist weder mit den Molekülen und Atomen dieser Welt noch mit überhimmlischer "Substanz" bekleidet. Auch dann ist der Leib noch da, aber nur als bloßer Plan, als eine Information in Gott. Bei der Auferstehung wird dann der nackte Leib neu mit überhimmlischer Kraftpotenz bekleidet. Hieraus ist klar zu entnehmen, dass auch während des Todeszustandes der Leib, obwohl substanzlos, dennoch bestehen bleibt.
Bedenken wir in diesem Zusammenhang, dass schon bei der Zeugung eigentlich der ganze Leib "da ist", nämlich in den kompletten Informationen, die in der befruchteten Eizelle vorliegen. Dieser Körper wird im Laufe des kindlichen Wachstums aus der Materie aufgebaut, die der Nahrung entnommen wird. Schließlich gilt in unserem jetzigen irdischen Zustand, dass sich der materielle Bestand unseres Körpers nach ungefähr sieben Jahren vollständig erneuert hat (mit ein paar kleinen Ausnahmen). Und dennoch haben wir den gleichen Leib wie vorher!
Dies macht deutlich, dass der Leib, der mit der Seele und dem Geist des Menschen eine unteilbare Einheit bildet, unsichtbar ist. Sichtbar ist nur die irdische Substanz, mit der der Leib "bekleidet" ist, wie die Bibel dies ausdrückt:
2.Korinther 5:1-4
1 Denn wir wissen, daß, wenn unser irdisches Zelthaus zerstört wird, wir einen Bau aus Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein äonisches, in den Himmeln.
2 Denn in diesem freilich seufzen wir, uns sehnend, mit unserer Behausung, die aus dem Himmel ist, überkleidet zu werden;
3 so wir anders, wenn wir auch bekleidet sind, nicht nackt erfunden werden.
4 Denn wir freilich, die in der Hütte sind, seufzen beschwert, wiewohl wir nicht entkleidet sondern überkleidet werden möchten, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben.
Wir halten somit als Ergebnis fest, dass die Materie, die Elementarteil-
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chen, Atome und Moleküle, mit denen unser irdischer Leib bekleidet bzw. aufgebaut ist, nicht mit dem eigentlichen Leib des Menschen identisch sind. Um auf die Auferstehung zurückzukommen, muss festgestellt werden, dass es drei Zustände gibt, aus denen die Umwandlung zum geistig-himmlischen Leib vor sich gehen kann:
1. Der Nacktzustand im Tode, wo der irdische Stoff des Leibes nicht mehr vorhanden ist (2.Korinther 5:3).
2. Der Zustand des biologischen lebenden Menschen. Hier wird bei der Entrückung der irdische Leib überkleidet und so in einen Geistleib verwandelt (2.Korinther 5:4; i.Korinther 15:51-53).
3. Die Leiber von Verstorbenen, die bei der Auferstehung nicht oder noch nicht völlig in Verwesung übergegangen sind.
Um diesen dritten Zustand, der in einem bestimmten Sinn die beiden ersten in sich schließt, hat es sich bei der Auferstehung Christi gehandelt. Bis hierher unsere Untersuchung der Auferstehung, wie sie sich uns im diesseitig-materiellen Kosmos darstellt.
3. Die Auferstehung Jesu Christi
Nach diesen Ausführungen wollen wir die Frage aufwerfen: Ist die Auferstehung Jesu physikalisch erklärbar? Könnte man vielleicht die Verwandlung des Leibes Jesu bei seiner Auferstehung nicht mittels der Einstein-schen Formel: griechische = m c^, das heißt: Energie = Masse x Lichtgeschwindigkeit im Quadrat, erklären? Nun, Materie lässt sich zwar tatsächlich in Energie umwandeln. Solche Umwandlungen finden heute zum Beispiel in Teilchenbeschleunigern oder bei Nuklearexplosionen statt. Die so freiwerdende Energie ist und bleibt jedoch diesseitiger, physikalischer Natur; deshalb muss dieser Erklärungsversuch entschieden abgelehnt werden! Jede Auferstehung ist auf einen überphysikalischen Vorgang zurückzuführen, bei dem ein irdischer Körper durch eine transzendente oder biblisch ausgedrückt überhimmlische Kraft überkleidet und verwandelt wird. Dieses Geschehen beschreibt Paulus so: Das Sterbliche wird verschlungen von dem Leben (2.Korinther 5:4), das heißt von dem wahren Leben, das nur Christus gibt. Im gleichen Sinne schreibt der Apostel in I.Korinther 15:54-55: Das Verwesliche muss Unverweslichkeit und das Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Dann wird erfüllt werden, was geschrieben ist: Verschlungen ist der Tod im Sieg. Die Verwandlung, die sich an Ostern bei der Auferstehung Jesu Christi ereignete und an der einmal auch die bis in Christus hinein (griech.eis) Gläubigen teilhaben werden, war ein Verschlungenwerden der physikalischen, irdischen Daseinsform des Körpers durch einen unvergänglichen, überphysikalischen Geistleib. Bewirkt wurde dies durch die Kraft von Gottes Geist. Eine Vernichtung der materiellen Substanz bei der Auferstehung Jesu ist völlig ausgeschlossen. Die Auferstehung Jesu geschah nicht durch eine physikalisch bedingte Umwandlung von Materie in Energie, sondern durch die Kraftauswirkung Gottes wurde ein irdischer Körper zu einem himmlischen, transzendenten Leib verwandelt.
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4. Die zukünftige Verwandlung der gefallenen Welt zu einem neuen, unvergänglichen Kosmos durch die Auferstehung Christi
Wie wir bereits gesehen haben, gibt es zwischen der physikalischen und der überphysikalischen Schöpfung eine unüberschreitbare Kluft. Kein diesseitiges Geschöpf vermag sie zu überschreiten oder sich aus dem Bereich der diesseitigen, materiellen zu der überhimmlischen Bestehensweise zu erheben. Diese Kluft wurde aber mit der Auferstehung Jesu überbrückt. Da in ihm nicht nur die ganze Fülle der Kreatur (Kolosser 1:19), sondern auch die ganze Fülle der Gottheit leiblich wohnt (Kolosser 2:9), konnte er nicht im Zustand des Todes verbleiben. Er, Christus, ist ja die Auferstehung und das Leben Selbst. Deshalb bezeugt der Apostel Paulus in Römer 1:4, dass Jesus Christus, der aus dem Samen Davids gekommen ist dem Fleische nach, durch Tod und Auferstehung sich als Sohn Gottes erwiesen hat. Starb Christus als "go'el", als Repräsentant, als Löser für das Weltall mit einem physischen, materiellen Leib aus Fleisch und Blut am Kreuz, so ist er als Repräsentant Gottes für die Schöpfung mit einem verwandelten, überhimmlischen, das heißt überphysikalischen Geistleib aus den Toten auferstanden. Nur als wahrer Mensch und als wahrer Gott ist das fleischgewordene Wort Gottes die Brücke, die Türe oder der Weg, der die gefallene Schöpfung aus der Vergänglichkeit zur Unvergänglichkeit, aus der Knechtschaft des Verderbens zu der -Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes führt oder führen wird (Römer 8:21).
Christus bezeichnet sich ausdrücklich als den Weg und die Wahrheit und das Leben (Johannes 14:6), und in Johannes 11:25 sagt Er: "Ich bin die Auferstehung und das Leben". er ist die Auferstehung und durch seine Auferstehung werden die, die bis in ihn hinein glauben, zu einer lebenden Hoffnung wiedergezeugt O.Petrus 1:3), und zwar zu jener Hoffnung, am Tage der Auferstehung dem verherrlichten Leib Christi gleichgestaltet zu werden (Phil 3:21).
Nun aber wartet auch die übrige Schöpfung auf die Befreiung aus der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Unvergänglichkeit. Diese Verwandlung wird der "telos", wird das Ziel der diesseitigen physikalischen Schöpfung sein. So lesen wir in I.Korinther 15:23 über den Entwicklungsverlauf der gesamten Schöpfung zu der höheren, überphysikalischen Weltschicht der Geist-leiblichkeit:
"Ein jeder wird auferstehen in seiner eigenen Abteilung: Der Erstling, Christus, Sodann die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft (das heißt die erste Auferstehung), dann der "telos" (das heißt das Ziel, man kann vielleicht auch mit Lietzmann lesen: "der Rest" der Schöpfung)".
Die Bibel zeigt uns hier den zukünftigen Verlauf der "Evolution". Das Weltall wird, anstatt der völligen Vernichtung anheimzufallen, durch die Auferstehung Christi im Bereich des Überphysikalischen weiter zubereitet werden, und zwar hin zu dem Endziel, wo Gott alles in allem sein wird (I.Korinther 15:28). Das ganze Weltall wird durch Auflösung und Neuschöpfung an jener Verwandlung teilhaben, die mit dem Tod und mit der Auferstehung Christi an Ostern ihren Anfang genommen hat. Lesen wir als Beleg hierfür:
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Hebräer 1:10-12
10 "Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke Deiner Hände;
11 sie werden untergehen. Du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Kleid,
12 und wie ein Gewand wirst du sie zusammenwickeln, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist Derselbe ...
Es werden nach Offenbarung 20 Himmel und Erde vor dem, Der auf dem großen Thron sitzt, entfliehen, und es wird kein Ort für sie gefunden werden - das heißt das Weltall wird nicht mehr in unseren physikalischen Zeit und Raummaßen bestehen - dafür wird es in der Auflösung zu einer Neuschöpfung verwandelt werden:
Offenbarung 21:5
Und Der auf dem Thron saß sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und
Er spricht (zu Johannes): Schreibe, denn diese Worte sind gewiss und
wahrhaftig.
Wir kommen zu dem Ergebnis: durch die Teilhaftigkeit an dem Tod und der Auferstehung des fleischgewordenen Wortes soll einmal die Schöpfung aus ihrer materiellen, vergänglichen Bestehensweise zu einer unvergänglichen Neuschöpfung verwandelt werden.
Anhang 1: Stellen, in denen das Wort "ga'al" im Sinne von "lösen" gebraucht wird:
a.) In Bezug auf den nächsten Verwandten eines Verschuldeten:
Lev 24:49; 25:25,25,26,30,33,48,49,49; 19:31; 27:13,13,15,19,20,20,27,28, 31,33; Num 5:8; Ruth 2:20; 3:9,12,13,13,13; 4:1,3,4,4,4,4,4,4,6,6,6,6,8,14.
b.) In Bezug auf Jahwäh:
Ex 6:6; 15:13; Ijob 19:25; Psalm 19:15; 69:19; 72:2,14; 75:35; 103:4;
106:10; 107:2,2; 119:154; Sprüche 23:11; Jesaja 35:9; 41:10,14; 43:1,14;
44:6,22,23,24; 47:4; 48:17,20; 49:7,26; 52:3,9; 54:5,8; 59:20; 60:16;
62:12; 63:4,16; Jeremia 31:11; 50:34; Klgl 3:58; Hosea 13:14; mich 4:10.
Anhang 2: Schriftstellen, die aussagen, dass der Mensch bei der Aufer-erstehung mit einem neuen Leib aufersteht:
2.Korinther 4:17-5:5; LKor 15:35-38; 15:42-44.
Anhang 3: Schriftstellen, die aussagen, dass der Leib des Menschen bei der Auferstehung bzw. Entrückung verwandelt wird:
Römer 8:11,23; LKor 15:51-53; Phil 3:20-21; Jesaja 26:19.
Mit freundlicher Genehmigung (überarbeitet) entnommen aus "Evangelium und Wissenschaft" (Zeitschrift der Karl-Heim-Gesellschaft) Nr.5 / 1982
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GESETZ UND GNADE
Karel Claeys
Einleitung
Die bis in die ersten Jahrhunderte nach Christus zurückreichende allgemeine Ansicht bezüglich "Gesetz und Gnade" sieht etwa folgendermaßen aus:
Die Gnade hat das Gesetz abgelöst,
die "Kirche" das Volk Israel und
der Gnadenbund den Gesetzesbund.
Zur Begründung dieser Anschauung werden zum Beispiel diese Bibelstellen genannt:
Römer 10:4
Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.
Galater 3:10-11
10 Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch;
denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buche des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!
11 Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn "der Gerechte wird aus Glauben leben" (Hab 2:4).
Johannes 1:17
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die
Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Andererseits gibt es eine Menge von Schriftstellen, die klar aussagen, dass mit dem Kommen Jesu das Gesetz keineswegs aufgelöst wurde, zum Beispiel:
Matthäus 19:16-19
16 Und siehe, einer trat herzu und sprach zu Ihm: Lehrer, welches Gute soll ich tun, auf dass ich äonisches Leben habe?
17 er aber sprach zu ihm: ... Wenn du aber ins Leben eingehen willst, so halte die Gebote.
18 er spricht zu Ihm: Welche? Jesus aber sprach: Diese: du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben ... (Ähnlich Lukas 10:25.)
Römer 3:31
Heben wir denn (das) Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne!
sondern wir bestätigen (das) Gesetz.
Psalmalm 19:8,9 8 Das Gesetz (tora) Jahwähs ist vollkommen, erquickend die Seele;
das Zeugnis Jahwähs ist zuverlässig, macht weise den Einfältigen. 9 Die Vorschriften Jahwähs sind richtig, erfreuend das Herz;
das Gebot (miswa) Jahwähs ist lauter, erleuchtend die Augen.
In den folgenden Ausführungen soll versucht werden, diesen scheinbaren Widerspruch durch die Bibel selbst aufzulösen. Die Untersuchung gliedert
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sich folgendermaßen:
1. Was versteht die Bibel unter Gesetz und Gnade?
a) TORA(H) = Weisung, Unterweisung, Gesetz
b) CHUQQA oder CHOQ = Satzung
c) MISWA(H) = Befehl, Gebot
d) MISCHMÄRÄT = "zu Bewahrendes", Vorschrift
e) DABAR = Wort
f) CHÄSÄD = Gnade
2. Gesetz und Gnade bei Abraham
3. Gesetz und Gnade im Alten Bund
4. Gesetz und Gnade im Neuen Bund
5. Gesetz und Gnade heute bei den Gläubigen aus den Nationen
1. WAS VERSTEHT DIE BIBEL UNTER GESETZ UND GNADE?
a) TORA(H) = Unterweisung
Das Hauptwort "tora(h)" ist von dem Verbum "jara(h)" abgeleitet, welches "unterweisen" bedeutet. Etymologisch ist "tora(h)" somit eine Bezeichnung für Weisung, Unterweisung, Lehre oder Unterrichtung.
In der "tora(h)" - hier besonders in dem Gesetz, das Gott Israel durch Mose gab - werden die Menschen von Gott in Seinem Heilsplan unterwiesen. Hier ein kurzer Überblick dieses Heilsplanes: Gott hat den Menschen in Seinem Bilde und nach Seinem Gleichnis erschaffen (t.Mose 1:26-28). Das Bild Gottes, in dem der Vater den Menschen erschaffen hat, ist der Sohn, Jesus Christus (Kot 1:15). Nach diesem Bild bzw. Muster will Gott Jeden Menschen von Herrlichkeit zu Herrlichkeit verwandeln (2.Korinther 3:16), damit er Seinem Sohne ähnlich wird (I.Johannes 3:2). Die Verwirklichung und das Endziel dieser Bestimmung der Menschheit zeigt Gott in bestimmtem Maße in seiner Weisung, Seinem Gesetz, das heißt der Torah, die in dem Wort gipfelt:
3. Mose 11:44 ... seid heilig, denn ich (Jahwäh) bin heilig!
Gott erwartet die Absonderung Seines Volkes von den anderen Nationen, als sein Eigentumsvolk, um sie für ihre Berufung zuzubereiten. Jesus nun betont, dass er nicht kam, um das Gesetz aufzulösen, sondern vielmehr um es zu "erfüllen" (griech.pläroo), oder besser: auf ein Vollmaß zu bringen:
Matthäus 5:17,20 17 Wähnet nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten
aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. 20 Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist
als (die) der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in
das Königreich der Himmel eingehen.
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In den darauffolgenden Versen zeigt Jesus an Beispielen, wie dieses "auf ein Vollmaß bringen" aussieht. Wenn er dann sagt: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist ... - ich aber sage euch ...", widerspricht er damit keineswegs dem Gesetz, sondern er zeigt, worauf dieses abzielt, er verschärft es demnach. So weist er auf das Endziel der Entwicklung des Menschen hin:
Matthäus 5:48
Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Erst wenn Himmel und Erde vergehen, das heißt beim Erreichen der Vollkommenheit verwandelt werden, dann wird auch das Gesetz vergehen, vorher jedoch nicht:
Matthäus 5:18,19
18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz ververgehen, bis alles geschehen ist.
19 Wer irgend nun eines dieser geringsten Gebote auflöst und also die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Königreich der Himmel;
wer irgend aber sie tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Königreich der Himmel.
Das Gesetz unterrichtet den Menschen also über das Ziel, das Gott ihm gesetzt hat und bleibt bis zu dem neuen Himmel und der neuen Erde bestehen.
b) CHUQQA oder CHOQ = Satzung
Der Begriff "choq" ist eine universelle Bezeichnung für sämtliche Satzungen oder "Bestimmungen" des Schöpfers in seiner Schöpfung. Das sind einerseits die Naturgesetze, andererseits geistige Satzungen, wie sie im Gesetzbuch niedergeschrieben sind, die zeigen, wie die Weisung konkret in die Tat umgesetzt werden soll. Ein Beispiel, wie "choq" für Naturgesetze gebraucht wird, ist:
Psalmalm 148:3,6 3 Lobt Ihn, Sonne und Mond!
Lobt Ihn, alle ihr leuchtenden Sterne' 6 er stellte sie hin für äonische Zeit, er gab eine Ordnung (chuq),
die wird man nicht überschreiten.
Die leblose Schöpfung muss den von Gott bestimmten Satzungen gehorchen und preist den Schöpfer, indem sie gehorcht. Der Mensch dagegen ist in gewissem Maße frei und kann sich den höheren Satzungen sowohl unterordnen als auch widersetzen. Er hat die Wahl, sich in eine zentrale Stellung der göttlich-harmonischen Schöpfung einordnen zu lassen, oder aber ein Widersacher = "Satan" des Schöpfers zu werden (vergleiche Johannes 6:70). Die Bedeutung des Begriffes "choq" bzw. "chuqqa" lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
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Eine Satzung ist die Auswirkung eines Gesetzes Gottes. Die wahrnehmbaren Satzungen Gottes in der Gesamtschöpfung, also die Auswirkungen der Natur-Gesetze, geben dem denkenden Menschen ein deutliches Zeugnis von der ordnungsschaffenden Wirkungskraft des Schöpfers. Dies gilt aber auch für die Satzungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Alle von Jahwäh an Israel erteilten Satzungen stehen im Einklang mit der Gesamtheit der ordnungsbewirkenden Naturgesetze - gehören aber einer höheren Weltstufe an!
c) MI$WA = Gebot
Dieses Wort leitet sich von dem Verbum "sawa" = "befehlen" ab. Nachdem Gott den Menschen die Satzungen seiner Weisung, des Gesetzes, vermittelt hat, gibt er ihnen das Gebot, den Befehl (hebräische miswa), diese Satzungen zu befolgen. Dies wird besonders in den zehn Geboten deutlich, wo es heißt: "du sollst ..." oder "du sollst nicht ...".
d) MISCHMÄRÄT = das zu Bewahrende, Vorschrift
Diesem Wort liegt das Verbum "schamar" = "bewachen", "bewahren", "behüten" zugrunde. Die vielen Gebote der Tora (des Gesetzes) werden in den fünf Büchern Mose auch mittels Vorschriften bekanntgegeben. Diese zeigen den Menschen auf konkrete Weise, was sie tun sollen, um nach Gottes Willen zu handeln.
e) DABAR = Wort
Wir wissen, dass der Mensch fleischlich und schwach ist, unfähig, die ganze Weisung Gottes mit all ihren Satzungen und Vorschriften aus eigener Kraft zu erfüllen. Deshalb gehört zum Gesetz, zur Weisung Gottes unbedingt auch das Wirken des Wortes (hebräische dabar; griech. logos) Gottes im Menschen. Eine Erklärung, was das Wort Gottes ist, finden wir in:
Johannes 1:1-3
1 Im Anfang war das Wort (griech. der "logos"), und das Wort war bei Gott, und das Wort (oder: "der logos") war Gott.
2 Dieser war im Anfang bei Gott.
3 Alles wurde durch Ihn, und ohne ihn wurde auch nicht eines, das geworden ist.
Demnach ist das Wort Gottes niemand anderes als der Sohn Gottes (Johannes 1:14). Deswegen gilt auch für das Wort Gottes, was Hebräer 1:3 über den Sohn aussagt, nämlich, dass er die Ausstrahlung der Kraftauswirkung und der Ausdruck des unsichtbaren Gottes ist. Mit anderen Worten: Gott wirkt durch seinen Sohn, also durch sein Wort in der Schöpfung, und das ganze Weltall einschließlich seiner Naturgesetze existiert allein durch ihn (Kolosser 1:16).
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Es ist sehr wichtig, dass das Wort Gottes nicht nur die Gesetze verkündigt, also zum Beispiel sagt: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist", sondern es will auch die Werke des Gesetzes im Menschen verwirklichen. Es soll also bezüglich der Menschen ebenso geschehen wie in den niedrigeren Weltschichten, die allein durch das Wort Gottes getragen, und deren Satzungen allein durch das Wort Gottes zur Ausführung gebracht werden.
Nun ist dieses alles wirkende Wort Gottes durch die Propheten den Menschen bekanntgegeben und in der Bibel niedergeschrieben worden. Dieses verkündigte und geschriebene Wort Gottes enthält die Offenbarung von Gottes Willen und seinen Heilsplan für die Menschen, es vermittelt die Wirksamkeit Gottes in der Welt, im Menschen. Nimmt dieser das Wort in sich auf, so bewirkt es in ihm das Gesetz samt allen seinen Vorschriften und Satzungen. Als Zusammenfassung der bisherigen Darlegungen lesen wir:
5. Mose 30:9-14
9 Und Jahwäh, dein Gott, wird dir Überfluss geben bei aller Zubereitung (oder "Werk", hebräische ma ase) deiner Hände ...
10 wenn du der Stimme Jahwähs, deines Gottes gehorchst, zu bewahren (schamar) seine Gebote (miswa) und seine Satzungen (chuqqa), die in diesem Buche der Weisung (tora) geschrieben sind; wenn du umkehrst zu Jahwäh, deinem Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele.
1-1 Denn dieses Gebot (miswa), das ich dir an diesem Tage gebiete (sawa), es ist nicht zu wunderbar für dich, und nicht ferne ist es.
12 Nicht in den Himmeln ist es, zu sagen: 'Wer wird für uns hinaufsteigen zu den Himmeln und es uns holen und es uns hören lassen, so dass wir es tun?'
13 Und nicht ist es jenseits des Meeres, zu sagen: 'Wer wird für uns hindurchziehen jenseits des Meeres und es uns holen und es uns hören lassen, so dass wir es tun (°asa)?'
14 Wahrlich, sehr nahe ist dir das Wort (dabar), in deinem Munde und in deinem Herzen, um es zu tun (oder: "auszuführen", hebräische asa).
f) CHÄSÄD (hebr.) - CHARIS (griech.) = Gnade
Martin Buber beschreibt "chäsäd" als "eine Zuverlässigkeit zwischen den Wesen, und zwar wesentlich die des Bundesverhältnisses zwischen dem Lehnherrn und seinen Dienstmannen, ganz überwiegend die Bundestreue des Herrn, der seine Diener beschützt" (in der Beilage 'Zur Verdeutschung des letzten Bandes der Schrift' zu "Die Schriftwerke" 1962). Man könnte somit den Begriff "chäsäd" mit "gnadenreiche Verbundenheit" umschreiben. Im Biblisch-Theologischen Handwörterbuch schreibt Heinz Brunotte: "cha-ris", nl. "Gnade" ist ... die göttliche Gesinnung der Liebe, Güte und Treue, die Gott gegen uns hegt... Das Verbum, das von dem en Wort "Gnade" abgeleitet wird, heißt geradezu "schenken" ..." (Seite 206b; Verlag Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 1954).
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Fassen wir nun die beiden Begriffe 'Gesetz* und 'Gnade* zusammen:
1. Das 'Gesetz' ist die Weisung, die Gott gegeben hat, um seine Vorhaben mit den Menschen darzulegen, und um uns wachstümlich zu dem Ziel zu bringen, zu dem wir vom Herrn bestimmt sind: Seinem Bild, nämlich Jesus Christus, gleichgestaltet zu werden (Römer 8:29). Diese Weisung wird uns unter anderem durch Satzungen, Vorschriften und Gebote bekanntgegeben.
2. 'Gnade' in Bezug auf das Gesetz ist die unverdiente Verbundenheit, die Gott uns schenkt, indem Er_ durch das Innewohnen Seines Wortes in unseren Herzen das Gesetz bewirkt - was wir aus eigener Kraft nicht vermögen.
2. GESETZ UND GNADE BEI ABRAHAM
Lesen wir zu Beginn Auszüge aus:
Römer 4:2-14
2 Denn wenn Abraham aus Werken (das heißt auf Grund der Werke) gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen, aber nicht vor Gott.
3 Denn was sagt die Schrift? "Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet." (I.Mose 15:6) ...
10 Wie wurde er (der Glaube) ihm denn zugerechnet? als er in der Beschneidung oder in der Vorhaut war? Nicht in der Beschneidung, sondern in der Vorhaut.
11 Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, (als er) in der Vorhaut (war), damit er Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit (auch) ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet würde;
12 und der Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die aus der Beschneidung sind, sondern auch derer, die in den Fußstapfen des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, (als er) in der Vorhaut (war).
13 Denn nicht durch Gesetz (ward) dem Abraham oder seinem Samen die Verheißung, dass er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubensgerechtigkeit.
Den Kern dieses Schriftabschnittes könnte man so umschreiben: Abraham wurde nicht aus Gesetzeswerken, sondern mittels seines Glaubens durch Gott gerechtfertigt. Das heißt aber nicht, dass er keine Werke vollbrachte, sondern, dass diese Leistungen keinen Beitrag für seine Rechtfertigung bedeuteten.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu fragen, was das Wort 'glauben' eigentlich aussagt. Dieses Wort ist heute oftmals inhaltsleer geworden, weil es einen weit von der Bibel abweichenden Sinn bekommen hat. Deshalb ist es notwendig, den genauen biblischen Sinngehalt klarzustellen.
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Heutzutage versteht man unter 'glauben' einen Ausdruck für 'wähnen', 'etwas als wahrscheinlich halten', für ein 'Vielleicht'. In diese Richtung zielt auch der volkstümliche Ausspruch: "Glauben heißt nicht wissend Die beiden biblischen Begriffe für 'glauben', nämlich hebräisch 'hä'ämin' und 'pisteuo' drücken jedoch gerade das Gegenteil aus' Sie bezeichnen ein vollkommenes Vertrauen auf eine feste, klar bewiesene Tatsache. Unter den vielen Belegen, die die Bibel hierfür gibt, sei nur einer angeführt:
Hebräer 11:1
Der Glaube (pistis) ist eine Wirklichkeit, die man erwartet, er ist ein Beweis (elegchos) von Tatsachen, die man nicht sehen kann.
Dies ist eine klare Definition, was die heilige Schrift unter Glauben versteht. Und gerade durch diesen Glauben wurde Abraham gerechtfertigt. In den verschiedenen Situationen, in die Abraham während seines Lebens gebracht wurde, lernte er immer mehr, seine ganze Zuversicht auf Gott zu setzen, sich ihm in allen Dingen anzuvertrauen und sich deshalb nicht auf seine eigenen Fähigkeiten zu verlassen. Abraham hatte somit garnichts zum Rühmen (Römer 4:2). Alle Werke, die er vollbrachte, waren nicht seine eigenen, sondern sie wurden mittels seines lebendigen Glaubens von Gott in ihm bewirkt. So zeigte Abraham seinen lebendigen Glauben durch seine Werke, wie Jakobus dies ausdrückt:
Jakobus 2:21,22
21 Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte?
22 du siehst, dass der Glaube zu seinen Werken mitwirkte ...
Um den Glauben Abrahams bei diesem Werk zu verstehen, muss man wissen, was ihm vorausgegangen war. Gott hatte Abraham versprochen, dass er ihn zu einer großen Nation machen wollte (I.Mose 12:2). Schließlich hatte er ihm zugesagt, dass er diesen Bund mit Isaak errichten würde:
I.Mose 17:21
Aber meinen Bund werde ich mit Isaak errichten, den Sara dir gebären wird um diese bestimmte Zeit im folgenden Jahre.-
I.Mose 21:12 ... denn in Isaak soll dir ein Samen genannt werden.
Als Gott nun von Abraham forderte, eben diesen Isaak zu opfern, sah dieser auf der einen Seite den Befehl, seinen Sohn zu töten, andererseits glaubte er aber der Verheißung Gottes, dass die Linie, die zu einem großen Volk werden sollte, durch Isaak verlief. Die Schlussfolgerung aus dieser scheinbaren Unmöglichkeit wird uns beschrieben in;
Hebräer 11:17-19
17 Durch Glauben hat Abraham, als er versucht wurde, den Isaak geopfert, und der welcher die Verheißungen empfangen hatte, brachte den Einziggeborenen dar,
18 über welchen gesagt worden war: "In Isaak soll dein Samen genannt werden",
19 indem er urteilte, dass Gott auch aus Toten zu erwecken vermöge, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing.
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Abrahams Glaubenswerk war also weder ein 'Wagnis' noch ein totes Werk, sondern das Erzeigen seines lebendigen und unerschütterlichen Vertrauens, das heißt auch seines Glaubens an die unwandelbaren Verheißungen. Glaube umfasst hier also ein völlig überzeugtes Wissen und Gehorsam.
Nun noch einige Anmerkungen zu den äußeren Kulthandlungen Abrahams. Bezüglich des Gesetzes ist zu unterscheiden zwischen einem inneren und einem äußeren Aspekt des Gesetzes. Das Innere des Gesetzes sind die Ziele, die Gott durch seinen Geist jj^ dem Menschen verwirklichen will, zum Beispiel die heiligung. Das Äußere des Gestzes sind unter anderem die Kulthandlungen, die auf eine symbolische, äußere Weise das Wirken von Gottes Geist in dem Menschen darstellen sollen. Bereits seit Abel sind solche Opferhandlungen bekannt (I.Mose 4:3ff) und bleiben bis Abraham bestehen (zum Beispiel I.Mose 8:20; 12:7). Ihr Sinn mag darin bestanden haben, den sogenannten 'heidnischen' Völkern, den Kanaanitern, unter denen Abraham lebte, die Wohltaten zu verkündigen, die Jahwäh ihm zukommen ließ. Dazu musste Abraham die Gnade Gottes auf eine sinnlich wahrnehmbare Weise durch symbolische Kulthandlungen zeigen. Das 'Äußere' des Gesetzes sind also Darstellungen, die das Heilswirken Gottes den Menschen auf symbolische Weise veranschaulichen. Ähnlich wie Abel und später Noah verkündigte auch Abraham durch Predigt und das Opfern von Tieren auf einem Altar den Namen, das heißt die Wesensbezeichnung Jahäwhs (hebräische qara b'schem Jahwäh, I.Mose 12:8; vergleiche Beröer Nr.8 S.296 unten). Im Gegensatz zu den Heiden, die ihre Opfer darbrachten, um ihre vermeintlichen Götter wohlgesinnt zu stimmen, wies Abraham durch seine Opferdarbringungen auf jenes Opfer hin, das Gott für die Menschen, ja für die ganze Schöpfung ersehen hatte (I.Mose 22:8; 1-Petrus 1:18-20). Somit predigte er durch die Kulthandlungen die Liebe, die Gott zu seiner gefallenen Schöpfung hatte. Der Opferaltar, den Abraham baute und das Opfertier, das er darauf darbrachte, waren ein Prototypus, ein 'Vorschatten' jenes Sühneopfers auf Golgotha, wo Gott seinen eigenen Sohn zur Versöhnung der Welt dahingegeben hat. Durch dieses Glaubenswerk der Selbstverleugnung wurde Abraham zu einem Symbol der Liebe Gottes für seine Schöpfung, seinen eingeborenen Sohn zur Rettung der Welt in den Tod zu geben (vergleiche Johannes 3:16; Römer 8:32).
Auf einem der Berge des Landes Morija hatte Abraham seinen Sohn dargebracht (I.Mose 22:2), und auf einem dieser Berge baute Salomo auf Gottes Befehl ungefähr 900 Jahre später den Tempel O.Chr 22:1; 2.Chr 3.1). Das Gebirge Morija ist also die Stätte, die Jahwäh erwählt hatte, um seinen Namen daselbst wohnen zu lassen (5.Mose 15:20; 16:2; 17:8), nämlich der heilige Ort, an dem das Haus Gottes stehen sollte. An diesem Ort mussten sämtliche Opferhandlungen vollzogen werden, die Gott Israel durch Mose verordnet hatte. David drückte das so aus:
I.Chronik 22:1
... Dieses hier soll das Haus Jahwäh Gottes sein, und dies der Altar zum Brandopfer für Israel.
Auch diese Opfer sollten Sinnbilder auf die eine Opfertat Jesu sein, doch im Hinblick auf verschiedene Aspekte. Dann, nochmals etwa 1000 Jahre später, wurde dieses einzige Opfer gestellt, das ein für allemal für sämtliche Sünden der Welt dargebracht wurde. Hier opferte der Vater Selbst
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zur Versöhnung der ganzen Welt seinen eingeborenen Sohn (Johannes 1:14,18;
3:18; Markus 12:6; Römer 5_19; 8:10; Kolosser 1:20). Auch der Name 'Morijah' weist auf dieses für Gott allein gültige Opfer hin, er bedeutet nämlich: 'von Jäh ausersehen' oder 'Jäh ersieht oder wird ersehen' (I.Mose 22:8,14).
Die Opferung Isaaks
Beginnen wir mit der Untersuchung des Berichtes von I.Mose 22, indem wir den folgenden Vers lesen:
I.Mose 22:6
Und Abraham nahm das Holz des Brandopfers und legte es auf Isaak, seinen Sohn; und in seine Hand nahm er das Feuer und das Messer;
und sie gingen beide miteinander.
Dies war ein Sinnbild für den Weg, den Jesus nach Golgotha ging:
Johannes 19:17 Und er selbst trug sein Kreuz und ging hinaus nach der Stätte, die
auf hebräisch Golgatha heißt.
Wie Jesus, der Sohn Gottes, als Opferlamm Selber das Kreuz tragend den Weg nach Golgotha ging, so schritt der Sohn Abrahams, als 'Vorschatten', ebenfalls das Holz tragend den Weg zum Berg der Opferung. Weder Abraham noch Isaak verstanden den Sinn ihrer Opferhandlung:
7 Und Isaak sprach zu seinem Vater Abraham: mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, das Feuer und das Holz; wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?
8 Und Abraham sprach: Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander.
Aus diesem Geschehen erklärt sich der Name, den Abraham jenem Ort dann gab:
I.Mose 22:14
Und Abraham gab diesem Ort den Namen: "Jahwäh-jir'äh" (= 'Jahwäh wird ersehen'); daher heutigen Tages gesagt wird: Auf dem Berge Jahwähs wird ersehen werden.
Diese Begebenheit im Leben Abrahams zeigt, wie Glaubensgehorsam und Kulthandlung sich sowohl vereinigen als auch ergänzen. Es war der feste Glaube an die Auferstehung, der Abraham die Kraft gab, seinen Sohn zu opfern:
Hebräer 11:17-19
17 Durch Glauben hat Abraham, als er versucht wurde, den Isaak dargebracht, und er, der die Verheißungen empfangen hatte, brachte den einzig gezeugten (Sohn) dar,
18 über den gesagt worden war: "In Isaak soll dein Samen (= deine leibliche Nachkommenschaft) genannt werden",
19 indem er urteilte, dass Gott auch aus Toten erwecken könne, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing.
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Das Hingeben und Empfangen Isaaks sind Gleichnisse, und zwa^ g^f gag eine Opfer, das Gott bereits vor Niederwerfung der Welt ers^gp hatte O.Petrus 1:20), nämlich das wahre Opferlamm Jesus Christus. Dr^, Gleichnisse sind in dieser Kulthandlung deutlich sichtbar:
1. Die Opferung des eigenen Sohnes.
2. Die Opferung eines Stellvertreters, nämlich des Widders.
3. Die Tatsache, dass Abraham Isaak wiederempfing.
Somit war jenes Brandopfer auf einem Berg des Landes Morija ^jpg symbolisch-prophetische Verkündigung des Opfertodes und der Auferstehung des Sohnes Gottes.
An diesem Beispiel sehen wir, dass die von Gott eingesetzten Ku^nandlun-gen - sowohl bei Abraham als auch später bei Israel - nie einen Menschen mit Gott versöhnen können. Vielmehr stellen alle Kultopfer sy^oj^g^e und vielseitige Verkündigungen dar, die auf das allein gültige ^pfer von Golgotha hinweisen, durch das Gott die Menschen mit sich verarmt hat.
Die Beschneidung
Eine andere, noch damit zusammenhängende Satzung, die Jahwäh Abraham auferlegte, war die Beschneidung. Auch sie war kein verdienstvo||gg werk! Wie alle im Gesetz vorgeschriebenen Satzungen war sie eine äu^e symbolische Handlung. Sie sollte auf die von Gott bewirkte Beschn^j^pq ggg Herzens hinweisen, und so war sie auch bei Abraham das Zehnen des Bundes, den Jahwäh mit ihm geschlossen hatte (Genesis 17:7)." ^g ^g,. wie Paulus dies in Römer 4:11 ausdrückt, das Zeichen der Be^chneidunq das "Siegel der Gerechtigkkeit des Glaubens, den er hatte, als gp unbeschnitten war". Nicht die Beschneidung der Vorhaut, sondern die Beschneidung des Herzens war das Vorangehende und Wesentliche in de^ Bunde den Gott mit Abraham schloß.
Was ist nun die 'Beschneidung des Herzens', die Beschneidung de^ 'inneren Menschen'? Paulus gibt dazu eine klare Definition in:
Kolosser 2:11-13
11 In ihm (Christus) seid auch ihr beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, (sondern) im Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus,
12 mit ihm begraben in der Taufe (das heißt nach Römer 6:3: "bis .p seinen Tod hineingetaucht"), in ihm auch mitauferweckt durch derj Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus Toten auferw^^ pg^
13 Und euch, den Vergehungen und der Vorhaut eures Fleisches ^ (oder gestorben) seiend, hat er mitlebend gemacht mit ihm ...
Was dabei beschnitten, oder richtiger abgeschnitten oder ausgezqQgp ^jcj ist der 'Leib des Fleisches'. Wie ein Ast stirbt, der von ein^ Baum abgeschnitten wurde, so sind sowohl die Vergehungen als auch di^ Vorhaut des Fleisches eines am Herzen beschnittenen Menschen tot.
Was nun Abraham angeht, so wurden seine Werke nicht durch ygp alten Menschen, aus 'eigener Kraft' vollbracht, sondern mittels des Glaubens an die Allmacht Jahwähs, durch das in ihm wirkende Wort Gq^gg ^„g
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diesem Glauben (Römer 4:3) und durch diese Glaubenswerke (Jakobus 2:21) wurde Abraham gerechtfertigt; zwischen Römer 4:3 und Jakobus 2:21 gibt es also keinen Widerspruch! Durch den Glauben und die vom Wort Gottes bewirkten Glaubenswerke erhielten die äußeren Kulthandlungen ihren tiefen, wahr-heitsbezogenen Sinn. Auch Abraham war somit nicht ohne Gesetz! Bei ihm galt sowohl das 'Innere' als auch das 'Äußere' des Gesetzes. Diese Tatsache bezeugt Gott Selbst, indem er zu Isaak sagt:
Genesis 26:3-5
3 ... und ich werde den Eid aufrecht halten, den ich deinem Vater Abraham geschworen habe.
4 Und ich werde deinen Samen mehren, wie die Sterne des Himmels, und deinem Samen alle diese Länder geben; und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde:
5 darum, dass Abraham meiner Stimme gehorcht und beobachtet (scha-mar) hat meine Vorschrift (oder: "was gegen mich zu beobachten ist", hebräische mischmärät), meine Gebote (miswa), meine Satzungen (chuq-qa) und meine Weisungen (tora).
Aus dieser Schriftstelle geht ganz klar hervor, dass Gott dem Abraham eine Reihe von Vorschriften, Geboten, Satzungen und Gesetzen gegeben hatte, also in gleicher Weise, wie er 430 Jahre später Israel durch Mose Satzungen vermittelte. Anders als Israel verließ Abraham sich jedoch nicht auf sein schwaches Fleisch und verzweifelte deswegen auch nicht an den von Gott auferlegten Prüfungen. Sowohl das 'Innere' als auch das 'Äußere' des Gesetzes waren für ihn keine verdienstlichen Werke, mit denen er sich vor Gott hätte rechtfertigen können, ebenso wenig aber waren die Vorschriften Jahwähs für ihn niederdrückende Lasten.
Zusam menfassend kann man sagen: Bei Abraham ging es nicht um Gesetz oder Gnade, sondern es galt GESETZ UND GNADE, ein Sowohl-als-auch! Wie später Israel hatte auch Abraham Vorschriften usw. zu befolgen. Soweit diese sich auf das 'Äußere* des Gesetzes bezogen, waren diese Kulthandlungen nie und nimmer Gesetzeswerke, sondern sie waren Zeichen und Zeugnisse seines lebendigen Glaubens. Aber auch das 'Innere1des Gesetzes vollbrachte Abraham nicht aus eigener Kraft, um sich vor Gott zu rechtfertigen, sondern durch das Wort und den Geist Gottes, der in ihm wirksam war.
Die Abraham itischen Bündnisse
Hier wollen wir insbesondere Genesis 15 betrachten. Auf Anordnung Gottes musste Abraham fünf Tiere opfern und eine sogenannte 'Blutstraße' errichten, indem er (mit Ausnahme des Geflügels) je eine Hälfte der Opfertiere der anderen gegenüber legte. Nachdem er dies getan hatte, stürzten sich Raubvögel auf die Äser und Abraham scheuchte sie hinweg.
Genesis 15:12
12 Und es geschah, als die Sonne untergehen wollte, da fiel ein tiefer Schlaf auf Abram; und siehe, Schrecken, dichte Finsternis überfiel ihn.
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In diesem Zustand der Machtlosigkeit und des Schreckens verhieß Gott Abram, dass seine Nachkommen nach vierhundert Jahren der Unterdrückung in das ihm verheißene Land Kanaan zurückkehren würden:
LMose 15:17,18
17 Und hierauf geschah (es), als die Sonne untergegangen und dichte Finsternis geworden war, siehe da, ein rauchender Ofen und eine Feuerflamme, die zwischen jenen Stücken hindurchfuhr.
18 An selbigem Tage machte Jahwäh einen Bund mit Abram und sprach:
Deinem Samen gebe ich dieses Land vom Strome Ägyptens bis an den großen Strom, den Strom Phrat (= Euphrat) ...
Dieses Geschehen zeigt die Einseitigkeit der Bündnisse, die Gott mit Abraham schloß. Es war damals Brauch, dass beide Bundespartner durch die geteilten Opferstücke hindurchgehen mussten, und derjenige, welcher den Bund brach, sollte ebenso wie die Opfertiere geteilt werden. Hier jedoch schlief Abram und Jahwäh allein durchschritt die Opferstücke und nahm die ganze Verantwortung des geschlossenen Bundes auf Sich. Nur Er, Gott allein, war Bürge jenes Bundes, nicht Abram, der nur Glauben und sich beschenken lassen musste. Dieser Abrahamitische Bund war also ein einseitig-bedingungsloser Bund. Nicht der Mensch, sondern allein Jahwäh war Bürge und vollbrachte die Bundesbedingungen.
3. GESETZ UND GNADE IM ALTEN BUND
Wir sahen, dass im Abrahamitischen Bund Gott Abraham seine Gnade schenkte, indem er in ihm das geforderte Gesetz vollbrachte. Im zweiten Buch Mose ist nun die Rede von einem anderen, nämlich dem 'Sinaitischen Bund', den man auch 'Alten Bund' nennt. Die folgende Untersuchung gliedert sich in drei Hauptpunkte:
a. Gott nimmt zunächst das Volk Israel in die Schule des Glaubens. Noch bevor der Bund geschlossen werden soll, will Gott den Reichtum seiner Gnade offenbaren.
b. Israel verwirft diese Gnade beim Schließen des Bundes. c. Der 'Alte Bund' wird dadurch zu einem Bund der Gesetzesübertretung, weil er nicht auf Grund des Glaubens und der Gnade, sondern auf das Vollbingen von Gesetzeswerken hin geschlossen wird.
a. Gott nimmt Israel in die Schule des Glaubens
Der Weg des Glaubens, den Abraham von Ur nach Haran und von dort in das Land Kanaan gegangen war, entspricht in gewisser Weise dem Weg, den das Volk Israel von Ägypten bis zum Sinai ging. Leider kam dieses Geschlecht nicht ins verheißene Land. Auch Abrahams Weg hatte nicht zur Besitznahme des Landes geführt, sondern er blieb im Lande Kanaan ein Fremdling und starb auch dort. Erst in der Auferstehung wird Abraham dieses Land beerben:
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Hebräer 11:9,13
9 Durch Glauben siedelte er (Abraham) sich im Land der Verheißung an wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung ...
13 Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt, sondern sahen sie von fern und begrüßten sie und bekannten, dass sie Fremdlinge und ohne Bürgerrecht auf der Erde seien.
430 Jahre später ging Israel einen Weg, der zum Ziel hatte, dieses verheißene Land in Besitz zu nehmen:
Hebräer 11:29
Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer wie über trockenes Land, während die Ägypter, als sie es versuchten, verschlungen wurden.
Der Auszug aus Ägypten war somit eine Glaubenstat! Die Wanderung von Ägypten bis zum Sinai war die Zeit, in der Gott das Volk Israel in die Schule des Glaubens nahm. Es war eine ganz besondere Gnadenzeit für Israel. In ihr wollte der Herr sein Volk lehren, das ganze Vertrauen auf ihn zu setzen, sich ganz ihm hinzugeben, während er alles Nötige vollbrachte. Zugleich sollte es aber auch lernen, wie schwach und unvermögend es war, irgend etwas selbst vollbringen zu können. Gott zeigte ihm dabei in jeder Lage seine Treue und seine Allmacht. Israel sollte nur glauben, nur vertrauen und aus seiner Gnade leben. Immer wieder hatte Mose das dem Volk nahegelegt:
Exodus 14:14 Jahwäh wird für euch streiten, und ihr sollt stille sein.
Durch diese Schulung im Glauben stellte Gott sein Volk immer wieder auf die Probe, um zu sehen, wie weit es Ihm, dem Herrn, in allen Dingen vertraue; deswegen wurde Israel in die hoffnungslosesten Lagen geführt:
am Schilfmeer vor der Übermacht der Ägypter
in der Wüste, wo es weder Nahrung noch Trinken gab
bei dem Überfal! Amaieks, und insbesondere
durch das Stellen von Satzungen und Rechten (Exodus 15:25,26) In all diesen Situationen versagte Israel, weil es nicht auf Gott vertraute, sondern auf das Vermögen seines kraftlosen Fleisches schaute. Dennoch offenbarte Gott sich immer wieder als der starke Retter und zeigte seine Gnade in allen Dingen. So lebte Israel in der Wüste zwischen dem Schilfmeer und dem Sinai allein aus der Gnade Gottes. Tag für Tag musste es sich aus seiner Hand mit dem Manna ernähren lassen und hing so gänzlich von ihm ab. Es ist bezeichnend, dass Israel in dieser Zeitspanne weder für sein Versagen, noch für seinen Unglauben noch für seine Sünden von Gott bestraft wurde! Denn weit schwieriger als die Gefahren der Wüste, Hunger und Durst und Angriffe von Feinden, war das Befolgen der Gesetzesvorschriften, die Gott Seinem Volk von Zeit zu Zeit gab. Diese Gesetze, Vorschriften, Satzungen und Gebote zeigten dem Volk, wie es sein sollte, um seine Berufung zu erfüllen, nämlich ein königlich-priesterliches Eigentumsvolk Jahwähs zu sein. Auch hier versagte Israel kläglich. Wie sollte das geringste aller Völker dieses Gesetz zu erfüllen vermögen (5.Mose 7:6-8), wozu ja kein Geschöpf im Stande ist?
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Nun, Gott befahl zwar, alle seine Satzungen zu beobachten, aber zugleich bot er immer wieder seine Gnade an. Hier ein Beispiel: Nachdem Israel beim bitteren, untrinkbaren Wasser von Mara gemurrt, und Gott dieses Wasser trinkbar gemacht hatte, stellte er ihm Satzungen (choq) und Rechte (mischpat) auf und stellte Israel so erneut auf eine Vertrauensprobe:
Exodus 15:24-26
24 Und das Volk murrte wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken?
25 Und er schrie zu Jahwäh, und Jahwäh wies ihm ein Holz; und er warf es in das Wasser, und das Wasser wurde süß. Dort stellte er ihm Satzung und Recht, und dort versuchte er es (das heißt stellte es auf die Probe).
26 Und er sprach: Wenn du fleißig auf die Stimme Jahwähs, deines Gottes, hören wirst, und tun was recht ist in seinen Augen, und horchen wirst auf seine Gebote (miswa) und beobachten alle seine Satzungen, so werde ich keine der Kränkelten auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe; denn ich bin Jahwäh, der dich heilt.
Hier bietet Gott selbst als der Arzt Israels seine Heilung an, damit sie heil werden sollten - auch am Inneren Menschen! Nicht aus dem Willen des Fleisches, sondern allein durch die Gnade Jahwähs können die Gebote und Satzungen des Gesetzes vollbracht werden. Gott offenbarte sich hier als der Arzt, der dieses kranke und schwache Volk von seinem Unvermögen heilen und durch seine Gnade dazu befähigen wollte, seine Forderungen zu vollbringen. Hatten die Israeliten das nicht bereits beim Durchzug durch das Schilfmeer erfahren, als sie mit Mose sangen:
Exodus 15:2,13 2 meine Stärke und mein Gesang ist Jäh, denn er ist mir zur Rettung
geworden ...
13 du hast durch Deine Güte geleitet das Volk, das du erlöst, hast es durch Deine Stärke geführt zu Deiner heiligen Wohnung.
Auch das Manna war ein diesseitiges Gleichnis, das Israel zeigen sollte, dass Jahwäh ihm, auch dem Inneren Menschen nach, durch die Speisung Seines Wortes Kraft gibt:
5. Mose 8:3
Und er (Jahwäh) demütigte dich und ließ dich hungern; und er speiste
dich mit dem Man, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht
kannten, um dir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt,
sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Munde Jahwähs
hervorgeht.
(Vergleiche Johannes 6:47ff.)
Schon damals sollte Israel erkennen, was Gott später durch den Propheten Jesaja verkündigte:
Jesaja 55:11
Also wird mein Wort sein, das aus meinem Munde hervorgeht: es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt und durchführen, wozu ich es gesandt habe.
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Von allen Versuchungen, denen Israel von Gott ausgesetzt wurde, war das Vollbringen des Gesetzes die schwerste. In dieser verzweifelten Lage hätten die Israeliten Gott um Hilfe und Kraft bitten sollen. So war die Wanderung von Ägypten bis zum Sinai ein wichtiger Unterricht, den Gott Seinem Volke gab - durch große Gefahren, Erprobungen, durch Beweiszeichen und übermenschliche Forderungen - aber deshalb auch durch umso größere Gnadenwirkungen. Sie sollten zum sinaitischen Gesetz hingeführt werden, um vor allen Völkern zu einem Königreich von Priestern und zu einer heiligen Nation, zu einem Segen für die Völker zu werden.
b. Israel verwirft die Gnade Gottes beim Schließen des Sinaitischen Bundes
Die Israel gegebene Gnadenzeit und der Unterricht in der göttlichen Gnade sind zum Verständnis des Alten Bundes und des Mosaischen Gesetzes unbedingt notwendig. Nur von dieser Vorgeschichte her wird die Tragweite des Sinaitischen Bundes verständlich. Lesen wir nun zum Bundesschluss:
Exodus 19:3-8
3 Und Mose stieg hinauf zu Gott; und Jahwäh rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du zum Hause Jakob sprechen und den Söhnen Israel kundtun:
4 Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch getragen auf Adlers Flügeln und euch zu mir gebracht habe.
5 Und nun (das heißt da ihr wißt, dass nur ich allein alles vollbracht habe und ihr ohne mich garnichts vermochtet), wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein von allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein;
6 und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige (das heißt für Jahwäh abgesonderte) Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst.
7 Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes und legte ihnen alle diese Worte vor, die Jahwäh ihm geboten hatte.
8 Da anwortete das ganze Volk insgesamt und sprach: Alles was Jahwäh geredet hat, wollen wir tun! Und Mose brachte die Worte des Volkes zu Jahwäh zurück.
Gott zeigte sich hier besonders als Gott der Gnade: "Ich habe euch getragen auf Adlersflügeln". Jahwäh legte Nachdruck darauf, dass er Israel bis auf diesen Tag getragen und alles für sie erwirkt hatte. Mit dieser Verkündigung war Israel vor eine weitreichende Entscheidung gestellt:
Entweder sie beschlossen, sich - wie Abraham - ganz der Allmacht Gottes anzuvertrauen, damit er die Forderung in seiner Allmacht vollbringe, das heißt also durch Glauben zu leben (Hab 2:4) und so in der Gnade Jahwähs zu bleiben. Oder aber sie begingen den Fehler, das ganze Gesetz aus eigener Kraft vollbringen zu wollen. Anders ausgedrückt: Entweder sie vertrauten sich ganz der Gnade Gottes an oder sie wollten sich durch Gesetzeswerke und selbst erwirkte Verdienste vor Gott rechtfertigen. Nun, obwohl nur die Kraft des im Menschen innewohnenden Wortes Gottes das Gesetz zu vollbringen vermag, entschied Israel sich für das Vollbringen der Gesetzeswerke aus eigener Kraft. Sie verwarfen die Gnade, indem
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sie riefen: "Alles was Jahwäh geredet hat, wollen WIR tun!" Mit diesem Versprechen verwarf Israel die Gnade und» stellte sich unter den Fluch (Galater 3:10). Trotz dieser verhängnisvollen Entscheidung erwies Gott dem Volk weiterhin seine Gnade und ging auf das voreilige Versprechen noch nicht ein, indem er die Schließung des Sinaitischen Bundes verschob. Bedenken wir, dass die Israeliten zu dieser Zeit noch nicht einmal wußten, was Jahwäh von ihnen fordern würde, was also die Gesetze beinhalten würden! Gott wartete und gab Israel Gelegenheit, zur Besinnung zu kommen. Außerdem enthüllte er dem Volk teilweise seine heiligkeit und die Göttlichkeit Seines Wortes; er sprach nun zu Mose:
Exodus 19:9
... Siehe, ich werde zu dir kommen im Dunkel des Gewölks, damit das Volk höre, wenn ich mit dir rede (Wortstamm 'dabar'), und dir glaube für den Äon. ...
Das Reden Gottes ist eine Offenbarung Seines Wortes, jenes Wortes, durch Das er das Weltall erschaffen hat, Das die Ausstrahlung der Kraftwirkung des Schöpfers ist. Dieses Wort ist in seiner Majestät so furchtbar, dass kein Mensch es zu ertragen vermag, ihm unverhüllt zu begegnen und Es zu hören (Hebräer 12:18-21; Jesaja 6:5; Exodus 33:20; Offenbarung 1:13-17). Vor der Schließung des Bundes enthüllte Gott nun, wenn auch nur teilweise, sein Wort, damit Israel die unüberwindbare Kluft zwischen seiner schwachen, fleischlichen Wesensart und der heiligkeit und Vollkommenheit seines Gottes erkennen sollte. Würde Israel jetzt endlich bewusst werden, dass es nie in der Lage sein würde, aus eigener Kraft so heilig und so vollkommen zu werden wie der allein heilige und der allein vollkommene Schöpfer? Würde es zu der Einsicht gelangen, dass es unmöglich in der Lage war, die geforderten heiligen Gebote Jahwähs zu vollbringen? -Zunächst tat Mose Israel kund, dass Jahwäh zu ihm niedersteigen würde. Auf Anordnung Gottes sollte nun das Volk seine Kleider waschen. Nur so sollte es dem furchtbaren Wort Gottes begegnen (Exodus 19:10-11). Dann musste Mose eine Grenze zwischen dem Volk und dem Berg Sinai, auf den Jahwäh herniedersteigen würde, errichten. Sie war eine sichtbare Darstellung der unüberwindlichen Kluft zwischen der heiligkeit und Unnahbarkeit Jahwähs einerseits und den sündigen, unreinen Menschen andererseits. Lesen wir über die Erscheinung des Wortes Jahwähs in:
Exodus 19:16-18
16 Und es geschah am dritten Tage, als es Morgen war, da waren Donner und Blitze und eine schwere Wolke auf dem Berge und ein sehr starker Posaunenschall; und das ganze Volk zitterte, das im Lager war.
17 Und Mose führte das Volk aus dem Lager hinaus, Gott entgegen;
und sie stellten sich auf am Fuße des Berges.
18 Und der ganze Berg Sinai rauchte, darum, dass Jahwäh auf ihn herabstieg im Feuer; und sein Rauch stieg auf, wie der Rauch des Schmelzofens, und der ganze Berg bebte sehr.
In dieser teilweise enthüllten, gewaltigen Theophanie (Gotteserscheinung) erschallten die Worte Gottes. Es waren die selben zehn Gebote, die heute in den Schulen oft von den Kindern auswendig gelernt werden (Exodus 20:1-18).
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Zitternd stand die ganze Gemeinde Israel in einer gewissen Entfernung und hörte die gewaltige Stimme Gottes. Sie hörten die Bedingungen, denen sie entsprechen sollten, um ihre priesterliche Bestimmung zu erfüllen, das heißt heilig zu sein, wie Jahwäh heilig ist. Da schrie die ganze Versammlung zu Mose:
"Rede du mit uns, und wir wollen hören; aber Gott möge nicht mit uns reden, dass wir nicht sterben!" (Exodus 20:19)
So gewaltig das Niedersteigen Gottes am Sinai auch war, Israel blieb unbelehrbar. Der gewaltige Anblick und der starke, posaunenähnliche Schall hatte sie zwar etwas von der Kraftauswirkung Gottes spüren lassen, und sie waren erschüttert worden, aber immer noch meinten sie, die Forderungen der ihm verkündigten zehn Gebote vollbringen zu können. Lediglich Mose sollte mit ihnen reden und sie würden dann ruhig und selbstsicher zuhören. Wie weit war Israel noch von der Erkenntnis entfernt, die Paulus niederschrieb:
Römer 7:12,14
12 So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.
14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.
Das Volk aber fürchtete sich nicht vor seiner eigenen Schwäche, sondern nur vor den äußeren Begleiterscheinungen des Niederkommens Gottes. Dabei soll die Gottesfurcht eigentlich Anfang der Weisheit sein (Sprüche 9:10). Die Antwort Moses auf diesen von Furcht erfüllten Ausruf der Gemeinde zeigt, dass Jahwäh gerade deshalb in seiner furchtbaren Herrlichkeit herniedergekommen war, damit Israel nicht sündigte:
Exodus 20:20
Da sprach Mose zu dem Volke: Fürchtet euch nicht; denn um euch zu versuchen (das heißt auf die Probe zu stellen) ist Gott gekommen, und damit seine Furcht vor eurem Angesicht sei, dass ihr nicht sündigt.
Auch jetzt noch verschob Gott die Bundesschließung und bot Israel erneut eine Bedenkzeit an. Welche Geduld Gottes! - Nun empfing Mose auf dem Berg von Gott eine Reihe von Anordnungen, welche im Grunde genaue Ausführungsbestimmungen zu den zehn Geboten darstellten. Nach etlichen Tagen stieg Mose vom Berge nieder und verkündigte alle diese Bestimmungen und Satzungen. Wiederum antwortete das unbelehrbare Volk einmütig:
Exodus 24:3 ... Alle Worte, die Jahwäh geredet hat, wollen wir tun!
Erst jetzt, auf dieses zweite Versprechen hin, wurde der Sinaitische Bund geschlossen. Lesen wir dazu:
Exodus 24:4-8
4 Und Mose schrieb alle Worte Jahwähs nieder. Und er machte sich des Morgens früh auf und baute einen Altar unten am Berge und zwölf Denksteine nach den zwölf Stämmen Israels.
5 Und er sandte Jünglinge der Söhne Israel hin, und sie opferten Brand-
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Opfer und schlachteten Friedensopfer von Farren dem Jahwäh.
6 Und Mose nahm die Hälfte des Blutes und tat es in Schalen, und die Hälfte des Blutes sprengte er an den Altar.
7 Und er nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes; und sie sprachen: Alles was Jahwäh geredet hat, wollen wir tun und gehorchen!
8 Und Mose nahm das Blut und sprengte es auf das Volk und sprach:
Siehe, das Blut des Bundes, den Jahwäh mit euch gemacht hat über alle diese Worte.
Die Schließung des Sinaitischen Bundes lässt sich in drei Teile gliedern:
a) Die symbolische Darstellung der Entsündigung Israels mittels Opfern als Voraussetzung der Bundesschließung.
b) Das feierliche Versprechen von Seiten Israels, alles zu tun, was Jahwäh geredet hat.
c) Die Besprengung des Volkes mit dem Blut von Opfertieren.
Zu a): Bei der Bundesschließung wurden zur Darbringung von Brand-und Friedensopfern Farren geschlachtet. Mit dem Blut dieser Opfertiere wurde dann der Altar besprengt, der zusammen mit den zwölf Denksteinen ein Sinnbild für das zwölfstämmige Volk Israel darstellte. Weil Israel von Sünden befleckt und unrein war, musste auch das Symbol, nämlich der Altar, sinnbildlich mit Blut gereinigt werden, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung der Sünden (Hebräer 9:22). Aber selbstverständlich vermochte das Blut jener Opfertiere, das bei den Kulthandlungen floß, niemals die Sünden Israels hinwegzunehmen (Hebräer 10:4). Es stellte vielmehr auf konkrete Weise das Blut des einen wahren Opferlammes, Jesus Christus, dar. Nur dieses Blut, das am Kreuz von Golgotha floß, kann alle Sünden der gesamten Schöpfung (und somit auch die Sünden, die während des Alten Bundes begangen wurden) sühnen (Hebräer 9:14,15a). Die Worte Moses beim Schließen des Sinaitischen Bundes weisen auf das Blut Jesu Christi hin: "Dies ist das Blut des Bundes, den Gott mit euch gemacht hat ...". Wenn dem nicht so wäre, dann würden alle, die unter dem Alten Bund lebten, rettungslos verloren sein. Doch auch im Alten Bund war schon die Gnade Gottes 'in Kraft', die später Jesus am Kreuz vollbracht hat.
Zu b): Der zweite Teil der Bundesschließung bestand darin, dass Mose alle Rechte und Satzungen nochmals verkündigte, indem er sie aus dem soeben von ihm geschriebenen Bundesbuch vorlas. Danach versprach Israel zum dritten Mal (!) und endgültig, alles zu tun, was Jahwäh ihm geboten hatte.
Zu c): Der dritte Teil der Kulthandlung entsprach dem ersten. Nach dem Versprechen Israels, das ganze Gesetz zu vollbringen, nahm Mose das Blut, sprengte es auf das Volk und sprach: "Siehe, dies ist (das heißt:
dies bedeutet) das Blut des Bundes, den Jahwäh mit euch gemacht hat über alle diese Worte." Im Gegensatz zur ersten Blutbesprengung wies die zweite nicht auf die Reinigung Israels im Hinblick auf seine priesterliche Berufung hin. Zwischen der ersten und der zweiten Reinigungszeremonie hatte ja das Versprechen Israels stattgefunden, alles zu tun, was
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Jahwäh geboten hatte. Damit war der Sinaitische Bund im Gegensatz zu dem einseitigen, unbedingten Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hatte, zu einem bedingten, zweiseitigen Bund geworden. Die Bedingung bestand darin, das ganze Gesetz mit allen seinen Satzungen zu vollbringen! Erst wenn Israel diese Bedingung erfüllt hätte, dann würde es ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation zum Dienste aller Weltvölker werden können. Mit der Übernahme der Verpflichtung, diese Bedingung selber zu erfüllen, war Israel hoffnungslos überfordert und so gereichte das Gesetz zur Sünde O.Korinther 15:56). Aus diesem Grund musste Mose das Volk mit dem Blut der Opfertiere besprengen, nämlich als symbolische Verkündigung, daß, solange der Sinaitische Bund auch dauern würde, jeder Einzelne die Sündenvergebung nur durch Gnade, durch das Blut des einen wahren Opferlammes Jesus Christus erhalten konnte. Auch hier galt das Wort aus:
Psalmalm 32:1-2
1 Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist!
2 Glückselig der Mensch, dem Jahwäh die Ungerechtigkeiten nicht zurechnet, und in dessen Geist kein Trug ist!
Weil der Alte Bund aber auf der Verpflichtung der Menschen beruhte, ohne die Gnade Gottes zu beinhalten, war ein Vollbringen des Gesetzes auf dieser Grundlage ausgeschlossen. Somit kommen wir zu Punkt 3.
c. Der Alte Bund als Bund der Gesetzesübertretung
Da Israel sich aus Werken rechtfertigen wollte, konnte der Alte Bund das Gesetz niemals aufrichten oder 'bestätigen'. Paulus drückt dies so aus:
Römer 9:31,32
31 Israel aber, einem Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebend, (ist) nicht zu (diesem) Gesetz gelangt.
32 Warum? Weil (es) nicht aus (das heißt auf dem Grundsatz des) Glaubens geschah, sondern als aus Werken. ...
Der Alte Bund ist somit kein Gesetzesbund! Im Gegenteil, er war der Bund der Gesetzes-übertretung und der von Israel verworfenen Gnade. Schon kurz nach der Schließung des Sinaitischen Bundes tanzte Israel um das goldene Kalb.
Die Kulthandlungen im Alten Bund
Wie bei den Abraham itischen Bündnissen sollten auch im Sinaitischen Bund die Zeichen, zum Beispiel das der Beschneidung, ein Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens und Zeichen für die Beschneidung des Herzens sein. Da Israel jedoch die Gnade verworfen hatte, fehlte ihm auch die Wahrheit. Die Kulthandlungen des Gesetzes, die der Herr den Söhnen Israel zum Zeugnis der Glaubenswerke gegeben hatte, die er durch seine gnadenreiche Verbundenheit in ihren Herzen erwirken wollte, entprachen deshalb nicht
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ihrem wirklichen Zustand, weil sie der Wirkung des heiligen Geistes widerstanden (Apostelgeschichte 7:51). Damit war zum Beispiel die Beschneidung ein Zeugnis gegen sie geworden, das darauf hinwies, dass ihre Herzen unbeschnitten waren:
Jeremia 9:26
... denn alle Nationen sind unbeschnitten, das ganze Haus Israel aber
ist unbeschnittenen Herzens.
(Vergleiche 3.Mose 26:41; Apostelgeschichte 7:50; Römer 2:29.)
Die Kulthandlungen waren darum, insofern sie nicht die Wahrheit bezeugten, ein Greuel für Gott geworden:
Sprüche 15:8
Das Opfer des Gesetzlosen ist Jahwäh ein Greuel,
aber das Gebet der Aufrichtigen sein Wohlgefallen.
(Vergleiche dazu: I.Samuel 15:22-23; Psalm 50:7-9; 51:16-17; Sprüche 21:27;
Jes 1:11-17; 66:3: Jeremia 6:19b,20; 7:21-24; Amos 5:21-25; Micha 6:6-8;
Matthäus 5:23-24.)
Durch das Essen von Schlachtopfern und die Darbringung von unblutigen Opfern sollte Israel seine Gemeinschaft mit dem Altar verkündigen (I.Korinther 10:18). Wenn aber diese Gemeinschaft garnicht bestand, aßen und tranken sie sich selbst zum Gericht (vergleiche 1-Korinther 11:27-28).
Doch gerade in dem Widerspruch zwischen den symbolhaften Gesetzeshandlungen und Forderungen der Satzungen einerseits und dem dauernden Versagen andererseits sollte das Gesetz in Israel eine äußerst wichtige Erkenntnis bewirken. Tag für Tag zeigte das Gesetz, wie die Israeliten sein sollten und deckte ihnen auf, wie weit sie von diesem Ziel entfernt waren. Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde (Römer 3:20). Die Aufgabe des Gesetzes war in dieser Zeit, ein Lehrmeister zu sein, der das Volk zu dem verheißenen Messias hinführen sollte, wie Paulus dies bezeugt in:
Galater 3:23-24
23 Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter (dem) Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte.
24 Also ist das Gesetz unser Lehrmeister ('Pädagoge') gewesen auf Christus hin, auf dass wir aus (das heißt auf dem Grundsatz von) Glauben gerechtfertigt würden.
Diese Hinführung zu Jesus Christus bedeutet auch die Hinführung zum Neuen Bund. Bevor wir ihn jedoch untersuchen wollen, fassen wir noch einmal zusammen:
Obwohl Gott dem Volk Israel in der Zeit vor der Bundesschließung am Sinai immer wieder sein eigenes Unvermögen gezeigt und ihm fortwährend seine Gnade erwiesen hatte, blieb Israel unbelehrbar. So ging es den Bund auf der Grundlage des Versprechens ein, alle Forderungen des Gesetzes aus eigener Kraft zu erfüllen und verwarf damit die bis zuletzt angebotene Gnade Gottes, der durch sein Wort und seinen Geist die Bedingungen - wie beim Abrahamitischen Bund - Selber in dem Menschen erfüllen wollte. Daraus wird deutlich, dass nicht das Gesetz für den Alten Bund kennzeichnend war, sondern vielmehr die Kraftlosigkeit des Fleisches, dieses Gesetz ohne Gnade, aus eigener Kraft zu erfüllen (Römer 8:2)!
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4. GESETZ UND GNADE IM NEUEN BUND
a) Der Neue Bund als der Bund der Gesetzeserfüllung
Gott hat Israel das Gesetz gegeben, damit es das Ziel erkennen sollte, zu dem hin Gott den Menschen durch sein Wort von Herrlichkeit zu Herrlichkeit verwandeln will. Vom Auszug aus Ägypten an bis hin zum Sinai hatte Gott Israel auf die Probe gestellt, damit sie einsehen sollten, dass Gott allein dieses den Menschen Unmögliche in jedem einzelnen Israeliten zu verwirklichen vermag: heilig zu sein, wie Er, Jahwäh, heilig ist. Leider blieb Israel blind, verwarf die Gnade und versprach, das ganze Gesetz zu erfüllen, ohne dabei Gott zu bitten, dass er in ihnen sowohl das Wollen als auch das Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen bewirken sollte. Somit war der Alte Bund bereits von Anfang an ein von Israel gebrochener Bund, es war der Bund der Gesetzesübertretung. Damit Israel nach der Verheißung und dem Vorsatz Gottes dennoch das königlich-priesterliche Eigentumsvolk Jahwähs werden sollte - denn Gottes Wort kann nicht gebrochen werden - musste .ein neuer Bund aufgerichtet werden, in welchem die ganze Nation in der Lage wäre, das gesamte Gesetz zu erfüllen. Die Aufrichtung dieses Neuen Bundes wurde bereits in dem Gesetz vorausgesagt und später immer wieder von den Propheten bestätigt:
3.Mose 26:9-12
9 Und ich werde mich zu euch wenden und euch fruchtbar machen und euch mehren und meinen Bund mit euch aufrichten;
10 und ihr werdet das altgewordene Alte essen, und das Alte wegräumen vor dem Neuen.
11 Und ich werde meine Wohnung in eure Mitte setzen, und meine Seele wird euch nicht verabscheuen;
12 und ich werde in eurer Mitte wandeln und werde euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein.
5.Mose 30:1-8
1 Und es wird geschehen, wenn alle diese Worte über dich kommen, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es zu Herzen nimmst unter all den Nationen, wohin Jahwäh, dein Gott, dich vertrieben hat,
2 und umkehrst zu Jahwäh, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst nach allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele:
3 so wird Jahwäh, dein Gott, deine Gefangenschaft wenden und sich deiner erbarmen; und er wird dich wiederum sammeln aus all den Völkern, wohin Jahwäh, dein Gott, dich zerstreut hat.
4 Wenn deine Vertriebenen am Ende der Himmel wären, so wird Jahwäh, dein Gott, von dannen dich sammeln und von dannen dich holen;
5 und Jahwäh, dein Gott, wird dich in das Land bringen, welches deine Väter besessen haben, und du wirst es besitzen; und er wird dir wohltun und dich mehren über deine Väter hinaus.
6 Und Jahwäh, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Kinder beschneiden, damit du Jahwäh, deinen Gott, liebest mit deinem gan-
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zen Herzen und mit deiner ganzen Seele, auf dass du am Leben bleibest. ...
8 Und du, du wirst umkehren und der Stimme Jahwähs gehorchen, und wirst alle seine Gebote tun, die ich dir heute gebiete.
Diese Weissagung bezieht sich auf die Zeit des Messianischen Reiches, wenn Israel endgültig aus allen Völkern in sein Land zurückgekehrt sein wird. Dann wird es alle Gebote tun, die Mose damals zu den Vätern geredet hat. Das heißt: das ganze Gesetz wird im Messianischen Reich von Israel vollbracht werden! Wie wird Israel dazu in der Lage sein? Die Antwort finden wir zum einen in Vers 6 (Gott wird ihre Herzen beschneiden), zum anderen in den folgenden Versen:
S.Mose 30:11,14
11 Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar
für dich und ist nicht fern. 14 Sondern sehr nahe ist dir das Wort (nicht das Gebot, sondern das
Wort!), in deinem Munde und in deinem Herzen, um es zu tun.
Aus Römer 10:6-8, wo diese Stelle aus dem Gesetz zitiert wird, geht deutlich hervor, dass dieses Wort, das einmal im Herzen jedes einzelnen Israe-liten wohnen wird, Christus ist. Dann wird also gelten, was Paulus sagt:
Galater 2:20 ... und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir ...
Nun noch einige von den vielen Belegen aus den Propheten:
Jesaja 59:21
Und ich - dies ist mein Bund mit ihnen, spricht Jahwäh: mein Geist, der auf dir (Israel) ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, werden nicht aus deinem Munde weichen ...
Hesekiel 11:17-20
17 ... Ja, ich werde euch aus den Völkern sammeln und euch zusammenbringen aus den Ländern, in welche ihr zerstreut worden seid, und werde euch das Land Israel geben.
18 Und sie werden dorthin kommen und alle seine Scheusale und alle seine Greuel daraus entfernen.
19 Und ich werde ihnen ein Herz geben, und werde einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus ihrem Fleische wegnehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben:
20 auf dass sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte bewahren und sie tun; und sie werden mein Volk, und ich werde ihr Gott sein.
Hesekiel 36:24-29
24 Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch sammeln aus allen Ländern und euch in euer Land bringen.
25 Und ich werde'reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen.
26 Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
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27 Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahrt und tut.
28 Und ihr werdet in dem Lande wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe; und ihr werdet mein Volk, und ich werde euer Gott sein.
29 Und ich werde euch befreien von allen euren Unreinigkeiten ...
Jeremia 31:31-34
31 Siehe, Tage kommen, spricht Jahwäh, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen werde:
32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tage, da ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht Jahwäh.
33 Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht Jahwäh: ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein.
34 Und sie werden nicht mehr ein jeder seinen Nächsten und ein jeder seinen Bruder lehren und sprechen: Erkennet Jahwäh! denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht Jahwäh. Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken. -
Zusam menfassung
Mit dem Kommen Jesu wurde nicht das Gesetz abgeschafft, sondern jenes "vorhergehende Gebot" (Hebräer 7:18), das Israel sich am Sinai selbst auferlegt hatte. Bedenken wir, dass nicht das Gesetz selbst, sondern die Kraftlosigkeit des Fleisches, dieses Gesetz ohne die Gnade Gottes zu erfüllen, das eigentliche Kennzeichen des Alten Bundes war. Darum wurde zwar mit dem ersten Kommen des Messias der Alte Bund abgelöst, und der Neue trat in Kraft, das Gesetz jedoch wurde nicht aufgelöst. Im Gegenteil! Der Neue Bund ist der Bund der Gesetzeserfüllung. Durch Christus wird das Gesetz auf ein Voll maß gebracht (Matthäus 5:17). Durch den Glauben wird das Gesetz aufgerichtet:
Römer 3:31
Heben wir denn (das) Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne!
sondern wir bestätigen (das) Gesetz.
Den ganzen zukünftigen Äon hindurch, ja, sogar solange Himmel und Erde bestehen, bleibt das Gesetz in Kraft (Matthäus 5:18). Christus selbst wird alle Gebote und Satzungen in den Israeliten erfüllen und vollbringen, denn:
Römer 10:4
... Christus ist des Gesetzes Endziel (tetos), jedem Glaubenden zur
Gerechtigkeit.
So wird im Neuen Bund das Gesetz, das Gott Israel einst durch Mose gab, erst durch die Gnade erfüllt werden, und zwar durch die Gnade, die in Christus Jesus geworden ist. Im Neuen Bund gilt also sowohl Gesetz als auch Gnade, wie Johannes klar aussagt:
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Johannes 1:17
Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben; die Gnade und die
Wahrheit (um es zu vollbringen) ist durch Jesus Christus geworden.
b) Die Schließung des Neuen Bundes, seine Verwerfung durch Israel und seine (Wieder-) Aufrichtung im Messianischen Reich
Der Alte Bund wurde mit dem Blut von Opfertieren in der Wüste Sinai geschlossen. Wo und wann wurde der Neue Bund geschlossen? - Am Kreuz von Golgotha, und zwar mit dem Blut des Lammes Gottes. Alle blutigen Opfer, die im Gesetz vorgeschrieben wurden, sind nur Sinnbilder auf dieses eine Opfer, mit dem der Neue Bund geschlossen wurde. Nur durch dieses Blut kann Israel von aller Sünde und aller Unreinheit gereinigt werden O.Johannes 1:7; 1-Petrus 1:2,19; Hebräer 9:14). Von da an hing es von Israel ab, ob es die Reinigung durch das Blut seines Messias annehmen wollte oder nicht. Doch auch dieses Gnadenangebot wurde verworfen, wie es übrigens von den Propheten vorhergesagt worden war (Jes 49:7; 50:6;
53:1-3; Psalm 22:6-8; 50:6; 5.Mose 32:15-18; Sacharja 11:8 und viele andere). Gott jedoch verwarf sein Volk nicht (Römer 11:1). Zwar hatte Israel seinen Messias und König bereits bei der Kreuzigung unwissentlich verstoßen:
Johannes 19:15
... Sie aber schrieen: Hinweg, hinweg! kreuzige Ihn! ... Wir haben
keinen König als nur den Kaiser.
Gerade diese (unwissentliche!) Verwerfung hatte die Kreuzigung und somit das Fließen des Blutes des Neuen Bundes zur Folge. Unmöglich kann das Schließen des Neuen Bundes für Israel gleichzeitig auch seine Verwerfung von Gott bedeuten! Dass Israel bei der Kreuzigung tatsächlich nicht von Gott verstoßen wurde, geht ganz deutlich aus dem Gebet Jesu hervor, das er am Kreuz sprach:
Lukas 23:34
... Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! (Vergleiche Apostelgeschichte 3:17.)
Gott bestimmte nun eine Gnadenfrist, in deren Verlauf Israel durch die Predigt der Apostel zur Sinnesänderung gerufen werden sollte. Diese Gnadenfrist war die Zeit der Apostelgeschichte.
Bereits fünfzig Tage nach der Auferstehung Jesu ereigneten sich mit Pfingsten die ersten sichtbaren Kennzeichen des Neuen Bundes, nämlich die Ausgießung heiligen Geistes auf Israel iten. Das Kommen des verheis-senen Königreiches Jesu Christi auf Erden hing einzig und allein davon ab, ob eine genügend große Anzahl aus Israel sich im Verlauf dieser Gnadenfrist zu seinem Messias bekehren und an die Erlösung durch das Blut des Neuen Bundes glauben würde. Im Verlauf der Apostelgeschichte wurde Israel dies mehrmals ausdrücklich verkündigt, zum Beispiel in:
Apostelgeschichte 3:18-21
18 Gott aber hat also erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündigt hat, dass sein Christus leiden sollte.
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19 So sinnt nun um und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn,
20 und er den eucn zuvorverordneten Jesus Christus sende,
21 den freilich der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.
Petrus betonte, dass das Kommen der Zeiten der Erquickung, nämlich des Messianischen Reiches, von der Bekehrung Israels abhängig war. Während der ganzen Zeit der Apostelgeschichte, in der Israel noch nicht als Heilskörper zur Seite gesetzt war, blieben die Geistesgaben, die Jesus verheißen hatte (Markus 16:16-18; I.Korinther 12:4-14:40), wirksam, und das Kommen des Messianischen Reiches war nahe. Folgende Gnadengaben waren besonders kennzeichnend:
a Prophetie (= Weissagung)
b Reden in fremden Zungen (= Sprachen)
c Austreibung von Dämonen
d Wunderheilungen
e Totenauferweckungen
Als die Bekehrung der Israel iten jedoch zu stockend verlief, wurden auch etlichen Gläubigen aus den Nationen diese Gnadengaben zuteil. Sie wurden also eingepflanzt in den Ölbaum Israel, und zwar um Israel zur Eifersucht zu reizen (Römer 11:11), damit noch im Verlauf der Gnadenfrist die erforderliche Vollzahl aus Israel erreicht werden sollte (Römer 11:14). In den edlen Ölbaum, der ein Gleichnis für Israel ist, wurden im Verlaufe der Apostelgeschichtezeit Äste eines wilden Ölbaums (= Bild für die Nationen) eingepfropft. So wurden Christen aus den Nationen der geistlichen Segnungen teilhaftig, die Gott Israel gab. Trotzdem galt immer noch: erst der Jude, (dann) auch der Grieche (vergleiche Römer 1:16). Bis zum Ende der Apostelgeschichte ging es in erster Linie um Israel. Die Frage war: Würde schließlich die Vollzahl von gläubigen Israeliten aus allen Stämmen erreicht werden, die die vor dem Messianischen Reich zu erwartende Drangsal (Apostelgeschichte 14:22) und die Verführungen des Satans bestehen würde? Als Paulus gegen Ende dieser Gnadenfrist wegen der Hoffnung Israels in Ketten nach Römer geführt worden war, rief er die Ersten der Juden zu sich. Nun sollte endgültig die Entscheidung fallen:
Apostelgeschichte 28:23-28
23 Als sie ihm aber einen Tag bestimmt hatten, kamen mehrere zu ihm in die Herberge, welchen er (die Wahrheit) auslegte, indem er das Königreich Gottes bezeugte und sie zu überzeugen suchte von Jesus, sowohl aus dem Gesetz Moses' als auch den Propheten, von frühmorgens bis zum Abend.
24 Und etliche wurden überzeugt von dem, was gesagt wurde, andere aber glaubten nicht.
25 Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, als Paulus ein Wort sprach: Trefflich hat der heilige Geist durch Jesaja, den Propheten, zu unseren Vätern geredet und gesagt:
26 "Gehe hin zu diesem Volke und sprich: Hörend werdet ihr hören und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen.
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27 Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile." (Jes 6:9,10)
28 So sei euch nun kund, dass diese Rettung Gottes den Nationen gesandt ist; sie werden auch hören.
Die sichtbaren Folgen dieses Urteils ließen nicht lange auf sich warten. Die' in der Zeit der Apostelgeschichte so deutlich sichtbaren und zahlreichen Merkmale und Charismen des Neuen Bundes hörten plötzlich auf. Das Reden in fremden Sprachen, die Prophezeiungen, die Wunderheilungen und alle anderen Zeichen, die auf das Nahesein des Messianischen Reiches hinwiesen, brachen mit einem Male ab. Man vergleiche zum Beispiel Apostelgeschichte 19:11-12 und 28:8-9 mit Phil 2:27; I.Timotheus 5:22f und 2.Timotheus 4:20! Auch das unmittelbare Gericht (zum Beispiel Apostelgeschichte 5:5,10) und das sichtbare Eingreifen von Engeln hörten auf. Kurze Zeit später wurde diese zeitweilige Beiseitesetzung Israels durch die Verwüstung des Tempels und die Zerstreuung Israels über alle Nationen befestigt. Dadurch konnte Israel dem 'Äußeren' des Gesetzes nicht mehr so nachkommen, wie Gott dies durch Mose geboten hatte. So lange die Verblendung Israels anhält, haben die Kulthandlungen im Tempel ihren Sinn verloren und sollen deshalb unterbleiben, weil sie ohne das Vollbringen des 'Inneren' des Gesetzes ein Greuel für Gott sind.
Seit dem Abschluss der Apostelgeschichtezeit ist Israel also nicht mehr als Volk von Jahwäh angenommen. Seit damals heißt es nach Hosea 1:9:
"Lo-Ammi" = "Nicht-Mein-Volk". Israel ist als Heilskörper zeitweise beiseitegesetzt, jedoch nicht endgültig verworfen. Da der Neue Bund aber für Israel gilt, hört auch er mit der Beiseitesetzung Israels für eine unbestimmte Zeit auf. Statt dessen brach eine neue Heilszeit, oder besser Verwaltung, Haushaltung (oikonomia) an, nämlich die der Leibesgemeinde, die von Paulus in seinen letzten Briefen (Eph, Phil, Kol, 1.und 2.Timotheus, Titus und Philemon) bekannt gemacht wird und bis heute andauert.
Erst wenn Christus beim Anbruch des Messianischen Reiches wiederkommen wird, dann wird auch der Neue Bund, und zwar in seinem ganzen Umfang, wieder in Kraft treten. Dann wird das Wort erfüllt sein: "... und sie werden mein Volk sein" (Jeremia 31:34). Unter seinem König und Priester Jesus Christus wird Israel dann 'als priesterliches Königreich über alle Nationen herrschen (Jes 61:6; Psalm 2; Offenbarung 20:5 usw.). Dann wird der Tempel auf dem erhöhten Berg Zion in gewaltigen Ausmaßen neu erbaut werden (Hes 40-46; Amos 9.11-12; Jesaja 2:2-4), und Christus als Priester-König Israels darin wohnen (Sacharja 8:3-4; 14:9; Hesekiel 43:7; 48:35; Jeremia 3:17;
Matthäus 5:34-35; Hesekiel 37:26-28; Psalm 132:11-14,17; Joel 3:17 usw.). Auch der Priesterdienst der Leviten und der Opferkult werden wieder eingeführt werden. Sowohl das 'Innere' als auch das 'Äußere' des Gesetzes Mose wird in neuer Form von ganz Israel erfüllt werden, und zwar durch das in den Menschen wohnende Wort und den Geist Gottes. Das 'Äußere' des Gesetzes wird den Weltvölkern zur Verkündigung des Heilswerkes Gottes in den Menschen gereichen, zur Lehre und zur Erziehung. Israel wird dann in der Fülle der Charismen des Neuen Bundes allen Weltvölkern das Evangelium Jesu Christi predigen, damit auch diese zu Jüngern werden (Matthäus 28:18-19; Markus 16:15-18; Offenbarung 12:5; Jesaja 60:1-3; 61:1-3,9; 66:18-
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20). Auf diese Weise werden alle Völker in dem Samen Abrahams, das heißt Christus, gesegnet werden (Galater 3:8,16). In dieser Zeit wird Israel die Gnade gegeben werden, das ganze Gesetz durch die Kraft des innewohnenden Wortes Gottes zu vollbringen (Jes 54:1-3; 55:10-13; 59:21; Jeremia 32:39-40). Deshalb wird keiner, der unbeschnitten ist, und zwar sowohl am Herzen als auch am Fleische, ins heiligtum hineingehen dürfen (Hes 44:7)' Jeder Israel it, der in den Tempel kommt, soll selber ein Tempel sein, in dem Gottes Geist wohnt (Jes 59:21-22; vergleiche 1-Korinther 6:19). Alle Söhne Israels werden dann lebendige Bausteine geworden sein, aufgebaut als ein heiliger Tempel auf dem Felsen Jesus Christus (Matthäus 16:18; I.Petrus 2:4-5; Jesaja 61:6). Der steinerne Messianische Tempel auf Zion wird somit in Wahrheit eine konkrete Darstellung des geistigen Hauses Israel sein (Hes 27:38). Durch die äußeren Kulthandlungen des Gesetzes werden im Messianischen Königreich alle Nationen der Erde, aber auch die unsichtbare Schöpfung sehen, was Gott in dieser geringsten aller Nationen gewirkt hat. Dann werden die Himmel und die Erde erkennen, dass das Gesetz, das Gott den Menschen durch Mose gegeben hat, allein durch die Gnade vollbracht wird, die in Jesus Christus geworden ist (vergleiche Jesaja 2:2-4; 44:23; Sacharja 9:10).
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DIE LEHRE DES APOSTELS PAULUS
S. Van Mierlo
ANSICHTEN BEZÜGLICH DES GESETZES
Wir meinen hier insbesondere das Gesetz, das Israel gegeben wurde, doch kann man das Gesagte auch auf alle Vorschriften anwenden, die mit Gottes Maßstab übereinstimmen. Wir haben bereits das ein oder andere untersucht, was mit dem Gesetz zusammenhängt (vergleiche Beröer 3 S.90-99), doch ist es notwendig, einiges noch genauer zu betrachten.
Gott gibt seinen Willen durch eine Reihe von Vorschriften zu erkennen (Römer 2:18). Dies kann die Menschheit allgemein oder aber nur eine bestimmte Gruppe von Menschen zu einer bestimmten Zeit betreffen. Der Mensch muss diese Norm kennen, um zu seinem Ziel zu gelangen, denn aus sich selbst weiß er nicht genau, was absolut gut oder schlecht ist, wie er denken und handeln, wohin er gelangen muss.
Wenn Gott nun seinen Willen als Vorschrift gibt, das heißt das absolut Gute, so scheint er das Unmögliche vom Menschen zu verlangen, denn dieser kann aus sich selbst heraus nicht vollbringen, was absolut gut und gerecht ist. Wozu kann dann das Gesetz dienen? Aus Gottes Wort können wir erkennen, dass das Gesetz Folgendes zum Ziel hat:
a. Es soll dem Menschen Gottes Normen begreiflich machen. b. Es soll ihm seine Schwachheit und Sünde bewusst machen, indem die Erfahrung ihm zeigt, dass er nicht in Übereinstimmung mit Gottes Willen leben kann, wie auch die folgenden Stellen aussagen:
Römer 3:19,20
19 Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei.
20 Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz (kommt) Erkenntnis der Sünde. (Vergleiche Römer 5:20.)
Römer 7:7
Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber
die Sünde hätte ich nicht erkannt, als nur durch Gesetz. Denn auch
von der Lust hätte ich nicht gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt
hätte: 'Laß dich nicht gelüsten!'
(Vergleiche Galater 3:19.)
c. Das Gesetz soll den natürlichen Hochmut des Menschen vernichten, so dass er sich zu Gott bekehrt, um Hilfe zu erlangen.
Mose verkündigte eine große Wahrheit, als er sagte:
Römer 10:5 Der Mensch, der diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.
Doch um tun zu können, was Gott verlangt, muss man auch Gottes Gnade
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annenmen. Der natürliche Mensch, der sich seines sündigen Zustandes nicht bewusst ist, meint gewöhnlich, dass es genüge, Gottes Willen zu erkennen, um ihn auch zu tun. Wenn er jedoch deutlich erkennt, was Gott von ihm will, wird er wahrscheinlich auch merken, dass er nicht in der Lage ist, dies zu erfüllen. Er wird die Erfahrung machen, dass die in ihm wohnende Sünde gerade die Kenntnis des Willens Gottes dazu gebrauchen wird, ihn gegen Gottes Gebot anzustacheln:
Römer 7:8
Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte
jede Lust in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.
Man könnte jetzt fragen, ob das Gesetz dann schlecht sei, wenn die Folgen derart katastrophal sind. Paulus antwortet jedoch: "Das sei ferne»
So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut." (Römer 7:7,12) Es bleibt dabei: das Gesetz ist gut, denn es soll ein Zuchtmeister, besser 'Pädagoge' auf Christus hin sein (Galater 3:23-26). Erst die Söhne sind nicht mehr unter dem Zuchtmeister, unter Gesetz, weil sie aus Glauben gerechtfertigt werden. Andererseits ist es nicht grundsätzlich schlecht, unter einem Pädagogen "verwahrt" zu sein, nur ist es notwendig, ihm gegenüber die richtige Einstellung zu haben: man muss ein-sehen, dass die Gebote gut, aber aus eigener Kraft nicht einzuhalten sind. Die Israel iten jedoch, als Gott mit ihnen den Alten Bund über die Worte des Gesetzes schloß, meinten, das Gesetz erfüllen zu können und sprachen:
"Alle Worte, die Jahwäh geredet hat, wollen wir tun!" (Exodus 24:3)
Sie glaubten also, aus Gesetzeswerken gerechtfertigt werden zu können und begaben sich damit unter den Fluch:
Galater 3:10 Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch;
denn es steht geschrieben: 'Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!'
Gott wollte sie mehrfach davor warnen und stellte sie auf die Probe, um ihnen zu zeigen, dass sie seine Gebote ständig übertraten. Gleichzeitig bot er ihnen schon damals seine Gnade an, und es gab auch Israel iten, die zu ihr Zuflucht nahmen (zum Beispiel David):
Exodus 34:5-7
5 Und Jahwäh stieg in der Wolke hernieder und er stand daselbst bei ihm (Mose) und rief den Namen Jahwähs aus.
6 Und Jahwäh ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Jahwäh, Jahwäh, Gott Cel), barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit,
7 Der Güte bewahrt auf Tausende hin, der Ungerechtigkeit, Übertretung und Sünde vergibt ...
Wir wissen jedoch, dass Israel als Gesamtheit nicht zu dieser Gnade Zuflucht genommen hat. Sie taten 'Gesetzeswerke' und dachten, durch diese gerechtfertigt zu werden. Durch schmerzhafte und langwierige Erfahrungen mussten sie lernen, dass sie von Natur aus Sünder waren. So wird Israel in der Zukunft erst noch durch die große Bedrängnis gehen müssen, bevor
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es sich zu seinem Messias bekehrt, wenn Dieser auf die Erde kommen wird. Mit der Bekehrung Israels wird ein Ziel des Gesetzes erreicht sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Volk das Gesetz dann nicht mehr zu befolgen brauchte' Im Gegenteil, die Vorschriften des Gesetzes wurden gegeben, um befolgt und erfüllt zu werden (Römer 2:13). Wenn Israel durch Bekehrung zur Wiedergeburt gelangt ist, wird es durch Gottes Gnade befähigt werden, seinen Willen zu vollbringen. Wäre es nicht zu seltsam, dass sie ausgerechnet dann Gottes Vorschriften nicht mehr zu befolgen hätten? Mit dieser Frage wollen wir uns auch noch im folgenden Abschnitt befassen:
Das Gesetz als äonische Einsetzung
Das Gesetz ist eine 'ewige', das heißt äonische Satzung: es wird während des ganzen kommenden Äons in Kraft bleiben (Exodus 27:21; 28:43 usw.;
vergleiche auch Beröer 1 S.75ff zu 'äonisch'). Der Herr selbst hat gesagt:
"Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist!" (Matthäus 5:18)
Nun, die Himmel und die Erde werden erst nach dem Messianischen Reich vergehen (Offenbarung 20:1-10), wenn die jetztigen Himm.el und Erde vor dem großen weißen Thron entfliehen und hierauf neue Himmel und eine neue Erde kommen (Offenbarung 21:1; 2.Petrus 3:13). Demnach wird das Gesetz während des ganzen Messianischen Reiches in Kraft bleiben. Israel wird in diesem Königreich einen weltweiten Auftrag für alle Nationen zu erfüllen haben.
Ganz eindeutig sind auch die Anweisungen in Hesekiels Prophetie, die sich auf die Einhaltung des Gesetzes im kommenden Äon beziehen. Man sieht ganz klar, dass die Beschneidung des Fleisches, Brandopfer und Schlachtopfer noch immer verlangt werden (Hes 40-45)'
Während des zukünftigen Äons soll auch erfüllt werden, was die Propheten über den Neuen Bund mit Israel gesagt haben:
Jeremia 31:31-34
31 Siehe, Tage kommen, spricht Jahwäh, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen werde:
32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tage, da ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht Jahwäh.
33 Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht Jahwäh: ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihre Herzen schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein.
34 Und sie werden nicht mehr ein jeder seinen Nächsten und ein jeder seinen Bruder lehren und sprechen: Erkennet Jahwäh! denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, - spricht Jahwäh. Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken. (Vergleiche Hebräer 8:10 und 10:16.)
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Die Israel iten werden nach dem Inneren Menschen Wohlgefallen haben am Gesetz Gottes (vergleiche Römer 7:22) und durch die geistige Erneuerung verständig sein, so dass sie deutlich erkennen können, was der Herr von ihnen verlangt und welche geistliche Bedeutung die Zeremonien haben, die auf sichtbare Art und Weise täglich die großen Wahrheiten darstellen werden. Sie werden also die Vorschriften lieb haben und in Übereinstimmung mit Gottes Willen befolgen. Als Erstgeborener unter allen Völkern (vergleiche Exodus 4:22) wird Israel in jener Zeit über die Kindschaft hinaus bis hin zur Sohnschaft gelangen (Römer 9:4). In der Berufung als das auserwählte Geschlecht, als das königliche Priestertum und heilige Nation (I.Petrus 2:9) wird es alle Nationen evangelisieren und zur Wiedergeburt leiten, weshalb der kommende Äon der Äon der Wiedergeburt sein wird (Matthäus 19:28). Doch wird die Menschheit dann noch immer weit von der Vollkommenheit entfernt sein. Die geistliche Entfaltung der Menschheit erfordert tatsächlich sehr viel Zeit, so dass es erst am Ende des kommenden Äons der Fall sein wird, dass die Mehrzahl (doch noch nicht alle Menschen) sich freiwillig, in Übereinstimmung mit Gottes'Heilsplan entwickelt haben werden.
Was muss dann noch mit dem Wiedergezeugten geschehen? Er, der von Geburt an geistlich von Gott getrennt war, ist zwar durch die Wiederzeugung in Kontakt mit der geistlichen Sphäre gekommen, doch gehört er noch immer der alten adamitischen Schöpfung an, ist also 'in Adam'. Er muss nun diese Sphäre verlassen, also in gewisser Weise 'sterben'. Der Alte Mensch muss gekreuzigt werden und so auch gegenüber dem Gesetz sterben (vergleiche auch Beröer 11 S.403ff). So wird der Gläubige dann nicht mehr Sklave oder Gefangener der Sünde, sondern vielmehr frei vom Gesetz der Sünde und des Todes sein. Hierzu einige Schriftbelege:
Römer 6:7
Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen (oder: gerechtfertigt) von
der Sünde.
Römer 7:23
Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
Römer 8:2
Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich
frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Römer 8:14,15
14 Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.
15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!
Galater 3:26
Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in (griech. en)
Christus Jesus.
Galater 4:5-7 5 ... damit er die loskaufte, (die) unter Gesetz (waren), damit wir
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die Sohnschaft empfingen.
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater'
7 Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.
Der Wiedergeborene glaubt bereits bis in Christus hinein (griech. eis), doch noch nicht _m (griech. en) Christus Jesus (und so lautet der Vers Galater 3:26 genau, aufzeigend, von welchem Glauben in den vorhergehenden Versen gesprochen wird). Der _m Christus Jesus Gläubige ist nunmehr von der Stufe der Unmündigkeit zur Sohnschaft gelangt. Das bedeutet natürlich nicht, dass man Gottes Willen nicht mehr vollbringen müßte. Das Gesetz, wenn man darunter die Äußerung von Gottes Willen versteht, bleibt stets gültig, doch ist man losgekauft vom Fluch des Gesetzes (Galater 3:13).
Man unterscheide zwischen dem Gesetz, wie es Israel gegeben wurde (und das allerlei Vorschriften enthält, die für andere nicht gelten), und dem unveränderlichen Willen Gottes allgemein. Dieser kann auf verschiedene Art und Weise dargestellt werden und so den Zeiten und Umständen angepaßt sein. In seinem Wesen bleibt das Gesetz also bestehen, wenn auch die Einstellung der Söhne dazu eine ganz andere ist. Das Gesetz besteht für sie nicht mehr in einer Reihe von Vorschriften, die sie einzuhalten versuchen, es ist kein 'Buchstabe' mehr. Jetzt, wo sie Teil der Neuen Schöpfung, wo sie in Christus Jesus sind, wird die Rechtsforderung des Gesetzes in ihnen erfüllt. Sie dienen in einem neuen Geist:
Römer 8:4
Damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir
nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.
Römer 7:6
Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so dass wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens. '
Man kann vielleicht folgenden Vergleich anstellen: Um eine Sacharjae verfertigen zu lassen, kann man einen Handwerker beauftragen, der ganz genauen Anweisungen folgt, aber nicht überblickt, was er eigentlich tut. Man kann aber auch einen Eingeweihten dasselbe tun lassen, der jedoch den Geist der Sacharjae durchschaut. Wenn der erste den Vorschriften auch noch so genau folgt, so kann er doch leicht etwas Verkehrtes tun. Der andere dagegen führt alles tadellos aus, auch ohne detaillierte Vorschriften zu haben.
Der Geist des Gesetzes bleibt, doch die äußere Form verändert sich, denn die meisten Vorschriften waren an solche angepaßt, die noch keine Söhne waren, und hatten zum Ziel, zur Sohnschaft hinzuführen. Alle Zeremonien Sind Schatten und werden mit dem Untergang der jetztigen Schöpfung verschwinden (Offenbarung 20:11; Matthäus 5:18). Wenn die ganze Menschheit nach dem Äon der Wiedergeburt in die Neue Schöpfung übergegangen sein wird, dann wird es nicht einmal mehr einen Tempel geben:
Offenbarung 21:22
Und ich sah keinen Tempel in ihr (der Stadt), denn der Herr, Gott,
der Allmächige, ist ihr Tempel, und das Lamm.
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Das bisher Gesagte gilt für Israel als Volk und die Nationen im allgemeinen. Wenn es jedoch um Einzelne geht, können die Dinge einen anderen Lauf nehmen. Tatsächlich braucht niemand auf die höheren Segnungen Gottes zu warten, bis die ganze Masse der Menschen den Heilsweg beschritten hat. Bereits Abraham war gerechtfertigt, also 'Sohn', ebenso andere nach ihm. Schon vor dem Kreuz gab es mit Sicherheit eine Anzahl Wiedergezeugter, auch wenn Israel als Volk es nicht war. Die Pfingsereig-nisse haben dann auch gezeigt, dass Tausende bereit waren, bis in Christus hinein (griech. eis) zu glauben. Die Gläubigen, die bereits in dem jetzigen Äon zur Kind- bzw. Sohnschaft gelangen, sind voraus, was die Äonen angeht, in denen die gesamte Menschheit Anteil an diesen Segnungssphären haben wird. Während der Zeit der Apostelgeschichte sehen wir, dass es verschiedene Gruppen von Gläubigen gleichzeitig und nebeneinander gab. Deswegen herrschten in dieser Zeit verwickelte Zustände, weil Menschen zusammenlebten, die verschiedenen Segnungssphären angehörten, und denen verschiedene Botschaften verkündigt wurden. Damals wie heute gilt für solch ein Zusammenleben, dass diejenigen aus den höheren Sphären verpflichtet sind, sich aus Liebe zu den anderen niederzubeugen, so dass sie damit in gewisser Hinsicht Nachfolger des Herrn sind:
Phil 2:5-8
5 Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus (war),
6 Der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich (griech. isos = vollkommen identisch) zu sein.
7 Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich (griech. homoios = ähnlich) geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch erfunden,
8 erniedrigte er sich selbst ...
Die Periode hätte innerhalb kurzer Zeit zum Königreich auf Erden führen sollen, doch weil Israel sich nicht bekehrte, ist man zu dem gegenwärtigen Zustand gelangt, in dem die Verwaltung der Leibesgemeinde die entscheidende Rolle spielt.
Zusammenfassend können wir also sagen, dass es wahrend der Zeit der Apostelgeschichte vier Gruppen von Menschen gab:
1. Ohne das Gesetz (Nicht-Israel iten)
2. Solche, die das Gesetz, aber nicht die Gnade hatten (nicht wiedergezeugte Israel iten und Proselyten).
3. Solche, die das Gesetz und die Gnade hatten, aber immer noch unter der Sünde waren.
4. Solche, die freigemacht waren vom Gesetz der Sünde und des Todes; das Gesetz wurde in ihnen vollbracht.
Auf der folgenden Seite geben wir eine tabellarische Übersicht, die die besprochenen Zusammenhänge verdeutlicht.
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j^hwäh öezeugt von Sich, dass er sich nicht verändert (Mal 3:6); sein fsjame bedeutet: 'Ich bin, der ich bin", also 'der sich Gleichbleibende' (^.Mose 3:13-15). Diese Eigenschaft wird in der heiligen Schrift auch criit dem Begriff 'Fels' beschrieben. Erstaunlich oft wird im Gesetz, in d^n Psalmalmen und den Propheten Jahwäh als der alleinige Fels verkündigt:
S.jJojie 32:3,4
3 Denn den Namen Jahwähs will ich ausrufen - gebet Majestät unserem Gott -:
4 Der Fels, vollkommen ist sein Tun .„
2. Samuel 22:32
Denn wer ist Gott, außer Jahwäh,
und ^er ist ein Fels, außer unserem Gott?
(\jur ein törichter Mensch baut auf Erschaffenes - auf Sand und nicht gut den Schöpfer, auf den einzigen Felsen. Ja, für ihn wird der Fels, das V\/ort Gottes, sogar zu einem Felsen des Straucheins (Jes 8:14; I.Petrus 2:8; Römer 9:32). Erst am Tage der alles überschwemmenden Fluten des Gerichtes Gottes wird es ihm offenbar, dass der 'Fels', auf den er baute, «^in Fels war. Diese angeblichen 'Felsen' werden den Menschen vor dem /^ngesicht Dessen, der auf dem Throne sitzt und dem Zorn des Lammes picht schützen (S.Mose 32:37; Jesaja 28:15-18; 59:19-21; Psalm 93). Der kluge Mensch d@9egen weiß, dass er nur auf einen lebendigen Felsen, Jesus Chri-5fus, bauen kann. ihn können die Fluten des Gerichtes Gottes und die pforten des Totenreiches nicht überwältigen, denn er ist erbaut auf die ^/ahrheit, das Leben und die Auferstehung:
"Einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist: Jesus Christus!" (1. Korinther 3:11).
pie Leb@risgrundlage eines Menschen ist von entscheidender Bedeutung, ja sie sein inneres Wesen und seine Persönlichkeit formt. Ein Mensch, der ^.B. ganz in seinem Geschäft oder in einer politischen Ideologie aufgeht, ^/ird mit der Zeit immer mehr durch diese Grundlage seines Lebens umge-3taltet und geformt. Ebenso ist es bei einem Menschen, der das bleibende V\/ort Gottes als die Grundlage seines Lebens gewählt hat. Nachdem er durch und aus diesem Worte wiedergezeugt wurde, soll sein neues Leben 3>js demselben gespeist und gefördert werden (vergleiche I.Petrus 1:19-2:16). Pau-IUS verwaist in dieser Beziehung auf Israel in der Wüste. Er warnt die gläubigen, nicht wie dies nach den Fleischtöpfen Ägyptens zu gelüsten, 30ndern nach der unverfälschten Milch des Wortes Gottes (1. Korinther 10:5-6). jährlich, der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wor-t^, das &us dem Munde Jahwähs, des Felsens, hervorgeht (Matthäus 4:4).
/^uf den Felsen aufgebaut, lassen auch wir uns von diesem Felsen ernähren d^rch das Brot des Lebens - das Wort Gottes - und das Wasser des Le-t^ns - heiligen Geist. Auf diese Weise werden wir, den Herrn mit aufgedecktem Angesicht anschauend, nach demselben Bilde verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit durch den Herrn, den Geist (2.Korinther 3:18). " fsjur so in ihm eingepflanzt bringen wir gute Frucht hervor - nämlich die Früchte des Geistes (Johannes 15; Galater 5:22), "denn Gott ist es, der in jHS wirkt, sowohl das Wollen als auch das Vollbringen" (Phil 2:13). Dann nahen die Worte Jesu auch für uns Gültigkeit: "Jeder, der zu mir kommt jnd meine Worte hört und sie tut ... ist einem Menschen gleich, der ein Haus baute ... und den Grund auf den Felsen legte!"
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»...Die Beröer nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob es sich so verhielte.«
(Apostelgeschichte.17 : 11)
(Versuch einer vorurteilsfreien Bibelauslegung nach dem Grundtext, unter Berücksichtigung archäologischer, historischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnisse.)
Inhalt
Raymond Chasles »Israel und die Weltvölker« — Zeichen und Wunder in der Zeit der Apostelgeschichte
S. Van Mierlo
»Die Lehre des Apostels Paulus«
Das Gleichnis vom Olivenbaum
Buchbesprechung
»Epochen der Heilsgeschichte«
(Herausgeber Helge Stadelmann)
Karel Claeys »Die Grundlage unseres Lebens«
ZEICHEN UND WUNDER IN DER APOSTELGESCHICHTE
Raymond Chasles
Den folgenden Aufsatz haben wir dem Buch 'ISRAEL UND DIE WELTVÖLKER' von Raymond Chasles, Patmos-Verlag Stuttgart, entnommen.
Die 69. danielische Jahrwoche ist zu Ende gegangen. Gott aber will in seiner Barmherzigkeit nicht das ganze jüdische Volk für das von seinen Machthabern auf Golgotha begangene Verbrechen verantwortlich machen. Es soll noch eine Zeit der Gnade geben, in der das Gottesvolk erneut zur Entscheidung aufgerufen wird, nicht nur in Judäa und Galiläa, sondern auch in allen Ländern des römischen Reiches, über die es zerstreut ist. Diese Zeit der Geduld Gottes war von Jesus in einem Gleichnis angekündigt worden, von dem uns Lukas berichtet: "Jemand hatte in seinem Weinberge einen Feigenbaum gepflanzt. Er kam und suchte Früchte an ihm, fand aber keine. Hau ihn um! Wozu nimmt er den Boden weg? Herr, erwiderte ihm jener, laß ihn noch dieses Jahr stehen. Ich will um ihn herum graben und Dünger hineinlegen; vielleicht bringt er in Zukunft Frucht; wenn nicht, magst du ihn umhauen lassen" (Lukas 13:6-9).
Die Priester und geistigen Führer Israels hatten ihre Augen vor den Wundern Jesu und ihre Ohren vor seinen Worten verschlossen, und so war das Volk durch ihre Schuld unfruchtbar geblieben. Jesus aber war - wie der Winzer - fürbittend für dieses sein Volk eingetreten. Vom Kreuze her war seine große Bitte um Vergebung für diejenigen aus ihm, die nicht wußten, was sie taten, zum Vater emporgestiegen. Schon der Prophet Jesaja hatte ja geschrieben: "Der Ochs kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. Nur Israel hat kein Erkennen, mein Volk kein Einsehen!" (Jes 1:3)
So wird denn dem Gottesvolk noch eine Gnadenfrist gewährt. Der Herr lässt durch seine Apostel, die er hinaussendet, alles ins Werk setzen, um Israel zum Fruchttragen zu verhelfen und es endlich fähig zu machen, seine große Mission zu erfüllen.
Wenn aber der Feigenbaum auch nach all diesen Bemühungen, mit denen er bis zum äußersten umsorgt wird, doch noch unfruchtbar bleibt, dann wird ^-'n schreckliches Urteil über ihn ergehen. Er wird verdorren, abgehauen jnd ins Feuer geworfen werden.
Erinne n wir uns, wie Jesus dieses seinen Jüngern durch eine sinnbildliche Handlung hatte verständlich machen wollen: Als er eines Morgens von Bethanien nach Jerusalem zurückkehrte, hungerte ihn. Da sah er am Weg einen Feigenbaum. Er ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter a(. ihm. Dann sprach er zu ihm: "Nie mehr in Ewigkeit soll auf dir eine Frucht wachsen!" Auf der Stelle verdorrte der Feigenbaum (Matthäus 21:18-19).
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Hatte Jesus damit nicht seinen großen Hunger nach denen bekundet, die dem Fleische nach seine Brüder waren, so wie er gegenüber der Samuel ariterin welche die zum Judenvolk im Gegensatz stehenden Heidenvölker versinnbildete, seinen großen Durst nach diesen ausgesprochen hatte?
So sollte die Zeit der Apostelgeschichte für die Juden die Zeit eines letzten, für die Heiden die Zeit eines ersten Anrufs werden, eines Anrufs vom heiligen Geist an die Apostel, Zeugnis abzulegen, eines Aufrufs zur Bekehrung von Israel. Wenn das Jüdische Volk auf diesen Ruf gehört und begriffen hätte, welch unermessliche Gnade ihm gewährt worden war, dann hätte es auch seinerseits einen mächtigen Ruf zum Vater emporgesandt, dass er seinen Sohn bald vom Himmel her wiedersende. Und wenn eine solche flehentliche Bitte in den Herzen aller Juden aufgeglüht wäre, die im Raum des Mittelländischen Meeres zerstreut, von dem machtvollen Zeugnis des Petrus und Paulus und von den Zeichen und Wundern, die sie begleiteten, Kunde erhalten hatten, dann wäre gewiss die Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit nicht mehr fern gewesen.
Die erste Botschaft Johannes des Täufers, die auch der Inhalt der ersten Predigt Jesu gewesen war, wird also nun zum drittenmal vernommen:
"Bekehret euch, denn das Königtum der Himmel ist nahe". Am Tage des Pfingstfestes erklärte Petrus den Juden, die sich um die Jünger versammelt hatten und erschüttert waren von dem, was er ihnen gesagt hatte, weil es "ihr Herz durchschnitt": "Bekehrt euch, und ein jeder von euch lasse sich im Namen Jesu Christi taufen, dann werdet ihr Vergebung eurer Sünden und die Gabe des heiligen Geistes empfangen. Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung (des Neuen Bundes), aber auch allen Fernstehenden, soviel ihrer der Herr unser Gott berufen wird" (Apostelgeschichte 2:38-39).
Einige Tage später, nach der Heilung eines Lahmen, am sogenannten Schönen Tor des Tempels, verkündet er aufs neue den "Männern von Israel", die Zeugen dieses Wunders gewesen waren, die gleiche Botschaft: "Ich weiß, liebe Brüder, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt wie auch eure Vorsteher ... So tut den Buße und bekehrt euch, damit euch die Sünden vergeben werden. Dann werden Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen, und er wird den für euch vorausbestimmten Christus Jesus senden . Diesenmuss der Himmel behalten, bis alles wiederhergestellt ist" (Apostelgeschichte 3:17-21).
Der Anfang des Evangeliums und der Anfang der Apostelgeschichte stehen somit offenbar in einer Parallele, deren große Bedeutung es zu entdecken gilt.
Es handelt sich in der Tat darum, dass Israel, wie dem Feigenbaum, noch eine Frist zur Entscheidung, zur Hervorbringung seiner Frucht gewährt ist, durch die dann auch die Voraussetzung dafür geschaffen wäre, dass die 70. danielische Jahrwoche in Lauf gesetzt werden kann, welche mit der Wiederkunft des Herrn und dem Anbruch seiner Königsherrschaft ihr Ende findet.
Werden wir in dieser meinung nicht bestärkt, wenn wir zu Beginn der
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Apostelgeschichte lesen, dass Jesus nach seiner Auferstehung 40 Tage hindurch seinen Jüngern erschien und mit ihnen über die Dinge sprach, "die das Gottesreich betrafen" (Apostelgeschichte 1:3)? seine Andeutungen über eine bevorstehende "Wiederherstellung aller Dinge" müssen eindeutig gewesen sein, weil die Apostel daraufhin ihrem Meister die Frage stellten: "Herr, wirst du in dieser Zeit das Reich Israel wieder aufrichten?" (Apostelgeschichte 1:6). Es wäre ein recht vermessenes Urteil, wenn man von ihrem "Irrtum" oder von ihrer allzu irdischen Vorstellung eines Reiches sprechen würde, das doch ein ganz geistiges sein müsse. Wir haben oben gelesen, dass der auferstandene Christus 40 Tage hindurch zu ihnen vom Reich Gottes sprach und das, nachdem er ihnen "den Sinn für das Verständnis der Schriften erschlossen hatte" (Lukas 24:45). Glauben wir, dass wir besser befähigt sind als sie, um seine geheimnisvollen Worte zu verstehen? Im übrigen hat der Herr ihnen nicht den Vorwurf gemacht, dass sie sich irrten, sondern ihnen nur gesagt, dass es ihnen nicht zukomme, die Zeiten und Fristen zu kennen, die der Vate in seiner Macht festgesetzt habe. Wir aber, die wir jetzt wissen, wie das jüdische Volk sich damals dem Evangelium gegenüber eingestellt hat, wir solten vollkommen verstehen, warum Christus den seinen in Bezug auf die Zeit keine genaue Antwort geben konnte. Hätte er ihnen im voraus erklärt, dass seine Wiederkunft in Herrlichkeit und der Anbruch des Gottesreiches sich über lange Jahrhunderte hin verzögern werde, so wäre das gleichbedeutung gewesen mit der Voraussage des Ergebnisses der "Probezeit", in der Israel erneut vor die Entscheidung gestellt werden sollte. Aber gerade eine solche Voraussage hätte eine freie Entscheidung für Israel von vornherein unmöglich gemacht.
Die Apostel sollten das Reich Gottes als nahe bevorstehend verkünden, ohne zu wissen, ob Israel sich bekehren werde oder nicht. Deshalb wurde ihnen nur eine einzige Zusicherung gegeben: "Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommt und ihr werdet dann meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samuel aria, ja bis an die Grenzen der Erde" (Apostelgeschichte 1:8).
Nachdem er ihnen diese letzte Verheißung gegeben hatte, fuhr Jesus empor und eine Wolke entrückte ihn ihren Blicken. Während er aber so dahin-fuhr und sie ihre Blicke fest zum Himmel gerichtet hatten, erschienen ihnen zwei Männer in weißen Gewändern und sprachen: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und Schaut zum Himmel hinauf? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel auffahren sehen" (Apostelgeschichte 1:11).
Vor seinem Heimgang hatte der Herr sie über das Reich Gottes unterwiesen: nach seiner Auffahrt kommen zwei Engel und sprechen zu ihnen von seiner Wiederkunft.
Ja, "er wird ebenso wiederkommen". Und das wird schon bald geschehen, wenn die seinen bereit sind, zu sprechen: "Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn" (Matthäus 23:37-39; Psalm 118:26). Begreifen wir jetzt nicht viel besser, warum die Jünger mit dieser Hoffnung und Erwartung im Herzen "voller Freude nach Jerusalem zurückkehrten" (Lukas 24:53)? er wird ja wiederkommen!
Christus ist hinaufgestiegen über alle Himmel (Epheser 4:10). er sitzt zur
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Rechten Gottes und legt Fürsprache für uns ein (Römer 8:34). - Nach 10 Tagen kommt der vom Vater verheißene Tröster-Geist herab, um "dem Herrn ein williges Volk zu bereiten" (Lukas 1:17). Aber zuerst verleiht er den Aposteln die Kraft, die sie brauchen, um die Zeugen des Auferstandenen sein zu können.
Am Pfingsttag kommt es zur Bildung einer neuen Gemeinde, die ursprünglich nur aus Juden besteht. Die Kirche Gottes ist nun die "kleine Herde" jener aus Israel, die an die Botschaft vom Reiche und an die Gnadenwirkung des Blutes glauben, das Jesus, der Messias, für das Heil der Welt vergossen hat.
Die heilige Schrift sagt in der Tat, dass alle, die sich zu Pfingsten in Jeruslalem versammelt hatten, Juden waren, aus allen Völkern unter den Himmeln (Apostelgeschichte 2:5). Und Petrus redet sie an mit den Worten: "Ihr Männer von Judäa" ... "Ihr Männer von Israel" (Apostelgeschichte 2:14,22). Diese Juden gehen aber auch als Christen weiter in den Tempel und beobachten das Gesetz und die Festtage. "Petrus und Johannes gingen um die Stunde des Gebetes zum Tempel hinauf" (Apostelgeschichte 3:1). "Täglich verharrten sie einmütig im Tempel" (2:46).
So heilte Petrus den Lahmen, der am Tor des Hauses Gottes saß und um Almosen bat. Die Worte, die er nach diesem Wunder an die Menge richtete, sind von großer Bedeutung für den Gegenstand unserer Untersuchung, weil sie auf diesen ein helles Licht werfen. Wiederum sind es Juden oder beschnittene Proselyten, zu denen Petrus spricht: "Ihr Männer von Israel" ... Petrus erklärt ihnen, dass das Wunder ein Werk dessen ist, den sie verleugnet und dem Pilatus ausgeliefert haben; er bezeichnet Christus als den Knecht des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs und fügt hinzu: "Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt, dafür sind wir Zeugen".
Durch den Glauben an seinen Namen ist das Wunder geschehen. "Aber ich weiß, liebe Brüder, dass ihr aus Unwissenheit gehandelt habt wie auch eure Vorsteher ... So tuet nun Buße und bekehret euch ... damit der Herr zur Wiederherstellung aller Dinge wiederkommt". Feierlich schließt Petrus seine Predigt mit den Worten: "Ihr seid die Söhne der Propheten und gehört dem Bunde an, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, da er zu Abraham sprach: Durch deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden. Für euch zunächst hat Gott