Urzeit und Endzeit

 

Gott als Richter und Retter

in Megakatastrophen

 

 

 

 

Die Sintflut

Babel und Babylon

Sodom und Gomorrha

Die zehn Plagen Ägyptens

Die Eroberung Kanaans durch Israel

Die Katastrophen am Ende dieses Zeitalters

 

 

 

 

Die ersten und die letzten Seiten der Bibel

Mega-Katastrophen in Urzeit und Endzeit 5

Die Sintflut - der Prototyp aller Katastrophen

Wie konnte Gott das zulassen? 12

Anpassung als Überlebensvorteil? 24

War die Sintflut eine weltweite Katastrophe? 28

Die Sintflut und der zweite "Weltuntergang" 47

Babel - Verwirrung ohne Ende?

Schluss mit dem Gebabbel über Babel! 49

Der legendäre Turmbau und seine Hintergründe 54

Gottes Gericht über das System der Denominationen 59

Sodom und Gomorrha - der großzügige Gott

Ist der Gott des Alten Testamentes ein Tyrann? 67

"Feuer vom Himmel" - wie steht es mit unseren Städten? 69

Die zehn Plagen Ägyptens - der geduldige Gott

Jahrzehnte und Jahrhunderte der Geduld 72

Der Gipfel der Sturheit: Die Verstockung des Pharao 77

Die Eroberung Kanaans - der barmherzige Gott

Gottes "Grundgesetz" für den ganzen Planeten 89

Israel im Brennpunkt: Der erste Gottes-Staat der Welt 94

Die Katastrophen der Zukunft

Die Endzeit - kein Grund zur Panik! 99

Die Kämpfe der letzten Tage 105

Der Verlauf der Endzeit 114

Das Ende aller Plagen 117

 

 

Die ersten und die letzten Seiten der Bibel

Der Beginn und der Schluss eines Textes sind meist besonders wichtig: Der Anfang erklärt, worum es überhaupt geht, das Ende offenbart mir das Ziel der ganzen Handlung. Wenn ich also herausfinden will, ob ein Buch mich interessiert oder nicht, werde ich mir dessen erste und letzte Seiten genauer anschauen. Und genau das wollen wir jetzt mit der Bibel tun, indem wir ihren Anfang und ihr Ende unter die Lupe nehmen.

Saat und Ernte

Weder die Entwicklung des Universums noch die Geschichte der Menschheit verläuft zufällig, sondern beide folgen natürlichen und geistigen Gesetzen. Man kann sie mit der Entwicklung von Samenkörnern vergleichen: Wenn man weiß, welche Art von Same gepflanzt wurde, kann man vorhersagen, welche Pflanze und welche Frucht im Laufe der Zeit entstehen wird. Aus diesem Grund ist das erste Buch der Bibel von höchstem Interesse, denn es beschreibt die Samen, aus denen die heutige Menschheitsgeschichte erwächst, und zwar die guten wie die schlechten. Die "Genesis = Entstehung", auch "erstes Buch Mose" genannt, ist damit das spannende Buch der Anfänge. Hier begegnen uns keimhaft genau die Dinge, mit denen wir heute konfrontiert werden - nur sind sie in der Zwischenzeit gewaltig "gewachsen". Unser Überleben in der Zukunft wird davon abhängen, ob wir unsere Lektionen aus der Urgeschichte lernen:

Alle diese Dinge sind den damaligen Menschen als Vorbild widerfahren, aufgeschrieben wurden sie aber als Anweisung für uns, die auf das Endziel aller Zeitalter zugehen. Nach 1.Korinther 10:11

Das Ende der Verwirrung

Die Bücher der Bibel sind keine wilde Sammlung orientalischer Sagen, sondern Teile eines Puzzles, das uns als Ganzes einen einmaligen Überblick über den Plan Gottes mit der Menschheit verschafft! Dieses Buch schildert von den ersten bis zu den letzten Seiten eine unaufhaltsame Höherentwicklung, aber auch einen unerbittlichen Kampf, der zwischen Gut und Böse tobt.

Der Ausgang dieses Kampfes ist nicht ungewiss, sondern wird immer wieder beschrieben, besonders ausführlich jedoch im letzten Buch der Bibel, der "Apokalypse = Enthüllung". Es ist kein Zufall, dass dieses letzte Buch der Bibel, das auch "Offenbarung" genannt wird, viele Themen der Genesis aufgreift: Die Genesis ist das Buch der Samen, die Offenbarung ist das Buch der Ernte.

Leider haben menschliche Überlieferungen den Zugang nicht nur zum ersten, sondern auch zum letzten Buch der Bibel verschüttet. Dadurch sind beide für viele Menschen zu "Büchern mit sieben Siegeln" geworden, die ihnen märchenhaft und unverständlich erscheinen. Aber sie wurden nicht geschrieben, um die Zukunft zu verschleiern, sondern, wie der Name "Apokalypse = Enthüllung" gerade sagt, Klärung für die letzten Fragen zu bringen, die uns beschäftigen, nämlich wie die Zukunft der Erde aussehen wird:

Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze (griechisch: táchos = mit Schnelligkeit, vergleiche "Tachometer") geschehen muss. Offenbarung 1:1

Die Genesis beschreibt unsere Herkunft, die Apokalypse unsere Zukunft! Wenn wir diese beiden einigermaßen verstehen, dann erscheint der Inhalt der ganzen Bibel vor einem stimmigen Hintergrund, wird endlich der rote Faden sichtbar, der sie durchzieht. Genesis und Offenbarung geben uns zwei wichtige Fixpunkte, durch die wir eine Gerade zu unserer Orientierung legen können. Und das wird uns Hoffnung geben! Denn die Offenbarungen der Bibel über die Zukunft sind nicht dazu da, uns in Angst und Schrecken zu versetzen, sondern im Gegenteil, um uns Mut zu machen:

Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben. Römer 15:4

Wenn wir die Prophezeiungen der Bibel über das Ende dieses schwierigen Zeitalters verstehen und beachten, dann werden wir das sein, was Gott für uns geplant hat: Die glücklichsten Menschen auf Erden!

Unsere Aufgabe

Allerdings ist es unumgänglich, dass wir unsere Sicht der Urzeit und der Endzeit von überholten Vorstellungen entrümpeln. Denn beide, Genesis und Offenbarung, gleichen einem Schatz, der unter dem Schutt menschlicher Auslegungstraditionen begraben ist. Gelingt es uns jedoch, die ursprüngliche Botschaft wieder freizulegen, dann werden wir einen viel besseren Zugang zu Gottes Wort bekommen. Und dann werden wir erleben, dass das, was das letzte Buch der Bibel von sich sagt, für das ganze Buch gilt:

Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist. Denn die Zeit ist nahe! Offenbarung 1:3

 

Mega-Katastrophen in Urzeit und Endzeit

Die Mega-Katastrophen, die in den ersten Kapiteln der Bibel beschrieben werden, sind Vorbilder für alle weiteren Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Darum erwähnt Jesus sie ausdrücklich:

Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte.
Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um.
Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird. Lukas 17:26-30

Die Größe der Katastrophen steigert sich im Laufe der Menschheitsgeschichte, ganz besonders am Ende des schwierigen Zeitalters, in dem wir jetzt leben. Aber die Muster sind immer wieder dieselben, und darum können wir aus den biblischen Berichten sehr viel darüber lernen, wie Gott Menschen in Katastrophen richtet und rettet. Und das können wir sehr gut für unser jetziges Leben und für die heutige Zeit brauchen!

Die Sintflut war die erste Mega-Katastrophe der Bibel, die Menschen betraf und darum sozusagen "die Mutter", der Prototyp aller folgenden Katastrophen. Betrachten wir also die historischen Umstände, durch die es überhaupt zu dieser Katastrophe kam.

Der Schöpfungsbericht (Genesis 1)

Das erste Kapitel der Bibel ist zugleich ein Stammbaum, denn in seinem letzten Satz wird erklärt:

Dies sind die Geschlechterfolgen von Himmel und Erde. Genesis 2:4

Das hier verwendete hebräische Wort "Toledot" bezeichnet in allen seinen Vorkommen in der Bibel Stammbäume. Und tatsächlich wird in Genesis 1 beschrieben, wie das Erdenleben sich stufenweise entfaltet: Zuerst brütet der Geist Gottes über den Gewässern der Urerde, Genesis 1:2, dann erscheinen Pflanzen, darauf folgen Wassertiere, dann Landtiere und zuletzt die Menschheit.Genesis Diese vermehrt sich aufgrund ihrer Fruchtbarkeit so sehr, dass sie noch innerhalb des sechsten Schöpfungstages die ganze Erde besiedelt, wie der Text abschließend ausdrücklich betont: "Und es geschah so!" Genesis 1:31

Und noch etwas ist sehr wichtig, wenn wir den Schöpfungsbericht richtig verstehen wollen: Bereits im zweiten Vers wird berichtet, dass die Erde verwüstet wurde:

Und die Erde wurde tohuwabohu. Genesis 1:2

Die hebräischen Worte "tohu" und "bohu" sind in der Bibel der Inbegriff für Gottesferne und Zerstörung. Wir müssen also davon ausgehen, dass bereits sehr früh gottesfeindliche Mächte versucht haben, Gottes Pläne durcheinander zu bringen. Alles, was Gott nach dieser ersten Katastrophe gewirkt hat, war zwar "sehr gut", doch die Schöpfung trägt von diesem Zeitpunkt an Spuren des Falls, wie zum Beispiel die "Meeresungeheuer" von Genesis 1:21.

Adam und Eva in Eden (Genesis 2-5)

Genesis 2 ist nicht eine Wiederholung, sondern die Fortsetzung von Genesis 1 und beschreibt, was danach geschah:

Zeitlich befinden wir uns nicht mehr im sechsten Tag, sondern am Anfang des siebten Tages - der bis heute nicht geendet hat, Hebräer 4:4-7 - ungefähr um 5.000 vor Christus, am Übergang von der Stein- zur Bronzezeit.

Örtlich gesehen verengt sich das Blickfeld auf ein bestimmtes Gebiet im Nahen Osten, "Eden", das ziemlich genau beschrieben wird und im heutigen Irak gelegen haben muss.

Wie in Genesis 1 beschrieben, hatte die Menschheit sich bereits während des sechsten Tages vermehrt und die Erde besiedelt. Von dieser Menschheit stammte Adam also ab.Adam

Hatte Adam eine Mutter?

Tatsächlich ist der Ausdruck "Gott bildete (jatsar) Adam" ein spezieller hebräischer Begriff für die Bildung von Menschen im Mutterleib, wie er auch für Jeremia verwendet wird:

Ehe ich dich im Mutterschoß bildete (jatsar), habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterleib hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Zum Propheten für die Nationen habe ich dich eingesetzt, Jeremia 1:5.

Wie dem Propheten Jeremia gab Gott auch dem Adam besondere Begabungen mit. Außerdem erfüllte er ihn mit dem Erkenntnisgeist des Lebens, damit er seinen besonderen Auftrag ausführen konnte.

Adam - der erste Mensch

Adam war also wirklich "der erste Mensch", aber nicht im biologischen, sondern im geistlichen Sinne. Ebenso ist ja auch Jesus nicht biologisch, sondern im geistlichen Sinne ausdrücklich "der zweite Mensch", 1.Korinther 15:45-47. Adam war ein Vorschatten, ein Vorläufer von ihm und hatte einen ähnlichen Auftrag: Die Herrschaft Gottes inmitten der gefallenen Schöpfung aufzurichten. Adam war also der erste Mensch, mit dem Gott einen persönlichen Bund einging, der erste Auserwählte. Er ist das Bindeglied zwischen dem "Stammbaum der Himmel und der Erde" und den weiteren Stammbäumen, die bis zum Messias führen, dem "zweiten Menschen".

Krieg im Paradies

Das "Paradies" war eine Keimzelle des Reiches Gottes auf Erden, inmitten einer Umgebung, die schon "Gut und Böse" kannte und vom Tod gezeichnet war: Der Garten war eine Einfriedung (gan), die Adam bewachen sollte (schamar, davon leitet sich das deutsche "Schmiere stehen" ab), und er bekam Eva als Kampfbeistand (ezär).

Die folgenden Kapitel beschreiben, wie die Offensive der Finsternis aussah und mit welcher Strategie Gott auf diesen Angriff reagierte: Die Schlange, also Satan, Offenbarung 12:9, erschien als Engel des Lichts und verleitete Adam und Eva dazu, Gottes Wort zu verwerfen. Zuerst überzeugte er Eva davon, dass es harmlos und sogar erstrebenswert wäre, Gottes Gebot zu übertreten. Dann gebrauchte er Eva als Medium, um Adam indirekt zu manipulieren, Gottes Anweisung bewusst zu übertreten und sich damit selber vom göttlichen Leben abzuschneiden. Satan konnte den beiden nicht unmittelbar schaden, so verführte er sie dazu, sich aus Gottes Schutz heraus zu begeben und sich selber ins Verderben zu stürzen. Dieses Muster Menschen zu zerstören ist bis heute dasselbe geblieben.

 

Wie konnte Gott die Sintflut zulassen?

Die wahre Ursache aller Katastrophen

Wie kann ein allmächtiger, liebender Gott ein ganzes Land mit all seinen Menschen und Tieren durch eine Katastrophe vernichten? Wir können kein Ereignis der Weltgeschichte objektiv beurteilen, ohne seine Vorgeschichte zu kennen. In diesem Fall müssen wir kurz zusammenfassen, was in den ersten fünf Kapiteln der Genesis ausgesagt wurde:

Die "im Anfang" von Gott geschaffene Welt war gut, doch später kam es zu einer Katastrophe, durch die auch der Erdball verwüstet und in ein "Tohuwabohu" verwandelt wurde, Genesis 1:1-2. Satan, hebräisch "Widersacher", ist der Urheber dieses "Bösen". Er war vormals ein Cherub, ein hochstehendes Geistwesen, von Gott mit unvorstellbarer Macht betraut, doch er sündigte durch Stolz. Da Gott Wahrheit und Gerechtigkeit ist, verfiel "Satan" in seiner Abwendung von Gott zwangsläufig in Lüge und Ungerechtigkeit. Da Gott Licht und Leben ist, wurde Satan zum Herrscher der Finsternis und zum Machthaber des Todes, Hebräer 2:14. Der Teufel ist deswegen der Urheber von Lüge und Tod:

Der Teufel ... war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Johannes 8:44

Tod und Verderben waren also niemals Gottes ursprüngliche Absicht für seine Geschöpfe, sondern eine Folge der Abwendung von Gott. Die eigentlichen Verursacher von Leid und Ungerechtigkeit sind die Mächte, die gegen Gott kämpfen.

Die Vorgeschichte der Sintflut: Genmanipulation!

Gott hatte Eva in der Gegenwart Satans versprochen, dass einer ihrer männlichen Nachfahren derjenige sein würde, der Satan endgültig besiegen, entmachten und richten würde, Genesis 3:15. Es war zu erwarten, dass der Teufel von diesem Zeitpunkt an alles daran setzen würde, das Erscheinen dieses "Samens der Frau" zu verhindern - der größte Kampf der Weltgeschichte hatte sich auf die Erde verlagert und konzentrierte sich nun auf die Nachfahren Adam's. Satan verfolgte dabei verschiedene Taktiken:

Die erste war schlicht und einfach Mord: Kain war ein frommes Werkzeug des Teufels und brachte seinen Bruder um. Doch Gott schenkte Adam und Eva "Seth", das heißt "Ersatz" und machte so die Hoffnung Satans zunichte, die auserwählte Keimbahn auszurotten.

Die zweite Möglichkeit bestand darin, die von Gott auserwählte Geschlechterfolge, wenn nicht zu töten, so doch körperlich oder geistlich zu ruinieren. Und genau diesen Versuch unternahm Satan:

Und es geschah, als die Menschen (hebräisch ha'adam - "die Adamiten") begannen, sich zu vermehren auf der Fläche des Erdbodens und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen, wie gut (hebräisch tob = brauchbar) sie waren, und sie nahmen sich von ihnen allen zu Frauen, welche sie wollten ... Genesis 6:1-2

Der Ausdruck "Söhne Gottes" bezeichnet im Alten Testament Engelwesen:

Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor dem HERRN einzufinden. Und auch der Satan kam in ihrer Mitte. Hiob 1:6, vgl. 2:1

Wo warst du, als ich die Erde gründete? ... als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten? Hiob 38:3-7

Im Neuen Testament wird der Ausdruck verwendet, um den Zustand der Gläubigen zu beschreiben, wenn sie verherrlicht und "den Engeln gleich" sein werden:

Denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind. Lukas 20:36

Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Römer 8:19

Demnach beschreibt Genesis 6 einen Angriff der Mächte Satans auf die Adamiten, und zwar wiederum in einer ansehnlichen Gestalt, nicht als finstere Gegner Gottes, sondern als "Söhne Gottes", wie es ja überhaupt eine der Methoden Satans ist, sich als "Engel des Lichts" zu verstellen, 2.Korinther 11:14.

Die Folgen der Genmanipulation: "Riesen"

Die Folgen von Satans Angriff waren verheerend, sowohl auf biologisch-körperlichem als auch auf geistlichem Gebiet.

In jenen Tagen waren die Riesen (hebräisch nephilim) auf der Erde ... Genesis 6:4

Das Produkt des Eingehens von Engeln in Menschengestalt zu den adamitischen Frauen waren die "Nephilim", was oft mit "Riesen" übersetzt wird, wörtlich aber "Gefallene" oder "Abgefallene" bedeutet. An den anderen Stellen wird es mit "(im Kampf) Gefallene" (z.B. Richter 20:45) oder "Überläufer" (z.B. Jeremia 39:9) übersetzt, nur an einer weiteren Stelle mit Riesen:

Auch haben wir dort die Riesen (hebräisch nephilim) gesehen, die Söhne Enaks von den Riesen; und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken, und so waren wir auch in ihren Augen. 4.Mose 13:33

Die Nachfahren der Mischehen von gefallenen Engeln und Adamiten waren körperlich den normalen Menschen überlegen, unterschieden sich auffällig von ihnen:

In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde, und auch danach, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren. Das sind die Helden der Vorzeit, die berühmten Männer. Genesis 6:4

Man könnte es mit heutigen Worten so sagen, dass diese Menschen "genmanipuliert" waren. Parallel zu der körperlichen Entartung, die in Richtung Gigantismus ging, fand ein geistlicher Verfall statt, insbesondere eine Verrohung der Sitten:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen im Lande groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag ... Das Land aber war verdorben vor Gott, und das Land war erfüllt mit Gewalttat. Genesis 6:5,11

An dem Verlauf, der zum Verderben einer Gesellschaft führt, hat sich bis heute nichts geändert: Die Ursachen liegen in der unsichtbaren Welt. Deren finstere Mächte tarnen sich als "Lichtbringer", verbünden und verbrüdern sich mit einzelnen Menschen und schaffen es mithilfe dieser "Medien", ihren Einfluss aus der unsichtbaren in die sichtbare Sphäre hinein zu bringen. Die Folgen sind zuerst scheinbar positiv, "riesen Wachstum!" und Ansehen, "ein Name" bei den anderen Menschen. Letztlich führt dies jedoch zu Entartung und einer Atmosphäre der Verdorbenheit, Verrohung der Sitten und am Ende maßloser Gewalt. Die Menschen werden in diesem Prozess zu Mit-Tätern und gleichzeitig zu Opfern. Indem sie sich den geistigen Mächten der Lüge öffnen, werden sie verführt zu einer Einstellung, die sich gegen Gott und seine Schöpfung richtet. Das Ende davon muss Tod und Verderben für die Menschen und die unter ihrer Verantwortung stehenden Teile der Schöpfung sein. Gott unternimmt jedoch alles, um dies zu verhindern.

Gott richtet, um zu retten!

Mindestens zwei Mal wird uns vor der Sintflut von einem Gericht Gottes an Menschen berichtet, und Gottes Einstellung wird dabei deutlich:

Adam und Eva hatte er ausdrücklich vor den Folgen etwaigen Ungehorsams gewarnt. Diese traten auch tatsächlich ein: Sie wurden aus dem Garten Eden vertrieben, was für sie letztlich den Tod bedeutete. Gleichzeitig machte er ihnen jedoch Kleider und gab ihnen die Verheißung, dass Satan und das Böse eines Tages besiegt werden würden.

Kain hatte er auch davor gewarnt, dass die "Sünde vor der Tür lauerte". Als Kain seinen eigenen Bruder getötet hatte, musste er seine Heimat verlassen. Gleichzeitig gab Gott ihm jedoch das Versprechen, ihn zu beschützen.

Daraus werden mehrere wichtige Punkte deutlich:

Gott möchte nicht bestrafen, sondern warnt uns, um uns vor Ungehorsam und dessen Folgen zu bewahren.

Hören wir nicht auf ihn, hat unser Ungehorsam jedoch unweigerlich die angedrohten Folgen. Gott entmündigt uns nicht, er lässt sich aber auch nicht verspotten.

Bei aller Konsequenz möchte Gott jedoch nie, dass wir zugrunde gehen, sondern will uns selbst im Gericht noch Hoffnung und Gnade schenken.

Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, HERR, nicht vielmehr daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt? Hesekiel 18:23

Dies ist ein Muster, das sich bei der Sintflut und jedem anderen Gericht Gottes wiederholt.

Die Menschen der Sintflut wurden gewarnt

Die Bibel macht deutlich, dass Gott auch die Sintflut nicht aus heiterem Himmel brachte, sondern die Menschen auf eindrucksvolle Art warnte:

Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht ewig im Menschen bleiben, da er ja auch Fleisch ist. Seine Tage sollen 120 Jahre betragen. Genesis 6:3

Gott gab den Adamiten also eine Frist von 120 Jahren (!), in denen er sie zur Umkehr aufrief. In dieser Zeit, während Noah die Arche baute, war er zugleich ein "Prediger der Gerechtigkeit", 2.Petrus 2:5. Mit Worten und Taten, dem Bau der Arche, vermittelte Noah allen Zeitgenossen eine Warnung, während Gott ihnen noch Raum zur Umkehr gab:

Als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde ... 1.Petrus 3:20

Gott will nicht hin-richten, sondern neu aus-richten, retten:

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde. Johannes 3:17

Es bleibt jedoch im Ermessen der Menschen, ob sie auf Gott hören, umkehren und die Rettung annehmen wollen oder nicht.

Das Sintflut-Gericht war "not-wendig"!

Gericht ist für Gott nie ein Selbstzweck, sondern immer ein Mittel, um noch Schlimmeres zu verhindern. In jedem Gericht Gottes steckt eine gute Absicht. Solange Gott mit jemandem "ins Gericht" geht, gibt es noch Hoffnung für ihn:

Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne. Hebräer 12:7

Was ist nun das "Schlimmste", das Gott verhindern will? Für uns Menschen wäre das der körperliche Tod, doch in Wirklichkeit geht es um viel mehr, nämlich um das ewige Leben. Körperliches Gericht ist für Gott nur das letzte Mittel, um uns vor dem Schlimmsten zu bewahren, nämlich vor dem ewigen Tod:

... zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn. 1.Korinther 5:3-5

Jesus selber, der ja einen grausamen Tod starb, schärfte seinen Jüngern ein, den körperlichen Tod nicht zu fürchten, sondern an die Ewigkeit zu denken:

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle! Matthäus 10:28

Gibt es Hoffnung für die Opfer der Sintflut?

Adam und Eva mussten den Garten Eden verlassen und gingen damit in den sicheren Tod. Doch Gott versprach ihnen, dass eines Tages der kommen würde, der den Satan und mit ihm die Macht des Todes besiegen würde. Dies war eine der ersten Verheißungen auf das "ewige" Leben. Ihre Erfüllung für den Einzelnen hing zum einen davon ab, ob er Gott Vertrauen schenkte, ihm glaubte, und zum anderen, dass der verheißene "Same" auch tatsächlich kam. Gelänge es Satan, ihn zu verhindern, wären auch alle Rettungspläne Gottes zunichte gemacht worden.

Die Sintflut war deshalb eine Rettungsmaßnahme Gottes, um zu verhindern, dass die Nachkommenschaft von Adam und Eva sowohl genetisch als auch moralisch total verdorben würde. Gott rettete Noah und seine Familie durch die Katastrophe und reinigte ihren Lebensraum gleichzeitig von dem Verderben, von dem sie sonst wahrscheinlich früher oder später angesteckt worden wären. Man könnte dies mit den drastischen Maßnahmen vergleichen, die manchmal erforderlich sind, wenn eine Tierherde an einer tödlichen Seuche erkrankt. Dann hilft nur noch ein konsequentes Ausmerzen der erkrankten Tiere, um alle Gesunden vor Ansteckung zu bewahren und den Fortbestand der Herde zu sichern.

Und vom Überleben der noch unverdorbenen Nachfahren Adams hing ja das ewige Schicksal derjenigen ab, die in der Flut umkamen: Jesus, der "Same der Frau" war der Retter nicht nur der Menschen, die nach ihm kamen, sondern auch derer, die vor ihm lebten. Das ewige Leben der Menschen, die zur Zeit der Sintflut lebten, hing davon ab, dass der Gott-Mensch kommen würde, der sie aus dem Gefängnis des Todes in die Freiheit des ewigen Lebens befreien würde. Und genau das betont die Bibel:

Denn es hat auch Christus einmal für Sünden gelitten ..., damit er uns zu Gott führe, zwar getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt, die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs Wasser hindurch gerettet wurden. 1.Petrus 3:18

Die Sintflut war also als Gericht Gottes ein Prototyp für Gottes Gerichtshandeln, mit dem er alle später lebenden Menschen warnen und ihnen zeigen wollte, wie er auf konsequente Verdorbenheit einer Gesellschaft reagiert. Die Sintflut war zwar nur ein lokales Ereignis, doch hat sie globale Bedeutung. Sie ist eine Warnung an die Menschen aller Zeiten, dass Gottlosigkeit und ein Überhandnehmen von Gewalt gegen Menschenleben irgendwann von Gott gerichtet wird.

Was ist mit den Unschuldigen?

Seit Satans Fall müssen Unschuldige leiden. Er hat die Vollmacht und Verantwortung, die Gott ihm für einen großen Bereich der Schöpfung verliehen hatte, missbraucht, und unweigerlich wurde dieser Herrschaftsbereich Satans in Mitleidenschaft gezogen. Das gleiche gilt im Prinzip für die sichtbare Schöpfung, in der Gott den Menschen die Herrschaftsverantwortung übertragen hat: Missbrauchen die Menschen ihre Autorität, wird ihr gesamter Herrschaftsbereich samt den Unschuldigen, den Ungeborenen, Kleinkindern und Tieren mit betroffen. Bereits im Alten Testament wird dieses Prinzip als die wahre Ursache jeglicher Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung entlarvt:

Denn keine Treue und keine Gnade und keine Erkenntnis Gottes ist im Land: Verfluchen und Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben sich ausgebreitet, und Bluttat reiht sich an Bluttat.
Darum vertrocknet das Land und welkt jeder, der darin wohnt, samt den Tieren des Feldes und den Vögeln des Himmels; selbst die Fische des Meeres werden dahingerafft. Hosea 4:1-3

Die Kausalkette ist eindeutig: Wer Gott nicht kennt, hat keine Grundlage für Treue in sich. Das wirkt sich als Nächstes auf den Umgang mit seinen Mitmenschen aus: Es fängt mit schlechtem Reden an und geht über Lügen und Stehlen weiter bis zu Ehebruch und Mord. Es ist dann nur eine logische Konsequenz, dass Menschen, die nicht davor zurückschrecken, ihre eigenen Ehepartner zu betrügen und zum Beispiel ihre eigenen Kinder zu töten, sich auch kein Gewissen um den weit entfernten Regenwald oder die Fische der Weltmeere machen werden! Die Frage, was mit den Unschuldigen sei, stellt sich also nicht erst im Falle großer Katastrophen, wie der Flut oder den Gerichten Gottes an Ägypten, sondern jeden Tag. Gottes Antwort auf diese brennende Frage besteht nicht in Worten, sondern in einem Ereignis.

Gottes letzte Antwort auf die Frage nach dem Leid

Gottes Antwort auf die Frage nach dem Leid besteht nicht in philosophischen Erklärungen, sondern in einer für alle Zeiten vorbildlichen Handlung - die wir allerdings bis zum Schluss verfolgen müssen, um sie zu verstehen: Als einziger wirklich Unschuldiger nahm Gott freiwillig die Strafe auf sich, das eigentlich andere zu verantworten hätten. Wer dabei allein an den "leidenden Herrgott am Kreuz" denkt, sieht nur die irdische Seite und muss konsequenter Weise eigentlich in einen schwarzseherischen, depressiven Glauben verfallen.

Doch das Geschehen um das Kreuz hat eine zweite Seite: Es folgte darauf eine Herrlichkeit, die niemand sich vorstellen kann. Jesus litt nicht um des Leidens willen. Oftmals im Laufe seines Lebens war er vor seinen Verfolgern geflohen, wenn sie ihm Leid antun wollten. Erst als die Zeit gekommen war, beschritt er den Weg des Leidens, und zwar um eines ganz bestimmten Zieles willen:

Jesus hat um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht geachtet und das Kreuz erduldet und sich gesetzt zur Rechten Gottes. Hebräer 12:2

Weil Jesus unschuldig gelitten hat, darum hat Gott ihn auch erhöht und zum Herrscher über das All gemacht:

Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist. Philipper 2:8-9

Die Bibel betont an vielen Stellen, dass allen, die unschuldig leiden, von Gott eines Tages vergolten wird. Gott hat nicht nur den Willen, sondern auch die Macht dazu, uns alle Tränen abzuwischen und einem jeden seinen Lohn zu geben. Paulus, ein Mann, der Unglaubliches erlitten hat, zum Beispiel mehrmals fast zu Tode gepeitscht und einmal gesteinigt wurde, der ständig um sein Leben fürchten musste, sagte:

Ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Römer 8:18

Um wen wir uns wirklich Sorgen machen sollten ...

Doch das Kreuz hat auch eine furchterregende Seite, denn es ist der Brennpunkt, an dem sich sowohl Gottes Barmherzigkeit als auch seine Gerechtigkeit begegnen. Es zeugt von der größten Liebe Gottes zu den Menschen, dass er zulässt, dass seine Geschöpfe seinen eigenen Sohn foltern und töten. Es zeugt aber zugleich auch von der Konsequenz seines Gerichts, dass er seinen Sohn tatsächlich die Folgen der Schuld tragen lässt, die er an unserer Stelle auf sich geladen hat. Wenn Gott nicht davor zurückschreckt, seinen eigenen Sohn zu bestrafen, wird er auch nicht davor zurückschrecken, ein gerechtes Urteil über seine Geschöpfe zu vollziehen! Wir haben also nur die Wahl, ob wir Jesus darum bitten, für uns zu bezahlen, oder wir müssen selber für unsere Schuld geradestehen. Gottes Gerechtigkeit wird beide Seiten betreffen:

Gewiss ist es bei Gott gerecht, denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis zu vergelten, und euch, den Bedrängten, mit Ruhe. 2.Thessalonicher 1:6-7, vergleiche Lukas 16:25

Nicht um die Unschuldigen müssen wir uns also die größten Sorgen machen, sondern um die Schuldigen!

Was können wir von Noah lernen?

Obwohl die Gesellschaft um ihn herum in Konsum, Lüsternheit und Verrohung versank, ließ Noah sich davon nicht mitreißen und resignierte auch nicht, sondern baute die Arche. Sein Glaube an Gottes Wort zeigte sich in konkreten Taten, die zugleich eine Predigt an seine Mitmenschen waren. Sicher hatte er lange Jahre des Spotts zu ertragen, aber er wurde nicht müde, Gott zu gehorchen.

Es war leider von Anfang an zu erwarten, dass in dieser Arche keine großen Menschenmassen gerettet würden, aber die Aufnahme all der Tiere sollte symbolisieren, dass Gott einen umfassenden Neuanfang mit der Schöpfung vorhat. So werden es auch in unserer Zeit wahrscheinlich verhältnismäßig wenige sein, die bis zum Ende durchhalten, aber ihre Treue wird unvorstellbar große und langfristige Auswirkungen auf die Menschheit und den ganzen Planeten Erde haben. Die "Neue Weltordnung Gottes" sieht besser aus als alle menschlichen Phantasien sich erträumen könnten, sie besteht in einer Neuschöpfung der Erde!

 

Exkurs: Anpassung als Überlebensvorteil?

Laut Evolutionstheorie verschafft Anpassung an die Umwelt Überlebensvorteile. Auch die Bibel betont, dass Anpassung ein Überlebensvorteil ist - allerdings nicht Anpassung an die (Um-) Welt, sondern "Anpassung an Gott":

Und werdet nicht gleichförmig (syn-schematízo) dieser Welt (aion = Zeitalter, das derzeitige Weltsystem), sondern werdet verwandelt (metamorphó-oh) durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Römer 12:2

Ein gutes Beispiel für eine derartige Anpassung ist Noah; inmitten einer Menschheit, die immer mehr in Gottlosigkeit und Gewalt "versank", lebte er mit Gott:

Dies ist die Geschlechterfolge (toledot) Noahs: Noah war ein gerechter Mann, untadelig war er unter seinen Zeitgenossen; Noah lebte mit Gott. Genesis 6:9

Er passte sich gerade nicht an seine Umwelt an, sondern an Gott! Das kommt auch äußerlich sehr schön zum Ausdruck: Ungefähr 120 Jahre lang baute er seine "Arche", einen riesigen Schwimmkasten, und das mitten auf dem Festland! Nach Darwin’s Prinzipien wird man das nicht gerade als "optimale Anpassung an die Umwelt" bezeichnen! Man kann sich vorstellen, dass Noah, der "Prediger der Gerechtigkeit" mit dieser Aktion sein Ansehen bei seinen Zeitgenossen nicht gerade gesteigert haben dürfte. Ganz abgesehen von den Energien, die über Jahrzehnte hinweg in dieses scheinbar sinnlose Unterfangen investiert werden mussten.

Doch dann geschah plötzlich eine katastrophale Veränderung der "Umweltbedingungen", und jetzt, mitten in der Flut, erfüllte der scheinbar sinnlose Holzkasten plötzlich eine lebenswichtige Funktion: Noah und seine Familie waren für die Extremsituation des Gerichts "optimal angepasst". Alle anderen jedoch, die sich dem "Zeitgeist" angepasst hatten, waren dazu verurteilt, "unterzugehen". So kommt es, dass genau dieser Mann nach dem "Massenaussterben" der Sintflut die Szene geprägt hat. Was Noah letztlich gerettet und zum Urahnen eines neuen Stammbaumes gemacht hat, waren aber natürlich nicht seine Fähigkeiten als Schiffsbauer, sondern die Bereitschaft, auf Gottes Reden zu hören - zu "ge-horchen", sich seinem Willen "anzupassen"! Mit anderen Worten: Er hat Gott "geglaubt", Hebräer 11:7. Glaube ist eine positive Reaktion auf Gottes Reden, Römer 10:17.

Diese Reaktion, sich von Gott aus der Welt heraus-rufen zu lassen (griechisch ek-kaléo), hat dem "Volk" der Gläubigen im Neuen Testament seinen Namen gegeben: "Ek-klesía = die Herausgerufene", meist übersetzt mit "Gemeinde".

Der Zweck jeder Auserwählung

Vielleicht meinen wir, Auserwählung sei nicht gerecht, weil dadurch willkürlich Personen "bevorzugt" würden. Das ist jedoch ein totales Missverständnis von dem, was die Bibel unter Auserwählung versteht: Nicht Bevorzugung, sondern Berufung für eine Aufgabe ist das Ziel von Auserwählung ...

Damals redetest du im Gesicht ... und sagtest: Hilfe habe ich auf einen Helden gelegt, ich habe einen Auserwählten erhöht aus dem Volk. Psalm 89:20

Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels. Apostelgeschichte 9:15

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat. 1.Petrus 2:9

Auch die menschliche Auswahl von "Eliten" soll eigentlich dafür ein Bild sein: Einzelne werden ausgewählt, um dann als Ärzte, Richter, Polizisten usw. zum Wohle der Allgemeinheit zu wirken:

So wählte Mose denn aus ganz Israel tüchtige Männer aus und machte sie zu Oberhäuptern über das Volk: Oberste von Tausend, Oberste von Hundert, Oberste von Fünfzig und Oberste von Zehn. Exodus 18:25

Diese "Auserwählten" sollen ihre Macht nicht für eigene Bequemlichkeit missbrauchen, sondern im Gegenteil: Sie müssen eine härtere Ausbildung über sich ergehen lassen als ihre Altersgenossen und bereit sein, größere Entbehrungen und Gefahren auf sich zu nehmen, um ihren Mitmenschen zu dienen. Das bedeutet größere Verantwortung und weniger Bequemlichkeit.

Besonders schön wird dies an Abraham deutlich, den Gott aus dem Umfeld herausrief, in dem die babylonische Religionsverwirrung stattgefunden hatte, die schließlich zur Verehrung anderer Götter führte, Josua 24:2. Während die Mehrheit seiner Zeitgenossen auf "Einheit" und "Verbände" schwor, um ja nicht zerstreut und vereinzelt zu werden, ließ Abraham sich als Einzelner aus seiner Verwandtschaft herausrufen, Jesaja 51:2, und in ein ihm unbekanntes Land schicken.

Während der Städtebau neue Dimensionen erreichte und das Konstruieren imposanter Bauwerke (Turm von Babel!) hoch im Kurs stand, wanderte Abraham als Nomade mit Zelten durch unbekannte Wildnisse. Er schlug kein Kapital aus seiner Auserwählung, nahm keine Geldgeschenke an, Genesis 14:23, und verzichtete auf Privilegien, die ihm zugestanden hätten, Genesis 13:9. Bis ans Ende seines Lebens erwarb er nicht einen fußbreit Land als persönliches Eigentum, Apostelgeschichte 7:5. Gott hatte ihn nicht auserwählt, um ihn zu bevorzugen, etwa durch ein besonders bequemes Leben, sondern um ihn zum Segen für sehr, sehr viele andere Menschen zu machen:

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein ... und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! Genesis 12:2-3

Obwohl Gott ihm versprochen hatte, ihn zu einer großen Nation zu machen, bekam "Abraham = Vater einer Menge" jahrzehntelang nicht einmal einen einzigen Sohn. Dennoch wurde er schließlich "Vater aller Gläubigen", Römer 4:11-16. Er war ein geistiger Pionier, der auf dem Weg des Glaubens Neuland entdeckte und erschloss: Sein Vertrauen auf die Allmacht Gottes ging so weit, dass er ihm nicht nur zutraute, Unfruchtbaren ein Kind zu schenken, sondern sogar Tote aufzuerwecken, Hebräer 11:19.

Bei dieser Sicht von Auserwählung gibt es kaum noch Grund, auf die Auserwählten neidisch zu sein: Nicht nur müssen sie mehr "aushalten" als die anderen, sondern vor allem sind sie "Kanäle" für den Segen, den Gott an andere austeilen möchte.

 

War die Sintflut eine weltweite Katastrophe?

Die Macht der Tradition

Welche Erinnerungen steigen in uns auf, wenn wir das Wort "Sintflut" hören? Wahrscheinlich Bilder aus unserer Kinderbibel, wie all die Tierarten der ganzen Welt, Elefanten, Giraffen, Eisbären, Kängurus und viele andere, die Arche Noah erst besteigen und dann wieder verlassen. Vielleicht sehen wir auch vor uns, wie die Arche auf dem komplett von Wasser bedeckten Erdball treibt, bis endlich die Spitzen der höchsten Berge aus der universalen Flut herausragen.

Doch was sagt der Bibeltext? Diese Frage ist auf den ersten Blick nicht leicht, beim zweiten Hinsehen jedoch eindeutig zu beantworten. Es ist deshalb nicht leicht, weil die meisten Übersetzungen, geprägt von jahrhundertealten Traditionen, in dieser Sache weltanschaulich gefärbt sind und fast durchwegs von der (ganzen) "ERDE" sprechen. Doch im Originaltext steht hier hebräisch "’äräts", und dieses Wort hat an dieser Stelle eine ganz klare Bedeutung, wie eine kurze Untersuchung zeigt.

'ÄRÄTS - Erde oder Land?

'äräts ist mit 2526 Vorkommen das vierthäufigste Hauptwort (Substantiv) des Alten Testamentes. Es bezeichnet, sortiert nach der ungefähren Häufigkeit seiner Verwendung:

1. Ein bestimmtes Land:

Genesis 2:5,11,12,13; 6:4,5,17; 10:5,8-10; 12:1; 35:12; 2.Mose 3:17; 4.Mose 20:23,24; Psalm 135:12.

2. Die Bevölkerung eines bestimmten Landes (manchmal auch der Erde):

Genesis 6:11; 34:1; 1.Samuel 17:46; Hesekiel 14:12-13.

3. Das Fest-Land, die (feste) Erdoberfläche, im Gegensatz zu Meer oder Himmel:

Genesis 1:10,28; 3.Mose 11:21; Psalm 104:9. Genesis 1:15,20; 7:17: Hiob 2:13; 37:6; 38:26; Jesaja 25:12:

4. Die Erde als Weltkörper, als Planeten (oft in Kombination: "Himmel und Erde"):

Genesis 1:1,2; 18:18; Psalm 148:7-13; Hiob 26:7; Jesaja 40:22,28; 45:18; Jeremia 33:25; 2.Könige 19:15b; Sprüche 8:23.

Welche Bedeutung 'äräts genau hat, kann nur dem Textzusammenhang entnommen werden. In circa 70% der Fälle übersetzt die Elberfelder Bibel mit "Land"!

Der Textzusammenhang der Genesis

Wir haben gesehen, dass sich das Blickfeld im Verlauf der Genesis konsequent verengt:

1. Genesis 1: 1 Das Weltall, Himmel und Erde

2. Genesis 1: 2 Der Planet Erde

3. Genesis 1:11ff Das Festland, Kontinent(e)

4. Genesis 2: 5 Naher Osten, Mesopotamien (Zweistromland)

5. Genesis 2: 8 Eden

6. Genesis 2: 9 Der Garten im östlichen Teil von Eden

Während der Schöpfungsbericht tatsächlich die ganze Erde im Blick hat, richtet sich das Augenmerk in allen folgenden Genesiskapiteln 2-12 auf den Nahen Osten. Das Gebiet, um das es geht, wird so genau abgegrenzt, dass man unmöglich von der Erde als ganzer sprechen kann. Erwähnt werden das Land Nod, nördlich von Eden, das Araratgebirge (nordwestlich des Irak), die Stadt und das Gebiet Babel, die Städte Erek und Akkad im Lande Sinear (Sumer), weiterhin Assur, also Assyrien mit den Städen Ninive, Rechoboth, Kalach und Resen.

Der Textzusammenhang belegt eindeutig,

dass der Schauplatz von Genesis 2-12 nicht die Erde,
sondern ein bestimmtes Gebiet im Nahen Osten ist.

Im hebräischen Text kommt das noch deutlicher heraus als in den Übersetzungen, weil er oftmals die Formulierung "ba'aräts = im Lande" verwendet, während die Übersetzungen mit "auf der Erde" wiedergeben:

... noch war all das Gesträuch des Feldes nicht auf der Erde (eigentlich: im Lande, ba'aräts) ... Genesis 2:5

Auf der Gesamterde gab es schon seit Genesis 1:11 Gewächse, nur in einem bestimmten Gebiet des Nahen Ostens nicht. Und auch Kain geisterte ja nicht auf dem gesamten Globus herum:

Unstet und flüchtig sollst du sein auf der Erde! (eigentlich: ba'aräts = im Lande) Genesis 4:12

Vielmehr siedelte er sich im Lande Nod, "östlich von Eden", an, Genesis 4:16! Auch die Einleitung zur Sintflut gebraucht diese Formulierung:

Und der HERR sah, dass die Bosheit der Menschen auf der Erde (eigentlich: ba'aräts = im Lande) groß war ... Genesis 6:5

Es besteht also keine Notwendigkeit, aus "Bibeltreue" eine weltweite Flut zu verteidigen. Oder wer käme auf die Idee, die folgende Bibelstelle "weltweit" zu deuten:

Und die ganze Erde (hebräisch 'äräts) suchte das Angesicht Salomos, um seine Weisheit zu hören ... 1.Könige 10:24, Elberfelder

Vielleicht kam die Flut (auch) "vom Meer"?

Denn ich, siehe, ich bringe die Flut vom Meer über das Festland (al ha'aräts), um alles Fleisch unter dem Himmel, in dem Lebensodem ist, zu vernichten; alles, was im Lande (ba'aräts) ist, soll umkommen. Genesis 6:17

Hier steht im hebräischen Konsonantentext: "M-J-M", so dass man "(Flut) des Wassers = MaJiM" übersetzen könnte, oder aber: "(Flut) vom Meer = MijJaM". Das würde bedeuten, dass entweder eine Flut vom Meer her in das Land eindrang, oder dass ein Regensturm aufgrund eines südöstlichen Windes in die Region eindrang. Es wäre dann zu erwarten, dass die Arche von einer Meeresflut oder von einem vom Meer kommenden Sturm ins Gebirge hineingedrückt und dort landen würde, wie es ja auch geschah.

Eine Meeresüberflutung scheidet aber wohl eher aus, weil die Ablagerungen, die man dort findet, fluvial sind. Nach 150 Tagen sandte Gott einen Wind, woraufhin die Wasser sanken und der Regen aufhörte. War dies vielleicht ein trockener Wind von der Wüste her, der den Regensturm vom Meer her beendete und ermöglichte, das die Gewässer des Tigris abfließen konnten?

Die Grenze der Flut: Das Ararat-Gebirge

Der Textzusammenhang lässt daran keinen Zweifel: Die Arche wurde im Nahen Osten gebaut und strandete an annähernd derselben Stelle, von wo aus sie gestartet ist, nämlich im Gebirge Ararat:

Und im siebten Monat, am siebzehnten Tag des Monats, ließ sich die Arche auf dem Gebirge Ararat nieder. Genesis 8:4

Die Elberfelder Bibel übersetzt ganz richtig mit "Gebirge", denn der Grundtext sagt hier al hare ararat. Das Wort für Berg, hebräisch har, steht hier in der Mehrzahlform, es heißt also: "auf den Bergen des Ararat", wie es auch den meisten Übersetzungen zu entnehmen ist:

Ararat ist hier wie im ganzen Alten Testament ein Landesname (2.Könige 19:37; Jesaja 37:38; Jeremia 51:27), ziemlich sicher mit dem URARTU der assyrischen Inschriften zu identifizieren, das dem heutigen Armenien entspricht. (A.Parrot: "Bibel und Archäologie", Zollikon, Zürich, 1955)

Ararat ist das Bergland von Geziret ihn Omer am Westufer des Tigris in 37°20'' n.Breite. (Köhler-Baumgartner, Lexicon in Veteris Testemanti Libros, E.J.Brill-Verlag, Leiden, 1958)

Europäer erst gaben der höchsten Spitze des armenischen Berglandes den Namen "Ararat" (5156m). Nichts weist jedoch darauf hin, dass hier die Arche aufgesetzt hatte. (F.Rienecker: Lexikon zur Bibel, R.Brockhaus-Verlag, Wuppertal 1960)

Somit erübrigen sich all die Spekulationen, die sich aus weltweiten Fluttheorien ergeben, etwa: Woher kam das viele Wasser der Flut und wohin floss es nachher wieder ab? Wie kamen zum Beispiel die Pinguine bis zu Noah's Arche? Starben die Saurier bei der Flut aus, weil sie nicht an Bord durften? Stammen die teilweise kilometerdicken Versteinerungsschichten, weltweit von einer einzigen Flut? Warum kamen dabei ausgerechnet vor allem Salzwassertiere um? (Sie bilden den Großteil der Versteinerungen!) Wie kommt es, dass die Fossilien in aufsteigender Ordnung, gemäß ihrem Entwicklungsstand in den Sedimenten gefunden werden? usw.

Raben und Tauben zur globalen Erderkundung?

Noah würde nach der Flut wohl auch kaum einem Raben zugetraut haben, herauszufinden, ob die gesamte Erde wieder wasserfrei war, Genesis 8:6. Im Gegenteil, der zweite Versuch mit der Taube, die ja die angeborene Neigung hat, in das Gebiet zurückzukehren, aus dem sie stammt, zeigt einwandfrei, dass ein ganz konkretes, relativ nahegelegenes Gebiet im Nahen Osten überschwemmt worden sein musste:

Und er ließ die Taube von sich hinaus, um zu sehen, ob die Wasser weniger geworden seien auf der Fläche des Erdbodens ('adamah). Aber die Taube ... kehrte zu ihm in die Arche zurück; denn noch war Wasser auf der Fläche des ganzen Landes ('äräts) ... Genesis 8:8-9

Bereits in Vers 5 wird gesagt, dass die Spitzen der Berge sichtbar wurden, auf denen die Vögel sehr wohl hätten landen können. Doch es ging Noah um das ganz konkrete Gebiet mit fruchtbarem Boden ('adamah), wo er vorher gelebt hatte. Und die Taube war das ideal geeignete Tier, um das zu erkunden.

Als sie zurückkam, hatte sie ein frisches Olivenblatt im Schnabel. Olivenbäume wachsen nur in relativ geringer Höhe über Meer, aber auch nicht in einer Tiefebene, wie das südliche Mesopotamien, und überleben eine längere Ueberflutung nicht. Dies belegt, dass die Flut nicht höher gereicht haben kann, als Olivenbäume existieren können. Außerdem hätte eine weltweite Flut alle Süßwassertiere und Landpflanzen vernichtet. Und auch nach der Flut ging es "im Lande" weiter, als Gott Noah und seine Nachfahren aufforderte:

Ihr nun, seid fruchtbar, und vermehrt euch, wimmelt im Lande (ba'aräts), und vermehrt euch darin (bah = in ihm)! ... und von diesen aus haben sich nach der Flut die Nationen im Lande (hebräisch: ba'aräts) verteilt. Genesis 9:7; 10:32

 

Einwände gegen eine lokale Flut

War die Flut nicht "unter dem ganzen Himmel"?

Die Aussage von Genesis 7:19 hört sich wirklich so an, als wäre der ganze Globus überschwemmt worden:

Und die Wasser nahmen sehr, sehr überhand auf der Erde, so dass alle hohen Berge, die unter dem ganzen Himmel sind, bedeckt wurden. Fünfzehn Ellen darüber hinaus nahmen die Wasser überhand, so wurden die Berge bedeckt.

Doch auch der Ausdruck "unter dem ganzen Himmel" muss vom Textzusammenhang her verstanden werden, zum Beispiel in 5.Mose 2:25, wo er identisch vorkommt:

An diesem Tage will ich beginnen, Furcht und Schrecken auf die Völker unter dem ganzen Himmel zu legen.

Hier geht es darum, dass eine "himmlische", überirdische Furcht vor den Israeliten sich bei den umliegenden Völkern Kanaans verbreiten sollte - nicht weltweit!

Aber es wurden doch "alle hohen Berge" überflutet!

Die "hohen Berge", von denen in Genesis 7:19-20 die Rede ist, sind offensichtlich Erhebungen des fruchtbaren Gebietes, aus dem Noah stammte. Wörtlich heißt es:

Die Wasser stiegen fünfzehn Ellen höher, und so wurden die Berge bedeckt.

Hier wird also nicht gesagt, dass das Wasser fünfzehn Ellen über den Bergen stand, schon gar nicht über den höchsten Bergen der Welt. Denn die haben ja total unterschiedliche Höhen, so dass diese Angabe maximal auf einen einzigen Berg zuträfe, nicht jedoch auf "alle hohen Berge" der Erde!

Die Sumerer nannten ihre Tempelhügel "Berge", von daher wäre eine mögliche Deutung, dass die Wasser fünfzehn Ellen über die Ebene anstiegen und dabei sogar diese Tempelhügel bedeckten.

Jedenfalls: Bereits am 17.7. des Flutjahres landete die Arche im Gebiet des Araratgebirges, Genesis 8.4, doch obwohl das Wasser beständig abnahm, wurden die "Spitzen der Berge" erst am 10.10. sichtbar, Genesis 8:5, das ist fast drei Monate später! Das ergäbe weltweit gesehen keinen Sinn, sehr wohl aber, wenn man als Anhaltspunkt die Randausläufer des Araratgebirges und die Berge der tiefer gelegenen, fruchtbaren Ebenen ('adamah) nimmt.

Petrus und der "Untergang der Alten Welt"

(Manchen) ... ist verborgen, dass von jeher Himmel waren und eine Erde, die aus Wasser und durch Wasser (griechisch hydor = Wasser, Flüssigkeit, fließende Substanz) Bestand hatte, und zwar durch das Wort Gottes, durch welche die damalige Welt (kosmos), vom Wasser überschwemmt, unterging. 2.Petrus 3:5-6

Diese Stelle wird manchmal als Grund angeführt, doch an eine weltweite Sintflut zu glauben. Doch Petrus spricht hier nicht von Noah’s Flut, sondern von der Überflutung der Urerde zur Zeit des Tohuwabohu - damals war wirklich die ganze Erde überschwemmt. Und die Realität der Tohuwabohu-Katastrophe ist tatsächlich bis heute vielen Menschen, sogar Christen!, verborgen; was man von der Sintflut wohl kaum behaupten kann.

Wenn die Flut nur regional war, warum musste Noah eine Arche bauen?

Wäre es dann nicht einfacher gewesen, auszuwandern? Nun, als die Tötung der Erstgeborenen in Ägypten durch einen Engel erfolgte - hätte nicht eine Kreideaufschrift an der Tür genügt: "Wir glauben an JHWH!" Warum erst allen Sauerteig auskehren, ein Lamm schlachten, eine Familienandacht halten, das Blut an die Tür streichen usw.? Die Antwort ist: Es sollte ein Zeichen sein, zur Verkündigung für kommende Geschlechter, dass ein fehlerloses Lamm sterben muss, damit Gott die Menschen nicht für ihre Sünden bestraft. Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung, Hebräer 9:22. Der Bau der Arche war ein Zeichen!

Wenn die Flut nur regional gewesen wäre, warum musste die Arche dann gross genug gewesen sein um alle Landwirbeltiere aufzunehmen, die auf der ganzen Welt lebten?

Wo steht das? In der ganzen Berichterstattung geht es um Mesopotamien! Oder wie verstehen wir zum Beispiel folgende Stelle:

Elia betete, und es regnete drei Jahre nicht "auf der Erde". Jakobus 5:17 (Elberfelder Übersetzung)

Für die Tierarten, die in Mesopotamien lebten, hätte eine kleinere Arche gereicht!

Da müsste man mal einen Bauern fragen, wie groß ein Stall sein muss, um je sieben Paare von allen reinen Tieren samt Futter und Wasser für ein Jahr zu beherbergen, plus acht Menschen. Mir scheint, da war die Arche gerade groß genug!

Wenn die Flut nur regional begrenzt war, warum schickte Gott dann die Tiere in die Arche? Es hätte ja genug andere Tiere auf der Erde gegeben, um die Arterhaltung zu sichern.

Wenn nur der Glaube rettet, warum musste dann Abraham sich an der Vorhaut beschneiden? Wenn nur der Glaube zählt, warum musste er dann mit seinem Sohn auf den Berg Moriah steigen? Hätte es nicht genügt, ihn zu fragen, ob er bereit wäre, ihn zu opfern? Gott sieht doch das Herz und hätte sagen können: Passt, ich sehe, du meinst es ernst! Warum sollte er seinen Sohn nicht einfach zu Hause opfern, warum ausgerechnet auf einem Berg? Warum musste ein Widder im Gebüsch hängen? Hätte Gott Isaak nicht einfach begnadigen können? Nun, Gott wollte es genau so - als Predigt, als Zeichen für kommende Generationen, dass Gott seinen eigenen Sohn auf einem Berg opfern würde, als Stellvertreter für die eigentlich Schuldigen.

Wenn die Flut nur lokal war, wozu mussten dann auch die Vögel in die Arche? Diese hätten doch leicht in ein anderes Gebiet fliegen können, um zu überleben.

Gott geht es um die Verkündigung: Die ganze Schöpfung wird durch die gläubigen Menschen erlöst werden. Darum sollten alle Arten von Tieren in die Arche, als Zeichen:

Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat - auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Römer 8:10-21

Wenn die Flut nur regional begrenzt war, hat Gott dann nicht seine Verheißung, nie wieder eine solche Flut zu senden, wiederholt gebrochen, da es immer wieder regionale Flutkatastrophen gibt?

Schon, aber eben nicht im damaligen Sintflutgebiet, für das er diese Zusage gemacht hat.

Noah’s Flut als weltweite Warnung

Manchmal wird unter Hinweis auf Matthäus 24:39 behauptet, die Flut müsse weltweit gewesen sein, denn Jesus gebrauche sie als Vorbild für ein weltweites Ereignis. Doch in Lukas 17:26-32 sagt Jesus genau dasselbe, nur fügt er sogleich noch ausdrücklich Lot mit Sodom und Gomorrha als Beispiel für dasselbe Geschehen hinzu. Jesus verwendet also eindeutig ein lokales Ereignis als Beispiel für ein kommendes, weltweites - und zwar in einem Atemzug mit Noah!

Auf der anderen Seite scheint es Belege für eine örtliche Flut im Nahen Osten zu geben, die circa 2.900 vor Christus stattfand, was zu den Angaben der Bibel passen würde.

Gibt es den Regenbogen erst seit der Sintflut?

Und Gott sprach zu Noah): Dies ist das Zeichen des Bundes, den ich gebe (hebräisch "natan") zwischen mir und euch und jeder lebenden Seele, die bei euch ist, auf ewige Generationen hin: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt, und er soll das Zeichen des Bundes sein ... Genesis 9:12-15

Diese Worte werden manchmal so gedeutet, als habe es vor der Sintflut noch nie einen Regenbogen gegeben, es habe auch noch nie vorher geregnet (wegen Genesis 2:5, das dann weltweit gedeutet wird), die Wassermassen der Flut hätten bis dahin im All geschwebt und das ganze Erdklima verändert. All diese Spekulationen sind jedoch nicht nötig, wenn man den Textzusammenhang beachtet: Die Situation nach der Sintflut war ein totaler Neuanfang für die Überlebenden. Das spiegelt sich in den Worten wieder, die auf die Sintflut folgen, und die stark an das erinnern, was im Schöpfungsbericht geschah:

Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, und füllt die Erde! Genesis 9:1

Neben dem Fruchtbarkeitssegen kehrt bei Noah auch die Nahrungszuweisung als Thema wieder, allerdings diesmal mit der Einschränkung, dass das Essen von Blut nicht erlaubt ist, Genesis 9:2-6. Die dritte Parallele zum Schöpfungsbericht ist die Einsetzung von Zeichen, hebräisch "ot". Dort hatte Gott auch schon "Himmelserscheinungen", nämlich die Lichter von Sonne, Mond und Sternen, zu Zeichen bestimmt:

... Lichter an der Wölbung des Himmels, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren ... Und Gott setzte (hebräisch: "natan = gab") sie an die Wölbung des Himmels ... Genesis 1:14-18

Die Trennung zwischen Tag und Nacht gab es schon seit Genesis 1:4, dennoch wird den Lichtern erst später der Zeichencharakter zugesprochen, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden. Ebenso hat es den Regenbogen schon lange vor der Sintflut gegeben, aber anlässlich des Bundesschlusses mit Noah bestimmte Gott ihn zu einem Zeichen:

Meinen Bogen setze ich (wörtlich: habe ich gegeben =natan) in die Wolken, und er sei das Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde. Genesis 9:13

Da "natan" in der Vergangenheitsform steht, könnte man auch ohne weiteres übersetzen: "Meinen Bogen habe ich (schon früher) in die Wolken gegeben, und (ab jetzt) sei er das Zeichen des Bundes zwischen mir und dem Land". Es ist in der Bibel nichts Ungewöhnliches, anlässlich eines Bundesschlusses bereits bestehende Dinge neu zu deuten, so dass sie zu "Zeichen des Gedenkens" werden. So bestimmte Jesus das Brot und den Kelch beim jährlich gefeierten, seit Jahrhunderten traditionellen Passahmahl ganz neu zu Zeichen für seinen Tod und den Neuen Bund - wobei auch hier wieder von Blut die Rede ist wie bei Noah:

Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedenken! Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl (es gab mehrere Kelche) und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Lukas 22:19-20

Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. 1.Korinther 11:26

Das Neue an Noahs Regenbogen (Monate nach dem Aufhören des Sintflutregens!) war also, dass er als "Zeichen" des "Gedenkens" an einen "Bund" definiert wurde.

 

Sackgasse:
Weltweite Sintflut-Modelle

Im Folgenden zitiere ich ausschließlich aus dem Buch von Manfred Stephan & Thomas Fritzsche: "SINTFLUT UND GEOLOGIE" -Schritte zu einer biblisch-urgeschichtlichen Geologie, ... unter Mitarbeit von Martin Ernst und Reinhard Junker. (Herausgeber: Studiengemeinschaft Wort und Wissen e.V.; Hänssler Verlag 2000; ISBN 3-7751-3630-4; die Zahlen sind Seitenangaben für Zitate aus dem Buch, abgekürzt mit "sug".)

Warum überhaupt eine weltweite Flut?

Das Buch "Sintflut und Geologie" wurde geschrieben und herausgegeben von Christen, die das Modell des "Kurzzeitkreationismus" vertreten, also eine nur wenige Jahrtausende alte Erde und eine weltweite Sintflut als die (einzig) richtige Auslegung der Bibel sehen :

Ein auf der Bibel gegründetes Geschichtsverständnis muss insbesondere den Sintflutbericht beachten, da hiermit (zusammen mit dem Turmbauereignis) das Schlüsselereignis für die (Wieder-) Ausbreitung der Menschheit geschildert ist. Für die Geologie ist zudem von größter Bedeutung, dass der Tod erst durch Adam in die Welt kam (Fossilien). Ebenso wichtig ist, dass man die Schöpfungstage als Tage im heutigen Sinne versteht. Und schließlich: Die Sintflut ist das einzige in der Bibel genannte Großereignis, das in eine Beziehung zu geologischen Daten gestellt werden kann. (Seite 124)

Da Fossilien Zeugnisse eines gewaltsamen Todes sind, müssen sie in die Geschichte nach dem Sündenfall des Menschen gestellt werden. Daraus ergibt sich für die Deutung der Fossilüberlieferung und damit für die Deutung wesentlicher Abschnitte der Erdgeschichte ein zeitlich kurzer Rahmen. (Seite 26)

In gewisser Weise stellt dieses Buch eine Besonderheit auf dem deutschsprachigen christlichen Buchmarkt dar, weil es nicht einfach ausländische Literaturvorgaben übernimmt, sondern den folgenden Vorsatz verfolgt:

Die Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN weiß sich auf der Grundlage der Heiligen Schrift in der Präsentation von Forschungsergebnissen in der Öffentlichkeit der Ehrlichkeit und Transparenz verpflichtet. Das bedeutet zum Beispiel, dass ungelöste Fragen nicht vertuscht werden sollen oder dass einfache Antworten (zum Beispiel: "Die Sintflut kann das alles viel besser erklären") möglichst vermieden werden ...
Schließlich ist es für die christliche Gemeinde wichtig, das Vertrauen in die Heilige Schrift selbst und nicht primär auf die Plausibilität schöpfungstheoretischer Modelle zu gründen ... denn diese können sich jederzeit ändern, während die Bibel unverrückbare Grundlage bleibt. (Seite 149)

Die geologische Zeittafel stimmt doch!

Trotz bruchstückhafter Aufschlüsse im Gelände ist die Abfolge der geologischen Systeme (Formationen), vor allem mit Hilfe der in den Schichtfolgen übereinstimmenden Leitfossilien, weltweit korrelierbar. ... Grob geschätzt, lassen sich über 90% der Schichtgesteine in die stratigraphische Abfolge eingliedern. In manchen Fällen ist das schwierig ... doch lassen solche Fälle nicht den Umkehrschluss zu, die Zeittafel sei ungültig oder dergleichen.
Abschließend lässt sich sagen, dass Versuche, die geologische Zeittafel grundsätzlich in Frage zu stellen, der fachlichen Grundlage entbehren.
Das gilt für das Übereinander der Gesteinsfolgen und der in ihnen eingeschlossenen Fossilien. ...
Die gesamte geologische Schichtenserie mit ihrer Fossilabfolge lässt sich jedoch tatsächlich weltweit korrelieren; ungewöhnliche oder (bisher) nicht erklärbare Befunde sind die Ausnahme und ändern am Gesamtbild nichts.
Dies wird in den jüngeren sintflutgeologischen Arbeiten zwar herausgestellt, es hat sich aber noch nicht überall herumgesprochen. (Seite 73-74)

Die Argumente gegen die geologische Zeittafel sind "sehr fragwürdig"!

WOODMORAPPE kritisiert die positive Haltung nahezu aller sintflutgeologischer Autoren zur geologischen Zeittafel. ...
WOODMORAPPE’S geologische Argumente sind sehr fragwürdig. Wie Kapitel fünf zeigt, erkannten schon in vordarwinischer Zeit mehrere Forscher, die keine Evolutionsvertreter waren, unabhängig voneinander, dass sich die Schichtfolgen über größere Entfernungen nicht allein nach Gesteinsmerkmalen erkennen und parallelisieren lassen, wohl aber nach der Aufeinanderfolge der Fossilien. ....
Und dass es zu Anfang falsche stratigraphische Einordnungen gab, die später - zumeist noch in der Zeit vor DARWIN! - korrigiert wurden, ist aus den begrenzten Gelände- und Fossilkenntnissen der geologischen Frühzeit nur allzu verständlich. Dies besagt nichts gegen die geologische Zeittafel an sich, zeigt aber die Gründlichkeit, mit der gearbeitet wurde, so dass Fehler nach und nach korrigiert wurden - wie in jeder anderen Wissenschaft auch.
Die geologischen Systeme sind entgegen WOODMORAPPES Aussagen auf den Kontinenten oft außerordentlich weit zu verfolgen. (Seite 110-112)

Sortierte die Sintflut ihre Opfer fein säuberlich?

Die hydrodynamische Sortierung wurde bereits von einem der ersten Sintflut-Geologen, WOODWARD, im Jahre 1695 vertreten. Bei den gewaltigen Strömungen der Sintflut soll sich alles Feste aufgelöst und anschließend bei seinem Wiederabsatz die gesamte Masse der - angeblich nach der Schwere geordneten - Schichtgesteine hinterlassen haben. Diese Vermutung stellt eine der größten Schwächen der Sintflutmodelle dar ...
Die zum Teil sehr mächtigen Einschaltungen besonders turbulent entstandener Serien ändern aber nichts daran, dass sich die Schichtgesteine, als ganze gesehen, sehr gut und detailliert untergliedern lassen, und zwar mit den sich ändernden Fossilabfolgen. Diese Eigenart der Sedimentgesteine bereitet unseres Erachtens ihrer Entstehung im Flutjahr größte Schwierigkeiten und stellt eine weitere eklatante Schwäche der Sintflutmodelle dar. (Seite 127-129)

Widersprüchliche Sintflutmodelle ...

... haben in den letzten Jahren heftige Debatten ausgelöst. Aus fachlicher Sicht bedeutete das einen Fortschritt, da die Qualität der Arbeit dadurch insgesamt nur profitieren kann. Aber auf der Ebene persönlicher Beziehungen sind auch Anzeichen der Spaltung zu erkennen. Vermutlich sind die Modelle zu sehr mit ihren Vertretern verknüpft, so dass sich bestimmte Abhängigkeiten von Personen oder Organisationen durchpausen.
Aus den dargestellten Gründen gibt es derzeit noch kein wirklich detailliert ausgearbeitetes biblisch-urgeschichtliches Geologie-Modell, das auch nur annähernd so umfassend begründet worden wäre wie das Jahrmillionenmodell der Historischen Geologie. Ungelöst sind in den sintflutgeologischen Modellen viele Sachverhalte, die für die Schulgeologie die "langen Zeiträume" begründen. Dazu gehören u.a. Datierungsmethoden, Geschwindigkeit der Plattendrift, manche Sedimentationsprozesse (zum Beispiel Kalkbildung) oder die grobe Abfolge der Fossilien ...
Die momentan vorgeschlagenen Sintflutmodelle sind also, was ihre detaillierte Ausarbeitung betrifft, nicht konkurrenzfähig mit den herkömmlichen Modellen (gemessen an üblichen, durchaus sinnvollen wissenschaftstheoretischen Kriterien) ... (Seite 141-144)

Derzeit ist kein Kurzzeit-Modell der Sintflut vertretbar!

Unter der Überschrift "Konsequenzen" geben die Autoren am Ende ihres Buches offen zu, wie es um die bisher vertretenen kurzzeitkreationistischen Sintflutmodelle bestellt ist:

Da derzeit kein ausgearbeitetes und fachlich bewährtes Sintflutmodell vorliegt und der Weg dahin noch weit erscheint, sehen die Mitarbeiter der Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN die Aufgabe darin, zunächst "Bausteine" für eine Biblisch-urgeschichtliche Geologie mit ihrem Kurzzeitrahmen zu erarbeiten ...
Von den meisten Mitarbeitern werden die genannten Modelle jedoch als unzureichend empfunden, teilweise gibt es tiefgreifende Bedenken, ob es derzeit überhaupt sinnvoll und redlich ist, ein Modell nach außen zu vertreten. Dabei stimmt die Kluft zwischen den Modellen an sich schon bedenklich. Dazu kommt noch, dass viele Vorgaben der Schulgeologie in den heute vorliegenden Modellen kaum Berücksichtigung finden. Als Beispiel kann das breite Feld der Altersbestimmungen genannt werden ...

Aus den genannten Gründen möchten die meisten Mitarbeiter der Geo-Arbeitsgruppe von WORT UND WISSEN vorerst nicht "modellorientiert" arbeiten, das heißt kein bestimmtes Modell vertreten. Die wissenschaftliche Basis ist dafür noch nicht ausreichend. (Seite 147-148)

 

Die Sintflut und der zweite "Welt-Untergang"

So furchtbar die Sintflutkatastrophe für die damalige Welt gewesen sein muss, ist sie doch nur ein Vorschatten von Ereignissen, die noch vor uns liegen. Sie war zwar, wie wir gezeigt haben, lokal begrenzt, aber sie soll als weltweite Warnung dienen. Das ist der Grund, warum sie so ausführlich beschrieben und bis auf den heutigen Tag überliefert worden ist:

Alles dieses aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.
1.Korinther 10:11, vergleiche Römer 15:4

Aus diesem Grund dürfte die Beschreibung der Sintflut in der Bibel ganz bewusst so formuliert worden sein, dass sie nicht nur die damalige, lokale Katastrophe richtig beschreibt, sondern auch die globalen Ereignisse vorschattet, die uns bevorstehen. Jesus betont, dass aus der Sintflut wichtige Lehren für die jetzige Zeit gezogen werden müssen:

Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch in den Tagen des Sohnes des Menschen sein: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte ... sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten ... ebenso wird es an dem Tag sein, an dem der Sohn des Menschen geoffenbart wird ... Lukas 17:26ff

Tatsächlich dreht sich in der heutigen Zeit alles immer mehr um "wirtschaftlichen Erfolg", "Partnerschaft" und "gesunde Ernährung". Das sind an sich nicht schlechte Dinge, aber sie werden lebensgefährlich, wenn wir ihretwegen Gott und sein Reich an zweite Stelle setzen, Matthäus 6:33.

Und schon wieder Genmanipulation!

Wie wir gesehen haben, fand in der Zeit vor der Sintflut Genmanipulation an den Adamiten statt. Urheber dieses Angriffs waren "Söhne Gottes", Genesis 6:2ff, unsichtbare Mächte, die sich scheinbar "materialisierten" und mit Menschen paarten. Die Folgen waren "Riesenwachstum" und Entartungen, die offenbar den Bestand der Menschen- und Tierwelt gefährdeten, so dass Gott mit der Sintflut großflächig eingriff. Was die Urheber angeht, so hat Gott diese "Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, bis zum Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter Finsternis verwahrt", Judas 1:7. Die sind also ausgeschaltet, und Nachahmer dürften sich aus Angst vor der Strafe nicht finden.

Doch es ist in unseren Tagen möglich geworden, dass Menschen selber das Erbmaterial von Menschen, Tieren und Pflanzen manipulieren, und sie sind bereits dabei, es zu tun, mit dem Ziel  - "Riesenwachstum"! Von wem könnte diese Idee stammen? Und wird es wieder zu "Entartungen" kommen?

Die Sintflut soll uns als Warnung dienen: Diese Welt wird relativ plötzlich derartige Veränderungen erfahren, dass viele Menschen, die darauf nicht vorbereitet sind, extrem gefährdet sind. Ist das ein Grund, deswegen in depressive Weltuntergangsstimmung zu versinken? Sicher nicht. Gott gab Noah gerade wegen des bevorstehenden "Weltuntergangs" einen gewaltigen Bauauftrag, an dem er rund 120 Jahre lang alle Hände voll zu tun hatte. Noah tat alles andere, als den Kopf in den Sand zu stecken und die Augen vor der Realität zu verschließen. Im Gegenteil, er beurteilte die Lage sehr realistisch und handelte extrem vernünftig, zielgerichtet und langfristig, auch wenn seine Zeitgenossen dies jahrzehntelang anders gesehen haben dürften. Auch für uns hat Gott einen "Bauauftrag" in dieser Zeit: lebendige Steine in seinem "Bau" zu werden, 1.Petrus 2:5.

 

Babel - Verwirrung ohne Ende?

Babel ist keine Fabel

Babel, später auch "Babylon" genannt, war vielleicht die älteste Großstadt der Welt. Lange hielten kritische Theologen sie für ein Märchen der Bibel, doch im zwanzigsten Jahrhundert wurde sie von Archäologen im Irak tatsächlich entdeckt. Wir haben es also nicht mit einer Fabel zu tun, sondern mit einer historischen Realität. In späteren Zeiten wurde diese Stadt zur Metropole einer Weltmacht, die über Jahrzehnte hinweg das Schicksal Israels und des Nahen Ostens beherrschte. Und die Bibel sagt voraus, dass das "babylonische System" noch zu einer weltweit dominierenden Größe der Völkerwelt werden wird.

Schluss mit dem Gebabbel über Babel!

Was in Genesis 11 über Babel ausgesagt wird, beschreibt also bereits im Keim die Entstehung eines Systems, das für den Verlauf der Weltgeschichte entscheidend war und sein wird. Doch leider ist der Zugang zum Verständnis des Textes nicht ganz leicht, weil die menschliche Auslegungstradition ihn fast verschüttet hat. So wird weithin gelehrt, Gott habe damals alle Sprachen der Welt "über Nacht erschaffen", um die Menschen daran zu hindern, einen Turm zu bauen, der "bis in den Himmel reichen sollte". Das Problem liegt - wieder einmal - an unserer Voreingenommenheit, an der Brille, mit der wir den Text aus der Sicht unserer Zeit lesen. Um auf die Lösung des Problemes zu kommen, genügt es jedoch, den Text und den Textzusammenhang genau zu betrachten. Und das wollen wir jetzt tun.

Die Sprachen entstanden durch Evolution - sagt die Bibel!

Es ist fast ein Witz, dass die Auslegungstradition Genesis 11 so umgedeutet hat, es berichte von einem "Sprachvermehrungswunder"! Denn gerade die unmittelbar vorhergehenden Verse betonen ausdrücklich, dass die Sprachen des Nahen Ostens bzw. Mittelmeerraumes wachstümlich, durch die Entfaltung eines Stammbaumes, entstanden:

Und dies ist die Geschlechterfolge der Söhne Noahs: Sem, Ham und Jafet - ihnen wurden Söhne geboren nach der Flut ... (z.B.) die Kittäer und die Rodaniter ...
Von diesen verzweigten sich die Inseln der Nationen. Das sind die Söhne Jafets in ihren Ländern, je nach ihrer Sprache (hebräisch laschon=Zunge), nach ihren Sippen, in ihren Nationen. ... Das sind die Sippen der Söhne Noahs nach ihrer Geschlechterfolge, in ihren Nationen; und von diesen aus haben sich nach der Flut die Nationen im Lande verzweigt. Genesis 10:1-32

Diese Völkertafel beschreibt, wie aus wenigen Vorfahren auf ganz natürlichem Wege, nämlich durch Vermehrung, erst Sippen und dann ganze Völker und Nationen entstanden sind - einschließlich ihrer eigenen Sprachen:

Das Gebiet, um das es geht, liegt im Nahen Osten, wie die genannten Völker zeigen, zentral geht es um das Gebiet rund um Babel. Der Text verwendet äräts, das wie in den meisten Fällen mit "Land" zu übersetzen ist - vergleiche die Ausführungen zu 'äräts = Land bei der "Sintflut".

Von einem Wunder ist keine Rede, sondern das ganze wird als Stammbaum gekennzeichnet, dessen Zweige die einzelnen Völker darstellen. Die Übersetzungen verwenden sogar wörtlich den Ausdruck "verzweigt" - vergleiche auch die Ausführungen zu toledot = Geschlechterfolgen, "Stammbaum" beim "Schöpfungsbericht".

Wenn also in den unmittelbar darauffolgenden Versen (!) von Babel und dessen Verwirrung die Rede ist, wäre es höchst verwunderlich, dass dort, wo gerade die Entstehung verschiedener Sprach-Familien beschrieben wurde, das gleiche auf ganz andere Art und Weise dargestellt werden sollte. Anstatt also eine zweite Text-"Quelle" zu vermuten und einen ungeschickten, um nicht zu sagen unfähigen "Redaktor" zu postulieren, betrachten wir noch einmal den Text, diesmal etwas genauer, und wir werden feststellen, dass es um etwas ganz anderes geht.

Es geht um Ideologie, nicht um Fremdsprachen!

Und das ganze Land hatte einerlei Redeweise (sapha = Lippe). Genesis 11:1

In Kapitel zehn hat der Bibeltext die Entstehung verschiedener Sprachen im Rahmen eines Stammbaums mit dem Ausdruck "laschon = Zunge" beschrieben, Genesis 10:5,20,31. Jetzt verwendet er jedoch eine andere Formulierung, nämlich "sapha = Lippe". Die "Lippen" des Menschen sind sozusagen die Tür, durch die alle seine Worte herauskommen, und damit der Ort, an dem sich entscheidet, ob er wahrhaftig ist oder nicht. "Lippe" steht in der Bibel oftmals für die Ideologie, mit der jemand spricht:

Sie reden Lüge, ein jeder mit seinem Nächsten; mit glatter Lippe, mit doppeltem Herzen reden sie. Psalm 12:3

Lass weichen von dir die Falschheit des Mundes und die Verdrehtheit der Lippen entferne von dir! Sprüche 4:24

Die Lippen des Gerechten sind bedacht auf Wohlgefälliges, der Mund der Gottlosen aber auf Verkehrtes. Sprüche 10:32

Dabei geht es nicht um Fremdsprachen, sondern um die "inneren Werte" des Gesagten - die Ideologie, die dahintersteckt. Der Bibeltext betont also, dass gewisse Nachkommen Noahs zur damaligen Zeit eine einheitliche Ideologie hatten. Dazu gehörte auch die Verwendung von Wörtern im Sinne einer gemeinschaftlich-einheitlichen Sinngebung:

Und das ganze Land hatte ... einerlei Wörter (hebräisch dabar = Wort, Ausspruch, Rede). Genesis 11:1

Der Ausdruck "dabar" bedeutet in der Bibel viel mehr als "Wort, Vokabel aus dem Wörterbuch". Es schwingt ganz stark die Bedeutung, der Inhalt des jeweiligen Wortes mit, so dass "dabar" sogar die Bedeutung "Sache" oder "Gegenstand" haben kann:

Da sagten sie: Warum redet mein Herr solche Worte (hebräisch dabar)? Fern sei es von deinen Knechten, eine solche Sache (hebräisch dabar) zu tun! Genesis 44:7

Es kann auch gebraucht werden, um die Redegewandtheit einer Person auszudrücken, also deren Fähigkeit, Worte zu gebrauchen, um Inhalte zu vermitteln:

Mose aber antwortete dem HERRN: Ach, Herr! Ich bin kein redegewandter Mann (hebräisch kein Mann von Worten, hebräisch dabar) .. denn unbeholfen ist mein Mund und unbeholfen meine Zunge. Exodus 4:10

Mose meinte damit nicht, dass er nicht Ägyptisch sprechen konnte, immerhin war er erst im Alter von 40 Jahren aus Ägypten ausgewandert und war vorher am Hof des Pharao gründlich ausgebildet worden. Nein, es ging ihm um die Fähigkeit, die Worte, die Sachaussagen, die Gott ihm offenbart hatte, weiterzuvermitteln.

Babel - Kommunikation total

Sie hatten ein und dieselbe Sprache und ein und dieselben Worte. Genesis 11:1

Das später "Babylonier" genannte Volk zeichnete sich durch eine ausgesprochen starke Einheit aus, die sie offensichtlich auch dadurch zustandebrachten und aufrechterhielten, dass sie dieselben "Schlagwörter" verwendeten, die gleichen "Parolen" (französich: parole = Wort) ausgaben. Heute würde man sagen: Sie hatten eine gleichgerichtete Medienlandschaft, eine wirkungsvolle Propaganda-Maschinerie. Wir begegnen hier dem ersten Versuch eines Volkes, eine Einheits-Regierung zu errichten. Die Verständigung war standardisiert, gleichgeschaltet, vernetzt. Man hatte einerlei ... Wahlspruch (politisch), Slogan (Werbung), Devise (Finanzen), Maxime (Konsum). Babel, das war sozusagen Kommunikation total.

 

Der legendäre Turmbau zu Babel

Einheit mit allen Mitteln

Behalten wir unbedingt im Auge, dass die Triebfeder für das ganze "Projekt Babel" der Wunsch nach Einheit war! (Man vergleiche, welche zentrale Stellung Worte wie "Union" oder "United" in der heutigen Zeit einnehmen.) Allerdings muss gleichzeitig eine Tendenz zum Zerfall zu spüren gewesen sein, denn die Angst, die Einheit könne zerbrechen, sieht man durch alle Bemühungen hindurchschimmern:

... damit wir uns nicht über die ganze Fläche des Landes zerstreuen.

Um den Zerfallstendenzen entgegenzuwirken, wurde die Bildung einer Gruppen-Identität vorangetrieben. Das "Wir-Denken" wurde sehr betont:

Lasst uns ..., wir wollen ...

Es ist weiterhin bemerkenswert, dass man in dem Bemühen um Einheit großen Wert auf die Errichtung von Bauwerken legte. Der Bibeltext betont, dass die Menschen dafür rein irdische Baumaterialien verwendeten, sich also ganz der irdisch-materiellen Dimension verschrieben:

Und der Ziegel diente ihnen als Stein, und der Asphalt diente ihnen als Mörtel.

Bauwerke kann man sehen und anfassen. In einer Zeit der zerfallenden "Werte" scheinen sie wie "Im-mobilien", unerschütterliche Werte, niemals wankende Säulen der Gesellschaft. Darum spielten Gebäude damals wie heute eine zentrale Rolle für die Volkswirtschaft und Politik, und darum sollten es viele sein:

Eine Stadt!

Es geht bei dem Phänomen Babel also nicht um die Entstehung von verschiedenen Sprachen, sondern um den Versuch, eine weltanschauliche, ideologische Einheit herzustellen, und zwar wesentlich auch unter Einbeziehung der Religion. Deshalb sollte bei dem ganzen ein religiöses Bauwerk eine "herausragende" Rolle spielen ...

Der erste "Wolkenkratzer"

Und sie sprachen: Wohlan, wir wollen uns eine Stadt und einen Turm bauen, und seine Spitze (hebräisch rosch = Haupt, Spitze) bis in den Himmel!

Dass man keinen Turm bauen kann, der tatsächlich bis ins All hineinreicht, dürfte auch den damaligen Menschen schon klar gewesen sein. Der Ausdruck hat vielmehr eine Doppelbedeutung, wie der Vergleich mit anderen Stellen zeigt. Zum einen bedeutete es einfach eine sehr hohe Bauweise, z.B. der Städte in Kanaan:

... ein Volk, größer und höhergewachsen als wir, Städte, groß und bis an den Himmel befestigt ... 5.Mose 1:28, ähnlich 9:1

Tatsächlich ragen ja hohe Bauwerke in den Luft-Himmel hinein. Und bis zum heutigen Tage sind Türme ein Sinnbild für Macht. Babel sollte also eine Stadt der Superlative sein: Höher, größer, weiter ...

Der erste Kirch-Turm

Zum anderen assoziiert der Ausdruck "bis in den Himmel" den Kontakt mit den unsichtbaren Himmeln, den Welten höherer "Dimensionen":

Und er träumte: und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen darauf auf und nieder. Genesis 28:12

Was vielen vielleicht nicht so bewusst ist: Babel war von Anfang an eine fromme Stadt! Beim Turm zu Babel ging es nicht nur um ein Monument der Macht, sondern es ging vor allem um Religion. Der Turm mit seiner Spitze "bis in den Himmel" war sozusagen der erste "Kirchturm" der Welt. Sollte dieses Heiligtum mit seinem spitzen Turm den guten Kontakt, den heißen Draht zum Himmel sicherstellen? Vielleicht liegt in der Formulierung "bis in den Himmel" auch eine Andeutung auf die Vorliebe der babylonischen Religion für die Himmelsbeobachtung und Sterndeutung?

In jedem Fall ist das ganze Geschehen ein Sinnbild für das Wesen menschengemachter Religion: Durch eigene Anstrengungen soll eine Art Himmelsleiter von unten nach oben gebaut werden. "Gute Werke" sollen Zutritt zu Gott verschaffen, und - sie dürfen ruhig weithin sichtbar sein. Der Turm "steht" für die Bemühung der Menschen, Gott aus eigener Kraft näher zu kommen. Das bedeutet harte Arbeit, Ziegel brennen und Steine schleppen. Aber es ist die Mühe wert, denn schließlich kann man sich damit einen guten Ruf, einen "Namen" verdienen. Und damit kommen wir zum Kern des babylonischen Problems ...

Die erste "Denomination"

Bei allem Drumherum darf uns das Zentrale an Babel nicht entgehen: All der Aktivismus und die Gleichmacherei sollte letztlich einem konkreten Zweck dienen - ein gemeinsamer Name sollte her, und er sollte selbstgemacht sein:

So wollen wir uns einen Namen machen! Genesis 11:4

Dieser selbst geschaffene "Name" sollte verherrlicht werden. Mit anderen Worten: Die Menschen wollten sich selbst verherrlichen! So entstand die erste überlieferte "Denomination" der Erde:

Denominationen

- von lateinisch denominare = benennen -
sind Gruppen von Menschen,
die sich mit einem bestimmten Namen benennen
und ihre Identität untrennbar mit diesem Namen verknüpfen.

Die Wurzel des babylonischen Problems

Das Kernproblem war Babylon schon bei seiner Entstehung in die Wiege gelegt worden. Nimrod war der erste "Diktator", der Babel zu Macht und Ruhm brachte:

Und Kusch zeugte Nimrod. Der war der erste Gewaltige im Lande (hebräisch ba’aräts). Er war ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN. Und der Anfang seines Königreiches war Babel ... Genesis 10:8-10

Wir haben uns unter ihm nicht einen offensichtlich gottlosen Rebellen vorzustellen, sondern viel eher eine charismatische Führungspersönlichkeit und gleichzeitig einen bekennenden Gläubigen: Er war ein "Gewaltiger ... vor dem HERRN"! Und ist es nicht so, dass bis heute Denominationen in den allermeisten Fällen von großen Vorbildern ins Leben gerufen werden, "Gewaltigen vor dem Herrn"?!

Ein Name oder viele Namen?

Interessant ist auch, dass an dieser Stelle zum ersten Mal das Wort "Königreich" in der Bibel vorkommt. Nimrod benützte seine Vollmacht also, um sein eigenes Reich zu bauen. Diese Tendenz begann allerdings nicht mit Babel, sondern reichte zurück bis in die Tage Noahs:

Damals waren die Riesen auf der Erde ..., das sind die Helden, die in der Vorzeit waren, die Männer, die einen Namen hatten. (So der Grundtext von Genesis 6:4)

Von Anfang an ging es um die Frage: Welcher Name soll erhoben werden: Der von Gott oder der von irgendwelchen Menschen? Und obwohl schon seit den Tagen Set's der Name des HERRN angerufen und verkündigt wurde, Genesis 4:26, "einigten" die Menschen sich unter Nimrod darauf, sich selber einen Namen zu machen. Damit verwarfen sie, ob bewusst oder unbewusst, den Namen des HERRN und damit den HERRN selber: Der Ausdruck "der Name" ist eine Bezeichnung für Gott selbst, Apostelgeschichte 5:41; 3.Johannes 1:7.

 

 

Gottes Gericht
über das System der Denominationen

Die Menschen waren begeistert von ihren Ideen und standen wie ein Mann hinter diesem Projekt. Aber nun warf Gott einen Blick hinter die Kulissen des "babylonischen Systems":

Und der HERR fuhr herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie alle. Und dies ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts unmöglich sein, was sie zu tun ersinnen. Genesis 11:5-6

Gott betont, dass in einer derartigen Einheit ein ungeheures Potential steckt: "Nichts würde ihnen unmöglich sein!" Gott bestätigt mit seiner Aussage, dass den Menschen, die ja in Gottes Bilde erschaffen sind und diese Fähigkeit in sich tragen, tatsächlich alles verwirklichen könnten, das sie in ihrem Geist verfolgen, wenn sie es nur in Einheit tun. Und die Menschen damals waren "gleichgerichtet" und wild entschlossen, ihren eigenen Willen durchzusetzen. Ein Menschheitstraum schien in greifbare Nähe gerückt: Alles "mach-bar" zu machen. Das "Projekt Babel" sollte nur "den Anfang ihres Tuns" darstellen!

Wunschtraum oder Albtraum?

Doch Gott wusste schon damals, wohin das führen und wie es enden würde! Heute ahnen auch wir es, teilweise, weil wir die negativen Folgen des "Fortschritts" schon erlebt haben und noch erleben, aber auch, weil die Bibel es prophetisch beschreibt: Der Aufstieg und die weitere Entwicklung des "babylonischen Systems" ist nämlich eines der zentralen Themen der Bibel. In der Offenbarung, dem Gegenstück zur Genesis, nimmt Babylon einen großen Raum ein: Offenbarung 14:8; 16:19; Kapitel 17 und 18. Ein Hauptproblem scheint darin zu bestehen, dass die Entwicklung eine Schere macht:

Die wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten nehmen ständig zu. Durch Überlieferung von Wissen und unaufhörliches Weiterforschen wächst das technische Potential der Menschheit sozusagen "bis in den Himmel" (Weltraum). Tatsächlich können wir heute Herzen transplantieren, Tiere klonen und Erbmaterial gezielt verändern.

Doch gleichzeitig bröckelt der Unterbau des ganzen Systems: Das allertiefste Fundament, der Glaube an Gott, schwindet immer mehr, und als nächstes verfallen der Reihe nach die moralischen Werte wie Ehrlichkeit, Treue, Barmherzigkeit. So haben wir Atombomben entwickelt und Viren "geschaffen", um mit "biologischer Kriegsführung" (welch ein Name!) Millionen vernichten zu können - "alles ist machbar!"

"Zu allem fähig - zu nichts zu gebrauchen?"

Die ganze Menschheit scheint eine Entwicklung durchzumachen, in der sie sich mehr und mehr für die Rolle des verlorenen Sohnes entscheidet, der zu Gott sagt: "Gib mir mein Erbe, die Erde. Ich will mit ihr machen, was ICH will! Mein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden!" Auf diese Art und Weise wird der Mensch tatsächlich und im doppelten Sinne des Wortes "zu allem fähig": Einerseits ist ihm nichts mehr unmöglich, denn alles wird technisch machbar. Und andererseits schreckt er auch vor nichts mehr zurück, denn nur noch der eigene Wille zählt, andere Grenzen gibt es nicht mehr. Aber auch das kann eine Erziehungsmaßnahme für ein ungezogenes Kind sein, dass man ihm "seinen Willen lässt" und es dann erlebt, welche Folgen sein selbstsüchtiges Verhalten hat! Genau das ist Gottes Weg mit den Menschen in den letzten Tagen dieses Zeitalters:

Ihr habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: «Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst! Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.» Sprüche 3:11-12
Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne.
Zudem hatten wir auch unsere leiblichen Väter als Züchtiger und scheuten sie. Sollen wir uns nicht vielmehr dem Vater der Geister unterordnen und leben? Denn sie züchtigten uns zwar für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.
Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit. Hebräer 12:5-11

Wir Menschen rebellieren gegen Gott und wollen uns von ihm nicht mehr dreinreden lassen. Wir machen mit dieser Erde, was wir wollen. Gott lässt uns schweren Herzens ziehen und hält aus der Ferne nach uns Ausschau. Er weiß, dass wir nach einiger Zeit, wie der verlorene Sohn, die uns anvertrauten Reichtümer verprasst haben werden. Er hofft darauf, dass wir in der dann folgenden Zeit des Mangels und Hungers, wenn wir sozusagen bis zu den Schweinen heruntergekommen sind, in uns gehen und zu ihm zurück kommen werden. Er wartet mit ausgebreiteten Armen auf uns, aber unser Stolz lässt es nicht so leicht zu, dass wir klein beigeben. So wird genau unser größtes Problem, der Hochmut, auch zu unserem härtesten Zuchtmeister, der uns nicht aus den Klammern der Sünde lässt, bis wir völlig zerbrochen sind.

Wenn man sich nicht mehr "versteht"

Gott durchschaute, was sich den Menschen damals als der beste Weg in die Zukunft darstellte: Es war der Weg in den Abgrund. Deshalb beschloss er, einzugreifen:

Wohlan, lasst uns herabfahren und dort ihre Sprache (sapha = Lippe) verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht mehr verstehen (schama = hören, verstehen, gehorchen)!
Und der HERR zerstreute sie von dort über das ganze Land (äräts). Und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Darum gab man ihr den Namen BABEL. Denn dort verwirrte (balal) der HERR die Sprache (sapha) des ganzen Landes (äräts) ... Genesis 11:7-9

Gott zerschlug die organisierte Einheit, weil er wusste, dass dieses mächtige Instrument, das so ungeahnte Kräfte freisetzen kann, missbraucht werden sollte. Entgegen allen Einigungsbemühungen war die tatsächliche Frucht der ganzen Aktion also Zersplitterung und Verwirrung:

Die einzelnen Gruppen fingen an, "eine andere Sprache zu sprechen" - bis heute ist es ein Phänomen, dass sich in Denominationen eine jeweils eigene Sprache entwickelt, die am Ende nur noch Insider beherrschen.

Das Endresultat war, dass die verschiedenen Gruppen sich "nicht mehr verstanden". Bis heute ist es nicht gelungen, durch menschliche Einigungsbemühungen echte Harmonie zu erzeugen, oder aber das zu verhindern, was nur allzu menschlich ist: Dass oftmals die einen sich mit den anderen einfach "nicht verstehen".

Der Ort, der zum "Gipfel der Einheit" werden sollte, wurde in Wirklichkeit der Ausgangspunkt von Uneinigkeit und Verwirrung!

Denominationen heute

Da die Namen der heute existierenden Denominationen in der Bibel nirgends vorkommen, könnte man meinen, es habe zur Zeit des Alten oder Neuen Testamentes noch nichts derartiges gegeben, und die "Gläubigen" früherer Zeiten hätten die Probleme, mit denen wir uns heute abplagen, womöglich gar nicht gekannt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das Phänomen der Bildung von Denominationen ist fast so alt wie die Zivilisation selbst! Sowohl das Alte wie auch das Neue Testament strotzen nur so von Beispielen, wie Denominationen entstehen, welche Auswirkungen sie haben, wie Gott zu ihnen steht und wie wir mit ihnen umgehen sollen:

Es beginnt mit den "Helden" der Urzeit, den "Männern mit Namen", Genesis 6:4.

Es setzt sich fort mit Babel und seiner Bevölkerung, die sich "einen Namen machen" wollte.

Später wird Israel in zwei große Blöcke gespalten, die Namen "Juda" und "Israel" werden zum Denkmal für den Zerbruch eines Volkes in zwei "Denominationen".

Am Ende des "Alten Testamentes" haben zwei sich bekämpfende Denominationen die Führung des Volkes übernommen und prägen die geistliche Landschaft zur Zeit Jesu mit ihren rivalisierenden Lehren: Die Pharisäer und die Sadduzäer.

Nur werden diese Erscheinungen nicht "Denominationen" genannt, darum haben wir den aktuellen Bezug auf unsere Zeit oftmals nicht erkannt.

Sind wir auch "Mitglied" im babylonischen System?

Der Bericht von Babel ist nicht in der Bibel, damit wir unseren Kindern beim Schlafengehen etwas Spannendes zu erzählen haben: Er betrifft uns. Er beschreibt nicht untergegangene Völker, sondern unsere Probleme!

Wollen nicht auch wir vor den anderen Menschen als "Helden" dastehen, zumindest ein gewisses Ansehen genießen, "einen Namen" haben?

Wer von uns ist wirklich frei davon, sich von der "öffentlichen Meinung" beeinflussen zu lassen?

Wem von uns fällt es nicht schwer, die eigenen Schwächen und Fehler, seine Unfähigkeit und Hilflosigkeit vor sich selbst und auch öffentlich einzugestehen?

Das babylonische System macht vor Kirchen- und Gemeindetüren nicht halt - im Gegenteil! Wir sollten uns ernsthaft prüfen:

Wollen wir in "unseren" Gemeinschaften ein Gruppenbewusstsein, ein "Wir-Gefühl" fördern? Gerät dabei der Name des Herrn kaum merklich, aber immer mehr ins Hintertreffen? Dann befinden wir uns auf einem sehr alten, sehr gefährlichen Weg.

Spielt der Name "unserer Gemeinden", Verbände, Organisationen und Werke womöglich eine zu große Rolle für unsere Identität? Verherrlichen wir am Ende den Namen unserer Gruppe?

Und sind nicht bis in die Gegenwart in dem Bemühen, die eigenen oder "echten Schäfchen" zusammenzuhalten, immer neue Denominationen entstanden, die in Wirklichkeit nicht ein Ausgangspunkt von Einheit waren, sondern nur ein weiterer Stein des Anstoßes für die Suchenden?

Kann es sein, dass wir so in diese Problematik verstrickt sind, dass wir sie schon gar nicht mehr wahrnehmen? Sehen wir womöglich den Wald vor lauter Bäumen nicht? Leiden wir unter "Betriebs-Blindheit", leben schon so lange in diesem "Stallgeruch", dass wir ihn gar nicht mehr wahrnehmen? Haben wir uns schon so mit diesem System der Denominationen identifiziert, dass wir gar nicht mehr hören können oder gar wollen, was Gott darüber sagt?

Wirrwar der Religionen

Was, wenn die Zersplitterung der Christenheit in viele miteinander rivalisierende Gruppen gar nicht nur "vom Feind" ist, sondern zugleich, wie in Babel: Ein Gericht Gottes an denen, die angefangen haben, "ihre eigenen Namen zu machen" und ihre jeweilige "Denonimation" zu verherrlichen? Wann wollen wir aufhören, jeder sein eigenes Süppchen zu kochen, sein eigenes Grüppchen zu bauen und heiligen statt dessen den Namen Gottes in unserer Mitte? Ist dies nicht das allererste Anliegen in dem einzigen Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser, der du bist in den Himmeln,
geheiligt werde dein Name! Matthäus 6:9

Wahre Einheit ist nur möglich, wenn wir alle von Herzen zu dem EINEN umkehren, wenn wir aufhören, unsere eigenen Reiche zu bauen, unsere eigenen Interessen zu verfolgen. Einheit als höchstes Ziel ist genauso ein Götze wie Habsucht. Wenn wir jedoch zuerst nach dem Reich Gottes trachten, dann wird Gott uns die Einheit dazu schenken. In dem Maße, wie wir mit Gott eins werden, werden wir es auch mit den anderen Christen, denn wir nähern uns dann gemeinsam demselben Zielpunkt:

Jeder der den liebt, der geboren hat,
liebt auch den, der aus ihm geboren ist. 1.Johannes 5:1

Mangel an Liebe zu Gott ist die wahre Ursache für alle Spaltungen, und wahre Liebe ist das Heilmittel gegen jede Form von Uneinigkeit. Selbst richtige Erkenntnisse können aufblähen, die Liebe aber bessert, 1.Korinther 8:1.

Aus Babel wird Babylon

Aber das Problem Babel war mit Gottes Eingreifen nicht endgültig gelöst, sondern nur vertagt. Wir werden ihm später noch begegnen, wenn Babel sich zur Weltmacht im Nahen Osten entwickelt hat und Israel in größte Bedrängnis bringt. Und selbst nach dem Fall Babels ersteht das gleiche System wieder auf als das Babylon der Endzeit, das die Völkerwelt mehr und mehr beherrscht: Zunehmende Verwirrung bei ständig heftiger werdenden Einheitsbestrebungen. Es gibt nur eine Antwort auf dieses Problem, und das ist Gottes Antwort. Und die heißt: Jerusalem! Mehr dazu später.

 

Der großzügige Gott: Sodom und Gomorrha

Ist der Gott des Alten Testamentes ein grausamer Tyrann?

Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit dem "Gott des Alten Testamentes", weil er ihnen so hart und strafend vorkommt. Sie können kaum glauben, dass er derselbe Gott sein soll, der sich im Neuen Testament als der liebende und vergebungsbereite Vater geoffenbart hat. Gerade die herausragendsten Ereignisse des Alten Testamentes scheinen dies auch zu belegen: Die Auslöschung einer ganzen Kultur durch die Sintflut, die Vernichtung von Sodom und Gomorrha durch Feuer, die zehn Plagen für Ägypten beim Auszug Israels und der "totale Krieg" gegen die Völker im verheißenen Land sehen aus der Ferne aus wie Willkürakte eines jähzornigen Tyrannen. Doch im Folgenden werden wir sehen, dass gerade diese Ereignisse herausragende Beispiele für die Geduld und Barmherzigkeit Gottes sind. Gott hat sich nicht verändert und wird sein Wesen auch nicht ändern:

Ich, der HERR, ich habe mich nicht verändert! Maleachi 3:6

Jesus Christus ist derselbe, gestern und heute und in Ewigkeit. Hebräer 13:6

Darum gilt bis heute für ihn, was er schon damals Mose geoffenbart hat:

Der HERR, der HERR ist Gott: barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue. Er bewahrt Gnade an Tausenden von Generationen. Er vergibt Schuld, Vergehen und Sünde. Aber den Schuldigen lässt er keineswegs leer ausgehen ... Exodus 34:6-7

Umgekehrt ist der "Gott des Neuen Testamentes" alles andere als jemand, der die Sünden der Leute unter den Teppich kehrt oder Fünfe gerade sein lässt. Die furchtbarsten Gerichte, die es überhaupt gibt, werden im Neuen Testament beschrieben, und niemand hat so viel über die "Hölle" gesprochen wie Jesus:

Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, sage ich euch, diesen fürchtet! Lukas 12:5

Wer Gott realistisch sehen will, muss sich beiden Seiten stellen:

Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du ausgeschnitten werden. Römer 11:22

Beobachten wir also die Güte und die Strenge Gottes im Alten Testament anhand von drei herausragenden Beispielen für die Gerechtigkeit und Geduld Gottes, auch wenn sie oftmals als Sinnbilder für den "grausamen Gott" missverstanden werden:

die Einäscherung von Sodom und Gomorrha

die zehn Plagen für Ägypten

die Vertreibung der Kanaaniter aus dem Verheißenen Land

 

 

"Feuer vom Himmel" -

Wie steht es mit unseren Städten?

Sodom und Gomorrha sind bis heute ein Inbegriff für Verkommenheit und den Verfall der Sitten. Doch nicht, was wir heute unter "Sodomie" verstehen, also sexueller Verkehr mit Tieren, war das Hauptkennzeichen dieser Städte, sondern eine Erscheinung, die heute immer mehr zu einem globalen Problem wird:

Siehe, das war die Missetat Sodoms: Hochmut, Fülle von Brot und sorglose Ruhe hatte sie mit ihren Töchtern. Aber die Hand des Elenden und des Armen stärkte sie nicht. Hesekiel 16:49

Extremer Reichtum existierten hier gleichgültig neben extremer Armut. Das ist, was man heute beschönigend das "Auseinandergehen der Einkommensschere" nennt: Die Oberschicht bereichert sich rücksichtslos auf Kosten der Schwachen, seien es die Entwicklungsländer, die als Rohstofflieferanten oder "Billiglohnländer" ausgebeutet werden, oder die "Unterschicht" im eigenen Land, die man bewusst unterdrückt und niedrig hält. Dieses Phänomen wird am Ende unseres Zeitalters enorme Ausmaße annehmen - und Gott wird sich darum kümmern!

Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommt! Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind mottenfräßig geworden. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis sein wider euch und euer Fleisch fressen wie Feuer:
Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen: Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder geschnitten haben, der von euch vorenthalten ist, schreit, und das Geschrei der Schnitter ist vor die Ohren des Herrn Zebaoth gekommen. Ihr habt in Üppigkeit gelebt auf der Erde und geschwelgt; ihr habt eure Herzen gepflegt wie an einem Schlachttage. Ihr habt verurteilt, ihr habt getötet den Gerechten; er widersteht euch nicht. Jakobus 5:1-6

Diese Abstumpfung der Sinne durch hemmungsloses Schwelgen führt nur logisch dazu, dass normale Sexualität irgendwann fade und langweilig scheinen muss und perverse Praktiken erfunden wurden, um doch noch einen "Kick" zu verspüren. Die Verkommenheit Sodoms war derartig weit fortgeschritten, dass sie zum Himmel schrie. Gott selber erschien auf dem Plan, um sich der Sache anzunehmen.

Gottes Großzügigkeit

Aber er vernichtete die beiden Städte nicht aus dem Affekt, sondern gab Abraham Gelegenheit, als Fürbitter in den Riss zu treten, indem er ihm den Stand der Dinge mitteilte, Genesis 18:17ff. Es sieht so aus, als hätte Abraham Gott geschickt heruntergehandelt, doch in Wirklichkeit enthüllte Gott Abraham seine Pläne ja, um von ihm gebeten werden. Man stelle sich das Ergebnis vor: Gott versprach Abraham, das ganze Gebiet zu verschonen, solange nur zehn Gerechte darin lebten! Und das, obwohl die Sünde dieser Städte "sehr schwer" wog und das Klagegeschrei über sie "sehr groß" war. Aber Lot und seine beiden Töchter waren die einzigen, die lebend davon kamen, drei Gerechte. Sogar die Schwiegersöhne waren nicht zu überzeugen, obwohl Lot sie eindringlich überreden wollte, doch mit ihren zukünftigen Frauen zu gehen, Genesis 19:14. Zu diesem Zeitpunkt hätten seine Schwiegersöhne die Engel sogar noch mit eigenen Augen sehen können! Und selbst Lot's Frau hing mit ihrem Herzen mehr an ihren Besitztümern als an Gott und kam unterwegs um, Genesis 19:26.

Man stelle sich vor, welche Zustände in Sodom geherrscht haben müssen, wenn militante Banden von Homosexuellen ungestraft die Stadt durchstreifen und unter Androhung von Gewalt verlangen konnten, dass andere Bürger der Stadt ihnen ihre männlichen Gäste herausgeben sollten, um sie zu vergewaltigen! Was soll man da noch sagen, wenn Menschen die Boten, die Gott ihnen zu ihrer Rettung schickt, vergewaltigen wollen? Doch selbst diese Zustände hätte Gott ertragen, wenn wenigstens zehn Gerechte in diesen Städten gelebt hätten. Das dürfte ungefähr einem Promille der damaligen Bevölkerung entsprochen haben ...

Abschließend sei noch gesagt, dass das Feuer, das vom Himmel fiel, keinesfalls das endgültige Gericht über diese Menschen war. Jesus betont, dass "modernere" Städte noch mehr Chancen bekommen haben, als Sodom und Gomorrha, und dass die Menschen dieser beiden Städte beim "jüngsten Gericht" dementsprechend milder gerichtet werden:

Wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in Kapernaum geschehen sind, so wäre es bis auf den heutigen Tag geblieben. Darum wird es Sodom und Gomorrha am Tage des Gerichts erträglicher ergehen, als solchen Städten, die das Zeugnis der Apostel ablehnen. Vergleiche Matthäus 10:15; 11:23-24

Mit anderen Worten: Gott weiß, wie jeder einzelne Mensch auf Gottes Angebot reagiert hätte, und wird ihn dementsprechend behandeln. Die Vernichtung Sodoms war nicht das endgültige Gericht - das erwartet jeden Menschen erst nach seinem Tod, Hebräer 9:27 - sondern das "Ausbrennen" eines bösartigen Geschwürs, das sonst unweigerlich in der ganzen Gesellschaft weitergewuchert hätte.

 

Die zehn Plagen Ägyptens
als Beispiel für die enorme Geduld Gottes

Jahrzehnte und Jahrhunderte der Langmut!

Die Israeliten waren ungefähr vierhundert Jahre lang (!) als ethnische Minderheit in Ägypten und wurden dort als Sklaven gehalten und immer mehr unterdrückt, Genesis 15:13. Während sie ganz am Anfang dieser Zeit noch wohlwollend toleriert wurden, wuchs die Ablehnung gegen Ende hin massiv an und gipfelte in einer "Abtreibungskampagne" durch die Ägypter: Die Hebammen wurden aufgefordert, alle männlichen Kinder gleich nach der Geburt zu töten, und schließlich wurde ein Gesetz erlassen, dass alle männlichen Juden in den Nil geworfen werden sollten (Exodus 1:15-22). Wie lange würden wir uns so etwas mit ansehen, ohne einzugreifen? Nun, wir wissen, dass bereits Mose ein Opfer dieser Kampagne wurde und nur am Hofe des Pharao überlebte, weil er adoptiert wurde. Doch erst ungefähr achtzig Jahre später (!) erschien Gott ihm am Dornbusch und beauftragte ihn, die Befreiung der Israeliten einzuleiten (Exodus 7:7) - das nenne ich Geduld! Jedenfalls ist klar, dass es bei den "Plagen Ägyptens" nicht darum ging, den Ägyptern etwas anzutun, sondern die Israeliten zu befreien:

Der HERR aber sprach: Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört; ja, ich kenne seine Schmerzen. Und ich bin herabgekommen, um es aus der Gewalt der Ägypter zu erretten ... Und nun siehe, das Geschrei der Söhne Israel ist vor mich gekommen; und ich habe auch die Bedrängnis gesehen, mit der die Ägypter sie quälen. Exodus 3:7-9

Wie Gott dem Pharao entgegen kam

Er rottete nicht einfach alle Ägypter aus und gab ihr Land den Israeliten. Er wollte nur, dass die Ägypter die Israeliten gehen ließen, ihr eigenes Land und ihre eigenen Sitten durften sie behalten!

Gott schickte den Ägyptern einen ehemaligen ägyptischen Prinzen als Verhandlungsführer. Das war eine gute Voraussetzung dafür, dass die Botschaft ja gut verstanden würde und durch kulturelle Missverständnisse nicht unnötig behindert wurde.

Und er gab seinem Unterhändler Zeichen und Wunder mit auf dem Weg, um den Ägyptern unmissverständlich klar zu machen, dass es sich nicht um ein rein menschliches Begehren handelte, sondern dass Gott selber im Spiel war. Der Pharao sollte ganz klar erkennen, dass er es nicht mit einer "Friedensbewegung", sondern mit Gott persönlich zu tun hatte.

Und dann verlangte Gott am Anfang gar nicht von den Ägyptern, die Israeliten komplett zu entlassen, sondern er wollte nur, dass sie drei Tagereisen weit hinausziehen dürften, um Gott Opfer zu bringen, Exodus 3:18.

Konnte man einem unbarmherzigen Sklavenhalter noch mehr entgegenkommen? Und Gott war so fair, obwohl er schon von vorne herein wusste, dass Pharao sein Herz verhärten und gnadenlos reagieren würde - an Gott hat das Scheitern der Verhandlungen sicher nicht gelegen! Wenn hier einer versagt hat, dann Pharao und seine Berater.

Die liebevolle Abstufung der Plagen

Trotz der brutalen Unterdrückung der Israeliten durch die Ägypter stampfte Gott diese nicht einfach mit einer ersten, vernichtenden Katastrophe in Grund und Boden, sondern fing mit den harmlosesten Plagen an, die man sich vorstellen kann:

Als erstes verfärbte sich das Wasser des Nil und seiner Nebenarme "in Blut", es schmeckte ekelhaft und die Fische starben. Das kostete keinen Menschendas Leben, erinnerte aber an das Blut, das die Ägypter bereits reichlich vergossen hatten (vergleiche Offenbarung 16:6)

Als zweites kamen Frösche aus den Gewässern, was zwar unangenehm, aber immer noch harmlos ist.

Dann folgten Stechmücken, die erste Plage, die die Zauberer nicht nachahmen konnten.

... und darauf Hundsfliegen. Beides ist sicherlich ziemlich lästig, aber immer noch nicht wirklich gefährlich.

Dann folgte eine "Rinderkrankheit" und ...

... darauf ein unangenehmer Hautausschlag an Menschen und Tieren, wir würden es vielleicht "Allergie" nennen.

Dann kam ein Hagel, vor dem der Pharao durch Moses' "Wetterbericht" auch noch rechtzeitig gewarnt wurde, um den Schaden möglichst gering zu halten (Exodus 9:19). Hier wurde bereits allen, die auf Gott hörten, die Gelegenheit gegeben, der Plage zu entgehen, egal, ob Ägypter oder Israelit (Exodus 9:20)!

Dann kam eine Heuschreckenplage, die die Wirtschaft der Ägypter empfindlich traf.

Als vorletzte "Plage" eine dreitägige Finsternis, die eine ungeheure psychologische Wirkung gehabt haben dürfte, weil nun offenbar nicht mehr nur irdische, sondern sogar kosmische Kräfte mit einbezogen wurden, als Wink mit dem Zaunpfahl sozusagen, den Gott der Himmel nicht weiter zu reizen.

Nachdem Gott somit alle Register gezogen hatte, der Pharao aber trotzdem stur blieb und die Israeliten weiterhin unterdrückte, was blieb Gott anderes übrig, als eine noch heftigere Maßnahme zu ergreifen? Und wieder kündigte Gott sie vorher an und gab jedem, der ihm glaubte, die Gelegenheit, verschont zu werden: Wer das Blut eines Lammes an seine Türpfosten strich, dessen Erstgeborener wurde gerettet. Hatten die Ägypter nicht Zeit und Gelegenheit genug gehabt, zu lernen, dass das Wort Mose ernstzunehmen war?

Doch die Verstockung der Ägypter hatte ein Ausmaß erreicht, das wir uns heute vielleicht nur deshalb einigermaßen vorstellen können, weil sie bei uns inzwischen ähnlich groß ist: Manche Menschen sind eher bereit, zu sterben oder ihre Kinder zu opfern, als von ihrem egostischen Lebensstil abzulassen.

Man bedenke, dass Gott sich bei jeder der vorhergehenden Plagen

immer wieder erbitten ließ

und zeichenhaft auf das Gebet Mose hin Erleichterung kam.

Der "Dank" dafür war jedesmal Rückkehr in den alten Hochmut

und in die Rebellion gegen Gottes gerechte Forderungen!

Der "Gipfel der Sturheit" ...

... aber war, dass die absolute Supermacht der damaligen Zeit ihre Streitwagen einer Horde frisch befreiter Sklaven nachjagte, die auf dem Weg in ein anderes Land waren. "Nicht um’s Verrecken" wollte der Pharao diesen Ausländern die Freiheit gönnen, und so machte er sich zu einem Vernichtungsfeldzug auf, obwohl übernatürliche Zeichen wie eine Rauch- und Feuersäule die Israeliten begleiteten und jedem, der einigermaßen bei Verstand war, klarmachten, dass Gott selber es war, der die Freiheit der Israeliten wollte! Tatsächlich wurde der Vernichtungsfeldzug der Armee des Pharao dann ein voller Erfolg - nur nicht so, wie von den meisten erwartet:

Mit ihrer Anmaßung, den Israeliten durch das gespaltene Meer zu folgen, zwangen die hochgerüsteten Ägypter Gott geradezu, sein Volk in letzter Sekunde vor dem rastlosen Hass ihrer Feinde zu retten und das Wasser zurückkehren zu lassen. Wie Lemminge im Massenwahn hatten die Ägypter sich ins Meer gestürzt - nun versanken sie in dem Morast, in den sie sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes "hineingeritten" hatten, Exodus 14.

Der "Plagen Ägyptens" waren also absolut nicht willkürliche Strafen eines jähzornigen Gottes, sondern eine von langer Hand vorbereitete Befreiungsaktion, in der wehrlose Geiseln nach Jahrzehnten des Wartens und erst nach Einsatz aller Verhandlungsmittel aus der Gewalt grausamer Sklavenhalter befreit wurden. Eine Vernichtung des ganzen ägyptischen Volkes wäre durchaus "drin" gewesen, Exodus 9:15, doch Gott führte die Befreiung mit den geringstmöglichen Verlusten an Menschenleben durch und setzte gleichzeitig ein wichtiges Beispiel für die Zukunft:

 

Gott ist bereit und dazu in der Lage,
auch Supermächte in die Knie zu zwingen,
wenn es um die Freiheit und das Wohlergehen seines Volkes geht.

Gott ist sehr geduldig - aber konsequent.

Wer meint, ihn verspotten zu können,
wird auf lange Sicht merken, dass er sich getäuscht hat.

 

 

Exkurs: Die Verstockung des Pharao

Wo bleibt da die Willensfreiheit!?

Immer wieder wird der Einwand vorgebracht, der Pharao hätte ja gar keine Wahl gehabt, denn schließlich habe Gott ja sein Herz verstockt, was im Text auch immer wieder bestätigt wird:

Und der HERR verhärtete das Herz des Pharao, und er hörte nicht auf sie, so wie der HERR zu Mose geredet hatte. Exodus 9:12, ähnlich Exodus 10:20,27; 11:10; 14:8

Welche Chance hatte der Pharao, wenn Gott schon von vorne herein sagte, er würde ihn verstocken? Waren die Plagen eine unfaire Show, die Gott abzog, ein abgekartetes Spiel mit gezinkten Karten, bei dem der Verlierer von Anfang an fest stand? Wie kann Gott einen Menschen oder ein Volk zur Verantwortung ziehen, wenn sie scheinbar gar nichts am Verlauf der Dinge ändern können? Dies ist ein enorm wichtiges Thema, das sich bei weitem nicht nur auf den Pharao beschränkt, sondern durch die ganze Bibel zieht und die gesamt Menschheit betrifft, sowohl ganze Völker und Nationen, als auch jeden einzelnen persönlich. Darum wollen wir es im Folgenden genauer betrachten.

Vorher-Wissen und Vorher-Bestimmung

Aber ich weiß wohl, dass der König von Ägypten euch nicht ziehen lassen wird, auch nicht durch eine starke Hand gezwungen. Deshalb werde ich meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit all meinen Wundern, die ich in seiner Mitte tun werde. Danach erst wird er euch ziehen lassen. Exodus 3:19-20

Hier sind wir ganz am Anfang, noch vor dem Beginn der Befreiungsaktion. Da Gott als Schöpfer über der ganzen Schöpfung und deren Zeit steht, weiß er "im voraus", wie die Geschöpfe reagieren werden. Das schließt deren Freiheit zu eigenverantwortlichen Entscheidungen nicht aus. Vielleicht kann man es am besten mit einem Beispiel aus der heutigen Zeit erklären:

Stelle dir vor, du filmst einen Marktplatz von oben und zeichnest auf, was die einzelnen Menschen dort unten tun. Dann führst du diesen Film jemandem vor, der nicht dabei war. Du kannst nun "vorhersagen", was diese oder jene Person als nächstes tun wird, weil du alles schon "gesehen" hast und somit quasi über der Zeit stehst. Dennoch wird wohl niemand auf die Idee kommen, die Personen in dem Film hätten zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht die Freiheit gehabt, das zu tun, was sie wollten oder sie seien deswegen "vorherbestimmt" gewesen.

Eine echte Chance für Pharao

So wusste Gott vorher, dass Pharao Israel niemals freiwillig ziehen lassen würde, sondern erst nach einer ganzen Reihe von Gerichten. Aufgrund dieses Vorherwissens handelte Gott dann entsprechend. Dennoch ließ den Pharao nicht "chancenlos", sondern gab ihm reichlich Gelegenheit und Gründe, umzukehren. Im Gegenteil, Gott zog alle Register, damit niemand behaupten können würde, Pharao sei ungerecht behandelt worden. So schärfte er Mose ein, ja auch alle Zeichen vor Pharao zu tun, damit dieser eine echte Chance zur Einsicht bekäme:

Und der HERR sprach zu Mose: Wenn du hinziehst, um nach Ägypten zurückzukehren, so sieh zu, dass du alle die Wunder, die ich in deine Hand gelegt habe, vor dem Pharao tust. Exodus 4:21

Jedem seine Medizin!

Wir haben auch bereits gesehen, wie sehr Gott dem Pharao entgegenkam, um ihm ein Einlenken zu erleichtern und zu ermöglichen. Doch andererseits ist klar, dass auch Gott seinerseits auf die Haltung des Pharao reagiert, wie ein guter Richter die Bereitschaft der Menschen zur Umkehr in sein Urteil mit einbezieht. Hier begegnen wir einem Wesenszug Gottes, der für alle Menschen von größter Bedeutung ist:

Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. Jakobus 4:6

Es ist ein Geschenk Gottes an jeden Menschen, wenn er ihn erkennen lässt, dass er auf dem Holzweg ist. Dadurch kann er umkehren und läuft nicht in sein Verderben. Lässt jemand sich aber nicht von Gott warnen, dann verstrickt er sich immer tiefer in seine Widerspenstigkeit und muss schließlich die bitteren Früchte seines Weges essen.

Eine Gefahr ist, dass Menschen immer so weit mit ihrem Sündigen gehen, wie sie die Folgen gerade noch ertragen können. Auf diese Art und Weise schlittern sie immer nahe am Abgrund dahin, ohne je wirklich umzukehren. So schweben sie ständig in der Gefahr, verloren zu gehen. Ihnen muss Gott klarmachen, dass sie die Folgen ihres Handelns eben nicht wirklich überschauen und auch nicht wirklich steuern können. Es geht ihnen dann wie dem Alkoholiker, der sich durchaus freiwillig entscheidet, die erste Flasche Bier zu trinken. Doch dann ist es aus, die zweite, dritte, vierte ... zehnte muss er quasi trinken. Das Gute daran ist, dass er hoffentlich am nächsten Tag einen fürchterlichen Kater hat - und sich hoffentlich entschließt, sofort mit dem Trinken aufzuhören, und nicht erst nach acht oder zehn Jahren, wenn er bereits seine Familie zerstört, seine Arbeit verloren und seine Gesundheit ruiniert hat. Also ist selbst die Reaktion Gottes, hartnäckige Sünder noch mehr zu verhärten, nicht aus Rachsucht geboren, sondern es ist eben seine letzte Therapie für "harte Fälle".

Man könnte Gott auch mit einem Vater vergleichen, dessen Sohn sich jede Nacht herumtreiben will, um dann spät morgens ins weiche Bett heimzukehren und das Frühstück zu genießen. Ihm sagt er: Mach ganze Sache. Entweder, du bist abends pünktlich zu Hause und bekommst ein Bett und ein Frühstück, oder du treibst dich herum - dann suche dir aber auch eine andere Bleibe. Mit anderen Worten: Bleibe nicht nur bis vier Uhr morgens weg, sondern ganz! Gott weigert sich, durch falsche Milde chronische Herumtreiber zu züchten. Statt dessen lässt er die Menschen oft einmal die Konsequenzen ihres Handelns spüren - damit sie zur Einsicht und wieder zurück zu Gott und in den Bereich von Schutz und Segen kommen!

 

Menschen, die schneller "kapitulieren",
müssen keinen langen "Krieg" mit Gott ausfechten.
Bei hartnäckigen Sündern muss Gott leider
"stärkere Geschütze" auffahren,
bis sie erkennen,
dass sie nicht so weitermachen können wie bisher.

Gleiches Recht für alle!

Gott war dabei nicht parteiisch für Israel oder Mose und gegen dessen Feinde, sondern zog sehr wohl auch Mose zur Verantwortung. Den Ernst seiner Botschaft an Pharao bekam Mose am eigenen Leibe zu spüren:

Und du sollst zu dem Pharao sagen: So spricht der HERR: Mein Sohn, mein erstgeborener, ist Israel. Und ich sage zu dir: Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir diene! Und weigerst du dich, ihn ziehen zu lassen, siehe, so werde ich deinen Sohn, deinen erstgeborenen, töten.
Und es geschah auf dem Wege, in der Herberge, da fiel der HERR (!) ihn an und suchte ihn zu töten!
(Warum? Weil er seinen Sohn nicht, wie seit dem Bund mit Abraham Pflicht, beschnitten hatte:)
Da nahm Zippora einen scharfen Stein und schnitt die Vorhaut ihres Sohnes ab und warf sie an seine Füße und sprach: Fürwahr, du bist mir ein Blutbräutigam! Da ließ er von ihm ab. Exodus 4:22-26

Während Gott den Ägyptern zu Leibe rückte, weil sie die Israeliten jahrzehntelang unterdrückten, quälten und umbrachten, geriet Mose schon in Lebensgefahr, "nur" weil er seinen Sohn nicht beschnitten hatte. Aber er wusste, dass dies seine Pflicht war, und dass Lebensgefahr bestand, wenn er sie nicht erfüllte, weil es Bestandteil eines uralten Bundes war:

Und Gott sprach zu Abraham: Und du, du sollst meinen Bund halten, du und deine Nachkommen nach dir, durch ihre Generationen! Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt, zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir: alles, was männlich ist, soll bei euch beschnitten werden ... Das wird das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch.
Ein unbeschnittener Männlicher aber, der am Fleisch seiner Vorhaut nicht beschnitten ist, diese Seele soll ausgerottet werden aus ihrem Volk; meinen Bund hat er ungültig gemacht! Genesis 17:8-14

Wem viel gegeben ist, von dem verlangt Gott auch viel, Lukas 12:48! Und die spätere Geschichte zeigt, dass Gott sowohl Mose als auch das Volk Israel, insbesondere in ihrer Wüstenzeit, konsequent zur Rechenschaft zog, wenn sie bewusst gegen ihn sündigten.

Nur eine kleine Bitte an den Pharao ...

Als erstes ging Mose zum Pharao hinein und bat um die Erlaubnis, dem HERRN in der Wildnis zu opfern. Hier ist nicht davon die Rede, dass Gott den Pharao verhärtete, sondern er selber reagierte auf dieses Ansinnen, indem er die Israeliten noch mehr unterdrücken und arbeiten ließ, Exodus 5!

Der Pharao aber antwortete ihnen: Wer ist der HERR, daß ich auf seine Stimme hören sollte, Israel ziehen zu lassen? Ich kenne den HERRN nicht und werde Israel auch nicht ziehen lassen ...
Und der Pharao befahl am gleichen Tag den Antreibern des Volkes: Ihr sollt dem Volk nicht mehr wie bisher Häcksel zur Anfertigung der Ziegel liefern! Sie sollen selbst hingehen und sich Häcksel sammeln! ... Denn sie sind faul; darum schreien sie: Wir wollen hinziehen, wir wollen unserm Gott opfern! Die Arbeit soll schwer auf den Männern lasten, damit sie daran zu schaffen haben und nicht auf trügerische Reden achten. Exodus 5:2,6-9

Auf diese heftige Weigerung Pharaos, auch nur daran zu denken, den seit Jahrzehnten unterdrückten Sklaven mehr Freiheit zu geben, reagierte Gott mit folgenden Worten:

Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao antun werde. Denn durch eine starke Hand gezwungen, wird er sie ziehen lassen, ja, durch eine starke Hand gezwungen, wird er sie aus seinem Land hinausjagen. Exodus 6:1

Pharaos Hartnäckigkeit war also das Startsignal für Gottes nächsten Schritt. Dieser bestand nicht etwa in einer Plage, sondern darin, dass er dem Pharao durch Mose und Aaron ein Zeichen gewährte: Ihr Stab wurde vor den Augen des Pharao zu einer Schlange, Exodus 7:9-19. Das hätte ihn eigentlich überzeugen müssen, doch hier kommt die Verhärtung ins Spiel, die Gott unmittelbar vor dieser Aktion angekündigt hatte ...

Wie "funktioniert" die Verhärtung?

Ich aber will das Herz des Pharao verhärten und meine Zeichen und Wunder im Land Ägypten zahlreich machen. Exodus 7:3

Wie kam es zu dieser Verhärtung? Anstatt sich beindrucken zu lassen, sann Pharao auf eine Gegenmaßnahme. Er suchte Rat und Hilfe bei seinen Ratgebern und Zauberern:

Da rief auch der Pharao die Weisen und Zauberer; und auch sie, die Wahrsagepriester Ägyptens, machten es ebenso mit ihren Zauberkünsten, sie warfen jeder seinen Stab hin, und es wurden Schlangen daraus. Exodus 7:11-12

Eigentlich hätte es keinerlei Zeichens bedurft, um den Pharao davon zu überzeugen, dass es ungerecht und grausam war, seine Sklaven so zu behandeln, wie er es seit vielen Jahren tat. Sein eigenes Gewissen hätte es ihm sagen müssen. Dennoch gewährte Gott ihm ein Zeichen, das allerdings nichts änderte. Hier bestätigt sich eine alte Lebenserfahrung: Wer seine Augen vor der Wahrheit verschließt, kann selbst am hellen Tag die Sonne nicht sehen. Oder mit anderen Worten:

Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht. Lukas 16:31

So beschwichtigte Pharao sein Gewissen mit dem Gedanken, dass das Zeichen von Mose und Aaron doch so "toll" nicht war, wenn seine Zauberer es auch einigermaßen zustande brachten. Zwar verschlang Aarons Stab die Stäbe der Zauberer, was ein weiteres Zeichen war (!), aber Pharao hatte dennoch das Gefühl, ihnen Paroli bieten zu können. Hauptsache, der "Trick" mit den Stöcken und Schlangen war "geklärt", auf Details brauchte man dann wohl nicht mehr zu achten:

Und Aarons Stab verschlang ihre Stäbe. Doch das Herz des Pharao wurde verstockt (hebräisch wörtlich: chazaq im Qal = erstarkte, wurde fest), und er hörte nicht auf sie, wie der HERR geredet hatte. Und der HERR sprach zu Mose: Das Herz des Pharao ist verstockt (hebräisch: kabed = schwer, mächtig). Er weigert sich, das Volk ziehen zu lassen. Exodus 7:13-14

Interessant sind die Worte, die hier gebraucht werden. Als erstes wird das Herz des Pharao wieder stark, fest. Wahrscheinlich hatte das Zeichen Mose zuerst an seinem Selbstbewusstsein gekratzt, doch nun fühlte er sich in seiner Überzeugung "bestärkt". Das hebräische Verbum chazaq bedeutet einfach "stark, fest sein" und steht hier im Aktiv: Pharao blieb also selber "fest" und wurde nicht von Gott direkt verhärtet.

Das zweite Wort, kabed = schwer, mächtig sein, bezeichnet die "Schwerfälligkeit" Pharao's, umzudenken, steht aber auch für "Gewichtigkeit", also die Macht und den Rang einer Person. Es ist außerdem ein Wortspiel, denn es wird auch in Exodus 5:9 gebraucht, um die Schwere des Dienstes zu bezeichnen, die Pharao den Israeliten aufbürdete. Stellt sich nur die Frage: Was war denn dann der Anteil Gottes an dem fälschlichen Erstarken Pharaos?

Wenn Menschen in die Irre gehen wollen

Es gibt aus der späteren Geschichte Israels eine Steigerung desselben Schicksals, dem auch der Pharao erlag. Es gab einen König, der seine - falschen! - Profeten befragte, ob er in einen bestimmten Krieg ziehen sollte. Alle profezeiten ihm einhellig Erfolg, doch der König von Juda, der mit ihm gehen sollte, wurde misstrauisch und wollte, dass auch ein Profet des HERRN zu Wort kommen sollte. Die Reaktion des eigenwilligen Königs von Israel war klassisch:

Einen Mann gibt es noch, durch den man den HERRN befragen könnte. Aber ich hasse ihn, denn er weissagt nichts Gutes über mich, sondern nur Böses: es ist Micha, der Sohn des Jimla. 1.Könige 22:7-8

Er wusste also also genau, was Sache war, wer wirklich im Namen des HERRN sprach, wollte es aber nicht hören! Dennoch holte man Micha, versuchte jedoch schon unterwegs, ihn auf dieselbe Linie zu bringen wie all die anderen Profeten:

Der Bote aber, der hingegangen war, Micha zu rufen, redete zu ihm und sagte: Sieh doch, die Worte der Propheten sind einstimmig gut für den König. Lass doch dein Wort sein wie das Wort eines von ihnen und rede Gutes! Micha aber sagte: So wahr der HERR lebt - nur, was der HERR mir sagen wird, das werde ich reden! 1.Könige 22:13-14

Und jetzt kommt das Erstaunliche:

Und als er zum König kam, sagte der König zu ihm: Micha, sollen wir nach Ramot in Gilead in den Kampf ziehen, oder sollen wir es lassen? Da sagte er zu ihm: Zieh hinauf und führe Israel zum Sieg! Denn der HERR wird es in die Hand des Königs geben.
Der König aber sagte zu ihm: Wievielmal muss ich dich beschwören, dass du im Namen des HERRN nichts zu mir redest als nur Wahrheit?
Da sagte er: Ich sah ganz Israel auf den Bergen zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und der HERR sprach: Diese haben keinen Herrn, sie sollen in Frieden zurückkehren, jeder in sein Haus.
Da sagte der König von Israel zu Joschafat: Habe ich dir nicht gesagt, er weissagt nichts Gutes über mich, sondern nur Böses? 1.Könige 22:15-17

Micha tat, was der König wollte: Er "bestärkte" ihn in seiner Meinung. Doch nun kam heraus, dass der König die Wahrheit sehr wohl selber ahnte, und die Situation wurde grotesk:

Der König, der die Wahrheit nicht hören will, merkt,
dass der Prophet, der sonst immer die Wahrheit sagt,
diesmal nicht die Wahrheit sagt -
und beschwört ihn, doch die Wahrheit zu sagen ...

Doch als er sie dann zu hören bekommt, bricht es wie ein Triumpf aus ihm hervor:

Da sagte der König von Israel zu Joschafat: Habe ich dir nicht gesagt, er weissagt nichts Gutes über mich, sondern nur Böses? 1.Könige 22:18

Jetzt ist es heraus: Für den König ist der letztgültige Maßstab von "Wahrheit" seine eigene Person. Was nicht "gut für ihn" ist, was ihm "gegen den Strich" geht, will er weder hören noch tun! Doch Gott gibt ihm noch eine letzte Chance und offenbart ihm, was wirklich und hinter den Kulissen abläuft, welche Falle ihm gestellt wurde:

Und Micha sprach: Darum höre das Wort des HERRN! Ich sah den HERRN auf seinem Thron sitzen, und das ganze Heer des Himmels (zu dem auch Satan Zugang hat, Hiob 1:6) stand um ihn, zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Und der HERR sprach:
Wer will Ahab betören, dass er hinaufzieht und bei Ramot in Gilead fällt? Und der eine sagte dies, und der andere sagte das. Da trat der Geist hervor und stellte sich vor den HERRN und sagte: Ich will ihn betören. Und der HERR sprach zu ihm: Womit? Da sagte er: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein im Mund aller seiner Profeten. Und er sprach: Du sollst ihn betören und wirst es auch können. Geh aus und mache es so!
Und nun, siehe, der HERR hat einen Lügengeist in den Mund all dieser deiner Profeten gegeben, denn der HERR hat Unheil über dich geredet. 1.Könige 22:19-23

Wenn Gott die Lüge von der Leine lässt: Jannes und Jambres

Gottes Gericht über Menschen, die die Wahrheit absolut nicht erfahren wollen, ist, dass er ihnen das gibt, was sie wollen, nämlich die Lüge. Das hat sich nie geändert, sondern wird in unserer Zeit in Vollendung geschehen, wenn nämlich das falsche Christentum und der falsche Messias zur Blüte kommen. Der Grund für seine große Macht ist derselbe:

Er, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt: mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit - für die, welche verloren gehen, dafür, dass sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 1.Thessalonicher 2:9-12

Genau das war auch bei Pharao der Fall: Er hatte Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit gefunden, die Israeliten zu unterdrücken und auszubeuten. Diesen "Gewinn" wollte er sich nicht entgehen lassen, komme, was da wolle. Solchen Menschen entzieht Gott seinen Schutz, und dann können Lügengeister sich ihrer bemächtigen und sie in die Irre führen. Und wenn sie selber schon um keinen Preis auf die Wahrheit hören wollen, so dient ihr Scheitern wenigstens doch noch den Übrigen der Menschen als abschreckendes Beispiel:

Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott.

Sie haben eine Form der Gottseligkeit, aber deren Kraft verleugnen sie.

Und von diesen wende dich weg! Denn von diesen sind die, die sich in die Häuser schleichen und lose Frauen verführen. Sie sind mit Sünden beladen und werden von mancherlei Begierden getrieben:

Ständig lernen sie und können doch niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen!

Auf die Weise aber wie Jannes und Jambres (zwei der Zauberer des Pharao!) Mose widerstanden, so widerstehen auch sie der Wahrheit, Menschen, verdorben in der Gesinnung, im Blick auf den Glauben unbewährt. Sie werden aber nicht weiter vorwärtskommen, denn ihr Unverstand wird allen offenbar werden, wie es auch bei jenen der Fall war. 2.Timotheus 3:1-9

 

Die Eroberung Kanaans

Gottes "Grundgesetz" für alle Nationen auf diesem Planeten

Die ganze Erde gehört Gott, denn er hat sie geschaffen, Psalm 24. Es ist also nur recht und billig, dass er ein winziges Fleckchen dieser Erde für seine Zwecke beansprucht. Israel ist dieses einzige "heilige", das heißt "für Gottes Zwecke reservierte" Land der Erde. Schon früh hat Gott beschlossen, dieses Land mit Nachfahren Abrahams zu besiedeln:

Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinen Nachkommen für ewig. Genesis 13:15

Gott meinte dabei jedoch nicht nur Menschen, die körperlich von Abraham abstammen, sondern die zugleich auch in dem selben Geist des Vertrauens und der Selbstlosigkeit leben:

Erkennt daraus: Die aus Glauben sind, die sind Abrahams Söhne! Galater 3:7

Sein Gedanke dabei war nicht, dabei die umliegenden Völker leer ausgehen zu lassen, sondern im Gegenteil, Abraham und seine Nachkommen sollten ein Segen für die ganze Welt werden:

Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! Genesis 12:2-3

Alle Völker sollten also von dem profitieren, was Gott in und mit Israel tun würde. Gott setzte diesen Plan jedoch nicht spontan in die Tat um, sondern gewährte eine Frist von sage und schreibe vierhundert Jahren, mit der Begründung:

Denn die Ungerechtigkeit der Amoriter ist bis hierher noch nicht voll Genesis 15:16

Gott gab den Völkern, die in seinem (!) Land wohnten, also eine jahrhundertelange Frist, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Und er bevorzugte nicht willkürlich eine Rasse, sondern er wandte nur ein und dasselbe Recht an, das für die ganze Erde gilt:

Jede Nation, die offen Götzen anbetet,
Kinder diesen Götzen opfert
und sexuelle Perversion zum nationalen Recht erklärt,
wird von Gott aus ihrem Land vertrieben.

Gott warnte auch die Israeliten, dass dies der Grund war, warum er die Völker vor ihnen vertrieb. Und wenn sie in gleicher Weise sündigten, würde ihnen dasselbe Schicksal widerfahren:

Macht euch nicht unrein durch all dieses! Denn durch all dieses haben die Nationen sich unrein gemacht, die ich vor euch vertreibe (hebräisch: schalach = (weg-)senden). Und das Land wurde unrein gemacht, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, und das Land spie seine Bewohner aus. Ihr aber, ihr sollt meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen halten, und ihr sollt nichts tun von all diesen Greueln, der Einheimische und der Fremde, der in eurer Mitte als Fremder wohnt - denn all diese Greuel haben die Menschen des Landes getan, die vor euch da waren ... - damit das Land euch nicht ausspeit, wenn ihr es unrein macht, ebenso wie es die Nation ausgespieen hat, die vor euch da war. Leviticus 18:24-28

Nicht Ausrottung, sondern Vertreibung war der Wille Gottes!

Man beachte, dass Gott immer wieder von "Vertreibung" spricht. Sein Ziel war nicht die Vernichtung der ansässigen Völker, sondern seinem Volk einen unverdorbenen Wohnraum zu schaffen, damit sie sich nicht immer wieder neu bei den verdorbenen Einwohnern "ansteckten". Es hätte also genügt, dass die verdorbenen Völker auswanderten:

Und ich werde die Panik vor dir hersenden, dass sie vor dir vertreibe die Hewiter, die Kanaaniter und die Hethiter. Nicht in einem Jahre werde ich sie vor dir vertreiben, damit nicht das Land eine Wüste werde und das Getier des Feldes sich wider dich mehre. Nach und nach werde ich sie vor dir vertreiben, bis du fruchtbar bist und das Land besitzest ... Denn ich werde die Bewohner des Landes in deine Hand geben, dass du sie vor dir vertreibst. Du sollst mit ihnen und mit ihren Göttern keinen Bund machen. Sie sollen nicht in deinem Lande wohnen, damit sie dich nicht gegen mich sündigen machen. Denn du würdest ihren Göttern dienen, denn es würde dir zum Fallstrick sein. Exodus 23:27-33

Gott gab den Völkern nicht nur jahrelang Zeit, den Israeliten auszuweichen, er tat bereits beim Einzug ins Land ein Wunder, die zweitweise Austrocknung des Jordan, um allen zu signalisieren, dass hier Gott im Spiel war. Die Sache mit dem Auszug aus Ägypten war für die Kanaaniter inzwischen "Allgemeinwissen". Dementsprechend hätte ihnen von Anfang an klar sein müssen, mit wem sie es zu tun hatten, Josua 2:10-11; 5:1. Aber wenn ein Volk sich nicht vertreiben lassen wollte, was blieb den Israeliten anderes übrig, als es zu bekämpfen?

Keine Bevorzugung der Israeliten

Dabei betonte Gott, dass er unparteiisch ist: Als er Josua erschien und dieser ihn fragte, ob er für Israel oder deren Gegner sei, antwortete er:

Nein (= weder noch!), sondern als der Oberste des Heeres des HERRN der Heerscharen bin ich gekommen! Josua 5:13-14

Tatsächlich blieb die Prostituierte Rahab, die Gott fürchtete, am Leben und wurde sogar eine Vorfahrin des Messias, Josua 6:25; Matthäus 1:5. Achan wiederum, ein Israelit, der sich an der Beute vergriff, wurde samt seiner Familie vor den Augen von ganz Israel bestraft, Josua 7:20ff!

Der erste "Gottes-Staat" der Welt

Ziel der Neubesiedlung des heiligen Landes war, eine Art "Musterstaat" und "Brückenkopf" auf Erden zu errichten. Der erste "Gottesstaat" auf Erden sollte (und soll!) in Israel entstehen, und alle Völker sollten sehen, wie es ist, Gott als "Präsidenten" zu haben und Apostel als seine "Minister": Bis heute erinnert die Inschrift über unseren Kreuzen, INRI = Jesus von Nazareth Rex Judaorum = König der Juden, daran, dass der Messias erst wieder auf die Erde zurückkommen wird, wenn die Juden ihn als ihren König annehmen, Matthäus 23:39. Israel wird dann zu Gottes heiligem Land, von dem viele Nationen bereitwillig lernen werden, ja, es wird letztlich sogar das Regierungszentrum der ganzen Welt:

Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN feststehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen.
Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns aufgrund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Nationen und für viele Völker Recht sprechen. Jesaja 2:2-4.

In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der Nationen ergreifen, ja, ergreifen werden sie den Rockzipfel eines jüdischen Mannes und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist. Sacharja 8:23

Kein Wunder, dass Satan diesen Präzedenzfall mit aller Macht verhindern will und versucht, alle Menschen gegen diese "neue Weltordnung" aufzuhetzen, um seine eigene aufzurichten. Aufgrund von Verblendung sehen viele Menschen heute die Vertreibung der götzendienerischen Völker zur Zeit der Eroberung Kanaans als rassistische Grausamkeit an. In Wirklichkeit war sie damals jedoch eine unvermeidbare Maßnahme, die letztlich auf die Rettung und Segnung aller Völker abzielte - auch derer, die zu diesem Zweck vertrieben werden mussten! Hoffentlich stellen wir uns nicht Gott und seinen Plänen mit seinem Volk in den Weg, denn Gott wird uns dafür zur Rechenschaft ziehen:

Wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln und sie ins Tal Joschafat hinabführen. Und ich werde dort mit ihnen ins Gericht gehen wegen meines Volkes und meines Erbteils Israel, das sie unter die Nationen zerstreut haben. Und mein Land haben sie geteilt und über mein Volk das Los geworfen; und einen Jungen gaben sie für eine Hure und ein Mädchen verkauften sie für Wein und tranken. Joel 4:1-3 Vergleiche Matthäus 25:31ff!

 

Israel im Zentrum der Weltgeschichte

In der Urzeit führt der "Stammbaum der Himmel und der Erde", Genesis 2:4, über Abraham und Isaak zu Jakob, der später "Israel" genannt wird. Das ganze Alte Testament hindurch steht dieses Volk im Mittelpunkt des Interesses. Die umliegenden Völer werden fast nur dann erwähnt, wenn sie Einfluss auf Israel haben. Bis dahin waren Adam, Noah und Abraham als Einzelpersonen auserwählt worden, nun war ein ganzes Volk berufen, sich unter Gottes Herrschaft zu stellen.

Gott führte Israel in ein für sie reserviertes Land und warnte sie ausdrücklich davor, in denselben Götzendienst zu verfallen wie die Einwohner, die vorher darin lebten. Sollten sie es dennoch tun, drohte er ihnen an, sie aus dem Land zu vertreiben und sie unter allen Nationen der Erde zu zerstreuen, wo sie viele Jahre lang ohne eigenen Staat existieren sollten: Doch nach langer Zeit, eben am "Ende der Tage" will er sie wieder in ihr Land bringen, wo sie ihn nach weiteren Kämpfen und einer großen Trübsal endlich erkennen und annehmen werden. Die Prophetien über die Zerstreuung Israels sind tatsächlich und buchstäblich eingetroffen, mit der Gründung des Staates Israel hat ihre Sammlung aus allen Nationen eine neue Ebene erreicht.

Wenn ihr im Lande alteingesessen seid und zu eurem Verderben handelt und euch ein Götterbild macht und tut, was böse ist in den Augen des HERRN, so rufe ich heute den Himmel und die Erde als Zeugen gegen euch auf, dass ihr mit Sicherheit schnell weggerafft werdet aus dem Land. Ihr werdet eure Tage darin nicht verlängern, sondern völlig vernichtet werden.
Und der HERR wird euch unter die Völker zerstreuen, und ihr werdet übrigbleiben, ein geringes Häuflein unter den Nationen, wohin der HERR euch führen wird ...
Dann werdet ihr von dort aus den HERRN, deinen Gott, suchen. Und du wirst ihn finden, wenn du mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen wirst. Wenn du in Not bist und wenn alle diese Dinge dich getroffen haben am Ende der Tage, wirst du zum HERRN, deinem Gott, umkehren und auf seine Stimme hören. Denn ein barmherziger Gott ist der HERR, dein Gott. Er wird dich nicht aufgeben und dich nicht vernichten und wird den Bund deiner Väter nicht vergessen, den er ihnen geschworen hat.
5.Mose 4:26-31, ebenso 5.Mose 31:29-32:43

Denn die Söhne Israel bleiben viele Tage ohne König und ohne Oberste, ohne Schlachtopfer und ohne Gedenkstein und ohne Ephod und Teraphim. Danach werden die Söhne Israel umkehren und den HERRN, ihren Gott, aufsuchen und David, ihren König. Und sie werden sich bebend zum HERRN wenden und zu seiner Güte am Ende der Tage. Hosea 3:4-5

Israel"s Geschichte als Paradebeispiel

Als Paradebeispiel für Gottes Wirken soll uns hier die Geschichte des Volkes Israel dienen, die ein Hauptgegenstand des Alten und Neuen Testamentes ist. Wir können sie bis in die Gegenwart hinein verfolgen.

Schon bevor die Israeliten in das Land kamen, hatte Gott ihnen die Zukunft vorausgesagt. Würden sie den materialistischen Götzen dienen, wie all die anderen Völker das für normal hielten, dann würden sie wieder aus dem Land vertrieben werden. Sie sollten aber als Volk nicht untergehen, sondern unter fremden Völkern leben. Die Zeit dieser sogenannten "Zerstreuung" sollte sehr lange dauern, und Israel würde mit ständiger Ablehnung und Verfolgung zu kämpfen haben. Doch schließlich würde Gott sie wieder in ihr ursprüngliches Land zurückbringen, und zwar sowohl gegen äußere Widerstände, als auch gegen Widerstände der Juden selber, die mit aller Kraft versuchen würden, "zu sein wie die übrigen Nationen", Hesekiel 20:32. Von vielen Bibelstellen seien hier nur zwei angeführt:

Und der HERR wird dich unter alle Völker zerstreuen von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde. Und unter jenen Nationen wirst du nicht ruhig wohnen, und deine Fußsohle wird keinen Rastplatz finden. 5.Mose 28:64ff

Dann wird der HERR, dein Gott, dein Geschick wenden und dich wieder sammeln aus all den Völkern. Wenn deine Verstoßenen am Ende des Himmels wären - selbst von dort wird der HERR, dein Gott, dich sammeln, und von dort wird er dich holen. aus 5.Mose 30:3-4

Zahlreiche andere Texte der hebräischen Bibel haben die Vertreibung und spätere Rückführung der Juden aus vielen Nationen zum Inhalt. Sie alle wurden Jahrhunderte vor der Vertreibung der Juden aus Israel im Jahre 70 nach Christus geschrieben. So steht fest, dass es spektakuläre Prophezeiungen sind, die bis in die Einzelheiten hinein eintreffen, in einer Art und Weise, die in der Weltgeschichte einmalig ist:

Welche andere Nation hat über fast 2000 Jahre hinweg ihre Identität inmitten fremder Völker behalten, ist dann in ihr ursprüngliches Land zurückgekehrt, hat ihre über viele Jahrhunderte nicht mehr gebrauchte (!) Sprache "wiederbelebt" usw.? All dies, was noch vor hundert Jahren kaum jemand überhaupt für möglich gehalten hätte, hat sich innerhalb weniger Jahre und Jahrzehnte, in der jüngsten Geschichte ereignet.Jetzt kann man all diese Ereignisse "logisch" deuten. Im Nachhinein ist jedes für sich nachvollziehbar und mehr oder weniger erklärbar. Seltsam ist nur, dass alles schon vor Jahrtausenden vorhergesagt wurde und nun scheinbar "natürlich" eintrifft, während es damals undenkbar schien. Dabei ist für Israel "normaler" Geschichtsverlauf mit "wunderbar" erscheinenden Ereignissen verwoben:

Israel hatte und hat wie alle anderen Nationen mit Problemen wie Inflation, Arbeitslosigkeit, Korruption usw. zu kämpfen. Andererseits gleicht zum Beispiel die Neugründung des Staates einem Wunder. Im Jahre 1948 wurde er von den wenigen Hunderttausend Juden ausgerufen, die im Lande lebten. Die erste Reaktion war, dass die umgebenden Staaten mit Zig-Millionen Einwohnern dem nahezu unbewaffneten Israel den Krieg erklärten. Trotzdem wurde Israel nicht innerhalb weniger Tage dem Erdboden gleichgemacht, sondern besteht bis heute. Inzwischen sind hunderttausende von Juden aus allen möglichen Ländern zurückgekehrt, insbesondere aus dem "Land des Nordens", Russland.

Als nächstes beginnt heraufzudämmern, was andere, alte Texte der hebräischen Bibel voraussagen: Jerusalem wird zu einer "Taumelschale, zu einem Stemmstein für alle Nationen" werden, also zu einem weltpolitischen Problem, dessen Lösung immer wieder versucht werden wird, aber letztlich nur mit Gott und gemäß seinem Wort gelingen kann und wird, Sacharja 12:3.

 

Israel’s besondere Plage: Babel

Gott hatte Israel ein eisernes Joch angedroht für den Fall, dass es Gottes Wort verwerfen und Götzendienst ausüben würde:

Und er wird ein eisernes Joch auf deinen Hals legen, bis er dich vernichtet hat. Der HERR wird von ferne, vom Ende der Erde her, eine Nation über dich bringen. Wie der Adler fliegt, so kommt sie, eine Nation, deren Sprache du nicht verstehst, eine Nation mit hartem Gesicht, die für den Alten keine Rücksicht kennt und für den Jungen keine Gnade. 5.Mose 28:47-50

Babel, die Widersacherin Jerusalems, wurde zu diesem Joch:

Denn so spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Ein eisernes Joch habe ich auf den Hals all dieser Nationen gelegt, damit sie Nebukadnezar, dem König von Babel, dienen, und sie werden ihm dienen; und auch die Tiere des Feldes habe ich ihm gegeben. Jeremia 28:14

Babel fing als harmlos erscheinendes Einheitsunternehmen an, aber es wuchs zur weltbeherrschenden Supermacht heran. Am Ende wird Babel selber gerichtet werden, doch schon damals blieb Babel lange an der Macht: 70 Jahre wurden die Juden in seine Hand gegeben, Jeremia 25:11-12. Damals sollten sie sich deshalb auf einen langen Aufenthalt darin einrichten und für das Wohl dieser Stadt beten, Jeremia 29:7.

Babel steigt im Laufe der Weltgeschichte moralisch immer mehr ab, bildlich gesprochen sinkt die Qualität seiner Führung von Gold über Silber und Bronze hinunter bis zu Eisen und Lehm, Daniel 2:32ff. So wird es zur Verkörperung aller Greuel auf der Erde: Brutale Machtausübung, Blutvergießen, Götzendienst, moralische und sexuelle Verdorbenheit. Das ist die Weltmacht, mit der wir es in unseren Tagen zu tun bekommen.

 

Die Endzeit: Kein Grund zur Panik!

Prophezeiungen und Visionen

So manch einer, der das Wort "Endzeit" hört, denkt wahrscheinlich an das Ende der Welt, den Weltuntergang, die totale Vernichtung der ganzen Erde. Furchterregende Gemälde mittelalterlicher Künstler ermutigen auch nicht gerade dazu, sich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. Es ist sehr schade, dass menschliche Phantasien und Spekulationen ausgerechnet das Buch, das den Höhepunkt und Abschluss der Bibel darstellt, derartig in Verruf gebracht haben. Dabei schwebt es durchaus nicht im luftleeren Raum, sondern ruht auf einem soliden Fundament biblischer Lehren und Prophetien, die das ganze Alte und Neue Testament durchziehen. Viele dieser Vorhersagen sind bereits eingetroffen und bürgen dafür, dass wir sie ernst nehmen können.

Prophetien (griechisch prophätéja = Weissagung) werden in der Bibel mit Scheinwerfern verglichen. Sie erlauben uns in den finstersten Zeiten einen Blick nach vorne, der uns vor Hindernissen und Gefahren warnt und uns den sicheren Weg zum Ziel erkennen lässt:

Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht 2.Petrus 1:19

Ohne solche von Gott gegebenen Visionen sind wir tatsächlich nahezu blind und irren orientierungslos umher:

Wo keine Vision (hebräisch: chazon = Vision, Gesicht, Offenbarung) ist, verwahrlost ein Volk ... Sprüche 29:18

Allerdings ist die Vertrautheit mit den grundlegenden Lehren der Bibel eine Voraussetzung, um Prophetien und Visionen empfangen und verstehen zu können, darum fährt diese Bibelstelle fort:

... aber glückselig ist es, wenn es das Gesetz (hebräisch: torah = Weisung, Lehre, Gesetz) beachtet. Sprüche 29:18

Mit anderen Worten: Wenn wir den Propheten in die manchmal schwindelerregenden Höhen göttlicher Offenbarungen folgen wollen, brauchen wir auch genug "Bodenhaftung", um die "himmlischen" Eindrücke, die wir von oben empfangen, im Alltag zu verarbeiten. Diesen notwendigen Halt geben uns die bereits seit langem geoffenbarten Wahrheiten, die Lehren, die "Gesetz" geworden sind. Versuchen wir also, die grundlegenden Lehren der Bibel über die Endzeit zu umreißen.

Was meint die Bibel mit "Endzeit"?

Die Bibel teilt die Erdgeschichte in Zeitalter ein, von denen bereits mehrere vergangen sind und noch mehrere vor uns liegen. Im Hebräischen werden sie ^olam genannt, was von ^alam = verbergen kommt und "Weltzeiten" (ges 571) bezeichnet, die so lang sind, dass ihr Inhalt uns großteils verborgen ist, weil sie entweder so weit zurück oder noch so weit vor uns liegen. Im Griechischen heißen sie ajón, was laut Menge-Güthling (S.25) bedeutet: Zeit, Zeitdauer, insbesondere: Zeitraum, Zeitalter, Menschenalter, Weltperiode.

Untergang und Neuanfang

Das gegenwärtige Zeitalter ist dadurch charakterisiert, dass Satan der "Gott", also Machthaber dieses Zeitalters ist:

Den Ungläubigen hat der Gott dieser Weltzeit (griechisch ajon = Weltzeit) den Sinn verblendet, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen. 2.Korinther 4:4, vergleiche Johannes 12:31

Die "Endzeit" ist die letzte Phase dieses Zeitalters, in der Satans Herrschaft zu Ende geht und Gottes Herrschaft zum Durchbruch kommt. Dabei geht es ganz ähnlich zu wie am Beginn eines normalen Erdentages: Es gibt eine Zeit des Übergangs und der Vermischung, in der Altes und Neues gleichzeitig existiert, bis das Neue die Oberhand bekommt. Das Bild der Morgendämmerung beschreibt dies sehr treffend, denn in diesen Zeiten scheint alles "grau in grau", es ist nicht einfach, dann zwischen weiß und schwarz, gut und böse zu unterscheiden. Doch das Licht wird zunehmen, der neue Tag wird zum Durchbruch kommen.

Die Endzeit ist also nicht das Ende der Erde oder der Welt, sondern das Ende dieses bösen Zeitalters, das Ende aller korrupten Herrscher, das Ende des materialistischen Weltsystems - und das ist doch ein Grund zur Freude! Darum sollen wir nicht apathisch auf das neue Zeitalter warten, sondern seinen Beginn aktiv beschleunigen:

Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müßt ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit, indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden!
Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Deshalb, Geliebte, da ihr dies erwartet, befleißigt euch, unbefleckt und tadellos von ihm im Frieden befunden zu werden! 2.Petrus 3:11-14

So beten wir täglich: "Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden!" und streben danach, schon jetzt gemäß den Maßstäben Gottes und in seiner Gegenwart leben, denn er hat versprochen:

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung (griechisch syntéleja = Vollendung, Ausführung, Ende, Ziel, Menge-Güthling S.664) des Zeitalters (griechisch ajón)! Matthäus 28:20

Die negativen Kennzeichen der Endzeit, Matthäus 24

genaue Wettervorhersagen bei gleichzeitiger Blindheit für die Zeichen der Zeit

Eine allgemeine Zunahme der Religiosität, dabei Verführung durch ein gefälschtes Scheinchristentum: Irrlehren, falsche Propheten, Apostel und Christusse

Ein Abfall vom Glauben an die Bibel, vom Gehorsam gegenüber Gottes Wort

Eine extreme Zunahme der Gesetzlosigkeit

Als Folge davon werden die Menschen gefühllos und lieblos

Kriege und Kriegsgerüchte (ethnische und nationale Bürgerkriege)

Seuchen, Epidemien

Erdbeben an allen möglichen Orten

Teuerung, "Inflation": eine Tagesration Getreide kostet einen Tageslohn

Soziale Ungerechtigkeit: Die Schere zwischen Armen und Reichen geht immer weiter auseinander

Hungersnöte

totale Kontrolle der Weltfinanzen, Offenbarung 13:16ff

Verspottung und Lästerung aller Religionen, 2.Thessalonicher 2:4, Offenbarung 13:5ff.

Christenverfolgungen

Die positiven Kennzeichen der Endzeit

Eine Ausgießung von Gottes Geist auf alle Arten von Menschen, Joel 3:1, Apostelgeschichte 2:17.

Ein Erstarken der Gläubigen in Entschlossenheit, Daniel 11:32

Eine Zunahme der Erkenntnis, Daniel 12:4

Zeichen am Himmel werden geschehen, Lukas 21:11

Das Evangelium vom Reich Gottes wird auf der ganzen Erde gepredigt, Matthäus 24:14

Gott schickt Propheten, Weise und Schriftgelehrte, Matthäus 23:34

Gott bestraft Völker, die sich der Ungerechtigkeit verschreiben, schnell und direkt

Israel wird sich bekehren, Matthäus 24:30

Jesus wird sichtbar und leibhaftig auf die Erde zurückkehren, Matthäus 24:27, und zwar in Jersusalem, auf dem Ölberg, Sacharja 14:4; Apostelgeschichte 1:11ff.

Jesus und seine Apostel werden über Israel regieren, Matthäus 19:28

Jerusalem wird die Hauptstadt der Welt sein, von dort aus wird Jesus sein weltweites Friedensreich aufrichten, in dem es keine Kriege mehr geben wird, Jesaja 2:2-4

 

Die Kämpfe der letzten Tage

Ein gewaltiges Endzeit-Gleichnis von Jesus

Jesus hat in verschiedenen Gleichnissen das Wesen des kommenden Reiches Gottes in Bildern verdeutlicht. In einem von ihnen beschreibt er den Verlauf der Endzeit und geht auf den Kern des ganzen Geschehens ein. Dabei greift er auf das uralte Bild zurück, das Gott schon in seinem Richterspruch im Garten Eden gebraucht hat: Die Ankündigung, dass es zwei Arten von Samen geben wird, die in einem unerbittlichen Kampf stehen werden:

Und Gott, der HERR, sprach zur Schlange: ...
Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dich am Kopf packen, und du, du wirst ihn an der Ferse packen. Genesis 3:14-15

Original und Fälschung

Das Gleichnis, in dem Jesus das Ende dieses Kampfes zwischen den beiden Reichen beschreibt, wird allgemein das "Gleichnis vom Unkraut des Ackers" genannt, man könnte es aber auch das Gleichnis vom Weizen und vom Giftzweizen nennen:

Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Giftweizen mitten unter den Weizen und ging weg. Als aber die Saat aufsprosste und Frucht brachte, da erschien (griechisch phaino = als "Phänomen" sichtbar werden) auch der Giftweizen.
Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Giftweizen? Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Matthäus 13:24-28

Jesus erklärt noch im selben Kapitel, um was es sich bei den beiden Arten von Samen handelt:

Der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, der Acker aber ist die Welt (griechisch kosmos = die Weltordnung der Menschen dieses Zeitalters). Der gute Same aber sind die Söhne des Reiches, der Giftweizen aber sind die Söhne des Bösen. Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel.
Die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind Engel. Matthäus 13:37-39

Aus dem Text geht hervor, dass die beiden Samen sich anfänglich so stark ähneln, dass kein Mensch unterscheiden kann, ob sie nun von Gott oder vom Feind gesät sind. Im Grundtext wird dies noch deutlicher, denn in ihm ist nicht von "Unkraut", sondern von "Giftweizen" (griechisch zizánion, manche übersetzen mit "Lolch") die Rede. Dies ist nicht etwa ein Gewächs wie unsere Disteln oder Brennnesseln, sondern ein dem Weizen anfangs total ähnliches Gewächs, das allerdings giftige Frucht bringt. Darum wird der Unterschied erst offenbar, wenn beide so weit ausreifen, dass ihre Frucht sichtbar wird.

Satan’s Taktik entlarvt

Da dies ausdrücklich ein Endzeitgleichnis ist, müssen wir für die Gegenwart und Zukunft erwarten, dass Satan seinen Kampf gegen die Kinder Gottes in erster Linie nicht durch Atheismus und offenen Unglauben führen wird, sondern durch eine täuschend echt erscheinende Nachahmung des göttlichen Glaubens. Dieser Konflikt ist, das machen die Worte Jesu ganz deutlich, ist nicht eine Randerscheinung der Weltgeschichte, sondern ihr Kern!

Der größte Feind der ganzen Menschheit ist demnach Satan und das von ihm gesäte Scheinchristentum. Dies erklärt die Verwirrung, die Zerrissenheit und die Spaltungen, die bis heute unter den Christen herrschen. Immer wieder streut Satan seine Fälschungen des Christentums in der Welt aus, und nur, wer sich wirklich aufmacht, Gott selber zu suchen, kann mit Gottes Hilfe lernen, den Unterschied zwischen dem Echten und dem Falschen, zwischen Weizen und Giftweizen zu erkennen.

Gutes und Schlechtes reift aus

So wird das Ende dieses Zeitalters davon charakterisiert werden, dass zugleich die Auswirkungen des Reiches Gottes und des Reiches der Finsternis auf der Erde zunehmen werden. Einerseits werden böse Menschen dafür sorgen, dass immer negativere Dinge geschehen, indem sie nur ihren eigenen Vorteil suchen und sich für die Mächte der Finsternis öffnen:

Indem ihr zuerst dies wisst, dass in den letzten Tagen Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Begierden wandeln. 2.Petrus 3:3, vergleiche 2.Timotheus 3:1ff

Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis sein gegen euch und euer Fleisch fressen wie Feuer; ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen. Jakobus 5:3

Andererseits wird Gott mitten in diesem Chaos in denjenigen, die für ihn offen sind, immer intensiver wirken, und zuletzt wird die größte Manifestation seiner Macht überhaupt geschehen, die Auferweckung der Gläubigen aller Zeitalter:

Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist ausgießen werde auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Traumgesichte haben. Apostelgeschichte 2:17

Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Johannes 6:40

Woran erkennt man das Echte?

Nicht das öffentliche Bekenntis zu Gott ist es, das die wahren Kinder Gottes von dem Samen der Schlange unterscheidet, sondern ihre Frucht, ihr Lebenswandel:

Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen! Inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?
So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen.
Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Matthäus 7:16-19

Es ist extrem wichtig, dass wir uns dessen bewusst werden, was für einen Kampf wir kämpfen. Wir müssen lernen, das Echte vom Unechten zu unterscheiden. Das sicherste Erkennungszeichen ist die Frucht, und darum wollen wir uns kurz vor Augen führen, was die Bibel damit meint. Zuerst einmal stellt Jesus gleich nach diesen Worten klar, was in Gottes Augen keine Frucht ist - obwohl wir es vielleicht für untrügliche Kennzeichen wahrer Diener Gottes halten würden:

Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.
Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?
Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter! Matthäus 7:20-23

Ein öffentliches Bekenntnis zum Christentum (Herr, Herr!) allein sagt gar nichts, und selbst das Vollbringen von Zeichen und Wundern ist kein Erkennungsmerkmal von wahren Christen! Gott schaut vielmehr auf das Herz und ob wir ihm wirklich gehorchen, "seinen Willen tun". Das, was wir Charakter nennen, kommt dem wohl am nächsten, was Jesus hier mit Früchten meint:

Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Hurerei (pornéja = käuflicher Sex), Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen.
Von diesen sage ich euch im voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.
Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. 5:19-23

Es fällt auf, dass zu den Werken des Fleisches nicht nur Sünden wie Fressen (Völlerei), Saufen (Alkoholmissbrauch) und Götzendienst gehören, sondern wesentlich auch Charaktereigenschaften wie Streitsucht und Feindschaft.

Die Endzeit wird sehr christlich!

Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere (chalepós) Zeiten sein werden. Denn die Menschen werden ... eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen - und von diesen wende dich weg. 2.Timotheus 3:1,5

Die Menschen werden also gottesfürchtig und christlich erscheinen und großen Wert auf diese Form legen, gleichzeitig aber ein gottfernes Leben führen, das letztlich total von Dämonen kontrolliert wird: Das Wort chalepós, das Paulus hier verwendet, kommt nur noch einmal in der Bibel vor, und da bezeichnet es Menschen, die total unter der Kontrolle von bösen Geistern stehen, denen man nur aus dem Weg gehen kann:

Und als Jesus an das jenseitige Ufer gekommen war, in das Land der Gadarener, begegneten ihm zwei Dämonisierte, die aus den Grüften hervorkamen. Sie waren sehr bösartig (chalepós), so dass niemand auf jenem Weg vorbeigehen konnte. Matthäus 8:28

Und so ist die Liste der Eigenschaften, die Paulus von den Frommen der Endzeit aufzählt, recht grausig:

Die Menschen werden selbstsüchtig sein (egoistisch), geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam (antiautoritär), undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott - die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen - und von diesen wende dich weg. 2.Timotheus 3:2-5

In der Endzeit werden also beide Arten von Samen ausreifen: Der christliche und der schein-, der antichristliche. Am Anfang sehen beide gleich aus, erst wenn die Frucht zu erkennen ist, wird offenbar werden, zu welcher Art von Samen der jeweilige Mensch gehört! Die Bibel macht klar, wie böse der verkehrte Same ist, wenngleich er der Form und den Kraftwirkungen nach dem göttlichen extrem ähnelt:

Auf die Weise aber, wie Jannes und Jambres (= die Zauberer, die die Wunder Moses in Ägypten nachahmten) Mose widerstanden, so widerstehen auch sie der Wahrheit. Menschen, verdorben in der Gesinnung, im Blick auf den Glauben unbewährt. 2.Timotheus 3:8

Jannes und Jambres widerstanden Mose nicht nur durch Worte, sondern indem sie die gleichen Wunder taten wie er, Exodus 7:11,22; 8:3! Während Gott seine Gemeinde auf der Grundlage aufbauen will, die von den Aposteln und Propheten gelegt wird, wobei Christus der Eckstein ist, Epheser 2:20, sendet Satan falsche Apostel, falsche Propheten und sogar falsche Christusse, um die Gemeinde zu zerstören:

Und viele falsche Propheten (pseudo-prophätäs) werden aufstehen und werden viele verführen. Matthäus 24:11

Denn es werden falsche Christusse (pseudó-christos) und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Matthäus 24:24

So wie die Schlange Eva als Engel des Lichts erschien, nimmt auch ihr "Same" die Gestalt von Aposteln Jesu Christi an:

Denn solche sind falsche Apostel (pseud-apóstolos), betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an. Es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen. 2. Korinther 11:13-15

Alle Christen, die wirklich Jesus nachfolgen wollen, werden Verfolgungen ertragen müssen. Noch gefährlicher sind Paulus zufolge jedoch die Verführungen, die kommen werden.

Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden! Böse Menschen und Betrüger aber werden zu Schlimmerem fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden.

Man kann grundsätzlich sagen, dass jeder Verführer zugleich auch selber verführt ist. Wahrscheinlich sind sogar die meisten falschen Apostel und Propheten davon überzeugt, Gott zu dienen! Darum warnt Jesus sogar seine eigenen Apostel, als sie ihn nach der Endzeit fragen, als allererstes vor der Gefahr, verführt zu werden:

Seht zu, dass euch (die zwölf Apostel!) niemand verführe! Denn viele werden unter meinem Namen kommen ... und werden viele verführen. Matthäus 24:4-5

Der Kompass

Ein ganz wichtiges Hilfsmittel, um diesen Verführungen zu entgehen, ist die Bibel, Gottes geschriebenes Wort für uns Menschen. Darum ermahnt und ermutigt Paulus seinen Schüler Timotheus gleich im Anschluss an seine Warnungen eindringlich:

Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig zugerüstet. 2.Timotheus 10-17

 

Der Verlauf der Endzeit

Die Gliederung des Buches der Apokalypse

1.) Sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden (Kapitel 1-3)

2.) Sieben Siegel werden geöffnet (Kapitel 4-7)

3.) Sieben Posaunen: Das Reich Gottes kommt im Himmel (Kapitel 8-14)

4.) Sieben Zornschalen: Die Erde wird gerichtet (Kapitel 15-19)

5.) Satan gebunden, das Reich Gottes kommt auf die Erde: Neue Himmel und neue Erde (Kapitel 20-22)

Die sieben Sendschreiben sind Briefe an Christen, die auf den Geist Gottes hören wollen. Gott spricht zuerst zu ihnen, denn das Gericht fängt am Hause Gottes an, bei den Gläubigen:

Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange beim Haus Gottes. Wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen? Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo wird der Gottlose und Sünder erscheinen? 1.Petrus 4:17-18

Die sieben Siegel sind eine Botschaft an die Menschen der Welt, damit auch sie sich für Gottes Reden öffnen und verstehen, was für sie bis dahin noch versiegelt, unverständlich, geheim war.

Die sieben Posaunen sind das laute, unüberhörbare Reden Gottes, sein warnender Zuruf vor den schlimmsten Gerichten.

Die sieben Zornschalen sind Gottes Botschaft für die Verstockten, die sich hartnäckig weigern: "Wer nicht hören will, muss fühlen!"

Die sieben Siegel

1. Ein weißes Pferd mit einem Reiter, der einen Bogen hat, dem ein Siegeskranz gegeben wird und er auszieht "siegend und um zu siegen": Eine offensive Supermacht mit überlegenen Waffen großer Reichweite.

2. Ein rotes Pferd mit einem Reiter, der den Frieden von der Erde nimmt: Blutige Kriege, Gemetzel mit vielen Toten ("einander zu schlachten")

3. Ein schwarzes Pferd: Teuerung (Inflation, Rezession: Waage, eine Tagesration Getreide kostet einen Tageslohn)

4. Ein fahles Pferd: Massensterben. Ein Viertel der Menschen stirbt durch Kriege, Unterernährung, Seuchen und Wildtiere.

5. Viele Christen werden ermordet.

6. Ein gewaltiges, weltweites Erdbeben, sowie spektakuläre Zeichen und Veränderungen im Sonnensystem: Sonne verdunkelt, Mond blutrot, Meteoritenhagel. Versiegelung der Gläubigen.

7. Die sieben Posaunen beginnen.

Die sieben Posaunen

1. Ein feuriger Meteoritenhagel (mit Blut vermischt?) verursacht gigantische Brände, ein Drittel der Vegetation verbrennt

2. Ein feuerflammender Berg fällt ins Meer (Atombombe? Meteorit?), ein Drittel der Meereslebewesen stirbt, ein Drittel der Schiffe wird zerstört

3. Ein Stern, brennend wie eine Fackel, genannt "Wermut" fällt auf die Binnengewässer und macht sie ungenießbar.

4. Verfinsterung der Sonnenstrahlung um ein Drittel.

5. Erstes Wehe: Ein gefallener Engel öffnet den Abgrund, Rauch, heuschreckenartige und skorpionartige Plagegeister kommen hervor (Ägypten!) und quälen ausschließlich die Menschen.

6. Zweites Wehe: Vier gebundene, gefallene Engel werden losgelassen und entfachen einen gewaltigen Krieg im Nahen Osten: Eine Armee von 200 Millionen Soldaten mit Panzern führt zum Tod von einem Drittel der Menschen. Es treten die zwei Zeugen auf, lassen Feuer vom Himmel fallen und schlagen die Erde mit Plagen.

7. Drittes Wehe: Satan wird vom Himmel hinaus und auf die Erde hinabgeworfen und hat große Wut. Die Folge: Der Antichrist und sein Reich steigen auf!

Darum seid fröhlich, ihr Himmel, und die ihr in ihnen wohnt! Wehe der Erde und dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen und hat große Wut, da er weiß, dass er nur eine kurze Zeit hat. Offenbarung 12:12

Eine letzte Warnung vor dem Antichristen

Und ich sah einen anderen Engel hoch oben am Himmel fliegen, der das ewige Evangelium hatte, um es denen zu verkündigen, die auf der Erde ansässig sind, und jeder Nation und jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk. Und er sprach mit lauter Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre! Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen. Und betet den an, der den Himmel und die Erde und Meer und Wasserquellen gemacht hat! ...
Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet und ein Malzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine Hand, so wird auch er trinken vom Wein des Grimmes Gottes, der unvermischt im Kelch seines Zornes bereitet ist; und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Zeitalter zu Zeitalter, und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbeten, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens annimmt. Offenbarung 14:6-11

 

Das Ende aller Plagen

Der Auszug aus Ägypten

In den letzten Tagen dieser Weltzeit werden die Plagen Ägyptens ihre Erfüllung finden: Die Welt und ihre Herrscher werden unter Druck gesetzt, damit sie das Volk Gottes aus ihr ausziehen lassen. Schon damals ging es Gott von Anfang an darum, dass Israel als Erstgeborener ihm dienen sollte:

Und du sollst zum Pharao sagen: So spricht der HERR: Mein erstgeborener Sohn ist Israel, und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient! Wenn du dich aber weigerst, ihn ziehen zu lassen, siehe, dann werde ich deinen erstgeborenen Sohn umbringen. Exodus 4:22-23, siehe dann 11:5; 12:29; Numeri 8:17-18;

So ist es auch in den letzten Tagen dieses Zeitalters Gottes Ziel, einen Sohn, ein reifes Volk von Nachfolgern zu bekommen, die mit ihm die Herrschaft auf dieser Erde ausüben sollen:

Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Offenbarung 12:5

Schon damals ging es um die Mächte, die hinter und über den Ägyptern standen:

Die Ägypter begruben die, die der HERR unter ihnen geschlagen hatte, alle Erstgeborenen. Und der HERR hatte an ihren Göttern Gericht geübt. Numeri 33:4

Und so wird in der Endzeit der Kampf am Schluss direkt gegen den Drachen selber gehen, Offenbarung 19:20ff. Es gibt auffallende Parallelen bei den Plagen, so werden die Gewässer laut Offenbarung 16:3-4 zu Blut, und Heuschrecken plagen die Menschen, Offenbarung 9:3ff. Und noch eines: Diese Plagen werden nicht aufhören, bis nicht die Welt vor Gott kapituliert hat. Ähnlich, wie Pharao seine Niederlage nicht anerkennen wollte und gegen Gott selber kämpfte, indem er seine Armee Israel noch durch das Meer nachsenden wollte, das durch ein Wunder geteilt worden war, so wird auch der Antichrist noch eine Armee sammeln, die gegen den auferstandenden Christus kämpfen soll:

Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer Krieg zu führen. Offenbarung 19:19

Die Eroberung Kanaans ...

... wurde den Israeliten nicht billig geschenkt: Unter Einsatz ihres Lebens sollten sie kämpfen, bis auch der letzte Feind besiegt war. Sie sollten keinen Bund mit den fremden Völkern eingehen, weil ihnen dies zum Verhängnis werden würde. Am Ende dieses Zeitalters werden die Armeen Gottes auch unter Einsatz ihres Lebens kämpfen müssen, um das Reich Gottes aufzurichten, und viele werden es verlieren - um es zum ewigen Leben zu gewinnen! Diesmal geht es nicht um ein irdisches Land, sondern um den Himmel, und die Feinde sind nicht Menschen, sondern die Mächte der Finsternis. Mit ihnen wird es keinen Bund geben, sondern Kampf bis zur völligen Vertreibung:

Und sie haben ihn überwunden wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod! Offenbarung 12:10

Sodom und Gomorrha

Thema: Moralische und sexuelle Verkommenheit wird vom Himmel aus gerichtet durch Feuer. Sehr wenige Gerechte werden verschont, auf Fürbitte hin. Auch dieses Gericht findet am Ende dieses Zeitalters seine Erfüllung: Babel, die große Hure, wird innerhalb einer Stunde durch Feuer vernichtet und wird nie mehr aufgebaut oder bewohnt werden, Offenbarung 18:8-10. Darum warnt Gott sein Volk, diese Stadt rechtzeitig zu verlassen, Offenbarung 18:4.

Die Sintflut

Und die Endzeit wird auch eine Erfüllung des Gerichtes durch die Flut erleben: Genetische Verdorbenheit, Menschenvergötterung und überbordende Gewalttätigkeit werden durch Massenvernichtung gerichtet. Vergleichweise wenige werden gerettet. Die Menschheit wird total beschäftigt sein mit Konsum, Essen, Bauen und Heiraten, und wird völlig überrascht werden vom plötzlichen Eintreten der Gerichte Gottes, Lukas 17:26. Und danach wird es einen kompletten Neuanfang geben auf dieser Erde, so wie damals nach der Flut, Genesis 8:21ff. Alle Ungerechtigkeit wird hinweggefegt werden, und die Gerechten werden endlich das Land erben, Matthäus 5:5:

Sei still dem HERRN und harre auf ihn! Entrüste dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der böse Pläne ausführt! Lass ab vom Zorn und lass den Grimm! Entrüste dich nicht! Es führt nur zum Bösen. Denn die Übeltäter werden ausgerottet; aber die auf den HERRN hoffen, die werden das Land besitzen. Noch kurze Zeit, und der Gottlose ist nicht mehr; und siehst du dich um nach seiner Stätte, so ist er nicht da. Aber die Sanftmütigen werden das Land besitzen und werden ihre Lust haben an Fülle von Heil.
Der Gottlose sinnt gegen den Gerechten, und mit seinen Zähnen knirscht er gegen ihn. Der Herr lacht über ihn, denn er sieht, dass sein Tag kommt.
Die Gottlosen haben das Schwert gezogen und ihren Bogen gespannt, um zu fällen den Elenden und Armen, hinzuschlachten die, die aufrichtig wandeln. Ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen, und ihre Bogen werden zerbrochen. Psalm 37:7-15

Gottes Sicht der "Plagen"

Uns Menschen erscheinen die Erziehungsmaßnahmen Gottes manchmal wie willkürliche Strafmaßnahmen. Doch nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als das: Gott hält seinen Zorn so lange zurück, bis es nicht mehr anders geht. Und wenn er mit der Energie dieses Zorns den Widerstand der hartnäckigen Frevler bricht, dann mit dem Ziel, sie dadurch vor dem endgültigen Untergang zu bewahren. Das schlimmste Gericht auf Erden, die Menschen in die Macht Satans zu übergeben, der die Menschen quält und zerstört, hat immer noch zum Ziel, das ewige Leben dieser Menschen zu retten:

... einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn. 1.Korinther 5:5

So gibt Gott am Ende dieses Zeitalters die Menschheit der Macht Satans preis wie nie zuvor in der Geschichte der Erde. Doch was die Menschheit als sinnlose Schicksalsschläge deutet, sind in Wirklichkeit die Geburtswehen, die das Leben des Neuen Zeitalters hervorbringen:

Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. Matthäus 24:8

Geburtswehen für eine neue Welt

Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen und soll gebären. Offenbarung 12:1-2

Wehen tun weh, und so wird die Erde durch Drangsale gehen, die es vorher noch nie gegeben hat - die es aber auch nie mehr geben wird. Denn Gott lässt all diese Leiden nur aus einem Grund zu: Weil er mit absoluter Sicherheit dafür sorgen will, dass sie nie mehr geschehen werden! Wenn die Zeit der Leiden überstanden ist, beginnt ein neues Zeitalter, dessen Frieden und Freude Menschen sich aus sich selbst heraus gar nicht vorstellen können:

Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, jedoch nicht Weisheit dieses Zeitalters, auch nicht der Fürsten dieses Zeitalters, die zunichte werden, sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vorherbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit.
Keiner von den Fürsten dieses Zeitalters hat sie erkannt - denn wenn sie sie erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben - sondern wie geschrieben steht: «Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.» 1.Korinther 2:6-9

Wir können nur ahnen, wie schön die neue Welt werden wird, weil Gott uns ab und zu einen Vorgeschmack auf den Himmel gibt. Wir riechen sozusagen nur den Duft aus der Küche, die eigentliche Mahlzeit wird noch vorbereitet und wartet noch auf uns:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.
Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen. Offenbarung 21:1-4

Jetzt, bevor die Wehen durchgestanden sind, haben wir verständlicherweise Angst vor den Ereignissen, die vor uns liegen. Doch hinterher werden wir nichts bereuen, was wir um Gottes Willen gelitten haben, weil das neue Leben so herrlich ist:

Die Frau hat Traurigkeit, wenn sie gebiert, weil ihre Stunde gekommen ist. Wenn sie aber das Kind geboren hat, gedenkt sie nicht mehr der Bedrängnis um der Freude willen, dass ein Mensch in die Welt geboren ist. Johannes 16:21

Denn ich halte dafür, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Römer 8:15,18

Darum brauchen wir uns nicht zu fürchten, sondern können mit Zuversicht in unsere Zukunft schauen:

Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht! Lukas 11:28

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Wie können wir die Bibel beim Wort nehmen?

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Die Wahrheit über Karl Marx: Nicht schön, aber befreiend!
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Armin Held

Jahrgang 1961

Hebraicum und Graecum an der Universität München

 

Kontakt:

Oberreit 1

D - 83620 Feldkirchen-Westerham

Telefon: 08063-972 301

arminheld-ät-gmx-punkt-net

Die Güte und die Strenge Gottes, Römer 11:22

Katastrophen wie die Sintflut, Sodom und Gomorrha oder die Plagen Ägyptens sind Ereignisse, die vielen Bibellesern Probleme bereiten: Ist der Gott des Alten Testamentes ungerecht? Ist er womöglich ein jähzorniger Tyrann? Nein, Gott ist, ganz im Gegenteil, "langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit", Exodus 34:6. "Gott ist Liebe", 1.Johannes 4:8, und alles, was er tut, ist gut - immer! Nur können wir kein Ereignis der Vergangenheit wirklich verstehen, wenn wir seine Vorgeschichte nicht berücksichtigen, und wenn wir das Ziel nicht kennen, auf das alles hinausläuft:

Wer nur in der Gegenwart lebt, müsste schreiend aus der Praxis seines Zahnarztes flüchten und ihn dann noch wegen Körperverletzung verklagen. Doch das wäre nicht nur ungerecht, es wäre auch tragisch, weil es für die Menschheit keine Heilung gibt ohne Vertrauen zu dem, der uns helfen will!

Die Bibel gibt uns hier eine besondere Chance: Sie berichtet uns, was den Katastrophen der Vergangenheit vorausging, und sie enthüllt auch, auf welches Ziel die Geschichte der Menschheit zusteuert.

Und da gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Die schlechte ist, dass die Katastrophen des Alten Testamentes nur Vorläufer dessen waren, was noch auf uns zukommt - weltweit! Die gute Nachricht ist, dass auch alles Gute und Schöne, was wir bisher erlebt haben, nur ein Vorgeschmack ist auf das, was Gott tun wird. Gott ist besser als unsere besten Gedanken von ihm, und die Zukunft der Erde wird schöner, als wir es uns jetzt vorstellen können!